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Full text of "Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur"

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TEXTE  UND  üNTEESUCHUNaEN 


ZUR  GESCHICHTE  DER 


ÄLTCHRISTLICHEN  LITERATUR 


HERAUSGEGEBEN 


1? 


VON 


OSCAR  VON  GEBHARDT  und  ADOLF  HARNACK. 


ERSTER  BAND. 


LEIPZIG 

J.  0.  HINRICHS'SCHE  BUCHHANDLUNG 

1883. 


Inhaltsverzeichniss. 


Heft  1  u.  2:  Die  Überlieferung  der  griechischen  Apologeten  des 
2.  Jahrhunderts  in  der  alten  Kirche  und  im  Mittelalter,  von 
Adolf  Harnack S.  1—300 

Heft  3:  Die  Altercatio  Simonis  ludaei  et  Theophili  Christiani  nebst 
Untersuchungen  über  die  antijüdische  Polemik  in  der  alten  Kirche, 

von  demselben S.  1 — 136 

Die  Acta  Archelai  und -das  Diatessaron  Tatians,  von  dem- 
selben        S.  137—153 

Zur  handschriftlichen  Überlieferung  der  griechischen  Apolo- 
geten. 1.  Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451,  von  Oscar  von 
Gebhardt     . S.  154—196 

Heft  4 :  Die  Evangelien  des  Matthäus  und  des  Marcus  aus  dem  Codex 

Purpureus  Eossanensis,  herausg.  von  demselben   S.  I — LIV.  S.  1 — 96 

Der  angebliche  Evangeliencommentar  des  Theophilus  von  An- 
tiochien,  von  Adolf  Harnack S.  97 — 17.> 


Digitized  by  the  Internet  Archive 

in  2011  with  funding  from 

University  of  Toronto 


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http://www.archive.org/details/texteunduntersuc01akad 


DIE  ÜBERLIEFERUNG 


DER 


GRIECHISCHEN  APOLOGETEN 


DES  ZWEITEN  JAHRHUNDERTS 


IN   DER 


ALTEN  KIRCHE  UND  IM  MITTELALTER 


VON 


ADOLF  HARNACK 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'SCHE  BÜCHHANDLU!.  31 

1882. 


SEP    3.0   1957 


Orack  von  Uundcrtstuud  &  Fries  ia  Lelpcig. 


DER  HOCHWURDIGEN 


THEOLOGISCHEN  FACÜLTÄT  IN  MAßBURG 


WIDMET 


DIESE  STUDIE  ÜBEß  DIE  ÄLTESTEN  APOLOGETEN 


ALS   ZEICHEN    HERZLICHEN   DANKES 


FÜR  DIE  IHM  VERLIEHENE  DOCTORWÜRDE 


DER  VERFASSER. 


Vorwort. 


Auf  den  folgenden  Blättern  ist  der  Versuch  gemaclit,  die 
Fragen,  deren  Erledigung  dem  Studium  der  ältesten  christ- 
lichen Apologien  vorangehen  muss,  zu  beantworten.  Es  ist  die 
Ueberlieferungsgeschichte ,  welche  hier  aufgedeckt  und  darge- 
legt werden  soll.  Wir  besitzen  seit  dem  t7«  Jahrhundert  nicht . 
wenige  selbständige  Untersuchungen,  die  hier  einschlagen;  aber 
jeder  Kundige  weiss,  dass  die  Forschung  auf  diesem  Gebiete 
noch  nicht  so  weit  vorgeschritten  ist,  dass  es  zur  Zeit  möglich 
wäre,  auf  Grund  der  bereits  geleisteten  Vorarbeiten  ein  Capitel 
„Griechische  Apologeten"  für  eine  altchristliche  Literaturge- 
schichte zu  schreiben.  Der  Zweck  der  hier  veröffentlichten 
Untersuchungen  wäre  erreicht,  wenn  durch  dieselben  die  Er- 
füllung der  dringenden  Wünsche  nach  einer  solchen  Literatur- 
geschichte um  einen  Schritt  näher  gerückt  wäre. 

Für  das  erste  Capitel,  die  handschriftliche  Ueberlieferungs- 
geschichte, ist  bisher  so  gut  wie  nichts  geschehen.  Aber  das 
Material  ist  mit  dem  grössten  Fieisse  von  Professor  von  Otto 
in  dem.  Corpus  Apologetarum  (T.  I — IX;  T.  I — V  in  3.  Auflage) 
zusammengetragen  worden.  Da  ich  leider  selbst  nicht  in  der 
Lage  gewesen  bin,  die  wichtigeren  Handschriften  aufs  neue  zu 
vergleichen,  so  fussen  die  textkritischen  Studien,  die  hier  ver- 
öffentlicht sind-,  zum  grössten  Theile  auf  der  Ausgabe  von  v. 
Otto.  Damit  ist  zugleich  das  Mass  der  Dankbarkeit  bezeich- 
net, welches,  ich  für  das  erste  Capitel  meiner  Arbeit  diesem 
verdienten  Gelehrten  schulde.  Er  selbst  ist  zwar  bei  der  Textes- 
construction  in  den  meisten  Fällen  den  richtigen  Weg  gegangen, 
aber  er  hat  sich  nicht  dazu  entschlossen,  durch  eine  kritische 
Vergleichung   der   Codices  die  allein  in  Betracht  kommenden 


yj  Vorwort. 

Zeugen  zu  gewinnen,  mit  dem  Wust  der  wertlilosen  Hand- 
schriften  des  15.  und  16.  Jahrhunderts  aufzuräumen  und  eine 
Geschichte  der  handschriftlichen  üeberlieferung,  welche  doch 
so  Vieles  erhellt,  vorzulegen.  Dass  dieser  Verzicht  doch  nicht 
ganz  ohne  Nachtheile  für  die  Recension  der  Texte  ge])lieben 
ist,  ist  nun  offenbar  geworden.  In  der  Untersuchung  bin  ich 
von  den  Tatianhandschriften  ausgegangen  und  habe  diese,  vor 
allen  im  Auge  behalten.  Ursprünglich  leitete  mich  dabei  ein 
besonderes  Interesse  an  der  Apologie  des  Tatian;  aber  bald  sah 
ich  ein,  wie  zweckmässig  es  sei,  bei  dem  Studium  der  Apologeten- 
Handschriften  mit  der  Üeberlieferung  des  Tatian  zu  beginnen. 
Die  handschriftlichen  Forschungen  führten  schHesshch  auf  den 
Erzbischof  Are thas  von  Cäsarea  in  Kappadocien  und  auf  seine 
Studien.  Es  gereicht  mir  zur  besonderen  Freude,  das  Andenken 
dieses  fast  vergessenen  Gelehrten,  dem  wir  heute  noch  zu 
«0  grossem  Danke  verpflichtet  sind,  erneuern  zu  können,  und 
ich  bedauere  nur,  dass  es  mir  nicht  möglich  gewesen  ist,  meine 
Studien  über  ihn  weiter  auszudehnen,  als  hier  geschehen  ist. 
Aber  die  kärglich  ausgestattete  Giessener  Universitätsbibliothek 
gestattet  keine  gelehrten  Extravaganzen  und  lässt  in  den  mei- 
•  sten  Fällen  selbst  den  im  Stich,  der  schon  gebahnte  Wege 
wandeln  wiU. 

Für  das  zweite  Capitel  lagen  gründliche  Untersuchungen 
vor:  aus  älterer  Zeit  von  Halloix,  den  Bollandisten,  Fronto 
Ducaeus,  Vaiesius,  Dodwell,  Le  Nourry,  Cave,  Grabe 
Oudin,  Ittig,  Tillemont,  Tentzel,  Fabricius,  Maranus 
u.  A.,  aus  neuerer  von  Kouth,  Semisch,  Piper,  Pitra,  Do- 
naldson,  von  Otto  und  A.  Dennoch  werden  die  erneute7\  Be- 
mühungen nicht  überflüssig  sein;  denn  die  Gelelirten  des  17. 
und  anfangenden  18.  Jahrhunderts,  denen  wir  die  Grundlagen 
unseres  kirchenhistorischen  Wissens  verdanken,  haben  kaum 
ein  Datum  so  festgestellt,  dass  es  die  kritische  Prüfung  ver- 
trägt; in  unserem  Jahrhundf^rt  aber  hat  nur  Donald son  eine 
zusammenfassende  Darstellung  gegeben,  in  welcher  jedoch  ge- 
rade die  Benutzungsgeschichte  summarisch  abgehurldeitist.  Das 
einschlagende  reiche  Material  habe  ich  rmr  an  einigen  Stelleu 
vermehvon  können;  aber  zu  berichtigen  gab  es  genug.  Die  Er- 
gebnisse der  Kritik  der  Handschriften  leisteten  auch  für  die 
Geschichte  der  Kenntniss  und  Beurthoilung  di>r  Apologien  werth- 


Vorwort.  yu 

volle  Dienste.  Speciell  in  Bezug  auf  Justin  sind  erst  liier  die 
verhängniss vollen  Folgen  des  eusebianisclien  Berichtes  und  der 
irreführenden  handschriftlichen  üeberlieferung  aufgedeckt  und 
zum  Theil  aufgehoben.  Dass  das  ßäthsel,  welches  über  den 
Schriften  des  Athen agoras  schwebt,  hier  gelost  sei,  wageich 
nicht  zu  behaupten;  aber  vielleicht  wird  man  zugestehen,  dass 
dasselbe  bei  der  Lückenhaftigkeit  des  Materiales  zur  Zeit  nicht 
anders  angefasst  und  behandelt  werden  konnte.  Die  üeber- 
lieferung über  Quadratus,  Aristides,  Aristo,  Apolinarius, 
Melito  und  Miltiades  anlangend;  so  vermag  ich  in  der 
letzten  grösseren  Arbeit  (Corpus  Apolegg.  T.  IX)  einen  Fort- 
schritt über  Routh  nicht  zu  erkennen.  In  den  §§  über  Ta- 
tian  und  Theophilus  sind  das  Diatessaron  und  der  Evan- 
geliencommentar  fast  ganz  bei  Seite  gelassen  worden.  Die 
neueste,  grundlegende  Untersuchung  von  Zahn  (Forschungen 
z.  Geschichte  d.  neutestamentl.  Kanons  L  Theil  1881)  über 
jenes  forderte  zwar  den  Widerspruch  in  ganz  besonderem 
Masse  heraus,  aber  hätte  eben  desshalb  eine  Nachprüfung  auf 
vielen  Bogen  verlangt.  Ich  habe  mich  daher  begnügt,  die 
wichtigsten  Thatsachen  zusammenzustellen,  welche  gegen  die 
Zahn 'sehe  Chronologie  des  Lebens  des  Tatian  und  gegen  seine 
Auffassung  des  Diatessaron  sprechen.  Da  Zahn  ferner  eine 
Abhandlung  über  den  dem  Theophilus  beigelegten  Evangelien- 
commentar  bereits  angekündigt  hat  (a.  a.  0.  S.  8),  so  wollte 
ich  nicht  vorgreifen. 

Bei  der  Darstellung  der  Geschichte  der  Benutzung  der  alten 
Apologien  in  der  Kirche  konnte  ich  es  nicht  vermeiden,  soweit 
auf  diese  selbst  einzugehen,  als  ihre  Echtheit  controvers,  ihr 
Ursprung  unsicher  ist.  Indessen  habe  ich  mich  streng  an  die 
Regel  gebunden,  diese  Fragen  hier  nicht  weiter  zu  verfolgen, 
als  ihre  Beantwortung  für  die  Geschichte  der  Tradition  von 
Bedeutung  ist.  Wo  ein  Problem  durch  die  bisherigen  Unter- 
suchungen bereits  gelöst  schien,  ist  es  nicht  von  Neuem  aufge- 
nommen, sondern  nur  die  Art  der  Lösung  kurz  angedeutet 
worden.  Alle  Hypothesen  aus  älterer  und  neuerer  Zeit  —  es 
sind  ihrer  sehr  viele — ,  die  nicht  wirklich  noch  beachtenswerth 
sind,  habe  ich  einfach  bei  Seite  gelassen,  auch  solche,  die  einst 
der  Forschung  zum  Fortschritt  verholfen  haben.  Wir  schleppen 
uns  in  der  Literaturgeschichte  des  1.  und  2.  Jahrhunderts  aus 


Ylll  Vorwort. 

verschiedenen,  zum  Theil  nicht  sehr  achtbaren  Gründen  mit 
einem  solchen  Ballast,  dass  eine  Erleichterung  dringend  Noth 
thut.  Ich  habe  desshalb  auch  darauf  verzichtet  —  und  dies 
wurde  mir  schwerer  — ,  bei  jedem  einzelnen  Fragmente,  bei 
jeder  einmal  entdeckten  Beziehung,  wenn  sie  bereits  Gemeingut 
geworden  sind,  anzugeben,  wem  wir  dieselben  verdanken.  Es 
muss  genügen  zu  bemerken,  dass  Halloix,  Grabe  und  Routh 
in  dieser  Hinsicht  vielleicht  den  grössten  Anspruch  auf  unsere 
Dankbarkeit  erheben  dürfen. 

Schliesslich  noch  ein'  Wort  über  die  Anlage  des  zweiten 
Capitels.  Es  hätte  gewiss  manche  Yortheile  gehabt,  wenn  die 
Geschichte  der  Tradition  nicht  für  jeden  Apologeten  besonders, 
sondern  für  alle  zusammen  nach  den  Epochen  der  Kirchenge- 
schichte zur  Darstellung  gebracht  worden  wäre.  Warum  dies 
nicht  geschehen  ist,  obgleich  es  in  dem  ursprünglichen  Plane 
lag,  darüber  beiehrt  in  Kürze  der  7.  Paragraph,  auf  welchen 
ich  mir  hier  zu  verweisen  erlaube.  Dazu  aber  habe  ich  mich 
nicht  entschliessen  können,  in  einem  angehängten  dritten  Capitel 
die  Ergebnisse  nach  einem  einheitlichen  Schema  noch  einmal 
aufzuführen.  Grosse  Wiederholungen  waren  unvermeidlich  ge- 
wesen: umgekehrt  darf  ich  hoffen,  dass  der  aufmerksame  Leser 
die  parallelen  Züge  in  der  Geschichte  der  Tradition  der  einzel- 
nen Schriften  —  es  sind  ihrer  nicht  so  viele,  als  man  vielleicht 
erwartet  hat  —  mit  wenig  Mühe  sich  selbst  abstrahiren  wird. 

Giessen,  im  November  1881. 

Adolf  Harnack. 


Erstes  Capitel. 

Die  handschriftliche  Ueberiieferung  der  Apologien 

im  Mittelalter. 

§  1.    Die  Tatian-Handschriften. 

1)  Der  älteste  bisher  vergiiehene  Codex,  welcher  die  Oratio 
ad  Graecos  enthält,  ist  der  Cod.  Parisin.  174  (olim  Fonte- 
blandensis),  welcher  spätestens  in  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrhunderts  der  königlichen  Bibliothek  einverleibt  worden 
ist*).  Montfaucon  hat  ihn  dem  10.  Jahrhundert  zugewiesen, 
Worth  dem  11  ;  von  Otto  hat  zwischen  beiden  Daten  ge- 
schwankt, jüngst  aber  mitgetheilt '^),  dass  nach  C.  B.  Hase  auch 
das  12.  Jahrhundert  fiir  den  Ursprung  desselben  tH^Betracht  zu 
ziehen  sei.  Nach  eingezogenen  Erkundigungen  halten  die  Ken- 
ner heute  an  der  Datirung  „saec.  XI.  vel  XH."  fest. 

Der  Codex  (membran.,  formae  quadratae,  fol.  190)  ist  von 
verschiedenen  Schreibern  geschrieben,  die  aber  sammtlich  einer 
Zeit  angehören.    Er  enthält  14  Stücke,  nämlich: 

1)  Olympiodori  Commentarius  in  Ecclesiasten.  * 

2)  Scholia  in  Salomonis  Proverbia  (ex  Basilii,  Didymi,  Evagrii, 
Hippolyti,  Palladii  scriptis  excerpta.  Laudatur  quoque 
Aristoteles). 

3)  Athanasii  locus  de  Psalmis. 

4)  Decem  veteris  legis  mandata. 

5)  Maximi  Confessoris  Quaestiones,  interrogationes  et  respon- 


1)  S.  über  ihn  v.  Otto,  Corp.  Apolog.  Vol.  IIP  p.  X  sq.  IV^  p.  22.  VI 
p.  XIII  sq.  VII  p.  XIV  sq.    Ein  Facsimile  1.  c.  Vol.  VI. 

2)  L.  c.  Vol.  IV  p.  22. 

Texte  tind  Uutereuchangen.  1 


2  Die  Tatianliaudschriften. 

siones    breviores.      Item    divers orum    capitum    difficilium 
seiecta  explicatio. 

6)  Scholia  in  Ezeehielem  (ex  Apolinarii,  Gregorii  Nyss.,  Orige- 
nis,  Polychronii  ^),  Theodoreti  scriptis  excerpta). 

7)  Scholia  in  Danielem  (Saepenumero  laudantur  Africanus  ^), 
Ammonius,  Chrysostomus,  Cyrillus^  Hippolytus  ^),  Poiychro- 
nius  ^). 

8)  Excerpta  ex  Theodoreti  Dialogis  tribns  igavtOTTjV  inter  et 
orthodoxum. 

9)  Justini  Epistula  ad  Zenam  et  Serenum  (fol.  85^—92»). 

10)  Justini  Cohortatio  ad  Gentiles  (fol.  92^—112»). 

11)  Tatiani  Oratio  ad  Graecos  (fol  112a— I32a). 

12)  Athenagorae  Supplicatio  (fol.  132a — 153^). 

13)  Ejusdem  über  de  resurrectione  mortuorum  (fol.  153^ — 171^). 

14)  Eusebii  Pamphili  liber  adversus  Hieroclem. 

Der  Codex  zerfallt  also  ganz  deutlich  in  zweiTheile:  St.  1—7, 
St.  9 — 14.  Der  erste  enthält  exegetische  Arbeiten  zu  den  poeti- 
schen und  prophetischen  Büchern  des  A.  T.,  der  zweite  ist  ein 
kleines  Corpus  Apologetarum").  Schon  hier  lässt  sich  mithin 
feststellen,  dass  in  der  späteren  byzantinischen  Zeit  Samm- 
lungen der  ältesten  christlichen  Apologien  existirt  haben. 

Correcturen  aliä  manu  hat  der  Codex  wenige,  im  Tatian 
sind  von  Otto  nur  drei  verzeichnet.  Dagegen  stehen  am  Rande 
der  Ep.  ad  Zenara,  der  Cohortatio,  der  Schriften  Tatian's  und 
Athenagoras'  Schollen,  die  namentlich  bei  der  Oratio  Tatian's 
und  der  Schrift  de  resurrect.  zahlreich  sind.  Dort  finden  sich 
50  ^,  von  denen  35  prima  manu  stammen,  während  15  von  einer 
jüngeren  Hand,  nach  von  Otto  von  einem  Italiener,  saec.  XVI. 
init.,  herrühren  und  zum  Theil  lateinisch  sind.  Der  Codex  hat 
sich  also  wahrscheinlich  um  den  Anfang  des  16.  Jahrhunderts 

3)  S.  Bardenhewer,  Polychronius  (1879)  S.  27. 

4)  S.  Geizer  in  deu  Jali^b.  f.  protest.  Theol.  ISSI  S.  376  f. 

5)  S.  Bar  denke  wer,  des  h.  Hippolytus  von  Rom  Commentar  z.  Biicli 
Daniel  (1877)  S.  0  f. 

0)  S.  Bar  denke  wer,  Polychronius  S.  26. 

7)  Wohin  das  8.  Stück  gehört,  lässt  sich  nicht  ausmachen,    da  der 
Inhalt  der  Excerpte  bisher  nicht  testgevstellt  ist. 

8)  Nach  der  Ausgabe  vonOtto's,  der  sie  auf  Grand  einer  CoUation 
Hase 's  zum  ersten  Male  vollständig  mitgetheilt  hat. 


Die  Tatianhandschriften.  5 

in  Italien  befunden,  war  aber  geraume  Zeit  nacb  seiner  Her- 
stellung noch  im  Orient,  genauer  auf  der  Insel  Cypern,  wie  die 
Bemerkung  auf  fol.  190^  die  nicht  dem  Schreiber  der  Hand- 
schrift angehört,  beweist:  rj  ßlßXog  aiTt]  evTsloig  ia()xofpvXa'Aoq 
neXu  yeagylov  zov  oy.'lr]gaTov  ötanovov  Trjg  jidcpov.  Front o 
Ducaeus  hat  zuerst  einzelne  LAA  aus  dem  Codex  mitgetheilt 
(1624);  seitdem  ist  er  mehrfach  verglichen  worden,  am  genaue- 
sten von  Hase  für  von  Otto. 

Zwei  andere  Handschriften,  welche  mit  dem  Par.  174  ziem- 
lich gleichalterig  sind,  sind  bisher  leider  für  Tatian  nicht  ver- 
glichen worden;  doch  ist  ihr  anderweitiger  Inhalt  zum  Theil 
bekannt  und  gestattet  Rückschlüsse  auf  den  in  ihnen  gebotenen 
Tatiantext.  Es  sind  das  die  Codd.  Mutinensis  111.  D.  7  und 
Venetus-Marcianus  343. 

2)  Der  Cod.  Mutinensis^)  (membran.  formae  quadratae) 
vnrd  in  das  11.  Jahrh.  gesetzt  ^^).    Er  enthält  folgende  Schriften : 

1)  Clementis  Alex.  Protrepticus. 

2)  Ejusdem  Paedagogus. 

3)  Justini  Epistula  ad  Zenam  et  Serenum. 

4)  Justini  Cohortatio  ad  Gentiles. 

5)  Expositio  fidei  vel  de  trinitate. 

6)  Tatiani  Oratio  ad  Graecos. 

7)  Athenagorae  Supplicatio. 

8)  Ejusdem  de  resurrectione. 

9)  Firm.  Lactantii  Romani  de  sibyllis. 

Auch  dieser  Codex  enthält  also  ein  Corpus  Apologetarum, 
und  zwar  fallt  die  Verwandtschaft  mit  dem  Par.  174  in  der 
Auswahl  und  Anordnung  der  Stücke  sofort  auf.  Fünf  apologeti- 
sche Schriften  haben  sie  gemeinsam  und  diese  in  der  gleichen 
Anordnung  ^  ^).    Dazu  kommt  weiter,  dass  der  Codex  wie  Par.  174 


9)  S.  Dindorf,  Clementis  Alex.  Opp.  T.  I  (1869)  p.  VII  sq.,  von 
Otto,  Corp.  Apolog.  Vol.  UP  p.  XXXI  sq.  IV»  p.  XIX  sq.  p.  XXV.  VI 
p.  XIVsq 

10)  Montfaucon  piar.  ital.  1702  p.  31)  wies  ihn  dem  10.  Jahrh.  zw; 
Cavedoni  hat  sich  für  das  11,  entschieden. 

11)  Von  Otto  hat  in  seiner  kurzen  Angabe  über  den  Inhalt  des  Codex 
die  Oratio  Tatian's  den  Werken  des  Athenagoras  nachgestellt  (Vol.  III ^ 
p.  XXXI  sq.).  Ich  folge  Dindorf,  der  den  Codex  selbst  eingesehen  und 
1.  c.  p.  VII  die  Inhaltsangabe  desselben  abgeschrieben  und  veröffenthcht 

1* 


4 


Die  Tatianhandschriften. 


reichliche  Schohen  besitzt,  die  auf  sein  Yerwandtschaftsverhält- 
niss  mit  jenem  und  einem  noch  zu  nennenden  ein  helles  Licht 
werfen.  Verglichen  ist  er  bisher  nur  für  Clemens  Alex,  von 
Dindorf  und  für  Athenagoras  von  Cavedoni^^j, 

3)  Der  Marcianus  843  (membran.  fol.  280)  wird  ebenfalls 
in  das  11.  Jahrh.  gesetzt  ^3).  Derselbe  enthält  1)  die  fünf  ersten 
Bücher  der  Praepar.  Evang.  des  Eusebius  vollständig  (fol.  1 — 204^), 
2)  Euseb's  über  adversus  Hieroclem  (fol.  204l>— ?),  3)  Tatian's 
Oratio  ad  Graecos  ( —  fol.  280).  Auch  dieser  Codex  weist 
durch  seine  Zusammenstellung  des  Tatian  mit  der  Schrift  gegen 
Hierokles  eine  Art  von  Verwandtscliaft  mit  Par,  174  auf,  welche 
näher  zu  untersuchen  sein  wird.  Verglichen  sind  bisher  leider 
nur  die  dem  Eusebius  angehörenden  Stücke  **).  Eine  wichtige 
Nachricht  be.sitzen  wir  über  ihn  bei  Morelli^^).  Derselbe 
schreibt:  „Tatiani  Oratio  ad  Graecos  anno  1546  Tiguri  primum 
edita  est  juxta  exemplar,  quod  Jo.  Frisius  ab  Arn.  Arlenio  Vene- 
tiis  acceperat:  non  illud  tarnen  ex  codice  hoc  (seil.  Veneto)  fuerat 
expressum;  qui  ad  Etonensem  de  ßononiensi  Canonicorura  S. 
Salvatoris  sumptum  et  a  W.  Worth  in  editione  Oxoniensi  ad- 
hibitum,  praesertim  accedit".  Diese  Notiz  führt  bereits  zu  der 
zweiten  Gruppe,  den  jüngeren  Tatianhandschriften  hinüber. 

4)  Der  Cod.  Aetonensis  88^'')  (chartac,  in  fol,  70  fol.) 
enthält: 

1)  Justini  ep.  ad  Zenam  etc.     (fol.  la — 8^). 

2)  Athenagorae  Supplicatio  (24  fol.). 


hat;  von  Otto  stimmt  übrigens  in  seiner  Angabe  Vol.  VI  p.  XIV  mit 
ihm  zusammen.  Vol.  VII  p.  XIX  giebt  er  fälschlich  an,  der  Mutin  ent- 
halte nur  die  Supplicatio,  nicht  auch  de  resurr. 

12)  S.  von  Otto,  1.  c.  p.  XXXII.  Die  Collation  hat  von  Otto  noch 
nicht  publicirt. 

13)  So  nach  Dindorf,  Eusebii  Caesar.  Opp.  Vol.  I  (Praepar.  Evang.) 
(1867)  p.  VI  sq.     Von  Otto  (Vol.  VI  p.  XV)  setzt  ihn  ins  12.  Jahrh. 

14)  S.  Gaisford,  Eusebii  Evang.  Praepar.  T.  I  (1843)  p.  II.  Gais- 
ford,  Eusebii  c.  Hieroclem  (1S52)  p.  III  (nach  der  Collation  von  Th  Heyse). 
Dindorf,  1.  c.  Nach  Coi-p.  Apologg.  Vol.  VIII  p.  363  besitzt  von  Otto 
eine  Collation  auch  des  Tatian  nach  dem  Marcianus. 

15)  Biblioth.  msta  gr.  et  lat.  T.  I  (1802)  p.  223,  s.  v.  Otto,  Vol.  VI 
p.  XV. 

16)  S.  V.  Otto  Vol.  VI  p.  XV  sq.  VII  p.  XVII  sq.  und  genauer  Vol.  IV3 
p.  XXIII  sq. 


Die  Tatianhandschriften.  5 

3)  Ejusdem  de  resurrectione  (18  foL). 

4)  Tatiani  Oratio  ad  Graecos  (20  foL). 

Es  sind  also  wiederum  dieselben  Stücke,  welche  ancli  in 
Par.  174  und  Mut.  stehen.  Von  Otto  bemerkt  aber  weiter,  dass 
in  dem  Codex  Scholien  beigeschrieben  sind,  welche  mit  denen 
in  Par.  174  identisch  sind.  Auf  foL  8^  findet  sich  die  Be^ 
merkung:  OvaleQiccvog  f.i6vaxog  (poQohßievg  6  dlßivov  zavTr^v 
aygaxpev  ßißlov  etu  arpye.  Also  ist  der  Codex  im  Jahre  1535  von 
Valerianus  geschrieben  worden.  Derselbe,  Canonicus  regu- 
laris  S.  Salvatoris  zu  Bologna,  ist  kein  unbekannter  Schreiber  ^'); 
eine  ganze  Reihe  von  datirten  Handschriften  tragt  seinen  Na- 
men. Die  Oratio  Tatians  hat  er,  wie  wir  sehen  werden,  vier- 
mal abgeschrieben,  die  Ep.  Justini  ad  Zenam  ebenfalls  vier- 
mal, die  Supplicatio  und  den  über  de  ressur.  des  Athenagoras 
nachweisbar  ebenso  oft,  die  Cohortatio  ad  Gentiles  und  die 
Expos,  rectae  fidei  einmal.  Das  Urtheil  von  Otto*s,  Vale- 
rianus sei  „graecae  linguae  non  apprime  gnarus"  gewesen,  spe- 
ciell  die  Beobachtung,  dass  der  Cod.  Aetonensis  von  Fehlem 
wimmle,  ist  richtig;  sie  trifft  aber  nicht  die  Hauptsache.  Vale- 
rianus hat  vor  allen  Dingen  seine  Vorlagen  mit  grosser  Freiheit 
behandelt  und  geschäftsmässig  Handschriften  fabricirt.  Dies 
wird  in  dem  Verlaufe  unserer  Untersuchungen  deutlich  hervor- 
treten. Den  Cod.  Aetonensis  hat  zuerst  W.  Worth  in  seiner 
noch  immer  sehr  schätzbaren  Ausgabe  Tatian's  zur  Textesre- 
cension  herbeigezogen  und  die  lectiones  variantes  vollständig 
mitgetheilt  ^^).  Kürzlich  hat  von  Otto  eine  neue  CoUation  des 
ganzen  Codex  von  Gwynne  erhalten,  die  bereits  für  die  3.  Auf- 


17)  S.  Gardthausen,  Griech.  Paläographie  (1879)  S.  341,  wo  indess 
nicht  alle  von  Valerianus  herrührenden  Handschriften  aufgeführt  sind. 
Gardthausen  macht  8  datirte  namhaft,  die  zwischen  1533  und  1543  ge- 
schrieben sind.  S.  auch  Graux,  Essai  sur  les  origiues  du  fonds  grec  de 
TEscurial  (1880)  p.  189.  267. 

18)  Tatiani  Oratio  ad  Gr.  edid.  Wilh.  Worth,  Oxon.  1700.  P.  XI  der 
Praefatio  (sie  ist  im  Druck  nicht  paginirt)  heisst  es:  „Tertium  (codicem) 
viri  praestantissimi  D.  Henrici  Godolphin,  Collegü  Aetonae  Praesidis  huma- 
nitati  debeo,  qui  dum  ms.  librum  cum  excusis  in  aedibus  ejus  confero,  me 
officüs  plane  singularibus  sibi  aeternum  devinxit.  Est  autem  codex  iste 
apographum  transcriptum  anno  1534  [sie]  a  Valeriano  nescio  quo  Foro- 
Liviensi,  ex  exemplari  quodam  in  Biblioth.  Coenobii  S.  Salvatoris;  illo  ipso, 
ni  fallor,  Bononiae,  cujus  meminit  Possevinus  in  Apparatu  sacro  p.  449". 


g  Die  Tatianhandscliriften. 

läge*  der  pseudojustmischen  Werke  verwerthet  worden  ist^^). 
Eine  Gollation  dei'  Scliriften  des  Atlienagoras  hatte  bereits  Worth 
für  die  Ausgabe  von  Dechair  (Oxon.  1706)  besorgt -^ö).  Der 
Cod.  Aetonensis  soll  nach  Morelli  (s.  oben)  dem  Marcianus 
sehr  verwandt  sein;  da  er  aber  zugleich,  wie  sein  Inhalt  und  die 
Scholien  beweisen,  dem  Par.  174  verwandt  ist,  so  ist  damit  ein 
weiteres  Indicium  der  Verwandtschaft  zwischen  den  beiden 
älteren  Codd.  gewonnen.  Ferner:  Worth  bringt  die  positive 
Nachricht,  dass  der  Aetonensis  aus  einem  Bononiensis  abge- 
schrieben ist.  Da  nun  Possevinus^')  und  Montfaucon'^"^) 
einen  Bononiensis  auffuhren,  der  die  Oratio  Tatian's  enthält,  so 
wird  die  Vermuthang  von  Worth,  eben  diese  Handschrift  sei 
die  Vorlage  des  Aetonensis,  sehr  wahrscheinlich. 

5)  Der  Cod.  Bononiensis  (in  XXII.  plut.  repos.).  üeber 
denselben. ist  nur  das  Wenige  bekannt,  was  Possevinus  und 
Montfaucon  mittheilen;  Der  Codex  enthält  1)  die  Demon- 
stratio des  Eusebius  und  2)  die  Oratio  Tatian's  (20  fol.)^^). 
Auch  dieser  Codex  ist  von  Valerianus  und  zwar  im  Jahre 
1533  geschrieben^^);  er  ist  also  2  Jahre  älter  als  der  Aetonensis 
und  die  einzige  Lesart,  welche  Possevinus  aus  demselben  mit- 
theilt, stimmt  mit  dem  Aeton.  zusammen  2^).  Beide  Beobach- 
tungen stützen  die  Hypothese,  dass  wir  in  ihm  die  Quelle  für 
jenen  in  Bezug  auf  Tatian  zu  erkennen  haben. 

6)  Der  Cod.  Parisinus  2376  (olim  Fontebland.,  chartac, 
251  fol.)^^)  ist  von  drei  Schreibern  des  16.  Jahrh.  angefertigt. 
Der  Eine  von  ihnen  ist  Valerianus,  wie  die  Notiz  auf  fol.  236^ 


19)  S.  V.  Otto,  1.  c.  Vol.  IV3  p,  XXIHsq. 

20)  S.  v.  Otto,  L  c.  Vol.  VII  p.  XXXIX.  XVHI. 

21)  Appar.  stier.  (Colon.  1608)  II  p.  449. 

22)  Diar.  ital.  (Par.  1702)  p.  408: 
•2S)  S.  V.  Otto,  1.  c.  Vol.  VI  p.  XV. 

24)  Gardthausen  führt  a.  a.  0.  unter  den  von  Valerianus  geschriebe- 
nen Handschriften  einen  Bononiensis  Nr.  587  ann.  1533  an,  ohne  den  In- 
halt desselben  anzugeben.  Derselbe  ist  jedenfalls  mit  dem  Tatiancodex 
identisch. 

25)  Orat.  42  n.  3  lesen  Aet.  und  Bonon.  ;iQvnt£iv,  während  Par.  171 
richtig  xrjQvTtstv  bietet,  welche  LA  durch  das  Citat  der  Stelle  bei  Euse- 
bius in  der  Praepar.  beglaubigt  ist. 

26)  S.  von  Otto,  i.  c.  Vol.  VI  p.  XVI  sq.;  daselbst  auch  ein  Fdc- 
simile. 


Die  Tatianhandschriften.  .  7 

beweist;  '0  ddeXtpog  ßaXeoLavbg  lygaips  latzrjv  ßißJ^ov,  Iv  itjt 
fiovaOTr^QiM  Tov  dylov  [sie]  avTtovlov  IvezitjOL  [=  Yenetiis]  ^'') 
exei  TOV  Avqlov  rj^tov  ctcpXd^  [=:  1539].  Dazu  die  seltsamen 
Worte:  xiw,vö6fj.evoq  ovöelg  Xavd^dvei,  7coXvv  xQ^^ov,  Der  Codex 
(=  Par.^j  enthält: 

1) — 3)  Schriften  von  Asklepius,  Nicomachus  Geras..  Cleome- 
des,  mathematischen  Inhalts. 
.     4)  Tatiani  Oratio  ad  Graecos  (fol.  149^—169^). 

5)  Gregorii  Comment.  de  anima  ad  Tatianum^^). 

6)  — 13)  Schriften  von  Gem.  Pletho  und  Bessarion. 

Ailch  dieser  Codex,  den  bereits  Worth  benutzt,  von  Otto 
nach  einer  genauen  Collation  C.  B.  Hase 's  verwerthet  hat,  hat 
ein  paar  Scholien,  die  mit  solchen  in  Par.  174  identisch  sind  ^^j. 
Am  Rande  stehen  einige  Lesarten,  resp.  Correcturen  von  an- 
derer Hand  („manu  alicujus  Graeci  occidentalis  medio  fere  sae- 
culo  XVI"). 

7)  Der  Editio  princeps  der  Oratio  Tatian's^^),  weiche  1546 
in  Zürich  erschien  und  von  Conrad  Gessn er.  besorgt  wurde, 


27)  In  Venedig  hat  Valerianus  femer  geschrieben  den  Par.  473  (Eusebii 
Pemonstr.)  i.  J.  1543,  den  Scorial.  343  (nunc  X.  I.  4)  i.  J.  1542  (Mathema- 
tiker') und  andere,  welche  Gardthausen  (a.  a.  0.)  aufffihrt.  Der  älteste 
in  Venedig  geschriebene  Codex  ist  votn  J.  1539;  die  früheren  sind  in 
Bologna  von  Valerianus  angefertigt  worden.  Er  ist  also  zmschen  1535 
und  1539  von  dort  nach  Venedig  übergesiedelt. 

28)  Diese  dem  Gregorius  Thaumaturgus  beigelegte  Schrift  ist  zuerst 
von  G.  Vossius  (S.  Gregorii  Opp.  Mogunt.  1604  p.  135  sq.)  abgedruckt 
worden:  s.  über  dieselbe  Ryssel,  Greg,  Thaumaturgus  (1880)  S.  34  f.  Der 
in  ihr  erwähnte  Tatian  hat  natürlich  mit  dem  Apologeten  des  2.  Jahrhun- 
derts nichts  au  thun,  man  mag  nun  über  die  Echtheit  urtheilen,  wie  man 
woüe.  Der  Schreiber  des  Paris.  2376  aber  hat  jedenfalls  an  den  Apologeten 
gedacht  und  die  Annahme  einer  solchen  Beziehung  lag  um  so  näher,  als 
Tatian  in  seiner  Oratio  gleichfalls  auf  die  Lehre  von  der  Seele  ausführ- 
lich eingegangen  ist.  Ob  dem  Schreiber  eine  ältere  Tradition  vorlag,  steht 
dahin.  Vossiua  spricht  1.  c.  p,  146  sq.  von  mehreren  Handschriften,  unter 
denen  er  zwei  Klassen  unterscheidet  und  ein  MS.  GaUic.  und  Anghc.  nam- 
haft macht.  Aber  genaueres  giebt  er  nicht,  an.  Nourry  in  seiner  Diss. 
in  Tatian.  I,  5  identiti'cii't  die  beiden  Tatiani. 

29)  Darnach  ist  die  Bemerkung  von  Otto 's  1.  c.  VI  p.  XVIII  zu 
Oomgiren. 

30)  S.  die  genau«  Beschreibung  bei  von  Otto,  1.  c  VI  p.  XXI  sq. 
Die  Ausgabe  findet  sich  auch  auf  der  Univ. -Bibliothek  zu  Giessen. 


g  Die  Tatianhandschriften. 

liegt  eine  Handschrift  aus  der  grossen  Bibliothek  des  kaiser- 
lichen Gesandten  in  Venedig  Diego  de  Mendozazu  Grunde, 
welche  dem  Jo.  Frisius  bei  einem  Aufenthalt  in  Venedig  im 
Jahre  1545  durch  Vermittlung  des  Arnoldus  Arlenius  zur 
Herausgabe  überlassen  wurde  ^^}.  Inder  dem  Abdrucke  voraus- 
geschickten Epistula  dedicatoria  des  Frisius  an  Hieron. 
Frick  Bernas  (p.  276)  heisst  es:  „Bxhibeo  itaque  tuae  huma- 
nitati  et  benevolentiae  Tatianum  Graecum,  antea  nunquam  typis 
excusum,  quem  anno  praeterito,  cum  agerem  Venetiis,  ex  doc- 
tissimi  viri  Amoldi  Arlenii  Peraxyli  veteris  mei  ämici  liberali- 
tate  mecum  huc  deportavi*'.  Die  Handschrift  selbst  is^^  bisher 
nicht  aufgefunden  worden  ^2),  so  dass  die  Editio  princ^rs  für 
sie  einstehen  muss.  Dieselbe  enthält  am  Rande  147  Marginal- 
noten,  von  denen  61  durch  „lego**  oder  „forte"  als  Conjecturen 
Gessuej^'s  eingeführt  sind.  Von  den  übrigen  86  sind  38  durch 
„al."  bezeichnet,  somit  als  wirkliche  Lesarten  einer  anderen 
Handschrift  deutlich  gemacht.  Der  Rest  von  48  Noten  ist  durch 
einen  Stern,  resp.  ein  Kreuz  oder  durch  gar  kein  Zeichen  ein- 
geführt. Es  bedarf  daher  noch  der  Untersuchung,  ob  in  diesen 
Conjecturen  zu  sehen  sind,  die  Gessner  nur  für  sicher  ange- 
nommen hat,  oder  ob  hier  ebenfalls  überlieferte  Varianten  vor- 
liegen'*^^). Von  Otto  bemerkt,  es  sei  ihm  wahrscheinlich,  dass 
der  Codex,  welcher  der  Editio  princeps  zu  Grunde  liegt,  eben- 


31)  In  der  BibUoth.  univ.  Gessner's  (Zürich  1545)  heisst  es  s.  v.  Tatia- 
nus:  „Attulit  eam  (seil.  Tatiard  orationem  ad  Graecos)  nuper  ad  nos  Jo. 
Frisius  noster  ex  bibliotheca  Diegi  Huitadi  Caesaris  apud  Venetos  legati, 
et  brevi,  deo  juvante  in  lucem  dabit".  Wenn  Frisius  (s.  ober  das  fol- 
gende) in  der  Zuschrift  *an  H.  Frick  seinen  Dank  dem  Arnoldus  Arienius 
abstattet,  so  erklärt  sich  dies  daraus,  dass  dieser  der  Vermittler  war.  S. 
Gessner's  Präfatio  zur  2.  u.  3.  Ausgabe  des  Stobäus  (abgedruckt  bei  Gais- 
ford,  t.  I  p.  XXXVII):  ,Is  [seil.  Arnoldus  Arlenius  Pemxylus]  praeter  alia 
non  exigua  in  me  beneficia,  hoc  etiam  effecit,  ut  ex  bibliotheca  generosi 
viri  Diegi  Huiiadi  a  Mendozza,  Caesarei  tum  temporis  apud  Venetos  ora- 
toris,  vetustiesimum  et  raanuscriptum  Stobaei  volumen  acciperem".  Ueber 
die  Bibliothek  und  die  Liberalität  des  spanischen  Humanisten  Diego  de 
Mendoza  sowie  über  den  Philologen  Arnoldus  Arlenius  s.  Graux, 
Essai  p.  1 36  sq.  und  a.  a.  St. 

32)  S.  von  Otto,  1.  c.  Vol.  VI  p.  XIX.  Dazu  Graux.  1.  c.  p.  245: 
„Jam  non  superest". 

33)  Das  letztere  hat  von  Otto  stillschweigend  angenommen. 


Die  Tatianhandßchriften.  9 

falls  von  Valerianus  herrühre,  ohne  Gründe  für  diese  Verrauth- 
ung  anzugeben.  Sie  empfiehlt  sich  allerdings  in  hohem  Masse; 
denn  1)  der  Cod,  Frisianus  ist  nach  der  Angabe  Morelh's  mit 
dem  Cod.  Marcianus  nicht  identisch,  2)  der  Cod.  Fris.  unter- 
scheidet sich  andererseits  sehr  bestimmt  von  dem  Aeton.,  der 
nach  MorelK  eben  dem  Marcianus  so  nahe  verwandt  sein  soll, 
3)  der  Frisianus  hat  dieselben  wenigen  Scholien,  welche  die 
übrigen  Valerianus-Codices  haben,  4)  er  steht  seinem  Werthe 
nach,  wie  uüten  gezeigt  werden  wird,  dem  Aeton.  und  Paris. 
2376  völlig  gleich,  5)  das  Jahr,  in  welchem  Frisius  den  Codex 
zu  Venedig  zum  Geschenke  erhielt  (1546),  liegt  den  Jahren,  in 
welchen  Valerianus  eben  in  Venedig  seine  Tatian-Handschriften 
fabricirte,  sehr  nahe;  einen  sehr  alten,  werthvoUen  Codex  wird 
Arlenius  Peraxylis .  schwerlich  seinem  Freunde  überlassen  haben. 
6)  Für  seine  Ausgabe  der  Supplicatio  Athenagorae  hat  Gess- 
ner  ebenfalls  einen  Valeriancodex  benutzt  ^^). 

8)  Im  9.  Bande  des  Corp.  Apolog.  p,  XV  macht  v.  Otto 
die  Mittheilung,  dass  der  Cod.  Ottobon.  gr.  112  (olim  Sirle- 
tianus,  chartac.  in  fol.  saec.  XV.)  primo  loco  fol.  1 — 17  die  Ora- 
tio Tatian's  enthalte,  indessen  verstümmelt;  die  9  ersten  Capp. 
und  das  10.  bis  zu  den  Worten  aiTrjg  tiqXv  trjv  7iQ0€i(jrjf.uvr)v 
ano^aveiv  fehlen  nämlich.  Die  Handschrift  ist  bisher  für  Tatian 
nicht  verglichen  worden  s^).  An  zweiter  Stelle  enthält  sie  den 
Apolog.  des  Eunomins,  an  dritter  die  Irrisio  des  Hermias^^). 
Daraus  lässt  sich  betrelis  ihres  Verhältnisses  zu  Par.  174  und 
den  anderen  Tatiancodices  nichts  scliliessen.  Dieser  Zeuge  ist 
daher  bis  auf  weiteres  bei  Seite  zu  lassen. 


34)  S.  über  die  Grundlage  dieser  editio  (prineeps)  ann.  1557  v.  Otto, 
1.  c.  VII  p.  XVin.  XXXI  sq. 

35)  Die  obige  Mittbeilung  verdanken  wir  11.  Brunn,  der  i.  J.  1853 
die  Handschrift  eingesehen  hat. 

36)  Diese  Zusammenstellung  zeigt,  dass  der  Codex  mit  dem  Monac. 
512  saec,  XV  (Otto,  1.  c.  iX  p.  XIV)  verwandt  sein  muss,  in  welchem  eben- 
falls die  Irrisio  auf  den  Apolog.  Eunomü  folgt.  Die  Verwandtschaft  mit 
dem  Ottob.  gr.  191  hat  schon  Brunn  constatirt.  Die  Handschrift  ist 
ohne  Zweifel  dieselbe,  welche  sich  einst  in  dem  Escurial  befunden  hat  (s. 
Miller,  Catal.  des  Ms.  grecs  de  ia  Bibliotheque  de  TEscuriai  1848  p.  316; 
Graux,  1.  c.  p.  244  sq.  256  sq.;  von  Otto,  1.  c.  VII  p.  XX).  Ueber  die 
Geschichte  der  Handschriften,  weiche  im  Besitze  des  Cardinal  Sirlet  ge- 
wesen sind,  8.  Graux,  1.  c.  p.  226  sq.  und  sonst. 


IQ  Das  Versvandt8cliaft6verliältiiii3s. 

§  2.    Das  Verwandtschaftsverhältniss  der  Tatianhaud- 

scliriften. 

In  seiner  Ausgabe  der  Oratio  des  Tatian  liat  von  Otto 
natürlich  den  Paris.  174  zu  Grunde  gelegt,  lieber  die  übrigen 
urtheilt  er  also:  .,Parisino  videtur  Mutinensis  consimillimus  esse 
.  .  .  Caeteri  Codices  (Aeton.  Bonon.  Paris.  2376,  Fris.),  confecti 
potissimum,  opinor,  juxta  exemplar  Venetum  saec.  Xu.,  quam- 
vis  singuli  interdum  scripturas  habeant  peculiares,  ad  unam  tarnen 
eamdemque  familiam  pertinent:  id  quod  ex  permultis  patescit 
indiciis,  inprimis  ex  consensione  lectionum  creberrime  conspicua: 
nimirum  ex  Bononiensi  effluxit  Aetonensis  atque  ex  alterutro  (?) 
Parisinus  2;  utrum  autem  Frisianus  (ex  Veneto)  prius  quam 
exemplar  Bononiense  scriptus  sit,  nee  ne,  id  non  liquet"^'^. 

Diese  Beurtheilung  erweist  sich  nur  zum  Theil  als  richtig 
und  ist  zugleich  unvollständig.  Ausserdem  ist  von  Otto  bei 
seiner  Textesrecension  an  22  Stellen  dem  2eugniss  der  Valerian- 
Codices  gegen  Paris.  174  gefolgt  und  hat  sie  damit  als  selb- 
ständige —  weil  auf  den  Cod.  Venet.  (Marcian.)  zurückgehende 
—  Autoritäten  neben  Par.  174  (=  Par.^)  anerkannt.  Es  fragt 
sich,  ob  er  mit  diesem  ürtheile  im  Rechte  ist.  Die  Untersuch- 
ung soll  im  folgenden  so  genau  wie  möglich  geführt  werden; 
ihr  Resultat  wird  der  Kenntniss  der  gesammten  üeberlieferungs- 
geschichte  der  griechischen  Apologeten  zu  Gute  kommen. 

1)  Beginnen  wir  mit  einer  statistischen  üebersicht  über 
die  LAA  der  vier  Tatiau-Codices,  die  bisher  genau  verglichen 
sind  (Par.i  Par.  2  Aet.  Fris.): 

a)  An  65  Stellen  enthalten  alle  4  Handschriften  LAA,  die  ent- 
weder höchst  wahrscheinlich  oder  ganz  offenkundig  felüer- 
haft  sind  (nach  der  Textesrecension  von  v.  Otto);  von 
diesen  sind  26  solche,  die  aus  den  Citaten  bei  älteren 
Kirchenvätern,  namentlich  bei  Clemens  AI.  und  Euse- 
bius^^),  sofort,  berichtigt  werden  können,  den  39  übrigen 
ist  durch  Conjectur  nachzuhelfen. 


37)  L.  c.  Yol.  VI.  p.  XIX  sq. 

38)  Eusebius  hat  in  der  Praepar.  evang.  1.  X  die  cc.  31,  36—42  der 
Oratio  wörtlich  ausgeschrieben. 


Das  Verwandtschaftsverliäitniss.  11 

b)  An  52  Stellen  bietet  Fris.  in  marg.  eine   besondere  LA 
gegen  alle  anderen  Zeugen. 

c)  An  18  Stellen  bietet  Par.^  in  marg.  eine  besondere  LA 
gegen  alle  anderen  Zeugen. 

d)  An  50  Stellen  bietet  Par.^  eine  besondere  LA. 

e)  An  56  Stellen  bietet  Aet.  eine  besondere  LA. 

f)  An  41  Steilen  bietet  Par.^  eine  besondere  LA. 

g)  An  47  Stellen  bietet  Fris.  eine  besondere  LA. 

h)  An  50  Stellen  gehen  Par.^  Par.-  zusammen,  resp.  an  48 

Aet.  und  Fris.^^) 
i)  An  18  Stellen  gehen  Par.^  Aet.  zusammen,  resp.  an  15Par.2 

und  Fris.*<^) 
k)  An  12  Steilen  gehen  Par.^  Fris.  zusammen,  resp.  an  13  Aet. 

undPar.2  41) 

1)  An  29  Stellen  stimmt  Fris.  in  marg.  mit  Par.^  resp.  mit 
Par.  ^  und  einem  der  anderen  beiden  Codices, 
m)  An  8  Stellen  stimmt  Par.^  in  marg.  mit  Par.  ^  resp.  mit 
Par.i  und  einem  der  anderen  beiden  Codices  *2). 
Die  Aufstellung  dieser  Tabelle,  in  welcher  vollständig 
alle  lectiones  variantes  gezählt  sind^  kann  nur  entschuldigt  wer- 
den durch  den  Hinweis  darauf,  dass  in  allen  Gruppen  das  Ver- 
hältniss  der  unbedeutenden  Abweichungen  zii  den  beachtens- 


39)  D.  h.  dreimal  differiren  Aet.  und  Fris.  (4  n.  14;  18  n.  4;  33  n.  5), 
wo  Par.i  und  Par. 2  zusammengehen,  und  einmal  findet  der  umgekehrte 
Fall  statt  (18  n.  9). 

40)  D.  h.  viermal  differiren  Pär.2  und  Fris.,  wo  Par.^  Aeti  zusammen- 
gehen (.5  n.  4;  13  n.  14;  25  n.  7;  31  h.  18),  und  einmal  findet  der  umge- 
kehrte Fall  statt  (3  n.  19). 

41)  D.  h.  eimrlal  differiren  Par.^  und  Fris.,  wo  Aet.  und  Par.2  zusam- 
mengehen (41  n.  27).  . 

42)  Ausserdem  kommen  nur  noch  folgende  13  Fälle  vor:  dreimal 
haben  Par.2  und  Fris-  eise  gleiche,  sonst  unbezeugte  Marginalnote  (4 
n.  4;  5  n,  7;  39  n.  10);  dreimal  stimmt  Far.2  im  Text  mit  Fris  in  marg. 
gegen  die  übrigen  Zeugen  zusammen  (18  n.  2;  21  n.  5;  34  n.  12);  zwei- 
mal findet  sich  eine  gleiche,  sonst  unbezeugte  Marginalnote  in  Par.^  und 
Par.2  (16  n.  5  und  ?);  zweimal  hat  Par.^  vo^n  jüngerer  Hand  eine  Cor- 
rectur  nach  den  jüngeren  Handschriften  (12  n.  19;  34  n.  15);  zweimal 
haben  Aet.  und  Par.'^  die  gleiche,  sonst  unbezeugte  Marginalnote  (25 
n.  1 ;  39  n.  17);  und  einmal  stimmt  Aet.  im  Text  und  Fris.  in  marg.  gegen 
die  übrigen  Zeugen  zusammen  (I8  n.  2). 


12  Das  Verwandtschaf tsverhältniss. 

werthen  ungefähr  das  nämliche  ist,  sowie  dass  bereits  aus  dieser 
dürftigen  üebersicht  Schlüsse  auf  das  Verwandtschaftsverhält- 
niss  der  Handschriften  gezogen  werden  können.  Aus  den  sub 
a.  b.  c.  aufgeführten  135  Stellen  folgt,  dass  alle  4  Codices  — 
und,  da  der  Bononiensis  die  Vorlage  für  Aet.  ist,  die  fünf  — 
nahe  mit  einander  verwandt  sind.  Einige  Beispiele  mögen  das 
iUustriren : 

c.     1  n.  15  alle  ^EVMviKog  für  ^EkkaviAog, 

c.    2  n.     5    „     TS  „    firj. 

c.     3  n.     1     ,.     iöida^afir^r  „    iöil^r^ödftr^v. 

c.     7  n.     6    „     ;rA»;v  „    Tidliv, 

c.  27  n.     5  lesen  alle  Codd.  IdtTiuovog,  dagegen  c.  38  n.  7 
wiederum  alle  l4nniiov, 

c.  31  n.  11  alle  Toao)  6*  av  für  t6  ö'  av  (Euseb.). 

c.  31  n,  13 

c.  31  n.  18 

c.  31  n.  29 

c.  36  n.    6 

c.  36  n.  11 

c.  36  n.  12 

c.  39  n.  18 

c.  40  n.    5 
Hierzu  kommt   noch  folgendes:  Par.^  hat  gleich  im  Ein- 


n 

'Prjiog 

» 

'Pr^yivog  (Euseb.). 

n 

c 
0 

?5 

xcci  (Euseb.). 

n 

H 

n 

6t  (Euseb.). 

» 

6t  ora. 

» 

6t  (Euseb.), 

n 

öt  om. 

» 

6{  (Euseb.). 

)? 

(ig  om. 

n 

bg  (Euseb.). 

>j 

KixQOTTa 

w 

Kqotojticcv  (Euseb.). 

n 

voi-iitiaai 

w 

vo(.iio%(ooi  (Euseb.)  *^). 

43)  Die  übrigen  Stellen,  an  denen  nach  von  Otto  alle  4  Codices 
fehlerhaft  sind,  mögen  hier  folgen:  1  n  21;  3  n.  12,  14;  5  n.  9;  9  n.  4,  8, 
11,  13;  10  n.  16;  11  n.  10;  12  n.  18;  14  n.  8;  15  n.  21;  16  n.  7,  10;  17 
n.  15;  18  n.  5;  19  n.  9;  21  n.  9;  22  n,  9;  24  n.  3;  25  n.  5,  9;  26  n.  3,  6; 
27  n.  12;  29  n.  3,  6;  30  n.  9;  31  n.  23,  25;  32  n.  5;  33  n  16,  19,  20;  34 
n.  SP,  14;  37  n.  3;  38  n.  8;  39  n.  9,  12,  16,  17;  40  n.  1  (bis),  4  (bis),  10; 
41  n.  12,  23;  42  n.  5.  Die  oben  sub  b)  genannten  Stellen,  welche  auch 
für  die  Verwandtschaft  der  vier  Codd.  in  Betracht  kommen,  sofern  Fris. 
in  marg.  besondere  LAA  bietet,  denen  gegenüber  alle  4  Codd.  meistens 
zusammenstimmen,  sind  folgende:  1  n.  16,  26;  3  n.  15,  17;  4  n.  1;  7  n. 
11,  15;  8  n.  4,  8,  9  (bis\  13;  9  n.  10;  10  n.  8;  12  n.  7;  13  n.  15,  17;  15 
n.  13;  16  n.  10;  17  n.  11;  18  n.  5,  7,  9,  11,  13;  19  n.  9,  11;  20  n.  1,  6; 
21  n.  2,  13;  22  n.  14;  23  n.  4,  9;  25  n.  8,  9;  30  n.  5;  31  n.  4;  32  n.  10; 
33  n.  4,  15;  34  n.  2,  7;  35  n.  7 ;  37  n.  1 ;  38  n.  1,  4;  39  n.  3,  6;  41  n.  7, 
14  (bis).  Die  sonst  unbezeugten  Marginalcorrecturen  in  Par.2  sind:  1  n. 
9;  3  n.  1.  3,  10,  15;  7  n.  6,  10;  16  n.  9;  19  n.  2,  21;  22  n.  11;  26  n.  9 
29  n.  3;  33  n.  2;  34  n.  2;  38  n.  7;  4'J  n.  2,  6. 


Das  Verwandfcschaftsverhältniss.  13 

gange  am  Rande  ein  Scholion  (s.  das  Facsimile  bei  v.  Otto): 
OTi  ovdev  xojv  S7€iTi]d€Vf.iaTiov  oig  "Ellrjveg  y.aXli07ilCovTai 
fllrjVixoVf  älla  ix  ßagßagMv  ttjv  sigr^aiv  eaxr}y.6g.  Die  drei 
anderen  Codd.  bieten  diese  Worte  auch,  aber  seltsam  verkehrt 
als  Zusatz  zur  Ueberschrift  Tariavou  nqog  ^'Elhjvagy  als  ob 
durch  diese  Worte  der  Inhalt  der  ganzen  Apologie  bezeichnet 
wäre.  Ferner,  c.  13  n.  1  haben  alle  vier  Codd.  das  gleiche 
Scholion^*):  yjixrj  ^vtjti^'  tov  Kcooyovov  [Fris.  et  Aet.  ^woXo- 
yiov  mendose]  Xiyei  öuvafitv,  rjrig  "noivri  ndvuov  twiov  iaiiv,  t] 
YMi  ov/.t(p^Bi()6tai  toJg  ocif.iaaiv  |Fris.  al'uaoiv]'  ov  fievroi  HCtl 
|om.  •/«/  Fris,  et  Aet.]  i]  loyini]  divctf-ug  [seil,  ^vy^tyi]'  avtri 
yccQ  i^i-Qrjtaif  d(p'  r^g  at  %i%vai  ^.al  [Fris.  et  Aet.  rj  ymi]  sni- 
oti^fiai  nQoßdXkovrai,  C.  17  Ä.  2  bietet  Far.^  zu  den  Worten 
tov  ^idyov  ^OoTavTjV  das  Scholion:  TzctQCc  to7g  IJegoaig;  in  marg. 
Fris.  et  Aet.  lesen  wir:  'OoTavai  ol  fidyoi  toig  Hiqöaig  exa- 
Xoivio.  C.  22  n.  13  bieten  Par.^  Aet.  und  Fris.  zu  den  Wor- 
ten oivavlovai  tcl  aloxqcL  in  marg.  das  Scholion:  tijcoi  qivoxtv- 
7Z0VGIV,  olovel  10  nvsvfia  %o1g  gcod^iooi  ovvelTiovTsg  [Aet:  ovvsX- 
y,6vtov]  noiov  rfiov  im  xatayiXom  aTtoteXotoi^^).  Weitere 
Schollen  finden  sich  in  Par.^  Aet.  Fris.  nicht,  während  Par.^  im 
Ganzen  50  hat.  Hieraus  folgt  aber  1)  dass  die  drei  genannten 
Codd.  nicht  unabhängig  von  Par.^  sein  können  ^6),  2)  dass  sie 
unter  einander  näher  verwandt  sind;  denn  sie  haben  aus  der 
grossen  Zahl  der  Schollen  in  Par.^  dieselben  wenigen  gemeinsam. 
Es  fragt  sich  nun,  von  welcherlei  Art  die  Verwandtschaft  der 
drei  Codices  mit  Par.*  und  unter  einander  ist.  Beginnen  wir 
mit  der  zweiten  Frage. 

AiÄ  der  oben  mitgetheilten  Tabelle  scheint  sich  schon  bei 


44)  In  der  editio  princeps  des  griechischen  Tatian  ist  dasselbe  nicht 
abgedruckt,  sondern  nur  in  der  gleichzeitig  mit  ihr  erschienenen  Ueber- 
setzung  des  Tatian  von  C.  G essner. 

45)  C.  22  n.  4  hat  Par.*  das  Scholion:  MagiutagvTtovta  tolg  iv  roZi 
^edtQOtg  -bnoxQiTaZg;  am  Rande  des  Aet.  aber  stehen  die  Worte:  tot?  iv 
■B^eatgoig  vnoxgitöiv. 

46)  Vielleicht  ist  es  erlaubt,  noch  auf  eine  andere  Beobachtung  in 
diesem  Zusammenhange  aufmerksam  zu  machen.  Sollte  es  zulällig  sein, 
dass  sowohl  in  Par.^  wie  in  Par.2,  Aet.  und  Bonon.  der  Tatiantext  über- 
einstimmend 20  fol.  ausfüllt?  (Im  Ottob.  hat  der  vollständige  Text  c.  21 
fol.  eingenommen.) 


j^4  I)as  Verwandtschaftsverhäitniss. 

flüchtiger  Betrachtung  zu  ergeben,  dass  keiner  der  drei  jünge- 
ren Codices  aus  dem  anderen  abgeschrieben  ist.  Zwar  gehen 
Aet,  und  Fris.  viel  häufiger  zusammen  als  Aet.  und  Par.^,  resp. 
Fris.  und  Par.^,  aber  dass  Aet.  die  directe  Vorlage  für  Fris. 
gewesen  ist,  ist  ebenso  unmöglich  wie  der  umgekehrte  Fall, 
und  noch  weniger  kann  daran  gedacht  werden,  dass  Par.^  aus 
einem  der  beiden  Codd.  abgeschrieben  ist.  Gegen  diese  An- 
nahme entscheidet  z.  B.  das,  was  oben  sub  f)  und  h)  zusam- 
mengestellt ist.  Ein  Blick  auf  die  Tabelle  sub  d — h  lehrt,  dass 
die  Abweichungen  der  drei  Codices  unter  einander  —  ihrer 
Zahl,  nicht  ihrem  Werthe  nach  —  nicht  geringere  sind,  als  die 
Abweichungen  aller  von  Par.^ 

Mithin  bleibt  nur  die  Annahme  übrig,  dass  die  drei  (mit 
dem  Bonon.  vier)  von  einem  Schreiber  gefertigten  Handschrif- 
ten auf  eine  Quelle,  resp,  auf  zwei  oder  mehrere,  aber  unter 
sich  sehr  verwandte  Quellen  zurückgehen,  und  diese  Annahme 
bestätigt  sich  durch  eine  Untersuchung  der  Art  der  Yarianten*'). 
Dieselben  sind  entweder  aus  Sorglosigkeit  des  Schreibers  ent- 
sprungen oder  haben  zum  grösseren  Theile  den  Charak- 
ter nichtsnutziger  Conjecturen,  resp.  willkührlicher, 


47)  I.  Die  Stellen,  wo  Par.i  allein  steht,  sind:  3  n.  8,  15,  19;  4  n.  11,  12; 
5  n.  7,  8;  6  n.  6;  7  n.  6;  9  n.  4  (bis),  7;-  12  n.  2,  10,  17  (bis),  19;  13  n.  13, 
16;  15  n.  22;  16  n.  9,  13;  17  n.  12;  18  n.  2,  9;  20  n.  8;  21  n.  4;  22  n.  14;  26 
n.  1,4,7,  11;  29  n.  9;  31  n.  11,24,  28;  32  n.  13;  33  n.  2,  22;  34  n  15;35n.  3; 
36  n.  1 ;  38  n.  8;  39  n.  9,  22.  In  fast  allen  diesen  Fällen  hat  Par.»  das  rich- 
tige bewalirt,  während  Par  ^  Fris.  Aet.  gemeinsame  grobe  Fehler  haben.  — 

II.  Par.2  weist  besondere  LAA  auf;  1  n.  2,  4,  6,  8,  25;  2  n.  1,  2,  10;  3  n. 

4,  9,  15,  18;  4  n.  10;  5  n.  4;  6  n.  4;  7  n.  2,  3;  13  n.  11,  14;  15  n.  19;  17 
n.  3,  14;  18  n.  9,  11;  19  n.  3,  21;  22  n.  4;  24  n.  2;  25  n.  3,  7;  ^6  n.  5;  28 
n.  1;  29  n.  3;  31  n.  18;  33  n.  5,  10,  17;  35  n  2;  39  n.  2;  40  n.  7:  41  n.  19.— 

III.  Aet.  hat  besondere  LAA:  1  n.  16,  19,  23,  26;  2  n.  5,  8;  3  n.  3,5,8,1.3, 
15,  17,  19  (bis);  4  n.  14;  6  n.  3;  7  n.  8,  10:  8  n.  11,  14;  10  n.  6,  17;  11 
n.  5,  12;  12  n.  4,  5,  12;  14  n.  5;  16  n.  7,  14;  17  n.  8;  18  n.  4;  19  n.  6,  9, 
15;  20  n.  7;  21  n.  7;  22  n.  14;  23  n.  1,  2,  6;  25  n.  0:  26  n.  16;  27  n.  2,  12; 
31  n.  2,  12;  33  n.  5,  ö,  11,  21;  34  n.  6,  13;  36  n.  10;  39  n.  2;  40  n.  7. — 

IV.  Fris.  hat  besondere  LA A :  1  n.  9,  20,  21,  22,  24;  3  n.  4,  10,  15;  4  n,  1, 

5,  14;  5  L>.  8;  8  n  13,  15;  9  n.  4;  10  n.  6;  11  n.  4;  12  n.  4  (bis),  5,  18; 
13  n.  13,  14;  14  n.  2,  7;  15  n.  2,  S;  16  n.  2;  17  n.  7,  10,  18;  18  n.  4,  9; 
19  n.  11,  12;  23  n.  5;  25  n.  7;  31  n.  11,  18;  33  n.  5,  12;  34  n.  5;  38  n.  1; 
40  n.  1,  7.  Diese  Tabelle  ermöglicht  es,  das  im  Texte  bemerkte  nachzu- 
prüfen.  Es  erscheint  unthunlich,  hier  in  extenso  die  Stellen  vorzuführen. 


Das  Verwandtschaftsverhältniss.  j|5 

sog.  gelehrter  Veränderungen.  Es  ist  sogar  wahrschein- 
licli  — '  beweisen  lässt  sich  das  schwer  — ,  dass  der  Schreiber 
absichtlich  seinen  verschiedenen  Codices  eine  unterschiedliche 
Gestalt  hat  geben  wollen;  denn  von  den  144  LAA,  die  nur 
durch  einen  der  drei  bekannten  Valeriancodices  bezeugt  sind, 
finden  sich  in  den  drei  ersten  Capiteln  bereits  34  d.  h.  nahezu 
ein  Viertel.  Das  sieht  doch  gerade  so  aus,  als  hätte  der  Schrei- 
ber die  Selbständigkeit  seiner  Fabrikate  för  ein  oberflächliches 
ürtheil  bei  den  ersten  Capiteln  markiren  wollen.  Dass  es  aber 
eine  Quelle  ist,  auf  die  sie  alle  zurückgehen,  wird  durch  die 
gemeinsamen  groben  Fehler*^)  und  durch  die  Schollen,  von 
denen  oben  gesprochen  worden  ist,  überaus  wahrscheinlich.  Hat 
nun  Morelli  recht,  dass  für  den  Aet.  durch  Vermittelung  des 
Bonon.  ein  dem  Marcianus  343  nahe  verwandter  Codex  die 
Quelle  gewesen  ist,  so  ist  derselbe  auch  für  Par.^  und  Fris.  als 
Vorlage  in  Anspruch  zu  nehmen,  wobei  vorbehalten  bleibt,  dass 
sie  nicht  unmittelbar  aus  ihm  geflossen  zu  sein  brauchen,  son- 
dern, wie  auch  der  Aeton.,  durch  Vermittelung  älterer  Abschrif- 
ten, die  Valerianus  von  ihm  bereits  genommen  hatte.  Die  An- 
nahme, dass  der  Marcianus  selbst  diese  Quelle  ist,  wie  v. 
Otto  vermuthet,  wird  insofern  wahrscheinlich,  als  Valerianus 
Jahre  lang  sich  gerade  in  Venedig  aufgehalten  und  dort  seine 
Codices  fabricirt  hat.  Allein  andererseits  bietet  der  Aet.  auch 
Stücke,  die  nicht  im  Marcianus,  wohl  aber  im  Par. ^  stehen. 
Ich  wage  daher  kein  ürtheil,  bevor  der  Marcianus  vergHchen  ist. 
Sicher  ist,  dass  Par.  ^  die  directe  Vorlage  für  die  Valerian- 
codices nicht  gewesen  ist;  aber  oben  wurde  bemerkt,  dass  sie 
doch  in  einem  sehr  nahen  Verwandtschaftsverhältnisse  zu  ihm 
stehen.  Es  folgt  somit  unabweislich,  dass  ihr  Archetypus  selbst 
dem  Par.i  verwandt  sein  muss.  Wäre  der  Marcianus  343  mit 
dem  Archetypus  identisch,  so  wäre  die  Annahme,  dass  die  Va- 
leriancodices durch  Vermittelung  dieses  aus  dem  Par.*  geflossen 
sind,  nicht  wahrscheinlich;  denn  Par.^  ist  schwerlich  die  directe 
Vorlage  zu  Marc.  $4^  gewesen,  da  dieser  Codex  ein  Stück  ent- 
hält, welches  Par.*  nicht  bietet.    Verzichtet  man  aber  darauf, 


4S)  S.  die  Stellen  in  der  vorigen  Anmerkung  sub  I.  Sie  machen  es 
völlig  deutlich,  dass  Par.^  nicht  die  directe  Quelle  der  "Valeriancodices 
sein  kann. 


jß  Das  Verwandtschaftsverhältniss. 

im  Marc,  die  Quelle  der  Valeriancodd.  zu  sehen,  so  ist  man 
lediglich  auf  eine  detaillirte  Untersuchung  des  handschriftlichen 
Bestandes  angewiesen. 

Suchen  wir  daher  zunächst  das  Verhältniss  der  Vorlage 
der  Valeriancodices  zu  Par.  *  genauer  zu  bestimmen.  Wir 
gehen  dabei  von  der  Voraussetzung  aus,  dass  die  Vorlage  in 
diesen  überall  dort  bewahrt  geblieben  ist,  wo  sie,  resp.  einer 
von  ihnen,  mit  Par.^  stimmen,  eine  Voraussetzung,  die  selbst- 
verständlich ist,  sobald  zugestanden  wird,  dass  überhaupt  eine 
Verwandtschaft  besteht.  Berücksichtigt  man  nun  alle  die  Fälle 
in  Aet.  Fris.  und  Par,^,  wo  einer  von  ihnen  oder  zwei  mit  Par.^ 
stimmen,  und  zählt  sie  zu  denen,  wo  alle  4  Codices  dieselben 
LAA  bieten,  so  bleibt  eine  verhältnissmässig  sehr  kleine  An- 
zahl von  Fällen  nach,  in  denen  ihre  Vorlage  von  Par.  *  abwich, 
nämlich  nur  etwas  über  50  Stellen  flir  das  ganze  Buch,  auch 
die  unbedeutenden  Abweichungen  eingerechnet.  Anders  ausge- 
drückt: die  Vorlage  von  Aet.  Fris.  Par.2  ist  dem  Text 
in  Par.  ^  sehr  nahe  verwandt  und  sie  ist  relativ  am  treuesten 
durch  Par. 2  (s.  oben  sub  h),  am  unzuverlässigsten  durch  Fris. 
(s.  oben  sub  k)  repräsentirt'*').  Hier  mag  nun  noch  einmal 
die  Vermuthung  auftauchen,  Par.  *  sei  die  directe  Quelle  für  die 
drei;  um  sie  zu  widerlegen  genügt  der  Hinweis  auf  die  Stellen, 
in  denen  Par.^  allein  das  Richtige  bewahrt  hat,  während  die 
drei  dort  gemeinsame  Abweichungen  haben.  Es  sind  das 
fast  durchgehends  nicht  unbedeutende  Varianten,  sondern  wirk- 
lich andere  LAA.  Es  lässt  sich  aber  dem  hier  bestehenden 
Verhältnisse  noch  anders  beikommen;  zuvor  aber  sind  die  Mar- 
ginalnoten  in  Fris.  und  Par.^  zu  untersuchen. 

Oben  §  1  wurde  bereits  bemerkt,  dass  die  Gessner'sche 
Ausgabe  des  Frisianus   147  Marginalnoten  hat,  von  denen  61 


49)  Die  sub  h)  genannten  Fälle  sind  folgende:  1  n.  5;  3  n.  15,  19;  4  n.  14; 
6  n.  7,  8;  7  n.  14;  8  n.  20;  10  n.  6;  12  n.  8;  13  n.  8;  14  n    1;   15  n.  18; 

16  n.  7;  17  n.  11,  13,  16;  18  n.  4;  19  n.  3,  6,  24;  21  n.  7,  9;  22  n.  8;  23 
n.  7,  8;  26  n.  3;  27  n.  3,  12;  28  n.  2;  30  n.  3,  5,  6;  31  n.  4,  24,  31;  32 
n.  1,  2;  33  n.  5.  7,  14;  34  n  8;  36  n.  4;  37  n  1,4;  39  n.  5,6,  7;  41  n.  12, 
24.    Die  sub  i)  genannten:  3  n.  4,  10, 18;  6  n.  7;  S  n.  13;  12  n.  12;  13  n.  14 

17  n.  3;  18  n.  2  (bis),  6;  20  n.  2,  10;  21  n.  14;  25  n  7;  31  n  18;  34  n.  2 
35  n.  6.  Die  sub  k)  genannten:  3  n.  3,  15;  9  n.  9,  13;  10  n.  11;  13  n.  1 
14  n.  8,  7,  8;  25  n.  1;  31  n.  2,  11. 


Das  VerwancUscliaftsverhältniss.  17 

als  Conjectureii,  38  als  LAA  eines  anderen  Codex  eingeführt 
sind;  die  Herkunft  von  48  ist  nicht  weiter  bezeichnet.  Von 
jenen  38  sind  30  ganz  singulare  LAA,  8  dagegen  stimmen  mit 
Par. ^  resp.  zugleich  mit  den  übrigen  Codices;  von  diesen  48 
aber  stimmen  26  mit  Par.  \  resp.  zugleich  mit  einem  anderen 
Codex,  und  nur  22  sind  sonst  unbezeugt.  Dies  Yerhaltniss  ist 
aber  fast  ganz  genau  dasselbe,  welches  bei  den  61  deutlich  als 
Conjecturen  (durch  „lego",  „forte")  eingeführten  LAA  obwaltet, 
von  denen  30  sonst  unbezeugt  sind,  während  31  mit  Par. '  über- 
einstimmen. Man  wird  also  schwerlich  fehlgehen  —  und  die 
Prüfung  der  einzelnen  Varianten  bestätigt  das  — ,  wenn  man 
auch  in  jenen  48  Noten  Conjecturen  sieht,  die  Gessner  eben 
für  sicher  angenommen  und  desshalb  ohne  weiteres  an  den 
Rand  gesetzt  hat.  Die  Marginalnoten,  die  ihm  der  Codex  bot, 
entstammen  also  einem  sehr  wenig  brauchbaren  Zeugen;  da- 
gegen ist  Gessner  ein  sehr  glücklicher  Kritiker  gewesen  ^^). 

Was  die  spärlichen  und  jungen  Marginalien  in  Par.'-^  an- 
langt —  es  sind  ihrer  überhaupt  nur  33  — ,  so  ist  von  den  18, 
welche  singulare  LAA  bieten,  und  von  den  7,  die  mit  Par.  ^  in 
marg.,  resp.  mit  Fris,  und  Aet.  gehen,  schon  oben  die  Rede 
gewesen.  Die  8  übrigen  bestätigen  LAA  von  Par.  *  ^  ^)  lieber 
die  Herkunft  lässt  sich  bestimmtes  nicht  aussagen;  doch  ist 
sowohl  ihr  Verhältniss  als  das  der  wirklichen  Marginalvarianten 
in  Fris.  zu  den  übrigen  Codd.  das  nämliche,  welches  zwischen 
den  Codd.  selbst  obwaltet;  das  Mass  der  Verwandtschaft  und 
Abweichung  mit  anderen  Zeugen  entspricht  dem  Masse,  welches 
wir  in  dem  Verhältnisse  der  Valeriancodd.  unter  einander  und 
zu  Par.  ^  festgestellt  haben.     Also  ist  es  wahrscheinlich,    dass 


50)  Oben  in  der  Tabelle  sind  die  Fälle,  welche  mit  „al."  von  Gessner 
bezeichnet  sind,  zu  denen  gerechnet,  die  ohne  jede  Benennung  eingeführt 
sind,  um  nicht  zu  präjudiciren.  SchUesslich  hat  auch  die  Sache  keine 
grosse  Wichtigkeit.  Die  Fälle,  wo  eine  Kandle&art,  die  Gessner  mit  „al.*' 
bezeichnet  hat,   mit  Par.^  stimmt,  resp.  mit  einem  anderen  Codex,  sind: 

3  n.  17;  15  n.  22;  16  n.  2;  21  n.  5;  31  n.  18;  32  n.  2;   34  n.  12;  38  n.  8. 
Die  übrigen  Stellen,  wo  Fris.  in  marg.  (sine  notala)  mit  Par.^  stimmt,  sind: 

4  n.  5;  5  n.  7;  9  n.  4;  12  n.  4,  18;  13  n.  14,  16;  17  n.  3,  11,  16;  18  n.  2;    , 
20  n.  2;  21  n.  4;  26  n.  11;  31  n.  24;  32  n.  1;  38  n.  5;  34  n.  5 ;  36  n.  4;  38 

n.  1;  39  n.  9;  41  n.  17;  41  n.  31. 

51)  S.  1  n.  8,  25;  5  n.  7;  8  n.  13;  18  n.  11;  31  n.  28;  32  n.  13;  41  n.  17. 
Texte  und  Uutersuchungeu.  2 


j[g  Bas  Verwandtschaftsverhältniss. 

wir  auch  liier  nur  auf  Yalerianisches ,  und  niciit  weiter  hinauf, 
gefuhrt  werden. 

Kehren  wir  zu  dem  Verwandtschaftsverhältniss  des  Arche- 
typus der  Valeriancodd.  und  des  Par.  ^  zurück.  In  seiner  Textes- 
recension  hat  von  Otto,  wenn  ich  richtig  zähle,  87mal  den 
Text  des  Par.-  verlassen.  An  65  Stellen ^^)  von  diesen  fand  er 
auch  hei  Fris.  Aet.  Par.^  keine  Hülfe  und  sah  sich  auf  die  Con- 
jectur  oder  auf  Verbesserungen,  welche  die  Citate  späterer  Kir- 
chenväter boten,  angewiesen  ^^).  Diese  FäUe  kommen  hier  nicht 
mehr  in  Betracht.  Dagegen  an  22  Stellen  ist  er  der  LA  eines 
oder  mehrerer  der  anderen  Zeugen  gegen  Par.  ^  gefolgt.  Die 
Zahl  ist  gewiss  eine  sehr  geringe,  und  doch  steht  es  so,  dass 
sie  nicht  leicht  Jemand  vermehren,  sondern  eher  noch  Abzüge 
an  ihr  vornehmen  wird.  Schlagender  kann  der  überaus  geringe 
Werth  jedes  einzelnen  der  Codd.  des  16.  Jahrhunderts  gar  nicht 
bewiesen  werden  als  durch  die  hier  vorliegende  Thatsache,  dass 
ein  Gelehrter  j  der  sich  von  diesem  ünwerthe  nicht  von  vorn- 
herein überzeugt  hatte,  nicht  mehr  an  ihnen  zu  loben  gefun- 
den hat.  Indessen  es  sind  immerhin  noch  22  Stellen,  an  denen 
er  ihnen  Glauben  schenkt.  Dies  ist  nicht  von  geringem  Be- 
lang; denn  in  ihnen  spricht  sich  das,  wenn  auch  geringe,  Mass 
der  Selbständigkeit  und  höheren  Brauchbarkeit  aus,  welches 
dem  Archetypus  gegenüber  Par. '  zukommen  soU.  Prüfen  wir 
also  die  Stellen  ^'i)., 

1)  und  2)  Zweimal  folgt  von  Otto  einer  LA,  die  Fris.  Aet. 
Par.2  gemeinsam  haben  gegen  Par.  ^,  nämlich  5  n.  8  und  26  n.  1. 
Dort  bietet  Par.  ^:  „Ot're  ycco  avagxog  rj  vXrj  y.ad^aneQ  yml  6 
-v^£og";  bei  den  übrigen  Zeugen  fehlt  '/.cd.  Man  wird  hier 
schwerlich  Grund  haben,  die  LA  des  ältesten  Zeugen  zu  ver- 
lassen, da  sie  zwar  schwieriger,  aber  sehr  wohl  erträglich  ist. 
Dasselbe  ist  an  der  zweiten  Stelle  der  Fall.  Par.^  liest:  ,,nau- 
oao&e  loyovg  alAOTQlovg  ^Qi(x(,ißavovTeg   v.al  ügneQ  o  y.olocog 


52)  Sie  sind  oben  aufgeführt  worden. 

53)  Ich.  glaube  indess,  dass  mindestens  an  den  Stellen  3  n.  12,  14;  9 
n.  4,  8;  15  n.  21;  17  n.  15;  26  n.  3;  29  n.  G;  31  n.  23  die  LA  des  Par.» 
zu  halten  ist, 

54)  S.  1  n.  9,  16,  24;  3  n.  4,  19;  5  n.  8;  8  n.  15;  16  n.  9;  17  u.  11; 
18  n.  5;  19  n.  2;  22  n.  14;  23  n.  9;  26  n.  1;  27  n.  3;  33  h.  7,  12;  88  n  h 
7;  39  n.  5,  10;  40  n.  7. 


Das  Verwandtscliaftsverhältniss.  19 

ovY.  ISlotg  87TiKOG^touii€vo^  7tz£Qolg'\  Die  anderen  Zeugen  haben 
6TCi,y.oaf.ioi-^i£voi:  Wiederum  ist  jenes  die  schwierigere  LA,  wäh- 
rend die  Codd.  des  16.  Jahrh.  den  Text  glätten.  Ich  sehe 
darum  keinen  Grund  von  Par.^  abzuweichen. 

3)— 5)  An  drei  Stellen  hat  von  Otto  eine  LA,  die  Fris. 
und  Aet  bieten,  gegen  Par.^  in  den  Text  aufgenommen:  C.  33 
n.  7  ^LlavUov  (Aet.  Fris.),  dagegen  Par.^  ^silavlojv.  Hiervon 
darf  füglich  abgesehen  werden.  Anders  steht  es  an  den  beiden 
anderen  Steilen.  Das  ,,:Sd-£vslaog",  welches  Aet.  und  Fris.  39 
n.  5  bieten  (om.  Par.  ^J,  ist  nicht  zu  missen  und  kann  auch 
nicht  durch  Conjectur  gewonnen  sein.  Ebenso  ist  das  ivrvy- 
yavovrag  des  Par.  i  27  n.  3  unerträglich,  während  iinvyxo^vovzeg 
(Aet.  Fris.)  gewiss  das  Ursprüngliche  ist. 

ß)__9)  An  vier  Stellen  folgt  von  Otto  dem  Fris.  Die  LA 
yvaitmTag  (reli.  yvuTr.cdg)  c.  8  n.  15  zu  erwählen,  ist  Geschmacks- 
sache; jedenfalls  ist  die  Variante  völlig  irrelevant.  C.  i  n,  2-1 
bietet  Par.^  (ebenso  Par.^  Aet.):  laQvyyiwol  es  ol  Tavzi^g  scpu- 
f.ievoc,  '/,al  xoQd/M}v  ecpUvzai  (pwvtjv,  Fris.  liest  acplevrai.  Diese 
LA  ist  gewiss  die  richtige;  ist  sie  aber  nicht  vielleicht  ledig- 
lich Correctur?  Aehnlich  ist  der  Fall  c.  33  n.  12:  Par.^  (ebenso 
Aet.  Par.-)  hat  hier  in  dem  Statuen verzeichniss  der  Künstler 
vor  Mvrjoiagxldog  die  Worte:  ,^KleiTovg  de  'AmpioTtjaTog''^ 
Nun  steht  aber  schon  drei  Zeilen  vorher  „x«t  lAficpioTQaTog 
KJiSLTO}'  in  allen  Codd.,  so  dass  also  jenes  lediglich  Wieder- 
holung, die  schwerlich  ursprünglich  ist.  Frig.  allein  hat  sie 
nicht.  Aber  der  Fris.  liege  uns  nicht  in  der  Handschrift,  son- 
dern nur  im  Druck  vor.  Es  gehörte  wenig  Verstand  dazu,  um 
die  Dittographic  zu  tilgen;  Gessner  aber  war  ein  sehr  ver- 
ständiger Corrector.  Ich  möchte  desshalb  die  Stelle  nicht  zu 
den  Fällen  rechnen,  wo  Fris.  eine  glaubwürdigere  Tradition 
als  Par.i  bezeugt.  Am  interessantesten  ist  c.  l  n.  9:  Par.^  Aet. 
Par.-  bieten:  lidgEg  ttjV  öiä  zcov  doxQiov  (seil,  s^slqov)  ngoyvtu- 
OLVy  TiTTjOaig  bQvid-iov  Oqvyeg  xal  'loaugiov  ol  naKciiöxaroi^  Kl- 
JCQLOi  ^vTi'/Jp  BaßvXcjViOi  jLiayevsiv  TleQöai  yewfieTgslv  Ah/vn- 
TtoL,  Frig.  bietet  allein  vor  Baßvlwvioi  ^^doroovof.islv^''  und  das 
hat  von  Otto  in  den  Text  aufgenommen  (Par.^  hat  in  marg. 
vor  Baß.  ein  xa/).  Er  stützt  sich  für  diese  LA  auf  Clem.  Alex. 
Protrept.  6,  70,  wo  es  heisst:  yeiofieTQiav  naq  AlyvnTiuyv  ^lav- 
S^iivsigj  aOTQOVOf^lav  TtaQcc  BaßvkcovUov.    Die  eigentliche  Haupt-r 

•1* 


^0  I^^'^  Verwandtschafts verliältniss. 

stelle,  an  welcher  Clemens  AI.  dieselben  Ausführungen  giebt, 
wie  Tatian  c.  1,  ist  aber  Strom.  I,  16,  74  sq.  Man  halt  gewöhn- 
lich diesen  Passus  für  ein  Plagiat  aus  Tatian;  dass  er  dies  aber 
nicht  ist,  Clemens  und  Tatian  vielmehr  auf  eine  gemeinsame 
Quelle  zurückgehen,  die  sie  verschieden  bearbeitet  haben,  lässt 
sich  leicht  zeigen  und  wird  später  nachgewiesen  werden.  Es 
kann  mithin  aus  dem  Clemenstext  nicht  sofort,  der  Text  Tatians 
verbessert  werden.  Die  Stelle  bei  Clemens  lautet:  ^lyhixiot 
yovv  TiQvnoL  aozQoXoyiav  alg  dv^QOjnovg  e^iyeyy.av^  o(.ioicog  de 
Tcai  Xalöaioi  .  .  .  eialv  öi^  di  KaQcig  t^v  di^  aotBoiov  jigoyvojoiv 
i/iLvevotj'/evai  ?JyovoiVf  7iZ7jOEig  öi  oQvld^cov  nagaq^vXd^avro 
nQOJTOL  (J>Qvyeg^  Tcal  ^iTL'/.r]v  ijXQißcooav  TovOkol  'Ivaliag  yehoreg. 
"laavQOL  08  Tial  'L4.Qaßeg  e^enovrjoap  ty^v  ouoviOTr/.ijV  xtA.  Dass 
die  Babylonier  die  Astronomie  erfunden  hätten,  steht  hier  nicht; 
weiter  aber:  Gregor  von  Nazianz  sagt  an  einer  Stelle  der  3. 
Oratio,  an  welcher  er  sich  überhaupt  mit  Tatian  berührt>.  zo 
0-U81V  öi  ov  Traget  Xcclöalwv  elV  ovv  Kv7rQioy  —  das  ist  aber 
auch  der  Gedanke,  welcher  sich  aus  dem  Text  des  Par.*  er- 
giebt,  wenn  man  mit  Par.-  in  marg.  ein  '^ai  vor  BaßvltoviOL 
setzt.  AVie  die  7ciiioetQ  vqv/O-cüv  auf  die  Phrygier  und  Isaurier 
zurückgeführt  werden,  so  die  Svxi/,r]  auf  die  Cyprier  und 
Babylonier.  Indessen  das  aürgovo/^t^lv  des  Fris.  ist  schwerlich 
blosse  Coiijectur,  da  Clemens  im  Protrept.  auch  so  liest  und 
zwar  wie  bei  Tatian  im  Zusammenhang  mit  dem  yecofxezQah' 
der  Aegypter.  Also  wird  es  in  der  Vorlage  des  Fris.  gestan- 
den haben.  Dann  aber  ist  räthselhaft,  dass  Aet.  und  Par.'-^  es 
nicht  bieten,  vielmehr  mit  Par.  ^  gehen,  und  Gregor  von  Nazianz 
auch  schon  die  ^iiiKrj  auf  die  Babylonier  (Chaldaer)  zurück- 
führt. Ich  sehe  hier  keinen  anderen  Ausweg  als  in  der  aller- 
dings gCAvagten  Annahme,  dass  in  der  Vorlage  beide  LAA  ver- 
zeichnet Wciren,  resp.  aoinovoiiuv  in  marg.  stand.  Aber  dass 
Valerianus  durcli  Coiijectur  eine  LA  getrotfen  hat,  die  bei  Cle- 
mens im  Protrept.  bezeugt  ist,  ist  noch  unwahrscheinlicher. 

10) — 12)  Dreimal  ist  von  Otto  dem  Cod.  Aet.  gefolgt  gegen 
Par.i  und  die  anderen.  C.  1  n.  16  und  22  n.  14  bietet  Aet. 
vf.uüv  (vf.uv),  die  übrigen  i)u(ov  {rjtüi).  In  den  Valeriancodd. 
ist  diese  Verwechselung  häutig  und  zum  Theil  absichtlich.  Dass 
Valerianus  zweimal  damit  in  der  That  das  Richtige  getroffen 
hat,  beweist  nicht,  dass  seine  Vorlage  schon  dieses  bot,  zumal 


Bas  Verwandtschaftsverhältniss.'  2  t 

da  Fris.  und  Par.'^  wie  Par.^  lesen.  Unsicher  mindestens  ist  es 
auch,  ob  das  nQoXr^f.if.LCLXiy  welches  Aet.  c.  3  n.  19  hat  (Par.^ 
Fris.  TiQoXriaaTL^  Par.  ^  nQoaXi]i.i^(xTi)  mehr  ist  als  eine  ortho- 
graphische Correctur.  Doch  muss  es  offen  bleiben,  dass  wirk- 
lich die  Vorlage  dieses  hatte. 

13) — 15)  Dreimal  hat  von  Otto  eine  LA  aufgenommen, 
die  nur  der  Par.'^  bietet.  C.  3  n.  4  lesen  Par J  und  Aet.:  cpaöiv 
EuQinldrjv  .  .  .  xo  '^H.qu.kIsltov  öxoiog  naQci6eötoY.ivai,  Fris.  hat 
^HQay.XeiTELOv,  Par.^  'Hoazleltoi.  Man  mag  nun  das  letztere 
für  die  richtige  LA  halten,  so  scheint  doch  die  LA  des  Fris., 
die  ohne  Zweifel  eine  Correctur  zu  ' HottAluTov  ist,  zu  beweisen, 
dass  die  Vorlage  eben  dieses  bot.  Aus  dem  schwer  erträglichen 
*^HQdy.l€itov  desPar.  ^  erklärt  sich  sowohl 'i/(>»ax/tfc/rof  wie 'Hoff- 
aIsItsiov^  und  dass  auch  Aet.  für  "^[iQaxXetxov  eintritt,  ist  ent- 
scheidend. Es  ist  also  ganz  unwahrscheinlich,  dass  Par.^  hier 
seine  Vorlage  wiedergegeben  hat,  namentlich  wenn  man  er- 
wägt, wie  vielfach  Valerianus  seine  Texte  corrigirt  hat.  Noch 
weniger  ist  auf  die  zweite  Stelle,  c.  19  n.  2,  zu  geben:  alle  Codd. 
bieten  hier  d7cod£tovGt^  auch  Par."^,  aber  hier  ist  nachträglich 
dieses  Wort  durch  ccTuodiovoc  supra  lineam  ersetzt.  Die  Vor- 
lage der  Valeriancodd.  las  hier  also  auch  wie  Par.  ^  Auch  c.  40 
n  7  bietet  Par.^  nicht  Ueb erlief ertes.  Alle  4  Codd.  haben  hier 
verschiedene  LAA.  Par.  ^  liest  log  ^vO^oXoyiaig  xi]v  dltj^eiav 
7iaQa7t(i€oßet(jüOL)  Aet.  wg  (.iv^oXoyiagy  Fris.  zeug  f-iv^oloylaig^ 
Par.2  (hg  jLivd-oXoylav,  Letzteres  hat  von  Otto  recipirt,  aber 
auf  Grund  der  Uebereinstimmung  der  drei  anderen  Codd.,  die 
einen  Plural  hier  bieten,  scheint  es  geboten,  an  diesem  festzu- 
halten und  in  der  LA  des  Par.^  eine  naheliegende  Correctur 
(nach  dXr;d-siav)  zu  sehen.  Nur  darum  kann  es  sich  handeln, 
ob  die  LA  von  Aet.  für  überliefert  zu  halten  ist  oder  nicht. 
Es  ist  aber  offenbar,  dass  sich  allein  aus  der  LA  des  Par. '  alle 
"übrigen  erklären  lassen,  während  man,  legt  man  Aet.  zu  Grunde, 
fragen  muss,  woher  Fris.  und  Par.^  beide  auf  den  Dativ  ge- 
kommen sind.  Legt  man  Fris.  zu  Grunde,  so  erklärt  sich  das 
übereinstimmende  cog  der  anderen  Zeugen  nicht  mehr,  während 
von  Par.  2  aus,  wie  bemerkt,  der  Plural  der  übrigen  unerklärt 
bleibt.  Es  ist  also  hier  ein  recht  treffendes  Beispiel  zu  er- 
kennen, wie  Valerianus  seine  Handschriften  fabricirt  hat.  Die 
LA  des  Par.^  ist  auffallend,  vielleicht  falsch;  aber  eben  dieselbe 


22  I^as  Verwaudtschaftsverhältiüss. 

lag  dem  Valerianus  vor.  Er  hat  sie  in  den  3  Codd.,  die  wir 
kennen,  jedesmal  anders  behandelt.  Dass  er  bei  seinen  Correc- 
tnren  gerade  in  Par.^  das  Richtige  getroffen  hat  —  denn  Euse- 
bius  bietet  auch  rog  ftivd^oloylav  — ,  ist  wohl  zufällig.  Aber 
für  mehr  als  eine  Corrcctur  kann  die  LA  in  Par.'-  schwerlich 
gelten,  wenn  auch  die  blasse  Möglichkeit  offen  bleiben  muss, 
dass  Valerianus  den  Eusebius  hierbei  zu  Rathe  gezogen  hat. 

16) — 22)  Viermal  ist  von  Otto  LAA  des  Fris.  in  marg. 
gefolgt,  zweimal  Par.^  in  marg.  und  einmal  einer  gemeinsamen 
Marginalnote  in  Par.^  und  Fris.  Diese  Fälle  kommen  aber 
eigentlich  für  uns  nicht  mehr  in  Betracht;  denn  da  bei  ihnen 
Par.^  Aet.  Par.2  und  Fris.  im  Texte  zusammenstimmen,  so  kön- 
nen sie  das  ürtheil  über  den  Archetypus  der  Valeriancodices 
nicht  erschüttern.  Da  aber  oben  vermuthet  worden  ist,  dass 
die  Marginalien  in  Fris.  und  Par.^  keinen  höheren  Werth  haben 
als  die  Valeriantexte,  und  da  es  doch  wichtig  ist,  festzustellen, 
ob  nicht  in  ihnen  wenigstens  Reste  einer  besonderen  und  werth- 
voUen  Ueberliefemng  enthalten  sind,  so  sind  jene  Fälle  noch 
zu  prüfen.  Allerdings  sind  vier  von  ihnen  sofort  auszuschliessen: 
C.  17  n.  11.  c.  23  n.  9,  c.  38  n.  1  stehen  zwar  unzweifelhaft 
richtige  LAA  am  Rande  des  Fris.  (loxcsi-  für  löxvav  —  g)ov£L:£- 
ad^at  für  das  grammatisch  unmögliche  (povevo^at  —  in^  uAgißig 
für  €7t'  a-agißelg;  die  Fehler  sind  allen  4  Codd.  gemeinsam), 
aber  sie  sind  nicht  durch  ein  „al."  von  G essner  eingeführt. 
Wir  haben  daher  in  ihnen  (s.  oben)  lediglich  Correcturen  zu 
erkennen,  die  jeder  denkende  Herausgeber  nothwendig  an- 
bringen musste.  Nicht  anders  steht  es  c.  39  n.  JO:  Alle  Codd. 
lesan  hier  Jiotisq  ol  xcrTor  "Iva^ov  7teq)r^vev  o  3I(üva^g  ysyovcjg^ 
'iiQBößvTBQOQ  i-oti  Tiüv  'IXia/.(üv.  Das  ist  sinnlos.  Fris.  und 
Par.^  haben  daher  am  Rande  et  für  o/,  und  diese  LA  ist  natür- 
lich richtig.  Aber  dass  sie  auf  älterer  handschriftlicher  lieber- 
lieferung  beruht,  ist  sehr  unwahrscheinlich ;  denn  Fris.  führt  sie 
ohne  ein  „al."  ein,  und  die  Marginalien  in  Par.^  sind  aus  einer 
Zeit,  wo  schon  die  Oratio  Tatian's  nach  dem  Fris.  gedruckt 
vorlag.  Desshalb  wird  auch  aus  Par.^  in  marg.  bei  c.  16  n.  9 
und  38  n.  7  nichts  Sicheres  zu  gewinnen  sein.  Dort  liest  Par.  ^ 
iva  TB  voniCiociv  elvai  xivegj  Aet.  Fris.  Par.-  vofLti^ovoiv.  Das 
Passivum  voiitoOtoöiv  ist  aber  .schlechthin  nothwendig  und  so 
bietet   denn  auch  der  Corrector  von  Par.^  in   marg.    An  der 


Das  Yenv-andtscliaftsverhältniss.  23 

zweiten  Stelle  lesen  alle  Tatiancodices  f-iBza  Tomiov,  Par.^  in 
marg.  richtig  ^^vomor^^  und  zwar  mit  Eusebius.  Es  ist  möglicli, 
dass  hier  geradezu  der  Eusebiustext  vom  Corrector  berück- 
sichtigt worden  ist^^).  So  bleibt  nur  die  eine  LA  bei  Fris,  in 
marg.,  welche  Gessner  durch  ein  „al."  aus  einer  IJeberlieferung 
angeführt  hat  (18  n.  5),  als  beachtenswerth  nach.  Hier  bieten 
alle  Codd.  n.Qog  t6  vofiiLo^evov  xay.ov,  Fris.  in  marg.  aber  -Aalöv^ 
und  diese  LA  ist  durch  den  Zusamm.enhang  gefordert.  Die 
Seitenüberlieferung  also,  die  im  Fris.  (marg.)  vielleicht  vorliegt, 
hat  in  der  That  an  einer  Stelle  das  Sichtige  allein  aufbewahrt. 
Wir  können  nun  das  Resultat  dieser  Untersuchungen  zu- 
sammenfassen: 

1)  Die  Valeriancodd.  sind  ziemlich  willkührliche  Kecensio- 
nen  ein  und  derselben  Handschrift.  Par.^  ist  noch  relativ  am 
wenigsten  misshaudelt.  Aet.  und  Fris.  stehen  sich  ziemlich 
gleich.    Keiner  der  3  Codd.  ist  aus  dem  andern  abgeschrieben. 

2)  Der  Archetypus  der  Valeriancodd.  ist  nicht  aus  Par.* 
direct  geflossen  oder  gar  mit  ihm  identisch,  da  er  an  einigen, 
freilich  sehr  wenigen  Stellen  Zuverlässigeres  überliefert  hat. 
Er  ist  aber  dem  Par.^  sehr  nahe  verwandt,  freilich  von  sehr 
viel  geringerem  Werthe  als  jener,  da  er  schon  durch  viele 
Fehler  entstellt  ist. 

3)  Der  Marcianus,  dem  nach  dem  Zeugnisse  Morelli's  der 
Aet.  so  ähnlich  ist,  muss  mit  dem  Archetypus  der  Valerian- 
codd. verschwistert  sein,  .wird  also  für  die  Textesconstruction 
wenig  austragen.    Diese  ist  ganz  und  ausschliesslicher,  als  von 


55)  Dabei  sei  darauf  hingemesen,  dass  auch  im  God.  Aet.  sich  eine 
Stelle  findet,  deren  Redaction  nicht  anders  erklärt  werden  kann  als  durch 
eine  Benutzung  des  Eusebius  seitens  des  Yalerianus  —  eine  Annahme,  die 
schon  desshalb  nicht  unwahrscheinlich  ist,  weil  Valerianus  verschiedene 
Werke  des  Eusebius  mehrere  Male  abgeschrieben  hat:  die  Königsreihe 
der  Argiver  bieten  Par.',  Fris.,  Par.2  in  dieser  Reihenfolge  ^Amg,  KQiaatq, 
TpioTtag,  U.^yEtog,  4^6(>ßag^  Kgovoinag.  Dagegen  hat  Euseb.  an  der  Stelle, 
wo  er  in  der  Praepar.  den  Tatian  ausschreibt  ~Anig^  'AgyeTog,  Kglaoog, 
<PÖQßag,  Tgtöuag^  Kpotconog.  Der  Cod.  Aet.  nun  hat  die  Reihen- 
folge des  Eusebius  —  über  ihre  Richtigkeit  und  ihren  Ursprung  s. 
Gelzer,  J.  Africanus  I  S.  21  — ,  seine  Namen  aber  sind  mit  denen 
in  Par.^  und  nicht  mit  denen  des  Eusebius  identisch.  Hier  ist 
also  wiederum  recht  deutlich,  dass  der  Tatiantext>  bei  Vaierian  in  mehr 
oder  weniger  gelehrten  Redactionen  vorliegt. 


24  I^er  Cod.  Parisinus  451. 

Otto  es  getlian  hat,  bei  unserer  bisherigen  Handschriftenkennt- 
niss  auf  Par.*  zu  basiren;  die  LAA  der  Codd.  des  16.  Jahr- 
hunderts haben  fast  durchgängig  nur  den  Werth  von  Con- 
jecturen. 

Dieses  Resultat  ist  nicht  eben  ein  befriedigendes.  Wir 
sehen  uns  für  den  Tatiantext  fast  lediglich  auf  den  Par.^  an- 
gewiesen, eine  Handschrift  des  11.  oder  12.  Jahrh.  s.  Die  Ver- 
gleichung  des  Marcianus  verspricht  wenig  Hülfe.  Die  Ueber- 
lieferung  ist  auch  dann  nicht  über  dass  11.  Jahrh.  hinaufzu- 
führen.    Indess  von  unerwarteter  Seite   kommt  uns  Beistand. 

§  3.    Der  Codex  Parisinus  451. 

In  §  1  ist  auf  die  merkwürdige  Yerwandtschaft  des  In- 
haltes der  Codd.  Par.  \  Mutin.,  Venetus  und  Aet.  (indirect  also 
des  Archetypus  der  Valeriancodd.)  hingewiesen  worden.  Es  ist 
nützlich  sie  liier  übersichtlich  zur  Anschauung  zu  bringen: 

Mutin.  Par.^  Aet.  Marcian. 

Clemens  Protrept. 
,,    Paedagogus 
Ep.  ad  Zenarn.      Ep.  ad  Zenam.      Ep.  ad  Zenam. 
Cohortatio.  Cohortatio. 

Expositio  r.  fid. 

Tatianus  Tatianus.  Athenag.  Suppl. 

Athenag.  Suppl.    Athenag.  Suppl.  „     de  resurr. 

,,    de  resurr.  „    de  resurr.    Tatianus.  Euseb.  Praep. 

I— V. 
Euseb.,  Hierocl.  Euseb.,  Hierocl. 

Tatianus. 
Es  liegt  auf  der  Hand,  dass  die  Codd.  einen,  wenn  auch 
weit  zurückliegenden,  Archetypus  haben  müssen.  Der  älteste 
afller  bisher  bekannten  griechischen  Codices,  welche  apologe- 
tisclie  Schriften  des  2.  Jahrhunderts  enthalten,  ist  der  Paris. 
451,  olim  1109,  i)Ostea  2271  (A)^'<>).  Er  ist  nach  der  Unter- 
schrift (fol.  4()lb):  iyQaq^)^  "/.^lqI  ßadvovg  votaoLov  dQad'<^  ß«?X'^- 
7iiO'/,6mit  '/Mioagslag  y(,a7r7taÖoy.iag  €T€c    xoof^ov    gv/.ß'   —   ge- 


56)  S.  über  ihn  von  Otto,  1.  c.  Vol.  IIP  p.  VII  sq.  IV-"»  p.  XXII. 
VII  p.  XIII  sq.  Kin  Facsimile  iiii  III.  Vol.,  bei  Montfaucon,  Palaeogr. 
Gr.  p.  275  und  bei  Gardthausen,  Griech.  Paläogr.,  Taf.  5,  Col.  6. 


Der  Cod.  Parisinus  451.  25 

schrieben  i.  J%  914.    Dieser  Codex   (membran.  in  4^  fol.  403) 
iimfasst  folgende  Schriften : 

1)  Clementis  AI.  Protrepticus  (fol.  la— 56h). 

2)  Ejusdem  Paedagogus  (fol.  57a— 154h). 

3)  Jastini  ep.  ad  Zenam  (fol.  155^— 163h). 

4)  Justini  Cohortat   ad  Gentiles  (fol.  163h— 187h). 

5)  Eusebii  Praeparat.  1.  I-V  (fol.  188^— 322a). 

6)  Athenag.  Supplicatio  (fol.  322h— 348a). 

7)  Ejusdem  de  resurr.  (fol.  348h — 367h). 

S)  Eusebii  adv.  Hierociem  (fol.  368a— 40lh)57). 
Man  könnte  nicht  zweifeln,  dass  alle  vier  oben  genann- 
ten Codd.  auf  A  zurückgehen  oder  doch  einen  gemeinsamen 
Archetypus  mit  ihm  haben,  bestünde  nicht  eine  Schwierig- 
keit: in  Cod.  A  fehlt  Tatian's  Oratio ,  während  gerade  diese 
Schrift  die  einzige  ist,  welche  alle  vier  oben  genannten 
Codd.  gemeinsam  bieten.  Sie  müsste,  wie  eine  Vergleichung 
mit  Par.  ^  und  Mutin.  lehrt,  in  A  entweder  zwischen  Nr.  4  und 
5  oder  zwischen  Nr.  5  und  6  stehen.  Die  genaue  Beschreibung 
von  A  bei  von  Otto  giebt  hier  unerwartet  Aufischluss.  „Exci- 
derunt",  sagt  er,  „in  codice  inter  folia  nunc  numeris  notata  187  et 
188  quattuor  quaterniones,  h.  e.  triginta  duo  folia  sive  sexaginta 
quattuor  paginae,  quae  jam  saeculo  quarto  decimo  desideraban- 
tur,  ut  ex  verbis  liquet  illa  aetate  subscriptis:  evtevO-sv  .ilkei^ 
Tcovoc  Tergddia  (J'."  Die  Lücke  begreift  den  Schluss  der  Co- 
hortatio  (der  Text  endet  bei  den  Worten  im  36.  cap,  p.  34  A) 
und  den  Anfang  der  Praepar.  des  Eusebius  (p.  I88a  setzt  bei 
den  Worten  I,  3,  5  ein:  yjfuv  v  ^lexä  xelga^  exnoveiTaL  tiqo- 
i^eoig).  Aber  von  Otto  hat  sich  nicht  darum  gekümmert,  ob 
sie  nicht  mehr  umfasse,  d.  h.  ob  nicht  eine  ganze  Schrift  da- 
zwischen ausgefallen  ist.  Nach  obiger  Tabelle  wird  es  sofort 
Jeder  vermuthen  dürfen,  dass  Tatian's  Oratio  hie^  gestan- 
den hat.  Die  Richtigkeit  dieser  Vermuthung  kann  erwiesen 
werden.  Der  Beweis  lässt  sich  durch  eine  einfache  Rechnung 
fuhren: 

1)  Die   Cohortatio    umfasst    in    der  Ausgabe  von   Otto 's 
c.  53  Seiten;    das   Stück   aber,    welches   durch   A   bezeugt  ist, 


57)  Die  Suhscriptiö  steht  fol.  40 1^.    Dann  sind  noch  zwei  Blätter  an- 
gehängt, von  denen  später  gehandelt  werden  soll. 


25  Der  Codex  Parisinus  451. 

47  V2  SS.  Die  47  V2  SS.  bei  Otto  entsprechen  ^  fol.  in  A,  die 
fehlenden  5^2  SS.  würden  somit  fast  3  fol.  in  A  gefüllt 
haben. 

m 

2)  Die  135  fol.,  welche  A  ans  der  Praepar.  ev.  jetzt  bietet, 
entsprechen  246  Seiten  in  der  Di ndorf 'sehen  Ausgabe.  Das 
in  A  am  Anfang  der  Praep.  fehlende  Stück  umfasst  aber  bei 
Dindorf  6,2  Seiten.  Mithin  hat  dasselbe  im  Codex  3,4  fol., 
das  ist,  da  der  Schreiber  eine  neue  Schrift  auf  derselben  Seite 
nicht  angefangen  hat,  =  3V2  ^^l.,  eingenommen.  Somit  ent- 
sprachen den  fehlenden  Stücken  der  Cohort.  und  Praepar.  in 
A  zusammen  6^'2  ^ol.  Die  Lücke  im  Cod.  beträgt  aber  32  fol. 
Mithin  hat  in  derLücke  von  A  ursprünglich  noch  eine 
Schrift  gestanden,  die  25^2  fol.  umfasste. 

3)  Um  zu  ermitteln,  ob  diese  Lücke  den  Tatian  enthalten 
haben  kann,  ist  folgender  Weg  einzuschlagen:  Die  vier  Schrif- 
ten Ep.  ad  Zenam,  Cohortat.,  Supplicat.,  de  resurr,  nehmen  in 
Par.i  66 1/2  fol-  ein;  dieselben  Schriften  füllen  in  A  81  fol.  (die 
drei  fehlenden  fol.  der  Cohort.  sind  hier  eingerechnet);  Tatian's 
Oratio  ist  aber  in  Par.^  auf  20  V2  ^ol-  geschrieben.  Auf  Grund 
einer  einfachen  Proportion  (66,5  :  81  =  20,5  :  x),  die  um  so  zu- 
verlässiger ist,  als  A  gleichmässig  von  einer  Hand  geschrieben 
ist  und  durchweg  26  Zeilen  auf  der  Seite  enthält,  ergiebt  sich, 
dass  Tatian  in  A  muthmasslich  24,9  fol.  gefüllt  hätte; 
es  sind  aber  nach  dem  Obigen  25^5  fol.,  die  zur  Dispo- 
sition stehen. 

Bei  einem  so  schlagenden  Ergebnisse  der  Rechnung  wird 
die  Hypothese  einer  weiteren  Begründung  nicht  mehr  bedür- 
fen, dass  A  wirklich  zwischen  der  Cohort.  und  Praepar.  die 
Oratio  Tatian's  enthalten  hat,  und  dass  die  Codd.  Mutin.,  Par.  *, 
(Aet.),  Marcian.  mit  ihrem  Tatiantext  direct  oder  indirect  auf  A 
oder  dessen  Vorlage  zurückgehen. 

Es  wird  nun  möglich  sein,  ein  Urtheil  darüber  zu  gewin- 
nen, wie  treu  diese  Codd.  den  Tatiantext  ihrer  Vorlage  in  A 
wiedergegeben  haben;  denn  man  wird  annehmen  dürfen,  dass 
im  Ganzen  dasselbe  Verhältniss  hier  obgewaltet  hat,  welches 
bei  den  controlirbaren,  ihnen  gemeinsamen  Stücken  sonst  be- 
steht. Ferner  eröffnet  sich  nun  die  Aussicht,  die  Herkunft  der 
Scholien  in  Par.*  und  sonst  zu  bestimmen.  Dieselben  erhalten 
einen  ganz  anderen  Werth,  wenn  sie  auf  den  Anfang?  des  10.  Jahr- 


Der  Codex  Parisinus  -l')!.  27 

• 

hunderts  und  auf  die  Schreiber  des  gelehrten  Arethas  zurück- 
geführt werden  können.  Endlich  wird  diese  Untersuchung  auch 
Licht  verbreiten  über  die  Ueberlieferungsgeschichte  und  den 
uns  heute  zugänglichen  Apparat  eines  grossen  Theiies  der 
übrigen  Apologien  des  2.  Jahrhunderts.  Zuvor  aber  ist  der 
Cod.  Par.  451  selbst  noch  näher  ins  Auge  zu  fassen  und  die 
gelehrte  Thätigkeit  des  Arethas  zu  beleuchten. 

Der  Par.  451  ist  in  älterer  Zeit  von  Stephanus,  Hut- 
chinus,  Maranus,  Nourrius,  Montefalconius  eingesehen 
worden,  für  das  Corp.  Apologg.  hat  ihn  C.  B.  Hase  verglichen, 
später  hat  ihn  Nolte  für  die  Apologeten  verwertliet.  Die  fünf 
Bücher  der  Praepar.  ev.  sind  für  die  Ausgabe  von  Galsford"^"^) 
von  Miller  verglichen  worden.  Nicht  ganz  deutlich  wird^  ob 
Dindorf  für  seine  Ausgabe  der  Praepar.  ev.  ^^)  eine  neue  Col- 
lation  des  Codex  verwendet  hat;  für  seine  Ausgabe  des  Cle- 
mens Alex.^ö)  hat,  wie  es  scheint ^^),  Duebner  die  Collation 
geliefei^t.  Im  Ganzen  darf  gesagt  werden,  dass  es  möglich  ist, 
auf  Grund  der  verschiedenen  Collation en  ein  treues  Bild  von 
dem  Inhalt  des  Codex  zu  gewinnen. 

1)  Die  Handschrift  ist  auf  Bestellung  geschrieben  für  den 
Erzbischof  Arethas  von  dem  berufsmäs.sigen  Abschreiber  Baa- 
nes**2).  Der  Name  dieses  Schreibers  ist  bisher  auf  keiner 
anderen  Handschrift  nächgewiesen  ^^j.  Unmittelbar  nach  der 
Unterschrift  ist  der  Preis,  welchen  Arethas  bezahlt  hat,  ange- 
geben: MN ,,nEPrAMNNS  —  so  nach  Duebner ß*).  Ich 
muss  es  dahingestellt  sein  lassen,  wie  diese  Buchstaben  zu  er- 
gänzen sind,  vermuthe  aber,  dass  statt  IVJN  vielmehr  ebenfalls 
NN  zu  lesen  ist  und  somit  eine  doppelte  Preisangabe  vorliegt, 


58)  Oxon.  1843  T.  I  (p.l). 

59)  Lips.  1867  Vol.  I  (p.  IV  sq.). 

60)  Oxon.  1869  Vol.  I  (p.  V  sq.). 

61)  S.  P.  de  Lagarde,  Sjmmicta  I  (1S77)  S.  12. 

62)  Ueber  voTägtoqs.  Gardthausen,  a.  a.  0.  S.  296 f.  u.  vgl.  Sozom., 
h.  e.  IV,  10:  TfxyyyQd(poq  ßaai)ui<Qq  ix  lov  Tccy/nazog  zwv  xaXovfisvwv 
vozagicav, 

63)  S,  Gardthausen,  a  a.  0.  S.  315. 

64)  Clem.  Alex.  Opp.  I  p.  VI.  Nach  MN  sind  zwei  Buchstaben  aua- 
radirt. 


2g  Der  Cod.  Parisinus  451. 

für  die  Schreiberei  und  für  das  Pergament  ^^).  Auf  derselben 
Seite  stellt  noch  von  einer  Hand  des  13.  oder  14.  JaÜrh.'s  fol- 
gende Bemerkung:  rj  ßlßlog  aurrj  Til(pvv,e  fiovaxio  MeXetlo)  [sie] 
oly.TQOjg  ßiovvTog  [sie]  xat  nciQ*  d^lav  amov.  Der  Codex  war 
also  um  diese  Zeit  wahrscheinlich  noch  im  Orient  ^^"').  Leider 
lässt  sich  sonst  für  seine  weitere  Geschichte  aus  ihm  selber 
nichts  ermitteln,  doch  wird  vielleicht  aus  den  Abschriften  des 
späteren  Mittelalters  dieselbe  erhellt  werden  können.  Ueber  den 
Schreiber  hat  C.  B.  Hase  geurtheilt:  „calligraphum  linguam 
graecam  probe  cognitam  habuisse,  ita  ut  vitia  passim  ob  via 
codici  sint  imputanda  quem  transcripsit." 

2)  Die  Handschrift  ist  von  verschiedenen  Händen  corrigirt 
worden  *'').  Die  ältesten  Correcturen  sind  in  Schriftzügen  ver- 
merkt, welche  denen  des  Baanes  selbst  sehr  ähnlich  sind;  meh- 
rere andere  stammen  aus  dem  13.  oder  14.  Jahrh.  Einer  der 
Correctoren  war  der  Mönch  Meletius. 

3j  Auf  dem  jedenfalls  absichtlich  sehr  breit  gewählten 
Rande  des  Codex  smd  Schollen  verzeichnet  und  zwar  zum 
grösseren  Theile  in  Capitalbuchstaben.  Diese  Schollen  sind 
nach  Duebner  mit  anderer  Feder,  aber  zu  derselben  Zeit 
und  mit  der  gleichen  Tinte  geschrieben  als  der  Text. 
Dindorf  schliesst  daraus,  dass  sie  ebenfalls  von  Baanes  her- 
rührexi,  eine  Vermuthung,  die  Niemand  für  wahrscheinlich  hal- 
ten wird.  Der  Codex  ist  für  Arethas  geschrieben,  einen,  wie 
sich  zeigen  wird,  sehr  gelehrten  Bücherfreunde.  Ein  solcher 
pflegt  sich  nicht  Scholien  von  Abschreibern  an  den  Rand  setzen 
zu  lassen  —  es  müssten  denn  sehr  alte  und  der  directen  Vor- 


65)  Ueber  Preisbezeichnungen  der  Codd.  s.  Gardthausen,  a.  a.  0. 
S.  30S  f.,  wo  aber  diese  Unterschrift  des  Par.  nicht  erwähnt  ist.  In  dem 
berühmten  Cod.  Clarkianus  39  des  Plato  v.  J.  895,  der  später  noch  in  Be- 
tracht zu  ziehen   sein  wird,    lautet   die  Unterschrift  edod^.  vno  ygaxp^g 

()  o 

NNir.  Hier  ist  also  auch  ausdrücklich  der  Preis  der  Schreiberei  von 
dem  des  Pergaments  unterschieden. 

6G)  f.in  datirter  Ew. codex  (ann.  1275),  nunc  Mosquensis  277  [264],  ist 
von  einem  Mönch  Meletius,  aus  Beröa  stammend,  im  Kloster  des  Geor- 
gius  gescliri^3V)en  worden.  Das  auf  d.  J.  1301  datirte  Synaxarion  (Athos) 
ist  ebenfalls  von  einem  Meletius  geschrieben.  Ob  einer  von  diesen  mit 
dem  oben  genannten  identisch  ist,  steht  dahin. 

67)  S.  Duebner,  1.  c.  p.  VI  sq* 


Der  Cod.  Parisinus  451.  29 

läge  angehörige  Notizen  sein.  Das  sind  sie  aber  nicht.  Ferner, 
hätte  der  Schreiber  sie  geschrieben,  so  ist  nicht  abzusehen, 
warum  er  hier  die  schwerfällige  Majuskelschrift  gewählt  hat, 
während  der  Text  selbst  in  Minuskeln  geschrieben  ist.  Dagegen 
erklärt  sich  die  Veränderung  der  Schrift  sehr  wohl,  wenn  Are- 
thas  selbst  die  Scholien  an  den  Rand  gesetzt  hat;  denn  um 
das  J.  900  war  die  Minuskelschrift,  soweit  wir  urtheilen  können, 
Eigenthum  berufsmässiger  Schreiber,  die  immer  mehr  versclnvin- 
dende  Majuskel  noch  die  Schreibweise  der  Ungeübteren.  End- 
lich, dem  Codex  sind  am  Ende  2  Blätter  l)eigebogen  (fol.  402. 
403),  deren  Inhalt  von  dem  des  Codex  selbst  ganz  verschieden  ist. 
Sie  sind  ebenfalls  litte ris  capitalibus  geschrieben  ab  ejus- 
dem  fere  aetatis  librario  —  also  vielleicht  von  dem  Schreiber 
der  Scholien  —  und  enthalten  nacliDuebner  „anonymi  frag- 
mentum  de  loco  unde  accersivit  asinum  servator^'.  Der  Anony- 
mus ist  aber  kein  solcher,  sondern,  wie  Kolte  zuerst  unter 
Vergleichung  des  Cod.  Medic.  24  plut.  V  gesehen  hat,  es  ist 
Arethas,  der  diese  Abhandlung  verfasst  hat.  Also  ist  es  wahr- 
scheinlich, dass  er  selbst,  vier  leere  Seiten  benutzend,  dieses  Frag- 
ment, dann  aber  auch  vielleicht  die  Scholien  geschrieben  hat,  wo- 
bei natürlich  vorbehalten  bleibt,  dass  er  dabei  Scholien  älterer  Ge- 
lehrten übernahm.  Die  Hypothese,  dass  die  Scholien  auf  Arethas 
selbst  weisen,  wird  durch  eine  Untersuchung  derselben  bestätigt. 

4)  Der  Text  des  Protrepticus  ist  im'Codex  vollständig  er-  . 
halten;  dagegen  fehlen  vom  Pädagogus  die  10  ersten  Capp. 
und  vom  IL  der  Anfang  bis  zu  den  Worten  ngog  öt  yial  Trjg 
87rLTi(.irj]G£coQ.  Der  Verlust  hat  hier,  wie  eine  Berechnung  er- 
giebt,  fünf  Quaternionen,  d.  i.  40  fol.  betragen.  Die  Scholien 
hat  Dindorf  Vol.  I  p.  413 — 450  zusammen  mit  denen  des 
Mutin.  »und  Laurentianus  (plut.  V  cod.  24)  veröffentlicht  und 
ihnen  p.  451  einen  wenig  sorgfältig  gearbeiteten  Index  scriptorum 
beigegeben.  In  den  Scholien  von  A  werden  citirt  Agathar- 
chides,  tcsqi  Trjg  eQv&Qag  iyaldooi]g  (s.  Nicolai,  Griech.  Lit. 
Gesch.  U  S.  183  f.),  Anastasius,  xo  ug,  rrjv  n^og  Kofjii'&lovg 
i^inyrjTiKov  (saec.  VIL,  s.  Fabricius,  ßibl.  Gr.  Vol.  IX  p.  313  sq.), 
Apollonius  Rhodius  (s.  Nicolai,  a.  a.  0.  279  f.),  Aristo- 
phanes,  Achar.  et  Nub.,  Gregorius  Naz.,  Diogenianus 
(s.  Nicolai,  a.  a.  0.  376  f.),  Epikurus,  Euripides,  Hekab., 
Euphorion  (Nicolai,  a.  a.  0.  S.  203),    Helladius,  Chrestom. 


30  Der  Codex  Parisinus  451. 

(ohne  Namensnennung  zu  Protrept.  4,  50),  Herodotus,  He- 
siodus,  Thucydides,  Callimachus,  Libanius,  Menander 
Com.,  Homer,  Piato,  Sympos.,  Polit,  Proclus,  Chrestom. 
(der  Name  ist  nicht  genannt,  aus  diesem  Buche  aher  ein  Ex- 
cerpt  gegeben  zu  Protrept.  1,  10),  Sophokles,  Aiax  (ohne 
Namen);  dazu  der  Spruch  eines  Anonymus:  allog  yvvaL/.og 
y.6o(j,ogy  aXlog  dogeviuv,  ein  Epigramm  auf  die  Pyramiden  ^^'), 
ein  Sprüchwort  auf  die  Stadt  Sagra^^),  ein  anderes  auf  die 
Weiber,  der  dem  Caranus  gegebene  Orakelspruch;  endlich  Da- 
vid, Samuel,  Salomon,  Jesajas,  Jeremias,  Arnos,  Paulus 
(o  -d-eiog  IT.,  o  f.ia'AdQLog  IlavXog).  Der  jüngste  der  hier  citirten 
ist  Anastasius  (saec.  VII) ''^).  Aber  Dindorf  hat  darauf  auf- 
merksam gemacht,  dass  die  Excerpte  aus  Proklus  und  Hella- 
dius  schwerlich  direkt  aus  diesen  genommen  sind.  Gerade  die- 
selben Excerpte  hat  nämlich  Photius  in  der  Bibliotheca  und 
der  Wortlaut  hier  und  dort  stimmt  merkwürdig  zusammen.  Hat 
der  Scholiast  die  Bibliotheca  benutzt.,  so  kann  er  frühestens 
am  Ende  des  9.  Jahrh.  gelebt  haben.  Damit  ist  man  bereits 
bei  der  Zeit  des  Arethas  angelangt.  Es  sind  aber  im  Cod.  zwei 
Schollen  ausdrücklich  durch  ein  vorgesetztes  i^ge-tfa 
als  von  diesem  verfasst  bezeichnet;  nämlich  zu  Paedag 
II,  4,  41  stehen  zu  einem  Psalmverse  a.  v.  dkukayfxov  die  Worte: 
Ldged^a'  aXa/^ay/udg  rj  enLvi/.iog  Horfcai  ßorj.  Toig  ovv  xai^v- 
7i€QT£Q/]oaGi  Twv  öaQv^'Aiüv  dxad^üQOiwP   d'KO?,ovd^iog  6  dXaXay- 


6S)  Zu  Protrept.  p.  54  1.  21  (Dind): 

}ivi\[xaxa  K£<pqTji'6q  xe  xal  ävzi&eov  Mvxegivov 
xal  XeoTtog  xariöatv  Md^tfxog  ijyaaocfjLTjv. 

09)  Zu  Protrept.  p.  35,  12:  ^ayQCi]  nö)uq  tTjq  'IxaXiaq^  atp^  rjq  xal  // 
naQOifiia,  dXrjO^bazfpa  xwv  inl  2äyQn.  ' 

70)  Dies  scheint  Dindorf  (1.  c.  p.  XIII)  nicht  beachtet  zu  haben  und 
desshalb  Proclus  iür  den  jüngsten  der  in  den  Clemens-Scholien  citirten 
Schriftsteller  zu  halten.  Die  Unterscheidung,  welche  er  1.  c.  zvrischen 
verschiedenen  Schohaston,  jüngeren  und  älteren,  macht  und  die  auch  für 
den  Par.  451,  nicht  nur  für  Mutin.  und  Laurent.,  gelten  soll,  scheint  mir 
auf  sehr  schwachen  Füssen  zu  stehen,  wo  sie  sich  auf  Schohen  bezieht, 
die  von  einer  Hand  geschrieben  sind  (in  A  finden  sich  auch  einige  Scho- 
lien  a  recentiori  manu).  Sehr  wahrscheinlich  hat  der  Scholiast  die  Noten 
nicht  alle  selbst  verfasst;  aber  es  wird  doch  kaum  mehr  möglich  sein,  die 
Herkunft  und  di\s  Alter  der  einzelnen  festzustellen. 


Der  Cod.  Parisinus  451.  3X 

fxog  enaY.olov^ei^  und  zu  Paedag.  11^  10,  110  a.  v.  (Ps.  45)  l[-ia~ 
TiGfÄi^  öcaxQvOG)  heisst  es;  ^Agi^a'  ov  jibqI  ifiaTty.ov  tiog^ov 
ßovXerai  XiyEöd^au  zavTa,  aXXä  jTeql  tov  tjj  ipvxfj  TTSQinafpv'AO" 
zog  i^  (xQEXiov  y.oofiov  ymI  oie  zovzOj  örj^ov  aq)  wv  (prjOf  y^jiäoa 
Yj  dö^oi  zrjg  d^vyazQog  tov  ßaotlecug  eom^ev^^'  '/.akov  tov  s^oj- 
d-ev  Kai  oQiüjiUvov  liiaTiOfiov  zrjv  öo^av  huGvqo^Uvov^  ov  tov 
evtog  TB  '/Ml  rfj  tüv  t^co  sucßolfj  ciörjXov(,iivov'  evrevd^ev  %al 
To2g  XQvoolg  '/.QOGawxolg  cprjGi  tovtov  StadrjXov  yivEG^at,  tL  tovto 
Xeytovj  €i  fArj  tv^v  ex(pccvGLv  tovzojv^  otg  dr^  -/.al  yevoLTO,  TifAaX- 
(piGTaxov  ciTS  XQVGov  xQ^jf^aTiCeiVf  tyjv  iy.(pavGii>  dia  tov  'aqoo- 
Gov  TtaQiGTwv  ccy.QOTeksvTtov  yag  6  y.goGOog.  Ob  nun  diese 
beiden  Scholien  allein  von  Aretbas  verfasst,  die  anderen  da- 
gegen von  ibm  nur  abgeschrieben  sind,  darüber  soll  später  ge^ 
urtheilt  werden,  soweit  dies  möglich  ist.  Im  Allgemeinen  sei 
bemerkt,  dass  die  Scliolien  antiquarischen,  historischen,  geogra- 
phischen, grammatischen,  lexicalischen  und  exegetischen  In- 
haltes sind.  Sie  enthalten  manches  sonst  Unbekannte  und  sind 
jedenfalls  ebenso  interessant  und  wichtig,  als  die  neuerlich  von 
Piccolomini  so  splendid  herausgegebenen  Scholien  des  Lau- 
rent, plut.  VII,  8  zu  den  Reden  Gregor's  von  Nazianz  "^  ^).  Nur 
sehr  wenige  berühren  das  dogmatisch-polemische  und  mora- 
lische Gebiet  ^^).  Folgendes  sei  hervorgehoben.  Zu  Protrept. 
I,  6  (p.  6,  11)  wird  eine  polemische  Bemerkung  gegen  Nesto- 
rius  gemacht.  Zu  Paedag.  11,  7,  59  (p.  265,  22)  führt  der  Verf. 
aus,  dass  man  das  Schriftwort,  welches  Clemens  citirt  hat  ,,,«/) 
Ö6vTe()0JGrjg  loyov  ev  ugoGsvxfj  gov^^  nicht  auf  die  Wiederholungen 
des  '/,vQie  sktrjoov  in  der  Liturgie  beziehen  dürfe,  vielmehr  sei 
nur  gemeint,  dass  man  Gelübde,  die  man  im  Gebete  gethan 
habe,  sofort  ausführen  und  nicht  wiederholen  solle  (!).  P.  277, 
12  (zu  Paedag.  11,  8,  73)  wird  auf  die  griechisch-kirchüche  Sitte 
der  Bekränzung  der  Brautleute  bei  der  Eheschliessung  ange- 
spielt. P.  305,  20  (zu  Paedag.  II,  10,  108)  sagt  der  Scholiast, 
die  von  Clemens  angeführte  Apokalypse  sei  die  des  Johannes, 
des  Theologen.     P.  341,  24  (III,  3,  20  inii)    corrigirt  er   den 


71)  Estratti  inediti  dai  codici  Greci  della  Bibl.  Mediceo-Laurenciana, 
pubbl.  da  E,  Piccolomini,  Pisa  1879  (fol). 

72)  S.  die  Scholien  zu  p.  .6,  11.  7,  23.  265,  22.  277,  12.  285,  3.  289,  7. 
298,  5.  305,20.  309,24.  341,24.  343,  7.  344,  15  der  Dindort'schen  Ausgabe. 


32  I^er  Cod.  Parisinus  451. 

Clemens,  indem  er  sagt:  ri  zoirco  ipijg,  (.laxuQiB  KXi]f.nqCj  fxij 
v,Li{)£a^ui  {ir^öi  ^vqelod^ai  lovg  avdoac;;  vmI  /nijv  6  JJavXog 
yvvui^L  fiiv  aioxQov  tovxo  nooeJTrev,  a)d()ä()L  di  ov'  el  de  ovy, 
aloyoovj  ovdi  -/.ioktztov  xzA.  Endlicli  zu  IJI,  3,  23  (p.  344,  15): 
Ol  yag  x^^^/i^ig  i/.cllal  noce  lo  yeveiov  macht  er  die  Bemer- 
kung: vmI  (.ir^v  aoTicjg  o\  '^Pcoiianov  hoüg  ojg  ri  iiov  i^atoeztoi 
CiTTO^vQovvTca  zo  ytvEiov.  Die  Schoüen  sind  also  keinesfalls 
älter  als  saec    VIL  extr. 

5)  Die  Ep.  ad  Zenam  ist  vollständig,  die  Cohortatio  jetzt  nur 
verstümmelt  in  A  enthalten.  Diese  trägt  die  Aufschrift:  Tor 
aylov  louozliov  (pi?,oa6(fov  v.al  ^d^rvoog  loyog  nanatveTiY,oc 
TCQog  t)J.r.vag,  jene  dagegen:  lovorlvog  trjvai  ytal  0£Qi']viot  zoig 
döelcfolg  yaiotiv.  Die  Abweichung  ist  bemerkensvrerth.  Zwar 
ist  wohl  gewiss,  dass  Arethas  den  Brief  als  von  dem  h.  Justin, 
dem  Philosophen  und  Märtyrer,  geschrieben  aufgefasst  hat 
(s.  auch  das  Scholion)  —  darum  ist  er  zwischen  Clemens' 
Werke  und  die  Cohortatio  gestellt,  aber  die  Ueberschrift  sagt 
das  nicht ''■*),  und  der  Brief  giebt  sich  selbst  gar  nicht  als 
von  dem  Apologeten  Justm  geschrieben'^).  Nur  ein  Scho- 
lion hat  von  Otto  aus  A  mitgetheilt  (Ep.  ad  Zen.  10  n.  11) 
und  nicht  angegeben,  ob  der  Codex  mehrere  enthält.  Aber 
das  Eine  genügt,  um  zu  erkennen,  dass  hier  derselbe  Scho- 
liast  redet,  der  die  Notiz  zu  Paed.  III,  3,  20  geschrieben 
hat'^).     Bei   der  Cohortatio   hat  von  Otto  zwei  Schollen   aus 


73)  Erst  in  dem  Index  zum  Mutinensis  (saec?)  und  in  zwei  Valerian - 
Codices  ist  die  Ueberschrift  verändert  i^Iovoxlvoi;  tpikduoipog  'xal  fia()iv(j 
t^rjvn  xcd  otgi^vü)  toiq  aöt-hpolc  yaigeiv))  die  alte,  einlache  Aufschrift 
hat  sich  sonst  in  den  meisten  Handschriften  und  auch  noch  in  den  jüng- 
sten des  10.  Jahrh.  erhalten. 

74)  S.  den  Eingang,  wo  der  Verfasser  ausserdem  zwei  andere  von 
ihm  verfasste  Briefe  erwähnt  {n^ö(;  nanav  und  ngög  aQxovtaq). 

7r>)  Der  Verf.  der  Ep.  huite  geschrieben,  dass  auch  die  verdammlich 
seien,  welche  zwar  deji  Zorn  so  dämpfen,  da?!^  er  nicht  in  Worten  her- 
vortritt, ihn  aber  durch  Geliärdeu  verrathen.  Dazu  bemerkt  der  ehrhche 
SchoUast:  tovio  fxep,  tö  fi//  yakenaiveiv  xivu  xaxibg  dxovovxa,  ayis 
tovarlvs,  in*  ai'f^fjvnyTOig  /)v  ddvvaxov,  dyyeXcjv  yäg  rj  xdiv  al'oO^jjOiv  ovx 
ixovxwv  xo  61  v-ixa  ij/  Xü?.tn6TTji  (piXoooipiag  ivxoq  OQiov  xb  xTiq  ^'VXV'» 
xaxeiQ^ai  {xu&Elpqcu  cod.)  '^V(A.ovfx6vov,  iyxQaxovq  ayav  xal  xb  tavxoi 
oxeZoq  tcöoxoq  xzäa&fu  iv  uyiaajmö. 


Der  Cod..  Parisinus  451,  33 

A  veröffentlicht,  beide  zu  c.  31.  Auch  sie  sind  im,  Stile  der 
Clemensscholien  ^^). 

6)  Die  5  ersten  Bücher  der  Praepar.  ev.,  welche  A  enthält, 
sind  nicht  nur  am  Anfange  verstümmelt,  sondern  es  fehlen  auch 
im  2.  Buch  beträchtliche  Stücke  (c.  3—6.  p.  63^  von  roA^jJ- 
oag  —  p.  74<1  a7Tocprjvaf.Uv(üv  edit.  Viger.),  sowie  im  4.  etwas 
(c.  14.  p.  152c  von  oiav  de  veog  —  153l>  öirjyi]08Tai  Sia  jovkov). 
Die  erste  Lücke  ist  nach  Berechnung  =  8  fol.  =  1  Quaternio; 
die  zweite  (^,2  fol.  ungefähr  entsprechend)  ist  bereits  vom 
Abschreiber  verschuldet.  Am  Ende  des  ersten  Buches  hat 
der   Codex    eine    Stichenzählung:    evayysliKrig  nQonaQaOKeiy^g 

aajjc  acpvy  =  1553;  eine  solche  findet  sich  dann  noch 
am  Schluss   des    dritten   Buches:    evayysltKrjg   nQOTiaQaor^evijg 

y.x 
an   acovT]'  =  1858*^").    Die  nicht  zahlreichen  Scholien  —  leider 

ist  nicht  gesagt,  ob  sie  a  prima  oder  a  secunda  manu  sind  — 
hat  Gaisford  in  dem  Apparatus  mitgetheilt.  Es  ist  nützlich, 
die  wichtigsten  aus  diesem  Verstecke  zu  befreien:  Eusebius 
hatte  I,  3  (p.  13,  3  ed.  Gaisf.)  I  Pet.  3,  15  angeführt  zur  Be- 
gründung der  apologetischen  Thätigkeit.  Der  Scholiast  bemerkt 
dazu:  *^Onoiog  'lovorlvog  6  ^elog  l^-^^rjvayoQag  Tariavog  KArj(.i£ig 
[sie]  6  ^TQ(.oi.ictTeig  ^fjQiyevr.c  ymI  avxoq  Irt  JJccufpL?.og  o  tov 
nciQOvrog  Evoeßlov  yrarr^g.  Wir  finden  hier  griechische  Apolo- 
geten zusammen  gestellt,  und  zwar  —  von  der  Bedeutung  des 
Namens  Athenagoras  neben  dem  des  Justin  soll  hier  abgesehen 
werden  —  in  chronologisch-richtiger  Reihenfolge.   Es  sind  die- 


76)  Zu  Ezecli.  10,  IS  sq.  xal  siiüßr]  enl  Xegovßeifx  bemerkt  der  Scho- 
liast: Kai  t6  'Ensßrj  ini  Xbq.  x^l  insraoOf]'  iTieraa^r]  ini  nxeQvywv 
av^ßiov  ciQ  ov  aacpcate-jov',  —  zu  III.  Reg.  19,  11  sq.  ovx  iv  x<5  nvev- 
/uciTi  xvQiog]  tovto  iv  rfj  xaxä  tov  HXiav  ysyaunzat  d^fomlcr  (oq  oix 
iv  T(5  nvevfiaTL  S^ecv  iß(paviC,o{xevov  avO^Qwnoiq,  ovx  iv  ico  avaaeiaucö, 
ovx  iv  rv)  uvqL  *l^vxh  y^Q  civ&Qwnov,  ry  nsgl  ^ecv  ivaaxokeZo^aL  do- 
^afisvij  ^t(i)QLCi^  TTQÖDtov  fihv  OLO.  Tivi  ßiauo  nvev(xaxi  ai'gsxai  and  xü)i 
ya^ai  iQx^!^^"''^^  anavxüyv.  Addit  Cod.,  fährt  v.  Otto  fort,  nonnuUa, 
pariter  atque  illa  nullius  pretii.  Es  ist  zu  bedauern,  dass  das  SchoHon 
nicht  vollständig  mitgetheilt  ist. 

77}  Eine  genaue  Auszählung  ergab,  da^s  ein  oxixoq  nach  dieser  An- 
gabe durchschnittlich  37  Buchstaben  enthalten  hat.  Dieses  üesultat  stimmt 
überraschend  mit  den  sorgsamen  Berechnungen  von  Graux  in  der  Rey. 
de  philol.  II  (1878)  p.  97—143;  s.  Gardthausen,  a.  a.  0.  S.  132. 

Texte  und  Untersuchungen.  3 


34  öer  Cod.  Parisinus  451. 

selben  Männer  (bis  auf  Origenes  und  Palnphilus),  deren  Werke 
in  diesem  Codex  vereinigt  sind.  Beacblenswerth  ist,  dass  Pam- 
philus  als  der  Vater  des  Eusebiüs  (Evodßiog  6  Ilaficpikox) 
bezeichnet  wird.  So  selir  war  die  gescbichtliche  Kunde  für 
den  Scholiasten  schon  verschleiert'^).  —  Im  Scholion  zu  I,  8 
;p.  49,  9}  hält  der  Scholiast  ein  stilles  Zwiegespräch  mit  Xeno- 
phanes  {ei  tpsvdeJg  al  ala&rjong,  Sev6<paveg  xt>w.),  ganz  ähnlich 
wie  oben  mit  Clemens  AL  und  dem  Yerf  der  Ep.  ad  Zenam.  — 
Zu  I,  10  (p.  88,  10)  steht  ein  längeres  Scholion  ^  welches  der 
Chrestomathie  des  Proclus  entnommen  ist;  demselben  Werke 
war  aber  auch  ein  Scholion  zu  Clem.,  Protrept.  %  10  (p.  12,  5) 
entlehnt.  —  Zu  dem  ^aXa/ulvL  IV,  16  (p.  329,  10)  bemerkt  der 
Scholiast:  ov  ttjv  Tigog  zalg  i^d-rjvaig  2a?M(ilva  /Jyei,  avTtj  yag 
KovlovQig  ticlXcci  eliyerOi  cog  '/.al  KaXXi^axog  6  Kvgr^vocXog  iv 
jfj  ^EkciXt]  (pr^oty  «AAaTj/v  xctza  Kvtiqov  2ctXa(.uva  Xiyei,  Auch 
in  den  Scholien  zu  Clem.,  Protrept.  2,  21  (p.  21,  7),  U,  24 
(p.  24,  20),  II,  40  (p.  42,  2)  ist  Callimachus  ciiirt.  —  Zu  V,  20 
(p.  448  init.)  ^OfurjQi'HTjv  vooov  heisst  das  Scholion:  töv  koifiov 
diä  to  '^'0^7}gov  iv  dgxfj  tr^g  Ttoirjoeiog  aiitov  tovto  xo  voorjfia 
vno&eod^at.  Auch  in  den  Scholien  zu  Clem,,  Protrept.  2,  31 
(p.  32,  1)  und  Paedagog.  11»  6,  52  (p.  259,  20)  ist  Homer  an- 
geführt ^s). 

7)  Die  beiden  Schriften  des  Athenagoras  sind  in  A  voll- 
ständig erhalten.  Es  ist  aber  sehr  beachtenswerth.  dass  die 
Supplicatio  keinen  Titel  trägt  (sie  beginnt  gleich  mit  der  Ueber- 
schrift:  AvtonQaiogoiv  MagTLii)  ^vQrjXit^  xtX.);  es  fehlt  also 
der  Name  des  Athenagoras  überhaupt  in  A;  denn  die  zweite 
Schrift  ist  mit  den  Worten  eingeführt:  zov  avtov  tceqI  ava- 
arcioeag  vey.gdiv.  Erst  von  späterer  Hand  (saec.  XI)  sind  der 
ersten  Schrift  die  Worte  vorgesetzt  worden:  L^x^rjvay'gov  ai^r:' 
lalov  (piXoGOcpov  XQf^oziavov  ngeoßeia  negi  XQiOTiavcov^^).   Scho- 


78)  Warum  Pamphilus  hier  überhaupt  genannt  ist,  kann  man  mit 
Recht  fragen.  Hat  der  Verl.  vielleicht  an  Lucian  gedacht,  oder  Hess  er 
sich  durch  den  Titel  der  Aijologie  für  Origenes  verleiten? 

79)  Die  übrigen  unbedeutenden  SchoUtn  stehen  zu  1,  4  (p.  20,  11), 
I,  4  (p.  ?4,  1),  I,  6  (p.  37,  11),  I,  7  (p.  41.  2),  U,  2  (p.  122,  9),  H,  b 
(p.  173,  11),  lU,  3  (p.  195,  2),  in,  14  (p.  267,  3),  V.  22  (p.  454,  8),  V,  23 
(p.  455,  10),  V,  84  (p.  492,  9). 

80)  S.  Corp.  Apolog.  Vol.  VU  p.  XIII. 


Der  Cod.  Parisinus  45  L  35 

lien  finden  sicli  in  der  Suppliiiatio  nur  spärlich,  sehr  reichlich 
dagegen  in  dem  Tractat  über  die  Auferstehung  ^  i).  Dieselben 
hat  Dechair  th  eil  weise  ^^),  von  Otto  nach  der  CoUation  C.  B. 
Hase's  zum  ersten  Male  vollständig  mitgetheilt^^j^  Sie  sind 
zum  grösseren  Tlieile  a  prima  manu,  zum  geringeren  von  einer 
Hand  des  XL  oder  XIL  Jahrhunderts*^*).  Die  zum  Tractat  de 
resurr,  sind  fast  alle  ziemlich  ausführliche  philosophisch-theo- 
logische Bemerkungen,  denen  schwerlich  Jemand  mehr  ein 
Interesse  abgewinnen  kann.  Hervorgehoben  aber  sei,  dass  der 
Scholiast  zu  c.  1  n.  1 1  (prima  manus)  den  Verf.  des  Tractats  also 
bezeichnet:  d  ^aif.idoiog  ovtooI  ical  %^eiog  avi^Q  ^*).  Das  Scholion 
zu  c.  4  n.  13  (t7]v  MTjdiKrjv  T^äne^ctv)  lautet  (prim.  man.):  rjv 
'lAqnayog  [co^/lAQnaXog]  i&oiväzo  [cod„  id-vvato],  oti  Kvqov 
Tieguowaev.  'H  lOTogia  nag^  '^HgodoTqf.  Herodot  ist  aber  auch 
mehrere  Male  in  den  Clemensscholien  citirt.  Zu  c.  12  n.  43  (prim. 
man.)  heisst  es:  o  y.ai  Ilavkog  6  O^slog  g>r]GLV'  Ticciteg  fiiv  ov 
yiotfj,rjd'r]ü6}ieda^  TtdvxBg  6i  aXkayr}G6pLsd-G.  Dasselbe  Epitheton 
Omans  für  Paulus  findet  sich  auch  in  den  Clemensscholien. 
Endlich  das  Scholion  zu  c.  5  n.  1  (man.  sec.  saec»  XI)  ist  aus- 
drücklich dem  Arethas   zugeschrieben**).      Es  wird  hier  er- 


81)  Dort  7,  hier  52,  nämlich  an  folgenden  Stellen:  Ad  Inscript,  Suppl.; 
Suppl.  17  n.  11;  20  n.  17;  24  n.  24;  25  n.  1;  26  n.  12;  32  n.  6.  de  re- 
snrr.  1  n.  2»  11  (bis),  24;  2  n.  2,  14,  26;  3  n-  6,  U;  4  n.  13;  5  n.  I;  6  n.  8; 
7  n.  9;  8  n.  3;  9  n.  1;  10  n.  1,  21;  11  n.  2,  8,  21;  12  n.  1,  6,  21,  29,  35, 
43;  13  n,  6;  14  n.  1;  15  n.  5,  27;  16  n.  18;  17  n.  2,  10;  18  n.  8,  15,  17 
(bis),  18;  19  n.  3;  20  n.  4,  8;  21  n.  3,  11,  23;  22  n.  4,  9;  28  n.  2;  24  n.  1, 
4,  6,  12;  25  n.  1. 

82)  Ausgabe  des  Athenagoraa  v.  J.  170G,  Oxon. 

83)  Dechair  hatte  in  seinen  Mittheilungen  bei  de  resurr.  c.  6  abge- 
brochen, 8.  von  Otto,  1.  c.  p.  207. 

84)  Von  Otto  hat  nur  bei  einem  Theile  angegeben,  ob  sie  a  prima 
oder  a  secunda  manu  sind  (bei  Suppl.  24  n,  24;  25  n.  1;  de  resurr.  1 
n.  2,  II,  24;  2  n.  2,  14,  2ö;  3  n.  6,  11;  5  n.  1 ;  6  n.  3  ist  sec,  manus  ge- 
nannt) ;  nach  der  Nofciz  1.  c.  p.  XFV  darf  man  doch  wohl  nicht  schhessen, 
da«8  manus  prima  überall  anzunehmen  ist,  wo  nicht  ausdrücklich  das 
Gegentheü  bemerkt  ist, 

85)  Dieselbe  Bezeichnung  fand  sich  auch  im  SchoUon  zur  Praepar, 
ev.  I,  8  (ß.  oben). 

S6)  S.  die  Schollen  zu  Paedagog.  II,  4,  41  und  zu  II,  lO,  110,  wo  eben- 
falls Arethas'  Name  beigeschrieben  ist.  Das  SchoHon  zu  de  resurr.  5  n.  1 
lautet:    Avaig   xCov  zoiovtcDv  dnö^tov.    'Agi^a.    Ei  fxhv   iv  tavt(5  xh 

3* 


*^ß  Arethas  von  Caesarea. 

sichtlich,  da:>s  auch  noch  dem  späteren  Scholiasten,  der  im  11. 
(12.)  Jahrhundert  geschrieben  hat,  Notizen  des  Arethas  zu  Ge- 
bote standen.  Also  mag  der  Codex  damals  noch  in  Cäsarea 
oder  Umgegend  gewesen  sein.  —  In  der  Supplicatio  ist  gleich 
das  erste  SchoHon  zur  Inscriptio  interessant  (prima  manus).  Der 
Scholiast  vermisst  in  der  Adresse  das  x^^Q^^^  ^^^d  schreibt: 
Elleuciig  r)  (X7i6()oi)Lg  ziijg  TiQoyocccpijg.  Ov  yaQ  zo  xaigeiv 
y.cfkbv  spofilod^rj  7T(jooy.alod^ai ,  to)  ^i]  oltt^  l'ocov  trjv  7iQ6GQrjaiv 
yiveoS^at,  -Acd  Icllag  XgiGTiavo)  ovtl'  t]  dia  TaneivorfooavvrjVj 
r  TCO  svöei^aol^aL  zrjv  r/.£TrjQtav,  rj  y.al  Tfi)  dvd^LOv  eivai'Elhi- 
vag  ovrag  xrjg  TOiavtrig  rtaga  Xoiotiarcdv  eu?.oyiag.  Im  Scho- 
lion  zu  c.  20  n.  17  (pr.  m.)  wird  eine  Erklärung  des  Stabes 
des  Hermes  gegeben.  Zu  c.  24,  24  tadelt  der  Scholiast  (sec.  m.) 
die  von  Athenagoras  auf  Grund  von  Gen.  G,  2  dargelegte  Mei- 
nung, dass  Engel  sich  mit  den  Töchtern  der  Menschen  ver- 
mischt hätten.  Üv  fioi  doxel  xoöe  Tidvv  tot  Lkyeiv  oQ&cijg,  d?M 
xal  näf^inoXv  7i6oQw  xijg  evoeßovg  öiavoiag^  %va  firj  Xfyco  y,al 
(pvai/.olg  loyiGf-iolg  dnaQdöe/.Tov,  ovv.  oiö^  o  zt  /iiaS^o)v  6  txvrjQ, 
y.at  xavT  evösßcog  ayav  y.al  ysvvaiozara  toIgÖ€  toig  GvyyQaft- 
ILiaGtv  l(.i(fikoGO(fo)v  To  Tiaqdnav.  Dieses  Urtheil  ist  um  so  auf- 
fallender, als  die  meisten  alten  Vater  die  Ansicht  des  Athenagoras 
theilen.  Interessant  ist  endlich  noch,  dass  der  Scholiast  zu 
c.  26  n.  12  (o  xov  fJocoitcug)  hinzufügt:  tovtov  Xlyei  JjQOJCBa 
negl  ov  yiovy,tav6g  ygoKpeij  ov  i/.eivog  y.al  IlsgeyQivov  xaXsi. 

Excurs  zu  §  3:   Der  Erzbischof  Arethas   von  Cäsarea, 
seine  Studien  und  seine  Bibliothek. 

In  neuerer  Zeit   sind   von  verschiedenen  Gelehrten  Beob- 
achtungen gemacht  und  veröffentlicht  worden,  welche  die  Zeit 


Xij<p&6v  £ig  ZQO(pt/v  (jLB^EVTjXoi  ZW  ^u)tf>  <xfX8zaßkrjZu)Q,  f^xfv  av  tiva  ctv- 
^okxi^v  6  Xöyoq  xal  ngoq  zyv  avvxazad^eaiv  dnogiav  irtsiö?!  Sh  noza- 
fiiwv  ölxTjv  gev/jidTOJv  z6  /ihv  Z7jg  zgocprjq  vTceiafjX&ey  zov  zswq  avyxexpo- 
ZTjxozoi  zov  fllTj(p6za  vne^ekS^ovzog  xal  Ttgoc  zu  avan^oavza  oiotxslcc 
ngox€X(i)grjx6zoq^  wq  fx-qöe  zov  rivtdv  eU.ixgivüiq  zov  ar^/iisgov  ovzc  zdi 
X^sq  XC';/^«^'?^^»'»  ^i'  ^v  dnoQov  zvJ  z^v  ag/Ji^  rj/uäiv  kxaazo)  zijg  avozd- 
aeeog  ixel&tv  ivöövzi^  ndUv  i^  dxtivwv i^avit^o/uhto  rd  yvriaia  xal  ngoa- 
"fjyoga  zw  öiaaxeSao^ivzi  dg  ^xflva  drenifilxzwg,  zwv  6&velwv  zijv 
oXoxXTjglav  IjfAiv  ngo/ÄTjO^fvaaa&ai; 


Arethas  von  Caesarea.  37 

und  die  gelehrte  Thätigkeit  des  Erzbischofs  Arethas  erhellen. 
Man  'darf  die  einzelnen  Notizen ,  die  bisher  nicht  gesammelt 
sind,  nur  zusammenstellen  und  ergänzen,  um  zu  überraschenden 
Ergebnissen  zu  gelangen.  Dies  soll  im  Folgenden  geschehen. 
Eine  erschöpfende  Beschreibung  der  Studien  des  verdienten 
Mannes  ist  leider  zur  Zeit  noch  nicht  möglich;  denn  dazu 
müssten  mehrere  Handschriften  neu  durchgesehen  und  genau 
geprüft,  andere,  bei  denen  man  vermuthen  kann,  dass  sie  aus 
der  Bibliothek  des  Bischofs  stammen,  erst  untersucht  werden. 
Der  Name  des  Arethas  ist  lange  Zeit  hindurch  in  der 
christHchen  Literaturgeschichte  fast  allein  durch  die  Aufschrift, 
welche  ein  sehr  alter  Commentar  zur  Apokalypse  trägt,  bekannt 
gewesen.  Dieser  Commentar  ist  seit  dem  16.  Jahrh.  mehrfach 
gedruckt  und  zuletzt  von  Gramer  in  seinen  Catenen  T.  VTTT. 
auf  Grund  neuer  Hülfsmittel  sorgfältig  herausgegeben  worden  ^'^). 
Er  trägt  die  Aufschrift:  'Ex  zcov  'LdvÖQea  [sie]  nl)  jnaxagioTatq) 
o.QXiETiLOY.dno)  Kawagelag  KaTtTraöonlag  slg  ttjp  aTtOKakuxpiv 
7iS7iovrjnivo)v  d'eaqfozuygj  ovvoxpig  oxoliKq,  TtagaTed-Eioa  vno 
L^Qsd-a  ava^iov  srciaytOTtov  Kaiöagstag  KanTcadoxlag.  In  dem 
Proömium  wird  die  Anlage  jenes  Werkes  des  Andreas  kurz  be- 
schrieben; dann  folgen  die  Worte:  negl  di  xov  ^eonveuoiov 
tfjg  ßißlov  (seil,  tijg  d/ioyialvipscDg)  6  ev  äyloig  BaoiXeLog  Aal 
rQTjyoQiog  6  ^alog  tov  Xoyor^  xccl  KvQcXlogy  xal  UccTtiag,  xal 
Elqrivalog, zalMed-oötogytal^lTCfioXvTogf  01  ey.KlrjaLaoTiy.ol nccreQeg 
iyJyyvoL  Tiiozcooaod-at,^^).  Aufschrift  und  Proömium  stammen 
von  Arethas  selbst;  denn  nur  er  konnte  sich  dvd§tog  nennen. 
Eine  directe  Zeitbestimmung  ist  weder  für  den  Schreiber  noch 
für  Andreas  gegeben;  doch  heisst  es  von  diesem  zu  Apoc.  8,  6 
(p.  301  sq.):  6  xrjg  yai^  ifie  Kataagelag  Tijg  Kan/iadoyUag  d^iwg 
Trjv  ecpoQuav  Xaycjv,  Andreas  ist  also  vielleicht  der  unmittel- 
bare Vorgänger  des  Arethas,  jedenfalls  sein  älterer  Zeitge- 
nosse. In  dem  Commentare  des  Arethas,  den  sein  Verf.  be- 
scheiden für  eine  ganz  unselbständige  Leistung  erklärt  hat  — 


87)  S.  Fabricius-Harless,  Biblioth.  Gr.  T.  VIII.  p.  696.  Gramer, 
Catena  in  epp.  cathol.  et  apocal,  (Oxon.  1844)  p.  III  sq.  Dickson  in  dem 
Dictionary  of  Christian  Biography  Vol.  I  (1877)  p.  154  sq.  In  der  Theol. 
Realencyklop.  von  Herzog  (2.  Aufl.)  fehlt  ein  Artikel  „Arethas". 

88)  S.  Gramer.,  1.  c.  p.  176. 


38 


Arethas  von  Caesarea. 


er  ist  in  Wahrheit  eine  verbesserte  und  reichlich  vermehrte 
Auflage  der  Arbeit  des  Andreas  ^^)  —  wird  der  Areopagite  mehr- 
fach citirt^^),  die  monophysitischen  Kämpfe  erscheinen  als  längst 
abgeschlossen  und  die  „Väter"  bilden  die  exegetische  Haupt- 
instanz. Diese  Merkmale  machen  es  wahrscheinlich,  dass  der 
Commentar  nicht  vor  dem  Ende  des  7.  Jahrhunderts,  vielleicht 
aber  bedeutend  später  geschrieben  ist.  Auf  die  spätere  byzan- 
tinische Zeit  fuhii  aber  auch  die  Erwägung,  dass  unter  Zurück- 
gehen auf  die  ältesten  griechischen  Väter  die  Apokalypse  hier 
wieder  als  inspirirtes  Buch  ausdrücklich  anerkannt  ist,  man 
sich  überhaupt  mit  ihr  wieder  beschäftigt,  wenn  auch  jene  An-^ 
erkennung  für  die  Leser  noch  des  Beweises  aus  den  Vätern 
bedarf  und  die  volle  kanonische  Dignität  des  Buches  noch  nicht 
ausgesprochen  ist. 

Die  Bischofslisten  für  den  Metropolitanstuhl  von  Cäsarea 
seit  der  Mitte  des  5.  Jahrhunderts  können  nur  sehr  unvoll- 
kommen reconstruirt  werden  ^^).  Kein  Chronograph  erwähnt 
einen  Arethas  ^2),    So   sieht  man  sich  auf  anderweitige  Nach- 


89)  Richtig  Bickson,  I.e.:  ^While  the  writer  thua  modestly  descri- 
bes  hie  work  ag  a  text-book  based  on  the  labours  of  Andreas,  it  haa  in 
reality  a  wider  ränge  and  an  independent  value,  It  is  no  mere  repro- 
duction  of  the  work  of  bis  prodecessor,  although  it  incorporates  a  large 
portion  of  the  Contents  of  that  work,  occasionally  abridging  or  modifying 
the  language  of  Andreas,  and  often  specifying  with  rnore  precision  the 
sourceö  of  bis  quotations.  But  it  contains  much  derived  from  other  sour- 
ces,  or  contributed  by  Arethas  hiraself." 

90)  S    p.  246,  30.  277,  3.  331,  14.  491,  30. 

91)  S.  Lequien,  Oriens  christ.  I  p.  368 — 390.  Garns,  Serien  episcopp. 
(1873)  p.  4J0. 

92)  Eusebius  in  der  KG.  erwähnt  Cäsarea  lediglich  als  Bischofesitz 
des  Firmilian.  Berühmt  hat  den  Stuhl  BaBÜius  der  Grosse  gemacht.  Seine 
nächsten  Naclifolger  lassen  sich  geschichtlich  ermitteln.  Unter  den  spä- 
teren ist  ein  Basilius  (o  ildxtaioi;)  bekannt,  der  dem  10.  Jahrb.  angehört 
und  sich  durch  Abfaßsung  gelehrter  Scholien  zu  Gregor  von  Nazianz  ein 
Verdienst  erworben  hri  (s  Cave,  bist.  lit.  p.  388,  wo  aber  das  Zeitalter 
fiilsch  bestimmt  ist).  Dies  Scholienwerk  ist  dem  Kaiser  Constanün  Por- 
phyrog.  gewidmet  (913—919)  und  besteht  wie  das  Werk  des  Arethas  theils 
aus  älteren,  theils  aus  eigenen  Scholien.  Fabricius,  D.  Ruhnken, 
Hase  haben  sich  mit  demselben  beschäftigt,  am  eingehendsten  in  neuerer 
Zeit  Piccolomini,  1.  c.  p.  IX  XVI- XIX.  Basilius  stammt  wohl  aus  der 
Schule  des  Arethsw  und  war   einer  seiner  nächsten  Nachfolger.    Zu  der 


Arethas  von  Caesarea.  39 

ricliten  angewiesen.  Cave®*)  hat  auf  die  Zeit  um  540  gerathen, 
andere  ältere  Schriftsteller  das  6.  oder  7.  Jahrhundert  in  An- 
spruch genommen.  Oudin  hat  hereits  unter  Berufung  auf  den 
Cod.  Par.  451  das  richtige  Zeitalter  angegeben^*).  Fabricius 
hat  sich  ihm  angeschlossen,  aber  die  Nachweisungen  Oudin's 
missverstanden.  Dieser  unterscheidet  nämlich  den  Erzbischof 
Arethas  von  dem  casarenischen  Presbyter,  der  über  die  Trans- 
lation des  im  J.  911  verstorbenen  Patriarchen  Euthymius  von 
Constantinopel  zwei  Abhandlungen  geschrieben  hat  und  im  An- 
fang des  11.  Jahrhunderts  lebte.  Fabricius  aber  behauptet, 
er  identificire  sie,  und  Dickson  hat  diesen  Irrthum  wiederholt. 
Fabricius  meint,  jedenfalls  sei  der  Schohast  Arethas  identisch 
mit  dem  Verf  des  sermo  de  martyribus  Edessen.  Guria,  Samona 
et  Abibo  (15.  Nov.  ap.  Surium).  Papebroch^^)  hat  an  den 
Anfang  des  8.  Jahrh  gedacht.  Wiederum  wies  Matthäi^^) 
auf  Handschriften  hin,  die  den  Namen  des  Erzbischofs  Arethas 
von  Cäsarea  tragen  und  dem  Anfang  des  10.  Jahrh.'s  angehören. 
Doch  wurde  dies  nicht  gebührend  beachtet.  Im  J.  1831  schrieb 
Rettig^'')  seine  bekannte  Abhandlung  über  die  Zeit  des  An- 
dreas und  Arethas,  in  welcher  er  das  Zeitalter  des  letzteren 
auf  das  Ende  des  5.  Jahrhunderts  feststellte.  Diese  Behauptung 
fand  in  weiten  Kreisen  Zustimmung,  ja  drohte  sich  einzubürgern; 
von  Otto ^ö)  gebührt  das  Verdienst,  auf  die  richtigen  Nach- 
weisungen Oudin's  und  Matthäi's  wieder  aufmerksam  gemacht 
zu  haben.    Dass  der  Erzbischof  Arethas  von  Cäsarea  der  Zeit 


gelehrten  Beschäftigung  mit  Gregor  v,  Nazianss   s.  auch  Mich.  Constant. 
Pselli  Adnotat. 

93)  Hist.  lit.  (1720)  p.  388. 

94)  De  Script,  eccl.  II  (1722)  p,  426  sq.,  s.  auch  p.  540. 

95)  Acta  SS.  April.  T.  II,  IL  April,  p.  6. 

96)  Notit.  codd.  gr.  Mosq.  T.  II.  p.  290;  s.  auch  Joann.  Apocal  gr. 
et  lat.  Praef. 

97)  Theol.  Studien  u.  Kritiken  1831  S.  784  f.  Die  Abhandlung  ist  in 
den  chronologischen  Partien  überaus  oberflächlich 

98)  In  den  Prolegg.  des  Corp.  Apologg.  und  in  der  Ztschr.  f.  wiß- 
sensch.  Theol.  1878  S=  §39  f.,  s.  auch  desselben  Schrift:  „Des  Patriarchen 
Gennadios  von  Constantinopel  Confeseion"  1864  S.  21  und  Dickson'ß 
oben  citirten  Artikel. 


40  Arethas  von  Caesarea. 

Ulli  das  Jahr  900  angehört,  ergab  sich  dann  auch  aus  den  hand- 
schriftlichen Forschungen  Dindorfs^^)  und  Schanz's  ^^^j^ 

1)  Eine  Handschrift  des  Eukhd,  die  auf  das  Jahr  888  datirt 
und  von  einem  Stephanus  (Clericus)  geschrieben  ist  (ßodleian. 
D'Orv^ille  ms.  XL  inf.  2,  30),  trägt  die  Unterschrift:    SAtrjoäf^rjv 

o  ü    - 

'^Q€^ag  naxoevg  xr^v  nagovoav  ßiß?.ov  NNJ  (i.  e.  numis  quat- 
tuor)^^^).  Arethas  hat  diese  Handschrift  also,  wie  es  scheint 
noch  als  Laie,  käuflich  erworben.  Man  darf  schliessen,  dass  er 
sich  mit  mathematischen  Studien  beschäftigt  hat^^^)^ 

2)  Unter  den  Plato-Handschriften  ist  neben  dem  Parisinus 
regius  der  von  Samuel  Clark  aus  dem  Johannes-Kloster  auf 
Patmos  entführte  Cod.  Clarkianus  (Bodleian.  Clark.  39),  der  im 
J,  895  von  einem  Kalligraphen  Johannes  geschrieben  ist,  der 
bedeutendste  ^^^).  Derselbe  ist  für  einen  Diakon  Arethas 
geschrieben.     Am   Rande    ist   wiederum   der  Preis  angemerkt: 

eöo^.  V"  yQaqirjg  NNIF.  Der  Codex  ist  mit  Scholien  begleitet, 
von  denen  etliche  unzweifelhaft  christlichen  Ursprungs  sind, 
wie  Cobet  zuerst  bemerkt  hat.  Schanz  ^^^)  ist  der  Beobach- 
tung nachgegangen  und  notirt  folgendes:  „Die  drei  angeführten 
(christlichen)  Scholien  sind  uns  lediglich  durch  den  Clarkianus 
überliefert;  dieselben  sind,  wie  meine  Collation  des  Clarkianus 
nachweist,  von  einer  und  derselben  Hand  geschrieben  und 
zwar  von  einer  Hand,  welche,  soweit  ich  es  beurtheilen  kann, 
der  Zeit,   in  welcher  der  Clarkianus  geschrieben  wurde,    ganz 


99)  dementia  Alex.  Opp.  I.  Prolegg. 

100)  Philologus  1876  Bd.  34  S.  374  f.  S.  auch  Nicolai,  a.  a.  0.  III 
S.  233. 

101)  S.  über  diese  Handschrift  die  Publication  der  Palaeogr.  Society- 
CD— 06,  Wattenbach,  Exempla  Nr.  2,  Gardthausen,  a.a.O.  S.  338. 
344  Taf.  5. 

102)  Von  einem  Schreiber  Stephanus  ist  auch  ein  Codex,  Vit.  SS.  ent- 
haltend, saec.  IX  (frühr?r  in  St.  Germain)  geschrieben  (Gardthausen. 
ii.  a.  0.  S.  338).  Ob  dieser  Stephanus  aber  mit  dem  oben  genannten 
identisch  ist  und  eine  Beziehung  zu  Arethas  hat,  steht  dahin. 

103)  S.  Palaeogr.  Society  81,  Wattenbach,  Ex.  Nr.  3,  Gardt- 
hausen» a.  a.  0.  S.  344.  30'J.  Taf.  5.  Schanz,  Nov.  comment.  Plat.  p.  114 
(Nicolai,  Griech.  Literaturgesch.  I  S.  512). 

104)  Philolog.,  a.  a.  O.  S.  374  f. 


Arethas  von  Caesarea.  41 

nahe  liegt.  Nimmt  man  zu  diesen  Thatsaclien  noch  die  hinzu, 
dass  der  Clarkianus  für  den  Diakon  Arethas  geschrieben  wurde, 
der  später  Erzhischof  von  Cäsarea  wurde  und  durch  einen  Com- 
mentar  zur  Apokalypse  alb  kirchlicher  Schriftsteller  bekannt  ist, 
so  wird  man  sich  kaum  der  V^ermuthung  entschlagen  können, 
dass  der  Verf  jener   drei  Schollen  mit   christlichem  Charakter 

kein  anderer  als  Arethas  ist  ^^^) Selbstverständlich  ist  es 

nicht  wahrscheinlich,  dass  mit  jenen  drei  Schollen,  die  deutlich 
des  Verfassers  christlichen  Standpunkt  kennzeichnen,  die  com- 
mentirende  Thätigkeit  des  Arethas  zu  Plato  ihren  Abschluss 
gefunden."  Es  ist  also  Arethas  im  J.  895  Diakon  gewesen  und 
hat  sich  in  dieser  Zeit  mit  Plato  beschäftigt  ^^^). 

3)  In  das  J.  914,  wie  oben  gezeigt  worden,  fällt  der  von 
Baanes^^')  für  Arethas  geschriebene  Paris.  451,  der  eine  sorg- 
fältige Zusammenstellung  alter  Apologeten  enthält.  Arethas 
ist  hier  bereits  als  Erzbischof  bezeichnet,  ist  es  also  zwischen 
895  und  914  geworden.  Die  Handschrift  hat  ebenfalls  (s.  oben) 
eine  Preisangabe  —  wie  die  genaue  Datirung,  so  scheint  auch 
die  Preisnotirung  der  Handschriften  in  der  Bibliothek  des  Are- 
thas durchgehende  Regel  gewesen  zu  sein  —  und  reichhche 
Scholien,  mit  denen  es  zu  einem  Theile,  nämlich  mit  den  älte- 


105)  Sie  lauten  1)  zu  Euthyph.  14  E:  oiöhv  yäg  rjfxlv  soziv  aya^ov 
ort  av  fzy  ixeZvoi  (seil,  oi  d^sol)  Öwaiv  —  ,,ovv(t)66v  toj  näooc  ööaiQ  aya^r] 
xal  e^fjq  xzV*  (s.  Jacob.  1,  17).  —  2)  Zu  Apolog.  27  D:  .,xaXCbg  ye  av 
noiCbv  ^(hxQaxsg^  ovoiq  xal  ^tnnoiq  xovq  Beoiq  'Ax^rjvalwv  nagaßdlketg.'''^ 
—  3)  Zu  Charm.  155  D:  aTiöXoto  ör,T^  (6  Ilkdtwv  ovtcdq  snißovXojg  xpvxaig 
a(peXeoL  xbv  Xöyov  ngoosvsyxibr. 

106)  Unter  den  vielen  Calligraphen  und  Schreiben!  Namens  Johannes, 
welche  Gardthausen,  a.  a.  0  S.  324  f.  aufzählt,  ist  vielleicht  der  eine 
oder  andere  des  10,  Jahrhunderts  mit  dem  Schreiber  des  Clarkianus  iden- 
tisch. Doch  fehlen  mir  die  Mittel,  dies  zu  untersuchen.  —  Bemerkens- 
werth  ist,  dass  in  der  Scholiensammlung  zu  paulinischen  Briefen,  welche 
sich  in  dem  Cod.  Koe  16.  niembr.  saec.  XI  findet  (s.  Cr  am  er,  Catena 
V  p.  477.  479),  ein  Scholion  zu  den  Worten  Gi£vdL,ofX£v  ßaQOVfiSvoi 
(irCor.  5,  4)  die  Ueberschrift  hat:  'Ags&ci  ö laxovov.  Also  schon  als 
Diacon  hat  Arethas  exegetische  Arbeiten  zum  N.  T.  begonnen.  Die 
Worte  lauten:  Ovxl  öiozi  öeöoixafifv  xov  ^avaiov,  snsQxexai  de  i/ßiy\ 
öta  xovzo  axevd'CofAevy  ukXd  öreva^o/<fr,  xtjv  fxixä  döSrjq  a<p&aQaiav 
insvövaao^aL  enmoSovvxsc. 

107)  Ein  Schreiber  Namens  Baanes  ist  sonst  nicht  bekannt. 


42  Arethas  von  Caesarea. 

sten,  dieselbe  Bewandtniss  hat,  wie  mit  den  Plato-Scholien.  Sie 
dürfen  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  auf  Arethas  selbst  zu- 
rückgeführt werden.  Dreimal  (zweimal  zu  Scholien  im  Päda- 
gog,  einmal  zu  Athenagoras,  de  resurr.)  ist  auch  der  Name  des 
Arethas  zugefügt.  Am  Schlüsse  der  Handschrift  steht  das  Frsig- 
ment  einer  biblischen  Abhandlung  von  seiner  Hand.  Die  Scho- 
lien zeugen  von  einer  grossen  Belesenheit  wie  in  den  heili- 
gen, so  auch  in  den  griechischen,  namentlich  alexandrinischen 
Schriften. 

4)  Auf  der  Moskauer  Synodalbibliothek  ^^^)  befindet  sich 
ein  Miscellaneenband  (in  fol.  nr.  32),  der  59  Stücke  dogmatisch- 
polemischen Inhaltes  umfasst  ^'^^).  Derselbe  enthält  die  Notiz: 
OTvkiavog  diäyiorog  ey^axpa  age^a  aQXiemaxOTK^  xawagsiag 
'/MTtnadoyilag  trei  xoa^ov  ^gv^'  (=  932).  Also  auch  dieser 
Codex  ist  im  Auftrage  des  Erzbischofs  Arethas,  der  somit  im 
J.  932  noch  gelebt  hat,  geschrieben. 

5)  Derselbe  Diakon  Stj^lianus  hat  aber  auch  den  auf  das 
J.  939  datirten  Chrysostomus-Codex  (Paris.  781)  geschrieben 
sowie  die  Nicephorus-Handschrift  des  10.  Jahrh.'s  (Dresd.  D. 
12)^^^),    Jener  Codex  trägt  ausserdem  ebenfalls  wiederum  eine 

Preisunterschrift.  Der  Schreiber  erhielt  für  ihn  vo/x^u  ßv^av  L , 
d.h.  sieben  Goldstücke  ^^^).  Ist  es  zu  kühn  zu  vermuthen,  dass 
auch  diese  Handschrift  Eigenthum  des  Arethas  gewesen  ist  und 
er  also  noch  bis  zum  J.  939  gelebt  hat?  Die  genauen  An- 
gaben über  Zeit,  Schreiber  und  Preis  sind  eine  Eigenthümlich- 
keit  der  Arethascodices. 

6)  In  seiner  Ausgabe  des  Aristides  * ^ ^^  ]iat  Dindorf  auf 
folgende  Notiz  bei  Mai  aufmerksam  gemacht,   die  später  auch 


108)  Matthäi,  Notit.  codd.  gr.  Mosq.  T.  11  p.  200.  Gardthausen, 
a.  a.  0.  S.  344. 

100)  Die  Inhaltsangabe  füllt  bei  Matthäi  6  Seiten:  1)  fol.  1,  iniaioXri 
nsQiixovaa  r^v  oQd-ijv  xal  d/xwßtjtov  nlatiVy  n^iKp^slonna^atov/uccxa- 
plov  nana  ^wfiä,  nai^iaQXOv  IfQOCoXvfjLOiv  ngoq  xovq  xaxa  xriv  ^gfievlav 
[sie]  alQ£xi'C,ovzaq  ...  2)  fol.  9.  igwtrjadg  tkkijvtxal  npog  j^^tatmvotc 
negl  tov  dawfutazov,  xal  negl  tov  ^fov,  xal  nsgl  xij^  dvaaxdofwg  x<äv 
vixQwv  n('Sfv  rf^Aov,  ei  taxi  xi  do<j)fnaxov,  etc. 

110)  Gardthausen,  a.  a.  0.  S.  338. 

111)  Gardthausen,  a.  a.  0.  S.  309. 

112)  Aristides  (1829)  Vol.  II  p.  709  sq. 


Aretha^  von  Caesarea.  43 

Rett ig  herbeigezogen  liat^^^).  Mai  schreibt  ^ ^ *):  ,,Bibhothecae 
mss.  ad  orationes  Aristidis  schoiia  multa  continent,  quorum 
laudes  meritas  cum  summorum  hominum  testimoniis  prosecutus 
est  Morellius  praef.  XXI  sq.;  eaque  habent  auctorem  partim 
saltem  Metrophanem  Phrygium,  ut  Suidas  et  Eudocia^^^)  tra- 
dunt,  parti^n  vero  Aretham  quendam,  ut  nunc  cod.  Vaticanus 
docet.  Eorumdem  schoHorum  complura  excerpta  ad  Panafche- 
naicam  orationem  atque  ad  Platonicas  vulgavit  Samuel  Jebbius; 
ita  tamen  ut  pars  adhuc  ionge  raaxima  in  mss.  inedita  deU- 
tescat:  id  quod  ego  collatione  codd.  Vaticanorum  satis  comper- 
tum  habeo.  Quum  autem  spatii  aliquid  in  hac  pagina  esse 
videam,  schoiia  nonnuUa,  quanta  illi  explendo  sufficiunt,  ad 
orationes  duas  speciminis  ergo  scribam."  Mai  theilt  nun  sechs 
Scholien  mit,  von  denen  das  letzte  zu  Aristid.,  ttsqI  i^ogxov- 
fxevcüv  (p.  408  v.  15:  lA^rjväv  tijv  iXecpavriviqv')  also  lautet: 
^doe-d-.  Joiiu  iiOL  avTrj  sotIv  rj  iv  tm  cpoQf^}  KavozavTcvov  dva- 
7t€Lfiivrj  Tcal  tolg  nqonvXaioig  zov  ßovXsvtrjQtov,  o  oevaTov  tpaci 
vvv  rjg  avcL'KQv  ev  Se^i^  siaiotoi  td)>  jiQonvXaUov  y.al  fj  lov 
^yiXtXXivjq  avdcTiSLTUL  Getig,  xagyclvotg  rrjv  /.ecpakrjv  di(X0Tqs(prjg' 
wv  oi  vvv  ididnai  ttjv  ^ev  yf^v  q)aöl  xrjv  ^yix^t^vav,  ^dXaooav  di 
GeTLv,  Totg  iv  tfj  -/.scpaXfj  svvdgoLg  e^a7iaTCJiJ.svoi  ycvoddXotg  tctX. 
Auch  zu  den  Reden  des  Aristides  hat  Arethas  also  Scholien 
geschrieben.  Aus  dem  hier  veröffentlichten  erkennt  man,  dass 
er  antiquarische  Kenntnisse  besass  und  auch  unter  den  Denk- 
mälern der  Stadt  ConstantinopeL  heimisch  war. 

7)  Die  Zeit  der  Abfassung  des  grossen  Commentares  zur 
Apokalypse  lasst  sich  nach  dem  bisher  Gesagten  annähernd  be- 
stimmen. Er  ist  jedenfalls  nach  dem  J.  895  geschrieben^*^). 
Man  wird  nach  der  Beschaffenheit  diesem  Scholienwerkes  be- 
urtheilen  dürfen,  wie  weit  Arethas  sonst  in  seinen  gelehrten 
Erklärungen  und  Excursen  selbständig  gewesen  ist.  Nun  hat 
er  freilich  einen  grossen  Theil  des  von  Andreas  aufgespeicher- 
ten Materials  übernommen,   aber  nicht  nur  hat  er  es  reichlich 

ItS)  A.  a.  O.  S.  749  n.  2. 

114)  Nov.  collect.  Yatic.  Vol.  I,  P.  3  p.  42. 

115)  Nach  den  üntergiichungen  von  Pulch  (de  Eudociae  quod  fertur 
vioiario  1880)  kommt  die  Eudocia  ßchweriich  melir  in  Betracht. 

116)  Üeber  seine  üeberlielerung  s.  Cramer,  a.  a.  0.  p.  5  sq.,    Ret- 
tig, a.  a.  0.  S.  749  f.  758. 


44  Arethas  von  Caesarea. 

durch  eigene  Studien  vermehrt  i^''),  sondern  auch  die  Citate 
des  Andreas  sorgfältig  revidirt  und  bestimmt ^i^).  Dies 
lässt  auf  eine  sehr  umfangi'eiche  Bibliothek  und  auf  sehr  fleis- 
sige  Leetüre  schliessen  ^^^). 

8)    Dindorf  macht   darauf  aufmerksam  ^ 20^^    ^^^^   {j^  ^^y 


117)  In  seinen  Händen  befanden  sich  z.  B.  die  Werke  des  Josephus, 
Clemens  Alex.,  Diouysius  Areop.  u.  A.,  die  er  für  seinen  Commentar  ver- 
werthet  hat  ohne  Vermittelung  des  Andreas. 

118)  Rettig,  a.  a.  0.  S.  755  f.:  „Wir  finden  in  dem  Buche  selbst 
keineswegs  einen  blossen  Auszug  aus  Andreas,  sondern  eine  reiche  Anzahl 
zum  Theil  eigener,  zum  Theil  fremder  Erkläningen.  Bisweilen  werden 
die  Worte  des  Andreas  abgekürzt,  bisweilen  unbedeutend  verändert, 
namenthch  oft  dieselben  Citate,  welche  schon  jener  anführt,  mit  dem 
Unterschiede  beigebracht,  dass  Arethas  insgemein  die  Schriftsteller  durch 
gewisse  Prädicate,  von  ihren  Wohnorten,  Aemtern  u.  s.  w.  hergenommen, 
deutlicher  bezeichnet,  oft  auch  die  Bücher  selbst  nach  Büchern  und  Ka- 
piteln nennt,  was  Andreas  vernachlässigt." 

119)  Hervorgehoben  sei  die  Berufung  auf  die  Uebersetzung  des  Aquila 
(p.  397,  8),  auf  Homer  (p.  305,  1),  Aristoteles  (p.  486,  13.  494,  6);  s. 
ferner  die  genauen  Titelangaben  bei  Werken  des  Athanasius,  Basilius, 
Cyrillus  Alex.,  Epiphanius,  Eusebius,  Gregor  v.  Nazianz,  Gregor 
V.  Nyssa,  Hippolytus  (über  die  üeberlieferung  der  Hippolytusfragmente 
durch  Vermittelung  des  Andreas  s.  Overbeck,  Quaest.  Hippol.  specimen 
p.  30  n.  43;  Bardenhewer,  d.  h.  Hippol.  Comment.  zum  Buche  Daniel, 
1877,8.20),  Irenäus,  Methodius  und  Philo.  Citirt  sind  auch  Papias, 
Justin,  ^i  nazsQiov  naQaöoaiq  (p.  360,30)  und  scriptores  Bithynarum  re- 
rum  (ra  ndzQia  Bi&vvwv  dvava^af^svoi  p.  486,  32).  Dürfte  man  aus  den 
Citaten  schliessen,  dass  Arethas  die  betreffenden  Werke  handschriftlich  be- 
sessen hat  und  rechnet  man  dazu  die  Codices  solcher  alter  Bücher,  welche 
seinen  Namen  tragen  und  für  ihn  abgescluieben  sind,  so  ergäbe  sich  eine 
stattliche  Bibliothek.  —  Bemerkt  sei,  dass  manche  Schoben  zur  Apoka- 
lypse an  die  Schoben  zu  den  Apologeten  erinnern  und  so  den  Ursprung 
auch  dieser  bezeugen.  So  heisst  es  zu  Paedag.  H,  10,  108  (p.  306,  3): 
^agöiccvixoy^]  xu  Bivezov  XByofievov.  In  den  Schoben  2u  Apocal.  21,  21 
(p.  486,  10):  11dn(piiQoc]  ovxoq  xov  KaXaivov  ;fpa///«roe  xuXovfxsvov,  0 
xivec  Bevtxov  <paol.  Das  verwendete  gelehrte  Material  zeigt  viel  Ver- 
wandtes. 

120)  Clementis  Alex  Opp.  Prolegg.  I.  p.  XVI.  Die  Epigramme  (s.  An- 
thologia  gr.  edid.  Jacobs  T.  XIII  p.  744  sq.)  sind  aus  einem  Cod.  Vat. 
veröffentlicht.  Die  beiden  ersten  (je  14  Strophen)  sind  an  die  eigene 
Schwester,  das  dritte  an  die  Nonne  Febronia  gerichtet  (10  Strophen).  In 
marg.  ist  zu  li^i^a  bemerkt:  „yeyovoiog  öe  xal  dgyisniaxonov  Kaioagsiac 
Kannadoxiaq.:'  Ein  l^esonderes  Interesse  haben  die  Epigramme  für  unsere 
Zwecke  nicht. 


Arethas  von  Caesarea.  45 

Anthologia  Palatina  drei  Epigramme  sich  finden  mit  der  Auf- 
schrift l^ged^a  tov  dia'/.6vov.  Es  liegt  kein  Grund  vor,  sie  dem 
nachmaligen  Erzbischof  Arethas,  der  als  Diakon  den  Plato  stu- 
dirt  hat,  abzusprechen. 

9)  In  dem  Dio-Chrysostomuscodex  Florent.  Bibl.  Medic. 
plut.  LIX,  22  befindet  sich  ein  nicht  werthloser,  zum  Theil  frei- 
lich wörtlich  aus  Photius  (Cod.  209)  geschöpfter  Aufsatz  über 
das  Leben  des  Redners,  der  die  Ueberschrift  trägt:  APEQu4 
^^FXIEni^KOnOY  (abgedruckt  bei  Kayser,  Vit-  Sophist, 
p.  168  sq.  und  Dindorf,  Dionis  Chrysost.  Orat.  IL  p.  361 — 
366).  Derselbe  Aufsatz  scheint  auch  im_  Dio-Codex  Paris.  2958 
enthalten  zu  sein;  denn  wenigstens  den  Schluss  desselben  hat 
Brequin  in  den'Vies  des  anc.  orat.  grecs  IL  p.  379  sq.  aus  ihm 
mitgetheilt.  Arethas  hat  sich  also  wie  mit  Aristides  so  mit 
Dio  eingehend  beschäftigt. 

10)  Endlich  sei  auf  die  Homilie  de  martyr.  Edess.  Samona, 
Guria  et  Abibo  hingewiesen  ^2^. 

Soviel  in  Kürze  über  den  Erzbischof  Arethas  von  Cäsarea 
als  Bücherfreund  und  Gelehrten.  Schon  diese  kurzgefassten  Be- 
merkungen werden  gezeigt  haben,  dass  es  ein  respectabler 
Mann  gewesen  ist,  der  hier  im  10.  Jahrh.  der  Wissenschaft  ge- 
dient hat.  Arethas'  Thätigkeit  ist  ein  Beweis  für  den  hohen 
Aufschwung,  welchen  die  Studien  durch  Anregung  des  Photius 
im  Zeitalter  Leo's  des  Philosophen  und  im  glänzenderen  des 
Constantinus  Porphyrogeneta  erhalten  haben.  Ein  günstiges 
Geschick  hat  die  Früchte  seines  Fleisses  zahlreicher  und  dauern- 
der aufbewahrt  als  die  so  vieler  anderer  byzantinischer  Ge- 
lehrten. Die  Freunde  Plato's  sowohl  als  die  Literatur-  und 
Kirchenhistoriker  sind  dem  Manne  zu  hohem  Dank  verpflichtet, 


121)  Diese  ist  von  einem  Arethas,  archiep.  Caesar,  (abgedruckt  bei 
Surius,  ad  15.  Nov.  p,  366  sq.),  also  nicht  wie  Oudin  (1.  c.  II  p.  540) 
zu  meinen  scheint,  von  einem  jüngeren  Arethas.  S.  auch  Gör  res,  Lici- 
nian.  Christenverfolgung  S.  209  f.  u.  Ztschr.  f.  ^dss  Theol.  1878,  S.  260  f. 
LedigHch  für  die  beiden  Abhandlungen  De  translat.  Euthyniii  patriarchae 
scheint  ein  jüngerer  Arethas  saec.  XI.  statuht  werden  zu  müssen;  s. 
Oudin,  I.e.  Gön-es' Zeitbestimmung  ist  falsch.  Unter  dem  Namen  „Are- 
taeus  Cappadox"  gehen  einige  medicinische  Bücher,  s.  Graux,  Essai 
p.  204  sq.  239.  387.  415.  423.  Ich  vermag  über  sie  und  ihren  Verfasser 
nichts  zu  sagten. 


4g  Der  Cod.  Parisinus  451  und  der  Mutinensis. 

der  die  Philosophen.  Redner,  Mathematiker,  biblischen  Schrift- 
steller und  Kirchenväter  gründlich  studirt  und  verbreitet  hat, 
der  wie  auf  einer  dem  Andränge  wilder  Wogen  preisgegebenen 
kleinen  Insel  hausend,  bei  schrecklichen  Zeitläuften  in  tapferer 
Arbeit  gerettet  hat,  was  zu  retten  war.  Die  Kirchenhistoriker 
aber  haben  vor  allen  Alterthumsforschem  in  erster  Reihe  Grund, 
das  Andenken  des  kappadocischen  Bischofs  in  Ehren  zu  halten; 
denn  ohne  seine  Bemühungen  um  die  altchristlichen 
Apologien  wäre  ein  Theil  derselben  dem  Abendlande 
wahrscheinlich  niemals  bekannt  geworden.  Die  folgen- 
den §§  werden  dies  darthun.  —  Dass  die  Scholien  a  prima  manu 
in  den  verschiedenen  Codices,  die  seinen  Namen  tragen,  zu 
einem  Theile  von  ihm  selbst  herrühren,  wird  sich  schwerhch 
bestreiten  lassen,  so  gewiss  es  andererseits  nach  der  Art  seines 
Apokalypse- Commentars  ist,  dass  er  ältere  Scholiasten  und  Exe- 
geten  ausgeschrieben  hat.  Der  Versuch,  das  von  ihm  selbst 
Niedergeschriebene  zu  ermitteln  und  daraus  sein  geistiges  Eigen- 
thum  auszusondern,  kann  nur  auf  Grund  einer  genauen  Ver- 
gleichung  der  Handschriften  gemacht  werden.  Dass  dieser  Ver- 
such die  Mühe  lohnt,  muss  ich  bezweifeln.  Für  die  auffallende 
Erscheinung,  dass  hin  und  her  ein  Scholion  in  A  seinen  Namen 
trägt,  möchte  ich  keine  Erklärung  geben.  In  dem  einen  Fall 
(Athenag.,  de  resurr.  5  n.  1)  hat  eine  Hand  des  11..  (12.)  Jahrb. 
das  so  bezeichnete  Scholion  geschrieben,  nicht  er  selbst;  in 
zwei  anderen  Fällen  (Paedagog.  H,  4,  41.  H,  10,  110)  sind  die 
SohoHen  a  prima  manu. 

§  4.    Das  Verhältniss  der  Codd.  Mutin.,  Par.  174,  Mar- 
cian.  343  und  der  Valeriancodices  zu  Par.  451. 

Nachdem  festgestellt  worden  ist,  dass  in  Par.  451  (A)  Ta- 
tian's  Oratio  ursprünglich  gestanden  bat  und  dass  die  uns  er- 
haltenen handschriftlichen  Zeugen  derselben  irgendwie  mit  je- 
nem Codex  zusammenhängen,  wird  es  möglich  sein  ein  Urtheü 
über  die  Textgestalt  des  Tatian  in  A  zu  gewinnen. 

1)  A  und  der  Mutin.  III.  D.  7.  (M). 

M  steht  schon  seinem  umfange  nach  A  am  nächsten:  beide 
umfassen  9  Stücke,  von  denen  7  identisch  sind.  In  M  fehlen 
die  beiden  Werke  des  Eusebius,  dafür  ist  die  exx^eoig  nioteiog 


Der  Cod.  Parisinus  451  und  der  Mutineiisis.  47 

nnd  eine  Schrift:  0LQfxiavov  lay.Tavtlov  toi)  ^lof-iaLov  neqi  oi- 
ßvlliov  aufgenommen.  Auch  die  Anordnung  der  Stücke  ist 
die  gleiche.  M  enthält  also  ebenfalls  ein  Corpus  Apologetanim, 
welches  nur  insofern  etwas  geändert  is4,  als  der  Schreiber  zwei 
vermeintlich  voreusebianische  Stücke  hinzugefügt,  die  Schriften 
des  Eusebius  selbst  aber  weggelassen  hat.  Der  Verlust,  wel- 
chen A  durch  den  Wegfall  von  5  Quätemionen  (Paedagog.  I, 
1 — 11;  s.  oben)  in  späterer  Zeit  erlitten  hat,  wird  durch  M,  der 
vollständig  ist,  ergänzt.  Ist  dieser  Codex  also  aus  A  abge- 
schrieben —  er  ist  c.  100  —  200  Jahre  jünger  — ,  so  ist  damals 
A  noch  vollständig  gewesen.  Leider  sind  aus  M  bisher  nur 
die  beiden  Clemensschriften  mitgetheiit;  man  hat  sich  also  zur 
Zeit  für  eine  Yergleichung  von  A  und  M  auf  diese  zu  be- 
schranken. Zum  Glück  sind  dieselben  so  umfassend,  dass  es 
nicht  zu  kühn  ist,  von  ihnen  aus  Schlüsse  auf  die  übrigen 
Stücke  zu  machen. 

„In  textu  Clementis  Protreptici  et  Paedagogi",  sagt  Din- 
dorf  ^22)^  „Cod.  Paris,  plerumque  cum  Mutinensi  consentit"; 
auf  weitere  Bestimmungen  hat  er  sich  nicht  eingelassen.  Eine 
genaue  Vergleicimng  der  beiden  Texte  lehrt  aber,  dass  von 
den  drei  Möglichkeiten  t)  A  und  M  gehen  auf  einen  gemein- 
samen Archetypus  zurück,  2)  M  ist  aus  einer  Absclirift  von  A, 
3)  aus  A  selbst  geflossen  — -  nur  die  beiden  letzten  in  Betracht 
kommen.  Der  Text  von  M  ist  nämlich  in  der  Hauptsache  eine 
treue  Reproduction  von  A,  daneben  finden  sich  Abweichungen, 
die  theils  als  Abschreibefehler,  theils  aber  auch  als  Correc- 
turen  zu  beurtheilen  sind.  Die  Annahme,  dass  ein  hinter  A 
liegender  Codex  die  Quelle  von  M  sei,  ist  gänzlich  unnöthig; 
denn  die  wenigen  Fälle,  wo  M  einen  besseren  Text  bietet  als 
A,  sind  nicht  der  Art,  dass  sie  jene  Annahme  erheischen.  Sie 
erklären  sich  einfacher  durch  die  Hypothese  der  Correcturen, 
Wäre  M  ein  Parallelcodex  zu  A,  so  müsste  die  Anzahl  der  vor- 
züglicheren LAA  in  M  eine  bei  weitem  grössere  sein,  da  A 
nicht  eben  sehr  sorgfältig  geschrieben  ist.  Statt  dessen  theilt 
M  auch  grobe  Schreibfehler  sehr  häufig  mit  A.  Zu  entschei- 
den, ob  A  direct  oder  indirect  die  Vorlage  gewesen  ist,  ist  nicht 
leicht;  ich  v€;rzichte  darauf  diese  Frage  zu  lösen,  zumal  da  sie 

122)  L.  c.  L  p.  VI. 


48  l)er  Cod.  Parisinus  451  inid  der  Mutiiieusis. 

von  unterj^eordnetem  Werthe  ist.  Die  gegebene  Verhällniss- 
bestimmung  der  beiden  Codd.  erprobt  sich  aber  auch  an  den 
Schoben,  die  in  ihnen  vermerkt  sind.  Auch  hier  hat  sich  D i n- 
dorf  auf  ein  „plerumqiie  consentiujit'^  beschränkt;  e>s  lässt  sich 
aber  viel  mehr  sagen :  A  hat  zum  Protrepticus,  wenn  ich  richtig 
zähle,  233  Schoben.  Alle  diese  Scholien  ohne  Ausnahme 
finden  sich  auch  in  M,  und  M  prim.  man.  hat  nur  drei  ganz 
unbedeutende  Schoben  hinzugefügt  ^'^^).  In  dem  Stück,  welches 
in  A  vom  Paedagogus  erhalten  ist,  zähle  ich  in  A  103  Scholien. 
Auch  diese  stehen  bis  auf  eines  ^"^^)  sämmtlich  inM;  M  prim. 
man.  hat  26  hinzugefügt,  die  jüngere  Hand  noch  weitere  fünf  ^^5^ 
Hieraus  ergiebt  sich,  dass  sämmtliche  Clemensscholien  in  A  im 
11.  Jahrhundert  schon  vorhanden  waren;  sie  sind  aber,  wie  oben 
gezeigt  worden,  nicht  älter  als  saec.  VII.  extrem-  Die  Ab- 
fassungszeit wird  sich  aber  noch  näher  bestimmen  lassen.  Zu 
Paedagog.  II,  10,  113  (p.  309,  24):  ovoeiv  rag  eoOi^ag  heisst 
es  in  A:  wg  ol  (.ii(.irjVGi£g  vcv  Nixo/.cÜTaL,  avxov  rov  y,ay.o6ai- 
jiiova  y.ad^rjyfjiiova  fiLfiovficvoi.  Wer  die  jetzigen  Kicolaiten  sind, 
ist  nicht  sofort  deutlich,  aber  der  jüngere  Scholiast  sagt  es  in 
seiner  Supererklärung:  tov  naTQiäoyrjV  kiyei  NiAolaor  —  der 
Patriarch  ist  doch  wohl  der  constantinopolitanische,  nicht  der 
römische  (Nikolaus  L).  Also  ist  höchst  wahrscheinhch  der  Pa- 
triarch Nicolaus  Mysticus  gemeint,  der  im  Jahre  906  abge- 
setzt wurde,  weil  er  das  Eingehen  einer  vierten  Ehe  dem  Kaiser 
Leo  VI.  untersagt  und  den  Kaiser  selbst  gebannt  hatte.  An 
seine  Stelle  trat  Euthjmius;  wieder  gab  es  zwei  sich  heftig 
bekämpfende  Parteien  in  dem  Klerus  des  Ostreichs.  Im  Jahre 
912  wurde  Nicolaus  wieder  eingesetzt,  der  Streit  aber  damit 
nicht  geschlichtet.  Er  dauerte  vielmelir  noch  über  das  Jahr 
920  hinaus.     Auf  der  Synode  dieses  Jahres   zu  Constantinopel 


123)  Zu  p.  15,  22.  18,  4.  73,  3.  Erst  eine  jüngere  Hand  hat  in  M 
noch  weitere  21  Scholien  beigeschrieben  (p.  8,  1.  3.  7;  9,  1:  12,  15.  18;  15, 
12;  18,  4;  21,  3;  24,  17:  26,  13.  17.  20;  28,  3.  16.  21;  31,  10;  33,  19;  50,  8; 
57,  22;  58,  3;  73,  3;  74,  2  bis). 

124)  Zu  p.  221,  27. 

125)  Zu  p.  216,  11;  225,  24;  226,  16  (bis);  24S,  12;  267,  11;  269,  7; 
271,  4;  272,  10.  12;  27.3,  20;  274,  27;  276,  2.  6;  279,  14;  280,  17;  294,  18 
(bis).  24;  305,  16;  313,  7;  316,  12;  352,  18;  385,  8;  3S9,  25;  399,  12.  A  reo. 
manu  sind  Scholien  zu  211,  5;  229,  14;  300,  10;  309,  1.  24  vermerkt. 


Der  Cod.  Pari.siniis  451   und  der  Mutinensis  49 

wurde  auf  Betreiben  des  Nicolaus  die  dritte  Ehe  erschwert,  die 
vierte  für  unzulässig  erklärt,  Bestimmungen,  die  das  Abendland 
nicht  acceptirt  hat'-^).  Aber  auch  der  Scholiast  steht  auf  Sei- 
ten der  milderen  Praxis,  wie  seine  boshafte  Zusammenstellung 
des  Nicolaus  mit  den  alten  Nicolaiten,  die  statt  eine  recht- 
mässige Ehe  einzugehen  sich  der  Unzucht  hingaben,  beweist  ^-^). 
Wir  haben  es  hier  also  bei  dem  Scholiasten  mit  byzantinischem 
Partheitreiben  in  den  Jahren  906 — 920  zu  thun.  In  das  Jahr 
914  fällt  aber  auch  die  Abfassung  der  Handschrift  A.  Dass 
der  Scholiast  die  Bibliothek  des  Photius  benutzt  hat,  wurde 
oben  bereits  angemerkt.  Hier  haben  wir  nun  ein  noch  jüngeres 
Datum,  welches  genau  in  die  Zeit  des  Arethas  führt.  Es  wird 
also  noch  einmal  wahrscheinlich,  dass  Arethas  selbst  Schreiber 
(Verfasser,  resp.  Redactor)  der  Scholien  in  A  gewesen  ist^^s-j^  Was 
nun  den  Text  der  Scholien  in  A  und  M  betrifft,  so  erweist  sich 
auch  hier  der  Schreiber  von  M  als  der  sprachkundige,  sorglich 
bessernde,  freilich  auch  hier  und  da  über's  Ziel  hinausgehende 
Corrector;  eine  Vergleichung  der  ersten  50  Schoben  beweist 
dies  bereits.  Doch  sind  die  Scholien  sorgfältiger  geschrieben 
als  der  Text,  die  Abweichungen  von  A  in  M  desshalb  verhält- 
nissmässig  sehr  geringe.  In  dem  Stücke,  welches  jetzt  von  M 
allein  bezeugt  ist  (Paedag.  I,  1 — 11),  hat  dieser  Codex  c.  48 
Scholien.  Man  darf  nach  dem  obigen  schliessen,  dass  sie  zum 
grösseren  Theile  aus  A  geflossen  sind  und  etwa  nur  10  der 
prim.  oder  sec.  man.  M  eigenthümlich  angehören.  Unter  diesen 
Schoben  ist  das  längste,  welches  bei  Dindorf '2')  fast  zwei  eng- 


126)  S.  die  Acten  der  Streitigkeiten  bei  Mansi,  T.  XVIII.  Dazu 
Theophanes  und  Simeon  Logotheta.  Hefele,  Conciliengesch.  IV  (2.  Aufl.) 
S.  587.     Baronius,  Annal.  ad  901.  920. 

127)  Auf  welchen  dem  Nicolaus  gemachten  Vorwurf  das  av^eiv  r«? 
ta&Jitag  gellt,  gestehe  ich  nicht  zu  wissen. 

128)  Das  interessante  SchoHon,  welches  auch  in  M  steht,  liefert  zu- 
gleich die  Probe  darauf,  dass  M  nicht  aus  einem  älteren  Cod.,  etwa  aus 
der  Vorlage  von  A,  geflossen  ist.  Wäre  dies  der  Fall,  dann  könnte  es 
nicht  ein  Scholion  enthalten,  welches  frühestens  zwischen  906  und  920 
verfasst  ist.  Also  ist  A  selbst  direct  oder  indirect  die  Vorlage  von  M 
gewesen.  Sollte  aber  auch  unter  dem  Nicolaus  doch  der  römische  ge- 
meint sein,  so  wäre  die  Vorlage  von  M  immer  noch  nicht  früher  als  saec. 
IX.  extrem,  zu  setzen. 

129)  L.  c.  I  p.  XIV  sq. 

Texte  und  Untersuchungen.  4 


50  I^ie  Qodd.  Parisini  451  und  174. 

gedruckte  Seiten  füllt,  mit  den  Worten  eingeführt:  Ldoed-a 
«(>Xi£3ttaxd7tot'  (zu  Paedag,  I,  5,  15  p.  137,  7}.  Es  enthält 
einen  exegetisch- theologischen,  homilienartigen  Excurs  über 
Zachar.  9,  9.  Da  die  beiden  anderen  Scholien,  welche  mit 
'Age^ci  bezeichnet  sind*^**),  in  A  und  M  stehen,  so  darf  man 
annehmen,  dass  auch  dieses  —  zumal  da  es  a  prim.  man.  in 
M  ist  —  aus  A  geflossen  ist.  Als  Resultat  dieser  Unter- 
suchungen für  den  Tatiantext  im  Mutin.  ergiebt  sich,  dass  der- 
selbe im  wesentlichen  eine  treue,  von  einem  kundigen  Manne 
leise  gebesserte  Abschrift  des  Textes  in  A  sein  wird,  und  dass 
die  Schoben,  welche  er  voraussichtlich  enthält,  zum  grössten 
Theile  ebenfalls  aus  A  geflossen  sind. 

2)  A  und  der  Paris.  174  (Par.i).  ^ 

Der  Codex  Par.  *  besteht,  wie  oben  §  1  gezeigt  worden  ist, 
aus  zwei  Hälften.  Die  erste  enthält  exegetische  Arbeiten  zu 
dem  A.  T.,  darunter  den  Commentar  des  Olympiodorus  zum 
Ekklesiastes.  Leider  aber  kann  die  Zeit  dieses  Mannes  nicht 
bestimmt  werden  '^*).  In  der  folgenden  Scholiensammlung  zu 
den  Proverbien  ist  neben  den  Vätern  Aristoteles  citirt,  ganz 
wie  in  Arethas'  Commentar  zur  Apokalypse.  Doch  lässt  sich 
daraus  natürlich  nicht  schliessen,  dass  Arethas  sie  redigirt  hat. 
Die  zweite  Hälfte  des  Codex  ist  ein  Corpus  Apologetarum,  wel- 
ches In  Umfang  und  Anordnung  dem  des  Cod.  A  gleicht  mit 
der  Ausnahme,  dass  die  drei  umfangreichsten  Schriften  (Cle- 
mens, Protrept.  und  Paedagog.,  Euseb.,  Praepar.  ev.)  ausgelassen 
sind.  Hinzugefügt  ist  keine  einzige.  Die  Handschrift  ist  im 
11.,  spätestens  12.  Jahrhundert  geschrieben.  Dass  sie  irgend- 
wie mit-  A  verwandt  ist,  ist  bereits  deutlich  geworden.  Es 
fragt  sich,  welcher  Art, die  Verwandtschaft  ist,  resp.  ob  Par. ' 
irgend  einen  selbständigen  Werth  neben  A  behaupten  kann. 
Wird  diese  P\age  verneint,  so  fragt  sich  weiter,  ob  Par. '  den 
Text  von  A  treu  wiedergegeben  hat.  Für  die  Toxtüberlieferung 
des  Tatian  ist  die  Beantwortung  dieser  Frage  entscheidend; 
denn  Par. '  ist  zur   Zeit   der    älteste    uns  bekannte   Zeuge   für 

130)  S    oben  S.  30. 

13i)  Cave  (l.  c.  p.  500}  und  Oudin  (1  c  11  p.  513  sq.)  setren  ihn 
versuchswoirje  <  090.  andero  \nei  früher:  in  das  6.  oder  7.  .Tahrh.  Der  Com- 
mentar /um  Ekkles  iel  abgedruckt  bei  Fronte  Diicaeus,  Auct.  Bibl.  II 
p.  602  sq. 


Die  Öodd.  Parisini  451  und  174.  51 

Tatian.  Zunächst  ist  offenbar,  dass  die  Verwandtschaft  die  In- 
tegrität des  Cod.  A  voraussetzt,  der  in  seinem  jetzigen  Zustand 
die  Cohortatio  verstümmelt,  den  Tatian  gar  nicht  enthält.  Aber 
dieser  Verlust  in  A  ist  ja  erst  für  das  14.  Jahrhundert  controlir- 
ha.r^^^);  der  Annahme,  dass  im  11.  (12.)  A  noch  vollständig 
gewesen  ist,  steht  nichts  im  Wege.  Im  Folgenden  wird  so  zu 
verfahren  sein,  dass  die  Stücke,  welche  A  und  Par.  ^  gemeinsam 
haben,  auf  ihren  Text  genau  verglichen  werden,  um  ein  ürtheil 
über  die  Verwandtschaft  im  Allgemeinen,  über  den  Tatiantext 
in  Par.^  im  speciellen  zu  gewinnen.  Die  Stücke  sind:  a)  die 
Ep.  ad  Zenam,  b)  die  Cohortatio,  c)  Athenag.,  Supplic,  d)  Ejus« 
dem  de  resurr,  e)  Euseb.,  adv.  Hierocl.  ^^^) 
a)  Die  Epistula  ad  Zenam. 

I)  Beide  Codd.  geben  dem  Briefe  die  Aufschrift:  lovoxlvog 
tr^vaL  y.ai  OBQrjvcoi  rolg  aöeXfpotg  x^^Q^^^*  Aber  Par.  *  hat  statt 
des  fehlerhaften  Crjvca  richtig  „^J^vai"  geschrieben. 

II)  Das  eine  Scholion,  welches  von  Otto  aus  A  mitge- 
theilt  hat  (c.  10  n,  11)  ^^^\  findet  sich  auch  in  Par.^  und  zwar  mit 
einer  Ausnahme  wörtlich  identisch  ^^%  selbst  der  Fehler  yia^- 
slg^aL  für  y,a%UQ^at  ist  repetirt  ^^^). 

III)  Die  Varianten  der  beiden  Codd.  sind  folgende  ^^'): 

1)  c.  l  n.  5  xat  A,  om.  Par.^  sed  add.  supra  lin. 

2)  c.  1  n.  9  naQafpoQoig,  sed  £  et  t  super&cr.,  vX  ^ünBQifpo- 
Qcuc^  7i€Qi(poQcäg  Par,  1 

3)  c.  2  n.  6  yiaTSTiiTrjSsiorzag  A,  yiaTeTtiTiaidevovTctg  Par.  ^ 

4)  c.  2  n.  9  ilievdoöo^el  A,  ^evdodo'^^  Par.^ 

5)  c.  2  n.  10  xazaqfOQOv  A,  yLataqjWQOv  Par.^ 


132)  S.  oben  §  3  S.  25. 

•133)  Die  letztgenannte  Schrift  darf  hier  ausser  Betracht  bleiben,  da 
die  Vergleichungen  der  Codd.  in  a— d  ein  vollständiges  Material  zu 
sicheren  Schlüssen  liefern,  und  da  die  Untersuchung  möglichst  auf  die 
Schriften  des  2.  und  3.  Jahrhunderts  beschränkt  bleiben  soll. 

134)  S.  oben  §  3  S.  32. 

135)  A  hat  tiv,  Par.i  ehai.  Die  beiden  Worte  werden,  wenn  dvui 
abgekürzt  ist,  in  der  Minuskel  leicht  verwechselt;  doch  kann  dieses  auch 
eine  absichtliche  Correctur  von  Par.^  sein 

136)  In  Par.i  finden  sich  3  andere  jüngere  Schoben,  die  A  nicht  hat; 
über  diese  s.  später. 

137)  Alle  Fälle  sind  aufgezählt  mit  Ausnahme  der  Verschiedenheiten 
in  Bezug  auf  das  v  ephelc.  und  den  Spiritus  bei  aitdc. 

i* 


52  I^ie  Codd.  Parisini  451  und  174. 

6)  c.  3  n.  2  iiij  S'  A,  in)  öi  Par.^ 

7)  c.  3  n.  7  adr/Mv  A,  ädiy.elv  doy,(.ov  Par.  ^ 

8)  c.  4  n.  2  i-ir.öe  laXslv  A,  fi?)  Xa?.£7v  de  Par.  ^ 

9)  c.  5  n.  8  ovT€  A,  out"  Par.^ 

10)  c.  6  n.  3  ioKiQOjiiievijv  A,  sömQQCo^iivrjv  ParJ 

11)  c.  6  n.  6  ava7rA«2:z:£fi^  re  A,  ip.  om.  Par.',  sed  supra  lin. 
ante  avanX.  superscr.  x«/. 

12)  c.  9  n.  19  ctvTÜv  A,  (xhiov  ParJ 

13)  c.  11  n.  9  livriöo^el  TovTOv  ov^ißovKEvovxoq,  Y.aL  {^Aa'i  ^w^X2. 
lin.)  ccvtidiKOS  A,  aJTfd".  toi;  (Ji;^/3.  xal  avz.  Par.' 

14)  c.  18  n.  4  o  ayaQiGxr^oiov  A,  o  %aQiOTrjOcov  Par. ' 

Dies  sind  alle  Abweichungen,  welche  bei  einer  doch 
ziemlich  umfangreichen  Schrift  von  18  Capiteln  in  den 
Handschriften  sich  finden.  Von  ihnen  dürfen  die  Nrr.  1, 
2,  4,  5,  0,  8,  9,  10  ausser  Betracht  bleiben;  eine  nähere  Be- 
gründung ist  hierfür  wohl  nicht  nothwendig.  Es  bleiben  also 
überhaupt  nur  6  Fälle  übrig,  bei  denen  daran  gedacht  werden 
kann,  dass  Par. '  eine  andere  Vorlage  als  A  gehabt  hat  Diese 
Zahl  steht  einer  nicht  ganz  geringen  Anzahl  von  Fällen  gegen- 
über, wo  A  und  Par. ^  gemeinsame  und  grobe  Schreib- 
fehler haben.  Aber  machen  jene  6  Fälle  wirklich  die  Annahme 
nothwendig,  dass  Par J  nicht  ans  A  selbst  geflossen  sein  kann? 
Dies  wäre  doch  nur  dann  zu  behaupten,  wenn  Par.  ^  an  diesen 
Stellen  einen  besseren  Text  als  A  böte,  obschon  selbst  dann 
noch  bei  der  verschwindend  geringen  Anzahl  der  Fälle  die 
Hypothese  gelehrter  Correcturen  in  Par.  ^  mindestens  ebenso 
wahrscheinlich  wäre.  Es  steht  aber  so,  dass  in  Nrr.  3,  7,  12 
die  LA  in  Par.'  fehlerhaft  und  auch  von  Otto  unberücksichtigt 
geblieben  ist;  also  ist  in  vMTEmnaidEvovTaQ,  ,,frat''  lediglich 
Schreibfehler  für  irj^  avzov  ist  verlesen  für  avTcov,  und  dör/.elv 
öoycaiv  für  döixcov  ist  entweder  eine  absichtliche  Correctur  oder 
eine  Art  von  Dittographie.  Es  bleiben  mithin  nur  3  Fälle 
(Nrr.  11,  13,  14)  noch  zu  berücksichtigen.  Mit  ihnen  hat  es 
folgende  Bewandtnis?:  C.  6  n.  6  ist  sowohl  in  A  als  in  Par.' 
fehlerhaft  überliefert;  ava7r?MiTeiv  xe  ist  sinnlos  und  von  Otto 
hat  daher  unter  Zustimmung  von  Nolte  richtig  aian'kaTTOvxcoi' 
conjicirt.  Aus  diesem  Wort  ist  die  falsche  LA  uvanlaTTeLv  tb 
in  A  entstanden,  in  Par.'  fehlt  das  te.  Also  steht  A  der  ur- 
sprünglichen LA  noch  näher.    Das  später  in  Par. '  eingeschobene 


Lie  Codd.  Paiisini  451  und  174.  53 

/Mt  kommt  überhaupt  nicht  in  Betracht.  —  C.  11  n.  9  unter- 
scheidet sich  ParJ  von  A  dadurch,  dass  er  statt  tovtov  „toD" 
bietet.  Dies  ist  die  richtige  LA,  die  von  A  ist  unerträglich. 
Hier  könnte  Par.  ^  also  aus  besserer  Ueberlieferung  geschöpft 
haben.  —  C.  18  n.  4  endlich  lautet  in  A  o  ayaQiOTijOiov  eyyvg^ 
in  Par. ^  6  %ctQiöi7]Gcov  eyyvg.  Der  letzteren  LA  hat  von  Otto 
nach  dem  Vorgang  des  Maranus  den  Vorzug  gegeben.  Die 
Stelle  ist  schwierig  und  vielleicht  überhaupt  verderbt.  Der  Zu- 
sammenhang ist  dieser:  der  Verf.  warnt  in  dem  18.  Cap.  vor 
weltlicher  Traurigkeit  und  ermahnt,  sich  im  voraus  zu  starken 
wider  Leid  und  Unglück,  das  jeden  treffen  kann:  tcqo  7iavTiov 
de  yivcüGxco^eVy  ozi  ycal  voöog  aTioxsiTai  lolg  aaQxioig  tjjtitdv  y,at 
Crjfila  Kai  evöeia^  y.al  o  %aQLöxii]öcov  {ay^aQ)  syyvg.  Kai  Ölcc 
TOVTO^  XQi  ngo/iieleTäv  to  anoßrja6f.i£vov^  iva  fxi]  ovußalvov 
■d-avfiia  xal  eTcrrkrj^iv  ncxQsyr)  xaig  yM^Siatg  i^jlkov.  Es  kann  hier 
6  yaQiGTrjOiJüv  —  die  Möglichkeit  solch  einer  seltenen  Bildung 
vorausgesetzt  —  nur  Gott  bedeuten,  und  so  hat  auch  von 
Otto  übersetzt  („atque  praesto  adesse  qui  grates  nobis  per- 
solvat").  Aber  der  Zusammenhang  wird  dadurch  zerrissen;  denn 
der  Verfasser  will  hier  gar  nicht  trösten  durch  Hinweis  auf 
künftigen  Ausgleich,  sondern  er  will  ermahnen.  Auch  würde 
man  nicht  xal  6  yaQiOT.^  sondern  vielmehr  öe  erwarten.  Die 
V.  dxaQiOTsw  ist  somit  viel  passender,  wenn  auch  der  Ausdruck 
seltsam  genug  bleibt,  sie  ist  ferner  aber  auch  belegbar.  Zu 
ayaQiöXTiöwv  ist  KciLQog  oder  vielleicht  didßoXog  zu  ergänzen. 
Die  Lx4  in  Par.  ^  ist  also  entweder  als  Correctur  oder,  was  wahr- 
scheinlicher, als  Flüchtigkeitsfehler  {o^aQ.  für  oayaQ.)  zu  beur- 
theilen.  Somit  ist  also  ausser  ein  paar  leichten  orthographi- 
schen Correcturen  nur  eine  Stelle  nachzuweisen  aus  der  über- 
haupt so  geringen  Zahl  der  Abweichungen  in  Par.  \  wo  dieser 
Cod.  gegenüber  A  "  eine  wirklich  beachtenswerthe  LA  bietet. 
Das  Urtheil  darf  daher  als  begründet  gelten,  dass  Par. ^  aus  A 
abgeschrieben  ist,  und  zwar  ist  er,  hier  bei  der  ep.  ad  Zen., 
eine  recht  zuverlässige  Abschrift.  Die  Möglichkeit,  dass  zwi- 
schen ihm  und  A  noch  ein  Mittelglied  gestanden  hat,  kann 
offen  gelassen  werden,  obschon  eine  Nothwendigkeit  für  diese 
Annahme  nicht  vorhanden  ist  ^'^^), 


138)  Eine  Modification  könnte  dieses  Ergebniss   nur   dann  erleiden, 


54  Die  Codd.  Pai-isini  4ol  und  174. 

b)  Die  Cohortatio. 

I.  Beide  Codd.  geben  der  Apologie  die  Aufschrift:  {lov 
ayiov  A)  loiozivov  qjtlnijoipov  xal  fH'QciQog  Xoyog  iiaQUiveTuag 
TiQog  eX?^r]V(j(g. 

IL  Die  beiden  Scholien,  welche  von  Otto  aus  A  mitge- 
theilt  hat  (c.  31  n.  3  n.  8)  ^^'0^  finden  sich  wörtlich  identisch 
auch  in  Par/  Aus  letzterem  Codex  hat  von  Otto  noch  zwei 
Scholien  ausgeschrieben  (c.  9  n.  28  n.  29),  die  manu  sec.  bei- 
gesetzt sind  und  sich  in  A  daher  nicht  finden. 

III.  Die  Yarianten  der  beiden  Codd.  in  den  ersten  12  Capp. 
sind  folgende '^^^): 

1)  c.  1  n.  5  liov  7TQfk€Q0V  A,  tcov  ngoTe^wv  Par. ' 

2)  c.  1  n.  7  7]fnv  A,  ifJ^tv  {r.  supra  lin.)  Par. ' 

3)  c.  2  n.  3  a;TO  tcDj'  tov  A,  twv  om.  Par.  ^ 

4)  c.  2  n.  4  (pr^olv  A,  cpaaiv  Par.  ^ 

5)  c.  2  n.  30  enidXxj^g  A,  icpidlzr^g  Par.  ^ 
0)  c.  2  n.  38  xeXadivjfj  A,  y.eladtLvrj  Par.  ^ 

7)  c.  2  n.  41  xoft  A,  om.  Par.^  , 

8)  c.''  2  n.  42  O^eovg  avzovg  A,  avr.  ^s.  Par.^ 

9)  c.  3  n.  10  a7i£(pr/azo  zo  vdioo  A,  z6  vd,  an^cp,  Par.* 

10)  c.  3  n.  12  zovzo  A,  tovzov  Par.  ^ 

11)  c.  3  n.  14  /[VQog  A,  tov  nvgog  Par.  ^ 

12)  c.  3  n.  15  o^OiOneQLag  A,  o^otofiSQslag  Par.' 

13)  c.  4  n.  4  oiQxäg  ....  elvac  A,  agxf^g  el^cct  Par.  ^ 

14)  c.  4  n.  9  z€  A,  om.  Par.^ 

15)  c.  5  n.  9  frXdzwvog  A^  zov  nlaz.  Par.^ 

16)  c.  5  n.  14  slax^v  A,  tXax   Par.^ 

17)  c.  5  n.  22  avzöv  g)rja£L  A,  ai-rov  (ptiai  Par.  ^ 

18)  c.  6  n.  6  (og  A,  zr^g  Par.i 

19)  c.  6  n.  8  eiöiag  A,  iÖtag  Par.  ^ 

20)  c.  6  n.  9  rji^uv  A,  vfilv  Par.  ^ 

21)  c.  5  n.  19  ^rjqaheoiyai  A,  ^rjoaivezai  Par.  ^ 


wenn  die  übrigen  Handschriften,  welche  die  Ep.  ad  Zenam  enthalten,  die 
eigcnthümlichen  LAA  in  Par.'  bestätigen  sollten,  ohne  doch  aus  ihm 
geflossen  zu  sein.  Desshalb  werden  diese  sxiäter  noch  zu  berücksich- 
tigen sein. 

139)  S.  oben  §  3  S.  82. 

140)  Die  Cohortatio  umfasst  38  capp.    Eine  genaue  Vergleichung  von 
12  dürfte  genügen. 


Die  Codd.  Parisini  451  und  174.  >  55 

22)  c.  7  11.  5  ccydvvjTov  (yevTjTijv)  A^  aysvvTjTov  {ysvvTjirjv'j  V'd.r.^ 

23)  c.  7  n.  9  drjlov  ozi  A,  driXovovi  Par.  ^ 

24)  c.  8  n.  3  tcc  «AAjo^wy  A,  TctXXijXcov  Par.  ^ 

25)  c.  8  n.  3  alkcc  A,  c('a.V  Par.^ 

26)  c.  8  n.  8  iöviv  rjiuv  A,  rjf.dv  eoxiv  Par.  ^ 

27)  c.  9  n.  11  a^ttjoidog  A,  ajiidotdog  Par.' 

28)  c.  9  11.  20  fiVov  A,  TW»'  Par.  ^ 

29)  c.  9  n.  33  aeaovxaaiv  A,  oeaoxxofoiv  Par.  ^ 

30)  c.  10  n.  3  oix€iaOx^ai  A,  (itKeitüad^ai  Par.' 

31)  c.  10  n.  9  Tiaqiox^  A,  TtaQtoxexo  Par.' 

32)  c.  11  n.  9  vofuKrjTe  A,  vo(.ut,erE  Par.  ^ 

33)  c.  12  n.  5  wg  A,  om.  Par.^ 

34)  c.   12  n.  6  r/MPVjg    ÖtjIovgiv  .  .  .  nga^eig  A,   praem.   nga^ 
^Big  Par.' 

35)  c.  12  n.  7  dXV  diove  A,  aXXcog  ze  Par.' 

36)  c.  12  n.  12  x^j^re/^  A,  y.qi%i(jc  Par.' 

37)  c.  12  n.  19  yga/ii/iiapi  A,  evdaio^ai  yQ(xf.i(.iaoi  Par.' 

Die  Zahl  der  Abweichungen  ist  hier  grösser  als  bei  der 
Ep.  ad  Zenam;  aber  der  Text  der  Cohortatio  ist  auch  viel 
schwieriger  als  der  jener  Schrift,  so  dass  der  Unterschied  der 
beiden  Codd.  noch  immer  als  ein  sehr  geringfügiger  gelten 
darf.  Zunächst,  was  den  Werth  der  Varianten  in  Par. '  betrifft, 
so  ist  von  Otto  nur  an  9  Stellen  (Nrr.  6,  10,  12,  16,  21,  28,  30, 
35,  36)  Par.'  gegen  A  gefolgt.  Von  diesen  fallen  aber  sofort 
fünf  weg;  denn  /.tXaÖLyri  —  y.eX(xdeivri,  6(.ioiofi€Qtag  —  ofwiofie^ 
Q€iag^  k'Xaxev  —  sXax\  olxeuood'ai  —  iijxu&od'ai,  xgrjzela  —  aqi- 
xia  sind  keine  Varianten  im  strengen  Sinn  des  Worts.  Es  blei- 
ben also  nur  die  Nrr.  10,  21,  28,  35  übrig.  C.  9  n.  20  ist  aber 
hiov  die  schwierigere  und  desshalb  beizubehaltende  LA.  Der 
ganze  eigenthümliche  Werth  von  Par.^  steckt  also  darin,  dass 
c.  3  n.  12  das  grammatisch  unerträgliche  xovto  zu  xovtov  cor- 
rigirt  ist,  dass  c.  5  n.  19  ein  nothwendiger  Infinitiv  gesetzt  ist, 
und  dass  für  cclX*  Serie  richtig  c.  12  n.  19  aXXagre  geschrieben 
ist,  was  kaum  eine  Correctur  zu  nennen  ist.  Das  Ergebniss  ist 
somit  genau  dasselbe  wie  bei  der  Ep.  ad  Zenam:  Par.*  ist  eine 
Abschrift  von  A;  die  Annahme  einer  zwischen  beide  Codd.  hin- 
einspielenden,  von  A  unabhängigen  Handschrift  ist  durchaus  un- 
statthaft. Deutlicher  aber  als  oben  tritt  hier  die  glättende, 
den  Text  leise  zu  verbessern  strebende  Art  des  nicht  unkundigen 


56 


Die  Codd.  Parisini  451  und  174. 


Schreibers  von  Par.  •  hervor.  Er  nimmt  Umstellungen  der  Deut- 
lichkeit wegen  vor  (Nrr.  S,  9,  13,  26,  34),  sucht  die  Orthographie 
zu  verbessern  (Nrr.  5,  6,  12,  19,  22,  23,  27,  29,  30),  ändert  an 
den'  Artikeln  (Nrr.  3,  11,  15),  hält  sich  strenger  an  die  Gesetze 
der  EHsion  (Kit.  16,  24,  25)  u.  s.  w.  Doch  ist  seine  Hand- 
schrift sorgfältig  und  mit  Bedacht  geschrieben;  von  wenigen, 
freilich  absichtlichen,  Fehlern  entstellt,  darf  sie  als  eine  leicht 
corrigirte  Copie  von  A  gelten. 

c)  Die  Supplicatio  Athenagorae. 

I.  Die  Aufschrift  in  Par.  ^  lautet:  ^Ad-rjvayooov  ii^r^vcdov 
rpLkoo6q}Ov  yoiOTiaiov  viQFMßEicc  71£qI  XQLOZLaviov.  In  A  lautet 
sie  jetzt  ebenso;  aber  es  ist  oben  *")  bereits  daraufhingewiesen 
worden,  dass  K  ursprünglich  eine  üeberschrift  überhaupt  nicht 
irehabt  hat,  dieselbe  vielmehr  erst  im  11.  Jahrb.,  d.h.  zu  der 
Zeit,  wo  Par.  *  geschrieben  wurde,  hinzugesetzt  ist. 

II.  Von  den  7  Scholien,  welche  A  bietet,  hat  Par.  ^  vier  '  ^\ 
dazu  noch  zwei  von  jüngeren  Händen  ^^'^).  Die  Scholien  sind 
bis  auf  ganz  unbedeutende  Abweichungen  identisch  ^^^). 

III.  Die  Varianten  der  beiden  Codd.  in  den  letzten  18  Capp. 
(cc.  20—37)  sind  folgende: 

1)  c.  20  n.  11  "/o^r;s  A,  a/.oQorjq  Par."^  (y.noarjg  in  marg). 

2)  c.  20  n.  11  hyofdvr]  A,  yero/iicvr]  Par.  ^ 

3)  c.  21  n.  37  cpoißov  A,  (polßov  Par.* 

4)  c.  22  n.  3  viotIq  &^  i]  A,  vr^orig  t£  t]  Par. ^ 

5)  c.  22  n.  3  T,{yy€L  ZQüivcofta  A,  t    I/iikovqov  vo^ä  Par. ' 

6)  c.  22  n.  12  ayivrixitt  A,  uyavvriTa)  Par.^ 

7)  c.  22  n.  17  liyivrjxov  te  ymi  atöiov  A,  cadiov  re  y.ai  ayev- 
vfjcov  Par.^ 

8)  c.  22  n.  31  öel  A,  de  Par.* 


141)  S.  §  3  S.  34. 

112)  Zu  c.  17  n.  11;  20  n  17;  20  n.  12;  32  n.  0.  Zwei  von  den 
dreien  in  A,  welche  Par.i  niclit  hat  (zu  c.  24  n.  24;  25  n.  1),  sind  dort 
a  manu  saec.  XII. 

143)  Zu  c.  22  n.  50;  25  n.  5.  Das  letztere  ist  a  manu  lat.  aaec.  XV. 
(XVI.)  und  lautet:  „Claudianus  poota:  Saepe  mihi  duliiam  traxit  sen- 
tentia  mentem,  Curarent  superi  terras  an  nullus  inesset  Rector  et  incerto 
fluerent  niortalia  ca'-^u*'. 

144)  Par.^  xrjQrxEiov  für  xtjqvxiov,  </>  für  o,  om.  xal,  dnd  für  xaxa, 
.9tAö>v  für  i^eliiDv. 


Die  Cocld.  Piirishii  451   und  174. 


Ol 


9)  c.  22  n.  32  7]  u  A,  ymI  Par.i 

10)  c.  22  11.  46  /V  ri  A,  %v    /]  Par.  i 

11)  c.  22  n.  46  tov  Jiog  jui^ig  A,  fiii^ig  tov  Jing  Par.  ^ 

12)  c.  22  11.  48  ovPTSTtj/MOiv  A,  aweoxrjÄaoi  Par.^ 
i;])  c.  23  11.  2  yivea^aL  A,  ylyveot>((i  Par.' 

14)  c.  23  n.  9  cyivriiov    (ayeviqTOv)    A,     aylvvrjxov    (ayevvr]' 
rot)  Par. ^ 

15)  c.  23  11.  14  ye  nov  A,  ye  xot  Par.  ^ 

16)  c.  23  n.  14  havxcov  jtQoyovovg  A,  om.  Par.  ^ 

17)  c.  23  n.  23  ^6f)V  A,  ^siov  Par.i 

18)  c.  23  ij.  25  a7ioxe6(.ievov  A,  e7ci.yj6f.iePOv  ParJ 

19)  c.  23  11.  38  dyevrjTov    (ysvmov)  A,    dyevvrjxov  ■  {ysi^vrjvov) 
Par.' 

20)  c.  24  n.  1  öai  A,  d,i  Par.i 

21)  c.  24  n.  7  o  A,  om.  Par.^ 

22)  c.  24  n.  21  iva  ttjv  A,  i'va  rj  rt)v  Par.  ^ 

23)  c.  24  n.  24  neqi  A.'xiov  nt-Qi  Par.* 

24)  c.  25  n.  12  siooQcovTSg  A,  daoQiovxccg  Par. ' 

25)  c.  25  n.  12  rj  A,  ei  Par.i 

26)  c.  26  n.  21  öai  A,  öt  Par.' 

27)  c.  27  n.  \h  havxriv  A,  avxf^v  Par.' 

28)  c.  28  n.  23  'lovv  A,  'ho  Par.' 

29)  c.  28  n.  llloxoQiTii  A^  latoQiav  Par.* 

30)  c.  28  n.  44  "iQfn  A,  i£Q([}  Par.i 

31)  c.  28  n.  51  vskolov  A,  xüv  vsycQidv  Par.' 

32)  c.  28  n.  52  7rouifj.cci  A,  7t£7ioLßv(.iai  Par.' 

33)  c.  30  n.  3  J^qa^xco  A,  j£QY.EXto  Par. ' 

34)  c.  30  n.  7  dt]  A,  y.ai  Par.' 

35)  c.  30  n.  7  öeyidTT]  yevet]  A,  ösAdirj  ysvefj  Par.' 

36)  c.  30  n.  9  ßaoilsvoa  A,  ßaoilevg  Par.' 

37)  c.  30  n.  22  dyevrixog  A,  ytvvrjxög  Par. ' 

38)  c.  31  n.  9  v^dv  A,  viidg  Par.' 

39)  c.  32  ri.  4  Idi'  A,  ö'  Par.' 

40)  c.  32  11.  13  ante  v(.uv   Par.  *  supra  lin.  z«/,  om.  A. 

41)  c.  34  11,  13  ov  ydq   A,  oiöa   Par.' 

42)  c.  35  11.  3  ndaaüO-at  A,  G/rdöaQ^ai  Par.' 

43)  c.  35  n.  8  vxcv  A,  om   Par.' 

44)  c.  35  n.  11  xov  cfor.  A,  xo  rpov.  Par.* 

45)  c.  37  B.  7  yivo^ercüv  A,  yiyvo^evcov  Par.' 


58  I>ie  Codd.  Parißini  451  und  174. 

Die  Zahl  der  Abweichungen  des  Cod.  Pur.  ^  von  A  ist  hier 
etwas  geringer  als  bei  der  Cohortatio.  Es  kommt  durchschnitt- 
lich genau  auf  eine  Seite  (c.  13 — 14  Zeilen)  in  der  Ausgabe 
von  V.  Otto  eine  Variante —  ein  den  bisherigen  Resultaten  ganz 
analoges  Ergebniss.  Den  Werth  der  LAA  in  Par.  ^  anlangend, 
so  hat  au  den  45  Stellen  v.  Otto  nicht  öfter  als  dreimal  An- 
lass  genommen,  A  zu  verlassen,  was  nur  zu  billigen  ist.  Es 
fragt  sich  aber,  ob  nicht  auch  an  jenen  drei  Stellen  die  LA  in 
A  zu  halten  ist.  C.  24  n.  24  (Nr.  23)  sind  verschiedene  Engel- 
gruppen genannt;  von  einer  heisst  es:  fiegoi  neql  to  7iqlozov 
tovTO  üT€Qiwua.  Par.  ^  schaltet  hier  vor  Tiegi  „twi^"  ein.  Der 
Ausdruck  wird  so  allerdings  sprachlich  correcter;  aber  auch  an 
anderen  Stellen  lässt  sich  in  Par.  *  gegenüber  A  das  Bestreben, 
die  Artikel  zu  vermehren,  bemerken  (s.  in  der  C oh  ort.  die  Nrr. 
11,  15;  in  vorstehendür  Tabelle  Nr.  31;  bei  der  Schrift  de  re- 
surr, die  Inscriptio  u.  s.  w.).  Man  wird  also  bei  der  LA  in  A 
bleiben  können.  C.  32  n.  4  (Nr.  39)  bietet  A  ywacx.!  Idr  dd€X>:pij 
XQiof.i€Vöv,  Par.  ^  ywoa^l  d*  ddelq)fj  /(»xjjwcx'o»'.  Otto  hat  in  den 
Text  aufgenommen:  yivaivA  d'  Idia  ddeXrpf^  xQiofiBvov,  indem 
er  den  jüngsten  Codd.  des  16  Jahrh.  dabei  folgt  Das  de  ist 
aber  im  Zusammenhang  vöUig  entbehrlich  und  augenscheinlich 
aus  dem  seltsamen  löi'  entstanden.  Die  LA  in  A  ist  also  cor- 
rect.  C.  30  n.  7  (Nr.  34)  endlich  bietet  A  einen  sibyllinischen 
Hexameter  also:  Ji,  toib  öixaTrj  ysvsij  fjeQ67icüV  dvd-gwjtwv. 
Der  Anfang  des  Verses  ist  falsch;  Par.^  bittet  richtig  (wie  in 
Sibyll.  Orac.  III,  108):  Kai  zots  dt]  xzX.  Aber  es  fragt  sich, 
ob  Athenagoras  so  geschrieben  hat.  Möglicherweise  sollte  das 
störende  y,al  am  Anfang,  wenn  auch  auf  Kosten  des  Verses? 
vermieden  werden.  Es  kommt  hinzu,  dass  alle  übrigen  Athena- 
gorascodd.  wie  A  lesen.  Par.^  ist  also  auch  ftir  die  Suppli- 
catio  kein  selbständiger  Zeuge  neben  A;  er  ist  vielmehr  aus 
A  mittelbar  oder  unmittelbar  geflossen.  Die  Zahl  der  ge- 
meinsamen eigenthtimhchen  Lesarten  und  Fehler  (so  lesen 
beide  Codd.  gleich  in  der  Aufschrift  ciO(.ievLa/.olq  für  ap/<.) 
ist  darum  auch  eine  beträchtliche.  Die  Abweichungen  von 
A  sind  ab(T.  wie  mau  sich  leicht  überzeugen  kann,  zum 
kleinsten  Theile  als  Flüchtigkeiten  zu  beurtheilen.  Wie  bei 
der  Cohort. ,  so  erkennen  wir  auch  hier  fast  überall  die 
Hand    eines    zwar    sorgtältigen    und    kenntnissreichen    Schrei- 


Die  Codd.  Parisini  451  und  174  59 

bers  ^^%  der  aber  zugleich  es  nicht  lassen  konnte,  hier  und  da 
in  seiner  Weise  zu  verbessern.  Auf  seine  „Verbesserungen" 
werden  wir  später  noch  zurückkommen  müssen;  denn  sie  sind 
fortgepflanzt  worden. 

d)  Die  Abhandlung  des  Athenagoras  de  resurr, 
mort. 

I.  Die  Inscr.  lautet  in  A:  zov  attov  negl  dvaoTaosfog  ve- 
y.QWVy  Par.^  schiebt  rcuv  vor  veAQiov  ein. 

II.  Von  den  52,  zum  Theil  sehr  umfangreichen,  Scholien 
in  A  stehen  in  Par.^  39^^^),  neue  sind  nicht  hinzugefügt.  Im 
Texte  der  Scholien  sind  nur  ganz  geringe  Abweichungen. 

III.  Die  Varianten  der  beiden  Codd.  in  der  ersten  Hälfte 
des  Buches  (c.  1  — 12)  sind  folgende: 

1)  c.  1  n,  10  diaoTQ€(povoLv    A,    atqicpovoiv    Par.  ^,    supra- 
scr.  ^(Cf. 

2)  c.  1  n.  19  nQoy,ad'7]Qag  A,  7rQo/Md^d()ag  Par.  ^ 

3)  c.  2  n.  12  avTwv  A,  om.  Par.^ 

4)  c.  2  n.  15  yiVG)ay.£TaL  A,  yiyvioGxeraL  Ptir.  ^ 

5)  c.  2  n.  16  0  T€  ydQ  A,  o  ydg  Par.  ^ 

6)  c.  2  n.  18  STiiOKe^patTo  A,  eTiipxBXpezai  Par.^ 
.     7)  c.  2  n.  19  ze  A,  om.  ParJ 

8)  c.  3  n.  7  Tiag^  avTfjg  vevof.iLOi,uvrjv  A,  rcaqä  trjg  vevo^tio- 
(levijg  Par.  * 

9)  c.  3  n.  16  ixelvoig  avtolg  A,  avt.  ix,  Par.  ^ 

10)  c.  5  n.  8  T(p  A,  om.  Par.  ^ 
10b)  c.  5  n.  13  T?}r  A,  om.  Par.  ^ 

11)  c.  5  n.  15  ye  A,  de  Par.  ^ 

12)  c.  5  n.  16  dg  A,  ig  Par,^ 

13)  c.  6  n.  2  TQircrfg  A,  i()krjg  Par.^ 

14)  c.  6  n.  10  cavtr/v  f.i€v  A,  add.  t^v  eiXcAQiveaTdTrjV,  qtiod 
habet  A  in  marg. 

15)  c.  6  n.  11  övvdianXeyLousvTjv  A,  av(.inXBxo(.ievnv  Par.^ 

16)  c.  7  n.  8  ov  xoX^g  ov  nvevf^tuTog  desunt  in  A. 

145)  Nur  c.  22  n.  3  (Nr.  5)  hat  er  Unsinn  geschrieben,  weil  er  die 
Worte  seiner  Vorlage  entweder  nicht  verstand  oder  nicht  lesen  konnte. 

148)  Zu  c.  1  n.  2,  11  (bis),  24;  2  n.  2,  14,  26;  3  r.  6,  11;  5  n.  1;  6  n. 
3;  7  n.  9;  8  n.  3;  9  n.  1;  10  n.  21;  11  n.  2,  8;  12  n.  1,  6,  21,  29,  35,  43; 
13  n.  6;  14  n.  1;  15  n.  5,  27;  16  n.  13;  17  n.  2,  10;  18  n.  17;  19  n.  3; 
20  n.  4;  21  n.  11,  23;  22  n.  4;  24  n.  1.  12;  25  n.  1. 


ßO  Die  Codd.  Parisini  451  und  174. 

17)  c.  7  n.  16  yivoiAeviov  A,  87Tiyivof.ievit}r  ParJ 

18)  c.  8  n.  6  oud'  A,  ova  Par.^ 

19)  c.  8  n.  7  ^uoQioig  A,  xcooioig;  Par.^ 

20)  c.  10  n.  8  Tavta  A,  fuvTt]  Par.^ 

21)  c.  10  n.  15  ovÖEf-iia  A,  ovd^  .  .  .  i.da  Par. ' 

22)  c.  10  n.  16  ovo"  A,  oiöi  Par.^ 

23)  c.   10  n.  22  tov  A,  ttcoq  Par. ' 

24)  c.  11  n.  12  t6  A,  om.  Par.^ 

25)  c.  12  n.  31  te  A,  om.  Par.^ 

Die  Zahl  der  Abweichungen  ist  hier  sehr*  gering,  und  nur 
eine  der  Par. ^  eigenthümlichen  LAA  hat  von  Otto  in  den 
Text  aufgenommen.  Prüft  man  die  Art  der  Varianten,  so  dürfen 
die  Nrr.  1,  4,  12,  14,  22  ausser  Betracht  bleiben.  Die  Nrr.  5, 
7,  10,  10b,  11,  18,  23,  24,  25  enthalten  Artikel-  und  Partikel- 
änderungen, die  Nrr.  9,  21  Wortumstelluugen.  Die  alte  Form 
nQtrKaö^r}Qag  hat  Par.  ^  durch  7iQoyiad^aQag  (Nr.  2)  ebenso  er- 
setzt, wie  das  ungewöhnlichere  TQiZTrjg  durch  TQiTrjg  (Nr.  13). 
Nr.  17  ist  für  das  Simplex  das  Compositum,  Nr.  15  dieses  für 
ein  Bicompositum  gesetzt.  Nr.  6  ist  die  Verbalform  leicht  ver- 
ändert. C.  2  n.  12  (Nr.  3)  ist  in  den  Worten  ngog  xr^v  tcov 
avTwv  avd^QtjTKDv  ovotaoiv  das  avTcov  wohl  aus  Versehen  fort- 
gelassen; neben  dem  avS^^ioniDv  konnte  es  leicht  wegfallen. 
Ebenso  ist  Nr.  19  Ltigsoc  v.al  x<^0QiOLg  eine  Flüchtigkeit  für 
fiogioLQ.  Die  Formel  kommt  sehr  häufig  in  der  Abhandlung 
vor  und  ist  sonst  stets  richtig  von  Par.  ^  wiedergegeben.  Ein 
leichtes  Versehen  ist  auch  TcaQcc  xr^g  für  nao"  avrijg  (Nr.  8). 
In  c.  10  n.  8  (Nr.  20)  ist  Tavxrj  für  xavxa  eine  Erleichterung. 
Die  einzige  Stelle,  wo  von  Otto  Par. ^  gefolgt  ist,  findet  sich 
c.  7  n.  8  (Nr.  16).  Der  Verf.  erörtert  dorf  das  Verhältniss  der 
bei  Lebzeiten  in  den  Körper  aufgenommenen  NahrungsstofFe 
zu  dem  Körper  selbst  in  Rücksicht  auf  die  zukünftige  Aufer- 
stehung desselben  und  will  den  Beweis  liefern,  dass  sie  für 
diese  niclit  in  Betracht  kommen.  Er  sagt,  sie  würden  nicht 
mi tauferstell en,  ovöev  ovvTeloivTog  txi  (seil,  in  resurrectione) 
7i:Q6g  xo  Cr^p  OCX  d^tf^iccxog  oc  (pX^ynarog  ov  ;foA?;c^  ov  fivevuarog. 
Die  letzten  vier  Worte  fehlen  in  A,  aber  ich  sehe  auch  keinen 
Grund,  sie  aus  Par. '  in  den  Text  aufzunehmen.  Die  Zusammen- 
stellung des  „Athem"  {/iverficctog)  mit  Blut  und  Speichel  als 
Product  der  Nahrungsstoffe  erscheint   gesucht  und  nimmt  sich 


Der  Cod.  Parisinus  451  und  der  Marcianus  (31 

wie  eine  gelehrte  Ergänzung  aus.  Dazu  kommt,  dass  auch  der 
Argent.  die  Worte  nicht  hat.  Andererseits  freilich  könnten  sie 
in  A  aus  Versehen  {(pliyf.taTng — 7iv^v4taT0Q)  weggefallen  sein. 
Wir  können  al^o  auch  hier  die  Untersuchung  nicht  völlig  zu 
Ende  führen,  ohne  die  übrigen  Texteszeugen  zu  Rathe  zu  ziehen. 
Indessen  wird  auf  Grund  des  gesammten  übrigen  Materials 
gegenüber  diesem  einen  nicht  völlig  aufgeklärten  Fall  die 
Hypothese  doch  schon  hier  sehr  unwahrscheinlich,  dasis  Par. ^ 
auf  eine  ältere,  von  A  relativ  unabhängige  Vorlage  zurückzu- 
führen sei.  Es  sollen  aber  aus  dem  bisher  Erörterten  die 
Schlüsse  für  den  Tatiantext  noch  nicht  gezogen,  vielmehr 
zuerst  noch  die  vergleichende  Untersuchung  des  Marcian.  313 
und  der  Valeriancodd.  (Aet.)  vorgeführt  werden.  Die  letztere 
führt  mit  Nothwendigkeit  auf  das  Verhältniss  von  A  zu  den 
jüngeren  Handschriften  der  Apologeten  überhaupt. 

3)  A  und  der  Marcianus  343  (Ma). 

Auf  Grund  der  Collationen  von  Gaisford  ist  es  möglich 
ein  Urtheil  über  das  Verhältnisv^  der  beiden  Codd.  in  Bezug 
auf  die  Praepar.  ev.  zu  gewinnen.  Dieses  Urtheil  gilt  auch  für 
die  beiden  anderen  in  Ma.  enthaltenen  Stücke,  die  ja  ebenfalls 
in  A  sich  finden.  Gaisford  selbst  hat  als  Ergebniss  seiner 
Untersuchung  ausgesprochen,  Ma.  sei  aus  A  abgeschrie- 
ben^^''); Dindorf  hat  dem  widersprochen  „Cum  Gaisfordio", 
sagt  er,  „ita  consentio  ut  non  descriptum  quidem  ex  illo,  sed 
ex  alio  ejusdem  fere  aetatis  libro,  qui  Parisino  A  simillimus 
fuit,  derivatum  esse  censeam.  Nam  etsi  liber  Venetus  cum 
Parisino  nbique  fere  consentit,  ctiam  in  vitiis  prorsus  singu- 
laribus,  nullo  dum  alio  e  libro  enotatis,  tamen  scripturas  non 
paucas  praebet  quae  non  videntur  librarii  codicem  Parisinum 
describentis  arbitrio  omnes  tribui  posse,  sed  aliunde  potius 
petitae  esse  videntur"  ^'*^).  Prüfen  wir  das  Verhältniss  näher. 
In  der  oben  i*^)  gegebenen  Beschreibung  von  A  wurde   darauf 


147)  L.  c.  p.  II. 

148)  K  c.  p  VI.  P.  XI  giebt  aber  auch  Dindorf  zu,  dass  die  bei- 
den Handschriften  als  ein  Zeuge  zu  beurth eilen  sind.  Andere  jüngere 
Codd.  zeigen  übrigens  bei  der  Praepar  ev.  ganz  besonders  deutlich,  dass 
A  ein  recht  sorglos  geschriebener  Codex  ist. 

149)  S.  §  3  S.  33. 


(J2  Der  Cod.  Parisihus  451  und  der  Marcianus. 

hingewiesen,  dass  A  die  5  ersten  Bücher  der  Praepar.  enthält, 
dass  aber  1)  durch  den  grossen  Ausfall  \X)n  4  Quaternionen 
zwischen  fol.  187  und  188  auch  der  Anfiing  der  Praepar.  be- 
troffen worden  ist  —  was  schon  im  14.  Jahrh.  angemerkt  wurde, 
2)  im  2.  Buch  jetzt  ein  Qnaternio  fehlt,  3)  im  4.  Buch  der 
Schreiber  selbst  ein  grösseres  Stück  —  ungefähr  V'2fol. 
gleichkommend  —  ausgelassen  hat  ^^^). 

I.  In  Ma. ,  welches  wie  A  nur  die  5  ersten  Bücher  der 
Praepar,  umfasst,  finden  sich  die  Theile,  welche  in  A  durch  den 
V^erlust  der  Quaternionen  abhanden  gekommen  sind,  dagegen 
fehlt  das  Stück  im  4.  Buche  gleichfalls,  welches  be- 
reits der  Schreiber  von  A  weggelassen  hat.  Diese  Be- 
obachtung rückt  die  beiden  Codd.  bereits  sehr  nahe,  da  alle 
übrigen  Handschriften  der  Praepar.,  wie  bemerkt,  hier  voll- 
ständig sind, 

II.  Beide  Codd.  haben  eine  nicht  geringe  Anzahl  von  ganz 
groben  Schreibfehlern  und  Versehen  gemeinsam '•'*  i).  Ist.  Ma. 
nicht  aus  A  selbst,  sondern  %s  der  Vorlage  von  A,  resp.  aus 
einem  mit  A  verschwisterten  Codex  abgeschrieben,  so  müsste 
der  Unsinn  drei-  oder  viermal  von  Schreibern  wiederholt  wor- 
den sein,  was  ja  freilich  nicht  unmöglich  ist. 

III.  Dindorf  hat  p.  VI — X  die  Stellen  zusammengestellt, 
auf  die  er  das  Urtheil,  Ma.  sei  nicht  direct  abhängig  von  A, 
gegründet  hat.  Nur  geringfügiges  ist  weggelassen.  Von  dem 
grösseren  Theile  der  Abweichungen  des  Cod.  Ma.  von  A  ur- 
theilt  auch  er,  dass  sie  auf  Rechnung  des  Abschreibers  kommen 
könnten  und  also  nicht  die  Annahme  einer  anderen  Vorlage 
als  A  für  Ma.  erheischen.  Es  darf  hinzuffefüot  werden,  dass 
diese  Abweichungen  fast  durchweg  nicht  aus  Schreibversehen 


150)  Die  Lücke,  die  an  sich  nicht  auftauend  ist,  wird  durch  die  jüngeren 
Codd.  ergänzt,  die  sämmtUch  die  fehlenden  Sätze  bieten. 

151)  Dindorf  hat  L  c  p.  VI  not.  mehrere  aufgeführt;  s.  p.  99  c  (edit. 
Viger,)  xa^^'^i'^a*'  pro  xalki&viocv.  p  100  c  aQi^yovog  e^ko^  pro  opZ*" 
yivs^Xoq.  p.  101  b  ^naXrj^ht;  y8kaQv^wvi>ro  ndXi  ^iaxeXa  ^il^iov.  p.  116  d 
innixov  pro  övzixov.  p.  120  a  a^()a  pro  öoxsa.  p.  126  c  daxVf^ovovaa> 
pro  aQX^)  Y"^  ovoa,  p.  146  h  Qevoia  Xoinöv  pro  QEVotaXiov.  p.  137  b 
T(5  &e<p  fXTjvl  öio)  pro  T(p  Ibwfiixy  öii.  p  194  d  ix  övaTtvorjg  pro  atyXijQ 
nvoiy.    p.  202  c  oi  ^aydnioi  {^ayaniol  Ma.)  pro  o\  ^aXaznoi  etc. 


Der  Cod.  Parisinus  451  und  der  Marcianug,  63 

entstanden,  sondern  absichtliche  Correcturen  sind^^^),  und 
zwar  Correcturen,  die  ihrer  Art  nach  die  frappanteste 
Uebereinstimmung  mit  den  Correcturen  in  Par.  * 
gegenüber  A  aufweisen.  Beide  Codd.  (Par.  ^  und  Ma.)  sind 
aber  in  derselben  Zeit  geschrieben,  sind  gelehrt  recensirte 
Handschriften,  und  dass  auch  Ma.  mindestens  in  sehr  naher  Be- 
ziehung zu  A  steht,  ist  ja  bereits  bewiesen.  Im  Folgenden 
sollen  die  wichtigsten  Gruppen  der  Correcturen  in  Ma.,  die  mit 
denen  in  Par.^  übereinstimmen,  aufgeführt  werden. 

1)  In  Ma.  sind  im  Interesse  der  Deutlichkeit  und  Folge- 
richtigkeit öfters  Worte  umgestellt,  s.  p.  8b,  12a,  t2c,  23a  28a, 
48<^,  62^1,  63a,  77c.  —  2)  In  demselben  Interesse  sind  an  den 
Artikeln  und  Partikeln  kleine  Aenderungen  vorgenommen;  s. 
z.  B.  8b,  8d  9a,  10b,  lOd  IIa,  nd  12c,  I2d,  I3c,  45b,  83a  — 
3)  Ebenso  sind  Verbal-  und  Nominalformen  hier  und  da  leise 
corrigirt,  s.  z,  B.  p.  7c  {yiazayyskovTwv  —  KaTayyeLXdvtcüv).  7d 
{ßvv^vd^QGinr^Y.ei  —  svrjvd-gajnsi).  8b  {nvof.iaOTi — ovnf.i(xti).  9* 
{avTMV ~ avTOv).  IIa  (an^xeXeho  —  EnETeXeito).  \\^  {hteO(pa- 
Tov  —  eniGcpato\).  12a  [ßaxTrjQioi — ßdxT^oi).  I2a  {ßla-KTtyno- 
TSQa  —  ßla-KTixcotara).  13a  {yevvaiwq — ysvvaiqj).  13*  {eniöTa- 
voftevcov  —  eTiaviarafuevcov).  14a  {ßr/.auoTrjQLOv  —  drKttKOtrj^iwv) 
20c  {y(.aTaqi^^ir]d^rjvai  —  xaTrjQLO^i.irj&r^aav).  27a  (^f^ie^eQ^evevov- 
xiov —  u€&€QurjV€VOfiivci%').  28a  (tcqogsxvvovv  —  7rQnaey.evvrioav) 
48a  {iyyeviad-ai  —  ysvio^ai).  51b  (juevÖrj — fisvdrjvi),  75c  (dyo- 
QEvtLV — dnctyoqivei).  78^  {a  —  fniTeXovviai;  a  —  S'JiiTEXs'iTat). 
In  den  meisten  dieser  Falle  liegt  der  Grund  zur  Correctur  auf 
der  Hand,  zum  Theil  sind  es  wirkliche  Verbesserungen,  aber 
die  parallelen  Fälle  zeigen,  dass  es  gelehrte  Verbesserungen 
sind.  4)  Dies  wird  noch  deutlicher  in  solchen  Fällen,  wo  Ma. 
andere  Worte  als  A  braucht.  Ein  Theil  dieser  Fälle  erklärt 
sich  aus  Verschreibung,  der  grössere  muss  auf  absichtliche 
Correctur  zurückgeführt  werden  ^•'^);  s.  z.B.  p.  7<i  («xara/t^jy- 
'KTOv — dy.aTa^idx/jrov).  9^  {ovtoi  —  avroi)  V^^  {öi^nvoiav-^dv- 
va^itv),     15c  (ßiOTCoQiaTixov—ßiov  TCOQiOTCx'v).    22d  {äfcXov(.ii' 


152)  Die  Zabl  der  Schreibfehler  in  Ma   —  abgesehen  von  denen,  die 
er  mit  A  gemeinsam  hat  —  ist  eine  verschwindend  geringe. 

153)  Vorschrieben  mag  sein  jtakiv  f.  näoiv  (8<^),  ^oiväad^ai  f.  olväcB-ai 
(11 1),  nokv(pQayiiovoq  ^x^^  f.  7ioXv<pgd6fjiovo(:  ft/r'?  (193^), 


(J4  Dei*  Cod.  Parisinus  451  und  der  Marcianiis. 

vov — 7iaXoi(.dvov).  21^  {yioa/Lioyevela^y.oauoyoria).  27^  {^totj- 
f.iEi(ov  —  zio.  avtwv).  3Gc  (dfcrjUcaTSzo  —  Fyojoiuio  yju  ccirr^Xla- 
T£To).  4  tc  (isoa  ßißho  —  hyrooia  /mI  i£Q(^(  ßi(3h-)).  41^  (rr^Q 
TeXfZijg  —  rijQ  fOQTtjg  jjroi  releT^^g).  78^  (rrjv  Y.onrov — t.  y.q. 
8vva(.iiv).  91'"^  (xc'zo«y£  —  -Ät/Maye  Hyvjv).  219^  (o<  deoi  —  oi 
^eol  neqi  ravta).  26^  (^caura  ocozodrrjg  aurog  l/.uvog  6  jraoiv 
doiöi^og — Tccv.  aco.  ixeJvog  /ml  ttXcctiüv  oi  näaiv  aoLÖcf.ioi)^''^). 
232c  {zov  y.QCiiiGiov  kifiov  —  lov  /liyKJzov  ytal  zg.  l.).  120^ 
(^oy,lrj7r.iog  /mI  lA7[6ll(ov — i^a.  6/iiov  /.  ^^ti.).  Die  letzten  Fülle 
sind  besonders  bezeichnend  für  den  Charakter  von  Ma. ;  s. 
auch  38^  {covz^  Hgtiv — yjcoL).  45^  (rijg  yj'->Q(^Q  —  t^ov  tottov). 
45c  {7T(jcurjv  [.ih — TTQaiTOv).  45<i  Q.viovg — ttvag).  A^'<^  {^^^XQV 
f.ievov  —  '/.EXGQYiyriixivo)).  79^  {h.eiva  a  —  el  xtva).  95^  {uercc 
ßgaxicc — ft€z^  ollya).  l()0<i  (ä(pd-izog  —  a^O^agzng).  101^  (qp«- 
vog — (paveocop).  i\b^  {rrgoGayogsiovoiv — ycaloroir).  132^  {avv- 
aigeod^ai  —  ovvUöO^ai).  I37<i  {y.aXovi.Uvovg  —  eiQrjjiievovg).  199<^ 
(azoTiiag — anovoiag).  202^  {diooo/Joazt  —  di/J^azt).  2{)d^  {anei- 
gripiiva  — dTroggr^ra).  224^'  {icraGnaodizcjv  —  avaTrercxGdvziüv). 
230h  ßaxziGzixrjg — ?.a:izr/.rJQ).  Die  letzte  Gruppe  zeigt  fast  lauter 
solche  Fälle,  wo  geläufigere  Ausdrücke  an  Stelle  von  unge- 
wöhnlicheren gesetzt  sind.  —  Was  bisher  aufgeführt  ist,  nöthigt 
noch  in  keiner  Weise  zur  Annahme,  dass  Ma.  eine  andere  Vor- 
lage als  A  zu  Grunde  liegt,  und  die  wenigen  Fälle,  wo  Ma. 
Worte,  die  in  A  stehen,  weggelassen  hat,  kommen  natürlich 
auch  nicht  in  Betracht  ^''*^).  An  zwei  Stellen,  wo  Ma.  fehlerhaft 
ist,  scheint  die  Abhängigkeit  von  A  ganz  besonders  evident: 
P.  53<i  steht  in  A  f^irjzga  Mschlich  für  f^iizgu;  Ma.  aber  hat 
aus  (^irjzgcc  „a/yT^t"  gemacht.  P.  8^  bietet  A  ebenfalls  unrichtig: 
dXtjd^Fj  dva^oloyi]G£iev  (es  muss  dl/]d^eiav  6j.io?,oyi']Gai  ai'  heissen), 
Ma.  hat  aber  corrigirt:  dXiji^r^  oiioloy/jG^uv.  Soviel  ich  sehe, 
bleiben  in  den  5  Büchern  nur  drei  Stellen  nach,  wo  die  An- 
nahme, Ma.  folge  einer  anderen  Vorlage  als  A,  unumgänglich 
erscheint:  P.  22<i  giebt  A  eine  Stelle  aus  Plutarch  also  wieder: 
tZL  g^r^GiVj  dci  i^  alXneidwv  ttöwv  6  ävi^gionog  ayevvrjO^i],  wahrend 


154)  Ln  Vorhergehenden  war  neT>en  Socrates  von  Plato  die  Rede. 

155)  S.  p.  7b,  7s  7d,  9'»,  12^,  13<--,  23%  GOc,  ()ld,  ggd.  An  zwei  Stollen 
hat  Ma.  längere  Zusätze  (89c,  104^),  die  sowohl  von  Gaisford  als  von 
Dindorf  als  solche  beurtheilt  werden. 


Der  Cod.  Parisinus  451  und  die  Valerianoodd,  ß5 

Ma.  und  die  übrigen  Codd.  xai:'  ccgxdg  vor  8^  einschieben. 
P.  231»  felilt  in  dem  Satze:  aTio^palvstaL  Ös  ymI  Tteql  ^ewv,  wc 
ovde^iiäg  riye^oviag  bv  avzoig  ovötjc;  in  A  das  unentbehrliche 
riYEi-ioviag,  welches  Ma.  und  die  übrigen  Codd.  bieten.  P.  47l> 
fehlen  in  A  die  Worte  Aad-ieQiod-rjvat  v.al  tovrovg  oeßso^^ai, 
weil  das  Auge  des  Schreibers  auf  das  gleich  folgende  Wort 
}ca^c(7t£()  (f.  xaS^isQiü&Tjvai)  abirrte;  Ma.  und  die  übrigen  Codd. 
bieten  die  Worte.  Mindestens  an  den  beiden  letzten  Stellen 
hat  Ma.  wirklich  das  Richtige  bewahrt  gegen  A.  Somit  bleibt 
nur  die  Annahme  übrig,  dass  der  Schreiber  von  Ma.  entweder 
seine  Abschrift  aus  A  nach  einer  zweiten  Handschrift  hier  und 
da,  aber  selten,  controlirt  hat,  oder  dass  er  nicht  direct  aus  A 
geflossen  ist,  sondern  aus  einer  schon  corrigirten  Abschrift  dieses 
Codex.  Jedenfalls  aber  bleibt  das  ürtheil  zu  Recht  bestehen, 
dass  Ma.  wie  Par.  ^  ein  auf  Grund  der  in  A  vorliegenden  lieber- 
lieferung  recensirter  Text  ist,  und  an  diesem  ürtheile  kann 
auch  die  Beobachtung  nichts  ändern  —  Dindorf  scheint  ihr 
besonderen  Werth  beizumessen  — ,  dass  die  übrigen  Hand- 
schriften der  Praepar.  an  einigen  Stellen  mit  Ma.  gegen  A 
stehen;  denn  die  übrigen  Handschriften  sind  sämmtlich  jünger 
und  sind  allem  Anschein  nach  bereits  von  der  Textrecension 
abhängig,  die  in  Ma.  vorliegt. 

4)  A  und  der  x\rchetypus  der  Valeriancodices. 

Es  ist  oben  §  2  nachgewiesen  worden,  dass  der  Archetypus 
der  Valeriancodices  dem  Par.^  sehr  nahe  verwandt  gewesen 
sein  muss,  aber  schwerlich  mit  ihm  identisch  ist;  es  ist  ferner 
§  3  init.  an  einem  Exemplar  jener  Codd.  gezeigt  worden,  dass 
die  ganze  Gruppe  derselben  höchst  wahrscheinlich  ebenfalls  nur 
eine,  wenn  auch  ganz  verwilderte,  Verzweigung  des  Cod.  A 
bildet.     Dieser  Beobachtung  wird  nun  naher  nachzugehen  sein. 

Für  die  apologetische  Literatur  kommen  folgende  sieben 
Valeriancodd.  in  Betracht: 

1)  Claromont.  83,  nunc  Bodlej.  283  (scr.  ann.  1532)  ^^^). 

2)  Bonon.  plut.  XXTT  (scr.  ann.  1533)  i"). 

3)  Aeton.  88  (scr.  ann.  1535)  i^«). 


156)  S.  V.  Otto,  1.  c.  IV3  p.  XXIVsq,,  VII  p.  XVI  sq. 

157)  S.  oben  §  1  S.  6. 

158)  S.  oben  §  1  S.  4. 

Texte  und  UnterBuchungen,  5 


^  Der  Cod.  Parisinn«  451  und  die  Valemncodd. 

4)  Parisin.  2376  (scr.  ann.  1539)  *^^). 

5)  Bonon.  ?  (scr.  c.  ann.  1530— 1540) '^O). 

6)  Angelic.  ß.  1.  10  (scr.  c.  ann.  1530—1540)1*^*). 

7)  MS.  Frisii  (scr.  c.  ann.  1540)  '6'^). 

Den  Tatian  allein  aus  der  Zahl  der  älteren  apologetischen 
Schriften  enthalten  Bonon.  plut.  XXII,  Paris.,  MS.  Frisii.  Die 
anderen  haben  "folgende  Stücke: 

Claromont.  Aeton.  Bonon.  Angelic. 

Ep.  ad  Zenam.   Ep.  ad  Zenam.     Athenag.  Siippl.  Athenag.  de  res. 

Athenag.de  res.  Athenag.  Suppl.  Athenag.  de  res.  Athenag.  Suppl. 

Athenag.Suppl.Athenag.de  res.  Ep.  ad  Zenam.    Ep.  ad  Zenam. 

Tatian.  Cohortat. 

Expos,  rect.  fid. 

Die  Verwandtschaft  dieser  von  einem  Schreiher  geschrie- 
benen Codices  liegt  schon  nach  diesem  Inhaltsverzeichnisse  auf 
der  Hand,  ebenso  ihr  Zusammenhang  mit  A  (resp.  Mutin.  \xn4 
Far.  ^)i^^).  Ueber  den  Claromont  (fol.  108  in  4"),  der  nach 
den  drei  oben  genannten  Schriften  4)  Epiphanii,  de  mensuris 
et  ponderibus,  5)  Josephi,  patriarchae  CPitani,  Confessio  fidei, 
6)  Epitome  libri  Epiphanii  de  XII  lapidibus,  7)  Excerpta  ex 
Joanne  Damasceno  enthält,  hat  P.  de  Lagard e  die  Mittheilung 
gemacht  ^^'),  dass  er  —  wenigstens  was  die  Schrift  de  mens, 
et  pond.  betrifft  —  aus  einem  Codex  c.  saec.  XI.  scr.  abge- 
schrieben zu  sein  scheint.  Diese  Notiz  stimmt  mit  der  Beob- 
achtung zusammen,  dass  der  Archetypus  der  Valerianhand- 
schriften  in  Bezug  auf  die  apologetischen  Schriften  (Tatian) 
dem  Cod.  Par. *  (saec,  XI.)  sehr  nahe  verwandt  gewesen  sein 
muss.  Hat  nun  Valerianus  Alles,  was  er  im  Cod.  Claromojit 
mitgetheilt  hat,  aus  einer  Handschrift  abgeschrieben,  so  wäre 


159)  S.  oben  §  1  S.  6. 

100)  S.  V.  Otto,  1   c.  IIP  p.  XXXII.  IV3  p.  XX.  XXV.  VII  p.  XVIII. 
Der  Codex  ist  bisher  nicht  vergüchen. 

161)  S.  V.  Otto,  1.  c.  IV3  p.  XXV  iq.  Vllp.  XTX.  Auch  dieser  Codex 
ist  bisher  nicht  vergHchen. 

162)  S.  oben  §  1  S.  7  sq. 

168)  Man  verj^fleiche  namentlich  den  Inhalt  des  Bonon.  mit  dem  des 
Cod.  A  und  Mutin. 

164)  Symmicta  I  (lij77)  S.  210. 


Der  Cod.  Parisinus  451  und  die  Valeriancodd.  ß7 

damit  bewiesen,  dass  diese  der  Cod.  Par.  ^  selbst  nicht  gewesen 
sein  kann,  da  dieser  z   B.  die  Epiphaniana  nicht  enthält. 

Wie  dem  auch  sein  möge,  uns  interessirt  hier  die  Beant- 
wortung der  Frage,  ob  der  Archetypus  der  Valerian Codices  in 
Bezug  auf  Apologetisches  mit  A  näher  verwandt  gewesen  ist 
als  mit  Par.  \  d.  h.  anders  ausgedrückt,  ob  dieselben  direct  aus 
A  geflossen  sind  oder  aus  einer  Abschrift  von  A,  die  auf  dersel- 
ben Stufe  wie  Par.  ^  steht.  Zur  Beantwortung  dieser  Frage  ge- 
nügt die  Untersuchung  einer  einzigen  Schrift,  der  Ep.  ad  Ze- 
nam:  1)  Alle  Abweichungen,  welche  sich  in  ParJ  von 
A  finden  ^*^^),  finden  sich  auch  in  Claromont.  83  und 
Aet.  2)  Die  beiden  Codd.  sind  nur  soweit  mit  A  vor- 
wandt, als  Par.^  ihn  treu  wiedergegeben  hat.  3)  Die 
drei  Schollen,  die  Par. ^  mehr  als  A  hat,  finden  sich 
auch  wörtlich  identisch  in  Aet.  ^^**^).  4)  Nach  dem  hand- 
schriftlichen Befunde  in  Bezug  auf  Ep.  ad  Zenam  allein 
steht  der  Annahme  nichts  im  Wege,  dass  Par.*  selbst 
die  freilich  überaus  lüderlich,  schüler-  und  stümper- 
haft copirte  Vorlage  der  Valeriancodices  sei.  Da  in- 
dess  diese  Annahme  nach  dem  über  die  Tatianhandschriften 
Bemerkten  unwahrscheinlich  ist,  so  ist  als  der  Archetypus  der 
Valeriancodices  eine  mit  Par.*  eng  verschwisterte  Handschrift 
anzusehen.  Endlich:  die  beiden  Valeriancodd.  selbst  sind  sich 
überaus  ähnlich,  aber  der  Claromont.  ist  nicht  die  Vorlage  für 
Aet.,  da  z.  B.  c.  5,  2  der  Ep.  dieser  ein  Time  mit  A  Par. '  bietet, 
welches  in  jenem  fehlt.  Valerianus  ist,  wie  schon  bei  dem 
Tatiantext  deutlich  wurde,  bei  mehreren  seiner  Handschriften 
auf  den  Archetypus  selbst  zurückgegangen  '^'). 

Als  Resultat  der  bisherigen  Untersuchungen  ergiebt  sich, 
dass  die  Codd.  Mutin.,  Par.  174,  Marcian.  343,  sowie  der  Arche- 
typus der  Valeriancodices,  leicht  recensirte  Abschriften  von  A 
aus  dem  Zeitalter  der  Komnenen  sind,  und  dass  die  gelehrten 
Bemühungen  des  Arethas  damals  noch  nicht  vergessen  waren. 


165)  S.  oben  §  4  sub  2»  S.  51. 

166)  S.  Ep.  ad  Zenam  6  n.  12;  7  n.  8;  15  n.  4. 

167)  An  den  Codd.  Par.\  Ciarom.,  Aet.  ist  in  späterer  Zeit  von  ganz 
jungen  Händen  corrigirt  worden  und  zwar  nach  den  Editionen,  resp.  was 
unwahrHclieinlicher,  nach  dem  unten  zu  nennenden  Paris.  450  iann.  1364). 


(58  Verzeiclmiss  der  Apologetenhandschriften. 

Stammtafel : 

A  (ann.  914) 
(direct  oder  durch  Vermittelung) 


Mutin.      Par.  174  fere  consentit  cum     Archetyp.  YolerJ^^)     Marcian.  343. 


Ciarom.  83.    Bonon.  plut.  XXII.      Paris.  2376.      Bonon.  Nr.  ?     Angel.  Fris. 
Aet. 

Excurs   zu  §  4:    Die   Justincodices    des    13.  (14.)  Jalirh, 
in  ihrem  Verhältniss  zu  Par.  451. 

Um  das  obige  Ergebniss  zu  erhärten,  resp.  gegen  Einwürfe 
sicher  zu  stellen,'  ist  eine  Prüfung  der  übrigen  Apologeten- 
Handschriften,  sofern  ihnen  Selbständigkeit  zukommt,  angezeigt. 
Ich  stelle  imi  folgenden  zunächst  die  Handschriften  sämmtlich 
übersichtlich  zusammen: 

Verzeichniss  der  für  die  Schriften  der  vorkatholischen 

griechischen  Apologeten  bisher  bekannt  gewordenen 

griechischen  Codices ^^'0. 

1)  Paris.  451  (ann.  914  von  Baanes  geschrieben  für  den 
Erzbischof  Arethas  von  Casarea):  Clem.  AI.  Protrept.  et 
Paedag.,  Ep.  ad  Zenam,  Cohortat.,  (Tatian.),  Euseb.  Praepar. 
ev.  I— V,  Athenag.  Suppl.  et  de  resurr.,  Euseb.  adv.  Hierocl. 

a)   Coisl.  120  (saec.  X  init.):  Expositio  rectae  fid. 

168)  Möglich  ist,  dass  der  Mutin.  der  Archetypus  der  Valerianhand- 
schriften  ist;  doch  lässt  sich  vor  Vergleichung  des  Cod.  nichts  behaupten. 

169)  Die  Codices,  welche  den  Apologeten  fälschlich  beigelegte  Schrif- 
ten enthalttn,  sowie  die  Titel  dieser  und  anderer  sicher  nicht  dem  2.  Jahrh. 
angehöriger  Werke,  sind  mit  kleineren  Typen  gedruckt.  Alte  lateinische 
üebersetzungen  giebt  es  für  die  ältesten  griechischen  Apologien  nicht. 
Wohl  aber  ist  eine  syiische  Bearbeitung  der  Oratio  ad  Gr.  (Cod.  Nitr. 
Mus.  Brit.  14658.  saec.  VII.)  bekannt  geworden;  der  Miscellan-Codex,  der 
sie  enthält,  umfasst  auch  loco  septimo  eine  dem  Melito  beigelegte  Apo- 
logie in  syrischer  Uebersetzung  (s.  v.  Otto,  1.  c,  III3  p.  XXVII  sq.  IX 
p.  aTOsq.).  Femer  existirt  die  pseudojustinische  Expositio  rectae  fidei 
syrisch  (Cod.  [misceil.]  Syi-.  Mus.  Brit.  803  saec.  X.),  aber  nicht  vollständig, 


VerzeichnisB  der  Apologetenhandschriften.  69 

II.  Saec.  XI.  et  XII. 

2)  Paris.  174:  Ep.  ad  Zenam,  Cohortat,  Tatian.,  Athenag. 
Suppl.  et  de  resurr.,  Euseb.  adv.  Hierocl. 

3)  Mutin.  in.  D.  7:  Clem.  AI.  Protrept.  et  Paedag.,  Ep.  ad 
Zenam,  Cohortat.,  Expos,  rect.  fid.,  Tatian.,  Athenag.  Suppl. 
et  de  resurr.,  Lactant.  de  Sibyll. 

4)  Marcian.  496:  Theophilus. 

5)  Marcian.  343:  Euseb.  Praepar.  ev.  I— V  et  adv.  Hierocl, 
Tatian. 

b)  Ambros.  L  88  sup.  (saec.  XL):  Expos,  rect.  fid. 

c)  Vatic.  Gr.  423  (saec.  XII.):  Expos,  rect.  fid. 

d)  Paris.  1268  (saec.  XII.):  Expos,  rect.  fid. 

III.  Saec.  Xlil.  et  XIV. 

6)  Paris.  450  (  ann.  1364):  Ep.  ad  Zenam,  Cohortat.,  Justini 
Dialoge  c.  Tryph.  et  ApoL  I.  IL,  de  monarchia,  Expos, 
rectae  fidei,  Confat.  dogmat.  quorund.  Aristotelis,  Quaest.  Christ, 
ad  Gent.,  Quaest.  et  respons.  ad  Orthod.,  Quaest.  Gent,  ad  Christ., 
Athenag.  de  resurr. 

7)  Argentorat.  9  (nunc  combust.):  De  monarchia,  Cohor- 
tat., Expos,  rect.  fid.,  Oratio  ad  Gr.,  Ep.  ad  Diogn.,  Sibyll. 
Oracc,  Athenag.  Suppl.  et  de  resurr.  ^''^) 

e)  Marcian,  gr.  86:  Expos,  rect.  fid. 

f)  Paris.  1259:  Expos,  rect.  fid. 

g)  Florent.  gr.  35  plut.  VII:  Expos,  rect.  fid. 
h)    Florent.  gr.  12  plut.  VI:  Expos,  rect.  fid. 
i)   Ambros.  H  257:  Expos,  rect.  fid. 

IV.   Saec,  ut  videtur,  XV. 

8)  Ott  ob.  274:  Excerpt.  ex  Justini  ApoL,  Ep.  ad  Zenam,  Ex- 
pos, rect.  fid.,  Athenag.  Suppl. 


s.  V.  Otto,  1.  c.  IV*  p.  XXI  sq.  Endlich  sei  auf  das  Bruchstück  einer 
Apologie  hingewiesen,  welches  in  einem  armenischen  Codex  vom  J.  981 
sich  findet  und  dem  Aristides  beigelegt  ist  (S.  Aristidis  Phil  Athen.  Ser- 
mones  duo.    Venetüs  1878). 

170)  Abschriften  dieses  Codex,  aber  nicht  vollständige,  giebt  es  noch 
zwei  (Apogr.  Stephani,  nunc  Leidens.,  ann.  1586:  Ep.  ad  Diogn., 
Oratio  ad  Gr.,  und  Cod.  Tubing.  M.  b.  27  c.  ann.  1580:  Orat.  ad  Gr., 
Ep.  ad  Diogn.,  Oracc);  eine  dritte,  Apogr.  Beureri  (Orat.  ad  Gr.,  Ep. 
ad  Diogn.,  Oracc),  ist  jetzt  nicht  mehr  aufeufinden.  Ueber  den  Cod.  Tu- 
bing. s.  Neumann,  Ztschr,  f.  KGsch.  IV,  2  S.  284  f.,  über  die  anderen 
Apographa  v.  Gebhardt,  Patr.  App.  Opp.  I,  2  [edit.  II]  p.  144  sq. 


70  Verzeichniss  der  Apologetenhandschriften. 

9)  Ott  ob.  94:  Athenag.  Suppl.  et  de  resurr. 

10)  Ottob.  275:  Athenag.  Snppl. 

11)  Ottob.  112:  Tatian,  Hermiäs. 

12)  Ottob.   101:  Hermias,  Expos,  rect.  fid.,  Confutat    Aristot. 

13)  Florent.   gr.    3.   plut.   IV    (ann.   1491    scr.   ab  Joanne 
Rhoso  Venetiis):  Athenag.  de  resurr. 

14)  Florent.   gr.  32.   plut,  X  (scr.  ab  eodem,  ut  videtur;: 
Athenag.  de  resurr.,  Cohortat. 

15)  Vatic.  gr.  1261:  Athenag.  Suppl. 

IG)  Sirletian.  (nunc  desideratur):  Athenag.  Suppl. 

17)  Neapolit.  gr.  II.  A.  13:  Athenag.  Suppl. 

18)  Bodlej.  gr.  Barocc.  98:  Athenag.  Suppl. 

19)  Bodlej.  gr.  Barocc.  145:  Athenag.  Suppl. 

20)  Luban.:  Athenag.  Suppl. 

21)  MS.  Pici  (e  quo  Picus  saec.  XV.  exeunte  latine  vert., 
nunc  desider.):  Cohortat, 

22)  MS.  Vallae  (quod  Valla  saec.  XV.  exeunte  latine  vert., 
nunc  desider):  Athenag.  de  resurr. 

23)  Vindob.  philos.  et  philol.  gr.  13:  Hermias. 

24)  Monac.  512:  Hermias 

25)  Leidens.  16:  Hermias  (vielleicht  schon  saec.  XIV), 

k)    Vatic.  gr.  1097:  Confut.  Aristot.,  Quaost.  Christ,  ad  Gent.,  Quae.st. 

Gent,  ad  Christ. 
1)    Vatic.  841:  Expos   rect.  fid. 
m)    Coisl.  225:  Expos,  rect   fid. 

n)   Monac.  gr.  136:  Respons.  ad  Orthod.,  Quaest.  Gent,  ad  Christ, 
o)    Mosq   34 :  Expos,  rect.  fid. 

V.   Saec.  XVI. 

26)  Claromont.  83,  nunc  Bodlej.  miscell.  212  (scr.  ann. 
1532  a  Valeriano):  Ep.  ad  Zenam,  Athenag.  de  resurr,  et 
Suppl. 

27)  Bonon,  plut.  XXII  (scr.  ann.  1533  a  Valeriano):  Euseb, 
Demonstr.  ev.,  Tatian. 

28)  Aeton.  88  (scr.  ann.  1535  a  Valeriano):  Ep.- ad  Zenam, 
Athenag.  Suppl.  et  de  resurr.,  Tatian. 

29)  Parisiu.  2376  (scr.  ann,  1539  a  Valeriano):  Tatian. 

30)  MS.  Frisii  (nunc  desider.,  scr.  c.  ann.  1540  a  Valeriano): 
Tatian. 


Veraeichniäs  der  Apologetenhandschiiften.  71 

31)  Bonon.  (scr.  c.  ann.  1530—1540  a  Valeriano):  Athenag. 
Siippl.  et  de  resurr.,  Ep.  ad  Zenam,  Cohortat.,  Expos,  rect.  fid 

32)  Angelic.  B.  1.  10  (scr.  c.  ann.  1530  a  Valeriano):  Athe- 
nag. de  resurr,  et  Suppl.,  Ep.  ad  Zenam. 

33)  Paris.  887  (scr.  ann.  1510  a  Constantino  Palaeocappa): 
Theopiiilus  I.  III 

34)  Paris.  Suppl.  gr.  143  (scr.  c.  ann,  1540  a  Constantino 
Palaeocappa):  Athenag    Suppl. 

35)  Claromont.  82,  nunc  Fenwick.  (scr.  ann.  1541  a  Geor- 
gio):  insunt  eadem  quae  in  Paris.  450  (Nr.  6),  sed  in 
fine  repetuntur  alia  manu  Ep.  ad  Zenam,  Expos,  rect.  fid. 

36)  Bodlej.  gr.  misc.  25  (scr.  ann.  1543  a  Georgio):  Theo- 
philus. 

37)  Monac.  81  (scr.  ann.  1552  a  Michaele  Sophiano):  Athe- 
nag. Suppl. 

38)  Monac.  339  (scr.  ann.  1576  a  Darmario):  Hermias. 

39)  Matrit.  119  (scr.  c.  fin.  saec.  XVI.  a  Darmario):  Hermias. 

40)  Scorial.  gr.  III,  12  (scr.  ann.  1576  a  Darmario):  Hermias. 

41)  Vatic.  (Reginae  Suec.)  159  (scr.  c.  fin.  saec.  XVI.  a 
Darmario):  Hermias. 

42)  Anglicanus  (nunc  desider.,  scr.  ut  videtur  a  Darma- 
rio): Hermias. 

43)  Scorial.  gr.  X,  4,  1  (scr.  saec.  XVI.  exeunte  ab  Antonio 
Calosyna):  Hermias. 

44)  Monac.  58:  Hermias. 

45)  Paris.  19:  Cohortat. 

46)  Gissensis  669:  Cohortat.,  Expos,  rect.  fid. 

47)  Mazarin.  1298,  olim  Orator.:  Athenag.  Suppl. 

48)  Ms.  Suffridi  Petri  (nunc  desider.,  saec.  XVI  ut  vide- 
tur): Athenag.  Suppl.  ^'^) 

p)  Bodlej.  gr.  canon.  51 :  Respons.  ad  Orthod 

q)  Parisin.  2135:  Confut.  Aristot. 

r)  Parisin.  1)38:  Expos,  rect.  fid. 

s)  Monac.  gr.  121:  Expos,  rect.  fid. 


171)  Der  Codex,  aus  welchem  E.  Bigot  für  die  Schrift  de  resurr. 
des  Athenagoras  LAA  gezogen  und  Maranus  mitgetheilt  hat,  ist  nicht 
mehr  zn  finden  und  auch  chronologisch  nicht  zu  bestimmen.  Er  gehört 
übrigens  zu  den  besseren. 


»yo  Verzeichniss  der  Apologetenhandsclii-iften. 

t)    Vindob.  phil.  gr.  335:  Confut.  Aristot. 

u)   Vindob,  phil.  gr.  217    (scr.  c.  ann.  1550  a  Mathusala  monacho): 
♦         Confut.  Aristot.  172) 

Diese  üebersicht  ist  sehr  lehrreich.  Sie  zeigt,  dass  wir 
nur.  sieben  Handschriften,  die  Apologien  des  2.  Jahrhunderts 
enthaltend,  besitzen,  die  älter  sind  als  das  Renaissance-Zeit- 
alter ^''•^).  Von  diesen  sieben  sind  aber  drei  lediglich  Abschriften 
von  A;  es  bleiben  also  aus  dieser  Gruppe  nur  drei  übrig,  die 
neben  A  selbständigen  Werth  haben  können.  Eine  derselben 
ist  eine  Theophilus-Handschrift.  Die  Ueberlieferung  des  Theo- 
philus  ist  aber  von  der  der  übrigen  Apologeten  vollständig  ge- 
trennt^'*). Somit  stehen  neben  A  lediglich  der  Paris.  450  und 
der  Argentoratensis. 


172)  Die  Beschreibung  aller  dieser  Codd.  findet  man  bei  von  Otto, 
1.  c.  T.  I-IX;  zu  Nr.  47  s.  Theol.  Lit-Ztg.  1877  Col.  627. 

173)  Von  den  48  +  20  Handschriften,  welche  aufgezählt  sind,  sind 
22-1-1  mit  Wünschenswerther  Genauigkeit  zu  datiren,  21  +  1  sind 
von  benannten  Schreibern  geschrieben:  Baanes  (1),  Joh.  Rhosus  (13. 
14;  s.  über  ihn  Graux,  Essai  p.  288),  Valerianus  (26—32),  Constan- 
tinus  Palaeocappa  (33.  34),  Georgius  (35.  36),  Michael  Sophianus 
(37),  Darmarius  (38—42),  Antonius  Calosynas  (43)  undMathusalas 
Monachus  (u). 

174)  Ueber  die  handschriftliche  Ueberlieferung  des  Theophilus  kann 
man  leider  sehr  kurz  sein.  Bei  von  Otto  (T.  VIII)  ist  der  Sachverhalt 
nicht  klar  gestellt.  Die  älteste  bisher  bekannte  Handschrift,  der  Marcianus 
496  (oUm  peculium  Cardinahs  Bessarionis),  saec.  XI.,  den  von  Otto  zum 
ersten  Male  verglichen  hat,  enthält  an  7.  und  letzter  Stelle  (Index) :  &£0- 
(piXov  naxQLOLQXov  hxzov  trjg  fjLsyaXr}q  dvxioxsias  nQÖq  aitoXvxov  ikXTjva 
tisqI  TTJq  Tüiv  xQtOTiavwv  niatecDg  loyoi  XQelg  (Euseb.,  h.  e.  IV,  24:  rp/a 
xa  uQÖq  AvxoXvxov  axoix€i(ö6i]  (pegexai  avyyQccfjLfiaxa.  Gennadius,  de 
vir.  ül.  34:  „tres  libelli  fidei"  [vel  ^de  fide  libros"],  die  er  aber  fälschlich 
dem  alexandrinischen  Patriarchen  beilegt.  Photius  schweigt  über  Theoph.). 
Vorhergehen  1)  Gregorii  Nyss.  Antirrhet.  adv.  Apoll.  2)  Eusebü  adv.  Mar- 
ceil. 3)  Eusebii  adv.  Marcell.  de  theol.  eccl.  4)  Origen.  Adam.  c.  Mar- 
cionit.  5)  Zachariae  ep.  Mitylen.  [saec.  VI.],  Ammonius  s.  de  opificio  mundi. 
6)  Aeneae  Gaz,,  Theophrastus  s.  de  anim.  immortal.  Die  Bücher  des 
Theophüus  sind  vielleicht  durch  einen  Zufall  hierher  versclüagen ,  wenn 
sie  nicht  zusammen  mit  den  Tractatcn  des  Aeneas  und  Zacharias  gleich- 
sam als  apologetische  Einleitung  in  die  Dogmatik  dienen  sollten.  Der 
Text  ist  von  einem  ungelehrten,  aber,  wie  es  scheint,  gewissenhaften 
Schreiber  copirt.  Ueber  die  Correcturen  von  jüngerer  Hand  s.  von  Otto, 
1.  c.  p.  XVIIT.    Er  vermuthet,  dass  der  Corrector  einen  zweiten,  freilich 


Die  Codd.  Parisini  450  und  451.  73 

1)  Der  Cod.  Paris.  450  (C)  in  seinem  Verhältniss  zu  A. 

Der   für  Arethas   geschriebene  Cod.  A  bekundete  sich  als 
ein  Corpus  Apologetarum  veterum.     Die  Sammlung  ist  dürftig 


viel  schlechteren  Codex  herbeigezogen  hat.  Dies  mag  dahingesteUt  blei- 
ben; von  Otto  urtheilt  selbst:  „hujus  viri  interpolatrix  potius  quam 
emendatrix  manus  a  Theophilo  melius  omnino  abstinuisset."  Diese 
Handschrift  ist  die  einzige,  die  wir  für  Theophilus  besitzen; 
denn  der  Bodlej.  Gr.  miscell.  25  ist  lediglich  eine  Abschrift  aus  ihr 
(y.  Otto  sagt:  „Bodlej.  valde  consentit  cum  Veneto:  ex  quo  descriptus 
videri  possit" ;  aber  es  handelt  sich  hier  nicht  nur  um  einen  Schein),  wie 
er  denn  auch  bis  auf  das  erste  Stück  alle  im  Marcianus  enthaltenen 
Schriften  und  zwar  in  derselben  Reihenfolge  und  mit  den  „Emendationen" 
des  Correctors  wiedergiebt.  Der  Bodlej.  ist  nicht,  wie  von  Otto  (1.  c. 
p,  XIX)  mittheilt,  c.  med.  saec.  XV.  a  Georgio  quodam  geschrieben,  son- 
dern vielmehr,  wie  Gardthausen  (a.  a  0.  S.  322)  angiebt,  von  Geor« 
gius  Tryphon  Epidaurius  im  J.  1543  (Subscr.  cryptograph. :  ^iiov  yeoQ- 
yrioxQVipbv  xov  sni  SaßQtjov  [sie]  aipixy).  Von  diesem  Schreiber  besitzen 
mehrere  europäische  Bibliotheken  Handschriften,  einige  ebenfalls  mit 
cryptographischer  Subscriptio ;  s.  Graux,  Essaip.  78.  Diebeiden,  welche 
ich  controlirt  habe  (zuTheoph.  und  Justin),  sind  sorgfältiger  geschrieben  als 
die  Valerianhandschriften ;  doch  fehlen  nicht  absichtliche  Verschreibungen 
und  Entstellungen  (s.  von  Otto,  l.  c.  p.  XIX).  Schliesslich  ist  noch 
der  Paris.  887  zu  erwähnen,  der  im  J.  1540  von  Constantin  Palaeocappa 
(Pachomius  Monachus)  in  MouokondyHen  (Gardthausen,  a.a.O.  S.  113  f.) 
wahrscheinlich  zu  Venedig  geschrieben  ist:  Ilaxcii^iog  dgxilJi^avf^Qixriq  iv 
x^  XTJg  Gsßao^cccg  Xavgag  fcov^.  a(pf/.  Die  Pariser  Bibliothek  besitzt  von 
demselben  Schreiber  eine  Athenagorashandschrift ;  auch  die  Moskauer  hat 
einen  Codex  von  seiner  Hand  (Gardthausen,  a.  a.O.S.318).  Der  Paris.  887 
enthält  neben  11  kürzeren  byzantinischen  Stücken  an  11.  Stelle  das  dritte 
Buch  des  Theophilus  ad  Autol.  Ueber  die  Herkunft  desselben  hat  von 
Otto  sich  nicht  ausgesprochen,  während  es  evident  ist,  dass  auch  diese 
Handschrift  aus  dem  Marcianus  direct  oder  indirect  geflossen  ist,  wie 
viele  gemeinsame  Fehler  beweisen.  Bodlej.  und  Paris,  sind  von  einander 
unabhängige  Copien;  denn  dieser  kann  nicht  aus  jenem  abgeschrieben 
sein,  da  er  drei  Jahr  älter  ist,  und  jener  nicht  aus  diesem,  da  der  Paris, 
nur  das  dritte  Buch  enthält.  Der  Paris,  ist  etwas  sorgloser  abgeschrie- 
ben als  der  Bodlej.;  doch  hat  er  hie  und  da,  wenn  auch  selten  (s.  z.  B. 
UI,  5  n.  7.  in,  7  n,  9)  die  LA  des  Marcian.  treuer  bewahrt.  Als  Textes- 
zeugen sind  natürlich  beide  Codd.  einfach  nur  zu  streichen.  Die  Editio 
princeps  (Zürich  1546)  ist  aus  einer  Handschrift  geflossen,  welche  Frisius 
durch  Vermittelung  des  Arnoldus  Arlenius  Paraxylus  in  Venedig  erhielt 
und  welche,  wie  der  Tatian,  der  Bibliothek  des  Gesandten  Diego  de  Men- 
doza  angehörie   (s,  Biblioth.  univ.  Gesneri  1545  s.  v.  Theophilus:    „Ad 


74  I^ie  Cotl«l.  Pariaini  4ö0  und  451. 

genug  —  Justin's  Ajjologio  und  der  Dialog  mit  Trv-pho,  Qua- 
dratuR,  Aristides,  Miltiades,  Melito.  ÄpoÜinaris,  Theophilus, 
Aristo  fehlten  in  ihr;  aber  letztere  scheinen  bis  auf  Justin  und 


Autolycum  libri  tres  elegantissimi  contra  gentes  .  .  graece  extanf  Vene- 
tüs  in  bibliothecvx  Diegi  Hurtadi  oratoiis  Caesa-iei:  eos'Jem  Jo.  Frisiiis 
noster  nuper  advexit  secuin  ex  Italia  ciiraturus  i>t  brevi  ptiblicentur"). 
Die  Handschrift  soll  si_)äter  iu  die  Bibliothek  des  M.  Corvinus  nach  Ofen  ge- 
kommen sein  und  ist  wahrscheinlich  nachmals  von  den  Türken  vorschleppt 
worden  (von  Otto  VIII  p.  XXIV  sq.)  Ihr  Verlust  lässt  sich,  seitdem  der 
Marcianus  saec.  XI.  bekannt  geworden,  verschmei-zen.  Bereits  von  Otto 
bemerkt,  dass  die  Handschrift  „neque  cum  Veneto  nostro  nequ(.'  cum 
Bodlejano  prorsus  consentit",  d.  h  ihnen  sehr  verwandt  ist.  Aus 
Graux,  Essai  p.  137.  225.  253.  363.  399  ist  aber  zu  schliessen,  dass  sie 
höchst  wahi-scheiiilich  ebenfalls  lediglich  eine  Copie  des  Marcianus  ge- 
wesen ist;  demi  sie  umfasste  die  Bücher  Eusebs  gegen  Marcell,  Origenes' 
Dialog  gegen  die  Marcioniten,  Zacharias'  Aminonius,  Aeneas  und  Theo- 
philus,  d.  h.  dieselben  Stücke  wie  der  Marcianus.  Es  fehlt  ihr  der  An- 
tirrheticus  des  Gregor,  der  auch  in  der  CojDie  des  Georgius  Trypho  ver- 
misst  wird.  —  Auch  die  Ueberlieferung  des  Hermias,  die  für  uns  erst  mit 
dem  15.  Jahrh.  beginnt  (der  Leidens*,  soll  zwar  schon  dem  14.  Jahrh.  an- 
gehören, doch  erlaube  ich  mir  dies  zu  bezweifeln),  steht  in  keinem  Zu- 
sammenhang mit  der  der  übrigen  Apologeten.  Zwar  enthält  der  Cod. 
Ottob.  gr.  191  ausser  Hermias  auch  die  Expos,  rect.  fid.  und  die  Confut. 
Aristot.,  aber  er  ist  ein  Miscell.-Codex.  In  dem  Ottob.  gr.  112  befindet 
sich  neben  Hermias  auch  Tatian;  aber  das  ist  zufällig;  denn  zwischen 
beiden  Stücken  steht  der  Apolog.  Eunomii.  Die  Verbindung  des  Hermias 
mit  Eunomins  findet  sich  im  Monac.  512,  Ottob.  112,  Leidens.,  Monac.  58. 
Da  nun  der  Ottob.  191  nach  Brunn  (bei  Otto  IX  p.  XV)  dem  Ottob.  112 
„consimillimus"  ist,  !^o  bilden  diese  5  Codd.  eine  Gruppe,  was  auch  durch 
die  LAA  bewiesen  wird.  Unter  ihnen  ist  der  Monac.  512  der  beste,  so 
dass  man  die  übrigen  vier  missen  kann.  Ob  nun  die  Zusauimenstellung 
von  Hermiaa  und  Eunomins  üine  zufällige  ist  {EPMEIOY,  EYNOMEIOY) 
oder  ob  sie  einen  Fingerzeig  für  den  Urf^prung  des  gänzhch  unbezeugten 
Büchleins  giebt,  lasse  ich  dahingestellt.  Dem  15.  Jahrh  gehört  nur  noch 
von  den  12  bisher  bekannt  gewordenen  Codd.  der  Vindob.  philot:.  gr.  13 
an,  der  den  Hermias  am  Schluss  der  Platoscholien  Olympiodor.  enthält. 
Sein  Text  ist  mit  dem  de»  Monac.  512  sehr  verwandt  und  muss  neben 
jenem  der  Recension  ;.u  Grunde  gelegt  werden.  Gar  keiner  Beachtung 
würdig  aber  sind  die  ß  übrigen  „Codd.",  die  jünger  sind  als  die  edit.  prin- 
ceps  (ann.  1553).  Nicht  weniger  als  fünf  von  ihnen  (denn  der  Anglicanus 
gehört  auch  in  diese  Gruppe)  sind  in  dem  Atelier  des  berüchtigten  Hand- 
schriftenfabrikanttm  Andren f  Darmarius  Epirota  verfertigt  (s.  über 
ihn  Muratori,  Antiq.  Jtul.  lll  col.  927  sq.  Kyabinger,  Münch.  Gel. 
Anz.  1849  Nr.  56.    Gardthausen,  a.  a.  0.  ö.  312  f.:   ,lta  sceiestus  erat 


l 


Die  Cod.l.  Parisini  450  und  151.  75 

Apolliiiaris  auch  schon  Photins  unhekiinnt  gewesen  zu  sein  — , 
sie  ist  jedoch  nicht  ganz  ohne  geschichtliche  Kenntnisse  an- 
gelegt. In  dem  Cod.  Pars.  450  dagegen  steDt  sich  ein 
Corpus  Opp.  Justini  dar,  gesclmeben  resp.  beendigt,  wie 
die  Unterschrift  fol.  40 la*  bezeugt  {heheiiod^r]  xo  naoov  ßißliov 
€711  f-TOVQ  co}oßi  Ivd.  ß'  £p  fj^r^vi  oemeßglfo  <«.),  am  11.  Sept. 
des  Jahres  1364.  Die  Handschrift  (chartac.  in  fol.  min.,  fol.  461) 
ist  zu  einer  Zeit  verfasst,  wo  das  apologetische  Interease,  nament- 
lich auch  gegenüber  den  Juden,  ein  sehr  reges  im  Ostreiche 
war  ^'^).  Sie  beginnt  fol.  1 — 5b  mit  den  Berichten  des  Photius 
(Biblioth.  125)  und  Eusebius  (h.  e.  1.  IV)  über  Justin  i'^)^  so- 
dann  folgt  ^"'): 

1)  Ep.  ad  Zenam    (Incipit  medio  folio   6b  verbis  [c.  1]   «x 
Tiagaßytsvijg  avögayad^eiv)^'^^). 

2)  Cohortatio  (fol.  17a~50a). 


Darmarius,  ut  nihil  illi  credere  debeamus  nee  titulis  ejus*.  Sehr  ausführ- 
Hch  handelt  über  Darmarius  Graux,  Essai  sur  les  origines  dufondsgrec 
de  TEscurial  (1880),  an  vielen  Stellen,  namenthch  p.  287—297),  —  wie, 
darüber  belehrt  der  Monac.  339,  dessen  Varianten  von  Otto  unverdrossen 
sänimtlich  angemerkt  hat.  Die  sechste  ist  wohl  noch  jünger,  hat  Anto- 
nius Calosynas  zum  Verf.  (s.  über  ihn  Miller,  Catal.  Escurial.  p.  XXII. 
Gardthausen,  a.  a.  0.  S.  314.  Graux,  a.  a.  0.  passim)  und  zeigt  Zu- 
sammenhang mit  den  Darmari us-Handschrif tan,  sofern  auch  sie  auf  Her- 
mias  Julians  Rede  flg  xbv  ßaaiXia  ijlujp  folgen  lässt. 

175)  Im  J.  1 265  schrieb  ThaddaeusPelusiota  seinen  Tractatus  gegen 
die  Juden  (bisher  nicht  ediit;  s  Cod.  Paris,  887);  im  J.  1327  Androni- 
cus  aus  dem  Geschlechte  der  Komnenen  einen  Dialog  adv,  Judaeos  (nur 
lat.  edirt  in  Stev/artii  Tom.  singul.  auctor.  Ingol.  1616).  Zwei  bisher  eben- 
falls nicht  gedruckte  Streitschriften  gegen  die  Juden  verfasste  c.  1350 
der  Erzbischof  Theophanes  von  Nicaea  (s.  Oudin,  III  p.  1134  sq. 
Cave,  App.  p.  31,  von  Senden,  Gesch.  d.  Apologetik  II  S.  21  f.);  auch 
die  vom  Exkaiser  Joh.  Kantakuzenos  c.  1360  auf  dem  Athos  verfasste 
Schrift  gegen  die  Juden  ist  noch  nicht  veröffentlicht  (Cave,  App,  p.  28). 
Möglicherweise  enthalten  diese  Schriften  Citate  aus  Justin's  Dialog.  c.Tryph. 

176)  Auch  über  Folycarp  und  Irenäus  wiid  Einiges  aus  Eusebius  mit- 
getheilt. 

177)  Die  Beschreibung  nach  von  Otto,  1.  c.  P  p. XXI sq.  IIP  p.  XI  sq. 
IV3  p.  Xsq.  XXlIsq.XXVIsq.  XXXII  sq.  XXXVI.  XXXVII.  VII  p.  XXVII. 
Ein  Facsimile  im  I.  Bande.  Ich  selbst  habe  die  Handschrift  im  Herbst 
1877  zu  Paria  eingesehen. 

178^»  Die  Vorlage  des  Schreibers  war  bereits  verstümmelt.  Er  selbst 
hat  richtig  feststellen  können,  dass   ein  Blatt  in  ihr  fehlte.     So  Hess  er 


fjQ  Die  Codd.  Parisini  450  und  451. 

3)  Dialogus  c.  Tryplione  Jud.  (fol.  50a— 193a)  i' 9). 

4)  Justini  Apologia  minot  (fol.  193a— 20ia)  i^O). 

5)  Justini  Apologia  major  (fol.  201a— 24ia)  isi). 

6)  De  monarchia  (fol.  24la— 247a). 

7)  Expositio  rectae  fidei  (247a— 26ia). 

8)  Confutatio  dogm    quorund.  iVristotelis   (fol.  261a— 302^.) 

9)  Quaest.  Christ,  ad  Gent.  (fol.  302b -334b). 

10)  Quaest.  et  Respons.  ad  Orthod.  (fol.  334b— 418b). 

11)  Quaest.  Gent,  ad  Christ,  (fol.  418b— 433a). 

12)  (Athenag.)  de  resurr.  (fol.  433b— 461). 

Die  Verwandtschaft  dieses  Codex  (C)  mit  A  kann,  wie  Aus- 
wahl und  Anordnung  der  Stücke  beweist  ^^2)^  höchstens  eine 
entfernte  sein.  Immerhin  ist  es  wichtig,  über  sie  ins  Klare  zu 
kommen,  resp.  zu  entscheiden,  ob  C  neben  A  in  den  Stücken, 
welche  sie  gemeinsam  haben  (Ep.  ad  Zenam,  Cohortat.,  Athe- 
nag. de  resurr.)  für  die  Textesconstruction  ein  Werth  zukommt. 
Aber  auch  die  Frage  ist  von  Interesse,  ob  C  vielleicht  bereits 
den  recensirten  Abschriften  von  A  (Par.^  Mutin.  etc.)  näher 
steht,  als  diesem  selbst.  Die  Untersuchung  soll  auch  hier  zu- 
nächst an  der  Ep.  ad  Zenam  geführt  werden. 

a)  Der  Text  der  Ep.  ad  Zenam  nach  A  (Par.^)  und  C. 

1)  An  den  14  Stellen  (s.  oben  §  4  sub  2a  S.  51  sq),  wo  A 
und  Par.i  differiren,  geht  C  Nr.  1,  4,  5,  6,  9,  10,  11,  12,  14  mit 
A,  Nr.  3,  7  mit  Par.*  Nr.  2  kommt  nicht  in  Betracht,  da  A 
und  Par.^  hier  eigentlich  die  gleiche  LA  bieten,  die  auch  von 
C  bezeugt  ist;  Nr.  8  liest  A  fir^öi  laXelVj  Par.^  [J-tj  XaXelv  öi, 


5bmed. —  ßt'med.  frei  und  bemerkte  an  dem  Rande:  ivtav&a  Xslnsi  <pvXXov, 
Unzweifelhaft  hoffte  er  also,  den  Verlust  später  aus  einer  anderen  Hand- 
schrift ersetzen  zu  können. 

179)  Tov  äyiov  lovativov  q)iXoa6(pov  xal  ^agxvQoq  UQbq  rQv<pa)va 
iovöalov  öiäkoyog. 

180)  Tov  avxov  äyiov  lovativov  (piXoa6<pov  xal  fiaQXVQoq  dnoXoyia 
vnsQ  x9iOTiavu)v  nQog  f.?)v  ^(Ofxaiwv  avyxXrjTOV. 

181)  Tov  avTOv  äyiov  iovaxivov  anoXoyia  Ssvxsga  imlg  ;f()iaTiavcyv 
ngbq  dvxwvlvov  xov  svoeßij.  P.  230* — 241»  enthalten  den  Brief  des  An- 
toninus  nach  Asien  und  das  famose  Schreiben  des  Marc  Aui'el  an  den 
Senat. 

1S2)  Doch  sei  darauf  hingewiesen,  dass  in  C  wie  in  A  (Par.»  und 
Mutin.)  die  Ep.  ad  Zenam  der  Cohortatio  unmittelbar  vorhergeht. 


Die  Codd.  Parisini  45()  und  451.  77 

C  fir^div  XaXeiv;  Nr.  13  weicht  C  ebenfalls  von  beiden  Codd. 
ab.  C  steht  also  hiernach  x\  näher  als  Par.^  wenn  er  auch 
zwei  LAA  aufweist,  die  fehlerhaft  sind  und  bereits  Par.^  an- 
gehören. 

2)  A  (Par.^)  und  C  haben  ganz  selten  gemeinsame  Fehler 
(ein  Beispiel  findet  sich  c.  6  n.  6)  ^'^^). 

3)  Die  Zahl  der  Stellen,  wo  C  von  A  (Par.^)  abweicht,  ist 
eine  verhältnissmässig  sehr  grosse.  Von  graphischen  Kleinig- 
keiten abgesehen  sind  53  Fälle  anzumerken  ^^^). 

4)  In  den  meisten  Fällen  liegt  die  Fehlerhaftigkeit  von  C 
auf  der  Hand:  es  ist  ein  sehr  sorglos  und  lüderlich  geschriebener 
Codex.  Es  ist  ferner  daran  zu  erinnern,  dass  C  gerade  um 
450  Jahre  jünger  ist  als  A.  Dennoch  ist  von  Otto,  wenn  ich 
richtig  zähle,  zehnmal  C  gegen  A  gefolgt  ^^^),  nämhch  c.  3  n.  5, 
6,  11;  4  n,  1;  5  n.  3,  5;  11  n.  1,  9;  12  n.  5,  6.  Zwar  ist  es 
bei  mehreren  dieser  Fälle  mindestens  zweifelhaft,  ob  nicht  doch 
der  LA  in  A  der  Vorzug  zu  geben  sei;  indessen  bei  c.  3  n.  5 
(C  xalwg,  A  xaxcJg);  3  n.  6  (C  dvTSVTcalv  ov/.  rj^tlrjoa  lij  ovy, 
STokfiijaa  —  ot;z  rj^ilrjoa  rj  om.  A  propter  homoeotel.);  5  n.  5 
(C  vfioiv,  A  ^f^cüv);  11  n.  1  (C  XQV  ^«S'  ^  XQ7]GTag)  —  also  an 
vier  Stellen  bietet  C  unzweifelhaft  die  vorzüglichere  LA. 

b)  Der  Text  der  Cohortat.  nach  A  (Par.i)  und  C. 

1)  An  den  37  Stellen  (s.  oben  §  4  sub  2b  S.  54  sq.),  wo  A 
und  Par.i  differiren  (c.  1—12),  geht  C  28mal  (Nr.  1—8,  11— 
18,  20,  24—29,  31-34,  36)  mit  A,  9mal  (Nr.  9,  10,  19,  21,  22, 
23,  30,  35,  36)  mit  Par.^  Von  letzterer  Zahl  sind  aber  fünf 
Fälle  abzuziehen,  wo  C  in  rein  graphischen  Dingen  mit  Par.^ 
zusammentrifft;  so  bleibt  nur  die  Umstellung  in  c.  3  n.  10,  das 
gemeinsame  zovtov  (gegen  tovto  A)  in  c.  3  n.  12,  der  Lifinitiv 
c.  6  n.  19  und  der  Zusatz  eines  Wortes  c.  12  n.  19.  Sonst 
bezeugt  C  überall  in  dieser  Gruppe  von  Fällen  die  LA  von  A. 

2)  Die  Zahl  der  gemeinsamen  Fehler  in  A  (Par.  ^)  und  C 
ist,  wie  oben,  verschwindend  gering. 


183)  Zu  diesen  rechne  ich  nicht  das  ^Vt^vcc  c,  16  n.  2,  welches  sie 
bieten  und  welches  v.  Otto  unbegreiflicher  Weise  in  ovziva  corrigirt  hat. 

184)  Scholien  finden  sich  in  C  nicht. 

185)  Von  graphischen  Kleinigkeiten  abgesehen. 


7g  Die  Co«ld.^  Parisini  450  mid  löl. 

3)  Die  Zahl  der  Stellen,  wo  C  von  A  (Par.^)  abweicht,  ist 
eine  sehr  grosse:  65  Fälle  sind  zu  verzeichnen. 

4)  In  diesen  Fällen  ist  von  Otto  mit  Recht  nicht  öfter 
als  fünfmal  C  gegen  A  gefolgt  (c.  1  n.  11;  2  n.  19;  4  n.  14;  9 
n.  21;  11  n.  6).  Die  Stelle  c.  4  n.  14  kommt  nicht  in  Betracht  i^^), 
und  c.  1  n.  11;  9  n.  21  ist  der  LA  von  A  der  Vorzug  zu  geben, 
vielleicht  auch  bei  c.  11  n.  6.  Es  bleibt  also  nur  ein  sicherer 
Fall  übrig  (c.  2  n.  19  vfiag  statt  ij^uorg  A),  wo  C  gegen  A  im 
Rechte  ist.  Das  Urtheil  über  den  Werth  von  C  wird  also  hier 
mindestens  nicht  günstiger  ausfallen  können,  als  oben  bei  der 
Ep.  ad  Zenam. 

c)  Der  Text  der  Schrift  de  resurrect.  nach  A  (Par. ') 
und  C. 

1)  An  den  26  Stellen  (s.  oben  §  4  sub  2d  S.  59  sq.),  wo 
A  und  Par.^  differiren  (c.  1—12),  geht  C  21mal  mit  A,  3mal  (Nr. 
2,  4,  9)  mit  Par.^  —  und  dies  sind  Kleinigkeiten  — ,  zweimal 
hat  er  eine  von  beiden  Codd.  abweichende  LA  (Nr.  16,  18)***'). 
Es  ist  also  auch  hier  wieder  zu  constatiren,  dass  C  mit.  der 
Recension  von  A,  die  in  Par.  ^  vorliegt,  nichts  zu  thun  hat  und 
für  die  Willkührlichkeit  dieser  Recension  Zeugniss  ablegt. 

2)  Die  Zahl  der  gemeinsamen  Fehler  in  A  (Par.')  und  C 
ist  sehr  gering  ^^^). 

3)  An  51  Stellen  weicht  C  von  A  (Par.^)  ab. 

4)  Nur  in  zwei  Fällen  von  diesen  51  hat  von  Otto  Grund 
gefunden,  von  der  LA  in  A  zu  Gunsten  von  C  abzuweichen, 
nämlich  c.  3  n.  7  und  c.  10  n.  21.  An  letzterer  Stelle  kann 
man  mindestens  schwanken;  somit  bleibt  nur  eine  einzige,  wo 
C  gegenüber  A  sicher  das  Richtige  bewahrt  hat. 

Auf  Grund  dieser  drei  Tabellen  (a — c)  ergiebt  sich:  C 
bietet  einen  derUeberlieferung  in  A  nur  entfernt  ver- 
wandten, von  der  Recension  derselben  in  Par.'   uube- 

188)  A  ßtiöh  avtovq,  C  //i?<J'  kavxovq  =  MHAEAYTOYC 

187)  Nr.  16  (c  7  n.  8)  ist  die  oben  ausführlich  besprochene  SteUe, 
wo  A  die  Worte  ov  ;co^^C  o-vTtvsvfiaTog^  die  in  P;ir.'  stehen,  nicht  hat. 
C  Uefit  nun  zwar  ov  xoX^<;,  aber  nicht  ov  nvhviiutOQ.  Der  Argentor. 
lasst  beides  mit  A  fort.  So  scheint  es  mir  ganz  eviJent,  dass  hier  ledig- 
Uch  eine  alte  (ilosse  vorlegt,  die  aus  dem  Texte  zu  tilgen  ist. 

188)  Schoben  linden  sich  in  C  nicht. 


Der  Arj^entorat.  und  die  Codd.  Paris.  450  und  451.  79 

einflussten  ^^■'),  sorglos  geschriebenen,  bereits  ent- 
stellten, wenig  brauchbaren  Text  ^^^).  Ueber  den  Arche- 
typus von  C  lässt  sich  nichts  sagen. 

2)  Der  Argentorat.  gr.  9  (F)  in  seinem  Verhältniss 
zu  A  und  C.  ' 

Die  Untersuchung  über  das  Verhältniss  des  leider  ver- 
brannten Argentorat.  (F)  zu  A  und  C  hat  ein  ganz  besonderes 
Interesse;  denn  jener  Codex  umfasste  bekanntlich  zwei  Schrif- 
ten, die  sonst  nirgendwo  mehr  griechisch  erhalten  sind:  die 
Oratio  ad  Gent,  und  die  Ep.  ad  Diognet.  Alles  was  zur  Lösung 
des  Räthsels,  welches  über  diesem  Briefe  schwebt,  etwas  bei- 
tragen kann,  muss  herbeigezogen  werden.  Dazu  gehört  aber 
nicht  zum  mindesten,  dass  ein  sicheres  Urtheil  über  den  text- 
kritischen Werth  der  Handschrift,  in  welcher  er  gestanden  hat, 
erworben  wird.  Diese  Anforderung  erscheint  um  so  dringlicher, 
als  eine  zuverlässige  Bestimmung  des  Alters  der  Handschrift  leider 
unmöglich  ist.  Von  Otto  *^^)' schwankt  jetzt  selbst  zwischen 
der  Datirung  saec.  XHI.  vel  XIV.  Ueber  den  Werth  des  Textes 
in  F  kann  man  aber  ins  Klare  kommen,  und  das  Urtheil  hier- 
über kann  für  die  Erwägungen  über  den  Ursprung  der  Ep.  ad 
Diognet.  nicht  gleichgültig  sein. 

Gemeinsam  sind  A,  C,  F  zwei  Schriften:  die  Cohortat.  und 
der  Tractat  des  Athenagoras  de  resurr.  Dazu  haben  AF  noch 
gemeinsam  die  Supplic.  Athenag.,  CF  die  Schrift  de  monarchia 
und  die  Expos,  rect.  fid.  Das  Material  ist  also  genügend  gross, 
um  zuverlässige  Schlüsse  zu  ermöglichen. 


180)  Der  Codex  C  bestätigt  so  ganz  positiv  das  Urtheil,  welches  in 
§  4  übor  den  Werth  von  Far.i  gegenüber  A  gefällt  worden  ist. 

190)  Hiernach  lässt  sieh  abschätzen,  wie  verzweifelt  es  um  den  Text 
solcher  Werke  bestellt  ist,  die  in  C  allein  erhalten  sind  —  das  sind  aber 
gerade  die  wichtigsten:  Justin's  Dialog  mit  Trypho  und  die  Apologien. 
Darf  man  nach  Analogie  schliessen,  so  sind  allein  in  den  Apologien  gegen- 
über einem  supponirten  Texte  saec.  X.  init.  2—300  Fehler  enthalten.  Die 
Texte  in  C  sind  aber  noch  dazu  jetzt  lückenhaft;  s.  Apol.  II,  2  und  die 
grosse  Lücke  in  Dial.  74.  . 

IUI)  S  die  Beschreibung  des  Codex  Corp.  Apol.  IIP  p.  XIII  sq.  IV 
p.  XIÜ  sq.  VIT  p.  XV;  im  III.  Vol.  auch  ein  Specimen.  Die  Beschreibung 
des  Codex  verdankt  das  Corp.  Apol.  Herrn  Cunitz  in  Strassburg  (s.  von 
Otto,  Ep.  ad  Diogn.  Justiui  Ph.  et  M,  nomen  prae  sc  ferens  p.  3  sq.) 


gQ  Der  Argentorat.  und  die  Codd.  Paris.  450  und  451. 

Der  Inhalt  von  F  (bombyc.  in  fol.  min.,  fol.  260)  war  fol- 
gender ^'■^'^): 

1)  Tov  ayiov  Iovotlvov  cpiXoGocpov  xal  uaQivgog  neol  f,iovaQ- 
xlag  [tov  d^eov  add.  Apogr.  Tubing.]  (fol.  la— "a). 

2)  TOV  äyiov  iovotlvov  (piXoooq^ov  Kai  (.laqTvqog  Xoyog  naqai' 
vETLÄog  7TQog  ellrjvag. 

3)  iovOTivov  (f)iloa6(fov  xal  juagTvoog  sTid-EOcg  TiioTetjg  tieqI 
Trjg  oQO^rjg  ofiioloylag  jJtol  negl  TQiaöog. 

4)  tov  avTOu  TCQog  eXXrjvag. 

5)  TOV  avTov  TtQog  ÖLoyvrjtov, 

Ab  alia  manu  eaque  recentiore: 

6)  Trjg  oißvXlrjg  igv&Qaiag  aTol%oi, 

7)  XQV^f^tol  T(j5v  €lXrjvrK(üv  d^ecov. 


192)  Die  genaueste  Angabe  des  Inhalts  des  Cod.  kann  man  jetzt,  da 
der  Argentorat.  verbrannt  ist,  der  Tübinger  Abschrift  entnehmen,  wo 
fol.  52  derselbe  angegeben  ist  (s.  Neu  mann,  Ztschr.  f.  KGesch.  IV,  2 
S.  285  f.).  Fol.  51»  finden  sich  dort  die  Worte:  „Liber  Graecus  Joaunis 
Reuchlini  phorcensis,  emptus  a  pdicatorib.  ex  consensu  carthusiensium 
ibidem.  Codex  hie  dictus  S.  Jnstinus  complectitur  fol.  200  et  60."  Tn 
dem  verbrannten  Codex  selbst  standen  „in  aversa  parte  involucri  lignei" 
von  Reuchlin's  eigener  Hand  die  Worte:  „Liber  graecus  Reuchlin  phor- 
ceh.**  (s.  von  Otto,  IIP  p.  XIV).  Woher  der  Zusatz  in  der  Tübinger 
Abschrift  stammt,  bleibt  somit  unklar.  Ich  yermuthe,  dass  er  auch  von 
Reuchlin  selbst  herrührt,  der  in  seine  Bücher  solche  Notizen  einzutragen 
pflegte.  Die  Schicksale  der  Handschrift  nach  dem  Tode  Reuchlin's  (f  1522) 
sind  noch  nicht  völlig  aufgehellt.  Nach  einer  Angabe  von  Otto 's  (a.  a. 
0.)  ist  sie  bereits  im  J.  1560  in  Maursmünster  gewesen  und  dort  von  Ste- 
phanus  und  Beurer  abgeschrieben  worden  (1586.  1587 — 1591);  s.  auch  dar- 
über von  Gebhardt,  Patr.  App.  Opp.  I,  2  p.  142  sq.  Aber  eine  Mar- 
ginalnote  des  Martin  Crusius  in  der  Tübinger  Handschrift  lautet:  „Misit 
mihi  e  Durlaco  M.  Bernh.  Hausius,  gustum  seil,  ex  codice  ms.  Graeco 
quem  ipse  D.  D.  Joanni  Pistorio  ibi  describit.  Acccpi  14.  Januar,  1580. 
Tybingae.  M.  Crusius."  Der  Reuclilin-Codex  ist  also  noch  im  J.  1579  in 
Dnrlach  gewesen.  Dieser  Angabe  wird  eher  zu  trauen  sein  als  der  ande- 
ren: „Ex  libb.  Abb.  Maiirimonast.  1560."  Oder  ist  vielleicht  für  15G0 
vielmehr  1580  zu  lesen?  Zwischen  1793  und  1795  kam  die  Handschrift 
nach  Strassburg.  lieber  die  gelehiien  Studien  des  M.  Crusius  s.  auch 
die  Subscriptio  des  Cod.  Monac.  gr.  136  (v.  Otto,  IV»  p.  XXXII).  Neu- 
mann behauptet  (a.  a.  0.  S.  286),  dass  das  Apographon  Beureri  von  der 
Tübinger  Handschrift  un;i.bhüngig  sei.  Mir  ist  das  angesiclit«  der  grossen 
Verwandtschaft  zwischen  beiden  sehr  unwahrscheinlich. 


Der  Argentorat.  und  die  Codd.  Paris.  450  und  451.  gl 

A  prima  manu: 

8)  aOr]vay6nov    d^tjvalov    cpiXoöOfpov    XQiöTiavov    TiQtößetct 
ntql  XQiOTiavcov. 

9)  Tov  avTOv  dd^fjvayoQOv  tisqu  dvccGidostüg  ^''^y 
Secuntur  nonnulla  diver.  generis. 

a)  Der  Text   der  Schrift   der   Cohortat.  nach  F,  A 

(Par.i),  C. 

1)  An  den  37  Stellen  (s.  oben  §  4  sub  2b  S.  54  sq.  und  Excurs 
sub  1^  S.  77  sq.),  wo  Par.^  von  A  abweicht,  geht  F  27mal  mit  A, 
9mal  mit  Par.^  (Nr.  6,  10,  12,  19,  21,  28,  35,36,37);  einmal 
hat  er  eine  besondere  LA  (Nr.  29:  c.  9  n.  33)  i''^). 

2)  An  den  65  Stellen  (s.  oben  sub  1^),  wo  C  von  A  ab- 
weicht, geht  F  57mal  mit  A,  nur  7mal  mit  C;  einmal  hat 
er  hier  eine  besondere  LA^'^^)  (c.  9  n.  21). 

^  b)  Der  Text  der  Schrift  de  resurr,  nach  F,  A(Par.i),  C. 

1)  An  den  26  Stellen'  (s.  oben  §  4  sub  2<i  S.  59  sq.  und  Ex- 
curs sub  Ic  S.  78),  wo  Pär.^  von  A  abweicht,  geht  F  22m al 
mit  A,  3 mal  mit  Par.^  (Nr.  2,  9,  24)i^<');  einmal  hat  er  eine 
besondere  LA  (Nr.  18). 

2)  An  den  51  Stellen  (s.  oben  sub  ic),  wo  C  von  A  ab- 
weicht, geht  F  39mal  mit  A,  nur  lOmal  mit  C;  zweimal  hat 
er  hier  eine  besondere  LA. 

Dieses  Ergebniss,  welches  für  beide  Schriften  ungefähr  das 
gleiche  ist,  ist  zunächst  für  den  Text  in  F  ein  sehr  günsti- 
ges: in  der  grc^Sisten  Anzahl  der  Fälle,  wo  Par.^  oder  C  von 
A  abweichen,  steht  F  lait  A  zusammen.  Er  ist  also  von  der 
üeberlieferung  jener  beiden  jüngeren  Codices   so  gut  wie  un- 


193)  üeber  Randglossen,  Correcturen  u.  s.  w.  in  F  s.  Cunitz  bei 
von  Otto. 

194)  In  5  von  den  9  Fällen  geht  auch  C  hier  mit  A  gegen  Par;^ 

195)  Mit  C  geht  er  c.  2  n.  9;  2  n.  19;  2  n.  39;  4  n.  14;  9  n.  26;  9 
n.  29;  9  n.  31.  Werthvoll  ist  hier  nur  2  n.  19,  wo  die  LA  von  FC  gegen  A 
zu  halten  ist, 

196)  Es  sind  dieselben  Fälle,  wo  C  mit  Par.^  gegen  A  steht;  sie  kommen 
aber  für  die  Frage,  ob  F  oder  C  über  A  hinaus  mit  Par.i  verwandt  ist, 
nicht  in  Betracht. 

Texte  und  Untorsuchungen.  Q 


g2  I^er  Argentorat    und  die  Codd.  Paris.  450  und  451. 

abhängig  und  bestätigt  in  willkommener  Weise  die  Yorzüglich- 
keit  der  LAA  in  A,  wo  jene  eigentliümliche  LAA  bieten. 

Indessen  die  besondere  Zuverlässigkeit  der  in  F  vorliegen- 
den Ueberlieferung  ist  damit  noch  nicht  sichergestellt.  Es  sind 
vielmehr  nun  die  Fälle  in  Betracht  zu  ziehen,  die  oben  nur  an 
2-1-3  Stellen  registrirt  werden  konnten,  wo  F  ganz  eigen- 
thümliche  LAA  bietet,  und  deren  Werth  ist  zu  prüfen. 

Es  hat  aber  F  in  der  Cohortatio  noch  25  Abweichungen  von 
A,  ohne  dabei  mit  Par.^  und  C  zusammenzustimmen  ^'•*'').  In  fast 
allen  diesen  Fällen  liegen  Flüchtigkeitsfehler  vor;  so  hat  F  8m al 
Worte  ausgelassen  ^^^);  graphische  Versehen  oder  Veränderungen 
finden  sich  l3maU'^^).  Es  bleiben  also  nur  vier  Stellen  nach,  wo 
die  Abweichung  bedeutender  ist^^^).  Ungünstiger  steht  es  in  der 
Schrift  de  resurr.  Hier  weicht  F  (c.  1 — 12)  noch  42 mal  von  A 
ab  und  bietet  einen  eigenthümlichen  Text.  Freilich  ist  auch 
hier  in  den  meisten  Fällen  auf  Sorglosigkeit  des  Schreibers  zu 
erkennen.  Die  Zahl  der  Auslassungen  ist  wieder  sehr  gross  2^^), 
die  der  offenbaren  Schreibfehler  ebenso  2<^''^).  Was  nachbleibt, 
sind    noch    immer    Kleinigkeiten  ^03)^     J)[q    nahe    Verwandt- 


197)  Die  späteren  Gorrecturen  in  F  sind  natürlich  nicht  berück- 
sichtigt. 

198)  S.  c.  2  n.  1;  3  n.  7;  7  n  14;  9  n.  5;  9  n.  17;  10  n.  1;  12  n  2; 
12  n.  8. 

.  199)  S.  c.  2  n.  16  {inl  f.  ?7rfa/);  2  n.  22  (sQoq  f.  SQcog);  2  n.  33  (arap 
f.  aitap)',  2  n.  34  {^ki^Xato  f.  iXi^Xazo',  v.  Otto  hat  jenes  in  den  Text 
aufgenommen);  3  n.  17  {Si8oxa<:  f.  rfmdo/ag);  5  n.  24  ({}ikwv  f.  i&sXwv); 
6  n.  4  {twv  f.  tÖ»»);  G  n.  11  {ent&vfxri  f.  ent^Vfxijrixov);  '9  n.  2  {neiQa- 
aofiai  f.  nBiQQjfJLai))  0  n.  4  {r^pisz.  f.  vfiex.)-,  9  n.  15  {itjjar^Tinoq  f.  iwarf 
tloq)',  9  n.  33  [xal  iQyaoaa^ai  f.  xaTeQydaaaO^ai):  9  n.  37  {öiaza^aod^ai 
f.  öiaTtt^ai). 

200)  C.  10  n.  6;  11  n.  7  schiebt  F  ein  avio  {avzov)  ein;  c.  4  n.  G 
zweimal  ein  xal;  c.  3  n.  G  liest  es  ngozsivrjzcci  f.  änayyekktj. 

201)  S.  c.  1  n.  2;  1  n.  12;  3  n.  8;  7  n.  4;  8  n.  7;  8  n.  15;  8  n.  16;  12 
n.  5;  12  n.^  25.  Kleine  Zusätze  (meist  ein  Artikel):  c.  1  n.  23;  9  n.  9;  10 
n.  2;  12  n.'*23.    Nur  eine  UmBtellung  findet  sich:  c.  11  n.  19. 

202)  S.  c.  3  n.  15;  4  n.  12;  5  n.  2;  5  n.  6;  5  n.  17;  6  n.  13;  G  n.  19; 
6  n.  24;  7  n.  5;  7  n.  12;  7  n.  14;  8  n.  5;  8  n.  8;  8  n.  14;  11  n.  3;  11  n. 
14;  12  n.  26;  12  n.  31;  12  n.  33;  12  n.  42. 

203)  S.  c.  3  n.  10;  4  n.  7;  6  n.  11;  10  n.  5;  10  n.  21;  12  n.  14;  12 
n.  22. 


Der  Argentorat.  und  die  Clodd.  Paris!  450  und  451.  83 

Schaft  aber  mit  A  bekundet  sich  an  zwei  Stellen  besonders 
schlagend. 

1)  C.  6  n.  10  haben  A,  C  und  F  die  Worte  tijp  eiXiyiQi' 
veoxairjv  nicht,  welche  Par. '  und  die  Valeriancodices  lesen;  in 
A  und  F  aber  steht  als  Marginalbemerkung:  rjyovv  tyv  illi- 
-/.QivBOTazriv^  wozu  von  Otto  richtig  bemerkt:  „ut  ad  lectorem 
monendum  apposita;  quod  arguraento  est  in  aliorum  codfcum 
textum  e  margine  irrepsisse."  2)  Die  Glosse  c.  7  n.  8  (s.  oben 
S.  60)  ov  %olrjg  ov  nvevfiarog  bieten  nur  A  und  F  nicht,  wäh- 
rend alle  übrigen  Codd.  der  Schrift  de  resurr,  sie  haben  (C 
wenigstens:  ov  xolijg). 

Zusammenfassend  darf  also  gesagt  werden:  F  ist  zwar 
ein  sehr  sorglos  geschriebener  Codex,  aber  er  steht 
der  Ueberlieferung  in  A  ungleich  näher  alsC,  mit  wel- 
chem er  überhaupt  nur  sehr  wenig  gemein  hat.  Er 
bietet  ferner  keinen  gelehrt  recensirten  Text  wie 
ParJ  Für  die  Bücher  freilich,  für  welche  A  einsteht, 
kann  man  auch  F  fast  völlig  missen,  obschon  F  nicht 
•direct  aus  A  abgeschrieben  sein  kann^o*).  Aber  er 
hat  doch,  was  die  Güte  seines  Textes  anbetrifft,  wenn 
man  von  offenkundigen  Versehen  absieht,  keinen  ge- 
ringeren Werth  als  die  Codd.  des  11.  (12.)  Jahrhun- 
derts^^"'),  obschon  damit  natürlich  keine  Altersbestim- 
mung der  Handschrift  ausgesprochen  sein  soll.  Das 
bisherige  ürtheil  über  F  lässt  nun  eine  eigenthüm liehe  Probe 
zu.  1)  Es  ist  oben  bemerkt  worden,  dass  C  und  F  auch  die 
Schrift  de  monarchia  gemeinsam  haben  —  und  zwar  sind  sie 
hier  die  einzigen  Zeugen.  Es  steht  nach  dem  Obigen  zu 
erwarten,  dass  sie  einen  sehr  verschiedenen  Text  bieten  wer- 
den, und  dieses  Urtheil  bestätigt  sich  aufs  wünschenswertheste. 
Allein  in  dem  kurzen  2.  Cap.   der  Schrift   gehen    C   und  F  an 


204)  Sonst  würde,  um  nur  Eines  zu  nennen,  die  Ep.  ad  Zenam  in  F 
nicht  fehlen,  wo  doch  eine  Sammlung  justinischer  Schriften  gegeben 
werden  sollte. 

205)  Ist  es  gestattet,  rein  statistisch  zu  verfahren,  so  mag  darüber 
folgende  summarische  Zusammenstellung  belehren.  In  der  Cohortatio 
(c.  1—12)  weicht  Par.^  im  Ganzen  37mal  von  A  ab,  F  43mal,  C  74mal. 
Das  Verhältniss  für  F  wird  aber  noch  günstiger,  wenn  man,  wie  oben 
geschehen,  auf  die  Art  der  Varianten  sieht. 

6* 


84  Der  Argentorat.  und  die  Codd.  Paris.  450  und  451. 

30  Stellen  auseinander.  Es  ist  aber  nun  auch  eine  Grundlage 
geschaffen,  um  dieses  Auseinandergehen  richtig  zu  beurtheilen: 
auf  F,  nicht  auf  C,  hat  die  Recension  des  Textes  zu  basiren, 
und  die  Autorität  von  C  ist  viel  stärker  herabzudrücken,  als 
von  Otto  in  seiner  Ausgabe  gethan  hat.  In  welchen  Fällen 
F  voraussichtlich  fehlerhaft  ist,  kann  aus  den  obigen  Nach- 
weisungen entnommen  werden  2^^). —  2)  A  und  F  haben  über  C 
hinaus  die  Supplicatio  gemeinsam.  Es  steht  zu  erwarten,  dass 
in  den  45  Fällen  (s.  oben  §  4  sub  2c  S.  56  sq.),  wo  Par.  ^  von  A 
abweicht  (c.  20 — 37),  F  sehr  häufig  mit  A  gehen  wird.  Dies 
bestätigt  sich:  F  stimmt  hier  36mal  mit  A  zusammen.  Von 
9  Fällen,  wo  er  mit  Par.^  geht,  kommt  c.  27  n.  15  {eavzrjv  — 
avTrjv),  c  28  n.  44  (<^w  —  iSQ^f)-,  c.  30  n.  3  {Jbq'asijw  —  Jag- 
x€TCü\  c.  37  n.  7  (yivofxivcov  —  y^yvo^eviot')  nicht  in  Betracht. 
Es  bleiben  also  nur  die  Stellen  c.  22  n.  3  (bis);  24  n.  24;  31 
n.  9;  35  n.  11  übrig.  Für  die  grosse  Verwandtschaft  aber  von 
F  und  A  ist  auf  die  Stelle  c.  24  n.  26  hinzuweisen,  wo  beide 
eine  Lücke  haben;  es  felileu  dort  die  schlechthin  nicht  zu  mis- 
senden Worte  xal  ^eoloyiycijg.  Auch  in  Par.  ^  haben  sie  ge- 
fehlt. Erst  die  manus  secunda  hat  sie  als  Conjectur  an  den 
Rand  gesetzt,  und  daher  sind  sie  in  den  Text  der  jüngsten 
Codices  gekommen. 

F  ist  also,  ganz  abgesehen  von  seinem  ausgezeichneten 
Inhalte,  ein  gan25  respectabler  Zeuge,  lieber  ihn  noch  ein  paar 
Worte.  Wir  besitzen  —  wenn  wir  vom  Aröthas-Codex  absehen 
—  vier  Zeugnisse  über  Sammlungen  justinischer  Werke:  1)  den 


206)  Die  Schrift  „Expositio  reetae  fidei"  anlangend,  welche  F  und  C 
ausserdem  noch  gemeinsam  haben,  so  zeigt  sich  hier  allerdings  eine  ver- 
hältnissniässig  starke  Uebereinstimmung  in  der  Textgestalt.  Beide  Codi- 
ces gehören  nämlich  zu  der  dritten,  schlechteren  Familie  (s.  Corp.  Apol. 
IV  p,  XVTII  sq.).  Ferner  in  C  finden  sich  mehrere  Scholicn  (s,  zu  c.  3 
n.  40;  4  n.  5;  7  n.  8;  U  n.  0;  12  n,,  S);  eines  derselben  (c.  9  n.  40) 
steht  aber  auch  in  F,  während  sonst  keiner  der  übrigen  21 
Codd.  der  Expositio  Scholien  enthält.  JEs  kann  aber  weder  F  aus 
C  abgeschrieben  sein,  da  das  Scholion  in  F  länger  ist,  noch  0  aus  F,  da 
C  eben  noch  mehrere  Scholien  hat.  F  erweist  sich  aber  auch  hier  als 
die  ältere  Recension;  denn  erstlieh  ist  der  Text  etwas  besser  als  in  C, 
zweitens  lautet  die  Ueberschrift  in  F:  sx&eatg  Tiiotewg  negl  triQ  oQ^i^q 
dfioXoylag  ^/rot  tcsqI  jQtdöoq,  während  in  C  vor  tqiÜöoc:  noch  die  Worte 
eingeschoben  sind:  itjg  ayiag  xal  ofioovaiov. 


Resultate.  g5 

Bericht  des  Eusebius,  h.  e.  IV,  18,  aufweichen  Hieronymus 
de  vir.  iU.  23  zurückzuführen  ist,  2)  den  des  Photius  (Corl. 
125),  3)  den  Cod.  Paris.  450,  4)  den  Argentorat.  Eine  Prü- 
fung der  vier  Zusammenstellungen  lässt  es  wenigstens  als  mög- 
lich erscheinen,  dass  der  Argentorat.  die  zweite  Hälfte  eines 
Corp.  Opp.  Justini  ist,  dessen  erste  Hälfte  andere  Schriften 
Justin's  enthalten  hat.  Der  Argentor.  ist  aber  namentlich  dess- 
halb  schon  nicht  zu  unterschätzen ,  weil  er  in  der  sog.  Oratio 
ad  Gr.,  die  er  allein  tiberliefert,  eine  zwar  nicht  justinische, 
aber  ohne  Zweifel  der  ältesten  Zeit  angehörige  Schrift  uns  be- 
wahrt hat.  Seine  Zusammenstellung  der  beiden  Schriften  ad 
Graecos  mit  dem  Tractat  de  monarchia  kann  von  Eusebius 
nicht  unabhängig  sein.  Das  Fehlen  der  ep.  ad  Zenam,  sowie 
der  Quaestiones  und  der  Aristotelica  ist  ebenfalls  in  Anschlag 
zu  bringen  und  darf  für  um  so  bedeutsamer  gelten,  als  Photius' 
Bericht  schon  eine  viel  corrumpirtere  Tradition  voraussetzt.  Die 
eingesprengte  Expositio  rectae  fidei  zeigt  freilich,  dass  die  euse- 
bianische  Ueberlieferung  bereits  stark  getrübt  ist.  Immerhin 
findet  sich  die  Ep.  ad  Diognet.  in  dem  Codex  nicht  in  schlech- 
ter Gesellschaft,  und  mindestens  liegt  denen  die  Beweislast  ob, 
welche  dieses  Schriftstück  nach  dem  6.  (7)  Jahrhundert  verfasst 
sein  lassen  2^'). 

§  5.    Resultate208). 

I.  Aus  dem  byzantinischen  Zeitalter  (10. — 14.  Jahrh.)  sind 
uns  drei  von  einander  wesentlich  unabhängige  Sammelwerke 
überliefert  worden,  deren  ältestes,  zusammengestellt  von  dem  ge- 
lehrten Erzbischof  Arethas  von  Cäsarea  (ann.  91 4),  ein  Corpus 
Apologett.  der  ältesten  Zeit  bis  auf  Eusebius  enthält  (Par.  451). 


207)  Dieses  Ergebniss  ist  freilich  geringfügig,  aber  es  enthält  wenig- 
stens das,  was  gewusst  werden  kann:  die  kühne  Hypothese,  welche  den 
Brief  zu  einem  Product  des  Renaissancezeitalters  macht,  scheint  mir  wenig- 
stens fernerhin  ausgeschlossen. 

208)  Die  Codices,  welche  lediglich  Unechtes  und  Byzantinisches  ent- 
halten, sind  hier  nur  soweit  berücksichtigt,  als  die  Beurtheilung  der  übrigen 
Codd.  es  erheischte.  Sie  sind  auch  in  der  Tabelle  (S.  68  sq.)  nicht  mitgezählt 
worden.  Von  den  dort  aufgeführten  48  Codd.  fallen  die  3  Theophilus- 
und  die  12  Hermias-Codd.  weg,  die  schon  oben  besprochen  worden  sind. 


§ß  Resultate. 

Es  ist  zwar  nicht  ohne  Fehler  geschrieben;  doch  scheint  der 
Text  nirgendwo  absichtlich  entstellt  zu  sein.  Die  beiden  an- 
deren, sehr  viel  jüngeren,  stellen  sich  als  Sammlungen  der 
Werke  des  Justin  dar  (Argentorat.  und  Paris.  450  ann.  13(34). 
In  jenem,  welches  aus  relativ  besserer  Ueberheferung  schöpfte, 
aber  sehr  sorglos  geschrieben  ist,  scheint  nur  die  zweite  Hälfte 
eines  instrumentum  Justini  enthalten  zusein;  dieses  bietet  eine 
grosse  Anzahl  „justinischer"  Werke,  bezeugt  aber  eine  stark 
getrübte  Ueberlieferung,  sowohl  was  die  Auswahl  der  Stücke, 
als  was  ihren  Text  anbelangt. 

II.  Alle  Handschriften  der  apologetischen  Werke  des 
2.  Jahrhunderts  (ausgenommen  die  Bücher  des  Tlieophilus  ad 
AutoL;  Hermias  kommt  überhaupt  nicht  in  Betracht),  soweit 
sie  bisher  untersucht  worden  sind,  gehen  auf  die  drei  genann- 
ten Sammlungen  zurück,  so  jedoch,  dass  der  weitaus  grössere 
Theil  derselben  mittelbar  oder  unmittelbar  aus  dem  Arethas- 
Codex  stammt. 

HI,  1.  Der  Arethas-Codex  ist  (saec.  XL  vel  XU.),  als  er 
sich  noch  im  Orient,  ja  höchst  wahrscheinlich  noch  in  einer 
Gegend  befand,  wo  die  gelehrte  Thätigkeit  seines  ersten  Be- 
sitzers unvergessen  war,  mehreremale  theilweise  ausgeschrie- 
ben worden.  Drei  solcher  Apographa  besitzen  wir  noch  (Par. 
174,  Mutin.,  Marcian.  343),  von  denen  der  Marcianus  am 
stärksten  recensirt  ist.  Tu  den  einen  (Mutin.)  ist  bereits  die 
pseudojustinische  Schrift  Expositio  rect.  fid.  eingesprengt,  die 
Arethas  in  seinem  Cod.  noch  nicht  bot,  die  aber  schon  im 
7.  Jahrh.  existirt  hat  und  in  einer  Handschrift  des  10.  Jahr- 
hunderts (Coisl.  120)  griechisch  sowie  ausserdem  in  derselben 
Zeit  in  syrischer  Bearbeitung  nachweisbar  ist.  Sie  erfreute  sich 
des  grössten  Beifalls  und  ist  uns  desshalb  in  23  Abschriften 
erhalten. 

III,  2.  Die  Abschriften  (saec.  XL  vel  XII.)  des  Arethas- 
codex,  welche  im  15.  Jahrh.  wahrscheinlich  über  C}7)ern  nach 
Venedig  und  so  nach  Westeuropa  gekommen  sind-®'-^)  —  schon 
im  15.  Jahrh.  wurde  Par.  ^  von  einem  italienischen  Humanisten 
mit  Noten  versehen    —    siud  die  Grundlagen    für  eine  Reihe 

209)  Man  könnte  an  Ciriaco  von  Ancona  hier  denken,  s.  G.  Voigt. 
Wiederbelebung  des  classiscben  Alterthunis,  2.  Aufl.  I.  S.  271—288 


Resultate.  §7 

jüngerer  Codd.  des  Renaissancezeitalters  geworden.  Für  die 
Valeriancodd.  (Claromont.  83,  Bonon.  plut.  XXII,  Aeton.,  Paris. 
2376,  Bonon.  alter,  Angel.  B.  1.  10,  MS.  Fris.)  ist  dies  schon 
oben  nachgewiesen.  Aber  auch  folgende  Codd.  der  Suppl. 
Athenag.  gehen  auf  die  üeberlieferung  des  Arethascodex  zu- 
rück, wenn  auch  nicht  sämmtlich  durch  Vermittelung  von  Par. 
174:  Vatic.  gr.  1261,  Ottob.  gr.  274,  94,.  275,  Monac.  81  ^''O. 
Luban.,  Petrin.,  Bodlej.  gr.  98,  145.  Diese  sind  hier  dem  Werthe 
nach  geordnet,  so  dass  die  4  ersten  die  bessere,  Par.^  und  Ar- 
gentorat.  noch  am  meisten  verwandte  Gruppe  bilden  (aber  direct 
abgeschrieben  sind  sie  keinesfalls  aus  einem  der  beiden),  die 
beiden  letzten  die  schlechteste.  Der  in  diesen  überlieferte  Text 
stimmt  so  frappant  mit  dem  Aeton.  überein,  dass  die  Annahme, 
sie  dem  16.  Jahrh.  und  zwar  auch  dem  Valerianus  zuzuweisen, 
fast  geboten  erscheint.  Der  Paris,  suppl.  gr.  143  der  Suppl.  ist 
so  schlecht,  dass  selbst  von  Otto  auf  eine  Wiedergabe  seiner 
LÄA  verzichtet  hat.  Der  Neapolit.  gr.  IL  A.  13  (Suppl.)  soll 
mit  dem  Sirletianus  verwandt  sein;  aber  von  diesem,  der  jetzt 
nicht  mehr  aufzufinden  ist,  wissen  wir  nur  so  viel,  dass  auch 
er  nichts  taugt.  Der  Mazarin.  1298  (Suppl.)  en^dlich,  den  ich  in 
Paris  flüchtig  eingesehen  habe,  ist  ebenfalls  von  keinem  Werth. 
Auf  die  im  Par.  174  vorliegende  Reeension  des  Arethascodex 
gehen  aber  ferner  zurück  die  beiden  dem  16.  Jahrh.  angehörigen 
Cohortatio-Handschriften  Par.  19  und  Giss.  669.  Zwar  sind  sie 
keineswegs  aus  jenem  selbst  abgeschrieben,  bieten  vielmehr  einen 
gemischten  Text,  in  welchem  auch  LAA  aus  C  und  F  wieder- 
zufinden sind,  aber  sind  doch  jenem  Codex  am  verwandtesten. 
Sie  selbst  sind  jedenfalls  aus  derselben  Handschrift  abge- 
schrieben, was  auch  von  Ottö^i»)  bemerkt  hat^*^)     Endlich 


210)  Ueber  die  Schreiberei  des  Michael  Sophianus  s.  Gardthausen, 
a.  a.  0.  S.  332. 

211)  L.  c.  IIP  p.  XXVII. 

212)  Kein  Gewicht  wird  darauf  zu  legen  sein,  dass  in  Par.  19  (Cohortat. 
9  n.  28)  sich  die  Marginalbemerkung  findet:  lam,  während  Par.  174  supra 
lin.  zwischen  xbv  und  xa?.ovfji€vov  dasselbe  Wort  bietet;  denn  in  Par.  19 
ist  die  Notiz  ab  alia  manu  an  den  Rand  geschrieben.  Für  das  Tetra- 
grammaton  nicht  uninteressant  ist  das  gleich  darauf  folgende  SchoUon  in 
B  (ab  al.  manu):  lEVE  [sie]  aöutvad^  laxoQOvat  Tigoonoirjaccad^ai  xbv 
xakovfisvov  Bsov  öiöovai  avzw  vouovq.  Leider  lässt  sich  das  Alter  dieses 
Scholions  nicht  bestimmen. 


gg  Resultate. 

gehen  die  drei  Codd.  saec.  XV,  welche  die  Schrift  de  resurr, 
des  Athenagoras  enthalten,  nämlich  der  Florent.  gr.  3.  plut.  IV, 
Florent.  gr.  32.  plut.  X.  und  MS.  Vallae,  auf  einen  Archet}^us 
zurück  2 13).  Dieser  Archetypus  kann  von  Par.  174  nicht  unab- 
hängig sein,  da  er  z.  B.  gleich  in  der  üeberschrift:  negt  ava- 
OTceaewg  xwv  vexQ(tjv  wie  dieser  (u.  Aeton.,  Claromont.)  ge- 
boten hat. 

IV.  Der  Justincodex  Par.  450  ist  im  J.  1541  von  einem 
Schreiber  Georgios^^^)  —  höchst  wahrscheinlich  zu  Paris  — 
in  extenso  abgeschrieben  worden;  so  ist  der  Claromont.  82, 
nunc  Fenwickianus  entstanden.  Schon  Volckmarin  den  Theol. 
Jahrbb.  1855  S.  242,  430,  456,  571  ist  auf  der  richtigen  Fährte 
gewesen,  und  von  Otto  hatte  es  so  leicht  gehabt,  ihn  des 
Zieles  zu  versichern.  Dies  ist  nicht  geschehen.  In  der  Theol. 
Litztg.  1876  Nr.  13  ist  in  Kürze  der  Beweis  geliefert  worden, 
dass  der  Claromont.  lediglich  eine  Copie  des  Par.  450  ist,  und 
dieses  Ergebniss  hat  sich  mir  bei  erneutei'  Untersuchung  voll- 
ständig bestätigt  2  ^5)^ 

213)  Ueber  den  .Schreiber  Job.  Rhosus  aus  Greta,  der  unzählige  Codd. 
angefertigt  hat,  s.  Gardthausen,  a.  a.  0.  S.  326  f. 

214)  lieber  diesen  Georgius,  der  im  Jahre  1543  den  Theophilus  ge- 
schrieben hat  (Bodlej.  gr.  misc.  25)  s.  oben  S.  73. 

215)  Man  vgl.,  um  sich  zu  überzeugen,  nur  I,  cc.  1—12.  In  diesem  Ab- 
schnitt haben  die  beiden  Codd.  einfach  Alles  —  auch  c.  30  unerträgliche 
Schreibfehler  —  gemeinsam.  Sie  differiren  nur  an  zwei  Stellen.  C.  9  (p.  28 
n.  1)  Uest  Par.  zifjKofiivovg,  Ciarom.  tifiä^fievovq]  c.  12  (p.  36  n.  1)  Par. 
ttQQwyolj  Ciarom.  aQioyol.  Der  letztere  ist  also  eine  sklavisch  treue 
und  höchst  geistlose  Copie  von  Par.  —7  Beachtenswerth  ist,  dass  sich  in 
Wittenberg  im  16.  Jahrh,  ein  Justin-Codex  befunden  haben  muss,  der  dem 
Par.  450  verwandt  war  (s.  Corp.  Apol.  IV  p.  XI).  Molanthon  schreibt 
an  Camerarius  V.  Cal.  Nov.  1540  (Corp.  Reform,  ed.  Bretschneider 
VII  col.  489):  „Inveni  hie  Justini  Martyros  libros,  in  quibus  tres(I)  pagel- 
lae  sunt,  hoc  titulo:  ex&eaig  niaxswq  tkqI  zrjc  öqx^tjc;  öfioXoyiaq  })xoi 
Ttegl  iTJQ  ayiai  xal  öfioovaiov  iQidöoq.  Diserte  loquitur  nfgl  ovolag  xal 
vnoatdaewv  et  de  duabus  naturis  in  Christo  nato  ex  virgine.  Si  est 
vetus  scriptum  (also  schon  Melanthon  hegt  Zweifel),  profeeto  illustre 
teatimonium  est  doctrinae  ecclesiasticae.  Valde  cuperem  eas  plagella« 
edi  .  . .  Et  istuc  tibi  codicem  afferam".  Einen  Druck  der  Expositio  gab 
es  damals  noch  niclit.  Also  ist  es  ^nrklich  eine  Handschrift  gewesen,  und 
dass  sie  mit  Par.  450  nahe  verwandt  war,  zeigt  der  Titel,  welchen  die  Ex- 
positio hier  führt;  denn  nur  in  Par.  450  ist  sie  ebenfalls  so  überschrieben.  — 


Resultate.  89 

V.  Der  Argentorat.  ist  der  Archetypus  flir  das  Apograph. 
Hausii  (arm.  1580),  das  Apogr.  Stepliani  (ann.  1586)  und  das 
Apograph.  ßeureri  (iutra  ann.  1587 — 1591),  welch'  letzteres  je- 
doch von  dem  des  Hausius  nicht  unabhängig  sein  kann. 

VI.  Das  Urtheil,  welche  Handschriften  für  die  einzelnen 
apologetischen  Werke  überhaupt  in  Betracht  zu  ziehen  sind, 
ergiebt  sich  nun  von  selbst; 

1)  Für   die  Apolog.  (I  und  II)  Justini  und  den  Dialog,  c. 
Tryph.  —  Par.  450. 

2)  Für  die  Orat.  ad  Gr.  --  Argentorat.  (daneben  der  Syrer). 

3)  Für  de  monarchia  —  Argentorat.  (daneben  Par.  450). 

4)  u.  5)  Für  die  Cohortat.   ad   Gr.  u.   Athenag.   Suppl.  — 
Par.  451  (daneben  Argentorat.). 

6)  Für  die  Ep.  ad  Zenam  —  Par.  451  (daneben  Par.  450). 

7)  Für  Athenag.  de  resurr.  —  Par,  451  (daneben  Argentorat. 
u.  Par.  450). 

8)  Für  Theophil,  ad  Autol.  —  Marcian.  496. 

9)  Für  Herinias  —  Vindob.  philos.  gr.  13  und  Monac.  512. 
10)  Für  die  Ep.  ad  Diognetum  —  Argentorat.,  respect.  die 

Apographa  Stephani,  (Beureri)  und  Hausii. 

Die  besonderen  LAA  der  übrigen  Handschriften  kommen 
im  besten  Fall  als  Conjecturen  in  Betracht,  diese  selbst  sind 
nur  für  die  Geschichte  der  Verbreitung  der  alten  Bücher  von 
Interesse. 


Der  Ottobon.  gr.  274  (saec.  XV)  enthält  neben  der  Supplic.  des  Athena- 
goras  (s.  oben)  die  capp.  65—67  der  justinischen  Apologie  mit  dieser  üeber- 
schrift:  ix  tijQ  ß'  dnoXoyiag  lovazlvov  tov  (jiaQxvQöq  (v.  Otto,  1.  c.  P 
p.  XXVn  sq.)  Detlaus  Detlefsen  bat  das  Stück  im  Jahre  1860  für  von 
Otto  vergUchen;  ich  habe  es  im  Jahre  1879  eingesehen.  Ein  Zusammen- 
hang der  üeberlieferung  mit  der  in  Par.  450  ist  darin  ersichtlich,  dass  die 
Apologie  auch  hier  getheilt  erscheint  und  die  grössere  Hälfte  als  die 
zweite  bezeichnet  ist.  Es  beweisen  aber  die  19  Abweichungen,  welche 
sich  im  Ottobon.  auf  so  kleinem  Räume  finden,  dass  er  nicht  aus  Par.  ab- 
geschrieben ist.  Der  Ottobon.  ist  nun  leider  ein  noch  schlechterer  Zeuge 
als  jener;  denn  von  Otto  bemerkt:  „scatet  mendis  scripturae*  und  seine 
LAA  sind  kaum  irgendwo  brauchbar.  Doch  kann  man  an  einigen  Stellen 
wenigstens  schwanken.  Die  LAA  stehen:  c.  65  n.  1,  7,  8  (bis).  10  (bis), 
11;  G6  n.  2,  3,  4,  5  (bis),  6,  7;  67  n.  1,  5,  6,  14,  16. 


90  Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die  Scholien. 

§  6.    Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die 

Scholien. 

1)  Nicht  ganz  so  einfach  Avie  bei  den  übrigen  apologeti- 
schen Werken  steht  es  bei  Tatian,  weil  in  A  seine  Oratio  aus- 
gerissen ist.  Es  müssen  hier  also  die  drei  Apographa  von  A 
(Par.\  Mutin.,  Marc.  343)  eintreten.  Die  Vergleichuug  der  zwei 
letzteren  wäre  immerhin  sehr  wünscheuswerth^'*^).  Doch  ist 
nach  dem  oben  §  3  sub  2  a — d  Bemerkten  Par.^  zwar  eine 
leicht  recensirte,  im  Ganzen  aber  treue  Copie  von  A.  Nach 
Analogie  der  Zahl  der  Abweichungen  des  Par.  ^  von  A  bei  der 
Cohortatio  und  den  beiden  Schriften  des  Athenagoras  ist  an- 
zunehmen, dass  der  Tatiautext  in  jenem  Codex  von  diesem  in 
c.  85  Fällen  sich  unterscheidet,  von  welchen  c.  60  unbedeutend 
und  gleichgültig  sind.  Eine  wesentliche  Hülfe  wird  also  auch 
die  Vergleichung  des  Mutin.  und  Marcian.  schwerlich  gewähren. 

2)  Von  den  50  Scholien,  welche  Par.  ^  enthält,  sind  35 
manu  prima,  15  manu  itala.  Die  letzteren  sind  von  derselben 
Hand,  die  zu  Athenag.  Suppl.  c.  25  n.  5  die  Verse  aus  Claudian 
beigesetzt  hat-^"^).  Sie  sind  für  die  Geschichte  der  gelehrten 
Studien  nicht  uninteressant.  Einen  grösseren  Gegensatz  kann 
man  sich  schwerlich  denken  als  den  Apologeten  Tatian  und 
den  italienischen  Humanisten  im  Style  des  15.  (16.)  Jahrhun- 
derts. Mit  welchen  Augen  und  zu  welchem  Zwecke  er  die 
Oratio  eingesehen  hat,  lehren  seine  Randbemerkungen. 

C.  10  n.  11  (zur  Erwähnung  des  Herakles-Sternbilds):  „Jga- 
ytüfv  6  Tct  eonegia  fiijXa  q)vk(xxTiov'   de   his  Ovidius   in  Fastis". 

C.  12  n.  16  (zu  d.  W.:  nveZitta  sv  cLvd^Qionoig):  „Virgilius  in 
VI.  [seil.  Aen.  VI.J:  Spiritus  intus  alit  totamque  infasa  per 
artus  etc.** 

C.  23  n.  12  (z.  d.  W.:  xexrivivaL  ...  ov  ^skw):  ^JiBxripivcLi 
ov  d-ilw,  TJyovv  d^avfidöaty  quod  nostri  hiare  dixerunt.  Virgi- 
lius ....  Inhiant  aulas  et  Hmina*'. 


216)  Auf  eine  Vergleichung  des  Cod.  Ottob.  112  sind  schwerlich  Hoflf- 
nungen  zu  setzen,  da  er  nach  dem  über  seinen  Hermias-Text  oben  Be- 
merkten wahrscheinli'ch  aus  ;Q;etrübt(r  Uelierlieferung  stammt,  übrigens 
bereits  dem  15.  Jahrh.  angehört. 

217)  S.  ohen  S.  50   Anm.  113. 


Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die  Scliolien.  91 

C.  31  n,  4  (z.  Geschichte  von  der  römischen  •  Sau ,  die  30 
Junge  geworfen):  „Virgilius  [Aen.  III,  390.  VIII,  44 1:  Inventa 
sub  ilicibus  sus  Triginta  capituni  fetus  enixa  jacebit'S 

C.  21  n.  4  (z.  d.  Worten:  (pO^ovego^  6  Zeig):  „/la^^  'Of,i)JQO) 

C.  29  n.  3  (zum  Juppiter  Latiaris):  „Statins:  Et  residens 
celsa  Latialis  Jupiter  Alba". 

C.  19  n.  14  (zu  0^(-aTQO'K07iovi.ievovg):  ^"Hyovv  lUQazio^tivovg 
'/.(XL  0'Xißo(.iivovg^  cootisq  iv  xcp  d^eccrgfi)  Gv^ißalvei  ylvea&at": 
Sodann  ^^Qeazgozorceio'  ^ovidq  d^aXarto/ionew,  fxaTaioXoyiiOj 
Tagaztoiiiaij  ^oQvßovfxar  ano  ir^g  O^aXcxTzr/g,  ?y,  ozav  vnb  dpi- 
ficov  Tagax^fjj  dkltjloig  ovyzgovec  ta  xt'/faitt". 

C.  24  n.  6  (z.  d.  W.:  '^vziysvldrjv):  „/Tf^t  ^Avziyevidov 
^ovtöag  nolld^^. 

C.  29  n.  4  {^!Agz£(.iiv  öi  ov  fiaxgdv  T^g  f.ieydXr^g  Ttoleiog): 
„Diana  Aricina". 

C. 21  n.  3  {GeöTTidai):  ^^Oeouidat  iniQgrjfiaTiKwgi  (bg^OXv/.i" 

TCLClOl^^ 

C.  19  n.  3  (ßtogedv):  ^^Tb  öi  ötogeccv  dvzl  xov  dftiaO^l  öel 
Xafißdveip". 

C  17  n.  5  {p'Avtidiov  s^agTrjficcoi):  „Fortasse  de  Lupercis 
hoc  intelHgit".     (Die  Erklärung  ist  falsch.) 

AUe  diese  halb  griechischen,  halb  lateinischen  Bemerkungen 
sind  antiquarischen  und  grammatisch-lexicographischen  Inhalts. 
In  Homer,  Vergil,  Ovid,  Statins  Lucanus,  Claudian,  Suidas  zeigt 
sich  der  Verf.  belesen.  Nur  die  zwei  noch  übrigen  Schollen 
bringen  Biblisches  bei.  Zu  c.  12  n.  1  sind  bei  der  Erwähnung  des 
Ebenbildes  Gottes  im  Menschen  die  Worte  des  4.  Ps. :  „Signatum 
est  super  nos  iumen  vultus  tui,  Domine"  beigesetzt,  und  zu  der 
Behauptung  Tatian's,  dass,  wer  mit  einem  Räuber  zusammen- 
essend betrolfen  werde,  straffällig  sei,  auch  wenn  er  selbst  kein 
Räuber  sei,  macht  der  Scholiast  die  ergötzliche  Bemerkung:  Ov 
fiTjv  dXka  Aal  6  ^iotrjg  rjfiwp  zolg  df.icxgKaloIg  (JvvrjOriocGaTO. 

Viel  wichtiger  sind  natürlich  die  35  Scholieü  a  prima  manu. 
Zeigen  jene,  wie  matt  den  Tatian  im  15.  (16.)  Jahrh.  las,  so 
diese,  wie  am  Anfang  des  10.  Jahrhunderts.  Denn  dass  weit- 
aus die  meisten,  wenn  nicht  alle,  aus  A  stammen,  ergiebt  sich 
aus  einer  Vergleichung  der  Schollen  in  A  und  Par.^  bei  der 
Ep.  ad  Zenam,  Cohortat.,  Athenag.  Suppl.  und  de  resurr.    Wir 


92  Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die  Scholien. 

dürfen  in  ihnon  also  Arethasscholien  erkennen,  mag  auch 
der  Erzbischof  einen  Theil  bereits  älteren  Commentatoren  ent- 
nommen haben.  Citirt  werden  in  denselben  Pindar,  Plato,  der 
Apostel  Paulus,  der  Areopagite.  C  31  n.  27  heisst  es  (o  de 
^y^QXl^oyog  ifAfiaoe  ttsqI  oXv/untdöa  zghrjv  ymI  erAOOttjv):  ,/0 
(.livTOi  Qrjßaiog  UivdaQog  ^HgaKlea  tov  L^kxfxrjvtjg  OT'^Gai  za 
oXvfiTiKX  \f^prjof\y  rjxot  olv^nia  jLiiv  Eötriasv  ^HgaxXr^g  (paoy.tov^*. 
Diese  Bemerkung  Pindar's  macht  den  Scholiasten  gegenüber 
den  chronologischen  Ausführungen  Tatian's  noch  einmal  (c.  41 
n.  29)  stutzig:  ,,xat  ^ijv  IllvöaQog  6  kvqixdg  ovtcog  (prjoiv 
ijtOL  oXvfiTtia  fuev  eazTjOSP  'Hgayilrjg.  Tlcog  ovv  ^Hgay.X^g  [cod. 
HgayiXsovg]  fxi^  yeveq  tmv  ^IlLaKwv  7tQ0tX(0P.  o  ymtoc.  nivöagov 
tä  olvfiTtia  OTTjOccg,  vaxegov  svgsO^t^OETai  taiv  ^Vuaycwv  v  (tsolVj 
uye  avTog  EOTtjoe  za  olvinTria;  C.  31  n.  5  markirt  der  Scholiast 
am  Rande  den  chronologischen  Ansatz  Tatian's:  f,xal  (xtjv  Mov- 
aaiov  |1.  Miovoriv]  jigo  'Ofiiijgov  (pr^alv^^.  Zu  der  Eintheilung 
der  Dämonen,  welche  Tatian  c.  12  n.  12  giebt,  bemerkt  der 
Platokundige^iS)  Scholiast:  y,zovzo  niaTCOviKov^  elg  ovo  ötaigovv 
eidr)  zovg  dalfiovagy  äv?.oz€govg  xat  vXiy.coTegovgj  xat  zovg  /.liv 
dvXozegovg  äya^ovg  eivcciy  zovg  öi  vXiy.iozlgovg  novrjgovg  xat 
xaxoTioiovg[^,  Siehe  auch  das  unmittelbar  vorhergehende  kleine 
Scholion  (12  n.  12):  öalfioveg  gvvO^stol  s^  vlijg  y.ai  u^o^^g.  An 
einer  Steile  (c.  29  n.  9)  wird  der  Scholiast  an  den  Römerbrief 
erinnert:  zovzo  tov  d^eamoiov  nav?.ov  yai  ovzrg  ovvrjyogelj 
Xiyoi'zog  zriv  alr^d^eiav  zrw  O-eov  iv  aöixi(jc  y,aTax€iv  ^'EXXrjvag, 
Exegetischen  Inhaltes  sind  folgende  Scholien:  zu  c.  1  f.  wird 
bemerkt  (n.  1):  ,,6Vt  oiöev  zdjv  ijiizrjösvficcTwv  ciig  "Eklr^veg 
TiakktoniCovzai  ekXrjvixov,  aXXa  sk  ßagßdgcov  zijv  evgrjOiv  eoyj]' 
xog**.  C.  1  n.  26,  c.  4  n.  4  und  c.  8  n.  9  wird  mit  der  Formel 
jjXttTß  y.Oivov  zo  ovveoTijoao^e  {zb  frgoozdzzov — lo  (paolv)  an- 
gegeben, dass  das  Verbum  sich  auf  mehrere  Objecto  bezieht. 
Richtig  werden  die  tatianischen  Worte  7iv£xf.ia  6  ä-sog,  ov  öitj- 
yMiv  ÖLcc  z^g  vkrjgcAn.  8  also  glossirt:  ,jO/ovft  xca'  efiipvxlav, 
iVof  ij  iniv  vXrj  fi  aze  aüna^  zijg  äs  xpvxfjg  [o  O-ebg]  löyov  ineyr^' 
cMa  Srj'fiiovgyiXiüQ  Tidvza  ovvzdooiov  /.al  diay.oofivjv^^.  C.  7 
n.  14  wird  Tatian's  Ausführung  über  die  Corniption  der  Engel 
so  glossirt:   ^^övve^ay.ovoziov  zb'  öai^oveg,  iva  fy  xat  zovzov 


218)  S.  oben  S.  40. 


Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die  Scliolien.  93 

Ol  iA.i(A.r]üaf.ievoi  6aif.iov€g  ccTiodel/.vvvTat^'.  Erklärend  sind  fer- 
ner die  kleinen  Scliolien  c.  13  n.  11  u.  22  n.  4;  im  Scholion  zu 
c.  15  n.  6  macht  der  Verf.  auf  die  von  Tatian  im  Text  citirte 
Schrift  71€qI  (^coior  aufmerksam:  ,,xa£  jrsQL  KoJiov  ovTog  dvrjQ 
Eygaipev.  Das  Wort  QLvavlovai  wird  c.  22  n.  13  erklärt:  ,,?/rot 
QLVoxTvnovaiVj  oiövel  to  Ttvev^a  Tolg  gcod-woi  oweh/toweg  tzolov 
fjxov  BTcl  naraysXtoTi  aTtOTeXovoi^^.  C.  30  n.  2,  wo  der  Text 
wirklich  fehlerhaft  überliefert  ist,  bemerkt  der  Scholiast:  Isl- 
neiv  ÖOV.U.  C.  33  n.  4  merkt  er  an,  dass  statt  tov  Xtjqov  auch 
Tov  vd-lov  gelesen  wird  (,,/"(>.  tov  vdlov\'-).  Antiquarische  Be- 
merkungen sind  folgende:  c.  8  n.  20  bemerkt  der  Verf.:  ,,6  ev 
TO)  vau)  Tip  ev  JeXcpoig^'O^icpa^^og  ovo^a.t,6f.ihvog  Tdq)og  tjv  /Jiovv' 
öov^'.  C.  9  n.  9  giebt  er  eine  andere  Legende  über  den  Ur- 
sprung des  Delta-Sternbildes  als  Tatian  im  Text:  „Ttvfg  Ss 
öia  TO  ev  u4lyv7iT(j)  y.aXovf-ievov  Jehia  cpaölv  o  noiovGiv  aVw- 
x)^sv  Liev  o  Nellog,  düoT(xf.i€vog  dcp^  tvög  tov  eavzov  Qevfuavog 
eig  di'o,  Kajoyd^ev  öi  rj  TiQog  ^Aka^dvÖQeiav  d-dXaooa,  elg  t]v  tcc 
öTOf-iaxa  tov  Neilov  iyiöidoi^^.  Zu  c.  10  n.  16  vermag  er,  ob- 
wohl zur  Mittheilung  kein  Grund  vorliegt,  die  Wiederholung  der 
Sage  nicht  zu  unterdrücken:  l^xMevg  ev  xolg  ^Hlvoloig  öwoi- 
K€lv  leyEzav  cij  Mi]del(^  xat  T-rj  ''E'kevrj^^,  C.  17  n.  2  wird  von 
ihni^zu  (xdyov  ^OoTavrjv  bemerkt:  ^^jiaQa  lölg  Tlegamg^'.  C.  25 
n.  1,  25  n.  11,  23  n.  3,  33  n.  14  macht  der  Scholiast  darauf 
aufmerksam,  dass  die  Cyniker,  beziehungsweise  die  Stoiker, 
Gladiatoren  und  Glaukippe  (hier  irrt  er  sich)  im  Texte  gemeint 
seien.  Viel  interessanter  aber  sind  die  neun  Schollen,  in  wel- 
chen der  Verf.  den  Tatian  kritisirt.  C.  17  n.  19  greift  dieser 
den  heidnischen  Schwindel  mit  Sympathiemitteln,  namentlich 
aber  mit  Menschenknochen  u.  s.  w.  an;  in* dieser  Beziehung  sagt 
er:  Titog  ydg  ^cov  f^av  rJKiqTCc  jnox^r^Qog  eiriv,  vbkqov  de  ovrog 
fÄOv  heixpavov  zb  ev  eßoi,  firjöev  ifiov  ngazToviog  .  .  .  atod'tjTov 
zi  dnegyaoezai;  dazu  der  byzantinische , Sjphohast:  „Tovro  ovx 
aloiwg  7vccQeh]q)d'l^f  Mal  ^azd  t^g  tiov  Veotöv  fiaQzvgcov  xcov 
aylcov  Xeixpdvcjv  &avi^azovQyiag^\  Namentlich  aber  Tatian's 
Ansicht  von  dem  hylischen  Geiste,  der  Seele  und  den  Dämonen, 
sowie  seine  Christologie  haben  die  Bedenken  des  Scholiasten 
hervorgerufen.  Tatian  spricht  c.  4  n.  12  und  öfter  von  einem 
„hyhschen  Geiste",  der  dem  wahrhaft  göttlichen  Geiste  unter- 
sreordnet  sei.     Dies  hat  den  Scholiasten  befremdet  und  er  er- 


94  I^ic  Resultate  für  d<;n  Tatiaii  Toxt  iiDfl  die  8ch(.'lien. 

klärt  desshalb  das  tatianisclie  nrtvtia  rn  öic)  ii]g  v?.i]g  dtif/.ov 
also:  jyTivsvfia  itjt'  6rj/.novQyiKr)v  ('^lv  cty.ovoiiov  vvv  uiovv  Suva- 
^iiVj  irp  Trj  i)lrj  tyy.azaGTnigag  O-soc  tag  öic.cfoooig  et'  ko  OQazui 
TOiTii)  anezü.eae  q)ioeig,  lonov  yeooatcor,  h'vdgcov,  mijvidv,  loo- 
(pvxiovy  cfVTcdv'^y  oder  c.  12  n.  9  (zu  yivtifia  vh/.ov):  ,y7rr£v^ta  y.al 
Ttjv  €v  Tolg  oioiv  uY.ovoxtov  drj/iiiovQyiTiip'  dci'C(f.in'  k«^'  i^v  fxcf- 
öTOv  elöog'  rolg  t/r'  avio  zo  of-ioinv  rov  TrQoayayovzog  vcfiOTij- 
aiv^^.  Auch  in  den  Satz  Tatian's,  dass  die  Seele  sterblich  sei, 
weiss  er  sich  nicht  zu  finden  und  stumpft  denselben  (13  n.  1) 
also  ab:  i/^t'X»;  ^vrjzjy  zr^v  'Cco6yovoj>  liyti  öivafiiv^  ijTig  y.oivt) 
Tiavziov  Cioav  iozlv,  rj  /mI  ovfiq^Oeigszai  To7g  oiüf.iuQiv'  ov  f.iiv- 
zoi  xal  7]  'AoyiKij  öuvaf.ug  \sciL  ■^rrjzrj]'  aizrj  yao  e^rJQj-zca,  aq^^ 
fjQ  m  zt%vai  nat  eniozr](.iaL  TTQoßdlkorzai^^.  Garrz '  consequent 
muss  er  nun  auch  an  der  Behauptung  Anstoss  nehmen:  TTvet^ia 
zov  x^€Ov  naget  näoiv  (.liv  ovv.  tozi,  7ic(ga  6f:  zioi  zolg  öiY.aiojg 
TtoXizevoiiievoig  y,zl.  Er  bemerkt  dazu  c.  13  n.  6:  yyzovzo  6v 
y.ttXiog,  aXXa  y.al  7iaga  zov  Jiovvolov  zov  navv^^*'')  o/.oziov". 
Am  Areopagiten  also  ist  die  Theologie  des  Scholiasten  orien- 
tirt  (s.  d.  Scholien  des  Arethas  zur  Apokalypse,  wo  Dionysius 
p.  246,  29;  331,  14  o  -^tTog,  p.  491,  30  6  i^iyag  heisst).  Audi  im 
gleich  folgenden  Scholion  (c.  13  n.  19)  polemisirt  er  gegen  die 
Lehre,  dass  nicht  alle  Menschen  „den  Geist^*  haben  sollen  und 
beruft  sich  auf  Paulus :  ,,!/^^A«  ye  yal  Uavlov  zov  d^eiov  ano- 
ozoXov  xi  zo'  ^Anoy.a'kvTtz izai  ogyy  zov  -D^eov  .  .  .  aA?J- 
d^eiai  zov  d^eov  ev  ädixia  y.azexovziov  ßov?.ezai;  zJtoziy 
q)7joi,  yvovzsg  zov  ^€ov  .  .  .  rjvxagiozrjoavy  y.al  za  zovzcov 
f^rjg.  El  yag  firj  eixov  nvei/tia  i^eov,  zi  y.al  y.azaxgiioi  eni- 
öiazglvo)  dwafiu  zov  iul  za  ygelzrco  Ttodr^yeiv  oiov  zs  oviog; 
Ti  de  xal  r  iv  aöi/.ia  zov  S^eov  cD.rjS^eta  y.azeyo^tivti;'-^  So 
findet  er  denn  auch  das,  was  Tatian  c.  20  über  den  durch  den 
Sündenfall  bewirkten  völligen  Verlust  des  Pneuma,  sowie  über 
die  Strafversetzung  der  Dämonen  und  Protoplasten  gesagt  hat, 
nicht  überzeugend  (n,  4):  ,,xrtz:*  l^ovoiav  äLÖau/ta'/.iy.wgj  ov/. 
d7rodety.11/.cdg  zaiza^^.  C.  15  n.  16  bestreitet  er  den  Satz  des 
Tatian,  dass  es  keine  Bussmöglichkeit  für  die  Dämonen  gebe: 
jyJiä  zl^\  sagt  er,  y^öu^ioaiv  iniazgocpi]  ngbg  zo  ygehtov  ov/. 

219)  Zu  dem  Ausdruck   6  nuvv  vgl.   llaniaq  &   nccvu  bei  Anastasius 
Sin.  (Tatr.  App.  Opp    I,  2.  p.  95^  und  ol  navv  de  moiiarch.  1  fin. 


Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die  Scholien.  95 

tOTiv;^^  Auch  dies  ist  wohl  areopagitisch.  unstreitig  am  werth- 
vollsten  ist  die  ausführliche  Kritik,  welche  der  Scholiast  über 
die  Logoslehre  Tatian's  zu  c.  5  niedergeschrieben  hat.  Hier 
ist  doch  wirklich  einmal  ausführlich  zu  lesen,  wie  ein  Byzan- 
tiner die  Christologie  eines  vorkatholischen  Theologen,  dessen 
Buch  im  Ganzen  nicht  angetastet  werden  durfte,  da  die  Tradi- 
tion es  geweiht  hatte,  beurtheilte.  Aehnliches  findet  sich  aller- 
dings in  der  Bibliotheca  des  Photius,  aber  meistens  mit  ganz 
kurzer  oder  mit  gar  keiner  Begründung.  Der  Scholiast  schreibt: 
,^'Eoi'A6v  ovTog  o  dvrj(j  fxi]  /rdvv  [man  beachte  hier  den  vor- 
sichtig gewählten  Ausdruck]  ccTitjXXaxOaL  i-^g  L4QeiavL/,^g  sqe- 
esyeXiag.  ^ÜQyavLKov  avTiov  vq>iota  tov  vibv  ey  olg  cprjai'  [es 
folgen  die  Worte  Tatian^s  p.  22^  3  —  24,  1]  ^Idoh  ydq  öid  f.iev 
TOV  dvwT£Qco  ^iKQOv  7i()6  'fiJQ  oQaTTJg  xTioecog  (novov  üodyei  zöv 
^€ov  ovTa,  syovra  f,iev%oi  ev  avTip  tip'  xov  koouov  ovalwGtv, 
üaneQ  drj  Ticcl  tov  viov  0  xal  avTO  öoyfia  l.^Q£Lavajv.  Waol 
yag  ovtol  to'  Ev  ctQXf]  tjv  o  Xoyog  —  sv  ctqx}]  '^öJ'  TcaTega 
(paoAeiv  TOV  evayyeXiOTr^v  ovTog  öe  jTatianus]  ycat  dosßioTSQOv 

SZ€IV10V(T)  dlä  TOV  OVGLCOO  IV  OQCtTWV  T€  XOfl    do^aTlOP   Cp(XÜ/,€L 

TOV  VIOV,  rjv  otolwGiv  6vvaf.iiv  söo^ev  ovo^d^eiv.  IlQoßalviov 
di:  ovy.  iiivd^Qia  bfXOTayrj  Trjg  y.Tiaecog  tiolcjv  tov  viov  umov  öe 
ovv  avT([)  Tcc  TtdvTa  öic  loyiü^g  övvduewg  vnoGxijoai 
TOV  ^tov^  €(p€Qf,irjvev(jt}v  eavTov  tijv  Xoyt/.rjv  ßovleTai  övva^iv 
'Äcclsiv.  £7nq)€Q€L'  T(p  de  x^slrj^aTi  Trjg  dnXoTrjTog  avTov 
ix7ir]öa  loyog'  ov -aal  eqyov  7tQC!)T6TOxov  tov  naTQog  ytal 
agxrjv  tov  xoGf-iov  ov7t  evaQxrjGev  amelv,  Eha  GacpeGTegov 
Tji  ßXaGcprjiiu(^(J)  ;fw^wi^,  FeyovtVy  endyei,  zara  fieg^Gfiov, 
Tfi  7roitJG€i  xal  TO  ovvatöiov  tov  viov  d^eTcov^  xat  öid  tyiv 
XqeLav  Trig  '/.TiGscog  vno  tov  naTQog  ngoayof-iEvog  [die  Construc- 
tion  ist  verworren],  oQyavimjv  öiöoug  rr5  vl(^  ttjv  ahlav,  enel 
Tial  TovTo  eToXfirjoav,  wg  eq,Tq(.iev^  einecv  oi  av&gwnoi  [seil. 
Ariani],  €x  tcov  tov  HXdTwvog  ogfxrj^evreg  XrjqmVj  (hg,  STceidi^  6 
x^eog  VTiBQ  ndoav  otofiaTiKrjv  evvoidv  sgtl,  xal  qidoqdg  dnccGrjg 
vneQaveGTrjxcogy  '/ml  aloi^rjGeL  dnQOGTcikaOTog^  xal  dgxijg  ccwdGtjg 
ent'KEiva^  dvd^iog  yial  6  vno  dqxijv  TiOGfiog  Trjg  tovtov  ngO' 
aycjy^g.  Ei  ydg  -d^eog  ngmiyaye  tov  viov  cog  av  did  ogyuvov 
nqoGaydyoi  [fort.  Ttgoaydyoi]  Tovöe  tov  aiG^i^TOv  xal  (fd^OQ^ 
owofiiXov  Tcoo/iiov,  TavT/j  %al  6  vlog^  cctc  dgx^jv  iox^j^o^gf  f^d 
öevTegela  Trjg  dy.gaLg)vovg  O-eairjtog  dnofpegeTtxi» 


96  Die  Resultate  für  den  Tatian-Toxt  und  die  Scholien. 

Der  Scholiast  hat  nicht  ungeschickt  die  Logoslehre  Tatian's 
hier  reproducirt:  er  hat  sich  nicht  hernüht,  die  ihm  bedenk- 
hchen  Punkte  zu  vertuschen.  Aber  oben  desshalb  kann  er 
auch  nicht  umhin,  sie  aufs  bestimmteste  zu  verurtheilen.  Zwar 
beginnt  er  seine  Darstellung  noch  mit  den  Worten,  es  scheine, 
dass  Tatian  sich  nicht  ganz  von  dem  arianischen  Geschwätz 
befreit  habe,  aber  im  Fortgange  muss  er  eingestehen,  dass  seine 
Lehrweise  noch  gottloser  als  die  der  Arianer,  ja  wahrhaft  blas- 
phemisch  sei.  Dies  ist  nun  auch  ganz  in  der  Ordnung.  Will 
man  sich  nicht  absichtlich  die  Augen  verschliessen,  so  kann 
das  Urtheil  vom  Standpunkt  der  byzantinischen  Theologie  nicht 
anders  ausfallen,  als  dass  Tatian's  Christologie  viel  häretischer 
sei  als  die  der  Arianer.  Man  kann  hier  lernen  —  wenn  man 
es  nicht  schon  wüsste  — ,  warum  die  vorkatholische  Literatur 
bis  auf  wenige  Stücke  „verloren  gegangen  ist".  Arethas  —  denn 
er  ist  höchst  wahrscheinlich  der  Scholiast,  der  Pindar,  Plato, 
den  heil.  Paulus  und  den  Areopagiten  zum  Vergleiche  heran- 
zieht, für  die  Rehquienverehrung  eintritt  und  grammatische  Be- 
merkungen einschaltet  —  hat  trotz  seiner  scharfen  Bemerkungen 
die  Apologeten  des  2.  Jahrhunderts  noch  gelesen  und  auch 
achtungsvoll  behandelt.  Aber  gewiss  hat  der  Mann,  dem  wir 
die  Erhaltung  eines  wichtigen  Theiles  der  ältesten  christlichen 
Literatur  verdanken,  unter  seinen  Zeitgenossen  und  Collegen 
nicht  Viele  seines  Gleichen  gehabt 2"^o).  Das  Urtheil,  dass  die 
byzantinische  Censur  aus  der  vorkatholischen  Literatur  wenig- 
stens doch  die  apologetischen  Schriften  noch  verschont  hat,  ist 
dahin  zu  berichtigen,  dass  in  Wahrheit  nur  der  „göttliche"  oder 
„heilige"  Justin  Gnade  oder  Literesse  gefunden  hat,  und  auch 
er  nur  um  den  Preis  einer  umfangreichen  „Ergänzung"  seiner 


220)  Die  Vermuthung  liegt  nahe,  dass  in  A  die  Quatemionen,  welche 
die  Oratio  des  Tatian  enthielten,  zwischen  dem  12.  und  14.  Jahrh.  ab- 
sichtlich ausgerissea  worden  sind,  entweder  weil  der  Name  Tatian's 
))erüchtigt  war,  oder  um  jener  christologischen  Ausführung  wdllen,  die 
Arethas  als  Arianisnms  schlimmster  Art  gebrandmarkt  hat.  Dass  dabei 
der  Schluss  der  Cohortatio  und  der  Anfangvier  Praeparatio  auch  wegfiel, 
ist  nicht  auffallend,  da  sie  auf  Quaternionen  standen,  die  zugleich  den 
Anfang  resp.  den  Schluss  der  Oratio  enthielten.  Indessen  ist  diese  An- 
nahme doch  sehr  unsicher,  da  die  Handschrilt  auch  an  anderen  Stellen 
nachträglich  Verluiste  erlitten  hat. 


Die  Resultate  für  den  Tatian-Text  und  die  Schollen.  97 

theologischen  Arbeiten  durch  ihm  untergeschobene  Stücke, 
welche  bald  den  echten  Justin  fast  völlig  verdrängten.  Sein 
Name  deckte,  wie  sich  zeigen  wird,  neben  anderem  auch  die 
beiden  Bücher,  welche  man  heute  unter  der  Aufschrift  „Athena- 
goras"  liest.  Tatian's  Rede,  Clemens'  Protreptikus  und  Paeda- 
gogus,  Theophilus'  apologetische  Abhandlungen  sind  nur  in  je 
einer  Handschrift  aus  dem  Alterthum  auf  uns  gekommen. 
Alles  übrige,  die  Arbeiten  des  Quadratus,  Aristides,  Apoiinarius, 
Melito,  Miltiades,  ist  verschollen.  Die  Beobachtung  aber,  dass 
im  15.  und  16.  Jahrhundert  einzelne  Apologien,  resp.  unechte 
Werke  der  Apologeten,  besonders  häufig  abgeschrieben  wor- 
den sind,  enthält  kein  Problem,  welches  einer  Erklärung  be- 
dürftig wäre;  denn  in  jenen  Jahrhunderten  wurden  bekanntlich 
griechische  Handschriften,  einerlei  welchen  Inhaltes,  in  Italien 
und  in  Frankreich  zahlreich  vervielfältigt,  weil  die  Nachfrage, 
namentlich  seit  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts,  eine  so  grosse 
worden  war.  Seit  dem  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  lässt  sich 
aber  besonders  deutlich  beobachten,  wie  sich  die  Speculation 
und  selbst  der  Schwindel  der  Handschriftenfabrication  be- 
mächtigen. 


Texte  und  Untersuchungen. 


Zweites  Capitel. 

Die  Kenntniss  und  Beurtheilung  der  Werke 

der  Apologeten  in  der  alten  Kirche 

und  im  Mittelalter. 

§  7.    Einleitung. 

In  der  Bibliothek  zu  Casarea,  welcher  Eusebius  die  Ur- 
kunden für  seine  Kirchengeschichte  entnommen  hat  (h.  e.  VI, 
32,  3),  befand  sich  keine  Handschrift,  in  welcher  Apologien 
verschiedener  Verfasser  des  2.  Jahrhunderts  zusammengestellt 
waren.  Wenigstens  giebt  Eusebius  nirgendwo  eine  Andeutung, 
aus  der  man  auf  eine  Sammlung  der  ältesten  Vertheidigungs- 
schriften  für  das  Christenthum  schliessen  dürfte.  Auch  er  selbst 
fasst  sie  nicht  zu  einer  besonderen  Gruppe  zusammen,  sondern 
behandelt  sie  einzeln  bei  gegebener  Gelegenheit,  wie  er  denn 
auch  in  seiner  Vorrede  zur  Kirchen  geschieh  te,  ohne  Unterschei- 
dungen anzugeben,  über  alle  die  zu  schreiben  verheisst,  „welche 
von  Geschlecht  zu  Geschlecht  mündlich  oder  schriftlich  Für- 
sprecher des  Wortey  Gottes  gewesen  sind"  (I,  1,  1)  —  darunter 
die  kirchlichen  Schriftsteller  überhaupt  verstehend  ^).    Auch  in 


1)  Eusebius'  Kirchengeschichte  ist  die  grundlegende  Quelle  für  die 
(reschichte  der  Ueberlieferung  der  Apologien  des  2.  Jahrhunderts.  Doch 
gilt  auch  hier,  wenn  auch  mit  anderer  Motivirung,  was  Maxiruus  im  Prolog 
zu  den  Opp.  S.  Dionysii  Areop.  gesagt  hat  (ed.  Corder  p.  36) :  Uafinokka 
naptixsv  Evaißioq  oix  i?,&vvia  naga  x^^Q^i  olxsiaq'  xai  yag  ovxs  <f>ri- 
alv  anavra  xa&KTiaq  ovvaytjoxsvai'  ftäXXoy  ye  ßfjv  dfzoXoysi  xal  ägi&fi»v 
XQfiixova  ßlßXia  xa^eaxuxai  f/T]6aii<v<:  elq  ai^töv  iXrjXv&öra'  xal  noXXaiv 
iövpdfiTji'  fivrifAOvtvaai  ßrj  xzrjd^ivzoiv  avx(^'  xal  raüra  rffq  avxov  x*^Q^<i' 


Einleitung'.  99 

der  Folgezeit  hören  wir  nichts  von  Sammlungen  apologetischer 
Schriften;  es  hat  z.  B.  Photius  solche  nicht  gekannt,  so  dass 
für  uns  die  kleine  Collection,  welche  den  Arethas-Codex  (Paris. 
451)  bildet,  die  älteste  Zusammenstellung  der  Art  ist 2).  Wir 
vermögen  nicht  anzugeben,  ob  sie  aus  einem  sehr  viel  älteren 
Archetypus  abgeschrieben  ist.  Wäre  dies  aber  auch  der  Fall, 
so  wäre  die  Beobachtung,  dass  die  Apologien  des  2.  Jahrhun- 
derts im  Alterthum  selten  zusammengestellt  worden  sind,  doch 
nicht  widerlegt;  denn  die  Geschichte  ihrer  Ueberlieferung  be- 
stätigt dieselbe.  Diese  Geschichte  ist  für  die  verschiedenen 
Apologien  eine  sehr  verschiedene.  Für  die  Erhaltung  dieser 
alten  Urkunden  war  es  verhängnissvoll,  dass  sie  nicht  zusammen- 
gestellt worden  sind.  Wären  sie  z.  B.  frühzeitig  alle  unter  den 
Schutz  eines  anerkannten  Namens  wie  unter  den  des  Justin 
getreten,  so  wären  sie  voraussichtHch  länger  im  theologischen 


a>s  Yfievaiov  xal  NaQxiaoov  x(Sv  IsQSvaafievcop  iv  IsQocfoXvfioig.  eyw 
yovv  ipsTv/ov  ziai  xCJv  '^Yf.isvcciov.  xal  (x^v  ovxe  üavtaivov  rovg  Tiövovg 
avEYQarpev^  ovie  xov  IPcofiaiov  KkrjfAevxog  nX^v  ovo  xal  /uövwv  sTiiaToXöjv 
aXX  ovxe  nXelaxcav  ^ti^wv  6  ytcQ  'S^Qiyevijg  cvx  olöa  si  itavxcov,  ßöXig 
6h  xsaoapwv  ifiPtiöf^rj. 

2)  Allerdings  fasst  T«rtullian  (de  testim.  animae  1)  die  Verfasser 
älterer  christlicher  Apologien  zusammen,  indem  er  sagt:  „Nonnulb'  qui- 
dem,  quibus  de  pristina  litteratura  et  curiositatis  labor  et  memoriae  te- 
nor  perseveravit,  ad  eum  modum  opuscula  penes  nos  condiderunt,  com- 
memorantes  et  testificantes  in  singula  rationem  et  originem  traditionum 
et  sententiarum  argumenta,  per  quae  recognosci  possit,  nihil  nos  autem 
novum  aut  portentosum  suscepisse  etc.";  aber  es  lässt  sich  hieraus  nicht 
schliessen ,  dass  sie  ihm  in  einer  Sammlung  vorlagen.  Ebensowenig  er- 
giebt  sich  dies  a,us  der  Zusammenstellung  der  (antignostischen)  Werke 
des  Justinus,  Miltiades,  Irenäus  und  Proculus  (adv.  Valent.  5).  Doch  darf 
wohl  daran  erinnert  werden,  dass  der  ungenannte  Bekämpfer  der  Monar- 
chianer,  der  jüngere  Zeitgenosse  TertuUians  (bei  Euseb.  h.  e.  V,  28,  4  sq.), 
eine  Zusammenstellung  älterer  Apologeten  in  folgenden  Worten  vollzieht: 
Kai  a6eX<pwv  Se  xivwv  eail  yQaßfAaxa  ngeaßvxeQa  x(5v  ygoviov  xwv 
BlxxoQOQ,  a  ixslvoi  xal  ngog  xa  e&vij  vtcsq  x^g  aXrjS^eiag  xal  npog 
xag  xoxs  algsofig  syQaxpav.  Xsyco  öh  ^lovaxivov  xal  MtXi idöov  xal 
Taxiavov  xal  KXrifxevxo  g  xal  kxsQcov  TtXsiövwv,  iv  olg  anaai  ^soXo- 
ysTxai  6  Xgioxog.  Tä  yocQ  EiQrjvaiov  xs  xal  MsXixcovog  xal  xdiv  Xoinwv 
Tig  uyvofl  ßißXia,  S-sov  xal  av&Qtonov  xaxayyeXXovxa  xov  Xgiaxov.  Es 
ist  immerhin  beachtenswerth,  dass  auch  der  Cod.  Paris.  451  Schriften  von 
Justin,  Tatian  und  Clemens  zusammengestellt  enthält. 

;    '  "-'  ^  \ 


; 


j[(^()  Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aristides. 

Gebrauche  geblieben.  Die  literargeschichtliclie  Untersuchung 
muss  unter  solchen  Umständen  ihrerseits  darauf  verzichten,  die 
Geschichte  der  Ueberlieferung  jener  Schriften  einheitlich  zu 
behandeln  ^). 

§  8.    Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aristides. 

Kein  älteres  Zeugniss  für  die  Apologien  des  Quadratus  und 
Aristides  besitzen  wir  als  die  Erwähnung  derselben  bei  Euse- 
bius  in  der  Chronik  und  Kirchengeschichte.  Zwar  schreibt 
Hieronymus  an  Magnus  (ep.  70  al.  84),  dass  Justin  als  Apologet 
den  Aristides  nachgeahmt  habe.  Man  könnte  daher  versucht 
sein,  aus  der  Apologie  des  Justin  Schlüsse  auf  die  des  Aristi- 
des zu  ziehen  und  in  Justin  den  ersten  Zeugen  für  das  Werk 
jenes  zu  erblicken.  Allein  bei  dem  bekannten  schriftstelleri- 
schen Charakter  des  Hieronymus  ist  es  angezeigt,  seine  Mit- 
theilungen in  solchen  Dingen,  wenn  nicht  bestimmt  das  Gegen- 
theil  erweisbar  ist,  möglichst  leicht  zu  nehmen  und  vorauszu- 
setzen, dass  sie  nicht  auf  besonderer  Beobachtung  beruhen,  son- 
dern Ausspinnuugen  der  ürtheile  Anderer  sind.  Auch  in  diesem 
Falle  wird  es  sich  zeigen,  dass  der  angeführten  Notiz  ein  eigen- 
thümlicher  Werth  schwerlich  zukommt. 

In  der  Chronik  z.  J.  2140  Abr.  (=  124  p.  Chr.)  4)  berichtet 
Eusebius,  nachdem  er  von  dem  Aufenthalt  Hadrian's  in  Athen 
erzählt,  (nach  dem  Armenier)  also^):  „Codratus  apostolorum 
auditor  et  Aristides  nostri  dogmatis  (nostrae  rei)  philosophus 
Atheniensis  Adriano  supplicationes  dedere  apologeticas  (apolo- 
giae,  responsionis)  ob  mandatum.    Acceperat  tarnen  et  a  Seren- 


3)  Die  heute  gebräuchliche  Zusammenstellung  apologetischer  Schriften 
des  2.  Jahrhunderts  geht  auf  F.  Morellus  zurück.  Dieser  hat  zuerst  in 
einem  Bande  (ann.  1G15)  die  Werke  des  Justin,  Athenagoras,  Thcophilus, 
Tatian  und  Herniias  voreinigt. 

4)  Cod.  N  hat  die  Notiz  ad  ann.  2141  Abr.  -=  125  p.  Chr.  Dürr  (Die 
Reisen  des  Kaisers  Hadrian.  Wien  1881,  S.  42  f.  C9  f.)  hat  auf  Grund  neuen 
insclu-iftlichen  Materials,  wie  mir  scheint,  abschliessend  die  Frage  nach 
der  Zeit  des  Aui'enthalts  Hadrian's  in  Athen  beantwortet.  Danach  ist  der 
Kaiser  zuerst  von  Anfang  Herbst  125  bis  Sommer  126,  sodann  von  Früh- 
sommer 129  bis  März/April  ISO  daselbst  gewesen.  Die  Datirung  der  Apo- 
logien in  Cod.  N  und  bei  Hioron.  ist  also  richtig. 

5)  Schoene,  Euseb.,  Chroi 


;  ' 


Die  Ai)ologien  des  Quadratus  und  Aristides.  101 

nio  (s.  Serenno)  splendido  praeside  (judice)  scriptum  de  christi- 
anis,  quod  neiape  iniquum  sit  occidere  eos  solo  rumore  sine 
inquisitione,  neque  ulla  incusatione.  Scribit  Armonicus  Fun- 
dius  (Phundius)  proconsuli  Asianorum,  ut  sine  ullo  damno  et 
incusatione  non  damnarentur;  et  exemplar  edicti  illius  liucusque 
circumfertur"  ^).  Der  Gedanke  des  Easebius  ist  also  der,  dass 
Quadratus,  ein  Apostelschüler,  und  Aristides,  ein  atheniensi- 
scher  Philosoph,  persönlich  dem  Kaiser  bei  seinem  Aufenthalt 
in  Athen  Schutzschriften  für  die  Christen  übergeben  haben,  und 
dass  diese  Schriften  zusammen  mit  der  wohlwollenden  Eingabe 
des  Serenius  Granianus  ein  den"  Christen  günstiges  Edict  des 
Kaisers  bewirkten  ^■).  In  der  Kirchengeschichte  hat  Eusebius 
diesen  pragmatischen  Zusammenhang  zwischen  jenen  Apologien 
und  dem  Erlass  an  Minucius  Fundanus  fallen  gelassen.  „Weil 
einige  schlechte  Menschen",  so  berichtet  er  hier  (IV,  3),  „die 
Unsrigen  zu  belästigen  den  Versuch  gemacht  hatten",  so  über- 
gab Quadratus  (die  Bezeichnung  „Apostelschüler"  fehlt)  dem 
Kaiser  eine  Schutzschrift  ^).  Dieselbe  befand  sich  noch  zur  Zeit 
des  Eusebius,  wie  er  ausdrücklich  angiebt,  bei  sehr  vielen  „Brü- 
dern": Eusebius  hatte  sie  selbst  in  Händen  und  fand  in  ihr 
glänzende  Beweise  für  die  Einsicht  und  die  apostolische  Recht- 


6)  Bei  Syncellus  (p.  658)  lauten  die  Worte  des  Eusebius,  dem  An- 
scheine nach  wesenthch  treu  wiedergegeben  und  den  theilweise  unver- 
ständlichen Text  des  Armeniers  erklärend,  also:  Koöqcctoq  6  itQOQ  xdiv 
anooxoXoiv  äxovottjQ  AlXlw  liÖQiavw  toi  aixoxQdxoQi  köyovq  dnoXoylag 
VTiEQ  XQiaxiuvGiv  eniöioicsv  ....  Tovxip  xat  A^ioxsiörjc,  li3^7]vaLog  <pi).6- 
aotpoq,  VTi€Q  XQioxiaväiv  ascoXovS^cc  xo)  avxoxgaxoQi  TiQOoe^wvrjaev 
^AÖQLavo).  "Atisq  ös^dixevoq  ö  KaXaccQ  avv  xoTg  nagä  SeQSvlov,  ka^JtQO- 
xdxov  fjyovfxsvov,  aig  aöixov  sirj  xxsivsiv  ygd^pavxoq  XQLCxiavovg  dxQi- 
x(og  inl  firjSevl  tojv  6yxXi]fidx<ov,  ygacpet  Mivovxiw  *Povvöavw^  dv&v7idx(p 
xrjg  liaiac,  jiÖQiavog  ^irjSsva  xvelvFiv  rlvsv  eyxXijfidxcov  xal  xairiyogiag, 

7)  Ueber  den  Unwerth  dieser  Annahme  des  Eusebius,  welche  Grosius 
VIT,  13  wiederholt  hat,  s.  Overbeck,  Studien  z.  Gesch.  d.  alten  K  I 
S.  108  f.  S.  139. 

8)  Der  Titel  wird  von  Eusebius  nicht  genau  angegeben:  {Kalaagi) 
KoÖQaiog  Xoyov  ngoaipwvriaag  dvaölöioaiv,  dnoXoyiav  avvxd^ag  vnhg 
xr^g  xa&^  tj^äg  Oiaaeßeiecg.  Doch  darf  man  unter  Vergleichung  der  Stellen 
in  der  Clironik  vielleicht  annehmen,  dass  der  Titel  lautete :  Xoyog  dnoXo- 
ylag V718Q  xijg  x(Lv  Ägiaxiavaiv  ^soasßeiag.  Eusebius  sagt  übrigens  nicht, 
dass  Quadratus  aus.  Athen  gebürtig  gewesen  sei. 


IQ2  Die  Apologien  des  Quadrat.us  und  Aristides. 

* 

gläubigkeit  ihres  Verfassers.  Mitgetheilt  aber  hat  er  nur  eine 
Stelle  von  fünf  Zeilen  und  diese,  um  das  hohe  Alter  des  Qua- 
dratus  zu  belegen.  Das  Citat  bezeugt  dasselbe  wirklich 'J). 
Noch  kürzer  fasst  er  sich  über  Aristides:  einen  nioroQ  dvrjQ 
xrjq  y.ai>'  rjuag  ogfuio/^i^vog  EvoaßEiac;  nennt  er  ihn,  ohne  sein 
Werk,  welches  übrigens  damals  nach  Eusebius  ebenso  verbreitet 
war  wie  das  des  Quadratus,  speciell  zu  charakterisiren.  Aus 
dem  Umstände,  dass  Eus.  dem  Buche  kein  Citat  entnommen  hat, 
darf  man  vielleicht  schliossen,  dass  dasselbe  keine  historisch 
wichtigen  Details  enthalten  hat.  Die  Benutzung  des  Quadratus, 
Justin,  Tatian,  Hegesipp  u.  A.  bei  Euseb.  macht  es  nämlich 
deutlich,  dass  er  von  dem  Grundsatze  ausging,  aus  den  von 
ihm  angeführten  und  besprochenen  Werken  in  der  Regel  nur 
geschichtlich  interessante  Facta  mitzutheilen.  Allein  minde- 
stens ebenso  wahrscheinlich  ist,  dass  Eusebius,  als  er  seine 
Kirchengeschichte  schrieb,  das  Buch  gar  nicht  eingesehen  hat; 
denn  er  sagt  nicht,  wie  bei  der  Apologie  des  Quadratus,  dass 
er  dasselbe  selbst  in  Händen  habe.  —  Dies  ist  Alles,  was  wir 
von  Eus.  über  die  ältesten  Apologeten  erfahren;  denn  die  bei- 
den Quadratus'  saec  11,  welche  in  seiner  Kirchen geschichte 
noch  erwähnt  werden,  mit  dem  Apologeten  gleichen  Namens 
zu  identificiren,  liegt  kein  Grund  vor  '^). 


9)  Es  bezeugt  freilich  auch  die  enthusiastische  Verwilderung  der 
Ueberlieferung.  Man  beachte  übrigens,  dass  Quadratus  den  Ausdruck 
0  OiozTjQ  ii(jiwv  für  Christus  braucht. 

10)  In  dem  Auszuge,  welchen  Eusebius  (h.  e,  IV,  23,  2  sq.)  aus  dem 
Briefe  des  korinthischen  Dionysius  an  die  Athener  giebt,  wird  als  Bischof 
der  dortigen  Gemeinde  zur  Zeit  Marc  AureVs  ein  Quadratus  genannt, 
der  nach  einer  Verfolgung,  in  welcher  sein  Vorgänger  den  Tod  erlitten, 
dies  Amt  überkommen  hatte.  Weiteres  ist  über  denselben  nicht  bekannt. 
—  Einen  bedeutenden,  allgemein  anerkannten  Namen  unter  den  christ- 
lichen Propheten  ältester  Zeit  hat  ein  anderer  Quadratus  gehabt.  Der 
unbekannte  kleinasiatische  Antimontanist,  dessen  Werke  Eusebius  h.  e. 
V,  16  sq.  Vieles  entnommen  hat,  zählt  unter  den  neutest^mentUch(m  Pro- 
pheten, die  er  anerkennt  und  den  neuen  Propheten  entgegenstellt,  neben 
Agabus,  .Judas,  Silas,  den  Töchtern  des  Philippus  und  der  Ammia  aus  Phi- 
ladelphia, einen  Quadratus  auf  (V,  17,  3).  Die  Art,  in  der  er  das  thut, 
zeigt  aber,  dass  sich  auch  die  Montanisten  auf  Quadratus  berufen  haben. 
Der  Anonymus  sagt  dies  an  einer  anderen  Stelle  seines  Werkes  ganz 
deutlich  (§  4):  „Denn  wenn  nach  der  Kataphryger  Behauptung  die  Wei- 


Die  Apologien  clo«  Qiiadratus  und  Aristides.  103 

Dreimal  kommt  Hieronymus  auf  die  beiden  ältesten  Apolo- 
geten zu  sprechen.  In  der  Chronik  (ad  ann.  2142  =  125  p. 
Chr.  II  p.  167)  hat  er  lediglich  die  betreffende  Stelle  der  Chronik 
des  Eusebius  ohne  Zusätze  wiedergegeben.  Aber  in  dem  Tractat 
de  viris  inlustribus  lässt  er  bereits  sein  Conibinationstalent 
walten  (c.  19.  20).  Qnadratus,  der  Bischof  von  Athen,  und 
Quadratus  der  Apologet  sind  identisch '  ^) ;  Hadrian  gab  durch 
seinen  Aufenthalt  in  Athen  und  durch  die  Einweihung  in  die 


ber  um  Montanus  die  Prophetengabe  nach  Quadratus  und  der  Ammia  in 
Philadelphia  empfangen  haben,  so  sollen  sie  uns  diejenigen  aufwei- 
sen u.  s.  w."  Den  Quadratus,  der  zeitHch  zwischen  den  alten  Töchtern 
des  Philippus  und  den  montanistischen  Prophetinnen  steht,  konnten  also 
auch  die  katholischen  Reformer  nicht  preisgeben  und  suchten  daher  trü- 
gerisch Unterschiede  zwischen  ihm  und  den  neuen  Propheten  zu  statui- 
ren,  während  die  Anhänger  dieser  in  ihm,  gewiss  mit  mehr  Recht,  ein 
GHed  in  der  prophetischen  Supcession  erkannten,  mag  auch  diese  Theorie 
selbst  sehr  jungen  Datums  sein.  Die  Zusammenstellung  des  Quadratus 
mit  den  Töchtern  des  Philippus  und  der  Ammia  in  Philadelphia  heisst 
uns  denselben  ebenfalls  in  Asien  suchen.  Sein  Name  war  übrigens  vieb 
leicht  auch  in  Rom  bekannt;  denn  es  ist  auf  Grund  einer  Combination 
von  Euseb.  h.  e.  III,  31,  4  mit  III,  37,  1  {z(üv  öh  xaia  tovtovg  diaXtxfi' 
xpavxitiv  xal  Koögaroq  ^v,  ov  cißa  raXq  4*LXlnnov  &vyatQd<jL  TtQOtpijtiteta 
X<iQ(ouarL  koyoQ  B^Bi  SiaTtQiipsi)  nicht  unwahrscheinlich,  das«  Eusebius 
ihn  auch  in  dem  Dialog  des  Proclus  mit  Gajup  gefunden  hat.  Besteht 
nun  auch  in  Ansehung  der  Zeit  kein  Hindern iss,  den  Propheten  mit  dem 
Apologeten  zu  identificiren,  so  ist  doch  solche  Identification  um  des  S<3hwei- 
gens  des  Eusebius,  der  Verschiedenheit  des  Ortes  und  der  Häufigkeit  des 
Namens  „Quadratus"  wiUen  nicht  wahrscheinlich.  Gründe  für  die  Identi- 
ficirung  hat  auch  der  letzte  Vertheidiger  derselben,  von  Otto,  nicht  bei- 
gebracht; denn  dass  Quadratus  der  Apologet  „Apostelschüler"  heisst, 
kommt  doch  nicht  in  Betracht. 

11)  Für  Hieronymus'  leichtfertige  Art,  Urtheile  Anderer  wiederzu- 
geben, ist  die  Stelle  besonders  charakteristisch.  Ohne  ein  Wort  zu  ver- 
lieren, vollzieht  er  einfach  die  Combination  zwischen  Euseb,  h.  e.  IV,  3 
und  IV,  23,  2:  „Quadratus,  apöstolorum  discipulus,  Public,  Athenarum 
episcopo,  ob  Christi  fidem  martyrio  coronato  in  locum  ejus  subatituitur 
et  ecclessiam  grandi  terrore  dispersam  fide  et  industria  sua  congregat." 
Nun  spricht  auch  Eusebius  1.  c.  von  der  onovöi^  des  Bischofs  Quadratus 
bei  Sammlung  der  zerstreuten  Gemeinde.  Woher  aber  hat  Hieronymus 
die  Nachricht,  dass  auch  der  „Glaube"  des  Quadratus  bemerkenswerth 
gewesen?  Nun,  Eusebius  schreibt  nach  Dionysius;  „w;  öiä  xrj<;  (KoS^d- 
zov)  onovdfjq  iniawax^svTwv  xal  t^Q  niarsof^  avix^wnv^rjoif  sIKtjxo- 
T(üv/*  Daraus  hat  Hieronymus  sieinen  Satz  zusammengesetzt. 


IQ4  Die  Apologien  des  Quadratus  und  Amtides. 

Mysterien  den  Christenliassern  Gelegenheit  die  Gläubigen  zu 
bedrücken;  Quadratus'  Buch  ist  „valde  utilis";  Aristides  wird 
zum  „philosophus  eloquentissimus  et  sub  pristino  babitu  disci- 
pulus  Christi",  sein  Buch  ein  „indicium  ingenii  ejas  apud  phi- 
lo log  os".  Alles  dieses  sind  völlig  werthlose  Ausmalungen 
des  eusebianischen  Berichtes.  Dass  Hieronymus  keine  andere 
Quelle  benutzt  hat,  lehrt  die  Vergleichung  des  übrigen  Details. 
Am  leichtfertigsten  aber  hat  er  das  Citat  aus  der  Apologie  des 
Quadratus  wiedergegeben.  Er  sagt:  „(Quadratus)  ait,  pluri- 
mos  a  se  visos,  qui  sub  domino  variis  in  Judaea  oppressi 
calamitatibus  sanati  fuerant,  et  qui  a  mortuis  resurrexerant". 
Dies  ist  eine  dreiste  üebertreibung;  denn  in  dem  von  Eusebius 
mitgetheilten  Stück  steht  nur,  dass  Einige  der  von  Jesus  ge- 
heilten Personen  bis  zum  Zeitälter  des  Verfassers  am 
Leben  geblieben  seien.  In  der  ep.  ad  Magnum  endlich  heisst 
es  von  dem  „Apostelschüler  und  Pontifex  der  Kirche  von 
Athen":  „tantae  admirationi  omnibus  fuit,  ut  persecutionem 
gravissimam  illius  excellens  sedaret  ingenium",  während  das 
Buch  des  „glänzend  beredten  Philosophen  Aristides,  den  nach- 
mals Justinus  nachgeahmt  hat'\  als  „contextum  philosophorum 
sententiis"  charakterisirt  wird.  Jene  Bemerkung  enthält  wie- 
dei*um,  verglichen  mit  den  Worten  des  Eusebius,  eine  starke 
üebertreibung;  so  werden  denn  auch  die  Notizen  über  Aristides 
und  sein  Buch  als  Ausspinnungen  der  eusebianischen  Nachricht, 
dass  Aristides  „atheniensischer  Philosoph"  gewesen  sei,  zu  beur- 
theilen  sein  ^'^). 


12)  Anders  hat  hierüber  Bücheier  (Rhein.  Museum  1880,  II  S.  282) 
geurtheilt :  „Den  Verdacht,  als  ob  Hieron.  bloss  den  Eusebius  ausgespou- 
nen  habe,  dürfen  wir  einstweilen,  weil  nur  durch  ungenaue  Wiedergabe 
der  Zeugnisse  begründet  (?),  als  ungerecht  gegen  des  Kirchenvatei's  Wis- 
sen und  Wort  mit  Stillschweigen  übergehen."  Es  ist  doch  mehr  als  ein 
„unbegründeter  Verdacht",  der  sich  hier  gegen  Hieron.  richtet,  wie  eine 
Vergleichung  der  drei  Berichte  desselben  mit  denen  des  Eusebius  deut- 
lich macht.  —  Uebrigens  ist  von  Otto  im  Unrecht,  wenn  er  behauptet, 
Hieronymus  habe  auch  den  Propheten  Quadratus  mit  dem  Apologeten 
identificii-t.  Davon  findet  sich  keine  Spur.  Die  Untersuchungen  von 
Otto 's  über  die  die  beiden  ältesten  Apologeten  betreuende  Tradition 
(Vol.  IX  p.  333—348)  sind  aber  überhaupt  bei  aller  Gelehrsamkeit  völlig 
missrathen,  was  um  so  emptindlicher  ist,  als  die  Probleme  hier  wahr- 
haftig einfach  genug  liegen. 


Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aristides.  ]05 

Die  lateinisclien  Martyrologien,  welclie  den  Quadratus  zum 
26.  Mai,  den  Aristides  zum  31.  August  erwähnen,  gehen  auf 
Ilieronymüs  zurück;  aber  auch  die  spätere  byzantinische  Tra- 
dition hat  schwerlich  eine  andere  Grundlage  als  den  Eusebius. 
Was  hier  und  sonst  im  Mittelalter  Neues  gebracht  ist,  ist  dess- 
halb  durchweg  unbrauchbar.  Das  Neue  ist  folgendes:  1)  Nico- 
laus a  Lyra  sagt  in  seinem  Commentar  zur  Apokalypse  Johannis 
über  den  Engel  der  Gemeinde  zu  Philadelphia;  „Dicunt  expo- 
sitores  communiter,  quod  iste  fuit  Quadratus"  ^^).  Die  Quelle, 
auf  welche  diese  Angabe  zurückgeht,  lässt  sich  nicht  mehr 
nachweisen.  Wahrscheinlich  —  das  folgende  wird  dies  be- 
legen —  war  sie  letztlich  eine  morgenländische.  Aber  ohne 
Zweifel  liegt  ihr  nichts  anderes  zu  Grunde  als  jener  Satz  in 
der  Kirchengeschichte  des  Eusebius-Rufinus,  in  welchem  die 
Ammia  von  Philadelphia  mit  Quadratus  zusammengestellt 
ist  (s.  oben).  2)  In  spät-byzantinischen  Menäen^"^)  findet  sich 
die  Notiz,  der  „xipostcl''  Quadratus  habe  in  Magnesia  gewohnt. 
Einer  der  jüngsten  weiss  sogar  folgende  Geschichte  von  ihm 
zu  erzählen:  ^^Mvr]f,irj  toü  aylov  aiioöxö'kov  KoÖQazov  omog 
uQxalog  xal  TroXvtoTcoQ  dvr.Q  vncxQywv  (wohl  eine  Reminiscenz 
an  die  Apologie)  Iv  lAd^rJvccig  aal  Blayvr^ola  xbv  loyov  lou 
■/.VQiov  AatTj'yystXa  /mi  7ioX%ovg,  cpo)xayioyi\Ga.g  To7g  ö6y/.iaoi, 
TiQog  (fwg  %eoyviüoiag  knavrjyayev  (Reminiscenz  aus  Euseb., 
h.  e.  IV,  23).  "Od^ev  i§  l^^rjvwv  T/yg  avxov  TTOif^ivrjg  Inb  twv 
diiüKTcov  ccTieXain'STcu,  itQOTCQOv  Itd^oig  ßXrjd^elg  xat  7ivqI  Som- 
ftaod^elg  /mi  Tcovalg  allaig^  vgxeoov  Se  ltxÖ  ^Adgiavov  xov  AiXiov 
xov  oxiq)avov  xov  naQxvQiov  icnfilÜexai  (das  Martyrium  ist 
entweder  freie  Erfindung  oder  entstammt  der  Angabe  des 
Eusebius,  dass  der  Vorgänger  des  Quadratus  Märtyrer  gewor- 
den ist)^^).  Hier  sind  nun  wirklich  die  drei  Quadrati  combi- 
nirt,  und  solche  Combination  ist  ausserdem  noch   legendarisch 

13)  S.  Grabe,  Spicileg.  II  p.  121. 

14)  S.  Otto,  Vol.  IX  p.  337  sq. 

15)  Im  Menolog.  Basilii  imper.  ist  daraus  sogar  folgendes  geworden: 
^A&X7]0ig  xov  ayiov  teQOfzaQxvQog  xccl  dnoazökov  Koö^atov,  eniaxono  v 
Mayvrjoiag  .  .  .  Koöpatog,  6  &sTog  LSQOfxaQivq  aal  an6axo).og  xov  XQnnoT\ 
ijttfQyev  inl  dexlov  xal  Ovalsgiuvov  (mau  wird  nicht  irren  Lei  der 
Annahme,  dass  diese  Zeitbestimmung  aus  AiXiov  ^AÖQiavov  entstanden  ist^ 
TftJv  ßaaiksiov  sniaxonog  ttjg  Jiokswg  Mayvrjaiag. 


^Qß  Die  Apologien  des  Qnadratus  und  Aristides. 

bereichert  worden.  Die  Angabe,  Qnadratus  sei  aus  Magnesia 
gebürtig  gewesen,  welche  v.  Otto  für  geschichtlich  hält,  wird 
denselben  Werth  haben  wie  die  andere,  er  sei  ein  Philadel- 
phener.  Da  die  weissagenden  Töchter  des  Philippus  nach 
Hierapolis,  die  Aniniia  nach  Philadelphia  gehörte,  so  versetzte 
man  den  Quadratus  in  das  nicht  weit  von  beiden  Städten  ge- 
legene karische  Magnesia,  für  welche  Stadt  man  einen  irgend- 
wie bed-eutenden  Namen  nicht  besass.  3)  In  dem  unter  Beda's 
Namen  gehenden  Martyrologium  heisst  es  zum  26.  Mai:  ,,Apud 
Athenas  b.  Quadrati  episcopi  discipuli  apostolorum.  Hie  firma- 
vit,  ut  nulla  esca  a  Christianis  repudiaretur,  quae  rationalis  et 
humana  est."  Richtig  bemerkt  hierzu  schon  Grabe  ^''):  Suspi- 
cor,  consarcinatorem  istum  ea,  quae  de  Eleuthero  Episcopo 
Romano  eadem  die  in  Martyrologio  Romano  dicuntur,  impro- 
vide  ad  Quadratum  retulisse:  dictum  enim  papam  talis  dogma- 
tis  propugnatorem  facit  quoque  Anasttisius,  alios  ,ut  taceam." 
4)  Hieronymus  hatte  in  seiner  Schrift  de  vir.  inlustr.  die  An- 
gabe des  Eusebius  abgeschrieben,  dass  das  Werk  des  Aristides 
noch  existire.  Die  an  sich  unstatthafte  Herübernahme  di'eser 
Notiz  ist  für  die  mittelalterlich-lateinischen  Compilatoren  ver- 
hängnissvoll geworden.  Das  alte  römische  Martyrologium  be- 
merkt: „(Opus  Aristidis)  apud  Athenienses  inter  antiquorum 
memorias  clarissimum  tenetur/'  Aehnlich  Ado:  „Hoc  opus  apud 
Athenienses  summo  honore  colitur  et  inter  antiquorum  monu- 
menta  clarissimum  tenetur,  ut  peritiores  Graecorum  affirmant.'^ 
Daraus  hat  nun  ein  bücherkundiger  Schwindler  des  17.  Jahr- 
hunderts die  Behauptung  geschmiedet,  die  Apologie  existire 
noch  in  einem  Kloster  bei  Athen  —  eine  Angabe,  deren  Un- 
werth  erst  im  Jahre  1860  erwiesen  worden  ist^"),  nachdem  von 
Colomesius  und  Grabe  ab  bis  auf  unsere  Zeit  einige  Ge- 
lehrte Hoffnungen  auf  sie  gesetzt  hatten.  So  hat  die  gedanken- 
los abgeschriebene  Notiz  des  Hieronymus:  „apologeticum  usque 
hodie  perseverans  aplid  philologos  ingenii  Aristidis  indicium 
est"  1500  Jahre  lang  leichtgläubige  oder  leichtfertige  Theologen 
genarrt.  5)  Die  lateinischen  Martyrologien  wissen  von  Aristi- 
des zu  berichten,  dass  er  in  glänzender  Weise  vor  dem  Kaiser 


16)  L.  c.  p.  125 

17)  S.  das  Nähere  bei  v.  Otto,  1.  c.  p.  343. 


Die  Apologien  des  Qiiadratus  und   Aristides.  107 

Hadrian  gesprochen  habe  und  dass  der  Inhalt  seiner  Rede  ge- 
wesen sei,  „qnod  Christus  Jesus  solus  (verus)  esset  deus."  Die 
erstere  Angabe  anlangend,  so  ist  dieselbe  natürlich  aus  einer  fal- 
schen Auffassung  der  griechischen  Worte:  €7ii(piovt]crag  l4ÖQiavut 
entstanden,  die  letztere  soll  nach  von  Otto  auf  wirklicher 
Kunde  beruhen,  während-  doch  schon  die  Bollandisten  Zweifel 
erhoben  haben.  In  der  That  ist  über  die  ünglaubwürdigkeit 
derselben  kein  AVort  zu  verlieren.  Woher  sollte  Ado  oder  ein 
anderer  Abendländer  eine  Nachricht  geschöpft  haben,  die  sie 
nicht  einmal  bei  Hieronymus  fanden  ^^).  Dass  der  Inhalt  einer 
christlichen  Apologie  an  den  Kaiser  sich  in  die  Worte  zusam- 
menfassen lassen  müsse:  quod  Chr.  Jesus  solus  deus  est,  ver- 
stand sich  damals  zudem  von  selbst.  6)  Die  lateinischen  Mar*- 
tyrologien,  wo  sie  von  dem  Areopagiten  Dionysius  (ad  5  Nonas 
Octbr.)  und  seinem  Märtyrertode  berichten,  erzählen,  Gewährs- 
mann für  denselben  sei  Aristides,  ,,vir  fide  sapientiaque  mira- 
bilis,  in  opere  quod  de  Christiana  religione  composuit."  Otto 
hat  auch  diese  Nachricht  für  glaubwürdig  befunden,  aber  hin- 
zugefügt, dass  die  specielle  Angabe,  Dionysius  sei  unter  Hadrian 
Märtyrer  geworden,  nicht  in  der  Apologie  des  Aristides  ge- 
standen habe,  sondern  von  den  Martyrologen  hinzugefügt  sei! 
Keineswegs.  Die  Sache  verhält  sich  ungefähr  umgekehrt. 
Die  Datirung  des  Todes  des  Areopagiten  auf  die  Zeit  Hadrian's 


18)  Allerdings  besitzen  vdr  noch  aus  dem  Reformationszeitalter  eine 
Nachricht,  aus  der  man  schliessen  könnte,  dass  damals  noch  eine  Hand- 
schrift der  Apologie  des  Aristides  und  des  Werkes  des  Papiajs  existirt 
habe.  Indessen  hat  der  Schreiber  höchst  wahrscheinlich  die  ExistenE 
dieser  Werke  einfach  vorausgesetzt.  Die  Nachricht  findet  sich  in 
einem  Briefe  Witzel's  an  Beatiis  Rhenänus  (dies  Bai-tholom.  ann. 
1534);  ich  verdanke  sie  der  gütigen  Mittheilung  des  gelehrten  Pfarrers 
Kawerau.  Witzel  schreibt:  ,,Dedisti  nobis  Euaebium,  praeterea  Tertul- 
lianum.  Restat,  ut  pari  nitore  des  Jtistinum  martyrem,  Papiam  et  Igna- 
tium  graece  excusum.  Amabo,  per  Bibliothecas  oberra  [sie],  venatums 
si  quid  scripsit  Qua,dratus,  si  praeter  epistolam  alia  Polycarpus,  ei  nön^ 
nihil  praeter  Apologeticon  Aristides.  Dispice,  si  quae  supersunt 
Cornelü  e  tanta  bonorum  librorum  panolethria.  Plures  sunt  Dionysii 
scriptores,  sed  omnes  praeter  unum  Areopagiten  desyderamus,  qui  utinam 
sua  quoque  in  lingua  extaret.  ütinam  exorirentur  Stromata  Clementie, 
breviter  quicquid  est  xqöv'lov.  Tineae  pascuntur  libris,  quibus  homines 
pasci  debebamus  etc," 


jQ^  Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aiistides. 

war  das  erste  ^^).  Nun  suchte  man  einen  Zeugen  dafür  zu 
pressen.  Auf  Hieronymus  und  Rufinus  beim  Suchen  angewie- 
sen, verfiel  man  —  es  war  das  in  der  That  das  bestechendste  — 
auf  das  Werk  des  Aristides,  der  selbst  Athener  war  und  zu 
Hadrian  in  Beziehung  stand.  In  diesem  Buche  musste  etwas 
über  den  berühmten  Areopagiten  stehen,  also  stand  auch  etwas 
darin  • —  eine  Annahme,  die  lange  noch  nicht  zu  den  leicht- 
fertigsten in  ihrer  Art  gehört.  In  Wahrheit  aber  war  natür- 
lich nichts  dergleichen  in  dem  Buche  zu  lesen.  Dies  darf  man 
mit  Bestimmtheit  sagen;  denn  Eusebius  bewährt  in  seiner 
Kirchengeschichte  ein  scharfes  Auge  für  die  Erwähnung  im 
N.  T.  genannter  Personen  in  nachapostolischen  Schriftstücken. 
Hätte  er  in  Aristides'  Buch  den  Namen  des  Dionysius  von 
Athen  gelesen,  so  hätte  er  das  so  gewiss  mitgetheilt,  wie  er 
h.  e.  IV,  23  anmerkt,  dass  Dionysius  von  Korinth  den  Areo- 
pagiten erwähnt  habe.  Nimmt  man  aber  an,  das  Buch  des 
Aristides  sei  dem  Eusebius  überhaupt  nicht  bekannt  geworden 
(s.  oben),  so  spricht  doch  noch  die  Ungeschichtlichkeit  der 
Nachricht  an  sich  selber  gegen  die  Behauptung  der  Martyrio- 
logen;  denn  jener  Dionysius  kann  gar  nicht  bis  zu  den  Tagen 
Hadrian's  gelebt  haben.  Die  Otto'sche  Kritik  aber,  welche 
die  Zuverlässigkeit  der  üeberlieferung  im  Allgemeinen  festhält, 
dagegen  die  Datirung  auf  Hadrian's  Zeit  streicht,  ist  metho- 
disch unzulässig. 

Völlig  verwildert  und  bis  zur  Unkenntlichkeit  entstellt 
sind  also  die  aus  Eusebius-Hieronymus  geflossenen  Berichte 
der  Späteren.  Die  Annahme,  dass  einer  von  ihnen  die  Schrif- 
ten der  ältesten  Apologeten  selbst  gesehen  habe  oder  uns  nicht 
mehr  zugänglichen  Quellen  gefolgt  sei,  ist  gänzlich  abzuschnei- 
den. Es  giebt  überhaupt  in  Bezug  auf  die  Apologie  des  Qua- 
dratus ausser  dem  Bericht  des  Eusebius  nur  eine  Nachricht, 
die  vielleicht  beweist,  dass  dieselbe  noch  im  G.  Jahrhundert 
vorhanden  war  und  gelesen  worden  ist.  In  dem  Referate  näm- 
lich, welches  Photius'-^'^)  über  die  10  Bücher  eines  Bischofs  Euse- 

10)  Sie  erfolgte  nach  der  Regel,  dass  man  den  Märtyrei-tod  von 
Apostelschülom  nicht  gerne  auf  die  Zeit  Neio's  und  Domitian's  versetzte, 
sondern  mit  ihnen  auf  die  Zeit  Trajan's  und  Hadrian's  herunterzugehen 
pflegte. 

20)  Biblioth.  Nr.  162  p.  106  (ed.  Bekker). 


Die  Apologien  des  Quadratiis  und  Aristides.  109 

bius  von  Thessalonich  saec.  VI.  gegen  den  aphthartodoketisch 
gesinnten  Mönch  Andreas  gegeben  hat^'),  sagt  er:  llcioaTtOrjOi 
ds  (seil.  Eusehius)  T«g  duoÖH^eig  ...  £z  twv  Xuyaöcjv  rcaTigiov 
(genannt  werden  nun  Athanasius-,  die  drei  Gregore,  ßasilius, 
Chr3^sostomiis,  Cyrillus  Alex.,  Proklns),  aXla  dij  nal  Me&ndiov 
Tov  uQO/iiaQtvQog  'aal  Kodgarov'  mv  ivicov  Aal  ^rjoeig  Tiväg  ö 
^^rögeag  anoönaijä^ag  ymI  7iaoaicXaöaf.ievog  -/rA„  Da  weder 
der  Prophet  noch  der  atheniensische  Bischof  Quadratus  je  als 
Schriftsteller  genannt  werden,  da  ferner  überhaupt  ein  kirch- 
licher Schriftsteller  Quadratus  neben  dem  Verfasser  der  Apo- 
logie von  Niemandem  erwähnt  ist,  da  endlich  Photius  in  seiner 
Aufzählung  Methodius  und  Quadratus  von  der  zuerst  genannten 
Gruppe  von  Vätern  —  doch  wohl  um  ihres  höheren  Alters 
willen  —  unterscheidet,  so  ist  es  allerdings  sehr  wahrschein- 
lich, dass  der  Apologet  hier  gemeint  ist.  Aber  man  darf  dar- 
aus nicht  sofort  schliessen,  dass  Eusebius  von  Thessalonich  die 
alte  Schutzschrift  wirklich  noch  in  Händen  gehabt  hat.  Er 
kann  Excerpte  aus  ihr  bei  anderen  Schriftstellern  gefunden 
haben  —  z.  B.  bei  Methodius;  ja  er  hat  sich  vielleicht  ledig- 
lich auf  die  Stelle  bezogen,  die  Eusebius  von  Casarea  in  seiner 
Kirchen geschichte  ausgeschrieben  hat;  denn  mit  einiger  Nach- 
hülfe kann  man  selbst  dieser  Stelle  einen  Beweis  wider  den 
Aphthartodoketismus  entnehmen,  wenn  es  auch  wahrscheinlicher 
ist,  dass  sich  der  thessalonicensische  Bischof  auf  Ausführungen 
berufen  hat,  wo  Quadratus  Christus  von  dämonischen  Spuk- 
gestalten unterschieden  hat  —  Ausführungen,  die,  nach  dem 
Fragment  in  der  eusebianischen  Kirchen  geschichte  zu  urtheilen, 
sehr  wohl  in  der  Apologie  des  Quadratus  gestanden  haben 
können.  — 

Zu  allgemeiner  Ueberraschung  ist  in  neuester  Zeit  von  den 
Mechitaristen  ein  Fragment  aus  der  bisher  völlig  unbekann- 
ten^'^) Apologie    des  Aristides   veröffentlicht    worden,    welches 


21)  Das  Werk  des  Eusebius  selbst  existirt  nicht  mehr;  s.  Patrol.  Gr. 
CHI  p.  451.  Fabricius-Harles,  BibHotli.  Gr,  VII  p.  417.  Sinclair  im  Dictio- 
nary  of  Christ.  Biography  Vol    II  p.  373  sq. 

22)  Es  ist  schon  zuviel  behauptet,  wenn  Bücheier  a.  a.  0.  sagt,  aus 
der  Stellung,  welche  dem  Aristides  und  seinem  Buche  überall  zugewie- 
sen wird  —  erst  Quadratus  Atheniensis  pontifex  ecclesiae,  v.w  zweit  Ari- 


j[j()  Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aiistides. 

bereits  eine  beträchtliche  Literatur  hervorgerufen  hat^^).  Das 
Fragment  ist  in  armenischer  Uebersetzung  in  einem  Codex  vom 
Jahre  981  enthalten  —  die  üebersetzung  selbst  soll  nach  den 
Mechitaristen  nnd  von  Himpel  dem  5.  Jahrh.  angehören  — 
und  trägt  die  Aufschrift:  „Imp.  Caesari  Hadriano  Aristides  phi- 
losophus  Atheniensis."  Nach  v.  Himpel  ist  das  Stück  aus 
dem  Griechischen  übersetzt.  Aeussere  Gründe  lassen  sich  gegen 
die  Echtheit  desselben  nicht  geltend  machen,  da  ja  nach  Euse- 
bius  die  Apologie  des  Aristides  im  4.  Jahrhundert  in  Vieler 
Händen  war,  sie  also  auch  noch  im  5.  nach  Armenien  gelangt 
sein  kann.  Innere  Gründe  aber  7.eigen,  dass  der  armenische 
Text,  wie  er  verötfentlicht  vorliegt,  allerdings  mindestens  inter- 
polirt  worden  ist  2 ^).     Allein  schon  die  Worte:  „Er  war  es,  der 


Btides  philosophus  eloquentissimus  —  merke  man,  dass  er  mehr  für  die 
Philosophie  als  für  das  Glaubensbekenntriiss  geleistet  habe.  Die  Stellung 
des  Aristides  nach  Quadratus  geht  überall  auf  Eusebius  zurück.  Dass 
aber  Eusebius  nichts  aus  seinem  Buche  mitgetheilt  hat,  erklärt  sich,  wie 
Bücheier  (S.  279)  für  sicher  hält,  daraus,  dass  es  ihm  nicht  zur  Hand  war. 

23)  S.  Aristidis,  philosophi  Atheniensis,  Sermones  duo.  Venetüs  1878, 
Libraria  PP.  Mechitaristarum  S.  Lazari.  S.  dazu:  Gautier,  Un  fragment 
de  Tapologie  d'Aristide  (Rev.  de  theol.  et  de  philos.  1879  Jan.  p.  78 — 82). 
V.  Himpel  in  der  Tüb.  Theol.  Quartalschr.  1879  H  S.  289  f.  1880  I  S.  109— 
127.  A.  Harnack  in  der  Theol.  Lit.-Ztg.  1879  Nr.  16  Col.  375  f  Masse - 
bieau,  De  Tauthenticite  du  fragment  d'Aristide  (Rev.  de  thäol.  et  de 
philos.  1879  Mai  p.  217—233).  Sasse  in  der  Ztschr.  f.  kathol.  Theol.  1879 
III  S.  612—618.  Em  in.  Ein  Fragm.  a.  d.  Apol.  d.  Aristides  (Rechtgläu- 
bige Revue  1879  üctob.  S.  347 — 352).  ßaunard,  Dicouverte  d'un  fragm. 
d'apologie  de  S.  Aristides  (Extr.  de  la  Rev.  des  scieuces  eccles.,  Arras 
1880).  Bücheier,  Ai-istides  und  Justin  die  Apologeten  (Rhein.  Museum 
1880  II  S.  279—286).  Renan  im  6.  Bd.  der  Geschichte  des  Urehristen- 
thums.  Doulceti  L'apol.  d'Aristide  et  l'epitre  ä  Diognete  (Rev.  des  quest. 
bist  1880  Oct.  p.  601  •  6}3).  Ueberweg-Heinze,  Grundriss  d.  Geschichte 
der  Philosophie  II  Th.  6.  Aufl.  S.  41. 

24)  Eine  lateinische  Üebersetzung  haben  die  ersten  Herausgeber  ge- 
liefert, eine  französische  steht  in  der  Rev.  de  theol.  et  de  philos.  1879 
Jan.  Sehr  genau  ist  die  revidirte,  deutsche  Üebersetzung  vonHimpeTs 
in  der  Tüb.  Theol   Quartalschr.  ISSü  I.    Sie  lautet: 

An  den  Imperator  Adrianus  Cäsar:  Von  dem  Philosophen  Aristides 
aus  Athen. 

Ich,  o  Fürst,  bin,  durch  Gottes  Vorsehung  geschaffen,  in  diese  Welt 
eingetreten;  und  nachdem  ich  den  Himmöl  und  die  Erde  und  das  Meer, 
die  Sonne  und  den  Mond,  die  Gestirne  und  alle  Geschöpfe  geschaut  hatte, 


Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aristides.  |tl 

dem  Fleische  nach  aus  dem  Geschlecht  der  Hebräer,  aus  der 
Gottesgebärerin,  der  Jungfrau  Mariam  geboren  worden"  —  be- 

übei'kam  mich  Bewunderung  und  Staunen  über  den  Bau  dieser  Welt. 
Ich  erkannte  sodann  klar,  dass  dicFe  Welt  und. alles,  was  in  ihr  ist,  durch 
Nothwendigkeit  und  unwiderstehliche  Kraft  geführt  und  bewegt  wird, 
und  ein  Führer  und  Ordner  vor  allem,  Gott,  ist;  denn  der  Föhrende  ist 
mächtiger  als  das,  was  geführt  und  bewegt  wird. 

Ihn  aber,  welcher  (für  alles)  Sorge  trägt  und  alles  führet,  zu  erfor- 
schen, scheint  mir  unerreichbar  und  über  die  Massen  schwierig  zu  sein; 
und  über  ihn  sich  genaue  Kunde  zu  verschaffen,  ist  unerreichbar  und  un- 
aussprechlich, und  bringt  keinen  Nutzen,  denn  unendlich  und  unergründ- 
Uch  und  unerreichbar  für  alle  Geschöpfe  ist  seine  Wesenheit.  Das  allein 
brauchte  man  jedoch  zu  wissen,  dass  er,  der  alle  diese  Geschöpfe  durch 
seine  Vorsehung  leitet,  Herr  und  Gott  und  Schöpfer  von  allem  ist,  wel- 
cher alle  sichtbaren  Dinge  in  seiner  Güte  geschaffen  und  dem  Menschen- 
geschlecht geschenkt  hat.  Darum  ziemt  sich,  ihm  als  dem  einzigen  Gott 
zu  dienen  und  ihn  zu  verherrlichen  und  sich  unter  einander  zu  lieben 
wie  sich  selbst.  Weiter  braucht  man  so  viel  allein  in  Bezug  auf  Gott  zu 
wissen,  dass  er  von  Niemandem  geschaffen  ist  und  auch  selbst  sich  selbst 
nicht  geschaffen  hat,  und  dass  er  von  Niemandem  (vel:  von  keinem  Dinge) 
umfasst  wird,  sondern  selbst  alles  umfasst. 

In  sich  selbst  seiende  Wesenheit  und  unsterbhche  Weisheit,  ist  er 
anfangslos  und  endlos,  unvergänglich  und  unsterblich;  vollkommen  ist  er 
und  bedürfnisslos  und  erfüllt  aller  Bedürfen.  Er  selbst  bedarf  nichts  von 
irgend  Jemandem,  sondern  giebt  allen  Bedürftigen  und  erfüllt  (sie). 

Er  ist  ohne  Anfang,  denn  von  allem,  wovon  ein  Anfang  ist,  giebt  es 
auch  ein  Ende.  Er  ist  ohne  Namen,  denn  Jegliches,  was  einen  Namen 
trägt,  ist  von  einem  anderen  gebildet  und  gemacht.  Farben  und  Formen 
hat  er  nicht,  denn  an  welchem  solches  sich  findet,  der  lallt  unter  Mass 
und  Umgrenzung.  Mannheit  und  Weibheit  ist  nicht  an  dieser  Natur, 
denn  an  welchem  solche  ist,  der  steht  unter  der  Herrschaft  der  Leiden- 
schaften. Unter  dem  Himmer  ist  er  nicht  umspannt,  denn  er  ist  jenseits 
des  Himmelß;  und  nicht  ist  der  Himmel  grösser  als  er,  weil  der  Himmel 
und  alles  Geschaffene  von  ihm  umschlossen  wird,  Gegner  und  Wider- 
sacher ist  ihm  keiner;  wenn  Jemand  als  Gegner  erfanden  wird,  so  ist  er- 
sichtlich, dass  er  seinesgleichen  ist.  Unbeweglich  ist  er,  unermesslich  und 
unaussprechlich ;  denn  es  giebt  keinen  Oi-t,  von  wo  oder  wohin  er  bewegt 
werden  könnte.  Auch  wird  er  nicht  als  messbar  von  irgend  einer  Seite 
umgrenzt  und  umschlossen,  denn  er  ist  es,  welcher  alles  erfüllt  und  alles 
Sichtbare  und  Unsichtbare  überragt.  Zorn  und  Erbitterung  ist  nicht  in 
ihm,  denn  in  ihm  entsteht  keine  Verblendung,  sondern  er  ist  durchaus 
und  ganz  und  gar  vernünftig.  Desshalb  hat  er  durch  vielfaltige  Wunder 
und  jegliche  Güte  alle  Geschöpfe  gegründet.  In  keiner  Weise  sind  ihm 
Opfer,  Geschenke   und  Darbvingungen,  und  gar  nichts  von  dem,  was  an 


112  Die  Apologien  des  Quadratus  nnd  Aristides. 

weisen  dies.  Indessen  ist  andererseits  das  Fragment  durch 
Züge  hohen  Altorthums   ausgezeichnet,    so   dass  die  Annahme 

den  sic]itl)aren  Geschöpfen  ist,  vonnöthen.  Penn  alle  Bedürfnisse  erfüllet 
und  befriediget  er,  und  ohne  ir;:?end  Mangel  zu  empfinden,  ist  er  in  Herr- 
lichkeit alle  Zeit. 

Von  Gott  selbst  wurde  mir  verliehen,  weise  über  ihn  zu  reden.  So 
gut  ich  vermochte,  habe  ich  gesprochen,  ohne  dass  ich  jedoch  die  volle 
Unerforschlichkeit  «einer  Grösse  en-eichen  könnte. 

Gehen  wir  nunmehr  zu  den  Geschlechtern  der  Menschen  über  und 
sehen,  welche  sich  zu  den  genannten  Wahrheiten  bekannt  haben,  und 
welche  sich  in  der  Irre  befinden.  Es  ist  uns  kund,  o  Fürst,  dass  es  vier 
Stämme  der  Menschengeschlechter  giobt:  einige  sind  Barbaren  und  einige. 
Griechen,  und  andere  Juden  und  es  giebt  (solche)  welche  Christen  sind. 
Die  Heiden  und  Barbaren  nun  leiten  ihr  Geschlecht  von  Beel  ab,  und 
von  Chronos,  Eerra  und  von  ihren  vielen  anderen  Göttern.  Die  Griechen 
aber  nennen  Zeus  (ihren  Urahn),  welcher  Dios  ist;  und  leiten  ihr  Geschlecht 
von  Helenes  und  Xuthos  und  nacheinander  von  Ellas,  Jnachos  und  Phoro- 
neus  und  zuletzt  auch  von  Danaos  dem  Aegypter  und  von  Kadmos  dem 
Sidonier  und  Dionysos  dem  Thebäer.  Die  Juden  sodann  leiten  ihr  Ge- 
schlecht von  Abraham  ab,  und  Abrahams  Sohn  nennen  sie  den  Isaak,  und 
als  Isaaks  den  Jakob,  und  als  Jakobs  die  Zwölfe,  welche  aus  Syrien  nach 
Aegypten  auswanderten  und  von  ihrem  Gesetzgeber  Geschlechter  der  He- 
bräer gejiannt  wurden;  und  in  das  Land  der  Yerheissung  gekommen, 
nannte  man  sie  Geschlechter  der  Juden.  Die  Christen  aber  leiten  ihr 
Geschlecht  von  dem  Herrn  Jesus  Christus. 

Derselbe  ist  der  Sohn  des  hocherhabenen  Gottes,  welcher  (der  Sohn) 
durch  den  heil.  Geist  geofFenbart  worden  ist.  Er  ist  vom  Himmel  her- 
niedergestiegen und  von  einer  hebräischen  Jungfrau  geboren  worden. 
Sein  Fleisch  hat  er  angenommen  von  .der  Jungfrau  und  geolfenbart  hat 
er  sich  in  der  menschlichen  Natur  als  der  Sohn  Gottes.  Er  hat  in  seiner 
Güte,  welche  die  frohe  Botschaft  brachte,  die  ganze  Welt  durch  seine 
lebenschaffende  Predigt  gewonnen.  Er  war  es,  der  dem  Fleische  nach 
aus  dem  Geschlecht  der  Hebräer,  aus  der  Gottesgebärerin ,  der  Jungfrau 
Mariam,  geboren  worden.  Er  wählte  die  12  Apostel  aus  und  lehrte  die 
ganze  Welt  durch  seine  hedsmittlerische,  lichtspendende  Wahrheit.  Und 
gekreuzigt  wurde  er  mit  Nägeln  durchbohrt  von  den  Juden;  und  aufer- 
standen von  den  Todten  fuhr  er  zum  Himmel  auf.  Er  sandte  die  Apostel 
in  die  ganze  Welt  und  unterrichtete  alle  durch  göttliche  und  hoher  Weis- 
heit volle  Wunder.  Ihre  Predigt  treibt  Blüthen  und  Früchte  bis  heute 
und  ruft  die  ganze  Welt  zur  Erleuchtung  auf. 

Dieses  sind  die  vier  Geschlechter,  welche  wir  Dir  vor  Augen  gestellt 
haben,  o  Fürst:  die  Barbaren  ,  die  Griechen,  die  Judeii  und  die  Christen 

Dem  Göttlichen  eignet  das  Geistige,  den  Engeln  das  Feurige,  den 

Dämonen  das  Wässrige  und  dem  Menschengeschlecht  die  Erde. 


Die  Apologien  des  Quadratus  und  Aristides.  \\^ 

einer  echten  Grundlage  desselben  schwerlich  bestritten  werden 
knnn.  Die  erste  Hälfte  giebt  zu  Bedenken  keinen  Anlass.  In 
der  zweiten  ist  die  Viertheilung  der  Menschheit  allerdings  ver- 
dächtig, wenn  auch  noch  kein  sicherer  Beweis  der  ünechtheit, 
wie  ßücheler  und  Renan  meinen.  Eine  Dreitheilung  fi'idet 
sicli  auch  bei  Tertullian,  Scorp.  10.,  ad  nation.  I,  8.  20  —  doch 
als  heidnische  Bezeichnung:  „plane  genus  tertium  dicimur"  — 
aber  in  der  Praedic.  Petri  als  christliche  Selbstbezeichnung: 
lä  yuQ  "EkXrivwv  /.al  ^lovöalojv  Tzalaia^  vfislg  di  oi  ^aiviog 
(xvxov  TQiTfi)  y€V£i  ösßofisvoi  XQLOTiavol  (Clem.  Alex.  Strom. 
VI,  5,  41).  Meiito  erlaubt  sich  in  seiner  Apologie  (Euseb.  h.  e. 
IV,  26,  5)  die  Christen  einfach  to  tlov  ^eooeßvjv  ysvog  zu 
nennen.  Clemens  Alex,  ist  die  Dreitheilung  geläufig.  Neben 
der  Unterscheidung:  „Griechen,  Juden,  Christen"  ist  aber  die 
andere  „Barbaren,  Griechen,  Juden,  Christen*'  zwar  seltsam,  aber 
im  3.  Jahrh.  nicht  weniger  seltsam  als  im  zweiten.  Schliess- 
lich sei  darauf  hingewiesen,  dass  es  im  Briefe  Hadrians  an  sei- 
nen Schwager  Servian  (Vopisc.  Saturnin.  8)  heisst:  „hunc  (seil, 
nummum)  Christiani,  hunc  Judaei,  hunc  omnes  venerantur 
et  gentes."  Die  Echtheit  des  Briefes  ist  allerdings  beanstandet 
worden,  oder  man  hat  diese  V^orte  für  eine  Interpolation  in 
dem  Avesentlich  echten  Briefe  erklärt  (s.  Dürr,  die  Reisen  des 
Kaisers  Hadrian  1881,  S.  88  f.):  indessen  ist  die  Authentie  doch 
sehr  wahrscheinlich.  Auf  eine  Wortparallele  zwischen  Aristi- 
des und  Justin  (II,  6)  hat  Buche  1er  aufmerksam  gemacht. 
Justiii:  övofia  t(^)  TtaiTwv  jkxiql  ^eibv  ovx  tOTiv,  og  yceg  av 
y,al  ovoßaii  7rQOoayoQ6vt]T(xi,  jcQeoßvTeQOv  l/et  xbv  ^f.^svov  t6 
ovoua.  Arist.:  „ipse  sine  nomine  est,  quod  quicunque  nomine 
appellatur,  creatus  est  factusque  ab  aiio."  Das  zweite  Stück, 
welches  die  Armenier  mit  jenem  Fragmente  aus  einem  Codex 
saec.  XII.  veröffentKcht  haben  und  welches  die  Ueberschrift 
trägt:  „Von  Aristäus,  dem  athenischen  Philosophen,  zum  Rufe 
des  Räubers  und  zur  Antwort  des  Gekreuzigten"  (Lc.  23, 
42  f.),  hat  jedenfalls  mit  dem  Apologeten  Aristides  nichts 
zu  thun.  Die  Mechitaristen "  haben  es  ihm  beigelegt;  aber 
nur  darum  kann  es  sich  liaudeln,  ob  das  Fragment  in  der  ar- 
menischen Tradition  wirklich  dem  Aristides  zugeschrieben  wor- 
den ist  —  „Aristäus"  mithin  nur  ein  Schreibfehler  ist  — ,  oder 
ob  diese  Tradition  an  den  Apologeten  überhaupt  nicht  gedacht 

Texte  und  Untersuchungen.  8 


JI4  I^iö  Apologien  des  Quadratus  und  Aristides. 

hat 25).  Das  letztere  ist  nun  nicht  eben  sehr  wahrscheinlich  um. 
des  Zusatzes  „athenischer  Philosoph"  willen;  indessen  ist  auch 
dann  noch  die  Möglichkeit  offen  zu  lassen,  dass  erst  ein  halbge- 
lehrter Abschreiber  den  unbekannten  Aristäus'^^)  mit  dem  Apolo- 
geten identificirt  hat.  Schwierig  ist  es  freilich  die  Herkunft  und 
Abfassungszeit  des  Stückes  auch  nur  annähernd  zu  bestimmen. 
Auf  den  ersten  Blick  könnte  man  mit  v.  Himpel  geneigt  sein, 
die  Homilie  —  denn  eine  solche,  und  zwar  abgeschlossen,  liegt 
hier  vor  —  hoch  hinauf  zu  datiren,  da  der  Verf.  Doketen  und 
solche  bekämpft,  die  die  Gottheit  Christi  leugnen.  Aliein  es 
ist  bekannt,  dass  die  orthodoxen  und  monophysitischen  Tlieo- 
logen  vom  5.  Jahrh.  ab  die  Nestorianer  in  ihrer  Polemik  auf 
eine  Stufe  mit  den  „Ebioniten"  gestellt  haben,  und  dass  die 
Widerlegung  des  Doketisraus  fortgedauert  hat.  Gegen  Nesto- 
rianer  scheint  sich  bei  näherer  Betrachtung  die  ganze  Homilie, 
wenn  nicht  Alles  täuscht,  zu  richten,  und  mitten  in  die  katho- 
lische Zeit  versetzt  uns  auch  die  Angabe  am  Schluss  der  Ho- 
milie, dass  die  Geschichte  der  beiden  Schacher  „immerfort  in 
den  priesterlichen  Büchern  vorgetragen  und  gelesen  wird." 
Es  erscheint  mir  also  nicht  unwahrsclieinlich,  dass  die  Homilie 
nicht  früher  als  im  5.  Jahrh.  niedergeschrieben  worden  ist,  und 
zwar  nicht  unter  dem  Namen  des  Aristides;  denn  nur  Gedanken- 
losigkeit, nicht  irgendwelche  Absicht  (die  gar  nicht  nachweis- 
bar), konnte  ihm  die  Rede  zuschreiben  2'). 


25)  Richtig  von  Himpel  (a.  a.  0.  S.  116):  „Ob  Aristea  durch  Ver- 
sehen eines  Abschreibers  aus  Aristidea  verkürzt  und  der  Zusatz:  atheni- 
scher Philosoph  ursprünglich,  oder  ob  derselbe  wegen  der  Naiuensilhn- 
lichkeit  des  sonst  nicht  bekannten  Aristäus  mit  Aristides  später  beige- 
fügt worden  ist,  oder  ob  es  einen  zum  Christenthum  bekehrten  athenisclien 
Philosophen  Aristäus  wirklich  gegeben  hat,  wird  schwer  zu  entschei- 
den sein". 

26)  Kein  christlicher  Schriftsteller  dieses  Namens  saec.  Tl.— VIII.  ist 
bekannt. 

27)  Ein  neckischer  Zufall  ist  es,  dass  in  der  Rede  Jesus  zweimal  „der 
wahre  Gott"  genannt  wird,  da  ja  auch  die  lateinischen  Martyrologien 
(fl  oben)  als  Inhalt  der  Apologie  des  Aristides  angeben,  ..quod  Christus 
Jesus  solus  (verus)  deus  est"! 


Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  115 

§  0.    Das  dem  Aristo   von  Pella  beigelegte   Werk: 
Jason's   und   Papiskus'    Disputation    über   Christus '^*'). 

Höchst  cigenthümlich  ist  die  Ueberlieferung  über  das  vor- 
stehende alte,  uns  nicht  mehr  aufbewahrte  Schriftstück  dess- 
halb,  weil  mit  einer  einzigen  Ausnahme  in  der  Tradition  der 
Name  des  Aristo  von  Pella  ohne  dieses  Werk  (so  bei  Eusebius), 
dieses  Werk  ohne  den  Namen  seines  Verfassers  (so  öfters)  er- 
wähnt wird.  Die  Autorschaft  des  Aristo  ist  also  nicht  ohne  wei- 
teres gesichert.    Beginnen  wir  mit  der  Tradition  über  das  Buch: 

In  seinem  „Wahrheitsgemässen  Nachweise"  handelt  Cel- 
sus  —  er  ist  der  älteste  Zeuge  des  vorstehenden  Dialogs  — 
(bei  Orig.  c.  Geis.  IV,  51  sq.)  von  der  Thorheit  der  allegori- 
schen Deutungen  des  A.  T.  In  diesem  Zusammenhange  sagt 
er  c.  52:  „Von  solcher  Art  ist  die  zwischen  einem  gewissen 
Papiskus  und  Jason  geführte  Streitrede,  die  ich  gelesen  habe 
r-  nicht  des  Lachens,  sondern  vielmehr  des  Mitleids  und  des 
Hasses  würdig."  Das  gleich  folgende  bezieht  sich  nicht  mehr 
auf  diesen  Dialog  allein,  sondern  auf  die  ganze  Gruppe  ähn- 
licher Schriften:  „Es^ist  indess  nicht  meine  Absicht,  dergleichen 
zu  widerlegen ;  liegt's  doch  für  Jedermann  offen  am  Tage, 
namentlich  wenn  man  sich  die  Geduld  abgewinnt,  die  Schriften 
selbst  genau  zu  lesen."  Ori genes  kommt  die  Erwähnung  des 
genannten  Dialogs  nicht  ganz  bequem.  Er  leitet  sie  desshalb 
in  seiner  Gegenschrift  also  ein:  „Aus  allen  Schriften,  welche 
allegorische  Auslegungen  und  Erklärungen  enthalten  und  dabei 
nach  Inhalt  und  Form  ach  tun  gswerth  sind,  hat  Celsus  eine 
ziemlich  unbedeutende  ausgewählt,  welche  zwar  bei  dem  grossen 
Haufen  und  den  Einfältigeren  etwas  zur  Stärkung  des  Glau- 
bens beitragen,  dagegen  aber  auf  die  Gebildeteren  keinen  Ein- 
druck machen  kann  "  Nun  folgen  die  oben  mitgetheilten  Worte 
des  Celsus.  Origenes  fährt  fort:.  „Trotzdem  möchte  ich  wün- 
schen, dass  Alle,  w^elche  die  dreiste  Behauptung  des  Celsus 
hören,  die  Schrift  mit  dem  Titel  „Jason's  und  Papiskus' Streit- 
rede über  Christus"  2")  sei  nicht  des  Lachens  sondern  des  Hasses 

28)  S.  Grabe,  Spicileg.  II  p.  127—133.  Routh,- Rehq.  Sacr.  I(ed.  2) 
p.  93-109.  Otto,  1.  c.  IX  p.  349— -303.  Mansel  i.  d.  Dictionary  of  Christ. 
Biography  I  p  IGO.  161.  Donaldson,  Hist  of  Christ.  Literature  II  p  56—61. 

29)  ^Idaovog  xal  Uaniaxov  dvtiXoyla  negl  XQiatov. 

8* 


\IQ  Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus. 

würdig,  das  Scliriftchen  zur  Haud  nähmen  und  sich  die  Geduld 
abgewonnen,  dasselbe  genau  zu  lesen.  Sie  würden  in  dem 
Buche  nichts  Hassenswerthes  finden  und  könnten  somit  den 
Celsus  aus  der  Quelle  selbst  widerlegen.  Ein  unbefangener 
Leser  aber  wird  auch  nicht  einmal  etwas  Lächerliches  in  dem 
Buche  finden,  in  welchem  aufgezeichnet  ist,  wie  ein  Christ  auf 
Grund  der  jüdischen  Schriften  mit  efhem  Juden  disputirt  und 
den  Nachweis  liefert,  dass  die  von  dem  Christus  handelnden 
Prophezeiungen  auf  Jesus  passen,  während  sein  Gegner  in 
wackerer  und  nicht  unebener  Weise  die  Rolle  des  Juden  im 
Streite  führt."  Diesem  Doppelzeugniss  des  Celsus  und  Orige- 
nes  lässt  sich  entnehmen,  dass  der  Dialog  am  Ende  des  2.  und 
im  Anfang  des  3.  Jahrhunderts  eine  gewisse  Verbreitung,  also 
wohl  auch  ein  ge\\dsses  Ansehen  genoss,  freilich  aber  in  den 
Augen  der  alexandrinischen  Theologen  nicht  besonders  viel 
galt,  obgleich  er  die  herrschende  allegorische  Methode  der  Er- 
klärung des  A.  T.  befolgte.  Celsus,  der  der  christlichen  Pole- 
mik gegen  das  Judenthum  eine  besondere  Aufmerksamkeit 
schenken  musste,  hat  in  dem  Schriftchen  {ovvyQafif^atiov  nennt 
es  Origenes)  die  vulgäre  Art  erkannt,  in  welcher  sich  die  Christen 
mit  dem  A.  T.  auseinanderzusetzen  pflegten.  Auch  nach  Origenes 
hat  es  den  Beweis  der  Identität  des  verheissenen  Christus  mit 
Jesus  zu  seinem  Inhalte.  Wenn  Origenes  nun  doch  mit  demselben 
nicht  vollständig  einverstanden  ist  und  meint,  es  könne  nur  auf 
die  Menge  Eindruck  machen,  so  darf  man  wohl  annehmen,  dass 
ihm  das  Büchlein  noch  zu  realistisch  und  chiliastisch,  überhaupt 
zu  alterthümlich,  gewesen  ist.  Den  Verf  hat  weder  Celsus  noch 
Origenes  genannt.  Da  der  letztere  den  Titel  sonst  genau  angiebt, 
so  ist  es  wahrscheinlich,  djass  sich  der  Verfassername  in  der  Ueber- 
s<ihrift  nicht  fand.  Auch  wird  es  aus  der  Angabe  des  Origenes 
nicht  vollständig  klar,  ob  der  Dialog  als  ein  fingirter  zu  be- 
trachten ist^^);  doch  ist  dies  allerdings  das  wahrscheinlichere^^). 


30)  Aus  der  alteren  Zeit  sinvl  uns  vier  cliristlichc  ^t^l^i^ten  in  der 
Kunstform  des  Dialogs  bekannt,  von  denen  aber  nur  zwei  erhalten  sind: 
der  Dialog  Justin's  mit  Trypho  —  der  Dialog  des  Gajns  mit  Proclus  — 
des  Oetavius  mit  Cäcilius  —  des  Jason  mit  Papiskus.  Diuu  ist  vielleic^it 
noch  der  Dialog  des  Rliodon  mit  Apelles  zu  nennen.  Aus  spaterer  Zoit 
stammt  der  Dialog  de.s  Arclielaus  mit  Mani, 

31)  S.  Donaldson,  a    a.  0.      Lightt'oot  im  .Journal  of  Philology 


Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  117 

Den  Verf.  des  Dialogs  hat  tilleni  Anschein  nach  auch  Hie- 
ronymus  nicht  gekannt,  und  desshalb  wird  die  Schrift  in  dem 
Buche  de  vir.  inlustr.  von  ihm  nicht  erwähnt.  Aber  er  hat  sie 
in  Händen  gehabt;  denn  an  zwei  Stellen  in  seinen  Werken 
macht  er  aus  ihr  Mittheilungen.  „Memini  me",  sagt  er  im  Com- 
mentar  zum  Galaterbrief  3^  13  (Opp.  ed.  Vallars,  VII  col.  430), 
,,in  Altercatione  ^^)  Jasonis  et  Papisci^*^),  quae  graeco  sermone 
conscripta  est,  ita  reperisse:  yLoidoQia  d^eov  n  y^gef^ia^evogy  id 
est:  Maledictio  dei  qui  appensus  est."  Und  in  den  Quaest.  hebr. 
in  libro  Genes.  (P.  de  Lagarde  recogn.  1868)  p.  3  bemerkt  er 
zu  den  Worten:  „In  principio  fecit  deus  caelum  et  ter- 
ram"  —  „Plerique  aestimant,  sicut  in  Altercatione  quoque 
Jasonis  et  Papisci  scriptum  est,  et  Tertullianus  in  libro  contra 
Praxeam  disputat,  nee  non  Hilarius  in  expositione  cujusdam 
psalmi  aflirmat,  in  hebraeo  haberi:  In  filio  fecit  deus  cae- 
lum et  terram.  Quod  falsum  esse  rei  ipsius  veritas  compro- 
bat."  Hieronymus  scheint  also  noch  keine  lateinische  üeber- 
setzung  des  Dialoges  zu  kennen.  Er  hält  ihn  für  älter  als  die 
Schriften  Tertullian's,  wenn  anders  die  in  der  zweiten  Stelle 
gegebene  Aufzählung  für  eine  chronologische  gelten  darf.  End- 
lich: er  setzt  nicht  voraus,  dass  die  Altercatio  allgemein  be- 
kannt ist;  sonst  würde  er  nicht  die  Worte:  „quae  graeco  ser- 
mone conscripta  est"  hinzugefügt  haben.  Was  nun  das  erste 
Citat  betrifft,  so  hat  wohl  der  Jude  im  Dialog  die  Stelle  Deuter. 
21,  23  dem  Christen  entgegengehalten^^).  Dem  Hieronymus 
ist  der  Wortlaut  wichtig;  derselbe  giebt  uns  über  das  Alter 
der  Altercatio  Aufschluss.  „yloiöoQta  i>eov  o  xgeiiccfievog^^:  ge- 
nau so  hat  nach  Hieronymus  Aquila  übersetzt.  Die  LXX  hat: 
xexatrjga/iivog  vnb  S^eov  nag  xgejuaf-ievog  ini  ^vlov^  und  ähn- 
lich Justin,  1.  c.  Der  Verf  der  Altercatio  hat  —  dieser  Schluss 
wird  gestattet  sein  —  die  Uebersetzung  des  Aquila  bereits  be- 


1868  p.  103.  Die  Worte  des  Origenes,  1.  c.  c.  52:  dvaysyQcxTtTai  Xgiaiicc- 
vog  lovSaltp  öiaXtyofievpg  —  olö^  drcQSTKSi;  tio  *Iov6aiX(f>  ngoamno)  sind 
zu  beachten. 

32)  'AvttXoyia  bei  Celsus  und  Origenes. 

33)  Diese  Reihenfolge  hat  auch  Origenes,  und  sie  ist  somit  <als  die 
ursprüngliche  zu  erachten.  Celsus  hat  die  Namen  umgestellt  —  ob  ab- 
sichthch,  steht  dahin. 

34)  S.  die  Sachparallele  bei  Justin,  Dial.  c.  Tiyph.  89.  96. 


j[lg  Jason'.s  und  Papiskus'  Disx^utation  über  Christus. 

nutzt.  Also  wird  er  schwerlich  viel  früher  als  Justin  geschrie- 
ben haben.  Da  aber  Celsus  znr  Zeit,  als  Origenes  seine  Wider- 
legung schrieb,  schon  längst  gestorben  war 3'^),  so  darf'  ge- 
urtheilt  werden,  dass  der  Dialog  zwischen  c.  135 — 175  abge- 
fasst  ist.  Das  zweite  Citat  bei  Hieronymus  anlangend,  so  hat 
man  aus  demselben  mit  Grund  geschlossen,  dass  der  Verf.  des 
Dialogs  nicht  bloss  die  Präexistenz  des  höheren  Wesens  Christi 
angenommen  hat,  sondern  auch  den  präexistenten  Sohn  bei  der 
Weltschöpfung  sich  hat  betheiligen  lassen  ^^).  Die  Erklärung 
des  „in  pricipio"  durch  „in  filio"  geht  ohne  Zweifel  zurück  auf 
Proverb.  S,  22  (LXX),  wo  die  Weisheit  von  sich  selbst  sagt: 
y^iQiog  tyitioe  f.ie  agxijv  oöuiv  kctov^'^).  Aber  Hieronymus  soll 
nicht  nur  behaupten,  dass  der  Verf.  des  Dialogs  „in  principio" 
durch  „in  filio"  erklärt  habe,  sondern  auch  —  so  meinen  wenig- 
stens die  Ausleger  seit  Grabe  — ,  dass  er  geradezu,  wie  Ter- 
tullian  und  Hilarius,  dieses  als  die  hebräische  LA  an  Stelle 
jenes  gesetzt  habe.  Man  hat  sich  nun  viele  Mühe  gegeben,  dies 
zu  erklären.  Nun  hätte  doch  schon  stutzig  machen  sollen,  dass 
sich  weder  bei  Tertullian  (c.  Prax.  5)  noch  bei  Hilarius  die  merk- 
würdige LA  als  die  hebräische  bezeichnet  findet.  Es  bedarf  nur 
einer  genauen  Prüfung  der  Worte  des  Hieronymus,  um  einzu- 
sehen, dass  er  durchaus  nicht  sagen  will,  der  Verf.  des  Dialogs, 
Tertullian  und  Hilarius  hätten  behauptet,  im  hebräischen  Text 
stünde  wirklich  „in  filio"  für  „in  principio".  Vielmehr  sind 
seine  Worte  so  zu  paraphrasiren :  „Sehr  viele  (seil,  unter  den 
Zeitgenossen)  meinen,    dass  im  Hebräischen  wirklich:  In  filio 


35)  Orig.  c.  Cels.  Praef.  4. 

36)  Dorn  er,  Entwickl.-Geschichte  d.  L  v.  d.  Person  Christi  I  (2.  Aufl.) 
S.  181  f.  und  Aeltere  vor  ihm. 

37)  S.  Tertull.  adv.  Hermof?.  20 :  „ .  .  .  Dominus  condidit  me  initium 
viarum  suaruin  in  opera  sua.  Si  enim  per  sophiam  dei  oninia  facta  sunt, 
et  caelum  ergo  et  terram  deus  faciens  in  principio,  id  est  inifcio,  in  So- 
phia sua  fecit".  Dazu  adv.  Prax,  7  init.  Auf  Proverb.  8,  22  mögen  Stellen 
zurückgehen  wie  Apocal.  3,  14:  uqx^  ^^?  xriaeioc  vom  Sohne,  Tatian, 
Orat.  5:  tt/v  6e  uQyJjv  ?.6yov  övvafxtv  naQtiXrjcpa/usv,  Clem.  Alex,  ström. 
VI,  7,  58  zu  einem  Citat  aus  der  Praedic.  Petri:  «()X^v  rwv  andvtwv  .... 
fiT]vvo)v  Tov  TtQwvoyovov  vior.  Auch  Theophilus  setzt  ad  Autol.  II,  10 
^v  KQXV  =  ^v  ^oyo),  ebenso  Methodius  mit  ausdrücklicher  Beziehung  auf 
die  Proverbienstelle,  de  creatis  p.  315  cd.  Combef. 


Jasoii's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  1^9 

fecit  etc.  stünde  —  ein  Satz,  der  sich  allerdings  bei  dem  Verf. 
der  Altercatio,  bei  Tertullian  und  Hilarius  findet."  In  welchem 
Zusammenhang  diese  drei  die  Worte  ausgesprochen  haben,  bleibt 
also  durchaus  dunkel,  da  das  „in  hebraeo  haberi"  nicht  auf  sie 
bezogen  werden  darf.  Wir  wissen  aber,  Hilarius  hat  lediglich 
behauptet  (Comm.  in  Ps.  2),  das  hebräische  Wort  „Bresith" 
habe  drei  Bedeutungen:  in  principio,  in  capite,  in  filio.  Ter- 
tullian kennt  solche,  die  da  sagten,  die  Genesis  beginne  im 
Hebräischen  mit  den  Worten:  „In  principio  deus  sibi  fecit 
filium",  hält  dies  aber  nicht  für  sicher  und  sagt  über  ein  „in 
filio"  statt  „in  principio"  nirgendwo  etwas.  Möglich  ist  es 
freilich,  dass  in  der  Altercatio  von  Jason  gesagt  worden  ist, 
die  hebräische  LA  sei:  „In  filio  fecit  etc.", —  da  ja  auch  Zeit- 
genossen Tertullian's  und  Justin's  von  sonderbaren  LAA  im 
hebräischen  Texte  geträumt  haben  —  aber  ebenso  möglich  ist, 
dass  Jason  den  Anfang  der  Genesis  lediglich  so  interpretirt 
hat;  ja  dies  muss  als  das  Wahrscheinlichere  gelten,  wenn  der 
Verf  des  Dialogs  wirklich  die  Uebersetzung  des  Aquila  benutzt 
hat  und  —  wie  sich  zeigen  wird  —  höchst  wahrscheinlich  ein 
Judenchrist  gewesen  ist.  Hierüber  belehrt  aber  der  unbekannte 
Verf.  eines  lateinischen  Briefes,  der  uns  werth^olle  Aufschlüsse 
über  die  Geschichte  des  Dialoges  in  der  Kirche  giebt. 

In  dem  Cyprian-Codex  Reginenis  118  saec.  X  (T)^^)  und 
dessen  Abschriften  Zut  befindet  sich  unmittelbar  vor  der  Vita 
Cypriani  per  Pontium  diaconum  ein  Brief  mit  dem  Titel  „Ad 
Vigilium  episcopum  de  judaica  incredulitate"  (Hartel,  Opp.  Cy- 
priani III  p.  119  —  132).  Dass  der  Brief  nicht  von  Cyprian  her- 
rührt und  herrühren  will,  zeigt  der  Schlusssatz,  wo  der  Ver- 
fasser sich  selbst  „Celsus"  nennt.  Eine  Tradition  über  dieses 
Schreiben  existirt  nicht,  auch  ist  nicht  angegeben,  wer  der  Bi- 
schof Vigilius  gewesen  und  wo  und  wann  er  gelebt  hat,  noch 
wer  dieser  Celsus  ist,  der  Conprovinciale  des  Vigilius,  der  sich 
in  seinem  Briefe  dem  „sanctissimus"  Vigilius  gegenüber  „puer 
tuus"  (=  Diener,  nicht  Knabe ;  der  Verf.  ist  nach  c.  8  ein  Greis) 
genannt  hat.  Vielleicht  hat  man  ihn  nicht  mit  Unrecht  nach 
den  häufigen  Gräcismen  in  seinem  Briefe  für  einen  geborenen 


38)  S.  über  denselben  Harte  1,  Praefat.  in  Opp.  Cypr.  p.  XXXIX  sq. 
XXXIV. 


120  Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus. 

Griechen  gehalten  ^ 9)^  ^^^er  mit  dieser  Einsicht  ist  wenig  ge- 
wonnen. Man  muss  also  versuchen,  die  Zeit  der  Abfassung 
des  Schreibens  aus  inneren  Gründen  zu  bestimmen.  Dasselbe 
ist  lediglich  eine  Einleitung  zur  Uebersetzung  des  Dialogs  zwi- 
schen Jason  und  Papiskus,  welche  der  Verfasser  dem  des  Griechi- 
schen und  Lateinischen  in  gleicher  Weise  kundigen  Bischöfe 
Vigilius  zur  Prüfung  übersendet.  Die  Tliatsachen,  dass  über- 
haupt der  alte  Dialog  hochgepriesen  und  der  Uebersetzung  für 
werth  erachtet  wird^^),  dass  man  sich  für  die  Polemik  gegen 
das  Judenthum  interessirt,  dass  die  Kunde  des  Griechischen  im 
Abendland  noch  nicht  ausgestorben "^zu  sein  scheint  ■^^),  und  dass 
man  an  eine  Uebersetzung  gewissenhaft  noch  Anforderungen 
stellt  ^-^j,  machen  es  nicht  rathsani,  die  Abfassung  des  Briefes 
später  als  in  das  6.  Jahrhundert  zu  setzen  ^^).  Die  Art  aber, 
wie  der  Schreiber  Ton  dem  Martyrium  spricht,  macht  es  mir 
gewiss '^^),  dass  der  Brief  in  eine  Verfolgungszeit  gehört. 
Stammt  er  nun  aus  Nordafrica  —  und  dies  ist  doch  auf  Grund 
der  Tradition  das  wahrscheinlichste  — ,  so  muss  er  entweder 
der  zweiten  Hälfte  des  3,  und  dem  Anfang  des  4.  Jahrhunderts 
oder  der  Zeit  der  Vandalenherrschaft  in  Africa  angehören. 
Schon  der  Umstand,   dass  Hieronymus   von   einer  lateinischen 


39)  S.  Hartel,  1.  c.  p.  LXIII. 

40)  S.  c.  8:  „illud  praeclarum  atque  memorabilc  glorio.sumque  (opus)" 

41)  Der  üebersetzer  saj^t  1.  c,  er  habe  für  solche  geschrieben,  „qui 
ab  intellectu  Graecao  docilitatis  alieni  sunt",  setzt  immerhin  also  voraus, 
dass  die  Kenntniss  des  Griechischen  im  Abendland  nicht  ganz  unterge- 
gangen ist. 

42)  S.  1.  c:  „Cujus  laboris  probationem  tibi,  carissime,  qui  utriusque 
linguae  instructione  fundatus  es,  Inipensa  petitione  committo:  ut  qui 
sancti  ppiritus  veneratione  vcrccundus  es  conlata  utriusque  operis  lectione 
audaciam  vorecundae  temcrJtatis  explores  et  examine  judicii  tui  quae 
minus  a  nobis  vcl  improprie  forte  digesta  sunt  auctoritate  Spiritus  sancti, 
qui  in  pectus  tuum  inundatione  gratiae  caelestis  intluxit,  coniprobes  et 
emcndes;  sitque  ad  te  de  ista  lectione  ab  humilitatc  nostra  mandata 
legatio  et  insinuanda  tibi  iii  nos  prima  dilectionis  pctitio,  ut  pnrvitatem 
fidei  meae  cum  discipulorum  tuorum  instructione  atque  cruditionc  con- 
jungas  etc." 

43)  P'irwähnt  sei,  dass  die  Bibelcitate  des  Briefes  —  es  sind  nahezu 
20  —  von  der  Vulgata  unabhängig  sind. 

41)  Andere  haben  anders  geurtln  ilt. 


Jason's  und  Piipiskus'  Disputation  über  Christus.  121 

üebersetzung  des  Dialoges  nichts  weiss,  macht  es  rathsara,  den 
Brief  nicht  früher  a]s  ins  5.  Jahrhundert  zu  setzen.  Die  For- 
mel (c.  6):  „inde  jam  fit,  ut  credendo  intollegas,  intellegendo 
quod  credis"  deutet  auf  Bekanntschaft  mit  der  augUvStinischen 
Theologie.  Es  erscheint  also  geboten,  den  Brief  in  die  Zeit' 
der  Vandalenherrschaft  in  Africa  zu  verlegen.  In  dem  Momente 
wird  es  aber  allerdings  sehr  wahrscheinlich,  dass  der  Adressat 
niemand  anders  ist  als  der  berühmte  Vigilius  von  Tapsus. 
Die  überschwän gliche  Art,  in  welcher  der  Verfasser  ihn  feiert, 
die  Krone  des  Martyriums,  die  er  bereits  auf  seinem  Haupte 
sieht,  die  „necessitates  transmarinae  peregrinationis"  (c.  9),  die 
Kenntniss  des  Griechischen,  die  der  Bischof  besitzen  soll  — 
Alles  das  stimmt  trefflich  zu  dem  Confesscr-Bischof  Vigilius  (so 
schon  Fabricius  und  Gallandi).  Unser  Brief  stammt  also 
höchst  wahrscheinlich  'aus  der  Zeit,  wo  die  arianisch-vandali- 
sche  Invasion  die  Kirche  Nordafricas  auf  den  engeren  Zusam- 
menschluss  mit  dem  Orient  wies  (Ende  des  5.  Jahrb.).  Die 
Hauptstelle,  in  welcher  Celsus  sich  über  den  Dialog,  dessen 
üebersetzung  leider  nicht  miterhalten  ist,  verbreitet,  findet  sich 
c.  8;  sie  lautet:  „Nam  ut  duri  cordis  tunc  et  impiae  plebis  ad 
domini  metum  ipso  domino  evangelizante  conversas  mentes  si- 
leam,  ut  apostolorum  ejus  praedicatione  multiplicatum  in  erbe 
toto  et  refersum  credentium  populum  conticiscam:  illud  prae- 
clarum  atque  memorabile  gloriosumc[ue  Jasonis  Hebraei-Chri- 
stiani  et  Papisci  Alexandrini  Judaei  disceptationis  occurrit,  Ju- 
daici  cordis  obstinatam  duritiam  Hebraei  ^^)  admonitione  ac  leni 
increpatione  mollitam,  victricem  in  Papisci  corde  Jasonis  de  Spi- 
ritus sancti  infusione  doctrinam,  qua  Papiscus  ad  intellectum 
veritatis  admissus  et  ad  timorem  domini  ipso  domino  miserante 
formatus  et  Jesum  Christum  dei  filium  credidit  et  ut  signacu- 
lum  sumeret  deprecatus  Jasonem  postulavit.  probat  hoc  scriptura 
concertationis  ipsorum,  quae  collidentium  inter  se  Papisci 
adversantis  veritati  et  Jasonis  adserentis  et  vindicantis  dis- 
positionem  et  plenitudinem  Christi  Graeci  sermonis  opere 
signata  est:  ad  cujus  translationem  in  intellectum  Latinum 
animante  domini  ope  et  viventis  fidei  firmitate  servata  verborum 


45)  Man.  beachte  den  verschiedenen  Gebrauch  von  „Ilehraeus"  und 
„Judaeus";  jenes  bezeichnet  die  Nationalität,  dieses  die  Religion. 


122  Jason's  lind  Papiskus'  Disputation  über  Christus. 

proprietaie  intrepidus  accessi:  et  his  qui  ab  intellectu  Graecae 
docilitatis  alieni  sunt  jntei})r(;tata  integra  significatione  verbo- 
riiiri  et  iiitelle(itiis  omnis  ac  veritatis  manifcslatione  patefacta 
Romani  sernionis  rationis  disciissa  dis.serui". 

Diese  leider  so  kurze  Beschreibung  des  Werkes  ergänzt 
doch  in  willkommener  Weise  die  nocli  dürftigere  Angabe  des 
Origenes.  Zunächst  erfahren  wir,  dass  der  christliche  Disputant 
von  Geburt  ein  Hebräer  ist,  und  dürfen  daraus  schliessen,  dass 
der  Verf.  selbst  jüdischer  Abstammung  gewesen.  Dies  stimmt 
trefflich  zusammen  mit  dem  Gebrauch  der  Uebersetzung  des 
A.  T.  durch  Aquila,  welchen  wir  oben  constatirt  haben.  Als 
Gegner  ist  ein  alexandrinischer  Jude  eingeführt.  Dies  weist 
darauf  hin,  dass  der  Verf.  selbst  in  der  jüdisch-alexandrinischen 
Weisheit,  also  auch  in  der  griechischen  Philosophie,  bewandert 
gewesen  ist,  und  beleuchtet  so  die  Deutung,  wielche  er  (s.  oben) 
der  Stelle  Genes.  1,  1  gegeben  hat^'^).  Weiter  erfahren  wir, 
dass  der  Christ  es  bei  seiner  Disputation  nicht  nur  auf  die 
Widerlegung  sondern  auch  auf  die  Bekehrung  des  Gegners 
abgesehen  hatte,  und  dass  dieselbe  damit  endete,  dass  der  Jude 
Jesura  als  den  Sohn  Gottes  bekennt  und  die  Taufe  von  Jason 
verlangt.  Die  Anlage  des  Schriftchens  war  mithin  der  des 
Octavius  ähnlich,  unterscheidet  sich  aber  durch  den  letztge- 
nannten Zug  von  ihr.  Das  sofortige  Verlangen  der  Taufe  darf 
wohl  als  Merkmal  einer  frühen  Zeit  gelten.  Der  Versuch  aus 
dem,  was  Celsus  in  seinem  Briefe  gegen  die  Juden  ausgeführt 
hat,  das  auszuscheiden,  was  er  dem  von  ihtu  übersetzten  Dia- 
loge entnommen  hat,  führt  zu  keinem  Resultat.  A  priori  ist 
es  ja  wahrscheinlich,  dass  Manches  hier  auf  den  Dialog  zurück- 
zuführen ist,  aber  es  lässt  sich  kein  Kriterium  auffinden,  um 
das  Uebernommene  zu  ])estimmen. 

Aus  der  abendländischen  Kirche  hören  wir  von  dem  Dia- 
loge nichts  mehr,  der  noch  um  das  Jahr  490  als  ein  opus  prae- 
clarum  atque  memorabile  gloriosumque  gegolten  hat^').    Aber 


46)  Auch  die  Worte  des  Celsus  über  Jason,  („vindicanfis  disposi- 
tionem  et  plenitu  Jinem  Christi")  sind  zu  erwägen. 

47)  Grabe,  nach  dem  Vorgang  von  Cave,  i.st  geneigt,  den  Brief  schon 
in  das  3.  Jahrh.  zu  verlegen.  Der  Beweis,  den  er  dafür  dem  7.  cap. 
(p.  12S,  1  sq.)  entnommen,  ist  aber  hinfällig 


Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  123 

aus  dem  7.  Jahrhundert  ist  noch  ein  Zeugniss  aus  der  morgen- 
lUndischen  Kirche  auf  uns  gekommen.  Maximus  Confessor 
in  seinen  Scholien  zur  theologia  mystica  des  Areopagiten^^) 
schreibt:  „Gelesen  habe  ich  den  Ausdruck  ,, sieben  Himmel" 
auch  in  der  von  Aristo  Pellaeus  verfassten  Disputation  {didXe^ig) 
des  Papiskus  und  Jason,  von  der  der  alexandrinische  Clemens 
im  0.  Buche  der  Hypotyposen  behauptet,  der  heil.  Lucas  habe 
sie  geschrieben"  *''^).  Dass  in  dem  Dialoge  von  sieben  Himmeln 
die  Rede  gewesen,  ist  nach  dem  bisher  über  die  Herkunft  des 
Verfossers  Bemerkten  nicht  weiter  lehrreich  und  bedarf  keiner 
besonderen  Erläuterung.  Aber  sonst  ist  das  Citat  des  Maximus 
von  hoher  Wichtigkeit.  Dreierlei  ist  demselben  zu  entnehmen: 
1)  dass  im  7.  Jahrh.  Aristo  von  Pella  für  den  Verf.  des  Dialogs 
galt,  2)  dass  schon  Clemens  Alex,  das  Buch  gelesen  und  in  den 
Hypotyposen  besprochen  hat,  3)  dass  er  den  Namen  des  Aristo 
so  wenig  gekannt  hat,  wie  Celsus,  Origenes,  Hieronymus,  Celsus 
Afer,  den  Dialog  aber  keinem  geringeren  als  dem  Evangelisten 
Lucas  beigelegt  hat.  Das  letztere  hat  vielfach  zum  Anstosse 
gereicht,  und  man  hat  versucht,  durch  Textemendation  die  auf- 
fallende Nachricht  zu  tilgen.  So  hat  man  vorgeschlagen,  ^v 
in  op  zu  verwandeln,  und  verweist  dann  zur  Erklärung  auf 
ApGesch.  17,  1  f.,  wohl  auch  auf  Rom.  16,  21  {Aov'Mog  xal 
^laacüv).  Aber  ein  ov  .  .  .  cprjolv  avaygdipac  ist  einfach  uner- 
träglich. Es  wird  nichts  übrig  bleiben,  als  zu  glauben,  dass 
der  Clemens,  welcher  ja  auch  einen  Brief  des  Barnabas,  eine 
Praedicatio  Petri,  eine  Apokalypse  Petri  u.  A.  hingenommen 
hat,  in  seiner  Jugendschrift,  den  Hypotyposen,  auch  unseren 
Dialog  wirklich  als  lukanisch  bezeichnet  hat.  Verführt  zu  dieser 
Annahme  mag  ihn  allerdings  der  Umstand  haben,  dass  von 
einem  Jason  in  der  Apostelgeschichte  die  Rede  ist.  Man  weiss 
ja,  wie  die  Alexandriner  solche  Stellen  in  neutestam entlichen 
Schriften  ausgenutzt  haben.  Immerhin  aber  wird  man  aus  dieser 
Benamung    des   Dialogs    schliessen    dürfen,    dass    derselbe   in 


48)  Cap.  I  p.  17  edit.  Corder. 

49)  liviyvdov  de  rovzo,  knzä  ovQavovg  xal  ev  cfj  avyygafifjisvy 
AqIotwvi  tüJ  JIe).lai(i)  öiaXs^si  Uanioxov  xal  ^IdaovoQ,  v/r  KXr^fiTjq  ö 
AXs^avdfJtvg  sv  sxzü)  ßtßXiw  xdiv  'YnorvmhoFwv  xör  ayiov  Aorxäv  (pTjolv 
dvayQdtpai. 


124  Jason*s  uud  Papiskus'  Dispubition  über  Christus. 

holiein  Anseliii  stand,  also  wohl  auch  veihäUnissraässig  alt  ist  — 
dies  aber  ei-f^iebt  sich  ja  auch  schon  daraus,  dass  in  demselben 
ein  hebräischer  Christ  dem  Juden  entgegentritt''.^).  Auffallend 
ist  nur,  dass  bereits  Origenes  ein  so  wenig  günstiges  Urtheil 
über  ein  Werk  fällt,  welches  noch  Clemens  für  lukanisch  ge- 
halten hat.  Man  darf  indessen  nicht  übersehen,  dass  zwischen 
der  Abfassung  der  Ilypotyposen  und  der  Schrift  gegen  Celsus 
zwei  volle  Menschenalter  liegen,  und  dass  gerade  diese  Zeit  die 
für  die  Sichtung  der  überlieferten  Literatur  epochemachende 
gewesen  ist. 

Den  namenlosen  Dialog  hat  erst  Maximus  im  7.  Jahrh. 
dem  Aristo  von  Pella  zugeschrieben.  Wer  ist  Aristo,  und  ist 
Maxinms  hier  im  Rechte?  Wir  besitzen  nicht  die  Mittel,  um 
diese  beiden  Fragen  befriedigend  zu  losen.  Ein  Aristo  von 
Pella ''^)  wird  als  Schriftsteller  von  Eusebius  h.  e.  IV,  6,  3  bei 
Gelegenheit  der  Erzählung  vom  Ausgang  des  Barkochbakrieges 
erwähnt.  Eusebius  berichtet  auf  seine  Autorität  hin:  „Hierauf 
wurde  dem  gesammten  Volke  durch  einen  Gesetzeserlass  und 
Anordnungen  Hadrian's  verboten,  von  nun  an  die  Gegend  um 
Jerusalem  auch  nur  zu  betreten;  nicht  einmal  mehr  aus  der 
Ferne,  befahl  er,  dürften  sie  den  heimathlichen  Boden  sehen. 
Aristo  aus  Pella  erzählt  es''''^)  War  Aristo  ist  und  in  welchem 
Werke  er  dies  erzählt,  darüber  sagt  Eusebius,  abweichend  von 
seiner  sonstigen  Gewohnheit,  nichts.  Man  wird  daraus  schliessen 
dürfen,  dass  Eusebius  nach  den  Principien  seiner  Geschichts- 
schreiljung  Grund  gehabt  hat,  über  Aristo  zu  schweigen.  Sucht 
man  nach  solchem  Grunde,  so  liegt  die  Annahme  nahe,  Aristo 


.50)  0))  der  Name  'laoeDv  absichtlich  gewählt  ist  (=  Ittjoavc),  wie  man 
f^emcint  hat,  ist  mindestens  fraglich. 

51)  Ueher  Pella  s.  Euseb.  h.  e.  III.  5,  .'{.  Epiphan.  hacr.  29  c.  7.  de 
pond.  et  mens.  15.  Vorausgesetzt  ist  hier,  dass  Pella  in  Peraea  gemeint 
ist  und  nicht  das  macedonische  Der  Inhalt  des  Dialogs,  soweit  er  be- 
kannt, riith  doch  an  jenes  zu  denken. 

52)  Ol»  die  vorausgehende  Darstellung  auch  schon  dem  Werk  des 
.Aristo  entnommen  ist,  steht  dahin,  ist  aber  nicht  unwahrscheinlich.  Nicc- 
phorus  hat  in  seiner  K.-(ie.scliichte  (ill,  21)  das  ganze  Cap.  als  Citat  aus 
Aristo  betrachti-t  (so  auch  Müller  in  den  Fragm.  liist.  graec.  T.  IV  [tS51] 
p.  328).  Jedenfalls  hat  Aristo  in  seinem  Werk  von  dem  Barkochbaki ieg 
mindestens  beililnüg  gehandelt,  wie  auch  .Justin. 


Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  125 

sei  ihm:  als  Judenchrist  —  dies  darf  vielleicht  aus  dem  o 
fhlkaloq  geschlossen  werden  —  unsympathisch  gewesen  und 
habe  als  solcher  weder  Aufnahme  in  die  Zahl  der  „scriptores" 
finden  noch  geradezu  als  Häretiker  behandelt  werden  können. 
Ist  diese  Voraussetzung  richtig,  so  kann  dieser  Aristo  aller- 
dings identisch  sein  mit  dem  Verf.  des  Dialogs,  der  die  Ueber- 
setzung  des  Aquila  benutzte,  und  von  dessen  Werke  bereits 
()rigenes  meinte,  es  sei  recht  unbedeutend  und  könne  nur  auf 
die  Einfältigeren  Eindruck  machen.  Schwerlich  wird  es  auch 
ein  wirkliclies  Geschichtswerk  gewesen  sein,  aus  w^elchem  Euse- 
bius  hier  schöpfte.  Sonst  hätte  er  doch  den  Namen  desselben 
angegeben.  Umgekehrt  ist  es  recht  unwahrscheinlich,  dass 
Eusebius  den  Dialog  des  Jason  mit  Papiskus,  den  doch  Celsus, 
Clemens,  Origenes,  Hieronymus  kennen,  nicht  gelesen  haben 
sollte.  In  den  Hypotjposen,  die  Eusebius  excerpirt  hat,  ist  er 
ja  erwähnt  worden.  Es  ist  also  nicht  unmöglich,  dass  Maxi- 
mus. Recht  hat,  dass  Aristo  ^virklich  der  Verfasser  des  Dialogs 
ist,  und  dass  Eusebius  eben  diesem  seine  Notiz  über  das  hadria- 
nisclie  Edict  entnommen  hat  —  in  einem  Dialog  zwischen  ge- 
borenen Juden  war  sie  ja  sehr  wohl  am  Platze.  Hieraus  würde 
dann  gefolgert  werden  müssen,  dass  der  Dialog  schon  im  An- 
fang des  4.  Jahrhunderts  bei  den  Griechen  den  Credit  gänzlich 
verloren  hatte.  Das  Schweigen  des  Hieronymus  in  der  Schrift 
de  vir.  inlustr.  würde  in  ein  neues  Licht  treten  und  das  pane- 
gyrische ZeUgniss  des  Africaners  Celsus  würde  nur  ein  interes- 
santer Beleg  für  die  längst  bekannte  Thatsache  sein,  dass  sich 
bei  den  Lateinern  (und  den  eigentlichen  Orientalen)  die  Werth- 
urtheile  älterer  Zeit  um  1 — 2  Jahrhunderte  länger  erhalten 
haben  als  bei  den  Griechen.  Zunächst  ist  dies  eine  blosse  Ver- 
muthung,  die  aucli  nicht  verstärkt  werden  kann  durch  das,  was 
wir  über  Aristo  im  Chronicon  paschale  und  bei  Moses  von 
Khoren  erfahren.  Dort  (edit.  Dindorf.  p.  477)  heisst  es  zum 
J.  134  (Olymp.  228,  2);  tovtco  tw  trsi  l^7caXl^g  jcat  l^QiOTioVf 
lüv  fujiivrjTaL  Evoeßiog  6  JIcxiKpLlov  sv  rfj  »eÄKlrjaiaGtiKij  avTov 
iaioQLcc^  imdiöioair  anoloyiag  avvTa^iv  tcbqI  trjg  x«^'  ^i(^(^g 
^sooeßflag  lAÖQiavfj)  nji  ßaoilel.  Da  der  Verf.  sich  auf  die 
Kirchengeschichte  des  Eusebius  für  diese  sonderbare  Mitthei- 
lung beruft,  so  ist  es  um  ihre  Glau))würdigkeit  bereits  ge- 
schehen.   „Aristides"  ist  natürlich  hier  mit  „Aristo"  verwechselt 


126  Jason's  und  Pai^iskiis'  Disputation  über  Cliristus 

und  aus  dem  o  IlelXalog  ist  an  Stelle  des  Quadratus  ein 
„Apelles"  f^eworden.  Ein  weiteres  zu  bemerken  wäre  über- 
flüssig^^). Nicht  besser  steht  es  mit  der  Angabe  bei  Moses 
von  Khoren,  der  noch  Grallandi  Vertrauen  geschenkt  hat. 
Das  Richtige  findet  sich  hierüber  bei  Routh  (1.  c  I  p.  101 — 
104).  Mos.'s,  bekanntlich  ein  sehr  wenig  zuverlässiger  Schrift- 
steller, beruft  sich  in  seiner  Historia  Armeniaca ;'''')  für  ein  Da- 
tum der  armenischen  Geschichte  auf  Aristo  von  Pella^^).  Gleich 
darauf  aber  erzählt  er  das,  was  Eusebius  h.  e  IV,  6  berichtet 
hat  und  folgt  diesem,  wie  oftmals,  ziemlich  genau.  Also  ver- 
dankt er  seine  Angabe  über  Aristo  von  Pella,  die  er  freilich 
ganz  willkührlich  angewendet  hat,  lediglich  diesem'''^).  Eusebius 
und  Maximus  Confessor  sind  also  die  beiden  einzigen  Zeugen 
für  Aristo.  Unter  solchen  Umständen  bleibt  es  immer  sehr 
auffullend,  dass  dieser  den  Verf.  eines  Dialogs  gekannt  hat,  •  der 
jedenfalls  Jahrhunderte  hindurch  ohne  Verfassernamen  cursirte. 
Indessen  lä.sst  sich  doch  noch  wahrscheinlich  machen,  dass  das 
ungenannte  Buch  des  Aristo  von  Pella,  welches  Eusebius  h.  e. 
IV,  6,  3  citirt  hat,  wirklidh  der  Dialog  des  Jason  und  Papiskus 
g€iwesen  ist^''). 

Schon  Hieronymus  ist  auf  die  Verwandtschaft  einer  Stelle 
bei  Tertulhan  adv.  Prax.  und  im  anonymen  Dialog  aufmerksam 
geworden ''^).  Allerdings  lag  die  Vermuthung  nahe,  dass  Hiero- 
nymus hier  nicht  recht  Zusammengehöriges  verbunden  hat. 
Aber  unter  den  Werken  Tertullians  befindet   sich  eine  Schrift 


53)  Seltsam  vorkehrt  sagt  Giesejer  (Lehrbuch  d.  K.-G.  I,  1  S.  209): 
.,Da  sich  die  an  Hadrian  übergobene  Apologie  des  Aristo  nicht  fand,  so 
scheint  man  sie  in  jenem  anonymen  Dialoge  vermuthet  zu  haben'*. 

54)  L.  IT  c.  57  p.   174  edit.  Whiston. 

55)  „Artasis  (regis  Armeniaci)  mortem  praeclare  tradit  Aristo  Pellaeus 
Siquidem  per  oa  tompora  Judaei  ab  Adtiano  rege  Romano  defecerunt  ct. 
cum  Rufo  Hipparclio  (Euseb:  ^Pov<pog  inngy^iDv)  conflixerunt  etc." 

56)  S.  V.  Gutschmid,  Ueber  die  Glaubwürdigkeit  der  armenischen 
Geschichte  dos  Moses  von  Choren  Berichte  über  die  Verh.  d.  K.  Sachs. 
G.  d.  Wissenschaften.  Hist.  Philob  Klasse  1876.  Ueber  den  ganz  ähn- 
lichen Fall,  -wo  Moses  den  Afrikanus  citirt,  s.  Geizer  J.  Afrikanus  I  (1880) 
S.  281. 

57)  Des  -Irrthums  zeihen  den  Maximus  Giescler  (a.  a.  0.),  Heini- 
chen (Comm.  in  Euseb.  h.  c.  p    122)  und  Donaldson  (1.  c    p.  58  sq.). 

58)  S.  oben  S.  117. 


1 


Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  127 

adv.  Jndneos,  die,  maj]^  sie  nun  von  Tertullian  sein  —  was  noch 
immer  das  wahrscheinlichere  ist  —  oder  nicht,  oder  nur  bis 
cap.  8,  jedenfalls  älter  ist  als  die  Kirchengeschichte  des  Euse- 
bius  und  schon  um  ihres  Titels  willen  zu  einer  Vergleichung 
mit  dem  Dialog  auffordert.  Die  Schrift  beginnt  mit  den  Worten: 
„Proxime  accidit,  disputatio  habita  est  Christiano  et  proselyto 
Judaeo.  Alternis  vicibus  contentioso  fune  uterque  diem  in 
vesperam  traxerunt.  Obstrepentibus  etiam  quibusdam  ex  parti- 
bus  singulorum  nubilo  quodam  veritas  obumbrabatur.  Placuit 
ergo,  quod  per  concentum  disputationis  minus  plene  potuit 
dilucidari,  inspici  curiosius  et  lectionibus  stilo  quaestiones  re- 
tractatas  terminare".  Der  Anlass  ist  vielleicht  kein  fingirter^^); 
es  lässt  sich  aber  vermuthen,  dass  dem  Tertullian  nach  solchen 
Vorgängen  gerade  der  Dialog  des  Jason  und  Papiskus  trefflich 
zu  Statten  kommen  musste  —  wenn  er  ihn  gekannt  hat.  Die 
Möglichkeit,  dass  er  ihn  kannte,  wird  Niemand  bestreiten  an- 
gesichts der  Verbreitung  des  Dialogs  im  2.  und  3.  Jahrhun- 
dert ^^^).  Aber  lässt  sich  diese  Möglichkejit  zur  W^ahrscheinlich- 
keit  erheben?  Vom  Inhalte  des  Dialogs  wissen  wir  ja  so  über- 
aus wenig:  1)  Die  Stelle  Deuter.  21,  23  wird  von  Tertullian  im 
10.  Cap.  sehr  ausführlich  besprochen.  Nach  Hieronymus  ist 
aber  auch  im  Dialoge  über  dieses  Orakel  gehandelt  worden. 
Doch  dies  dürfte  nicht  viel  besagen;  denn  an  diesem  Verse 
wird  wohl  kein  Jude  im  Disput  mit  einem  Christen  vorüber- 
gegangen sein;  s.  Justin,  Dial.  89.  96. 

2)  Wichtiger  ist  folgendes.  Adv.  Jud.  13  schreibt  Tertul- 
lian: „Animadvertimus  autem  nunc  neminem  de  genere  Israel 
in  civitate  Bethlehem  remansisse,  et  exinde  quod  inter- 
dictum  est  ne  in  confinio  ipsius  regionis  demoretur 
quisquam  Judaeorum  ....  Et  alio  loco  vsic  per  prophetam 
dicitur:  Regem  cum  claritate  videbitis,  id  est  Christum,  facien^ 
tem  virtutes  in  gloria  dei  patris,  et  oculi  vestri  videbunt  ter- 


59)  Doch  s.  Hesseiberg,  TertuUian's  Lehre  I  S.  62  f  Bonwetsch, 
die  Schriften  Tert.  S.  41. 

60)  Sehr  richtig  macht  Bonwetsch  (a.  a.  0.  Anm.  51)  darauf  auf- 
merksam, dass  die  Schrift  adv.  Jud.  nach  griechischen  Vorlagen  gearbeitet 
zu  sein  scheine,  und  vergleicht  c.  2  mit  Justin,  Dial.  19  p.  64.  66;  c.  3 
mit  Dial.  16  p..S4   56. 


128  Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus. 

ram  de  loginquo,  quod  vos  pro  raeritis  vestris  post  ex- 
pugnationem  Hierusalem  prohibiti  ingredi  in  terram 
vestrain  de  ionginquo  eam  oculis  tantum  videre  per- 
missum  est^').  Vergleicht  man  diese  Stelle  mit  der  von  Euse- 
bius  dem  Aristo  von  Pella  entnommenen,  so  springt  die  Ueber- 
einstimmung  in  die  Augen: 

t6  Tiuv  eO^vog  —  quisquam  Judaeorum. 

'/mI  TTJQ  Tzeol  Tct  ^IcQOGoXvfia  y^g  7cdf.i7iav  iTttßulveiv  uoys- 
zai  • —  interdictum  est,  ne  in  confinio  ipsius  regionis  demoretur 
quisquam. 

(hg  av  fitjö^  £?  anoTCTov  Seiogouv  to  naTfjaov  edafpog  —  de 
Ionginquo  terram  vestram  oculis  tantum  videre  permissum  est. 

Die  Uebereinstimmung  in  den  wenigen  Zeilen  ist  ebenso 
deutlich,  wie  der  Widerspruch  im  letzten  Stück.  Aber  gerade 
auch  dieser  Widerspruch  zeigt  die  Verwandtschaft.  Tertullian 
hatte  eben  Jesaj.  33,  17  citirt,  wo  er  nach  der  lateinischen  Ueber- 
setzung  las  „oculi  vestri  videbunt  terram  de  Ionginquo."  Dieser 
Spruch  soll  durch  das  Iladriaucdict  erfüllt  worden  sein,  Dess- 
halb  hat  T.  das  /ur]ö^  i^  dnomov  der  Vorlage  in  l^  aTtomov  ver- 
wandelt. Der  Hauptgedanke  bleibt  dennoch  derselbe  ^'^).  Dass 
aber  Tertullian  hier  wirklich  den  Aristo  ausgeschrieben,  lehrt  der 
Umstand,  dass  Justin,  der  Apolog.  I,  47  und  Dial.  c.  Tryph.  17 
auch  auf  das  Edict  zu  sprechen  kommt,  den  Inhalt  anders  be- 
stimmt. Dort  sagt  er:  'Oil  öe  (pvlaooeTat  vq)^  vßun  pmog  firj^ 
Ö€ig  Iv  civxj^  ysrrjraif  y.al  Oavaxog  y.ata  tov  ycaTcckafißavofievov 
'lovöaiov  eioioviog  cjQiorai^  ay.pißwg  in/oiaox^e.  Hier:  .  .  .  H(xl 
(u'tt)    f^rjdiig   i^  vfiwv  emßalvr^   dg  Trjv   'l€QOVOa?Jj/u^^).     Darf 


61)  S.  Tert.,  Apol.  21:  „(Judaei)  dispersi,  palabundi.  et  soli  et  caeli 
sui  extorres  vagantur  per  orbem  sine  homine,  sine  deo  rege,  quibus 
nee  advenaruin  jure  tetram  patriain  saltim  vestigio  salutare 
conceditur". 

62)  Aehnliche  Verwerthungen  und  Umdeutungen  einer  Vorlage  lassen 
sich  bei  Tertullian  oftmals  nachweisen  (s  seine  Benutzung  des  Plinius- 
briefes  Apol.  2).  Dass  in  der  Quelle,  die  er  benutzt  hat,  wirklich  gestan- 
den hat,  die  Juden  dürften  das  Gebiet  von  Jerusalem  von  ferne  sehen, 
ist  doch  mehr  als  unwahrscheinlich.  —  Dass  Tert.  übrigens  selten  seine 
Quellen  nennt,  ist  bekannt. 

63J  Eusebius  im  Chron.  ad  ann.  2150  Abr.  (XVlll.  Hadr.)  sagt  (Syn- 
celL.p.  GÖl,  \):  vvdcv  ovv  tiQyovio  ndvni  trjc:  7i6?.8(og  t:iißtvsir,  tiqoo- 
ra^tc  d^eov  xal  'IKoftaitov  XQurfi  thaona(isvzig  xaiu  navxoq. 


Jason's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus.  j[29 

man  nun  annelimen,  dass  Tertullian  dieselbe  Quelle  benutzt 
hat  wie  Eusebius  —  also  ein  Werk  des  Aristo  von  Pella  — 
und  achtet  man  darauf,  dass  das  Citat  in  einer  antijüdischen 
Schrift  des  Tertullian  steht,  in  einer  Schrift,  die  auch  an  einen 
Dialog  anknüpfte,  so  gewinnt  allerdings  das  bestimmte  Zeug- 
niss  des  Maximus,  Aristo  sei  der  Verf.  des  Dialogs  zwischen 
Jason  und  Papiskus,  an  Wahrscheinlichkeit^"*).  Man  hat  dann 
zu  folgern,  dass  zwar  der  Dialog  in  weiten  Kreisen  ohne  Ver- 
fassernamen circulirte,  dass  aber  Eusebius  im  4.  und  Maximns 
im  7.  Jahrhundert  denselben  noch  gekannt  haben. 

Die  Tradition  über  den  Dialog  ist  ein  lehrreiches  Stück 
aus  der  allgemeinen  Geschichte  der  Ueberlieferung  der  Kirche. 
Bald  nach  dem  Jahre  135  hat  ein  philosophisch  gebildeter,  aber 
die  Eigenthümlichkeiten  der  religiösen  Anschauung  seines  Volkes 
nicht  verleugnender  Judenchrist  aus  Pella,  dem  Zufluchtsort 
der  jerusalemischen  Christen  aus  der  Zeit  des  grossen  Krieges, 
einen  Dialog  mit  apologetischer  Tendenz  geschrieben.  Justin 
scheint  ihn  noch  nicht  gekannt  zu  haben,  aber  wenige  Decennien 
später  ist  derselbe  in  der  Kirche  vielfach  verbreitet.  Er  er- 
schien alter thümlich,  daher  unverständlich  und  ehrwürdig  ge- 
nug, so  dass  ihn  Clemens,  der  den  Verfasser  nicht  kannte,  dem 
heiligen  Lucas  beilegen  konnte.  Dem  Celsus  ist  er  nicht  un- 
bekannt geblieben  und  Tertullian  oder  ein  späterer  Afrikaner 
hat  ihn  benutzt.  Aber  schon  dem  Origenes  galt  das  Buch  zwar 
noch  für  rechtgläubig,  aber  doch  bereits  für  „unbedeutend". 
Eusebius  schob  es  ganz  bei  Seite;  er  nannte  es  nicht  einmal 
mehr,  sondern  entnahm  ihm  nur  eine  historische  Notiz ;  aber 
um  den  Verfasser  wusste  er.  Hieronymus  hat  es  in  Händen 
gehabt,  aber  den  Verfasser  nicht  gekannt  und  desshalb  auch 
in  seiner  Literaturgeschichte  geschwiegen.  Während  aber  in 
der  griechischen  Kirche  nur  noch  einmal,  bei  Maximus  im 
7.  Jahrhundert,  der  Dialog  erwähnt  wird,  und  dieser  auch  noch 
merkwürdiger  Weise  den  Verf.  kennt,  den  ausser  Eusebius 
Niemand  genannt  hat,  hat  der  Dialog  im  Abendland,  in  Afrika, 
noch  am  Ausgang  des  6.  Jahrh.  einen  Lobredner  und  Ueber- 
setzer  gefanden,  der  an  den  „Judaicae  opiniones"  keinen  An- 


64)  Auf  die  Verwandtschaft  zwischen  TertulliaTi  und  der  Quelle  des 
Eusebius  hat  z.  B.  schon  Grabe  aufmerksam  gemacht 

Texte  uad  UntereachungeD.  9 


lg()  Die  We5*ke  des  Justin. 

stoss  genommen  hat.  Ein  leichtfertiger  armenischer  Schrift- 
steller weiss  seine  Leser  glauben  zu  machen,  dass  Aristo  von 
Pella  von  ihren  Königen  geh^-ndelt  habe,  und  ein  byzantinischer 
Compilator  vermag  von  der  Apologie  Aristo's  an  den  Kaiser 
Hadrian  zu  erzählen.  Das  Buch  selbst  ist  seit  dem  7.  Jahrh. 
im  Morgen-  und  Abendlande  völlig  verschollen. 

§  10.  Die  Werke  des  Justin ^^)  nebst  einer  Untersuch- 
ung über  die  Schriften,  welche   den  Namen  des  Athe- 

nagoras  tragen. 

Dass  Tatian  in  seiner  Oratio  ad  Graecos  Schriften  des  von 
ihm  bewunderten  Justin  ausgeschrieben  oder  benutzt  hat,  ist 
unerweislich  ^^)  und  ist  auch  Yiach  der  Abfassungszeit  der  Apo- 
logien beider  Männer  nicht  eben  wahrscheinlich^"^).  Aber  er  hat 
den  Justin  bereits  als  eine  bekannte  und  berühmte  Persönlichkeit 
eingeführt.  Hegesipp,  welcher  ungefähr  gleichzeitig  mitlrenaeus 
geschrieben  hat^^),  scheint  ein  ketiserbestreitendes  Werk  des 
Justin,  und  zwar  das  von  diesem  in  der  Apologie  (I,  26)  citirte 
^vvcaypia  y.aTa  7iaou)v  iiov  yey€vr)l,uviov  aigiosa/v  benutzt  zu 
haben  ^^).     Sicher  ist,   dass  Irenaeus  Schriften  Justin*s,   den  er 


65)  S.  Halloix,  Vit.  ill.  eccl.  Orient.  Script.  II  p.  151  sq.  Grabe, 
Spicü.  II.  von  Otto,  De  Just.  M.  script.  et  doctr.  1841.  Corp.  Apolog.  IP 
p.  595  sq.  Encykl.  v.  Ersch  und  Gruber.  2.  Section,  30.  Th.  S.  39—76. 
Semisch,  Justin  d.  M.  I  S.  56  f.  von  Engelhardt,  Christenth.  Justins 
S.  2f.    Donaldson,  Hist.  of  Christ.  Literature  II  p.  62  sq. 

66)  Ausführlich  hat  hierüber  Dembowski  gehandelt  (Quellen  der 
chrißtl  Apologetik  I.  1878).  Tatian  beruft  sich  zwar  c.  18  auf  einen  Aus- 
spruch des  erstaunlichen  {dccvfiaoKoraTOQ)  Justin  und  erzählt  c.  19  von 
den  Nachstellungen,  die  Crescens  diesem  und  ihm  selber  bereitet  habe, 
aber  seine  Apologie  erweist  sich  von  der  des  Justin  als  völlig  unabhängig. 
Auf  das  Schülerverhältniss  des  Tatian  zu  Justin  haben  die  Kirchenväter 
seit  Irenaeus  —  doch  dieser  spricht  nur  von  axQoairjq  —  Werth  gelegt 
(Iren.  I,  28,  1  [Euseb.  h.  e.  IV,  29].  Fhilos.  VIII,  16.  PseudotertuU.  h.  26. 
Epiph.  h.  46,  1.  Hieron.  de  vir.  inl.  29.  Theodoret.  I,  20).  Wir  besitzen 
kein  Mittel,  um  die  Art  dieses  Verhältnisse«  deutlich  zu  machen.  Es  kann 
auch  ein  sehr  loses  gewesen  sein. 

67)  üeber  das  Datum  der  justinischen  Apologie  s.  Zahn,  Theol.  Li- 
teraturztg.  1876  col.  443  f.  und  Tatian's  Diatessaron  S.  277  f.,  über  das 
der  Oratio  ad  Gr.  des  Tatian  s.  unten  §  11. 

68)  S,  Euseb.,  h.  e.  IV,  11,  7. 

69)  S.  meine  Schrift    „Zur  Quellenkritik  d.  Gesch.   d.  Gnosticism«s' 


Justin  in  der  voreusebiamschen  Ueberlieferung.  131 

übrigens  nicht  näher  charakterisirt,  excerpirt  hat.  Nicht  nur 
beruft  er  sich  in  seinem  grossen  Werke  zweimal  auf  ihn*^^), 
sondern  er  scheint  auch  im  ersten  Buche  adv.  haer.  bei  der  Her- 
stellung des  Ketzerkatalogs  das  Syntagma  Justins  berücksich- 
tigt zu  haben  "^i),  und  die  Abhängigkeit  Yon  der  Apologie  und 
dem  Dialog  mit  Trypho  ist  in  allen  fünf  Büchern  seines  Elen- 
chus  als  eine  sehr  erhebliche  zu  constatiren'^).  Auf  die  Ver- 
wandtschaft der  uns  nicht  mehr  aufbehaltenen  Apologie  des 
Melito  mit  der  des  Justin  hat  der  Compilator  des  Chronicon 
paschale  aufmerksam  gemacht  ^^).  Abhängig  von  Justin  ist 
jedenfalls  die  unter  dem  Namen  des  Athenagoras  gehende  Apo- 
logie ^^).  Die  des  Theophilus  ist  fast  durchgehends  selbständig; 
aber  an  mindestens  drei  Stellen  verräth  der  Verfasser,  dass  ihm 

1873  S.  37  f.  Die  dort  aufgestellte  Hypothese  und  die  Reconstruction 
der  Anlage  des  Syntagma  ist  bestritten  worden;  ich  kann  sie  aber  nicht 
für  widerlegt  halten. 

70)  Adv.  h.  IV,  6,  2  heisst  es:  xal  xaXiag  ^lovctXvoq  iv  to>  n^&g 
Mapxtiova  avvTctytiaxL  (prfolvy  und  nun  folgt  ein  sehr  interessantes  Citat. 
Ein  zweites  wird  ohne  nähere  Angabe  V,  26,  2  mit  den  Worten  einge- 
führt: xaXiix;  o  ^lovatlvog  ftpri.  Es  ist  jedenfalls  auch  einer  polemischen 
Schrift  Justin's  entnommen.  Schon  I,  28,  1  war  Justin  bei  Erwähnung 
des  Tatian  genannt  als  eine  durch  seine  Lehrthätigkeit  und  sein  Marty- 
rium bekannte  Persönlichkeit. 

71)  Dies  ist  allerdings  sehr  controvers.  Die  Untersuchung  zu  erneuern 
würde  hier  zu  weit  führen.  Ich  verweise  auf  Lipsius,  Zur  Quellen- 
kritik des  Epiphanios  186.5  und:  Quellen  d.  ältesten  Ketzergeschichte  1875, 
s#wie  auf  meine  oben  genannte  Schrift  und  deren  Fortsetzung  in  der 
Ztschr.  f.  d.  hist.  Theol.  1874  II;  vgl.  auch  Theol.  Literaturztg.  1876  col. 
134  f.  In  den  „multo  nobis  meliores*  Iren.  I.  IV  praef.  ist  gewiss  Justin 
miteinbegriffen . 

72)  Die  Auswahl  von  ParaUeLstelien,  welche  von  Otto  (1.  c.  II  p.  595) 
gegeben  hat,  ist  eine  treffhche  und  beweist  hinreichend  das  oben  Aus- 
gesprochene. Bei  der  durchgehenden,  starken  Abhängigkeit  des  Irenaeua 
von  Justin,  die  wahrscheinlich  noch  deutlicher  hervortreten  würde,  wenn 
wir  von  Justin  mehr  besässen  als  seine  apologetischen  Schriften  (einen 
Beleg  hierfür  s.  PP.  App.  Opp.  I,  2  edit.  II  p.  136),  haben  die  beiden 
einzigen  ausdrückUchen  Citate  ein  besonderes  Gewicht.  Das  erste  ent- 
hält eine  Paradoxie,  und  das  zweite  einen  Aufschluss  über  die  Veranstal- 
tungen des  Satans,  in  die  eben  nicht  Jeder  eingeweiht  sein  konnte. 

73)  Edit.  Bonn.  p.  483. 

74)  Die  Abhängigkeit  tritt  weniger  in  directen  Entlehnungen  hervor 
als  in  der  Haltung,  selbst  auch  in  der  Anlage. 

9* 


J32  ^^^  Werke  des  Justin. 

Justin's  Schutzschrift  nicht  unbekannt  gewesen  ist^^).  Das 
Gleiche  ist  über  die  nur  syrisch  erhaltene,  pseudomeHtonische 
Apologie  :'-u  sagen.  Auch  sie  ist  durchaus  eigenthümlich  ge- 
halten, aber  an  einigen  Stellen  von  Justin  abhängig '^^). 

Nicht  sicher  ist,  dass  Minucius  Felix  die  Apologie  des 
Justin  gelesen  hat.  Man  beruft  sich  dafür  gewöhnlich  auf 
Octav.  29  u.  30  vgl.  mit  Apol.  I,  55.  II,  12.  Allein  diese  Stoffe 
brauchen  nicht  durch  directe  Vermittelung  des  Justin  an  Minu- 
cius gekommen  zu  sein,  und  was  sonst  an  Parallelen  aufge- 
wiesen worden,  ist  nicht  erheblich.  Dagegen  unterliegt  es 
keinem  Zweifel,  dass  Tertullian  verschiedene  Schriften  Justin's 
gekannt  und  von  denselben,  freilich  ohne  seine  Quellen  zu 
nennen,  bei  Abfassung  mehrerer  seiner  Tractate  —  auch  noch 
der  späteren^ —  Gebrauch  gemacht  hat'^).  Einmal  hat  er  den 
Justin  auch*  ausdrücklich  genannt'^),  und  zwar  als  Ketzerbe- 
streiter, nicht  als  Apologeten,  oder  doch  nur  indirect  zugleich 
als  solchen.  Wir  erfahren  hier,  dass  Justin  für  den  ältesten 
Ketzerbestreiter  galt  —  die  Ordnung  der  Namen  L  c.  ist  eine 
chronologische  — ,  dass  er  auch  gegen  die  Valentinianer  ge- 
schrieben'9),  und  dass  er  bereits  am  Anfang  des  3.  Jahrhun- 
derts den  Ehrentitel  „Philosoph  und  Märtyrer"  geführt  hat^°). 


75)  Vgl.  Theophil,  ad  Autol.  III,  8.  30  mit  Just.,  Apol.  I,  4  fin.  Th. 
I,  8  mit  Apol.  I,  19. 

76)  Belege  bei  Otto,  1.  c.  p.  596. 

77)  Das  Apologeticum  Tertullian's  ist  auf  Grund  sehr  sorgfältiger 
Leetüre  der  justinischen  Apologie  niedergeschrieben  worden  und  nicht 
ohne  stillschweigende  Correcturen  derselben.  Das  Urtheil  über  seine  Vor- 
gänger in  der  Apologetik  (De  testim.  anim.  1)  ist  sehr  treffend,  wenn 
man  es  in  erster  Reihe  auf  Justin  bezieht.  Von  einer  lateinischen  üeber- 
setzung  der  Apologie  Justin's  wissen  wir  nichts. 

78)  Adv.  Valent.  5:  „Nee  undique  dicemur  ipsi  nobis  finxisse  mate- 
rias,  quas  tot  iam  viri  sanctitate  et  praestantia  insignes,  nee  solum 
nostri  antecessores ,  sed  ipsorum  haeresiarcharum  contemporales,  instru- 
ctissimis  voluminibus  et  prodiderunt  et  retudemnt,  utJustinus,  phi- 
losophus  et  martyi*,  ut  Miltiades  .  .  ,  ut  Irenaeus  .  .  .  ,  ut  Proculus... , 
quos  in  omni  opere  fidei  quemadmodum  in  isto  optaverim 
assequi." 

79)  S.  auch  Dial.  c.  Tr.  35. 

80)  In  der  oben  angeführten  Schrift  „Z.  Quellenkritik  u.  s.  w."  habe 
ich  zu  zeigen  versucht,  dass  Tertullian  auch  sonst  das  Syntagma  Justin's 
benutzt  hat,  z.  B.  Apol.  13.  de  anima  34.  50.  de  resun*.  5.     In  der  Schrift 


Justin  in  der  voreusebianischen  Ueberlieferung.  133 

Auch  Hippolyt,  der  Zeitgenosse  Tertullian's,  kennt  „Justin  den 
Märt3nrer"  ^  ^),  und  der  Verfasser  des  kleinen  Labyrinths  ^'^)  nennt 
unter  den  kirchlichen  Apologeten  und  Polemikern  vor  der  Zeit 
des  Bischofs  Victor,  welche  Christus  für  einen  Gott  erklärt 
hätten,  an  erster  Stelle  den  Justin. 

In  den  zwei  Menschenaltern  also  zwischen  den  Jahren  150 
und  230  ist  die  Apologie  des  Justin  und  ein  (mehrere?)  pole- 
misches Werk  von  ihm  in  Rom  und  in  Antiochien,  in  Lyon 
und  in  Carthago  gelesen,  ist  er  selbst  in  gleicher  Weise  als 
Ketzerbestreiter  und  Apologet  gefeiert  worden  ^^).  Aber  ge- 
naueres über  seine  schriftstellerische  Thätigkeit  erfahren  wir 
nicht.  Die  einzige  Schrift  von  ihm,  die  ausdrücklich  citirt  wird, 
ist  das  ^mTayfia  TtQog  MaQxitjva^-). 

um  die  Wende  des  3.  Jahrhunderts  zum  4.  hat  Methodius 
in  seinem  Werk:  ^^jioötoXtKcov  qtjxiov  sQfir^vela,  aus  welchem 
Photius  (Biblioth.  c.  234)  Mittheilungen  gemacht  hat,  ein  Wort 


adv.  Valent.  kann  allerdings  nur  Weniges  jenem  Werke  entnommen  sein. 
Aber  desshalb  anzunehmen,  dass  Tertullian  dasselbe  überhaupt  nicht  ein- 
gesehen hat,  ist  doch  unstatthaft.  Dass  die  Schilderung  und  Bekämpfung 
der  Valentinianer  durch  Justin  eine  summarische  und  unzureichende  war, 
sagt  überdies  Irenaeus  1.  IV  praef  1  ausdrücklich.  Nicht  unwahröchein- 
lich  ist ,  dass  Tertullian's  Schrift  de  anima  von  der  gleichnamigen  des 
Justin  abhängig  ist,  s.  Euseb.  IV,  18,  5  (so  vermuthet  Grabe  II,  168). 

81)  Philos.  VIII,  16,  s.  auch  Pseudotertull.  h.  26.  Nach  Lipsius 
(Quellenkritik  des  Epiphanios)  hat  Hippolyt  im  Syntagma  vornehmlich 
das  Syntagma  des  Justin  benutzt.  Doch  hat  Lfpsius  diese  Hypothese 
später  selbst  widerrufen.  Ueber  das  Verhältniso  der  beiden  Syntagmata 
s.  Ztschr.  f.  d.  bist.  Theol.  1874  S.  219. 

82)  Bei  Euseb.  h.  e.  V,  28,  4. 

83)  Bei  Clemens  Alex,  und  Origenes  ist  bisher  kein  sicheres  Citat  aus 
Justin  nachgewiesen  worden.  Vielleicht  hat  Rhodon  die  Apologie  Ju- 
stin's  oder  die  Schrift  gegen  Marcion  gelesen.  Beide  bezeichnen  nämlich 
den  Marcion  als  „Wolf"  (ApoL  I,  58.  Rhodon  bei  Eusieb.  V,  13,  4).  lieber 
Julius  Afr.  g.  unten. 

84)  Es  ist  nicht  auszumachen,  ob  diese  Schrift  mit  dem  avvzay^a 
xatä  7t.  T.  y.  aiQsascav  (Apol.  I,  26)  identisch  war,  resp.  ihren  Haupttheil 
büdete.  Die  Präposition  nQoq  (Lat.  „ad")  spricht  vielleicht  dafür  ^  dass 
hier  eine  Schrift  von  anderer  Haltung  zu  verstehen  ist  als  sie  jenes  Syn- 
tagma einnahm.  —  Die  Angabe  des  Eusebius  tJV,  18,  9),  die  Schriften 
des  Justin  hätten  onovöfiQ  a^ioi  xal  tolg  naXaiolq  gegolten,  erprobt  sich 
für  uns  eicigermassen  an  dem  bisher  im  Texte  Beigebrachten. 


j^4  ^i^  Werke  des  Jusfein. 

des  „Justin  aus  Neapolis,  eines  Mannes,  der  sowohl  zeitlich 
als  durch  seine  Tugend  den  Aposteln  nahe  stand'',  citirt,  wel- 
ches sich  in  den  uns  bekannten  Werken  des  Apologeten  nicht 
findet ^^).  Einen  eingehenden  Bericht  über  Justin  hat  erst 
Eusebius  in  der  Kirchengeschichte  geliefert ^^).  Seine  ausführ- 
lichen Mittheilungen  kommen  in  dreifacher  Hinsicht  in  Be- 
tracht: 1)  zur  Bestimmung  der  schriftstellerischen  Thätigkeit 
des  Apologeten,  2)  für  die  Zeit  desselben,  3)  für  den  Text  der 
uns  von  Justin  erhaltenen  Schriften. 

Eusebius  hat  namentlich  im  1.  Buche,  aber  auch  schon  im 
2.  und  3.,  Mittheilungen  des  Justin,  besonders  aus  der  Apolo- 
gie, vielfach  benutzt  und  fast  durchweg  wörtlich  herüberge- 
nommen. Wir  lesen  bei  ihm  die  ausführliche  Adresse  der 
Apologie,  die  Abschnitte  über  Simon  Magus,  Menander  und 
Marcion,  die  Erwähnung  des  Sjntagma,  des  Barkochbakriegs 
und  des  Antinous.  Den  Schluss  der  sog.  ersten  Apologie  sammt 
dem  Hadrianbrief  hat  er  wörtlich  und  in  extenso  in  seine  Kir- 
chengeschichte aufgenommen;  ebenso  findet,  sich  .dort,  was 
Justin  über  die  Nachstellunofen  des  Crescens.  über  seine  Todes- 


85)  P.  298  ed.  Bekker.  Irrthümlich  giebt  von  Otto  (1.  c.  III  p.  255) 
an,  das  Citat  stamme  aus  des  Methodius  Schrift  nfQl  dvaozdaecuc.  Es 
lautet:  xlTjQOvoßslad^ai  (xhv  xo  dno&vrjaxov ,  xXijQovoixelv  6s  xb  töiv^ 
xnl  dno^vTjOxeiv  fikv  oüQxa,  t,ijv  6h  xijv  ßaoiXBiav  xwv  ovgavwv.  Die 
Beziehung  auf  1  Cor.  15,  50  lässt  sich  schwerlich  verkennen.  Die  Be- 
zeichnung des  Justin,  als  NeanoXixrjg  stammt  wohl  aus  Apol.  I,  1.  Zu 
dem  Ausdruck  x<p  XQ^^'V  *^^'  "^oqqo)  ojv  xCbv  dnoaxoXmv  vgl.  Euseb.,  h. 
e.  II,  13,  2  und  den  chronologischen  Ansatz  für  Apollinarius  im  Chroni- 
con  paschale. 

86)  Im  Chronicon  hat  Eusebius  zweimal  den  Justin  verzeiclinet.  Ad 
ann.  2156  Abr,  Antonin.  TU.  =  140  p.  Chr.  (Hieron.  ad  ann.  2157  Anto- 
nio. IV.  Syncellus  p.  662,  10)  bemerkt  er:  ^lovaxtvog  <piX6ao(poq  {n^oori- 
yoQBv^T]^  og)  imeQ  xov  xaO-*  ^jßäg  ög&ov  Xoyov  ßißXov  dnoXoyiaQ  ^Avzat- 
vLvio  ini6a>xE,  und  ad  ann.  2108  Abr.  Antonin.  XV.  =  152  p.  Chr.  (Hieron. 
ad  ann.  2170  Antonin.  XVil.  Syncellus  p.  663,  6):  KQTjOxrjq  xvvixog  (piXo- 
ao<foq  dveyv(ha&i],  og  ^lovaxlva)  x<x  xa^^  fjfiag  (Ssicp  add.  SynceU.)  ^i- 
Xooö<f>w  xov  (jiaQXVQixov  avveaxsvaas  d^dvaxov,  iXsyxof^svog  vn  avxov 
log  Xix^'og  xal  dnaifwv  (so  ist  nach  dorn  Annen.,  Hieron.  und  Syncellus 
der  Sat'A  zu  reconstruiren).  Die  letztere  Angabe  stammt  aus  Tatian  Orat. 
c.  19  (vgl.  Justin,  Apol.  II,  3),  beruht  aber  auf  einer  Missdeutung;  s.  unten. 
Die  Daten  .sind  in  dieser  Form  beide  unrichtig.  Sie  sollen  ebenfalls  unt«n 
besprochen  werden. 


Der  Bericht  des  Eusebius  über  Justin.  135 

aiinungen,  über  den  Eindruck,  welchen  die  christlichen  Marty- 
rien auf  ihn  gemacht,  und  über  die  Execution  einiger  Christen 
in  Rom  berichtet  hat.  Dem  Dialog  ist  die  Bezeugung  der 
Apokalypse  und  der  noch  jetzt  vorhandenen  prophetischen 
Charismen  entnommen,  sowie  der  Bericht  über  die  Machina- 
tionen und  Verleumdungen  der  Juden  und  ihre  Verfälschung 
der  heiligen  Schriften.  Kein  Zweifel:  Eusehius  hat  die  Apo- 
logie und  den  Dialog  sehr  sorgfältig  durchgelesen  und  so  ziem- 
lich alle  „historisch  wichtigen  Notizen"  aus  denselben  excerpirt. 
Alles  andere  hat  er  bei  Seite  gelassen  oder  vielmehr  durch 
höchst  allgemeine  ürtheile  charakterisirt.  Sein  Verfahren  hat 
zunächst  den  nicht  hoch  genug  anzuschlagenden  Vortheil  für 
uns,  dass  wir  nun  im  Stande  sind,  wenigstens  einen  Theil  des 
nur  in  einer  Handschrift  und  schlecht  überlieferten  Justin* 
Textes  einigerraassen  zu  controliren  ^'^). 


87)  Es  ist  oben  (S.  79  n.  170)  bereits  darauf  hingewiesen  worden,  wie 
schlimm  es  um  den  Text  der  Apologien  und  des  Dialogs  steht.  Es  wurde 
bemerkt,  dass  allein  in  den  Apologien  im  Vergleich  mit  einem  supponir- 
ten  Archetypus  saec.  X.  muthmasslich  2—300  Fehler  zu  corrigiren  seien. 
Eusebius  bestätigt  diese  Vermuthung.  Die  Stellen,  an  denen  er  Justin 
wörtlich  ausgeschrieben  hat,  sind  folgende: 

h.  e.    II,  13,  2  sq.  =-  Apol   I,  26  (p.  76,  15—80,  6  ed.  Otto). 

,       I,  26  (p.  80,  6—11). 
,       I,  29  (p.  90,  5-8). 
,       I,  31  (p.  94,  3-6). 

II,  12  (p.  232,  4-12). 
,       I,  68  (p.  188,  18—190,  5). 
,      Hadr.  ep.  (p.  190,  6-1^2,  11). 
,       I,  26  (p.  80,  11—82,  10). 
,       I,  26  (p  84,  1-3). 
I,     1  (p.  2,  1-6,  2). 
11,     3  (p.  202,  13—206,  14). 
II,     2  (p.  196,  13-202,  12). 
Dial.  17  (p.  62,  7—13). 
(„    „   IV,  18.  8  '     Beziehungen  auf  Dial.  71.  81.  82). 
Eine  Berechnung  ergiebt,    dass  Eusebius    ungeföhr    Yu    der    beiden 
Apologien    wörtlich   mitgetheilt    hat.      Ein   ganzes  Stück    aus    der  sog. 
2.  Apologie  hat  er  uns  allein  erhalten;  es  fehlen  nämlieh  jetet  in  Cod.  C 
in  c.  2  die  Zeilen  p.  196,  15—202,  3  (ed.  Otto),  d.  h.  ein  Blatt  ist  ausge- 
rissen (dies  ergiebt  sich  aus  folgender  Berechnung:  die  beiden  Apologien 
nehmen  bei  v.  Otto   c.  2200  Zeüen  ein,   welche   46  fol.  im  Cod.  C  ent- 
sprechen, d.  h.  ein  fol.  in  Cod.  C  ist  »  e.  48  Zeilen  der  Otto 'sehen  Aus- 


III,  26,  3 

== 

IV,     8,  3 

= 

IV,     S,  4 

==^ 

IV,     8,  5 

= 

IV,     8,  7  sq. 

= 

IV,     9 

■^ 

IV,  11,  9 

= 

IV,  11,  10 

= 

IV,  12 

= 

IV,  16,  3  sq. 

= 

IV,  17,  2  sq. 

= 

IV,  18,  7 

= 

136  ^^^  Werke  des  Justin. 

Um  festzustellen,  wie  Eusebius  den  Justin  beurtheilte,  und 
was  er  von  ihm  und  seiner  schriftstellerischen  Thätigkeit  wusste, 
ist  es  nothwendig,  seine  Worte  genau  ins  Auge  zu  fassen.    Wo 


gäbe.  Das  fehlende  Stück  biiträgt  aber  bei  Otto  47  Zeilen,  d.  i.  ein 
Blatt  des  Cod.  C.  Somit  ist  offenbar,  dass  C  ursprünglich  das  fehlende 
geboten  hat  und  der  Verlust  durch  mechanische  Mittel  zu  Stande  ge- 
kommen ist.  Schon  vor  dem  J.  1541  ist  aber  das  Blcktt  ausgerissen  wor- 
den; denn  (Jeorgius,  der  Schreiber  des  Cod.  Claromont  ,  hat  es  bereits 
nicht  mehr  vor  sich  gehabt).  Was  nun  den  Text  der  Stücke  bei  Euse- 
bius betrifft,  so  bietet  er  auf  HO  Otto'schen  Zeilen  mehr  als  100 
Varianten,  d.  h.  der  Text  der  Apologien,  wie  ihn  die  Euseb- 
Godd.  bezeugen,  wich  wahrscheinlich  an  mehr  als  2000  Stellen 
von  dem  uns  in  C  überlieferten  Text  ab!  Eine  genaue  Prüfung 
der  LAA.  bei  Eusebius  lehrt  allerdings,  dass  mindestens  die  Hälfte  der- 
selben auf  Rechnung  der  selbst  corrumpirten  griechischen  Eusebiushand- 
schriften  zu  setzen  ist  (vgl.  die  Stellen,  wo  einige  oder  mehrere  Codd. 
Eusebii  mit  C  gegen  die  anderen  stehen),  aber  es  bleibt  auch  so  eine  sehr 
grosse  Anzahl  von  Stellen  übrig,  an  welchen  d^u-  Justin-Text  des  Eusebius 
sicher  wieder  hergestellt  werden  kann  und  sich  als  der  vorzüglichere  er- 
weist. Man  wird  daher  in  den  Partien  der  Apologie,  die  durch  Eusebius 
bezeugt  sind,  diesem  ein  viel  grösseres  Gewicht  beizulegen  haben  als  von 
Otto  dies  gethan  hat,  der  nur  im  äussersten  Falle  die  LA  von  C  ver- 
lassen hat.  Man  wird  aber  ferner  auch  der  Conjecturalkritik  einen  wei- 
teren Spielraum  verstatten  müssen,  als  dies  in  den  bisherigen  Editionen 
der  Werke  Justin's  geschehen  ist  (doch  hat  selbst  v.  Otto  sich  zu  sehr 
vielen  Correcturen  entschliessen  müssen;  man  vgl.  nur  zur  Probe  c.  2 — 
12).  Ein  guter  Anfang  ist  in  dieser  Hinsicht  in  neuester  Zeit  von  Zahn 
(Ztschr.  f.  d.  bist.  Theol.  1875  I)  und  Buche  1er  (Rhein.  Museum  1880  II) 
gemacht  worden.  Dem  letzteren  (s.  S.  285)  wird  Recht  zu  geben  sein, 
wenn  er  sagt:  „Irre  ich  nicht,  so  ist  die  Apologie,  weil  viel  gelesen,  früh 
mit  Randbemerkungen  und  orientirenden  Zusätzen  versehen  worden  [s. 
die  Marginalien  in  C],  die  nach  anderthaibhundert  Jahren  im  Exemplar 
des  Eusebius  schon  in  den  Text  eingedrungen  waren."  Das  Beispiel,  wel- 
ches er  anführt  (zu  U,  2),  scheint  auch  mir  schlagend.  Nur  irrt  der  Verf., 
wenn  er  sagt,  die  Interpolation  fände  sich  sowohl  im  Eusebiustext  als 
im  Cod.  C;  denn  C  hat  den  ganzen  Abschnitt  überhaupt  nicht.  Ein  an- 
deres Beispiel  dieser  Art  ist  I,  26  ^p.  80,  5).  Dort  heisst  es  in  C  von  der 
Helena  einfach:  tiqötsqov  inl  riyovq  avadELoav.  Bei  Eusebius  findet 
sich  der  Zusatz:  iv  Tvga»  trjg  ^ocvixrjg —  wahrscheinUch  eine  Glosse,  die 
frühe  schon  in  den  Text  gerathen  ist.  Eine  Lücke  ist  sicher  II,  1  (p.  196, 
8)  anzunehmen,  eine  Glosse  II,  15  (p.  240,  9).  Dagegen  ist  die  von  Ma- 
ranus  und  Otto  empfohlene  Verstellung  des  c.  3  (Zählung  von  Otto) 
von  seinem  alten  Platze  (zwischen  c.  8  u.  9)  gänzlich  verfehlt.  Schliesslich 
sei  bemerkt,  dass  die  griechische  Uebersetzung  des  Hadrianedicts  durch 


I 


Der  Bericht  des  Eusebius  über  Justin.  137 

er  ihn  zuerst  einführt  (II,  13,  2  bei  Simon  M.),  sagt  er:  „Es 
bezeugt  uns  dies  Justinus,  welcher  nicht  lange  nach  den  Apo- 
steln sich  in  unserer  Lehre  ausgezeichnet  hat.  Ich  werde  über 
ihn  zu  seiner  Zeit  das  Nöthige  anführen.  Nimm  und  Hes  seine 
Schrift;  er  sagt  in  seiner  ersten  an  Antoninus  gerichte- 
ten Vertheidigung  unseres  Dogmas  also"  (folgt  I,  26).  L.  III, 
26,  3  erftihren  wir  von  Eusebius  nur,  dass  der  Abschnitt  über 
Menander  bei  Justin  mit  dem  l'iber  Simon  verbunden  war.  In 
dem  IV.  Buch  c.  8  kommt  Eusebius  aufs  neue  auf  Justin  zu' 
sprechen.  Er  befindet  sich  augenscheinlich  in  einer  nicht  ge- 
ringen Verlegenheit.  Den  grossen  gnostischen  Secten Stiftern 
aus  der  Zeit  Hadrian's  sollen  gleichzeitige  Verfechter  der  kirch- 
lichen Wahrheit  entgegengestellt  werden.  Solche  sind  aber 
dem  Eusebius  nicht  bekannt.  Trotzdem  beginnt  er  c.  7,  15 
mit  den  Worten:  „üebrigens  hatte  zu  jenen  Zeiten  die  Wahr- 
heit wieder  eine  ziemlich  grosse  Anzahl  ihrer  Vertheidiger  auf- 
gestellt, die  nicht  nur  durch  mündliche  Widerlegungen,  son- 
dern auch  mit  schriftlichen  Beweisen  gegen  die  gottlosen 
Häresien  kämpften".  Die  nluoveg  reduciren  sich  aber  auf 
zwei  (Hegesipp  und  Justin),  und  von  beiden  muss  Eusebius 
eingestehen,  dass  sie  der  Zeit  Hadrian's  eigentlich  gar  nicht 
angehören.  Von  Justin  sagt  er  dies  mit  überraschender  Offen- 
heit. „Um  diese  Zeit  lebte  auch  Justin,  ein  echter  Liebhaber  der 
wahren  Philosophie,  hing  aber  damals  noch  den  bei  den  Griechen 
gepflegten  Lehren  an."  Es  folgt  nun  das  Citat  aus  ApoL  I,  29 
über  Antinous,  eingeführt  mit  den  Worten:  „Justin  schreibt  in 
der  Apologie  an  Antoninus  also."  Hieran  schliesst  sich 
sofort  die  Anführung  der  Bemerkung  Justin's  über  den  jüdischen 
Krieg  (I,  31);  dann  fährt  Eusebius  fort  (v.  5):  „In  di6rselben 
Schrift  {Iv  ravz(j))  erzählt  er  ferner  seinen  Uebertritt  von  der 
griechischen  Philosophie  zur  Gottesverehrung",  und  nun  folgt 
ein  Abschnitt  aus  der  sog.  2.  Apologie  (c.  12).  Den  Be- 
schiuss  dieser  Citate  macht  die  Anführung  des  68.  Cap.  der 
1.  Apologie  und  des  Hadrianedicts,  welchen  Eusebius  die  Worte 
voranstellt:  „Derselbe  erzählt  ausserdem"  (stl  d^  o  autog  loto- 


Eusebius  in  C  an  die  Stelle  des  lateinischen  Grundtextes  (Euseb.  IV,  8,  7) 
getreten  ist.  Diesen  hat  Rufin  bewahrt,  der  also  die  Apologie  selbst  in 
Händen  gehabt  hat. 


138  Die  Werke  des  Justin. 

gel).  Eiisebius  geht  mm  von  IV,  10  ab  auf  die  Zeit  des  Autou 
Pius  über.  Nachdem  er  die  wichtigsten  Sectenstifter  und  die 
Veränderungen  im  Episkopat  zu  Rom  und  Alexandria  aufge- 
führt, fahrt  er  fort  (IV,  11,  8):  „Besonders  blühte  zur  dama- 
ligen Zeit  Justinus,  der  im  Philosophenkleide  das  göttliche 
Wort  verkündete  und  durch  seine  Schriften  für  den  Glauben 
kämpfte.  Er  verfasste  auch  eine  Schrift  gegen  Marcion  und 
berichtet,  dass  dieser  Mann  zur  Zeit  der  Abfassung  derselben 
noch  am  Leben  war.  Er  sagt  nämlich/'  Es  folgt  aber  kein 
Citat  aus  einer  Schrift  Justin's  'gegen  Marcion,  sondern  viel- 
mehr zwei  aus  der  Apologie  (I,  26),  die  durch  die  W^orte:  lov- 
Toig  i7cig)€Q£t  Xtyojv  mit  einander  verbunden  sind.  Man  kann 
den  Eusebius  nicht  von  dem  Vorwurf  absichtlicher  Täuschung 
seiner  Leser,  als  habe  er  jene  Worte  aus  dem  Syngramma  gegen 
Marcion  genommen ^^),  freisprechen,  da  er  (IV,  11,  11)  fort- 
ßihrt:  „Eben  dieser  Justin  verfasste  auch  gegen  die  Griechen 
sehr  Treffliches  und  widmete  Auseinandersetzungen,  die  eine 
Vertheidigung  unseres  Glaubens  enthalten^"),  dem  Könige  An- 
toninus  mit  dem  Beinamen  „der  Fromme"  und  dem  römischen 
Senat.  Er  hatte  nämlich  in  Rom  seinen  Aufenthalt.  Wer  und 
woher  er  sei,  giebt  er  selbst  in  seiner  Schutzschrift  also  an" 
(folgt  L  Apol.  1).  Eusebius  lässt  nun  durchblicken  (IV,  12), 
dass  Justin  s  Apologie  das  Toieranzedict  des  Kaisers  A.  Pius 
(IV,  13)  mitverursacht  habe  und  geht  dann  1.  IV,  14,  10  zu 
der  Zeit  des  M.  Aurelius  Verus  und  Lucius  über.  An  den  aus- 
führlichen Bericht  über  die  Verfolgung  in  Smyrna  schliesst  er 
nun  wieder  Notizen  über  Justin  an.  C.  16,  1  heisst  es:  „Da- 
mals '^^)  wurde  auch  der  kurz  zuvor  von  uns  erwähnte  Justinus, 
nachdem  er  eine  zweite  Schrift  zur  Vertheidigung 
unserer  Lehrsätze  den  angeführten  Herrschern  über- 
geben hatte  ^^),  mit  einem  herrlichen  Martyrium  gesclmiückt." 
Und  zwar,  fährt  Eusebius  fort,  fiel  Justin   den  Nachstellungen 


88)  Dieses  kannte  er  aus  Irenaeii*N  (s.  h.  e.  IV,   li>,  9). 

89)  Aöyoi  V716Q  Tr,q  7]fAeTkQag  niaxswq  anoXoyiav  sxovtSQ.    Euse- 
bius denkt  nur  an  eine  Schrift,  wie  auch  das  folgende  beweist. 

90)  Kaia  rovxoyg  d.  i.  zur  Zeit  der  asiatischen  Märtyrer. 

91)  JevxsQOv  hnnQ  täv  xa^^   ^ßä<;  öoyfxdxißv  ßißklov  avaSovq  xoi<; 
(SeörjXwfxivoLg  ci(}xovai  (dem  Marc  Aurel  und  Lucius). 


Der  Bericht,  des  Eusebms  über  Justin.  139 

des  Philosophen  Crescens  zum  Opfer,  den  er  öfters  in  Dispu- 
tationen widerlegt  hatte.  „Dieses  Ende  sagte  auch  dieser  grosse 
Philosoph  der  Wahrheit  in  seiner  erwähnten  Schutzschtift 
{iv  Tfj  öidrjkw^itvjj  wcoXoyiq)  deutlich  so  voraus,  wie  er  es  nun 
auch  in  Bälde  wirklich  erfahren  sollte,  mit  folgenden  Worten" 
(folgt  IL  Apol.  3).*  ,,Dass  aber  Justinus,  wie  er  selbst  voraus- 
gesagt, durch  die  Nachstellungen  des  Crescens  seinen  Tod  ge- 
funden, dieses  sagt  Tatian  in  seinem.  Buch  an  die  Griechen  un- 
gefähr so  (lodt  Tiioc):''  Es  folgen  nun  die  zwei  Stellen  aus 
Tatian  über  Justin  (Orat.  18.  19),  und  Eusebius  schliesst: 
„Dieses  war  die  Veranlassung  zum  Märtyrertode  des  Justin". 
Er  bringt  hierauf  im  folgenden  (17.)  Capitel  jenen  Bericht  Justin's 
(IL  Apol.  2)  über  die  römischen  Märtyrer  nach  und  leitet  ihn 
also  ein:  „Derselbe  Mann  erwähnt  in  seiner  ersten  Apolo- 
gie {sv  Trj  nqoTeqa  d7ioloyia)  vor  seinem  eigenen  Kampfe  (sie) 
Anderer,  die  vor  ihm  Märtjrrer  geworden  sind  .  .  ,  er  schreibt 
also"  (folgt  II,  2  p.  19(5,  13—202,  12).  „Auf  diese  Erzählung 
lässt  Justin  schicklicher  und  zusammengehöriger  Weise  '-^2)  die 
oben  von  uns  erwähnten  Worte  folgen:  Auch  ich  erwarte  nun 
u.  s.  w."  (s.  oben  IV,  16,  3). 

Nun  erst  1.  IV,  18  giebt  Eusebius , den  Generalbericht  über 
die  schriftstellerische  Thätigkeit  des  Justin.     Er  lautet: 

„Justin  hat  uns  sehr  viele,  in  jeglicher  Hinsicht  lehrreiche 
Denkmäler   seines    gebildeten  und  mit    den  göttlichen  Dingen 


92)  Elxotioq  xal  axoXov^ioq.  Dieser  Ausdruck  hat  Maranus  und 
von  Otto  veranlasst,  den  Abschnitt  über  Crescens  aus  seiner  überliefer- 
ten Stellung  zwischen  c.  8  u,  9  zu  entfernen  und  unmittelbar  nach  c.  2 
zu  stellen  (s.  oben).  Allein  axoXovS^aig  braucht  nicht  „unmittelbar"  zu 
heißsen;  ferner  wird  der  Zusammenhang  der  Rede  so  gestört.  Der  Ein- 
gang des  Crescenscapitels  schliesst  sich  recht  wohl  an  c,  8  fin.  an;  ol 
wvoiAocofihvoL  sind  die  Dämonen,  und  der  Üebergang  zu  Crescens  erhält 
so  ein  besonderes  Acumen.  Aber  auch  c.  9  init,  ist  nach  dem  Schluss 
der  auf  den  Cyniker  bezüglichen  Ausführungen  nichts  weniger  als  be- 
fremdlich; begimit  es  doch  mit  einem  Hinweise  auf  die  vojuit^o/xsvot  <pt- 
loopcpoi.  Ebenso  ist  der  Üebergang  von  c.  2  fin.  zu  4  init.  nicht  zu  be- 
anstanden. Nach  dem  Bericht  über  die  römischen  Martyrien  war  der  Satz: 
07i(og  6h  jxri  ng  si'jtj^'  nävteg  ovv  kavzovq  (povevaaxe ^  wohl  am  Platze. 
Dagegen  ist  der  üebergang  von  c.  2  fin.  zu  3  init.,  3  fin.  zu  4  init.,  8  fin. 
zu  9  init.  ganz  abrupt  und  nur  der  flüchtigsten  Beobachtung  erträgUch 


140  ^i®  Werke  des  Justin. 

sich  viel  beschäftigenden  Geistes  hinterlassen.  Auf  diese  ver- 
weisen wir  die  Lernbegierigen,  nachdem  wir,  was  von  denselben 
zu  unserer  Kenntniss  gelangt  ist,  zum  Gebrauche  angeführt 
haben.  Da  ist  (1)  eine  Schrift  von  ihm,  welche  gerichtet 
ist  an  Antoninus,  mit  dem  Beinamen  der  Fromme, 
und  an  dessen  Söhne  und  an  den  römischen  Senat  zur 
Vertheidigung  unserer  Lehrsätze,  eine  andere  (2),  welche  eine 
zweite  Vertheidigung  für  unseren  Glauben  enthält,  und 
welche  er  verfasst  hat  für  den  Nachfolger  und  Namens- 
bruder des  erwähnten  Selbstherrschers,  für  Antoni- 
nus Verus,  dessen  Zeiten  wir  gegenwärtig  behandeln.  Eine 
andere  Schrift  von  ihm  (3)  ist  die  an  die  Griechen.  In  die- 
ser verbreitet  er  sich  weitläufig  über  die  meisten  Themata, 
welche  bei  uns  und  bei  den  Philosophen  der  Griechen  unter- 
sucht werden,  und  stellt  dann  genaue  Erwägungen  an  über  die 
Natur  der  Dämonen.  Es  dürfte  in  diesem  Zusammenhang  nicht 
nothwendig  sein,  diese  hierherzusetzen.  Auch  ist  von  ihm  (4) 
noch  ein  anderes  Sjngramma  an  die  Griechen  auf  uns 
gekommen,  dem  er  den  Titel  „Widerlegung"  gegeben  hat. 
Ausserdem  ein  weiteres  (5)  über  die  Monarchie  Gottes, 
welche  er  nicht  bloss  aus  unseren  eigenen  Schriften,  sondern 
auch  aus  den  Werken  "der  Griechen  begründet.  Dazu  kommt 
(6)  eine  Schrift  mit  dem  Titel  „der  Psalter''  und  eine 
andere  umfangreiche  Lehrschrift  (7)  über  die  Seele,  in  wel- 
cher er  verschiedene  Untersuchungen  über  das  im  Titel  ge- 
►nannte  Problem  vorträgt  und  die  Ansichten  der  griechischen 
Philosophen  hierüber  anführt  mit  dem  Versprechen,  sie  auch 
in  einem  anderen  Werke  zu  widerlegen  zugleich  mit  einer 
Darlegung  seiner  eigenen  Ansicht.  Auch  hat  er  (8)  einen 
Dialog  mit  den  Juden  verfasst,  den  er  in  der  Stadt  Ephe- 
sus  mit  Tryphon,  dem  Angesehensten  unter  den  Juden  der  da- 
maligen Zeit,  gehalten  hat."  Es  folgen  nun  einige  Citate  aus 
dem  Dialog  (s.  oben).  Dann  fährt  Eusebius  (v.  8)  fort:  „Es 
finden  sich  auch  noch  sehr  viele  andere  Werke  von  ihm  bei 
vielen  Brüdern.  Die  Schriften  dieses  Mannes  wurden  aber  auch 
von  den  Alten  für  so  beachtenswerth  gehalten,  dass  Irenaeus 
Stellen  von  ihm  anfuhrt."  Es  folgen  nun  die  beiden  Justin- 
Citate  bei  L-enaeus  (s.  oben),  worauf  Eusebius  seinen  Bericht 
mit  den  Worten  schhesst  (v.  10):  „Dieses  habe  ich  anführen  zu 


,  Der  Bericht  des  Eusebius  über  Justin.  ■[4-| 

müssen  geglaubt,  um  die  Lernbegierigen  zum  eifrigen  Studium 
seiner  Schriften  zu  ermuntern.   Soviel  über  diesen  Mann."^^) 

Eusebius  ist  ein  berechnender  und  geschickter  Schriftsteller. 
Er  kennt  ferner  die  Anforderungen,  die  ein  Historiker  an  sich 
zu  stellen  hat,  sehr  wohl,  aber  er  kennt  auch  jene  feinen  Mit- 
tel, durch  welche  der  Schriftsteller  den  Geschichtsschreiber  und 
die  Leser  ohne  Aufsehen  zu  täuschen  vermag.  Wäre  er  eben 
so  sorgfältig  gewesen  wie  geschickt,  oder  auch  gewissenloser, 
als  er  es  sich  zu  sein  verstattete,  so  hätte  er  der  Nachwelt 
eine  Controle  unmöglich  gemacht.  So  aber  vermag  man  ihm 
fast  überall,  nachdem  einmal  der  Schlüssel  zu  seiner  Methode 
entdeckt  ist,  nachzurechnen,  und  diese  Rechnung  fällt  selten 
zu  seinen  Gunsten  aus.  Auch  seine  Mittheilungen  über  Justin 
stiften  seiner  Unbefangenheit  kein  Ehren gedächtniss,  so  schlicht 
und  zuverlässig  sie  auch  auf  den  ersten  Bhck  erscheinen.  Zu- 
nächst hat  man  zu  beachten,  dass  Justin  und  Hegesipp,  bei 
deren  Behandlung  durch  Eusebius  man  durchweg  die  Parallele 
bemerkt,  als  die  kirchlichen  Säulen  während  der  Regierungs- 
zeit dreier  Kaiser  vorgeführt  werden  sollen.  Es  ist  schon  oben 
darauf  hingewiesen  worden,  dass  dies  für  die  Zeit  Hadrian's 
nur  durch  ein  gewaltsames  Arrangement  erreicht  wird.  Euse- 
bius theilt  aus  der  Apologie  solche  Stücke  mit,  welche  sich 
auf  jene  Zeit  beziehen,  und  sucht  auf  diese  Weise  weniger  auf- 
merksame Leser  zu  beruhigen  ^'*).  Aber  auch  bei  der  Regierungs- 
zeit des  Antoninus  Pins  geht  es  nicht  ohne  Täuschung  ab. 
Justin  soll  als  der  erste,  dem  Häretiker  gleichzeitige,  kirchliche 
Kämpe  gegen  Marcion  hier  vorgestellt  werden.  Hat  er  doch, 
wie  Eusebius  bei  Irenaeus  gelesen  hatte,  ein  eigenes  Werk  gegen 
diesen  geschrieben.  Dies  stand  aber  dem  Kirchenhistoriker 
nicht  zu  Gebote  '■^^).  In  Ermangelung  desselben  führt  Eusebius 
eine  Stelle  aus  der  Apologie  über  Marcion  so  an,  dass  der 
Leser  glauben  muss,  sie  sei  jenem  Werke  entnommen.  Er  sagt 
dies  nicht  mit  dürren  Worten  —  darin  besteht  wiederum  seine 


93)  L.  V,  8,  9  berichtet  Eusebius  noch  einmal,  dass  Irenaeus  den  Justin 
citirt  habe;  V,  28,  4  bringt  er  ein  Citat  aus  dem  kl.  Labyrinth,  in  wel- 
chem des  Justin  gedacht  ist.   Weiteres  erfahren  wir  nicht  metr  über  ihn. 

94)  Sein  eigenes  Gewissen  salvirt  er  durch  die  Bemerkung  IV,  8,  3. 

95)  Im  Schriftenverzeichniss  IV,  18  fehlt  es  desshalb  auch  (s.  oben). 


^^2  ^iö  V/erke  des  Justin. 

Gewissenhafiagkeit  — ,  aber  gleich  darauf  führt  er  als  ein  wei- 
teres, nun  zu  nennendes  Werk  die  Apologie  des  Justin  auf  ^^, 
Eusebius  giebt  sich  also  ganz  deutlich  in  diesem  Zusammen- 
hang den  Anschein,  ein  Werk,  welches  er  nicht  eingesehen 
hatte,  zu  kenneu.  Ausserdem  erfindet  er  —  so  darf  man  es 
wohl  nennen  — ,  dass  die  justinische  Apologie  den  Kaiser  A. 
Pius  umgestimmt  habe.  Am  schlimmsten  steht  es  aber  mit 
dem,  was  er  über  den  Märtyrertod  des  Justin  unter  Marc  Aufel 
berichtet.  Justin  soll  denselben  vorausgesagt  haben  als  durch 
die  Jsfachstellungen  des  Crescens  erfolgend.  Dass  dies  wirklich 
so  geschehen  sei,  soll  dann  Tatian  bezeugen.  Aber  Tatian  be- 
zeugt dies  nur,  wenn  man  seine  Worte  —  fälscht;  dies  hat 
Eusebius  gethan^^).  Während  er  nämlich  im  übrigen  den  Text 
des  Tatian  genau  citirt,  schreibt  er  statt  der  Worte:  'lovauvov 
■aad^aneQ  kcu  Ifie  cog  zaxof  lu)  d^avdzco  fcegißaksh'  {ßnqayixa- 
TEvoaTo)  vielmehr  ^lovozlvov  -/.ad^aneQ  fieyaXci)  Kaxco  toj  d^avdtM 
TCEQißalm'.  „Der  kritische  Leser  muss  auch  diesen  verderbten 
Text  noch  so  verstehen,  dass  es  dem  Crescens  nicht  damit  ge- 
lungen sei",  d.  h.  seine  Gewissenhaftigkeit  erlaubte  dem  Euse- 
bius auch  dieses  Mal  nicht,  Wahrheit  völlig  in  Unwahrheit  zu 
verwandeln.  Aber  der  „unbefangene"  Leser  verstand,  was  er 
nach  Eusebius  verstehen  sollte  ^^). 


96)  Uaf^s  Eusebius  die  Schrift  unter  dem  Titel  „xaza  Ma^xicjvog^^ 
einführt,  ist  vielleicht  auch  nicht  zufällig.  Das  Werk  hiess  „TtQOQ  Muq- 
xicova''  (so  richtig  Euseb.  selbst  V,  8,  9). 

97)  S.  Deml)Ov/ski,  Quellen  I  S.  60.  Zahn,  Tatian's  Diatessaron 
S.  275  f.  Letzterer  zeigt,  wesshalb  an  einen  blossen  Irrthum  des  Eusebius 
nicht  zu  denken  ist. 

98)  Schon  in  der  Chronik  ad  ann.  2168  Abr.  (s.  oben)  hat  Eusebius 
den  falschen  Schluss  aus  Tatian  (c.  19)  gezogen.  Die  Bemerkung  gehört 
wahrscheinlich  ihm  an  und  nicht  seiner  Quelle,  dem  Chronicon  des  Julius 
Africanus.  Andererseits  findet  zwischen  der  Chronik  und  der  Kirchen- 
geschichte  ein  Widerspruch  statt.  Nach  dieser  ist  Justin  zur  Zeit  Marc 
Aurel's,  nach  jener  im  Jahre  152  Märtyrer  geworden.  Achtet  man  aber 
genauer  auf  die  Form  der  Mittheilungen  über  Justin  im  Chronicon,  so 
ergiebt  sich  eine  überraschende  Beobachtung,  durch  welche  nicht  nur 
jener  Widerspruch  erklärt  wird,  sondern  auch  viele  Daten  des  Eusebius 
im  Chronicon  erst  erhellt  werden.  Zu  ann.  2168  heisst  es  nicht:  ^Justin 
kam  ums  Leben"  oder  älinlich,  sondern  ^KQTjaxTj<;  xvvtxog  <piX6ao^OQ 
avfyvwcOtj'^,  und  nun  erst  folgt  in  der  Form  eines  Relativsatzes  der  Be- 


Der  Berieht  des  Eusebius  über  Justin.  143 

Wir  sind  noch  nicht  zu  Ende.  Hätte  man  die  Berichte 
des  Eusebius  nicht  stets  vom  Standpunkt  der  handschriftlichen 
üeberlieferung  der  Apologien  Justin's  aufgefasst,  so  hätte  man 
niemals  in  Abrede  gestellt,  dass  Eusebius  die  beiden  uns 
aufbehaltenen  Apologien  als  eine  einzige  Schrift   ge- 

richt  über  den  durch  ihn  herbeigeführten  Tod  des  Justin.  Das  Jahr  2168 
==  152  p.  Chr.  bezieht  sich  also  auf  das  Auftreten  des  Crescens.  Ebenso 
stand  nach  Syncellus  zum  ann.  2156  =  140  p.  Chr.  im  Chronicon  ^lov- 
atlvoq  TiQoarjyoQSvd^ij  (man  wird  es  für  zufäHig  halten  dürfen,  dass  Hie- 
roB.  und  der  Arm.  beide  dies  Wort  ni«ht  wiedergegeben  haben;  der 
Arm.  hat  solche  Einführungen  sehr  häufig  weggelassen,  s.  z.  B.  die  gleich 
folgende  Bemerkung  über  Valentin  z,  ann.  2159  vgl.  mit  Hieron.  zu  der- 
selben Stelle),  und  wiederum  erst  in  einem  Relativsatze  folgt  die  Angabe 
über  die  Apologie  an  Antoninus.  Alles  wird  plan  bei  der  Annahme,  dass 
Eusebius  in  seiner  Quelle  zum  ann.  2156  und  2168  lediglich  je  eine  Notiz 
über  das  erste  Auftreten  Justän's  unjd  über  Crescens  fand,  diese  von  sich 
au8  mit  jenen  Zusätzen  versehen  und  so  die  chronologischen  Ansätze  ver- 
wirrt hat.  Eliminirt  man  den  Fehler  des  Eusebius,  so  erseheinen  die 
Daten  überraschend  richtig;  denn  es  steht  fest,  dass  die  Apologie  des 
Justin  in  den  Jahren  147 — 160,  wahrscheinlich  aber  nicht  viel  später  als 

c.  150,  abgefasst  ist,  und  es  ist  nach  Eusebius  IV,  8,  3,  aber  auch  nach 
der  Apologie  selbst  gewiss,  dass  Justin  zur  Zeit  Hadrians  noch  Heide  war. 
Die  Quelle  des  Eusebius  sagt  uns  aber,  dass  Justin  im  Jahre  140  ,be- 
grüsst"  wurde,  und  dass  ihm  Crescens  im  Jahre  152  zu  schaffen  machte, 

d.  h.  aus  diesem  Jahre  ungefähr  stammt  die  Apologie.  Eine  Durchsicht  der 
Chronik  erg^ebt  aber,  dass  Eusebius  auch  an  anderen  Stellen  zu  kurzen 
Notizen,  die  er  in  seiner  Quelle  vorfand,  aus  seiner  eigenen  Kenntniss 
heraus  Zusätze  gemacht  und  so  die  Chronologen  irregeführt  hat.  Das 
betreffende  Datum  ist  auch  dort  stets  auf  den  Hauptsatz  und  nicht  auf 
die  zugefügte  Bemerkung  zu  beziehen.  Dass  nun  die  Quelle  des  Eusebius 
die  Chronik  des  Julius  Africanus  war,  bedarf  keines  Nachweises  mehr, 
und  dass  dieser  sich  für  seinen  Landsmann  Justin  besonders  intereseirt 
hat,  ist  nicht  auffallend.  Er  wusste  noch,  wann  Justin  zum  Christenthum 
übergetreten  ist  (die  Bemerkung  ist  bei  Eusebius  zu  Olymp.  230,  1  ge- 
setzt), und  er  kannte  das  Datum  der  Apologie,  aus  welcher  er  das  Auf- 
treten des  Cynikers  abstrahirt  hat  (Olymp.  233,  1).  Die  Richtigkeit 
seines  Ansatzes  wird  sich  bei  Besprechung  der  Oratio  des  Tatian  noch 
einmal  ergeben.  Eusebius  aber  hat  die  ihm  von  J.  Africanus  gebotenen 
zwei  Daten  benutzen  wollen,  um  die  llebergabe  der  Apologie  und  den 
Märtyrertod  zu  verzeichnen.  Er  trägt  die  Schuld,  wenn  sich  nun,  und 
nicht  nur  für  den  unkritischen  Leser,  die  Chronologie  verschob.  Eusebius 
hat  über  die  Ur/jstände,  unter  welchen  der  Tod  des  Justin  erfolgt  ist, 
einfach  nichts  gewusst,  dieses  sein  Nichtwissen  aber  durch  eine  ganz 
luftige  Combination  verschleiert. 


j^4  Die  Werke  des  Justin. 

kannt  und  benutzt  hat.  Die  oben  mitgetbeilten  Stellen 
müssen  dies  für  jeden  Leser  zweifellos  machen.  Angesichts 
einer  Stelle  allerdings  lässt  sich  die  Frage  aufwerfen,  ob  sich 
nicht  Eusebius  den  Anschein  hat  geben  wollen,  als  citire  er 
hier  aus  einer  zweiten  Apologie.  Nachdem  er  nämlich  IV,  16,  l 
die  Existenz  einer  solchen,  an  M.  Aurel  gerichteten,  constatirt 
hat,  führt  er  unmittelbar  eine  Steile  aus  Apol.  II,  3  (unserer 
Zählung)  mit  den  Worten  an:  ev  zfj  Ö€dr]lG)/LiBvr]  dnoloyla. 
Der  Leser  kann  nur  glauben,  dass  diese  Worte  eben  der  zweiten 
Apologie  (an  M.  Aurel)  angehören.  Ist  er  aufmerksam,  so  wird 
er  freilich  gleich  darauf  (IV,  17,  14,  wo  Eusebius  das  Stück 
noch  einmal  anführt)  unzweideutig  darüber  belehrt,  dass  die 
Worte  €v  rfi  Tigorega  ajcoXoyla  zu  lesen  seien.  Indessen  nach 
dem  oben  über  die  Schrift  an  Marcion  bei  Eusebius  Bemerkten 
ist  es  wohl  glaublich,  dass  Eusebius  eine  kleine  Täuschung 
beabsichtigt  hat,  die  er  nach  seiner  merkwürdigen  Art  von  Ge- 
wissenhaftigkeit oder  Flüchtigkeit  c.  17,  14  wieder  aufhebt.  Er 
befand  sich  ja  in  der  grössten  Verlegenheit.  Einerseits  sollen  die 
Nachstellungen  des  Crescens  gelungen  sein  —  von  ihnen  ist  aber 
schon  in  der  Apologie  an  Pius  die  Rede  — ,  andererseits  soll 
aber  Justin  noch  Zeit  gefunden  haben,  mehrere  Jahre  später 
eine  neue  Vertheidigungsschrift  an  M.  Aurel  zu  richten.  Da 
war  es  die  einfachste  Lösung,  den  Fundort  jener  Voraussagung 
Justin's  über  seinen  Tod  zunächst  zu  verschleiern,  und  den  An- 
schein zu  erwecken,  als  sei  die  Stelle  der  zweiten  Apologie  ent- 
nommen. Will  man  aber  Eusebius  hier  diese  Täuschung  nicht 
aufbürden,  so  kann  man  nur  annehmen,  dass  er  sich  mit  dem 
Ausdruck  sv  zfj  d£drjkcof.ievrj  ctTZoXoyia  auf  die  früher  schon 
charakterisirte  1.  Apologie  hat  zurückbeziehei\  wollen.  Auf 
jeden  Fall  steht  aber  fest  und  bleibt  von  der  Entscheidung 
über  Eusebius'  Gewissenhaftigkeit  unbetrofFen,  1)  dass  Eusebius 
in  der  Kirch  engeschichte  zwei  Apologien  des  Justin  verzeichnet 
hat,  2)  dass  er  die  erste  an  Antoninus  Pius,  die  zweite  an  Marc 
Aurel  (so  IV,  18,  2;  an  der  anderen  Stelle  IV,  16,  l  sind  die 
öeörjXw^tipoi  ttQxovceg  genannt,  d.  h.  nach  IV,  14,  10  Marc  Aurel 
und  Lucius)  gerichtet  sein  lässt,  3)  dass  Eusebius  lediglich 
aus  der  ersten  Apologie  Mittheilungen  gemacht  hat,  4)  dass  er 
die  im  Cod.  Par.  450  als  zwei  Apologien  aufgeführten  Schriften 
als  die  eine  Apologie  an  Antoninus  Pius  gekannt  hat. 


Der  Bericht  des  Eusebius  über  Justin.  145 

Das  Ergebnis s  siib  4)  trifft  mit  sicheren  kritischen  Er- 
wägungen zusammen.  Die  sog.  1.  und  2.  Apologie  des  Justin 
sind,  wie  aus  inneren  Gründen  geschlossen  werden  muss,  ein 
einziges  Werk,  resp.  die  sog.  zweite  ist  ein  vor  Veröffentlichung 
der  grösseren  Apologie  zugefügter  Nachtrag  zu  ihr.  Darüber 
ist  kein  Wort  mehr  zu  verlieren  ^^).  Es  erheben  sich  aber  nun 
um  so  dringlicher  die  Fragen  1)  wann  und  aus  welchen  Grün- 
den ist  in  der  Folgezeit  die  erste  Apologie  getheilt  worden  ^^% 
2)  welche  Bewandtniss  hat  es  mit  jener  zweiten  Apologie  des 
Justin  an  M.  Aurel,  von  welcher  wir  hier  zum  ersten  Male 
hören  (in  der  Chronik  fehlt  sie  noch),  warum  ist  sie  ver- 
schollen? Schon  auf  den  ersten  Blick  scheinen  diese  beiden 
Fragen  in  einem  gewissen  Zusammenhange  zu  stehen.  Die 
Antwort  liegt  nahe:  weil  man  die  zweite  nicht  mehr  besass, 
hat  man  die  erste  getheilt.  Doch  ist  eine  Erörterung  hier  noch 
nicht  am  Platze. 

Zur  Kenntniss  des  Eusebius  sind  nach  'seiner  eigenen  An- 
gabe acht  Schriften  des  Justin  gekommen;  er  hat  aber  Kunde 
davon,  dass  noch  andere  Werke  des  Apologeten  im  Umlauf 
sind.  Wir  dürfen  annehmen,  dass  er  jene  acht  Bücher  wirk- 
lich in  Händen  gehabt  hat^^^),  selbst  wenn  er  auch  nur  aus 
zweien  (Nr.  1.  8)  wörtliche  Anführungen  bringt  und  den  Inhalt 
von  dreien  (Nr.  3.  5.  7)  kurz  chärakterisirt.  Auch  den  „Psalter", 
die  „Widerlegung"  und  die  Apologie  an  M.  Aurel  wird  er  also 
wenigstens  flüchtig  eingesehen  haben  ^^^). 

Aber  stammten   diese  8  (10)  Schriften  wirklich   alle  von 


99)  Wieseler  (Christenverfolg,  der  Cäsaren  S.  104  f.)  hat  sich  in 
leichtfertigster  Weise  über  die  Gründe  hinweggesetzt,  welche  dieses  Re- 
sultat zu  einem  unumstössHchen  machen. 

100)  Diese  Theilung  liegt  nicht  nur  im  Par.  450,  sondern  auch  im 
Ottob.  gl-.  274  vor  (s.  oben),  und  zwar  wird  in  beiden  Codd.  die  kleinere 
Apologie  (der  Nachtrag)  als  die  erste,  die  grössere  Hälfte  als  die  zweite 
bezeichnet. 

101)  Es  folgt  dies  auch  daraus,  dass  er  in  diesem  Zusammenhang 
weder  das  Sjiitagma  noch  die  Schrift  gegen  Marcion  mehr  erwähnt. 

102)  Bemerkenswerth  ist  es  immerhin,  dass  Eusebius  nur  aus  den  bei- 
den Schriften  Justin's  citirt  hat,  die  auch  wir  jetzt  noch  besitzen.  Es 
erklärt  sich  dies  aber  wohl  daraus,  dass  dieselben  wohl  die  umfang- 
reichsten waren  und  für  seine  Zwecke  am  meisten  boten. 

Texte  und  Untersuchungen.  10 


146  ^^^  Werke  des  Justin. 

Justin?  Unmöglich  ist  es  nicht,  dass  schon  im  Laufe  des 
3.  Jahrhunderts  Unterschiebungen  stattgefunden  haben;  wir  sind 
aber  ausser  Stande,  irgend  etwas  Positives  an  dieser  Stelle  zu 
ermitteln.  Gehen  wir  daher  zu  den  weiteren  Zeugnissen  aus 
den  späteren  Jahrhunderten  über. 

Athanasius  hat  die  Apologie  Justin's  gelesen,  sie  aber  nicht 
ausdrücklich  citirt^^^).  ßpiphanius  bringt  uns  (h.  46  y.ata.  Tä- 
Ttavdjv)  eine  wichtige  NachÜcht.  Es  ist  oben  bemerkt  worden, 
dass  Eusebius  über  das  Martyrium  des  Justin  nichts  näheres 
gewusst  hat.  Epiphanius  aber  besass  eine  Kunde  hierüber. 
Er  schreibt  (c.  1):  {Tatiavbg)  ovvaxjua^€i  ^lovoTtvq)  Tqi  (piXo- 
ü6ff(jf^  apÖQL  aylqj  xai  (pik(^  -S^eoVt  t(a  ano  ^afiaQenojv  elg 
Xqlgtov  TCSTtiozBvy.o'ct.  Ovtog  yag  6  ^lovavivog  ZafuaQCLTrjg  ^v 
to  yivoQy  slg  Xgiarbv  n€rciOTevy.a)g  xat  ^sydlcog  e^aoKiid^€ic^ 
ccQStr^g  ts  ßiov  ivöai^dfievogj  zb  Tclog  vneQ  Xqwtov  fnagrvQrj- 
aag  zeXslov  öTecpdvov  TcaTa^iovTai,  STtl  zi^g  *Pcü|uof/ft)y,  inl  ^Pu- 
0TIKOV  rjyefiovog  y,ai  läÖQiavov  ßaaiXecogj  ir(5v  ZQidxovra  vtcolq- 
Xwv  €v  Y.ad-eaztoorj  rjXiyJa.  Unter  dem  "^PcüatLytbg  rjyefiajv  ^^*) 
ist  der  Praefectus  urbis  Junius  Rusticus  ziu  verstehen,  der  nach 
Borghesi^o^)  in  den  JJ,  163—167  dieses  Amt  bekleidete  i^^»). 
Der  Zusatz  ,fy.alL4dQiavov  ßaaü^swg^^  ist  nattirHch  irrthümlich; 
irrthümlich  auch  die  Bemerkung,  dass  Justin  nur  30  Jahre  alt 
geworden  sei  —  denn  die  Apologie  zeigt  ihn  uns  als  einen 
gereiften  Mann  *^'').     Epiphanius  hat  aber  jedenfalls  eine  von 


103)  Die  Stelle  aus  dem  Buche  c.  gent.  9  über  Antinous  kann  von 
Apol.  I,  29  nicht  unabhängig  sein.  Justin  schreibt:  ov  .  .  .  6ta  tpoßov 
aißsiv  ioQfirjvzOf  Athanas. :  6iä  (pößov  tov  nQOO%d^avxo(i  aißovaiv. 

104)  Genauer  wäre  sTtaQX^^Sy  s.  Acta  Jiwtini  1  und  Philosoph.  IX,  11 
fin.  12  (p.  454,  32). 

105)  Citirt  nach  Zahn,  Theol.  Literaturz.  1876  col.  443  f.  Tatian'a 
Diatesaaron  S.  277. 

106)  Nachweise  über  ihn  bei  Teuf  fei,  Rom.  Literaturg.  III.  Aufl. 
§  358,  3. 

107)  Es  ist  indess  möghch.  dass  der  Angabe  eine  nusaverstandene 
Ueberheferung  zu  Grunde  Hegt.  Nimmt  man  die  30  Jahre  als  eine  runde 
Summe  und  setzt  den  Tod  Justin's  auf  eines  der  letzten  Jahre  der  Stadt- 
präfectur  des  Rusticus,  so  kommt  man  ungefähr  auf  dr^  Jahr  140  d.h. 
auf  die  Zeit,  in  welcher  Justin  (s.  oben)  höchst  wahrscheinlich  Christ  ge- 
worden ist.    Versuche,  der  Angabe  'AÖQiavov  ßaaiXecog  durch  leichte  Cor- 


Justin  in  der  nacheusebianischen  Ueberlieferung.  147 

Eusebiiis'  Combinationen  unabhängige  Kunde  von  dem  Mär- 
tyrertod des  Justin  besessen,  und  zwar  schöpfte  er,  wie  sich 
unten  ergeben  wird,  aus  den  Martyreracten  Justin's.  Uebrigens 
zeigen  die  ausserordentlichen  Prädicate,  welche  er  demselben 
giebt  („Freund  Gottes"  erinnert  an  den  dem  Abraham  gewid- 
meten Ehrentitel),  wie  hoch  in  der  üeberlieferung  das  Ansehen 
des  Märtyrers  stand.  Ein  solches  Ansehen  ist  aber  stets  sehr 
verhängnissvoll;  denn  es  veranlasst  auch  besondere  Ansprüche, 
die  an  den  Nachlass  des  also  Geehrten  gestellt  werden. 

Hieronymus  ist  de  vir.  inl.  23  ganz  von  Eusebius  (h.  e.) 
abhängig  ^08)^  Dies  zeigt  sich  schon  darin,  dass  er  Justin  un- 
mittelbar auf  Hegesipp  folgen  und  ihn  als  Opfer  der  Nach- 
stellungen des  Crescens  fallen  lässt.  Indessen  an  einer  Stelle 
scheint  sein  Bericht  auf  selbständiger  Kunde  zu  beruhen  *^^;. 
Er  sagt  nämlich,  dass  die  zweite  Apologie  des  Justin  gewidmet 
sei  „successoribus  eius  ^  ^^)  (seil.  Ant.  Pii)  Antoninis,  Marco  An- 
tonino  ^  ^  ^)  et  Lucio  Aurelio  Commodo".  An  der  Stelle  des 
Eusebius,  die  H.  hier  ausgeschrieben  hat  (IV,  18,  2),  steht  ledig- 
lich der  Name  des  Antoninus  Yerus.  Allerdings  hat  Eusebius 
IV,  16,  1  die  Apologie  an  zwei  Herrscher  gerichtet  sein  lassen, 
und  nach  IV,  14,  10  ist  zu  schliessen,  dass  er  M.  Aurel  und 


rectur  einen  Sinn  abzugewinnen  bei  Grabe,  Spicil.  11  p.  147,  und  schon 
früher  bei  Hallo  ix. 

108)  S.  auch  ep.  ad  Magn.  70  (84),  wo  nur  von  der  ersten  Apologie 
die  Rede  ist.  De  vir.  ill.  9  („Joannes  ap.")  berichtet  Hieron,,  Justin  d.  M. 
und  Irenaeus  hätten  die  Apokalypse  interpretirt  Dies  ist  jedenfalls  eine 
ganz  leichtfertige  Behauptung  auf  Grund  von  Euseb.  IV,  18,  8  und  V,  8. 
Von  einer  „Interpretatio  Apocalypsis"  durch  Justin  weiss  auch  die  spä- 
tere Tradition  nichts, 

109)  Grabe  (Spicil.  II  p.  166)  meint,  dass  auch  die  Angabe:  „sed  et 
contra  Marcionem  insignia  volumina ,  quorum  Irenaeus  quoque  in  quarto 
ad  versus  haereses  libro  nieminit"'  selbständig  von  Hieronymus  hinzugefügt 
sei.  Er  beruft  sich  darauf,  dass  Hieron.  von  ,, volumina"  spräche;  eine 
solche  Angabe  fände  sich  aber  bei  Eusebius  nicht,  während  Photius  (cod. 
125)  diese  Schrift  ebenfalls  als  XöyoL  bezeichne.  Dies  wäre  in  der  That 
beachtenswerth ,  wenn  es  mit  der  Voraussetzung  seine  Richtigkeit  hätte. 
Aber  der  Ausdruck  „dvayxaloi  löyoi^'^  bezieht  sich  bei  Photius  nicht  nur 
auf  die  letztgenannte  Schiift  Kazä  MagxlcDvoq,  sondern  auch  auf  die  bei- 
den unmittelbar  vorher  citirten  Bücher  Ilegl  f^ovaQ'/Jaq  und  Wdliijc. 

110)  Jüngere  Codd, :  ..eiusdem", 

111)  Jüngere  Codd.  add.:  „Vero". 

10* 


j^48  '^iö  Werke  des  Justin. 

dessen  Bruder  Lucius  (mit  diesem  einzigen  Namen  nennt  er 
ihn)  gemeint  hat;  allein  es  ist  doch  mindestens  fraglich,  ob 
Hieronymus  sich  die  volle  Adresse  „Marco  Antonino  et  Lucio 
Aurelio  Commodo"  aus  diesen  verworrenen  und  unvollständigen 
Angaben  abstrahirt  hat.  Man  darf  hier  darauf  hinweisen,  dass 
ja  auch  Rufin  bei  Abfassung  seiner  Kirchengeschichte  die  erste 
Apologie  in  Händen  gehabt  hat,  da  er  das  lateinische  Original 
des  ■  Hadrianedicts  mittheilen  konnte.  Indessen  muss  zugestan- 
den werden,  dass  die  Hypothese,  Hieronymus  habe  die  zweite 
Apologie  sei  es  nun  gelesen,  sei  es  dem  Titel  nach  genauer 
gekannt  als  Eusebius,  recht  unsicher  ist.  Sie  ist  aber  zugleich 
der  einzige  Anhalt  für  eine  Kenntniss  justinischer  Werke  bei 
Hieronymus.  Unter  solchen  Umständen  kann  es  nicht  auffallen, 
dass  das  Abendland  seit  dem  4.  Jahrhundert  von  dem  grossen 
Apologeten  überhaupt  nichts  mehr  zu  v/issen  scheint  ^^2). 

Aber  auch  im  Morgenlande  werden  die  zuverlässigen  und 
zugleich  selbständigen  Ueberlieferungen  ganz  spärlich.  Dagegen 
tauchen  nun  Nachrichten  über  Justin,  resp.  Schriften  von  ihm 
in  grosser  Zahl  auf,  welche  eine  kritische  Prüfung  herausfor- 
dern und  selten  bestehen  ^  ^^).    Um  feste  Anhaltspunkte  für  die 


112)  Die  ganz  späte  Nachricht  des  Paulus  (h.  23):  „contra  Marcionem 
ecripserunt  Justinus  Ph.  et  M.  et  Theophylus",  stammt  direct  oder  in- 
direct  aus  Rufin.  Reminiscenzen  aus  diesem  und  Hieronymus  finden  sich 
auch  sonst  über  Justin  in  späterer  Zeit.  S.  z.  B.  Orosius  VII,  14,  2,  wel- 
cher bemerkt;  dass  Justin  den  Kaiser  durch  seine  Apologie  günstig  ge- 
stimmt habe. 

113)  SchwerUch  auf  selbständiger  Kunde  beruht,  was  das  Chronicon 
paßchale  ad  ann.  165  (Orphito  et  Pudente  Coss.)  p.  482  sq.  (ed.  Dindorf) 
über  Justin  beigebracht  hat.  Zwar  finden  sich  zwei  Citate  aus  Apol.  II, 
3,  aber  sie  entsprechen  den  Citaten  bei  Eusebius  (IV,  16,  3.  5.  6),  und 
wenn  sie  auch  einen  etwas  anderen  Text  bieten  als  den  vulgären  der 
Kirchengescliichte,  so  weichen  sie  doch  auch  von  Cod.  C  beträchthch  ab. 
Eusebius  kann  also  sehr  wohl  die  Quelle  für  den  Text  im  Chron.  gewesen 
sein.  Der  Verf.  erwähnt  nur  die  zweite  Apologie  des  Justin:  Tovotlvog 
(piXöao(pog  tov  xaO-'  f^fzäg  köyov  ösvretjov  vTihg  tü)v  xaO-'  rj/uäg  öoyfxd- 
xcDv  ßißXlov  uvaöovg  MuQxip  AvQTjXla)  xul  \Avzixivivu)  BqQio  xoig  avtO' 
XQaxoQOi  O^elip  xaraxoGfieZiai  ov  /jist'  ov  noXv  ote(puiq}  np  tov  fzagri- 
qIov\  KQTioxtvxoc  avTÖv  vnoßüXXovxoc.  Die  letztere  Nachricht  macht  es 
ganz  deutlich,  dass  die  Kirchengeschichte  des  Eusebius  (IV,  IG)  dem  Ver- 
fasser nicht  unbekannt  gewesen   ist.     Höchstens  der  Ansatz  des  Marty- 


Justin  in  der  nacheusebianisclien  Ueberlieferung.  1^49 

ßeurth eilung  der  einzelnen  zu  gewinnen,  ist  es  angezeigt,  mit 
der  Kritik  dort  einzusetzen,   wo    dieselben    in   ausführliclieren 


riums  auf  das  Jahr  1G5  zeigt,  dass  ihm  eine  zuverlässige  Ueberlieferung 
zu  Gebote  stand  (s.  oben  bei  Epiphan.).  Er  hat  sich  aber  bereits  durch 
Eusebius  verleiten  lassen,  die  Stelle  über  Crescens  der  zweiten  Apologie 
zuzuweisen.  Unter  solchen  Umständen  kommt  die  Angabe  „MdQX(p  Avqtj- 
kio)  aal  lAvTCDvivcp  Bi]Qu}'^  überhaupt  nicht  in  Betracht.  —  Der  Verf.  der 
SS.  Parallel.  (Cod.  Rupef.)  saec.  VIL  hat  die  Apologie  und  den  Dialog  ge- 
lesen. Aus  jener  bringt  er  mit  der  Ueberschrift:  ex  xov  avtov  ngoq  jiv- 
TVDViov  avxoxQazoQa  (p.  753  ed.  Leq.)  eine  Stelle  von  50 — 60  Worten  (L 
2)  mit  geringen  Abweichungen  von  Cod.  C,  ferner  (p,  787)  eine  zweite 
Stelle  aus  IL  11  mit  der  Aufschrift:  r.  «y.  7.  r.  (p.  x.  (jl.  ix  xov  ß'  fxsQOvg 
x^g  dnoXoyiac  avxov;  aus  diesem  citirt  er  einen  Satz  von  13  Worten 
(c.  82  —  p.  754  ed.  Leq.)  mit  der  Ueberschrift:  xov  avxov  ix  xov  ngoq 
TQV(pwva  ß'  Xoyov.  Der  Dialog  war  also  schon  im  7.  Jahrh.  in  Abschnitte 
eingetheilt.  Das  3.  Citat  bietet  auch  der  Cod.  Vatic.  der  SS.  Parallel, 
(p.  357)  mit  derselben  Ueberschrift.  Ausserdem  aber  bringt  er  noch  ein 
anderes  von  14  Woi-ten  aus  der  Apologie  I,  12  (p.  446).  Ferner  enthält 
der  Cod.  Rupef.  im  Zusammenhang  mit  zwei  der  oben  genannten  Justincitate 
noch  folgendes  (p.  754,  bei  Otto  III  p.  262):  xov  ayiov  'lovaxivov  (ptX. 
X.  fxagx.  ix  xov  t  fxeQOvq  xijg  dnoXoylaq  avxov:  „Td  €v  tiqcczxsiv  Tjyov- 
fxai,  CO  avÖQfg,  ovx  alXo  tt  slvai  ?]  x6  xaxa  dX^d-siav  l^ijy  x6  ös  £v  ^f/v 
rj  xaxa  dXri^siav  ovx  avev  xov  xaiavo^aai  xijv  x<3v  ngayfidxwv  <pT^aiv'^ 
Endlich  ist  zu  bemerken,  dass  das  Citat  aus  Apol.  I,  2  (p.  753)  im  Rupef. 
fortgesetzt  ist  durch  einen  Satz  von  5  Zeilen,  der  sich  in  der  Apologie 
Justin's  gar  nicht  findet,  auch  in  den  Zusammenhang  nicht  passt.  Eine 
Beurtheilung  dieser  Notizen  kann  erst  unten  gegeben  werden. 

Auf  Eusebius  gehen  zurück  die  Citate  aus  Apol.  I,  26  bei  Syncellus 
(Chronogr.  p.  630  ed.  Dindorf)  und  Zonaras  (Annall.  XII,  11).  Auch  die 
Notiz  des  Cedrenus  {inl  xovxov  CAÖQiavov]  'lovaxivog  6  (pikooocpog  xaxa 
7caa(vv  aiQsosiuv  ^vögiL^exo)  ist  aus  Eusebius  (resp.  Photius)  abstrahirt. 
Endlich  kommt  auch  den  Citaten  bei  dem  Verf.  der  Catena  in  epp.  cath. 
(Cr  am  er  VIII  p.  81),  bei  Johannes,  Patriarch  von  Antiochien,  Andreas 
(Oecumenius  und  Arethas:  Cramer,  1,  c.  p.  361)  ein  selbständiger  Werth 
nicht  zu.  Sie  bringen  unter  verschiedenen  Anführungsformeln  und  Ab- 
änderungen (lovaxLvog  6  ayiog  ßaQXvg  (pijalv  —  keXexxai  xw  fiaxagiip 
'lovoxlvip  x(ö  <piXoa6<fü)  xal  fidgxvgi  —  o  ßiyag  'lovaxtvog  (pijaiv  xxX.)  jene 
Sätze  aus  einer  Schrift  Justin's,  die  Irenaeus  V,  26,  2  ohne  Bezeichnung 
des  Fundorts  angeführt  hat.  Schon  aus  dem  Umstand,  dass  auch  sie  einen 
Fundort  nicht  nennen,  dazu  das  Citat  ebensoweit  führen  wie  Irenaeus,  geht 
mit  Evidenz  hervor,  dass  sie  die  Sätze  dem  Justin  nicht  direct,  sondern 
durch  Vermittelung  des  Irenaeus  entlehnt  haben.  Der  Verf.  der  Catena  in 
epp.  cath.  hat  sie  zudem  noch  mit  denselben  Worten  wie  Irenaeus  eingeführt: 
Kakwg  6  ^lovoxlvog  tlntv  (Die  Stellen  bei  von  Otto,  1.  c.  III  p.  252 sq.). 


150  I^i^  Werke  des  Justin. 

und  zusammeiiliängenden  üeberlieferungen  vorliegen,  d.  h.  bei 
Photius  und  den  Handschriften. 

I)  Der  umfangreiche  Bericht  des  Photius  über  Justin  (cod. 
125)  zerfallt  in  zwei  Theile,  jeder  umfasst  wiederum  zwei  Para- 
graphen. In  I,  1  berichtet  Photius  über  Werke  Justin- s,  die 
ihm  selbst  zu  Gesicht  gekommen  sind;  in  I,  2  charakterisirt  er 
auf  Grund  derselben  den  Apologeten  als  Schriftsteller.  Hier- 
auf führt  er  H,  1  acht  weitere  Bücher  desselben  auf  und 
schliesst  H,  2  mit  kurzen  Angaben  über  Herkunft,  Leben  und 
Martyrium  des  Justin.  Eine  Vergleichung  seiner  Nachrichten 
mit  denen  des  Eusebius  zeigt,  dass  der  ganze  zweite  Theil  aus 
der  Kirchen geschichte  excerpirt  ist.  Die  acht  Bücher,  welche 
Photius  hier  aufführt,  sind  identisch  mit  den  zehn,  welche  Euse- 
bius genannt  hat;  (?s  fehlen  nur  der  Dialog  mit  Trypho  und 
die  Schrift  über  die  Seele.  Photius  hat  also  keine  der 
Schriften,  deren  Titol  Eusebius  überliefert  hat,  'mehr 
in  Händen  gehabt.  Aber  auch  alles,  was  er  über  die  Person 
und  die  Schicksale  des  Justin  berichtet  hat,- ist  von  Eusebius 
übernommen  ^^^).  Dagegen  gehört  dem  Photius  eigenthümlich 
an,  was  im  ersten  Theile  steht.    Es  lautet: 

„Es  fand  sich  von  Justin  dem  M.  eine  Vertheidigungsschrift 
für  die  Christen  sowohl  gegen  die  Hellenen  als  gegen  die  Ju- 
den, und  noch  ein  anderes  Schriftwerk  von  ihm  wider  das  erste 
und  zweite  Buch  der  „physikalischen  Vorlesung",  d.  i.  wider 
„Form"  und  „Stoff"  und  „Verneinung' S  werthvolle  "iusführungen 
von  zwingender  Folgerichtigkeit,  die  sich  auch  gegen  den  „fünf- 
ten Körper"  und  gegen  die  „ewige  Bewegung"  richten,  welche 
Aristoteles  in  gewaltiger  Gedankenarbeit  aufgestellt  hat,  dazu 
summarische  Lösungen  der  wider  die  Religion  vorgebrachten 
Zweifelfragen". 

Photius  kannte  also  drei  Schriften  Justins:  1)  '^inoloyia 
vneg  Xqiotlqcvwv  nal  xöt«  ^EXXi^vwv  xai  xaza  'lovöaitov^  2)  Kccrä 
Tov  ngwxov  y.(xI  ötVTiqov  xrig  (pvaixf;g  dxQoaoecjgj  3)  Kecpakai^ 


114)  Photius  berichtet  den  Märtyrertod  des  Justin  in  Folge  der  Nach- 
stellungen des  Crescens.  Er  steigert  aber  das  Ausserordentliche  des  Her- 
gangs, wenn  er  schreibt:  „Als  ihm  Crescens  sogar  nach  dem  Leben  stellte, 
so  nahm  Justin  seinen  Grundsätzen  getreu  selbst  diesen  Anschlag  seiner- 
seits auf;  denn  er  bewirkte  durch  denselben  für  sich  das  Mart^n-ium". 
Allerdings  ist  Eusebius  selbst  an  dieser  Auffassung  der  Sache  Schuld. 


Die  Ueberlieferung  bei  Pliotius  und  in  den  Handschriften.       |5l 

ojöetc  hiilvGeig  anoQUov  v.aTa  Tijg  avoeßeiag  ^■^^).  Auf  Grund 
dieser  Schriften  cliarakterisirt  er  den  Schriftsteller  also:  „Es  ist 
aber  dieser  Mann  sowohl  mit  der  christlichen  Philosophie  als 
besonders  mit  der  ausserchristlichen  in  vollkommenster  Weise 
vertraut  und  reich  ausgestattet  durch  umfassendes  Wissen  und 
geschichtliche  Kenntnisse.  Mit  rhetorischen  Mitteln  aber  die 
originale  Schönheit  seiner  Philosophie  zu  übertünchen  liess  er 
sich  nicht  angelegen  sein.  Desshaib  sind  auch  seine  Abhand- 
lungen zwar  gewaltig  und  streng  wissen schaftHch,  ermangeln 
aber  der  rhetorischen  Würze  und  gewinnen  auch  nicht  den 
gewöhnlichen  Schlag  der  Leser  durch  anziehende  und  reizende 
Darstellung"  1^^).  —  Die  drei  Schriften,  welche  Photius 
aufgezählt  hat,  begegnen  uns  hier  zum  ersten  Mal. 

II)  Wenige  Decennien  nach  Abfassung  der  Bibliotheca  ist 
jenes  Corpus  Apologetarum  (9  Stücke)  für  Arethas  in  Cäsarea 
im  Jahre  914  (Cod.  Par.  451)  geschrieben  worden,  welches  wir 
im  ersten  Capitel  besprochen  haben.  In  demselben  finden  sich 
an  3.  und  4.  Stelle  zwischen  den  Werken  des  Clemens  Alex. 
un.d  Tatian  zwei  Schriften,  welche  als  justinische  bezeichnet 
sind:  1)  lovOTivog  ^rjvac  ymI  oegrivai  Tolg  ddeXqyolg  xaLQwy  (so, 
ohne  besondere  Ueberschrift),  2)  %ov  ayiov  iovarlvov  (pilnaocpov 
'/Ml  fKXQTVQog  "koyog  7iaQaivaTLY,6g  ngog  sllrjvag.  Den  Titel  der 
ersten  Schrift  verzeichnen  wir  hier  zum  ersten  Male;  die  zweite 
kann  mit  dem  von  Eusebius  an  dritter  Stelle  genannten  Werke 
identisch  sein.  Ausserdem  aber  befinden  sich  in  dieser  Samm- 
lung (Nr.  7.  8)  zwei  ursprünglich  namenlose  Stücke.  Das  erste 
beginnt  mit  den  Worten:  ^^vTOKQaTo^iv  MaQK(p  AvgiqXitt)  ^Av- 
Tioviv(^  aal  ^ovKL(p  ^vqr}U(i}  KofAfiodi^  ztA.,  das  zweite  tragt 
von  erster  Hand  die  Ueberschrift:  Tov  avTov  neql  avaaTaaewg 
ve-üQÜv,  Erst  eine  jüngere  Hand  (s.  oben  S.  34)  saec.  XL  hat 
dem  ersten  Stück  die  Worte  vorgesetzt:  'AdirjvayoQov  d^vatov 
(pikooocpov  xQiGTL&vov  nQBößela  nagl  XQiöTiavwv.  Damit  er- 
scheint nun  auch  das  zweite  als  dem  Athen agoras  zugehörig. 


115)  Für  Nr.  2  und  3  hat  Photius  augenscheinlich  nicht  die  Original- 
titel angegeben. 

116)  Charakteiisii't  ist  hier  „Justin"  nach  den  drei  oben  aufgeführten 
Schriften,  ausser  welchen  Photius  nichts  von  Justin  gelesen  hat.  Dies  hat 
von  Engelhard t  (a.  a.  0.  S.  7 f.)  übersehen. 


^52  -^^^  Werke  des  Justin. 

Von  dem  Cod.  Par.  451  sind,  wie  in  dem  ersten  Capitel  ge- 
zeigt worden  ist,  mehrere  Codd.  saec.  XI.  sq.  abhängig.  Sie 
enthalten  darum  auch  jene  zwei  dem  Justin  zugeschriebenen 
Schriften  und  die  beiden  des  Athenagoras,  dessen  Käme  in 
ihnen  prima  manu  übergeschrieben  ist.  Ausserdem  enthält  aber 
der  eine  dieser  von  Par.  451  abgeleiteten  Codices  (Mutin.)  un- 
mittelbar nach  dem  )^öyo<^  Tiagaiveiixog  eine  Schrift  unter  dem 
Titel  ^'Eyii^satg  uioTswg  rjroi  tceqI  TQidöog,  ohne  dass  ein  Verf. 
genannt  ist^^").  Dieselbe  Schrift  findet  sich  aber  bereits,  je- 
doch ohne  den  üblichen  Anfang,  in  dem  Coisl.  120  saec.  X. 
neben  Werken  des  Basilius,  Cyrill,  Anastasius,  Gregor  Nyss., 
.  .  .  Joh.  Damascenus  als  eine  justinische  unter  dem  Titel:  lov- 
oxLvov  q)Lkoo6(pov  aal  fiOLQivqog   (ex  tov)  nsgl  z^g  OQ^rjg  fr/- 

OTSOjg'   TlSQl   7llOT€(üg  ^^^). 

III)  Erst  aus  dem  14.  Jahrhundert  stammt  das  grosse  Cor- 
pus operum  Justini  (Par.  450),  welches  oben  S.  75  sq.  beschrieben 
wurde.  Es  beginnt  mit  den  Berichten  des  Photius  und  Euse-r 
biüs  über  Justin  und  lässt  dann  12  Schriften  folgen.  An  erster 
und  zweiter  Stelle  stehen  die  beiden,  welche  der  Par.  451  allein 
kennt  M^).  An  3. — 6.  finden  sich  die  von  Eusebius  genannten 
Schriften  (der  Dialog;  die  Apologie;  über  die  j\ionarcliie),  so 
aber,  dass  die  eine  Apologie  in  zwei  Theile  getheilt  ist;  der 
kürzere  steht  unter  der  Ueberschrift:   aTtoloyla  vtisq  pf^fa^ta- 


117)  Dies  ist  vielleicht  heachtenswerth;  alle  übrigen  Schriften  im 
Mutin.  tragen  einen  Yerfassemamen.  Im  Index  heisst  es:  ...  ^lovavivov 
(piXoa6(pov  xal  fjtccQzvgoi  nQog  ^^vav  xal  osQtjvav  rovg  d6sX(povg.  tov 
avtov  naQatvBXiHoq  nQoq  tXXrjvag.  Bx^saiq  niazsiog  ^zoi  negl  XQLadoq. 
Tatiavov  tzqoq  k'XXijvag  xxX.  (s.  Clem.  Alex.  Opp.  ed.  Dindorf  I  p.  VII)} 

118)  S.  Corp.  Apol.  IV  p.  XI  sq.  In  den  20  (21)  anderen  Handschriften, 
in  welchen  bisher  diese  Schrift  nachgewiesen  ist  (s.  oben  S.  86  u.  Corp. 
Apol.  IV  p.  VIII — XXI),  ist  sie  stets  als  von  Justin,  dem  Mäi-tyrer  und 
Philosophen,  verfasst  bezeichnet.  Nur  der  Cod.  Gissensis  G69  hat  einfach : 
lovazlvov  sx&sciQ  niatetog  ^toi  nspl  rgidöog.  Die  Titel  der  Schrift  selbst 
variiren  sehr  stark  (s.  Corp.  Apol.  1.  c.  p.  VIII).  In  der  syrischen  Bear- 
beitung, in  welcher  ein  Stück  von  ihr  im  Cod.  Syr.  Mus,  Brit.  873  (Add. 
14538)  vorliegt,  soll  sie  die  Aufschrift  tragen:  „Justini  Ph.  et  M.  Ex- 
positio  rectae  fidei"  (s.  Corp.  Apol.  1.  c.  p.  XXI  sq.  nach  Wright,  Catal. 
of  the  Syriac  Mss.  in  the  Brit.  Mus.  II  p.  1003  sq.). 

119)  Die  zweite,  die  Cohortatio,  ist  hier  genau  so  betitelt  wie  in  Par. 
451;  von  der  ersten  fehlt  Inscriptio  und  Initium. 


Die  üeberlieferung  bei  Photius  und  in  den  Handschriften.       153 

vwv  ngog  trjv  qo}[xauov  cvyy.h]Tov  voran,  der  längere  folgt  als 
anoXoyla  öevTega  vneo  XQLGTiavcov  7CQoq  avzcovlvov  tov  svosßtj^ 
angehängt  sind  ihm  die  zwei  (gefälschten)  Kaiserbriefe;  die  an 
6.  Stelle  genannte  Schrift  trägt  den  Titel:  lovoxlvov  cpilooöq^ov 
ytai  (xcLQTVQog  nsgi  f.tovaQxlag,  Die  7.  Stelle  nimmt  die  Expositio 
iidei  ein.  Es  folgt  (S.)  eine  Schrift  unter  dem  Titel:  avaTQOur] 
öoyfidToyv  tlvcov  dQiOTOteli'KWV^  deren  Titel  an  einen  von  Pho- 
tius beschriebenen  Tractat  erinnert,  mit  einem  Appendix  ohne 
Inscriptio.  An  9.— IL  Stelle  folgen:  SQWTrjoeig  XQiOTiavi>tai  Tigog 
Tovg  ekXrjvag  —  ccTcoycQioeig  ngog  rovg  oQ^odo^ovg  negl  tlvcov 
dvctyy.auov  LXjZr^fxdTCjv  (mit  demselben  Appendix  wie  bei  Nr.  8, 
hier  aber  mit  der  Aufschrift:  7iQog  zovg  elkrjvag)  —  sgcoti^aeig 
Blkr^vLxal  TtQog  xovg  XQLOTiavovg  negl  tov  doto^dzov  y.at  Ttegl 
TOV  dsov  ycal  negi  Tijg  dvaovdoewg  tcov  vsxgwv  und  dnoxgiosig 
XgcGtLuviTial  ngbg  Tag  Trgoggrjd^eiGag  igcüTTjöacg  dno  r^g  evoeßeiotg 
Tcjv  q)voixwv  XoyLOfÄiov.  Die  12.  Stelle  endlich  nimmt  ohne 
jede  Aufschrift  ein  Tractat  über  die  Auferstehung  ein,  der 
mit  dem  namenlosen  Tractat  über  diesen  Gegenstand  in  Par. 
451  identisch  ist  (herkömmlich  dem  Athenagoras  beigelegt). 
A  prima  manu  sind  dem  Tractat  am  oberen  Rande  die  Worte 
beigeschrieben:  Hsgi  dvaCTdaeiog'  ovTog  6  Xoyog  agiozog. 

IV)  Der  Cod.  Argentorat.  (s.  oben  S.  79  sq.)  ist  jedenfalls  in 
seiner  Zusammenstellung  von  Eusebius'  Berichte  nicht  unab- 
hängig. Er  bringt  an  1.,  2.  und  4.  Stelle  (s.  Eusebius  Nr.  3. 
4.  5)  eine  Schrift  nsgl  fxovagxcccg  [tov  ^£oi3],  den  loyog  nagaive- 
TiY.bg  ngbg  tkli^vag  und  eine  sonst  nicht  überlieferte,  zvreite 
Schrift  Tigbg  elhjvag.  An  3.  Stelle  steht  die  Expositio  rectae 
fidei;  an  5.  der  Brief  an  Diognet.  Es  folgt  nun  ein  Einschiebsel 
jüngerer  Hand  (zwei  Stücke)  und  sodann  6.  (8.)*  ddr^payogov 
dx^rjvalov  cptXooöcpov  ;f^f(7z:<a>'oi;  ngeoßela  Tisgi  x^tar^aj^wy,  und 
endlich  7.  (9.)  tov  avTov  dd'rjvayogov  Ttegl  dvaOTdoewg. 

V)  Der  Ottobon.  274  saec.  XV.  ist  noch  bemerkenswerth 
(s.-  oben  S.  89),  da  er  relativ  selbständig  ist.  Auch  er  will  ein 
kleines  Corpus  Opp.  Justini  geben.  Er  beginnt  mit  einem  Stück 
aus  der  Apologie  an  Antoninus  Pius,  welches  er  betitelt:  i/. 
Ttjg  ß'  dnoloyiag  ^Iovotivov  tov  (xdgTvgog.  Dann  folgt:  7ot- 
OTlvog  Zr^va  y,al  ^eglvi^.  Ferner:  tov  avTou  ix^soig  Tpjg  og&fjg 
nioTEtog;  endlich  4)  ^Ad-rivayogov  dO-rjvalov  cpiXoaocpov  x^^ar««- 
vov  ngeoßeia  negi  ^('^tJ^^ö'c^»'. 


j54  ^i^  Werke  des  Justin. 

VI)  In  zwei  Codd.  der  SS.  Parallel,  des  sog.  Job.  Damas- 
cenus,  dem  Rupefucald.  (Claromont.)  und  Coislin.,  findet  sich 
mit  der  Aufschrift:  tov  aylov  Iovotivov  tov  (pihmjocfov  ymI 
f.io!(jTtQog  (ez  tov)  ttsqI  avaaraGBioc  ein  umfangreicher  Tractat, 
der  ein  vollständiges  Ganze  bildet,  in  welchem  nur  an  zwei 
Stellen  weniges  fehlt  (Corp.  Apol.  IV  p.  XLIV  sq.)  120). 

Der  erste  Eindruck,  den  man  von  dieser  Ueberlieferung  des 
„Justin"  im  byzantinischen  Zeitalter  empfängt,  ist  der  einer 
absoluten  Verwilderung  resp.  einer  fast  hoffnungslos  erscheinen- 
den Vermischung.  Beginnen  wir  mit  den  Schriften,  deren  Titel 
mit  denen  solcher  Bücher,  welche  Eusebius  als  justinisch  auf- 
geführt hat,  identisch  sind  oder  ihnen  doch  verwandt  erscheinen. 

l)  Die  Schrift  71€qI /iiovagxlag  {xov^eoi:  add.  Apogr.  Tubing.), 
welche  uns  im  Par.  450  und  im  Argentorat.  überliefert  ist,  ent- 
spricht ihrem  Titel  nach  einer  von  Eusebius  angeführten  Schrift. 
AUein  nach  der  Beschreibung,  welche  dieser  von  dem  Inhalt 
des  Tractats  gegeben  hat  (s.  oben),  kann  jene  Schrift  nicht 
justinisch  sein^^ij^  M.'avl  darf  auch  nicht  mit  Grabe  ^22-)  sagen, 
dass  unsere  Schrift  etwa  der  zweite  Theil  der  justinischen  sei; 
denn  sie  bildet  ein  Ganzes  für  sich  ^^^j  Um  die  Abfassungs- 
zeit dieser  farblosen  Gompilation  zu  bestimmen,  ist  man  ledig- 
lich auf  die  Beobachtung  angewiesen,  dass  der  Verf.  —  er 
schreibt  nichts,  was  nicht  auch  ein  Jude  hätte  schreiben  kön- 
nen —  eine  Recension  derselben  jüdisch-alexandrinischen  Chre- 


120)  Alle  übrigen,  S.  68  sq.  aufgezählten  Codd.  dürfen  in  diesem  Zu- 
sammenhang unbeachtet  bleiben,  wie  die  Ergebnisse  des  1.  Capitels  dar- 
thun.  Bemerkenswerth  ist  nur,  dass  die  unechten  Werke  so  vielen  Bei- 
fall gefunden  haben. 

121)  In  der  Schrift  wird  die  Einheit,  Grerechtigkeit  und  Bedürfiiiss- 
losigkeit  Gottes  und  die  Nichtigkeit  der  Götter  aus  meistentheils  ge- 
fälschten Dichfcerstellen  (Aeschylus,  Sophokles,  Philemon,  Orpheus,  Pytha- 
goras,  Enripides  u.  s.  w.)  bewiesen  und  auf  Grund  dieses  Beweises  für 
den  Monotheismus  Propaganda  gemacht.  Der  Verf.  sagt  selbst  c.  1 :  xovxo 
ov  Xöym  xakk(onlt,wv  (pgäau),  anoöel^ei  ös  xy  ix  zcöv  xaza  zb  mxXaiov 
eiq  xo  navxskhi  xrjg  hk?>rjvix^<;  laxogiag  7toii^a$i  xsxQVß^'*'^^ ^  ^^  ^^*' 
näOL  xoLvy  deöof/eviav  yQafifxäxioy. 

122)  Spicil.  II  p.  153. 

123)  Grabe's  Beweis  beruht  auf  einem  Missverständniss  resp.  einer 
missverständlichen  Beziehung  der  Worte   c.  1 :   iyoi  öh  iog  fiixQfü  Ttgöo- 

i^SV   XX X. 


Die  Seiariften  de  moiiarcMa  uxid  ad  Graecos.  155 

stomathie  selbständig  ausgeschrieben  hat,  welche  Clemens  Ale- 
xandrinus  im  Protrept.  und  in  den  Stromat.  benutzte  ^^^).  Man 
mag  es  daher  mit  Recht  für  wahrscheinlich  halten,  dass  die 
Schrift  der  apologetischen  Zeit  angehört  und  keine  blosse  Stil- 
übung ist.  Citate  aus  derselben  bei  späteren  Schriftstellern 
sind  nicht  nachgewiesen.  Zu  der  Annahme,  dass  der- Verf.  für 
Justin  habe  gelten  wollen,  ist  man  durch  nichts  veranlasst.  Die 
Schrift  muss  aber  ursprünglich  einen  Verfassernamen  getragen 
haben  (s.  das  syoj  in  c.  1  und  vgl.  c.  6).  So  wird  inan  zu  der 
Annahme  geführt,  dass  sie  dem  Justin  beigelegt  wurde,  weil 
bei  Eusebius  zu  lesen  stand,  dass  der  Apologet  eine  Schrift 
unter  diesem  Titel  verfasst  habe  —  möglich,  dass  jene  bereits 
eines  Verfassernamens  entbehrte,  als  die  Unterschiebung  statt- 
fand. Wann  dies  geschehen  ist,  lässt  sich  nicht  sagen;  jeden- 
falls aber  nicht  früher  als  im  4.  Jahrhundert  und  geraume  Zeit 
vor  dem  14.,  da  der  Archetypus  füt  Par.  450  und  Argent.  weit 
hinter  ihnen  zurückliegen  muss^^s^ 

2^)  Eine  ähnliche  Bewandtniss  hat  es  mit  der  kleinen  ener- 
gischen Schrift  TTQog  '^'El}.r]vac,  welche  allein  der  Argent.  bietet. 
Dieselbe  zeigt  in  Stoff  und  Haltung  die  frappirendsten  üeber- 
ein Stimmungen  mit  Tatian's  Oratio  auf  und  scheint  desshalb 
der  ältesten  Apologetik  anzugehören,  ist  aber  keinesfalls  von 
Justin,  mit  dessen  Namen  sie  übrigens  im  Argent.  nur  durch 
ein  „Toi;  avtov^''  verbunden  ist.  Wir  besitzen  aber  über  sie  noch 
eine  zweite  üeberlieferung.  Im  Cod.  Nitr.  Musei  Britt.  num. 
987  (add.  14658)  saec.  VI.  vel  VII  (s.  Cureton,  Spicil.  Syr. 
Pref.  XI  sq.  p.  38—42  resp.  p.  61—69.  Otto,  Corp.  Apol.  III 
p.  XXVII  sq.)  findet  sich  neben  Schriften  des  Plato,  Isocrates, 
Bardesanes,  Melito  eine  sehr  freie  Bearbeitung  der  Oratio  ngöc; 
"EXXrjvag  ^'^^),  Nach  Cureton  lautet  die  üeberschrift:  „Hy- 
pomnemata,  which  Ambrose,  a  chief  man  of  Greece,  wrote: 
who  became   a  Christian:  and   all  his  fellow-senators  raised  a 


124)  Dass  weder  Clemens  (mit  ihm  geht  Eusebius  in  der  Praex^ar.) 
unseren  Verf.  ausgeschrieben  hat,  noch  umgekehrt  dieser  jenen,  ist  aus 
c.  2  n.  21:  c.  3  n.  2.  12.  20;  c.  4  n.  2;  c.  5  n.  3.  6.  46  evident. 

125)  S.  Donaldson,  a.  a.  0.  II  p.  94 sq.  In  c.  4  fin.  ist  übrigens  in 
beiden  Codd.  eine  Lücke  zu  statuiren. 

126)  S.  auch  Donaldison,  a.  a.  0.  11  p.  90  sq. 


156  ^^^  Werke  des  Justin. 

clairaour  against  him:  and  he  fled  from  them,  and  wrote  and 
shewed  them  all  their  folly:  and  at  the  beginning  of  this  dis- 
course  he  answered  and  said".  Man  braucht  diese  seltsame 
Inscriptio  nicht  erst  mit  dem  Inhalt  der  Oratio  zu  vergleichen, 
um  ihre  Unhaltbarkeit  zu  durchschauen  ^^7-)^  Lediglich  der 
Name  des  Ambrosius  kann  überhaupt  hier  in  Betracht  kommen. 
Aber  auch  mit  diesem  Namen  lässt  sich  nichts  anfangen;  wenig- 
stens kennen  wir  keinen  Ambrosius,  dem  man  die  Rede  vindi- 
ciren  könnte.  Wichtig  ist  nur,  dass  der  Schreiber  saec.  VI. 
vel  VII.  —  er  hat  übrigens  auch  Melito  eine  Apologie  beige- 
legt, die  ihm  nicht  gebührt  —  von  Justin  als  Verfasser  der 
Schrift  noch  nichts  weiss.  Da  die  Unterschiebung  für  uns  so- 
mit nur  durch  den  Argent.  bezeugt  ist,  und  selbst  Par.  450  die 
Schrift,  die  übrigens  auch  von  keinem  Schriftsteller  citirt  wird, 
noch  nicht  als  justinisch  kennt,  so  wh'd  wohl  die  Oratio  erst 
in  spätbyzantinischer  Zeit  dem  Justin  auf  Grund  des  Verzeich- 
nisses bei  Eusebius  (Photius)  beigelegt  worden  sein  ^^^). 

2^)  Für  die  Untersuchungen  über  den  ^oyog  nagaiveTixog 
gewährt  die  Ueb erlief erung  eine  breitere  Basis.  Zwar  Photius 
nennt  ihn  nicht;  aber  die  Sammlungen  Nr.  II,  III,  IV,  welche 
ihn  enthalten,  bezeichnen  ihn  als  justinisch,  d.  h.  er  galt  be- 
reits um  das  Jahr  900  dafür.  Die  Ueberlieferung  führt  uns  je- 
doch noch  weiter  zurück.  In  dem  Cod.  Rupef.  der  dem  Joh. 
Damascenus  beigelegten  SS.  Parall.  (Opp.  ed.  Leq.  II  p.  781; 
vgl.  Cod.  Vat.,  1.  c.  p.  518)  findet  sich  ein  Citat  mit  der  Ueber- 


127)  Dass  sie  aus  einer  dunklen  Reminiscenz  an  Euseb.,  h.  e.  V,  21 
(Apollonius)  geflossen  sei,  behauptet  Nolte  (Quartalschr.  1S62  S.  318); 
doch  vermag  ich  mich  hiervon  nicht  zu  überzeugen;  s.  Ov  erb  eck,  Stu- 
dien I  S.  19f. 

128)  Die  oben  bemerkte  Verwandtschaft  mit  der  Oratio  des  Tatian 
ist  in  jeder  Hinsicht  eine  so  nahe  (worüber  man  sich  aus  Otto 's  An- 
merkungen nicht  Orientiren  kann),  dass  die  Hypothese,  die  Rede  stamme 
von  Tatian  selbst,  gewagt  werden  könnte.  Indessen  scheint  mir  die  Ver- 
schiedenheit der  Sprache  ein  unüberwindliches  Gegenargument  zu  sein. 
Jedenfalls  hat  aber  der  Verfasser  den  Tatian  gelesen.  JNIan  wird  aller- 
dings, sobald  man  dies  bemerkt  hat,  misstrauisch  werden  gegen  die  pathe- 
tischen Schroftheiten  des  Veiiassers.  Aber  zu  der  Annahme  einer  blossen 
Stilübung  liegt  auch  hier  kein  Grund  vor.  —  Worauf  sich  die  Angabe 
Cureton's  (a.  a.  0.  p.  XI)  gründet,  die  Oratio  ad  Gr.  werde  „in  several 
copies"  dem  Justin  beigelegt,  ist  mir  unbekannt.   . 


Die  Scluiften  ad  Graecos,  157 

Schrift:  rov  ay.  ^Iovgtlvov  tov  rpiX.  x.  ^agc.  i/.  tov  rcgdg  '^'EXXyj^ 
vag  Tcagaivezizoi'^  und  dieses  Citat  ist  in  der  Cohortatio  c.  5 
nachzuweisen.  Ferner:  Photius  theilt  cod.  232  p.  290  eine  Stelle 
aus  Stephanus  Gobarus  mit,  in  welcher  dieser  ein  Citat  aus 
einer  Schrift  des  Justin  angeführt  hat,  ohne  diese  selbst  zu 
bezeichnen.  Dasselbe  findet  sich  aber  in  der  Cohortat.  c.  23  ^^^). 
Also  bereits  im  7.  und  6.  Jahrhundert  (in  dieses  wird  Stepha- 
nus Gob.  herkömmlich  versetzt)  hat  man  die  Cohortatio  dem 
Justin  zugeschrieben.  Dass  sie  ihm  nicht  angehört,  vielmehr 
frühestens  im  2.  Viertel  des  3.  Jahrhunderts  abgefasst  ist  von 
einem  Unbekannten,  der  keineswegs  für  Justin  gelten  wollte, 
ist  aber  sicher  ^^^).  Zwischen  dem  4.  und  6.  Jahrh.  hat  also 
diese  Schrift,  welche  sich  durch  ihren  Inhalt  im  Kampfe  gegen 


129)  Photius  laat  dem  Citat  die  Worte  zugefügt:  rw  6s  (in  isto  libro) 
TiQog  xrjv  hXXrjVixrjv  fiev  öo^av  avvevi^vsxzo  f^axVf  ^«t  zov  Illazcavog 
sXsyxoQ  xax£axBvaC,STo. 

130)  Ashton  war  der  erste,  welcher  darauf  hingewiesen,  dass  die 
Chronik  des  J.  Africanus  Quelle  für  den  Verf.  der  Cohortatio  gewesen  ist 
(Just.  Ph.  etM.  Apologiae  p.  294,  citirt  nach  Otto,  1.  c.  III  p,  42).  A.  von 
Gutschmid  („Ein  Beitrag  zu  den  Fragm.  d.  griech.  Historiker"  in: 
Fleckeisen's  Jahrbb.  1860  S.  703  f)  behauptete  das  Umgekehrte,  ohne 
von  Ashton's  Untersuchungen  Notiz  zu  nehmen.  In  sehr  sorgfältiger 
Untersuchung  hat  Donaldson  (a.  a.  0.  II  p.  96  sq.)  die  Priorität  des 
Africanus  er-wiesen  und  unabhängig  von  diesem  aufs  neue  Schür  er 
(J.  Africanus  als  Quelle  der  Pseudo- Justinischen  Cohort.  ad  Gr.  in:  Ztschr. 
f.  K,-Gesch.  II.  S.  319  f.).  Geizer  hat  sich  ohne  Prüfung  der  Sache  und 
ohne  die  Untersuchungen  Donaldson's  und  Schür er's  zu  kennen  der 
Annahme  von  Gutschmid  angeschlossen  (Chronik  des  J.  Afric.  I  S.  19  f.). 
Eine  nähere  Zeitbestimmung  für  die  Cohortatio  als  225  —  300  zu  geben, 
scheint  mir  nicht  möglich.  Cyrill  berührt  sich  mit  dem  Buche  in  seinem 
Werk  adv.  Julian,  so  stark  (s.  Corp,  Apol.  III  p.  316),  dass  die  Annahme 
eines  Abhängigkeitsverhältnisses  unvermeidlich  ist.  Aber  die  Beobach- 
tung, dass  die  Cohortatio  nicht  im  nachconstantinischen  Zeitalter  abge- 
fasst sein  kann,  ist  das  einzige  Argument,  welches  man  der  Hypothese, 
der  Verfasser  der  Cohoitatio  habe  den  Cyrill  ausgeschrieben,  entgegen- 
zusetzen vermag.  Aus  den  Berührungen  mit  Ensebius'  Praepar.  lässt  sich 
nichts  schliessen.  noch  weniger  aus  denen  mit  Hermias'  Irrisio  (s.  Cohort. 
c.  7  n.  14).  Zu  der  Sibyllenstelle  c.  37  ist  mit  Recht  Procop.,  de  bell. 
Goth.  I,  14  verglichen  worden.  In  c.  11  ist  vielleicht  schon  auf  des  Por- 
phyrius'  Schrift  ne^l  rrjg  ix  Xoyicjv  (piXoaotpiaq  Rücksicht  genommen. 
Jedenfalls  hat  der  Verf.  einen  bereits  übermüdeten  Gegner  zu  bekämpfen 
und  gehört  schon  desshalb  nicht  in  das  2.  Jahrhundert. 


j^^g  Die  Werke  des  Justin. 

den  Neuplatonismus  empfahl,  und  durch  ihre  Form  dem  da- 
maKgen  Geschmack  zusagte  ^^^),  den  Titel  einer  justinischen 
erhalten.  Man  wird  e^s  immerhin  für  wahrscheinlich  annehmen 
dürfen,  dass  Eusebius'  Verzeichniss  auch  hier  herhalten  musste, 
um  die  Unterschiebung  zu  legitimiren,  obschon  nur  die  Worte 
/cQÖg  "Elh]V(xg  im  Titel  übereinstimmen. 

2c)  Indessen  scheint  es,  als  -ob  die  Oratio  und  Cohortatio 
nicht  die  einzigen  Schriften  gewesen  sind,  welche  man  unter 
dem  erzwungenen  Schutz  des  eusebianischen  Verzeichnisses  dem 
Justin  als  seine  Schriften  ngog  "'El/.rjvccg  beigelegt  hat.  Im  Cod. 
Parallelorum  Parisinus  923  fol.  253b  (Corp.  Apol.  III  p.  262)  ist 
nämlich  eine  inhaltslose  Phrase  ^•^2)  citirt  mit  den  Worten:  tov 
ccytov  lovOTLVOV  cpik.  X.  ^i(XQT.  ngog  ellrjvag.  Sie  findet  sich  in 
der  Cohortatio,  die  uns  ohne  Lücken  überliefert  ist,  nicht. 
Dass  sie  aber  aus  der  echten  Schrift  Justin  s  stamme,  ist  völlig 
unwahrscheinlich,  da  diese  nach  Eusebius,  soviel  wir  wissen, 
Niemand  mehr  gesehen  hat,  die  Recension  der  Parallel,  im  Pa- 
ris. 923  aber  sehr  jung  ist.  Da  nun  bei  der  bestimmten  An- 
gabe des  Verfassers  ein  zutalhger  Irrthum  schwerlich  im  Spiele 
ist,  so  bleibt  nichts  übrig,  als  anzunehmen,  dass  wir  hier  die 
Reminiscenz  eines  Parallelversuches  zur  Unterschiebung  der 
Cohortatio  vor  uns  haben. 

2d)  Aehnlich  verhält  es  sich  mit  einem  Citat  bei  Leontius 
(adv.  Eutych.  et  Nestor.  1.  II),  welches  Grabe  (II  p.  172  sq.) 
aus  einer  Bodlejanischen  Handschrift  zuerst  veröffentlicht  hat  *^^). 
Es  ist  eingeführt  mit  den  Worten:  'lovoxivov  (piXoaö(pov  Tcal 
^ocQTVQog  ix  TOV  y.azcc  ^ElXrjvcov  ^^*).  Das  Fragment  ist  von 
Interesse,   da  es   die  altkirchliche  Erlösungslehre  in  besonders 


13  J)  Der  Verf.  der  Cohortat.  hat  im  Eingang  das  Exordium  der  Rede 
negl  ötE(pavov  des  Demosthenes  nachgeahmt:  ÜQibxov  (xkv,  w  avögeg 
'AG-TjvaZoi,  xolc.  ^soZc  t^x^f^^^  ^^^-  —  ^^^  gründlichste  Untersuchung  über 
die  Cohortatio  findet  sich  bei  Semisch,  a.  a    0.  I  S.  105  f. 

132)  '//  TOV  SiSaoxakov  dnsiQia  aitoXXvtL  tovg  fjia&Tjrevofievovg,  xai 
^  tcüv  iüia&TjiEvofji€Vü)v  a^iXsLO.  xLvövvov  ipiQSi  ro)  öiöaaxaXw^  xal  jUa- 
Xiüxa  oxav  naga  xijv  avxov  dvsniaxrj/uoavvrjv  pä^vfxoi  eiev  ixslvoi. 

133)  S.  auch  Corp    Apol.  III  p.  256. 

134)  Die  erste,  kleinere  Hälfte  findet  sich  auch  als  justiniach  citirt 
(doch  ohne  Angabe  des  Fundorts)  im  Cod.  Vatic.  der  SS.  Parallel,  (ed. 
Leq.  II  p.  315). 


Die  Schriften  ad  Graecos.  159 

präciser  Weise  wiedergiebt;  es  ist  auch  nichts  in  ihm  enthal- 
ten, was  offenbar  nicht  von  Justin  herrühren  könnte.  Aber, 
wie  auch  vonEngelhardt^^^)  geurtheilt  hat,  es  ist  zu  präcis 
für  Justin  und  enthält  Ausdrücke  (i;  (pS-ogoTioiog  ovoia  z.  B.), 
welche  aus  den  echten  Werken  des  Märtyrers  nicht  zu  belegen 
sind.  Man  hat  also  auch  hier  anzunehmen,  dass  eine  fremde 
Schrift  xatci  ^EkXrivcjv  in  frühbyzantinischer  Zeit  dem  Justin 
beigelegt  resp,  unter  seinem  Namen  verfasst  worden  ist.  Eine 
anderweitige  Spur  dieser  pseudojustinischen  Schrift  xata  ''EXXrj- 
vcov  -3^),  welche  also  durch  Leontius  und  die  SS.  Parallel,  be- 
zeugt ist,  scheint  sich  noch  bei  Photius  zu  finden.  Dieser  nennt 
als  erstes  Werk  von  Justin,  welches  ihm  zu  Gesicht  gekommen: 
lAnoloylcc  VTiEQ  XgiOTiavcov  y,al  xöto:  ^Eklrjvcov  xal  y.axa.  ^lov- 
öalviv.  Nach  Photius  ist  dies  ein  einheitliches,  zweigetheiltes 
Werk,  welches  also  mit  der  Apologie  an  Antoninus  und  dem 
Dialog  nichts  zu  thun  hat.  Hier  haben  wir  mithin  eine  Schrift 
xar«  ^EUtJviov,  In  dem  Cod.  Coisl.  276  der  Parallel,  (saec.  X. 
ut  vid.)  findet  sich  aber  fol.  33b  (Corp.  Apol.  III  p.  263  sq.) 
ein  kurzes  Citat  ^^'^)  mit  der  Aufschrift:  tov  äyiov  lovörlvov  i/. 
xov  ftQog  iovdalovg:  Es  ist  im  Dialog  mit  Trypho  nicht  nach- 
zuweisen, und  die  Annahme,  es  habe  in  der  Lücke  gestanden, 
ist  ein  unstatthafter  Nothbehelf.  Es  liegt  also  nahe  anzuneh- 
men, dass  aus  dem  von  Photius  genannten  Werk  Leontius  so- 
wohl als  der  Verf.  der  Recension  der  Parallel,  im  Coisl.  ge- 
schöpft haben,  vielleicht  auch  der  Redactor  der  SS.  Parallel, 
im  Par.  923  (s.  oben  sub  2  c).  Sicher  lässt  sich  darüber  nicht 
entscheiden,  da  die  üeberlieferung  hier  eine  zu  schmale  ist. 

2e)  Im  Cod.  Par.  450  ist  je  einer  grösseren  Schrift  des 
Justin  ein  Appendix  angehängt,  der  an  zweiter  Stelle:  ngog 
covg  "EXXrjvag  überschrieben  ist^^^).  Otto  hält  ihn  für  den 
Schluss  der  Confutatio  dogm.  Aristot.,  allein  er  kann  dafür  nicht 
gelten.    Er  richtet  sich,   19  philosophische  Thesen  umfassend, 


135)  Christentimm  Justin's  S.  432  f. 

136)  Auch  hier  wird  das  „TtQOQ^^EXXrjvaQ^'  bei  Eusebius  die  Brücke 
gebildet  haben.  Die  Präpositionen  tiqoq  und  xctzä  sind  in  Citaten  von 
Büchertiteln  öfters  verwechselt  worden. 

137)  Ovza  ax€vox<oQLa  naga  ^e(jj  ovxt  ayctQi^firixov  rt. 

138)  Corp.  Apoi.  IV  p.  XXVII.  p.  214  sq. 


160 


Die  Werke  des  Justin. 


auch  gegen  Plato  u.  A.  Möglich,  ja  wahrscheinlich,  dass  er 
von  demselben  Verfasser  ist,  welcher  die  Confutatio  geschrie- 
ben. Seine  Aufschrift  kann  aber  auch  nicht  ohne  Zusammen- 
hang mit  der  Erinnerung  an  Justin's  Schriften  ^Qog  "Ellr^vag 
sein,  da  sie  viel  weiter  reicht,  als  der  Inhalt  der  Thesen  dies 
zulässt. 

Wir  haben  also  vier  oder  fünf  verschiedene  Schriften  zu 
verzeichnen,  die  unter  dem  Titel  ngög  '"Ellrjvag  dem  Justin  bei- 
gelegt worden  sind.  Die  älteste  von  ihnen  ist  die  Oratio  im 
Argentor.,  die  jüngste  die  philosophische  im  Par.  450;  ob  aber 
die  Cohortatio  oder  die  von  Leontius  und  Photius  citirte  Schrift 
die  erste  gewesen  ist,  welche  man  unter  dem  Titel  „An  die 
Griechen"  dem  Justin  beigelegt  hat,  lässt  sich  nicht  entscheiden. 
Zu  dem  Zweck  niedergeschrieben,  um  für  justinisch  zu  gelten, 
sind  die  drei  uns  überlieferten  Schriften  schwerlich;  über  die 
vierte,  welche  Leontius  und  Photius  kannten,  lässt  sich  nicht 
urtheilen.  Doch  klingt  der  Titel  allerdings  so,  als  sei  dieses 
Werk  dazu  bestimmt  gewesen,  die  Apologie  und  den  Dialog  mit 
Trypho  zu  ersetzen  (s.  darüber  unten). 

3a)  In  den  Sammlungen  IL  III.  V.  hat  ein  Brief  des  Justin 
an  die  Brüder  Zenas  und  Serenus  Aufnahme  gefunden.  Der- 
selbe ist  in  den  Arethas-Codex  ohne  jede  üeberschrift  einge- 
stellt, so  dass  der  Eingang:  'lovorlvog  Zrjva  xat  2eQrjvq)  Tolg 
adeXcpolg  xaigeiv  diese  ersetzen  muss.  Es  giebt  für  ihn  aber 
keinen  älteren  Zeugen  als  jenen  Codex;  denn  kein  Schriftsteller 
hat  ihn,  so  viel  bisher  ermittelt  ist,  citirt.  Der  Brief  ist  eine 
Ermahnungsrede,  welche  die  rechte  christUche  Lebensweise 
empfiehlt,  und  ist  von  einem  besonnenen  und  nüchternen  Manne 
geschrieben.  Dass  er  nicht  von  dem  Apologeten  stammt,  ist 
unzweifelhaft.  Darüber  belehren  schon  die  Bibelcitate.  Aber 
einen  positiven  Ansatz  zu  geben,  hält  sehr  schwer.  Auf  noch 
bestehendes  Heidenthum  wird  im  Briefe  nicht  Rücksicht  ge- 
nommen. Die  Meinung  aber,  dass  der  Verf  an  Mönche  ge- 
schrieben habe,  scheint  mir  nicht  sicher  begründet  ^•^'•^).  Die 
moralischen  Ermahnungen,  die  hier  und  da  an  den  „Pädagog" 
des  Clemens  erinnern,  geben  keine  Anhaltspunkte.     Auch  aus 


139)  Anders  urtheilt  liierüber  Otto  (de  Justini  M.  scriptis  p.  70)  nach 
dem  Vorgang  älterer  Gelehrten. 


Die  pseudojustinischen  Briefe.  jßl 

der  „Theologie"  ist  nichts  zu  scliliessen;  denn  jeder  Schluss  von 
ihr  aus  würde  zuviel  beweisen.  So  sieht  man  sich  in  jeder 
Hinsicht  von  chronologischen  Spuren  im  Stiche  gelassen  und 
muss  bis  auf  weiteres  einen  Zeitraum  von  c.  400  Jahren  für 
die  Abfassung  offen  halten  Ganz  unglücklich  wäre  die  Hypo- 
these, der  Verfasser  habe  für  den  Apologeten  gelten  wollen. 
Hierauf  führt  geradezu  Nichts  in  dem  Briefe.  Das  wahrschein- 
lichste ist,  nach  der  unverdächtigen  Aufschrift,  dass  wirklich 
ein  Justin  den  Brief  geschrieben  hat^"^*^),  und  dass  dieser  Um- 
stand in  späterer  Zeit  dazu  verführte,  ihn  dem  gefeierten  Apo- 
logeten beizulegen, 

3b)  Vielleicht  war  der  Apologet  schon  im  7.  Jahrhundert 
durch  diesen  Brief  als  Epistolograph  bekannt,  und  man  suchte 
dies  auszunutzen.  Maximus  Confessor  (Div.  definitt.  SS.  PP. 
de  duabus  operat.  J.  Chr.  H  p.  154  ed.  Conibef.)  ^'^i)  führt  zwei 
Aussprüche  über  die  Energie  Gottes  und  die  physische  Energie 
an  und  überschreibt  dieselben:  tov  aylov  ^lovazlvov  g)iXoo6(fov 
ymI  zeXog  aaQTVQog  ea,  tov  fiQoq  EvcpQaoipv  oocpiGzrjV  tcsqI  ttoo- 
volag  y,al  niOTeoyg  XoyoVy  ov  r]  ccqx^'  j'^xqavxog  o  Xoyog^. 
Niemand  ausser  Maximus  kennt  diesen  Brief  oder  eine  Schrift 
Justin's  Ttagi  TCQovoiac^  Das  Stück,  welches  Jener  mitgetheilt 
hat,  zeigt,  dass  Justin  nicht  der  Verfasser  sein  kann. 

3c)  Aber  noch  ein  drittes  Schreiben  ist  dem  Märtyrer  bei- 
gelegt worden,  der  berühmte  Brief  an  den  Diognet.  Lediglich 
der  Redactor  des  Cod.  Argentorat.  kennt  denselben.  Dass  er 
nicht  von  Justin  herrührt,    darf  jetzt  als   ausgemacht   gelten. 


140)  Wir  kennen  allerdings  keinen  Justin,  der  in  Betracht  kommen 
könnte  (an  Justinus  Siciilus  ist  nicht  zu  denken);  aber  das  fällt  nicht  ins 
Gewicht.  Der  Verf.  er\^hnt  im  ersten  Capitel  zwei  frühere  Briefe  von 
sich  [ri  TtQÖg  ndnav  iniotokrj  und  fj  TtQÖg  aQx^'*'^<^Q)  ^iiid  giebt  ihren  In- 
halt in  Kürze  an.  Unter  naTiag  ist  wohl  der  Bisehof  zu  verstehen  {itaznQ 
==  eniaxoTioQ:  Mart.  Lugd.  bei  Euseb.  h.  e.  V,  4).  Unter  den  agxovteQ 
will  Otto  die  Klosteroberen  des  Verf.'s  erkennen,  indem  er  das  folgende 
ßoi  fälschlich  auf  jenes  Wort  bezieht  (es  gehört  zu  y^acpsla^).  Aber  der 
Verf.  ist  nicht  Mönch;  die  aQxovtsg  sind  also  die  Gemeindeleiter  über- 
haupt (so  auch  im  2.  Jahrhundert).  —  Beachtenswerth  ist  vielleicht,  dass 
sowohl  im  Par.  451  als  450  die  Ep.  ad  Zenam  und  die  Coliortatio  neben 
pinander  stehen.  Sie  sind  vielleicht  in  derselben  Zeit  dem  Justin  beige- 
legt worden. 

141)  Coi-p.  Apol.  V  p.  372.     Grabe,  1.  c,  II  p.  171. 

Texte  und  Untersuchungen.  H 


152  ^^ö  Werke  des  Jufstln. 

Aber  sein  Ursprung  und  seine  Ge.«chichte  ist  noch,  sehr 
dunke]  ^^'■^).  Da  wir  für  diese  lediglicli  auf  dt^n  Argentorat.  an- 
gewiesen sind  —  alle  sonst  namhaft  gemachi'in  Spuren  erwei- 
sen sich  als  trügerisch  — ,  so  ibt  der  Wcr^h  des  Zeugnisses 
desselben  genau  ins  Auge  zu  fassen  ^•*^).  1)  Der  Cod.  Argen- 
torat.  enthält,  abgesehen  \T)n  d^ra  Diognetbrief,  nur  Stücke, 
welche  dem  !2. — 0.  Jahrhundert  angehören,  2)  oi  ist  der  einzige 
Zeuge  für  eine  Schrift  des  2.  (3.)  Jahrhunderts,  welche  zugleich 
nicht  pseudojustinisch  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes  ist, 
3)  der  Text  der  Stücke,  welche  er  mit  dem  Par.  450  gemein- 
sam hat;  ist  in  ihm  besser  erhalten  als  in  jenem,  4)  der  Brief 
an  den  Diognet  ist  nur  durch  die  Ueberschrift  mit  dem  Namen 
des  Justin  —  und  zwar  nur  durch  ein  rov  aCrov  —  verbanden; 
in  dem  Briefe  selbst  ist  der  Name  Justin's  niclit  genaUiit.  Es 
darf  hieraus  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  präjudicirt  wer- 
den, 1)  dass  der  Brief  nicht  erst  aus  dem  spat-byzantinibCden 
Zeitalter  stammt,  2)  dass  er  nicht  unter  Justin's  Namen  (etwa 
als  Schreiben  an  den  Lehrer  Marc  Aurel's)  gefälscht  w^orden  ist. 
Dass  er  nicht  doch  eine  Fiction  ist,  ist  damit  nicht  gesagt; 
hierüber  können  nur  innere  Gründe  entscheiden.  Was  man  da- 
für angeführt  hat,  scheint  mir  nicht  hinreichend  beweiskräftig 
zu  sein^'*^).    Mit  der  Ep.  ad  Zenam  hängt  der  Brief  nicht  zu- 


142)  S.  0 verbeck,  Studien  I  S.  1  f .  (10—20)  und  die  durch  diese 
Untersuclmiigen  hervorgerufene  Literatur:  PP.  App.  Opp.  I,  2  p  142 — 
154.  Vorher  schon  Donaldson,  a.  a.  0,  II  p.  126—142:  „A  my.^tery 
ceiiainly  seema  to  hani^  about  this  epistle  aud  its  nianuscripta.  The  cu- 
rious  variations  of  the  readings,  and  the  circumstance  that  Ro))ertus 
StephaniiK  —  who,  his  son.  says,  had  the  manuscript  —  did  not  pubb'sh 
the  Ep.  to  Diognetus,  led  me  to  suspeet  that  |,he  Epistle  to  Diognetus 
might  possibly  be  the  production  of  Heuricus  Stephanns  himself.  If  the 
Strasburg  codex  is  as  old  as  it  is  said  to  be,  this  notion  would  be  com- 
pletely  refuted.  And  evcn  if  it  were  not,  one  should  be  cautious  in  at- 
tributing  a  forgery  to  any  one.  1  am  inclined  to  think  it  niore  iikely 
that  sonie  of  the  GreekR  who  came  over  to  Italy  when  threatened  by  the 
Tarka  luay  have  written  the  treatise,  not  so  nmch  from  the  wish  to  coun- 
terfeit  a  work  of  Justin's  as  to  write  a  good  declamation  in  the  old  style. 
Hut  thero  i«  no  sound  basis  for  any  theory  with  regard  to  this  remar- 
kable  production".     vS.  auch  Cotterill,  Peregr.  Proteus  1879  passim. 

143)  S.  oben  S.  80  f. 

144)  C.  7,  G  ist  eine  gröäHore  Lücke  int  Texte  anzunehmen}  vielleicht 


Die  Schriften  über  die  Aiiferstehnng.  163 

sammen ;  auch  nicht,  soviel  wir  urtheikn  können,  jnit  den  dort 
genannten  Briefen  ngogllanav  und  JiQog  ctQxoviag^ *'''),  Uehri- 
gens  fehlt  gerade  im  Argen torat.  die  Ep.  ad  Zenam. 

4^)  Die  Schrift  Tvegl  avaoxaoEioc^  welche  uns  in  den  SS. 
Parallel,  aufbehalten  ist,  kann  nicht  von  Justin  herrühren  ^■*'^). 
Aber  sie  ist  gewiss  sehr  alt  und  gehört  wahrscheinlich  noch 
dem  zweiten  Jahrliundert  an.  Die  wertlivollen  Ausführungen 
(s.  namentlich  c.  1)  sind  von  alexandri nischer  Philosophie  noch 
nicht  beeinflusst,  setzen  aber  die  gnostisch-marcionitischen 
Thesen  bereits  voraus.  Der  Verf.  ist  ein  Mann  von  asketischer 
Gesinnung  im  Stile  eines  Athenagoras,  MeHto  und  TertuUian  ^*'). 


ist  auch  der  Schluss  nicht  vollständig  (Overbeck-,  a.  a.  0.  S.  6  f.).  Dass 
cc.  11.  12  nicht  zum  Briefe  gehören,  ist  schon  langst  bemerkt  worden.  Die 
beiden  Capp.  scheinen  ein  Bruchstück  einer  längeren  Rede  zu  sein;  ob  der 
fjitt^rjtijq  nK0Gx6k(av  ytvofievoQ  6t6daxa).oq  i^vCbv  (c.  11)  Justin  sein  soll, 
steht  dahin. 

145)  Es  wäre  mehr  als  kühn,  unter  den  ^(>;|rorrfc  römische  Kaiser 
zu  verstehen,  und  so  eine  Beziehung  auf  den  angeblich  an  den  Lehrer  des 
Kaisers  M.  Aurel,  Diognet,  gerichteten  Brief  zu  construiren. 

146)  S.  die  vortreffliche  Beweisführung  bei  Donalds© n.  a.  a.  0.  II 
p.  119  sq.;  anders  Semisch,  a.  a.  0.  I  S.  140  f 

147)  So  auch  Donaldson,  a.  a.  0.  p.  123:  ,  .  .  On  the  ;:ontrary,  the 
fragment  can  be  more  completely  paralleled  in  its  rea?onings  from  Athe- 
ntigoi-as  and  Tertullian,  and  the  likelihood  is  ihat  it  is  a  work  of  a  date 
somewhere  between  these  two  "writers."  Die  Uebereinstimmuiigen  mit 
Melito  und  Tertullian  sind  namentlich  vom  7.  Cap.  ab  so  frappant,  dass 
man  kaum  Bedenken  tragen  könnte,  die  Schrift  d«mi  Ersteren  zuzusprechen, 
wenn  es  überliefert  wäre,  dass  er  über  die  Auferstehung  geschrieben  hätte. 
Die  Annahme,  dass  Tertullian  die  Schrift  für  seinen  Tractat  de  resurr, 
carnis  benutzt  hat,  scheint  mir  nicht  zu  kühn  (bei  Irenaeus  V,  6  scheint 
die  Benutzung  sicher).  Man  vgl.  die  Ausführungen  über  die  Ehe  in  c.  3, 
femer  die  Ansicht  des  Verfassers,  dass  das  Ebenbild  Gottes  im  Menschen 
schon  in  der  cuq^  hege  {Jr^Xöv  ovv  (ug  xaz*  slxova  &sov  nkaaa 6/4 fvog 
o  äv&gwnoQ  tjv  accgxixoq.  Elia  nwg  ovx  axonov  xijV  vno  Osov  actQxa 
nXac&ttaav  xat*  flxova  xtjV  kavxov  ipaoxftv  axifiov  elvai  xal  ovdsvdg 
a^iavy  —  dazu  Melito,  Tertullian)  und  die  folgenden  Gedankenreihen  bis 
c.  8  fin.  Wie  Melito  unterscheidet  der  Verf.  nur  ^pv^rt  und  a(xifia  im 
Menschen  (c.  8:  xL  yaQ  iaxiv  6  av&Qmnog  aAA'  rj  xo  ix  tpvx^?  xal  «xcb- 
ftaxog  avveaxog  t,<J^ov  koytxov)  —  dio  einzige  Stelle,  wo  eine  Dreüieit 
angenommen  wird  (c.  10  p.  244—246,  3)  ist  interpolirt.  Mehrere  Sätze 
sind  fast  wörtlich  mit  tertuUianischen  identisch  oder  ihnen  doch  aufs 
nächste  verwandt;  nur  Einiges  ist  in  dieser  Beziehung  von  Otto  ange- 
ll* 


AßA  Die  AVerke  des  Justin, 

Wie  ist  Justin  aber  zum  Verf.  dieses  Tractats  geworden,  dessen 
wahrer  Urheber  sich  gewiss  nicht  mit  dem  Namen  des  Märty- 
rers hat  schmücken  wollen?  Wir  wissen  es  nicht;  denn  Nie- 
mand hat,  abgesehen  von  den  SS,  Parallel.,  die  Schrift  citirt. 
Aus  der  Art  der  Citation  im  Cod.  Rupef.  lässt  sich  nichts 
schliessen.  Hier  folgt  sie  einigen  Anführungen  aus  dem  gros- 
sen Werke  des  Irenaeus. 

4^)  Ein  yloyog  negi  avaöiaoBiog  des  Justin  wird  auch  von 
Procopius  Gaz.  (c.  ann.  500)  citirt  ^^^).  Dieser  berichtet,  Justin 
habe  dort  die  Meinung  der  Häretiker  widerlegt,  dass  die  Be- 
kleidung mit  Fellen  Genes.  3  die  Verkörperung  der  Seelen  be- 
deute ^'^*^).  Es  ist  nicht  unmöglich,  dass  Justin  wirklich  über 
die  Auferstehung  ein  Buch  geschrieben  hat,  welches  Eusebius 
jiicht  zu  Gesicht  gekommen  ist.  Der  Inhalt  des  Citates  spricht 
nicht  dagegen,  und  es  würde  sich  so  erklären,  wie  später  eine 
fremde  Schrift  tzsql  avaGvaoecog  dem  Justin  beigelegt  worden 
ist.     Aber  zu  entscheiden  ist  natürlich  nicht  ^^% 

5)  In  23  griechischen  Handschriften  (s.  auch  oben  Nr.  III. 
IV.  V),  von  denen  die  älteste  dem  10.  Jahrhundert  angehört, 
und  in  einem  syrischen  Codex  saec.  X.  ist  uns  als  justinisch 
eine  Schrift  aufbehalten,  deren  Titel  sehr  verschieden  ange- 
geben wird  1^1)  und  nicht  mehr  sicher  ermittelt  werden  kann: 
"Exd^eotg  ttsqI  Trjg  oQd^rjg  niöTScog  oder  neQi  rgiadog.  Die  zweite 
Hälfte  dieser  Schrift  ist  aber  bereits  vom  Jahre  +  600  ab  von 


merkt.  Der  Tractat  gehört  zu  der  Gattung  altchristlicher  Schriften, 
welche  dem  Geschmack  der  nächsten  Folgezeit  bereits  wenig  mehr  be- 
hagten.  Schliesslich  beachte  man,  dass  der  Verf.  c.  10  sich  selbst  als 
einen  früheren  Schüler  des  Plato  und  Pythagoras  bekennt,  und  dass  er 
wie  Justin  die  gnostischen  Häresien  aus  dem  Judcnthum  ableitet  (1.  c), 

148)  In  Comment.  ad  Gen.  III  bei  Mai,  Class.  auct.  e  Vatic.  codd. 
VI  p.  204.    S.  Grabe,  1.  c.  II.  p.  167.  194.    Corp.  Apol.  V  p.  73. 

149)  In  dem  Tractat  der  SS.  Parallel,  ne^l  ävaazaaswg  findet  sich 
eine  solche  Widerlegung  nicht  und  kann  auch  nicht  in  den  Lücken 
(c.  8  fin.  9  fin.)  untergebracht  werden.  Die  Meinung,  Procopius  beziehe 
sich  auf  Nr.  49  der  Quaest.  et  Resp.  ad  Orthod.,  ist  schwerUch  haltbar. 

150)  Ueber  eine  dritte  Schrift  ne^l  dvaozdoewc,  die  Justin  beigelegt 
worden,  s.  unten  sub  7. 

151)  Die  Handschriften  lassen  sich  schon  nach  den  Titeln  einiger- 
massen   gruppiren.    Es   finden   sich  sieben  Formen   (s.   Corp.   Apol.  IV 

p.  vni). 


Die  Expositio  rectae  fidei.  165 

den  byzantinischen  Scliriftstellern  vielfach  ausgeschrieben  wor- 
den *^2).  Schon  ein  flüchtiger  Bhck  zeigt,  dass  sie  erst  nach 
dem  Concil  von  Chalcedon  abgefasst  sein  kann.  Sie  gehört  also 
der  Zeit  zwischen  450  und  600  an.  Ueberliefert  i&t  sie  uns  in 
einer  doppelten  Gestalt,  einer  kürzeren,  in  welcher  nicht  nur 
das  Eingangs-  und  Schlusscapitel  fehlen,  sondern  aucji  grössere 
und  kleinere  Abschnitte  im  übrigen  Text^^^),  und  in  einer 
längeren,  welche  etwa  um  ein  Viertel  umfangreicher  ist  als 
jene.  Obgleich  nun  die  älteren  und  besseren  Handschriften  ^^^) 
die  kürzeren  sind,  so  lehrt  doch  die  Yergleichung,  namentlich 
mit  den  Citaten  der  Byzantiner,  dass  die  längere  Recension  die 
ursprüngliche  Gestalt  darbietet,  wenn  auch  die  Annahme  klei- 
nerer Interpolationen  ^^^)  in  dieser  unvermeidlich  ist.  D  aber, 
die  älteste  der  verkürzten  Handschriften,  bezeichnet  sich  selbst 
—  und  dies  macht  die  Sache  evident  —  als  ein  Excerpt.  Es 
beginnt  mit  den  Worten:  "Eva  toIvvv  S^ebv  oeßeiv  rjfiäg  xtA,^^^). 
Die  Schrift  ist  von  ihrem  frühesten  für  uns  nachweisbaren 
Auftauchen  an  Justin,  dem  Märtyrer  und  Philosophen,  beige- 
legt worden  ^^'').  Als  solche  las  man  sie  im  griechischen  und 
im  syrischen  Orient.  Ja  sie  ist  recht  eigentlich  die  Schrift 
des  Märtyrers  im  Mittelalter  geworden;  erst  im  Reformations- 
zeitalter erhoben   sich  bei  den  lutherischen  Gelehrten  Zweifel. 


152)  S.  die  Zusammenstellung  im  Corp.  Apol.  Y  p.  420  sq.  426.  Ge- 
nannt sind  liier  Leontius  Byzantinus,  Anastasius  Presbyter,  Nicephorus 
CPol.,  Euthymius  Zig.,  Theorianus  (add. :  Michael  Glycas,  s.  Grabe  II 
p.  202  sq.)  und  der  Schreiber  des  Cod  Vindob.  theol.  gr.  169.  Ein  Citat 
aus«  der  ersten  Hälfte  hat  Caspari,  Alte  u.  neue  Quellen  S.  26 L  317  in 
einem  Cod.  Mosq.  (Nr.  238)  nachgewiesen ;  ein  solches  ■  aus  der  ersten 
M ö singe r,  Monum.  Sjr.  II  p.  9  in  einem  Cod.  Vat,  syr.  (Nr.  146). 

153)  S.  Corp.  Apol.  IV  p.  XIL 

154)  Nämlich  DBG  (Vat.  gr.  423)  und,  wie  es  scheint,  mindestens 
noch  vier  andere. 

155)  Ein  Beispiel  c.  5  n.  18;  aber  es  ist  nicht  das  einzige.  Otto  ist 
allerdings  nur  hier*der  Autorität  von  DBG  gegen  alle  anderen  Codd. 
gefolgt. 

156)  Dass  in  G  Fehlendes  als  solches  angemerkt  ist,  kommt  nicht  in 
Betracht,  da  G  ein  sehr  junger  Codex  ist,  dessen  Schreiber  vollständigere 
Exemplare  vor  sich  hatte. 

157)  Nur  im  Index  zum  Mutinen,  ist  dies  nicht  der  Fall.  Ich  möchte 
aber  darauf  angesichts  der  grossen  Zeugenreihe  doch  kein  Gewicht  legen. 


K^g  Die  WorVe  d«';?  Justin. 

Sie  ist  aber  auch  zugleich  dasjenige    unter   den   pseudojustini- 
schen  Werken,   bei  welchem   der  Verdacht  einer  absichtlichen 
Frilschunj^f   ain   stärksten  ist   und   schwerlich  widerlegt  werden 
kann.     Derselbe  fusst  auf  den  Eingangsworten  ^^^):  'J/.avaig  zbv 
Y.LxTa  ^louöcclufv  yiaVlLlXrjvcop  ^7ie}.^6vxB<i  tksyxov,  ay.oXov- 
i)AX>g  avOig  xnv  vyiä  Tijg  niözeug   e/.Ti^efjeO^a   Koynv.     Weiter 
aber  bezeichnen  die  ältesten  Zeugen,  Leontiiis  und  Anastasius 
Presbyter,    unsere   Schrift    als    das    dritte    Capitel    oder   Buch 
Q.oyoi; — ßiß?Uov)  eines  grösseren  Werkes  '^^).     Nach  jenen  Ein- 
gangsworten ist  also  anzunehmen,  dass  dasselbe   !)  einen  loyog 
Tcazct  ^lovöaiwv,    2)    einen    .solchen    /.«O"'  ^^liXXijVcav    und    ?>)  die 
eAiyeaig  niotecog  umfasste.     Nun  aber  nennt  Pliotius  unter  den 
Büchern  Justins,  die  er  kennen  gelernt,  eine  ^^nohoyia   vTito 
XQKniavöjv  /Ml    xaza  ' EX^nov    Aal   xaza  ^loiöalan'    (s.  oben). 
Hiernach  kann  schwerlich  mehr  zweifelhaft  sein,   dass  die  Ex- 
positio  als  der  letzte  Tbeil   (s.  auch  c.  18:  tojv  Xoyioy  azQOfpal) 
der   von  Photius  genannten   Apologie    zu  betrachten   ist.    aus 
welcher  wir  noch  ein  paar  Bruchstücke  besitzen  (s.  oben),  von 
denen   eines  bei   demselben  Leontius  sich  findet,  der  auch  die 
Expositio  ein  paar  mal  citirt  hat.     Es  scheint  aber  ferner  an- 
gezeigt, hier   eine    absichtliche  Unterschiebung   zu   vermuthen. 
Denn  eine  Schrift  gegen   die  Griechen  und  Juden,   schliessend 
mit  einer  Darlegung  des  rechten  Glaubens,  ist  doch  schwerlich 
dem  Justin  ohne  Rücksicht  auf  dessen  apologetische  Thätigkeit 
beigelegt   worden  ^^®).     Behält  man   weiter  im  Auge,  dass  im 
byzantinischen   Zeitalter   die    echten   Schriften   Justin's   so   gut 
wie  verschollen   sind,   so  bietet  sich  die  Annahme   von   selbst 
dar,  dass  eben  jenes  grosse  dreigetheilte  Werk  sie  zu  verdrän- 
gen bestimmt  war  und  diesen  Zweck  auch  ziemüch  vollständig 
erreicht  hat.    Die  Zeit  zwischen  450  und  600   ist  bekanntlich 
nicht  nur  die  Periode  ganz  besonders  heftiger  christologischer 

158)  S.  0 verbeck,  Studien  IS,  19. 

159)  S.  die  Stellen  bei  Otto,  IV  p.  35.  37.  38.  42.  V  p.  426.  Auch 
in  dem  Titel  dcH  Citat;i  des  Anaßtasius  Presb.  (Mai,  Script.  Vet.  Nova 
Coli.  VII,  1  p.  29)  ist  für  ösxazov  Xoyov  „tqLxov  loyov^'  (^  =  I^)  za  lesen. 
Die  Capiteleintheilung,  welche  einige  Hands(;luii'ten  bieten,  findet  sich 
ebenfalls  schon  bei  Leontius  und  Anustasius  Presbyter. 

IfiOj  Der  AusdiTick  „?Afy;iro5"  ist  Exp-os.  1  gebraucht,  s.  dazu  Euseb., 
b.  e.  IV,  18,   1. 


Die  Schrift  gegen  Aristoteles  und  die  Quaeetiones.  1(57 

Kampfe  (welche  die  Expositio,  namentlich  in  ihrem  2.  Theile, 
auch  voraussetzt),  sondern  in  dieser  Zeit  ist  auch  der  traditio- 
nelle Stuft*  revidirt  im<l  eine  umfassende  Chrestomathie  aus 
Sclu'iften  der  alten  Väter  zum  Zweck  des  dogmatischen  Be- 
weises theils  zusammengestellt,  theils  erfunden  worden.  Die 
Schritten  und  Aussprüche  der  Väter  sind  seit  dem  Chalcedo- 
neuse  die  gebräuchlichste  Wafle  geworden,  und  solche  Waffen 
hat  man  sich,  wenn  es  Noth  that,  selbst  geschmiedet.  In  den 
Kreis  der  damals  untergeschobenen  Schriften  nun  gehört  wahr- 
scheinlich auch   die  grosse  Apologie  des  Justin,   deren   1.  und 

2.  Theil  aber  nicht  sehr  lange  im  Gebrauche  gewesen  sind  (s. 
oben  sub  2^  und  2c).  Photius  hat  sie  noch  gekaimt.  Ob  er 
aber  auch  den  viel  citirten  dritten  Theil  in  der  Bibliothek  ge- 
funden hat.  steht  dahin. 

8)  Bei  Photius  und  in  der  Sammlung  III  wird  dem  Juslin 
eine  Schrift  gegen  Aristoteles,  gewidmet  dem  Priester  Paulus, 
zugesprochen,  die  sich  auch  noch  in  fünf  anderen  Codices  als 
justinisch  findet  ^*^^).  Citirt  hat  sie,  soviel  wir  wissen,  Niemand. 
Sie  ist  ganz  farblos  i**^);  man  kann  d?.her  nicht  entscheiden, 
ob  sie  von  ihrem  Ursprung  her  dem  Justin  beigelegt  worden 
ist.  Zur  Datirung  fehlt  jeder  Anhalt.  Die  Phrase:  sv  ifilv, 
f J  nQtaßvTEQS  Uavle^  zeigt  nur,  dass  die  Schrift  frühestens  im 

3.  Jahrb.  geschrieben  ist.  Man  darf  vermuthen,  dass  sie  nicht 
vor  der  Epoche  verfasst  ist,  in  welcher  das  Studium  des  Ari- 
btoteles  wieder  in  Aufnahme  kam,  d.  h.  nicht  vor  +   150. 

7)  Photius  citirt  als  von  Justin  ^Atioqkjjv  xarä  Trjg  svoe- 
ßdaq  Kscpakaicudsig  iTttXvaeig.  Sie  können  mit  den  Stücken 
9—11  in  der  III.  Sammlung  resp.  mit  einem  dieser  Stücke  iden- 
tisch sein.    Von   diesen  i^^)   ist  das  erste,   die   sog.  Quaest.  et 


161)  S.  Corp.  Apo].  IV  p.  XXVI  sq.  Die  drei  Codices,  welche  von 
Otto  ausser  Par.  450  verghchen  hat  (zwei  Vindob.,  ein  Monac),  sind  fast 
identisch  und  ziemlich  unbrauchbar.  Man  hat  sich,  wie  auch  von  Ojbto 
gethan  hat,  an  den  Paris.  450  zu  halten.  —  Die  von  Photius  beschrie]>ene 
Schrift  scheint  kürzer  gewesen  zu  sein  als  die  uns  überlieferte;  aber  an 
der  wesentiich'fu  Identität  braucht  nicht  gezweifelt  zu  werden. 

Ib2)  Richtig  Donaldson,  a.  a.  0.  p.  143:  „a  purely  philosophical 
vfoxk.    Tliere  is  no  appeal  to  Christian  teaching  in  any  way." 

163)  S.  die  schmale  Textüberlieferung  (Corp.  Apol.  IV  p.  XXXII— 
XXXVII). 


-jgg  Die  Werke  des  Justin. 

Respons.  ad  Orthodoxes,  weitaus  das  interessanteste  i^-*).   Dieses 
umfangreiclie  Werk  ist  naclmicäniscli  und  setzt  auch  die  Wirk- 
samkeit der  älteren  antiochenischen  Schule  bereits  voraus.   Aber 
es  ist  auch  nicht  viel  später  geschrieben — -  nach  Gas s  um  das 
Jahr   100.     Citirt  ist  es  selten  worden  i^'^).     Dass  ein  Werk,  in 
welchem  die  Namen  des  Irenaeus  und  Origenes  genannt    und 
Bücher  von  ihnen  citirt  sind,   selbst  für  justinisch  habe  gelten 
wollen,  ist  nicht  wahrscheinlich.    Nirgendwo  verräth  der  Verf., 
dass   er  für  den   Apologeten    der    alten   Zeit    angesehen    sein 
wolle  *^^').     Aber  dass  man  selbst  einem  Werk  von  so  compli- 
cirter  Beschaffenheit,  welches  so  ziemlich  über  alles  theologisch 
und  kirchlich  Bedeutende  orientiren  sollte,  nachmals  den  Namen 
des  Justin  vorgesetzt  hat,  zeigt,  wessen  man  sich  zu  dem  ge- 
feierten Apologeten  versah.  —  Was  die  beiden  anderen  Stücke, 
die  ^EgcoTTjoSig  XQiaTtavLTial  ngog  xovg  ""Ellr^vag  und  die  kürze- 
ren ^EgcoTT^ösig  ellrjvr/ML  ngog  rovg  XQLoriarovg  ti^ql  xov  aaco- 
jttaTot'  xal  TieQL  xov  -S^sov  ymI  ttbol  Trjg  avaOTaGSwg  tüjv  vs/.qwv^ 
betrifft  *^''),  so  hat  man  vermuthet,  dass  die  Erzählung  des  Justin 
in  der  Apologie  (II,  3h)  Anlass  zu  ihrer  Abfassung  und  Unter- 
schiebung gegeben  habe.     So  ansprechend  diese  Hypothese  ist 
—  s.  auch  das  Stichwort  eocozr^oeig  Apol.  11,  3  — ,  so  fehlt  doch 
in  den    „Fragen"    selbst   jeder  Anhalt   zu   ihrer  Bekräftigung. 
Diese   sind   nicht  vor    dem   4.  Jahrh.  i*^^),    aber  vielleicht   viel 
sf)äter  verfasst.    Nicht  unwahrscheinlich  ist,  dass  ihr  Verfasser 
mit  dem   der  Confut.  dogm.  Aristot.  (s.  oben  sub  6)  identisch 
ist^^'-^),  und  dass  die  „Fragen"   mit  jener  Widerlegung  zusam- 


164)  S.  über  dasselbe  Gass  in  der  Ztschr.  f.  d.  bist.  Tlieol.  1842  IV 
S.  35—154. 

165)  Grabe  verzeichnete  (II,  201)  ein  Citat  bei  Macarius  Chrjsoce- 
phalus,  und  dieselbe  Stelle  wies  Otto,  oinp^efülirt  durch  ein  lovozivov 
(lagivQoq,  in  einem  Cod.  Vindob.  (Catena  in  ev.  Lucae)  saec.  XL  vel  XII. 
nach  (s.  Corp.  Apol.  V  p.  2S).  Unsicher  ist,  ob  Procopius  Gaz.  das  Buch 
eingesehen  hat  (s.  1.  c.  V  p.  73.  80). 

166)  Spuren,  die  man  hierfür  aufgedeckt  zu  haben  glaubte,  sind  ganz 
unsicher. 

167)  Die  Ersteren  sind  citirt  von  Johannes  Sapiens  (Cypariss.)  saec. 
XIV.,  s.  Grabe,  1.  c.  II  p.  156. 

168)  S.  die  Bekämpfung  der  Manichäer  Quaest.  Christ.  I. 

109)  S.  von  Otto  in  Allg.  Encyklop.  d.  WW.  u.  KK.  S.  11  P.  XXX 
S.  55  f. 


Der  Cominentar  zum  Hexaeim^ron.  [(39 

men  dem  Justin  beigelegt  worden  sind.  Dass  aber  auch  die 
Quaest.  et  Respons.  ad  Orthod.  von  demselben  Vei'f.  herrühren, 
möchte  ich  nicht  behaupten. 

In  dem  bisher  Beigebrachten  ist  das  erschöpft,  was  in  den 
oben  aufgeführten  Sammlungen  als  von  Justin  herrührend  be- 
zeichnet ist.  Es  erübrigt  noch  auf  einige  vereinzelte  Nach- 
richten aufmerksam  zu  machen. 

8)  Photius  (Cod.  48  p.  12  ed.  Bekker)  berichtet,  dass  eine 
Schrift  ircql  tou  uavrog,  welche  von  Einigen  dem  Josephus, 
von  Anderen  dem  Cajus  resp.  Hippolytus  beigelegt  werde,  auch 
von  Manchen  als  von  Justin  herrührend  betrachtet  werde. 
Näheres  weiss  man  hierüber  nicht;  die  Notiz  ist  aber  inter- 
essant und  lehrreich,  denn  sie  zeigt  besser  als  lange  Ausfüh- 
rungen, wie  schwankend  die  Urtheile  über  manche  alte  Schrif- 
ten bei  den  byzantinischen  Gelehrten  gev/esen  sind,  und  wie 
oft  an  ihren  fehlerhaften  Urtheilen  nicht  böser  Wille  sondern 
Unkenntniss  und  Leichtfertigkeit  Schuld  gewesen  ist. 

9)  Commentare  des  Justin  zum  Hexaemeron  erwähnt  von 
allen  Schriftstellern  nur  Anastasius  Sinaita„  In  seiner  Con- 
templ.  anagog.  in  hexaem.  1.  Yll^''^)  schreibt  er:  Ol  (.lev  ovv 
ccQxaiozeQOL  tlov  iy//.l7]Gi(Sv  i^r^yrjtwv ,  ?J'yco  di]  (DiXiov  6  cpiXo" 
ooq)og  7,ai  tiov  dnoOTolcov  ofioxQOVog  Kai  Uaulag  6  nolvg  6 
^Iwavvov  Tov  evayyeXiöiov  cpoiTiqxr^g  6  ^le^aTcolhr^g  ymI  Elgr^- 
valog  yial  ^lovGzlvog  o  uccqtvq  ytal  rpiXooocpog  .  .  .  '/ml  ol 
cx(.i(p^  avTOvg  7tv€VfiaTi/.cüg  za  negl  TiaQaöeiöov  sS^ecogrjoav  elg 
zr^v  Xqiötov  eKY.Xiqolav  avacpeqofxevot.  Wenige  Zeilen  weiter 
heisst  es^"^^):  "OSsv  y,at  6  ymzcc  Ttavza  O-elog  lA/ußgoGiog  y,al 
^lovGzlvog  6  d^eöXrinzog  fdccQZvg  ev  zolg  elg  zb  ^EBari(.ie- 
oov  avTojv  vTtofAvr'ji.iaGi  za  Jiegl  nagadeiGov  die^iovzeg  ,  .  . 
TiaQTiyayov  ev  jiiiGco  za  TTQoxei^eva  zov  -d-eiov  ^le^^extrjl  ntgl 
napadeiGov  ovQCivlov  g/jittaza  azL  Es  folgt  die  Ausführung  des 
Gedankens,  dass  unter  Paradies  etwas  Himmlisches  zu  verstehen 
sei  ^"^2).    Endlich  wird  an  einer  dritten  Stelle  eine  Erklärung  zum 


170)  S.  Grabe,  i.  c.  II  p.  214.    Migne,  Patrol.  Gr.  LXXXIX  p.  962. 

171)  S.  Grabe,  L  c.  II  p.  243  sq. 

172)  In  diesem  Zusammenliange  steht  der  Satz:  rrc  6h  naXiv.  (pccalv, 
vovv  6x<ov  &e6(pgova^  ^sSei,  ev  oixvTjXdtoig  oxaitäifn  xal  nekixei  xtifia- 
t,Ofiivoig  eig  nzTJötv  rbv  ovgavoögofxov  Ilavkov  (ÄEievExS^TivaL; 


170  ^^^  Werke  des  Justin. 

7.  Tage  (Genes.  1)  gegeben  mit  der  Bemerkung  ^^^):  ug  (paciv 
ol  jiaitQtg^  ytal  /.lakioia  ol  rcegl  rov  uobv  Kh'jneiia  xai  Eigrj^ 
vcuov  /.al  ^lovOTivov  zov  ^apTVQCi  y.al  (fi/,oao(por,  ootig 
kiav  ye  u/cegGocpog  elg  top  ey.zov  inof^friicviCcov  tr^g  txzrjg 
7]lii€Qag  aQi0^f.i6v,  t^v  voegctv  tou  av^jQchiov  rl'vyj^v  ymI  zag 
iiivTc  avzov  Ltui^hriir/Afg  Xlyei  sivca  l'^J  tgycc  rrg  iyar^g  7](^i/:oag 
XI X.  Hieran  schliesst  sich  eine  Darlegung  des  Gedaiikens, 
duss  die  Creataren  GottevS  in  sechs  Ktitegorien  einznthoilen 
seien.  Solche  Ausführungen  finden  sich  in  keiner  der  unter 
dem  Namen  des  Justin  gehenden  Sclmften,  welche  wir  kennen; 
Anastasius  sagt  aber  auch  ausdrücklich,  dass  er  sie  ilyponine- 
maten  des  Apologeten  zum  Hexaemeron  entnommen  habe. 
Eine  Schrift  mit  diesem  Titel  hat  also  Juslin's  Namen  im 
7.  Jahrhundert  getragen.  Man  wird  nicht  kurzer  Hand  urthei- 
len  dürfen,  dass  sie  unecht  sein  müsse.  Anastasfius  hat  so 
manche  Schriften  noch  gekannt,  von  deinm  ausser  ihm  Wenige 
mehr  berichten,  und  nur  dem  Justin  hat  er  eine  eigene  Schrift 
zum  Hexacjneron  beigelegt,  nicht  auch  dem  Trenaeus,  Papias 
u.  s.  w.^'').  Dass  in  den  Commentaren  auf  Paulus  exemplifi- 
cirt  wird  und  der  2.  Corintherbrief  benutzt  ist,  ist  keine  sichere; 
Instanz  gegen  die  Abfassung  durcli  Justin.  Aber  allerdings 
enthält  dies  letzte  Fragment  eine  sehr  gekünstelte  Ausführung; 
sie  braucht  indess  doch  nicht  nothwendig  für  eine  aus  späterer 
Zeit  stammende  zu  orelten.  Es  lässt  sich  eben  auch  hier  eine 
Entscheidung  nicht  geben  —  der  Faden  der  Ueberlieferung  ist 
ein  zu  dünner. 

10)  Im  Corp.  ApoL  V  p.  374  hat  von  Otto  darauf  auf- 
merksam gemacht,  dass  Cowper  in  den  Syriac  Mi^cellanies 
(London  1801)  p.  61  aus  dem  Cod.  Syr.  Mus.' Brit.  Add.  14609 
ein  Fragment  (in  Uebersetzung)  publicirt  hat,  welches  die  üeber- 
schrift  trägt:  „Justin,  one  of  the  authors,  who  were  in  the  days 
of  Augustus  and  Tiberius  and  Gajus  (!),  wrote  in  bis  third 
discourse." '  Es  lautet:  „that  Maria,  the  Galilean,  who  was  the 


173)  S.  Grabe,  1.  c.  II  p.  195  sq.  (169  sq.).  Diese  Stelle  allein  hat 
Otto  abgedruckt  (1.  c.  V  p.  370  sq.\ 

171)  Der  Name  ^Ambrosius"  ist  wohl  verechiieben.  So  steht  im  Cod. 
Rupef.  der  SS  Parallel.  (11  p.  773)  ^Afißgoalov  xoZ  &avfiaTOVQyov  aiigen- 
."scheinlich  für  Fgi^yogiov. 


Vcr8clii«(lenes.  |71 

mother  of  Christ,  who  was  cruciiicd  in  Jerusalem,  had  not  been 
with  a  husband;  and  Joseph  did  not  repudiate  her,  l)ut  Jo.seph 
contiiiued  in  holiness  withont  a  wife,  be  and  bis  five  sons  by 
a  former  wife;  and  Mary  coaiinued  withont  a  husband."  Es 
ist  möglich,  dass  „die  dritte  llede"  sich  auf  eine  Eiutbeihmg 
des  Dialogs  bezieht  (s.  oben  S.  149),  und  dass  eine  Wiedergabe 
eines  Satzes  in  c.  78  (II  p.  278)  des  Dialogs  hier  vorliegt,  die 
mit  apokr}'phon  Zutliaten  versehen  ist.  Aber  wahrscheinlicher 
ist,  dass  dps  Ganze  ein  apokryphes  Stück  ist,  dem  der 
Name  Justin's  vorgesetzt  wurde.  Der  auffallende,  weil  über- 
flüssige Zusatz  zur  Einführung  der  Maria  „die  Galiläerin,  welche 
die  Mutter  des  in  Jerusalem  gekreuzigten  Christus  war"  klingt 
ganz  so  als  stammte  er  aus  der  Feder  eines  Schriftstellers,  der 
sich  den  Anschein  des  Zeitgenossen  geben  und  wie  über  bisher 
noch  Unbekanntes  berichten  wollte.  Die  Worte  müssen  also 
zusammengehalten  werden  mit  den  anderen :  „Justin,  one  of  the 
authors,  who  were  in  the  days  of  Augustus  and  Tibe- 
rius  and  Gajus."  Der  Möglichkeiten  aber,  diese  ganz  singu- 
lare syrische  Ueberheferung  zu  deuten  resp.  die  abgerissene 
Notiz  zu  vervollständigen,  giebt  es  so  viele,  dass  man  besser 
thut,  keine  einzige  derselben  aufzuführen  und  zu  erwägen. 

11)  Schliesslich  ist  zu  erwähnen,  dass  in  den  SS.  Parallel. 
(Cod.  Vatic,  Paris.,  Rupef.)  mehrere  kurze  Sätze,  bei  Anto- 
nius Melissa  fünf,  in  einem  Cod.  Barocc.  223  (Grabe,  1.  c.  II 
p.  174  sq.)  einer  mit  der  Aufschrift  ^Iovgtivov  ohne  nähere 
Angabe  des  Fundorts  mitgetheilt  werden  * '^).  Sie  machen 
sämmtlich  nicht  den  Eindruck,  als  stammten  sie  wirklich  von 
dem  Apologeten,  gewähren  aber  kaum  Anhaltspunkte  zu  nähe- 
rer Bestimmung  i'^). 

Erst  jetzt  können  die  beiden  Fragen  wieder  aufgenommen 
werden,  die  oben  S.  145  gestellt  worden  sind: 

1)  Wann  und  aus  welchen  Gründen  ist  die  Apolo- 
gie Justin's  an  Antoninus  Pins  getheilt  worden? 


175)  S.  Corp.  Apol  IV  p.  257—265. 

176)  Die  vior  Stücke,  welche  von  Otto  als  pseudcjustinisch  T.  V 
p.  368  sq.  aufgeführt  hat  und  die  auch  ^ärklich  in  Pariser  Codices  die 
Aufschrift  'lovoxivov  {^aQxvgoq)  tragen,   gehören  höchst  wahrscheinlich 


\'J2  Die  Werke  des  Justin. 

2)  Welclie  Bewandtniss    hat  es   mit  jeuer   zweiten 
Apologie  an  Marc  Aurel? 
•    Stellen  wir  in  Kürze  die  bisherigen  Ergebnisse  zusammen 

—  die  Zeugenreihe  beginnt  erst  mit  Eusebius: 

1)  In  der  Chronik  weiss  Eusebius  selbst  nur  von  einer 
Apologie  Justin's  an  Ant.  Pins. 

2)  In  der  Kirchengeschichte  unterscheidet  er  von  dieser 
eine  zweite,  die  er  IV,  16,  1  an  die  Kaiser  M.  Aurel  und  Lu- 
cius gerichtet  sein  lässt,  IV,  18,  2  aber  an  Antoninus  Verus 
(M.  Aurel)  allein.  Aus  dieser  zweiten  Apologie  hat  Eusebius 
kein  Citat  beigebracht,  dagegen  sich  —  wenn  nicht  alles  trügt 

—  IV,  16,  2  den  Anschein  ^gegeben,  als  entnähme  er  ihr  einen 
Abschnitt,  während  er  factisch  aus  der  ersten  Apologie  citirt. 
Man  muss  trotzdem  aber  annehmen,  dass  er  ein  zweites  apolo- 
getisches, an  eine  kaiserliche  Adresse  gerichtetes  Werk  wirk- 
lich in  Händen  hatte;  denn  er  wiU  IV,  18  nur  solche  Schriften 
Justin's  aufzählen,  die  zu  seiner  Kenntniss  gekommen  sind. 
Sehr  auffallend  ist  es  dann  allerdings,  dass  er  dieses  zweite 
Werk  so  gänzlich  unberücksichtigt  'gelassen,  ja  nicht  einmal 
den  Hauptinhalt  angegeben  hat,  was  er  doch  fast  bei  allen 
übrigen  Schriften  Justin's,  die  er  verzeichnet,  gethan  hat.  Hier- 
für kann  eine  dreifache  Erklärung  aufgestellt  werden:  entweder 
hat  Eusebius  die  betreffende  Schrift  nur  ganz  flüchtig  einge- 
sehen aus  uns  unbekannten  Gründen,  oder  er  hat  aus  ihr  nicht 
berichten  wollen,  weil  ihn  schon  die  erste  Apologie  nach 
seiner  irrigen  Auslegung  derselben  bis  hart  vor  das  Martyrium 
des  Apologeten  geführt  hatte,  oder  endlich  Eusebius  Hess  die 


dem  Cyrillus  Alexandrinus  Jin.  Das  erste  von  ihnen  ist  im  Coisl.  6  wirk- 
lich diesem  ausdrücklich  beigelegt.  Ferner  findet  sich,  worauf  Nolte 
Theol.  Quartalsclir.  1S62  II  R.  319  zuerst  hingewiesen,  im  Cod.  Paris,  gr. 
1335  fol.  30'^  ein  Stück  folgenden  Inhalts:  ^Lovaxlvov  (pd.  x.  fidgr.  azixoi 
örjlovvTsq  tb  anb  xtlascag  xoofiov  stoq  fiBXQi  xal  t^c  tov  xvglov  Xqiozov 
xal  &eov  fjfiwv  azavQtboswq'  || '//  ayia  Xqlozov  owztjqo^  accQxcoöLq  eysQ- 
aiq  -qv  ^A6d(ji:  bßov  e(pX^\  Toizw  yag  zd)  azsi  ed^ve  Xqiozoq  xal  dveazTj: 
ofÄOv  xal  avza  £(p?M'.  Man  hat  in  diesem  Stück  (s  Corp.  Apol.  V  p.  104) 
eine  Beziehung  auf  Quae.st.  et  Re.^pons.  71  gesehen.  Allein  die  Ver- 
wandtschaft mit  dieser  Stelle  ist  eine  sehr  oberflächliche.  Es  ist  inter- 
essant., dass  man  den  Apologeten  auch  als  Chronologen  in  Anspruch  ge- 
nommen hat. 


Die  zweite  Apologie  des  Justin.  173 

zweite  Schrift  bei  Seite,  weil  er  ihr  in  irgend  welcher  Hinsicht 
nicht  getraut  hat. 

3)  Hieronymus  hat  in  seinem  Bericht  über  Justin  die  Kir- 
chengeschichte des  Eusebius  ausgeschrieben.  So  legt  denn 
auch  er  dem-  Justin  zwei  Apologien  bei.  Er  giebt  aber  für 
die  zweite  eine  genauere  Adresse  als  Eusebius,  nämlich:  „Marco 
Antonino  (Yero)  et  Lucio  Aurelio  Commodo",  und  versteht  unter 
diesen  die  unmittelbaren  Nachfolger  des  Antoninus  Pius.  Ob 
er  diese  Adresse  einer  besonderen  Kunde  verdankt,  steht  dahin. 

4)  Der  Bericht  des  Chronicon  paschale  ist  ohne  Werth, 
da  er  aus  Eusebius  abgeschrieben  ist. 

5)  In  den  SS.  Parallel.  Cod.  Rupef.  saec.  VII.!"^")  begegnet 
zum  ersten  Male  die  Zerlegung  der  Apologie  an  Antoninus 
Pius  in  zwei  Theile.  An  einer  bisher  von  Niemandem  berück- 
sichtigten Stelle  (p.  787)  wird  Apol.  11,  11  citirt  mit  der  Ein- 
führung: Tov  aylov  ^lovözlvov  rov  q)iXoö6cpov  zal  ^ccqxvqoq  ey. 
xov  ß'  fLiegovg  t^g  a/ioloyiag  avTOv  (s.  oben  S.  149).  Man  darf 
hieraus  wohl  schliessen,  dass  die  eigentliche  Apologie  und  der 
Nachtrag  schon  damals  so  getheilt  waren  wie  jetzt  in  den 
neuesten  gedruckten  Ausgaben.  Eine  zweite  Apologie  des 
Justin  wird  von  dem  Verf.  der  SS.  Parallel.,  wie  es  scheint, 
ausgeschlossen;  er  sagt  einfach  r  anoloyta'^'^^). 


177)  Dieses  Jahrliundert  wird  man  festhalten  dürfen,  s.  die  Prolego- 
mena  Lequien's  zu  seiner  Ausgabe  der  SS.  Parallel.  (Joh.  Damasc.  Opp. 
IT).  Die  SS.  Parallel,  verdienen  eine  gründliclie  Untersuchung.  In  Lan- 
gen's  Arbeit  (Johannes  von  Damaskus  1879  S.  204 — 210)  vermag  ich  eine 
wirkliche  Förderung  der  Frage  nicht  zu  erkennen. 

178)  Die  Ueberlieferung.  des  Justin  in  den  SS.  Parallel.  (Cod.  Rupef.) 
ist  ganz  besonders  lehrreich  und  soll  deshalb  hier  übersichtiich  zusammen- 
gestellt werden.  1)  P.  753  sub  a  tit.  61  wird  Apol.  I,  2  citirt  mit  den 
Worten:  ^x  xov  avzov  ngog  livzcDvtov  ccTbio^occzoga.  Yoransteht  aber 
ein  Citat  aus  Cyrillus  Alex.  Man  hat  hier  ein  schönes  Beispiel,  wie  leicht 
einem  Schriftsteller  eine  ihm  nicht  zugehörige  Sentenz  zukommen  konnte. 
Das  Citat  aus  der  Apologie  geht  aber  ferner  über  in  ein  apokryphes 
Stück,  welches  mit  Justin  nichts  zu  thun  hat.  Also  schöpfte  der  Verf. 
bereits  nicht  mehr  aus  den  Originalwerken,  sondern  aus  Spruchsamm- 
lungen. 2)  Es  folgt  nun  p.  754  ein  Citat  aus  der  Schrift  tceqI  dvaazd- 
aswg  mit  der  Einführung:  zov  avzovj  sodann  3)  auf  derselben  Seite  ein 
Justin  sicherlich  fremdes  Stück  mit  der  Aufschrift:  tov  äy.  lovazivov  (f. 
X.  n.  ix   zvv  8    (xigovi  rriq  drtoXoylag   (xvzov.    Da  Apol.  II,  11   in  dem 


JY4  ^'*'  Werk'?  des  Justin. 

G)  Das  Zeugniss  dos  Photius  über  die  Existenz  einer  zwei- 
ten Apologie  des  Justin  kommt  nicht  in  Betracht,  da  es  aus 
Eusebius  abgeschrieben  ist. 

7)  Der  Cod.  Par.  450  (ann.  1364)  enthält  zwei  Apologien 
Justin's;  es  ist  aber  die  Apologie  an  Antoninus  Pins  hier  ledig- 
lich zerlegt,  und  zwar  —  im  Unterschied  von  der  Angabe  in 
den  SS.  Parallel.  —  so,  dass  der  Anhang  unter  der  Aufschrift: 
TOv  avtov  ay.  ^[ovarivov  fp.  //..  u.  a;roA.  vTrig  iQiOx,  iroog  i. 
^cof.iaicöv  öty'Ali]Tov  voransteht,  die  eigentliche  Apologie  (r. 
avTOV  ary.^Iovativov  anol.  öevrigcc  vntQ  XQfOT^.  7iQogl/^7'Ta)v7vov 
TOV  evoeßij)  ausdrücklich  als  die  zweite  bezeichnet  ist  (so  auch 
Ottob.  274  saec.  XV.,  da  er  ein  Stück  aus  der  Hauptschrift  mit 
den  Worten  einführt:  r/  x^g  ß'  airoloylag  lovorivov  v.  ^.). 

Die  Resultate  aus  dem  Vorstehenden  —  weiteres  Material  ist 
nicht  vorhanden  —  ergeben  sich  leicht.  I)  Die  Existenz  einer 
zweiten  Apologie  des  Justin  ist  durch  Eusebius  allein  verbürgt. 
Eine  schwache  Möglichkeit  nur  besteht,  dass  das  Zeugniss  des 
Hieronymus  auf  selbständiger  Kunde  beruht.  II)  Die  Apologie 
an  Antoninus  Pius  ist  spätestens  im  7.  Jahrh.  in  zwei  Theile 
getheilt  worden  (wie  auch  der  Dialog)  und  zwar  so,  dass  Apol. 
II,  11  (ed.  Otto)  in  der  zweiten  Hälfte  stand;  die  Scheidung 
war  also  allem  Anschein  nach  die  sachgemässe  ^"^).  III)  Diese 
Theilung  und  die  Rücksicht  auf  den  Bericht  des  Eusebius  (Pho- 
tius)  —  im  Cod.  C  steht  er  der  Abschrift  der  justinischen  Werke 
voran  —  hat  vielleicht  erst  im  14.  Jahrhundert,  vielleicht  schon 
früher,  einen  Schreiber  veranlasst,  aus  den  beiden  Abschnitten 

zweiten  Theile  gestanden  hat,  und  da  dag  Stück  niclit  justinJsch  ist,  so 
ist  hier  entweder  eine  Naniensverwechselung  anzunehmen  oder  aber  zu 
vernrothen,  dasB  .die  justinische  Apologie  wirklich  einen  gefälschten  An- 
hang erhalten  hat.  Zu  entecheiden  ist  nicht,  weil  die  Kacbricht  ganz 
singulär  ist.  Hieran  reiht  sich  4)  ein  richtiges  Citat  aus  dem  Dialog  mit 
der  Aufschrift:  tov  avtov  ix  tov  TtQoq  T^vgxova  ^  —  also  auch  der  Dia- 
log war  in  Capitcl  (2  oder  3)  eingetheilt.  5)  P.  750  sq.  sub  a  tit.  7o  steht 
nach  vier  Stellen  aus  Irenaeus  die  Schrift  über  die  Auferstehung:  xov 
ay.  'lovoTivov  tov  tp.  x.  fx.  ix  lov  negl  avaotäoswg.  0)  P.  781  sub  f 
tit.  48  folgt  ein  richtiges  Citat  aus  der  Cohortaiio:  tov  ay.  *[ovarivov  t. 
tp.  X,  fi.  ix  xov  7tgbg"Eklrjvac  naQaivftixov.  EndHch  7)  p.  787  aub  n 
tit.  28  macht  das  Citat  aus  Apol.  II,  11  mit  der  oben  raitf^etheilten  wich- 
tigen Aufschrift  den  Beschlusb. 

179)  Von  den  „füni"  Theilcn  der  Apologie  darf  hier  abgesehen  werden. 


Justin  und  Athenagoras.  I75 

der  einen  ?Vpologic  :^wei  verscliiedene  Werke  zu  machen.  Wie 
flüchtig  er  den  Eusebius  gelesen  hat,  resp.  wie  willkührlich  er 
verfahren  ist,  geht  duraiis  hervor,  dass  er  die  Apologie  an  Ant. 
Pius  als  das  zw^eite,  den  Anhang,  iii  welchem  allein  doch  Cres- 
cens  erwähnt  ist,  als  das  erste  Werk  bezeichnet  hat  ^'**^^).  — 
Darf  man  sich  bei  diesen  Ergebnissen  beruhigen?  Sind  nicht 
auch  die  Apologien  des  Miitiades  und  Apolinarius,  obgleich 
Eusebius  sie  gerühmt  hat,  sehr  rasch  verschollen?  Und  ist 
nicht  die  erste  Apologie  des  Justin  selbst  in  schmälster  üeber- 
lieferung  nuf  uns  gekommen?  Wie  viele  haben  sie  denn  ein- 
gesehen nach  EusebiiK^?  Eine  einzige  ganz  junge  und  schlechte 
llandschrij-t  ist  uuis  allein  gerettet!  Kaim  also  die  zweite  Apo- 
logie des  Justin  nicht  wirklich  untergegangen  sein,  spurlos 
verschölle;!,  vielleicht  schon  im  4.  oder  5.  Jahrhundert?  Ge- 
wiss —  das  ist  möglich,  sehr  möglich  sogar;  aber  ganz  sicher 
kann  man  sich  doch  bei  dieser  Auskunft  nicht  fühlen;  denn 
erstlich  hai  Justin's  Name  einen  besseren  Klang  gehabt  als  der 
eines  Miitiades  oder  Apolinarius,  sodann  bleibt  die  ganze  Art  wie 
Eusebius  jene  angel)liche  zweite  Apologie  eingeführt  hat,  doch 
sehr  mysteriös.  Ihre  Existenz  steht  ja,  wie  es  scheint,  lediglich 
auf  einem  Bericht,  der  Fragen  und  Bedenken  genug  wachruft. 
Eine  Beobachtung  bleibt  noch  übrig,  die  vielleicht  in  das 
Dunkel  einiges  Licht  zu  bringen  geeignet  ist.  Man  hat  sich 
bisher  ihr  gegenüber  die  Augen  verschlossen,  weil  Inan  das 
literarische  Problem  der  zweiten  justinischen  Apologie  über- 
haupt nicht  scharf  und  bestimmt  erkannt  hatte.  Um  sie  gleich 
in  Kürze  anzudeuten  —  es  ist  die  Verbindung,  in  welcher  in 
den  Handschriften  eine  Apologie,  die  unter  dem  Namen  des 
Athenagoras  geht,  und  ein  Tractat  über  die  Auferstehung 
von  demselben  Schriftsteller  mit  den  Werken  Justin's  gesetzt 
ist.  Wir  werden  die  Ueberlieferung  dieser  Schriften  und  sie 
selbst  nun  ins  Auge  zu  fassen  haben  ^^'). 


180)  Die  Aufschrift  tiqoc  ttjv  QcaficcicDV  avyxXrjzov  ist  für  die  II.  (I.) 
Apologie  aus  I,  1  vom  halbgelehrten  Schreiber  lediglich  abstrahirt.  Er 
verfuhr  dabei  nicht  völlig  ungeschickt,  da  im  Anhang  zunächst  nicht"  der 
Kaiser,  sondern  die  llömer  angeredet  sind.  Aber  vielleicht  ist  o)  ''Ptofjialoi 
(II,  1)  eine  Interpolation,  und  die  vftEig  sind  als  die  Adressaten  der  sog. 
ersten  Apologie  zu  verstehen. 

181)  Donaldson,  1.  c.  III  p.  107— t7S.    Ausgabe  von  Dechair  1706. 


^^76  Die  Schriften  des  Athenagoras. 

I.  Beginnen  wir  mit  den  Handschriften.  In  Betraclit 
kommen  (s.  oben  Cap.  1  S.  80)  lediglich  die  Par.  451  und 
450  sowie  der  Argentoratensis.  Nur  darauf  sei  noch  einmal 
hingewiesen,  dass  die  beiden  Schriften  des  Athenagoras  im  15. 
und  IG.  Jahrhundert  mit  besonderer  Vorliebe  abgeschrieben 
worden  sind. 

1)  Der  Arethascodex  Par.  451  (ann.  914)  bietet  an  7.  und 
8.  Stelle  zwischen  zwei  apologetischen  Schriften  des  Eusebius 
eine  Apologie  ohne  Ueberschrift  mit  der  Adresse  Arno- 
■/.qaxoQOiv  MaQKCt)  AvQrjllq)  i^vTwvlvc^  %al  ^ov/Uo)  Avgrjkuo 
Kof,ifJ.6ö(py  l^QfÄenaxoHg^  ^aQ{.iaT,Lx6ig^  xo  Se  fntytotov  q)iloo6- 
fpoig^  sodann  einen  Tractat  mit  der  Aufschrift  tov  avrov  neol 
avaOTccGSüjg  veKQcjv.  Ein  Verfasser  für  diese  Schriften  ist  also 
überhaupt  nicht  genannt.  Erst  eine  jüngere  Hand  („fortasse 
saec.  XL"  —  von  Otto)  hat  der  ersteren  die  Worte  vorge- 
setzt: !A^rjvay6Q0v  ad-rjvalov  cpiXoooqjov  XQtOTiavov  TCQEoßaict 
7t€qI  XQLGTcavcoiv  (so  auch  die  unmittelbaren  und  mittelbaren 
Abschriften  des  Codex).  Damit  sind  beide  Schriften  als  einem 
Athenagoras  gehörig  bezeichnet. 

2)  Der  Cod.  Par.  450  (ann.  1364)  will  nichts  anderes  ent- 
halten, wie  seine  Einleitung  beweist,  als  justinische  Schriften. 
Er  bringt  deren  11  (darunter  zwei  Apologien)  und  schhesst  als 
12.  einen  Tractat  ohne  jede  Ueberschrift  an  (nur  am  Rande 
stehen  von  erster  Hand  die  Worte:  negl  dvaazdoecog).  Es  ist 
derselbe  (über  die  Auferstehung),  den  Par.  451  enthält.  Also 
auch  hier  ist  ein  Verfasser  nicht  genannt. 

3)  Der  Cod.  Argentorat.  ist  jedenfalls  auch  ein  Corpus  Opp. 
Justini.    An  6.  und  7.  (8.  u.  9.)  Stelle  stehen  hier:  ^Ad^r^vayoQov  ' 
ud^r^valov  q)i,loo6(pov  XQiaziavov  jiQeoßeia  neQt  XQiaxiavtov  und 
Tov  avTOv  A^rjvayoQOv  tieqi  dvaoTaoecog. 

4)  In  den  mittelbar  aus  Par.  451  geflossenen  Handschriften 
saec.  XV.  und  XVI.  sind  die  Athenagorasschriften  den  justini- 
schen zugeordnet  (s.  Ottob.  274.,  Florent.  gr.  32  plut.  X.  und 
die  Valeriancodd.),  während  sie  das  im  Stammcodex  und  im 
Paris.  174  und  Mutin.  nicht  sind. 

Ergebniss:  1)  Der  Schreiber  des  Argentorat.  und  der 
Corrector  des  Paris.  451  sind  —  soweit  die  Handschriften  be- 
lehren —  die  einzigen  Zeugen  dafür,  dass  ein  athenischer  Philo- 
soph Athenagoras  Verfasser  einer  Apologie  und  eines  dogmati- 


Die  Zeugnisse  der  Handschriften  und  der  Scliolien.  177 

sehen  Tractats  gewesen  ist.  Beide  Schriften  finden  sich  zwar 
schon  im  Corp.  Apolog.  des  Arethas,  aber  ohne  Verfassernamen ; 
die  zweite  im  Paris.  450,  aber  ebenfalls  ohne  üeberschrift.  Der 
Corrector  des  Par.  451,  welcher  den  Namen  des  Athenagoras 
einschrieb,  muss  aber  spätestens  im  11.  Jahrh.  gelebt  haben, 
da  bereits  Paris.  174  und  Mutin.  seine  Interpolatioti  vorfanden. 
2)  In  beiden  uns  erhaltenen  Sammlungen  justinischer  Werke 
sind  die  Schriften  (resp.  die  Schrift)  des  „Athenagoras**  am 
Schlüsse  hinzugefügt  (im  Argentorat.  trotz  der  ausdrücklichen 
Verfasserbezeichnung);  aber  auch  in  den  mittelbaren  Abschrif- 
ten des  Arethascodex  sind  seit  dem  15.  Jahrh.  die  Werke  des 
Athenagoras  mit  denen  des  Justin  verbunden  worden. 

IL  Die  Scholien.  In  dem  Arethascodex  finden  sich  drei 
Schollen,  die  für  „Athenagoras"  von  Wichtigkeit  sind.  In  dem 
einen  (prima  manu)  zu  Supplic.  inscr.  wird  auf  die  UnvoUständig- 
keit  der  Adresse  aufmerksam  gemacht  (s,  oben  S.  36):  es  fehle 
das  yaiQHv,  Der  Scholiast  sucht  diesen  Defect  durch  verschie- 
dene, zum  Theil  höchst  seltsame  Hypothesen  sich  zu  erklären. 
Wir  können  daraus  nur  entnehmen,  dass  ihm  die  Adresse  der 
Apologie  auffallend  gewesen  ist.  Was  er  vor  sich  hatte,  war 
also  ein  Buch,  dem  nicht  nur  der  Titel  fehlte,  sondern  dessen 
Inscriptio  auch  stutzig  machte.  Sie  enthielt  nur  die  Bezeich- 
nung der  Adressaten,  aber  keinen  Verfassernamen  und  keinen 
Gruss.  In  einem  zweiten  Scholion  zu  de  resurr.  1  n.  11  heisst 
es  (s.  oben  S.  35):  ^Ef.Lq)i'koa6q)C3g  ayav  -aal  xfj  vno^ioei  ol- 
v.eUog  7iQ0^KTai  xaua  ro  naqov  ngooif-iiov  6  Q'avaaGLog  ovtooI^ 
xal  -^-eTog  avi'jq.  Der  ungenannte  Verfasser  wird  also  hier 
als  der  „erstaunliche  und  göttliche  Mann"  bezeichnet.  So  ist 
von  den  Apologeten  meines  Wissens  nur  Justin  geehrt  worden. 
Das  o  ^avf.ic(öiog  erinnert  an  Tatian's  ,,d-av/.iaoicoTaxog  ^lov- 
oilvog^^i  und  Tatian's  Oratio  geht  ja  im  Codex  den  Schriften 
Justin's  vorher.  So  liegt  es  nahe,  anzunehmen,  dass  der  Scho- 
liast —  und  das  ist  höchst  wahrscheinlich  hier  Arethas  selbst, 
da  das  Scholion  prima  manu  herrührt  —  die  Schrift  für  justi- 
nisch gehalten  hat.  Endlich  in  einem  dritten  Scholion  zu  Euseb. 
Praepar.  I,  3  (s.  oben  S.  33)  steht  zu  lesen:  ^Onolog  ^IovgtI- 
vog  6  d-elog  ^^d^rjvayoQag  TaTiavog  Klrj^eig  [sie]  6  ^TQCojtiaTevg 
^Qgiyivrjg  yial  avrog  eri  TTa^KpiXog  6  tov  fragovTog  Evosßioi^ 
naxr.q.     Dieses  Scholion  ist  jüngeren  Ursprungs;  im  Arethas- 

Texte  und  Untersuchungen.  12 


]  78  I^ic  Schriften  des  Athenagoras. 

codex  selbst  steigt  ja  der  Keime  des  Atljenagoras  überhaupt  iiiclit 
prim.  maua:  dazu  komujt,  dass  der  gelehrte  Arethas  den  Pamphilus 
Flicht  für  den  Vater  des  Eusebius  gehalten  haben  kann.  Gais- 
ford  hat  leider,  wie  oben  bemerkt,  das  Alter  der  Scholien  zur 
Praepar.  Eusebii  anzugeben  unterlassen.  Wir  können  daher 
hier  nur  soviel  feststellen,  dass  ein  Scholiast  (vielleicht  saec. 
XL;  denn  auf  dieses  Jahrhundert  sollen  die  Scholien  zu  Athena- 
goras  sec.  manu  zu  datiren  sein)  einen  „Athenagoras"  zu  den  alten 
Apologeten  gerechnet  und  ihm  einen  Platz  zwischen  Ju- 
stin und  Tatian  angewiesen  hat. 

III.  Die  Zeugnisse  der  Kirchenväter.  Bieten  schon 
die  bisherigen  Angaben  des  Räthselhat'ten  genug:  die  Tradition 
lässt  uns  fast  völlig  im  Dankein.  Denn  die  beiden  einzigen 
Lichter,  die  sie  uns  darreicht,  sind  zwar  an  sich  deuthch  und 
hell,  vermögen  aber  doch  kaum  den  nächsten  Schritt  zu  be- 
leuchten. Der  grossen  kirchlichen  Tradition  ist  ein 
Apologet  Athenagoras  unbekannt.  Eusebius,  Hieronj- 
mus,  Rufin,  die  älteren  und  jüngeren  Literarhistoriker,  auch 
Photiiis,  schweigen.  Sie  scheinen  weder  den  Mann  zu  kennen, 
noch  auch  seine  Werke.  Das  Schweigen  des  Eusebius  "svill 
etwas  bedeuten ;  denn  um  die  apologetische  Literatur  des  2.  Jahr- 
hunderts von  Quadratus  ab  hat  er  sich  mit  grosser  Sorgfalt 
bemüht.  Sollte  ihm  eine  umfangreiche,  alte  Schrift  dieser  Art 
entgangen  sein?  es  ist  schwer  glaublich,  und  doch  scheint  es 
so.  Aber,  wie  bemerkt,  ganz  lässt  uns  die  Tradition  doch  nicht 
im  Stich,  wenigstens  nicht  für  die  Apologie;  für  den  Tractat 
über  die  Auferstehung  fehlt  allerdings  jedes  Zeugniss. 

1)  Epiphanius  (h.  64  c.  21)  und  Photius  (Biblioth.  234 
p.  29iQ  referiren  uiiabhängig  von  einander  aus  einer  uns  nicht 
aufbehaltenen  Schrift  des  Methodius  (+  300)  ^tsql  avaoiaoswi;. 
In  dieser  standen  die  Worte;  tI  ovv  6  öcdßokog  Xe^erat:  nvsvfia 
negi  zrjv  vXrjv  tG%nv,  yevofxevnv  inb  toD  d-eoi,,  -Ka^mreQ  y.ai 
l^^rjrayoQa  ^lex^f],  otonsQ  öij  xrA.,  und  nun  folgt  eine  Aus- 
fühi-ung  von  einigen  Zeilen,  die  sich  zum  Thcil  wörtiich,  zum 
Theil  ähulich  in  der  Supplicatio  findet  (c.  24  p.  27  ß)  ^'**'^). 
Also  hat  Methodius  die  Schrift  eines  Athenagoras  gekannt,  in 

lb2)  Die  Abweichungen  vom  Text  des  Athcnagoi-as  erklären  sich  aus 
dem  Zweck,  den  Methodius  verfolgte. 


Die  Zenj?r.is«e  der  Kirchi^iiväter.  179 

weiclier  Sätze  sinndoii,  die  wir  in  der  Snpplicatio  lesen,  d.  h. 
er  bezeugt  wie  die  Plxistenz  der  Sf  hrift  am  Ende  des  3.  Jalir- 
himderis,  so  auch  die  UtIi eberschaft  eines  Athenagoras. 

2)  In  den  Dissertat,  in  Irenaeuni  (1689.  App.  p.  48S  sq.) 
theilt  Dodwell  jius  einem  Cod.  Barocc.  142  (fol.  216)  den  Be- 
richt eines  anonymen  Schreibers  ülicr  die  alexandrinischen 
Lehrer  mit,  welchen  derselbe  aus  der  „Christlichen  Geschichte" 
des  Philippus  Sidetes  ^^^)  excerpirt  zu  haben  angiebt  (xat  cpriGi 
(I>ili;r7rog  o  ^idtjTijg  h  loyo)  ^ö').  In  demselben  wird  von 
Athenagoras  erzählt,  er  habe  zu  den  Zeiten  des  Hadrian  und 
Antoninus  gelebt  und  an  diese  Kaiser  eine  Apologie  gerichtet 
{/MTcc  Tovg  XQOvovg  ay.fiaaag  yiÖQiavoi  /.al  1,^vto)vlvov^  olg  -nai 
Tov  vTTiQ  XQiOTtavwr  7TOK(jßivziy.ov  7iQooiq)wrrjO€i'),  während  er 
ursprünglich,  wie  nachmals  Celsus,  beabsichtigt  habe,  das  Chri- 
stenQium  aus  den  h.  Schriften  selbst  zu  widerlegen;  Athena- 
goras (ar)]Q  tv  avTOf  x^LüTiaviöag  Tf?)  TQißiovi)  sei  erster  Vor- 
steher der  alexandrinischen  Katechetenschule  gewesen,  sein 
Schüler  sei  Clemens  Alex.,  dessen  Scliüler  Pantaenus,  —  Dass. 
der  unbekannte  Schreiber  hier  wirklich  aus  Philippus  Sidetes 
gescliöpft  hat,  soll  nicht  m  Abrede  gestellt  werden  ^^'*);  indessen 
gie])t  die  Bezeichnung  £?'  koyo)  fiö'  zu  Bedenken  Anlass.  So- 
crates  berichtet  nämlich,  das  Werk  sei  in  36  Bücher  getheilt 
gewesen,  die  wiederum  in  fast  1000  Tomof  zerfielen.  Photius 
hat  die  23  ersten  Bücher  in  Händen  gehabt  und  berichtet, 
jedes  von  ihnen  umfasse  24  Abschnitte.  Hieraus  darf  man 
wohl  schliessen,  dass  auch  die  1 3  letzten  Bücher  in  je  24  Tomoi 
getlieilt  waren,  so  dass  die  ganze  Zahl  der  Tomoi  36  X  24  ==  864 
betrug,  was  mit  der  Angabe  des  Socrates  ungefähr  stimmt. 
Dann  aber  ist  die  Zahl  loyog:  fiö'  höchst  w^ahrscheinlich  un- 
richtig. Indessen  liegt  es  näher,  hier  einen  Schreibfehler  an- 
zunehmen, 'dh  an  eine  spätere  "Fortsetzung  der  Geschichte  des 
Philippus  zu  denken.     Ob  niin  der  Schreiber  mit  Sorgfalt  und 

183)  Ann.  ±  420;  s.  Socrate^.  h.  e.  VIT,  27,  Pbotiüs,  cod.  35. 

184)  Noch  Photius  kannte  die  umfangreiche,  schlecht  disponirte,  chro- 
nologisch unzuverlässige  „ChiinUiche  Gescliichte**  d(?s  Philippus.  Jüngst 
hat  Neu  mann  (Jujiani  Imp.  lib.  c  ('hiint. .  quae  supersunt.,  1680  p.  34) 
darauf  hingc^viesen,  dass  sich  in  einem  Wiener  Codex  ein  noch  nicht  ver- 
ötFentlichtos  Fragment  aus  der  CTeschichte  de?  Philippus  finde,  worauf 
schon  Lambeciur-  aufmr}rk«ani  gemacht  hat 

12* 


;[§Q  Die  Schriften  des  Athenagoras. 

pünktlich  aus  seiner  Vorlage  referirt  hat,  steht  dahin.  Da  aber 
Socrates  ausdrücklich  auf  schwere  chronologische  Irrthümer  in 
der  ,,Christlichen  Geschichte"  aufmerksam  macht,  so  mag  die 
unrichtige  Reihenfolge :  Athenagoras,  Clemens,  Pantaenus  bereits 
dort  gestanden  haben.  Dieselbe  offenbart  eine  solche  Unkennt- 
niss  der  alexandrinischen  Kirchengeschichte,  dass  man  Beden- 
ken tragen  wird,  auf  die  Zusammenstellung  des  Athenagoras 
mit  den  Vorstehern  der  Katechetenschule  überhaupt  etwas  zu 
geben.  Wäre  er  wirklich  erster  Vorsteher  der  alexandrinischen 
Schule,  also  Vorgänger  des  Pantaenus  gewesen,  so  würde  sich 
darüber  doch  wohl  eine  Notiz  bei  Clemens  resp.  Eusebius  fin- 
'  den.  Aber  auch  die  Angabe,  Athenagoras  habe  seine  Apologie 
an  Hadrian  und  Antoninus  gerichtet,  ist  unrichtig;  gemeint  ist 
indess  zweifellos  wirklich  die  Supplicatio.  Dies  geht  aus  der 
Bezeichnung  .,6  vjziQ  XgcOTiccnov  TrQsoßevrLxog'^  und  aiTS  der 
anderen:  ^^Ad^VjVayoQag  .  .  .  dvr^Q  iv  avTco  XQt^OTiavioag  xQißwvi^^ 
hervor;  denn  die  Aufschrift  der  Apologie  lautet  seit  dem  11. 
Jahrh.:  ^^Ad-TjV.  ad-r^valov  (pikoo6q)ov  XQiGziavov  ngsaßeia 
jceql  XQLOTLavcüv^^.  Auffallend  ist  nur,  dass  Philippus  von  dem 
^Ad^iqvaiov  nichts  zu  wissen  scheint.  Soviel  aber  lässt  sich  im- 
merhin festhalten,  dass  die  im  Arethascodex  enthaltene  Apologie 
dem  Philippus  (+  420)  unter  dem  Titel  Idi^iqv.  cpik.  xqlot.  TiQeoß. 
7r£Ql  xQiOTiavcon^  bekannt  gewesen  ist. 

Die  Zeugnisse  der  Tradition  für  Athenagoras  stehen  —  ein 
seltsames  Spiel  des  Zufalls  —  beide  in  Schriften,  die  wir  nicht 
mehr  besitzen.  Sie  stützen  sich  aber  gegenseitig,  so  verworren 
der  Bericht  des  Philippus  auch  ist.  Man  kann  es  nicht  für 
zweifelhaft  halten:  um  das  Jahr  300  hat  man  in  Tyrus,  noch 
ein  Jahrhundert  später  in  Constantinopel  einen  Athenagoras 
saec.  IL  für  den  Verfasser  der  Apologie  gehalten,  deren  hand- 
schriftliche Ueberlieferung  eine  so  auffallende  ist.  Aber  man 
hat  auch  schon  um  400  das  Buch  höchst  wahrscheinlich  unter 
demselben  Titel  gekannt,  welchen  die  Handschriften  seit  dem 
11.  Jahrhundert  bieten.  Diese  Thatsachen  lassen  jedoch  das 
Schweigen  der  grossen  kirchlichen  Tradition  nur  um  so  räthsel- 
hafter  erscheinen  i"^'').  Giebt  der  Inhalt  des  Buches  selbst  viel- 
leicht hier  einen  Aufschluss? 


185)  Spuren  stillschweigender  Benutzung  der  Supplicatio  habe  ich  bei 


Das  Selbsfczeugniss  der  Supplicatio.  181 

IV.  Das  Selbstzeugniss  des  Buches.  1)  Zunächst 
lässt  sich  mit  Sicherheit  feststellen,  dass  dia  Apologie  keine 
Fälschung  ist,  sondern  in  die  Zeit  des  brennenden  Kampfes 
zwischen  Heidentlium  und  Christenthum ,  näher  in  das  zweite 
Jahrhundert  gehört.  Dies  lässt  sich  bestimmen  ganz  abgesehen 
von  der  Inscriptio  ^^^),  2)  Aber  auch  die  Adresse  an  die  Kaiser 
Marc  Aurel  und  Commodus  kann  aus  der  Apologie  selbst  ab- 
strahirt  werden.  Sie  beginnt  mit  den  Worten:  'H  vf^ezsoa, 
(.leyaXoi  ßaatlewvy  orKov/.iivrj  ktI.  Also  regierten  damals  zwei 
Kaiser.  In  c.  1  (p.  6)  heisst  es  von  ihnen:  t6  jrqäov  vf.adv 
xal  fjfxeQOV  xal  to  fCQog  anavTa  eigrjvixov  xal  (piXdvd^qiOTtov 
d^avfxat^ovTsg  ol  (nev  v.a^  sva  loovo(.iovvTai  .  ,  ytcxl  r]  GV(xiTa6a 
olKOv^svri  Tfi  vf-ieriga  Gvvsoei  ßa^eictq  elgT^vrjg  aTtoXavovGiv. 
Aehnlich  sind  die  Ausdrücke  in  c.  2  p.  10  {luyiovoi  xal  cpi- 
Xdvd^Qcoftoi  ymI  q)ilo^ad^eOTa%oi  ßaoiXeig)^  c.  2  p.  12  (vf-ielg  .  .  . 
cjoavel  ccTio  (pi?.ooo(pLccg  ymI  naidelag  ndörjg  bQ^af(.ievoi)y  c.  6 
p.  28  sq.,  c.  7  p.  36  (ßfxelg  övveoei  xort  t'^  ttsqI  t6  ovrcog  Sslov 
evoeßeicx  zovg  aXXovg  7iQotyovTeg\  c.  9  p.  42,  c.  11  p.  50  (ßaai- 
Xeig  (f)iX6oo(poi)^  c.  17  p.  74,  c.  22  p.  110  sq.,  c.  23  p.  116, 
c.  24  p.  122,  c.  37  p.  184.  Wir  haben  es  also  ganz  bestimmt 
hier  entweder  mit  M.  Aurel  und  L.  Verus  oder  mit  jenem  und 


den  griechischen  Apologeten  Theophihis  und  Clemens  Alex,  nicht  gefun- 
den. Dagegen  scheint  es  mir  allerdings  sehr  wahrscheinlich,  dass  Minu- 
cius  Felix  den  Athenagoras  gelesen  hat  (s.  Ebert,  Abhandl.  d.  k,  sächs. 
Geseilsch.  d.  Wissensch.  1868  Bd.  V  S.  321  f.).  'Zwar  lässt  sich  keine  ein- 
zige Stelle  namhaft  machen ,  aus  welcher  die  Abhängigkeit  des  Minucius 
mit  Evidenz  hervorgeht,  aber  das  was  die  beiden  Ax^ologeten  über  Justin 
hinaus  gemeinsam  haben,  ist  so  umfangreich  und  bedeutsam,  dass  die 
Hypothese  einer  Benutzung  des  Athenagoras  durch  M.  Felix  schwerlich 
angefochten  werden  kann.  Nicht  mit  dem  gleichen  Grade  von  Wahr- 
scheinlichkeit lässt  sich  behaupten,  dass  TertuUian  die  Suppl.  gelesen  hat. 
Nachdem  dieses  niedergeschrieben  war,  kam  mir  Loesche 's  Abhandlung 
in  den  Jahrbb.  f.  protest.  Theol.  1882  S.  168— 178  (Minucius  Felix'  Ver- 
hältniss  zu  Athenagoras)  zur  Kenntniss.  Der  Verf.  stellt  das  Material  in 
wenig  methodischer  Weise  zusammen,  bespricht  das  Einzelne  gar  nicht, 
kommt  aber  auch  zu  dem  Resultate,  dass  eine  Abhängigkeit  anzuneh- 
men sei. 

186)  Den  Beweis  für  diese  Behauptung  zu  geben,  würde  hier  zu  weit 
führen;  Einzelnes  zu  erheben,  wäre  von  zweifelhaftem  Werthe.  Es  ist 
übrigens  meines  Wissens  die  Datirung  der  Apologie  auf  das  2.  Jahrh.  von 
Niemandem  bisher  bestritten  worden. 


'l§2  ^-'i*'  Schriffcun  dos  Atlienagoras. 

Coinmodus  zu  thun  *^"').  ludessen  nur  der  letztere  kann  ge- 
meint sein;  denn  1)  heijsst  es  c.  18  (p.  82)  "£xolt€  a(p^  eavzwv 
y.al  Ttjv  i'/covQCxvcov  ßaoi?.aiav  i^ttdCeiv'  ojg  yag  vfuv  uargl 
xal  vi(^  navta  AextiQOjrca^  ävioi^ev  zt^v  ßaoiXelav  £lXr](p6oiv, 
ouTü)g  €vl  Tut  d^eo)  x«2  Tut  nag^  avTOv  loyot  vhiP  voovf-iivi^  aittegi- 
ot(()  Tidvtct  vnoTeTaxTcxi  ^'^^).  2)  wird  c.  26  (p.  140)  von  einer 
Statue  gesprochen,  welche  dem  Proteus  gesetzt  sei  und  welche 
als  Orakel-spendend  verehrt  werde  *''^).  Die  Verbrennung 
des  Proteus  fällt  in  das  Jahr  165,  der  Tod  des  Lucius*  Verus 
in  das  Jahr  169.  Die  Angabe  des  Athenagoras  setzt  aber  vor- 
aus, dass  bereits  eine  längere  Zeit  seit  dem  Tode' des  Proteus 
verflossen  sei.  Mithin  ist  die  Apologie  an  Marc  Aurel  und 
Commodus  gerichtet,  und  da  dieser  erst  im  Jahre  176  Imperator 
wurde '^^),  ist  sie  zwischen  diesem  Jahre  und  dem  März  180 
eingereicht  worden.  Da  aber  c.  1  eine  Friedenszeit  vorausge- 
setzt ist,  so  muss  sie  vor  dem  August  178,  d.  h.  entweder 
im  Jahre  177  oder  im  Jahre  178  geschrieben  sein^'«^^).  3)  Der 
Verfasser  zeigt  sich  in  seiner  Schrift  als  ein  christlicher  Philo- 
soph, der  den  Uebergang  zum  Christenthum  vom  Piatonismus 
her  gewonnen  hat.  In  seiner  politischen  Stellung  sowohl  als 
auch  in  seiner  theologischen  Haltung  unterscheidet  er  sich  bei 
aller  Verwandtschaft  sehr  bestimmt  von  Justin.  Was  jene  an- 
langt, so  lässt  er  sich  mit  Melito  vergleichen;  in  dieser  erweist 
er  sich  noch  um  einen  Grad  stärker  von  der  platonischen  Phi- 
losophie abhängig,  als  Justin.  Seinen  Kamen  hat  der  Apologet 
in  dem  Buche  selbst  nirgends  genannt  ^^2);  ein  Schluss  aber  von 


187)  Auf  die  Zeit  Marc  Aurels  paset  auch  die  Voraussetzung  des  Ver- 
fassers, das8  die  Kaiser  die  Denunciation  verboten  hätten  (s.  Mehto's  Apo- 
logie); doch  ist  der  Text  c.  3  p.  16  v.  8  unsicher. 

188)  Man  kann  auch  auf  c.  37  (p.  184)  verweisen;  doch  kommt  dieser 
Stelle  weniger  Gewicht  zu. 

189)  S.  dazu  Lucian's  Verkündigung  poat  eventum,  Peregr.  Prot.  c.  28. 
Bernays,  Lucian  und  die  Kjniker  S.  10.  90.    Lob  eck,  Aglaoph.  p.  1171. 

190)  Am  27.  Nov.  17G  wurde  Commodus  zum  Imperator  ernannt,  hat 
aber  die  trüninicische  Gewalt  er«t  im  Laufe  des  Jahres  177  erhalten  (s. 
Mommscn,  llöm.  Staatsrecht  II,  2.  II.  Aufl.  (1877)  S.  1093.  1096.  777  n.  3). 

191)  Aehnlich  von  Otto;  er  will  jedoch  bestimmt  das  Jahr  177  be- 
zeichnen; allein  die  erste  Hälfte  des  Jahres  178  muss  otfen  bleiben. 

192)  Anders  Justin  und  Tatian. 


DaK  Selbstzeugniss  der  Suppliciitio.  183 

der  Beschaffenheit  des  reichen  antiquarischen  und  historischen 
Materiales,  welchtJs  er  benutzte,  auf  den  Ort,  an  weichem  er 
gewirkt  hat,  wäre  gänzlich  unsicher.  4)  Als  sicher  darf'  ange- 
nommen werden,  dass  der  Verfasser  die  Apologie  des  Justin 
gelesen  hat*"-^).  Der  Beweis  hierfür  kann  den  Parallelsteilen 
entnommen  werden,  die  Otto  (VII  p.  321)  gesammelt  hat^'^^). 
Spuren  einer  Benutzung  der  Oratio  des  Tatian  sucht  man  ver- 
gebens (s.  §  11).  5)  Der  Tractat  ti^qI  avaoraoewQ  kann  recht 
wohl  von  demselben  Verfasser  sein,  von  welchem  die  Suppii- 
catio  herrührt.  Zwar  könnten  die  Worte  am  Schlüsse  der- 
selben: a)JJ  dvaKeloO^o)  f^iv  6  7i€ql  dvaotdöeiog  Xnyog  (c.  36 
p.  182)  dazu  verführt  haben,  ihrem  Verfasser  einen  alten  namen- 
losen Tractat  über  die  Auferstehung  beizulegen;  allein  aus  dem 
Inhalt  desselben  wird  man  diesen  Verdacht  schwerlich  zu  be- 
gründen vermögen.  6)  Der  Inhalt  der  Supplicatio  enthält  nichts, 
was  der  Folgezeit  besonders  anstössig  sein  musste,  oder  viel- 
mehr: er  enthält  des  Anstössigen  weit  weniger  als  die  Apolo- 
gien des  Tatian  und  Justin  *^^). 

In  dem  Vorstehenden  sind  die  wichtigsten  Punkte  aus  dem 
Selbstzeugniss  der  Supplicatio  erhoben.  Man  kann  nur  stau- 
nen, dass  ein  so  unverdächtiges,  reichhaltiges  Werk,  weiches  in 
den  Augen  der  Väter  des  3.  und  4.  Jahrhunderts  den  Apolo- 
gien des  Justin,  Tatian  und  Melito  mindestens  als  ebenbürtig 
erscheinen  musste,  so  rasch  fast  spurlos  verschollen  gewesen 
sein  soll,  um  nach  Jahrhunderten  erst  wieder  aufzutauchen. 
Das  Problem  hat  sich  also  bisher  bei  jedem  Schritte  vorwärts 
stets  als  schwieriger,  ja  als  paradoxer  erwiesen.  Aber  um  so 
sicherer  ist  es  nun  geworden,  dass  ein  wirkliches  literarhistori- 
sches Problem  hier  vorliegt,  und  dass  es  einer  Hypothese  be- 


193)  S.  oben  S.  131. 

194)  Der  Widerspruch,  in  welchem  Justin,  Apol.  11,  12  und  Athena- 
goras,  Suppl.  35  (p.  178)  stehen,  ist  keine  Gegeninstanz  gegenüber  den 
Stollen,  die  deutlich  ein  Abhängigkeit«verhältniss  darthun. 

195)  Das  apokryphe  Herrenwort  c.  32  (p.  168),  welches  vielleicht  dem 
Aegypterevangelium  entnommen  ist,  konnte  den  späteren  Generationen 
nur  willkommen  sein.  Die  Stellung  des  Verfassers  zur  Ehe ,  namenthch 
zur  zweiten  Ehe,  brauchte  ihn  zu  keiner  Zeit  in  den  Verdacht  der  Ketzerei 
zu  bringen. 


I^g4  Die  Schriften  des  Athenagoras. 

darf,  um  dasselbe  zu  lösen.  Die  Inscriptio  der  Suppli- 
catio  bringt,  wenn  nicht  Alles  trügt,  den  Schlüssel 
zu  solcher  Lösung. 

V.  Die  Inscriptio  der  Supplicatio.  Sie  lautet  über- 
einstimmend in  Par.  451  und  Argentorat.:  ^vToytQcxTOQOtv 
MaQüip  AvQYikio)  i^vTcovivo)  '/.al  ^ovmq)  ^tgr/llq)  Kof-ijun^o) 
^^Qf.i€via/.o7g,  ^ag^arrAolgf  zo  de  fueyiOTOv  0iXoa6cf>oig  ^^^).  Die 
ersten  acht  Worte  stimmen  mit  dem  Selbstzeugniss  des  Buches 
trefflich  überein:  „Lucius  Aurelius  Commodus"  ist  die  zutreffende 
Bezeichnung  für  den  Sohn  des  M.  Aurel  als  Irdperator.  Die 
Inscriptio  bestätigt  also  hier  das  Datum  für  die  Abfassung  der 
Apologie,  welches  sich  aus  inneren  Gründen  ergab.  Dagegen 
erheben  sich  aber  in  Bezug  auf  den  zweiten  Theil  der  Inscrip- 
tio die  schwersten  Bedenken:  von  den  Worten:  ro  de  fxeyLOxov 
(pikoaorpoig  ist  abzusehen;  ein  Philosoph  mag  sich  einen  sol- 
chen Zusatz  wirklich  erlaubt  haben.  1)  Schon  dem  SchoHasten 
ist  es  aufgefallen,  dass  die  Inscriptio  unvollständig  ist  (s.  oben 
S.  36:  ilXeifirjg  yj  anoöooig  Trjg  ngoyQacpijc);  er  vermisste  das 
,,Xa/^€t^".  Er  hätte  mehr  zu  vermissen  gehabt:  es  fehlt  der 
Name  des  Verfassers,  Dieser  ist  aber  hier  um  so  un erlässlicher, 
als  ja  auch  im  ganzen  Buche  der  Verfasser  sich  nicht  genannt 
hat.  Es  ist  schlechterdings  undenkbar,  widerspricht  auch  allen 
Regeln  einer  Adresse,  resp.  einer  Eingabe,  dass  der  Autor  sich 
nicht  genannt  hat,  zumal  da  er  ja  in  seinem  Buche  auch  von 


196)  Märkel  (Programm  des  Gymnasiums  zu  Königsberg  in  der  Neu- 
mark 1857:  de  Athenagorae  libro  apologetico)  hat  Zweifel  an  der  Ur- 
sprüngliclikeit  der  Adresse  überhaupt  ausgesprochen  (p.  9):  „Omnia  quae 
hucusque  disputata  sunt  reputantibus  admodum  dubium  \'idetur,  num  Athe- 
nagorae 71€qI  XQictiav(Sv  nQBoßslct  ex  auctoris  mente  ac  consilio  potis- 
simum  ad  imperatores,  quorum  inscripta  est  nominibus,  referri  debeat 
atque  iis  revera  tradita  sit.  Primus,  qui  hanc  dubitationem  movit,  ut 
a  Gieselero  (h.  e.  I,  157)  edocemus,  fuit  Baylius,  quem  plures  deinde  se- 
cuti  sunt  theologi,  ipseque  Gieseler  dubiam  de  hac  re  proferfc  sententiam". 
Aber  Märkel  selbst  hat  doch  diese  Zweifel  in  sehr  beachtenswerthe  Er- 
wägungen verwandelt  über  die  beabsichtigte  und  wahre  Adresse  aller 
derjenigen  Apologien,  welche  die  Namen  von  Kaisern  in  der  Aufschrift 
tragen.  Diese  Wendung  der  Kritik  ist  entschieden  zu  billigen.  Die  That- 
sache,  dass  die  Apologie  des  Athenagoras  nicht  eben  sehr  geschickt  auf 
die  Kaiser  berechnet  ist,  ist  anzuerkennen  und  zu  erklären,  nicht  aber 
zu  beseitigen. 


Die  Inscriptio  der  Supplicatio.  185 

sich  selbst  spricht  (z.  B.  c.  2  fin.)  i^').  Man  darf  daher  mit  Zu- 
versicht sagen,  der  Yerfassername  ist  hier  einfach  ge- 
strichen worden  und  mit  ihm  fiel  auch  der  Gruss  weg. 
2)  Aber  auch  die  Worte  ^^Qf-ievia/.olgj  ^agfuaTtxolg  haben  langst 
zu  Bedenken  Anlass  gegeben,  ja  sogar  viele  Gelehrte  dazu  ver- 
führt, die  gerade  bei  der  Supplicatio  möglichst  einfach  liegende 
Frage  nach  der  Abfassungszeit  unrichtig  zu  beantworten.  Ueber 
die  Geschichte  der  Controverse  kann  man  sich  bei  Otto^^^)  in 
Kürze  Orientiren.  Das  Problem  ist  dieses:  die  Supplicatio  ist 
gewiss  an  Marc  Aurel  und  Commodus  gerichtet;  aber  Marc 
Aurel  hat  seit  dem  Tode  des  L,  Verus  (f  169)  den  Namen 
„Armeniacus"  nicht  mehr  geführt  (Commodus  hat  ihn  sogar  nie 
besessen),  dagegen  den  anderen  „Sarmaticus"  im  Jahre  175  an- 
genommen und  auch  auf  seinen  Sohn  übertragen  ^^^).  Da  es 
nun  völlig  unwahrscheinlich  ist,  dass  ein  Zeitgenosse  sich  in 
der  Titulatur  geirrt  haben  sollte,  so  sind  nur  zwei  Möglichkeiten 
denkbar:  entweder  l^Qfi£via'/,o7g  ist  als  alter  Schreibfehler 
zu  corrigiren  (etwa  in  reQf,iavr/.o7g,  wie  Mommsen,  Theol. 
Jahrbb.  1855  S.  250  vorgeschlagen  hat;  den  Namen  „Germani- 
cus"  führte  M.  Aufei  seit  172),  oder  aber  IdQf.ieviOLY.o'ig  ist 
absichtliche  Correctur  resp.  Interpolation.  Diese  Hypo- 
these ist  aber  darum  der  ersteren  vorzuziehen,  weil,  wie 
oben  gezeigt  worden  ist,  an  der  Inscriptio  überhaupt 
corrigirt  worden  ist,  und^weil  das  Cognomen  l^Q/ne- 
via-Kolg  den  Sinn  der  ganzen  Adresse  verändert.  Be- 
steht es  nämlich  zu  Recht,  dann  ist  die  Apologie  nicht  an  M. 
Aurel  und  dessen  Sohn  Commodus  gerichtet  zu  denken,  son- 
dern soll  auf  jenen  und  Lucius  Verus  bezogen  wer- 
den. „Armeniacus"  ist.  der  Name,  den  die  beiden  Brüder  ge- 
meinsam geführt  haben,  und  die  Namen  L.  Äurelius  Commodus 
können  auch  von  L.  Verus  („L.  Äurelius  Verus  Augustus"  — 
so   nach  Inschriften,   s.  Pauly,    Realencykl.  I,  1  S.  U98.  „L. 


197)  Auf  den  Titel  des  Buchs,  der  im  11.  Jahrli.  auftaucht,  resp.  dem 
Philippus  Sidetes  bekannt  gewesen  ist,  darf  man  sich  nicht  berufen;  denn 
selbst  zugestanden,  dass  er  vom  Autor  herrührt  (was,  nach  Analogien  zu 
urtheilen,  gänzlich  unwahrscheinlich  ist),  so  kann  er  nicht  das  Fehlen 
des  Verfassernamens  in  der  Adresse  ersetzen. 

198)  L.  c.  VII  p.  LXII-LXXV. 

199)  S.  Theol.  Realencykl.  2.  Aufl.  Bd.  IX  S.  284: 


|§g  Die  Schritten  dos  Athenagova«. 

Ceioniiis  Aelius  Commodiiä  Verus  Antoninus"  —  Capitoliii., 
Verus  c.  1.  Auch:  „L.  Aurelius  Verus  Commodus")  verstanden 
werden.  In  der  Tliat  "haben  sich  bis  zur  Zeit  Mosheim's  viele 
Gelehrte  wirklich  irreführen  lassen  (so  Scaliger,  Dodwell, 
Pagi,  Clericus  u.  A.)  und  unter  den  Adressaten  M.  Aurel 
und  L.  Verus  verstanden,  indem  sie  entweder  das  jj^aQ^ati- 
y,o7g**  nicht  beachteten  oder  es  in  üagd^iiiolg  änderten. 

Die  Inscriptio  ist  also  corrigirt  worden  und  zwar 
so,  dass  der  geschichtskundige  Fälscher  den  Namen 
des  Verfassers  einfach  gestrichen  und  die  Adressaten 
als  M.  Aurel  und  Lucius  Verus  vorgestellt  hat^oo).  Der 
Zweck,  den  er  hierbei  verfolgte,  kann  kein  anderer  gewesen 
sein,  als  die  Apologie  ihres  wahren  Verfassers  zu  berauben  und 
sie  einem  anderen  Schriftsteller,  von  dem  bekannt  war,  dass 
er  die  Zeit  des  L.  Verus  nicht  überlebt  hatte,  beizulegen. 

In  diesem  Ergebnisse  ist  vielleicht  die  Lösung  enthalten 
für  die  drückendsten  Räthsel,  welche  über  der  „zweiten  Apo- 
logie" des  Justin  und  über  der  Supplicatio  des  Athenagoras 
schweben.  Die  angebliche  zweite  Apologie  des  Justin  soll  ja 
nach  Eusebius  eben  an  M.  Aurel  und  L.  Verus  gerichtet  ge- 
wesen sein ;  noch  genauer  sagt  Hieronymus :  „successoribus 
(Ant.  Pii)  Antoninis  Marco  Antonino  et  Lucio  Aurelio  Com- 
modo".  Dies  ist  aber  wörtlich  die  Adresse  der  Supplicatio 
des  Athenagoras  ^^  *).  Hiernach  ergiebt  sich  folgende  G  eschichte 
dieser  Apologie  and  der  ihr  zugesellten  Schrift  über  die  Auf- 
erstehung: 

•  1)  Die  im  Jahre  177/8  entstandene  Supplicatio  an  M.  Aurel 


200)  Den  Namen  „ZapfiarixoTq"  Hess  er  stehen,  entweder  weil  seine 
geschichtliche  Kenntniss  nicht  weit  genug  reichte  oder  weil  er  so  wenig 
wie  möglich  verändern  wollte  und  auf  besonders  geschichtskundige  Leser 
nicht  zu  rechnen  hatte. 

201)  Ich  vermuthe  daher,  dass  Hieronymus  die  von  Eusebius  als  zweite 
Apologie  bezeichnete  Schrift  wirklich  in  Händen  gehabt  hat.  MögUch 
bleibt  allerdings,  dass  er  willkürlich  die  ungenaue  Adresse,  welche 
Eusebius  gab,  präcisirt  und  dabei  zufällig  den  Wortlaut  der  Inscriptio 
der  SuppUcatio  getroffen  hat.  Jedoch  ist  dies  sehr  unwahrscheinlich ;  denn 
es  liegt  sehr  fem  dem  L.  Verus  die  Namen  „L.  Aurelius  Commodus"  zu 
geben.  An  L.  Verus  hat  aber  auch  Hieronymus  gedacht  wissen  wollen, 
wie  der  Ausdruck  „successores  Antonini**  beweist. 


Die  Supplicatio  vmcl  die  zweite  Apologie  Justin's.  187 

und  Commodüs  trug  den  Namen  des  Athenagoras  in  der  In- 
scriptio.  In  einer  sehr  alten  Handschrift  (saec.  III.)  ist  dieser 
Name  getilgt,  die  Adresse  durch  leichte  Yeränderung  corrigirt 
und  die  Apologie  den  Werken  des  Justin  beigesellt  worden  ^®'^). 
Die  Gründe,  wesshalb  dies  geschehen  ist,  lassen  sich  nicht 
mehr  entrÜthseln.  Es  mag  sein,  dass  man  die  Aenderung  vor- 
nahm, weil  man  von  dem  wahren  Verfasser  absolut  nichts 
wusste  —  dies  ist  das  wahrscheinlichere — ;  es  ist  aber  auch 
möglich,  dass  umgekehrt  irgend  eine  unbequeme  Kunde  von 
ihm  hier  im  Spiele  gewesen  ist  2^^). 

2)  In  der  Sammlung  justinischer  Schriften,  welche  Euse- 
bius  vorfand,  befand  sich  bereits  die  Supplicatio.  Eusebius  hat 
sie  desshalb  als  zweite  Apologie  des  Justin  bezeichnet.  Aber 
er  hat  sich  gehütet,  auf  dieselbe  näher  einzugehen,  da  sie  sei- 
ner Construction  der  Geschichte  des  Justin  ein  starkes  Hinder- 
niss  bereitete.  Wohl  hat  er  sich  an  einer  Stelle  den  Anschein 
gegeben,  als  citire  er  aus  ihr,  wie  er  sich  ja  auch  den  Anschein 
gegeben,  als  excerpire  er  die  Schrift  ngbg  MaQuiiova,  aber  f ac- 
tisch hat  er  in  beiden  Fällen  lediglich  die  Apologie  an  A.  Pius 
ausgeschrieben.  Ob  er  dem  justinischen  Ursprung  der  Suppli- 
catio etwa  misstraut  hat,  lasst  sich  nicht  entscheiden.  Hierony- 
mus  und  Photius  haben  den  Bericht  des  Eusebius  einfach  wie- 
derholt; der  erstere  aber  hat  wahrscheinlich  die  beiden  Apolo- 
gien flüchtig  eingesehen. 

3)  Dem  Fälscher  ist  es  indess  nicht  gelungen,  die  Erinne- 
rung an  den  wahren  Urheber  der  Supplicatio  ganz  zu  unter- 
drücken. Nicht  nur  hat  Methodius,  der  ältere  Zeitgenosse  des 
Eusebius,  noch  ein  Exemplar  derselben  gekannt  mit  der  Auf- 
schrift „Athenagoras",  sondern  auch  Philippus  Sidetes  hat  100 
Jahre  später  die  Supplicatio  noch  unter  dem  Titel  lAd-rjvayoQOv 


202)  Eine  dunkle  Ahnung  des  Richtigen  hatten  die  Kritiker  also,  von 
denen  Baronius  (Annall.  II  ad  ann.  179  c.  39)  mittheüt,  dass  sie  Justin 
für  den  wirklichen  Verfasser  der  unter  dem  Namen  des  Athenagoras 
gehenden  Schriften  hielten.  Dazu  Hallo  ix  u.  Act.  SS.  ad  13.  Apr.  p.  106. 
Oudin,  de  Script,  ecci.  I  p.  205. 

203)  Die  Unterschiebung  ist  jedenftills  voreusebiani&ch  und  nicht  etwa 
von  Eusebius  selbst  gemacht.  Ihm  musste  ja  die  zweite  Apologie  Justin's 
unbequem  «ein,  da  ihn  schon  die  erste  bis  zu  den  Ausgängen  des  Lebens 
des  Märtyrers  geführt  hatte. 


|§3  Die  Schriften  des  Atlienagoras. 

(Ad-Yivaiov)    rpiXoo6q)OV    yoiotiavnv    noeßeiu    ^rsQi    XQiOTtavtov^ 
resp.  unter  einem  diesem  sehr  ähnlichen  gekannt  20 4^ 

4)  Aber  in  der  Folgezeit  haben  die  Exemplare  mit  ge- 
fälschter Inscriptio  und  abgeschnittenem  Titel  die  anderen  ver- 
drängt; sie  blieben  aber  theils  in  Verbindung  mit  den  justini- 
schen Werken,  theils  wurden  sie  von  ihnen  gelöst.  So  hat 
Arethas  (ann.  914)  in  sein  Corpus  Apologetarum  die  Supplicatio 
und  den  Tractat  über  die  Auferstehung  ohne  jede  Verfasser- 
bezeichnung aufgenommen ;  aber  in  dem  Scholion  zu  de  resurr. 
1  hat  er  durchblicken  lassen,  dass  er  den  Justin  für  den  Autor 
dieses  Tractats,  also  auch  der  Supplicatio,  halte.  In  den  Samm- 
lungen der  Werke  des  Justin,  die  dem  Par.  450  und  Argento- 
rat.  vorhergehen,  haben  jedenfalls  auch  die  Supplicatio  und 
der  Tractat  über  die  Auferstehung  gestanden,  allerdings  nicht 
mit  der  Aufschrift  ^^d^rjvayoQov,  sondern  ohne  jeden  Titel. 

5)  Spätestens  im  11.  Jahrhundert  taucht  der  alte  Titel: 
i^d-rjvayoQov  xtX.  für  uns  wieder  auf^^^).  J){q  Abschriften  des 
Arethascodex  bieten  ihn  bereits  und  in  diesen  selbst  ist  er  nach- 
träglich eingesetzt  worden.  Der  Scholiast  saec.  XL  zählt  als  alte 
Apologeten  den  göttlichen  Justin,  Athenagoras,  Tatian,  Clemens 
und  Origenes  auf.  Die  Stellung,  die  er  dem  Athenagoras  an- 
gewiesen, bekundet  noch  die  ursprüngliche  Ueberlieferung. 

6)  Für  die  Sammlungen  justinischer  Werke  konnte  das 
Wiederauftauchen  des  Namens  des  Athenagoras  nicht  ohne 
Folgen  bleiben.  Entweder  man  beliess  die  beiden  von  ihm 
herrührenden  Werke  im  Corp.  Opp.  Justini,   wo  man   sie  vor- 


204)  Das  „k.9^»7va/oi'"  wird  von  PhiUppiis  nicht  berücksichtigt;  ihm  ist 
Athenagoras  Alexandriner.  Man  darf  daher  vielleicht  vermuthen,  dass  jenes 
Cognomen,  welches  erst  in  den  Handschriften  nachweisbar  ist,  aus  ji^7]va- 
yÖQOv  entstanden  ist.  Doch  vermag  man  darüber  schwerlich  mehr  zu 
entscheiden.  Ebensowenig  ist  auszumachen,  ob  Philippus  noch  die  ur- 
sprüngliche oder  schon  die  interpoHrte  und  verkürzte  Inscriptio  vor  sich 
hatte.  Er  hat  die  Adresse  jedenfalls  völlig  unrichtig  wiedergegeben 
(„Hadrian  und  Antonin m,");  aber  seine  Zeitbestimmung  trifft  wie- 
derum für  Justin  zu,  und  die  Rolle,  die  er  den  Athenagoras  spielen 
lässt,  macht  die  Annahme  nicht  ganz  unwahrscheinhch,  dass  in  seinen 
Bericht  die  gefälschten  Traditionen  über  den  Doppelgänger  des  Justin 
schon  liineinspielen. 

205)  Zu  dem  Verschwinden  und  Auftauchen  von  Verfassernamen  in 
der  Tradition  vgl,  das  oben  §  9  über  Aristo  von  Pella  Bemerkte. 


Die  Supplicatio  und  die  zweite  Apologie  Justin's.  189 

gefunden,  trotz  des  wiedererkannten  Verfassernamens  —  so  zeigt 
es  uns  die  Sammlung,  welche  der  Cod.  Argentorat.  repräsen- 
tirt  —  oder  aber  man  verzichtete  auf  die  Supplicatio,  da  sie 
sich  als  nicht-justinisch  erwiesen,  suchte  aber  den  Tractat  über 
die  Auferstehung  zu  halten,  da  für  diesen  der  Beweis,  dass  er 
nicht  von  dem  gefeierten  Apologeten  herrühre,  so  bestimmt 
nicht  geführt  werden  konnte.  So  finden  wir  es  in  dem  Par. 
450:  die  Supplicatio  fehlt  hier  ganz,  der  Tractat  über  die  Auf- 
erstehung ist  ohne  jede  Ueberschrift  aufgenommen.  Aber  nun 
hatte  man  jene  zweite  Apologie  verloren,  von  welcher  Eusebius 
berichtet  hatte!  Man  wusste  sich  zu  helfen.  Niemand  wird 
es  für  einen  Zufall  erklären,  dass  in  der  jungen  Samm- 
lung, in  welcher  der  dogmatische  Tractat  zum  ersten 
Male  von  der  Supplicatio  getrennt  auftaucht  und  sich 
diese  überhaupt  nicht  mehr  findet,  die  Apologie  an  A. 
Plus  in  zwei  Apologien  zerlegt  ist.  Diese  Zerlegung 
lehnte  sich  an  eine  alte,  schon  im  7.  Jahrh.  nachweisbare,  sach- 
gemässe  Eintheilung  der  einen  Apologie  in  zwei  Theile  an 
(s.  die  SS.  Parallel.).  Sie  liegt  aber  im  Par.  450  und  im  Otto- 
bon. 274  bereits  in  einer  corrumpirten  Form  vor. 

In  dem  Vorstehenden  sind  die  oben  S.  171  f.  gestellten 
Fragen,  warum  die  Apologie  des  Justin  getheilt  worden  ist, 
welche  ßewandtniss  es  mit  der  zweiten  Apologie  dieses  Apolo- 
geten hat,  und  wie  die  räthselhaftef  üeberlieferung  der  Athena- 
goras-Schriften  zu  deuten  sei,  beantwortet  —  gewiss  nicht  so, 
dass  alle  Zweifel  nun  ausgeschlossen  sind;  blieben  doch  die 
Gründe,  wesshalb  man  den  Namen  des  Athenagoras  im  3.  Jahr- 
hundert getilgt  hat,  und  manches  Andere  völlig  im  Dunkeln. 
Aber  mindestens  wird  auf  dem  angegebenen  Wege  die  Losung 
des  Problems  zu  suchen  sein. 

Justin  hat  also  eine  zweite  Apologie  überhaupt  nicht  ge- 
schrieben. Eine  solche  ist  ihm  falschlich  beigelegt  worden. 
Da  dies  aber  bereits  in  der  voreusebianischen  Zeit  geschehen 
sein  muss,  so  ist  es  möglich,  dass  auch  andere  Werke,  welche 
Eusebius  (h.  e.  IV,  18)  als  justinisch  aufgeführt  hat,  nicht  von 
ihm  herrühren.  Darüber  lässt  sich  jedoch  nicht  mehr  urth eilen. 
Gewiss  ist  dies,  dass  vom  dritten  Jahrhundert  ab.  bis  tief  in 
die  byzantinische  Zeit  hinein  fort  und  fort  Werke  obscurer 
oder    unbekannter  Schriftsteller,    die   man  für  werthvoll  hielt, 


j^90  ^-^  Werke  des  Justin 

Jem  „göttlichen"  Apologeten  beigelegt  worden  dind,imd  dass  diese 
die  ecliten  Schriften  verdrängt  Laben ^'J^').  Justin  absorbirte  die 
Schriften  Anderer,  aber  eben  diese  Schriften  cbsorbirten  schliess- 
lich ihn  selbst.  Photius  hat  bereits  kein  einziges  echtes  Werk  des 
Justin  in  Händen  gehabt.  Seine  oft  kritiklos  nachgesprochene 
Charakteristik  des  Apologeten  beruht  aiisschlies-siich  auf  der 
Leetüre  pseudojustinischer  Schriften.  Aber  doch  nur  in  sehr 
wenigen  Fallen  hat  der  Historiker  Grund  zu  der  Annahme,  dass 
unter  Justin's  Namen  betrügerisch  Schriften  gefälscht  worden 
sind;  die  Verfasser  der  pseudojustinischeu  Werke  sind  meistens 
an  der  Unterschiebung  vi^llig  unschuldig.  Leichtfertige  Coui- 
binationen  der  Stümper,  Sorglosigkeit  der  Schreiber,  üb'.-lan- 
gebrachte  Verehrung  für  den  nahezu  „apostolischen''  Apolo- 
geten —  und  diese  ist  wohl  hier  und  da  zu  wissentlicher 
Unterschiebung  vorgei^chritten  —  haben  es  verschuldet,  dass 
die  Opera  Justini  im  byzantinischen  Zeitalter  zu  einer  Biblio- 
thek angewachsen  sind.  Den  Umfang  derselben  vermögen  wir 
jetzt  einigermassen  zu  übersehen;  aber  wir  dürfen  nicht  ver- 
gessen, dass  niemals  im  Mittelalter  alles  das  beisammen  war, 
was  je  für  justinisch  gehalten  worden  ist. 

Uebersicht  über  die  Ueberlieferung  des  Justin  ^*^'). 

A.  Echte  Werke: 

1)  Adv.  Marcionem  —  Irenaeus. 

2)  Syntagma  c,  omnes  haer.  —  (Hegesipp),  (Trenaeus),  Ter- 
tuUian,  (Hippolyt),  (der  Verf.  des  kl.  Labyrinths). 

3)  Apologia  ad  A.  Pium  —  AthenagoraS;  Melito,  Theophilus, 


206)  Die  antignostischeri  Schriften  wurden  durch  die  Werke  der  offosscn 
Kot./crl>efitroiter  bereits  im  3.  .Jahrhundert  verdriingt.  An  den  apologeti- 
schen Werken  —  mit  Ausnahme  der  Schrift  an  A.  Pius  —  scheint  schon 
Eusebius  keinen  recliton  Geschnjack  mChr  gefunden  zu  habent  sie  wurden 
durch  das  grosso  gcfi'll^cl!tc•  apologetisch- rheti^cbe  'W'eik  wider  Griechen 
und  Juden  (mit  angehiln^j^ter  Expositio  fidei)  er.^ctzt. 

207)  Als  Zeugen  sind  hier  nur  .solche  aufgeführt,  welche  die  be- 
treffende Schrift  in  Händen  gehallt  haben.  Ist  der  Name  gesperrt  ge- 
druckt, HO  zeigt  das  ein  iuisdnifkliches  Citat  oder  die  Erwähnung  der 
Schrift  mit  ihrem  Titel  ;in.  Die. Klammern  bedeuten,  dass  die  Benutzung 
unsicher  ist. 


Ueberiicht  über  die  Ueberlieferung  des  Justin.  191 

Tertullian,  (Hippolyt),  (Minucius  Felix),  Pseudomelito, 
(der  Verf.  des  kl,  Labyrinths),  (Julius  Afr.),  Eusebius, 
Rufinus,  Athanasius,  (Hieronymus),  SS.  Parallel.  Cod. 
Rupef.,  Par.  450. 

4)  Dialogus  c.  TrypL.  —  Irenaeus,  (Tertullian),  Eusebius, 
SS.  Parallel.  Cod.  Rupef.,  Par.  450. 

5)  De  anima  —  (Tertullian),  Eusebius. 

6)  Ad  Graecos  —  Eusebius. 

7)  Ad  Graecos  refutatio  —  Eusebius. 

8)  De  Monarchia  —  Eusebius. 

9)  Psaltes  —  Eusebius. 

B.  Werke,  die  echt  sein  können: 

10)  Hypomnemata  in  Hexaem.  —  Ana^tasius  Sin. 

11)  De  resurr.  —  Procopius  Gaz. 

12)  Eine  nicht  näher  zu  bezeichnende  Schrift,  aus  v^elcher 
Methodius  citirt  hat  (s.  oben  S.  133  f.). 

C.  Werke,  die  dem  Justin  bereits  in  voreusebianischer 

Zeit  beigelegt  worden  sind: 

13)  Athenagorae  Supplic.  —  (s.  oben  S.  175  f.). 
,  14)  Athenag.  de  resurr.  —  (s.  oben  S.  175  f.). 

D.  Werke  des  2. — 5.  Jahrhunderts,  die  von  unbekannten 
Verfassern  herrühren  und  dem  Justin   fälschlich  bei- 
gelegt worden  sind. 

15)  De  resurr,  (voreusebianisch)  —  Irenaeus,  (Tertullian),  SS. 
Parallel.  Cod.  Rupef.  [beigelegt  spätestens  im  7.  Jahrh.j. 

16)  De  monarchia  (voreusebianisch)  —  Argentorat.,  Paris. 
450  [Zeit  der  Beilegung  unbestimmt]. 

17)  Ambrosii(r)   oratio  ad  Gr.   (voreusebianisch)  —  Argen- 
torat. [Zeit  der  Beilegung  unbestimmt]. 

18)  Ep.    ad    Diognelum    (voreusebianisch)  —  Arge nio rat. 
[Zeit  der  Beilegung  unbestimmt]. 

19)  Hippolyti   de   universo    (voreusebianisch)   —   Gewährs- 
männer d  e  s  P  h  0 1 i  u  s  [Zeit  der  Beilegung  unbestimmt] . 

20)  Cohortatio   ad  Gr.  (voreusebianisch,  saec.  IIL)  —  C}Til- 
ius  AI.,  Stephanus  Gobarus,  SS.  Parallel.  Cod.  Rupef., 


192  ^i®  Werke  des  Justin. 

Photius,  Paris.  451,  Paris.  450,  Argentorat.  [zwischen 
dem  4.  u.  6.  Jahrh.  dem  Justin  beigelegt]. 

21)  Justini  cujusdam  ep.  ad  Zenam  (nicht  vor  dem  4.  Jahrh. 
entstanden)  —  Paris.  451,  Paris.  450.  [beigelegt  vielleicht 
gleichzeitig  mit  der  Cohortatio]. 

22)  Quaest.  et  Resp.  ad  Orthodoxes  (c.  400)  —  (Procopius), 
(Photius),  Vindob.  gr.  71,  Paris.  450,  Macarius  Chry- 
socepli.  [beigelegt  wahrscheinlich  schon  vor  Photius,  je- 
denfalls nicht  später  als  saec.  XI.]. 

E.  Ein  Werk,  welches  dem  Justin  zugeschrieben  wor- 

den ist,  aber  überhaupt  nicht  existirt  hat. 

23)  Interpret,  in  Apocalyp.  —  Hieronymus. 

F.  Werke   der  byzantinischen   Zeit,   die  höchst  wahr- 
scheinlich    unter     Justin's     Namen      gefälscht     wor- 
den sind. 

24)  Additam.  ad  Apologiam  —  SS.  Parallel.  Cod.  Rupef. 
(s.  oben  S.  173  f.),  [spätestens  im  7.  Jahrh.]. 

25)  u.  26)  Apologia  pro  Christiaais  et  c.  Graec.  et  c.  Jud. 
mit  der  Expositio  rectae  fidei  (3  Bücher)  (450 — 600)  — 
Buch  I  und  II  (vielleicht  auch  lU)  bei  Photius,  Buch 
I  und  III  bei  Leontius,  Buch  I  im  Cod.  Vatic.  der 
SS.  Parallel,  und  wahrscheinlich  auch  im  Cod.  Paris. 
923  der  SS.  Parallel.,  Buch  II  im  Cod.  Coisl.  276 
der  SS.  Parallel.,  Buch  III  bei  Anastasius  Presb.^ 
Cod.  Syr.,  Cod.  Mutin.,  Coisl.  120,  Argentorat., 
Par.  450  [Justin  beigelegt  450—600]. 

27)  Ep.  ad  Euphrasium  seu  de  Providentia  (Zeit  unbestimmt) 
—  Max  im  US  Confessor  [beigelegt  spätestens  im  7. 
Jahrh.]. 

G.  Philosophische    Werke    der    byzantinischen    Zeit, 
die  möglicher  Weise    unter  Justin's  Namen   gefälscht 

worden  sind. 

28)  Confutat.  Aristot.  (zwischen  dem  Ende  des  6.  und  Mitte 
des  9.  Jahrhunderts)  —  Photius,  Paris.  450. 

29)  u.  30)  Quaest.  Christ,  und  Quaest.  Graec.  ...  de  resurr. 


Die  Ueberlieferung  über  das  Martyrium  des  Justin.  193 

(vielleicht  von   demselben   Verf.   wie  Nr.  28)  —  (Pho- 
tius),  Par.  450;  jene  auch  citirt  von  Johannes  Sapiens 
saec.  XIV. 
31)  Ad  Graecos  (vielleicht  von  demselben  Verf.  wie  Nr.  28— 
30)  --  Par.  450.207b) 


Die  Ueberlieferung  über  Justin  in  den  Menäen  und  Mar- 
tyrologien  steht  ausser  Zusammenhang  mit  der  Tradition  über 
seine  Werke  ^ö^).  Das  Gleiche  lässt  sich  fast  stets  in  der  mar- 
tyrologischen  Literatur  in  Bezug  auf  hervorragende  Schrift- 
steller der  ersten  Jahrhunderte  beobachten.  Für  Justin  be- 
sitzen wir  griechische  Acta  in  einem  Codex  von  Cryptoferrata, 
„qui  Vitas  SS.  a  Symeone  Metaphr.  partim  coUectas  et  sine  ulla 
mutatione  adoptatas,  partim  conscriptas  vel  interpolatas  suppedi- 
tayit"20o^^  Scheidet  man  von  diesen  Acten  ^lOj  den  Anfang  und 
Schluss  (c.  1.  6)  als  offenbar  später  hinzugesetzt  aus,  so  ent- 
halten dieselben  nichts,  was  gegen  die  Annahme  der  urkund- 
lichen Zuverlässigkeit  spricht.  Schon  dies  ist  ein  starkes  Pra- 
judicium  für  ihre  Echtheit  ^  ^  i),  dass  sie  die  Anfeindungen  des 
Crescens  unerwähnt  lassen  und  überhaupt  von  Eusebius  nicht 
abhängig  sind2i2j^  Weiter  aber  ist  zu  constatiren,  dass  sich  in 


207  b)  Hierzu  kommt  noch  jenes  Citat  bei  dem  Syrer  (s.  oben  S.  170  f.) 
sowie  die  Citate  aus  nicht  genannten  pseudojustiniscben  Werken  in  den 
Codd.  der  SS.  Parallel,  und  bei  A.  MeUssa.  Posse vin  will  in  griechischen 
Handschriftencatalogen  eine  Erklärung  der  pseudoareopagitischen  Schrif- 
ten unter  dem  Namen  des  Justin  gefunden  haben  (Fabricius-Harles,  Bi- 
blioth.  Gr.  VII  p.  67);  von  einer  solchen  ist  sonst  nichts  bekannt. 

208)  S.  die  Zusammenstellungen  in  den  Acta  SS.  ad  XITI.  Apr.  p. 
104—119,  ad  I.  Jun.  p.  16—22. 

209)  S.  Corp.  Apol.  III  p.  XL  VI  sq.  Die  Acten  gab  hiernach  la- 
teinisch zuerst  Lipomanus  (1558),  griechisch  Papebroch  (1695) 
heraus.  Der  God.  Vatic.  655,  welcher  sie  auch  griechisch  enthält  und 
zuerst  von  Maranus,  dann  für  Otto  von  Cozza  verglichen  wurde,  ist 
höchst  wahrscheinlich  nur  eine  Abschrift  des  Cryptoferr.  (s.  1,  c.  p.  XLVIII). 

210)  S.  Corp.  Apol.  III  p.  266—279. 

211)  Unter  dieser  ist  verstanden,  dass  die  Acten  das  Verhör  Justin's 
und  seiner  Genossen  (Chariton,  Charito,  Euelpistus,  Hierax,  Paeon  und 
Liberianus)  wesentlich  treu  wiedergeben. 

212)  Dieser  Umstand  hat  viele  Kritiker  des  17.  Jahrhunderts  und  der 
Folgezeit  zur  Annahme  der  Unechtheit  der  Acten,  oder  zu  der  Unter- 
scheidung von  zwei  Männern  Namens  Justin,  oder  zu  sehr  künstlichen 

Texte  und  Untereuchungen.  j3 


[94  ^^^'  Werke  def^  Justin. 

der  Erzählung  der  Acten  keine  Anachronismen  finden;  Zug  um 
Zug  stininit  vielmehr  mit  dem  Verfahren,  welches  in  der  Zeit 
zwischen  Trajan  und  Decius  beobachtet  wurde  ^^^j.  Somit  steht 
der  Annahme  nichts  im  Wege,  dass  diese  Acten  wirklich  dem 
zweiten  Jahrhundert  angehören  2^^).  Von  den  älteren  Kirchen- 
schriftstellern hat  sie  vielleicht  Epiphanius  gekannt:  er  berichtet 
wenigstens  (h.  46,  l),  dass  Justin  zu  Rom  unter  dem  Präfecten 
Rusticus  Märtyrer  geworden  sei-'*').  Den  byzantinischen  Com- 
pilatoren  der  Synaxarien  sind  sie  nicht  entgangen.  Aber  schon 
sie  haben  den  Philosophen  und  Märtyrer  Justin  von  dem  Justin 
der  Acten  unterschieden,  beide^*'^aber  auf  den  1.  Juni  ange- 
setzt ^^^l  In  dem  ältesten  Menaeuni  iMS.  Cryptae-ferratae),  wel- 

Combinationen  zwischen  dem  Bericht  des  Justin  und  der  Erzählung  des 
Eusebius  verführt.    Es  ist  nicht  der  Mühe  werth,    diese  Hypothesen  zu- 
registriren.     Nur  dies  sei  bemerkt,   dass   die  Bollandisten  im  Junibande 
ihre  im  Aprilband    gegebenen  Ausführungen   mit  Recht  zum  Theil  zu- 
rückgezogen haben. 

213)  Auch  das  christliche  Bekenntnis^  des  Justin  (c.  2)  hat  den  Cha- 
rakter hohen  Alterthums,  Die  Antwort  auf  die  Frage:  nov  avvigx^aO^e 
(c.  3)  ist  sogar  durch  die  Aufschl-üsse  über  sehr  alte  Gemeindeverhält- 
nisee  überraschend.  In  den  Geständnissen  der  Genossen  des  Justin  (c.  4) 
trägt  jedes  Wort  den  Stempel  der  Zuverlässigkeit.  Das  letzte  Zwiege- 
spräch endlich  zwischen  Justin  und  dem  Stadtpräfecten  (c.  5)  handelt 
von  dem  Dogma,  welches,  wie  Lucian  belehrt,  den  gebildeten  Römern 
und  Griechen  das  anstössigste  war.  Der  Stadtpräfect,  der  augenscheinlich 
den  Justin  retten  will,  sucht  ihn  bei  seiner  wissenschaftlichen  Ehre  zu 
fassen.  Aus  c.  5  fin.  lässt  sich  nicht  .schliessen,  dass  ein  allgemeines 
Gebot  zum  Opfern  vom  Kaiser  ausgegangen  war.  Der  „Erlass"  bezog 
sich  darauf,  dass  die  angeklagten  Christen  zu  opfern  hätten. 

214)  Das  Martyrium  des  Justin  ist  in  der  alten  Kirche  besonders  be- 
rühmt gewesen.  Nicht  nur  weiss  schon  Trenaeus  von  demselben,  pondern 
TertuUian  und  Hippolyt  bezeugen  auch,  tlass  zu  ihrer  Zeit  Justin  unter 
dem  Namen  „der  Märtyrer"  bekannt  gewesen  ist. 

215)  Bei  Aponius  (Coujment.  in  Cant.  Cant.  1.  I),  der  nach  Lab- 
beus  c.  680  geschrieben  haben  soll,  findet  sich  der  Tod  des  Justin  er- 
wähnt (ich  kenne  die  Stelle  nur  aus  Act.  vSS.  ad  I.  Jun.  p.  17).  Der  Text 
ist  aber  so  corrumpirt,  dass  ich  auf  jede  Benutzung  desselben  vemchte: 
,Ju8tinus  Philosophus  .  .  .  quosdam  filioa  matris  pbilosophos  (philosophiae?) 
redarguit  blasphemantes,  caliide  in  secreto  vocatus,  ab  iis  magistris  inter- 
fectua  est". 

216)  S.  Acta  SS.  ad  f.  Jun.  p.  16.  In  einem  russischen  Menolagiuui 
ut  da«  Martyrium  des  Philosophen  sub  Severo  ann.  CC  (CCVIII).  das  d»:s 
Justin  der  Acten  sub  Hadriano  ann.  CXXIII  (CXXXI)  angesetzt! 


r>ie  Ueberliefornng  über  das  Mn.rtyrinm  des  Justin.  195 

dies  den  Bollandisten  zur  Verfügung  stand  (nomine  Imp. 
Basilii  Porphyrog.  insignitum},  ist  zuerst  zum  1  Juni  das  Mar- 
tmum  des  Philosophen  verzeichnet  mit  einem  langen  Elogium, 
welches  wesentlich  auf  Eusebius  zurückgeht,  aber  durch  den 
Znsatz  bemerkenswerth  ist,  dass  A.  Pius  den  Philosophen  für 
seine  Apologie  anfänglich  belobt  habe  und  erst  durch  die 
Ränke  des  Crescens  zur  Verfolgung  gedrängt  worden  sei.  Nun 
folgt  das  M/irtyrium  eines  zweiten  Justin  nach  den  Acten.  In 
dem  Synaxarinm  Divionense  und  in  einem  Menaeum  ms.  Chif- 
üetianum  liegen  die  Acten  in  einer  poetischen  Bearbeitung  vor 
(s.  Acta  SS.  1.  c.  p.  17.  XIll.  Apr.  p.  104).  Da  der  Tod  durch 
das  Schwert  dem  Justin  der  Acten  bleiben  musste,  so  erfand 
man  für  den  Philosophen  den  Tod-  des  Socrates  —  den  Schir- 
lingsbecher '^  1 ').  Auch  für  dieses  letzte  Stück  der  Legenden- 
bildung in  den  griechischen  Menäen  ist  immer  noch  Eusebius 
durch  seine  verhängnissvolle  Leichtfertigkeit  bei  der  Angabe 
des  Todes  des  Martso'ers  verantwortlich. 

Die  Lateiner  kennen  die  echten  Acten  des  Martyriums 
nicht.  Erst  Ado  hat  Justin  in  das  Martyrologium  aufgenom- 
men auf  Grund  des  Berichtes  bei  Eusebius-Rutin  und  zwar  ad 
d.  XIII.  Apr.,  weil  auf  diesen  Tag  das  Martyrium  des  Carpus 
und  Papylus  nach  der  Tradition  fiel  und  bei  Eusebius  der  Be- 
richt über  Justin's  Tod  dem  über  das  Martyrium  der  genann- 
ten Kleinasiaten  folgte.  Es  scheint  fast,  als  hätten  Ado  und 
nach  ihm  Üsuardus  dafür  gehalten,  dass  Justin  ebenfalls  zu 
Pergam um  ums  Leben  gekommen  sei.  ErstBaronius  ist  (für 
das  Martyrologium  Romanum)  auf  die  echten  Acten  zurück- 
gegangen. Die  Lateiner  sind  aber  bei  dem  13.  April  stehen 
geblieben.  Schliesslich  ist  noch  zu  erwähnen,  dass  der  Cod. 
Cryptoferr.  prima  manu  das  Martyrium  ugb  la  alöcov  ^lovkiov 
datirt  hat  (sec.  manu  ^t/vl  ^lovvlov  ngcorrj^  wie  die  allgemeine 
griechische  Tradition).  Da  auch  die  Form  dieser  Datirung 
fehlerhaft,  so  hat  schon  Sirletus  dafür  tt^o  iojv  alöcov  'lovviov 
conjicirt.  Das  le.  scheint  allerdings  aus  einer  Dittographie 
von  el{öiov)  entstanden  zu  sein,  und  ' lovliov  und  ^lovviov  sind 
leicht  zu  verwechseln. 


217)  lovaxTvov  xwveiov  r/gsv  ix  ßlov^ 

'iß<?  et'df  TtQoitov  rovQ  TiieTv  SeSwxotag, 

13* 


19ß  Die  Oratio  des  Tatian. 


§  11.    Die   Oratio    des  Tatian',   nebst   einer  Einleitung 
über  die  Zeit  dieses  Apologeten^i^). 

I.  Einleitung,  in  der  Ztsclir.  f.  KGesch.  IV  S.  492  f. 
und  in  der  Eealencykl.  f.  protest.  Theol.  u.  K.  2.  Aufl.  Bd.  VIII 
S.  776  habe  ich  bereits  kurze  Andeutungen  über  die  Zeit  des 
Tatian,  ohne  die  Belege  mitzutheilen ,  gegeben.  Seitdem  hat 
Zahn  (Tatian's  Diatessaron  S.  268—292)  diese  Frage  ausführ- 
lich behandelt.  So  dankenswerth  im  einzelnen  manche  seiner 
Nachweisungen  sind,  so  wenig  kann  ich  seine  Chronologie  des 
Lebens  Tatian's  für  zuverlässig  halten.  Im  folgenden  versuche 
ich  in  Kürze  die  chronologischen  Hauptpunkte  festzustellen 
und  miteinander  zu  verbinden. 

1)  Nach  Eusebius  bezeugt  Tatian  in  seiner  Oratio  den 
Märtjrrertod  des  Justin  (h.  e.  IV,  16).  Darnach  wäre  die  Oratio 
frühestens  163/4  geschrieben.  Aber  es  ist  oben  (S.  142)  ge- 
zeigt worden,  dass  Eusebius  sich  hier  einer,  leichtfertigen  Com- 
bination  hingegeben,  ja  den  Text  der  Oratio  geradezu  gefälscht 
hat;  Justin  war  vielmehr  noch  am  Leben,  als  Tatian  schrieb  ^^■^). 
Man  darf  aber  noch  mehr  sagen:  die  Apologie  des  Justin  und 
die  Oratio  des  Tatian  gehören  höchst  wahrscheinlich  zeitlich 
ganz  nahe  zusammen.  Es  folgt  dies  eben  daraus,  dass  sie 
beide 220)  auf  die  Anfeindungen,  die  sie  durch  den  Cyniker 
Crescens  erlitten  haben,  zurückblicken.  Diese  Anfeindungen 
werden  nicht  die  einzigen  gewesen  sein,  die  sie  zu  überstehen 
hatten.  Nun  ist  oben  walirscheinüch  gemacht  worden  (S.  143), 
dass  die  Apologie  des  Justin  nach  Julius  Africanus  (Chron.  des 
Eusebius  und  Hieronymus)  auf  das  Jahr  152  (Hieron.:  153)  zu 


218)  S.  Worth,  Tatiani  Oratio  ad  Gr.  Oxoniae  1700  (eine  vortrefF- 
hche  Ausgabe  mit  einer  sehr  reichhaltigen  Zusammenstellung  der  Testi- 
monia  Veterum).  Daniel,  Tatianus  der  Apologet.  1837.  Donaldson, 
1.  c.  III  p.  3—62.    Zahn,  Tatian's  Diatessaron.  1881. 

219)  S.  c.  19:  namentUch  das  el'u)&sv.  In 'c.  18  beruft  sich  Tatian 
auf  einen  mündlichen  Ausspruch  Justin's;  s.  zu  dem  i^scpwvTjaev  Orat.  3 
n.  17.  33  n.  14,  auch  c.  12.  Dass  Tatian  die  Apologie  de^  Justin  gekannt 
hat,  ist  nicht  nachzuweisen. 

220)  Justin,  Apol.  II,  3.    Tatian,  Orat.  19. 


Chronologisches  als  Einleitung.  197 

datiren  ist.  Auf  dieses  Jahr,  resp.  um  ein  weniges  später,  wäre 
auch  die  Oratio  des  Tatian  anzusetzen.  Diese  Annahme  be- 
stätigt sich  aber  in  willkommener  Weise  durch  folgende  Er- 
wägung. Im  25.  Capitel  der  Oratio  erwähnt  Tatian  den  Pro- 
teus als  Typus  der  Cyniker'^21^^  Er  hat  ihn  selbst  schreien 
und  prahlen  hören,  sein  cynisches  Habit  gesehen  und  die  heuch- 
lerisch verborgene  Geldgier  des  Elenden  beobachtet.  Es  sind 
lebhafte,  frische  Eindrücke,  welche  Tatian  hier  wiedergiebt. 
Und  diese  Eindrücke  hat  er  zu  Rom  empfangen;  denn  fast 
durchgehends  bezieht  er  sich  in  seiner  Rede  auf  das,  was  er 
in  der  Hauptstadt  erlebt  und  was  ihn  schliesslich  zur  Einkehr 
in  sich  selbst  gebracht  hat.  Die  Zeit  des  Aufenthaltes  des 
Peregrinus  Proteus  in  Rom  lässt  sich  aber  noch  bestimmen. 
Nach  Lucian  (Peregr.  19.  20)  fällt  der  Tod  des  Peregrinus,  den 
Eusebius  auf  das  Jahr  165  setzt,  auf  die  4.  Festversammlung 
in  Olympia,  die  er  mitgemacht  hat.  Die  erste  war  also  die  des 
Jahres  153.  Kurz  vorher  aber  ist  (nach  Lucian  c.  18)  Peregri- 
nus durch  den  Stadtpräfecten ,  „einen  weisen  Mann",  seines 
unverschämten  Treibens  wegen  aus  Rom  verwiesen  worden  ^^2). 
Also  fällt  der  Aufenthalt  des  Peregrinus  in  Rom,  der  keines- 
falls ein  langdauernder  gewesen  ist,  in  den  Anfang  der  fünfziger 
Jahre.  Damals  hat  ihn  Tatian  in  Rom  beobachtet.  Dies  stimmt 
aber  genau  mit  der  oben  empfohlenen  Datirung  der  Oratio  zu- 


221)  Von  seinem  Tode  weiss  er  noch  nichts;  ja  die  Ausführungen 
Tatian's  in  c.  3  u.  19  zeigen  deutUch,  dass  die  Selbstverbrennung  des 
Peregrinus  noch  nicht  stattgefunden  hatte. 

222)  Man  beachte  die  Parallelen  zwischen  Lucian  c.  17.  18  und  Tatian 
c.  25.  Nach  Lucian  ist  Peregrinus  nach  Rom  gekommen,  nachdem  er 
eben  in  Aegypten  die  hohe  Schule  des  asketischen  Schwindels  durchgemacht. 
In  Rom  giebt  er  sein  erstes  Debüt  als  gelernter  Cyniker.  Auch  Tatian 
stellt  ihn  als  Tj^us  der  Cyniker  hin.  Nach  Lucian  ist  die  Virtuosität  im 
Schimpfen  bei  Peregrinus  besonders  bemerkenswert!!  gewesen,  durch 
welche  seine  Berühmtheit  stieg.  „Bei  den  ungebildeten  Leuten  ward  er 
ob  solches  Wahnwitzes  hoch  angesehen."  Tatian  schreibt:  6  xsx^aywg 
ÖTjfioala  fisx^  d^ioniozlaq . .  .  xctv  fi^  ^dß^q  Xoiöogstg,  xal  yivexai  aoi 
XExyri  tov  noQit,siv  zö  <ptXoao(p€TV.  Dass  diese  Worte  sich  zunächst  auf 
Peregrinus  beziehen,  ist  sehr  wahrscheinlich.  Der  Umstand,  dass  Tatian 
den  Cyniker  „Proteus"  nennt;  fällt  trotz  Gellius  XII,  11  nicht  ins  Gewicht 
(gegen  Donaldson,  a.  a.  0.  II  p.  22);  denn  wir  wissen  nicht,  wann  P. 
den  Namen  Proteus  erhalten  hat. 


198  ^iß  Oratio  des  Tatian. 

sammen.    Mau  darf  diese  also  mit  Wahrscheinlichkeit  auf  152/3 
ansetzen '^-'^^). 

2)  In  Rom  erst  ist  Tatian  nach  langen  Reisen  zum  Chri- 
stenthum  übergetreten  224j.  Aber  ist  die  Oratio  auch  in  Rom 
verfasst?  Zahn  bejaht  diese  Frage,  indem  er  rasch  über  sie 
hinweggeht '~'^^),  und  doch  hängt  von  ihr  nicht  weniger  al«  die 
ganze  chronologische  Construction  ab,  welche  Zahn  für  das 
Leben  Tatian's  gegeben  hat.  Ist  nämhch  die  Oratio  nicht  in 
Roin  verfasst,  dann  ist  ein  zweimahger  Aufenthalt  Tatian's  in 
Rom  anzunehmen,  und  dann  werden  alle  die  Daten  mindestens 
unsicher,  welche  Zahn  aufgestellt  hat'^^e)  gg  iässt  sich  aber 
in  der  That  mit  einem  hohen  Grade  von  Wahrscheinlichkeit 
behaupten,  dass  die  Rede  nicht  in  Rom  verfasst  sein  kann. 
Der  Verfasser  redet  durchgehends  „die  Griechen"  an227);  er 
unterscheidet  von  ihnen  sehr  bestimmt  die  Römer,  mit  denen 
er  es  überhaupt  gar  nicht  zu  thun  hat.  Römische  Zustände  setzt 
er  seinen  Lesern  (Hörern)  so  auseinander,  dass  man  urtheilen 
muss,  er  erzähle  ihnen  unbekannte  Dinge.     Er  spricht  von  Sta- 


223)  Auf  das  6  ßaoilsvg  c.  4  init,  niÖclite  ich  mich  nicht  berufen 
(s.  c.  3  fin.:  ßaoiXsig).  Dagegen  zeigt  c.  19  init.,  dass  damals  nur  ein 
Kaiser  regierte.  Ueber  die  Philosophen-Stipendien  zur  Zeit  des  A.  Pius 
s.  Capitolin.  11. 

224)  Dies  folgt  aus  c.  29.  35. 

225)  A.  a.  0.  -S.  280. 

226)  A.  a.  0.  S.  284:  „Nehmen  wir  zur  Veranschaulichung  statt  der 
nicht  genau  bestimmbaren  Daten  mittlere  Zahlen,  so  ergiebt  sich  folgen- 
des Gerippe  seines  Lebensgangest  Geboren  e.  110  in  Assyrien;  Wande- 
rungen durch  die  griechisch-römische  Welt  bis  Rom,  Aneignung  der  grie- 
cbischen  Bildung,  heidnische  Schriftstellerei  135— 155;  Bekehrang  zum 
Christenthum,  erste  Bekanntschaft  mit  Justin,  Anfeindung  durtjh  Crescens. 
Abfassung  der  Griechenrede,  allfä  in  Rom  c.  155;  angesehene  Stellung 
als  kirchlicher  Gelehrter  in  Rom  bis  zum  Tode  Justin's  c.  165;  häretische 
Schriftstellerei  in  Rom  bis  172  oder  173.  Er  wäre  darnach  als  ein  an- 
gehender Sechziger  nach  Mesopotamien  gekommen,  und  es  könnte  ihm 
noch  mehr  als  ein  Jahrnehnt  geblieben  sein  für  das  (Diatessaron)." 

227)  Zu  der  Beobachtung,  dass  die  literariHche  Production  der  Kaiser- 
zeit zunächst  fürs  Hören  bestimmt  war,  s.  Rohde,  d.  griech.  Roman  (1876) 
S.  804.  Auch  die  Schrift  Tatian's  liest  sich,  wenige  Theile  abgerechnet, 
wie  eine  fürs  Hören  bestimmte  Rede,  und  dieser  Charakter  erklärt  maaiche 
Eigenthömlichkeiten  in  der  Anlage  und  im  Ausdruck.  Cf.  c.  5  p.  26, 
5  sq.  c.  17  p.  76,  3  sq. 


Chronologisches  als  Einleitung.  199 

tuen,  ,,die  von  Euch  zu  den  Romern  gebracht  sind'':  er  nennt 
die  Stadt  Rom  ^  ^FiofKxuov  /cohg  (c.  35)  oder  ^  ueyctkrj  noltg 
(c.  19)  und  redet  von  Rom  so  objectiv  wie  von  Athen  (c.  29 
n.  3;  c.  34  n.  3;  c.  35  n.  4.  5).  So  ist  nicht  nur  nirgends  an- 
gedeutet, dass  er  sich  selbst  in  Rom  befindet,  sondern  es  ist 
vielmehr  das  Gegentheil  für  jeden  hinreichend  deutlich,  der 
nicht  ein  besonderes  Interesse  hat,  die  Oratio  in  Rom  geschrie- 
ben sein  zu  lassen  "•^■-'^).  Sieht  man  näher  zu,  so  gewahrt  man, 
dass  Tatian  zunächst  für  solche  geschrieben  hat,  denen  er  per- 
sönlich bekannt  gewesen  ist,  und  die  er,  der  angesehene  Phi- 
losoph und.  Schriftsteller,  durch  seinen  Uebertritt  überrascht 
und  befremdet  hat-'-^).  Wo  diese  zu  suchen  sind,  lässt  sich 
nicht  mit  Bestimmtheit  ermitteln;  da  aber  Tatian's  Oratio  im 
Abendland  so  gut  wie  unbekannt  geblieben  ist,  so  darf  man 
wohl  an  den  Orient  resp.  Griechenland  denken.  Darin  hat 
Zahn  aber  gewiss  Recht,  dass  die  Rede  nicht  lange  nach  dem 
Uebertritt  Tatian's  zum  Christenthum  niedergeschrieben  sein 
kann,  obschon  die  Annahme  eines  etwas  grösseren  Zwischen- 
raumes zwischen  Uebertritt  und  Vertheidigungsschrift  dann  ge- 
stattet ist,  wenn  es  richtig  ist,  dass  Tatian  diese  nicht  in  Rom 
selbst  verfasst  hat.  Immerhin  müssen  Bekehrung  zum  Christen- 
tlium  in  Rom,  Bekanntschaft  mit  Justin,  Anfeindung  durch 
Crescens,  Abschied  von  Rom,  Abfassung  der  Oratio  zeitlich 
ganz  nahe  zusammengehören. 

3)  Nicht  unwichtig  ist  es,  die  Nationalität  Tatian's  fest- 
zustellen. Jüngst  hat  Zahn''^^^)  behauptet,  Tatian  sei  Semit 
gewesen:  „Bei  einiger  Aufmerksamkeit  überzeugt  man  sich  leicht 
davon,  dass  die  Rede  an  die  Griechen  kein  Grieche  geschrieben 
haben  kann."  Ich  finde  umgekehrt,  dass  man  die  Stellung, 
welche  Tatian  in  seiner  Rede  gegenüber  der  griechischen  Cul- 
tur  einnimmt,  gänzlich  verdunkelt  und  allen  seinen  Ausfüh- 
rungen die  Spitze  abbricht,  wenn  man  ihn  selbst  keinen  Grie- 
chen sein  Icisst.  So  wie  er  geschrieben  hat,  durfte  gerade  nur 
ein  griechischer  Christ  schreiben,  und  nur  einöm   solchen 

22S)  Die  Verweisung  auf  Cleni.  Strom.  I,  11  macht  die  Hypothese 
Zahn 's  nicht  vvahrselieinlicher.  Das  Richtige  hat  schon  Prüde  ntius 
Maranus  (bei  Otto  T.  IX  p.  266)  gegen  Tille mont  bemerkt. 

229)  S.  namentlich  c.  üö  fin.,  aber  auch  sonst 

230)  A.  -d.  0.  Ö.  268  f. 


21)0  ^i^  Oratio  des  Tatian. 

konnte  es  in  den  Sinn  kommen,  die  Cultur  der  Griechen  also 
zu  verhöhnen.  Zahn  beruft  sich  darauf,  dass  Tatian  sich  wie- 
derholt als  einen  Anhänger  der  barbarischen  Philosophie,  als 
einen  Verehrer  der  jüdischen  und  somit  barbarischen  Schriften 
darstellt,  alle  Christen  als  Unterthauen  der  barbarischen  Gesetz- 
gebung bezeichnet,  und  auch  die  Sprache  der  Griechen  be- 
mängelt. „Die  griechische  Sprache,  über  die  er  kaum  weniger 
als  über  die  griechische  Philosophie  und  Mythologie  spottet, 
kann  nicht  seine  Muttersprache  sein,  denn  Niemand  hasst  sein 
eigenes  Fleisch  (!);  und  in  seiner  Verhöhnung  des  Hellenen- 
thums  kommt  ein  Stück  unüberwundenen  Racenhasses  zu  un- 
verkennbarem Ausdruck."  Ich  will  hier  nicht  eine  Stellensamm- 
lung aus  den  christlichen  Schriften  des  2.  Jahrhunderts  geben, 
um  den  Ausdruck  „Barbarische  Philosophie"  zu  belegen  —  eine 
solche  ist  hier  auch  nicht  nothwendig  — :  in  welch'  jämmer- 
liche und  gänzlich  matte  Sätze  wandelt  man  die  energischen 
Thesen  des  Apologeten,  wenn  man  leugnet,  dass  er  sich  einen 
Barbaren  nennt,  weil  —  nnd  lediglich  weil  er  sich  als  einen 
Christen  bekennt!  Streitet  man  dem  Tatian  ab,  dass  die  Hal- 
tung, die  er  einnimmt,  allein  durch  seine  christliche  Philoso- 
phie motivirt  ist,  wittert  man  hier  Racenhass,  so  fällt  diese 
ganze  Rede  in  sich  zusammen.  Es  ist  nicht  möglich,  einzelne 
Sätze  aus  ihr  herauszureissen,  um  den  Eindruck,  welchen  Zahn 
gewonnen  hat,  als  ein  grosses  Missverständniss  darzuthun:  aber 
der  Philosoph,  der  unter  allen  seinen  christianisirten  Brüdern 
der  entschiedenste  Christ  geworden  ist,  sollte  sich  nicht  über 
Racenunterschiede  hinweggesetzt,  sollte  vielmehr  seine  Nationa- 
lität zum  Werkzeug  der  Bekämpfung  der  griechischen  Cultur 
gemacht  haben  —  vorausgesetzt,  er  wäre  Syrer  gewesen?  Es 
ist  übrigens  gar  nicht  einmal  richtig,  dass  Tatian  die  griechische 
Sprache  als  solche  verhöhnt;  was  er  verhöhnt,  ist  die  Ver- 
künstelung  der  Sprache,  der  ihr  fremde  Aufputz  und  der  er- 
borgte Schmuck.  Hier  kommt  somit  gerade  umgekehrt  ein 
Interesse  an  dieser  Sprache  zum  Ausdruck,  an  ihrer  Reinheit 
und  Einfachheit,  und  dieses  Interesse  theilt  er  mit  vielen  seiner 
Zeitgenossen  231).     Aehnlich  steht   es  mit  seinen    übrigen  An- 


231)  Tatian  tadelt  es   (c.  1  p.  6,  13)   als  besonders  absurd,    dass  die 
Griechen  ihre  Sprache  sogar  mit  barbarischen  Worten  versetzt  haben. 


Chronologisches  als  Einleitung.  201 

griffen  auf  das  Hellenische.  Man  beachte  ferner  auch,  mit  wel- 
cher Freiheit  er  selbst  die  griechische  Sprache  zu  handhaben 
weiss.  Der  Vorwurf,  dass  er  dunkel  und  unbeholfen  schreibe, 
dürfte  sich  leicht  in  einen  nicht  schmeichelhaften  Vorwurf 
gegen  seine  modernen  Leser  wandeln.  Aber  das  Dunkle  und 
Unbeholfene  wäre  selbst  noch  kein  Beweis  dafür,  dass  Tatian 
Semit  gewesen  ist;  Semitismen  in  der  Sprache  hat  ihm  aber 
noch  Niemand  nachgewiesen.  Der  Name,  den  er  führt,  ist  ein 
römisch-griechischer  232)^  und  er  selbst  theilt  uns  mit,  dass  seine 
Bildung  ledighch  zwei  Epochen  gehabt  habe,  eine  griechische 
und  eine  christliche,  während  sein  Geburtsland  allerdings  As- 
syrien gewesen  sei 2^^).  Aber  eben  nur  sein  Geburtsland. 
Assyrien  war  seit  Trajan  römische  Provinz  geworden,  und  so- 
mit befanden  sich  daselbst  im  zweiten  Jahrhundert  sowohl 
Griechen  als  Römer  234).  "  Allerdings  bezeichnen  nun  Clemens 
Alex,  sowohl  als  Epiphanius  den  Tatian  als  einen  Syrer  ^^s^^ 
Aber  der  erstere  nennt  ihn  an  einer  Stelle,    die  man  gewiss 


S.  über  das  iin  2.  Jahrh.  neuerwachte  hellenische  Bewusstsein  und  den 
hellenischen  Purismus  Rohde,  a.  a.  0.  S.  297  f.  Derselbe  giebt  auch 
S.  293  f.  320  f.  326  f.  sehr  werthvolle  Aufschlüsse  über  den  Gebrauch  des 
Namens  „Sophist",  über  das  Verhältniss  von  Philosophie  und  Rhetorik, 
über  die  Grammatik  im  Dienst  der  Rhetorik  u.  s.  w.,  Aufschlüsse,  die 
für  das  richtige  Verständniss  der  Angriffe  Tatian's  und  seiner  eigenen 
Haltung  belangreich  sind. 

232)  S.  Fabricius-Harles,  Biblioth.  Gr.  VII  p.  93.  Daniel,  Ta- 
tian S.  11  f.    Pape-Benseler,  s.  h.  v. 

233)  C.  42?  Tavta  vfilv,  (6  avÖQsg'^'EkkTjvsg^  6  xata ßdQßdgovq  (piXo- 
GO<pu}y  Tatiavog  avvTha^a,  ysvvfjd^sig  fiev  iv  tf>  tCbv  ^AaavQlotv  y^,  nai- 
ösv&slg  6h  Tt^mtov  ßhv  tä  vfiHega^  ösvtSQOv  6h  azLva  vvv  xriQvtxeiv 
iTiayyikXoiJtat.  Tatian  nennt  sich  also  selbst  nicht  einen  Barbaren,  son- 
dern einen  Anhänger  der  barbarischen  Philosophie  (genau  so  auch  c.  1 
p.  6,  14  sq.).  Das  folgende  yevvTj&slg  xtL  soll  dem  nicht  zur  Erklärung 
dienen,  sondern  der  Sinn  ist  vielmehr  der:  „meine  Bildung  ist  ursprüng- 
lich eine  griechische,  obschon  ich  im  Lande  der  Assyrier  geboren  bin." 
Man  beachte  den  Ausdruck:  iv  x^  xdiv  ^AaavQloJv  yy. 

234)  Dass  an  Assyrien  im  strengen  Sinn  des  Wortes  zu  denken  sei, 
hat  Zahn  S.  268  f.  wahrscheinlich  gema,cht. 

235)  Clem.  Alex.  Strom.  III,  81  p.  547:  Taxiavbv  olf/at  xbv  Svqov. 
Epiphan.,  h.  46,  1:  (Taxiavog)  ^v  fihv  Svgog  xo  yivog^  iog  r)  elg  ^(läg 
ikß^ovccc  yvwatq  ne^iij^si,    Ireaneus  und  Eusebius  sagen  nichts  hierüber. 


202  I^i^  Oratio  des;  Tatian. 

mit  Recht  auf  Tatian  belogen  hat^^*^),  einen  aus  dem  Lande 
der  Assyrier  stammenden  Mann,  und  es  liegt  bei  der  häufigen 
Verwechselung  von  Syrien  und  Assyrien  nahe  anzunehmen,  dass 
jenes  „der  Syrier'*  aus  dem  von  Tatian  selbst  gebrauchten  Aus- 
druck entstanden  ist.  Woher  aber  Epiphanias  seine  Kunde 
geschöpft  hat,  wissen  wir  nicht.  Vielleicht  aus  derselben  Ueber- 
lieferung,  die  ihm  auch  zugetragen  hat,  dass  Einige  das  Dia- 
tessaron  Hebräerevangeliura  nennen.  Wie  wenig  auf  die  An- 
gabe des  Clemens  und  Epiphanius  hier  zu  geben  ist,  lehrt 
das  Selbstzeugniss  Justin's  des  Märtyrers  wie  auch  die  Trädi^ 
tion  über  ihn.  Justin  entstammte  ohne  Zweifel  einer  griechi- 
schen Familie  in  Flavia  Neapolis  (sein  Vater  hiess  Friskus,  sein 
Grossvater  Bakchius),  und  er  ist  in  dem  hellenischen  Glauben 
erzogen  worden.  Trotzdem  rechnet  er  sich  Dial.  120  lin.  in 
das  Volk  der  Samariter  ein^^''),  weil  er  geborener  Samariter 
ist 2^^).  In  demselben  Capitel  nun,  wo  Epiphanius  den  Tatian 
einen  Syrer  nennt,  bezeichnet  er  den  Justin  nicht  nur  mit  den- 
selben Worten  als  Samariter,  sondern  unterstellt  sogar,  wie  es 
scheint,  dass  Justin  sich  von  der  samaritischen  Religion  zum 
Christenthum  bekehrt  habe 2'-^^).  Unter  solchen  Umständen  wird 
man  es  für  mehr  als  gewagt  halten  müssen,  mit  Zahn  anzu- 
nehmen, Tatian  sei  ein  in  Assyrien  geborener  Westsyrer  ge- 
wesen, weil  Clemens  und  Epiphanius  ihn  einen  Syrer  nennen. 
Bis  nicht  neue  Quellen  entdeckt  werden,  hat  man  festzuhalten: 
Tatian  war  ein  in  Assyrien  geborener  Grieche,  der  eben  dess- 
halb  von  Einigen  ein  Syrer  genannt  worden  ist. 


236)  Strom.  I,  11  p.  322. 

237)  Ovöe  yäg  dnb  rov  yivovg  rov  ißov,  Xsyv}  ös  rtSv  SafxuQewv 
xxX.    Auf  Apol.  II,  15  init.  möchte  ich  mich  nicht  berufen. 

238)  Hiernach  erledigt  nich  die  Bemerkung  Zahn 's  (a.  a.  0.  S.  270): 
„Mir  wenigstens  ist  es  völlig  unbekannt,  daes  man  um  jene  Zeit  die  in 
Syrien  geborenen  oder  wohnenden  Griechen  oder  Körner  „Syrer"  genannt 
hätte."  Mail  wird  den  }3ewei3  speciell  für  Syrien  nicht  mehr  zu  führen 
brauchen.  Haben  sich  doch  selbst  die  in  der  Diaspora  geborenen  Juden 
in  Jerusaleni  in  Genossenschaften  zusammengethan,  die  sich  nach  dem 
Geburtslantio  benannten  (Act.  (5.  9).  In  Act.  4,  36  wird- Barnabajä  „Jiv- 
€iti]Q  KvrcQioQ  TV)  yivei"  genannt. 

289)  11.  46,  J:  6  ^loiailvoi;  ^^ocjiiapeiztjq  »Jv- t6  yivog.  (iovativu))  rd) 
and  ^a[xaofiiü}v  tlg  X^iutoy  ntnioitvxoxi. 


Chronologisches  als  Einleitung.  203 

4)  Kehren  wir  nach  dieser  notliigcn  Abschweifung  zur 
Chronologie  zurück.  Wir  besitzen  für  dieselbe  nocb  folgende 
üaten : 

a)  In  dem  1.  Buch  adv.  liaer.  c.  28,  1  (geschrieben  um  das 
Jahr  185)  und  zwar  in  dem  Ketzerkatalog  kommt  Irenaeus, 
nachdem  er  von  Marcion  gehandelt,  auf  verschiedene  eklek- 
tische christlicbe  Partheien  und  Schulen  zu  sprechen.  Aut  sa- 
tornilische  und  marcionitische  Einflüsse  führt  er  eine  Richtung 
zurück,  die  unter  dem  Namen  Enkratiten  bekannt  sei.  Sie 
verkündigen  Ehelosigkeit,  enthalten  sich  des  Fleischgenusses, 
setzen  überhaupt  die  Schöpfungsordnungen  Gottes  herab  und 
lehren  speciell  die  ewige  Verdammniss  Adam's.  Doch  letzteres 
erst  seit  kurzer  Zeit.  „Ein  gewisser  Tatian  hat  zuerst  diese 
Blasphemie  aufgebracht."  V^on  ihm  berichtet  nun  Irenaeus, 
dass  er  ein  Hörer  des  Justin  gewesen  sei  und  nichts  derglei- 
chen verkündigt  habe,  solange  er  mit  jenem  zusammen  war; 
nach  dessen  Märtyrertode  erst  sei  er  von  der  Kirche  abgefallen 
und  habe,  aufgeblasen  und  verblendet  durch  die  Meinung,  er 
sei  ein  besonders  vorzüglicher  Lehrer,  eine  eigenartige  Lehr- 
fassung aufgestellt  ^^^) ;  „abereinstimmend  mit  den  Valentinianern 
nämlich  fabelte  er  von  gewissen  unsichtbaren  Aeonen,  ähnlich 
wie  Marcion  und  Saturnin  nannte  er  die  Ehe  eine  das  (ewige) 
Verderben  bringende  Hurerei;  den  Widerspruch  gegen  die  Selig- 
keit Adam's  fügte  er  dem  von  sich  aus  hinzu''.  Im  3.  Buch 
c.  23  polemisirt  dann  Irenaeus  sehr  ausführlich  gegen  diese 
Sondermeinung  Tatian's  und  nennt  ihn  selbst  (§  8)  .,connexio 
omnium  haereticorum"  '^^^). 


240)  Der  griechische  Ausdruck  (bei  Euseb.  IV,  29)  lautet:  i6iov  xa- 
gaxTTJga  öiöaaxaXeiov  övvFati^aaxo.  Die  nächstliegende  Bedeutung  von 
ötSaaxaXstov  ist  „Schule",  und  dafür  spricht  der  Gegensatz  zu  dem 
anoaxag  xriq  ixxkrjoiag,  ferner  das  vorhergehende  ol^/xazi  SiSacxaXov 
und  auch  das  Verbum  ovvsari]0(xzo.  Dennoch  halte  ich  mit  Zahn  (a.  a. 
0.  f.  284  n.  2)  die  üebersetzung  „Lehre"  für  möglich;  denn  nicht  nur 
macht  das  „i'öiov  xtxQaxtriQa'*  diese  wahrscheinlicher,  sondern  noch  mehr 
legen  die  folgenden  Participia  ßvd-o?.oyriaac:  • —  dvayogevoaq  —  noirjad- 
fxevoq  nahe,  dass  Irenaeus  von  der  Lehre  Tatian's  hier  sprechen  wollte. 

•  241)  Möglich  ist,  wie  Zahn  (Gott.  Gel.  Anz.  1873  S.  1554  f.)  ent- 
deckt hat,  dass  auch  in  IIl,  2, 1  von  Irenaeus  gegen  Tatian  polemisirt 
worden  ist. 

V 


204  -^i®  Oratio  des  Tatian. 

Für  diesen  Bericht  des  Irenaeus  ist  folgendes  zu  beachten: 
1)  Justin  wird  von  ihm  als  ein  Bekannter,  Tatian  als  ein  Unbe- 
kannter eingeführt,  2)  die  bestimmte  Nachricht,  dass  Tatian  erst 
naph  dem  Tode  des  Justin  von  der  Kirche  abgefallen  sei,  darf  man 
um  so  sicherer  hinnehmen,  als  Irenaeus  die  Art  des  Verhältnisses 
der  Beiden  niqjit,  wie  die  späteren  Berichterstatter,  übertreibt  und 
ferner  um  die  angegebene  Zeit  resp.  etwas  früher  höchst 
wahrscheinlich  selbst  inRom  anwesend  gewesen  ist^^^^. 
Dann  aber  wird  man  auch  den  Ausdruck  „aTioGtag  Ting  iyi/.lr]' 
oiag''''  nicht  als  eine  blosse  Floskel  hinnehmen  dürfen,  sondern 
vielmehr  an  einen,  wenn  auch  von  langer  Hand  vorbereiteten, 
offenkundigen  Bruch  Tatian 's  mit  der  Kirche  zu  denken  haben, 
der  in  Rom  nicht  früher  als  im  J.  163  und  spätestens  wenige 
Jahre  nach  167  erfolgt  ist.  Von  der  Stiftung  einer  eigenen 
Secte  durch  Tatian  sagt  Irenaeus  vielleicht  nichts  bestimmtes, 
aber  was  er  berichtet,  ist  davon  nicht  wesentlich  verschieden. 
Die  Parthei  der  Enkratiten  hat  seine  Lehre  von  der  Verdam- 
mung Adam's  aufgenommen  und  dadurch  ihre  bisherige  Son- 
derstellung neben  der  Kirche  noch  verschärfte*^).  Ist  nun 
Tatian  unstreitig  Lehrer  gewesen  und  eben  als  Lehrer  aus  der 
Kirche  ausgetreten,  so  wird  sein  Erfolg  bei  den  Enkratiten 
schwerlich  ein  unbeabsichtigter  gewesen  sein  —  mit  einem  Wort: 
Tatian  wurde  als  Apostat  ein  einflussreicher  Führer  der  römi- 
schen Enkratiten.  Nun  zeigt  uns  zwar  die  Schilderung  des 
Irenaeus  invito  auctore  diese  Parthei  durchaus  nicht  als  eine 
gnostische  —  einem  strengen  theoretischen  Diialismus  haben 


242)  Die  chronologischen  Ausführungen,  welche  Zahn  in  der  Real- 
encyklop.  f.  prot.  Theol.  2.  Aufl.  VII  S.  134  f.  über  das  Leben  des'Ire- 
naeus  gegeben  hat,  scheinen  mir  in  hohem  Grade  wahrscheinlich.  Sie 
bestätigen  sich  aber  noch  durch  manche  Beobachtungen,  die  der  Verf. 
in  dem  Rahmen  eines  Artikels  nicht  hat  anführen  können.  Irenaeus  ist 
über  die  Zeit  des  Anicet  in  Rom  gut  berichtet,  dagegen  weiss  er  von  der 
Folgezeit  sehr  wenig.  So  ist  ihm  zwar  Marcellina  noch  bekannt,  aber 
nicht  Apelles  u.  s.  w. 

243)  Dieser  genaue  Bericht  über  die  Enkratiten  zeigt  wiederum,  dass 
Irenaeus  hier  gut  orientirt  ist.  Dass  Tatian  nicht  „Stifter"  der  Enkra- 
titen gewesen  ist,  geht  auch  daraus  hervor,  dass  in  der  ältesten  Streit- 
schrift wider  sie  (von  Musanus)  sein  Name  gar  nicht  erwähnt  war.  Erst 
Eusebius  hat  ihn  zum  Anführer  der  Enkratiten  gemacht  (h.  e.  IV,  28). 


Chronologisches  als  Einleitung.  205 

sie  ohne  Zweifel  nicht  gehuldigt  —  ^44^^  .^{^^q^  q[q  erschien  doch 
den  Zeitgenossen  als  eine  solche,  weil  in  ihr  der  absolute  ün- 
werth  der  materiellen  W  elt  hehauptet  und  auch  zwischen  dem 
Schöpfergott  und  dem  höchsten  Gott  unterschieden  wurde  2^^). 
Beachtet  man  dazu,  dass  die  ausdrückliche  Verwerfung  der  Ehe 
auch  im  socialen  Lehen  eine  unüberwindliche  Scheidewand 
zwischen  den  Kirchlichen  und  diesen  Enkratiten  aufrichten 
musste,  so  darf  man  mit  Bestimmtheit  sagen,  dass  Tatian  nicht 
mehr  für  die  Kirche  und  in  deren  Dienst  arbeiten  konnte,  nach- 
dem er  Enkratit  geworden  war,  und  dass  umgekehrt  diese  das, 
was  von  ihm  kam,  als  für  sie  nicht  existirend  betrachten  musste  2^^). 
So  aber  nicht  allein  in  Rom,  sondern  überall  in  der  Christen- 
heit. Der  Abfall  eines  einst  angesehenen  christlichen  Lehrers 
musste  mindestens  überall  dort  bekannt  werden,  wo  man  die- 
sen selbst  kannte,  umgekehrt  war  Tatian  am  wenigsten  der 
Mann,  Unterschiede  und  Gegensätze  zu  vertuschen.  Seit  seinem 
Abfalle  war  er  von  der  Kirche  getrennt,  galt  als  eine  connexio 
haereticorum ,  hat  daher  auch  nicht  mehr  für  die  Kirche,  sei 
es  nun  im  Ost,  sei  es  im  West,  wirken  können.  Diese  Aus- 
führung wäre  nicht  nothwendig  geworden,  hätte  nicht  Zahn 
eine  Schilderung  des  Bruches  Tatian's  mit  der  Kirche  und 
seiner  Folgen  entworfen,  welche   denselben  als  völlig  harmlos 


244)  Das  geht  auch  aus  den  Fragmenten  der  späteren  Schriften  Ta- 
tian's  hervor. 

245)  S.  Tatian's  „Probleme"  und  die  Fragmente.  Irenaeus  weiss 
übrigens  (III,  23,  8)  von  „auditores"  Tatian's,  von  solchen,  „qui  ab  eo 
sunt". 

246)  In  meiner  Habilitationsschrift  „De  Apellis  gnosi  monarchica" 
habe  ich  p.  88 — 90  auf  die  grosse  Verwandtschaft  hingewiesen,  welche 
zwischen  Apelles  und  dem  späteren  Tatian  besteht.  Ich  wüsste  an  dem 
dort  Ausgeführten  nur  weniges  zu  ändern.  Hinzuzusetzen  wäre  nur,  dass 
auch  bei  Tatian  wie  bei  Marcion  und  Apelles  durch  Rückgang  auf  das 
paulinische  Christenthum  die  eigenen  Lehren  bewiesen  werden 
sollen.  Unter  Berufung  auf  Paulus  sind  die  „Antithesen"  Marcion's,  die 
„Syllogismen"  des  Apelles,  die  „Probleme"  des  Tatian  gesehrieben  wor- 
den. Unter  solchen  Umständen  ist  vielleicht  doch  die  Nachricht  im 
SchoHon  44  ad  ep.  Hieron.  ad  Avitum  des  Victorinus  nicht  ganz  zu  ver- 
achten, Apelles  sei  auditor  des  Tatian  gewesen.  Jedenfalls  aber  verdient 
die  sichere  Beobachtung,  dass  Tatian  als  Häretiker  Hyperpauliner  ist,  mehr 
Beachtung  als  ihr  bisher  in  der  Dogmengeschichte  geschenkt  worden  ist. 


206  ^^^  Oratio  des  Taiian. 

darstellt.  „Er  wollte  der  Kirche  iuigcliören  und  dienen,  aber 
in  Freiheit.  Es  zog  ihn  zu  den  Barbaren  des  Ostens,  wo  es 
noch  keine  durch  Generationen  von  Bischöfen  gepflegte  con- 
ventionelle  Orthodoxie  gab."  ,,Es  musste  Tatian  schwerer  als 
Anderen  werden,  sich  in  Bezug  auf  seine  Bechtgläubigkeit  ver- 
dächtigt zu  sehen,  aber  auch  ^eine  Yerirrung  einzugestehn." 
Aber  um  Orthodoxie  oder  Heterodoxie  hat  es  sich  nicht  allein 
gehandelt,  sondern  um  das  schwerer  wiegende  sociale  Problem, 
welche  Stelluiig  die  Gemeinden  zum  gemeinen  Leben  einzu- 
nehmen haben.  Wer  in  Beantwortung  desselben  zum  schroff- 
sten practischen  Dualismus  fortschritt,  diesem  aber  dazu  noch 
ein  theoretisches  Fundament  unterlegte,  der  gab  sich  mit  der 
grossen  Kirche  überhaupt  nicht  mehr  ab,  und  diese  nicht  mehr 
mit  ihm.  Jenes  rührende  Bild,  welches  Zahn  S.  289  f.  uns 
vorgeführt  hat,  von  dem  im  Alter  erst  vernünftig  und  besonnen 
gewordenen  Tatian,  der,  nachdem  ihm  Rom  und  das  Abend- 
land verleidet  worden  ist,  in  sein  fernes  Heimathland  zurück- 
kehrt, um  nach  schmerzlichen  Erfahrungen  endlich  sich  an  der 
„positiven  Arbeit"  zu  betheiligen,  seine  Kritik  an  den  Nagel  zu 
hängen,  auch  „mit  der  kirchlichen  Sitte  .sich  nicht  mehr  zu 
befassen",  —  dieses  Bild  ist  nichts  als  eine  Phantasie.  Die  Ge- 
schichte kennt  einen  solchen  Mann  nicht,  sondern  lediglich 
den  energischen  Christen,  der  der  grossen  Kirche  und  ihrer 
Weltförmigkeit  den  Rücken  gekehrt  hat;  und  sie  weiss  nichts 
davon,  dass  er  nach  dieser  Wendung  es  nachmals  doch  „nicht 
für  seine  Aufgabe  gehalten  hat,  seine  Sonderlehren  zu  ver- 
breiten", sondern  vielmehr  „eine  Volkskirche  in  ihrer  ersten 
Entwicklung  zu  fordern"  bestrebt  gewesen  sei.  Also  der  Mann, 
welcher  jede  geschlechtliche  Vereinigung,  auch  die  eheliche, 
als  Aussaat  des  ewigen  Verderbens  brandmarkt,  soll  nachträg- 
lich und  ohne  seine  Sondermeinungen  aufzugeben  der  Förderer 
einer  Volkskirche  gewesen  sein!  Welche  Vorstellung  macht 
man  sich  von  den  Asketen  der  alten  Kirche,  die  mit  ihrer 
Mutter,  der  Kirche,  gebrochen  haben,  und  welche  Vorstellung 
macht  man  sich  von  der  Kirche  gegenüber  solchen  Apostaten! 
Es  ist  überflüssig,  hier  noch  ein  weiteres  Wort  der  Widerlegung 
hinzuzufügen.  Die  Idrchliche  Wirksamkeit  des  Tatian  schhesst 
nach  Irenaeus  bald  nach  dem  Tode  des  Justin.  Vorher  ist 
Tatian  längere  Zeit  mit  Justin  in  Rom  oder  vielleicht  auch  im 


Chronologisches  als  Einleitung.  207 

Orient  —  Justin  selbst  hat  Rom  zwischen  152  und  -h  165  ver- 
lassen —  zusammengewesen. 

b)  In  seiner  Schritt  gegen  die  Häresie  des  Marcion  hat 
der  Kleinasiat  Rhodon  bekannt  (Euseb.,  h.  e.  V,  13,  1.  8),  dass 
er  zu  Rom  Schüler  des  Tatiau  gewesen  sei;  er  berichtet 
ferner,  dass  Tatian  ein  Buch  unter  dem  Titel  „Probleme"  ge- 
schrieben habe;  in  diesen  „Problemen"  sollte  die  ündeutlich- 
keit  und  Dunkelheit  der  göttlichen  Schriften  vor  Augen  ge- 
führt werden;  er,  Rhodon,  aber  wolle  dieses  Buch  widerlegen, 
resp.  die  Lösung  der  hier  aufgestellten  Probleme  geben.  Achtet 
man  auf  das  ,,6fioloysl'  cpr^ai  df'*  bei  Eusebius  (§  8),  so.  wird 
es  wahrscheinlich,  dass  Rhodon  Schüler  des  Tatian  gewesen 
ist,  als  dieser  bereits  ausserhalb  der  Kirche  stand.  Tatian  ist 
also  nach  seinem  Bruche  mit  der  Kirche  noch  in  Rom  geblie- 
ben und  hat  dort  weiter  geschriftstellert.  Dazu  fügt  sich,  dass 
ja  auch  Irenaeus  mindestens  ein  heterodoxes  Werk  desselben 
in  Händen  gehabt  hat^'*'^). 

c)  Eusebius  hat  nicht  in  der  Kirchengeschichte,  wohl  aber 
in  der  Chronik  ein  chronologisches  Datum  für  Tatian  mitge- 
theilt.  Ad  ann.  Abr.  2188  -=  171  p.  Chr.  (M.  Aurel  XII.  = 
März  172 — 173)  ist  vermerkt:  „Tatianus  haereticus  agnoscitur, 
aquo  Encratitae"^'*^).     Eusebius  hat   die   erste   Hälfte   dieser 


247)  Es  ist  schwerlich  zufällig,  dass  der  Mann,  welcher  zeitweilig  Schü- 
ler des  Tatian  war,  dann  ihn  aber  zu  widerlegen  verhiess  (Rhodon), 
sich  auch  mic  Apelles,  dessen  Christenthuni  dem  des  Tatian  so  verwandt 
gewesen  ist,  eingehend  befasst  hat.  Dies  wird  freilich  noch  verständ- 
licher, wenn  Apelles  wie  Rhodon  auch  zeitweilig  Hörer  des  Tatian  ge- 
wesen wäre  (s.  oben).  —  Die  Beschreibung  des  Problemenbuches  bei 
Sixfcus  von  Siena.(B.  S.  IV  p.  380):  „insigne  propositionum  et  quaestio- 
nura  volumen,  in  quo  onmia  «iuae  in  S.  S.  obscura  et  difficilia  sunt,  re- 
stituit"  stammt  aus  einem  Missverständniss  des  Rufin.  Zahn  unterstellt 
(S.  286),  das  Buch  habe  lediglich  ..gewagte  und  unerbauliche  Ansichten 
eines,  nicht  eben  orthodoxen  Schriftstellers"  enthalten!  Als  ob  nicht 
schon  der  Titel  „Probleme"  genug  besagte! 

248)  So  Hieronymusj  im  Arm.  fehlt  die  Notiz.  Sie  ist  aber  auch 
durch  das  Chron.  pasch,  I,  480  bezeugt.  Daher  ist  sie  für  eusebianisch 
zu  halten  (so  Zahn,  a.  a.  0.  S.  282  n.  2,  der  mit  Recht  darauf  aufmerk- 
sam macht,  dass  Tatian  bei  den  Syrern  eben  nicht  als  Ketzer  galt,  wess- 
halb  die  Notiz  gestrichen  sei).  Hat  sie  bei  Eusebius  ad  ann.  XU.  M. 
Aurelii  gestanden,  so  war  sie  auch  richtig  auf  172  p,  Chr.  datirt. 


208  I^iß  Oratio  des  Tatian. 

Angabe  hockst  wahrscheinlich  der  Chronik  des  J.  Africanus 
entnommen,  die  zweite  aus  eigenen  Mitteln  hinzugefügt 2^^). 
Das  Datum  fügt  sich  recht  wohl  zu  der  Mittheilung  des  Ire- 
naeus,  dass  Tatian  nach  dem  Tode  des  Justin  von  der  Kirche 
abgefallen  sei.  Ein  so  bestimmtes  Datum  aber  iässt  voraus- 
setzen, dass  auch  ein  bestimmtes  Ereigniss,  welches  Aufsehen 
erregte,  stattgefunden  hat.  Wir  dürfen  somit  annehmen,  dass 
einige  Jahre  nach  dem  Tode  Justins  im  Jahre  172  zu  Rom 
unter  Soter  der  Bruch  des  Tatian  mit  der  Kirche  erfolgt  ist. 
d)  Chronologische  Bestimmungen  bringt  schliesslich  noch 
Epiphanius  (h.  46,  1)  über  Tatian's  Leben.  Zur  Beurtheilung 
derselben  ist  zu  beachten,  dass  Epiphanius  die  Ausführungen 
bei  Irenaeus,  resp.  bei  Eusebius  gekannt  hat.  Er  bemerkt  zu- 
erst, dass  Tatian  gleichzeitig  mit  Justin  gelebt  —  hier  folgt 
die  confuse  Angabe  über  das  Datum  des  Todes  Justin's  — 
und  sich  trefflich  bewährt  habe,  so  lange  er  im  Verkehr  mit 
diesem  gestanden  sei.  Nach  dem  Martyrium  des  Apologeten 
aber  sei  Tatian  wie  ein  Blinder  ohne  Führung  in  die  Grube 
gestürzt.  „Er  war  von  Geburt  ein  Syrer,  wie  man  uns  berichtet 
hat;  aber  seine  Schule  richtete  er  anfangs  in  Mesopotamien 
auf,  ungefähr  um  das  12.  Jahr  des  Antoninus,  der  den  Bei- 
namen „der  fromme  Kaiser''  führt.  Nach  dem  Tode  des  heil. 
Justin  nämlich  verliess  er  Eom,  ging  in  den  Orient,  Hess  sich 
dort  nieder,  verfiel  einem  Irrglauben  und  führte  nun  in  Weise 
der  valentinianischen  Fabeln  gewisse  Aeonen,  Principien  und 
Emanationen  ein".  Epiphanius  ist  der  einzige  Gewährsmann 
dafür,  dass  Tatian  nach  dem  Tode  Justin's  in  den  Orient,  nach 
Mesopotamien,  gegangen  sei  und  dort  eine  Schule  gegründet 
habe.  Die  Nachricht  ist  aber  mit  zwei  offenkundigen  Irrthü- 
mern  verknüpft.  Erstens  nämlich  soll  Tatian  erst  in  Mesopo- 
tamien Irrlehrer  geworden  sein  —  wir  wissen  aber  durch  Rho- 
don  imd  Irenaeus,  dass  dies  nicht  der  Fall  gewesen  — ,  zwei- 
tens datirt  Epiphanius  die  Eröffnung  der  häretischen  Schule 
Tatian's  in  Mesopotamien  auf  die  Zeit  um  das  12.  Jahr  des 
Pius  (149 — 150);  damals  hatte  aber  der  Apologet  noch  nicht 
einmal  seine  Griechenrede  verfasst.    Es  ist  nun  allerdings  wahr- 


249)  Den  Beweis   für    diese  Behauptung  vermag  ich   hier  nicht  zu 
geben;  s.  übrigens  oben  S.  143. 


Clironologisclies  als  Einleitung.  209 

sclieinlich,  wie  schon  \on  Anderen  bemerkt  ist,  dass  der  An- 
gabe „ann.  XII.  Antonini  Pii"  die  andere  „ann.  XII.  Antonini 
Veri"  zu  Grunde  liegt,  da  ja  Epiphanius  den  Tod  des  Justin 
fölsclilicli  unter  Hadrian  angesetzt  hatte,  also  fast  gezwungen 
war,  dem  Marc  Aurel  den  A.  Pius  zu  substituiren.  Aber  da- 
mit ist  das  nicht  erewonnen,  was  Zahn^-^^^)  für  erreicht  hält. 
Dieser  Gelehrte  nimmt  zwei  von  einander  direct  nicht  abhängige 
Traditionen  an:  die  eine  (bei  Eusebius),  nach  welcher  Tatian 
172/3  mit  der  Kirche  gebrochen  hat,  die  andere  (bei  Epipha- 
nius), nach  der  Tatian  vielmehr  in  diesem  Jahre  seine  Schule 
in  Mesopotamien  (Edessa)  eröffnet  hat;  „offenbar"  sei  aber  der 
zweiten  Ueberlieferung  der  Vorzug  zu  geben.  Man  wird  es 
zunächst  nicht  für  methodisch  halten  können,  ein  chronologi- 
sches Datum,  wenn  nicht  dringende  Gründe  vorliegen,  so  zu 
construiren,  dass  man  aus  zwei  Berichten  je  eine  Hälfte  aus- 
scheidet, aus  dem  einen  aber  sich  die  Zahl,  aus  dem  anderen 
das  Ereigniss  abstrahirt.  Man  wird  es  aber  als  unqualificirbar 
beurtheilen  müssen,  wenn  man  gewahrt,  dass  das  Ereigniss 
selbst  genau  in  sein  Gegentheil  umgesetzt  wird.  Nach  Epi- 
phanius erfolgte  ann.  XII.  Anton,  die  Eröffnung  der  häretischen 
Schule  in  Mesopotamien,  nach  Zahn  begann  damals  die  För- 
derung der  syrischen  Volkskirche  durch  Tatian!  Aber  die  ganze 
Voraussetzung  ist  zu  beanstanden.  Liegt  dem  Datum  bei  Epi- 
phanius das  Datum  ann.  XII.  M.  Aurel.  (so  Eusebius)  zu  Grunde, 
so  hat  man,  bis  nicht  Gegengründe  vorgebracht  werden,  ein- 
fach anzunehmen,  dass  eben  Eusebius  die  Quelle  für  Epipha- 
nius hier  gewesen  ist.  Dies  wird  aber  desshalb  noch  ganz  be- 
sonders wahrscheinlich,  v^^eil  Epiphanius  die  Gründung  der 
Schule  in  Mesopotamien  nicht  bestimmt  auf  das  12.  Jahr  des 
Antoninus  verlegt,  sondern  den  unsicheren  Ausdruck  (og  tteql 
To  iß'  bzog  gebraucht  hat.  Man  'sieht  hier  deutlich,  Epiphanius 
hatte  ein  Datum  und  ein  ihm  wichtiges  Ereigniss  aus  der  Tradi- 
tion zur  Verfügung,  die  er  beide  in  seiner  Weise  mit  einem 
gewissen  Vorbehalt  mit  einander  verbindet. 

Die  einzige  brauchbare  Angabe  bei  Epiphanius  über  Ire- 
naeus  und  Eusebius  hinaus  ist  also  die,  dass  Tatian  als  Christ 
von  Rom   nach  Mesopotamien   gegangen    ist.    Wann   das    ge- 


25Ü)  A.  a.  0   S.  282  f. 

Texte  und  Untersuchunfren.  ]4 


210  ^^^  Oratio  des  Tatian, 

schehen  ist,  darüber  lässt  sich  direct  gar  nichts  sagen;  denn 
die  Behauptung  des  Epiphanius,  die  Uebersiedelung  habe  nach 
dem  Tode  Justin's  stattgefunden,  fällt  mit  seiner  ganzen  Con- 
struction.  Man  ist  also  auf  Vermuthungen  angewiesen;  diese 
Vermuthungen  sind  aber  der  Annahnje,  dass  die  Uebersiedelung 
zwischen  den  Jahren  152 — 172  erfolgte  und  keine  definitive 
gewesen  ist,  ungleich  günstiger  als  der  anderen,  dass. Tatian 
sich  erst  nach  dem  Jahre  172  3  von  Rom  aus  zu  dauerndem. 
Aufenthalt  in  den  Orient  begeben  hat. 

1)  Als  Tatian  seine  Oratio  c.  152  verfasste,  hatte  er  Rom 
bereits  verlassen  (s.  oben).  Also  fällt  in  die  Jahre  152 — 172 
jedenfalls  eine  Abwesenheit  von  Rom.  Die  Zeit  aber  bis  zum 
Tode  Justin's  (103 — 167)  ist  gross  genug,  um  für  ein  längeres 
Wirken  im  Orient  und  auch  für  einen  erneuten  Verkehr  mit 
Justin  m  Rom  Raum  zu  lassen  ^^^).  Justin  ist  ja  selbst  zwi- 
schen c.  152  und  seinem  Todesjahr  auf  längere  Zeit  im  Orient 
gewesen  ^^2). 

2)  Im  Abendland  und  in  Aegypten  war  Tatian  als  Häretiker 
seit  c.  180  bekannt  (s.  Rhodon,  Irenaeus,  Tertullian,  Clemens, 
Origenes);  im  Orient  dagegen,  speciell  in  der  syrischen  Kirche, 
weiss  man  von  seinen  Häresien  fast  nichts.  Im  Abendland 
und  in  Aegypten  werden  seine  häretischen  Werke  gelesen  und 
widerlegt;  im  Orient  kennt  man  sie  nicht,  wo  man  aber  in 
einem  Buche  ihn  als  Häretiker  bezeichnet  fand,  da  strich  man 
solche  Notiz  einfach  aus.  Der  nächstliegende  Schluss  ist  also 
doch  wohl  der,  dass  Tatian  als  Häretiker  nicht  in  Syrien,  son- 
dern im  Äbendlande  gewesen  ist,  und,  wenn  er  als  Christ  in 
Syrien  oder  noch  weiter  im  Osten  gewirkt  hat,  dort  von  der 
Grosskirche  nicht  getrennt  war.  Welch'  künstliche  Combinatio- 
nen  und  UnwahrscheinMchkeiten  hat  Zahn  nöthig,  um  diesem 
seine  ganze  Auffassung  vernichtenden  Argumente  zu  entgehen  1 
Da  muss  Tatian  geradezu  eine  zweite  Wandelung  durchmachen, 
muss  auf  seine  Sonderlehren  verzichten  und  „der  Kirche  dienen, 
von  der  er  sich  nie  getrennt  hatte'*! 

251)  Die  Annahme  eines  aolchen  ist  aber  in  Wahrheit  nicht  einmal 
gefordert.  Hat  Tatian  um  das  Jahr  150  längere  Zeit  gemeinsam  in  Rom 
mit  Justin  zugebracht,  so  Ist  damit  der  Angabe  dea  Irenaeus  —  und  auf 
ihn  gehen  die  Berichte  zurück  —  Genüge  gethan. 

252)  S.  d.  Dialog  mit  Trypho  und  Acta  Just.  3. 


Chrono] ogisclies  als  Einleitung.  211 

3)  Epiphanius  (].  c.)  schreibt  also  von  Tatian:  Kai  rjv  ^ifv 
^VQog  To  yh'og^  lug  ?;  sig  ij/iag  tldoioa  yvcuoig  7reQir/£i.  z6  Ss 
avTov  öidaoxaXslov  nQOEarrjoaxo  an  aQX^jQ  h^^  ^^  ^f]  ^^^^^f] 
Tiov  UoTaficüv  fug  jnnl  to  iß'  erog  lAvrcovivov  t.  evoeß.  -AaiG. 
FTHY.Xrjdn'Tog.  ^Atto  ^Pojf.ir]g  yaQ  /nza  ttjv  tov  ay.  ^lovürivov 
reliicooiv  xtI.  Man  gewahrt  leicht,  dass  dem  a/r^  ocQxrjg  f(tP 
in  dem  folgenden  nichts  entspricht.  Nun  folgt  aber  später  der 
Satz:  To  öi  nXeiOTov  zov  avxov  TtrjQvy/Liarog  ano  ^^vTioyeiag 
TTJg  TToog  JuffVTjv,  Y,al  enl  t«  tojv  Kilr/.iov  ^tigrj^  Im  nXeiov 
de  Bv  xfi  fltoiöia  tAQarvvev^  und  es  ist  wahrscheinlich,  dass 
Epiphanius  ihn  schon  im  Sinne  hatte,  als  er  von  der  Eröffnung 
der  Schule  in  Mesopotamien  berichtete.  Immerhin  scheint  er 
den  Aufenthalt  daselbst  nicht  für  einen  definitiven  gehalten  zu 
haben,  sonst  hätte  er  schwerlich  an  agx^g  f^^^  geschrie- 
ben. Indessen  will  ich  bei  der  confusen  Schreibweise  des  Epi- 
phanius auf  diese  Beobachtung,  nichts  gebaut  haben.  LehiTeich 
ist  nur,  dass  Tatian's  häretische  Wirksamkeit  in  Mesopotamien 
nicht  nur  nach  Eusebius,  sondern  auch  nach  Ephraem,  nach 
dem  Zeugniss  der  ganzen  syrischen  Kirche,  ohne  jeden  Erfolg 
geblieben  ist.    Wichtiger  aber  ist  noch  folgendes: 

4j  Tatian  war,  als  er  die  Oratio  (c.  152)  schrieb,  ein  Mann 
gereiften  Alters.  In  fieser  „Rede"  spricht  ein  Philosoph  zu 
uns,  der  die  Welt,  die  Weltweisheit  und  die  Menschen  kennen 
und  verachten  gelernt  hat.  Zahn  selbst  nimmt  (S.  284)  dess- 
halb  an,  dass  Tatian  schwerlich  später  als  c.  110  geboren  ist. 
Es  war  also  um  172  etwa  im  Anfange  des  siebenten  Jahr- 
zehnt;?. Und  in  diesem  Lebensalter  soll  er  nach  Mesopotamien 
gegangen  sein  —  das  ist  natürlich  an  sich  nicht  unwahrschein- 
lich — ,  nein,  eine  neue  dritte  Epoche  seines  Lebens  begonnen, 
die  syrische  Volkskirche  in  ihrer  ersten  Entwicklung  gefördert, 
namentlich  aber  ihrem  Cultus  den  wichtigsten  Dienst  geleistet 
haben?  Wir  werden  auf  Goethe,  aufL.  von  Ranke,  auf  die 
Greise  der  alten  Kirche  von  Johannes  bis  Hosius  verwiesen  253). 
Dagegen  wäre  nur  zu  sagen,  dass  mau  ein  so  hohes,  rüstiges 
Greisenalter  nicht  durch  Vermathungen  feststellt,  sondern  nur  auf 
Grund  einer  zuverlässigen  Ueberlieferung,  femer,  dass  uns  hier 
mehr  zugemuthet  wird,  als  an  ein  ungewöhnliches  hohes  Alter 


253)  Zahn,  a.  a.  0.  S.  284  n.  1. 

14' 


212  -^^^  Oratio  des  Tatian.  * 

in  Kräftigkeit  des  Geistes  zu  glauben.  Wir  sollen  auch  hin- 
nehmen, dass  ein  Mann  in  den  Sechszigen  seine  Sonderlehren 
zurückgestellt  und  eine  ganz  neue  Form  seiner  Wirksamkeit 
begonnen  hat.  Kein  Historiker  wird  aber  so  unvorsichtig  sein, 
solche  entfernte  Möglichkeiten,  wenn  von  solchen  hier  über- 
haupt geredet  werden  darf,  für  geschichthche  Beweise  zu 
nehmen. 

Nach  dem  sub  1.  2.  4  Ausgeführten  wird  man  zugestehen, 
dass  der  von  Epiphanius  allein  berichtete  längere  Aufenthalt 
Tatian's  in  Mesopotamien,  wenn  er  überhaupt  stattgefunden 
hat  —  was  ich  nicht  bezweifeln  will  — ,  höchst  wahrscheinlich 
in  die  Jahre  zwischen  c.  152  und  -f  165  fällt,  d.  h.  in  eine  Zeit, 
wo  Tatian  noch  unbefangen  in  der  Kirche  stand.  Es  ergiebt 
sich  somit  folgendes  Schema  des  Lebensganges  Tatian's  als 
wahrscheinlich  254):  Tatian  ist  in  gereiftem  Lebensalter  nach 
langen  Wanderungen  durch  die  römisch-griechische  Welt  als 
angesehener  Philosopli  2  55)  nach  Rom  gekommen.  Dort  trat  er 
c.  150  zum  Christenthum  über  und  zwar  schloss  er  sich  der 
grossen  Kirche  an.  Er  lernte  Justin  kennen  und  verehren,  er- 
litt mit  ihm  zusammen  die  Anfeindungen  des  Crescens,  die  ihn 
dem  Tode  nahe  brachten,  verliess  aber  Rom  bald  wieder  und 
verfasste  zunächst  für  einen  Kreis  frühereiJBekannter,  aber  unter 
der  Form  einer  Rede  an  die  Griechen  bald  nach  dem  Jahre  152 
eine  Schrift,  in  welcher  er  seinen  üebertritt  motivirte  und  zu- 
gleich der  hellenischen  Cultur  den  Abschied  gab.  Höchst  wahr- 
scheinlich kehrte  er  in  sein  Geburtsland  zurück  und  blieb  dort 
mehrere  Jahre 256).  Aber  wie  den  Justin,  so  zog  es  auch  ihn 
wieder  nach  Rom  zurück.  Wann  er  dorthin  zum  zweiten  Male 
■gekommen  ist,  ist  ungewiss.  Vielleicht  vor  dem  Tode  des 
Justin,  vielleicht  auch  später.    Hier  war  er  anfangs  ein  geehrter 


254)  Hiernach  sind  die  Ztschr.  f.  K.-Gesch.  IV  S.  492  f.  gegebenen 
Andeutungen  zu  vervollständigen,  resp.  zu  berichtigen. 

255)  Orat.  1  p.  6,  15.  Er  war  auch  schon  als  Schriftsteller  aufge- 
treten s.  c.  15  p.  68,  7. 

256)  Aus  der  Geschichte  der  römischen  Provinzen  Mesopota-mia  und 
Assyria  (s.  Marquardt,  Römische  Staatsverwaltung  1873  I  S.  278  f.)  wird 
man  zur  Bestimmung  der  Reise  des  Tatian  nichts  schlicssen  können.  Die 
Wiedereroberung  Mesopotamiens  erfolgte  durch  den  parthlschen  Feldzug 
des  L.  Verus  162—165. 


Chronologisches  als  Einleitung.  213 

Lehrer.  Sehr  bald  aber  bildete  er  seine  schroffe  Denkweise 
weiter  aus,  namentlich  unter  dem  Eindrucke  der  paulinischen 
Briefe  und  unter  Zugrundelegung  des  Gegensatzes  von  Fleisch 
und  Geist.  Er  schritt  zu  Thesen  fort,  die  auf  dem  Boden  der 
grossen  Kirche  unerträglich  waren,  und  bestritt  die  weltförmige 
Lebensweise  der  gemeinen  Christen  grundsätzlich.  So  erfolgte 
im  Jahre  172/3  zur  Zeit  des  römischen  Bischofs  Soter  der  Bruch 
des  Greises  mit  der  katholischen  Kirche.  Die  „Enkratiten"  zu 
Rom  und  bald  auch  auswärts  —  eine  Parthei,  die  so  alt  sein 
mag  als  die  Heidenkirche  —  verehrten  ihn  nun  als  einen  ihrer 
Führer  und  Lehrer,  ja  nahmen  selbst  ein  ihm  eigenthümliches 
Dogma  auf.  Dagegen  mussten  solche  katholische  Theologen, 
die  seine  Schüler  gewesen,  sich  nachträglich  salviren.  Er  selbst 
war  noch  in  dieser  Zeit  d.  h.  c.  170  f.  als  Schriftsteller  thätig 
und  suchte  seine  Ansicht  zu  begründen.  So  schrieb  er  eine 
wesentlich  negative  Schrift  JjQoßlijßaTa,  und  eine  positive: 
TIsQi  tov  Tiara  top  GwzrJQa  ytatagTiafiov.  Wann  und  wo  er  ge* 
storben  ist,  ist  völlig  unbekannt;  aber  nichts  hindert,  anzuneh- 
men, dass  er  bis  zu  seinem  Tode  in  Rom  verblieben  ist.     - 

Ich  gebe  diese  Construction  nicht  als  eine  sichere;  aber 
ich  setze  sie  der  Zahn'schen  als  einer  völhg  unwahrschein- 
lichen und  der,  die  Daniel  gegeben  hat 2^'),  als  einer  jeden- 
falls falschen  entgegen. 

In  welche  Zeit  gehört  aber  das  Diatessaron?  Wir  sind 
Dank  den  gelehrten  Ausführungen  Zahn 's  endlich  im  Stande, 
über  dasselbe  mit  einiger  Sicherheit  zu  urtheilen,  wenn  auch 
dies  ürtheil  in  wichtigen  Punkten  anders  ausfallen  muss,  als 
der  zugeben  wird,  der  sich  bisher  die  grössten  Verdienste  um 
das  Werk  erworben  hat.  Erstlich  —  und  das  scheint  mir  Zahn 
erwiesen  zu  haben  —  ist  das  Werk  kein  häretisches;  es  ist  viel- 
mehr ein  vorkatholisches.  Was  für  jene  Annahme  zu  sprechen 
schien,  hat  sich  bei  näherer  Betrachtung  in  Nichts  aufgelöst. 
Dann  aber  ist  gewiss,  dass  der  Tatian,  welcher  die  Ehe, 
das  Thiere-essen  und  den  Weingenuss  verwarf,  welcher  die 
Probleme  geschrieben  und  den  Gott  des  Gesetzes  vom  Gotte 
des  Evangeliums  getrennt  hat,  dieses  Werk  nicht  zusammen- 
stellte.   Nur  dann  kann  man   darüber  anders  urtheilen,  wenn 


257)  A.  a   0.  S.  55  f. 


214 


Die  Oratio  des  Tatian. 


man,  wie  Zahn  thut,  das  Datum,  welches  für  den  offenkundigen 
Bruch  Tatian's  mit  der  Kirche  überhefert  ist,  als  das  Datum 
nimmt,  von  welchem  ab  er  eine  Volkskirche  in  ihrer  ersten 
Entwicklung  gefördert  haben  soll,  d.  h.  Avenn  man  die  Quellen 
das  Gegentheil  von  dem  sagen  lässt,  was  sie  sagen.  Also  fallt 
die  Abfassung  des  Diatessaron  zwischen  die  Jahre  153  und 
0.  170^^^^).  Zweitens:  ein  Werk,  welches  a)  in  inniger  Ver- 
wandtschaft mit  der  Itala  steht-^'^^),  so  innig,  dass  die 
Verwandtschaft  noch  in  der  syrischen  Form  desselben  durch- 
schimmert, welches  b)  von  einem  unteritalienischen  Bischof  um 
540  in  lateinischer  üebersetzung,  richtiger  Umarbeitung  vorge- 
funden wurde 2ö0)^  welches  c)  auch  von  Griechen  in  byzantini- 
scher Zeit  benutzt  worden  isf^^^),  welches  d)  von  den  Syrern 
stets  mit  dem  o^riechischen  Namen  z/iaTeooagtov  be- 
zeichnet  worden  ist,  von  welchem  endlich  e)  kein  Bericht- 
erstatter jemals  behauptet  hat,  dass  es  syrisch  niedergeschrieben 


•  258)  In  meinem  Aufsätze  über  Tatian's  Diatessaron  (a.  a.  0.  S.  494) 
hatte  ich  geschrieben  ,c.  155  bis  höchstens  175".  Ich  rectificire  beide 
Zahlen  etwas  aus  Gründen,  die  in  den  bisher  gegebenen  Ausführungen 
mitgetheilt  sind.  Die  Zahl  c.  170  und  nicht  172/3  wähle  ich,  weil  Tatian 
vor  seinem  erklärten  Bruch  gewiss  schon  geraume  Zeit  die  Lehren  ver- 
kündet hat,  die  ihn  zu  dem  Bruche  veranlasst  haben.  Zahn  bemerkte 
zu  meinem  Ansätze  (a.  a.  0.  S.  284  n.  1),  dass  „kein  Nachdenkender  ihn 
gelten  lassen  könne",  und  hält  mir  dann  das  Beispiel  L.  von  Ranke's 
vor.  Aber  darauf,  wie  alt  Tatian  geworden  ist,  kommt  es  hier  zunächst 
gar  nicht  an.  Zahn  sollte  zuerst  beweisen,  dass  ein  Häretiker  das 
Diatessaron  geschrieben  hat;  und  zweitens  verständlich  machen,  dass  es 
aus  einer  Zeit  stammt,  in  welcher  man  an  die  wörtliche  Inspi- 
ration der  Evangelien  geglaubt  hat. 

259)  Zahn,  a.  a.  0.  S.  290  u.  passim. 

260)  Zahn,  a.  a.  0.  S  If. ,  meine  Andeutungen,  a.  a.  S.  490.  494. 
Wace  in  „The  Expositor"  1881  Aug   p.  128 sq. 

261)  Zahn,  a.  a.  0.  S.  313  f.  S.  25  f.  Das  „i6  xaO^'  latOQiav  evay- 
ysXiov  .  .  .  Taviavoi)^^  spricht  für  sich,  mag  man  auch  die  zwischenstehen- 
den .sinnlosen  Worte  AiaSoygov  xal  und  die  ebenso  sinnlosen  folgenden 
Wörter  deuten,  wie  man  will,  Zahn  hält  es  für  einen  wohlfeilen  Einfall, 
für  6iaöwQ0v  6ia  d'  zu  conjiren.  Ich  will  mich  für  denselben  auch  nicht 
erwärmen,  erlaube  mir  aber  auf  ÖLaöavgov  ==  öiaöcjgov  hinzuweisen.  Weil 
der  Schreiber  jenen  Ausdiuck  nicht  verstand,  wühlte  er  öiaöioQov  und 
schob  nun  ein  xai  ein. 


Chronologisches  als  Einleitung'.  215 

sei  —  ein  solches  Werk  ist  ursprünglich  griechisch 
ahgefasst  worden.  Zahn  kennt  nicht  nur  diese  Argunviite 
sämmthch,  er  hat  sogar  das  erste  selbst  erst  entdeckt:  trotzd^'m 
entscheidet  er  sich  für  die  Abfassung  des  Diatessaron  in  syri- 
scher Sprache  und  stellt  die  Existenz  einer  griechischen  Recen- 
sion  des  Buches,  Avenn  ich  ihn  recht  verstehe,  überhaupt  in 
Abrede.  Aber  die  Analogien,  die  er  S.  310—313  beigebracht 
hat,  um  wahrscheinlich  zu  machen,  dass  um  das  Jahr  500  ein 
syrisches  Buch  —  und  zwar  ein  Evangelienbuch  —  lateinisch 
bearbeitet  worden  sei,  erweisen  sich  sämmtlich  als  haltlos.  Sie 
reichen  nicht  im  Entferntesten  an  das  heran,  was  hier  bewiesen 
werden  soll.  Selbst  zugestanden,  Eusebius  berichte  von  dem 
Diatessaron  nur  nach  Hören-Sagen262j  und  Theodoret  habe 
nur  syrische  Exemplare  des  Buches  gekannt  und  eingezogen  — 
ist  es  denn  .besonders  auffallend,  dass  wir  in  der  griechisch- 
römischen kirchlichen  Tradition  von  einem  Werke  so  gut  wie 
nichts  hören ,  welches  im  3.  Viertel  des  zweiten  Jahrhunderts 
entstanden  ist  und  einen  Mann  zum  Urheber  hat,  der  seit  dem 
Ausgang  dieses  Jahrhunderts  in  Rom,  in  Lyon,  in  Carthago 
und  in  Alexandrien  für  einen  Häretiker  galt?  Das  Umgekehrte 
wäre  vielmehr  das  Auffallende  ^^^j.  Auf  die  Beobachtung  aber, 
dass  doch  die  Oratio  Tatian's  wenigstens  im  griechischen  Orient 
bekannt  geblieben  ist,  darf  man  sich  nicht  berufen,  da  ein  an- 
deres ein  apologetisches  Werk  ist,  ein  anderes  ein  Evangeüen- 
buch,  über  welches  der  Stab  bereits  gebrochen  war,  wo  der 
Glaube  an  die  Wörterinspiration  der  Evangelien  zur  Herrschaft 
gelangte.  Es  steht  aber  auch  nach  Zahn  nicht  einmal  so, 
dass  die  griechische  und  lateinische  Kirche  von  dem  Diatessaron 
gar  nichts  weiss;   dazu  tritt  das  Zeugniss    des   muratorischen 


262)  Dies  ist  aber  auch  desshalb  uDwahrscheinUch,  weil  Eusebius  sich 
bei  der  gleich  folgenden  Mittheilung  über  die  Bearbeitung  der  paulini- 
schen  Briefe  durch  Tatian  auf  eine  ihm  von  auswärts  zugekommene  Kunde 
beruft,  bei  dem  Evangelium  dagegen  nicht. 

263)  Ich  erinnere  hier  an  die  Schicksale  der  in  der  ältesten  Kirche 
als  heilige  Schriften  gelesenen  jüdischen  Apokalypsen.  Griechisch  sind 
sie  zum  grössten  Theü  spurlos  verschorien,  bei  den  christlichen  Semiten 
und  theiiweise  bei  Jen  Lateinern  haben  sie  sich  erhalten.  Auch  eine  Ver- 
gleichung  der  Schicksale  des  Dialogs  zwischen  Jason  und  Papiskus  in  der 
Kirclie  ist  liier  lehrreich. 


216  I)ie  Oratio  des  Tatian. 

Fragmentisten'^^^),  auf  welches  ich  auch  nach  den  Gegenbe- 
merkungen von  Zahn 265)  nicht  verzichte.  Hier  ist  ausge- 
sprochen, dass  die  Katholiken  von  Tatian  „in  totum  nihil  reci- 
piunt''.  Damit  kann  nur  eine  Schrift  gemeint  sein,  die  An- 
spruch darauf  machte,  in  den  Öffentlichen  Gebrauch  der  Kirche 
genommen  zu  werden.  Ist  nun  der  Text  des  Diatessaron  mit 
der  Itala  verwandt,  so  wird  man  für  die  Abfassung  desselben 
auf  Rom  (Carthago  ist  natürlich  ausgeschlossen)  verwiesen. 
Nach  Rom,  mindestens  nach  Italien,  gehört  aber  auch  das 
Muratorische  Fragment,  und  in  Unteritalien  taucht  300  Jahre 
später  wiederum  eine  lateinische  Bearbeitung  des  Diatessaron 
auf2^'*>).    Darnach  kann  von  einer  syrischen  Urschrift  des  Werkes 


264)  S.  Ztschr.  f.  lutli.  Theol.  1874  S.  276  f.  445  f.  1875  S.  207  f.  Ztschr. 
f.  wiss.  Theol.  1877  S.  109  f.  Ztschr.  f.  K.-Gesch.  III  S.  400. 

265)  A.  a.  0.  S.  9  f.  Zahn  hat  augenscheinlich  meine  auf  Autopsie 
beruhenden  Angaben  (Ztschr.  f.  luth.  Theol,  1875  S.  217  1'.),  für  die  ich 
mich  auch  auf  die  Augen  meines  Freundes  Prof.  Schür  er  berufen  konnte, 
nicht  gewürdigt.  Er  beruft  sich  gegen  mich  auf  Hertz,  der  schwerlich 
mit  derfeelben  Aufmerksamkeit  wie  wir  jeden  Buchstaben  und  jede  Mög- 
lichkeit erwogen  hat;  denn  ihm  ist  ja  entgangen,  wie  allen  die  vor  ihm 
das  Fragment  eingesehen,  dass  der  7.  Buchstabe  ursprünghch  ein  „i" 
war  und  dass  der  6.  aus  einem  Buchstaben  mit  zwei  Grundstrichen  ent- 
standen ist.  Man  hat,  einmal  vom  „m"  abgesehen,  somit  nur  folgende  6 
Möglichkeiten  für  den  ursprünglichen  Namen:  motiavi  —  mutiavi -r-  ma- 
tiavi  —  motiani  —  mutiani  —  matiani.  Das  ist  alles  sinnlos;  das  „m" 
kann  aber  aus  „t"  corrigirt  sein.  Ich  habe  selbst  constatirt,  dass  man 
Spuren  einer  Correctur  nicht  mehr  gewahrt;  aber  das  kann  nicht  ent- 
scheiden, da  „m"  aus  „t",  und  ledigUch  aus  „t"  unmerkbar,  in  jenen 
Schriftzügen  hergestellt  werden  konnte.  Dass  aber  eine  Erwähnung  des 
Tatian  neben  Valentin  und  Marcion  nicht  nur  nicht  auffallend,  sondern 
nach  dem  Zeugniss  des  Irenaeus  sogar  sehr  angemessen  ist,  brauche  ich 
nicht  noch  einmal  auszuführen.  Der  Name  des  Tatian  wurde  vom  abend- 
ländischen Schreiber  des  9.  Jahrh.  aus  demselben  Grunde  getilgt,  aus 
welchem  in  der  iirmenischen  Uebersetzung  der  Chronik  des  Eusebius  und 
in  der  Epitome  Syr.  das  „Tatianus  haereticus"  getilgt  worden  ist.  Hier 
wie  dort  la«  man  eben  ein  Evangelienbuch  des  Tatian  als  katholisches 
Werk. 

266)  Man  beachte,  dass  Victoi-  von  Capua  (Cod.  Fuldens.  ed.  Ranke 
1868  p.  1)  das  Buch  als  ein  namenloses  in  die  Hände  fiel  („et  absente 
titulo  non  invenirem  nomen  auctoris").  Der  Bearbeiter  des  Diatessaron 
hat  es  also  nicht  gewagt,  seine  Vorlage  zu  nennen.  Wir  haben  hier  das 
Gegenstück  zur  Praxis  der  syrischen  Kirche.     Doi*t  strich  man  den  „Ta- 


Chronologisches  als  Einleitung.  217 

nicht  die  Rede  sein,  mag  auch  die  syrische  Uebersetzung  selbst 
noch  dem  2.  Jahrhundert  (?)  angehören.  Eusebius  fügt  aber  dem 
Bericht  über  das  Diatessaron  noch  folgendes  bei  (IV,-  29,  6): 
„Man  sagt  aber,  Tatian  habe  es  gewagt,  einige  Aussprüche 
{(ptovac)  des  Apostels  zu  umschreiben  (f.i€zaq)QC(aai\  wie  um  die 
Fassung  des  Ausdrucks  derselben  {trjv  Trjg  ^(fQaoecog  ovvra^iv 
avTCüv)  zu  verbessern".  Wir  haben  es  hier  also  augenschein- 
lich, wenn  wir  die  Gewährsmänner  des  Eusebius  das  sagen 
lassen  wollen,  was  sie  sagen,  mit  einer  stilistischen  Bear- 
beitung der  Paulusbriefe  zu  thun.  Dieses  Unternehmen  ist 
doch  schwerlich  unabhängig  von  dem  anderen,  die  Berichte  der 
Evangelien  in  eine  richtige  Syntaxis  zu  bringen.  Den  Proble- 
men, d.  h.  den  Anstössen,  welche  die  vierfachen  resp.  disparaten 
Berichte  der  Evangelien  dem  „Glauben  der  Gläubigen"  bringen, 
entsprechen  doch  mutatis  mutandis  genau  die  Schwierigkeiten, 
welche  sich  erheben,  wenn  man  auf  die  Syntaxis  der  Gedanken 
in  den  paulinischen  Briefen  zu  achten  beginnt.  Der  Versuch, 
diese  wie  jene  durch  freie  Epidiorthose  zu  heben,  kann  natür- 
lich nur  in  einer  Zeit  unternommen  werden,  wo  man  an  die 
Wörterinspiration  noch  nicht  glaubte ,  wo  man  altchristliche 
Schriften  noch  nicht  als  Sammlungen  von  Orakeln  beurtheilte, 
andererseits  aber  doch  bereits  die  Nothwendigkeit  empfand,  eine 
kanonische  Urkunde  zu  schaifen.  Man  wird  das  Unternehmen 
Tatian's  daher  nicht  anders  beurtheilen  können,  als  dass  er 
auf  Grund  einer  Revision  der  bereits  im  Vordergrunde 
stehenden  altchristlichen  Schriften  der  Kirche  einen 
Kanon  erst  schaffen  wollte.  Dieser  Versuch  —  seine  Be- 
deutung für  die  Geschichte  des  Kanon  soll  hier  nicht  erörtert 
werden  —  missglückte.  Aber  sein  Urheber  hatte  sich  bereits 
zu  tief  in  seine  T^xte  versenkt  und  machte  wohl  die  Erfahrung, 
dass  die  Epidiorthose  nicht  ausreiche.  So  entstand  folgerecht 
das  Buch  der  „Probieme'S  mit  welchem  er  bereits  aus  den 
Grenzen  der  grossen  Kirche  heraustrat.  Ist  nun  dieses  Buch 
griechisch  geschrieben  und  in  Rom  schon  c.  180  bekannt  ge- 
wesen, und  war  die  Metaphrase   der  paulinischen  Briefe  eben- 


tianus  haereticus"  a\is  (so  im  Chron.  Eusebii),  hier  umgekehrt  den  Tatian 
selbst.  Ganz  natürlich:  denn  im  Abendland  war  Tatian  fast  lediglich  als 
Ketzer  bekannt,  in  Syrien  nur  als  Kirchenmann  (doch  s.  die  Acta  Archelai). 


218  Die  Oratio  des  Tatian, 

falls  griechisch  —  oder  hat  Tatian  einzelne  Aussprüche  des 
Paulus  syrisch  bearbeitet?  — ,  so  kann  man  noch  einmal  an 
dem  griechischen  Gewände  des  Diatessaron  und  an  seinem  rö- 
mischen Ursprung  nicht  zweifeln. 

IL  Weder  Athenagoras'-^^'),  noch  Theophilus,  noch  Ire- 
naeus2'>^),  nocli  Minucius  Felix '^^^)  —  doch  ist  betreffs  des 
letzteren  ein  sicheres  ürtheil  abzugeben  zur  Zeit  nicht  mög- 
lich —  haben  die  Oratio  des  Tatian  benutzt.  Irenaeus  schweigt 
über  die  apologetische  Thatigkeit  des  Tatian  vollständig;  er 
weiss  zwar,  dass  derselbe,  so  lange  er  mit  Justin  zusammen- 
gewesen, zur  Kirche  gehalten  hat,  aber  er  berichtet  über  ihn 
nur  als  über  den  Asketen,  der  sich  satornilische,  marcionitische 


267)  Die  einzige  Stelle,  an  welcher  man  an  eine  Benutzung  denken 
könnte,  wäre  de  resurr.  8  n.  12  =  Grat.  6  n.  7;  aber  auch  darauf'  lässt 
sich  nichts  bauen. 

268)  Am  scheinbarsten  ist  noch  Iren.  III,  33,  8  =  Orat.  8  init.  (s.  auch 
V,  12,  4  =  Orat.  11  n.  10). 

269)  In  dem  Verhältniss  des  M.  i'elix  zu  Tatian  steckt  noch  ein  Pro- 
blem; die  Annahme  einer  dii-ecten  Benutzung  ist  nirgends  indicirt,  wohl 
aber  bieten  namentlich  die  CC.  21—23  in  dem  Materiale,  aber  auch  in  der 
Verwerthung  desselben,  die  frappantesten  Parallelen.  Man  vgl.  Min.  21, 
0  mit  Orat.  10,  p.  46,  6  sq.:  Min.  21,  11  mit  Orat.  21  p.  92,  15  sq.;  Min. 
22,  2  mit  Orat.  8'  p.  38,  12  sq.;  Min.  22,  4  (24,  4)  mit  Orat.  S  p.  36,  11  sq.; 
Min.  22,  6  (80,  4)  mit  Orat.  29  p.  112,  23  sq.;  Min.  22,  7  mit  Onit.  10  p.  48, 
3  sq.;  Min.  22,  7  mit  Orat.  9  p.  42,  13  sq.;  Min.  23,  5  mit  Orat.  21  p.  92, 
8  sq.;  Min.  23,  7  mit  Orat.  8  p.  36,  5  sq.;  Min.  23,  7  mit  Orat.  10  p.  44, 
16 sq.;  Min.  23,  7  mit  Orat.  34  p.  134,  12  sq.  Dazu  Min.  26,  11  mit  Orat. 
17  p.  74,  21  sq.;  Min.  26,  10 sq.  27,  1.  2  mit  Orat.  18  fin.;  Min.  30,  4  mit 
Orat.  3  p.  14,  1;  Min.  31,  3  mit  Orat.  28  p.  112,  15  sq.;  Min.  34,  5  mit 
Orat.  40  p.  152,  16  sq.  (man  beachte  TtaQaxcxpaTzstv  und  intcrpolare) ; 
Min.  34,  6  mit  Orat.  3  p.  14,  11  sq.  (25  p  102,  16  sq.)";  Min.  34,  10  mit 
Orat.  6  p.  18,  3  sq.  Ferner  Min.  5,  12  mit  Orat.  34  init.;  Min.  19,  12  mit 
Orat.  8  p.  38,  8;  Min.  37,  11.  12  mit  Orat.  22  (24);  Min.  37,  11  mit  Orat. 
23  p.  98,  13  sq.;  Min.  38,  5  mit  Orat.  2  (3).  Die  stärksten  üebereinstira- 
mungen  finden  sich  dort,  wo  beide  das  Götterwesen  verhöhnen,  aber  auch 
das  Dämonen-  und  Magierunwesen.  Die  Annahme  liegt  daher  nahe,  dass 
eine  Streitschrift  wider  dieses  von  beiden  benutzt  worden  ist.  Vielleicht 
darf  man  an  die  Schrift  ror]Tiov  (poQo.  des:  Oenomaus  aus  Gadara,  eines 
geborenen  Syrers,  denken,  der  unter  Hadrian  geschrieben  hat.  Bruch- 
stücke dieser  Schrift  hat  p]nsebius  (Praepar.  ev.  V,  19)  mitgetheilt;  s. 
Tzschirner,  Fall  des  Heidenthums  S.  Iij2f. 


Zeugnisse  aus  dem  zweiten  Jahrli lindert.  219 

und  valentinianisclie  Lehren  angeeignet  hat  2'^^).  Aus  dem,  was 
Eusebius  aus  dem  Werk  des  Khodon  über  Tatian  mitgetheilt 
hat,  geht  nur  hervor,  class  Tatian  in  Rom  eine  Schule  hatte, 
die  nachmals  in  Mis^credit  gekommen  ist^'i).  Wie  Irenaeus 
scheint  auch  Rhodon  auf  eine  gewisse  Verwandtschaft  Ta- 
tian's  mit  der  marcionitischen  Lehre  (Apelles?)  hingedeutet  zu 
haben  272).  Das  Gleiche  hat  Tertullian  in  einer  seiner  spätesten 
Schriften  (de  ieiiin.  15)  gethan,  und  nur  hier  hat  er  den  Tatian 
ausdrücklich  erwähnt  2'^).  Aber  auch  im  Syntagma  des  Hip- 
polyt  ist  Tatian  unmittelbar  nach  Apelles  gestellt  2^^).  Der 
erste,  der  im  Abendlande  Tatian  als  Apologeten  gerühmt '*hat, 
ist  somit  der  Verfasser  des  kleinen  Labj^rinths,  der  nicht  vor 
Beginn  des  zweiten  Viertels  des  3.  Jahrhunderts  geschrieben 
hat  2 7 5^.    Indessen  —  man  hat  gemeint,  dass  bereits  Tertullian, 


270)  S.  oben  S.  203.  Ein  liäretisches  Werk  Tatian's  hat  Irenaeus  gelesen. 
Stammt  nicht  das  Fragment  bei  Harvey  II  p.  483  aus  den  Problemen? 

271)  S.  oben  S.  207.  Das  häretische  Buch  der  „Probleme"  war  in 
Rhode n's  Händen. 

272)  Ebenso  der  Muratorische  Fi-agmentist  (s.  oben  S.  216),  wenn  meine 
Deutung  der  Stelle  richtig  ist. 

273)  „Reprobat  etiam  illos,  qui  iubeant  cibis  abstinere,  sed  de  Provi- 
dentia Spiritus  sancti,  praedamnans  iam  haereticos  perpetuam  abstinen- 
tiam  praecepturos  ad  destruenda  et  despicienda  opera  creatoris,  quäl  es 
inveniam  apud  Marcionem,  apud  Tatianum,  apud  Jovem,  hodiemum  de 
Pythagora  haereticum,  non  apud  Paracletum.  Quantula  est  enira  apud 
nos  interdictio  ciborum?"  Also  auch  der  Montanist  will  natürlich  mifc 
dem  Enkratiten  nichts  zu  thun  haben.  Man  beachte  auch,  dass  für  Ter- 
tullian Tatian  kein  „hodiernus  haereticus"  ist. 

274)  S.  Pseudotertull  24,  Philastr.  48,  Epiph.  46.  Lipsius,  Quellen- 
kritik S.  218  f.  Der  Bericht  im  Sj^ntagma  ist  übrigens  lediglich  Plagiat 
aus  Irenaeus.  In  den  Philosophumenen  sind  die  Doketen  und  Monoimus 
zwischen  Apelles  und  Tatian  eingeschoben;  aber  wie  im  Syntagma  folgen 
auf  diesen  die  Quartodecimaner  und  aMontanisten  (VII,  4.  16.  X,  18)  Die 
Philosophumena  bringen  nur  eine  neue  Notiz,  nämlich  dass  nach  Tatian 
die  Welt  von  einem  inferioreii  Aeon  geschaffen  sei;  sonst  geben  auch  sie 
nur  die  Worte  des  Irenaeus  wieder. 

275)  S.  Euseb.  V,  28,  4.  Hier  wird  Tatian  unter  die  „Brüder"  ge- 
rechnet, die  vor  den  Zeiten  des  Victor  gegen  die  Heiden  iür  die  Wahr- 
heit und  gegen  die  Häresien  geschrieben  haben  (Justin,  Miltiades,  Tatian, 
Clemens);  in  ihren  Schriften  werde  Christus  das  Prädicat  der  Gottheit 
beigelegt.  —  Es  ist  aber  nicht  nothwendig  anzunehmen,  dass  Tatian  auch 
gegen  Häresien  seiner  Zeit  Schriften  verfasst  habe. 


220  Die  Oratio  des  Tatian. 

vornämlicli  in  seinem  Apologeticum,  stillschweigend  die  Oratio 
des  Tatian  benutzt  hat  2^^),  Man  wird  dies  auch  schwerlich 
in  Abrede  stellen  können;  aber  die  Dinge  liegen  hier  recht 
complicirt.  Gewiss  ist  nämlich,  dass  Tatian  und  Ter- 
tullian  aus  einer  gemeinsamen  Quelle  geschöpft  haben;  über- 
wiegend wahrscheinlich,  dass  Tertullian  dazu  noch  die 
Oratio  gelesen  hat  2'^).    Unter  den  vielen  christlichen,  katholi- 


276)  Sehr  vorsichtig  hat  sich  hierüber  Zahn  (a.  a.  0.  S.  8  n.  3)  aus- 
gesprochen. 

2f7)  Die  deutlichste  Parallele,  die  für  ^ie  Abhängigkeit  des  Tertul- 
lian von  Tatian  geltend  gemacht  worden  ist,  zeigt  umgekehrt,  dass  jener 
mindestens  an  dieser  Stelle  von  diesem  unabhängig  ist,  was  auiFallender 
Weise  bisher  Niemand  bemerkt  hat: 

Orat.  2.  Tei-tuU.  Apol.  46. 

liplaTinnog  iv    noQtpvglÖL   nsQi-  Si  de  simplicitate  consistam,  Ari- 

ncczwv     d^ioniazwg     fjawtsvaaTO.  stoteles   familiärem   suum  Hermian 

nkdtcov  (piXoaocpcüv  vno  /Itovvalov  turpiter  loco  excedere  fecit:    Chri- 

öiä    yaaxQifzagyiav     intngaaxezo.  stianus  nee  inimicum  suum  laedit. 

Kai  AgiaT0zi?.7jQ,  dfiaS^ä}q  oqov  t^  Idem  Aristoteles  tam  turpiter  Ale- 

TiQovolcc  d^elg  xal  t^v  evöaifxovlav  xandro    regendo     potius    adolatur, 

ev  olc   ^giaxezo   nsgiygatpaq   Xlccv  quam  Plato  a  Dionysio  ventris  gra- 

änaiösvzxog  liXi^avögov  fi^  fis/j-vti-  tia  venditatur.    Aristippus  in  pur- 

(xevoq  [jieigdxiov  ixoXdxsvsv  dang  pura  sub   magna   gravitatis   super- 

agiazozeXtxwg    ndvv    xbv    eavxov  ficie  nepotatur. 
(piXov  6iä  to  fifj  ßovXea&at  avzov 
ngoaxvveZv  xa&sig^ag   wansg   ag- 
XTov  ^  ndgöaXiv  nsgiecfsge. 

Eine  literarische  Verwandtschaft  besteht  hier  ohne  Zweifel.  Tatian  be- 
folgt die  Reihe:  Aristippus,  Plato,  Aristoteles  und  schliesst  daran  eine  Mitthei- 
lung über  Alexander  den  Grossen  an ;  Tertullian  lässt  umgekehrt  Aristoteles 
(Aristoteles  und  Alexander),  Plato,  Aristippus  sich  folgen.  Auch  im  Aus- 
druck herrscht  die  grösste  üebereinstimmung.  Aber  Tatian  kann  nicht 
Quelle  für  Tertullian  gewesen  sein;  denn  bei  ihm  steht  der  Bericht  über 
Alexander  mit  dem  über  Aristoteles  in  einer  Verbindung,  die,  an  sich 
geradezu  unverständlich,  durch  Tertullian  erst  ihr  Licht  empfängt.  Ta- 
tian sagt:  „Aristoteles  schmeichelte  dem  Knaben  Alexander,  und  Alexan- 
der misshandelte  dgiozozeXixuig  ndvv  seinen  Freund".  Man  begreift  nicht, 
was  dies  KgiazotsXixcog  ndvv  hier  soll.  Tertullian  sagt  es  uns.  Bei  ihm 
stehen  die  Worte:  „Aristoteles  familiärem  suum  Hermian  turpiter  loco 
excedere  fecit".  An  diese  Notiz  schliesst  sich  das  dgiazozeXtxwg  ndvv 
treiflich  .an.  Also  haben  beide  ein  und  dieselbe  Quelle  mehr  oder  weniger 
frei  benutzt.    Diese  Quelle  enthielt  erbärmlichen  Klatsch  über  die   vor- 


Tatian  und  TertuUian.  221 

sehen   und   häretischen   Schriften,   welche   Celsus    zum    Zweck 
der    Abfassung    seines    Aöyoq    ahjO^tjg    studirt    hat,     scheint 


züglicbsten  Philosophen.  Die  Stelle  über  Alexander  stand  aber  überhaupt 
nicht  in  der  Quelle,  wie  Tatian  selbst  deutlich  macht,  der  nach  der  Epi- 
sode p.  10,  4 — 11  über  Alexander  zu  Aristoteles  zurückkehrt,  wobei  man 
nur  errathen  kann,  dass  das  avzov  sich  auf  diesen  bezieht.  Lässt  sich 
nun  nicht  auch  anderes,  was  Tatian  und  TertuUian  gemeinsam  haben, 
auf  diese  Quelle  zurückführen?  Ad  martyi*.  4  sagt  TertuUian:  „Minus 
fecerunt  philosophi  Heraclitus,  qui  se  bubulo  stercore  obHtus  exussit; 
item  Empedocles,  qui  in  ignes  Aetnaei  montis  desilivit"  —  dasselbe  steht 
Orat.  3  zu  lesen  (vgl.  auch  Apolog.  50  mit  Orat.  19  p.  86,  3:  Anaxarchus). 
Beide  nehmen  Socrates  aus  dem  allgemeinen  Urtheil  über  die  Philosophen 
aus;  s.  Orat.  3  p.  14,  4.  Ad  nat.  I,  4.  —  Für  die  directe  Abhängigkeit 
des  TertuUian  von  Tatian  spricht  am  stärksten  die  chronologische  Aus- 
führung in  Apolog.  19  (s.  Schürer  l  d.  Ztschr.  f.  K.-Gesch.  II  S.  324 f.). 
Zu  vgl.  ist:  Apol.  19  (p.  96,  14  sq.  edit.  minor  Oehleri)  mit  Orat.  38  (p.  146, 
3  sq.)  39  (p.  148,  14  sq.);  Apol.  p.  96,  15  sq.  mit  Orat.  p.  150,  Isq.;  Apol. 
p.  97,  2  sq.  mit  Orat.  p.  140,  7  sq.;  Apol.  p.  97,  5  sq.  mit  Orat.  p.  140, 
11  sq.  142,  8  sq.  144,  9  sq.  146,  2  sq.  7  sq.  Die  MögUchkeit  besteht  ja,  dass 
Tatian  selbst  bereits  sein  ganzes  chronologisches  Arrangement  von  irgend- 
woher, etwa  von  Juden,  entlehnt  hat;  aber  erstens  ist  dies  nicht  sehr 
wahrscheinUch,  da  er  zu  einer  Zeit,  wo  man  seine  Quelle  noch  gekannt 
haben  muss,  stets  als  der  Gewährsmann  für  diese  Chronologie  ehi-envoU 
erwähnt  wird,  zweitens  würde  auch  diese  Annahme  noch  nicht  gegen 
eine  directe  Benutzung  bei  TertuUian,  der  vom  Text  des  Tatian  völlig 
abhängig  erscheint,  sprechen.  Ist  aber  einmal  die  Abhängigkeit  als  wahr- 
scheinUch zugestanden,  dann  faUen  zwar  nicht  ParaUelen,  wie  Orat.  4 
p.  18,  5  (Apol.  30);  8  p.  34,  6  (Apol.  35);  6  p.  28,  1  (Apol.  23.  ad  Nat. 
I,  20);  11  p.  50,  1  (Apol.  46);  10  p.  46,  4  (Apol.  13);  22  p.  96,  2  sq.  (ApöL 
15);  25  p.  102,  13  (Apol.  47);  27  p.  108,  15  sq.  (Apol.  2)  in's  Gewicht,  wohl 
aber  Orat.  27,  p.  108,  19  sq.  mit  Apol.  48  p.  140,  19—21;  Orat.  19  p.  84, 
3  sq.  mit  Apol.  46  p.  140,  21—23;  Orat.  27  p.  108,  15  sq.  mit  Apol.  46 
p.  140,  14 sq.;  Orat.  21  p.  92,  11  sq.  mit  ApoL  21  p.  101,  9  sq.;  Orat.  6 
mit  Apol.  48;  Orat.  40  p.  152,  13  sq.  mit  Apol.  47  p.  143,  15  sq.  —  Die 
gemeinsame  Quelle  Tatian's  und  TertulUan's  kann  (s.  oben)  wiederum 
die  Fo^Tcav  ^o()a.4es  Oenomaus  gewesen  sein;  man  wird  sich  aber  hüten 
müssen,  ein  Urtheil  abzugeben,  bevor  die  Frage  nach  'dem  Verhältniss 
des  M.  Felix  zu  TertuUian  nicht  befriedigend  beantwortet  ist.  Das  ist 
sie  zur  Zeit  noch  nicht;  am  wenigsten  kann  der  neueste  Versuch  von  V. 
Schnitze  für  eine  befriedigende  Antwort  gelten.  Auffallend  bleibt  es 
immerhin,  dass  TertuUian  dort  am  stärksten  von  Tatian  abhängig  zu 
sein  scheint,  wo  er  auch  eine  gemeinsame  Quelle  mit  ihm  benutzt  hat. 
ParaUelen  in  den  übrigen  Schriften  TertuUian's  .wie  in  de  idolol.  9  (Orat. 
8);  adv.  Marc.  II,  4.  9  (Orat.  15);  de  spect    10  (Orat.  22.  16)  etc.  kommen 


222  Die  Oratio  des  Tatian. 

ancli  ein  Tractat  des  Tatian  ans  dessen  späterer  Zeit  gewesen 
zu  sein^'^). 

Eingehende  Bekanntscliaft  mit  den  Werken  des  Tatian  ver- 
rathen  die  alexandrinischen  resp.  alexandriniscli  gebildeten  Theo- 
logen, namentlich  Clemens,  aber  auch  Julius  Africanus  und 
Origenes.  Clemer.s  hat  in  seinen  Schriften  nicht  nur  die  Oratio 
vielfach  ausgeschiieben,  sondern  auch  häretische  Schriften  Ta- 
tian's  mehrfach  citirt  und  zu  widerlegen  versucht,  jedoch  weder 
das  Diatessaron,  noch  die  Metaphrase  der  paulinischen  Bücher, 
noch  die  Probleme  ausdrücklich   genannt  "^'^^).    Nach  Strom.  I, 


scliwerhch  Ib  Betracht,  Dagegen  ist  eine  directe  Abhängigkeit  in  der 
Formnlirung  der  Logoslehre  kaum  zu  verkennen  und  mit  Rocht  nament- 
lich Ürat  5  mit  adv.  Prax.  5  (s.  auch  2 — 1  u.  sonst)  verghchen  worden. 
Bei  der  grossen  zwischen  Tatian  und  Tertullian  bestehenden  Geistesver- 
wandtschaft —  derselbe  Mann,  der  um  17(>  im  Abendlande  gnostischer 
Enkratit  wurde,  wäre  wohl  ein  Menschenalter  später  Montanist  geworden  — 
kaim  unter  der  Voraust^etzung,  dass  Dieser  Werke  Jcik^s  gelesen  hat,  nur 
angenommen  werd(;n,  dass  Tertullian  aus  besonderen  Gründen  den  Tatian 
nie  als  Gewährsmann  genannt  hat.  Tatian  musste  ihm  sehr  unbequem 
sein;  denn  dieser  hätte  über  seinen  (späteren)  christlichen  Standpunkt 
kaum  anders  urtheilen  können,  als  Tertullian  selbst  (de  pudic.)  über  den 
des  Hermas     Und  Tertulhan  erapfiind  das  sehr  wohl! 

278)  S.  Geis,  apud  Orig.  VI,  51.  Origenes  schreibt:  „Wie  ich  ver- 
muthe,  hatCelsus  von  der  Lehre  einer  gottlosen  Secte  gehört,  welche  die 
Worte:  „Es  werde  Licht"!  irrig  verstand  und  sie  als  einen  Wunsch 
des  Schöpfers  auffasste,  und  desshalb  die  Bemerkung  gemacht:  „Gott 
hat  das  Licht  nicht  von  oben  geborgt,  in  der  Art,  wie  man  seme  Lampe 
am  Liciite  des  Nachbars  anzündet".  Er  hatte  auch  von  der  Lehre  einer 
anderen  schlechten  Socto  oberflächliche  und  mangelhafte  Kenntniss;  die.^ 
verrathon  die  folgenden  Worte  von  ihm  u.  s.  w."  Unzweifelhaft  denkt 
Origenes  bei  der  gottlosen  Secte  an  Tatian  und  seine  Anhänger  (s.  Orig. 
de  orrt.  24.  Clem.  Alex.  Eclog.  38  sq.  Corp.  Apolog  VL  fragni.  VL  VII.), 
und  es  ist  sehr  wahrsicheinhch ,  dass  seine  Vermuthung  über  die  Quelle 
des  Celsus  die  richtige  ist:  denn  die  Auffassung:  fvxitxov  eivai  z6  revr^- 
i^rjxw  <p(x)C  ist  dem  Tatian  biisondos  eigeniliümlich  (doch  s.  meine  Schrift 
de  Apellis  gnosi  p.  03  sq.). 

279)  Citate  aus  häretischen  Schriften  finden  sich  Strom  III,  12,  81 
(liiev  allein  ist  das  Buch  üegl  xov  xata  top  oiozTJga  yaTccgtiafiov  ge- 
nannt), ferner  III,  12,  82;  TU,  12,  86.  87  (^s.  überhaupt  79—90,  wie  Zahn 
gezeigt  hat  S,  13)  und  Eclog.  38  sq.  An  der  ersten  Stelle  ist  1  Cor.  5,  7 
so  exegesirt,  dass  die  Ehe  aiifgehobeji  erscheint  —  sie  wird  als  (pOoga 
und  no^jvelu  bezeichnet, -genau  so  Tatian  bei  Irenaeus — ;  wir  haben  hier 


Tatian  und  die  Alexaiidi-iner.  223 

1,  11  ist  es  sogar  sehr  wahrscheinlich  (so  Semler,  Light- 
foot,  Zahn),  dass  Clemens  Alex,  ein  persönlicher  Schüler  des 
Tatian  gewesen  ist.  Man  darf  dann  aber  an  den  theologischen 
Standpunkt  erinnern,  den  jener  noch  in  den  „Hypotyposen'' 
eingenommen  hat  2^^).  Sollte  derselbe  ganz  unabhängig  von 
dem  Christenthum  Tatian's  sein?  Ist  es  nicht  vielmehr  bei  den 
nicht  geringen  üebereinstinimungen,  die  hier  bestehen,  wahr- 
scheinlich, dass  (Clemens  eine  Entwickelung  durchgemacht  hat, 
wie  wir  sie  für  Rhodon  etwa  ähnlich  verrauthen  dürfen?  Cle- 
mens ist  vor  allen  derjenige  Theologe,  der  in  der  practischen 
Auffassung  des  Christenthums  den  Umschwung  von  der  „en- 
kratitischcn"  zur  laxen  Observanz  vollzogen  hat.  Wer  ihn  zu 
lesen  versteht,  wird  einsehen,  dass  er  wider  eine  Anschauung 
streitet,  die  er  nicht  nur  aus  kühler  Beobachtung  kannte,  und 
eben  die  Hypotyposen  scheinen  das  zu  bestätigen.  Doch  dies 
ist  im  besten  Falle  eine  glückliche  Hypothese.  Am  Tage  aber 
liegt,  einen  wie  umfassenden  Gebrauch  Clemens,  der  Gelehrte, 
von  der  Oratio  Tatian's  gemacht  hat.  Seine  Citate  sind  auch 
textkritisch  von  grosser  Wichtigkeit  2^^). 


ein  Beispiel  für  die  tatiani^äche  Metaphrase  paulinischer  Sprüche  (Clemens 
bemerkt  dazu:  rf/'  d?.r]^ovQ  wavöoq  y.axaaxeva^ei).  Nach  der  zweiten 
Stelle  hat  Tatian  den  paulinischen  Gegensatz  von  altem  und  neuem  Men- 
schen in  marcionüischer  Weise  auf  den  Gegensatz  von  Gesetz  und  Evan- 
gelium gedeutet  und  somit  das  Gesetz  auf  einen  anderen  Urheber  als  auf 
den  höchsten  Gott  zurückgeführt.  Nach  der  dritten  Stelle,  die  sich  sehr 
wahrscheinhch  auch  auf  Sätze  Tatian's  bezieht,  hat  dieser  Mt.  6,  19  und 
Lc.  20,  34  f.  auf  das  absolute  Eheverbot  bezogen.  Aus  dem  Citat  Jes.  50, 
9  erkennt  niau  alaer,  dass  Tatian  nicht  wie  Marcion  das  A.  T.  verworfen, 
sondern  wie  Apelles  in  demselben  unterschieden,  Einzelnes  also  auch  vom 
höchsten  Gott  abgeleitet  hat.  An  der  vierten  Stelle  wird  Tatian 's^  Exegese 
zu  Genes.  1,  3  widerlegt.  Der  Weltschöpfer  erscheint  bei  Tatian  als  ein 
inferiores,  aber  im  Dienste  Gottes  stehendes  Wesen.  Er  ist  eine  virtus 
punitiva. 

280)  S.  die  freilich  ganz  ungeordneten  und  unvollständigen  Fragmenta 
Clementis  bei  Dindorf  III  p.  479 — 512.     * 

281)  Schon  im  Protrept.  lässt  sich  die  Benutzung  der  Oratio  schwer- 
lich verkennen;  doch  ist  eine  solche  nicht  sicher.  In  den  Stroi);at.  wird 
Tatian  (I,  21,101.  102)  zweimal  ausdrücklich  citirt  {el'^TjTai  ixhv  ovv  negl 
tovzmv  aXQißüJq  Tariavw  iv  xw  ngoQ'^'EXXriiaq)  und  werden  seine  chro- 
nologischen Ausführungen  1,  21  (auch  pchon  I,  14,  G5.  I,  16,  79.  80,  I,  17, 
87}  initgetheilt  (Orat.  36—41).     Auch  auf  Strom.  IV,  25,  164  (Orat.  4  n.  6) 


224  ^i®  Oratio  des  Tatian. 

Julius  Africanus  hat  ohne  Zweifel  den  Tatian  gekannt  und 
dessen  Oratio  für  seine  Chronik  verwerthet^^^).  Origenes  (c. 
Geis.  I,  16)  schreibt:  .,Auch  von  Tatian,  der  später  gelebt  als 
Josephus,  ist  eine  Schrift  an  die  Griechen  vorhanden,  in  der  er 
mit  grosser  Gelehrsamkeit  die  Autoren  angiebt,  welche  das 
hohe  Alter  der  Juden  und   des  Moses  bezeugen''.     Aber  auch 


hat  Otto  mit  Recht  verwiesen.  Nicht  so  einfach  steht  es  Ijci  der  Stelle 
Strom.  I,  16,  74—76  vgl.  mit  Orat.  1.  Clemens  berührt  sich  allerdings 
auch  hier  in  grossen  Parthien  wörthch  mit  Tatian,  aber  erstlich  ist  seine 
Reihenfolge  eine  fast  durchweg  andere  als  bei  diesem,  sodann  sind  seine 
historischen' Ausführungen  viel  reichhaltigere.  Tatian's  Mittheilungen 
über  die  Ursprünge  der  hellenischen  Cultur  erscheinen  wie  ein  Auszug 
aus  Clemens,  Da  sie  dies  nun  nicht  sein  können,  so  ist  hier  die  Annahme 
einer  gemeinsamen  Quelle  sicher  indicirt.  Nun  aber  fährt  Clemens,  nach- 
dem er  den  Satz:  Ov  fiövTjg  6h  fpikooo(piac^  «^.Pv«  xal  ticcotjq  ayeöbv  rix^V? 
evQStal  ßagßaQoi  ausführlich  §  74 — 76  illustrirt  hat,  §  77  init.  also  fort: 
„Skamon  von  Mytilenc  und  der  Eresier  (Ephesier)  Theophrast,  der  Man- 
tineer  Kydij)pus,  dazu  Autiphanes,  Aristodemus  und  Aristoteles,  dazu 
aber  {itQoq  tovzoiq  6s)  Philostephanus,  aber  auch  der  Peripa- 
tetiker  Straton  in  den  Büchern  negl  evQrjßoczcDv  haben  dies 
berichtet.  Ich  habe  daraus  nur  Einiges  vorgeführt".  Es  ist 
allerdings  sattsam  bekannt,  was  von  der  Wolke  von  Zeugen,  welche  der 
Alexandriner  herbeizuzaubern  pflegt,  zu  halten  ist.  Er  kennt  sehr  häufig 
nur  die  späten  Plagiate  originaler  Schriftsteller,  eitirt  aber  diese.  In- 
dessen hier  unterscheidet  er  ja  deutlich  zwei  Klassen.  Die  jüngere  wird 
er  gekannt  haben,  da  er  nicht  aus  Tatian  schöpfte.  Straton  war  c.  288 — 
270  a.  Chr.  n.  Lehrer  des  Ptolemäus  Philadelphus;  seine  Werke  mussten 
gerade  in  Aloxandrien  bekannt  sein.  Wir  wissen  zwar  nicht,  dass  er 
tisqI  tvQTjfjLaccDv  geschrieben;  aber  dies  kommt  niclit  in  Betracht  (s.  Ni- 
colai, Griech.  Literaturgesch.  II  S.  272).  Von  Philostephanus,  der  unter 
dem  4.  und  5.  Ptolemäer  in  Alexandrien  lebte  (s.  Nicolai,  a.  a.  0.  S.  203) 
ist  ein  Werk  tcbqI  svQTjfiazwv  auch  sonst  erwähnt.  Es  wird  also  nicht 
zu  kühn  sein,  anzunehmen,  dass  Tatian  hier  aus  Philostephanus  und 
Straton,  resp.  aus  einem  von  beiden  geschöpft  hat.  Dann  aber  ergiebt 
sich,  dass  die  ganze  pretensiöse  Einleitung  der  Oratio  (c.  1 — 3)  Plagiat 
aus  griechischen  Schriftstellern  ist  (denn  von  dem  Ab.'^chnitt  über  die  Phi- 
losophen wurde  dies  oben  festgestellt)  —  eine  für  Tatian,  der  so  ent- 
schieden seine  Unabhängigkeit  betont,  nicht  eben  schmeichelhafte  Beob- 
achtung. 

282)  S.  Geiz  er,  S.  Julius  Africanus  und  die  byzantinische  Chrono- 
graphie S.  22.  Auf  die  weitschichtige  Frage,  wie  es  sich  mit  dem  Werk 
des  Ju.stus  von  Tiberias  verhält,  ist  hier  nicht  einzugehen  (s.  von  Gut- 
schmid  in  Fleckeiseu's  Jahrbb.  VI.  1860  S.  708). 


Tatian  bei  den  Alexandrinern  und  bei  Eusebius.  225 

Origenes  hat  noch  jene  häretische  Schrift  Tatian's  gekannt,  ans 
welcher  Clemens  citirt  hat.  In  de  orat.  24  lässt  auch  er  sich 
auf  die  Widerlegung  der  Exegese  Tatian's  zu  Gen.  1,  3  ein 
und  nennt  diese  Meinung  eine  atheistische.  Er  fügt  aber  hinzu, 
däss  es  Noth  thue,  sie  zu  bemerken  diä  Tovg  rjnarrjiitevovg  y,ai 
^ragaöe^ajiuvovg  ttjv  daeßf]  bidao/.aXiav  avxov,  dtv  xat  rif^telg 
noTB  nsTreiQüiiisda-^^).  Also  Origenes  ist  selbst  noch,  aller- 
dings früher,  mit  Leuten  aus  Tatian's  Schule  zusammenge- 
kommen 2^^). 

Eusebius  hat  in  der  Vorrede  zum  Chronicon  ^ss)  ^en  Tatian 
neben  Clemens,  Africanus,  Josephus  und  Justus  als  Gewährs- 
mann für  das  Alter  des  Moses  genannt;  aber  höchst  wahrschein- 
lich hat  er  ihn  in  der  Chronik  nicht  selbst  benutzt,  sondern 
nur  durch  Vermittelung  des  J.  Africanus  gekannt  2^^).     In  der 


283)  Zahn  (S,  285  f.)  schwächt  den  Gedanken  des  Origenes  ab,  wenn 
er  hier  herauslesen  zu  dürfen  meint,  dass  die  Getäuschten  noch  in  der 
Kirche  stünden.  Auch  die  Form,  welche  Origenes  seinem  Satze  gegeben 
(Delarue  I,  238c),  ist  von  Zahn  nicht  verstanden.  Sie  ist  ledigUch  ein 
geistreiches  Spiel. 

284)  Unsicher  ist  die  Benutzung  der  Oratio  durch  den  Verfasser  der 
Cohortat.  ad  Gr.-  Das,  was  beide  gemeinsam  haben,  erklärt  sich  auch 
durch  ihr  Mittelglied,  den  Africanus  (s.  Corp.  Apol.  III  p.  321  und  oben 
S.  157).  Jedenfalls  aber  hat  der  Verfasser  der  pseudojustinischen  Oratio 
ad  Gr.  die  Oratio  Tatian's  gelesen  (s.  oben).  Der  Tatian,  an  welchen  der 
dem  Gregorius  Thaumat.  beigelegte  Xöyog  xs^aXaniörjg  tisqI  ipvxtjQ  ge- 
richtet ist  (s.  Vossius,  Greg.  Opp.  p.  135 — 148.  Rjssel,  Greg.  Thaumat. 
1880  S.  34  f.),  hat  mit  dem  Apologeten  nichts  zu  thun.  Der  Titel  der 
Schrift  erweckt  leicht  das  Vorurtheil,  als  stünde  es  anders;  aber  der  In- 
halt belehrt  ausreichend,  dass  die  Gleichheit  des  Namens  zufällig  ist  (s. 
oben  S.  7).  Dagegen  hat  der  Verf.  der  Acta  Archelai  (Routh,  Reliq. 
SS.  V  p.  136)  unter  den  Häretikern,  „qui  propriam  sibimet  ipsis  scien- 
tiam  composuerunt",  zwischen  Marcion  und  SabeUius  den  Tatian  genannt. 
Dies  ist  sehr  auffallend,  da  der  Verf.  der  Acta  ein  Syrer  gewesen  ist. 

285)  S.  Schöbe  II  p.  4. 

286)  Die  ganze  ausführliche  Angabe  zu  915  Abr.  (Schöne  p.  58) 
stammt  aus  Tatian.  Aber  mit  Recht  bemerkt  Geizer  (a.  a.  0.  S.  22): 
„Der  Text  zeigt  mehrfache  Abweichungen  und  Entstellungen.  Eben  diese 
ei*weisen  aber,  dass  bei  Abfassung  der  Chronik  die  Worte  Tatian's  selbst 
nicht  vorlagen;  denn  in  der  Praepar.  evang.  kehren  dessen  Worte  mit 
einer  Ausnahme  genau  so  wieder,  wie  sie  in  unseren  Handschriften  Ta- 
tian's stehen.  Woher  hat  Eusebius  seine  Notiz?  Aller  Wahrscheinlich- 
keit nach  aus  Africanus." 

Töxte  uud  Uatersachungen.  J5 


22G  ^^ö  Oratio  des  Tiitian. 

Kirchengeschichte  führt  er  ihn  zuerst  IV,  IG,  7  sq.  ein  als 
Zeugen  für  den  Märtjrertod  des  Justin.  Dass  dies  irrig  ist, 
dass  ausserdem  Eusebius  die  Worte  des  Tatian  gefälscht  hat  2^''), 
ist  bereits  zur  Sprache  geliommen^'^^).  L.  IV,  28  bezeichnet 
er  ihn  nach  einer  Tradition  als  Stifter  der  Enkratiten,  was 
wenigstens  missverständlich  ist.  Das  folgende  Capitel  endlich 
ist  fast  allein  dem  Tatian  gewidmet.  Eusebius  beginnt  damit, 
dass  er  die  Hauptstelle  über  Tatian  bei  Irenaeus  ausschreibt. 
Dann  hängt  er  in  recht  boshafter  Weise  den  Enkratiten  die 
Severianer  an,  „welche  zwar  das  Gesetz,  die  Propheten  und  die 
Evangehen  annehmen,  aber  den  Apostel  Paulus  lästern  und 
seine  Briefe,  sowie  die  Apostelgeschichte  verwerfen."  Dass  diese 
Leute  mit  Tatian,  der  Pauliner  ist,  nichts  zu  thun  haben  kön- 
nen, ist  selbstverständlich.  Trotzdem  wird  nun  Tatian  nQcyce- 
Qog  cwiojv  agyr^yog  genannt.  Es  folgt  die  Angabe  über  das 
Diatessaron^^s)  („Dieses  findet  sich  noch  heutzutage  bei  Eini- 
gen") und  über  die  Metaphrase  einzelner  Sprüche  des  Paulus 
(s.  oben):  letztere  hat  Eusebius  aber  nur  aus  der  Tradition  ge- 
schöpft. Eusebius  schliesst:  „Tatian  hinterliess  eine  grosse 
Menge  von  Schiiften.  Unter  diesen  wird  besonders  seine  weit- 
hin bekannte  Schrift  gegen  die  Griechen  bei  Vielen  angeführt. 
Er  geht  darin  die  Zeiten  vom  Anfang  an  durch  und  zeigt,  dass 
Moses  und  die  hebräischen  Propheten  älter  sind  als  alle  be- 
rühmten Männer  der  Griechen.  Dieses  Buch  erscheint  unter 
allen  Büchern,  die  er  geschrieben,  als  das  schönste  und  nütz- 

287)  Er  citirt  erst  aus  Orat.  18,  dann  aus  c.  19. 

288)  lüusebius  erwähnt  1.  c.  nichts  von  den  Häresien  des  Tatian,  son- 
dern belichtet  über  ilm  kurz  nach  der  Oratio.  Er  bemerkt  aber  schon 
hier,  da«s  Tatian  sehr  viele  Schriften  verliisst  habe. 

289)  Die  Geschichte  des  Diatessaron  in  der  Kirche  soll  hier  nicht 
weiter  ausgeführt  werden.  Nachdem  oben  die  entscheidende  These  Zahn 's 
kritisirt  worden  ist,  muss  im  übrigen  auf  dessen  üiitei-suchungen  S.  18 — 
111  über  die  Geschichte  des  Buchs  verwiesen  werden.  Allerdings  sind 
auch  im  Einzehien  nicht  wenige  Fragezeichen  zu  machen,  namentlich  in 
dem .  Abschnitte  über  Aphraates  als-  Zeugen  des  Diatessarons  (^S.  72  f.). 
Dass  die  syrischen  Kirchen  ein  Bucb,  welches  in  den  griechisch-römischen 
Kirchen  zu  Boden  gefallen  war,  für  ihren  Gultus  recipirt  haben,  erklärt  sich 
nur  unter  der  Annahme,  dass  sie  es  sehr  frühe  schon  bekommen  haben. 
Ich  halte  es  nicht  für  unwahrscheinlich,  dass  Tatian  selbst  das  l)iate3sa- 
ron  nach  dem  Osten  gebracht  hat.  Dann  ist  aber  gewiss,  dass  dies  vor 
dem  Jahre  172  geschehen  ist. 


Tatian  bei  Euvsebius  und  HieronymuKS.  227 

lichste".  Weit  entfernt  also,  dass  die  Oratio  vom  Vater  der 
Kircliengeschiclite  fallen  gelassen  wird,  constatirt  er  ihre  all- 
gemeine Verbreitung,  ihre  ganz  besondere  Tr.efflichkeit  und 
Nützlichkeit '2 90)  Damit  war  dieses  Buch  bis  auf  weiteres  ge- 
rettet; die  anderen  aber  hat  Eusebius  nicht  einmal  der  Auf- 
zählung mehr  für  werth  geachtet,  obgleich  er  deutlich  zu  er- 
kennen giebt,  dass  er  sie  nicht  alle  für  verwerflich  halten  kann. 
Eine  selbständige  Kunde  hat  noch  Hieronymus  besessen. 
Er  macht  von  ihr  allerdings  in  de  vir.  inl.  29  keinen  Gebrauch, 
da  er  hier  lediglich  den  Eusebius  ausgeschrieben  hat^^i).  Aber 
in  den  Vorreden  zum  Titusbrief2*>2)  und  im  Commentar  zu 
Arnos  ^^^)  verräth  er  genaueres  Wissen.  Dort  berichtet  er,  dass 
Tatian,  der  Patriarch  der  Enkratiten,  zwar  einige  Briefe  des 
Paulus  verworfen,  den  Titusbrief  aber  trotz  Marcion's  Ablehnung 
recipirt  hat;  hier,  dass  Tatian  sein  Verbot  des  Weingeniisses 
auf  Arnos  2,  12  gestützt  hat.  Für  beide  Angaben  haben  wir 
Grund  dem  Hieronymus  dankbar  zu  sein.  Die  erste  bringt  uns 
einen  werthvoUen  Beitrag  zu  den  Verhandlungen  über  die  pau- 
linischen  Briefe  im  2.  Jahrhundert.  Dass  Jemand,  der  sich  für 
seine  christliche  Verkündigung  ganz  besonders  auf  Paulus  be- 
rief, doch  Briefe  unter  dem  Namen  des  Apostels  verworfen  hat, 
ist  nicht  auffallend.  Auffallend  ist  nur,  dass  der  Titusbrief  in  das 
verwerfende  Ürtheil  nicht  eingeschlossen  war.  Zahn^^i^  j^at  dess- 
halb  gemeint,  die  ganze  Nachricht  sei  ein  Product  der  Rhetorik 


290)  In  der  Praepar.  evang.  hat  Eusebius  (X,  11)  Orat.  31.  36—42 
d,  h.  alle  chronologischen  Ausführungen  Tatian's  abgeschrieben.  Für  den 
Text  des  Tatian  ist  die  Ueberlieferung  bei  Eusebius  von  grosser  Bedeu- 
tung. Sie  giebt  aber  auch  man  che  Räthsel  auf,  die  sich  ohne  die  An- 
nahme gelehrter  Correcturen  sowohl  in  den  Tatianhandschriften  als  bei 
Eusebius  schwerlich  lösen  lassen.  Auf  Einzelnes  kann  hier  nicht  einge- 
gangen werden. 

291)  Die  chronologische  Angabe:  „Et  hie  sub  imp.  M.  Antonino  Vero 
et  L.  Aurelio  Commodo  floruit"  ist  in  den  cc.  27—32  stereotyp.  H.  be- 
hauptet, dass  aus  der  unzähligen  Menge  der  Schriften  Tatian's  die  Eede 
an  die  Griechen  allein  noch  existire,  eine  Angabe,  zu  welcher  ihn  wahr- 
scheinlich Eusebius  verführt  hat,  und  mit  der  man  es  desshalb  nicht  so 
genau  nehmen  darf. 

292)  Opp.  edid.  Vallarsi  Vn,  1,  p.  686. 

293)  Opp.  edid.  Vallarsi  VI,   2,  p.  247. 

294)  A.  a.  Ü.  S.  G  n.  4. 


r* 


228  ^i®  Oratio  des  Tatian. 

undLeiclitfertigkeit  des  Hieronymus.  Dieser  habe  unter  Reminis- 
cenz  an  Euseb.  IV,  29,  8  das  Verfahren  des  Marcion  in  Bezug 
auf  Paulusbriefe  für  Tatian  und  ßasilides  generaKsirt,  habe 
aber  in  Bezug  auf  den  Titusbrief  eine  Ausnahme  zugestehen 
müssen,  weil  er  selbst  irgendwo  in  einem  tatianischen  Werke 
Auslegungen  Tatian's  von  Stellen  dieses  Briefes  vorgefunden 
hätte.  Diese  Erklärung  ist  an  sich  überaus  künstlich;  H.  hat 
sich  aber  ferner  so  ausgedrückt,  dass  sie  ausgeschlossen  ist: 
„Tatianus,  qui  et  ipse  nonnullas  Pauli  epistolas  repudiavit,  hanc 
vel  maxime,  hoc  est,  ad  Titum  ApostoH  pronunciandam  credi- 
dit,  parvi  pendens  Marcionis  et  ahorum,  qui  cum  eo  in  hac 
parte  consentiunt,  assertionem".  Das  „vel  maxime"  und  das 
„parvi  pendens  etc."  weist  doch  wohl  auf  eine  förmhche  Dis- 
cussion  über  die  Echtheit  des  Briefes  hin,  die  Hieronymus  bei 
Tatian  gelesen  hat.  Welche  Briefe  aber  durch  das  verwerfende 
ürtheil  Tatian's  betroffen  wurden,  das  sagt  Hieronymus  über- 
haupt nicht.  Es  ist  lediglich  wahrscheinliche  Vermuthung,  dass 
es  die  Briefe  an  Timotheus  und  etwa  der  Hebräerbrief  waren  ^ 95). 
Was  die  zweite  Stelle  betrifft  ^'J«),  so  erfahren  wir,  dass  Tatian 
Arnos  2,  12  (LXX:  xai  STiorlCsTe  lovg  ^yiaaf.i€vovg  oivov)  auf 
die  katholischen  Christen  bezogen  hat.  Nun  heisst  es  aber 
unmittelbar  darauf  bei  Arnos  weiter:  y.al  toIq  Ttqoq)r^(xig  ive- 
z^lleo^E  ?JyovT£g'  Ov  fxyj  TCQOcprjTsvorjTS.  Wer  die  erste  Hälfte 
des  Verses  auf  die  katholischen  Christen  bezogen  hat,  wird 
wohl  auch  in  der  zweiten  sie  wiedergefunden  haben.  Das  wirft 
aber  ein  Licht  auf  das  Verhältniss   der    „Enkratiten"    zu   den 


295)  Das  Riclitige  ist  hier  schon  von  Otto  "bemerkt  worden.  Erst- 
lich macht  er  mit  Hecht  darauf  aufmerksam,  dass  Clemens  (Strom.  li,  11, 
52)  von  Secten  (im  Plur.)  spricht,  welche  die  Timotheusbrdefe  verwer- 
fen, und  dass  in  dem  ersten  für  einen  Asketen  sehr  viel  Anstössiges  ent- 
halten ist;  sodann  weist  er  darauf  hin,  dass  im  Titusbrief  die  Häretiker 
so  bestimmt  als  jüdische  bezeichnet  sind.  Das  konnte  aber  Tatian  nur 
willkommen  sein.  So  hat  er  diesen  Brief  aus  dem  Feuer  der  marcioni- 
tischen  Kritik  gerettet. 

296)  „Et  propinabatis  Nazaraeis  vinum  et  prophetis  mandabatis  di- 
centes:  Ne  prophetetis  ....  De  hoc  loco  haeresim  suam  Tatianus  Encra- 
titarum  princeps  struere  nititur,  vinum  adserens  non  bibendum,  cum  et 
lege  praeceptum  sit,  ne  Nazaraei  bibant  vinum,  et  nunc  accusentur  a  pro- 
pheta,  qui  propinent  Nazaraeis  vinum. "  Üeber  die  Benutzung  alttestament- 
licher  Stellen  als  echter  Sprüche  des  höchsten  Gottes  s.  oben  S.  223. 


Tatian  bei  Hieronymus  und  Epiplianius.  229 

„Montanisten"  2 »7j^  Hieronymus  hat  aber  auch,  sonst  nicht  ganz 
selten  den  Tatian  erwähnt.  So  in  der  Schrift  gegen  JoTinian 
(I,  3),  in  welcher  er  allerdings  Grund  genug  hatte,  seinen  Stand- 
punkt gegenüber  den  Verächtern  der  Ehe  zu  präcisiren^''^). 
Neben  Hieronymus  kommt  als  relativ  selbständiger  Zeuge  aus 
dem  4.  Jahrhundert  noch  Epiphanius  in  Betracht  ^^ 9).  Sein  Be- 
richt aber,  der  oben  bereits  besprochen  worden  ist,  enthält  des 
Originalen  sehr  wenig.  Von  der  Oratio  schweigt  Epiphanius 
ganz.  Die  Notiz  über  das  Diatessaron,  über  die  Eröffnung  der 
Schule  in  Mesopotamien,  confuse  Angaben  über  Verbreitung 
der  Secte,  eine  nicht  unwichtige  über  ihren  Cultus  ^^^)  und  über 
ihren  Untergang  sind  allein  zu  nennen. 

297)  Uebrigens  war  auch  im  Kreise  des  Apelles  die  „Prophetie"  ge- 
schätzt; s.  de  Apellis  gnosi  p.  76.  —  Zahn  (a.  ä.  0.)  bemüht  sich  ver- 
geblich zu  beweisen,  dass  diese  Stelle  gar  nicht  auf  Tatian  gehen  könne. 
„Es  wird  ihm  hier  von  H.  ein  Judaismus  zugeschrieben,  dem  der  geschicht- 
liche Tatian  völlig  fern  stand."  Aber  der  Judaismus  ist  erst  von  Zahn  ein- 

'getragen. 

298)  „Neque  vero  nos  Marcionis  et  Manichaei  dogma  sectantes  nuptiis 
detrahimus  nee  Tatiani  principis  Encratitarum  errore  decepti,  omnem 
coitum  spurcum  putamus:  qui  non  solum  nuptias,  sed  ciboa  quoque,  quos 
deus  creavit  ad  utendum,  damnat  et  reprobat."  Mit  „Manichaeus"  ist 
Tatian  auch  Comment.  in  Arnos  2  fin,  zusammengestellt.  Ferner  ist  er  er- 
wähnt in  Comment  in  Osea  7,  in  Joel  1.  An  der  wichtigen  Stelle  in  Gal. 
6  (VII,  1  p.  526)  ist  möglicherweise  „Cassianus"  statt  „Tatianus'  zu  lesen 
(„Tatianus,  qui  putativam  carüem  Christi  introducens  omnetn  conjunctio- 
nem  masculi  ad  feminam  immundam  arbitratur,  Encratitarum  vel  accer- 
rimus  haeresiarches,  tali . .  .  usus  est  argumento:  Si  qui  seminat  in  carne, 
de  carne  metet  corruptionem:  in  carne  autem  seminat,  qui  mulieri  jungi- 
tur:  ergo  et  is  qui  uxore  utitur  et  seminat  in  carne  ejus  de  carne  metet 
corruptionem").  Nicht  nur  gut  Cassian  bei  Clemens  als  der  besondere 
Vertreter  des  Doketismus,  während  von  Tatian  in  dieser  Hinsicht  nichts 
bekannt  ist,  sondern  auch  die  römischen  Handschriften,  welche  VaUarsi 
eingesehen  (s.  Zahn,  a.  a.  Oo  S.  7),  bieten  alle  „Cassianus".  Allein  dess- 
halb  ist  die  Entscheidung,  die  Zahn  so  bestimmt  geben  wüi,  noch  keines- 
wegs sicher.  Die  Bezeichnung  „Encratitarum  .  .  .  haeresiarches''  passt  für 
beide  (gegen  Zahn).  Die  Argumentation  aus  paulinischen  Briefen  ist 
unstreitig  der  sonst  bei  Tatian  bekannten  ganz  analog.  AnderCxS^its  ist 
Zahn  beizupflichten,  dass  -Tatianus  leichter  aus  Cassianus  bei  Abschrei- 
bern entstehen  konnte  als  umgekehrt. 

299)  H.  46.  (45.  47). 

300)  H.  46,  2:  MvotTjgloig  de  waavzajg  xexQ^tai  xaxa  (xlfAriaiv  tijg 
äylaq  ixxXf]aiagf  vöazL  öh  fjt,öv(p  ;fpcb^froc  iv  toZg  avxolg  fzvaTrjQioig. 


2'M)  Die  Oratio  des  Tatian. 

Die  späteren  Kachricliteii  aus  der  griechischen  Kirche  über 
Tnt^an  sind  sämmtlich  von  Irenaeus,  Eusel)ius  "und  Epiphanins 
abhängig.  Nur  die  Oratio  wird  um  ilirer  chronologischen  Aus- 
fühi'ungeu  willen  noch  gelesen  und  mit  Achtung  citirt.  Der 
nhronologe  und  der  Häretiker  erscheinen  fast  als  getrennte 
Personen '^^  ^).     Mehr  aber  als  aus  den  Werken  dieser  Compi- 

301)  Pseudo-Eustathius,  Comment.  in  Hexaem.  (Edit.  Lngdun. 
1C29  p.  1);  Hier  wird  Tatian  neben  Clemens,  Africanus,  JosepliUvS  und  Justin 
zu  denen  gerechnet,  welche  das  Alter  des  Moses-  [xuiä  ^'Ivaxov)  bestimmt 
haben.  Theodor  et,  h.  f.  I,  20.  V,  24:  Er  ist  bis  auf  die  Mittheilungen 
über  das  Diatessaron  (Zahn,  a.  a  0.  S.  35  f.)  von  den  früheren  Häresio- 
logen  abhängig.  Josephusi^?;  im  '^Ynoixvriaiixöv  (citirt  nach  Worth. 
1.  c,  p.  11,  der  einen  Cod.  Cantabrig.  als  Quelle  anführt)  ist  von  Epipha- 
nius  abhängig.  Sophronius  (Acta  VI.  Concilii,  Hardouin  III  p.  12S8) 
hat  „Tatian  den  Syrer"  in  einem  grossen  Ketzerverzeichniss.  In  dem 
Chronicon  p aschale  wird  (I  p.  169)  eine  Steile  aus  der  Oratio  über 
die  Zeit  Salomon's  mitgetheilt,  P.  436  giebt  der  Compilator  ad  ann.  V. 
Claudii  eine  sehr  interessante,  aber  räthselvoUe  Notiz  über  den  Apostel 
Paulus  in  Antiochien  und  beruft  sich  für  dieselbe  auf  die  Chronographen 
Clemens  und  Tatian.  Da  dieser  an  zweiter  Stelle  genannt  wird,  so  hat 
man  sich  wohl  nur  umzusehen,  ob  die  Angabe  den  Hypotj^posen  ent- 
nommen sein  kann.  P.  486 — 488  endlich  ist  der  Bericht  de«  Eusebius  in 
extenso  abgeschrieben  [xaV.lcov  für  y.ccXlioxoQ  am  Schluss  ist  wohl  nur 
eine  Variante.  Zahn  hat  sich  geirrt,  wenn  er  behauptet  S.  25  n.  1,  in 
der  PassachroniV  sei  vom  Diatessaron  nicht  die  Rede).  Johannes  Da- 
mascenus,  lib.  de  haeres.  46  (Cotelier,  Monument,  Eccl.  Gr.  I  p.  292) 
giebt  einen  kurzen  Auszug  aus  Epiphanius,  ohne  das  Diatessaron  zu  er- 
wähnen. Timotheus  Presb.  C.  P.  (Cotelier,  1.  c,  III  p.  379)  geht  mit 
seinem  Bericht  auf  Theodoret  zurück,  nennt  aber  nicht  einmal  Tatian's 
Namen.  Auch  für  den  Bericht  des  Nicetas  (Thesaurus  JV,  18.  Migne 
CXXXIK  col,  1283)  über  das  Diatessaron  ist  Theodoret  die  Quelle.  Pho- 
tius  schweigt  ganz  über  Tatian  (doch  s.  Cod.  120).  Joh.  Malalas 
(p.  242  ed.  Bonn.)  hat  die  Stelle  über  Paulus  nach  Clemens  und  Tatian 
aus  der  Passachronik  abgeschrieben.  Syncellus  (p.  HS.  122.  228.  280 
ed.  Bonn.)  erwähnt  den  Tatian  ab  Chronologen  mit  Achtung.  Cedre- 
nus  (1  p.  439,  1)  nennt  den  Tatian,  sich  auf  Clemens  berufend,  als  einen 
römischen  Häresiarchen  aus  der  Zeit  des  A.  Pius  neben  Valentin,  Cerdo, 
Marcion,  Bardesanes,  Maximilla  und  Priscilla.  Glycas  (p.  227  ed.  Bonn.) 
spricht  von  den  Tatianern,  welche  die  Unseligkeit  Adam's  lehren.  Nice- 
phorus  endlich  (Gregorius  Hamartolus'  Chron.  [ed.  Muralt]  ist  mir 
nicht  zugänglich  gewesen;  doch  soll  auch  bei  ihm  sich  nichts  Neues  fin- 
den) umschreibt  h.  e.  111,  32  in  seiner  bekannten  Weise  den  Eusebiu?  und 
macht  es  auch  hier  so.  als  ob  noch  zu  seiner  Zeit  mehrere  Werke  des 
Tatian  existirten. 


Die  ]>yzaiitinische  und  occidentalisclio  Tradition.  231 

latoren  lernt  man  für  die  Geschichte  der  Oratio  in  der  bj^zan- 
tinischen  Kirche  aus  den  zahbeichen  Scholien,  welche  die  älteste 
Handschrift  (Cod.  Paris.  45  i  ann.  914)  enthält,  und  welche  oben 
S.  91  f.  besprochen  worden  sind.  Da  wir  den  Tatian  im  Par. 
451  nicht  mehr  besitzen,  so  haben  wir  diese  Schollen  seiner 
Abschrift,  dem  Par.  174,  zu  entnehmen. 

Noch  dürftipfer  als  die  orientalischen  sind  die  späteren  oc- 
cidentalischen  Berichte,  Rufin  (h.  e.  VI,  11)  legt  dem  Tatian 
ein  besonderes  Ghronicon  bei.  Vielleicht  darf  man  daraus 
schliessen,  dass  die  chronologischen  Abschnitte  aus  der  Oratio 
von  dieser  abgetrennt  worden  sind.  Indessen  ist  es  doch  wahr- 
scheinlicher, dass  hier  nur  ein  Missverstandniss  des  Rufin  vor- 
liegt ^^^).  Die  occidentalischen  Häreseologen  bringen  nichts 
selbständiges  ^^3).  Die  Oratio  hat  vom  4.  Jahrhundert  ab  Nie- 
mand mehr  im  Abendland  gekannt,  und  als  dem  Victor  von 
Capua  in  der  Mitte  des  6.  Jahrhunderts  jene  namenlose  latei- 
nische Evangelienharmonie  in  die  Hände  kam,  da  instruirte  er 
sich  lediglich  aus  Eusebius  über  deren  rauthmasslichen  Ver- 
fasser, Tatian.     Aber   durch  Victor  ist  in  Anschluss    an  jenes 


302)  Jedenfalls  ist  Daniel  (a  a. 0.  117)  im  unrecht,  wenn  er  hier  an 
die  in  der  vorigen  Aurnerkung  mitgetheilte  Stelle  bei  Maialas  (Chron. 
pasch.)  erinnert  und  desshalb  die  Nachricht  des  Rufin  für  glaubwürdig 
erklärt. 

303)  Pseudotertujlian  und  Philastrius  (h.  48)  gehen  durch  Ver- 
mittelung  des  Hippolyt  auf  Irenaeus  zurück.  Aber  Philastrius  läset  den 
Tatian  post  Decii  persecutionem  auftreten.  Es  wäre  noch  der  Unter- 
suchung *  werth  festzustellen ,  woher  die  zahlreichen  Verschiebungen 
namentlich  von  Märtyrern  aus  der  antoninischen  Zeit  auf  die  Mitte  des 
3.  Jahrhunderts  in  der  kirchlichen  Tradition  stammen.  Augustin  (h.  25) 
schöpfte  aus  Epiphanius;  ihm  ist  auch  das  dort  unklare  Verhältniss  zwi- 
schen den  Tatianern  und  Enkratiten  aufgefallen.  Per  Prädestinatus 
(h.  25)  schrieb  den  Augustin  aus ,  fügte  aber  dessen  Bericht  noch  hinzu, 
dass  Epiphanius,  der  Bischof  von  Ancjra,  t'ie  Tatianer  widerlegt  habe, 
und  dass  die  katholischen  Asceterr  lobenswerth  seien.  Excerpte  aus  Ex- 
cerpten  sind  die  Berichte  bei  Isidor  (li.  25),  Paul  (h.  26),  Honorius 
(h.  40).  Der  letztere  hat  auch  de  scriptor.  eccl.  e.  30  nacli  Hieronynius 
über  Tatian  gehandelt.  Auf  Rufin  gehen  Ado  Vienn.  (Chron.)  und  Za- 
charias  Chrysopolitanus  (Praefat.  in  Ainmonü  Monntessaroni  saec. 
XII.  (Worth,  1.  c.  p.  14)  zurück.  Der  letztere  erwähnt  auch  das  Dia- 
tessaron  („unum  ex  quattuor  compaginavit  evangelium,  et  magnificos 
contra  gentes  libros  edidit''). 


232  Apolinarius  von  Hierapolis  uml  seine  Schriften. 

Evangelienbuch  trotz  der  Häresiologen  der  Name  Tatian's  im 
Abendland  wieder  zu  Ehren  gekommen  und  namentlich  in  der 
deutschen  Kirche  auch  in  Ehren  geblieben. 


§  12.    Apolinarius   von  Hierapolis    und   seine 
Schriften  304). 

In  seinem  antimontanistischen  Briefe  an  Karikus  und  Pon- 
tius hat  als  der  Erste  der  antiochenische  Bischof  Serapion 
(c.  190—209)3^^)  des  Apolinarius  Erwähnung  gethan^^^).  Ej. 
schreibt  an  dieselben:  „Damit  ihr  aber  auch  dies  wisset,  dass 
das  Treiben  dieser  lügenhaften  Schule  (zd^ig),  welche  die  neue 
Prophetie  genannt  wird,  von  der  ganzen  Brüderschaft  auf  Erden 
verabscheut  wird,  so  schicke  ich  euch  auch  die  Schriften  des 
hochseligen  {^aytagitoTazoc)  Claudius  Apolinarius,  welcher  Bi- 
schof zu  Hierapolis  in  Asien  gewesen  ist."  Apolinarius  war 
also  damals  bereits  gestorben,  galt  aber  als  ein  tüchtiger  Kämpe 
gegen  den  Montanismus  ^^^). 

Eusebius.  hat  ihm  in  der  Kirchen geschichte  einige  Zeilen 
gewidmet;  während  in  den  uns  erhaltenen  Quellen  des  2.  und 
3.  Jahrhunderts  sein  Name  nicht  genannt  wird  3^^).  Er  stellt 
ihn  (k  e,  IV,  22.  26,  i.  27)  mit  Melito  von  Sardes  zusammen 
und  rechnet  ihn  zu  den  Schriftstellern,  deren  apostolische  Or- 
thodoxie aus  ihren  Werken,  die  sich  erhalten  haben,  hervor- 
geht.    „Von    Apolinarius",    schreibt    er,    „befinden    sich   viele 


304)  Halloix,  Vit.  ill.  eccl.  Orient.  Script.  T.  II:  Vita  S.  Apolünaris. 
Gallandi,  T.  I  p.  CXX— CXXII.  680.  Fabricius-Harles,  Vol.  VII  p. 
160--162.  Routh,  Rel.  S.  Voi.  I  p.  157-174.  Donaldson,  1.  c,  III  p. 
240—249.    Otto,  l  c.  IX  p.  479—495. 

305)  S.  meine  Chronologie  der  antioch.  Biscböfe  (1S78)  S.  46  f.  62. 

306)  S.  Euseb.  h.  e.  V,  19,  1  sq.  (VI,  12). 

307)  In  Hierapolis  hatte  früher  Papias  als  Bischof  gewirkt  und  hatte 
daselbst  noch  die  „weissagenden  Töchter"  des  Philippus  gekannt.  Ausser- 
dem ist  uns  ein  Martyrium  des  Bischofs  Abercius  von  HierapoUs  aufbe- 
halten, welcher  dem  2.  Jahrhundert  angehört  (Pitra,  Spie.  Solesin.  III, 
533)  und  wahrscheinlich  mit  dem  Abircius  Marcellue  (Euseb.,  h.  e.  V,  16, 
3)  identisch  ist,  also  nach  Apolinarius  Bischof  war. 

308)  Der  ApoHnarius,  welchen  Origenes  in  dem  Brief  an  Africanus 
(Schluss)  grüssen  lässt  {Sv  xbv  xaXov  ^/llCüv  nanav  "Änokiva^iov  aonaoai)^ 
ist  gewiss  nicht  mit  dem  von  Hierapolis  identisch. 


Apolinarius  von  Hierapolis  und  seine  Schriften.  2'^d 

Scliriften  in  den  Händen  Vieler.  Die  mir  bekannt  gewordenen 
sind  folgende:  Die  Schrift  an  den  vorhin  genannten  Kaiser ^^'') 
(M.  Aurel),  fünf  Bücher  an  die  Griechen,  von  der  Wahrheit 
Buch  eins  nnd  zwei^^^),  dazu  die  später  von  ihm  verfassten 
Schriften  gegen  die  Secte  der  Phrygier,  die  bald  darauf  offen 
mit  ihren  Neuerungen  an's  Licht  trat,  damals  aber  erst  im  Ent- 
stehen war,  sofern  Montanus  zugleich  mit  seinen  Prophetinnen 
damals  noch  erst  die  Fundamente  zu  seiner  falschen  Lehre 
legte."  Das  ürtheil  über  die  Vorzüglichkeit  der  antimontani- 
stischen Schriften  des  Apolinarius  ist. bereits  bei  Eusebius  nur 
dem  Wortlaut  nach  ein  sehr  günstiges;  denn  die  Bemerkung, 
dass  dieser  gleich  beim  Beginn  der  montanistischen  Bewegung 
geschrieben  habe,  will  mit  der  Thatsache  zusammengehalten 
sein,  dass  Eusebius  keine  Zeile  aus  den  Schrift.en  des  Apolina- 
rius citirt,  sich  vielmehr  für  seine  Darstellung  des  Montanismus 
an  die  jüngeren  Gregenschriften  gehalten  halt.  Apolinarius  war 
ihm  höchst  wahrscheinlich  noch  zu  wenig  entschieden,  obgleich 
er  V,  16,  1  von  ihm  rühmt,  dass  er  als  ein  „starkes  und  un- 
besiegliches  Rüstzeug"  gegen  den  Montanismus  von  der  Macht 
der  Wahrheit  erweckt  worden  sei.  Ob  nun  seine  Erklärung, 
dass  nämhch  Montanus  damals  noch  nicht  offen  hervorgetreten 
sei,  die  richtige  ist,  ist  mindestens  sehr  zweifelhaft.  Hat  Apo- 
linarius nach  seiner  apologetischen  Thätigkeit  gegen  die  Kata- 
phryger  geschrieben,  so  können  diese  Schriften,  wie  gezeigt 
werden  wird,  nicht  lange  vor  c.  180  fallen.  Dass  aber  damals 
die  montanistische  Bewegung  in  den  ersten  Anfängen  gewesen 
ist,  ist  nicht  glaublich,  üebrigens  hat  Eusebius  schon  in  der 
Chronik  denselben  Pragmatismus  befolgt.  Zu  ann.  Abr.  2187 
(M,  Aurel.  XL)  bemerkt  er  (Arm.):  „Apolinarus  Asianus  Hiera- 
politanorum  provinciae  episcopus  cognoscebatur",  dann  zum  fol- 


309)  Schon  IV,  26,  1  hatte  er  diese  genannt  {loyoQ  vnsQ  TTJg  nl- 
axuoq). 

310)  Die  Angabe  nsgl  aXij&siag  n^wTOv  xal  öBvzsqov  macht  es  wahr- 
scheinlich, dass  das  Werk  in  dieser  Gestalt  nicht  vollständig  war.  Nach 
ösvtegov  lesen  AEaE^GH  Niceph.  „xal  UQoq  ^ovöaiovg  ngChrov  xal  öevzi- 
QOV^%  während  die  Worte  in  BCDFaKRa,  fehlen.  Man  könnte  urtheilen, 
dass  sie  hier  durch  Homöoteleuton  ausgefallen;  allein  da  Rufin  und  Hiero- 
nymus  sie  auch  nicht  bieten,  so  wird  man  sie  vielmehr  für  einen  Zusatz 
nach  Y.  17,  5  zu  halten  haben. 


234  Apolinarius  von  llierapolis  und  seine  Schriften. 

gen  den  Jahr:  „Phrygum  pseudoprophetia  orta  esi"  Ebenso 
das  Chron.  liieron.  zum  10.  und  11.  Jahr  des  M.  Aurel.  Hier 
wird  auch  die  Apologie  des  Melito  auf  das  10.  Jahr  datirt. 
Im  Armenier  fehlt  sie.  Sjncellus  (p.  665,  9):  ^A/iollfvaQiog 
87Ti(j:<oyTog  ^iBQccnoteioq  Trjg  kv  !Aalc(j  IsQog  avi'Qj  rj'yc^iia'Qe  y.al 
MeliTon'  Tcrl.  Jedenfalls  hat  Eusebius  im  Chronicon  die  Apo- 
logie überhaupt  nicht  genannt. 

Hieronymus  (de  vir.  ini.  26),  der  den  Apolinarius,  wie  im 
Chronicon,  auf  Melito  und  Thoophilus  folgen  lässt,  hat  ledig- 
lich den  Eusebius  ausgeschrieben:  „Apollinaris,  Asiae  Hierapo- 
litanus  episcopus,  sub  imperatore  Marco  Antonino  Vero  floruit, 
cui  et  iusigne  volumen  pro  Christiänorum  fide  dedit.  Exstant 
ejus  et  alii  quinque  adversus  gentes  libri  et  de  veritate  duo, 
et  adversum  Cataphrygas  tunc  primum  cum  Prisca  et  Maxi- 
milla,  insanis  vatibus,  incipiente  Montano.""^''^).  Ob  er  eine 
Schrift  des  Apolinarius  in  Händen  gehabt  hat,  ist  zweifelhaft. 

Auf  Schriften  des  Apolinarius,  in  welchen  ausgesprochen, 
dass  Christus  l!f.txpvxog  gewesen  sei,  spielt  So  erat  es  in  der 
Kirchengeschichte  (III,  8)  an^^^y  yiiin  darf  schli essen,  dass 
ihm  solche  wirklich  bekannt  geworden  sind.  Da  er  aber  Se- 
rapion  unmittelbar  neben  Apolinarius  erwähnt,  so  ist  wahr- 
scheinlich, dass  er  den  Brief  desselben  an  Karikus  und  Pontiit.s 
gelesen  hat,  mit  welchem  zusammen  antimontanistische  Schrif- 
ten des  Apolinarius  (Euseb.  h.  e.  V,  19)  verbreitet  worden 
sein  mögen. 


311)  S,  ep.  ad  Magn.  70  (84):  „Quid  loqiiar  de  MeUtone  Sardensi 
cpiscopo,  quid  de  Apollinario  Hierapolitanae  ecclesiae  sacerdote,  Diony- 
sioque  ,  .  .  ,  qui  liaereseon  singularum  venena  .  .  .  multis  voluminibu«  ex- 
plicarunt?"  Dass  hier  Hieronymus  den  A.  mitgenannt  hat  lediglich  um 
seiner  antimontanistischen  Schriften  willen,  ist  wahrscheinlich.  De  vir. 
inl.  18  (Papias)  nennt  Hieron.  als  Cliiliasten  neben  Irenaeus  einen  Apoli- 
narius. Unter  diesem  ist  höchst  wahrscheinlich  der  Laodicener  zu  ver- 
stehen, dessen  Chiliasnms  Hieron.  an  anderen  Stellen  seiner  Werke  ))e- 
zeugt  hat  (s.  Routh,  1.  c.  p.  174). 

312)  Oviu)  yaQ  ndvxeq  oi  TzaXaidrsQOL  neQl  xovzov  löyov  yvfivaaav- 
T€Q  syyQacpov  ^(xlv  xai sXntov  xal  yaQ  FJ.Qip'aloq  xb  xrxl  Kh'jftrjg^  Jino- 
XivccQidg  xe  o  IbQanolizric^  xal  'Eegniticov  6  xtjg  iv  ^Avxiox^lf^  UQoeoKoq 
ixxXrjai'aq,  einpvxov  rov  ivr.v^Qwn^occvTa  iv  rolg  JtovrjB^eioiv  avxoTq 
Xoyoig  (üQ  o/wkoyovfUFt'Oj'  (paoxoiaiv. 


Apolinariiis  von  llierapolis  und  seine  Schriften.  235 

Auch  Theodor  et  (Haer.  fab.  III,  2)  hat  noch  AVerke  des 
A.  gekannt;  sein  ürtheil  —  avr)Q  a^i<-7icuvog  ymI  tcqoq  rf^  yvcooei 
tcoi'  -UtUov  y.al  Ti]v  e^co^Ev  Tcatöalccv  nQf)a€iXrj(pi6g  —  muss  auf 
selbständiger  Kenntniss  bemhen.  Wenn  er  aber  (1.  c.  I,  21)  den 
A.  neben  Musanus  und  Clemens  als  einen  solchen  nennt,  der 
gegen  die  Severianer  (Enkratiten)  geschrieben,  so  kann  man 
daraus  —  es  ist  ja  bekannt,  wie  schnell  Theodoret  bereit  ist, 
Jemandem  die  Verdienste  eines  Ketzerbestreiters  beizulegen  — 
höchstens  folgern,  dass  A.  in  seinem  antimontanistischen  Werke 
die  Severianer  beiläufig  abschätzig  erwähnt  hat  ^^^).  Zwei  sehr 
interessante  Fragmente  aus  einer  von  Eusebius  nicht,  genann- 
ten Schrift  des  Apolinarius  hat  derYerf.  des  Chron.  pasch. 
(Pracfat.  p.  13  sq.  et  14  edit.  Dindorf.)  aufbewahrt.  Eingeführt 
hat  er  sie  mit  folgenden  Worten:  'AiiolivaQiov  e/iiGzOTiov 
"^IsQaTiolecogj  oxt  ev  o)  vmiqu)  6  yivgiog  STta^ev  ouv,  ecpaysv  t6 
TVTTiÄOv  Jidaxa.  Kai  ^^TvnlLvaQLog  de  6  oGiwtazog  smO'ÄOTiog 
^leganokecog  rriglAoiag,  o  iyyvg  tcov  dnoaTolLKidv  xqovwv 
yeyovwg,  iv  Tf/>  UbqI  tov  ncio%a  Xoycp  toc  nagaTtkr^aia  eÖLÖa^s, 
leycov  ovTwg.  Bemerkenswerth  ist,  dass  Apolinarius  so  nahe 
an  das  apostolische  Zeitalter  gerückt  wird.  Er  ist  nicht  der 
einzige  aus  der  Zahl  der  kirchlichen  Schriftsteller,  dem  diese 
Ehre  von  den  Byzantinern  zu  Theil  geworden  ist;  vielmehr 
werden  mehr  und  mehr  die  Vater  bis  auf  Origenes  hin  als  dem 
nachapostolischen  Zeitalter  zugehörig  betrachtet.  Ausser  den 
genannten  Citaten  findet  sich  im  Chronicon  paschale  ad  Olymp. 
237,  1  =  ann.  Christ.  169  (p.  484)  die  Notiz:  1\UUt;o)v  ,  .  .  ycal 
lAnoXivdQiog  ^ItQaTTolewg  hiioy.onog  y.ai  d),Xoi  tloXkoI  tov  x«^ 
Tjfxag  loyov  ßißUov  djio'koyiag  3IdoKq)  u4vQYjliq)  AvtwvIvoj 
f-7ilöo)'/,av. 

Noch  zur  Zeit  des  Photius  befanden  sich  in  Constanti- 
nopel  die  Abschriften  von  drei  apologetischen  Werken  des 
Apolinarius.  Dieser  sagt  (Cod.  14):  \4veyv(oolhi  t^nolivaglov 
:/CQbg  "FJ'.Xrjvag  y.al  tisqI  evoeßelag  ymI  tceqI  aXtjd-eiag.  aoTi  ös 
' leQanoXiZijg  o  ovyyQacftvS)  ^^S  ^'^  ^^ö"/«  '^^ leQanöXEoyg  yeyovcog 
STrlo/.onog.    /jvd^r^ae  öe  enl  BldQAOv  l^vzcovivov  BrjQov  ßaaLXaojg 

313)  Ueber  die  „Severianer"  (im  letzten  Viertel  des  2.  Jahrh.)  s.  Euseb. 
h.  e-.  IV,  29.  Cleni.  AI.  >Strom.  1,  15,  71.  VII,  17,  106.  Paedag.  II,  2,  33. 
Epiphan.  Theodoret. 


23{)  Apolinarius  von  Hierapolis  und  seine  Schiiften. 

Piüf.iaitov.  a^ioXoyog  de  6  avrj()  xal  cpQaoei  a^Lokoycp  '/.exQri(.ie- 
vog,  XeyeTCiL  di  avzov  /mI  eTSoa  ovyygajUfiaTa  a^iouvrif.i6vEVTa 
eivcttj  olg  ovttco  i^aeig  evecvyßuev.  Die  Tradition  über  Apolina- 
rius erscheint  also  nocli,  selir  verschieden  von  der  über  Justin, 
ungetrübt.  Das  Werk  neqi  svosßelag  hat  Eusebius  nicht  ge- 
nannt, aber  er  hat  ausdrücklich  gesagt,  dass  er  nicht  alle 
Titel  der  von  Apolinarius  geschriebenen  Bücher  angeben  könne. 

Nicephorus  giebt  in  seiner  Kirchengeschichte  wesentlich 
den  Eusebius  wieder  3^^)  und  repetirt  zugleich  (X,  14)  die  oben 
mitgetheilten  Worte  des  Socrates.  Das  von  diesem  gebrauchte 
Wort  jyOf.ioXovyof.iEvov^''  ersetzt  er  aber  durch  j,6fwovoiov^'  und 
macht  dadurch  den  alten  Bischof  zu  einem  Zeugen  für  die 
orthodoxe  Trinitätslehre. 

Eine  merkwürdige  Notiz  über  A.  hätte  sich  noch  erhalten, 
wenn  einer  Notiz  Glauben  geschenkt  werden  dürfte,  die  sich 
in  dem  von  J.  Pappus  im  J.  1601  zuerst  edirten  Libellus  Sj- 
nodicus  findet  (s.  auch  Mansi,  Coli.  Concil.  I,  col.  723):  ^vvo- 
Sog  i^aia  xai  uqcc  tottixt]  sp  ^ leqanoXei  Tjjg  L^oiag  Gvva&QOi- 
od'eioa  vfco  ^Trokivaglov  tov  TavTJjg  oouot(xtov  STtiaxoTiovy 
y,al  eTSQwv  el'xoGt  ej  eTiiGKoncov,  anozrjgv^aad  zs  y.al  e/,x6xpaaa 
MovTavov  xal  Ma^if.ii'kXav  rovg  ipevdoiiQOcpriTag'  ol  y.al  ßXao- 
(pr.fAwg  rjroi  öai/novicovregj  y.ad^ojg  (pr^oiv  6  avxog  TtazrjQy  tov 
ßiov  yMTeoTQ€iliav'  ovv  avToTg  di  y.aTexQiv£  y.al  OeodoTov  xov 
oycvTea.  Ohne  über  die  Herkunft  und  Glaubwürdigkeit  des 
ganzen  Buches^  dessen  Ursprung  gewöhnlich  auf  das  Jahr  c.  900 
datirt  wird,  ein  Urtheil  fällen  zu  wollen  —  der  Umstand,  dass 
es  zuerst  Andreas  Darmarius  an's  Licht  gebracht  hat,  ruft 
den  stärksten  Verdacht  hervor  —  lässt  sich  doch  betreffs  der 
angeführten  Stelle  behaupten,  dieselbe  sei  lediglich  eine  freie 
Ausführung  von  Euseb.  h.  e.  V,  16.  Die  Schrift  eines  unbekann- 
ten Verfassers,  aus  welcher  Eusebius  dort  ein  Excerpt  gegeben 
hat,  wird  von  vielen  für  apolinarisch  gehalten.  Auch  der  Verf. 
des  Libell.  Synod.  hat  sie  dafür  angesehen.    Wie  abhängig  er 


314)  Die  Apologie  an  M.  Aurel  nennt  Nicephorus :  o  npog  jivzwvtvov 
XöyoQ  inhg  xTjq  71  iai etaq.  S.  hierzu  Ilieron.  de  vir.  inl.  26.  Euseb.  h.  e. 
iV,  26,  1.  Von  der  Schrift  n()dc;"EXXr}vag  behauptet  er,  sie  sei  in  dialo- 
gischer Form  geschrieben.  Es  ist  möglich,  ja  wahrscheinlich,  dass  er  sie 
selbst  eingesehen  hat,  da  auch  Photius  noch  dieselbe  gekunnt  ha^. 


Apolinariiis  von  Hierapolis  und  seine  Schiiften.  237 

von  ihr  ist,  beweist  der  Umstand,  dass  er  Montanus,  Maximilla 
und  Theodotus  —  den  Montanisten  meint  er  wahrscheinlich, 
nennt  aber  den  Monarchianer  —  allein  anführt,  die  Priscilla 
z.  B.  weglässt,  weil  dieselbe  auch  h.  e.  Y,  16  nicht  genannt  ist. 
Auf  unbekannte  Quellen,  welche  hier  im  Libell.  Synod.  benutzt 
sind,  wird  man  also  schwerlich  schliessen  dürfen,  wenn  auch 
die  Nachricht  von  den  26  Bischöfen  nicht  weiter  abgeleitet 
werden  kann^^^). 

Sechs  Schriften  sind  es,  die  in  der  Tradition  dem  Apoli- 
narius  beigelegt  werden.  Eusebius  hat  vier  davon  eingesehen, 
aber  bezeugt,  dass  noch  andere  Schriften  dieses  Bischofs  be- 
kannt und  verbreitet  seien;  Photius  kennt  drei,  hat  aber  auch 
noch  von  anderen  vorhandenenr  Schriften  des  Apolinarius  ge- 
hört. Die  antimontanistische  ist  schon  von  Serapion  genannt 
worden;  Spuren  ihrer  Existenz  lassen  sich  nur  bis  in's  5.  Jahr- 
hundert verfolgen.  Die  Bücher  ngbg'^'Ellr^vccg  und  7tsqI  alrj- 
^eiag  hat  noch  Photius  gelesen,  das  erstere  vielleicht  auch  noch 
Nicephorus.  Citate  aus  denselben  hat  Niemand  mitgetheilt. 
Die  Schrift  negl  evosßelag  hat  vor  und  nach  Photius  Niemand 
genannt,  die  über  das  Passa  nur  der  Compilator  des  Chronicon 
paschale.     Aus  den  beiden  Fragmenten,  die  er  mitgetheilt  hat 

—  ihre  Echtheit  ist  einst  ohne  Grund  beanstandet  worden  ^16) 

—  geht  hervor,  dass  Apolinarius  ein  Gegner  der  quartodeci- 
manischen,  asiatischen  Osterpraxis  gewesen  ist,  also  in  diesem 
Punkte  auch  ein  Gegner  des  Melito  von  Sardes^^"*).  Die  Frag-, 
mente  sind  in  verschiedener  Hinsicht  nicht  uninteressant.  Das 
erste  zeigt,  wie  besonnen  und  milde  Apolinarius  gegen  die 
quartodecimanische  Praxis  gekämpft  hat,  und  lehrt,  dass  der 
Streit  damals  schon  mit  exegetischen  Mitteln  auf  Grund  der 
Evangelienberichte  geführt  worden  ist.  Apolinarius  selbst 
scheint  übrigens  bereits  die  Unmöglichkeit  eines  Widerspruchs 
zwischen  den  Evangelien  vorauszusetzen  —  eine  für  die  Kanons- 


315)  Anders  hat  He  feie  (Concil.-Gesch.  I  [2.  Aufl.]  S.  83  f )  geurtheilt. 
Das  Richtige  bei  von  Otto,  1.  c.  IX  p.  483. 

316)  S.  Tillemont,    Memoires  T.  11    p.   748    coli.  453.     Lardner, 
Glaubwürdigkeit  d.  ev.  Gesch.  II,  1  S.  565  f. 

317)  S.  Schürer  in  der  Ztschr.  f.  d.  bist.  Theol.  1870  S.  227  f.  272. 
Vielleichf:  hat  Apolinarius  in  seiner  Schrift  geradezu  den  Melito  bekämpft. 


238  Apolinarius  von  Ilierapolis  unti  seine  Schriften. 

geschichte  nicht  unwichtige  Beobachtung^*^).  Das  zweite  Frag- 
ment ist  als  rhetorisch-liturgische  Darlegung  des  Todesleidens 
Christi  interessant  und  auch  für  die  Geschichte  des  Glaubens- 
symbols  von  Bedeutung  ^i®). 

Die  Apologie,  ,  welche  Photius  nicht  mehr  gekannt  hat, 
war  an  den  Kaiser  Marc  Aurel  gerichtet,  wie  Eusebius  und 
mit  ihm  übereinstimmend  das  Chronicon  paschale  angeben. 
Gewöhnlich  nimmt  man  an,  da  kein  Mitkaiser  genannt  sei, 
müsse  die  Schrift  in  die  Zeit  der  Alleinherrschaft  des  M.  Aurel, 
also  zwischen  die  Jahre  170  und  176  fallen.  Eine  genauere 
Zeitbestimmung  scheint  sich  daraus  zu  ergeben,  dass  Eusebius 
(h.  e.  V,  7,  4)  sich  bei  Erzählung  der  bekannten  Legende  von  der 
Melitinischen  Legion  auf  Apolinarius  berufen  hat.  Eusebius 
schreibt:  „Unsere  Geschichtsschreiber  aber  haben  als  Freunde 
der  Wahrheit  den  Vorfall  auf  eine  einfache  und  ehrliche  Weise 
überliefert.  Zu  diesen  gehört  auch  Apolinarius,  welcher  sagt, 
dass  von  jener  Zeit  an  die  Legion,    durch   deren   Gebet  dieses 


318)  Elal  rolvvv  o^l  di'  ayvoiav  cpiXovsLxovOL  tlfqI  tovtcov,  ovy- 
yvmatov  n^dyfia  Ttenov&ozeg'  ayvoia  yäg  ov  xatyjyoQiav  dvaöe- 
Xerai,  dXXa  öiÖax^iQ  TCQooSüxai'  xal  Xeyovaiv  dri  tfj  iö'  xo  ngößarov 
y.f,xd  zG)v  /uaO^TjrG)v  scpaysv  6  xvgiog,  zfj  Sh  ßsyäl^  hf'^^Q^  '^^^  d'C.vfJioJv 
aixoq  STiad^ev,  xal  diTjyovvxai  Max&atov  ovxco  ksytiv  (oq  vEV07jxaaiv, 
o^ev  aav/acpcovög  xe  vo/uo)  r^  voTjoig  avxwv,  xai  axaaid^etv  öoxfZ 
xax    avxovg  xa  €vccyy,8?ua. 

319)  H  iö^  dXri^Lvbv  xov  xvqIov  Tcdo'ia 
?)  &vaia  rj  /usydXr], 

6  avxl  xov  dfivov  nalq  deot\ 

6  öe&elg^  o  öi^oag  xov  ic/^vgov, 

xai  ö  XQid^elg  XQixr^g  ^<hvz(ov  xal  vexQöiv^ 

xal  0  7iaQaöo9^slc  stg  x^lQag  ajxaQxoiXäiv  7va  axavgcD^f/, 

0  f^ip(od-£lg  inl  xegdiiov  /jtovoxFQioxog, 

xal  o  xfjv  aylav  7tlev()di>  ixxsvTTjBelg, 

0  ixxtag  ix  xr-g  nXevQccg  avzov  td  öio  nu?.iv  xaS-dgota.  v6(oq 

xal  alf/a^  Xöyov  xal  nvevfJia, 

xal  o  xacpelg  iv  q^ifiQa  xy  xov  itdo/a,  htLZi^hvzog  zvl  ßvrjßUXL 

xov  XiS^ov. 
Dass  der  Tod  nicht  genannt  ist.  sondern  nur  Kreuz  und  Begräbniss,  ist 
ein  Beweis  für  dus  hohe  Alter  des  Stücks  (s.  das  altröraische  Symbol). 
Auffallend  ist  das  ,,X6yov  xal  tx v e v fi a'-'- -,  indessen  nicht  unerhört.  Apo- 
linariu.t  ist  also  Vertreter  der  JiOgos-ChristoIogie  gewesen;  was  sich  frei- 
lich schon  auf  Grund  seiner  apologetischen  Thiitigkeit  erwarten  Hess. 


Apolinnrius  V'On  Hierapoiis  und  seine  Schriften.  239 

Wunder  bewirkt  worden  war,  von  dem  Kaiser  43inen  den  Vor- 
fall bezeichnenden  Namen,  die  blitzende,  in  lateinischer  Sprache 
erhalten  habe."  Ist  dieser  Apolinarius  mit  dem  Hierapolitaner 
identisch  —  und  dies  ist  auch  desshalb  wahrscheinKch,  weil 
Eusebius  im  Chronicon  zum  11.  Jahr  des  M.  Aurel  den  Apo- 
linarius Hierap.,  zum  12.  die  Geschichte  von  der  Legion  ge- 
stellt hat  — ,  und  stammt  die  Mittheilung  aus  der  Apologie  des 
A.,  so  könnte  dieselbe  nicht  vor  dem  Jahre  174  geschrieben 
sein.  Indessen  die  abenteuerliche  Erzählung  hat  doch  schwer- 
lich in  einer  Eingabe  an  M.  Aurel  selbst  gestanden;  sie  wird 
wohl  aus  einer  anderen  Schrift  des  Apolinarius  stammen,  be- 
weist aber  deutlich,  wie  leichtgläubig  solche  leicht  zu  wider- 
legende Märchen  auch  von  den  Bischöfen  aufgenommen,  resp. 
colportirt  worden  sind^^O)  Chronologisch  lässt  sich  nicht  mehr 
sagen,  als  dass  die  apologetische  Thätigkeit  des  Apolinarius  in 
die  zweite  Hälfte  der  Regierung  des  M.  Aurelius,  die  Abfas- 
sung der  Apologie  vielleicht  vor  das  Jahr  176  fällt.  Nach  dem 
bestimmten  Zeugniss  des  Eusebius,  dessen  Begründung  wir 
leider  nicht  kennen,  hat  die  montanistische  Polemik  des  Apo- 
linarius erst  später  begonnen,  also  c.  180.  Vielleicht  ersah 
Eusebius  aus  derselben,  dass  M.  Aurelius  bereits  nicht  mehr 
am  Leben  war.  Die  Schrift  über  das  Passa  gehört  jedenfalls 
nicht  der  Periode  des  Streites  zur  Zeit  des  Victor  an,  sondern 
einer  früheren  in  den  siebziger  Jahren  (s.  die  Abfassungszeit 
der  Schrift  Melito's  über  das  Passa). 

Was  bisher  aus  Oatenen  als  von  einem  Apolinarius  stam- 
mend bekannt  geworden  ist,  lässt  sich  in  keinem  Stück  auf 
den  Bischof  von  Hierapolis  mit  irgend  welcher  Sicherheit  zu- 
rückführen. Anders  hat  Zahn  (Stud.  u.  Erit.  1866  S.  680  f.) 
geurtheilt.  Doch  s.  v.  Otto,  Corp.  Apol.  IX  p.  485.  Over- 
beck,  Ztschr.  f.  wissensch.  Theol.  1867  S.  40  n.  3.  Patr.  App. 
Opp.  I,  2  edit.  2.  (ed.  Gebhardt,  Harnack,  Zahn)  p.  93. 


320)  Vielleicht  darf  man  aus  Tertull.,  Apol.  5 ;  ad  Scap.  4  scflliessen, 
dass  TertuUian  die  betreifende  Schrift  des  Apohnarius  gelesen  hat;  doch 
ist  dies  sehr  unsicher. 


240  Melito  und  seine  Schriften. 

§  13.    Melito  und  seine  Schriften^'^^). 

In  seinem  Schreiben  an  Victor  und  die  römisclie  Gemeinde 
(+  195)  erwähnt  der  Bischof  Polycrates  unter  anderen  grossen 
„Lichtern",  welche  die  kleinasiatische  Kirche  besessen  hat  und 
welche  für  ihre  Osterpraxis  einstehen,  nämlich  dem  Apostel  Phi- 
lippus,  seinen  zwei  jungfräulichen  Töchtern,  der  weissagenden 
Tochter,  dem  Aposteljohannes,  Polycarp,  Thraseas,  Sagaris,Papi- 
rius,  auch  den  „Eunuchen  Melito,  der  in  seinem  ganzen  Wandel 
voll  des  h.  Geistes  war  und  in  Sardes  hegt  in  Erwartung  der  Heim- 
suchung vom  Himmel,  in  der  er  von  den  Todten  auferstehen 
wird"  ^2'^).  Als  Schriftsteller  hat  Polycrates  den  Melito  hier 
nicht  gefeiert,  wohl  aber  als  den  geisterfüllten,  um  des  Himmel- 
reichs willen  verschnittenen,  das  zukünftige  herrliche  Reich 
Christi  verkündenden  Bischof.  Den  Schriftsteller  hat  zuerst 
Clemens  Alexandrinus  in  seiner  verlorenen  Schrift  über  das 
Passa  erwähnt.  Nach  Eusebius^^'^)  war  ein  Tractat  des  Melito 
über  denselben  Gegenstand  in  zwei  Büchern  ^^^j  der  Anlass  zur 


321)  Halloix,  Vit.  illustr.  eccl.  Orient.  Script.  TU.  Woog,  De  Me- 
Htone  Sardium  in  Asia  episcopo.  Dissertt.  II.  Lips.  1744.  1751.  Galland i 
T.  I  p.  CXIXsq.  et  677—679.  Fabriciiis-Harles,  Vol.  VIT  p.  149-151. 
Routh,  Rel.  S.  Vol.  I  p.  111—153.  Piper  in  den  Tlieol  Stud.  u.  Krit. 
1838  I  S.  54—154.  Pitra,  Spicil.  Solesm.  II  p.  IV  sq.  Cureton,  Spicil. 
Syriacum  p.  22—33.  49  sq.  (p.  41—60.  85—99).  Donaldson,  1.  c.  III  p. 
221—239.    von  Otto,  1.  c.  IX  p.  374-478. 

322)  S.  Euseb.  h.  e.  V,  24,  5:  xal  MeXlrova  xbv  svvov'/ov  (Rufin: 
flpropter  regnum  dei  eunuchum".  Walirsclieinlicli  ist  die  freiwillige  Ehe- 
losigkeit gemeint.  In  diesem  Sinne  braucht  z.  B.  Tertullian  die  Worte 
„caatratus",  „spado"  häufig;  s.  Schwegler,  Montanismus  S.  63.  128.  242 
u.  sonst),  Tov  €v  aylq)  nvevfiazi  navxa  no?.iTSvad,u£voi'  (die  besondere 
Hervorhebung  dieses  Merkmals  ist  nicht  zu  übersehen;  Rufin.:  „spiritu 
sancto  repletum**.  Es  ist  eine  vorzügliche  Begabung  mit  dem  h.  Geiste 
gemeint;  s.  auch  V,  24,  2,  wo  es  nur  von  der  einen  Tochter  des  Philip- 
pus  heisst:  iv  äylo)  nvev/uazi  noXixevoauivrj),  oq  xelxai  iv  I^agöeai  m- 
(iL/xBVü)v  zijv  <^7i6  rwv  ovQavwv  inioxonyv  (s.  I  Clem.  ad  Rom.  50,  3),  ^v 
y  ix  vfxQüiv  dvaozrioEzaL  (nach  dem,  was  vorangeht,  wird  auch  dieser 
Zug  eine  specielle  Bedeutung  haben.  Melito  muss  in  besonderem  Sinne 
ein  „Erwartender"  gewesen  sein,  d.  h.  ein  energischer  Prediger  der  be- 
vorstehenden Zukunft  Christi). 

323)  H.  e.  IV,  20,  4;  s.  auch  VI,  13,  9. 

324)  H.  e.  IV,  26,  2.  3. 


»      Melito  in  der  voreusebianischen  Literatur.  241 

Schrift  des  Clemens  ^^5^^  ])ag  erste  Zeugniss  aber  über  das 
hervorragende  schriftstellerische  Talent  des  Melito  hat  ein 
Abendländer  ausgesprochen,  TertuUian.  In  seinem  grossen, 
verloren  gegangenen  Werke  de  ecstasi  lib.  VIP^g)^  {^^  welchem 
er  sich  mit  der  kleinasiatischen  antimontanistischen  Literatur 
vertraut  zeigt,  hat  er  nach  Hieronymus  auch  „das  feine  und 
rhetorische  Talent  des  Melito  verspottet",  zugleich  aber  bemerkt, 
dass  derselbe  in  weiten  Kreisen  bei  den  Katholikern  als  Pro- 
phet gelte ^'^').  Diese  Angabe  lehrt,  erstens,  dass  Melito  ver- 
schiedene Schriften  verfasst  haben  muss,  zweitens  dass  derselbe 
von  den  Montanisten  nicht  als  der  ihrige  betrachtet  worden 
ist;  drittens  aber  illustrirt  sie  das  Zeugniss  des  Polycrates, 
Melito  sei  in  seinem  ganzen  Wandel  voll  des  h.  Geistes  ge- 
wesen. Dieser  Ausdruck  ist  demnach  wirklich  in  dem  Sinne 
der  prophetischen  Begabung  zu  verstehen.  Nun  ist  es  ja  auch 
bekannt,   dass    die  kirchlichen  Bestreiter   des  Montanismus  in 


325)  Wenn  Eusebius  sagt,  Clemens  habe  sein  Buch  „aus  Anlass  (^| 
ctixlao)  der  Schrift  des  Mehto"  geschrieben,  so  ist  das  sicherlich  gleich  „gegen 
MeUto".  Unrichtig  Hefele  (Conciliengesch.  I  S.  299),  Weitzel  (Passa- 
feier  S.  26.  74):  „zur  Ergänzung";  Steitz  (Stud.  u.  Krit.  1856  S.  778): 
„mit  Bezugnahme  auf".  —  Die  Schrift  des  Mehto  ist  nach  ihrem  eigenen 
Selbstzeugniss  unter  dem  Proconsulat  des  Servilius  Paulus,  zur  Zeit  des 
Martjrriums  des  Sagaris,  aus  Anlass  einer  in  Laodicea  ausgebrochenen 
Controverse  über  das  Passa  vertasst,  aber  nicht  sofort  veröffentHcht  wor- 
den. Statt  Servilius  ist  mit  Rufin  höchst  wahrscheinUch  ,.Sergius"  zu 
lesen.  Das  kleinasiatische  Proconsulat  desselben  wird  von  Waddington 
(Fastes  des  provinces  Asiat,  p.  226)  zwischen  die  Jahre  164—166  verlegt 
(nach  Borghesi).  Wieseler  (Christen Verfolgungen  der  Cäsaren S.  102 f.) 
hat  mit  unzureichenden  Gründen  das  Jahr  170 — 171  (Mai)  als  das  richtige 
zu  erweisen  versucht  (s.  Weitzel,  Passafeier  S.  17.  Hilgenfeid,  Pascha- 
streit S.  252).  Indessen  ist  auch  der  Wadding  ton 'sehe  Ansatz  nicht 
gesichert.  Keim  (Aus  dem  ürchristenthum  S.  155)  will  das  Jahr  167  in 
Anspruch  nehmen. 

326)  Die  einzigen  Notizen  über  dies  Werk  finden  sich  bei  Hierony- 
mus, de  vir.  inl.  24.  40.  53. 

327)  De  vir.  inl.  24:  „Hujus  elegans  et  declamatorium  Ingenium  Ter- 
tullianus  in  VII  übris,  quos  scripsit  adversus  ecclesiam  pro  l^ontano,  ca- 
villatur  dicens  eum  a  plerisque  nostrorum  prophetani  putari".  Die  Va- 
riante „laudans  dicit-'  für  „cavülatur  dicens"  ist  eine  dreiste  Correctur  in 
Jüngern  MSS.  Dass  unter  den  „nöstri"  ß.atholiker  (nicht  Montanisten)  zu 
verstehen  sind,  hätte  man  nicht  leugnen  sollen. 

Texte  und  Untersuchimgen.  16 


242  Melito  und  seine  Schriften. 

Kleinasien  den  ekstatischen  nenen  Propheten  gegenüber  nicht 
nur  an  der  These  festhielten,  dass  das  prophetische  Charisma 
in  jeglicher  Kirche  bis  zur  Parusie  fortdauern  müsse '*-'^),  son- 
dern auch  die  Eeihe  ihrer  eigenen  Propheten  ausdrücklich  nam- 
haft gemacht  haben.  Bis  auf  Quadratus  und  die  Ammia,  d.  h. 
bis  auf  die  Zeii  welche  dem  Auftreten  des  Montan us  unmittel- 
bar vorhergeht,  waren  es  dieselben  Personen,  auf  welche  man 
sich  dort  und  hier  berufen  hat  (vornehmlich  Agabus,  Judas, 
Silas,  die  Töchter  des  Philippus,  die  Ammia  und  Quadratus). 
Von  da  ab  spaltete  sich  der  Stamm.  Bei  den  Kataphrygern 
traten  Montanus,  Maximilla  und  Priscilla  ein,  bei  den  Kirchen- 
leuten Tivsg  aXXoi  firjdsv  avzoTg  {seil,  den  Montanisten)  jcqooi- 
xovTsg^'^'^).  Hätte  der  anonyme  Bestreiter  der  Montanisten  es 
für  nothwendig  befunden,  diese  alXoi  aufzuführen,  so  hätten 
wir  gewiss  den  Namen  des  Melito  zu  hören  bekommen  3^^). 
War  Melito  „Prophet"  und  zugleich  ehelos,  so  dürfen  wir  ihn 
zu  der  Zahl  derjenigen  Bischöfe  rechnen,  welche  wie  Pinytiis  von 
Knosus  auf  Creta  eine  strengere  Lebenssitte  befolgten  und  dess- 
halb  diQn  Grundsätzen  des  Montanismus  näher  standen,  ohne 
mit  ihm  selbst  gemeinsame  Sache  zu  machen,  ja  mit  mehr  oder 
weniger  entschiedenem  Widerspruch  gegen  ihn^^i).  Dass  er 
trotzdem  in  den  Augen  Tertullians  nicht  Gnade  gefunden  hat, 
ist  nicht  auffallend.  Man  braucht  sich  nur  zu  erinnern,  wie 
dieser  in  derselben  Zeit  den  Hirten  des  Hermas  beurtheilte  ^'^'^). 
Aus  dem  dritten  Jahrhundert  sind  uns  noch  drei  Zeugnisse  über 
Melito  erhalten.  Zwei  finden  sich  bei  Origenes:  sie  bestätigen 
in  eigenthümlicher  Weise  die  „Alterthümlichkeit"  der  Denkart 
des  Melito.  Das  erste  stand  in  dem  Psalmencommeutar  (ad 
Ps.  3  inscr.).     Es  wird  dort  die  Frage   aufgeworfen,  wer  Ab- 


328)  Der  Anonymus  bei  Euseb.  b.  e.  V,  17,  4:  ötlv  yctg  ehai  to  noo- 
(prjtixov  ;if«()ia^a  iv  naain  x^  ixxXrjala  fxc-XQi  r^S  tfXeiaq  napovaiaCj  ö 
andaxoXog  a^ioL 

329)  So  <lor  Anonymus  1.  c.  §  3. 

300)  Vgl.  über  die  altkirchlichen  Propheten  meine  Bemerkungen  zu 
Hernias,  Maudtit  XI  (Patr.  App    Opp.  III  p.  114). 

331)  S.  Eiueb.  h.  e,  IV,  23,  7  sq.  Aehnlich  haben  über  Melito  die 
meisten  neueren  Gelehrten  geurtheilt;  s.  Bonwetsch,  Gesch.  des  Mon- 
tanismus S,  20  f. 

332)  S.  Teitull.  de  pudicit.  10.  20. 


Melito  in  der  Yöieusebiamschen  Literatur,  243 

salom  sei.  Die  Einen,  heisst  es,  glauben,  dass  er  das  Abbild 
des  Verräthers  Judas  sei,  die  Anderen  sehen  in  ihm  das  Bild 
des  Teufels.  „Wenigstens  sagt  der  Asiat  Melito,  er  sei  der 
Typus  des  Teufels,  der  sich  wider  das  Reich  Christi  aufgelehnt 
hat.  Lediglich  dies  hat  Melito  bemerkt,  ohne  die  Stelle  genauer 
zu  erklären"  ^^^^).  Das  andere  Zeugniss,  welches  Origenes  bei- 
bringt, hat  Theodoret  bewahrt  ^ 3*}.  Hier  wird  Melito  denen 
beigezählt,  welche  die  Gottebenbildlichkeit  des  Menschen  (auch) 
in  dem  Leibe  erkennen  wollen  und  sich  dafür  auf  die  Theo- 
phanien  berufen.  Origenes  berichtet,  dass  Melito  Schriften  hier- 
über verfasst  habe^^^).  Sowohl  die  Vorstellung  von  einer  Leib- 
iichkeit  Gottes  als  die  Beschäftigung  mit  der  Apokalypse  — 
denn  an  Apoc.  20,  7  f  scheint  jene  Erklärung  Melito's  anzu- 
knüpfen —  sind  für  den  kleinasiatischen  Theologen  charakteri- 
stisch. Endlich  hat  sich  noch  der  Verfasser  des  kleinen  La- 
byrinths (Hippolyt?),  der  um  230  zu  Rom  schrieb,  über  Melito 
geäussert.  Der  Behauptung  der  Artemoniten  gegenüber,  dass 
ihre  Christologie  bis  zum  Ende  des  2.  Jahrhunderts  die  herr- 
schende gewesen  sei,  beruft  er  sich  erstens  auf  die  heiligen 
Schriften.  Sodann  ßihrt  er  fort:  „Es  sind  auch  noch  von  einigen 
Brüdern  Schriften  vorhanden,  die  über  die  Zeiten  Victor's  hin- 
aufreichen, und  welche  diese  zur  Vertheidigung  der  Wahrheit 
gegen  die  Heiden  und  gegen ;  die  damaligen  Häresien  geschrie- 
ben haben,  nämlich  von  Justinus,  Miltiades,  Tatianus,  Clemens 
und  mehreren  anderen,  in  welchen  allen  die  Gottheit  Christi 
behauptet  wird.  Wer  fürwahr  kennt  nicht  die  Schriften  des 
Irenaeus,  des  Melito  und  der  üebrigen,  welche  Christus  als  Gott 
und  Menschen  verkündigen"  ^^^).    Zu  beachten  ist,  dass  Irenaeus, 

333)  S.  Select.  in  Psaim  Opp.  XI  p.  411  (ed.  Lommatzsch).  Vielleicht 
ist  statt  TOTiov  vielmehr  zvnov  zu  lesen. 

334)  Origenis  Selecta  in  Gen.  1,  26.  Opp.  VIII  p.  49 sq.;  s.  Theodoret. 
Quaest.  in  Gen.  XX.  Opp.  I  p.  21  (ed.  Sirmond.). 

335)  /7(*0()iaÄr/7ir£Ov  tiqötsqov,  nov  owloxaiai  x6  ^xat^  eUota'^, 
iv  oütßaii  vj  iv  y^V/iy.  Idwf^cv  öh  JiQOzeQOv,  oiq  XO^^^^^  ^*  ^<^  ngwiov 
^eyovzai;'  <vv  iazi  xal  MeXizwv,  avyy^af^fxaza  (ohne  ausreichende  Be- 
gründung wiU  V.  Otto  lesen:  ovyygafj^d  zi)  xazccXeXotTidjg  ns(jl  zov  sv- 
au)/uazov  slvai  zov  d^söv.  Das  folgende  braucht  nicht  einer  Schrift  des 
Melito  entnommen  zu  sein  und  wird  auch  durch  <pdaxovatv^  <fao<',  von 
Origenes  eingeführt. 

336)  S.  Euseb.,  h.  e.  V,  2S,  4  sq. 

16» 


244  Melito  und  seine  Schriften. 

Melito  und  „die  Anderen"  hier  den  Erstgenannten  als  eine  be- 
sondere Gruppe  beigeordnet  sind:  der  Sinn  dieser  Unterschei- 
dung kann  der  sein,  dass  sie  nicht  nur  als  Apologeten  und 
Polemiker,  sondern  auch  als  thetische  Schriftsteller  in  Betracht 
kommen  sollen.  Die  Art  aber,  wie  der  Verfasser  zu  den  Män- 
nern dieser  zweiten  Gruppe  übergeht  (ra  yccQ  ElQrjvalov  re  xai 
M€?Jtcovoq  '/,al  Tcov  XoiKcöv  Tig  dyvoel  ßißlla),  macht  es  viel- 
mehr wahrscheinlich,  dass  ihre  Schriften  sowohl  besonders  ver- 
breitet und  anerkannt,  als  auch  in  Bezug  auf  die  genannte  Con- 
troverse  vor  allen  bedeutungsvoll  'gewesen  sein  müssen.  Aus 
der  Zusammenstellung  des  Melito  mit  Irenaeus  speciell  darf 
geschlossen  werden,  dass  jener  in  weiten  Kreisen  in  hohem  An- 
sehen stand  33"^). 

In  dem  bisher  Angeführten  ist  Alles  erschöpft,  was  die 
uns  erhaltenen  voreusebianischen  Quellen  über  Melito  berich- 
ten ^^^).  Erfahren  wir  auch,  dass  sein  Name  in  Kleinasien  und 
Alexandrien,  in  Rom  und  in  Carthago  zwischen  190  und  230 
bekannt  war  und  geehrt  wurde,  so  ist  doch  das  Bild,  welches 
wir  von  dem  Manne  und  seinen  Schriften  empfangen,  ein  recht 
unsicheres.  Nur  soviel  darf  vermuthet  werden,  dass  seine  theo- 
logische Denkweise  der  Theologie,  welche  im  3.  Jahrhundert 
die  herrschende  wurde,  nicht  mehr  völlig  sympathisch  war. 

Reichere  Mittheilungen  über  ihn  hat  erst  Eusebius  gemacht. 
Von  ihm  erfahren  wir  zur  üeberraschung,  dass  Melito  einer 
der  fruchtbarsten,  wenn  nicht  der  fruchtbarste  kirchliche  Schrift- 
steller aus  der  Zeit  Marc  Aurel's  gewesen  ist.  Und  doch  giebt 
uns  Eusebius  wenig  mehr  als  die  Titel  seiner  Werke:  eine 
Thatsache,  die  man  unmöglich  stillschweigend  hinnehmen  darf 

In  seiner  Chronik  hat  wahrscheinlich  Eusebius  zum  11. 
Jahre   Marc  Aurel's   ein   ßißXov  dnoXoylag  vtzeq   XQiOTcavwv 


337)  Clemens  hat  gleichfalls  in  seiner  Schrift  über  das  Passa  neben  Me- 
lito auch  Irenaeus  cil.irt  (s.  Euseb.,  h.  e.  VI,  13,  9).  Ist  Hippolyt  der  Verf. 
des  kleinen  Labyrinths,  so  ist  die  besondere  Hervorhebung  des  Irenaeus 
und  MeHto  nichts  weniger  als  auffallend. 

338)  Der  Ausdruck  ist  allerdings  ungenau.  Von  den  sechs  uns  er- 
haltenen voreusebianischen  Zeugnissen  über  Melito  sind  drei  durch  Ver- 
mittelung  des  Eusebius,  je  eines  durch  Hieronymus  und  Theodoret  auf 
uns  gekommen.  In  keiner  selbständig  erhaltenen  Schrift  aus 
den  drei  ersten  Jahrhunderten  ist  Melito  erwähnt. 


Der  Bericht  des  Eusebius  über  Melito.  245 

verzeichnet,  welches  der  Bischof  des  lydischon  Sardes  Melito  dem 
Kaiser  übergeben  habe.  Doch  ist  dies  nicht  völlig  sicher  ^^^). 
In  der  Kirchengeschichte  erwähnt  er  eine  Apologie  des  Bischof 
Melito  erstmalig  im  Zusammenhang  mit  dem  gefölschten,  aber 
von  ihm  für  echt  gehaltenen  Edict  des  Antoninus  ad  commune 
Asiae^*^).  Von  der  Zeit  Justin's  zu  der  Marc  Aurel's  über- 
gehend, stellt  er  IV,  21  die  namhaftesten  Kirchenlehrer  zusam- 
men: Hegesippus,  Dionysius,  Pinytus;  „dazu  Philippus,  Apoli- 
narius  und  Melito,  Musanus  und  Modestus  und  vor  allem  Ire- 
naeus.  Von  diesen  sind  auch  Schriften  auf  uns  gekommen, 
welche  die  richtige  Lehre  des  gesunden  Glaubens  nach  Mass- 
gabe der  apostolischen  üeberlieferung  enthalten".  Im  26.  und 
27.  Capitel  werden  Schriften  des  Melito  und  Apolinarius  aufge- 
zählt, soweit  solche  dem  Eusebius  bekannt  geworden  sind. 
Voran  stehen  ihre  Apologien  an  Marc  AureP*^).  Es  folgen 
von  Melito  17  Schriften  342): 


339)  Im  Armenier  fehlt  die  Notiz ;  dort  steht  ad  ann.  Xl.  Marci  ledig- 
lich eine  Angabe  über  ApoKnarius  (Schoene  p.  172).  Aber  Hieronymus 
(ad  ann.  X.)  bringt  sie  (s.  auch  Syncellus  p.  665,  9),  sowie  auch  das  Chron. 
paschale,  und  da  die  Zusammenstellung  von  Melito  und  Apolinarius  in 
der  Kirchengeschichte  dem  Eusebius  geläufig  ist,  so  ist  es  sehr  wahr- 
scheinlich, dass  nicht  erst  Hieronymus  in  seiner  Bearbeitung  der  Chronik 
den  Mehto  hinzugefügt  hat. 

340)  H.  e.  IV,  13,  8.  Aus  der  Apologie  des  MeUto  soU  nach  Eusebius 
die  Echtheit  jenes  Edicts  gefolgert  werden  können;  s.  darüber  Overbeck, 
Studien^.  Gesch.  der  alten  Kirche  I  S.  129 f. 

341)  Euseb.,  h.  e.  IV,  26,  1:  dt  xal  T(p  örjXcj&ivzi  xaza  rovq  XQ^^ovg 
PcDfialcDv  ßaoiXeX  Xoyovq  vtibq  z?jg  niaxetoq  iölü>q  kxdzsQOQ  dnoXoyiccg 
7iQQGe(p6ivrioav.  In  §  2  wird  das  Werk  x6  n^oq  'Avküvlvov  ßißkiöiov 
genannt. 

342)  Euseb.,  h.  e.  IV,  26,  2.  Das  Verzeichniss  ist  mit  Hülfe  der  üeber- 
setzung  Rufin's,  der  syi'ischen  Uebersetzung  (s.  Cureton,  p  56  sq.  Pitra, 
Spicil.  Solesm.  II  p.  LXV)  —  über  diese  Version  s.  unten  das  Nähere  — ,  des 
Nicephorus  und  des  24.  Cap.  der  Schrift  des  Hieronymus  de  vir.  iial.  herzu- 
stellen. Wahrscheinlich  hat  Eusebius  diese  Schriften  sämmtHch  in  der 
Bibliothek  zu  Cäsarea  gefunden.  So  vermuthet  auch  Pitra;  aber  seine 
weitere  Behauptung  (1.  c.  p.  VIHsq.);  „Instituit  Eusebius  in  hac  recen- 
sione  quasi  quattuor  aut  quinque  Ubrorum  classes,  quas  ad  totidem  Volu- 
mina distincta  referre  übet  et  Hcet"  ist  sehr  gewagt,  und  der  Versuch, 
den  Umfang  dieser  Codd.  auf  Grund  der  von  Eusebius  in  das  Verzeichniss 
eingeschaltenen  Wörtchen  zu  bestimmen,  mehr  als  kühn  (doch  s.  Anm.  348). 


246  Melito  und  seine  Scliriften, 

1)  Ta  71€qI  tov  nixo^a  ovo  (Z^vei  Bücher  über   das  Passa), 
y.al  2)   To  jisgi  7co?uz6Lag  Kai  ngoipijTcdv  (Von  der  rechten 

Lebensweise  und  den  Propheten)  ^*^), 

y.ai  3)  'O  7[£qI  iK/,h]OLag  (das  Buch  über  die  Kirche), 
Kcxl  4)  *0  77€qI  y.iQiay,rjg  loyog  (die  Schrift  über  den  Sonntag), 
fT«  ÖS  5)  V>   7r£Ql   TiLOiEwg  ttVx^Qonrov  (das  Buch  über  den 

Glauben  des  Menschen)  ^^'*), 

xal  6)  'O  negl  nXdoecjg  (das  Buch  von  der  Schöpfung  des 
Menschen), 

Tiul  7)  '0  7i€Qi  v7iaKor^g  7iioz€tog  (das  Buch  vom  Gehorsam 
des  Glaubens), 

8)  'O  Tisgl  alod^TjtrjQiatv  (das  Buch  über  die  Sinne)  ^^^), 


343)  To  cum  AEaGH  Ruf.  Hleron.  Syr.,  ra  cett.  Otto.  —  ßCDF*: 
ZTJg  noXixslaq.  Da  Rufin  „de  optima  conversatione  liber  unus,  sed  et  de 
proplietis",  der  Syrer;  xal  nsgl  noXitelaq  xal  nsQi  ngocpritüiv  bietet,  so 
ist  der  Vorschlag  von  Otto,  der  sich  lediglich  auf  Hieronymus  („de  vita 
prophetarum  liber  I")  stützt,  für  xal  vielmehr  xöiv  zu  lesen,  abzuweisen. 
Die  LA  des  Hieronymus  ist  entstanden,  weil  das  absolut  stehende  noXi- 
Tsla  auffallend  schien.  Die  Bemerkung  aber  Otto's:  „sed  nuUo  pacto 
vox  nokitsi'a  ita  mide  posita  stare  potest"  geht  zu  weit.  •  Nach  Rufin  und 
dem  Syrer  sind  möglicherweise  zwei  verschiedene  Bücher  hier  zu  ver- 
stehen. Indessen  erklärt  sich  die  Wiederholung  des  negl  beim  Syrer 
auch  als  stylistisch  nothwendig. 

344)  niatscoq  cum  E*GHO  Ruf.  Hieron.  (es  macht  sich  gerade  hier 
und  im  folgenden  besonders  fühlbar,  dass  wir  noch  keinen  zuverlässigen 
Hieronymustext  besitzen;  die  Ausgabe  von  Her  ding  ist  ganz  unzurei- 
chend) Syr.,  (fvafwg  ACFi^KRs*  Heinichen,  Otto.  Auf  Grund  der  Ueber- 
liefcrung  darf  man  sich  nur  für  niaifcug  entscheiden.  Das  beigesetzte 
dv^Q(6jiov  ist  freilich  sehr  auffallend,  aber  doch  nicht  unerträglich  (vgl. 
Jacob.  2,  19). 

345)  Die  griechischen  Codices  bieten  sämmtlich:  xal  6  nsgl  VTiaxorjg 
ni(Jt€(o<;  cclo&TjtTj^iwv.  Aber  Rufin  liest:  „de  obedientia  fidei;  de  sensi- 
bus";  Nicepborus:  6  7i,e()l  vTiaxor/q  niarewg,  xal  d  nspl  ala&rjtTjQitov; 
Hieronymus:  „de  sensibus  librum  unum'-,  die  ersten  Worte  unübersetzt 
lassend.  Umgekehrt  hat  der  Syrer  nur  die  Worte:  xal  6  nsgl  vnaxoriq 
nlazewq  wiedergegeben.  Hiernach  scheint  es  mir  (gegen  Heini  oben 
und  Otto)  zweifellos,  dass  in  den  griechischen  Codd.  die  Worte  ö  tifqI 
nach  niatsojq  ausgefallen  sind  und  somit  zwei  selbständige  Schriften  des 
Melito  hier  bezeichnet  waren.  Es  kommt  hinzu,  dass  der  Ausdruck  o  n. 
vnccx.  niat.  cxlof^.  schwer  erträglich  ist. 


Der  Bericht  des  Eusebius  über  Melito.  247 

xccl  TtQog  TOVTOig  9)  '0  Tiegl  ipux^g  Kcd  oiouatog  (das  Bueb 
über  die  Seele  und  den  Leib)^*^), 

y.ccl  10)  ^0  Tteql  Iovtqov  (das  Buch  von  der  Taufe), 

/mI  11)  'O  TTSQi  aXr^d-elag  (das  Buch,   über  die  Wahrheit), 

xat  12)  Tleoi  y.xiaeiog  ycccl  yevlasiog  Xqwtov  (über  die  Er- 
schaffung und  die  Geburt  Christi)'**'^), 

ytccl  13)  Aoyog  avzoü  71€qI  7iQ0(prjT€iag  (sein  Buch  über  die 
Weissagung)  ^*^), 

xaf  14)  0  iieQi  q)ilo^€viag  (das  Buch  von  der  Gastfreund- 
schaft), 

Aal  15)   H  Klslg  („der  Schlüssel")  ^^^), 

346)  So  Eufiii,  Der  Syrer  (sowohl  im  Schriften verzeichniss  als  in  der 
Ueberschrift  eines  Fragmentes)  und  Hieronymns :  „de  anima  et  corpore". 
Die  meisten  griechischen  MSS.  ^  vo6q;  aber  AE»  Nicephorus:  j;v  iv  oiq. 
Letztere  LA  ist  ledigHch  entstellt  aus  ^'  vo6q;  denn  die  scharfsinnige  In- 
terpretation derselben  von  Otto,  sie  sei  entstanden  aus  einer  alten  in 
den  Text  gerathenen  Glosse,  welche  besagen  wolle,  dass  einige  Hand- 
schriften für  j]  vielmehr  xal  lesen  (=  .^,  iv  ßvloig  xai)  scheitert  daran, 
dass  bei  dieser  Annahme  ja  das  voog,  welches  Otto  selbst  behalten  will 
und  muss,  ganz  ausgefallen  wäre.  Stände  im  AE»  Nie.  ijVj  iv  oiq  xai 
vooq,  dann  erst  wäre  die  Erklärung  Otto's  glaubHch.  Ich  halte  xai  {vi) 
vooq  nicht  für  die  ursprüngliche  LA,  sondern  für  einen  schon  im  4.  Jahrh. 
gemachten  Zusatz  (s.  Änni.  348). 

347)  So  BCDFaGaERa  Nie,  für  xxioEcjq  lesen  niazscag  EaF^GHO  Ruf. 
Sjr.,  was  ohne  Zweifel  eine  dogmatische  Correctur  ist;  Hieron.  übersetzte 
das  xrlaeojq  nicht  und  bietet:  „de  generatione  Christi  librura  unum". 

348)  Rufin  bietet:  „Item  de  fide.  De  Generatione  Chiisti  et  de  pro- 
phetia  ejus*.  Er  hat  also  aus  No.  12  zwei  Bücher  gemacht,  aber  Nr.  13 
zu  dem  zweiten  gezogen.  Hieronymus  übersetzt;  „De  prophetia  sua  („sua" 
fehlt  in  einigen  Codd.)  librum  unum'^.  So  will  auch  Valesius  den  Satz 
verstanden  wissen,  und  auffällig  ist  das  avzov  gewiss.  Indessen  ist  die 
Beziehung  auf  Xöyoq  näherhegend.  Der  Syrer  hat  freilich  auch  übersetzt 
als  stände  im  Griechischen*  xai  rtsgl  Xoyov  trjq  jiQOtpijzslaq  aitov.  Nach 
nQO(pt}X€i(xq  folgen  in  AE^Fb  Ruf.  Syr.  noch  einmal  die  Worte  xai  usqI 
ipvx^q  xai  aw/uaiog  (s.  oben).  Denselben  Zusatz  bieten  CKR»  na-ch  dem 
gleich  folgenden  (pilo^evlaq.  Die  Dittographie  ist  also  uralt,  wahrscheinlich 
schon  von  Eusebius  «elbst  verschuldet.  Die  Hypothese  Pitra's  (1.  c,  p.  LXVI) 
empfiehlt  sich  hier,  dass  Eusebius  den  Inhalt  mehrerer  Melitocodices 
wiedergegeben  hat,  in  welchen  die  Schrift  tcsqI  rpy^i^q  xäl  aioficczoq  zwei- 
mal stand.  So  hat  er  sie  auch  aus  Flüchtigkeit  zweimal  inventarisirt. 
üebrigens  beweist  der  Titel,  wie  er  hier  lautet,  dass  die  Worte  fj  {aal) 
vooq  (s.  oben)  ein  alter  Zusatz  süid  von  einem  Trichotomiker. 

349)  Fehlt  im  Syrer. 


248  Melito  und  seine  Sclirifton. 

xat  16)  T«  7t€Qi  Tov  diaßolov  v.al  zr^g  anoy.cilv\petoq  hodr- 
vov  (die  Bücher  über  den  Teufel  und  die  Offenbarung  Joban- 
nis)  3^0), 

ycccl  17)  ^O  neql  lvco)fxdxov  d-eov  (das  Bucb  über  die  Kör- 
perlichkeit Gottes)  3  51), 

£7Ti  TiaoL  Kai  18)  TO  TtQog  l^rTCovXvov  ßißkldtov^^^). 

Eusebius  theilt  nun  ein  Fragment  aus  der  Schrift  über  das 
Passa  mit,  um  aus  demselben  die  Zeit  des  Melito  seinen  Lesern 
zu  bezeugen.  Sodann  bringt  er  drei  Bruchstücke  aus  der  Apo- 
logie Melito's.  Die  beiden  ersten  hat  er  ausgewählt,  weil  sie 
Angaben  über  die  Lage  der  Christen,  resp.  über  ihre  Verfolgung 
unter  Marc  Aurel  enthalten;  das  dritte,  theils  aus  demselben 
Grunde,  theils  weil  es  eine  kurze,  dem  Eusebius  sehr  will- 
kommene Darstellung  des  Verhältnisses  von  Kaiserthum  und 
Christenthum  von  Augustus  bis   zu  den  Antoninen    giebt^^«^). 


350)  So  die  GriecHsclien  MSS.  und  der  Syrer  (letzterer  wiederholt 
nsQl);  Rufin  und  Hieronymus  machen  zwei. Bücher  daraus.  Für  jene 
Ueberlieferung  spricht,  dass  das  oben  niitgetheilte  melitonische  Fragment 
bei  Origenes  eben  von  dem  Teufel  in  der  Apokalypse  handelt.  Bon- 
wetsch  (a.  a.  0.  S.  22)  folgt  dem  Rufin. 

351)  Hieronymus  hat  diesen  Titel  griechisch  wiedergegeben.  Rufin 
übersetzt:  „de  deo  corpore  induto"  und  hat  vielleicht  schon  an  die  Mensch- 
werdung gedacht,  so  auch  der  Syrer.  Doch  ist  dies  durchaus  nicht  wahr- 
scheinlich. Wie  Hieronymus  beweist,  konnte  ein  Lateiner  das  Wort  nicht 
gut  wiedergeben.  Allerdings  heisst  ivatoßdrcooig  „Menschwerdung"  (s. 
Const.  Apost.  in,  5  p.  100,  18  ed.  Lagarde.  Orig.  c.  Celsum  I,  43  t. 
XVIU  p.  83  ed.  Lommatzsch),  und  Athanasius  redet  (Orat.  c.  Arian.  ü, 
53  p.  360)  von  einer  ivawfzaiog  TtaQovola  tov  aiaxrjgoq.  Allein  der  Aus- 
druck ivaüjfiatog  &€6g  kann  schwerlich  auf  die  Menschwerdung  des  Logos 
bezogen  werden;  in  diesem  Falle  würde  man  Tiegl  ivaiD/uaKoaecog  ^eov 
{loyov)  erwarten.  Dazu  kommt,  dass  Origenes  (s.  oben)  Schriften  Meli- 
to's  erwähnt  tisqI  tov  ivaih/uarov  eivai  tov  ^eov.  Die  Hypothesen  Pi- 
tra's  (1.  c.  p.  XI),  dass  hier  eine  Verleumdung  des  Origenes  vorliege,  und 
Anderer,  Origenes  habe  sich  durch  den  Titel  des  Buches,  welches  er  nicht 
selbst  eingesehen,  verführen  lassen,  so  zu  interpretiren,  sind  ganz  unwahr- 
schcinHch.  Ueber  das  angebliche  Zeugniss  des  Anastasius  für  die  Auf- 
fassung ==  adQxwaig  s.  unten. 

352)  Hieraus  zu  schUessen,  dass  die  Apologie  die  jüngste  Schrift  Me- 
Hto's  gewesen  sei  (Otto,  1.  c.  IX  p.  377),  ist  ganz  unstatthaft. 

.353)  Eusebius  fühlt  die  Fragmente  also  ein  (§5):  hv^ö'k  T(p  jtQog  tov 
ctvTOXQaTOQa  ßi.ßXl(p  totavTci  xiva  xad-'  i^fxiov  in^  avxov  ys^ovivai  \gio- 


Der  Bericlit  des  Eusebiiis  über  Melito.  249 

Hierauf  tragt  Eusebius  noch  eine  (19.)  Schrift  des  Melito  nach 
unter  dem  Titel  ^j^EyXoyai^^.  Dieselbe  war  in  6  Bücher  ge- 
theilt  und  enthielt  Auszüge  aus  dem  A.  T.  Das  Prooemium  der 
Schrift,  welche  an  den  Bruder  Onesimus  gerichtet  war,  hat 
Eusebius  ausgeschrieben.  Es  enthält  Angaben  über  die  Ver- 
anlassung des  Buches,  eine  Notiz  über  eine  Reise  Melito's  nach 
Palästina  und  das  Yerzeichniss  des  alttestamentlichen  Schriften- 
kanons auf  Grund  von  Erkundigungen,  die  der  Verf.  in  Palä- 
stina angestellt  hat.  Hiermit  beschliesst  Eusebius  seinen  Be- 
richt 354). 

Es  bedarf  nur  eines  flüchtigen  Ueberblicks  über  die  von 
Eusebius  aufgeführten  Titel  sowie  über  die  wenigen  Fragmente, 
die  uns  hier  und  von  Früheren  und  Späteren  mitgetheilt  sind, 
um  eine  sehr  nahe  Verwandtschaft  zwischen  MeUto  und  Ter- 
tullian,  dem  Theologen,  Apologeten  und  Schriftsteller,  zu 
vermuthen.  Trotz  der  Spärlichkeit  des  uns  für  die  Vergleichung 
zu  Gebote  stehenden  Materials  erscheint  dieselbe  so  gross,  dass 
ein  wirkliches  Abhängigkeitsverhältiriss  des  Jüngeren  von  dem 
Aelteren  angenommen  werden  muss,  und  dass  man  zugleich 
mit  einigem  Recht  mutatis  mutandis  Melito  als  den  asiatischen 
Tertullian  bezeichnen  darf  ^^^).    Ist  dem  so,  dann  erklärt  es  sich, 


gel.    üeber  die  Geschichtsbetrachtung  des  Melito,  s.  Overbeck,  Studien 
I  S.  144f. 

354)  Die  Titel,  welche  Eusebius  bietet,  sind  nicht  sachlich  geordnetj 
nur  hier  und  da  scheinen  zwei  neben  einander  genannte  wirklich  zusam- 
menzugehören. Was  das  Werk  nait  der  Aufschrift  „^/  xXeiq"'  betrifft,  so 
lässt  sich  der  Inhalt  nicht  einmal  vermuthen.  An  Mtth.  16,  19  ist  nicht 
zu  denken  (so  Seh  wegler,  Montanismus  S.  223),  sonst  stände  der  Plural. 
Auf  Lc.  11,  52  resp.  auf  den  platonischen  Gebrauch  des  Wortes  haben 
Andere  verwiesen  (s.  von  Otto,  1.  c.  p.  401  sq.)  =  xktlq  trjq  yy<6ae(og, 
aber  das  Fehlen  jeder  Näherbestimmung"  macht  diese  Erklärung  unwahr- 
scheinlich. Vielleicht  darf  man  an  den  Gebrauch  des  Wortes  in  der  Apo- 
kalypse denken  (s.  3,  7  f.  9,  1.  20,  1.  1,  18),  zumal  da  das  von  Eusebius 
an  nächster  Stelle  genannte  Werk  von  der  Offenbarung  Johannis  handelte. 
Doch  ist  natürlich  diese  Hypothese  nichts  weniger  als  sicher. 

355)  Eine  Reihe  von  Vergleichungspunkten  ergab  sich  schon  oben; 
hier  sollen  alle  zusammengestellt  werden  unter  Rücksichtnahme  auf  die 
später  noch  zu  besprechenden  Fragmente  MeHto's.  Auch  die  Parallelen, 
welche  kein  Abhängigkeitsverhältniss,  sondern  nur  Verwandtschaft  be- 
zeugen, sind  mitaufgeführt. 


250  Melifco  und  seiiiß  Schriften. 

wamm  Eusebius  trotz  seiner  Bescheinigung  der  Orthodoxie  des 
Melito  sich  mit  einer  blossen  Aufzählung  äQr  Schriften  dessel- 


1)  In  der  Schrift  de  ecstasi  hat  TertulHan  sell)st  ausgesj)rochen ,  dass 
er  Schriften  Melito's  gelesen  habe  (s.  oben).  Sein  Spott  über  das 
»elegans  et  declamatorium  ingenimn"  des  Bischofs  beweist  nicht, 
dass  er  ihn  nicht  in  iTüherer  Zeit  ausgeschrieben  oder  nachge- 
ahmt haben  kann. 

2)  Melito  besass  nicht  nur  selbst  die  Prophetengabe,  sondern  hat  auch 
in  zwei  Büchern  (Nr.  2  u.  13)  über  die  Prophetie  geschrieben  — 
gewiss  nicht  im  Sinne  der  neuen  Propheten  (was  aus  dem  Zeugniss 
des  Polycrates  und  Eusebius  sich  ergiebt).  aber  auch  nicht  in  dem 
der  Aloger  und  der  späteren  kleinasiatischen  Antimontanisten,  sondern 
etwa  in  dem  vermittelnden  des  Irenaeus  u.  A.  Dazu  Tertullian  de 
ecstasi  und  Abschnitte  in  seinen  montanistischen  Schriften. 

3)  Melito  blieb  ehelos  und  hat  eine  eigene  Schrift  nsgl  noXizflaq  ge- 
schrieben. Dazu  Tertullian  de  pudicitia,  de  exhortat.  castitatis, 
die  verlorene  Schrift  de  nuptiarum  angustiis  (Oehler  II  p.  746  sq.) 

•  und  de  monogamia  (passim);  ferner,  die  richtige  Lebensordnung 
(disciplina)  ist  ein  Hauptthema  in  den  Schriften  Tertullian's. 

4)  Melito  war  Chiliast  (Nr.  16)  wie  Tertullian  (de  resurr,  camis.  Adv. 
Marc.  III  etc.). 

5)  Zu  Melito  Nr.  17  und  dem  Fragment  bei  Origenes  vgl.  die  Stellen, 
wo  Teri3uUian  Gott  Körperlichkeit  beilegt,  und  Gennadius,  de  eccl. 
dogm.  4. 

6)  Zu  den  psychologischen  Schriften  Melito's  (Nr.  6.  8.  9)  vgl.  TertuU. 
de  anima,  de  animae  submissione  (nach  dem  Cod.  Agobard.),  de 
censu  animae  (nach  de  anima  1),  de  came  et  anima  (nach  dem 
Agobard.;  so  aber  war  auch  eine  Schrift  Melito's  betitelt),  adv. 
Marc.  1.  n  (dazu  Melito's  neQl  nXdaewg)  etc. 

7)  Zu  MeHto  Nr.  10  vgl.  Tertull.  de  baptism. 

8)  Zu  Melito  Nr.  4  vgl.  TertulL  de  orat. 

9)  Zu  Melito  Nr.  12  vgl.  TertuU.  de  carne  Christi. 

10)  Die  Geschichtsbetrachtung  Melito's  in  seiner  Apologie  (3.  Fragment 
bei  Eusebius)  ist  aufgenommen  von  Tertullian,  namentlich  im  5.  cap. 
des  Apologeticum.  Die  üebereinstimmung  ist  eine  so  auffallende, 
dass  sie  nicht  zufällig  sein  kann.  Es  verdient  übrigens  alle  Be- 
achtung, dass  die  staatsfreundlichste  Darstellung  der  Geschichte  des 
Christenthums  aus  der  Zeit  vor  Origenes,  die  wir  kennen,  aus  der 
Feder  eines  Mannes  stammt,  der  in  seinen  thetischen  Schriften 
strengen  Grundsätzen  gehuldigt  hat.  Auch  hierin  hat  er  eben  nur 
an  Tertullian  einen  Genossen. 

11)  Eine  dreijährige  Lehrwirksamkeit  Jesu  wird  von  Tertullian  und 
Melito  (wenn  das  Fragment  bei  Anastasius:  Otto,  1.  c.  IX  p.  415 
echt  ist)  angenommen. 


I 


Der  Bericht  des  Eusebius  über  Melito.  251 

ben  begnügt  hat^^^^),  und  warum  in  der  Folgezeit  die  Bücher 
des  Melito  fast  völlig  untergegangen   sind.     Haben   die  Bjzan- 


12)  Die  Christologie  <5es  Melito  {S^eov  xal  avS^Qwnov  xaxayy^XXovxoq 
ZOP  Xgiaxov;  s.  auch  das  sub  11  citirte  Fragment)  muss  der  des 
Tertullian  in  ihrem  Gegensatz  zum  Monarchianismus  und  Doketis- 
mus  sehr .  verwandt  gewesen  sein.  Melito  hat  aber  auch,  wenn  Ana- 
stasius  im  Rechte  ist,  in  einer  Schrift  nfQl  aaQxwascüQ  Xgiozov 
den  Marcion  bekämpft;  vgl.  die  Bestreitung  Marcion's  in  TertuUian's 
Tractat  de  carne  Christi. 

13)  Mit  den  vier  Fragmenten  Melito's  —  ihre  Echtheit  vorausgesetzt  — , 
welche  die  Catenae  in  Genesim  enthalten  (Otto,  1.  c.  p.  416  sq.), 
namentlich  aber  mit  dem  ersten,  sind  die  Ausführungen  Tertuliian's 
adv.  Marc.  III,  18.  adv.  Jud.  10.  13  (Isaak  als  Typus  Christi)  sehr 
verwandt;  s.  Otto,  1.  c.  p.  446  sq.,  der  auch  zu  dem  4.  Fragment 
de  bapt.  11  verglichen  hat.  Zu  den  Worten  Melito's:  dvo  yaQ 
avi'iazT]  rä  a(peoiv  ajuagtTjfidxwv  nagexo/uevay  nd&og  ötd  Xgiaxov 
xal  ßocTixiOf/a  vgl.  de  bapt.  16:  „Hie  est  baptismus  qui  lavacrum 
et  non  acceptum  repraesentat  et  perditum  reddit". 

14)  Tertullian  vindicirt  dem  Melito  ein  ^elegans  et  declamatorium  in- 
genium".  Er  hätte  sein  eigenes  Talent  nicht  treffender  bezeichnen 
können.  Ist  das  vom  Sj'^rer  aUein  erhaltene  Fragment  aus  der 
Schrift  über  die  Seele  und  den  Leib  echt  (Otto,  1.  c.  p.  419),  so 
darf  es  als  eine  viel  beweisende  Probe  für  die  verw-andte  schrift- 
stellerische Art  der  beiden  Theologen  gelten.  Beide  lieben  sie  rhe-' 
torische  Antithesen  und  treifen  in  diesen  manchmal  sogar  zusam- 
men. Man  vgl.  Melito:  „vinctus  est  ut  solveret;  prehensus  est,  ut 
laxaret;  pa.ssus  est,  ut  misericordiam  haberet;  mortuus  est,  ut  vivi- 
ficaret;  sepultus  est,  ut  resuscitaret",  oder  (Fragm.  ex  cat.  in  Gen.): 
o  xvgioc;  o<payelq  ^ao)oev  rjf/äg  xal  ÖB^^elg  slvas  xal  xv^^elg  elv- 
xgwaaxo  —  mit  vielen  ähnlichen  Stellen  bei  Tertullian. 

Das  Urtheil,  welches  oben  gefällt  worden  ist  sowohl  über  Melito's 
dem  Tertullian  verwandte  Geistesart  als  über  die  Benutzung  seiner  Schrif- 
ten durch  diesen,  darf  somit  als  begründet  gelten.  Dass  Tertullian  ihn 
nicht  häufiger  namentlich  citirt  hat,  ist  bei  der  bekannten  Art,  in  wel- 
cher derselbe  seine  Quellen  benutzt  hat,  nicht  auffallend.  Zu  den  her- 
vorragenden antignostischen  Polemikern  kann  übrigens  Melito  schwerlich 
gehört  haben,  sonst  hätte  ihn  Tertullian  adv.  Valent.  5  doch  wohl  er- 
wähnt. Dagegen  ist  er  gewiss  unter  den  ungenannten  „nonnulli"  (de 
testim.  animae  1)  zu  suchen.  Ist  einmal  constatirt,  dass  Melito's  Schriften 
am  Anfang  des  3.  Jahrhunderts  in  Carthago  nicht  unbekannt  waren,  so 
liegt  es  nahe  bei  (Pseudo-)Cyprian's  Schrift  ^Testimonia",  die  nichts  an- 
deres sind  als  Excerpte  aus  der  heiligen  Schrift,  an  Melito's  'Exloyal  zu 
denken.     Doch  fehlt  jeder  Anhalt  für  diese  Vermuthung. 

356)  Eusebius  entnimmt  den  von  ihm  angeführten  Schriften  in  der 


252  Melito  und  seine  Schiiften. 

tiner  selbst  den  Irenaeus  bei  Seite  geschoben,  weil  er  Chiliast 
war,  wie  viel  gewisser  musste  ihr  ürtheii  den  Melito  treffen, 
der  ihnen  ohne  Zweifel  noch  mehr  AnstÖssiges  bot»  So  sind 
denn  auch  die  Spuren  einer  fortgesetzten  Leetüre  des  Melito 
in  der  griechischen  Kirche  sehr  spärliche.  Granz  unsicher  ist, 
ob  Gregor  von  Nyssa  Schriften  von  ihm  gekannt  hat^^*^).  Eine 
kleine  Ausbeute  gewährt  das  Chronicon  paschale.  Zwar  zum 
ann..l69  hat  der  Compilator  lediglich  die  Chronik  des  Eusebius 
ausgeschrieben,  indem  er  bemerkt,  dass  damals  Melito  dem 
Kaiser  Marcus  Aurelius  Antoninus  ein  ßißXiov  dnoXoylag  über- 
geben habe^^^),  aber  dies  Ereigniss  hatte  er  schon  vorher  zum 
ann.  164,5  erwähnt,  augenscheinlich  einer  anderen  Quelle  fol- 
gend oder  auf  Grund  eigener  Leetüre.  Hier  giebt  er  denn  auch 
eine  kurze  Charakteristik  des  Buches  und  theilt  ein  Fragment 
aus  demselben  mit^^^).  Vier  Fragmente  aus  einer  nicht  be- 
zeichneten Schrift  des  Melito  enthalten  die  Catenae  in  Genesim; 
man  hat  vermuthet,  dass  sie  aus  den  Eklogen  stammen.  Die 
erste  Hälfte  des  ersten  und  das  zweite  und  dritte  hat  zuerst 


Regel  allerdings  nur  historische  Notizen.  Aber  es  ist  schlechterdings  un- 
denkbar, dass  ihm  die  Tractate  des  Mehto  nicht  auch  solche  .geboten  haben 
sollten.  Verschiedene  Titel  derselben  verrathen,  dass  MeUto  auch  an  dem 
montanistischen  Streit  Theil  genommen  hat.  Aber  Eusebius  hat  ihn  für 
denselben  nicht  als  Quelle  benutzen  mögen,  sondern  sich  an  entschiede- 
nere Bestreiter  gehalten.    S.  auch  Bonwetsch,  a.  a.  0.  S.  20f. 

357)  Pitra  vermuthet  dies  (1.  c.  p.  X,  not.)  auf  Grund  von  Gregor., 
De  hom.  opif.  c.  2S.  Opp.  I  p.  119  (edit.  1015);  allein  hier  ist  höchstwahr- 
scheinlich an  Origenes  und  die  alexandrinische  Schule  gedacht. 

358)  Ed.  Dindorf  p.  484.  Für  die  Zeitbestimmung  der  Apologie  lässt 
sich  hieraus  also  nichts  gewinnen.  Fest  steht  (nach  dem  Fragment  bei 
Eusebius  §  7),  dass  das  Buch  nach  dem  Jahr  169  übergeben  ist,  d.  h. 
nach  dem  Tode  des  Lucius  Verus.  Die  Datirung  bei  Eusebius-Hieronymus 
auf  das  Jahr  170  stammt  höchst  wahrscheinhch  aus  dieser  Einsicht.  Man 
wird  sich  mit  Ov erb  eck  (L.  GBlatt  1873  Nr.  11)  auf  die  Zeitbestimmung 
1G9 — 180  zu  beschränken  haben. 

359)  P.  482.  483.  Als  Empfänger  sind  hier  die  zwei  Kaiser  genannt. 
Ferner  wird  die  Verwandtschaft  zwischen  den  Apologien  Mclito's  und 
Justin's  hervorgehoben  {MeXircov  zibv  ^^agdiavCoy  enloxonog  fisia  noXla 
räiv  iTiiöoO^evTcuv  nagä  xov  aviov  ^ovoiivov  (p7jaiv).  Sodann  folgt  das 
Fragment  (Otto,  1.  c.  p.  413),  dessen  Echtheit  unbedenkHch  ist.  Christus 
wird  in  demselben  als  &edc  ?.6yoQ  {&sov  /.oyoc)  tlqo  alihvcov  bezeichnet, 
Gott  aber  als  o  uqo  nävxiüv  xal  inl  navzojv. 


Das  Chronicon  paschale  und  die  Catenae  in  Genesim.  253 

Halloix  (Vit.  ill.  eccl.  Orient.  Script.  II  p.  835)  nach  einer  Ab- 
schrift Sirmond's  aus  einer  ungedruckten  Catene  veröffent- 
Hcht  (Excerpte  aus  ihnen  brachte  schon  Lipomanus,  Catena 
in  Gen.  1546).  Dieselben,  das  erste  nur  vervollständigt,  hat  M. 
Lequien  für  Grabe  aus  zwei  Pariser  Catenen  abgeschrieben. 
Dieser  aber  hat  sie  nicht  mehr  veröffentlichen  können.  Da- 
gegen hat  Woog  (Diss.  II  p.  41  sq.)  durch  die  Vermittelung 
des  M.  Crusius  eine  Abschrift  erhalten.  Die  Abschrift  Lequien's 
wurde  von  Routh  in  der  Bodlejana  gefunden  und  edirt.  Aus 
2  (3)  Handschriften  der  Vaticana  konnte  Routh  ihren  Text 
verbessern  ^^^)  und  ein  viertes  Fragment  hinzufügen.  Nach  vier 
Pariser  Handschriften  hat  dann  Pitra  die  vier  aufs  neue  her- 
ausgegeben, von  denen  aber  keine  über  das  13.  (14.)  Jahrh.  hin- 
aufreicht. Diese  Catenen-Handschriften  sind  aber  fast  identisch 
mit  der  ^eiQa  elg  Tr]v  ^Oxtcltsv^ov  snijLieXeicc  Niy.rjq)6Q0v  lou 
^eoTOKOv  (Lips.  1772),  in  welcher  (I  col.  281.  283)  sich  auch  die 
4  Fragmente  (nicht  ganz  vollständig)  finden  ^<^0.  Ihre  Echtheit 
ist  einst  von  Dupin,  Tillemont  und  Ceillier  ohne  rechte 
Begründung  beanstandet  worden  ^62).  Was  zunächst  das  erste 
Fragment  anlangt,  so  ist  die  zweite,  grössere  Hälfte  vielleicht 
auszuscheiden.  Sie  findet  sich  lediglich  in  der  Abschrift  Le- 
quien's,  während  alle  anderen  Zeugen  das  Fragment  bei 
7i(XQ€ix€v  To7g  avd^QcoTCoig  schliessen.  Ferner  wiederholt  sie  zum 
grössten  Theile  nur  das  in  der  ersten  Hälfte  Gesagte  oder  um- 
schreibt den  Grundtext.  Endlich  ist  auch  einmal  der  sprach- 
liche Ausdruck  dort  und  hier  ein  verschiedener.  In  der  ersten 
Hälfte  heisst  es  (hg  ycQiög  i^i^:^],  in  der  zweiten  nsnsdri^evog 
(hg  '/.Qiog.  Mit  Sicherheit  wird  man  nicht  entscheiden  können. 
Verdächtig  scheint  auch  das  4.  Fragment,  welches  freilich  das 
interessanteste  ist.  Es  beginnt  mit  den  Worten:  to  ,,)car£;fd- 
f.ievog^''  TCüv  Ksgarcov  6  ^VQog  Kai  o^Eßgalog  „HQefidf^evog^^  g)rj' 


360)  Auf  diese  Handschriften  bezieht  sich  höchst  wahrscheinlich  auch 
die  Notiz,  die  Routh  (1.  c.  p.  150)  in  den  Papieren  Grabe's  gefunden  hat 
„Melito  in  Genesin  Cod.  Vat."  (s.  Otto,  1.  c.  p.  410). 

361)  S.  Eouth,  1.  c.  p.  122  sq.  Otto,  ].  c.  p.  416  sq.  Pitra,  1.  c. 
p.  LXIIIsq.  Die  Aufschrift  des  ersten  Fragments  lautet  in  den  MSS:  tov 
(laxagiov  MsXitcovog  Sagöscov  oder  MfXitwvoQ  imaxonov  SaQÖscDv;  die 
folgenden  MsXlxfovoq  Sagöscov  oder  MeXLxojvoq. 

362)  S.  Otto,  1.  c.  p.  446. 


254  Melito  und  seine  Schriften. 

(jir,  wg  oacplöxegov  tvnovv  tov  oxavQov.  Bald  darauf  folgt  eine 
Erklänmg  des  Wortes  ^aßi'A,  =  äq)eoig.  Das  Fragment  schliesst: 
z/vo  yag  ovveoTiq  ta  a(peoLv  af.iaQTri(.ioiT(x)v  7jaQey^n^uva,  naS^og 
dia  XqiotÖv  ^al  ß(xnTiOf.ia.  Ein  Pariser  Codex  (M)  hat  den 
Titel  ^yMelliiüvog^*  niclit  hier,  sondern  schon  etwas  früher.  In 
zwei  anderen  (I  yl)  ist  das  unmittelbar  vorhergehende  Schoiion 
mit  Evaeßiov  bezeichnet.  Nun  hat  aber  Piper 3^^)  entdeckt, 
dass  ein  Schoiion  des  Eusebius  von  Emesa  zu  Genes.  22,  13 
lautet  (Montfaucon ,  Hexapla  I  p.  35):  xo  „vM€ey6f.i£vog^^  tcov 
/.egchcüv  6  JSvQog  xat  o  'Eßgaiog  „'/.ge/^idinevög^^  (paoiv^^^).  Es 
liegt  desshalb  nahe,  den  Namen  Melito's  hier  zu  beanstanden. 
Andererseits  kann  freilich  auch  der  des  Eusebius  irrthümlich 
mit  dem  Schoiion  in  Verbindung  gebracht  worden  sein.  Für 
Melito  spricht,  dass  dies  4.  Fragment  inhaltlich  mit  den  drei 
anderen  zusammenzugehören  scheint  ^^^).  Gegen  ihn  und  für 
Eusebius,  dass  von  diesem  Scholien  zur  Genesis  bekannt  sind, 
und  dass  die  Erwähnung  des  Syrers  und  Hebräers  bei  dem 
Bischof  von  Emesa  sehr  verständlich  ist,  während  sie  bei  Melito 
trotz  seiner  Reise  nach  Palästina  doch  auffällt.  Muss  hier  die 
Untersuchung  mit  einem  „non  liquet"  sich  bescheiden,  so  blei- 
ben doch  die  Fragmente  la  (ib)^  2,  3  bestehen.  Ihr  Inhalt  ist 
allerdings  wenig  belangreich. 

Ungleich  wichtiger  ist,  was  Anastasius  Sinaita  (saec.  VU.) 
an  zwei  Stelleu  seines  Werks  „Hodegos  seu  Dux  Viae  c.  Aceph." 
über  und  aus  Melito  beigebracht  hat  3^^).    An  erster  Stelle  zählt 


303)  A.  a.  0.  S.  65  f. 

304)  Dieses  Schoiion  findet  sich  nach  Otto  (1.  c.  p.  447  sq.)  auch  in 
der  römischen  LXX- Ausgabe  zu  Genes.  22,  13, 

365)  Fragm.  III  heisst  es  z6  (pvxbv  {Saßtx)  auBipaive  tov  axavQOv. 
Fragm.  4:  woneg  6e  <pvx6v  Saßex  ixdXeos  tov  aytov  axavQov.  Die  Er- 
klänmg Saßix  =  aipEOiq  findet  sich,  worauf  Wo og  zuei-st  aufmerksam  ge- 
macht hat  (Diss.  U  p.  45)  auch  in  der  römischen  LXX-Ausgabe  (s.  Routh, 
1.  c.  p.  153).  Sie  fehlt  aber  in  dem  dritten  Fragment,  was  für  die  Identität 
der  Verfasser  nicht  günstig  ist.  Die  Zusammenstellung  von  Mart3-rium 
und  Taufe  ist  jedoch  kein  Zeichen  späterer  Zeit,  eher  das  Gegentheil. 

36G)  C.  Xll  p.  2J6;  XlII  p.  200  cdid.  Gretser.  Das  Buch  enthält  auch 
sonst  noch  wichtige  Bruchstücke  aus  älteren  Schriften.  Ueber  die  ver- 
schiedenen Anastasii  Sin.  s.  den  Art.  von  Venables  in  dem  Dict.  of  Chri- 
stian Biography  I.  Der  Verfasser  des  Hodegos  ist  nicht  Patriarch  von 
Antiochien  gewesen,  sondern  blieb  Mönch. 


Die  Zeugnisse  des  Anastasius  Sinaita.  255 

er  die  Testimonia  auf,  auf  welclie  sich  seine  theopascliitischen 
Gegner  beriefen,  unter  ilmen:  MeXliojvog  hiiGKOTtov  ^a^deiop 
€x  tov  koyov  Tov  elg  ro  ndd-og'  ,/0  ^€og  TtiTtovOsv  vnb  öe^iäg 
'laQctrilkidog''^^^'^).  Die  Formel  von  dem  leidenden  Gott  ist  ur- 
alt^^^):  sie  ist  liier  so  eigenthümlich  wiedergegeben,  dass  an  der 
Echtheit  des  Spruchs  nicht  wohl  gezweifelt  werden  kann^*^-*). 
Dann  aber  darf  man  dem  Anastasius  auch  glauben,  dass  Melito 
eine  von  Eusebius  nicht  verzeichnete  Schrift  big  t6  ndd-oc  ver- 
fasst  hat.  In  dieser,  deren  Existenz  somit  für  das  7.  Jahrhun- 
dert noch  gesichert  ist,  wird  man  vielleicht  auch  jene  oben 
besprochenen  Fragmente  aus  den  Genesis- Catenen  unterzu- 
bringen haben.  Wenigstens  fügen  sie  sich  besser  zu  ihr  als  zu 
den  Ekiogen  —  Excerpte  sind  sie  nicht  —  oder  zu  irgend  einer 
der  von  Eusebius  genannten  Schriften.  Wichtiger  ist  das  zweite 
Fragment.  Anastasius  hat  es  mit  folgenden  Worten  eingeführt: 
^A\]Ltkei  yovv  6  d^elog  y,al  7idvooq)og  ev  öidaGKalocg  Me- 
XixioVj  £v  Tcj  neQL  ^aoxwGswg  Xqigcov  kayo)  TQit(p  Xiav  stcl' 
^tf.i(fET(Xi  s§t]y7jTi)v  tov  ßovkofievov  €/,  TÜV  (XEcd  10  ßdjtTWfxa 
V710  Xqiotov  TTQaxd^tvTiov  ^iccQaoTrjoaL  rj  TViOTiooaöd^ai  io  aXrjd^ig 
z^g  y.fvxr^g  ij  tov  ötof-iazog  avcov  Tq  vcov  cpvGixojv  xal  dva^iaQ- 
zjjciov  avTOv  7tQay(-idTiov,  Myto  drj  /celprjg,  ölipr^g  ktX.  .  .  ov 
/novov  öif  dXXd  YML  Twv  '/.axd.  y.fvxrjv  of.iouog  dScixßl^TCov  xca 
(pvGi/,v)v  rjfuv  ovTcoVj  tovt'  eoTL  TTJg  kuTtr^g  7.ccl  dyiovlag  nal 
a&vfZLag.  cprjGl  yccQ  /mtcc  MagKicovog  gvvtoitcov  6  d-eoGocpog 
MeXiTcov  dnriQveixo  yciQ  vmI  6  MaQKUoVj  -^ud^djUQ  ^evrJQog  ze 
'/,al  VctLavog  ttjv  evGUQzov  Xqigtov  oiKovoinlav,  rag  avidg  7cqo- 
zdoeig  nal  XQriGeig  evayyekty.dg'  (hier  fehlt  etwas)  aGrrsQ  xal 
vvv  ovzot  rfQog  i^fiäg  ol  Maoxuovog  tov  IJovtikov  (.lad-r^xal- 
TtQog  ov  Xiav  axEcpQOvcog  6  MekiTcov  d7i€y.QtvaT0  cpdGVMVy  tog: 
es  folgt  nun  das  Fragment  ^^^). 


367)  Ueber  die  späteren  Byzantiner,  welche  den  Anastasius  excerpirt 
und  so  auch  dieses  Wort  aufbewahrt  haben,  s.  Routh,  1.  c.  p.  147  (Otto, 
1.  c,  p.  444). 

368)  S.  meine  Bemerkung  zu  I  Clem.  ad  Rom,  2,  1. 

369)  Routh  citiii;  zu  dem  seltsamen  Ausdruck  vnö  öe^täQ  'laficcTjXt- 
xiöoq  den  Ausspruch  eines  Presbyters  bei  Iren.  V,  17.  Ich  finde  nicht, 
dass  die  Stelle  durch  denselben  deutlicher  wird. 

370)  OvösfJAU ^avdyxT)  roter  vovv  exovaiv,  i^  wv  fxsia  x6  ßänziOf/a  6 


256  Melito  und  seine  Schriften. 

Im  Sinaikloster  ist  Melito  noch  im  7.  Jahrhundert  als  „der 
göttliche  und  weiseste  Lehrer",  als  „der  Theosoph''  gefeiert 
worden.  Das  ist  auffallend  genug,  wenn  man  bedenkt,  wie 
wenige  seit  dem  Anfang  des  4.  Jahrhunderts  wirklich  von  ihm 
haben  belehrt  sein  wollen  ^'^).  Gilt  solches  Lob  nicht  vielleicht 
nur  einer  Schrift  unter  seinem  Namen,  die  doch  nicht  von  ihm 
herrührt,  wie  der  Apologet  Justin  um  seiner  angeblichen  Ex- 
positio  rectae  fidei  willen  von  den  späteren  griechischen  Theo- 
logen besonders  gefeiert  worden  ist?  Anastasius  beruft  sich 
auf  eine  Schrift  7i£üi  GccQzcüosiog  Xqiotoi.,  die  mindestens  drei 
Bücher  umfasst  hat;  Eusebius  kennt  dieselbe  nicht  ^'2).  Was 
er  selbst  in  seiner  Einleitung  dem  nachher  angeführten  Frag- 
mente aus  diesem  Werke  entnommen  hat  —  es  ist  theils  nicht 
ganz  verständlich,  theils  geradezu  falsch  —  darf  man  bei  Seite 
lassen.  Nur  dies  ist  wichtig,  dass  er  bemerkt,  der  Verf.  habe 
sein  Buch  gegen  Marcion  geschrieben.     Eine  grosse  Schrift  in 


xal  xov  OQjßatoq,  r^g  xaO^  rjfiäg  avSgconlvijQ  (pvaswq.  tä  yaQ  fxEia  xo 
ßdniLGfjia  {(prialv)  vnö  Xgioxov  noaxB^ivxa,  xal  ßdXLara  xä  OTjfieta,  t//v 
avxov  xsxQVßfjiivrjv  iv  aagxl  S^eoxrjxa  iö^Xovv^  xocl  intaxovvxo  xcd  xöauw. 
0e6g  yaQ  Sv  ofiov  xc-  xal  av^Q(ü7ioq  xeXaoc,  6  avxoq  zaq  ovo  avxov 
ovalag  inioxwaaxo  tj/hTv  x^v  fihv  d^sozrjxa  avxov  öia  xwv  ar]/nei(t}v  i':v 
ty  XQisxia  x^  fxexa  xd  ßänxiOfxa,  x^v  ös  dvO-QconoxTjxa  avzov  iv  xoZg 
XQidxovxa  xQOvoig  xolg  tcqo  xov  ßamiofjiaiog'  iv  oig  öia  xo  äxflsq 
x6  xaxa  odQxa  anexQvßri  xa  arifjiela  x^q  avxov  d^eoxrjzoq,  xccinsg  Bsog 
aXrjS-i/g  7CQOcti(ovioq  vndgx^v. 

371)  Man  darf  allerdings  auch  auf  die  Epitheta  nicht  allzuviel  Ge- 
wicht legen.  Worte  wie  6  i)^£Toq^  6  navoocpoq  waren  im  7.  Jahrh.  als  Be- 
zeichnung der  alten  Yäter  sehr  übHch.  Doch  sind  sie  immerhin  nicht  zu 
übersehen:  nur  die  hervorragenderen  erhielten  sie. 

372)  Mit  der  von  Eusebius  genannten  Schrift  nfgl  ivato^axov  &{ov 
hat  Pitra  (1.  c.  p.  XI)  und  vor  ihm  schon  Andere  jenes  Werk  identifi- 
ciren  wollen.  Allein  1)  haben  dort  alle  Zeugen  &eov,  Anastasius  bietet 
JCqiozov;  2)  umfasste  die  Schrift  negl  ivowfidxov  d-sov  nur  ein  Buch; 
3)  bezeugt  Origenes,  dass  Melito  über  die  Körperlichkeit  Gottes  ge- 
schrieben hat  (s.  oben).  Somit  ist  jene  Hypothese  verwerflich.  Indessen 
hat  man  sich  zu  erinnern,  dass  der  ungewöhnliche  Ausdruck  ivowfxaioq 
S^soq  auch  als  „iv  aagxl  y£v6/j.svoq  ^fo,"  verstanden  werden  konnte,  zu- 
mal wo  für  das  richtige  Yerständniss  kein  guter  Wille  vorhanden  war. 
Sollte  es  sich  mithin  ergeben,  dass  die  Schrift  nsgl  aagxJDOScoq  &sov  un- 
echt ist,  so  hegt  die  Annahme  nahe,  dass  eben  der  Titel  nsgl  ivoüj^ud- 
xov  ^sov  Anlass  der  Unterschiebung  gewesen  ist. 


Die  Zeugnisse  des  Anastasius  Sinaita.  257 

drei  Büchern  7rf^2  öaQxojoswg  Xqigtov  yMta  Magmcovog  er- 
weckt unzweifelhaft  ein  günstiges  Vorurtheil  für  ihr  hohes 
Alter.  Der  Verf.  des  Fragmentes  wendet  sich  aber  im  Ein- 
gang nicht  gegen  Marcion,  sondern  an  die  Adresse  seiner  kirch- 
lichen Bestreiter.  Er  sagt  ihnen,  es  sei  nicht  nothwendig,  die 
Realität  der  menschlichen'  Natur  Christi  aus  dem.  was  derselbe 
seit  der  Taufe  gethan  hat,  zu  erweisen.  Diese  Thaten,  nament- 
lich die  Wunder,  bezeugten  vielmehr  seine  im  Fleische  ver- 
borgene Gottheit.  Seine  Menschheit  aber  habe  er  bezeugt  in 
seinem  Leben  während  der  30  Jahre  vor  der  Taufe.  Damals 
habe  er  die  Zeichen  seiner  Gottheit  verhüllt;  der  Grund  hier- 
für könne  nur  darin  liegen,  dass  seine  menschliche  Natur  noch 
nicht  völlig  entwickelt  war ^^3). 

Dies  das  Gerüste  des  interessanten  Bruchstückes.  In  dieser 
Form  wird  schwerlich  Jemand  an  seinem  hohen  Alter  zweifeln. 
Es  führt  uns  mitten  in  den  Kampf  gegen  Marcion.  Der  Verf. 
tadelt  —  so  sind  gewiss  seine  Worte  zu  verstehen  —  in  scho- 
nender Weise  eine  falsche,  weil  aussichtslose  Methode  der  Pole- 
mik gegen  den  Häretiker.  Man  soll  darauf  verzichten,  aus  den 
evangelischen  Berichten  über  die  öffentliche  Wirksamkeit  Christi 
seine  Menschheit  darzuthun:  für  die  „Verständigen"  genügt  der 
Hinweis  auf  die  30  Jahre.  Freilich  ein  crefährlicher  Verzicht, 
eine  Praescnptio  noch  viel  verzweifelter  als  die  tertullianischen! 
Die  Zeit,  welche  im  Lichte  der  Geschichte  steht,  soll  man  preis- 
geben und  sich  gegen  den  Doketismus  in  das  Dunkel  der  30 
Jahre  zurückziehen.  Jn  Wahrheit  wohl:  man  soll  überhaupt 
nicht  streiten  mit  den  Häretikern;  denn  diese  erkennen  ja  die 
Existenz  jener  30  Jahre  überhaupt  nicht  an.  Also  ist  aller 
Streit  einfach  abgeschnitten! 

Der  Mann,  der  diesen  Rathschlag  gegeben  hat,  gehört 
sicherlich  dem  2.  Jahrhundert,  der  Seit  des  brennenden  Kam- 
pfes, an  (Tertullian  ist  im  3.  und  4.  Buche  gegen  Marcion  be- 
reits ganz  anders  verfahren).  Ja  seine  Bereitwilligkeit,  auf  die 
öffentliche  Wirksamkeit  Jesu  bei  dem  Beweise  für  seine  Mensch- 
heit zu  verzichten,  ruft  Erinnerungen  an  die  Auffassungen  des 


373)  So  alleiu  können  die  Worte  <J/a  to  azeXhg  ro  aaza  adpxa  ver- 
standen werden.  Die  üebersetzungen,  welche  ritra,Routh,Otto  bieten, 
verdunkeln  den  Sinn  der  Worte. 

Texte  und  Untersuchungen.  17 


258  Melito  und  seine  Schriften. 

„historischen"  Christus  wach,  wie  wir  sie  noch  im  antoninischen 
Zeitalter  auch  in  grosskirchlichen  Kreisen  finden^''*).  Aber  auch 
in  einzelnen  Wendungen  verräth  das  Stück  sein  hohes  Alter, 
resp.  den  melitonischen  Ursprung.  1)  Der  Verfasser  ist  Dicho- 
tomiker.  Die  menschliche  Natur  besteht  für  ihn  aus  Seele  und 
Leib;  so  spricht  er  von  tb  ^dhjd-eg  y.al  dcparzaaTov  rijg  ipvxrjg 
Xqlötov  '/.al  tov  aw/uaTog,  (i.  e.)  Trjg  /.aS^  ^)litäg  dvO^QConirrjg 
qprfTfioc.  Melito  hat  aber  nach  Eusebius  ein  Buch  /leol  ipv%ig 
%al  0(6uaTog  geschrieben.  2)  Der  Ausdruck  to  cnfxxvTaaiov  ist 
der  zutreffende  gegenüber  Marcion,  welcher  den  Leib  Christi 
ein  (fävTao(.ia  genannt  hatte.  3)  In  dem  Fragment  heisst  es 
von  Christus:  d^Eog  tov  ofiov  ts  Kai  avd-Qwnog  Tfleiog;  der  An- 
timonarchianer  bei  Eusebius  (s.  oben)  hat  aber  von  Melito  be- 
zeugt, dass  er  tov  Xqiotov  als  ö^ebv  y,al  uvd^Q(onov  verkündigt 
habe.  4)  Ferner  wird  Christus  ^ebg  d^.rjd-rjg  ngoaicoviog  ge- 
nannt; in  dem  Fragment,  welches  das  Chronicon  paschale  aus 
der  Apologie  Melito's  aufbewahrt  hat,  heisst  er  ^fo?  {^eoi) 
koyog  TiQo  aicovav.  So  vereinigt  sich  Alles,  um  die  Echtheit 
des  Bruchstückes  zu  verbürgen.  Dem  gegenüber  lassen  sich 
nur  zwei  Stellen  anführen,  die  Bedenken  erregen  können 3"^). 
Nämlich  erstlich,  dass  es  von  Christus  heisst:  tag  ovo  altov 
ovo  tag  eniOTwoaro  rjjiüvj  zweitens,  dass  ihm  im  Fragment  eine 
dreijährige  Lehrthatigkeit  zugeschrieben  vard  {ev  t?}  TQiexla  xfj 
^leTa  TO  ßaniLOiia).  Allein,  das  Erstere  anlangend,  so  ist  kaum 
der  Schein  einer  späteren  Formel  zuzugestehen  ^^^).     Warum 


374)  Gedacht  ist  an  eine  Auöasisimg  von  Christus,  wiö  sie  z,  B.  Leu- 
cius  gehegt  hat  (s.  Zahn,  Acta  Joannis,  passim).  Der  naive  Doketismus 
ist  zweifellos  im  vorireiiaeischen  Zeitalter  weit  verbreitet  gewesen  (s.  auch 
den  Brief  des  Baniabas  und  die  Hji)otyposon  des  Clemens). 

375)  Den  Titel  des  Buches  wird  man  nicht  beanstanden  können.  Man 
brau(;ht  für  denselben  sich  nicht  einmal  auf  den  Prolog  des  Johannes- 
evangeliums 7A\  Lerufen,  sondern  kann  an  die  Christologie  des  Barnabas- 
briefes  (z.  B.  5,  10)  oder  an  II  Clem.  ad  Rom.  9,  5  {XQiaxbq  wv  fxhv  xb 
TtQWTov  Tcvsvjita  iySvfto  oaQ^)  erinnern. 

376)  Gegen  Hilgenfeld  (Allg.  Lit.-Ztg.  1847  I  -S.  668).  Man  sollte 
überhaupt  vorsichtiger  werden  in  Schlüssen  auf  ein  späteres  Zeitalter  in 
Anlass  gewisser  christologischer  Formeln.  Es  gilt  dies  aber  namentlich 
bei  solchen  Fragmenten,  die  darauf  Anspruch  machen,  der  Zeit  :•. wischen 
240 — 320  anzugehören.  Die  griechische  theologische  Terminologie  war  da- 
mals bereits  so  gut  wie  vollständig  ausgebildet. 


Die  Zeugnisse  des  Aiiastasius  uud  Gennadius.  259 

ein  Theologe,  der  urkundlich  Christus  als  zugleich  Gott  und 
Mensch  seiend  verkündigt  hjit,  nicht  auch  einmal  von  seinen 
beiden  Naturen  geredet  haben  soll,  ist  nicht  abzusehen;  es  ist 
aber  von  der  Einigung  der  beiden  Naturen  hier  gar  nicht 
gesprochen,  sondern  lediglich  von  einer  d^eorrjg  iv  oaQxl  xfix^ffi- 
f^svT]^  die  erst  in  den  drei  Jahren  der  öffentlichen  Wirksamkeit 
hervorgetreten  sei,  während  bis  dahin  die  rrapf  allein  sich  kund 
gethan  habe.  Die  Formeln  also  des  späteren  Monophysitis- 
mus  und  Dyophysitismus  werden  hier  nicht  einmal  gestreift; 
denn  diese  wollen  die  Frage  beantworten,  wie  die  Einhieit  der 
Person  zu  denken  sei.  Aber  auch  das  zweite  Argument  ist 
nicht  stichhaltig.  Selbst  zugestanden,  dass  sichere  Zeugnisse 
für  die  Annahme  einer  dreijährigen  Lehrwirksamkeit  Jesu  erst 
seit  den  Jahren  +210  bislang  nachweisbar  wären,  so  ist  doch 
nicht  abzusehen,  warum  ein  um  das  Jahr  180  schreibender 
Kirchenlehrer  nicht  schon  diese  Annahme  befolgt  haben  sollte. 
Das  Johannesevangelium  hat  er  doch  gewiss  ebenso  gut  ge- 
kannt wie  sein  Landsmann  Apolinarius.  Warum  konnte  er 
nicht  die  Zeitbestimmungen  jenes  Evangeliums  schon  um  170 — 
180  aufnehmen,  während  Andere  trotz  ihrer  Bekanntschaft  mit 
dem  Buche  noch  ein  Menschenalter  und  mehr  gezögert  haben? 

Wir  dürfen  also  die  Nachrichten,  welche  uns  Anastasius 
über  Melito  gebracht  hat,  als  eine  wirkHche  Bereicherung  unserer 
Kenntnisse  von  diesem  Theologen  acceptiren.  Zu  den  19  Schrif- 
ten, die  Eusebiüs  als  melitonisch  aufgezählt  hat,  kommen  als 
Nr.  20  und  21  der  loyog  elg  lo  7cdd^og  und  die  antimarcioni- 
tische  Schrift  7nqL  oaQKCoGswg  Xqigtov  hinzu.  Aber  was  mehr 
sagen  will:  wir  erfahren,  dass  wenigstens  in  einem  Winkel  der 
grossen  griechischen  orthodoxen  Kirche  der  Name  Melito's  im 
7.  Jahrh.  nicht  nur  nicht  vergessen  ist,  sondern  noch  hoch  ge- 
feiert wird,  allerdings  auf  Grund  von  Schriften,  die  Eusebius 
nicht  gekannt  hat,  während  die  von  diesem  aufgezählten  Bücher 
nicht  mehr  erwähnt  werden. 

Aus  der  abendländischen  Kirche  des  4.  bis  6.  Jahrhunderts 
kommt  uns  nur  ein  Zeugniss  entgegen;  denn  Hieronymus  hat 
von  Melito  allem  Anschein  nach  nicht  mehr  gewusst,  als  was 
bei  Eusebius  und  Tertullian  zu  lesen   stand  3'^^).    Es  ist  Gen- 


377)  S.  Be  vir.  inl.  24.  Chron.  ad  ann.  X.  Aurehi.  Ep.  ad  Magnuni  70 

17* 


260  Melito  und  seine  Schnften. 

nadiiis,  der  Presbyter  von  Massilia,  der  (um  490)  noch  eine 
selbständige  Kunde  von  Melito  besessen  zu  haben  scheint ''^'^^). 
In  seiner  Schrift  de  eccl.  dogm.  e.  4  schreibt  ev^"^^):  „Nihil 
corporeum  (in  trinitate  credamus),  ut  Melito  et  Tertullianus, 
nihil  corporaliter  effigiatum,  ut  Anthropamorphus  et  Audia- 
nus"3^ö),  und  c.  25  (55):  „In  divinis  repromissionibus  nihil  ter- 
renum  vel  transitorium  exspectemus,  sicut  Melitiaui  (Melitani) 
sperant."  Die  erste  Stelle  anlangend,  so  dürfen  "v^-ir  an  Melito's 
Schrift  ^egl  ivoMnarov  ^eov  denken,  sei  es  nun,  dass  Genna- 
dius,  der  des  Griechischen  wahrscheinlich  kundig  war,  sie  selbst 
gelesen  —  was  nicht  eben  glaublich  ist  —  sei  es,  dass  er  von 
ihr  durch  Vermittelung  etwa  des  Origenes  (oder  des  Tertul- 
lian?),  gehört  hat.  Die  Zusammenstellung  Melito's  mit  Ter- 
tuUian  aber  ist  wohl  sein  eigenes  Werk;  dass  sie  nicht  unpas- 
send ist,  wurde  oben  gezeigt.  Bei  der  zweiten  Stelle  kann 
man  zweifeln,  ob  überhaupt  Melito  hier  gemeint  ist.  Allein  an 
Anhänger  des  egyp tischen  Meletius  zu  denken,  die  in  den  abend- 
ländischen Ketzerkatalogen  seit  Philastrius  erwähnt  werden  ^s^), 
ist  ganz  unstatthaft,  und  von  anderen  Meletius'  oder  Melitus' 
ist  nichts  bekannt.  Es  kommt  hinzu,  dass  sich  Gennadius  1.  c- 
mit  der  chiliastischen  Literatur  nicht  nur  vertraut  zeigt  ^^ 2), 
sondern  nach  seinem  eigenen  SelbÄtzeuguiss^^^)  2wei  besondere 


(84):  ^Quid  loquar  de  Melitone  Sardensi  episcopo,  quid  de  Apollinario 
Hierapolitanae  ecclesiae  sacerdote,  Dionysioque  .  .  .  qui  liaereseon  singn- 
larum  venena  .  .  .  multis  voluminibus  explicarunt?"  Gewiss  hat  man  nicht 
anzunehmen,  dass  H.  die  Schrift  ne^l  aagxcjaeiog  Xqigiov  im  Auge  ge- 
habt hat. 

378)  S.  über  denselben  den  Art.  von  Cazenove  irn  Dict.  of  Christian 
Biography  II  u.  Jungmänn,  Quaestiones  Gennadianae.  Lips.  1881. 

379)  Oehler,  Corpus  Haereseol.  I  p.  337. 

380)  Die  von  Augustin  (h.  76)  nicht  näher  bezeichnete  Haere^ie,  quae 
„dicit  corpus  hominis,  non  animani  esse  imaginem  dei",  ist  dem  Buche 
des  Philastrius  (h.  97)  entnommen,  der  ihren  Urheber  auch  nicht  nam- 
haft gemacht  hat  (s.  dazu  die  Bemerkungen  des  Galea^rdus).  Möglicher- 
weise ist  Melito  gemeint  (s.  die  oben  citirte  Stelle  aus  Theodoret-Origenes). 

381)  S.  Philastr.,  h.  90.  August.,  h.  48.  Praedest.,  h.  48. 

382)  Die  Erwähnung  des  Marcion  in  dieser  Gesellschaft  ist  allerdings 
ein  grober  Verstoss,  der  indess  vielleicht  auf  einem  Fehler  der  Abschrei- 
ber beruht. 

383)  S.  de  vir  inl.  99  in  calce  operis  Hieron, 


Melito  iii  der  Literatur  der  syrischen  Kirche.  261 

Scliriften  unter  den  Titeln  „tractatus  de  mille  annis",  „de  apo- 
calypsi  beati  Joannis"  verfasst  "hat.  Er  hat  also  gewiss  auch 
chiliastische  Schriften  gelesen,  Yon  Melito  aber  wissen  wir, 
dass  er  7i:€Qi  xov  diaßolov  ytal  aTtoyiakvipscog  ^Icodvvov  geschrie- 
ben hat  und  dass  er  höchst  wahrscheinlich  Chiliast  war  (s. 
oben).  Die  Annahme  liegt  daher  sehr  nahe,  dass  Gennadius 
jene  Schrift  des  Melito  eingesehen  hat.  Ist  sie  richtig,  so  muss 
man  noch  einen  Schritt  weiter  gehen.  Gennadius  spricht  von 
Cerinthus,  Papias,  Irenaeus,  Tertullian,  Lactantius,  Nepos,  aber 
von  „Melitani".  Man  darf  daraus  schliessen,  dass  die  Schrift 
des  Melito  über  die  Apokalypse,  resp.  eine  andere  chiliastischen 
Inhalts  von  ihm  eine  gewisse  Verbreitung  im  Abendland  ge- 
funden hat,  wenn  auch  nicht  mehr  im  5.  Jahrh.,  so  doch  im 
3.  und  4. 

In  dem  Obigen  ist  das  Material  erschöpft,  welches  wir  aus 
der  alten  griechischen  und  lateinischen  Kjrche  über  Melito  be- 
sitzen ^s*).  Aber  der  Codex  Nitriacus  Musei  Britannici  num. 
14658,  den  Tattam  im  Jahre*  1843  nach  Europa  gebracht, 
Renan  ^85),  Cureton  ^s^),  Roerdam^^^),  von  Otto  und  Sa- 
chau*-^^^)  theiiweise  bearbeitet  haben,  belehrt  uns,  dass  in  der 
syrischen  Kirche  des  6»  oder  7.  Jahrhunderts  Mehto  nicht  ganz 
vergessen  war.  Dieser  Miscellan-Codex  enthält  nämhch  ausser 
sehr  vielen  anderen  Stückeji  an  7.  Stelle  eine  Apologie,  welche 
die  Aufschrift  trägt:  „Oratio  Melitonis  philosophi,  quae  habita 
est  coram  Antonino  Caesare.  Et  locutus  est  ad  Caesarem  ut 
cognosceret  deum,  et  indicavit  ei  viam  veritatis  et  incepit  loqui 
in  hunc  modum."  Ein  zweiter  Codex  Nitriacus  Musei  Britan- 
nici (num.  12156  fol.  70.  76.  77),  der  nach  Cureton  im  J.  562 


384)  Photius  hat  in  seiner  „BibKotheca"  auch  nicht  eine  einzige 
Schrift  des  Melito  mehr  verzeichnen  können. 

385)  Journ.  Asiatique  1852  Avril  und  bei  Pitra,  Spie.  Solesm.  II 
p.  XXXVII  sq. 

386)  Spicil.  Syriac.  1855.  Dort  Preface  I  sq.  eine  genaue  Beschreibung 
des  Codex. 

387)  MeHtos  Tale  til  Kejser  Antonin  samt  nogle  hidtü  ukjendte  Brud- 
stykker  af  same  Forfatter,  oversatte  fra  Syrisk  (Aftryk  af  Njt  Theol.  Tids- 
skrift  Vn.)  Havniae  1856. 

388)  S.  von  Otto,  1.  c.  IX  ji.  460.  501  sq.  Eine  deutsche  üebersetzung 
gab  Weite,  Theol.  Quartalschr.  1862.  S.  392  f. 


202  Mclito  und  seine  Sclii'iften. 

geschrieben  ist,  enthält  vier  sonst  unbekannte  Bruchstücke 
Melito's^^'^'^).  Endlich  hat  Gureton  noch  aus  dem  Cod.  Syr. 
num.  14533  (saec.  VII.  vel  VIII.)  ein  ganz  kurzes  hierherge- 
höriges Fragment  veröffentlicht  (p.  56.  98)  und  p.  56  sq.  die 
betreffenden  auf  Melito  bezüglichen  Abschnitte  aus  der  syri- 
schen Uebersetzung  der  Kirchengeschichte  des  Eusebius  ab- 
drucken lassen  ^9^). 

Was  nun  die  syrisch  erhaltene  Apologie  betrifft,  so  ist  be- 
reits ausgemacht,  dass  die  Apologie,  die  als  vollständiges  Werk 
uns  hier  überliefert  ist^^^),  dem  Melito  nicht  angehört  ^'^2 j  u^j. 
Verf.  lebte  höchst  wahrscheinlich  in  Syrien  ^^^);  mehr  lässt  sich 
über  ihn  nicht  sagen,  da  jede  Tradition  über  das  Buch  fehlt. 
Dass  es  griechisch  abgefasst  war,  ist  auch  nur  a  priori  zu  ver- 
muthen,  doch  nicht  einmal  ganz  sicher,  wenn  die  Apologie 
an  einen  der  aus  Syiien  stammenden  Kaiser  gerichtet  sein  sollte. 
Was  die  Zeit  anlangt,  so  ist  von  dem  „Antoninus  Caesar*'  der 


389)  Die  drei  ersten  sind  veröffentlicht  von  Pitra- Renan,  1.  c.  p. 
LVI  sq.,  alle  vier  von  Cureton,  1.  c.  Otto,  IX  p.  497  sq.  Eine  lateinische 
Uebersetzung  geben  Renan  und  Otto-Sachau  (1.  c.  j).  419  sq.),  eine 
englische  Curetou,  eine  dänische  Roerdam.  S.  auch  Cureton,  Coip. 
Ignat.  p.  352. 

390)  S.  auch  Pitra-Renan,  1.  c.  p.  LTII  sq. 

391)  S.  den  Eingang  und  den  Schluss.  Lücken  sind  nicht  vorhanden. 
Den  Titel  anlangend,  so  hat  Otto  (1.  c.  p.  380  sq.)  nachzuweisen  ver- 
sucht, dass  die  Worte:  , Oratio  .  .  .  quae  habita  est .  .  Et  iocutus  est"  ent- 
standen seien  aus  einem  Missverytiiudniss  der  Bezeichnung  der  Apologien 
des  Mehto  und  Apolinarius  bei  Eusebius  {xal  xdi*  ßaatXet  Xöyovq  n^oae- 
(poJvTjocv).  Der  ursprüngliche  Titel  auch  dieser  syrischen  Apologie  habe  ge- 
lautet: „Melitonis  philosophi  oratio  ad  Antoninum  Caesarem."  Die  Sache 
ist  aber  durchaus  nicht  sicher.  In  c.  5  bezeichnet  allerdings  der  Verf. 
selbsh  sein  Elaborat  als  ein  Schriftwerk,  nicht  als  Rede. 

392)  Den  Beweis  hierfür  hat  Jacobi  (Deutsche  Ztschrift  f.  chriatl. 
Wissensch.  u.  chrietl.  Leben  185G  Nr!  14)  geliefert,  dem  von  Otto  beige- 
treten ist.  Doch  sind  nicht  alle  Gründe  Jacobi's  stichhaltig.  Die  Hypo- 
these, Melito  habe  zwei  Apologien  geschrieben  (so  Cureton  unter  Be- 
rufung auf  das  Chron.  pasch.),  ist  ganz  verwerflich;  ebenso  die  andere, 
die  syrische  Apologie  sei  mit  Melito's  Schrift  negl  d/.rjUetciQ  identisch 
(Ewald,  Gott.  Gel.  Auz.  1856  S.  658). 

393)  S.  vor  allem  c.  5.  Schon  Andere  haben  bemerkt,  dass  die  Art, 
wie  der  Verf.  am  Ende  des  Capitels  i.uf  den  Cult  in  Mabug  (HierapoHs) 
übergeht,  den  Schluss  nahe  legt,  dass  er  in  dieser  Gegend  zu  Hause  war. 


Melito  in  der  Literatur  der  syrischen  Kirche.  263 

Ueberschrift  abzusehen,  da  diese  sich  als  irrthümlich  heraus- 
gestellt hat.  Aber  in  dem  Texte  selbst  wird  der  Antonius 
(Antoninus)  Caesar  c.  13  angesprochen  und  1.  c.  sowie  c.  12 
(bis)  ist  von  seinen  Söhnen  die  Rede.  Man  hat  also  die  Aus- 
wahl zwischen  Ant.  Pius,  Marc  Aurel,  Commodus  und  Cara- 
calla.  Elagabal,  wie  Otto  meint,  kommt  schwerlich  in  Betracht, 
da  er  keine  Söhne  hatte ^^*).  An  Caracalla  hat  Jacobi  ge- 
dacht 3^^^*),  und  diese  Hy^iothese  empfiehlt  sich  in  der  That  am 
meisten.  Der  Verf.  verweilt  besonders  ausführlich  bei  den  sy- 
rischen und  osroenischen  Culten;  er  redet  die  Priester  zu  Ilie- 
rapolis  geradezu  an.  Unmittelbar  darauf  macht  er  die  Nutz- 
anwendung auf  den  Kaiser.  Von  Caracalla  und  seiner  Ver- 
wandtschaft ist  aber  bekannt,  dass  sie  den  syrischen  Culten  er- 
geben waren  3^^).  Caracalla  weilte  aber  auch  in  den  Jahren 
215 — 217  wiederholt  in  Syrien  (Antiochien)  und  Osroene»  Den 
Winter  216;7  brachte  er  in  Edessa  zu^^^).  Nimmt  man  an, 
dass  die  Apolog^te  in  Syrien  damals  für  ihn  geschrieben  wurde 


394)  Otto  sagt  freilich  (p.  385):  „Non  vero  obstant  filii  memorati; 
licebat  sane  scriptori  ita  dicere  etiam  de  prole  posthac  exspectanda". 
Aber  der  Verf.  hat  sich  ganz  bestimmt  ausgedrückt.  Die  seltsame  Phrase 
(c.  6):  ^Tu  vero,  animal  rationale,  Hberum  ac  cognoscens  veritatem,  si 
hac  de  re  meditaris,  eeto  penes  te  ipsum,  et  si  vestitu  muHebris  te  te- 
gere  volunt,  recordator  te  esse  virum"  —  sie  ist  bisher  nicht  erklärt; 
denn  eine  Anspielung  auf  den  Namen  Caracalla  anzunehmen  (Cpartian.  9), 
ist  schwerlich  gestattet  —  wird  durch  die  Beziehung  auf  Elagabal  doch  nicht 
deutlicher  als  durch  die  auf  Caracalla.  Gemeint  ist  wohl  ein  religiöser 
Brauch  irgend  eines  der  orientalischen  Culte.  Dann  aber  ist  weder  an  An- 
ton. Pius  —  trotz  Malalas  11  p.  281  Bonn.  —  noch  an  Marc  Aurel,  höchst 
wahrscheinlich  auch  nicht  an  Commodus  zu  denken.  Ganz  ausgeschlossen 
ist  nicht  Alexander  Severus.  Er  hat  zwar  nach  Lampridius  c.  7~r-10 
den  Namen  „Antoninus"  abgelehnt.  Indessen  wäre  es  denkbar,  dass 
gerade  im  Orient  die  Bezeichnung  „Antoninus"  =  „Augustus"  weiter  ge- 
braucht worden  wäre.  Doch  habe  ich  hierfür,  keine  Belege.  Uebrigene 
Hegt  bei  der  Haltung  der  Apologie  die  Beziehung  auf  Alexander  recht  fern. 

395)  Neander,  Dogmengesch.  hrsg.  von  Jacobi  (1857)  I  S.  108. 

39G)  S.  über  die  syrischen  Culte  Marquardt,  Römische  Staatsver- 
waltung in.  Bd.  (1878)  S.  81  f.  Ueber  die  syrische  Devotion  in  der  Fa- 
milie des  Severus  seit  Julia  Domna  Gibbon-Sj^orschil,  Gesch.  des  Falls 
und  Untergangs  d.  röm.  Reichs  P  (1862)  S.  129  f  Burckhardt,  die  Zeit 
Constantins  (1853)  S.  177  f. 

397)  S.  Spartian  6.  Pauly,  Real-Encyklop.  II  S.  143. 


264  Melito  und  seine  Scliriften. 

und  auch  über  Syrien  nicht  hinauskam,  so  erklärt  sich,  wie 
sie  so  völlig  unbezeugt  geblieben  ist.  Sonstige  Zeitspuren 
fehlen  in  der  Schrift;  denn  die  Anspielung  auf  den  Kaiser- 
cult  (c.  4),  die  Berufung  auf  die  Sibylle  (c.  -1)  und  Aehnliches 
kann  nicht  zu  solchen  gerechnet  v/erden.  Andererseits  kann 
an  eine  Fälschung  nicht  gedacht  werden  3^^).  Der  Yerf.  redet 
zwar  eine  sehr  kühne  Sprache  (s.  das  „stulte"  c.  10  u.  a.),  aber 
man  hat  zu  beachten,  dass  er  nicht  als  Christ,  überhaupt  nicht 
im  Namen  einer  Religionsgesellschaft,  sondern  als  Philosoph  zu 
dem  Kaiser  redet,  uud  ein  Philosoph  durfte  sich  gegenüber  dem 
Sohne  der  Julia  Domna  schon  etwas  herausnehmen.  Es  ist 
wie  eine  Ironie  der  Geschichte,  dass  diese  plumpe  und  ausfahrende 
Apologie  des  Monotheismus  dem  diplomatischen  Bischof  von 
Sardes  zugeschrieben  w-orden  ist.  Wie  er  zu  der  Ehre  gekom- 
men ist,  als  ihr  Verfasser  zu  gelten,  lasst  sich  nicht  mehr  er- 
mitteln ^^'^).  Yieiieicht  durch  einen  Abschreibefehler '^^'^),  viel- 
leicht auf  Grund  der  luftia^sten  Combination. 

Der  Codex  Nitriacus  num.  14658  gewährt  uns  also  keine 
Ausbeute.  Er  lehrt  uns  nur,  dass  der  Name  Melito's  in  Syrien 
nicht  vergessen  war.  Dagegen,  bietet  uns  der  Codex  num.  1.2156 
vier  sonst  unbekannte  Bruchstücke.  Das  erste  tragt  die  Auf- 
schrift „Mehtonis  episcopi  Sardium  ex  tractatu  De  anima  et  cor- 
pore'' und  besteht  aus  zwei  Stücken  von  ungleicher  Grösse. 
Das  zweite  ist  eingeführt  mit  den  Worten:  „Ejusdem  ex  ser- 
mone  De  cruce."  Das  dritte:  „Melitonis  episcopi  de  fide."  Das 
vierte  (zwei  Stücke):  „Melitonis  episcopi  urbis  Atticae."  Alle 
vier  scheinen  miteinander  verwandt  zu  sein.    Ein  und  derselbe 


398)  Auffallend  ist  (c.  5)  der  Satz:  „De  Nebo  autem  in  Mabug  quid 
scribam  vobis."  Otto 's  Erklärung  als  Plural  der  Kategorie  (1.  c.  p.  471) 
ist  verfehlt.  Da  nur  an  dieser  einen  Stelle  das  „vos"*  vorkommt,  so  darf 
man  wohl  einen  Abschreibefehler  vermutlien. 

399)  Sein  Name  findet  sich  im  Buche  selbst  natürlich  nicht. 

400)  Antiochenische  Bischöfe  waren  zur  Zeit  des  Caracalla  Asklepia- 
des  und  Philetos  (s.  meine  Chronologie  der  antiochenischen  Bischöfe 
S.  47.  62).  In  s}Tischer  Schrift  ist  der  Name  des  letzteren  dem  des  Me- 
lito überaus  ähnlich.  Dies  nur  ein  Beispiel.  Hieronymus  führt  de  vir. 
inl.  Gl  als  Schriftsteller  einen  „Geminus,  Antiochenae  ecclesiae  presbyter" 
an,  (qui)  „pauca  ingonii  sui  monumenta  composuit,  florens  sub  Alexandro 
principe  et  episcopo  urbis  Zebenno." 


Melito  in  der  Literatur  der  syrischen  Kirclie.  265 

declamatoriscli-liturgische  Schwung,  der  sich  bis  zum  Hymnus 
steigert,  durchweht  sie^^^).  Zusammengestellt  sind  sie  wohl  von 
einem  Monoph3^siten,  der  in  ihnen  Bestätigungen  seiner  Doctrin 
zu  erkennen  glaubte.  Das  erste  Fragment  giebt  zu  Bedenken 
keinen  Anlass.  .  Eine  Schrift  Melito's  mgl  ipvxrjg  '/mI  ow/iLaTog 
kennen  wir  ihrem  Titel  nach  aus  Eusebius.  Sucht  man  auch 
nicht  das,  was  das  Fragment  enthält,  in  einem  Tractat  mit 
jener  Aufschrift,  so  ist  doch  das  kein  Grund,  der  stutzig  machen 
könnte.  Das  Brachstück  bringt  eine  rhetorische  Ausmalung 
des  Werkes  Christi.  Die  Formeln:  „invisibihs  videtur  neque 
erubescit;  incomprehensibilis  prehenditur  neque  indignatur;  in- 
commensurabilis  mensuratur  neque  repugnat;  impassibilis  pati- 
tur  neque  ulciscitur;  immortalis  moritur  neque  respondet  ver- 
bum;  coelestis  sepelitur  et  (id)  fert"  bedürfen  für  den  in  der 
Geschichte  der  Christologie  des  2.  Jahrhunderts  Bewanderten 
keiner  Rechtfertigung  ^^'^).  Diese  Formein  machen  aber  wesent- 
lich den  Inhalt  des  Fragmentes  aus.  Es  ist  ferner  darauf  hin- 
zuweisen, dass  sich  dasselbe  ziemlich  stark  mit  den  oben  be- 
sprochenen Bruchstücken  aus  Genesis-Catenen  berührt,  deren 
Echtheit  sich  uns  ergab: 

Cat.-Gen.  Sjr. 

ovTcog  Tcal  o  v.vQiog  ocpayEig  Dominus  noster  vinctus  est 
eacoosv  rjinag  xal  dedsig  elvos  ut  solveret;  prehensus  est,  ut 
xoft  ^v^elg  elvTQcdoazo,  laxaret;  passus  est,  ut  miseri- 

cördiam  haberet;  mortuus  est, 
ut  vivificaret  etc. 

,,,^HvyaQ  d^sdöciö^ai  ^v-  Quidnam  est  hoc  novum 
öTrjQiov  KaLvov.  mysterium? 


401)  Tertullian:  „Elegans  et  declamatorium  ingenium  Melitonis."  Dass 
die  Fragmente  einer  sehr  frühen  Zeit  angehören,  lehrt  -schon  flüchtiger 
Ueberblick.  Zu  Grunde  liegt  ihnen  die  regula  fidei  in  einfachster  Gestalt, 
sowie  die  Formel:  d^eog  xal  av^QOjnoc.  Christus  ist  „ante  lucem  (ante 
solem)  genitus'.  Er  ist  „in  lege  lex,  in  patriarchis  patriarcha,  in  angelis 
princeps  angelorum,  in  patre  filius," 

402)  Man  vgl.  z.  B.  die  Ignatiusbriefe ,  aber  auch  Irenaeus  und  die 
Formeln  Noet's  (in  den  Philos.  und  bei  Thecdorefc).  Namentlich  die  Chri- 
stologie des  Irenaeus  bietet  ähnliche  Sätze.  Dass  Melito  (s.  oben)  Gott 
eine  gewisse  Körperlichkeit  beigelegt  hat,  scheint  mir  keine  Instanz  gegen 
den  Ursprung   der   obigen  Formeln  von  ihm  zu  sein.    Auch  Tertullian 


266  Melito  und  seine  Schriften. 

Schwieriger  ist  die  Entscheidung  über  das  zweite  Frag- 
ment; denn  1)  ist  eine  Schrift  Mclito's  mnl  axavQov  sonst  nir- 
gends bezeugt,  2)  findet  sich  hier  geradezu  der  Ausdruck  „in- 
corporeus"  {aOioi,i(XTog)  für  Christus  (Gott).  Aber  der  Zusam- 
menhang lässt  den  Ausdruck  für  einen,  der  Gott  an  sich  schon 
evotü/.iaTog  sein  Hess,  docli  noch  möglich  erscheinen  („quum  sit 
incorporeus,  corpus  ex  formatione  nostra  texuit  sibi").  Auf- 
fallendes oder  Unerträgliches  findet  sich  sonst  in  dem  Frag- 
mente nicht '^'^).  Eine  Entscheidung  möchte  ich  nicht  geben, 
zumal  da  das  Bruchstück  lediglich  mit  einem  „Ejusdem"  über- 
schrieben ist,  die  Urheberschaft  des  Melito  also  eigentlich  nicht 
einmal  völlig  unzweideutig  ausgesagt  ist. 

In  mannigfaltiger  Ueberlieferung  liegt  das  dritte  Fragment 
vor.  a)  Der  Cod.  Nitr.  12156  fol.  76  bezeichnet  es  als  meli- 
tonisch  und  citirt  dafür  einen  Tractat  :i€qI  ntOTstog.  Damit 
kann  die  Schrift  jieqX  Tt/a^eiog  dvO-Qvmov  gemeint  sein  (s.  oben 
Nr.  5).  Aber  derselbe  Codex  bringt  b)  bereits  fol.  1  dasselbe 
Stück,  etwa  auf  die  Hälfte  verkürzt  und  mit  einigen  Zusätzen, 
mit  der  Aufschrift:  „Beati  Irenaei,  qui  assecla  fuit  apostoloriim 
et  fuit  episcopus",  ohne  eine  Quelle  zu  nennen,  c)  In  einer 
jungen  armenischen  Handschrift  findet  es  sich  ebenfalls '*^^)  mit 
der  Aufschrift:  „Sancti  Irenaei  episcopi  apostolorum  asseclae 
de  resurrectione  domini."  In  der  Anlage  ist  es  mit  der  Recen- 
sion  b  identisch,  umfasst  auch  sämmtliche  Stücke,  die  dort 
stehen,  ausserdem  aber  auch  die  meisten  aus  der  Recension  a. 
Mit  dieser  stimmt  fast  vollständig  überein  d)  eine  arabische 
Recension  ^^^),  welche  die  Aufschrift  trägt:  „Hierothei,  aposto- 
lorum discipuh  et  Athenarum  episcopi."     e)  Mösinger  *'^')  hat 

definirt  ja  den  Gottesbegriff  via  negationis,  und  doch  ist  ihm  Gott  ein 
corpus,  aber  eben  ein  corpus  sui  generis,  welches  bei  Vergle^'chung  mit 
den  sinnlichen  Körpern  verschwindet. 

403)  Gegen  Ewald  (Gott.  Gel.  Anz.  1856  S.  660),  der  es  dem  4.  Jahrh. 
zuweisen  w^oUte. 

404)  S.  Pitra,  Spicil.  Solesm.  I  p.  3  sq.  Harvey,  Iren.  Opp.  IT 
p.  460  sq. 

405)  S.  Pitra,  1.  c.  p.  4  sq. 

406)  S.  Mai,  Spicil.  Rom.  TU  p.  704  sq. 

407)  S.  Monum.  Syr.  II,  p.  9  (p.  1 1  des  lat.  Textes).  Mir  ist  die  Stelle 
nur  aus  dem  Artikel  „Irenaeus"  von  Zahn  in  der  Theol.  Real-Encyklop. 
Yll^  S.  134  bekannt. 


•Melito  in  <ler  Lifcerat.nv  der  syriscbon  Kirche.  267 

auf  eine  dritte  syrische  Bezengiing  im  Vaticanus  140  aufmerk- 
sam gemacht,  wo  ebenfalls  Irenaeus  als  Verfasser  bezeichnet  ist. 
f)  In  einem  Cod.  Colmariensis,  olim  Murbacensis  saec.  VIII. 
findet  sich  ein  Bruchstück  aus  der  Schrift  de  ortu  et  obitu 
patruni  des  Isidor  Hisp.,  ein  Hymnus  de  laudibus  salvatoris, 
in  welchem  einzelne  Sätze  an  das  syrische  Fraginent  anklin- 
gen ■^^^).  g)  In  der  Interpretatio  mystica  progenitorum  Christi 
des  Iroschotten-Mönchs  Ailerannus'(i\irerannus)  findet  sich  eine 
Phrase,  die  fast  wörtlich  einer  Stelle  in  dem  syrischen  Bruch- 
stück entspricht,  aber  nicht  als  Citat  eingeführt  ist"^^*^).  Die- 
selbe soll  nach  Pitra  (1.  c.)  auch  im  Cod.  Sangerm.  784  ent- 
halten sein. 

Aus  der  Reihe  dieser  Zeugen  darf  der  sub  f)  genannte  ge- 
strichen werden.  Eine  nähere  Untersuchung  ergiebt,  dass  die 
Stelle  mit  den  orientalischen  Bruchstücken  und  der  Phrase  bei 
Ailerannus  nicht  wurzelverwandt  ist.  Die  sechs  anderen  Zeug- 
nisse gehen  aber  entschieden  auf  eine  Quelle  zurück.  Diese 
wird  viermal  als  ein  Werk  des  Irenaeus  bezeichnet* ^^).  Die  Ueber- 
lieferung  ist  also  diesem,  nicht  dem  Melito  günstig;  doch  sind 
die  Zeugen  schwerlich  von  einander  unabhängig;  ferner  ist  zu 
constatiren,  dass  die  Gestalt  des  Fragments,  in  welcher  es  jener 
Syrer,  Avelcher  Melito  als  Verfasser  bezeichnet,  gegeben  hat,  die 
treueste  ist^^^).  Allein  dies  kommt  vielleicht  nicht  für  die  Er- 
mittelung des  wahren  Verf.  in  Betracht.  Unter  den  Zeugen,  die 
für  Irenaeus  eintreten,  nennt  nur  Einer,  der  Armenier,  eine  be- 
stimmte Schrift  (de  resurrectione  domini).  Aber  eine  solche 
hat  sonst  Niemand  dem  Irenaeus  beigelegt,  und  der  Titel  konnte 
leicht  aus  dem  Inhalt  des  Fragments  abstrahirt  werden.     Man 


408)  S.  Pitra,  Spicil.  Solesm.  II  p.  IX.  T.  III  p.  417. 

409)  S.  Pitra,  1.  c.  T.  III  p.  417  not.  Biblioth.  Maxima  XII  p.  39. 

410)  In  arabischer  Sclsrift  (ohne  diakritische  Punkte)  sind  die  Namen 
Irenaeus  und  Hierotheus  identisch  (s.  Renan  bei  Pitra,  1.  c.  II  p.  LIX). 
Man  darf  also  annehmen,  dass  der  arabische  Uebersetzer  das  Wort  „Ire- 
naeus" vorfand.  Auch  das  beigesetzte  ,,apostolorum  discipuli"  (s.  auch 
den  S^'^rer)  spricht  für  diesen.  Der  inloxonoq  U.x^rjvwv  ist  aus  „Aovyöov- 
rcov*',  welches  dem  Schreiber  unbekannt  war,  entstanden. 

411)  Nur  hier  heisst  es: .  „Ex  lege  et  prophetis  collegimus" ;  die  an 
deren  Zeugen  haben:  „Lex  et  prophetae  et  evangelistae  proclamave- 
runt." 


2(3S  Melito  und  seine  Schriften.  , 

wird  also  dieses  dazu  noch  so  späte  Zeugniss  unberücksichtigt 
lassen  dürfen.  Der  Syrer  (a)  nennt  die  Schrift  tzsqi  Ttiaxetog 
(Melito's)  als  Quelle,  Ein  Buch  mit  diesem  Titel  wird  aber 
auch  dem  Irenaeus  von  Maximus  Confessor  beigelegt,  der  ein 
Fragment  auß  ihr  mitgetheilt  hat^^^j^  j^j^  7^  Jahrhundert  war 
diese  Schrift  mithin  noch  griechisch  zu  lesen.  Aber  auch 
die  Lateiner  haben  sie  in  Uebersetzung  besessen.  Feuarden- 
tius  hat  ein  kurzes  lateinisches  Bruchstück  edirt  aus  einem 
Sermo  Irenaei  ad  Demetrium^^^).  Hier  haben  wir  also  eine 
Schrift,  deren  Verbreitung  in  nachchalcedonensischer  Zeit  es 
verständlich  macht,  wie  Bruchstücke  aus  ihr  in  Arabien,  Arme- 
nien und  Irliind  im  frühen  Mittelalter  noch  citirt  werden  konn- 
ten. Es  kommt  dazu,  dass  der  Lateiner  das  Werk  als  einen 
Sermon  bezeichnet  hat.  Damit  stimmet  der  Charakter  der  orien- 
talischen Bruchstück^  trefflich  zusammen.  Man  wird  also  der 
Tradition,  welche  Irenaeus  als  den  Verf.  bezeichnet,  den  Vor- 
zug geben  müssen  ^^^).  Folgt  man  ihr,  dann  fallt  von  hier  aus 
auch  ein  dem  Melito  nicht  günstiges  Licht  auf  das  2.  s^Tische 
Fragment.  Dass  aber,  wie  oben  bemerkt,  alle  vier  syrischen 
Fragmente  gewisse  gemeinsame  Merkmale  tragen,  ist  kein  siche- 
res Argument  gegen  das  Resultat,  dass  das  erste  dem  Melito, 
das  dritte  dem  L'enaeus  angehört;  denn  beide  Theologen  waren 
nicht  nur  Landsleute,  sondern  auch  Geistesverwandte,  wie  das 
schon  der  Verf.  des  kleinen  Labyrinths  (s.  oben)  constatirt  hat"^^^). 


412)  S.  Maximi  Conf.  Opp.  11  p.  152  bei  Harvey,  1.  c.  11  p.  477:  xov 
ayiov  ElQTjvalov  STtiaxonov  Aovyöovvwv,  [xa^rixov  xov  ayiov  leoavvov 
xov  dnoGTohw  xal  evayyüuaxov,  ix  xwv  TtQÖg  ArjfiriXQiov,  öiaxovov  Bial- 
y?y?,  7t€Ql  ntaxeojg  Xoywv,  ov  f)  «(>//;•  xxL 

413)  S.  Harvey,  1.  c.  I  p.  CLXVIII.  t.  II  p.  478. 

414)  So  Zahn,  a.  a.  0.  S.  134.  Für  Melito  ist  von  Otto  eingetreten. 
Er  macht  geltend,  dass  die  koyoi  tcsqI  nlaxscoq  des  Irenaeus  an  einen 
Mann  gerichtet  waren,  während  in  der  Recension  (a)  des  Fragments :  „ut 
demonstraremus  caritaii  vestrae"  zu  lesen  sei.  Allein  es  ist  ja  offen- 
bar, dass  das  betreffende  Stück  als  Hymnus  für  den  sei  es  nun  kircHHchen, 
sei  es  privaten  Gebrauch  in  den  orientalischen  Gemeinden  zugerichtet 
worden  iiit. 

415)  Pitra  (1.  c.  II  p.  IX),  der  das  dritte  Fragment  dem  MeUto  vin- 
diciren  ^vill,  bemerkt:  ,, Irenaeus  presse,  argute,  dialectici  more  disserit; 
auctor  vcro  hujus  fragmenti  oratorem  magis  se  prodit  et  vatem,  qualem 
fuisse  constat  MeUtonem."    Aber  diese  Unterscheidung,  resp.  diese  Kritik 


Melito  in  der  Literatur  der  syrischen  Kirche.  269 

Immerhin  zeigt  aber  die  Verwechselung,  dass  das  Gedäclitniss 
des  Melito  im  6.  Jahrhundert  bei  den  Syrern  noch  unverges- 
sen war. 

Das  vierte  Fragment  mit  der  seltsamen  Aufschrift:  ,,Meli- 
tonis  urbis  Atticae"  stammt  höchst  wahrscheinlich  von  die- 
sem**^). Denn  die  von  Anastasius  Sinaita  aus  der  Schrift 
Melito's  TtsQi  Tiadovg  citirten  Worte  (s.  oben)  finden  sich  wört- 
lich in  dem  Bruchstücke  wieder. 

Anast.  Syr.  (p.  422). 

*0  O'fiog  ninovd^sv  vtco  de^iag        Dens  occisns  est,  rex  Israelis 
iGQar^kiTiöog,  mactatus  est  israelitica  dextra. 

Also  stammt  es,  wie  schon  von  Otto  gesehen,  aus  der 
Schrift  71€q\  ndd^ovg.  Bedenken  dagegen  lassen  sich  schwer- 
lich erheben  ^1^).  Der  kräftige  AntiJudaismus,  welcher  in  der 
Declamation  zum  Ausdruck  kommt,  ist  vielmehr  eine  Gewähr 
der  Echtheit,  und  die  christologischen  Formeln  stimmen  treff- 
lich zu  der  zweiten  Hälfte  des  zweiten  Jahrhunderts,  specieil 
zur  Theologie  des  Melito,  soweit  wir  sie  beurtheilen  können '^^^). 


des  Stils  des  Irenaeus  erpi'cbt  sich  nicht  an  den  Urkunden.  Das  dritte 
und  vierte  Fragment  berühren  sich  allerdings  wörtlich,  und  diese  Beob- 
achtung wird  immer  der  meiitonischen  Urheberschaft  auch  für  das  dritte 
günstig  sein. 

416)  Das  „Attica"  ist  aus  „Sardes"  entstanden.  Wenn  Otto  (1.  c. 
p.  457)  auf  die  Aehnlichkeit  (?)  von  AOHN^N  und  SAPJES2N  aufmerk- 
sam macht,  so  vergisst  er,  dass  eben  nicht  Athenae,  sondern  urbs  Attica 
beim  Syi-er  zu  lesen  steht.  Ebenso  verkehrt  ist  es,  wenn  er  für  die  Iden- 
tität der  Verfasser  des  dritten  und  vierten  Fragments  sich  schüchtern 
darauf  beruft,  dass  beide  einem  atheniensischen  Bischof  beigelegt  werden. 
Der  Unsinn  des  Arabers,  der  von  Athen  spricht,  hat  mit  der  ebenso  un- 
sinnigen „urbs  attica"  nichts  zu  thun.  Yiele  Wege  führten  im  MA.  kennt- 
nisslose orientalische  und  abendländische  Schreiber  nach  Athen;  s.  ein 
Beispiel  in  PF.  App.  Opp.  J,  J  p.  XXXVIII. 

417)  Wenn  es  Z.  5  heisst:  „hie  est  qui  natus  est  ex  Maria  pura, 
pulchra",  äo  zeigt  der  Context,  dass  die  beiden  Worte  höchst  wahr- 
scheinlich ein  späterer  Zusatz  sind.  —  Eine  besondere,  freilich  nicht  glück- 
liche Hypothese  über  den  Verf.  hat  Cure  ton  (1.  c.  not.  p.  96  sq.)  auf- 
gestellt. 

418)  Drei  Zeilen  aus  dem  Fragment  bietet  auch  der  Cod.  Syr.  14533 
(s.  oben):  „Is,  in  quem  terra  se  adclinat,  adclinatus  est  ligno;  dominus 
contumeliae  deditus  est  nudo  corpore :  deus  occisus  est,  rex  Israelis  macta- 
tus est",  so  dass  die  Worte  „deus  occisus  est"  dreimal  als  melitonisch 


270  Melito  und  seine  Schriften. 

Die  frülimittelalterliche  syrische  Kirche  hat,  wie  das  Dop- 
pelzeugniss  des  Anastasius  und  des  Codex  12156  beweist,  noch 
Melito's  Schrift  TveQi  uad^ovg  besessen;  dazu  die  Bücher  Tiegl 
oaQy.aoscog.  Monophysiten  und  Orthodoxe  stritten  sich  über 
die  Theologie  des  alten  Bischofs  von  Sardes.  Selbst  der  Name 
des  Irenaeus  hat  vielleicht  in  einem  Falle  dem  seinigen  wei- 
chen müssen,  und  eine  alte  Apologie,  deren  Verfasser  unbe- 
kannt, ist  ihm  angerechnet  worden.  Aber,  ob  ihn  gleich  noch 
Anastasius  als  den  göttlichen  Lehrer  gefeiert  hat,  man  inter- 
essirte  sich  doch  nur  für  einige  seiner  christologischen  Aus- 
führungen, und  für  diese  nur,  weil  man  sie  nach  eigenem  Sinne 
deutete. 


Mit  der  Notiz,  dass  in  dem  Anhang  („Catalogus  nonnullo- 
rum  iibrorum  qui  adhuc  grece  estant")  zu  dem  „Memorial  de 
los  libros  Griegos  de  Mano  de  la  Libreria  del  S^  Don  Diego 
Hurtado  de  Mendoza"  saec.  XVL  med.  (Londres,  British  Mu- 
seum, ms.  Egerton  nr.  602  fol.,289— 296)  unter  den  Büchern, 
welche  noch  griechisch  vorhanden  seien,  „Melito  Sardicensis 
Episcopus"  aufgezählt  wird^^'^),  könnten  wir  diese  Geschichte 
beschliessen,  wäre  nicht  noch  ein  Blick  auf  eine  Gruppe  von 


bezeugt  sind  (durch  Anastasius,  durch  Cod.  12156  und  durch  Cod.  14533). 
Sie  tragen  in  Cod.  12156  die  Aufschrift:  „S,  Melitonia  episcopi  Itticae". 
„Ittica"  ist  gewiss  aus  „ Attica"  entstanden.  Möglich,  daea  „Sardes"  durch 
eine  erste  Verwechslung  mit  Sardica  später  zu  Attica  geworden  ist. 

419)  lieber  die  Mendoza-Bibliothek  s.  die  erschöpfenden  Mitthei- 
lungen bei  Graux,  Essai  etc.  (18S0).  Das  Memorial  selbst  ist  dort  abge- 
druckt (p.  359—385).  Dann  folgt  der  interessante  Catalog,  zu  welchem 
Graux  bemerkt  (p.  385  n.  5):  „Nous  ignorons  oü  se  sont  jamais  trouves 
et  oü  se  trouvent  maintenartt  los  livres  mentionnes  dans  cette  Hste,  tout 
a  fait  independante  du  Memorial-Mendoza."  Die  Liste  enthält  29  Titel 
(Melito  an  5.  Stelle).  Hervorgehoben  sei  (G)  Julian,  contra  Galileos,  (27) 
Origenis  nsgl  g)ikoooff>ov/neva)v,  (9)  Photius  super  evangeUa,  (11)  Grego- 
rius  Cappadox  de  concilio  Nicaeno,  (16)  Eusebius  Cesariensis  super  Psalte^ 
rium  et  de  vitis  Pontilicum,  (20)  Abdiaa  episc.  Babyloniae  de  actibus 
Apostolorum.  Dass  Verzeiclmiss  achliesat:  „Esta  lista  que  empieza  Me- 
morial ee  de  letra  tan  parecida  a  la  de  Melchor.Cano,  que  me  persuado 
a  que  es  suya;  y  la  cotegä  con  la  del  soneto,  que  estä  en  otro  tomo, 
que  claiamente  es  de  letiu  de  Cano.  La  que  empieza  Catalogus  nonnul- 
lorum  etc.,  es  de  letra  de  amanuense." 


Pseudomelitonißche  Schriften  im  Abendlande.  271 

Scliriften  zu  werfen,  welche  jetzt  Melito's  Namen  im  Abend- 
lande tragen. 

I)  In  einer  Recension  des  über  „de  transitu  (beatae)  Ma- 
riae  (virginis)',  welche  in  mehreren  Handschriften  vorliegt,  be- 
zeichnet sich  der  Verf.  im  Prolog  als  „Melito  (Wiener  Hand- 
schrift: „Mileto'",  „Miletus"),  servus  Christi,  episcopus  ecclesiae 
Sardensis",  der  zugleich  als  Johannesschüler  an  die  „fratres 
Laodiceae  constituti"  schreibt.  Das  Buch  selbst  gehört  zu  der 
Klasse  der  apokryphen  Schriften,  welche  aus  der  griechischen 
Kirche  hervorgegangen  sind  und  in  mannigfachen  Bearbeitungen 
und  Uebersetzungen  im  Mittelalter  in  Ost  und  West  sich  ver- 
breitet haben.  Es  ist  geschrieben  worden  unter  directer  und 
indirecter  Benutzung  der  Apostelgeschichten  des  Leueius  und 
ist  wohl  schon  im  4.  Jahrhundert  abgefasst.  Seine  Vorlage 
war  dem  Apostel  Johannes  selbst  beigelegt.  Melito  ist  erst 
später  und,  soviel  wir  bisher  wissen,  nur  im  Abendlande  als 
Verfasser  bezeichnet  worden.  Denn  der  Prolog,  in  welchem  er 
selbstredend  eingeführt  wird,  findet  sich  nur  bei  den  Lateinern, 
scheint  nicht  aus  dem  Griechischen  übersetzt,  und  verräth  Be- 
kanntschaft mit  der  augustinischen,  antimanichaischen  Theolo- 
gie (s.  den  Schluss:  „  .  .  neque  duas  hominis  naturas  conditas, 
bonam  seil,  et  malam,  sed  unam  naturam  bonam,  a  deo  bono 
conditam,  quae  dolo  serpentis  est  vitiata  per  culpam,  et  Christi 
est  reparata  per  gratiam").  Wann  er  abgefasst  ist,  lasst  sich 
schwer  ermitteln.  Jedenfalls  zu  einer  Zeit,  wo  im  Abendland 
die  Apostelgeschichten  des  Leueius  noch  gelesen  wurden,  und 
Einsichtigere  es  für  nothwendig  hielten,  sie  zu  verdrängen. 
Wie  man  auf  den  Namen  des  Melito  verfallen  ist,  darüber  sind 
nur  Vermuthuugen  möglich.  Dem  Leueius,  der  sich  selbst  für 
einen  Apostelschüler  ausgab,  sollte  ein  anderer  zuverlässigerer 
entgegen ocestellt  werden.    Nun   fand   man   bei  Eusebius-Rufin 

O       O  CT 

(in  dem  Abschnitt  aus  Polykrates)  eine  Zusammenstellung  von 
Johannes  und  Melito.  Je  weniger  man  von  diesem  mehr  wusste, 
um  so  geeigneter  konnte  er  für  den  speciellen  Zweck,  die  Auto- 
rität des  Leueius  zu  untergraben,  erscheinen.  An  die  Laodicener 
aber  Hess  man  ihn  schreiben,  weil  bei  Eusebius  (1.  c.)  die  Er- 
wähnung von  Laodicea  der  des  Melito  unmittelbar  vorhergeht  ^2 o). 


420)  Der  liber  de  transitu  Mariae  ist  mit  dem  Prolog  nach  mehreren 


272  Melito  und  seine  Schriften. 

2)  Aber  höchst  wahrscheinUch  ist  diese  Yerwerthung  des 
NamerxS  des  Melito  im  Abendland  nicht  der  erste  Fall  dieser 
Art  gewesen.  Im  J.  1668  gab  Florentinius  (Vetust.  occid. 
eccl.  martyrol.  Lucae,  p.  130  sq.)  eine  Schrift:  „de  fassione  S. 
Joannis  evangelistae"  heraus  ^^i)^  welche  in  mehreren  Pariser 
Handschriften  aufbehalten  ist  und  jüngst  auch  in  verschiedenen 
Recensionen  von  den  Editoren  der  ßiblioth.  Casinensis  (II,  2 
Florilegium,  1875)  publicirt  wurde '^'■^2),  Die  Schrift  will  abge- 
fasst  sein  von  einem  Miletus  (Melitus,  Mellitus,  Mileto),  der  in 
einigen  Handschriften  als  episcopus  Laodiciae   (Laudociae)  be- 


Handschriften  (s.  Pitra,  1.  c.  p.  XXXI.  Tischendorf,  Apocal.  apocr. 
p.  XXXV)  abgedruckt  in  der  Bibl,  Max.  II,  2  p.  212  sq.  Hiernach  und 
auf  Grund  eines  Cod.  Venet.  hat  ihn  Tischendorf  (1.  c.  p.  XLIII  p.  124  sq.) 
wiedergegeben  (im  Cod.  Venet.  findet  sich  der  Prolog  nicht).  Eine  zweite 
abweichende  Recension  veröffentlichte  derselbe  aus  drei  Codd.  (p.  XLIII. 
p.  113  sq.).  ücber  Wiener  Handschriften  s.  Piper,  a.  a.  0.  S.  118.  Eine 
griechische,  stark  überarbeitete,  unter  dem  Titel :  rov  ayiov  IcDavpov  zov 
d^BoXoyov  Xöyoq  Etq  t?)v  xoturjaiv  t^c  ayiaq  ^eovoxov  nach  mehreren 
Handschriften  findet  sich  ebenfalls  bei  Tischendorf  (1.  c.  p.  XXXIV  sq. 
p.  95  sq.).  Den  lateinischen  Prolog  hat  Zahn  (Acta  Joannis  S.  217f.)  ab- 
drucken lassen.  Syrische  Recensionen  des  „Transitus''  publicirte  Wright 
im  Journal  of  Sacred  Literature  and  Biblical  Record,  New  Series,  Voh  VI, 
1865  p.  417  sq.  VII,  1865,  p.  110  sq.  129  sq.,  sowie  in  den  Contributions 
to  the  Apocr.  Literature  of  the  N.  T.  1 865.  Mit  diesen  soll  die  arabische 
Version  nahe  verwandt  sein,  welche  Enger  (Eiberfeld  1854)  edirt  hat 
(s.  Tisch endorf,  i.  c.  p.  XXXVI  sq.,  der  auch  eine  koptische  Version 
nennt).  Das  Buch  ist  im  Abend land  nachweisbar  schon  im  6.  Jahrh.  bei- 
fällig benutzt  worden,  so  von  Gregor  von  Tours  und  von  den  Verfassern 
der  alten  gallischen  Liturgie  (s.  Pitra,  1.  c.  II  p.  XXXI).  Im  sog.  De- 
cretum  Gelasianum  (VI,  28)  wird  es  unter  dem  Titel:  „Liber  qui  appel- 
latur  transitus,  id  est  Assumptio  s.'Mariae  apocryphus'*  verworfen.  Ver- 
worfen haben  es  auch  Beda  (Tischendorf,  1.  c.  p.  XXXV.  Pitra,  1.  c.) 
und  Pseudoliieronymus  in  dem  Sermon  de  assumpt.  b.  v.  Mariae.  Von 
Keinem  wird  noch  Melito  als  Verfasser  genannt.  Zahn  (1.  c.  p.  LXVII. 
CXXXVH)  hat  nachgewiesen,  dass  Leucius  nicht  ein  besonderes  Buch  über 
den  transitus  geschrieben  hat,  sondern  dass  Legenden  hierüber  in  seiner 
Geschichte  des  Johannes  standen.  Otto  (1.  c.  p.  391)  bemerkt,  dass  in 
einigen  Handschriften  des  lateinischen  Prologs  statt  „episcopus  Sardensis" 
vielmehr  „ep.  Laodiceae"  stände.   Ueber  diese  Verwechselung  s.  unten. 

421)  S.    auch  Fabricius,    Cod.   apocr.  N.  T.    (1719)    III    p.  604  sq. 
Heine,  Biblioth.  anecd.  I  (1848)  p.  108  sq. 

422)  S.  von  Gebhardt  in  der  Theol.  Lit.-Ztg.  187G  Nr.  25  coL  041  f. 


Pseudomelitonisches  im  Abendlande.  273 

zeichnet  wird'^^S)^  Eingehend  hat  über  sie  jüngst  Zahn  in 
den  Acta  Joannis  gehandelt '^24-)^  ihren  ursprünglichen  Bestand,, 
ihre  QuMlen  und  die  Bereicherungen,  die  sie  erfahren  hat,  fest- 
gestellt Er  hat  gezeigt,  dass  das  Schriftchen  auf  der  lateini- 
schen Bearbeitung  der  leucianischen  Geschichte  des  Johannes 
ruht,  aus  welcher  auch  noch  der  Interpolator  geschöpft  hat. 
Entstanden  ist  es  also  im  Abendlande,  frühestens  in  der  zwei- 
ten Hälfte  des  4.  Jahrhunderts.  Man  darf  es  als  eine  kirch- 
liche Bearbeitung  des  letzten  Stückes  der  Johannes- Geschichte 
des  Leucius  betrachten,  in  welcher  die  anstössigen  Lehren  des- 
selben beseitigt  werden  sollten.  Aus  dem  Prolog  ^^^)  ist  nicht 
sofort  deutlich,  dass  der  Verfasser  für  den  alten  Bischof  von 
Sardes  gelten  will.  Beachtet  man  aber,  dass  ein  Abendländer 
als  Verf.  einen  kleinasiatischen  Bischof  einführt,  dessen  Name 
mit  dem  des  Melito  doch  wohl  identisch  isf^^^),  und  dass  er 
ihm  als  Bischofssitz  eine  Stadt  zuweist,  die  Eusebius-Rufin  in 
demselben  Satze,  in  welchem  des  Melito  gedacht  wird,  erwähnt 
haben,  so  ist  kaum  mehr  daran  zu  zweifeln,  dass  der  alte  Bi- 
schof von  Sardes  verstanden  werden  sollte.  Zur  Gewissheit 
wird  dies  aber  durch  eine  Vergleichung  des  Prologs  zu  der 
Schrift  de  transitu  Mariae.  Hier  wird  ja  bestimmt  die  ecclesia 
Sardensis  genannt,  während  als  Adressaten  die  Brüder  in  Lao- 
dicea  eingeführt  werden.  Man  darf  daher  entweder  vermuthen, 
dass  auch  in  dem  Prolog  zur  Passio  S.  Joannis  ursprünglich 
„Sardes"  genannt  war,  oder  dass  der  Verf  derselben  auf  Grund 
flüchtiger  Leetüre  des  Rufin  Melito  für  einen  Bischof  von  Lao- 
dicea  gehalten,  der  Verf.  des  über  de  transitu  ihn  aber  corri- 
girt  hat.  Dieser  ist  nämlich  gewiss  der  spätere,  aber  er  blickt 
auf  jenen  zurück.    Er  ist  der  spätere,  denn  er  will  bereits  selbst 


423)  S.  von  Otto,  1.  c.  p.  390  sq.  Pitra,  1.  c.  II  p.  XXXI  sq.  Der 
Verf.  wird  in  einer  Toietaner  Handschrift  als  „Miro"  bezeichnet  (nach 
Heine).    Dies  ist  jedenfalls  ein  Schreibfehler. 

424)  S.  XVHsq.  LXXXVIII  sq.  XCIII.  XCVL  CIX.  CXH  sq.  CLXYI; 
vgl.  Gott.  Gel.  Anz.  1880  St.  39  S.  1223  f. 

425)  Recensirt  bei  Zahn,  a.  a.  0.  S.  216  f.  nach  der  Ausgabe  des  Flo- 
rentinius  und  dem  in  der  Biblioth.  Casin.  II,  2  (Florilegium)  p.  66  sq. 
publicirten  Text. 

426)  In  den  Hieronymus-Handschriften  (de  vir.  inl.  24)  steht  „Milito" 
„Melitus" 

Texte  und  Unterauchungeu.  18 


274  Melito  und  i-eine  Schriften. 

für  einen  Johannesscliüler  gelten,  wovon  in  dem  Prolog  zur 
Passio  noch  nicht  die  Rede  ist  —  hier  beruft  sich  der  Verf. 
vielmehr  auf  das  Evangelium  Johannis  gegenüber  Leucius' 
Lehren  — ;  aber  er  kennt  jenes  Buch,  denn  er  beginnt  mit  den 
Worten:  „Saepe  scripsisse  me  memini  de  quodam  Leucio, 
qui  nobiscum  cum  apostolis  conversatns  alieno  sensu  et  animo 
temerario  discedens  a  via  iustitiae  plurima  de  apostolorum  acti- 
bus  in  libris  suis  inseruif'^^Tj^  Hiernach  haben  wir  anzuneh- 
men, dass  zuerst  die  kirchliche  Redaction  des  Leucius  in  Bezug 
auf  die  Passio  Joannis  stattgefunden  hat  unter  Berufung  auf 
die  Autorität  des  Melito  (vielleicht  schon  im  5.  Jahrliundert). 
In  diesem  Zusammenhange  wurde  der  Name  dieses  Bischofs  dem 
Abendlande  wieder  bekannt.  Die  Folge  war,  dass  nach  geraumer 
Zeit  auch  einer  kirchlichen  Bearbeitung  des  transitus  Mariae  aus 
den  Leuciusacten  der  Name  des  Melito  vorgesetzt  wurde.  Der 
Mann,  der  dies  thp.t,  hatte  die  lateinische  Uebersetzung  der  gan- 
zen Apostelgeschichte  des  Leucius  und  den  Prolog  zur  Passio 
Joannis  vor  sich,  verstand  noch  richtig  aus  demselben,  wer 
eigentlich  gemeint  sei^  und  ahmte  den  Vorgänger  nach,  nicht 
ohne  ihn  dabei  zu  überbieten,  da  er  den  Melito  zu  einem  per- 
sönlichen Schüler  des  Johannes  aufrücken  Hess.  Für  die  mit- 
telalterlich-abendländische Kircbe  galt  nun  Melito  (Mellitus)  als 
der  heihge  Mann,  der  gewürdigt  worden,  das  Lebensende  der 
Mutter  des  Herrn  und  seines  Lieblingsjüngers  zu  beschreiben. 
3)  Dieser  Ruhm  oder  die  Erinnerung  an  die  Notiz  des 
Eusebius-Rufin ,  Melito  habe  über  die  Apokalypse  geschrieben, 
hat  dem  Bischof  von  Sardes  bei  einem  Schreiber  des  späteren 
MA.  die  Ehre  eingetragen,  für  den  Verfasser  einer  lateinischen 
Catena  in  apocalypsin  zu  gelten,  die  um  das  Jahr  1300  von 
einem  Anonymus  aus  den  Werken  des  Augustin,  Hieronymus, 
Beda  u.  A.  angefertigt  worden  ist.  Möglich  ist,  dass  der  Schrei- 
ber über  die  apokalyptischen  Bemühungen  des  Melito  noch 
etwas  mehr  wusste,  als  wir  jetzt  wissen  (s.  das  oben  zu  Genna- 
dius  Bemerkte),  aber  durchaus  nicht  wahrscheinlich  ^2^^). 


•127)  Die  beiden  Prologe  berühren  sich  i^iuch  wörtlich. 

42S)  Die  Notiz  über  die  Catcne  verdankt  iium  Piper  (a.  a.  0.  S.  HO). 
Sie  ist  handschriftlich  erhalten  in  der  Jennei  Univ. -Bibliothek  n.  142. 
hjitiumt  „Incipit  über  milothonis  super  üpokalipsin  beati  ioannis  apostoli". 


1 


Pseutloiuelitonisches  im  Abendlande.  275 

4)  Noch  ist  schliesslich  eines  abendländischen  Werkes  zu 
gedenken,  welches  in  einigen  Handschriften  Melito's  Namen 
trägt,  der  Clavis  Scripturae,  bei  deren  Herausgabe  Pitra 
seinem  Fleisse  und  seiner  Kritiklosigkeit  ein  so  unvergleich- 
liches Denkmal  gesetzt  haf^^g)  Nach  dem,  was  namentlich 
Steitz*^'^)  über  dieselbe  bemerkt  hat'^^i),  kann  man  sich  kurz 
fassen.  Im  karolingischen  Zeitalter,  schwerlich  früher,  ist  von 
einem  Anonymus  ein  Glossar  zu  biblischen  Begriffen,  die  eine 
mystische  Bedeutung  haben  sollen,  auf  Grund  der  lateinischen 
Väter  zusammengestellt  worden  "^^2)  Dieses  Glossar  ist  in  8 
Handschriften,  welche  zum  grösseren  Theile  von  Pitra  erst 
entdeckt  worden  sind,  auf  uns  gekommen.  Die  Aufschriften  in 
den  MSS.  sind  sehr  verschiedene.  In  einem  Codex  von  Troyes 
heisst  das  Werk  (nach  dem  Index):  „Anonymus  de  mystica 
significatione  vocum  ac  loquutionum  biblicarum";  in  einem 
andern  ebenfalls  von  Troyes:  „Distinctionum  quarandum  trac- 
tatus";  in  einem  Pariser:  „Glossae  in  varios  s.  s.  libros  de  sensu 
spirituali  multorum  locorum" ;  in  dem  mesmianischen  Codex  (in 
Bibliis  Theodulph.)  fehlt  jede  Aufschrift,  während  eine  Hand- 
schrift aus  Poitiers,  in  welcher  das  Werk  verkürzt  enthalten  ist, 
den  Canonikus  Adam  von  Premontre  als  Verfasser  nennt.  Nur 
in  einem  Codex  Claromontanus ,  den  Lequien  für  Grabe  ab- 
geschrieben hat  (saec.  XII.  fin.  vel  XIII.  initio  nach  Gallandi) 
und  in  einem  Argentoratensis  (nach  Pitra  saec.  XL)  findet  sich 


Finis:  „Explicit  postilla  super  apokalipsim  raüitonis".  Aber  diese  Worte 
sind  vom  Schreiber  nachträglich  getilgt  worden  und  auf  dem  folgenden 
fol.  ersetzt  durch  die  anderen:  „ExpHcit  Hber  milotonis  per  manus  proco- 
pii".  Die  Catene  ist  übrigens,  wie  Otto  angiebt,  1512  in  Paris  gedruckt 
worden  ohne  Melito's  Namen  unter  dem  Titel:  „Explanatio  in  Apoc.  ex 
commentt.  Augustini  Hieron.  Bedae  Haymonis  Elinandi  Alberti  Gilberti 
Joachirni  et  Berengarii".  Ich  habe  sie  leider  nicht  einsehen  können.  — 
lieber  das  Buch  des  J.  P.  Camus:  „L'Apocalypse  de  Mehton,  ou  Revela- 
tion  des  mysteres  cenobitiques  par  Mehton"  s.  Pitra,  1.  c.  II  p.  XXXII. 
Otto,  1.  c. 

429)  Spicil.  Solesm.  II  p.  1—519.  III  p.  1—307. 

430)  Stud.  u.  Krit.  1857  S.  584  f. 

431)  S.  auch  von  Otto,  1,  c.  p.  401-408.  Uhlhorn,  Ztschr.  f.  d.  bist. 
Thool.  18(56  S.  104.  Für  die  Geschichte  der  Bemühungen  um  das  Buch 
ist  auf  Pitra  zu  verweisen  (II  p.  XIII  sq.X 

432)  Das  Work  ist  keine  Uebersetzung  aus  dem  Griechischen. 

18* 


276  Melito  und  seine  Schriften. 

Melito's  Name.  Dort  heisst  es:  „Miletus  Asianus  episcopus 
hunc  librum  edidit,  quem  et  congruo  nomine  clavim  appellavit"; 
hier:  ,,Miletus  episcopus  Asianus  liunc  librum  edidit,  quem 
librum  Clavorum  appellavit''.  Die  Beisclirift  des  Argentorat.  ist 
jedenfalls  die  relativ  ursprünglicliere:  sie  ist  mit  Hieron.,  de  vir. 
inl.  24  zu  verglichen.  Hier  heisst  es:  „Mehtus  Asianus  .  .  epi- 
scopus .  .  scripsit .  .  librum  qui  Ciavis  inscribitur".  Der  Schrei- 
ber des  11.  Jahrhunderts  hat  somit  einfach  die  Angabe  des 
Hieronymus  abgeschrieben.  Wie  er  auf  diese  veifallen  ist,  lässt 
sich  nicht  mehr  ergi'ünden.  Das  Glossar  hat  den  Titel  „Ciavis" 
nicht  geführt;  diesen  hat  es  erst  erhalten,  indem  es  dem  Melito 
beigelegt  wurde.  Aus  dem  Inhalte  des  Buchs  selbst  kann  nichts 
aufgeführt  werden,  was  den  Schreiber  zu  seiner  dreisten  Hypo- 
these zu  verführen  geeignet  war.  Bei  der  Leetüre  des  Hiero- 
nymus mag  er  sich  jene  Ciavis  gemerkt  und  als  ihren  Inhalt 
„Allegorische  Erklärungen  der  heil.  Schrift"  vermuthet  haben. 
Als  ihm  ein  namenloses  Werk  der  Art  in  die  Hände  gerieth, 
zog  er  unbedenklich  seinen  Schluss.  Wir  haben  es  hier  gewiss 
mit  einer  ganz  muth willigen  Annahme  zu  thun,  die  darum  auch 
der  sicheren  Erklärung  spottet.  Möglich,  dass  ihr  Urheber  den 
asiatischen  Bischof  bereits  als  den  Verfasser  der  Passio  Joan- 
nis  und  des  Transitus  Mariae  gekannt  hat.  Seine  Hjrpothese 
fand  aber  zum  Glück  nur  geringe  Verbreitung.  Erst  im  19.  Jahr- 
hundert hat  man  sich  ihrer  gründlich  angenommen,  und  für  einen 
französischen  Gelehrten  ist  die  Vertheidigung  derselben  eine 
Stufe  auf  dem  Wege  zum  heil.  Collegium  geworden. 


Die  relativ  geringe  Verbreitung  der  Melito-Legeuden  im 
Abendlande  wird  durch  die  Martyrologien  offenbar.  Aber  ganz 
ohne  Kunde  sind  sie  doch  nicht.  Halloix  bemerkte  zuerst, 
dass  Melito  von  Sardes  in  den  Martyrologien  zum  1.  April  ver- 
merkt sei,  und  berief  sich  hierfür  auf  das  Martyrol.  Maurolyci. 
Allein  die  Bollandisten  (ad  April.  I  p.  11)  belehren,  dass 
dort  und  in  allen  Martyrologien,  die  ihnen  zu  Gesichte  ge- 
kommen, stets  von  einem  (beatus)  episcopus  (et  confessor)  Me- 
lito in  Sardinia  die  Rede  sei;  in  einer  Reihe  derselben  finde 
sich  der  Zusatz:  „cujus  actus  inter  homines  celeberrimi  haben- 
tnr";  von  einer  „urbs  Sardium"  sei  nirgendwo  die  Rede.    „Nisi 


I 


Melito  in  den  Martjrologien.  277 

forte",  fügen  sie  bei,  „quia  urbs  Sardium  in  Asia  minus  vulgo 
nota  est,  irrepserit  Sardinia  magis  celebris.  Nos  de  utroque 
hie  agimus  relicturi  aliis  ulteriorem  decisionem'^  Sie  haben 
also  selbst  schon  vermuthet,  dass  hier  nicht  Aljes  richtig  sei. 
Früher  hatte  Ferrarius  (Catal,  generai.  SS.  qui  non  sunt  in 
Martyrol.  Rom.)  entschlossen  zwei  Melito  zum  1.  April  gestellt, 
den  Bischof  von  Sardes  und  den  von  Sulci  in  Sardinien.  Er 
behauptete  nämlich,  ex  tabulis  et  monumentis  ecclesiae  Sulci- 
tanae  ein  Zeugniss  erhoben  zu  haben  des  Inhaltes:  „Sulci  in 
Sardinia  Melitonis  episcopi  et  martyris".  Die  Boilandisten  th eilen 
dies  mit  und  fügen  das  Elogium,  welches  DionysiusBonfant 
(in  triumpho  SS.  Sardiniae  I,  10)  ex  codice  quodam  ms.  über 
BonifatiuS;  den  ersten  Bischof  von  Cagliari  (ordinatus  a  Petro) 
edirt  hat,  hinzu:  „discipulos  quos  habebat  in  di versa  loca 
mandavit  et  signanter  S  Melitonem  ad  Sulcim  urbem,  Grae- 
corum  et  Romanorum  coloniam,  ubi  mira  docuit  et  fecit".  Sie 
bemerken  weiter,  dass  derselbe  Bonfant  (III,  37)  erzähle:  „Natus 
est  S.  Melito  apud  Oalaritanos:  atque  ad  fidem  Christi  conversus 
ac  baptizatus,  vitam  suam  tarn  sancte  instituit,  ut  a  S.  Boni- 
fatio  dignus  ceuseretur  sacerdotio  et  episcopatu  Sulcitano  .  .  . 
Tandem  cum  ad  longam  usque  senectutem  vixisset,  pro  fide 
Christi,  quam  praedicabat,  capite  plexus  accepit  aeternae  beati- 
tudinis  praemium'S  und  beschliessen  ihren  Bericht  mit  den 
Worten:  „Haec  de  Melitone  suo  Sardi,  quae  certioribus  monu- 
mentis optaremus  coniirmari". 

Beachtet  man,  dass  die  legendarische  Ueb  erlief  er  ung  ur- 
sprünglich nur  von  einem  Bischof  Melito  in  Sardinien  etwas 
weiss,  dass  die  Stadt  „Sulci"  erst  im  16.  Jahrhundert  genannt 
wird'*33),  dass  die  Erzählung  von  der  Person  des  sulcitanischen 
Bischofs  ganz  schematisch  construirt  ist,  endlich  dass  dem  Bi- 
schof Melito  auf  Sardinien  berühmte  „Actus"  beigelegt  werden, 
so  kann  man  nicht  zweifeln,  dass  Melito  von  Sardes  der  Legende 
zu  Grunde  hegt.  Warum  man  sein  Andenken  gerade  auf  den 
1.  April  verlegt  hat,    darf  man  nicht    einmal  fragen  *3*).    Erst 


433)  Warum  gerade  Sulci  ausgewählt  worden  ist,  wissen  wir   nicht. 
Wahrscheinlich   entbehrte  die  Stadt  noch  eines  „apostolischen"  Bischofs. 

434)  In  den   griechischen  Menäen  sucht  man   MeHto's  Namen   ver- 
gebens. 


278  I^ic  Schriften  des  Miltiiides. 

Ferrarius  hat,  gescliiclitliche  Kenntnisse  kritiklos  verwertliend, 
aus  dem  einen  Melito  zwei  gemacht,  damit  aber  allerdings  dem 
echten  wieder  zu  seinem  freilich  auch  sehr  zweifelhaften  Rechte 
verhelfen.  Bellarmin  zählt  den  asiatischen  Melito  zu  den 
Heiligen;  so  auch  Hallo  ix. 

In  der  abendländischen  Kirche  ist  also  aus  Melito,  Bischof 
von  Sardes,  sowohl  ein  Bischof  von  Laodicea  als  ein  Bischof 
von  Sulci  in  Sardinien  geworden! 

§  14.    Die  Schriften  des  Miltiades. 

Üngeföhr  gleichzeitig  haben  am  Anfang  des  3.  Jahrhunderts 
drei  kirchliche  Schriftsteller,  ein  kleinasiatischer,  ein  römischer 
und  ein  carthaginiensischer,  in  ganz  verschiedenem  Zusammen- 
hange auf  die  Arbeiten  eines  Mannes  Namens  Miltiades  ver- 
wiesen, der  in  der  zweiten  Hälfte  des  zweiten  Jahrhunderts  ge- 
wirkt hat  —  ein  Beweis,  welches  Ansehens  sich  derselbe  überall 
in  der  Kirche  damals  erfreute.  Wir  wissen  heutzutage  von  ihm 
nicht  viel  mehr,  als  was  sich  aus  den  Berufungen  jener  Männer 
folgern  lässt.  Ihr  Zeugniss  übermittelt  uns  aber  nur  geringe 
Kunde,  und  der  Umstand,  dass  zwei  von  ihnen  für  uns  Ano- 
nymi sind,  lässt  dieselbe  noch  dunkler  erscheinen. 

In  seiner  Schrift  gegen  die  Valentinianer  (c.  5)  bemerkt  Ter- 
tuUian,  dass  „tot  jam  viri  sanctitate  et  praestantia  insignes,  noc 
solum  nostri  antecessores,  sed  ipsorum  haeresiarcharura  con- 
temporales  instructissimis  voluminibus  (materias  Valentiniano- 
rum)  et  prodiderunt  et  retuderunt,  ut  Justinus,  philosophus  et 
martyr,  ut  Miltiades,  ecclesiarum  sophista,  ut  Irenaeus,  omnium 
doctrinarum  curiosissimus  explorator,  ut  Proculus  noster,  vir- 
ginis  senectae  et  Christianae  eloquentiae  dignitas".  Die  Auf- 
zählung ist  eine  chronologische;  die  Stellu];ig,  welche  dem  Mil- 
tiades gegeben  wird,  lässt  mit  Sicherheit  vermuthen,  dass  er 
dem  Zeitalter  Marc  Aurel's  angehört  hat.  Das  Epitheton, 
welches  ihm  beigelegt  ist,  macht  es  wahrscheinlich,  dass  er  ein 
christianisirter  Rhetor  war;  aber  man  kann  noch  mehr  aus  dem- 
selben schliesseu.  Vergleicht  man  es  mit  dem  Lobe,  welches 
dem  Proculus  gespendet  wird,  so  sticht  das  „ecclesiarum  so- 
phista", welches  an  sich  kein  Schmähwort  ist,  doch  seltsam 
ab    von    dem    synonymen   Ausdruck    „Christianae    eloquentiae 


Die  Schriften  des  Miltiades.  279 

dignitas",  und  der  Plural  „ecclesiarum"  steht  augenscheinlich 
auch  in  einem  Gegensatze  zu  dem  .,noster".  Man  darf  schliessen, 
dass  Tertullian  trotz  der  allgemeinen  Hochachtung,  die  er  im 
Eingange  allen  seinen  Vorgängern  auf  dem  Gebiet  der  anti- 
gnostischen  Polemik  ausgedrückt  hat,  dem  Miltiades  nur  ein 
bedingtes  Lob  spenden  wilH^^).  Er  rechnet  ihn  nicht  zu  den 
in  jeder  Hinsicht  vertrauenswürdigen  Männern,  und  indem  er 
ihn  in  so  deutlichem  Gegensatz  zu  dem  Montanisten  Proculus 
stellt,  deutet  er  an,  dass  Miltiades  als  Katholiker  ein  entschie- 
dener Gegner  der  Spiritualen  gewesen  ist. 

Was  hier  vermuthet  worden  ist,  bestätigt  das  Zeugniss  je- 
nes unbekannten  kleinasiatischen  Schriftstellers,  dessen  polemi- 
sches Werk  gegen  den  Montanismus  Eusebius  h.  e.  V,  16  sq. 
excerpirt  hat.  Derselbe  hat  ein  montanistisches  Syngramma  in 
der  Hand  gehabt  und  zum  Theil  ausgeschrieben,  welches  gegen 
eine  Schrift  „des  Bruders"  Miltiades  gerichtet  war.  In  dieser 
Schrift  hat  Miltiades  nach  Angabe  des  Unbekannten  über  das 
Thema  gehandelt,  dass  ein  Prophet  nicht  in  der  Ekstase  spre- 
chen dürfe,  d.  h.  also,  dass  der  kein  wahrer  Prophet  sei,  der 
in  solchem  Zustande  rede^*^^).  Weiteres  über  dies  Buch  ist 
nicht  bekannt.    Aber  der  blosse  Titel  und  die  Thatsache,  dass 


435)  Otto  bemüht  sich  vergebens,  zu  zeigen,  dass  das  „sophista"  ledig- 
lich gleich  ,.philosophus"  respect.  „rlietor"  sei  oder  den  stilus  elegantior  des 
Miltiades  bezeichnen  Holle.  Auch  die  Ausführungen  Rohde 's  (der  griech. 
Roman  S.  293  f.)  sind  hier  nicht  völlig  zuverlässig.  Man  hat  Stellen  wie 
Lucian,  Peregrin.  Prot.  13.  32  (s.  Bernays,  Lucian  und  die  Cyniker  1879 
S.  109),  M.  Aurel,  Meditat.  I,  7,  Justin,  Apol.  I,  14,  Tatian,  Orat.  12.  35. 
40  in's  Auge  zu  fassen,  um  zu  erkennen,  dass  „Sophist"  damals  unter  Um- 
ständen doch  einen  üblen  Nebengeschmack  hatte, 

436)  Eusebius  leitet  (V,  17,  1)  die  Mittheilung  also  ein:  iv  xoviüt  dh 
t(j5  ovyyQafjLiiaxL  aal  Mü.TLciöov  ovyyQacpiwq  (jLSßvrßai  (seil,  anonymus), 
byq  Xoyov  riva  xal  avzov  xata  xrjq  nQOSigrjibievrjq  cctQsaecog  ysyQa(pOToq. 
naQaS-sftsvog  yovv  avzüjv  Xs^sig  rivccg,  £7ti<piQei  Xsycov  Tavza  etgtov 
ev  ZIVI  ovyyQaixßazL  avziJbv  Lviüza/uevojv  zw  MiXziaöov  zov  dösX^ov  ovy^ 
yga^UCLti,  iv  qj  dnoösixwai  nsgl  zov  ß^  öclv  ngotp^zriv  iv  sxazaaei  Xa- 
Aftr,  ircsrsf/oßijv.  Alle  griechischen  Handschriften  des  Eusebius  lesen 
freilich  an  zweiter  Stelle  für  Mdzidöov  „\iXxißtudov''  (V,  16,  3  umgekehrt 
Milxiaörjv  iixr'AXxtßid6r]v)  —  aber  der  Zusammenhang  fordert  das  erstere 
und  Nicephorus  bestätigt  diese  LA.  Ob  hier  eine  uralte  Verschreibung 
srorliegt  {AAKlBJAdOY  —  MIATIAAOY)  oder  Absicht  gewaltet  hat, 
wage  ich  nicht  au  entscheiden. 


280  ^^®  Schriften  des  Miltiades. 

dasselbe  eine  Gegensclu'ift  seitens  der  Altgläubigen  hervorge- 
rufen hat,  ja  wahrscheinlich  auch  Tertullian  nicht  unbekannt 
geblieben  ist^'^''),  sichert  dem  Miltiades  ein  bleibendes  Andenken 
in  der  Kirchengeschichte.  Soviel  v^ir  wissen,  ist  er  der  Erste, 
der  in  der  Heidenkirche  des  2.  Jahrhunderts  diese  neue  Theorie 
über  das  Wesen  der  wahren  Prophetie  aufgestellt  hat  —  eine 
Theorie,  von  weicher  die  älteren  Apologeten  noch  nichts  wissen, 
und  die  an  ihrem  Theile  den  Umschwung  hat  herbeiführen 
helfen,  welcher  zur  katholischen  Priesterkirche  geführt  hat. 

Das  dritte  Zeugniss  ist  ein  römisches.  Der  Verfasser  jener 
interessanten  Schrift  gegen  die  römischen  Monarchianer  aus 
dem  Anfang  des  3.  Jahrhunderts,  aus  welcher  Eusebius  (h.  e. 
V,  28)  Mittheilungen  gemacht  hat,  suchte  unter  anderem  auch 
die  Behauptung  der  Artemoniten  zu  widerlegen,  dass  ihre  Chri- 
stclogie  während  des  ganzen  zweiten  Jahrhunderts  in  Rom  die 
herrschende  gewesen  sei.  Er  schreibt  §  1:  „Es  sind  aber  auch 
noch  von  einigen  Brüdern  Schriften  vorhanden,  die  älter  sind 
als  die  Zeiten  des  Victor,  welche  sie  gegen  die  Heiden  zur 
Vertheidigung  der  Wahrheit  und  gegen  die  damahgen  Häre- 
sien geschrieben  haben,  nämlich  Schriften  von  Justin,  Miltia- 
des, Tatiaij,  Clemens  und  mehreren  Anderen,  in  welchen  allen 
Ciiristus  Gott  genannt  wird  {Oso^.oyehai  6  XgLOTog).  Wem 
wären  ferner  die  Bücher  des  Irenaeus  und  Melito  und  der  üebrigen 
unbekannt,  in  denen  Christus  als  Gott  und  Mensch  verkündet 
wird".  Den  Miltiades  rechnet  der  ungenannte  Verfasser  also 
unter  die  Apologeten  und  Polemiker  von  massgebender  Bedeu- 
tung. Seine  Schriften  enthalten  die  richtige  Christologie,  näm- 
lich die  Logoschristologie  *^^).     Wie-  dem  Montanismus  gegen- 

437)  Dass  über  die  Ekstase  zwischen  den  Altgläubigen  und  der  Welt- 
kirche gestritten  werde,  sagt  Tertullian,  a.  B.  adv.  Marc.  IV,  22,  ausdrück- 
lich. Nach  Hieronyinus,  de  vir.  inlustr.  D3  hat  Tertullian  aber  selbst  ein 
grosses  Werk  in  sieben  Büchern  de  ecstasi  geschrieben,  in  welchem  er, 
wie  derselbe  Schriftsteller  bezeugt,  nicht  nur  mit  dem  Kleinasiaten  Apollo- 
nius  sich  auseinandergesetzt  hat,  sondern  auch  (s.  1.  c.  24)  Kunde  von 
Schriften  eines  zweiten  Kleinasiaten,  des  Melito,  verräth.  Man  darf  wohl 
nach  adv.  Valent.  5  annehmen,  dass  dem  TertuUian  auch  das  bestrittene 
Werk  des  dritten  Kleinasiaten,  Miltiades,    nicht  unbekannt  gebheben  ist. 

438)  S.  das  gleich  folgende  in  §  5:  tpaXfxol  6h  ijaoi  xai  loöal  adeX- 
(püiv  ocTC*  «Vz^?  ^^^  niazüiv  y^aq-Elöcci  zov  Xoyov  xov  Oeov  lov  Xqigzov 
vßvovai  i^ioXoyovvzeq. 


Die  Scliriften  des  Miltiades.  281 

über,  so  auch  dem  Monarchianismus  gilt  mithin  Miltiades  der 
neuen  Generation  als  schätzenswerther  Theologe.  Beachteiis- 
werth  ist,  dass  auch  der  Römer  (wie  Tertullian)  seinen  Namen 
dem  des  Justin  unmittelbar  folgen  lässt  und  beiden  den  Ire- 
naeus  beigesellt  '*^'').  Das  Ansehen  freilich  und  die  Verbreitung, 
welche  den  Büchern  des  letztgenannten  und  des  Melito  zukommt, 
besitzen  des  Miltiades  Werke  immerhin  nicht  —  das  darf  man 
aus  der  Art,  wie  die  genannten  Schriftsteller  eingeführt  und 
gruppirt  sind,  schliessen. 

Man  erwartet,  dass  die  Werke  eines  so  namhaften  Apolo- 
geten und  Polemikers  sich  eine  längere  Zeit  hindurch  in  der 
Kirche  erhalten  haben-,  indessen  dem  ist  nicht  so.  Alles,  was 
wir  sonst  noch  von  Miltiades  wissen,  beschränkt  sich  auf  die 
kurze  Notiz,  die  ihm  Eusebius  (h.  e.  V,  17,  5)  gewidmet  hat: 
„Miltiades  hat  uns  (ausser  der  antimontanistischen  Schnft)  auch 
noch  andere  Denkmäler  seines  besonderen  Fleisses  in  der  Theo- 
logie (genauer:  in  Bezug  auf  die  göttlichen  Orakel)  hinterlassen; 
er  verfasste  nämlich  Schriften  sowohl  gegen  die  Griechen  als  auch 
gegen  die  Juden,  indem  er  jeder  der  beiden  Anschauungen  eigens 
in  zwei  Büchern  begegnete.  Dazu  hat  er  auch  an  die  weltlichen 
Machthaber  (rcgog  rovg  xoofuxovg  aQXovrag)  für  die  Philosophie, 
zu  welcher  er  sich  bekannte,  eine  Apologie  verfassf'S  Eusebius 
hat  allem  Anschein  nach  ditse  Werke  noch  in  der  Hand  gehabt; 
aber  er  hat  kein  Citat  aus  denselben  mitgetheilt,  und  kein  späterer 
hat  sie,  soviel  wir  wissen,  mehr  citirt;  denn  was  Hieronymus  L  c. 
39  mittheilt  ^^^),  ist  aus  Eusebius   abgeschrieben.     Drei  Werke 


439)  Damit  ist  erwiesen,  dass  der  Miltiades  des  Tertullian  und  der 
des  römischen  Anonymus  identisch  sind.  Die  Identität  des  ersteren  mit 
dem  des  kleinasiatischen  Anonymus  darf  aber  auch  als  sicher  gelten. 

440)  „Miltiades,  cujus  Rhödon  in  opere  suo,  quod  adversum  Mönta- 
num,  Priscam  Maximillamque  composuit,  reccrdatus  est  (Hieronymus 
nennt  den  ungenannten  Kleinasiaten  „Rhodon"  —  sckweriich  weil  er  über 
ihn  eine  Kunde  besass,  die  Eusebius  nicht  besessen  hat,  sondern  weil  er 
kurz  zuvor  in  der  Kirchengeschichte  V,  13  Rhodon's  Namen  gelesen  hatte), 
scripsit  contra  eosdem  volumen  praecipuum,  et  adversum  gentes  Judaeos- 
que  libros  alios,  et  principibus  ilHus  temporis  apologeticum  dedit.  Flo- 
ruit  Marci  Antoniui  Commodique  temporibus".  Das  „volumen  praeci- 
puum" ist  von  Hieronymus  hinzugemacht.  Aehnlich  nennt  er  die  Schrift 
contra  gentes  in  der  ep.  ad  Magn.  70  (84)  ein  „volumen  egregium". 


282  ^^^  Schi-iften  des  Thoophilus. 

unterscheidet  Easebius:  1)  Z\Yeil:j\ich.er  nQog'^'EXlr^vag,  2)  Zwei 
Bücher  ngog  'lovöcclovg,  3)  Eine  Apologie  an  die  Kaiser '^^^) 
vnig  Trg  ytara  XQiatiavovg  fpi?^ooo(fiiag  —  etwii  so  mag  der 
Titel  gelautet  haben.  Legt  man  darauf  Gewicht,  dass  der  un- 
genannte römische  Schriftsteller  den  Miltiades  vor  Tatian  ge- 
nannt hat,  so  wird  mau  es  für  wahrscheinlich  halten  dürfen, 
dass  die  Kaiser  Marc  Aurel  und  Lucius  Verus  (f  170)  gemeint 
sind.  Indessen  bleibt  es  doch  immerhin  möglich,  dass  M.  Aurel 
und  Commodus  die  Adressaten  waren,  wofür  man  sich  frei- 
lich schwerlich  auf  Hieronjmus'  positive  Angabe  ^vird  berufen 
dürfen"**^). 

§    15.     Die    Schriften    des    Theophilus   mit   Ausschluss 
des  ihm  beigelegten  Evangeliencommentars^^^). 

Einen  Bischof  Theophilus  von  Antiochien  hat  zuerst  Euse- 
bius  (Chronic,  ad  ann.  IX.  M.  Aurelii  -=  2185  Abr.  =  167  p. 
Chr.,  s.  Hieron.  ad  ann.  IX.  M.  Aurelii  und  Syncellus  p.  665, 
21)  erwähnt:  „Antiochenorum  ecclesiae  YT.  episcopus  constitutus 
est  Theophilus,  cujus  multi  libri  hucusque  circumferuntur". 
Sein  Nachfolger  Maximinus  (ad  ann.  XVII.  M.  AureHi)  soll  nach 
Eusebius  schon  im  Jahre  177  angetreten  sein.  Diese  chrono- 
logischen Angaben  stammen  höchst  wahrscheinlich  aus  Julius 
Africanus '*'**).  In  der  Kirchengeschichte  führt  Eusebius  den 
Theophilus,  Bischof  von  Antiochien  (IV,  20  sq.),  neben  Hege- 


441)  Valesius  hat  in  den  xoofxixol  a()Xf>^'^^^  die  Provinzial Statthalter 
erkennen  wollen;  aber  seine  Beweise  sind  nicht  stichhaltig;  die  Kaiser 
sind  gemeint,  s.  von  Otto  IX  p.  367  sq. 

442)  Ein  antignostisches  Werk  des  Miltiades  nennt  Eusebius  nicht, 
und  doch  ist  nach  Tertullian's  IMittheilung  gewiss,  dass  derselbe  ein  sol- 
ches geschrieben  hat,  in  welchem  jedenfalls  die  Valentinianer  bekämpft 
waren.  —  Ueber  Miltiades  ist  Derling,  Dissert.  de  Miltiade.  Heimst- 
1746;  Fabricius-Harles,  Bibl.  Gr.  VII  p.  105  sq.;  Routh,  Reliq.  S.  IT. 
214;  Otto,  1.  c.  IX,  p.  364 — 373  zu  vergleichen. 

443)  S.  Halloix,  1.  c.  p.  737  sq.  Grabe,  1.  c.  II  p.  218—224.  Die 
Ausgaben  von  Fell  (1684),  Wolf  (1724),  von  Otto  (1861).  Acta  SS.  mens. 
Octoh.  T.  VI.  (1856)  ad  diem  Xlll.  p.  168—186.  Donaldson,  1.  c.  III 
p.  63—106. 

444)  S.  meine  Schrift:  „Die  Zeit  des  Ignatius"  u.  ^".  w.  1878. 


Die  Zeugnisse  dos  Eusebius  und  Hieronymus.  283 

sipp,  Dionysius  von  Korinth  und  Melito  auf.  C.  24  bericlitet 
er  über  ihn:  „Von  Theophilus,  den  wir  bereits  als  Bischof  von 
Antiochien  angeführt,  sind  drei  nicht  ausführliche  {oToixeuudrjy 
vielleicht  besser  =  die  Elemente  [des  Glaubens]  behandelnde) 
Schriften  an  Autolycus  im  Umlauf,  ferner  eine  andere  mit  dem 
Titel  ,Gegen  die  Häresie  des  Hermogenes',  in  welcher  er  Zeug- 
nisse aus  der  Offenbarung  des  Johannes  gebraucht,  sowie  einige 
andere  katechetische  ^*^)  Schriften".  Es  folgt  nun  eine  allge- 
meine Bemerkung  darüber,  dass  die  Hirten  der  Kirche  auch 
schriftlich  die  Häretiker  widerlegt  haben;  dann  fahrt  Euse- 
bius fort:  „Dass  nun  mit  den  Anderen  auch  Theophilus  gegen 
diese  zu  Felde  gezogen  ist,  erhellt  aus  einer  sehr  trefflich  aus- 
gearbeiteten Abhandlung  von  ihm  gegen  Marcion,  welche  sich 
mit  den  anderen  obengenannten  Schriften  von  ihm  auch  noch 
bis  jetzt  erhalten  hat".  Hieronymus  (de  vir.  inl.  25)  hat  nach 
seiner  Gewohnheit  diesen  Bericht  abgeschrieben,  aber  ihn  mit 
einem  Zusätze  versehen,  der  da  zeigt,  dass  er  diesmal  doch 
auch  über  selbständige  Kenntnisse  verfügte.  Nachdem  er  näm- 
lich die  v.axYf/jfci-'Aa  ßifi?Ua  als„breves  elegantesque  tractatus 
ad  aedificationem  ecclesiae  pertinentes"  aufgeführt  hat,  fährt  er 
fort:  „Legi  sub  nomine  ejus  in  evangelium  et  proverbia  Salo- 
monis  commentarios,  qui  mihi  cum  superiorum  voluminum 
elegantia  et  cpQaoet  non  videntur  congruere".  Auf  den  Evan- 
geliencommentar  ist  Hieronymus  noch  zweimal  zu  sprechen 
gekommen.  In  der  Ep.  ad  Algasiam ^ *^*)  schreibt  er:  „Theo- 
philus, Antiochenae  ecclesiae  septimus  post  Petrum  apostolum 
episcopus,  qui  quattuor  evangelistarum  in  unum  corpus  dicta 
compingens  ingenii  sui  nobis  monumenta  dimisit,  haec  super 
hac  parabola  (Lc.  16,  1 — 8)  in  suis  commentarüs  est  locutus". 
Es  folgt  nun  eine  Erklärung  der  Parabel  vom  ungerechten 
Haushalter,  c.  40  Zeilen  lang,  die  auf  den  Apostel  Paulus  ge- 
deutet wird.  In  der  Vorrede  zum  Matthäus -Commentar^^') 
lieisst  es:  „Legisse  me  fateor  aute  annos  plurimos  in  Matthaeum 
Origenis  XXV  volumina  ...  et  Theophili  Antiochenae  urbis 
episcopi  commentarios,  Hippolyti  quoque  Martyris,  et  Theodori 


445)  Zur  V.  zazrjXV^txoq  vgl.  h*  e.  IV,  23,  2. 

446)  Vallarsi  1  p.  860  sq. 

447)  Vallarsi  VII  p.  7. 


.284  I^i^  Schriften  des  Theophilus. 

Heracleotae,  Apolinarisque  .  .  .  .,  e  quibus  etiamsi  parva  carpe- 
rem,  dignum  aliquid  memoria  scriberetur'^ 

Aber  schon  vor  Hieronymus  und  Eusebius  bat  ein  anderer 
Lateiner  den  Theophilus  citirt.  Lactantius  schreibt  (Institt.  div. 
I,  23)^^^):  „Theophilus  in  libro  de  temporibus  ad  Autolycum 
scripto  ait,  in  historia  sua  Thallum  dicere  quod  Belus,  quem 
Babylonii  et  ilssyrii  colunt,  antiquior  Trojano  hello  fuisse  in- 
veniatur  CCCXXII  annis:  Belum  autem  Saturno  aequaiem  fuisse, 
et  utruraque  uno  tempore  adolevisse".  Aus  den  folgenden  Jahr- 
hunderten sind  uns  nur  ganz  spärliche  Zeugnisse  aufbehalten. 
Gennadius  von  Massilia  schliesst  seinen  Artikel  über  Theophilus 
von  Aiexandrien  (de  vir.  inl.  34)^*^)  mit  den  Worten:  „Legi  et 
tres  libellos  fidei  (al.:  „de  fide  libros")  sub  nomine  ejus  titulatos, 
sed,  quia  lingua  inconsonans  est,  non  valde  credidi".  Es  ist, 
wie  sich  zeigen  wird,  wahrscheinlich,  dass  hiermit  die  Bücher 
ad  Autolycum,  an  die  aber  Gennadius  selbst  merkwürdiger  Weise 
gar  nicht  gedacht  hat,  bezeichnet  sind^^^).  Er  ist  aber  auch 
der  einzige  Lateiner,  der  nach  Hieronymus  den  Theophilus  er- 
wähnt hat.  Nur  das  ist  noch  zu  bemerken,  dass  in  den  römi- 
schen Martyrologien  der  Name  des  Theophilus,  des  6.  Bischofs 
von  Antiochien,    zum    13.    October   vermerkt   ist'*^^).      Höchst 


448)  Opp,  (edit.  Wiceburg.  1783)  I  p.  74. 

449)  Edit.  Herding.  p.  86. 

450)  Paulus  in  dem  Ubell.  de  haeres.  23  führt  den  Theophilus,  den 
6.  Bischof  von  Antiochien,  unter  den  Bestreitern  des  Marcion  auf.  Hono- 
rius  Augustod.  de  Script,  eccl.  I,  26  berichtet,  dass  Theophilus,'  der  6. 
Bischof  der  antiochenischen  Kirche,  gegen  Marcion,  an  Autotycus  (3)  und 
gegen  die  Häresie  des  Hermogenes  geschrieben,  ausserdem  noch  andere 
Abhandlungen  verfasst  habe.  Beide  gehen  natürlich  auf  Eusebius  (Rufin) 
zurück.  Für  „Theodoro  urbis  Antiochiae  episcopo"  (Praedestin.  18)  ist 
vielleicht  „Theophilo"  zu  lesen,  da  ein  Bischof  Theodorus  von  Antiochien 
nicht  bekannt  ist.  Doch  thut  man  dem  Verf.  des  Praedestinatus  mit  dieser 
Correctur  wahrscheinlich  schon  zuviel  Ehre  an. 

451)  S.  Acta  SS.,  1.  c.  p.  1G8  sq.  Schon  im  kleinen  römischen  Martv- 
rologium  (natürlich  nach  Rufin)  steht  zu  lesen:  „Antiochiae,  Theophih  epi- 
scopi  qui  sextus  ab  apostolis  fuit".  Ado  hat  den  Zusatz:  „viri  eruditis- 
simi".  Die  Bemerkung  bei  Notker:  ,,hic  constituit  die  Sabbathi  jejuni- 
um  ter  in  anno  fieri  secundum  prophetiam  friunenti,  vini  et  olei",  ist 
ohne  jeden  Werth.  Sie  gehört  zum  römischen  Bischof  Callist  und  ist 
durch  Irrthum  hierher  verschlagen  (Acta  SS.  1.  c.  p.  172). 


Die  Zeugnisse  des  Lactantius  und  der  Späteren.  285 

auffallend  ist  das  Scliweigen  der  griechischen  Orientalen  "^^2) 
Mit  Ausnahme  der  Compilatoren  der  SS.  Parallel,  und  eines 
Chronographen,  des  Johannes  Malalas,  hat  Niemand,  kein  Histo- 
riker —  selbst  Photiiis  nicht  — ,  kein  Dogmatiker,  kein  Mar- 
tyrolog,  des  Theophilus  als  Schriftsteller  Erwähnung  gethan'*^^). 


452)  Auch  die  Syrer  scheinen  den  Theophilus  völlig  vergessen  zu 
haben.  Die  Angabe  in  dem  Chronic,  eccles.  des  Gregor ius  Barhe^ 
braeus  (edid.  Abeloos  etLamy.  Lovanii  1873  I  p.  44),  Theophilus  habe 
orthodoxe  Bücher  verfasst,  geht  auf  Eusebius  zurück.  Auf  diesen  sind 
auch  die  Nacluichten  des  Eutychius  (Annal.  edid.  Pococke,  Oxoniae 
1658)  zurückzuführen;  s.  „Zeit  des  Ignatius"  S.  63.  55  f. 

453)  Wie  sehr  der  Name  des  antiochenischen  Theophilus  als  Schriffc- 
steller  in  der  griechischen  Kirche  vergessen  war,  zeigt  am  deutlichsten 
das  Schweigen  der  antiochenischen  Bischöfe  und  Gelehrten  (ob  Chry- 
sostomus,  Hom.  18  in  Genes,  den  Theophilus  benutzt  hat  [Otto,  1.  c.  p.  128], 
steht  dahin).  Aber  auch  die  Citate  aus  den  3  Büchern  ad  Autolycum, 
welche  sich  in  den  SS.  Parallel,  finden,  bereichern  unsere  Kenntnisse  von 
der  Geschichte  der  Bücher  ad  Autol.  wenig.  In  dem  Cod.  JR-upef.  haben 
zwei  Stellen  Aufnahme  gefunden  (Lequien  I  p.  785.  787).  Die  erste  (I, 
4  n.  2  ed.  Otto)  aber  ist  als  ein  Ausspruch  des  Amphilochius ,  Bischofs 
von  Iconium,  bezeichnet;  die  zweite  (I,  5  n.  8)  als  ein  solcher  des  Theo- 
philus von  Alexandrien.  Die  Verwechselung  hier  ist  nicht  weiter  auf- 
fallend; auch  Gennadius  hat  ja  für  die  Bücher  über  den  Glauben,  die  er 
unter  dem  Namen  eines  Theophilus  gelesen  hat,  als  Verfasser  zunächst 
den  Bischof  von  Alexandrien  vermuthet.  Dagegen  ist  die  Verwechselung 
mit  Amphilochius  sehr  bemerkenswerth.  Der  Compilator  der  SS.  Parallel, 
hat  sich  allerdings  viele  Irrthümer  zu  Schulden  kommen  lassen  und  schöpfte 
zum  Theil  aus  ganz  getrübten  UeberHeferungen ;  aber  Amphilochius  ist 
zwar  ein  in  seiner  Zeit  sehr  angesehener,  aber  doch  kein  häufig  citirter 
Schriftsteller  (s.  über  ihn  den  Artikel  von  Lightfoot  im  Dictionary  of 
Christian  Biography  Vol.  I).  Da  nun  auch  hier  der  Text  der  angeführten 
Stelle  von  dem  Text  in  Marc.  496  sehr  bedeutend  abweicht  (ganz  anders 
steht  es  bei  I,  5  n.  8),  so  darf  man  wohl  vermuthen,  dass  Amphilochius 
den  Satz  über  die  Etymologie  des  Wortes  „i9fos"^aus  dem  I.  Buch  des 
Theophilus  abgeschrieben  hat.  —  In  den  SS.  Parallel.  Cod.  Vatic.  finden 
sich  (I  p.  315.  339.  564)  drei  Stellen  aus  den  Büchern  ad  Autolycum. 
Die  erste  (II,  27  n.  9),  mit  bemerkenswerthen  Varianten,  ist  aber  einem 
„Eleutherius"  beigelegt,  die  zweite  (I,  5  n.  8)  einem  Theophilus,  die 
dritte  (I,  1  init.)  ist  genau  bezeichnet  durch  „Theophili  Antiocheni  lib.  I. 
Autol."  Es  ist  wichtig,  dass  somit  wenigstens  eine  Stelle  zu  Bedenken 
keinen  Anlass  giebt.  Was  den  „Eleutherius"  betriift,  so  hat  schon  Le- 
quien vermuthet,  dass  er  seinen  Ursprung  dem  ersten  Worte  des  Citats 
Cl^ksv&SQOv)  verdankt.  —  In   dem  Cod.  Venetus   der  SS.  Parallel,  saec. 


286  -^^^  Schriften  des  Theophilus. 

Aber  auch  Malalas  hat  wahrscheinlich  nicht  den  Bischof  von 
Antiochien  saec.  IL,  sondern  einen  sonst  unbekannten  Chrono- 
graphen citirt  (s.  unten  S.  291  f.).  So  dünn  sind  die  Fäden, 
wenn  man  von  solchen  überhaupt  sprechen  kann,  welche  in 
der  Tradition  zu  der  einzigen  mittelalterlichen  Handschrift 
führen  (saec.  XL),  in  der  die  drei  Bücher  ad  Autolycum  auf 
uns  gekommen  sind  (s.  oben  S.  72  f.).  Gründe ,  welche  das 
Schweigen  der  griechischen  Tradition  seit  Eusebius  erklären, 
anzugeben,  wird  man  schwerlich  wagen  dürfen.  Der  private 
Character  der  Schrift  ist  nicht  zu  urgiren ;  eher  schon,  dass  die 
im  dritten  Buche  gegebene  Chronographie  den  späteren  An- 
schauungen nicht  bequem  war,  vielleicht  auch,  dass  man  am 
Stile  Anstoss  nahm,  oder  dass  man  vom  Verfasser  nichts  wusste. 
Die  einzige  Handschrift  giebt  den  Büchern  nur  die  üeberschrift: 
Ocorpllov  TTQog  amoluxov  (resp.  so  dem  ersten,  dem  zweiten 
ist  ein  to  ß,  dem  dritten  ein  t6  y  vorgesetzt);  aber  in  dem 
Index  (prima  manu)  lautet  der  Titel:  O^eocplkov  najQiaQXov  "x- 
Tov  ztjg  fieyali^g  avTioyeiag  Jtgbg  avxoXv/MV  tlkrjva  negi  Trjg 
Tidv  yQiOTiav(ov  niOTBwg  Xoyni  xQelg.  Diese  üeberschrift  macht 
es  mindestens  wahrscheinlich,  dass  die  „tres  libelli  fidei'',  welche 
Gennadius  unter  dem  Namen  eines  Theophilus  gelesen  hat,  mit 
den  hier  aufgeführten  identisch  sind.  Die  Bücher  ad  Autol. 
haben  mithin  frühe  schon  den  Titel  neQi  Tiunetog  erhalten. 
Dass  wir  nun  in  dem  Marcianus  49(5  dieselben  Bücher  besitzen, 
welche  Lactantius'*^'*),  Eusebius,  (Hieronymus)   und  Gennadius 


XI.,  welchen  von  Otto  (s.  1.  c.  p.  18  n.  8)  verglichen  hat,  ist  auch  ad 
Autol.  I,  5  (n.  8)  angeführt,  und  zwar  mit  der  Aufschrift:  ^sotpiXov  ex 
xov  ~  xf(p.  Hieraus  folgt,  dass  die  Bücher  ad  Autolycum  schon  bei  den 
Byzantinern  in  Capitel  eingetheilt  worden  sind.  Von  einer  solchen  Ein- 
theilung  scheint  aber  im  Marc.  49G  keine  Spur  vorhanden  zu  sein.  —  Die 
Angaben  in  den  BischofsHsten  beim  Verfasser  des  Chronographeion 
syntomon,  bei  Syncellus  und  Nicephorus  sind  aus-der  Chronik  des 
Eusebius  abstrahirt  (s.  „Zeit  des  Ignatius"  S.  55—62).  —  Auf  eine  Stelle  in 
dem  Violarium  der  Eudokia  (Anecd.  gr,  ed.  Villoison  1781  I  p.  41)}, 
welche  dem  2.  Buch  des  Theophilus  (6  n.  17)  entnommen  ist,  hat  von 
Otto  aufmerksam  gemacht  (p.  63).  Aber  nach  den  Nachweisungen, 
welche  Pulch  (De  Kudociae  quod  fertur  Yiolario.  Argentorat.  1880)  ge- 
geben hat,  thut  man  gut  von  dieser  Cojnpilation  ganz  abzusehen. 

454)  Das  Citat  des  Lactantius  findet  sich  ad  Autol.  III,  29  (p..270). 
Man  darf  übrio-ens  aus  der  Citationsformel  des  Lactantius  nicht  mit  irgend 


Die  drei  Bücher  ad  Aatolycum.  287 

gelesen  haben,  ist  nie  bezweifelt  worden ^^^).  Dagegen  hat  schon 
in  älterer  Zeit  Dodw eil  Zweifel  erhoben,  dass  Theophilus,  der 
6.  Bischof  von  Antiochien,  Verfasser  der  Bücher  sei"^^^),  und 
in  neuerer  Zeit  hat  Erbes  wiederum  die  Identität  bestritten, 
den  Eusebius  also  des  Irrthums  geziehen '*^'^.  Dodwell  stützte 
sich  auf  die  Angabe  der  eusebianischen  Chronik,  dass  der  Nach- 
folger des  Theophilus  schon  ini  Jahre  177  sein  Amt  angetreten 
habe,  während  doch  der  Verf.  der  Bücher  ad  Autolycum  den 
Tod  des  M.  Aurel  noch  registrirt  habe  (III,  27  fin.);  ferner 
glaubte  er  in  III,  30  die  characteristischen  Merkmale  der  seve- 
rianischen  A^erfolgung  zu  erkennen.  Allein  dass  der  scharf- 
sinnige Engländer  sich,  was  den  letzteren  Punkt  anlangt,  ge- 
täuscht hat,  bedarf  keines  besonderen  Beweises '^^^);  betreffs  der 


welcher  Sicherheit,  höchstens  mit  Wahrscheinlichkeit  schHessen,  dass  er 
nur  das  3.  Buch  gekannt  hat,  und  dass  dieses  unter  dem  Namen  „de 
temporihus''  von  a.  1  oder  c.  16  oder  c.  24  an  besonders  cireuhrt  hat. 
Noch  weniger  darf  man  sich  für  die  Abtrennung  des  3.  Buches  von  den 
beiden  ersten  auf  Cod.  Par.  887  berufen,  der  nur  das  3.  Buch  enthält; 
denn  dieses  ist  aus  Marc.  496  abgeschrieben,  welcher  alle  drei  Bücher 
iimfasst.  Die  Aufschrift  des  3.  Buches  in  Paris.  887,  welche  auf  einen 
Satz  in  üb.  II  zurückblickt,  lautet:  OeotpiXov  ■naxQia.QX^'*^  sxxov  avxiO' 
XBiaq  UQog  uvtoXvxov  ilXXrjva  ns^l  tijg  twv  xqi-<Jt^ic(V<ov  niaxswg'  xal  (ixi 
xa  ^sTa  koyia  xä  xad^*  r/uäg  dQx^'^oxf^a  xccl  dXijS^soxsQa  tioL  xwv  aiyvn- 
tiaxüjv  xs  xal  hXXrjvixtuv  xal  navxtov  rcSv  aXXcov  ovyyQacpewv.  Zu  be- 
achten ist,  dass  Eusebius  nicht  sagt,  Theophilus  habe  eine  Schrift  in  drei 
Büchern  an  Autolycus  verfasst,  sondern  vielmehr,  er  habe  drei  Schrif- 
ten verfasst.  Das  bestätigt  sich  durch  die  Ueberlieferung  in  der  Hand- 
schrift und  bei  Lactantius;  die  drei  Bücher  hängen  nur  lose  zusammen. 

455)  Allerdings  hat  nur  Lactantius  ein  Citat  gebracht.  Aber  dies 
reicht  aus.  Die  Bücher  sind  übrigens  im  Marc.  496  vollständig  über- 
liefert. Lücken,  wie  sie  Wolf  zwischen  I,  10  und  11,  in  III,  21  (p.  240) 
und  ni,  29  (p.  2G8'i  annehmen  zu  müssen  meinte,  sind  nicht  vorhanden 
(s.  darüber  auch  Donaldson,  a.  a.  0.  III  p.  67  und  von  Otto  z.  d.  St.). 

456)  Dissertat.  ad  Iren.  [1(>89]  ^  44.  50  p.  170  S(i.;  vgl.  A(^'i.  ad  Pear- 
soni  Dissert.  de  success.  prim.  Roman,  episc.  p.  11  sq.  Dazu  „Zeit  des 
Ignatius"  S.  13  n.  2. 

457)  Jahrbb.  f.  protest.  Thcol.  1879  S.  483  f.  618  f  Lipsius  (a.  a.  0. 
1880  S,  293  n.  1)  lässt  die  Sache  zweifelhaft,  gesteht  aber,  dass  die  gegen 
die  Identität  von  Erbes  vorgebrachten  Gründe  ernste  Erwägung  ver- 
dienen. 

458)  Es  ist  a  priori  wahrscheinlich,  dass  auch  zur  Zeit  des  Commodus 
einzelne  Christenverfolgungen  stattgefunden  haben.    Wir  haben  dafür  aber 


288  ^i^  Schriften  des  Tlieophilr.s. 

Chronologie  der  antiochenischeii  Bischöfe  in  der  Chronik  des 
Eusebius  aber  steht  fest,  dass  auf  sie  kein  Verlass  ist.  Der 
Verfasser  des  3.  Buches  ad  Autolycum  liat  nicht  vor  180,1  und 
noch  unter  Commodus  geschrieben;  für  den  antiochenischen 
Bischof  Theophüus  lässt  sich  aber  nur  dies  ennitteln,  dass  sein 
Nachfolger  zwischen  189  und  192  gestorben  ist.  Ein  wirkliches 
chronologisches  Hinderniss  besteht  also  nicht,  die  beiden  zu 
identificiren^^^).  Was  aber  die  inneren  Gründe  anlangt,  so 
sind  sie  der  Tradition,  welche  Eusebius  wiedergiebt,  günstig. 
L.  11,  24  (p.  122)  sagt  der  Verfasser,  dass  der  Eiiphrat  und 
Tigris  dem  Lande  nahe  sind,  in  welchem  er  schreibt  {pmot 
yaQ  ysLTVitooiv  tcog  tlov  rjf.iETiQiop  Ti/AfiaTwv);  ferner  zeigt  er  ein 
besonderes  Interesse  für  die  Friester  (s.  11,  31  p.  152.  III,  21 
p.  240);  endlich  scheint  er  auch  einige  Kenntniss  des  Hebräi- 
schen besessen  zu  haben  (s.  die  Erklärungen  der  Worte  Sab- 
bath,  Eden,  Noah  II,  12.  24.  III,  19).  Er  ist  gebildet  und  ge- 
lehrt in  den  heiligen  und  profanen  Schriften,  ohne  sich  doch  wie 
die  älteren  Apologeten  als  einen  Philosophen  zu  bezeichnen  ^^^). 


auch  Beweise;  s.  Euseb.  h.  e.  V,  21.  Iren.  adv.  haer.  IV,  33,  9.  Acta  mar- 
tyr.  Scillit.  Die  letzteren  gehören  in  die  Zeit  des  Conimodus,  wie  die 
griechische  Handschrift,  welche  Usener  (Acta  Mai-tyr.  Scillit.  Bonn.  1881) 
entdeckt  hat,  beweist. 

459)  S.  meine  Schrift  „die  Zeit  des  Ignatius"  passim ,  namentlich 
S.  42 f.  Sicher  ist,  dass  der  Nachfolger  de.s  Theophilus,  Maximinus,  spä- 
testens im  Jahre  192,  frühestens  189  gestorben  ist  Nichts  hindert  daher 
anzunehmen,  dass  Theophilus  noch  im  Jahre  181  gelebt  hat.  —  Ad  Auto- 
lyc.  III,  27  beruft  sich  der  Verf.  auf  die  jivayQct(pal  des  Nomenciator 
und  kaiserlichen  Freigelassenen  Chryseros  (über  dieselben  ist  sonst  nichts 
bekannt),  welche  bis  zum  Tode  M.  Aurel's  (März  180)  reichten.  Biese 
Schrift  kann  mithin  nicht  vor  1 80/1  abgefasst  sein.  Darnach  ist  das  Jahr 
181  auch  der  früheste  Termin  für  die  Abfassung  des  3.  Buches  ad  Auto- 
lycum (die  beiden  ersten  können  bei  dem  losen  Zusammenhang,  in  wel- 
chem sie  mit  dem  dritten  stehen,  geraume  Zeit  vorher  geschrieben  seiuV 
Aber  es  steht  nichts  im  Wege  —  angenommen,  der  antiochenische  Bischof 
habe  es  geschrieben  — ,  jenes  Buch  erst  c.  185  verfasst  sein  zu  lassen,  da 
wir  durchaus  nicht  wissen,  wie  lange  Maximinus  Bischof  gewesen  ist. 
Nach  dem  eigenen  Selbstzeugniss  ist  aber  das  III.  Buch  noch  unter  Com- 
modus geschrieben;  denn  sein  Verfasser  hätte  es  nicht  unterlassen  können, 
in  seiner  chronologischen  Uebersicht  auch  den  Tod  dieses  Kaisers  zu  ver- 
merken, -wenn  der.selbe  schon  erfolgt  wäre. 

4(iD)  ^e  von  den  älteren  Apologeten  abweichende  Art  der  Benutzung 


Die  drei  Bücher  ad  Autolycum.  289 

Er  hat  vielfach  mit  Häretikern  zu  thun  gehabt  und  berück- 
sichtigt sie  auch  in  diesen  apologetischen  Abhandlungen  (11, 
14.  25 — 11).  Es  sind  ferner  die  „heiligen  Kirchen",  in  wel- 
chen der  Verfasser  die  „Lehren  der  Wahrheit"  niedergelegt 
sieht  ^^^).  Der  Name  „Theophilus"  steht  aber  für  den  Ver- 
fasser nach  Lactantius  fest  ^^''^).  Das  Selbstzeugniss  des  Buches 
besagt  also,  dass  es  zur  Zeit  des  Commodus  von  einem  grie- 
chisch gebildeten,  römerfreundlichen  ^^3)  Christen  Namens  Theo- 
philus,  der  höchst  wahrscheinlich  Cleriker  gewesen  ist,  in  einem 
nicht  fern  vom  Euphrat  und  Tigris  gelegenen  Lande  geschrie- 
ben wurde.  Hiernach  scheint  ein  ernsthafter  Zweifel  an  der 
Tradition  des  Eusebius,  dass  der  Bischof  Theophilus  von  An- 
tiochien  der  Verfasser  sei,  nicht  mehr  möglich '*'^^).     üöbrigens 


gewisser  christlicher  Schriften  als  kanonischer  ist  längst  schon  aufge- 
fallen. L,  III,  14  eitirt  der  "Verfasser  jene  Stelle  aus  dem  1.  Timotheus- 
brief  (2,  1  f.) ,  welche  Aufnahme  in  die  ältesten  Kirchengebete  gefunden 
hat.  —  Ueber  die  Gelehrsamkeit  des  vornehmen  Mannes,  Autolycus,  s. 
III,  1.  4  fin.  15  fin   29  (p.  270). 

461)  L.  II,  14  {p.  98):  Kai  xaS-diiEQ  iv  &aXo:aa^  vrjaoi  elaiv  .  .  ., 
ovtcDQ  öeöcaxsv  6  O^fd?  t(j)  xoofjuii  xvixaivofi^vto  xal  j^f^^a^o/^^v^:)  vnb 
Tüiv  ccfjta^ZTjfjKxTOJv  zäq  avvaywydg,  keyofxsvag  öh  exüXrjGiaq  äylag^  iv 
atq  xaB^dnSQ  Xißsoiv  evoQßoiq  iv  vr^aoiq  ai  öiöaaxaXlai  ttjg  DcXijS^elag 
elGiv\  UQbq  aq  xatacpsvyovoiv  cl  d-ilovreg  ovot^eaB^cti,  i^aaial  yivofisvoi 
Trjg  dkrjS^siag  xal  ßovXofxevoi  sxcpvysXv  zi/v  ÖQyfjV  xal  xQidiv  zov  ^£0v. 

462)  Lactantius,  Gennadius  und  die  Aufschrift  des  Marcian.  496  haben 
einfach  „Theophüi"  ohne  jeden  Zusatz..  Der  Verf.  hat  sich  also  selbst 
schwerlich  als  Bischof  von  Antiochien  in  der  Ueberschrift  bezeichnet. 

463)  L.  in,  27  init. 

464)  Die  Gründe,  welche  Erbes  angeführt  hat  und  welche  Lipsius 
so  erheblich  schienen,  enthalten  nichts  Neues.  Erbes  rechneb  drei  Un- 
wahrscheinlichkeiten  heraus,  1)  dass  Chrysevos  sofort  nach  dem  Tode  des 
Marc  Aurel  seine  Chronographie  geschrieben,  2)  dass  sie  Theophilus  so- 
fort benutzt  habe,  und  3)  dass  er  auch  gleich  darauf  gestorben  sei.  Er 
stellt  dies  ungefähr  so  dar,  als  müsse  dieses  Alles  in  das  Jahr  180/1  ge- 
fallen sein,  wenn  der  antiochenische  Bischof  der  Verfasser  der  Bücher  ad 
Autolycum  wäre.  In  Wahrheit  aber  steht  der  ganze  Zeitraum  von  180 
bis  gegen  das  Ende  der  Regierungszeit  des  Commodus  offen;  denn,  wie 
schon  bemerkt,  wir  wissen  nicht,  wie  lange  Maximinus  Bischof  gewesen 
ist.  Erbes  hat  übrigens  seine  Unzuverlässigkeit  als  Literarhistoriker  durch 
folgende  naive  Tirade  (S.  618  f.)  bezeugt:  „Jetzt  sei  unbefangen  (!)  hinzuge- 
fügt, dass  wir  ja  wirklich  noch  einen  anderen  durchaus  geeigneten  (!)  Mann 
des  Namens  kennen:  Theophilus,  Bischof  von  Caesarea  in  Palaestina.  . , . 

Texte  und  üntereuchungen.  19 


290  ^^^  Schriften  des  Theophilus. 

miissten,  wenn  die  Bücher  ad  Autolycum  niclit  von  dem  antio- 
chenischen  Bischöfe  herrühren  sollten,  auch  die  Schriften  gegen 
Marcion  und  Hermogenes  ihm  abgesprochen  werden.  Denn  der 
Verfasser  der  libri  ad  Autolycum  zeigt  sich  mit  den  eigenthüm- 
lichen  Lehren  jener  Häretiker  besonders  vertraut '^^^). 

Dodwell  hat  ferner  Zweifel  geäussert,  ob  die  Reihenfolge 
der  drei  Bücher,  wie  sie  im  Marc.  496  vorliegt,  die  richtige  ist, 
und  hat  vorgeschlagen,  das  dritte  Buch  an  die  erste  Stelle  zu 
rücken  406)  allein  in  111,  3  fin.  ist  auf  I,  9,  in  III,  19  (p.  232) 
mit  der  Formel:  ev  tot  ösvTeQfp  rofxiit  iörjlojoafiev,  auf  das 
2.  Buch  verwiesen^  und  in  II,  1  wird  auf  das  erste  Buch  Rück- 
sicht genommen  4 ^'').  Man  wäre  somit  schwerlich  auf  den  Gre- 
danken  einer  nothwendigen  Umstellung  gekommen  4^^),  wenn 
man  nicht  die  Absicht  gehabt  hätte,  die  Stellen,  an  welchen 
der  Verfasser  auf  ein  früher  von  ihm  geschriebenes  Werk  ver- 
weist, zu  eliminiren.  Sie  sind  aber  so  deutlich,  dass  hier  auch 
durch  Umstellungen  nichts  zu  erreichen  ist.  L.  11,  28  fin.  be- 
merkt der  Verfasser,  dass  er  in  einer  anderen  Schrift  über 
den  Satan  gehandelt,  1.  II,  30  (p.  142)  sagt  er,  dass  er  in  der- 
selben Schrift  die  Genealogien  der  ersten  Menschen  dargestellt 
habe,  und  zwar,  fügt  er  genau  hinzu,  sv  xf^  ngcori]  ßlßlip  zfj 
negl  wtoqicov.  Einige  Zeilen  weiter  (p.  144)  theilt  er  mit,  dass 
in  diesem  Buche  auch  über  Noah  Ausführlicheres  zu  lesen  stehe, 
resp.  (II,  31  p=  144  sq.)  über  die  Söhne  Noah's,  und  dies  wird 
in,  19  (p.  232)  wiederholt.  Theophilus  hat  also,  bevor  er  seine 
Bücher  ad  Autolycum  verfasste,  ein  Werk  „de  historiis''  in  zwei 


Da  sich  derselbe  in  jeder  Beziehung  dazu  empfiehlt  (!),  so  wollen  wir  ihn 
gleich  zum  Verfasser  der  Bücher  an  Autolycus  vorschlagen"! 

465)  S.  unten  S.  292  f. 

466)  Ihm. ist  Erbes,  a.  a.  0.  S.  623,  gefolgt. 

467)  Die  jeden  Zweifel  ausschliessende  Formel  in  III,  19  wird  von 
Erbes  dadurch  beseitigt,  dass  er  mit  dem,,, treif liehen"  Pariser  Codex  für 
ösvzfQtp  „€t6(t<i)^'  ZU  lesen  vorschlägt.  Allein  erstlich  ist  damit  wenig  ge- 
holfen, zweitens  ist  der  Pariser  Codex  nicht  ein  trefflicher,  sondern  ein 
werthloser  Codex. 

468)  Dass  nur  das  3.  Buch  eine  Aufschrift  hat  wie  die  Aufschrift  eines 
Briefes  (Wfo^iAoc;  Avtolvxv)  ;(a('()ftv),  ist  doch  kein  Grund,  es  an  die 
erste  Stelle  zu  setzen  (so  Erbes).  Ausserdem  ist  dieselbe  gerade  beim 
3.  Buch  im  Unterschiode  vom  1.  und  2.  nicht  auffallend. 


Die  drei  Bücher  ad  Autolycuin.  201 

oder  mehreren  Bücliern  geschrieben  *^^).  Dieses  Buch  wird  von 
Niemandem  citirt;  aber  es  fragt  sich,  ob  nicht  Johannes  Malalas 
es  gekannt  hat.  Dieser  antiochenische  Historiker,  dessen  Zeit 
noch  immer  nicht  genügend  festgestellt  ist '^'^ö),  citirt  nämlich 
an  nenn  Stellen  „den  sehr  weisen  Chronographen  Theophi- 
lus'^'*^^).  Der  Versuch  von  Erbes,  alle  diese  Citate  auf  die 
Bücher  ad  Autolycum  zurückzuführen  "^"^2)^  ist  so  künstlich,  dass 
er  einer  Widerlegung  nicht  bedarf.  Es  bleibt  nur  die  An- 
nahme: entweder  hat  Malalas,  der  übrigens  vielfach  gefälschten 
Berichten  'folgt  und  die  verworrensten  Mittheilungen  macht, 
das  Werk  des  antiochenischen  Bischofs  7vbqi  IotoqkSv  ausge- 
schrieben'*'3),  oder  aber  sein  Theophilus  ist  ein  anderer  Schrift- 
steller, vielleicht  ein  sehr  viel  späterer  byzantinischer  (saec. 
VI.) '*^^).  Man  wird  gestehen  müssen,  dass  angesichts  der  Stelle 
p.  428,  13  sq.  und  der  Berechnungen  p.  195.  228,  die  mit  den 
vom  antiochenischen  Bischöfe  gegebenen  nicht  stimmen,  die 
zweite  iVnnahme  mehr  Wahrscheinlichkeit  hat;  indessen  die 
Zahlen  können  corrigirt  und  die  bis  Justinian  reichende  Be- 
rechnung über  M.  Aurel  hinaus  nachträglich  erweitert  worden 
sein.    Man  wird,  solange  nicht   entweder  neues  Material  bei- 


469)  Ohne  Recht  hat  man  auf  Grund  von  II,  29  an  ein  Werk 
rSvsaiq  xoofiov  gedacht. 

470)  S.  die  Prolegomena  der  D in dorf 'sehen  Ausgabe  (1831).  Zahn, 
Ignatius  von  Antiochien  S,  66  f.  Dierauer  bei  Büdinger,  Unters,  z. 
röra.  Kaisergesch.  I  S.  155  f.  not.  III  S.  373.  Notizen  über  eine  altsla- 
vische  Version  des  Malalas  im  „Hermes"  ISSO  H.  1. 

471)  P.29,4  wird  Theophilus  citirt  für  die  Schicksale  der  lo,  p.59,17  für 
die  späteren  aegyptischen  Könige,  p.  85, 9  für  Demokrit,  p.  157,  20  für  Cyrus 
und  Kroesus,  p.  195,  20  für  eine  Berechnung  der  Jahre  von  Adam  bis 
Alexander  d.  Gr.,  p.  220,  17  für  Cleopatra,  p.  228,  18  für  das  Datum  der 
Geburt  Cliristi  nuch  Jahren  Adams,  p.  252,  16  für  Simon  Magus,  Petrus, 
Euodius,  Ignatius,  Marcus  Ap.,  Anianus,  p.  428,  13  sq.  endlich  für  die  zwi- 
schen Adam  und  Justinian  verflossenen  Jahre.  An  7.  und  9.  Stelle  sind 
neben  Theophilus  die  Cln-onographen  Clemens  und  Timotheus  genannt. 

472)  A.  a    0.  S.  619—623. 

473)  Für  diese  Annahme  s.  meine  Schrift  „Zeit  des  Ignatius"  S.  40  f. 

474)  So  Dindcrf,  1.  c.  Prolegg.  p.  L  sq.  Das  dort  mitgetheilte  Frag- 
ment aus  der  Schrift  eines  gewissen  Hesychius,  in  welchem  die  &fo<piXh'- 
GTatoi  xQOvoyQa<fOi  Clemf^ns,  Theophilus,  Timoiheus  genannt  werden, 
ist  beachtenswerth.     Aber  wer  ist  Hesychius  und  wann  lebte  er? 

19- 


292  -D^^  Schriften  des  Theopliiius. 

geLraclit  ist  oder  die  Quellen  des  Malalas  abschliessend  aufge- 
deckt sind,  aaf  ein  Urtheil  verzichten  müssen  *'^^). 


Eine  bestimmte  Tradition  über  Theophilus  beginnt  erst 
am  Anfang  des  4.  Jahrhunderts  mit  Lactantius  und  Eusebius. 
Aber  sollten  die  Bücher  des  antiochenischen  Bischofs  nicht 
schon  früher  stillschweigend  benutzt  worden  sein?  Dass  Julius 
Africanus  den  chronographischen  Versuch  des  Theophilus  (lib. 
III  ad  Autol.)  gekannt  und  benutzt  hat,  ist  mit  Sicherheit  nicht 
zu  erweisen  ^'^).  Dagegen  ist  bereits  von  mehreren*  Gelehrten 
auf  ein  Verwandtschaftsverhältniss  zwischen  Irenaeus  und  Theo- 
philus aufmerksam  gemacht  worden  ^'^).  Ein  solches  besteht 
in  der  That.  Aber  es  erstreckt  sich  nicht  auf  die  drei  Bücher 
ad  Autolycum  überhaupt,  sondern  nur  auf  den  Abschnitt  in 
diesen  Büchern,  wo  der  Verfasser  von  den  Häretikern  gehandelt 
bat  (II,  25.  26)^^8).    Hier  sind  wirkliche  Parallelen: 

Ad  Autol.  n,  25  init.  Iren.  h.  V,  23,  t 

Ov  yccQ,  (ag  oYovTai  zivsg,  Simul  cum  esca  et  mortem 
d^dvaTov  üxev  tb  ^Xov,  aXV  adsciverunt,  quoniam  inobe- 
7j  TiaQaxoi^,  dientes    manducabant;    inobe- 

dientia  autem  dei  mortem  in- 

fert. 

Ad  Autol,  n,  25  p.  124  sq.  Iren.  h.  IV,  38,  1. 

^H  yvtoaig  xorA^J,   STiäv  ccvTrj        ^ßg  ovv  r^  [lev  (J^rjirjg  dvvarai 

olxeUog    xig   iQriorjxai,     Tfj  öe    TiXeiOv   Tcaijcxoxelv    rtTj    ßQ€q)€i 

0VO7J  rjhKia  oöeL4da^  txv  vrj-    tö  e^ißgco^a,  ro  de  Itl  döwa- 

TCLog  i]V'    ÖLO    ovTcco    Tjövvazo    TEi     xrjv     avTOv     TiQeaßvTegav 


475)  Wahrscheinhch  ist  es  nicht,  dass  Malalas  allein  eine  Schrift  ge- 
kannt  haben  soll,  die  dem  2.  Jahrhundert  angehört  und  sonst  von  Nie- 
mandem, so  viel  wir  wissen,  gelesen  worden  ist.  Der  „Clemens"  und 
„Eiisebius"  aber,  auf  die  sich  Malalas  neben  Theophilus  beruft,  sind  eben- 
falls sehr  zweifelhafte  Existenzen. 

476)  S.  Geizer,  Julius  Africanus  I  S.  22  f. 

477)  S.  Möhler,  Patrologie  S.  286;  von  Otto,  1.  c.  VIII  p.  357. 
Dagegen  Donaldson,  1.  c.  III  p.  66. 

478)  Die  Parallelen,  abgesehen  von  diesem  Abschnitt,  sind  unsicher. 
ß.  Iren.  II,  6,  2  (ad  Autol,  I,  5  n.  8).  IV,  20,  1  (II,  18  n.  5).  V,  34,  3  {IL 
14  n.  7).  Iren.,  fragm.  32  (II  p.  49G  sq.  cd.  Harvey)  mit  ad  Autol.  II, 
4  n,  10. 


Theophilus  und  Irenaeus.  293 

xriv  yvojöiv  v^ax    a^lav  ;fwp£tK  dl^otöd-ai  TQocprjv  ovtcag  "KCit  o 

Kai  yocQ  vvv,  eitav  ysvrjd-^  nai-  d^eog    avzög    fiev    oiog    tb    7]v 

ölovj    ovx  rßrj   divarai  Ixqtov  TiaQCtoxeiv   an    aQxr^g  zcß   av- 

iod'leiv,  aklä  nqmxov  yäka^n  d^QaTtq)  tb  teXslov^  6    öe   av- 

avaTQaq)£TaL,  STteiTa  xofT«  tvqoö-  dgconog  aJJvaTög  "kaßeiv  avxo" 

ßaoLv  %7jg  rjlmiag  nal  e/ii  zrjv  vr^TtLog  yäg  i]V. 

OT€Q€äv  TQOCpTjV  l'QXSTai,    OvTlug 

av  ysyovii  y,al  zqj  ^uiödfx. 

Jtb  ov%  (og  (fd-ovoiv  avTU)  6  III,  23,  6:    Non  invidens  ei 

d-sog,  cog  otovzal  Tiveg,  SKtlev-  lignuin    vitae,    quemadmodum 

0€v  fxrj   eod^ieiv  dno  Trjg  yvco-  quidam  audent  dicere. 

Ad  AutoL  n,  25  fin.  26  init.  Iren,  h,  ÜI,  23,  6, 

OvTcog  Y.al  T(p  ngcoTOTvlaGTcp  Ejecit  eiim  de  paradiso  et  a 

^  Ttagazoi   TteQienoirjGaTO  ex-  ligno  vitae  longe  transtulit  .  .  . 

ß'krjd^rjvai  avTov  sa  tov  Ttaga-  iniserans  eins,  ut  non  perseve- 

öeioov  . .  .  yial  tovto  de  o  d-ebg  raret  semper  transgressor,  ne- 

f,iBydlriv    evegysolav    TtageoxBv  que  immortale  esset  quod  esset 

T(p  dvd^gco7T(py  t6  f.irj  dtaf^ietvac  circa  eum  peccatum,  et  maluin 

avTOv  elg  xov  alaivcc  iv  ajLiag-  interminabile      et     insanabile. 

Tia  ovTcc,  "Alla  xgoTtoj  tivl  ev  Prohibuit    autem    ejus    trans- 

6f[ioic6^aTL  s^ogiGf-iov    e^tßal-  gressiouem,  interponens  mor- 

Xev  avTov  ex  tov  jiagad£iaoi\  tem  et  cessare  faciens  peccatum, 

Oiiojg  dca  Trjg  iTtiTCfxlag  TaxTV)  finem    inferens    ei   per    carnis 

dnoTioag  XQOvcp  rrjv  afxagxiav  resolutionem,    quae    fieret    in 


479)  Caspari  hat  (Tidssk.  f.  d.  ev.  luth.  Kirke.  Ny  Räkke  V,  4  S.  572f.) 
ein  von  ihm  entdecktes  Fragment  mit  der  auffallenden  Ueberschrift 
Evasßiov  sntaxoTtov  Vco/ur^g  mitgetheilt,  Avelches  Genes.  3,  22  erklärt  und 
mit  den  Worten  beginnt:  Od  (p&ovcDv  6  O^eog  ksyet.  Hierauf  fährt  der 
Verf.  fort:  d?d'  enifxeXst  xov  iXazTioB^svtog  axsvovq,  Iva  firj  ^uvrj  t]?.ccz- 
rojfzsvov  elg  ro  ötrivexeq,  aAA'  (^g  dgiarog  xsgafievg  xo  ßkaßsv  ayysiov 
iniGXQS'ipag  elg  ro  iöiov  (pvQocfxa,  xr]v  yrjv^  iv  r^  avaazaasi  avanXaamev 
pcxl.  Aber  auch  bei  Theophilus  finden  wir  11,  26  dieses  Bild  in  der  Er- 
klärung von  Genes.  S,  22:  Ov  fifjv  aAAa  xal  xad^aTtsg  axevog  rt,  inäv 
TiXaa&hv  ahiav  xiva  ax^t  civaxo>vevexcci  i]  ccvaTtkaaaexai  elg  ro  yevea&ai 
xaivov  xal  okoxXrjQov,  ovzwg  ylverai  xal  ttp  ccvS-qojtcü)  6ia  d^avaxov. 
Ein  Abhängigkeitsverhältniss  ist  auch  hier  schwerlich  in  Abrede  zu  stel- 
len. Aber  wen  haben  wir  in  dem  römischen  Bischof  Eusebius  wiederzu- 
erkennen? 


294  ^i<^  Schriften  des  TlieopMlus. 

Ttai  :n:aiÖ€v0^eig  i^  vOTiQOv  ava-    terra,    uti    cessans     aliquando 
'/.Xridfi.  homo  vivere  peccato  et  mori- 

ens  ei  inciperet  vivere  deo^^^). 

Erinnern  wir  uns,  dass  Theopliilus  (nach  Eusebius)  gegen 
Marcion  geschrieben  hat,  so  erscheint  die  Annahme  \delleicht 
erlaubt,  dass  diese  Schrift,  und  nicht  die  Bücher  ad  Autolycum, 
es  gewesen  ist,  welche  dem  Irenaeus  vorlag  —  eine  Annahme, 
die  uns  auch  von  der  chronologischen  Schwierigkeit  befreit, 
dass  Irenaeus  um  das  Jahr  185  schon  die  Bücher  ad  Autol., 
die  selbst  nur  um  ein  weniges  früher  geschrieben  sein  können, 
benutzt  haben  solH^^).  Die  Art  der  Verwandtschaft,  in  wel- 
cher Irenaeus  und  Theophilus  an  den  angeführten  Stellen 
stehen,"  ist  der  Hypothese  durchaus  günstig,  dass  Irenaeus  nicht 
aus  den  Büchern  ad  Autol.  selbst  geschöpft  hat.  Sie  wird  aber 
ferner  gestützt  durch  Erwägungen  über  die  Benutzung  der 
Schrift  des  Theophilus  gegen  Hermogenes  im  Abendlande. 

Ein  Häretiker  Namens  Hermogenes  wird  im  Abendland  von 
Tei;tullian  erwähnt  und  ausführlich  widerlegt '*^2).  Als  Tertullian 
wider  ihn  schrieb,  war  er  noch  am  Leben,  und  zwar  wohnte 
er  in  Carthago  selbst,  denn  Tertullian  hat  auch  sein  häusliches 
Leben  beobachtet.  Die  einzige  Irrlehre,  die  ihm  von  Tertullian 
Schuld  gegeben  wird,  ist  die  Behauptung,  dass  die  Welt  nicht 
aus  Nichts  von  Gott  erschaffen,  dass  somit  die  Materie  ewig  sei. 
Hippolyt.tin  den  Philosophumenen  (nicht  im  Syntagma)  hat 
1.  Vni,  17,  X,  28  die  Lehre  des  Hermogenes  gleichfalls  darge- 
stellt und  zwar  in  Worten,  die  von  denen  Tertullians  nicht 
unabhängig  sein  können '*^^). 

Philosoph.  VlII,  17.  Tert.  adv.  Hermog. 

'EQiioytvrjg  ös  tig  ymI  amog         c.   1.  Hermogenis  autem  do- 
vo/^iiGag  Ti  xatvov  q)Qnveiv  sfprj     ctrina    tam    novella    est   .... 

480)  Der  Gedanke  ist  allerdings  hier  bei  Irenaeus  wesentlich  anders 
ausgeführt,  aber  die  Verwandtschaft  ist  doch  unverkennbar. 

481)  Die  umgekehrte  Annahme,  dass  Theophihis  vielmehr  den  Ire- 
naeus benuizt  hat,  ist  aus  chronologischen  Gründen  höchst  unwahrschein- 
lich. Dagegen  kann  die  Schrift  des  Theophilus  gegen  Marcion  sehr  wohl 
schon  zwischen  170  und  180  entstanden  sein. 

482)  S.  die  Schrift  adv.  Hermog.  (geschrieben  c.  206)  und  de  praescr. 
h.  30.  33.  de  anima  3.  21.  22.  24.  de  monog.  16. 

483)  S.  Ztschr.  f.  d.  hißt.  Theol.  1874  S.  206  f. 


Die  Schiift  gegen  Heriiiogenes.  205 

rhv    d^eov    i^    vXi^g    ovyxQovov  materia,  quae  et  ipsa  semper 

Y,(xl  ayevvy'icov  navta  /lenocr^"  fuerit,  neqiie  nata  neque  facta 

Y.£vai.  nee  initium  liabens  omnino  nee 

fiuem,  ex  qua  dominus  omnia 
postea  fecerit. 

ccöwaraq  yuQ   l'%fLv  tov  O^ihv  ...    nolens    deum    ex    nihilo 

l-iYi  ovx  €^  ovxwv  TU   yivofieva  univera  fecisse. 
Tioielv. 

Enal  de  tov  d-eov  ael  -/.vqlov  c.  3.   adjecit  et  aliud:   deum 

"Aal  au   TtoiriTrjV   {cpr^oiv),    ti^v  semper  deum  etiam  dominum 

de  vlr^v  ael  öovXtjp  y.al   yivo-  fuisse,  nunquam  non  deum. 
l-iivrjVy  ov  Tcaaav  de' 

l^el  yag  aygicüg  Tcal  aTazTtog  c.  41.    Inconditus   et  incon- 

q)€QOfi€vrjv  eyioof-irjae  TovTqt  rr/Ji  fusus  et  turbulentus  fuit  mate- 

Xoyio'  öUr]v  pfr/T^/of  VTCoKaio-  riae  motus.     Sic  enim  et  ollae 

/levov  ßqdtovGav  löcov  ixcogioe  undique  ebuUientis   similitudi- 

zofTa  f-iegog,  xal  t6  f.isv  ex  tov  nem  opponis. 
navTog  Xaßcüv  jj^igwoe,  t6  de 
uaGsv  aTCixTcog  cpegeod-ai,  xal 
To  ^ev  rjf.iegG}d^ev  tovto  eivai 
ycoGfiov  Xeyei,  to  de  aygiov 
(.liveLv     y.al     i'Ai^v     xdlelG^^ai 

CCKOGflOV, 

Die  Verwandtschaft  liegt  auf  der  Hand,  und  von  vorn- 
herein erscheint  es  wahrscheinlich,  dass  der  Verfasser  der  Phi- 
losophumena,  welcher  wahrscheinlich  eine  Schrift  Tertullian's 
gelesen  hat"^^^),  hier  die  Schrift  adv.  Hermog.  ausgeschrieben 
hat.  Allein  in  der  ganzen  langen  Streitschrift  Tertullian's 
kommt  nirgendwo  eine  so  verständige,  zusammenhängende  Be- 
schreibung der  Lehre  des  Hermogenes  vor,  wie  wir  sie  in  den 
Philosophumenen  lesen.  Es  wird  also  nichts  übrig  bleiben,  als 
anzunehmen,  dass  Tertullian,  obgleich  er  hier  einen  carthagi- 
niensischen  Zeitgenossen  bekämpft  hat,  doch  eine  ältere  Schrift 
gegen  denselben  seiner  Bekämpfung  zu  Grunde  gelegt  hat. 
Das  Bild  von  der  „olla  undique  ebulliens",  welches  beide  brau- 
chen, hat  Hermogenes  allerdings  selbst  angeführt.  Man  könnte 
also  versucht  sein,  zu  glauben,  beide  gingen  vielmehr  auf  eine 

484)  S.  Ztschr.  f.  d.  hi.st,  Theol.  1874  S.  209  f. 


296  Die  Schriften  des  Theophilus. 

Schrift  des  Hermogenes  zurück.  Allein  ihre  üebereinstimmung 
reicht  weiter  und  kann  daher  durch  jene  Annahme  nicht  erklärt 
werden.  Dazu  kommt  noch  folgendes.  Hippolyt  bringt  auch 
eine  Darstellung  der  häretischen  Christologie  des  Hermogenes, 
zu  welcher  sich  bei  Tertullian  schlechterdings  keine  Parallelen 
finden:  er  soll  unter  Berufung  auf  Ps.  18,  5  f.  gelehrt  haben, 
dass  Christus  bei  seiner  Himmelfahrt  seinen  Leib  in  der  Sonne 
abgelegt  habe.  Dieselbe  Lehre  wird  ferner  auch,  zugleich  mit 
der  Berufung  auf  Ps,  18,  5  f.,  in  den  Eklogen  des  Clemens 
Alexandrinus  dem  Hermogenes  zugeschrieben'*^^).  Eine  Ver- 
gleichung  lehrt  aber,  dass  diese  nicht  die  Quelle  für  Hippolyt 
gewesen  sein  können  Mithin  ist  die  Annahme  die  wahrschein- 
lichste, dass  alle  drei,  Clemens,  Tertullian  und  Hippolyt  auf 
eine  gemeinsame  Quelle  hier  zurückgehen:  wir  kennen  aber 
nur  eine  Schrift,  die  hier  in  Betracht  kommen  kann,  das  ist 
die  des  Theophilus  gegen  Hermogenes,  welche  Eusebius  er- 
wähnt hat*^^).  Allerdings  ist  es  sehr  auffallend,  dass  ein  Antio- 
chener  zuerst  einen  Häretiker  bekämpft  haben  soll,  der  nachmals 
als  Carthaginienser  von  Tertullian  widerlegt  worden  ist.  Man  hat 
daher  an  zwei  verschiedene  Hermogenes'  gedacht^^"^);  allein  dann 
mtisste  schon  Hippolyt  die  Confusion  begonnen  haben.  Es  ist 
aber  auch  nicht  unerhört,  dass  christliche  Männer  um  das  Jahr 
200  aus  dem  Orient  nach  Carthago  gekommen  sind.  Man  braucht 
nur  an  Praxeas  zu  erinnern.  Für  die  Identität  des  antioche- 
nischen  Hermogenes  mit  dem  carthaginiensischen  und  für  die 


485)  Eclog.  56  (III  p.  474  sq.  edid.  Dindorf). 

486)  Ircnaeus  erwähnt  den  Hermogenes  nicht.  Die  späteren  Häre- 
siologen  bringen  entweder  ganz  confuse  Nachrichten  oder  gehen  auf  Ter- 
tuUian  und  Hippolyt  zurück.  Von  dem  letzteren  ist  Theodoret  (h.  f.  I, 
19)  abhängig,  scheint  aber  noch  über  eine  zweite  Quelle  zu  verfügen. 
Philastrius  (h.  54:  „Hermogeniani  ab  Hermogene,  qui  fuerunt  in  Africa"), 
Augustin  (h  41),  Praedestinatus  (h  41)  rechnen  den  Hermogenes  zu  den 
Patripassianern ,  was  wahrscheinlich  die  Zusammenstellung  mit  Praxeas 
verschuldet  hat.  Bei  Isidov  (h.  30),  Paulus  (h.  6).  Honorius  (h.  45)  ist  die 
Lehre  des  Hermogenes  richtig  nach  Tertullian  angegeben. 

487)  So  Mosheim,  Comment.  de  rebus  Christ,  ante  Const.  M.  p.  453. 
Walch,  Ketzerhistorie  I,  580.  Dagegen  Böhmer,  Hermog.  Afric.  Sundiae 
1832.  Uhlhorn  in  der  Realencykl.  f.  prot.  Theol.  2.  Aufl.  VI  S.  43  f. 
Ulilhorn  hat  übrigens  den  Bericht  in  den  Philosophumena  ganz  über- 
sehen. 


Die  Schrift  gegen  Hermogenes.  297 

Benutzung  der  Schrift  des  Tlieophilus  im  Abendlande  sclieint 
aber  noch  folgendes  zu  sprechen.  Erstlich  bemerkt  Eusebius,  dass 
Theophilus  in  seiner  Schrift  gegen  Hermogenes  Zeugnisse  aus 
der  Offenbarung  Johannis  angeführt  habe.  Nun  aber  beruft  sich 
auch  Tertullian  in  seiner  Streitschrift  auf  Stellen  in  der  Offen- 
barung (z.  B.  c.  34  auf  c,  6,  13.  21,  1)  zum  Beweise  dafür,  dass 
diese  Erde  und  dieser  Himmel  durch  Gottes  Gebot  untergehen 
werde,  also  von  Gott  auch  geschaffen  sei.  Für  den  Satz:  „Ce- 
terum  omne  ex  nihilo  constitisse  illa  postrcmo  divina  dispositio 
suadebit,  quae  omnia  in  nihilum  redactura  est",  liessen  sich 
gerade  aus  der  Apokalypse  besonders  schlagende  Belege  bei- 
bringen, und  so  ist  es  sehr  wohl  verständlich,  dass  Theophilus 
in  seinem  Buche  gegen  Hermogenes  die  Apokalypse  benutzt 
hat.  Zweitens  ist  es  bemerkenswerth,  dass  Theophilus  in  dem 
zweiten  Buch  adv.  Autol.  eingehender  als  irgend  ein  Apologet 
die  Lehre  widerlegt  hat,  dass  die  Materie  ewig  sei,  und  be- 
stimmter, als  irgend  ein  christlicher  Lehrer  vor  ihm,  die  Schöpfung 
der  Welt  aus  Nichts  behauptet.  Die  Ausführung  in  H,  4  (s.  auch 
n,  10  f.)  erinnert  sehr  deutlich  an  die  von  Tertullian  so  breit  ent- 
wickelten Gedanken.  Man  wird  daher  zugestehen  müssen,  dass, 
soweit  eine  so  schmale  Ueberlieferung  überhaupt  Schlüsse  zu- 
lässt,  sie  der  Annahme  günstig  ist,  dass  des  Theophilus  Schrift 
gegen  Hermogenes,  ebenso  wie  die  gegen  Marcion,  sehr  frühe 
schon  im  Abendlande  bekannt  gewesen  ist.  Wahrscheinlich 
ist  es  auch,  dass  die  Bücher  gegen  Autolycus  verhältnissmässig 
bald  nach  ihrem  Erscheinen  im  Abendlande  gelesen  wurden. 
Nicht  nur  scheint  sie  bereits  Tertullian  gekannt  zu  haben  ^^'^j, 
sondern  auch  Novatian  ist  de  trin.  2  von  einer  Stelle  im  ersten 
Buche  ad  Autol.  abhängig,  welches  er  freilich  nicht  ausdrück- 
lieh  citirt  hat^'^«). 


488)  Otto  hat  1.  c.  p.  .360  etwa  zwei  Dutzend  Stellen  zusammenge- 
stellt, wo  Tertullian  sich  mit  den  Ausführungen  in  den  11.  ad  Autol.  zu 
berühren  scheint.  Keine  der  Parallelen  ist  so  schlagend,  dass  die  Annahme 
einer  Benutzung  geboten  ist;  aber  wahrscheinlich  ist  es  allerdings,  dass 
Tertullian  die  Bücher  ad  Autol.  gekannt  hat. 

489)  S.  I,  3  n.  S.  Maranus  hat  zuerst  die  Abhängigkeit  constatirt. 

Novatian.  Theophilus. 

Sive  enim  iUum  dixeris   lucem,      •    El  yag  <p(i>(;  avxbv  einw^  noirjfxa 
creaturam  ipsius  magis  quam  ipsum     avtov  ?Jy(o  ... 


298  ^iö  Schriften  des  Theopliilus. 

Es  ist  somit  bemerkenswertli,  dass  die  Sdiriften  des  Tlieo- 
philus  im  Abendlande  frühe  bekannt  und,  wie  es  scheint,  mehr 
gelesen  worden  sind  als  die  Bücher  der  übrigen  Apologeten:  Ire- 
naeus,  Clemens,  Tertullian,  Hippolyt,  Novatian,  Lactantius,  Hiero- 
nymus,  Gennadius  dürften  sie  benutzt  haben  **^^).  ilieronymus 
aber  hat  unter  dem  Namen  des  (Antiochoner)  Theophilus  Com- 
mentare  zu  den  Evangelien  und  Proverbien  gelesen,  deren  Echt- 
heit ihm  —  freilich  beruft  er  sich  nur  auf  die  Stiiverschieden- 
heit  —  nicht  ganz  sicher  schien.  Nach  der  ep.  ad  Algas.  ist 
sogar  zu  schliessen,  dass  Theophilus  eine  Svangelienharmonie 
seinen  Commentaren  zu  Grunde  gelegt  hat.  Kein  Schriftsteller 
hat  vor  oder  nach  Hieronymus  diese  Commentare  erwähnt;  aber 
in  einer  vaticanischen,  lateinischen  Handschrift^'*^)  besitzen  wir 
unter  dem  Namen  des  Theophilus  „Commentariorum  in  sacra 
quattuor  evangelia  libri  quattuor"  ^^^).  In  diesem  Werke  (p.  315 
■—317)  findet  sich  auch  die  Stelle,  welche  Hieronymus  in  der 
ep.  ad  Algas.  aus  den  Commentaren  des  Theophilus  citirt  hat. 
Dies  erweckt  ein  günstiges  Vorurtheil  für  dasselbe;  allein  an- 
dererseits ist  aus  vielen  Stellen  deutlich,  dass  die  Commentare 
des  Theophilus  hier  besten  Falls  in  einer  lateinischen  Umarbeitung 
des  5.  Jahrhunderts  vorliegen.  Da  Zahn  eine  besondere  Unter- 
suchung über  diesen  Evangeliencommentar  bereits  angekündigt 
hat,  so  wird  hier  auf  ein  Parallelunternehmen  verzichtet  ^•♦^). 


dixeris,  ipsum  non  expresseris;  sive 

iUum    dixeris   virtutem,    potentiam     6vvccf/iv  iav  sikw^  svegyEiav  aviov 

ipsius  magis  quam  ipsum  dixeris  et     Aeyw  ... 

depromseris ;    sive    dixeris  majesta- 

tem,    honorem    ij)sius  magis   quam     ßaaiXeiav  tfiv  Etna),   öo^av   avrov 

illum  ipsum  descripseris.  k^yw. 

490)  Für  die  „katechetischen  Schriften"  besitzen  wir  aber  kein 
Zeugniss. 

491)  S.  Corp.  Apol.  VIII  p.  VII  sq. 

492)  Abgedruckt  im  Corp.  Apolog.  VIII  p.  278—324. 

493)  Das  Fragment  aus  dem  Commentar  eines  Theophilus  zum  Hohen- 
lied, auf  welches  Grabe  (1.  c.  II  p.  224)  zuerst  aufmerksam  gemacht  hat 
(s.  auch  Corp.  Apol.  VIII  p.  327  sq ),  und  welches  mit  den  bemcrkens- 
werthen  Worten  beginnt:  *E^  iOväiv  x6  xaxa  oaQxa  6  xvQiog,  o<vL,ofiivov 
xal  xov  se  lovöa,  kann  von  dem  Antiochener  herrühren;  doch  ist  dies 
nicht  wahrscheinlich,  da  Niemand  ihm  einen  Commentar  zum  Hohenlied 
beia"o1oirt  hat. 


Handschriften-Register. 


Verzeichniss  aller  Handschriften  der  griechischen  Apologeten  S.  68  f. 

Handschriftenstammtafel  S.  68. 

üebersicht  über  die  für  die  Textesconsfcruction  werthvollen  Handschriften 

S.  89.  .        .^ 

üebersicht  über  die  Ueberlieferung  des  Justin  S.  190  f. 

Genauer  besprochene  Handschriften: 
Aetonensis  88  S.  4  f.  10  f.  24  f.  65  f. 
Arethashandschriften  S.  40  f. 
Argentoratensis  9  S.  69.  79  f.  86.  89. 
Bodlejanus  gr.  inisc.  25  S.  73. 
Bononiensis  plut  XXH  S.  6. 
Claromontanus  82  S.  88. 
Claromontanus  83  S.  65  f. 

Darmariushandschrifte]!  S.  74  f.  • 

Frisianus  S.  7  f.  10  f. 
Gissensis  669  S.  87. 
Marcianus  343  S.  4.  23.  24  f.  61  f.  86. 
Marcianus  496  S.  72  f. 
JVionacensis  512  S.  74. 
Mutinensis  HI.  D.  7  S.  3  f.  24  f.  46  f  86. 
Ottobonianus  274  S.  89. 

Parisimis  174  S.  1  f.  10  f  24  f.  50  f.  76  f.  81  f.  86.  90  f. 
Parisinus  450  S.  75  f.  81  f.  86.  88. 
Parisinus  451  S.  24  f.  41.  46  f.  76  f.  81  f.  85  f. 
Parisirus  887  S.  73. 
Parisinus  2376  S.  6  f  10  f. 

Valerianhandschriften  S.  4  f.  10  f.  23.  24.  65  f  87. 
Vindob.  philos,  gr.  13  S.  74. 


Zusatz  und  Berichtigung. 

Zu  S.  113  Z.  8  V.  u.:  In  der  Theologischen  Quartalschrift  1882  I 
S.  126  hat  Vetter  auf  Grund  einer  Prüfung  des  MS.  von  S.  Lazaro  mit- 
getheilt,  daiis  der  Name  in  der  Aufschrift  der  Homilie  nicht  „Aristeay" 
sondern  „Aristite"  zu  le^en  ist.  „Durch  ein  bedauerliches  Versehen  hatte 
der  Abschreiber,  welcher  den  Text  zum  Zweck  der  Herausgabe  copirto, 
Aristeay  für  „Aristite"  gelesen:  eine  Verwechselung,  die  allerdings  sehr 
naheliegend  und  wohl  entschuldbar  war".  Also  ist  in  der  armenischen 
Ueberlieferung  das  betreffende  Stück  wirklich  dem  athenischen  Philosophen 
Aristides  beigelegt  worden. 


Inlialtsyerzeiclmiss. 


Die  griechisclieii  Apologeten  des  2.  Jahrhunderts 
in  der  kirchlichen  Ueberlieferuag. 

Seite 

Erstes  Capitel:  Die  handscliriftliclie  Uebcrlieferung 

der  Apologien  im  MittelrJter 1 — 97 

§    1.    Die  Tatianhandschriften    . 1—9 

§    2.    Das   Verwandtschaftsverliältniss   der  Tatian-hand- 

schriften 10—2-1 

§    3.    Der  Codex  Parisinus  451   .. 24-3G 

Excurs   zu  §  3:    der  Erzbischof  Arethas    von 

Cäsarea,  seine  Studien  und  seine  Bibliothek  36-46 
§    4.    Das  Yerhältniss  der  Codd.  Mutin.  III.  D.  7,  Paris. 
174,  Marcian,   343  und  der  Valeriancodd.  zu   Pa- 
ris. 451 46-G8 

Excurs  zu  §  4:  Die  Justincodd.  des  13.  (14.)  Jahr- 
hunderts und  die  jüngeren  Apologeten-Hand- 
schriften in  ihrem  Yerhältniss  zu  Paris.  451  CS — 85 

§    5,    Die  Hauptresultate. .   .  85-89 

§    6.    Die  Resultate  für  den  Text  des  Tatian  und  die 

Tatianscholien 90 — 97 

Zweites  Capitel:  Die  Kenntniss  und  Beurtheilung  der 
Werke  der  Apologeten  in  der  alten  Kirche  und  im 

Mittelalter 98—298 

§    7.    Einleitung  . 98-100 

§    8.    Die  Apologien  des  Quadratus  und  Arisrt;ides  .    .   .  100 — 114 
§    9.    Die  dem  Aristo  von  Pella  beigelegte  Schrift:   Ja- 

son's  und  Papiskus'  Disputation  über  Christus  .    .  115—130 
§  10.    .=Die  Werke  des  Justin  nebst  einer  Untersuchung 
über  die  Schriften,  welche  den  Namen  des  Athena- 

goras  tragen 130—195 

§  11.     Die  Oratio  des  Tatian  nebst  einer  Einleitung  über 

die  Zeit  dieses  Apologeten 106—231 

§  12.    Apohnarius  von  Hierapolis  und  seine  Schriften   .  232 — 239 

§  13.    Meiito  und  seine  Schriften 240—278 

§  14.    Die  Schriften  des  Miltiades 278—282 

§  15.    Die  Schriften  des  Theophilus   mit  Ausschluss   des 

ihm  beigelegten  Evangeliencommentars 282—298 

Handschriften-Register 299 

Zusatz  und  Berichtigung 299 


Druck  von  Humlertt-tuud  &  Tilon  in  LoipzifT. 


DIE  ALTERCATIO 

SIMONIS  lUDAEI  ET  THEOPHILI  ClIRISTIANI 

NEBST  UNTERSUCHUNGEN 
ÜBER  DIE  ANTIJÜDISCHE  POLEMIK  IN  DER  ALTEN  KIRCHE 

UND 

DIE  ACTA  ARCHELAI 

UND  DAS  DIATESSARON  TATIANS 

VON 

ADOLF  HARNACK. 


DER  ARETHASCODEX  PARIS.  GR.  451. 

ZUR  HANDSCHRIFTLICHEN  ÜBERLIEFERUNG 
DER  GRIECHISCHEN  APOLOGETEN 

VON 

OSCAR  V.  GEBHARDT. 


LEIPZIG 

J.    C.   HINRICHS'SCIIE    BUCHHANDLUNG 
1883. 


i 


iiihalisübersielit. 


Seite 

Die  Altercatio  Simonis  ludaei  et  Theopliili  Cliristiani 
nebst  üntersucliunoren  über  die  antijüdische  Pole- 
mik in  der  alten  Kirche,  von  A.  Harnack 1 — 136 

§  1.  Die  üeberlieferung  und  bisherige  Bearbeitung  der 
Schrift  „Altercatio  Simonis  ludaei  et  Theophili  Cliri- 
stiani"          1 —  15 

§  2.   Der  Text  der  Altercatio 15-    j 9 

§  3.   Analyse  der  Altercatio 49 —  56 

§  4.  Der  Characj^er  und  die  Composition  der  Altercatio 
nebst  einer  Einleitung  in  die  antijüdische  Literatur 

der  alten  Kirche oO   -  91 

§  0.  Die  Altercatio  (resp.  die  Cirundschrift  derselben)  in 
ihrem  Verhältniss  zu  Tertullians  Tractat  adv.  ludaeos, 
zu  Cyprians  Testimonia,  zu  Lactantiu«"  In.stitutiones 

und  zu  Justins  Dialog  mit  Trj'^pho 91 — 115 

§  6.   Die  Grundschrift    der  vVUercatio  Simonis  et  Theo- 
phili und  die  Altercatio  lasonis  et  Papisci    ....     115 — 130 
Excurs:  Die  Auslegung  iv  agxfi  =  iv  "köyw  (ftcS)  Genes. 

1,  1  in  der  altchristlichen  Literatur   . 130—134 

Register  über  die  Citate  aus  dem  Alten  Testament.    .    .     135 — 136 
Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians,  von 

A.  Harnack 137—153 

Zur  handschriftlichen  Ueberliefert!  iig  der  griechi- 
schen Apologeten.  1.  Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451. 
Von  Ose.  V.  Gebhardt    . ......     154— 19G 

Nachtrag  zu  S.  134,  von  A.  Harnack.    . .  196 


Die  Altercatio  Simonis  ludaei  et  Theophili  Christiani, 

nebst  üntersuoliungen  über  die  antijüdische 

Polemik  in  der  alten  Kirche. 


§    1.     Die  UeberlieferuDg  und   bisherige   Bearbeitung 
der  Schrift  „Altercatio  Simonis  ludaei    et  Theophili 

Christiani." 

In  dem  51.  Capitel  der  Nachträge  des  Gennadius  von 
Massilia  zu  des  Hieronymus  Buch  de  viris  inlustribus  ')  liest 
man  ^):  „Euagrius  alius  scripsit  altercationem  Simonis  ludaei 
et  Theophili  Christiani,   quae  paene  omnibus  nota  est."     Der 


1)  Ueber  den  Umfang  des  Ti-actates  des  Gennadius  über  die  kircb- 
lichen  »Schriftsteller  haben  die  auf  umfassenden  textkritischen  Studien  be- 
ruhenden „Quaestiones  Gennadianae"  von  Jungmann  (Festschrift  für 
Eckstein,  Leipzig  18S1)  Lieht  verbreitet.  Jungmaun  weist  nach,  dass 
nicht  nur  die  Capitel  über  Caesarius  von  Arelate  i^nd  Honoratus  von  Mas- 
silia, welche  bereits  Her  ding  entfernt  hatt^,  unecht  sind,  sondern  auch 
die  über  Sidonius,  Gelasius  von  Rom,  Johannes  von  Antiochien  (bei  Her- 
ding c.  93),  Honoratus  von  Constantina,  Cerealis,  Eugenius,  Pomerius, 
Gennadius  von  Massilia  und  Johannes  von  Constantinopel  (Herding  c.  30). 
Verluste  hat,  wie  Jungmann  wahrscheinlich  macht,  das  Werk  nicht  er- 
litten, wohl  aber  in  mehreren  Handschriften  einzelne  Zusätze  zu  sonst 
echten  Capiteln.  Die  Echtheit  dos  51.  Capitels  unterliegt  keinem  Zweifel. 
Die  Abfassungszeit  des  ganzen  Werkes  lässt  sich  genau  nicht  bestimmen; 
sie  fäUt  aber  gewiss  wenig  später  als  um  d.  J.  480;  s,  Ebert,  AUg.  Gesch. 
der  Literatur  des  MA.  im  Abendlande  1.  S.  426  f.  Dazu  Teuf  fei,  Böm. 
Literaturgescb."'  §  469,  13;  Cazenove  im  Dictionary  of  Christian  Biogra- 
phy  T.  IL  p.  031;  Wagenmann  in  Herzog's  RE.2  Bd.  V.  S.  61  f. 

2)  Edit.  Herding.    (1879)  p.  93. 

Texte  und  Uutersuchungen  I,  3.  J 


2  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

hier  genannte  Euagrius  wird  durch  den  Zusatz  „alius"  von  dem 
im  11.  Capitel  aufgeführten  Mönch  Euagrius  unterschieden.  In 
der  Folgezeit  hat  mit  Ausnahme  des  Chronographen  Marcelli- 
nus  Comes"^)  (ad  anmmi  423)  und  des  Honorius  Augu- 
st od. '^)  kein  Schriftsteller  diesen  Euagrius  oder  dessen  Dialog 
erwähnt;  aber  auch  die  beiden  Genannten  haben  die  Angabe 
des  Gennadius  lediglich  abgeschrieben'').  Indessen  die  Nach- 
richt bei  Marcellinus,  so  unselbständig  sie  erscheint,  ist  doch 
der  Beachtung  Avürdig.  Gennadius  hat  die  Zeit  des  Euagrius 
nicht  vermerkt.  Die  Stellung,  die  er  ihm  gegeben  hat  —  in 
der  Nähe  von  Paulinus  Nol.  (c!  49),  Nestorius  (c.  54),  Caelesti- 
nus  Rom.  (c.  55)  — ,  lässt  zwar  vermuthen,  dass  Euagrius  nach 
Gennadius  gleichzeitig  mit  diesen,  also  im  ersten  Drittel  des 
5.  Jahrhunderts  gelebt  hat,  aber  ausdrücklich  ist  dies  nicht  ge- 
sagt, und  Gennadius  könnte  hier  ebenso  irren,  wie  er  bei  Com- 
modian  (c.  15)  geirrt  hat,  der  von  ihm  neben  Prudentius  und 
Rufinus  gestellt  worden  ist.  Gewinnt  unter  solchen  Umstän- 
den schon  die  bestimmte  Datirung  des  Marcellinus  eine  gewisse 
Bedeutung  so  ist  hier  noch  folgendes  in  Betracht  zu  ziehen. 
Marcellinus  ist  fast  überall  ein  sehr  zuverlässiger  Chronist;  er 
schildert  in  seiner  Chronik  hauptsächlich  die  Vorgänge  im  Ost- 
reich, und  er  giebt  nur  sehr  selten  literarische  Notizen.  Umso 
auffalliger  ist,  dass  er,  freilich  mit  den  Worten  des  Gennadius,  des 
Euagrius  überhaupt  gedenkt,  und  dass  er  das  Werk  desselben 
so  bestimmt  datirt.  Man  muss  daher  annehmen  —  da  der  Ver- 
dacht einer  Interpolation  durch  nichts  begründet  werden  kann—, 


3)  S.  über  dief^on  Teuffei,  a.  a.  0.  §  484  n.  1.  Ebert,  a.  a.  0.  S.  425. 
Das  Chronicon  des  Marcellinus  reichte  bis  z.  J.  515  (zweimal  vom  Verf. 
fortgesetzt  bis  534,  resp.  548}j  vgl.  auch  Holder-Egger,  Neues  Archiv  f. 
ältere  deutsche  Geschichtskunde  11  S.  49—109;  Wattenbach,  Geschichis- 
quellen*  S.  49f.  Abgedruckt  ist  das  Chronicon  nach  den  Ausgaben  von 
Sirmond  und  Roncalli  bei  Gallandi  T    X  und  bei  Migne  T.  LI. 

4)  S.  Fabricius-Harless,  Biblioth.  Gr.  VIT  p.  434. 

o)  Marcellinus  bei  Gallandi,  T.  X  p.  346,  Cbron.  ad  ann.  423:  ^Ind. 
VI.  Asclepiodoto  et  Mariniano  Coss.  Caelestinus  Romanae  ecclesiae  XLI. 
antistes  creatus  est;  vixit  annos  IX.  Euagrius  scripsit  altercationem 
Simonis  ludaei  et  Theophili  Christiani,  quae  paene  omnibus 
nota  est.  Ten-ae  luotus  luultis  in  locis  fuit  et  frugura  inedia  sub- 
secuta  etc." 


1 


Die  Ueb erliefe!  unjT.  3 

dass  die  Schrift  des  Euagrius  wirklich  auch  noch  um  d.  J.  518 
Sßhr  bekannt  gewesen,  und  dass  dem  Marcellinus  eine  nähere. 
Kunde  über  die  Zeit  ihres  Ursprungs  zugekommen  ist. 

lieber  den  Verfasser  Euagrius  —  der  Name  ist  ein  sehr 
häufiger^)  —  lässt  sich  nur  soviel  mit  Bestimmtheit  sagen, 
dass  er  weder  mit  dem  Mönch  Euagrius.  dessen  Schriften  ja 
Gennadius  sehr  genau  kennt  und  z.  Th.  übersetzt  hat,  noch 
mit  dem  Bischof  Euagrius  von  Antiochien  (Hieron.  de  vir.  inl. 
125),  der  die  vita  Antonii  in's  Lateinische  übersetzt  hat  und 
ein  Freund  des  Hieronymus  gewesen  ist,  identisch  sein  kann. 
Yermuthen  lässt  sich,  dass  er  im  Westreiche  zu  suchen  ist,  da 
er  eben  lateinisch  geschrieben  hat. 

Der  Dialog,  der  um  d.  J.  500  „fast  Allen  bekannt"  gewesen 
ist,  verfiel  einer  1200jährigen  Vergessenheit.  Selbst  die  Ge- 
lehrten des  16.  und  17.  Jahrhunderts  haben  ihn  nicht  aufge- 
spürt, noch  seiner  gedacht').  Da  fiel  den  Maurinern  Märten e 
und  Durand  ein  alter  Codex  aus  einem  Kloster  in  Vendome 
(Monasterium  Vindocinense)  in  die  Hände,  der  unter  anderem 
einen  anonymen  Tractat — ohne  jede  Aufschrift,  wie  es  scheint*^) — 
enthielt,  in  welchem  ein  Jude  Simon  und  ein  Christ  Theophilus 
mit  einander  disputiren.  Der  Tractat  erschien  in  der  Hand- 
schrift als  das  4.  Buch  einer  gleichfalls  anonymen  Schrift,  die 
ihm  vorangestellt  war:  „libri  tres  altercationum  (seu  consulta- 
tionum)  Zacchaei  Christiani  et  ApoUonii  Philosophi":  Es  sind 
dieselben,  welche  d'Achfery  im  10-  Bande  des  Spicilegiums 
nach  mehreren  Codices  zum  ersten  Male  veröffentlicht  und  auf 
Grund  einer  gelehrten  Untersuchung  auf  die  erste  Hälfte  des 
5.  Jahrhunderts  datirt  hatte  ^).  Die  beiden  Mauriner  schlössen 
nun  aus  gewissen  gemeinsamen  Merkmalen,  dass  die  Altercatio 
Simonis  et  Theophili  von  demselben  Verfasser  herrühren  müsse. 


6}  S.  Bibhoth.  Gr.  VII  p.  434.  Dictionary  of  Christian  Biography  11 
p.  419  sq. 

7)  Ueber  eine  Ausnahme  s.  unten  S.  4. 

8)  So  glaube  ich  die  nicht  genügend  Maren  Mittheilungen  Martene's 
(p.  1)  verstehen  zu  müssen.  Nicht  nur  der  Verfassername,  sondern  auch 
der  Titel  scheint  im  Vindocin.  gefehlt  zu  haben ;  doch  ist  das  letztere  nicht 
ganz  sicher. 

9)  Vgl.  die  neue  Ausgabe  des  Spicilegiums  durch  de  la  Barre  (Paris. 
1723  T.  i  p.  k  ij  u.  1  sq.). 

1* 


4  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

der  die  Consultationes  geschrieben,  dass  mitiiin  auch  jene  auf 
die  erste  Hälfte  des  5.  Jahrhunderts  zu  datiren  sei.  Erst  nach- 
dem Martene  dies  festgestellt  hatte,  entdeckte  er  die  Notiz  über 
die  Altercatio  bei  Gennadius  und  Marcellinus  und  war  nun  ge- 
wiss, die  alte  Schrift  des  Euagrius  wirklich  in  Händen  zu  haben. 
In  dem  5.  Bande  des  Thesaurus  novus  anecdotorum  (Paris. 
1717  p.  1  sq.)  druckte  er  die  Altercatio  nach  dem  Vindocinensis 
ab,  indem  er  sich  begnügte,  einige  der  gröbsten  Fehler  zu 
corrigiren,  die  Citate  aus  der  h.  Schrift,  freilich  weder  sorg- 
faltig noch  vollständig,  zu  identificiren  und  ein  paar  Anmer- 
kungen hinzuzufügen.  In  der  kurzen  Einleitung  gab  er  spär- 
liche Andeutungen  über  seinen  Fund,  über  den  Ursprung  der 
Schrift  und  über  die  Identität  des  Verfassers  der  Consultationes 
mit  dem  der  Altercatio.  Schliesshch  bemerkt  er,  dass  auch 
Tiilemont  die  letztgenannte  Hypothese  theile. 

Die  Mam'iner  glaubten  den  Ruhm,  auf  die  Altercatio  zuerst 
wieder  aufmerksam  gemacht  zu  haben,  für  sich  in  Anspruch 
nehmen  zu  dürfen.  Allein  sie  irrten  sich.  Schon  19  Jahre 
früher  hatte  der  Präfect  der  vaticanischen  Bibliothek,  Zacagni, 
in  seinen  „GoUectanea  Monumentorum  veterum  ecclesiae  Graecae 
ac  Latinae,  quae  hactenus  in  Vaticana  BibHotheca  dehtuerunt'* 
(Romae  1698)  auf  dieselbe  in  drei  Noten  hingewiesen.  F.  51 
not.  1  bemerkte  er  zu  Archelai  et  Manetis  Disput,  c.  31,  wo 
der  Ausdruck  „imaginaria  lex"  vorkommt:  „Utitur  et  hac  voce 
Euagrii  monachi  vetus  interpres  in  disputatione  Theophili  epi- 
scopi  Alexandrini  cum  Simone  ludaeo  cap.  13. ,  ubi  sabbata 
imaginariam  requiem  vocat  septimae  illius  diei,  in  qua  deum 
niundi  creatione  absoluta  requievisse  pagina  sacra  testatur*'; 
p.  53  n.  1  (c.  31)  notirte  Zacagni:  „Non  pauca  primitivae  eccle- 
siae patres  ex  Judaeorum  sententia  loquebantur,  ut  ex  bis,  quae 
in  capite  sequenti,  et  ad  Theophili  Alexandrini  disputationeni 
cum  Simone  ludaeo  cap.  13  adnotavijnus,  iucide  apparet";  und 
p.  324  not.  1  bemerkte  er  zu  einem  Citat  aus  Jesaias  in  der 
Schrift  des  Gregor  von  Nyssa  „Testimonia  adv.  ludaeos":  ,,Hunc 
Esaiae  locum  intelligendum  esse  de  Christo  Tertullianus  et 
Cyprianus  autumant.  Idem  facit  Theophilus  Alexandrinus  in 
disputatioue  adhuc  inedita  cum  Simone  ludaeo."  Die  ange- 
führten Stellen  finden  sich  in  der  That  in  der  von  den  Mauri- 
nern  später  edirten  Altercatio,   so  dass   nicht  zweifelhaft  sein 


I 


Die  Ueberlieferung.    "  5 

kann,  dass  Zacagni  eben  diese  Schrift  in  einem  Codex  gefunden 
und  gelesen  hat.  'Es  ist  aber  ferner  deutlich,  dass  Zacagni  die 
Schrift  damals  bereits  commentirt  hatte  und  Willens  gev/esen 
ist,  dieselbe  demnächst  zu  ediren.  Warum  die  Ausführung  dieses 
Planes  unterblieben  ist,  wissen  wir  nicht.  Zacagni  ist  erst  im 
Jahre  1712  gestorben.  Ganz  unwahrscheinlich  ist,  dass  der 
Codex,  den  er  benutzt  hat,  der  Vindocinensis  gewesen  ist;  ohne 
Zweifel  war  es  ein  italienischer.  Derselbe  ist  bisher  nicht  bekannt 
geworden.  Dies  scheint  um  so  beklagenswerther  'Aa  sein,  als 
nach  Zacagni's  Angabe  vermuthet  werden  kann,  dass  die  Alter- 
catio  in  seinem  Codex  durch  eine  bestimmte  Angabe  über  den 
Verfasser  charakterisiri  gewesen  ist.  Sagt  doch  Zacagni  ohne 
Bedenken:  „Vetus  interpres  Euagrii  monachi  in  disputatione 
Theophili  episcopi  Alexandrini  cum  Simone  ludaeo."  Er  be- 
zeichnet also  unsere  Schrift  1)  als  eine  Uebersetzung  aus  dem 
Griechischen,  er  schreibt  sie  2)  dem  Mönch  Euagrius  zu,  und 
er  behauptet,  3)  dass  der. eine  Disputant  der  bekannte  Bischof 
Theophilus  von  Alexandrien  gewesen  sei.  Bevor  man  über  die 
Provenienz  dieser  Angaben  urtheilt,  wird  es  von  Bedeutung 
sein,  ihren  Werth  festzustellen,  Dass  der  bekannte  Mönch 
Euagrius  *^)  nicht  der  Verfasser  gewesen  sein  kann,  ist  bereits 
oben  in  Kürze  bemerkt  worden;  dass  aber  der  Disputant 
Theophilus  mit  dem,  alexandrinischen  Bischof  gleichen  N^imens 
nichts  zu  thun  hat,  zeigt  der  Tractat  selbst,  der  unzweifelhaft 
fingirte  Personen  vorführt.  Es  bleibt  also  nur  die  Angabe 
übrig,  dass  die  Altercatio  eine  Uebersetzung  aus  dem  Griechi- 
schen sei.  Nun  wird  sich  allerdings  durch  eine  genaue  Be- 
trachtung des  Dialogs  ergeben,  dass  er  nach  einer  griechischen 
Vorlage  gearbeitet  worden  ist;  allein  es  ist  in  hohem  Masse 
unwahrscheinhch ,  dass  diese  Beobachtung  jener  Angabe  zu 
Grunde  liegt.  Vielmehr  erklärt  diese  sich  aufs  einfachste  daraus, 
dass  ja  der  Mönch  Euagrius  in  der  That  seine  Werke  sämmt- 
lich  in  griechischer  Sprache  verfasst  hat.  Wer  ihn  für  den 
Verfasser  hielt,  der  musste  für  die  vorliegende  lateinische  Aiter- 


10)  S.  Gennad.  c.  11.  Dictionary  iL  p.  422 sq.  Die  Chronologie  ver- 
bietet nicht  geradezu  die  an  sich  sehr  unwahrscheinliche  Annahme,  dass 
der  Mönch  Euagrius  in  einem  seiner  Werke  den  alexandrinischen  Theo- 
philus habe  auftreten  lassen. 


ß  Die  Altercatio  Simonis  et  Tlieophili. 

catio  auf  einen  Uebersetzer  schliessen.  Die  Formel  also,  mit 
welcher  Zacagni  unsere  Schrift  citirt  hat,  erweist  sich  in  jeder 
Hinsicht  als  falsch  und  werthlos,  so  dass  die  Annahme  sehr 
nahe  liegt,  dass  sie  lediglich  aus  einer  unglücklichen  Combi- 
nation  Zacagni's  entstanden  ist. 

Allein  diese  Annahme  ist  doch  eine  irrige;  denn  Mont- 
faucon  in  der  Bibliotheca  Bibliothecarum^^)  giebt  den  Titel 
einer  Handschrift  des  Klosters  Monte  Cassino  wie  folgt  an: 
„Liber  Evagrii  de  altercatione  Simonis  ludaei  et  Theophili 
episcopi  Alexandrini"  i2)_  Büeraus  ist  zu  schliessen,  dass  der 
Codex,  welchen  Zacagni  eingesehen  hat,  ebenfalls  wirklich  den 
Titel  „Evagrii"  und  in  der  üeberschrift  den  Zusatz  „episcopi 
Alexandrini"  enthalten,  hat,  wenn  er  nicht  geradezu  mit  dem 
Cod.  Casinensis  identisch  gewesen  ist^^).  Auf  jeden  Fall  ist 
also  anzunehmen,  dass  schon  im  MA.  der  Theophilus  der  Alter- 
catio fiir  den  berühmten  Alexandrinischen  Bischof  gleichen 
Namens  gehalten  worden  ist,  und  dass  es  Handschriften  gegeben 
hat,  welche  nicht,  wie  der  Yindocinensis,  anonyme  waren,  son- 
dern den  Namen  des  Euagrius  trugen  ^'^).  Nur  das  könnte  so- 
mit fraghch  sein,  ob  der  Zusatz  „monachus"  zu  „Euagrius"  von 


11)  T.  I  p.  224  C. 

12)  Diesen  Hinweis  verdanke  ich  meinem  Freunde  Dr.  0.  von  Geb- 
hardt. 

13)  Diese  Annahme  ist  sehr  wahrscheinlich;  denn  Zacagni  schreibt 
(I.e.  praef.  XV):  „Cum  autem  sacri  loci  reverentia  ductus  Casinum  venis- 
sem  et  ab  antiquissimis  temporibus  conditam  ibi  a  doctissimis  aeque  ac 
sanctissimis  coenobiarchis  bibliothecam  perlustrassem ,  inter  alia  non 
pauca  inedita  adhuc  vetera  monumenta  Archelai  integram  cum 
Manete  disputationem  in  sexcentorum  et  amplius  annorum  codice  reperi." 
Unter  die  „inedita  vetera  monumenta"  darf  man  vielleicht  auch  die  Alter- 
catio rechnen,  und  dies  um  so  mehr,  als  der  Titel,  wie  ihn  der  Cod.  Casi- 
nensis und  Zacagni  bieten,  derselbe  ist.  Zacagni  spricht  auf  dem  Titel- 
blatt seines  Werkes  sCoUectanea  etc."  zu  Ehren  der  Bibliothek,  deren 
Präfect  er  gewesen,  nur  von  vaticanischen  Handschriften,  obgleich  sein 
Codex  Vaticanus  der  Disputatio  Archelai  nur  eine  von  ihm  selbst  genom- 
mene Abschrift  des  Casinensis  ist.  Sollte  sich  also  in  der  Vaticana  -v^-irk- 
lich  eine  Handschrift  der  Altercatio  befinden,  so  liegt  die  Annahme  nahe, 
dass  auch  sie  eine  Copie  des  Casinensis  ist. 

14)  Gallandi  hat  (T.  IX.  p.  XVII)  die  Angaben  Zacagni's  als  falsche 
Vcrmuthungen  dieses  Autors  beurtheilt,  da  ihm  die  Notiz  bei  Montfaucon 
entgangen  war. 


Die  üeberliefevDn^x-  7 

Zcicagni  selbst  herrührt  oder  ebenfiilhs  luindscliriftlich  über- 
liefert war. 

Der  von  Montfaucon  erwähnte  Codex  wird  noch  in  Monte 
Cassino  aufbewahrt.  Leider  reicht  die  Beschreibung  der  Hand- 
schriften im  4.  Bande  der  Bibliotheca  Casinensis  nur  bis  zur 
Nr.  246;  der  Euagrius  steht  aber  in  Nr.  247.  Eine  Gollätion 
der  Handschrift  zu  erhalten  war  leider  nicht  möglich,  doch 
verdanke  ich  der  Güte  des  Praefecten  der  casinensischen  Biblio- 
thek Auskunft  über  das  Initium  und  den  Schluss  des  Tractates: 

Pag.  323:  „Incipit  liber  evagrii  monachi  de  altercatione  sy- 
monis  iudei  et  theophili  episcopi  alexandrini.  Inci})it:  Gratissi- 
mam  tibi  refero  questionem  nuper  factam  sub  oculis  nostris 
quam  tu  quoque  .  .  .'* 

Desinit:  ..absconsa  beneficia  praestans  es  qui  michi  omnia 
donare  dii^natus  es.  tibi  sit  honor  ....  saeculorum.    Amen.'' 

Zunächst  ist  das  „monachi"  in  der  Ueberschrift  zu  consta- 
tiren.  Zacagni  ist  also  bei  seinen  Angaben  lediglich  der  hand- 
schriftlichen üeberlieferung  gefolgt  ^^).  Der  Schluss  stimmt  mit 
dem  Vindocinensis  überein^  nur  bietet  dieser  „dignatus  es  omnia 
ostendere".  Dagegen  ist  der  Anfang  ein  total  anderer.  Der 
Vindocin.  beginnt  mit  den  Worten:  „Fuit  igitur  altercatio 
legis  etc.",  während  der  Casin.  in  Form  einer  Anrede  eine  Ein- 
leitung zu  geben  scheint,  in  welcher  der  Tractat  als  eine  Auf- 
zeichnung einer  wirklich  stattgehabten  Disputation  bezeichnet 
Vv^erden  soll.  Diese  Einleitung  hat  zunächst  das  V^orurtheil  der 
Ursprünglichkeit  für  sich;  denn  der  Eingang  der  Schrift  im 
V'indocin.  („Fuit  igitur")  erscheint  unerträglich  abrupt  und  legt 
unter  Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  ja  auch  jede  Ueber- 
schrift im  Vindocin.  fehlt,  die  Annahme  nahe,  dass  das  ursprüng- 
liche Initium  hier  verloren  gegangen  ist.  Leider  lässt  die  so  kurze 
Angabe  über  den  Casinensis,  die  mir  zu  Gebote  steht,  weitere 
Schlüsse  nicht  zu. 

Ob  der  Vindocinensis  noch  erhalten  ist,  habe  ich  nicht  fest- 
stellen können.  Verschollen  ist  jedenMls  ein  Codex  Centulensis 
der  Altercatio,  der  sich  nach  einem  aus  dem  J.  831  stammenden 
Katalog  der  Benedicti]ierabtei  zu  Saint  Riquier  daselbst  befun- 

lo)  Die  Capiteleintheilimg  —  Zacagni  citirt  das  IS.Cap.  —  wird  da. 
gfegeii  wohl  scliwcrlicli  laaiidscliriftiicli  begründet  sein. 


g  Die  Altercatdo  Simonis  et  Theoishüi. 

den  hat.  „Ceterum",  sclireibt  Martene  p.  3,  „quam  hie  damus, 
Altercatio  visebatur  olim  in  Centulensi  moiiasterio,  iit  constat 
ex  recensione  librorum  eiusdem  coenobii  tempore  Ludovici  Fii, 
quam  refert  Hariultus  in  chronico  Centulerisi  Spicilegii  tom.  IV." 
Die  Schrift  führte  hier  ebenfalls  keinen  Verfassernamen;  in  ihr 
war  auch  Theophilus  nicht  als  alexandrinischer  Bischof  be- 
zeichnet. Der  Titel  lautete:  „Altercatio  lej^is  inter  Simonem 
ludaeum  et  Theophilum  Christianum"  ^^). 

Da  Zacagni  seine  Ausgabe  der  Altercatio  nach  dem  Casi- 
nensis  nie  veröffentlicht  hat,  der  Codex  selbst  nicht  weiter 
eingesehen  wurde,  der  Centulensis  verschollen  und  auch  der 
Vindocinensis  nicht  aufs  neue  verglichen  worden  ist,  so  blieb  die 
editio  princeps  Martene's  die  einzige  Grundlage  ftir  spätere 
Publicationen  der  Schrift.  Soviel  mir  bekannt  geworden,  ist 
sie  nur  noch  zweimal  abgedruckt  worden,  nämlich  von  Gallandi 
im  IX.  Bande  seiner  Bibliotheca  und  von  Migne  im  XX.  der 
Patrol.  Lat  (p.  1165 — 1182).  Beide  haben  sich  mit  einer  blossen 
Copie  der  editio  princeps  begnügt,  ohne  den  Versuch  zu  machen, 
den  Text  durch  Conjecturen  zu  verbessern  und  schwierige 
Stellen  zu  erklären.  Auf  dem  Texte  Martene's,  der  bei  ge- 
nauerer Prüfung  sehr  viele  offenbare  Fehler  und  Anstösse  bietet, 
hätte  auch  die  folgende  Untersuchung  fussen  müssen,  wäre  nicht 
Prof.  Zahn  dem  Verfasser  durch  die  gütige  Mittheilung  zu  Hülfe 
gekommen,  dass  nach  Ja  eck,  Beschreibung  von  .  .  .  Hand- 
schriften in  der  Bibliothek  zu  Bamberg  (Nürnberg  1831  f )  Bd.  I, 
Nr.  505,  in  Bamberg  sich  noch  eine  alte  Handschrift  der  Alter- 
catio befände. 

Der  Codex  pergam.  Bambergensis  B.  III,  3i  (klein  Octav, 
178  foL),  welcher  höchst  wahrscheinlich  dem  10.  Jahrhundert 
angehört^''),  enthält  hauptsächlich  Augustinisches,  fol.  107 — 109 
den  Sermo  S.  Augustini  de  Juda  traditore,  fol.  HO» — 128^^  die 
Altercatio,  fol.  128 — 135  Traciatus  S.  Johannis  Constantino- 
politani  in  Eutropiura.  Rasuren  und  Corrccturen  von  erster, 
resp.    einer  gleich  alten  Hand   sind   sehr  häufig,   von  späterer 


16)  S.  d'Achery,  Si>icileg.  T.  IV.  p.  484. 

17)  Auf  meine  Bitte  wurde  mir  von  dem  Jiiljliothekar  der  k.  Biblio- 
thek zu  Bamberg,  Dr.  Leitschuh,   der  Codex  freundlichst  behufs  einer 


Collationirung  mitgetheilt. 


.  Die  Ueberlieferung,  9 

selten;  hie  und  da  finden  sich  Randbemerkungen  ohne  Belang. 
Die  Schrif'tzüge  sind  gross  und  deutlich. 

Das  Initium  der  Altercatio  lautet  in  B  (Bamberg.):  „Tncipit 
altercatio  legis  inter  symonem  iudeum  et  theofilum  christianum." 
Dazu  von  bedeutend  späterer  Hand  der  Zusatz:  „quam  scripsit 
evagrius".  Nun  beginnt  der  Text  mit  den  Worten:  „Domino 
fratri  ualerio  aelius  (aber  an  dem  Worte  ist  radirt  und  corri- 
girt,  die  Buchstaben  „el"  sind  von  späterer  Hand)  salutem. 
gratissimam  tibi  referam  quaestionem  factam  nuper  sub  oculis 
nostris,  quam  tu  quoque  cum  cognoveris,  gratanter  accipies. 
Fuit  igitur  altercatio  legis  inter  quendam  Simonem  etc."  Der 
Schluss:  „cuncta  beneficia  prestantur.  tu  es  qui  mihi  omnia 
donare  dignatus  es.     Tibi  sit  honor  . .  .  saeculorunou    Amen." 

B  bietet  also  nicht  nur  die  Einleitung,  welche  auch  C 
(Casinen.)  giebt,  und  zeigt  uns,  dass  dieselbe  bis  auf  die  vier 
Schlussworte  vollständig  oben  mitgetheilt  worden  ist,  sondern 
er  enthält  dazu  noch  eine  Widmung  an  einen  gewissen  Valerius. 
Leider  aber  ist  der  ursprüngliche  Name  des  Autors  nicht  mehr 
zu  ermitteln;  denn  erst  eine  spätere  Hand  hat  ihn  zu  „Aelius*' 
gestaltet.  Ob  die  Widmung  (B)  und  die  Einleitung  (BC)  ur- 
sprünglich sind,  oder  ob  sie  nach  V  (Vindocin.)  vielmehr  als 
Zusätze  zu  gelten  haben,  kann  hier  noch  nicht  entschieden 
werden.  Beachtenswerth  ist,  dass  C,  sowohl  nach  dem  Initium, 
als  nach  den  Schlussworten  zu  schliessen,  eine  Mittelstellung 
zwischen  B  und  V  einnimmt.  Um  so  mehr  ist  es  zu  bedauern, 
dass  wir  von  C  noch  keine  nähere  Kenntniss  besitzen. 

Die  üeberlieferung  der  Altercatio  in  B  und  V  ist  nämlich 
eine  sehr  verschiedene.  Allem  zuvor  ist  zu  constatiren,  dass 
wir  erst  durch  B  einen  vollständigen  Text  der  Schrift  erhalten, 
dass  V  also  grosse  Lücken  aufweist.  Diese  Lücken  sind  zum 
Theil    durch    Fahrlässigkeit    des    Abschreibers    entstandene^), 


18)  So  ißt  z.B.  in  V  die  3,  Antwort  des  Theoi^hiliis  gleich  an  die 
2.  Frage  des  Simon  angeschlossen  und  das  Dazwischenliegende  wegge- 
lassen. Dadurch  ist  der  Eingang  sinnlos  geworden.  Der  Jude  fragt:  „Quem 
colis"?  und  der  Christ  antwortet:  ,Sane  si  dicimus,  et  audenter  proba- 
mus"*.  Die  offenbare  Lücke  hier  wird  von  B  in  zufriedenstellender  Weise 
ergänzt.  Femer  hat  V  am  Schluss  (Marteue  p.  16  Z.  14  v.  u.)  die  Schluss- 
woiie  der  Rede  des  Simon  weggelassen  und  nicht  angegeben,  dass  Theo- 


10  r)ip  Mtercatio  Simonis  et  Theophili. 

zum  Theil  augenscheinlich  absichtliche.  Der  Schreiber  hat 
nämlich  nach  Gutdünken  an  den  biblischen  Citaten  gekürzt 
und  namentlich  im  letzten  Drittel  der  Schrift  solche  auch  hie 
und  da  ganz  weggelassen.  Dass  B  in  diesen  Fällen  in  der 
Regel  das  Ursprüngliche  bietet  und  nicht  etwa  interpolirt  ist, 
lässt  sich  an  drei  Beispielen  besonders  deutlich  zeigen.  P.  6 
Z.  28  (bei  Martene)  wird  Ps.  2,  1  citirt,  während  B  die  ersten 
9  Verse  giebt.  Auf  diese  aber  kommt  es  im  Zusammenhange 
an;  der  erste  Vers  ist  an  sich  belanglos  für  das.  was  Theophilus 
beweisen  will.  P.  15  Z.  1  (bei  Martene)  sagt  der  Jude,  der 
72.  Psalm,  der  ihm  von  Theophilus  vorgehalten  worden 
sei,  beziehe  sich  auf  Salomon.  In  V  ist  aber  der  72.  Psalm 
vorher  gar  nicht  citirt  gewesen,  dagegen  wohl  nach  dem  Texte 
wie  ihn  B  bietet.  Endlich  p.  11  Z.  16  v.  u.  (bei  Martene)  steht 
nach  einem  Citate  aus  Psalm  22:  „et  cetera  quae  tribus  sequei.- 
tibus  versibus  dicuntur";  in  B  sind  aber  die  Verse  selbst  ange- 
führt. Diese  und  ähnliche  Fälle  zeigen,  dass  in  V  ein  will- 
kürlich verstümmelter  Text  vorliegt;  Eine  ganze  Reihe  von 
Schwierigkeiten,  welche  sich  bei  genauerer  Durcharbeitung  des 
Martene'schen  Textes  für  den  Verfasser  ergaben,  waren  mit 
einem  Schlage  durch  B  beseitigt,  an  dessen  Vollständigkeit 
nicht  gezweifelt  werden  kann  ^'■^). 

Aber  auch  abgesehen  von  den  verstümmelten  Abschnitten 
in  V  ist  die  Verschiedenheit  von  V  und  B  eine  sehr  grosse, 
die  Zahl  der  gemeinsamen  Fehler  eine  sehr  geringe.  Eine  sorg- 
faltige Conservirung  des  Textes  hat  augenscheinlich  nicht  statt- 
gefiinden,  und  die  Abschreiber  müssen  mit  grosser  Freiheit  ge- 
waltet haben.  Man  konn  fast  sagen,  dass  in  B  und  V  zwei 
verschiedene  Recensionen  derselben  Schrift  vorliegen  und  mau 
höchst  muthwillig  im  Einzelnen  verfahren  ist.  Da  wir  nun 
bisher  allein   auf  diese  beiden  Handschriften  angewiesen  sind. 


philus  -wiederum  das  Wort  ergreift,   wodurch  ebenfalls  ein  Unsinn   ent- 
standen ist. 

19)  Mindestens  an  einer  Stelle  bin  ich  geneigt  anzunehmen,  dass  in  B 
eine  Glosse  in  den  Text  gekommen  ist  P.  16,  2  (hei  Martene)  hat  ß  nach 
Erwähnung  der  siebentägigen  Belagerung  von  Jericho  noch  au  11  Macc. 
15  für  die  Nichtigkeit  des  Sabbathgcbotes  in  seinem  wörtHchen  Verstände» 
erinnert.  Die  Gründe,  wosslmlb  dieses  Cit:vt  schwerlich  dem  Verfasser  an- 
gehört, werden  in  §  5  genannt  werden. 


Die  üeb  erlief erung.  \  1 

so  ist  es  in  sehr  vielen  Fallen  unmöglich,  eine  Entscheidung 
zu  treffen.  Unzweifelhaft  hat  V  an  einigen,  und  zwar  nicht 
unwichtigen  Stellen  das  Richtige  bewahrt.  So  bietet  er  gleich 
im  Eingange  „faciam  Nazaraeum  ludaeum,"  während  B„faciam 
natorem  ludaeum"  giebt;  ferner  ebenfalls  im  Eingange:  „audi- 
torem",  wo  B  ein  unerträgliches  „adiutorem"  liest.  Es  ist  mir 
sehr  wahrscheinlich,  dass  in  V  die  relativ  ältere  Ueberlieferung  an- 
zuerkennen ist,  aber  ohne  Kenntniss  von  C  lässt  sich  das  nicht 
sicher  entscheiden.  Da  uns  nun  V  nicht  in  der  Handschrift, 
sondern  nur  in  einem  von  Fehlern  augenscheinlich  nicht  freien 
Drucke  vorliegt,  so  hielt  ich  es  für  angezeigt,  der  Textesrecen- 
sion  B  zu  Grunde  zu  legen.  Der  im  folgenden  Abschnitte  dar- 
gebotene Text  beansprucht  nicht  mehr  zu  sein  als  ein  durch 
V  corrigirter  Abdruck  von  ß^O).  Ein  paar  Stellen  sind 
übrig  geblieben,  welche  auch  durch  B  nicht  geheilt  erscheinen. 
Ich  habe  in  solchen  Fällen  von  der  Conjectur  nur  selten  Ge- 
brauch gemacht.  Im  Ganzen  hoffe  ich,  dass  die  Schrift  in  dieser 
noch  immer  unvollkommenen  Gestalt  doch  verständlich  sein 
und  eine  feste  Grundlage  für  die  historische  Untersuchung  ab- 
geben wird.  Zu  bedauern  ist,  dass  der  Text  gegen  den  Schluss 
hin  unsicherer  wird.  Der  Schluss  gerade  entMlt  besonders  in- 
teressante Ausführungen. 


Sind  die  nach  Martene's  Ausgabe  veranstalteten  Editionen 
der  Altercatio  lediglich  werthlose  Abdrücke,  so  hat  man  sich 
doch  im  1 8.  Jahrhundert  um  den  Verfasser  der  Schrift  bemüht, 
und  diese  Bemühungen  verdienen  berücksichtigt  zu  werden. 

Es  ist  oben  bemerkt  worden,  dass  die  Mauriner  den  Euagrius, 


20)  Um  den  Apparat  nicht  noch  mehi-  anschwellen  zu  lassen,  habe 
ich  orthographische  Minutien  und  andere  Kleinigkeiten  bei  Seite  gelassen, 
auch  die  Correcturen  in  B  durchaus  nicht  vollständig  vermerkt  und  man- 
ches stillschweigend  verbessert.  Ich  wollte  zunächst  nur  einen  zusammen- 
hängenden und  einigermassen  lesbaren  Text  geben.  Da  das  Latein  des 
5.  Jahrhunderts,  wie  bekannt,  häufig  bereits  ein  sehr  barbarisches  gewesen 
ist,  so  habe  ich  Anstand  genommen,  gewisse  grammatische  Unregelmässig- 
keiten und  syntactische  Fehler  durchgehends  zu  verbessern,  um  nicht  den 
Autor  selbst  zu  corrigiren.  Der  Uebersicht  wegen  und  um  die  Identifici- 
rung  der  Citate  zu  erleichtern,  ist  der  Text  in  Capitel  eingetheilt  und 
sind  die  Fragen  des  Juden  gezählt  worden. 


12  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

den  Verfasser  der  Altercatio,  mit  dem  unbekannten  Verfasser 
der  libri  tres  altercationum  Zaccbaei  Christiani  et  Apollonii 
Philosoph!  identificirt  haben.  Dieses  umfangreiche  Werk,  für 
welches  es  eine  üeberlieferungsgeschichte  überhaupt  nicht  giebt 
—  Niemand  hat  es  im  Alterthume  citirt  — ,  ist  aus  inneren 
Gründen  von  d*Achery  mit  Recht  auf  den  Anfang  des  5.  Jahr- 
hunderts datirt  worden.  Da  es  eine  viel  detaiüirtere  Anschau- 
ung von  dem  theologischen  Standpunkt  u.  s.  w.  seines  Verfassers 
ermöglicht  als  die  Altercatio,  so  ist  es  von  Bedeutung  zu  wissen, 
ob  die  Hypothese  der  Mauriner  begründet  ist.  Diese  haben 
sich  auf  folgende  Beobachtungen  gestützt  ^  i) : 

1)  In  dem  Cod,  V  folge  die  Altercatio  unmittelbar  jener 
grösseren  Schrift  und  sei  mit  ihr  enge  verbunden, 

2)  der  Name  „Altercatio"  sei  beiden  Dialogen  gemeinsam, 

3)  die  Anlage  sei  hier  und  dort  dieselbe  („eadem  in  utro- 
que  opere  scribendi  ratio,  nimirum  ad  modum  dialogi  seu 
disputationis ,  in  qua  gentilis  vel  ludaeus  obiectiones  vel  diffi- 
cultates  suas  proponit,  quas  ita  explicat  ac  solvit  Christianus, 
ut  tandem  persuadeat  et-vincat"), 

4)  endlich  der  Stil  sei  derselbe  („turgens  et  lacertosus"). 
Von  diesen  Argumenten  kommt  nur  das  vierte  und  höchstens 
noch  das  erste  in  Betracht.  Allein  sie  reichen  lange  nicht  aus, 
um  die  Hypothese  der  Identität  der  Verfasser  auch  nur  v/ahr- 
scheinlich  zu  machen.  Der  Stil  zeigt  allerdings  gewisse  Aehn- 
lichkeiten,  aber  wenn  die  Schriften  aus  derselben  Zeit  stammen 
und  vielleicht  aus  derselben  Provincialkirch«,  so  sind  die  Aehn- 
lichkeiten  damit  genügend  erklärt.  Es  kommt  hinzu,  dass  die 
Altercatio  Theophili  aus  demselben  Codex  den  Maiirinern  be- 
kannt geworden  ist,  in  welchem  sie  die  Altercatio  Zacchaei 
lasen.  Beide  rühren  dort  wohl  Yon  demselben  Schreiber  her, 
und  viele  grobe  Barbarismen  und  Schreibfehler,  welche  sich  in 
beiden  Tractaten  finden,  sind  gewiss  auf  Rechnung  des  Copisten 
zu  setzen.  Sie  besonders  lassen  die  Schreibart  als  eine  ähnhche 
erscheinen.  Dass  aber  beide  Schriften  als  anonym  neben  ein- 
ander stehen,  ist  doch  eine  ganz  schwache  Stütze  fiir  die 
beliebte  Hypothese.  Man  darf  aber  ferner  sagen:  war.  wie 
Gennadius  berichtet,  die  Altercatio  Theophüi  zu  seiner  Zeit,  d.  h. 

21)  Thesaur.  V  p.  Isq. 


Die  Ueberlieferung.  13 

etwa  zwei  Menschenalter  nach  ihrem  Erscheinen,  fast  in  Aller 
Händen,  sc  hätte  er  selbst  doch  gewiss  erfahren,  dass  der  Verfasser 
dieser  Schrift  zugleich  der  Autor  eines  sechsmal  umfangreicheren, 
viel  anspruchsvolleren  Werkes  sei.  Das  Schweigen  des  öenuadins 
über  die  Altercationes  Zacchaei  fällt  sehr  in  das  Gewicht.  Die 
von  den  Maurinem  angeführten  Gründe  verschlagen  also  gar 
nichts,  und  auch  die  Beobachtung,  welche  sie  übersehen  haben, 
dass  nämlich  die  beiden  Schriften  sich  inhaltlich  zweimal  be- 
rühren, kann  die  Identität  der  Verfasser  nicht  erweisen.  Die 
Unmöglichkeit  dieser  Hypothese  soll  natürKch  nicht  behauptet 
werden,  sondern  nur  ihre  völlige  ünzuverlässigkeit. 

Dennoch  ist  die  Hypothese  wie  eine  ausgemachte  Sache 
behandelt  worden.  Nicht  nur  de  la  Barre  in  der  neuen  Aus- 
gabe des  Spicilegiums  von  d'Achery  hat  sie  als  solche  genom- 
men, sondern  auch  Wolf 22),  Fabricius^^),  Gailandi^*), 
Ceillier^ö)  u.  A.  haben  beigestimmt.  Soweit  im  19.  Jahr- 
hundert das  Andenken  an  die  Altercatio  nicht  überhaupt  er- 
loschen ist,  gilt  die  Hypothese  der  Mauriner^^). 

Ceillier  hat  dieselbe  mit  einer  anderen,  von  ihm  aufge- 
stellten und  schliesslich  gleichfalls  für  sicher  ausgegebenen 
verknüpft.  „Nos  Gaules",  beginnt  er  seinen  Artikel  über 
Euagrius,  den  Priester  und  Schüler  des  h.  Martin,  in  der  Hist. 
litter.,  „ont  leur  Evagre,  comme  la  Syrie  et  le  Pont  ont  eu 
les  leurs,  et  dans  le  meme  temps,  c'est-ä-dire,  ä  la  fin  du  IV. 
siecle  et  au  commencement  du  V.  L'Evagre  des  Gaules  etoit 
im  pretre,  qui  avoit  ete  Moine  sous  S.  Martin  de  Tours". 
Ceillier  meint  jenen  Euagrius,  der  in  den  Dialogen  des  Sulpicins 
(III,  1,  4;  2,  8)  —  und  nur  in  diesen  —  erwähnt  wird,  und  von 
dem  man  nichts  anderes  weiss,  als  dass  er  Mönch,  Priester  und 
Schüler  des  h.  Martin  gewesen  ist.  Die  Gründe,  durch  welche 
Ceillier  die  Identität  der  beiden  Euagrii  feststellen  will,  sind 
darum  höchst  vage.    Er  sagt:   i)  der  Verfasser  der  Altercatio 


22)  Bib].  Hebr.  Ill  p.  1141  num.  2173. 

23)  Bibl.  med.  Lat.  II  p.  350  edit.  Hamb. 

24)  L.  c.  IX  p.  XVTI. 

25)  Eist,  generale  XIII  (1747)  p.  rj67sq.    Hist,  litter.  de  la  France  II 
p.  llOsq. 

20)  S.  auch  Trävers  Smith  im  Dictioiiary  of  Christian  Biography 
II  p.  423. 


14  jDiß  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

sei  ein  lateinischer  Schriftsteller,  zugleich  Priester  und  Mönch. 
Allein  das  letztere  ist  nur  dann  anzunehmen,  wenn  der  Verf. 
der  Altercatio  Theophili  auch  der  der  Altercatio  Zacchaei  wäre. 
Aus  jener  Schrift  dagegen  folgt  durchaus  nicht,  dass  ihr  Ver- 
fasser Priester 2'),  noch  weniger,  dass  er  Mönch  gewesen  ist. 
2)  Die  Zeitbestimmung  für  Beide  zeige  die  Identität.  Allerdings 
verbietet  die  Chronologie  die  Annahme  der  Identität  nicht,  aber 
bei  der  Häufigkeit  des  Namens  Euagrius  ist  jedes  positive  Ur- 
tlieil  von  der  Chronologie  aus  gänzlich  unsicher.  3)  Das  Werk, 
welches  Gennadius  meine,  stamme  höchst  wahrscheinhch  von 
einem  gallischen  Euagrius,  da  die  Bemerkung,  es  sei  fast 
Allen  bekannt,  sich  doch  zunächst  auf  Gallien  beziehe,  wo 
Cennadius  selbst  gelebt  habe;  4)  die  Form  des  Dialogs  passe 
besonders  gut  für  den  Schüler  des  h.  Martin,  Euagrius,  „qui 
avoit  sous  les  yeux  l'exemple  tout  recent  de  S.  Severe  Sulpice, 
son  condisciple  et  son  böte,  qui  venoit  de  pubHer  ses  dia- 
logues  pour  suppleer  ä  ce  qu'il  avoit  d^ja  ecrit  sur  la  vie  de 
S.  Martin." 

Alle  diese  Gründe  beweisen  höchstens,  dass  der  Mönch 
Euagrius  des  Sulpicius  mit  unserem  Verfasser  identisch  sein 
kann,  resp.  dass  wir  keinen  zweiten  Euagrius  kennen,  der  so 
gut  als  der  Verfasser  der  Altercatio  gelten  darf  wie  der  Schüler 
des  h.  Martin.  Aber  mehr  lässt  sich  nicht  sagen.  Von  irgend 
welcher  Wahrscheinlichkeit,  dass  der  Schüler  des  h.  Martin  der 
Verfasser  der  Altercatio  sei,  kann  nicht  die  Rede  sein;  nur  an 
dem  gallischen  Ursprung  des  Dialogs  wird  man  festhalten  dür- 
fen 2*^).  Ein  Zweifel,  ob  die  uns  erhaltene  Schrift  mit  der  von 
Gennadius  angeführten  wirklich  identisch  sei,  ist  durch  nichts 
gerechtfertigt.  Innere  Gründe  zeigen,  dass  die  von  den  Mauri- 
nern  veröffentlichte  Altercatio  nicht  vor  dem  Anfang  des  5.  Jahr- 
hunderts abgefasst  sein  kann^");  ein  Indicium  aber,  dass  sie 
nach  dem  Jahre  450  entstanden  sein  müsse,  ist  nicht  vorhan- 

27)  C  ei  liier  (p.  122)  schliesst  dies  freüich  aus  dem  Umstände,  dass 
Theophilus  den  Simon  tauft.  Aber  es  wird  sich  zeigen,  dass  dieser  Schluss 
kein  sicherer  ist. 

28)  Ceillier  spricht  von  dem  hohen  Alter  des  Vindocinensis;  aber 
eine  Altersbestimmung  hat  weder  er  noch  Märten e  gegeben. 

29)  Genannt  sei  der  wichtigste:  es  wird  bereite  als  kirchliche  Lehre 
behauptet  (c.  4,  15)  dass  Maria  clauso  utero  geboren  habe. 


Der  Text.  15 

den'^^).  Wir  haben  also  ii]  der  uns  vorliegenden  Aliercatio 
Theophili  die  Schrift  eines  Abendländers,  wahrscheinlich  eines 
Galliers,  zu  erkennen,  die  +  430  abgefasst  ist  und  sich  um  das 
Jtihr  500  nach  dem  Zeugniss  des  Gennadius  und  Marcellinus 
grosser  Verbreitung  erfreute. 

Dieses  Ergebniss  ist  an  sich  nicht  geeignet,  ein  besonderes 
Interesse  für  das  Schriftstück  zu  erwecken.  Die  kirchliche  Lite- 
ratur des  5.  Jahrhunderts  liegt  uns  in  einem  so  grossen  Um- 
fange vor,  dass  ein  kleiner  Dialog  aus  jener  Zeit,  der  in  die 
brennenden  dogmatischen  und  kirchenpolitischen  Kämpfe  durch- 
aus nicht  eingreift,  kein  Anrecht  auf  eine  specielle  Würdigung 
zu  haben  scheint  Die  Drucke  und  die  kurze  Analyse  seines 
Inhaltes  bei  Ceillier  dürften  seiner  Bedeutung  genügend  ge- 
recht geworden  sein. 

Dem  wäre  in  der  That  so,  wenn  sich  nicht  zeigen  Hesse, 
dass  es  mit  diesem  Dialoge  eine  besondere  Bewandtniss  hat. 
die  ihm  ein  Recht  auf  Bevorzugung  sichert.  In  dem  folgenden 
soll  jene  nachgewiesen  werden.  Voran  steht  eine  Recension 
des  Textes  nach  BV. 


30)  Die  Vulga.ta  ist  noch  nicht  benutzt,  vielmehr  eine  vorhieronymi- 
anische  Recension  der  lateinischen  Bibelübersetzung. 

§  2.    Der  Text  der  Schrift 
Altercatio  Simonis  ludaei  et  Theophili  Christiani. 

I,  1.  [Domino  fratri  valerio  a  .  .  ins  salutem.  Gratissimam 
tibi  referam  quaestionem  factam  nuper  sub  oculis  nostris;  quam 
tu  quoque  cum  cognoveris,  gratanter  accipies],  Fuit  igitur  alter- 
catio legis  mter  quendam  Simonem  ludaeum  et  Theophilum  5 
Christianum.  ludaeus  igitur  sie  ait:  Crucicola,  signifer,  Christia- 
nae  legis  te  prohteris  auctorem.    Habes  et  me  patientem  audi- 

1.  Gennad.  Ma.rceliin.  .  .  ,  Altercatio  inter  TJieophüum  Christianum  et 
Simonem  ludaeum  V  (i.  e.  ni  fallor  Märten e,  codice  nullum  tituluia  prae 
se  ferente).  .  .  .  Incipit  altercatio  legis  inter  symonem  iiideum  et  theofilum 
christianum  B,  add.  B^:  quam  scripsit  evagrius  .  .  .  Incijnt  liber  evagrii 
monachi  de  altercatione  st/r/ionis  iudei  et  theophili  episcopi  alexandrini  C.  — 
2.  Domino  —  salidem  B,  Bed  „aelius"  super  rasuram,  el  manu  secunda  .  .  , 
desunt  in  VC.  —  2  sq.  Gratissimam — accipies 'QG  {refero  .  .  nuper  factam 
C)  ....  desunt  in  V.  —  7.  auctorem  V  .  .  .  esse  doctorem  B  {doctorem 
coniec.  Martene).  —  7  s,  auditorem  V  .  .  .  adiutorem  B. 


Iß  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

torem,  si  modo  interrogationibus  meis  non  lenociniis  sermoiiiim 
aut  argmnentis  verborum  sed  legis  praesenida  conprobes  veri- 
tatem.    Quod  si  tu  me  hodie  viceris,  facito  Christianum;  aut  ego 
cum  te  superavero,  faciam  Nazaraeum  ludaeum. 
3         TA.;  Non  glorietur  gibberosus  ut  rectus. 
*  2.  Sim,:  Quem  colis? 
Th.:  Deum. 

3.  8im.:  Ego  tecum  de  Christo  crucifixo  contendo,  quem 
vos  dominum  dicitis. 

H)         Th. :  Sane  dicimus  et  audenter  probamus,  dominum  deum  esse. 

4.  Sim.:  Saeri  venerandique  Deuteronomii  tox  resultaiis 
dicit:  Vtdete  quwiiam  ego  sum,  et  ?wn  est  cdius  praeter  me  deuji. 
Et  Esaias  dicit:  Ego  primus  et  ego  novissimus ^  et.  praeter  we 
tum  est  deus. 

16  Th.:  Sacratissima  Christi  vox  est,  quam  si  tu  volueris  cog- 
noscere,  oportet  te  primum  credere  et  tunc  demum  poteris  in- 
tellegere. Esaias  enim  redarguit  te  dicens:  Nisi  credideritisy 
nmi  intellegetts.  Indubitanter  igitur  deum  omnipotentem,  invi- 
sibilem,  inmensum,  inconprehensibilem  novimus  et  sciraus  et 

20colimus,  deinceps  Christum  deum  et  dei  fihum  profitemur.  Quod 
autem  dicit:  Ego  pHmns  et  ego  nooissimus,  duos  adventus  Christi 
significat. 

5.  Sim.:  Quid  illud  quod  ait:  Praeter  me  ywti  est  deus'^^ 
Th,i  Christus  deus,  dei  filius,  de  se  dixit,  quia  praevidebat 

25  antichristum  venturum  et  se  deum  dicturum.  De  quo  Zacharias 
propheta  dicit:  Ecce  suscito  pajitoreioi  m  terra y  et  quod  dejiciet 
non  denotabit  et  dtspar,mm  nan  requiret  et  contribulatuvi  non 
salvabit  et  integrum  non  eons^ummahit  et  carnes  electorum  comedet 


\.  lenocinio  B.  —  2,  aut  Y  .  .  .  nee  B.  —  2.  verborum  deest  in  V.  — 
3.  Quod  V  .  .  .  auf  B.  —  3.  reviceris  B.  —  4.  te  cum  B.  —  4.  Nazaraeum 
V  .  . .  natorem  B.  —  5.  sicut  B.  —  7 — 9.  desunt  in  V.  —  10.  Sane  si  V.  — 
lü.  dominum  deum  esse  om.  V.  —  11.  Jibri  Deuteronomii  B.  —  12.  quoniam 
B  .  .  .  quod  V.  —  13.  Et  om.  B.  —  16.  et  om.  B.  —  IS.  deum  V  .  . .  domi- 
num B.  —   19.  inmensum,  inconpreJiensihilem  om.  V.   —  24.  et  dei  V.  — 

25.  et  se  ex  coniect.  .  .  esse  B  .  .  .  om.  V.  —  25.  deum  dtcturum  om.  V.  — 

26.  suscitabo  V.    —    26.  terram  B.  —  27.  denotabit  B  .  . .  visifabit  V.  — 

27.  dinparsum  B  .  .  .  dtspersos  V. 


12.  Deut.  32,  39.  —  13.  Isa.  44,  6.  —    17.  laa.  7,  9.  ~  26.  Zach.  11, 
16.  17. 


Der  Text.  17 

et  talos  eorum  everlef.  Et  gladius  eonivi  super  brachvmn  ews 
est  et  super  ocidam  dfjferinii  ■ipshis;  braeldvin  ipsius  arejiens 
arefiet  et  oculus  ipsius  dexter  obcaecatus  ohcoecabitur.  Proinde 
Christus  dicit:  E(p  lyrhnus  et  rwvissinius  et  praeter  me  non 
est  detis.  5 

().   Sim.:  Ergo  tu  duos  deos  facis? 

Tit.:  Deus  UHUS  est,  ex  quo  Christus  et  in  quo  deus,  sicut 
Abrahae  ad ilicem  Mambrae  tres  visi  sunt,  quibus  occurreus  uuuni 
salutavit  dicens:    Si  mveni  gratiam  ante  ie,    accipiam  aqumn  et 
lacentur  pedes  vestri^  et  refrigerate  suh  arbore.     Quod  tres  sei-  10 
licet  videbantur  ex  praescientia   diviiiitatis ,   quod   arbor  crucis 
Christi  credentibus   tegmen  refrigerii    praestaret,    aequo    enim 
propheta  in  psahno  LXXXI.  dicit;  Den^  stetit  in  sißnagoga  deo- 
rum^  in  medio  aatem  deos  dtscern&ns.     Utique  de  Christo  dicit, 
qui  iu  synagogis  vestris  docuit  et  virtutes  magnas  fecit.    Proinde  15 
in  psalmo  XLIV.  dicit:   llironus  tuics^  deus,  in  saecula  saeeulo-   ■ 
runiy  vaga  aequitatis  virga  regni  titi'y  dilexisti  iustitiam  et  odisti 
iniquitatem,  propterea  unxit  te,  deus,  deus  tmis  oleo  laetitiae  plan 
quam  participes  tuos.     Quis  deus  vel  quem  deum  dixit,  ludaee? 
ütiqüe  deus  pater  de  Christo  fiiio  suo,   pro  quo  et  de  quo  re-20 
ceptissimus  prophetarum  Hieremias   dicit:  Hie   est  deus  noster 
et  non   est  alius  nee  aestimabitur  absqiie  illo,    qui  invenit  viatn 
prudentiae  et  dedit  earn  Jacob  puero  suo   et  Israel  dilecto  suo. 
Post  haec  in  terris  visus  est  et  cum  Iwmimbus  conversatus  est. 
Item  in  psalmo  XLV.  dicit:   Vacate  et  videte,   quomam  ego  sum2o 
deus,  exaltabor  in  gvntihus  et  exaltahor  in  terra.     Et  in  psalmo 


1.  talos  om.  V.  —  1.  Et  om.  V.  —  1.  eorum  om.  V.  —  1.  eins  B  . . . 
ipsitis  V.  —  2.  brachiutn  ipsius  om.  V.  —  3.  obcaecabitur  dexter  V.  —  4.  ego 
novissimus  V  (quae  seciintur  om.  V).  —  6.  deos  om.  V.  —  7.  in  om.  B.  — 
8.  vidit  V.  —  9.  Domine^  si  V.  —  9.  accipe  V.  —  10.  refrigera  te  V.  — 
10.  arborem  istam  V,  —  10  sq.  Quod  scilicet  Abraham  videbat  jjraesentiam 
dimnitatis  V,  —  12.  tegmen  credentibus  V.  —  12.  de  quo  propheta  V.  — 
13.  LXXXI.  dicit  om.  V.  •—  14.  discernens  B  ,  .  dliudicat  V.  —  15.  syna- 
yoga  deoriim  V.  —  15.  magnas  om.  V.  —  IG.  LXIV,  B.  —  18.  unxit  B  .. . 
benedixit  V.  —  18.  deus  prim.  om.  Y.  —  18 sq.  prae  participibus  tuis  V.  — 
19.  Qiris  deus  propterY.  —  20.  Christum  dei  f.Uum  Y.  —  21.  est  om.  V.  — 
21.  noster  ora.  V.  —  22sq.  omnem  prudentiam  V.  —  23.  eam  om.  V. 


9    Gen.  18,  4.  —  13.  Ps.  82,  1.  —  1«.  Ps.  45,  7.  S.  —  21.  Baruck  3, 
35—37.  --  25.  Ps.  46,  11. 

Ttxle  tird  Untersuch ungon  I,  3.  2 


18  Die  Altercatio  Simonis  et  Theojihili. 

LXVIL:  Gantate  domino,  psalUte  nomini  eius^  üer  facite  ei,  qid 
ascendit  in  occasimi,  dominus  noitien  est  Uli.  Longum  erit,  ut 
exempla  persequar  pliira;  his  paucis  veritas  conprobatur. 

n,  7.    Sim.:   Recte   quidem  ad  colentes  testimoiüa,   unito 

Sspiritu  fatentes,  ori  tuo  consentientes;  sed  illud  volo  edisseras 

mihi,    siciibi    in    loco    deus    per    sometipsiim    deiim   Christum 

constituit,   tunc  demiim  Christum   deum   et   dei  filium  credere 

cogitabo. 

>  Th.:  Incredule  ludaee,  iam  et  de  prophetis  disputas?  accipe 

10  tarnen  interrogationi  tuae  responsum.  Deus  ad  Moysen  loquitur 
dicens:  Ecce  dedi  te  deum  Pharaoni  et  Aaron  f rater  tuus  erit 
tuus  'projjheta.  Pervide,  hunc  Moysen  typum  Christi  fuisse,  gen- 
tium incredibihum  deum.  Quanto  magis  Christus  credentium 
est  deus?  Sicut  enim  Moyses, populum  de  Aegypto,  de  durissima 

IsPharaonis  Servitute  liberavit,  ita  et  Christus  populum  suum  de 
idolorum  Servitute  et  de  diaboli  potestate  liberavit. 

8.  Hirn.:  Si  ergo  Christus  deus  est  et  dei  fiHus,  quomodo 
ergo  in  Genesi  scriptum  est:  In  lyrinciido  fecit  deus  caelum  et 
terram?  Poterat  utique  dixisse:  In  principio  fecit  deus  pater  et 

20  deus  filius  caelum  et  teiTam. 

Th.:  Erras,  ludaee,  nee  umquam  invenies  veritatem,  nisi 
veritatis  intellegas  originem.  Nam  si  velles  credere,  poteris  et 
in  principio  eins  invenire,  quis  est  Christus,  dei  filius.  Sic  enim 
in  principio,  ait,  fecit  deus  caelum  et  terram,  hoc  est  in  Christi 

25arbitrio  et  ad  eins  voluntatem  et  ad  cuius  imaginem  hominem 


1.  XLVIl.  B,  —  2.  super  occasiim  Y.  —  2.  fi^t  om.  V.  —  2.  erit  B  . . . 
est  V.  —  3.  exemplaria  (ex  exemplar)  B.  —  4.  accoleiif  B  (sed  c  primum 
super  rasur.).  —  5.  fatentes  V  . .  .  fruentis  (ex  fruentes)  B.  —  5.  conseti- 
tientis  B.  —  5.  illo  B'.  —  6.  milii  om.  V.  —  Q.  donunum  B.  —  7.  domi- 
num B.  —  7.  credere  om,  Y.  —  10.  interrogationihus  tuis  V.  —  11.  domi- 
num B.  —  11.  f rater  tuus  Aaron  Y.  —  12.  propheta  fiiusY.  —  12.  Proi- 
vide  nunc  Y.  —  14.  enim  om.  B.  —  14,  de  secujiJum  om.  V.  — 15.  libera- 
vit om.  V.  —  15.  sie  Y.  —  15.  populum  suum  B  . .  .  credenfes  Y .  —  15 sq. 
de  idolorum  Servitute  et  om,  V.  —  19.  Potucrat  Y.  —  19.  utique  om.  V.  — 
19.  dicere  B.  —  19 sq.  fecit  pater  et  dei  filius  Y.  —  22.  velis  Y.  —  22.  poteros 
B2.  —  23.  principium  B.  • —  23.  qui  B,  —  24.  in  principio  om.  V.  —  25. 
voluntatem  eiüs  Y.  —  25.  imaginem  et  similitudinem  nosiram  B, 

1.  Ps.  68,  5.  —  11.  Exod.  7,  1.  .—  IS.  Gen.  1,  1. 


Der  Text  19 

lacere  dignatiis  est;  dicit  enim:  Faciamiis  hominem^  et  rursus 
infra  dicit:  Fecü  deus  hominem  ad  iinaginem  et  simüitudinem  dei; 
'mascidum  et  feminani  fecit-  eos. 

9.  Sim.'.  Potuit  hoc  et  ad  angelos  dixisse. 

Tit.:  Erras,  ludaee!  Cui  umquam  angelorum  dixit  deus:  5 
Filius  tneus  es  tu^  ego  hodie  genui  te?  Et  rursus  in  psalmo 
dicit:  Ponam  'principem  illum^  excelsum  prae  omnibus  regibus 
terrae.  Angelis  autem  iubet,  ut  Christum  adorent.  Et  iterum 
in  Cantico  Deuteronomii  dicit:  Laetamini  gentes  cum  eo  et 
adorent  eum  omnes  angeli  dei.  10 

10.  Sim.:  Proba  mihi  Christum  principem  esse. 

Th.:  lam  dixi;  nunc  accipe  aliam  probationem,  si  poteris 
vel   sie   credere.     Nam  cum  lesus  filius  Nave  staret  trans  lor- 
danem,  vidit  virum  stantem,  et  gladius  utraque  parte  acutus  in 
manu  eins.     Dixit  illi  lesus:   Noster  es  aut  adversariorum'^   At\h 
nie  respondit:  Ego  sum  princeps  militiae  maiestatis  domini. 

III,   11.  Sim.:  Et  hoc  volo  mihi  edisseras,   quomodo  est 
filius   dei  Christus;    nam    et    omnes  sancti  filii   dei  dicti  sunt. 
Proinde  sicut  mihi  probasti  principem  illum  esse,  proba  mihi 
nunc  illum  dei  filium  ex  deo  natum.     Longe  enim  remota  est  20 
divinitas  a  coitibus  humanis  nee  miscetur  conplexui, 

Th.:  Loqueris  quasi  ludaeus.  Nam  Christus  deus,  dei  filius, 
primogenitus,  verbo  editus,  ore  prolatus.  Sicut  enim  deus  in 
principio  cum  hominem  e  limo  terrae  faceret,  flatum  suum  in 
eundem  spiravit,  et  factus  est  homo  in  animam  vivam,  ita  et  25 
verbum  suum,  hoc  est  Christum,  ex  utero  cordis  sui  genuit, 
sicut  in  Basilion  libro  secundo  dicit:  Et  fuit  verbum  domini  ad 
Nathan  prophetam  dicens:    Vade  et  die  servo  Tneo  David:   Non 

1.  dignatus  est  facere  V.  —  1  sq.  et  —  hominem  om.  V.  ■ —  4.  dlcere  B^.  — 
5.  umquam  V  .  . .  enim  B.  —  7.  principem  ponam  V.  — -  7.  omnibus  om. 
V. —  8.  ut  om.  V.  —  9.  Canticum  B^Y.  —  11.  esse  principem  Y .  —  12.  ac- 
cipe nunc  V.  —  12.  potueris  V.  —  14.  virum  vidit  V.  —  14.  acutus  erat 
B2.  —  15.  Dicit  B.  —  15.  aut  B  . , .  an  Y.  —  15 sq.  Ät  ille  respondit  om.  V. 

—  16.  sum  om.  V.  —  17.  hoc  modo  B.  —  18.  dei  om  V.  —  19.  mihi  om,  V. 

—  20.  illum  om.  V.  —  21.  amplexui  Y.  —  22.  deus  filius  Y.  —  23.  prolatus, 
vulvae  incontaminatac  iaculatus  B.  —  24.  eum  homineyn  in  principio  Y.  — 
24.  fecerat  V.  —  25.  spiraverat  Y.  —  25.  et  ita  V.  —  27.  regnorum  ß. 

1.  Gen.  1,  26.  27.-6.  Ps.  2,  7.  Hebr.  1,  5.  --  7.  Ps.  89,  28.  —  9.  Deut. 
.32,  43.  —  15.  Tos.  5,  13sq.  — 18.  Ps.  82,6.—  27.  II  Sam.  7,4.  5.  12—14.  16. 

2* 


20  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

tu  aedificahis  mihi  doinuin  ad  mliahitanduiii^  sed  cum  mpleti 
fuertnt  dies  tut  et  donniens  cum  patrihus  tuis^  excitabo  semen 
tuum  post  tc'j  hie  aedißcahit  domum  nomini  meo^  et  erigam  domum 
illius  usque  in  saecula^  et  cgo  ero  ilU  in  patrem,,  et  ipse  mihi 
h  et'it  in  filium^  et  fides  consequetui'  domum  eius.  Item  in  psalmo 
IL  dicit:  Quare  ft-emuerunt  gentes  et  popidi m editat i  sunt  inania"^. 
Ädstiterunt  reges  terrae  et  popuii  convenerunt  in  unurti  adver sus 
doviinum  et  adcersus  Christum,  eius.  Disrumpamus  vincula  eorwn 
et  2>^'0iciam\is  a  nobis  iugum  tpsorum.     Qui  habitat  in  caelis  in- 

\0  ridebit  eos  et  dominus  sid)sannabit  eos.  Tunc  loquetur  ad  eos 
in  ira  sua  et  in  furore  sito  conturbabit  eos.  Ego  autem  consti- 
tutus  suin  rex  ab  eo  super  Sion  montem  sanctiim  eius ,  praedi- 
cutis  praeceptum  domini.  Domimis  dixit  ad  me:  Filius  nieus  es 
tu,  ego  hodie  genui  te.    Pete  a  me  et  dabo  tibi  gentes  hereditatem 

15  tnaviy  et  posses^ionetn  tuam  terminos  terrae^  reges  eos  in  virga 
ferrea  et  tamquam  vas  ßguli  confringis  eos.  Item  in  psalmo 
XLIV.:  Eructavit  cor  meum  verbum  bonum^  dico  ego  opera  tnea 
regi.  Et  Esaias  dicit:  Consummata^s  quidem  et  breviatas  res 
audivi]   quoniam   verbum   breviatum   faciet  deus   in  omni  terra. 

20  Hoc  est  verbum,  quod  vei'bera  nostra  sanavit^  de  quo  in  psalmo 
GVL  dicit:  Misit  verbutn  suum  et  sanavit  eos.  Item  in  alio 
psalmo  dicens  deus  testimonium  perhibet,  per  prophetam  dicens 
quod  caelum,  de  quo  supra  diximus,  de  Christo  et  in  Christo, 
qui  est  verbum  dei,  fecerit:   Verbb  domini  caeli  solidati  sunt  et 

l^spiritu  oris  eius  omnis  virtus  eormn.  Hoc  est  verbuui,  quod 
velociter  muiidum  perciicurrit  et  animas  errantium  per  legem 
novam  ad  deum  convertit,    de   quo   in  psalmo  CXLVI.  dicit: 


1,  habitatidifin  V.  —  2.  tnf  ad  inhabitandum  B.  —  2.  (t — tuis  om. 
V.  —  2.  suscitaboY,  —  3  sq.  domum  illius  B  . . .  thronutn  eius  V.  —  4  sq. 
erü  mihi  V.  —  5.  fideni  conscqnctur  et  domus  eins  V.  —  5.  Item  B  ...  etY. 

—  7.  Ab  Adstitt.i'unt  usque  16.  confringis  eos  om.  V.  —  18.  Et  om.  V. 

—  18.  consummatur  B.  —  18.  adbretnatas  Y.  —  20.  Hie  est  verbum,  qui 
V.  —  21.  CV.  Y.  —  21.  A  dicit  usque  eos  B  in  marg  —  22 sq.  psalmo 
testimonium  perhibet  propheta  dicens  quod  V  .  .  .  caclmn  {2'd)2>(r  pritphetayn 
dicens  B  ex  dittogr.  —  23.  de  secundum  om.  Y .  —  24.  qui  V  . . .  quod 
B.  —  24.  iirmati  V.  —  25.  Hie  Y.  —  25.  est  om.  B.  --  25.  qui  V.  — 
26.  percurrit  Y.  —  27.  dominum  B.  —  27.  CXLVII.  B,  —  27.  dicit  om.  V. 


C).  Pa.  2,  1—9.  —  17.  Ps.  45,  2.  —  18.  Isa.  10,22.  23.  -  20.  Isa.  53,  4. 
21.  Ps.  107,  20.  —  24.  Ps.  33,  6. 


Der  Text.  21 

Qui  onittit  verhuni  suuin  terrae,  veloclter  currit  verlmm  etv^s.  Et 
Esaias  dicit:  Ecce  verhmn  domiyii  factum  est  Ulis  in  maledictum^ 
et  nolerunt  illml.  Nam  si  velles  lohannem  proplietam  nostrum 
audire  et  prophetico  ore  clamantem:  In  principio  erat  verhum^ 
et  verbuin  erat  apud  deiini,  et  deus  erat  verhnm.  Hoc  erat  in  5 
priTncipio  apud  deum.  Ounnia  per  illuiti  facta  sunt,  et  sine  illo 
factum  est  nihil.  Et  rursus  filius  pari  genere  testimoniuni  reddit 
patri  et  nativitatis  suae  exordia  testatur,  dicens  per  Salomonem : 
Ego  ex  ore  altissimi prodivi jn-imogenitas  ante  omnem  creatuvam. 
Ego  in  caelis  feci^  ut  oriretur  luinen  indeßcipns.  Ego  in  altis  10 
Itubitavi.  et  tlironus  tneus  in  columna  nuhis,  Vides  ergo,  Simon, 
exeuntibus  patribus  tuis  de  Aegypto,  quia  Christus  erat,  qui 
in  columna  nubis  praecedsbat  eos.  Item  illic  in  proverbiis  eius- 
dem:  Dominus  condidit  nie  in  initio  verhörnm  suorum,  in  yrin- 
cipio  in  opera  sua,  antequam  terram  faceret  et  anteqiiam  ahyssos  15 
constitueret  et  antequam  omnes  colles  genuit  me.  Cum  pararet 
caelos  aderam  cum  illo,  et  cimi  secerneret  sedem  suam,  quando 
fortia  fadehat  fimdamenta  terrae,  er  am  simul  cum  illo  dispo^iens. 
Ego  eram,  cui  adgaudebat,  cottidie  autem  adlaefabar  in  faciem 
eius^  cum  laetaretur  orhe  perfecto.  20 

12.  Sim.:  Potest  hoc  pro  sapientia  dictum  esse. 

Th.:  Erras,  ludaee,  et  velamine  ignorantiae  sensus  tuus 
contectus  est.  Non  inmerito  sanctissimus  Moyses  velaminis 
tegmine  faciem  velabat,  quod  velamen  corda  vestra  contexit. 
Accede  proinde  ad  dominum  et  crede  Christum  deum,  dei  filium,  25 
et  auferetur  de  sensibus  tuis  tegmen  ignorantiae.  Sapientiae 
dictum  existimas  ignorans  quoniam  Christus  est  ipse  dei  virtus 
et  dei  sapientia.    Adeo  reges  vestri,  qui  per  successionem  regna- 


1.  verbum  primum  B  . .  .  sermo  V.  —  3.  si  velles  audire  om*  V.  -^ 
3.  prophetam  om.  B.  — 3.  prophefam  iwstrum  loliannem  V.  —  4.  et  om. 
V.  —  4  sq.  In  V  loh.  V.  1 «  praemissum  est  v.  Ib  et  v.  2  deest.  —  6.  illuni 
B  . .  .  ipsum  V.  —  6.  factum  est  V.  —  6.  i2)so  V.  —  10.  altissimis  V.  — 
11.  Simon  om.  V.  —  13.  Ulis  B.  —  14.  m  primum  om.  B.  —  14.  verborum 
B  . .  .  viarumY.  —  15  sq.  faceret  et  ante  omnes  colles  V.  (iiiterposit.  om.). 

—  16.  imtraret  V.  —  17.  caelo  ß.  —  19.  laetabar  V.  —  20.  orbi  V.  — 
21.  dixisse  V.  —  22.  veluti  velamen  V.  —  25.  crede  Christum  deum  om.  V. 

—  27.  ignoras  B.  —  27.  ipse  est  V.  —  28.  Adeo  ut  B. 

1.  Ps.  147,  15.—  2.  lerem.  6,  10.  —  4.  loh.  1,  1—3.  —  9.  Sirach.  24, 
3.  4.  --  U.  Proverb.  8,  22—30. 


22  Diß  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

bant,  non  poterant  sapientiam  et  virtutem  accipere  •  nisi  per 
vocabulum  nominis  Christi  dicerentur.  Huius  rei  auctorein 
DaniJielum  dabo  dicentem:  Signabitur  visus  et  prophetia.  Orie- 
tur  iiistitia  sempiterna  et  xingetxir  sanctus  sanctorutn.  Et  scics 
&  et  mtellcges  ab  exitu  sermonis  in  respondcndo,  et  aedißcabo  Hiv- 
nisaleni  usqiie  ad  Ckristum  reg^tianterriy  a  deo  veniente  Christo 
Christorum  et  rege  reguin  vestrorum;  unctio  Sarnariae  deßciet 
cornu  illud.  De  quo  reges  vestri  ungebantur,  et  omnes  pro- 
pbetae  siluerunt,   quia  de  quo  loquebantur  venit,   sicut  Esaias 

lOait:  Ego  sum  qui  loquebar,  et  veni,  ut  evaiigelizem  vohis.  Proinde, 
ut  diximus,  ipse  est  Christus  Christorum,  dominus  domin orum. 
Auctorem  Esaiam  dabo  dicentem:  Sic  dicit  dominus  Christo  meo 
dondno^  cuius  tenui  dexterain,  ut  exaudiant  eum  gentes:  forti- 
tudinem  regum,  disrumpam^  aperiam  ante  eum  portas  aereaSj  et 

Ib  civitates  non  claudentur.  Et  portas  aereas  aperiam  et  vectes 
ferreos  confringam^  et  dabo  tibi  thesauros  occultos.  Cui  ergo 
tenuit  dexteram  pater  nisi  Christo  filio  suo,  quem  et  omnes 
gentes  exaudiunt,  sicut  in  psalmo  dicit:  Semper  tu  mecum  tenuisti 
manum  dexteram  meam?-    Aut   quae   civitas   illi   clausa  est?   Et 

20  cui  omnes  portae  apertae  aereae  patent?  Aut  numquid  et  de 
nativitate  eins  audebit  disputare,  cum  idem  propheta  dicat: 
Factum  est  verbum  domini  ad  Achaz  dicens:  Pete  tibi  signum 
a  domino  deo  tuo  in  profundum  aut  in  excelsv/m.  Et  dixit  Achaz: 
Non  petain  neque  tentabo  dominum.    Et  ait:  Audite  nunc  domus 

25  David:  Non  pusillu^n  vobis  certamen  erit  cum  hominibus;  et  ideo 


2.  dicerentur  ora.  Y.  —  4.  iustitiae  sem^ternae  B.  —  4  sq.  Et  scies  et  in- 
telleges  Y  ...  Et  Esaias  dicit:  Et  inielleget  B.  —  5.  exitus  B.  —  5.  respon- 
dendum  B.  —  5.  aedificat^s  B.  —  6  sq.  ad  Christum  Christorum  et  regem 
regum  vestrorum  V.  —  7.  regem  Codd.  .  .  .  rege  ex  coniect.  —  8.  De  quo 
B  . . .  Deinde  V.  —  10.  evangelizarem  V.  —  10.  vohis  om.  B.  —  12.  Sic 
om.  B.  —  13.  cui  tenuit  V.  —  14.  aereas  om.  V.  —  15.  Et  om.  V.  —  16.  ah- 
sconditos  V.  —  17.  suo  om.  V.  —  18.  examlieruntY.  —  18.  Tic  mecum  sem- 
per V.  —  20.  apertae  om.  V.  —  20.  patent,  hoc  est  praecordia  singulorum 
fide  Christi  reserataj  qui  doctrina  sua  corda  et  praecordia  reseravit  B  (Scho- 
lion,  ut  vid.).  —  21.  isdem  V.  —  21.  dicat  om.  Y.  —  22.  est  om.  Y.  — 
22.  inqutt  ad  Y.  —  22.  Ächab  B.  —  23.  domino  nostro  B.  —  23.  profun- 
dum inferni  sive  in  excelsum  supra  Y.  —  23.  dicit  B.  —  24.  peto  et  non  Y. 


3.  Dan.  9,  24.  25.  —  10.  Isa.  52,6.  —  12.  Isa.  45,  1—3.  —  18.  Ps.  73, 
23.  —  22.  Isa.  7    10—14. 


Der  Text.  23 

vos  praestahitis  certamen  cum  deo^  quoniam  dominus  dahit  vobis 
Signum :  Eece  virgo  in  utero  concipiet  et  pariet  filium,  et  vocahitur 
nomen  ems  Emmanuhel^  qtiod  interpretaiur  Nobiseutn  deus. 

13.  Sim  :  Ego  prophetis  credo.  Praeterea  Esaiam  receptis- 
simura  accipio;  sed  de  alia  virgine  eum  dixisse  arbitror.  Cum  5 
enim  Salmajiassar  rex  Assiriorum  ducem  suum  misisset  ad  Hieru- 
salem  exprobrare  deum  vivum,  tunc  Esaias  prophetavit  adversus 
Saimanassar  regem  diceus:  >S^rei'2V  te  et  subsannavit  te,  virgo 
ßlia  Sion.     Caput  movit  adversus  te^ßlia  Hierusalem.     Quando 

angelus  de  castris  Assiriornm  centum  octoginta  milia  percussitlO 
in  hoc  fuit  nobiscum  deus. 

21i.:  Erras,  ludaee,  necdum  removes  incredulitatem.  Si 
ergo  liliam  Sion  virginem  dicis,  quem  filium  peperit?  vel  quis 
butyrum  et  mel  manducavifc?  aut  quis  infans  fuit,  qui  priusquam 
cognosceret  patrem  aut  matrem,  spolia  Samariae  detraxit?  aut  15 
quem  filium  de  semine  David  habuit?  Esaias  enim  dicit:  Eece 
virgo  in  utero  accipiet,  et  pariet  filium^  et  vocabitur  nomen  eius 
Eminanuhel;  buiyfum  et  mel  manducabif,  et  priusquam  cognoscat 
puer  vocare  patrem  aut  matrem^  accipiet  vhtuitm  Damasci  e 
spolia  Samariae  contra  regem  Assiriorum.,  20 

14.  Sim.:  Enarra  ergo  mihi  ista  quid  se  habeant,  ut  credere 
possim,  quid  mel  aut  butyrum  intellegitur,  aut  quae  spolia 
Samariae  Christus  acceperit. 

Th.:  Si  removeas  incredulitatem,  au  dies  veritatem,  ne  forte 
in  te  inpleatur  illud  quod  in  psaimo  scriptum  est:  Sicut  aspides  25 
surdae  et  obturantes  aures  suas,   quae  non   exaudiunt  voces  in- 


1.  cuvi  dco  edidi  .  .  .  om.  B  . .  .  cum  hominihus  V.  —  1.  dominus 
deus  V.  —  2.  in  iitcro  om.  V.  —  5.  aliam  virginem  dixisse  V.  —  7.  ex- 
prohrare  V  . . .  praedicarc  B.  —  8.  Sprevit  V  . .  .  Exprueuit  B.  —  9.  Caput 
svum  movet  adversum  V.  —  9.  Quando  etY.  —  12.  nondum  V.  —  13.  Sion 
Htyinem  B  . .  .  lerusaUm  Y.  —  13.  vel  Y  .  . .  ut  B.  —  14.  manducabit  Y. 
—  15.  ut  matrem  B.  —  16.  habuit  B  .  .  .  aluitY.  —  16.  dixit  Y. —  17.  con- 
cipiet B2.  —  18.  comedet  Y.  —  18.  et  secund.  om.  V.  —  19.  puer  om. 
V.  —  19.  m<t  edidi  ...  tel  Y  ...  ut  B.  —  20.  habuit  contra  B.  — 
21.   mihi  igitur  Y.  —  25.  impleatur  in  te  V.  —  25.  in  psaimo  om.  V.  — 

25.  aspidis  B2.  —  26.  exaudiunt  edidi  .  . .  audiunt  V  .  . .  exaudiet  B.  — 

26.  vocem  Y. 

8.  Isa.  37,  22.  —  9 sq.  Isa.  37,  36.  —  16.  Isa.  7,   14.   15;  8,  4.  —  25. 
Ps.  58,  5. 


24  I^iö  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

cantantimtL  Audeuter  etiam  Esaias  adversus  incredulitatem 
vestram  clamat  dicens:  Enint  vobis  verha  lihri  huias  sieut  verba 
lihri  signatiy  quem,  si  dedenris  hotnini  scienti  Utteras  ad  legendura, 
dicit:  Noiipossum.  legere 'y  signatwm  est  entm.    Äut  si  detur  Über 

histe  lionimi  twn  scienti  Utteras  et  dicas:  Lege^  et  djj'et:  Non  didici. 
Priinum  quia  Christus  secundum  nativitatem  infantium  omnium 
buhynim  et  mel  manducavit.  Hoc  credimus  et  sie  iidem  nostram 
ciistodimus ;  et  quia  die  octavo  circumcisus  est.  Butyram  autem 
unctio   Spiritus  intellegitur:   mel  autem  dulcedo   est  doctrinae 

lOeius,  quam  nos  adsequimur  et  sie  fidem  consequimur.  Spolia 
autejii»  Samariae  hoe  genere  detraxit,  quod,  cum  infans  esset, 
munera  a  magis  accepit,  aurum,  tus  et  myiTam;  et  postea  ad- 
ultus  cum  doceret  et  omnem  veritatem  dei  demonstraret,  relictis 
idolis  Samaria  et  Damascus  bene  crediderunt,  relinquentes  Assi- 

lorium,  id  est  diabolum. 

IV,  15.  Slm.:  ßene  quidem  per  omnia  interrogationibus 
meis  patefacis  mjsteria,  et  quia  Christum  deum,  dei  filium,  ore 
dei  prolatani,  verbo  genitum  et  ex  virgine-  natum  probasti. 
Quomodo  ergo  ex  semine  David  in  Bethleem  civitatem  uatum 

20  adseveras  ? 

Th.:  Auetorem  Esaiam  dabo  dicentem:  Exiet  virga  de  ra- 
dice  lesse  et  flos  de  radice  eins  ascendet.,  et  requiescet  super  eum 
Spiritus  dei.  Virga  enim  Maria  virgo  fuit,  quae  ex  semine  David 
processit,  ex  qua  Christus  flos  patriarcharum  secundum  camem 

25nascitur.  Deus  enim,  qui  in  Numeris  signum  fecit,  ut  asina 
loqueretur,  multum  maius  signum  facere  voluit,  ut  Christus  ex 
virgine  nasceretur.  Aut  quid  mihi  et  tibi  esset  certamen,  nisi 
virgo  peperisset? 

16.  Sim.:  Credo  virginem,  ut  dicis,  potuisse  spiritu  conci- 

Sopete.     Agitur  si  virgo  pofcuit  parere. 


1.  etiam  V  .  . .  enim  B.  —  2.  verha  secundum  oni.  V.  —  4  sq.  si  dederis 
non  scffnti  V.  —  5.  et  secund.  om.  V.  —  6.  qiäa  V  .  . .  quidem  B.  —  7.  ßdetti 
B  . . .  vitam  V.  —  8-  octavo  die  Y.  —  9.  est  om.  V.  —  10.  et  sie  ßdem 
conecijuimur  om.  V.  —  13.  dei  om.  V.  —  14  sq.  regem  Assirium  B^.  — •  16. 
interrogationibus  meis  om.  V.  —  17.  deutn  B  ...  etY.  —  21.  dicentem  om. 
V.  —  23.  domini  V.  —  27.  7iisi  ut  V.  —  2S.  pareret  B.  —  29.  potuisse  om. 
B.  —  29.  de  apiritu  V.  —  20. sq.  eonceiyisse  B^.  —  30.  Agitur  etc.  om.  i>. 

2.  Isa.  29,  11.  12.  —  21.  Isa.  il,  1.  2.  —  25.  Num.  22,  28. 


Der  Text.  25 

Th.:  Incredulc,  saxuin  dtius  rumpere  potuit  et  aquam  in 
siccitatem  producere,  quanto  magis  deus  iubere  potuit,  ut  virgo 
partum  ederet!  Et  adhuc  tibi  aliud  ponam  testimoniura,  si  tarnen 
credas  Baruch  Nerei  filio,  qui  in  Babylonia  prophetavit. 

17.  Sim,:  Ergo  me  tarn  infidclem  existimas,  ut  Baruch  dis-  5 
cipulura  Hieremiae  nou  recipiam,  qui  ab  Hieremia  toties  missus 
ad  populum  adlocutus  est,  qui  et  proplietiam  suam  Baruch  con- 
scribere  iussit.  Et  quia  sciebat  Hieremias  illum  prophetaturum, 
adeo  post  Hieremiam  popuio  praefuit  in  captivitate  et  prophe- 
tavit, sed  de  Christo  nihil  meminit.  to 

Th.:  Quomodo  ergo  prope  finem  libri  sui  de  nativitate  eius 
et  de  habitu  vestis  et  de  passione  eius  et  de  resurrectione  eius 
prophetavit  dicens:  Hie  iinctus  meus^  electus  meusj  vulvae  in- 
tiontaminatae  iaculatus,  natus  et  passus  dicitur.  Quoniam  et 
tunicam  illius  desuper  contextam  et  omnia  haec,  Simon,  sil5 
credideris,  aut  cum  veneris  in  plenitudinem  evangeliorum  nostro- 
rum,  inpleta  cognosces.  Quod  autem  in  Bethleem  natus  est, 
audi  Michaeam  prophetani  dicentem:  Et  tu  Bethleem  Inda, 
domus  Ullas  Efratha^  vtoii  erls  exigua,  ut  constituaris  in  milibus 
Inda.  Ex  te  enim  mihi  prodiet^  ut  sit  princeps  in  Israel^  et2Q 
possessio  eius  a  princi/no  et  a  diebus  saeculi. 

V,  18.  Sim.:  Multa  quidem  iegimus,  sed  non  ita  intellegi- 
mus;  proinde  voio  per  singula  quae  te  interrogo  cognoscere 
conprobata  testimonio  veritatis.  Praeter ea  quia  deus  cireum- 
cisionem  celebrari  praeeepit,  quam  primum.  patriarchae  Abrahae  25 
tradidit,  quam  circumcisionem  Christum  habuisse  superiiis  pro- 
fessus  es,  quomodo  ergo  mihi  credere  persuades,  qui  circumci- 
sionem prohibes? 


1.  potuit  rumpere  V,  —  2.  skcüateiuB-  . .  .  societatem  B^  . .  .  sitientem 
V.  —  2.  virgo  adhunc  B,  —  3.  M  oin.  V.  —  3.  dico  aliud  (om.  ponam) 
V.  —  4.  filiitm  Y.  —  4.  Babilonem  V.  —  5.  me  infidelem  iam  V.  —  6.  to- 
ties V.  —  7.  ad  om.  V.  —  8.  sciebat  Y  .  .  .  sevihat  B.  —  8.  illum 
Hieremias  B.  —  8  sq.  prophetaturum^  adeo  post  Hieremiam  ora.  Y  (pergens: 
populum  effusum  in  capitivitatem).  —  11.  i>rope  finem  Y  .  . .  probes  in  B. 
—  12.  eius  piim.,  de  tertium  om.  Y.  —  14.  Et  quoniam  Y.  —  15.  ui  haec 
omnia  Y.  —  16.  ita  cum  B.  —  16.  pleniiudine  Y.  —  18.  luda  om.  Y.  — 
19.  exigua  non  eris  Y.  —  21.  et  om.  Y.  —  23.  ita  volo  B.  —  23.  te  om. 
Y.  —  25.  celebrari  om.  Y.  —  25.  Abrahae  om.  Y.  —  27.  suades  Y. 

1.  Exod.  17.  —  8.  lerem.  51,  59sq.  36,  48q.  —  13.  ?— 18.  Mich.  5,  2. 


26  T^ie  Alteicatio  Simonis  et  TlieoiDliili. 

Th.:  Circumcidere  carnem  proliibemus,  circumcisos  autem 
credere  libenter  liabemus.  Abraham  euini,  priusquam  circiim- 
cideretur,  amicus  dei  effectus  est  per  fidem,  et  iustitiam  adeptus 
est  per  fidem,  non  per  circumcisionem.  Sic  enim  dicit:  Qum 
f) patrein  multarum  gentium  posui  te  ante  dominum,  quia.  credi- 
disti.  Proinde  dicit:  Credidit  Abraham  deo,  et  deptitatum  est  ei 
ad  iustitiam..  Hoc  enim,  priusquam  circumcideretur,  audivit,  et 
postea  circumcisionem  accepit,  ostenden s  duos  populos  ad  fidem 
Christi  venturos,  unum  ex  circumcisione  et  unum  ex  praeputio 
lOventurum.  Nam  si  Christus  circumcisus  non  fuisset,  quomodo 
mihi  hodie  crederes  aut  prophetis,  quod  ex  semine  David  ve- 
niret?  Circumcisio  enim  signum  est  generis,  non  sahitis. 

19.  Sini.:  Ergo  quomodo  filium  Moysi,  cum  esset  in  prae- 
putio, angelus  suffocabat,  nisi  Seö'ora,  mater  eins,  accepto  calculo 
1 5  circumcidisset  puerum?  et  cum  sanguis  immineret,  orabat  dicens: 
Stet  sanguis  circumcisionis  pueri, 

Th.:    Contra   te   loqueris,    ludaee,    nam   et   superius   tibi 

ostendi,  quomodo  Moyses  typum  Christi  fuit,  et  omnia  quae- 

cunque  fecit,    in   imagine  Christi   praecurrebat.     Nam  Seffora 

20  mulier,  quae  puerum  circumcidit,  sinagoga  inteilegitur.    Quod 

autem  dicitur:  Stet  sanguis  circumcisionis  pueri ^  hoc  est,  quod 

adveniente  Christo  restitit  circumcisio  puerorum ;  adeo  deus  ad 

Moysen  sie  ait:   Aedifica  mihi  altare  de  lapidihus  non  circum- 

cisis,  sed  et  ferrum  non  inities  in  eis,  quod  scilicet  adveniens 

25  Christus  ecclesiam  aedificaturus  erat  de  pox)ulo  incircumciso. 

20.  Sim.:  Proba  mihi  Christum  neminem  circumcidisse. 

Th.:  Crede,  et  ipse  tibi  probabis,  cum  coeperis  plenitudinem 

evangehorum  revolvere;  ibi  invenies  Matthaeum  apostolum  publi- 

canum  et  Zacchaeum  principem  publicanorum  et  multos  inve- 


2.  enim  credlmus  B  . .  .  enim  qui  \  ...  enim  ego.  —  2 sq.  circum- 
cisus esset  V.  —  3.  per  fidem  om.  V.  —  4.  Quia  om.  V.  —  5.  posui  B  .  . . 
constitui  V.  —  5.  dominum  B  . . .  deutn  V.  —  5.  quia  V  . .  .  cui  B.  -  - 
6.  reputatumY.  —  M).  venturum  om.  V.  —  13.  filiusB.  —  15.  puernnt  om. 
V.  —  15.  oravit  V.  —  17.  nam  om.  V.  —  IS.  ostendi  om.  V.  —  18.  quo- 
modo B  .  .  .  qnod  V.  —  18.  ti/pum  Codd.  —  18.  fuit  Christi  V.  —  IS.  et 
om.  V.  —  21  sq.  Ab  Jwc  est  usque  puerorum  om.  V.  —  22  sq.  in  Moyscin  V. 
—  23.  ait  B  .  .  .  dicit  V.  —  24.  sed  om.  V.  —  28 sq.  xmhlicanorum  B. 

4.  Gen.  17,  5.  —  G.  Gen.  15,  6.  —  16.  Exod.  4,  25.  —  23.  Exod. 
20,  25. 


Der  Text.  27 

nies  incircumcisos,  qui  cum  ludaeis  crediderunt.  Nam  sicut 
sacrificia  et  hostiae  tauronim  et  liircorum  et  arietum  et  agno- 
rum  iussa  inmolabantur  et  proliibita  siiblata  sunt,  et  populus 
minor,  id  est  noster,  maiori  populo  praelatus,  et  testamentum 
novum  veteri  praepositum,  ita  et  circumcisionem  iam  non  carnis  5 
sed  cordis  celebrare  deus  praecepit.  Dicit  enim  deus  adßebeccam 
in  Genesi:  Duae  gentesin  utero  tuo  sunt  et  duo  popuU  de  venire 
tuo  dicidentur  ^  et  populus  populum  superahit  et  maior  sermet 
minori.  Et  in  Deuteronomio  dicit:  Eritis  gentes  in  caput,  in- 
credulus  autein  populus  in  cauda.  Et  lacob  benedicens  Efremio 
et  Manassem,  inmutans  manum,  dexteram  minori  superponens, 
inmutationem  creaturae  demonstrabat.  Pro  testamento  autem 
novo  sie  dicit  Esaias:  Ecce  facto  nova^  quae  nunc  orientur^  et 
ponam  in  deserto  flumina,  hoc  est  in  ecclesia  evangelia.  Et 
Hieremias  dicit:  Ecc^  dies  veniunt^  dicit  dominus^  et  conswmmaho  \h 
domunt  Israhel  et  domum  luda  testamentum  novum,  non  tale 
testamentum^  quod  disposui  patribus  vestris  in  die  qua  eduxi 
eos  de  terra  Äegypti.  Audi  nunc  de  circumcisione  lator  legis 
Moyses  quid  dicit:  In  novissimis  diehus  circumcidet  deus  cor 
tuum  et  cor  seminls  ad  dominum  deum  tuum  amandum.  Et  20 
Hieremias  dicit:  Viri  luda  et  qui  inhabitatis  Hierusalem,  reno- 
vate  inter  vos  novitatem  et  ne  semioiaveritis  in  spinis.  Circwm- 
cidimini  deo  vestro  et  circumcidite  praeputium  cordis  vestriy  ne 
exeat  ira  mea  et  exurat^  et  non  sit^  qui  extinguat.  Et  ad  lesum 
Nave  dicit  deus:  Fac  tibi  gladios  petrinos  et  nimis  acutos  etih 
sede  secundo  et  circumcide  filios  Israhel.  Numquid  tunc  ferrum 
non   erat?  Sed  dqus  ad  lesum  Christum  nostrum  loquebatur, 

1.  sicut  B  . .  .  8i  saeculi  V.  —  2.  et  prim.  ora.  V.  —  2.  hostias  B.  — 
2.  et  hircorum  om.  V.  —  3  sq.  populum  minorem  id  est  nostrum  B..  — 
4.  populo  om.  Y.  —  6,  deus  prim.  om.  V.  —  6.  einm  om  Y.  —  11.  manus 
Y.  —  13.  novissimo  Y.  —  15.  venient  B2.  —  18.  leyislator  Y.  —  19.  quid 
om.  B,  —  19.  deus  B  . . .  dominus  Y.  —  2!).  amandum  ^  ...  ad  manda- 
tiim  Y.  —  21.  ait  Y.  —  21.  habifatis  Y.  —  22.  inter  vos  B  .  . .  vobis  Y. 
—  22.  novitatem  B  . . .  novale  Y.  —  22.  et  noUte  serere  super  spinas  Y.  — 
22  sq.  Circumcidimini  deo  vestro  om.  B.  —  23.  praeputia  Y.  —  24.  mea  om. 
Y.  —  24.  Et  om.  B.  —  25.  dixit  B.  —  25.  et  prim.  om.  Y.  —  25  sq.  et  sede 
secundo  om.  Y.  —  26.  circumcide  secundo  Y.  —  27.  non  erat  B  . .  .  deerat 
Y.  —  27.  ad  dominum  nostrum  I.  Chr.  Y. 

7.  Gen.  25,  23.  —  9.  Deut.  28,  44.  -  10.  Gen.  4S,  14.  —  13.  Isa.  43,  19.  — 
15.  lerem.  31,  31.  32.  —  19.  Deut.  30,  6.  —  21.  lerem.  4,  3.  4.  —  25.  los.  5,  2. 


28  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

quod  per  apostolum  sunm  spiritaliter  corcla  circumciderit;  adeo 
apöstolus  noster  Simon  dictiis  est  et  postea  Petrus  nomen 
.iccepit. 

21.  Sem.:  Manifestam  quidem  mihi  probatioiiem  per  scripta- 
5  ras  ostendisti,  sed  circumcisio  cordis  quae  esse  potent?  aut  quod 
praeputium  de  corde  circumcidendum  est? 

Th.:  Omnis  concupiscentia  libidinis  de  corde  concipitur, 
proin  de  circumcisio  novi  testamenti  talis  est,  quam  deus  Christus, 
filius  dei,  ostendit,  ut  circamcidämus  nos  libidinem,  avaritiam, 

lOmalitiam,  cupiditatem,  furta,  fraudes,  fornicationem,  et  omne 
quod  tibi  non  vis  fieri,  alii  ne  feceris.  Haec  est  circumcisio 
Christian orum,  quam  et  primi  sanctorum  habuerunt,  scilicet 
Enoch,  Noe,  lob  et  Melchisedech,  qui  non  carnis  sed  circum- 
cisionem  cordis  habuerunt.   Potuerat  autem  deus,  si  vellet,  Adam 

15  circumcisum  formare. 

VI.  22.  Sim.:  Aestuo  vehementi  cogitatione  potuisse  Chri- 
stum tarn  maledictam  et  ludibriosam  sustinere  passionem,  si 
tarnen  vera  sunt,  quae  dicitis,  a  patribus  nostris  crucis  patibulo 
eum  esse  suffixum.    Seimus  plane  Aman  maledictum  a  patribus 

20  nostris  pro  merito  suo  esse  crucifixum,  qui  genus  nostrum  pe- 
tierat  in  perditionem,  in  cuius  mortem  peracta  revoluto  anno 
gratulamur  et  sollemnia  votorum  festa  celebramus,  quae  a 
patribus  tradita  accepimus,  et  Abessalon,  qui  ad  caedem  patris 
patricida  fuit,    pependisse  illum  in  arbore  legimus.     Christus 

25  autem  si  patibulum  mortis  huius  sustinuit  et  in  cruce  pependit, 
cur  non  hoc  ipsum  a  patribus  nostris  accepimus  nee  passum  in 


1.  apostolos  suosY.  —  1.  circumcideret  B.  —  2.  est  om.  V.  —  4  sq.  mani- 
festa  sunt  quae  mihi  osttmUsti  V.  —  5.  sed  B  .  .  .  e^  V.  —  5.  aut  B  .  .  .  cf 
V.  —  7.  libidinis  ^  ...  et  libido  V.  —  7.  de  om.  V.  —  7.  concipitur  Y  ... 
concupiscitnr  B.  —  8.  deus  et  V.  —  9.  filius  cius  B^Y.  —  9.  ut  om.  V.  — 
9  nos  om.  V.  —  10.  fornicationcs  V.  —  11.  fieri  non  vis,  alio  non  feceris 
V.  —  13.  Noe,  lob  \  ...  et  lob  B.  -~  13.  et  om.  B.  —  13 sq.  cordts  dr- 
cumcisionem  V.  —  11.  Poierat  B-.  —  14.  autem  om.  V.  —  14.  si  veUct  om.  V. 
—  16.  Exaestuo  Y.  —  IG.  potui^ise  om.  Y.  —  17.  sustinuisse  Y.  —  18.  nostris 
om,  Y.  —  18.  patibulum  Codd.  —  19.  cum  om.  B.  —  19.  plane  om.  V.  — 
20.  crucifixum  B  .  .  .  suspensum  Y.  —  21.  mortcY.  —  21.  peracta  revoluto 
[annoJY  ...perevoluto  annoB^.  —  22.  ctom.Y.  —  22.  fäctaB.  —  22 sq.  quod  .. 
fraditum  Y.  —  23.  patris  om.  Y.  —  24.  illum  om.  Y.  —  26.  nostris  om.  B. 

19.  Esther  7.  —  23.  11  Sam.  18. 


Der  Text.  29 

scripturis  nostris  iuvenimns,  ut,  utsi  inimicus  genti  nostrae 
esset,  gaiideremus  ?  Erubescere  pofceris,  Theophile,  si  hoc  dictum 
minime  comprobaveris.  Nam  scriptum  est  in  Deuteronomio: 
Maledictus  oranis  qui  pendat  in  Ugno. 

Th.:  Primo  huius  dicti  accipe  rationem.  Recole  superius  5 
Deuteronomii  lectionem,  de  quibus  dictum  est.  Sic  enim  ait 
Moyses:  Si  quis  peccaverit  in  iitdicimn  infiortis^  puniatur  exemplo, 
sitspendetis  eum  in  lifpio;  et  maledictus  erit  omnis  qui  pepen- 
derit  in  ligno.  Sed  hoc  pro  peccatore  dixit,  qui  mortale  pecca- 
tum  admiserit.  Christus  autem  peccatum  non  habuit,  sicutlO 
omnes  prophetae  testantur;  sed  pati  necesse  habuit,  ut  scripturae 
iiiplerentur.  Dicit  enim  Esaias:  Quia  peccatum  non  fecit  nee 
dolus  inventus  est  in  ore  eins;  sed  doinimis  tradidit  illwm  pi'o 
peccatis  nosiris.  Et  alibi  dixisse  prophetam  ostendimus:  Ecce 
verbum  do mini  factum  est  Ulis  in  maledictumy  et  noluerunt  illud.lb 
Et  iterum  dicit:  Inter  maledictos  deptitatus  est.  Audi  et  in  la- 
mentatione  Hieremiam  dicentem:  Christus  dominus  conptrehensus 
est  in  interitum  eorum^  sub  cuius  umhra  vivimus  inter  g&ates. 
Seimus  autem  sanctissimum  David  plenum  annis  in  pace  requie- 
visse  nee  aliquam  passionem  mortis  aut  crucis  sustinuisse.  Audi  20 
ergo  in  psalmo  XXI.  dicentem  Christum:  Effoderunt  manus 
meas  et  pedes  meos^  dinumeraverunt  omnia  ossa  mea,  Ipsi  autem 
consideraverunt  et  conspexerunt  me^  diviserunt  sibi  vestimentum 
meum  et  super  vestem  meam  miserunt  sortem.  Tu  autem ^  do- 
mine, ne  longe  facias  auxilium  tuum,  in  defensione7n  meam  a^pice,  25 


1.  w^  s«  B  . . .  ut  Stent  Y  .  . .  t(t  utsi  edidi.  —  Isq.  inimicum  genti  nostrae 
gauderetnus  affectum  V.  —  4.  omnis  B  . .  .  homo  V.  —  5.  Primum  V.  — 
7.  puniatur  exemplo  V  .  .  .  xmniuntiir  B.  —  8 sq.  et  omnis  qui  pendet  in 
UgnOf  maledictus  erit  V.  —  IK  pro  B  .  . .  r?«  V.  —  'J.  dixit  B  .  .  .  didt  V. 

—  10.  admiserit  B  .  .  .  fecit  V.  —  10.  liahuit  B  .  .  .  fecii  V.  —  11  sq.  scriptura 
impleretur  V.  —  13.  inventus  est  dolus  V.  —  13.  illum  B  .  .  .  eum  V.  — 
14.  iiV  B  .  . .  nam  V.  —  14.  prophetam.  dixisse  V.' —  15.  ülu7n  B.  —  16. 
maledicos  reputatusY,  —  16  sq.  Hieremiam  in  lamentationeY.  —  17.  Hic' 
rusalem  B.  —  17.  Spiritus  vultus  nostri  Christus  V.  —  18.  eoriim  B  . . . 
genfis  nostrae  V.  —  19  sq.  quievisse  V.  —  21.  Foderunt  Y.  —  22.  vero  V. 

—  23.  et  vidervnt  me  V.  —  23  sq.  vesiimenta  mea  V.  —  25.  elongaveris  V.  — 
'2b.  in  B  ...  ad  Y.  —  25.  conspice  Y. 

4.  Deut.  21,  13.  —  7.  Deut.  21,  22.  23.  —  12.  Isa.  53,  9.  6.  —  14. 
lerem.  6,  lü.  —  IC.  Tsa.  53,  12.  —  17.  Thren.  4,  20.  —  21.  Ps.  22,  17—23. 


30  I^iG  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

lihera  de,  gladio  animaTn  meam,  et  de  momu  cams  umcam  meam : 
salvum  me  fac  de  ore  leonis  et  a  cornibus  unicornmni  huinili- 
tatem  Tueam.:  narraho  nomen  tuum  fratribus  tneis,  in  tnedio  eccle- 
siae  laudaho  te.  Item  apud  Esaiam:  K.rpaiuU  manus  meas  ad. 
hplehem  non  credentein^  sed  et  contradicentein  inihi^  qid  amhulahant 
vias  non  honas^  sed  post  peccata  sua.  Item  apud  Hieremiam: 
Venite  mittamus  Ugnuyn  in  panem  eius  et  eradiccnius  a  terra 
vitam  eius.  Item  in  Deuteronomio:  Et  erit  vita  tua  petidens 
ante  ocidos  tuos^  et  tiinehis  die  ac  nocte  et  7ion  credes  vitae  tuae. 

10  Item  in  psalmo  CXVIIL:  Conßge  clavis  a  tlmore  tuo  carnes 
9neas.  Item  in  psalmo  CXL.:  Dirigafur  oratio  mea  sicut  incensuin 
in  conspectuL  tuo  et  elevatio  maauum  meariim  sacrificiimi  vesper- 
timim.  Item  apud  Zachariam:  Et  intuehantur  in  me,  in  quem 
transfixerunt.     Item    in  psalmo    LXXXVIL:     Exelamavi  ad  fe, 

lödo^nine^  tota  die  extendi  manus  m.eas  ad  te.  Item  in  Numeris: 
Nunc  qua^i  homo  deus  suspenditur  et  sicut  filius  Iwminis  minas 
patitur.  Et  in  Canticis  Canticorum  ex  persona  ecclesiae  dicit: 
Frater  nieus  candidus  et  rubens  et  lanceo.  conpunctus  a  militibus. 
Qui  candor  quid  aliud  quam  fidem  populi  demonstrat?  Rubeum 

20autem  passionem  significat.  Ad  hoc  venit  in  primo  adventu 
suo,  ut  omnem  humilitatem  et  deformitatem  usque  ad  mortem 
crucis  ostentaret.  Audi  denique  in  psalmo  XXI.  quid  dicat: 
Ego  autem  sum  v^rmis  et  non  homo,  opprobrium  hominum  et 
abiectio  plebis.      Omnes    qui  conspiciebant  me,    deridebant  me, 

2hlocuti  sunt  labiis  et  moverunt  caput.     Item  illic:   Exaruit  velut 

Isqq.  A  libera  usque  ad  laudaho  te  (v.  4)  om.  V,  pergens:  et  cetera 
quae  trihus  sequentibus  versibus  dicuntur.  —  4.  apud  B  .  .  .  per  V.  —  5.  sed 
om.  V.  —  5.  mihi  om.  V.  —  5.  amhulahant  B  .  .  .  ambulat  Y.  —  7. 
eradamus  a  V.  —  8.  pendcns  vita  tua  V.  —  10  sq.  A  Item  in  usque  ad 
meas  (v.  U)  om.  V.  —  11  sq.  A  Dirigatur  usque  ad  tuo  et  (v.  12)  om.  V. 
—  13.  in  utrumque  om.  V.  —  15.  expandi  V.  —  15.  ad  te  manus  meos 
V.  —  16.  Ifunc  om.  V.  —  16.  e^  B  .  .  .  neque  V.  —  18.  rubicundus  V.  — 
18.  et  secund.  om.  V.  —  19.  Qui  edidi  ...  quod  B^  (eras.  B2)  ..  quae 
V.  —  19 sq.  Roheum  autem  B  .  .  .  rubor  enim  V.  —  2U.  Ad  hoc  venit  in  B 
.  .  .  In  hoc  enim  V.  —  21  sq.  mortem  crucis  ostentaret  B  .  .  .  mortem  suMtinerct 
V.  —  22.  quid  dicat  om.  B.  —  24.  qtii  conspiciebant  B  .  .  .  videntes  V.  — 
24.  deriserunt  V.  —  25.  Aruit  tamquam  V. 

4.  Isa.  65,  2.  —  6.  lerem.  11,  19.  —  8.  Deut.  28,  60.  —  10.  Ps.  119, 
120.  —  11.  Ps.  141,  2.  —  13.  Zach.  12,  10.  —  14.  Ps.  88,  10.  —  16.  Num. 
23,  19.  —  18.  Cant.  5,  10.  —  23.  Ps.  22,  7.  8.  —  25.  Ps.  22,  1«. 


Der  Text.  31 

testa  virtiis  weuj  et  Uwjv.a  Ttiea  adhaesit  fancihus  nieiSy  et  in 
■pulverem  mortis  dediixisti  me.  Item  in  psalmo  LXVIIL:  Placehit 
domino  siipar  vitidtmi  novellum  coniua  producenteTii  et  ungulas. 
Quid  dicis,  ludaee,  numquid  David  cornutus  fuit?  Age  nunc 
intellege  botrum  illum  in  Numeris,  quem  de  terra  repromissionis  5 
in  palanga  duo  vectaiites  reportabant;  quod  utique  figura  fuit 
Christi  pendentis  in  ligno,  adveniente  de  terra  repromissionis, 
id  est  de  Maria,  quae  ex  genere  terreno  fuit.  Subvectantes 
autem  palangam  duorum  populorum  figuram  ostendebant:  unum 
priorem,  scilicet  vestrum  terga  A^ersum  Christo  dantem,  aliumio 
vero  posteriorem,  botrum  respicientem,  scilicet  noster  populus 
intellegitur. 

23.  St,)i.:  Quid  de  malagranatis  dicturus  es,  quae  ad  Moysen 
adlata  sunt  et  cum  eodem  botro. 

Th.:  Rectissime  malagranata  botrum  secuta  sunt.    -Figura  15 
scilicet  ecclesiae  fuit  habens  intra  se  populum  rubeo  sanguinis 
Christi  censitum. 

24.  Sim.:   Quid  de  iiculneis  dicturus  es,   vel  quibus  argu- 
mentis  tractatibus  tuis  probabis  ficum  peccatum  non  esse,  cum, 
quando  protopiastus  Adam   in   transgressione  fuit ,    folia  ficus  20 
pudenda  contexit,  quod  fuit  prurigo  et  amaritudo  peccati? 

Th.:  Supra  cutem  istam  intellegis,  ludaee,  nam  arbor  ficus 
et  tegmen  foliarum  veteris  hominis  figura  intellegitur.  Nam 
si  velles  spiritalem  hominem  considerare,  hoc  est  interiorem, 
pomum  de  ficulneis  ad  Moysen  de  terra  repromissionis  adlatum  25 
invenies  spiritalem  vitam,  sicut  Ezechiae  regi  ludaeae  post 
augmentum  vitae  suae  potissimum    medicinae    massa    ficus  in 


« 

2.  me  om.  V.  —  2.  in  psalmo  LXVIIL  B  .  .  .  ülic  V.  —  2 sq.  Placebo 
domino  V.  —  3.  procudentem  B.  —  4.  erat  V.  —  5.  botrum  B  .  . .  racemum 
V.  —  5.  In  terra  V.  —  6.  in  jmlanga  om.  V.  —  6.  vectentes  V.  —  7.  ad- 
veniens  V.  —  9.  -phalanguam  Y.  —  11.  botrum  B  .  .  .  racemum  V  (hie  et 
in  al.  loc.).  —  1 3.  malagranatis  edidi  .  .  .  malagranatas  B  .  .  .  malagranata 
V.  —  14.  et  om.  V.  —  16.  rubore  V.  —  17.  censetum  B.  —  20.  transgres- 
sionem  B.  —  20.  fuit  B^  (evanuit  ßi)  .  .  .  sua  V.  —  21.  contexit  pudenda  V.  — 
22  sq.  arborem  ficus  et  foliarum  tegmen  V  . ., .  arbor  ficus  et  tegumenta 
foliarum  B.  —  26.  spiritalem  vitam  B  [at  ante  spirit,  add.  B^)  .  ,  .  spiri- 
taliter  V.  —  26.  ludae  V.  —  27.  potissimum  medicinae  om.  V.  —  27.  fici  V. 

2.  Ps.  69,  32.  —  5.  Num.  13,  24sq. 


32  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Sanitätern  cariiis  suae  fuisset;  suffecerat  enim  deo  dixisse:  Ad- 
diti  sunt  tibi  ad  tem^iis  vitae  tuae  anni  XV.  Adiiiii^it  dicens: 
Accipe  tibi  massarti  ßcus  veter em,  et  catapla.s'niare j  et  somabenSy 
ut  scilicet  confractus  inpetu  libidinis  sanitatem  recipias.  Rever- 
5  tamur  nunc  ad  liumilitatem  primi  adventiis  Christi,  de  qua 
agebamus.  Audi  Esaiam  proplietam:  Deusy  (jvis  credidit  auditui 
nostrOf  et  brachiurn  doviini  cui  revelatum  esti-  Adriuntiavirnus 
de  eo;  sicut  puer  infans  non  est  species  eiiis  neqiie  Ivonor,  e* 
vidimus  euinj  et  non  liabuit  speciem  neqae  decorem:  homo  in  plaga 

10  constitutus  et  scie'iis  ferre  mfirndtatem ,  (pxia  aversa  est  facies 
eiuSy  deprcciatus  est  nee  conputatus  est.  Hie  peccata  nostra  por- 
tavit  et  pro  nobis  in  doloribus  est.  Ipse  autem  quod  male  tractatus 
est,  sicut  Ovis  ad  victiinani  ductus  est  et  sicut  afpius  coram  ton- 
dentei  se  niutus^  sie  non  aperuit  os  suum;  in  laimilitate  iudicium 

15  eins  s^iblatuni  est,  nativitatetn  autem  eius  quis  enarrabit'i-  quioj 
tollitur  a  terra  vita  eiuSj  a  facinoribus  populi  mei  adxluctus  est 
in  mortem^  et  non  dabo  malignos  pro  sepulfura  eias,  quia  pecca- 
tuni  non  fecit  nee  dolus  inventus  est  in  ore  eias',  sed  dominus 
tradidit  euni  pro  peccatis  nx)strisy  et  inter  iniquos  deputatus  est. 

20 Item  illic  de  humilitate  primi  adventus  eins  testatur  dicens: 
Pos^ui  dorsum  7neum  ad  ßayella^  maxillas  autem  mea^  ad  polmas, 
fadem  autem  meam  non  averti  a  foeditate  sputorum^  et  fuit  do- 
minus adiutor   mens.     Et  Hieremias  dicit:    Ego    sicut  ocis  ad 


1.  satiitateB.  —  1.  fui.9set  ego  (textum  conniptum  vix  sanavi)  . .  .  ac- 
cepisset  B  .  .  .  accepisse  V.  —  1  sq.  A  suffecerat  usque  ad  anni  XV.  om.  V. 

—  2.  Ädiungens  et  dicens  V.  —  3.  veterem  B  .  .  .  terrae  V.  —  4.  con- 
fracfus  hipetu  B  .  .  .  confraciis  impietatihus  V.  —  5.  humüitatem  Cliristi 
et  achcntiis  eius  V.  —  5.  (jcoY.  —  6.  audies  Isaiani  dicentem  V.  —  6.  Dens 
B  .  .  .  Domine  Y.  —  7.  Adnantiahimns  B.  —  8.  ^)'«rr  om.  V.  —  '8.  est 
om.  V.  —  8.  elus  "B  ...  ei  V.  —  8.  honor  B  .  .  .  öccor  V.  —  9.  habehat 
V.  —  9. sq.  plaga  positns  et  qui  seit  inßrmitales  suslintrt  V.  —  10.  adversata 
V.  —  11.  dipreriato  V.  —  11.  cowputata  sine  est  V.  —  12  sq.  Ab  Ij^se  usque 
ad  est  primiim  (v.  i:',)  cm.  V.  —  J3.  victihiam  B  .  .  .  occiaionpm  V.  — 
l;)sq.  tuudcnte  B.  -  14.  mutns  om.  V.  —  W.liHmUitatem  B. —  16.  tcllttur 
V.  —  16.  facinoribus  populi  >ne/ B  .  .  .  mallgnis  i^l^bis  meaeY.  —  17.  non 
dabo  malignos  pro  sepultnra  eins  B  ...  dedi  divites  pro  morte  eins  Y.  — 
19.  trndidit  B  ...  voluit  iradcre  Y.    —  X^.reputatusX.  —  22.  autem  oin.  V. 

—  22.  foediiaii  Y  .  .  .  fidehlafe  B'  .  .  .  covfn^ione  \P. 


1.  Isa.  •6\  5.  —  2.  Isa.  38,  21.  II  Keg.  20,  7.    -  6.   Isa.  53,  1—12.  — 
21.  L^a.  50,  6.  7.  ~  23.  lerem.  11,  \\}. 


Der  Text.  33 

victimam  ductus  surn  et  nescieham.  De  quo  agno  in  iznaginem 
Ghristi  Moyses  in  Aegyptö  pascha  celebravit  et  in  liberationem 
populi,  nee  aliter  poterat  populus  de  domo  servitutis  et  de 
pressura  Pharaonis  liberari,  nisi  agnus  occideretur  et  pascha 
celebraretur  et  de  sanguine  eins  limina  domns  signarentur,  ut  5 
cum  venerit  angelus  ille  vastator,  viso  signo  sanguinis,  qui  in 
domibus  erant  salvarentur.  Quod  sacramentum  ante  praedictum 
adventum  Christi  inpletum  est.  Pro  hoc  enim  in  primo  ad- 
ventu  suo  Christus  occisus  est,  ut  nos  de  potestate  diaboli  et 
de  idolorum  cultura  liberaret.  Anniculus  autem  dictus  est,  10 
quia  postea  quam  intinctus  est  in  lordane,  annum  praedicavit 
et  sie  passus  est,  et  sanguine  eius  fronte  signati  censemur,  ut 
in  secundo  adventu,  cum  venerit  vastatio  mundi  istius,  salvi 
esse  possimus.  Huius  rei  auctorem  Ezechielum  prophetam  dabo, 
qui  et  ipse  duos  adventus  Christi  significat  dicens:  Transi\h 
mediam  Hierusalem,  et  notahis  Signum  in  frontibus  virorum 
dolentium  et  gementium  oh  iniquitcutes  qa/xe  fiunt  in  terra]  secun- 
dum  adventum  vastationem  non  signatorum  dicens:  Ite  in  civi- 
tatem  et  nolite  parcere  seni  neque  luveni^  et  mulieres  et  parmdos 
occidite  gladio  et  deleantur;  super  quos  auteni  Signum  invenentis,  20 
ne  ietigeritis  eos,  et  a  sanctis  meis  incipite.  Hoc  signum  et 
Raab  meretrix,  quae  in  figura  eeclesiae  fuit,  coccum  et  spartum 
in  fenestra  suspendit,  ut  cum  lesus  veniret  Hierico  debeilare, 
viso  signo  coccini  üaab  et  qui  in  domo  eius  essent"  salvarentur. 
Ita  et  in  adventu  Christi  cum  venerit  Christus  filius  dei  8aecu-25 
lum  istum  igni  cremare,  ecclesia,  et  qui  in  ea  fronte  signati 

i.  quo  quidetn  V.  —  2.  apud  Aegyptum  V.  —  2.  et  om.  Y.  —  3.  pö- 
tuerat  B«.  —  3.  dei  de  dotno  V.  —  S.  et  Y  , , .  mit  B.  -—  6.  ÜU  €>m.  V.  — 
6.  signo  B  . .  .  agno  V.  —  6  sq.  qui  et  erant  om.  V.  —  8.  Pro  B*V  . . .  propter 
B2.  —  9.  Christus  om.  V.  —  9  sq.  liberaret  de  diab.  pot-est.  et  de  idoL  cult. 
V.  —  11.  tincius  V.  ~r  12.  signati  om.  B.  —  14.  Post  possimus  B  pergit*. 
ut  angelus  ille  vastator  viso  signo  sanguinis  in  domo  salvarentur. —  14.  Huius 
om.  B.  — -  16.  per  mediam  Y,  —  10,  notahis  B  . . .  da  Y^  —  17.  ab  iniqui- 
tate  quae  fit  Y.  — ^  17  sq.  M  rursum  secundum  adventum  significat  Y.  — 
19  sq.  et  mulierihus  et  parvulis  nolite  parcere  gladio  Y.  —  21.  nee  ietigeritis 
et  sanctis  meis  nolite  parcere  Y.  —  21.  et  om.  Y.  —  23.  pependit  Y.  — 
23.  lesus  Nare  Y.  —  23.  deviUare  B.  —  24.  coccineo  Y.  —  25.  venerit  B 
. . .  venire  coeperit  Y.  • —  25  gq.  secundum  saeculum  Y.  —  26.  ex  igne  Y.  — 
26.  eeclesiae  Y. 

l8q.  Exod.  12. —  15.  Ezech.  9,  4.-18,  Ezech.  9,  5.  6.  — 21  sq.  los.  2. 

Texte  and  U/ttersuchuageu  I,  3.  3 


34  I^ic  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

inventi  faerint,  salvabuntur.  Sicut  Osee,  qui  typum  Christi  fuit, 
iubetur  accipere  uxorem  fornicationis,  hoc  est  ecclesiam,  quam 
de  fornicatione  idolorum  Christus  accepit.  Dixit  dominus  haec: 
Occupa  tibi  uxorem  fornicationis y  hoc  est  de  fornicatione  ido- 
ölorum  illam  accepit,  quoniam  initium  fornicationis  idolorum 
servitus. 

25.  8im.:  Ergo  ecclesia  fomicaria  est? 
Th.:  Quid  enim  interpretatur  fornicaria,  nisi  omnibus  ad- 
venientibus  subiecta  sit?  Sic  et  ecclesia  omnibus  advenientibus 

10  ad  se  quaestum  fidei  nulli  negat.  Repudiata  enim  sinagoga 
adsamsit  sibi  Christus  ecclesiam.  Audi  enim  Hieremiam  dicen- 
tem:  Dimisi  matrem  vestram  et  dedi  ei  libellum  repudiij  quod 
d.edi  matri  vestrae,  quod  dimisi  eam.  Et  alius  propheta  dicit: 
ludicamim  ad  matrem  vestram,  quia  non  sum  vir  eiurS.    Hie  est 

15  enim  Christus  filius  dei  iustus,  de  quo  et  Salomon  in  persona 
ludaeorum  propheta vit  diceos:  Oircumveniamus  ergo  iustum, 
quia  inutilis  est  nohis  et  contrarius  est  operibus  Twstris,  et  in- 
properat  nobis  peccata  legis,  diffamat  in  nos  peccaia  disciplinae 
nostrae;  prmaittit  scientiam  dei  se  habere  et  ßlium  dei  se  nominat; 

20  et  f actus  est  nobis  in  traductionem  eogitationum  nostrarum;  gravis 
est  enim  nobis  etiam  ad  videndum,  quoniam  dissimilis  est  aliis 
viia  illius  et  inmutatae  sunt  viae  illius;  tamquam  nugaces  aesti- 
mati  sumv^  ab  ülo  et  continet  se  a  viis  nostris  quasi  ab  imnun- 
ditiiSf  et  pfaefert  novissima  iusiorum  et  gloriatur  patrem,  deum 


1.  inventi  om.  V.  —  1.  Sicut  B  ,  . .  Sic  et  Y.  —  1.  typum  Codd.  — 
1.  fuit  B  .  .  .  tenuit  V.  —  2.  iuhet  V.  —  2.  fornicariam  V.  —  3  sq.  A  Dixit 
usque  ad  accepit  om.  V. —  3.  Post  haec  repet.  dixit  B.  — ö.  quia  Y.  —  5.  ast 
idolorum  V.  —  8  sq.  venientihas  V.  —  9.  A  subiecta  usque  ad  advenienti- 
bus om.  V.  —  10.  negat  B  .  . .  denegare  Y.  —  12.  ei  B  ...  Uli  Y.  — 
13.  quod  B  . . .  quia  V.  —  14.  eins  om.  Y.  —  15.  enim  B  . . .  etiam  Y.  — 
15.  Christus  -filius  dei  iustus  B  .  . .  dei  virtus  Christus  Y.  —  15.  et  om.  Y. 
—  16.  ergo  om.  Y,  —  17.  quoniam  Y.  —  17.  inutilis  est  nobis  et  om.  Y.  — 
17.  EtB  . .  r  enim  (post  inproper at)  Y.  —  18  sq.  peccata  nostra  et  discipli- 
nae nostrae  Y.  —  19  sq.  usque  ad  p.  35  v.  7  {sermonibus  ipsius)  fere  omnia 
om.  Y  exceptis  verbis:  Filium  dei  se  nominat,  indeamus  si  sermones  illius 
veri  sint:  morie  turpissima  condemnemus  cum.  Erit  enim  respectus  ex  ser- 
monibus nostris  vel  eius,  Si  enim  est  verus  filius  dei,  snscipiet  eum  de 
manu  contrariorum. 


4.   Osee  1,  2.  —   12.  lerem.  3,  8.  —  14.  Osee  2,  2.  —   16.  Sap.  Sal. 
2,  12—22. 


Der  Text.  35 

se  habere^  et  ßliurn  dei  se  noiainat.  Videamus  ergo  si  sermones- 
ülius  veri  sunt,  et  temtemus  quae  Ventura  sunt  illi^  et  sciamus 
quae  erunt  novisstma  ülius;  si  envtn  verus  dei  filius  estj  suscipiet 
illum  et  Uberabit  illuirt  de  manibus  contrariorum ;  contamelia  et 
'tormento  interrogemus  illunriy  ut  sciamus  reverentiam  illius  et  5^ 
probemus  po,tientia7n  ipsiiis]  morte  turpissima  cmidemnemus  illwm. 
Erit  enim  respectus  ex  sermonibus  ipsius.  Haec  cogitaverunt  et 
erraverunt:  excaecavit  cnini  illos  malitia  ipsorum  et  nescierunt 
sacramenta  dei.  Et  Moyses  in  Deuteronomio  dicit:  Innoeentem 
et  iustum  non  occides.  Surrexisse  illum  a  mortuis  scripturae  10 
testantur;  invenimus  in  psalmo  XV.:  Quoniam  non  derelinques 
aniTnani  meam  in  inferno,  neque  dabis  sanctum  tuum  videre 
corruptionem.  Notas  fecisti  mihi  vias  vitae,  adinplebis  nie  laetitia 
cum  vultu  tuo.  Item  in  psalmo  XXIX.:  Domine^  eduxisti  ab  in- 
feris  aniirnam  meam.  Item  in  psalmo  IIL  dicit:  Ego  dormivi  etlb 
somnum  coepi  et  exs^arrexi^  quoniam  dominus  suscipiet  me.  Et 
O^ee  testatur  illum  a  mortuis  tertio  die  resurrexisse  dicens: 
Vioificabit  nos  post  triduum  in  die  tertia.  Item  ad  Moysen  do- 
minus in  Exodo  dicens :  Descende  et  testare  populo  et  purißca 
illos  hodie  et  cras,  et  Ixivent  vestimenta  sua  et  sint  pavßti  ini^ 
tertia  die.  Tertia  enim  die  apparuit  dominus  in  monte  Sina 
et  lonas  ad  praedicationem  Ninnevitis  ut  mitteretur;  qiiod 
tjpum  Christi  demonstrabat,  quod  post  triduum  de  ventre  coeti, 
qui  infernus  fuit,  exiturus  esset.  Et  Esaias  dicit:  Nunc  exsur- 
ga'frij  nunc  clarificabory  nunc  videbitis^  nunc  eruhescetis:  iiana  25 
erit  fortitudo  spei  vestracy   ignis  vos  consumet.     Et  in  psalmo 


7 sq.  et  erraverunt  ora.  B.  —  8.  enim  illos  Iß  .  .  .  eos  V.  —  8.  ipso- 
mm  B  . .  .  eorum  V.  —  10.  autem  illum  V.  —  10 sq.  scriptura  testatur  in 
psahno  dicens  V.  —  12.  7t'ec  V.  —  13.  mihi  fecisti  V.  ■ —  15.  ///.  dicit  B 
.  .  .  indicit  V.  —  16.  quia  V.  —  17.  Osee  om.  B.  —  17.  A  testatur  usqiie 
ad  dicens  om.  V.  —  18.  Vivificavit  B  —  18.  post  duos  dies  et  die  tertia 
susdtabit  nos  V.  —  18.  Item  B  . .  .  EtY.  —  19.  dicens  om.  V.  —  19.  Des- 
cende inquii  Y.  —  19.  testiflcareY.  —  19.  populumB.  —  20.  hodie  et  cras 
om.  V.  —  20.  et  lahent  B  .  .  .  ut  levent  V.  —  21  sq.  A  Tertia  usque  exi- 
turus esset  (24)  om.  V.  —  24.  dicit  om.  Y.  —  24.  exsurgam  dicit  dominus 
Y.  —  25.  videtis  nunc  eruhescitis  Y.  —  20.  fortUudo  B  .  .  .  formido  Y.  — 
26  sq.  Ab  Ec  in  psahno  usque  ad  clatisit  (p,  36  v.  4)  om.  Y. 

9.  Exod.  23,  7.  —  11.  Ps.  16,  10.  11.  --  14.  Ps.  30,  4.  —  15.  Pa.  3,  6. 
—  18.  Osee  6,  2.  —  19.  Exod.  19.  10.  11.  ~  22.  Jona  1.  2.  —  24.  Isa.  33, 
10.  11. 

»  3* 


36  I^iß  Altei'Cfttio  Simonis  et  TheophilL 

LXXVn.  dicit;  Et  exsurrenoit  tamquam,  dornuens  dominus  et 
tamquam  2^otens  crapulatus  a  vino.  Quod  vinum  passionem  eius 
demonstrat.  Nam  et  in  passione  ems  ab  hora  sexta  usque  in 
horam  nonam  tenebrae  factae  sunt;  nox  diem  clausit,  dicente 
5  Arnos  propheta:  Occidet  aol  meridie  et  ohtenebrabitur  dies  lucisy 
et  convertam  dies  f es  tos  vestros  in  luctum  et  omnia  cantica  vestra 
in  lamentationem.  Et  Hieremias  dicit:  Exterrita  est  quae  partt, 
taedium  tenuit  anima  eius;  occidit  sol,  cum  adhuc  dies  est^  con- 
fusa  est  et  maledicta;  reliquos  eoi'uni  in  gladium  dabo  in  corv- 

lOspectu  inimicorum  eorum,  Quod  autem  post  resurrectionem  i§ 
caelos  ascendit  et  ad  dexteram  patris  sedet,  scripturae  omnes 
testantur,  dicente  in  psabno  LXVIL;  Iter  facite  ei  qui  ascendit 
super  occasufHy  dominus  nxyinen  eM  HH,  Turbahuntur  a  fade 
eiusy    patris  orfaTuyrum   et  iudicis  viduai'um.    jtem  in  psalmo 

15  XL  VI.  t  Ascendit  deus  in  iudilatione,  et  dominus  in  voce  tuboAi. 
Item  in  psalmo  XVIII. :  A  summo  cae-lo  egressio  eius,  et  occursus 
eius  usque  ad  sum,mwn  caeli,  et  non  est  qui  se  ohsco^idat  a  ca- 
lore  eius.  Lex  domini  inmaculata  convertens  anima^.  Item  in 
psabno  XVII.:  Inclinavii  caelum  et  descendit,  et  caligo  sub  pe- 

2i)dibu8  eius,  et  ascendit  super  Gherubin  et  volavit  super  pennas 
veiitorum  et  posuit  tenebras  latibulum,  suum;  prae  fulgore  in 
conspectu  eius  nubes  transieruntf  grando  et  carbones  ignis;  et 
intonuit  de  caeh  dominus,  et  altissimus  dedit  vocem  suaiii',  misit 
de  sum,mo  et  acc^it  me  et  liberavit  me  et  eripuit  me  ah  inimaicis 

2hmeis  potentissimis  et  ab  his  qui  oderunt  me»  Et  Esaias  dicit: 
Quis  est  hie  qui  venit  ex  Edom  dominus^  rubor  vestimentorum 


4 sq.  dicente  Arnos prophetaB  . , .  et  de  morte  ipaiusY.  —  6 sq.  et  am.  cant. 
vest.  in  lamen.  om.  V.  —  7 sq.  Ab  Exterrita  nsque  ad  «ms  om.  V.  —  8.  sol 
om.  V.  —  8.  estB  ...  esset  V.  —  8 sq.  A  confusa  usque  ad  psalmo  LXVIL' 
(v.  12)  om.  V  (scribens:  Quod  autem  in  codos  ascendit  testatur  David  in 
psalmo  LXVL).  —  9.  gladio  B.  —  10  sq.  in  caeUs  B.  —  12.  Iter  inquit  V. 

—  13.  est  om.  V.  —  13.  A  Turhabuntur  usque  ad  trlduarum  (v.  14)  om. 
V.  —  14.  patres  B\  —  14.  iudices  BK  —  14  sq.  psalmo  XLVIL  B  ...  XL  VI. 
V.  —  15.  et  om.  V.  —  16.  psalmo  om.  V. —  lüsq.  et  occurs.  eius  ttsque  ad 
sum.  caeli  om.  V.  —  17.  nee  est  qui  se  abscondii  V.  —  18  sq.  A  Lex  us- 
que ad  veritatem  (p.  87  v.  2)  om.  V.  —  19.  discendit  B.  —  20.  volavit 
bis  scripsit  B. 

1.  Ps.  78,  65.  —  5.  Arnos  8,  9.  10.  —  7.  lerem.  15,  9.  —  12.  Ps.  68,  5.  6. 

—  15.  Ps.  47,  6.  —  16.  Ps.  19,  7.  8.  —  19.  Ps.  18,  10—18.—  26.  Isa.  63,  1. 


Der  Text.  37 

ex  Bosor,  sie  praeclartis  in  stola  et  molentus'^  Et  ex  persona 
Christi  respondetur:  Ego  disputo  iudiciwm  et  adiiuntio  verüatertu 
Item  in  psalmo  XXIII.  ascendente  Christo  in  caelos  ianitoribus 
angelis  dictum  est:  TölUte  portas  principts  vestri^  et  elevammi 
portae  aetemales,  et  introibit  rex  gloriae.  At  illi  qui  nesciebant  5 
Christum  verbo  in  yirginem  insinuatum,  mirantes  quod  tali 
habitu  et  trophaeam  victric-em  reportans  caelum  conscenderet, 
interrogant  dicentes:  Quis  est  iste  rex  gloriae^  Quibus  respon- 
sum  datur:  Dominus  virtutuip,  ipse  est  rex  gloriae.  Item  in 
psalmo  CIX.:  Dixit  dominus  do'mino  meo:  Sede  od  dexteraml^ 
rneam,  dorne  ponam  inimicos  tVLOs  scabellum.  pedum  tuorum.  Vir- 
gam  virtutis  tuae  emittit  dormnus  ex  Sion,  et  dominare  in  meddo 
inimtcorum  tuorum,  Tecum  pmncipio  in  die  virtutis  tuae,  in 
splendore  sanctarum;  ex  utero  ante  lucifervm  genui  te,  luravit 
dominus  et  non  paenitebit  eum:  Tu  es  sacerdos  in  aetermim  secun- 15 
dum  ordinem  Melchisedech^  dominus  a  dsxteris  tiiis,  Audi  nunc 
et  de  claritate  regni  secundi  adventus  eius  apud  Danihelum: 
Videbam  nocte  in  visu,  et  ecce  in  Tmhibus  caeli  quasi  fiUus  ho- 
minis, veniens  veiiit  usque  ad  veter em  dderum,  et  data  est  ei 
potestas  regia;  omnes  reges  terrae  per  genus  et  omnis  claritas^^ 
servient  ei^  et  fides  eius  aetemaj  quae  non  movetur,  et  regnum 
eiV'S  non  corr^mpefur.  Item  in  psalmo  XCIL:  Dominus  regnavit, 
decorem  induit,  induit  dominus  fortitudinem  et  praecinxit  se 
virtutem.  Etenim  confirmavit  orbem  terrae ,  qui  non  movebitur, 
Parata  eM  sedes  tua,  ex  illo  saeculo  tu  es.  Et  in  psalmo  XLIX:25 
Deus  deorum  dominus  hcutus  est  et  vocavit  terram.a  solis  ortu 
usqtie  ad  occasum^  ex  Siön  species  decoris  eius,  Deus  maiufeste 
veniet,  deus  noster,  et  non  silebü.  Ignis  in  conspectu  eius  ardehity 
et  in  circuitü  eius  tempestas  valida.  Vocabit  caelum  sursum  et 
terram^  discei-nere  populum    suum,.      GoUigite   Uli  sanctos  eius,^0 

3.  psalmo  XXUl.  B  . . .  XXIV.  V.  --  3.  eoelis  ßi.  —  4.  principis  B^ 
.  . .  prmeipes  VB^.  —  4.  vestri  B  . .  .  vestras  V.  —  5.  sciebant  B.  —  6.  vei'- 
bum  V.  —  7.  trophea  B.  —  7.  ctscenderet  V.  —  8.  dicentes  om.  V.  —  lo. 
pgalmo  om,  V.  —  10  sq.  a  dextris  meis  V.  —  118<1'  A  tuorum  usque  ad 
dexteris  tuis  (v.  16)  om.  V.  — ^  1^,  principium  B*.  —  16  sq.  Audi  nun^  et  om. 
V.  —  17.  regni  sui  B.  —  2ü.  omnes  reg.  ter.  per  gen,  om.  V.  —  "li^serviet 
V.  — 21.  movfhitur  Y.  —  22  sq.  Ab  Item  in  usque  ad  et  iustitiam  (p.  38 
V.  5)  om.  V.  —  29.  vocavit  B.  —  30.  discerneret  B. 

4.~P8r24,  7.  —  8.  Ps.  24,  8.  10.  —  10.  Ps.  110.  —  18.  Dan.  7,  13. 14. 
—  22.  Pa.  93,  Isq.  —  26.  Ps.  50,  1—6. 


38  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

eos  qui  disjponunt  testamentwm  eins  in  sacnficüs.  Et  adnunfiabimt 
eaeli  ivMitimii  eius^  quomam  deus  iudex  est.  Item  in  psalmo 
XLIY.  dicit:  Accingere  gladiurii  tuura  circa  femor,  potentissime 
specie  tua  et  pulchritudine  tua;  intende,  prospere  procede  et  regna 
5  yropter  veritatem.  et  mansuetudinein  et  iustitiam.  Item  in  psalmo 
XC V.  dicit :  Dicite  in  nationibus:  Dominus  regnavit  a  Ugno,  Item 
apud  Esaiam:  Puer  natus  est  nobis^  ciuius  imperiwin  factum,  est 
super  humer  OS  eiuSj  et  vocabitur  nomen  illius  magni  consilii 
angelus.    Et  si  volueris  plenitudinem  evangeliorum  cognoscere, 

lOinvenies  apud  lohannem  nostrum  euntem  ad  passionem  Chri- 
stum crucem  in  liiimeris  sibi  portasse,  pro  quo  dicit  Esaias: 
Cuius  iinperiwm  factum,  est  super  humeros  eins.  Item  in  psalmo 
LXXI.:  Deus,  iudicium  tuum  regi  da  et  iustitiam  tuam  filio  regis, 
iudicare  populum,   tuum  in  iustitia  et  pauperes  tuos  in  iudiaio. 

15  Suscipiant  montes  pacem  populo  tue  et  colles  iustitiam,;  iudicabit 
egenos  populi  et  salvos  faciet  filios  pauperum  et  humiliabit  ca- 
lumniatorem;  et  perm,anebit  cum  sole  et  ante  lunam  in  genera- 
tiones  generationum.  0/ietur  in  diebus  eius  iustitia  et  habundantia 
facis,  donec  extollatur  luna.     Et  dominabitur  a  mari  usque  ad 

20  mare  et  a  ßuminibus  usque  ad  terminjos  orbis  terrarum.  Coram 
illo  decident  Aethiopes^  et  inimici  eius  ten^am  linguentj  et  adora- 
bunt  eum  sem-per,  tota  die  benedicent  eum.  Et  erit  firmamen- 
tum.  in  terra  in  summis  montibus,  super  extolletur  super 
Libanum   fructus    eius^    et  florebunt    de   dvitate  sicut   foenum 

25  terrae.  Sit  nomen-  eius  benedictum  in  saecula  saeculorum,  ante 
solem  permanet  nomen  eius,  et  ante  luTiam  sedes  eius,  et  be- 
nedicentur  in  eo  omnes  tribus  terrae ,  omnes  gentes  Tnagnifica- 
bunt  ev/m. 

26.  Sim,:  Omnia  quidem  in  Christo  praefigurata  manifesta 

SOprobatione  per  scripturas  meas  mihi  ostendisti,  et  volueram 
quidem  credere,  si  non  me  psalmi  istius  deliberatio  revocaret. 


3.  femur  B^.  —  5  sq.  Item  in  psalmo  dicit  om.  V.  —  7.  sst  prim.  om.  V. 
—  7,  factum  est  om.  V.  —  7.  factus  B.  —  8.  humerum  V.  —  8.  illius  B  . .  . 
eius  V.  —  9.  volueris  omnem  Y.  —  11.  sibi  in  humeris  V.  —  11.  crucem 
eum  i'^  umeros  B.  —  11.  haec  dicit  V.  —  12  sq.  A  Cuius  imperium  usque 
ad  magnificabunt  eum  (v.  28)  om.  V.  —  15 sq.  iudicamt  egenus'Q.  —  16.  hu- 
miliavit  B.  —  30.  prae  scripturis  m^is  V. 

3.  Ps.  45,  4.  5.  —  6.  Ps.  D6,  10.  —  7.  Isa.  9,  6.  —  13.  Ps.  72. 


Der  Text.  39 

Nam  hie  psalmus  in  Salomone  dictus  est;  adeo  titulus  eins  te 
revincet,  cum  dicat:  Fsahniis  in  Salomone. 

Th.:  Invisor  ille,  qui  protoplastum  fef&llit  et  populuin  ve- 
strum  modo  decipit,  per  cuius  invidiam  mors  in  orbem  terrarum 
Yenit,  hie  videlicet  et  sensum  cordis  tui  occupavit,  ut  rem  mani-  5 
festam  et  in  Ince  positam  rursiis  non  intellegas.  Salomon  enim 
intra  certa  in  ludaea  qnadraginta  annis  regnavit  a  Dan  usque 
ad  Bersabee  et  postea  deiiquit.  sicut  in  Basilion  libro  tertio 
dicit:  Et  fecit  Salomon  maUgnwm,  et  non  ambulavit  in  via  patris 
sui  David y  et  aedificavit  excelsum  CJiamos^  idolo  Moab,  et  regi^^ 
eorum^  idolo  ßliorum  Ammon,  et  Astaron,  idolo  ahominalionis 
Sidoniorum;  et  excitavit  dominus  satunam  ipsi  Salomom  Ader 
Idumaeum  ad  eradicandum  euni;  Christi  autem  regnnm  ultra 
incognitas  solitudines  est  porrectum;  de  quo  deus  per  prophetam: 
JEt  permanebit  cum  sole  et  ante  lunam  in  generationes  genera'  15 
tionuniy  et  dominahitur  a  mari  usque  ad  7/iare  et  a  ßumine^  usque 
ad  terminos  orhis  terrae.  Quid,  de  Salomone  hoc  dicit,  cuius 
regnum  et  annos  superius  tibi  ostöndi?  Christus  autem  semper 
et  ubique  regnat. 

27.  Sim.:  Recedit,  quia  video,  de  mentibus  meis  inimicus20 
patrum  meorum  diabolus,  qui  oculos  cordis  mei  caecabat.    Coepi 
enim  velle  lumen  veritatis  agnoscere. 

Th.:   Crede  ergo  tu,  ut  possis  de  singulis  inluminatus  de 


Isq.  est:  Deus  iudiciumtuum,  quem  dudum  mihi proposuisti;  adeo  ut  ti- 
tulus eins  te  revincat  V.  —  4.  modo  om.  V.  —  4.  decepit  VB'.  —  4.  ter- 
rae V.  —  5.  et  om.  V.  —  5.  sensus  Y.  —  5.  praeoccupavit  V.  —  6.  lu- 
cem  V.  —  6.  rursus.  B  . .  .  errollus  V.  —  7.  intra  certa  ludaea  B  . . .  in 
ludaea  V  . .  .  intra  certa  in  ludaea  edidi.  —  1.  a  Dan  V  .  .  .  ah  adam  B.  — 
8.  ad  om.  V.  —  8.  Basilion  V  .  .  .  regnorum  B.  —  9.  dicitur  Y.  —  9.  ma- 
lum  Y.  —  IQ.  David  patris  sui ,  sed  Y.  —  10  sq.  Yerba  ab  aedificavit  us- 
que ad  Sidoniorum  in  B  misere  defomiata  sunt  falsis  admixtis;  Y  babet 
idola.  —  12.  domimts  B  . . .  deus  Y.  —  13.  ad  eradicandum  cum  om.  Y. 
—  13 sq.  Christi  autem  regnum  in  omni  porrectum  est  orhe  terrarum;  ideo 
de  eo  propheta  commemorat  dicens:  Permanebit  Y.  •—  15.  generat.  generat. 
B  .  i .  saecula  Y.  —  17.  Non  de  Salomone  dicit  Y.  —  18  sq.  A  Christus  us- 
que ad  regnat  om.  Y.  —  20.  Rec'de  quia  B  .  .  .  recedit,  ut  Y.  —  20.  de 
sensu  meo  Y.  —  21.  oculos  cordis  mei  B  . .  .  mentem  meam  Y.  —  22.  enim 
Y  .  .  .  animum  B. —  22.  velle  ora.  Y.  —  23.  tu    ut  possis  de  sing.  om.  Y. 


9.  I  Reg.  11,  6.  14.  ~  15.  Ps.  72,  5.  8. 


40  jDie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

vinculis  exire  tenebrarum,  sicut  Esaias  de  Christo  dicit:  Spiritus 
domim  super  me^  propterea  unxit  me,  et  misit  me  henc  nwUiare 
pauperibus^  sanare  contritos  cor  de,  educere  e  mnculis  adligatos 
et  e  domo  carceria  sedentes  in  tenebris    et  umhra  mortis,   dare 

5  Ivmen  caecis^  Quid  enim  intellegitur  domus  carceris  et  homines 
in  vinculis  oppressi  nisi  saeculi  isfcius  homines  ignorantiae  cae- 
citate  deteuti  et  diaboli  peccatis  vinculati?  sicut  in  Genesi  dicit: 
Aderant  t&nebrae  super  abyssoSj  et  dixit  deus:  Fiat  lux;  hoinines 
tenebris  ignorantiae   caecati,   sed    adveniente   lumine  recedent 

lotenebrae. 

VU,  28.  8im.:  Occulta  et  inaudita  mihi  manifestasti ,  sed 
adhuc  animae  meae  inest  scrupuluin  difödentiae,  eo  quod  omnia 
religiöse  colitis,  sabbatum  vero,  quod  deus  custodiendum  ser- 
yandumque    mandavit,    neglegitis.     Cibos   praeterea  et   vin\im 

15gentiliter  sumitis,  cum  deus  specialiter  praeceperit,  quaeque 
debeant  ex  animalibus  et  piscibus  esse  edenda  quaeque  ex- 
secranda  nee  morticina  illorum  tangenda.  Nisi  mihi  et  hoc 
per  scripturas  probatum  fuerit,  periclitor  credere. 

Th,:  lam  et  superius  dixi  tibi  quod  et   diabolus  invideat 

20 tibi,  quod  scilicet  filius  sis  patrum  tuorum,  qui  tot  beneficiis 
fulti  et  ab  Aegypto  liberati  —  ad  vicem  murorum  mare  circum- 
stetit  undas  — ,  heremo  largis  dapibus  adparati  caelestique  cibo 
manna  saturafci,   in  oblivione  transgressi  profanos  deos,  quos 


1.  tenebrarum  om.  B.  —  1.  sicut  B  ...  sie  enim  V.  —  2.  et  onu  V. 
—  3.  de  vinculis  V.  —  4.  Post  carceris  pergit  V :  aperire  ocidos  caecorum. 
Quid,  aliud  intelligi  potest,  nisi  saeculi  istius  homines  ignorantiae  caecitcUe 
detentos  et  diaboli  vinculis  alligatos,  cetera  oinittens;  in  B  clausula  (v. 
Ssq.)  enuntiationi^  corrupta,  est:  hominum  teneb.  ignor.  caecatos.  —  11. 
Oeculta  B  . .  .  multa  quidem  V.  —  11.  manif.  mihi  V.  —  13.  religiöse  B 
. . .  relegisse  V.  —  13.  quod  B  .  .  .  quem  V.  —  15.  quae  V.  —  l*'.  ex  piscibus 
V.  —  16.  edenda  B  . . .  sutnenda  V.  —  16  sq.  et  quae  excerendn  rel  exse- 
cranda  V.  —  17.  ntcrtua  V.  —  17  sq.  nisi  hoc  p.  s.  proboveris  V.  —  19.  lam 
sup.  dixi,  qüod  diab.  V.  —  21.  fulti  V  . .  .  fulcitus  B,  —  2\.  et  ahlü  . ,  .  ex 
"V.  —  21.  liberati  V  . .  .  liheratus  B.  —  21  sq.  ad  vicem  mur.  mare  circums. 
undas  B  . . .  ad  vicem  metallini  aeris  ruhri  maris  littora  cireiimst^terunt 
V  (locus  in  utroque  codice  vix  sanus  esf*.  —  22.  herem.  larg.  dap.  ad- 
parafus  B  .  .  .  unde  largis  etiam  dapibus  apparati  V.  —  22.  codesti  (sine 
cibo)  y.  —  23.  saturatus  B.  —  23.  in  om.  V.  —  23.  transgressus  B. 


1.  Isa.  61,  1.  —  8.  Gen.  1,  2.  3. 


Der  Text.  41 

colerent,  ausi  sunt  postulare.     Merito  deus  per  Hieremiam  in- 
crepat  et  obiurgat  genus  vestrum  dicens:  Si  mntabit  Aethiopus 
colorem  et  "pardus  varietatem^  sie  et  vos  mutamim  a  Sx)ctrina. 
Mala  sabbata,  scilicet  imaginaria  requies  septimi  diei  tradita 
fuit,  primuin  quod  lesus  filius  Nave,  ut  Hierico  debellaret,  per  5 
Septem  dies  vicibus  muros  circuibat,  arma  bellica  tractantes  et 
arcam  tes  tarnen ti  gestantes;  septima  antem  die  septies  circxii- 
erunt.    Manifesta  veritas  est  quod  aut  sabbato  coeperunt  aut 
in  sabbato  cadentibus   muris  Hierico  debellaverunt.     Et  illud 
quod  in  Machabaeis  maximam  victoriam  de  inimicid  suis  sabbato  10 
reportabant  et  ultionem  adversariorum  gladiis  suis  sabbato  vin- 
dicabant.    Accedit  et  illud  quod  humanuni  sabbatum  repellat 
deus   dicente  Esaia:  lemnium  et  dies  festos  vestros  et  sabbata 
i'estra  odtt  anitna  mea.     Facti  estis  mihi  in  habundantiam.,  iam 
non  dimittam  peccata  tiestra,    Dlud  autem  sabbatum  deus  desi»  15 
derat,  requiescere  te  debere  ab  operibus  maUgnis,  ut  in  septimo 
millesimo  anno,  quod  sabbatum  sabbatorum  intellegitur,  mundus 
ab  operibus  malis  inveniaris.    Haec  erunt  sabbata  tenera  sancta 
deo,  in  quibus  deus  delectatur.    Cibos  autem,  quos  abigis,  man- 
ducare  debes;  non  cames  suillas,   sed  facta  porcina  prohiberis  20 
admittere.    Sirailiter  aquam  luto  mixtam  volutas,  sororem  tuam 
tibi   in   coniugio    copulas,    sanguinem   cum    sanguine    iungis, 
rapinis  terram  perscrutaris,  festa  tuä  publicas,  in  plateis  oras. 
Ecce  quomodo  peccas  et  non  intellegis  de  te  scriptum  esse  in 


1.  colere  B.  —  Isq,  Merito  de  vobis  Hierem.  dixit  V.  —  2.  mutavü  B.  — 
2.  Aethiops  V.  —  3.  mtUamini  a  doctrina  B  . . .  edocta  V.  —  5.  fiUua  om. 
V.  — %  Septem  diebus  vicissim  V.  —  6.  tractantes  et  om.  V.  —  8.  quod 
om.  V.  — 9.  dthtllaverüB.  —  9.  Ab  Et  iUud  usque  ad  vindieabant  {W)  om. 
V. —  12.  et  illud  om.  V.  —  12  sq.  deusrepellit  V.  —  13.  diem  festum  vestrum 
V.  —  14.  vestra  om.  V.  —  1-J.  Facti  estis  mihi  in  habun.  B  . . .  fecistis 
mihi  taedium  V.  —  14.  iam  om.  V.  —  16.  debere  om.  V.  —  16.  malis  ut 
Y  .  . .  malignis  et  B.  —  16.  in  septimo  om.  V.  —  17.  intellegitur  B  , . .  est 
V-  —  18.  inven.  ab  op.  malis  V.  —  18 sq.  «*tY  sabbata  tenera  sancta  deo,  in 
qua  B  . . .  erunt  sancta  tenenda,  in  qua  V  (locus  in  utroque  codice  vix 
sanus  est).  —  19.  delectetur  Y.  —  19.  Cibus  autem  quod  amhigis  Y.  — 
20.  dehes  edidi  . .  .  debere  BY.  —  20.  porcorum  Y.  —  21.  aqua  mixto  luto 
volüptas  Y.  —  21.  cum  sororem  B^.  —  22.  eoniugio  B  . .  .  concubitu  Y.  — 
22.  cum  sanguine  iungis  B  . . .  sanguini  incitas  Y.  —  24.  esse  om.  Y. 

2.  lerem.  18,  23.  — 5sq.  los.  6.  — lOsq.  II  Maccab.  15.— 13.  Isa.  1,  13.  14. 


42  ^16  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

psalmo  XVI. :  Saturati  sunt  porcina  et  reliquerunt  reliquids 
parvuUs  suis;  lioc  est  peccatum  vestrum  posteritati  vestrae 
propaginis.  De  piscibus  autem  squamis  cutem  vestitis  vesci- 
mini;  cetera  autem,  quae  vitare  fingitis,  retibus  extracta  et  in 
5  multitudine  piscium  permixta,  penitus  exsucata  per  liquamen 
dulciter  manducatis.  Vinum  autem  Chnstianorum  ostende  mihi 
per  scripturam  ubi  prohibitum  acceperis,  et  recte  me  rincere 
poteris.  Ego  autem  ostendam  tibi,  ubi  Judaicum  vinum  prohi- 
betur,  et  azymas  tuas  manducare  yetamar.     Audi  Esaiam  pro- 

lOphetara  dicentem:  Manus  vestrae  sanguineplenae  sunt,,  lavamini, 
mundi  estote.  Item  in  psalmo  XIII.  dicit:  Veloces  pedes  eorum 
ad  effundendum  sanguiiiem.  Contritio  et  mfclicitas  in  vu's  eorurn^ 
et  viam,  pacis  non  cognoverunt.  Ecce  quales  pedes,  et  quibus 
manibus  vinum  et  azymas  conficiunt!  Et  in  Deuteronomio  dicit: 

loZ^e  vinea  em'm  Sodomm^um  vtnimi  eorum,  et  propago  eorum,  ex 
Gomorra.  Uva  eorum  uva  fellis,  et  hotrus  amaritudinis  in  ipsis. 
Furor  draconum,  vinum.  eorum,  et  furor  aspidum  insanahilis. 
Nonne  haec  congregata  sunt  apiid  me  et  signata  sunt  in  thesauris 
meis^  Si  bis  tot  et  tantis  testimoniis  revictus,  Simon,  credere 

20  nequiveris,  saluti  tuae  contradicis.  Lege  scilicet  Danihelum,  et 
invenies  Nabucbodonosor  dicentem:  Nonne  tres  viros  in  forna- 
cem  misimus''^  Ecce  video  quattuor  viros  et  fades  quarti  simili- 

1.  XVI,  om.  V.  —  \.  porci?iaB  .  . .  filiis  V.  —  1.  reliqnias  B  . .  .  quae 
superfuerunt  V.  —  2.  et  posteritatis  vestrae  (sine  propaginis)  V.  —  8. 
squama  cute  vescimini  B  .  .  .  squamis  cutem  vestitis  comeditis  V.  —  4.  con- 
fic/itis  vitare  V.  —  5.  multitudinem  B.  —  5.  exsiccata  in  liquamine  V.  — 
7.  scripturasY.  —  7  sq.  ubi  sit  prohihitum  bibere  et  azymas  {ceterB,  desunt) 
V.  —  9.  azymas  V  .  .  .  escas  B.  —  9.  Audi  Esaiam  B  .  .  .  audies  Y.  — 
9.  In  V  Isa  59,  7  loco  Isa.  1,  15  9-ntecedit.  —  10  sq.  lavamini,  mundi 
estote  om.  Y.  —  11.  Item  iti  ps.  XIII.  dicit  B  ...  Et  rursus  Y.  —  12.  A 
Contritio  uaque  ad  conficiunt  (v.  14)  om.  V.  — 14.  dicit  om.  V. —  15.  enim 
om.  V.  —  15.  vinum  B  .  .  .  vinea  Y.  —  16.  et  om.  B.  —  16  sq.  In  ipsis  furor 
B  . . .  ira  Y.  —  17.  et  furor  B  .  . .  ira  V.  —  18  sq.  A  Nonne  usque  ad 
meis  (v.  19)  om.  V.  —  19.  Si  om.  B.  —  19.  revictus  om.  V.  —  19.  vel  si 
credere  B.  —  20.  neqidveris  B  .  .  .  nolueris  V.  —  20.  scilicet  B  . .  .  Simon 
Y.  —  21.  Nabuch.  dicentem:  Nonne  B  . .  .  Nabucod.  barbarum,  filium  dei 
ipse  cognovit,  quem  tu  tardas  agnoscere:  Nonne  Y.  —  22  sq.  similitudo  Bl .  .  . 
similis  V. 


I 


1.  Ps.   17,   14.  —    10.  Isa.   1,   15.  —   11.  Isa.  59,  7.  —  15.  Deut.   32, 
32—34.  --  21.  Dan.  3,  24.  25. 


Der  Text.  43 

tudo  fiUi  dei.  Quid  dicis,  ludaee?  N^abiichodonosor  barbarus 
filinm  dej^pognovit,  quem  tu  tardas  invenire.  Et  vide  ne  in 
te  inpleatur  Ambacuc  prophetae  invectio.  Videte,  conterntores,  et 
inspicite  et  ad.miraimm^  quoniam  ego  opus  operor  in  diebus  vesiris, 
quod  non  creditis,  si  qids  enarraverit  vohis.  5 

VIII,  29.  Sim.:  Lator  saiutis,  Theophile,  aegrotorum  bone 
raedice,  nee  ultra  quid  possum  dicere;  iube  me  catezizari  et 
signo  fidei  lesu  Christi  conseorari.  Arbitror  enim,  per  manus 
inpositionem  accepturum  me  delictorum  ablutionem. 

Th.:  Immo  benedictionem:  sie  Isaac  lacob  benedixit,  et  per  10 
manus  benedictionem  accepit,  ut  maior  fieret  ex  minore;  sie  et 
Efrem  et  Manasse  per  inpositionem  manuum  dilatati  sunt. 

30.  Tunc  Theophilus  Simonem  ludaeum  tinxit,  et  adeptus 
est  iidem.  Simon  gratias  agere  coepit  dicens:  Gratias  tibi  ago, 
Jesus,  quem  nunquam  vidi  ad  faciem,  nune  autem  credo  in  te.  15 
Gratias  tibi,  lesus,  quem  nunquam' audivi,  nunc  autem  audio. 
Invoco  te,  lesus,  cuiuR  sensum  antea  non  habui,  nunc  autem 
cupio  in  te  sensum  meum  esse,  per  quem  cognovi  Theophilum 
discipulum  tuum.  Domine  lesus,  si  fide  dignus  sum,  et  ad  tuam 
agnitionem  confirma  me.  Tu  enim  errantibus  viam  demonstras20 
et  perditos  revocas  et  mortuos  suscitas  et  infideles  fide  tua 
confirmas  et  caecis  oculos  cordis  inluminas.  Tu  es  ipse  taber- 
naculum  sanctum,  qui  fuisti  cum  patribus  nostris  in  desetto; 

1.  filio  B.  —  1  sq.  A  Nabuch.  usque  ad  invenire  om.  V.  —  2.  Et  om. 
V.  —  3.'  Amh.  proph,  inventio  B  .  .  .  invectio  Äbac,  prophetae  dicentis  V. 
^~  3.  contemptorem  B.  —  4.  admiramini  B  . . .  desperate  V.  —  5.  nar- 
raverit  V.  —  6.  aegrorwn  V.  —  7.  nee  idtra  quid  possum  dicere  B  .  .  . 
neque  ultra  differre  possum  V.  —  7  sq.  catazizare  et  Signum  B.  —  8.  lesu 
om.  V.  —  8.  quod  per  B'V.  —  8.  manuum  tuarum  V.  —  9  sq.  impositionem 
me  peccatoriim  meorum  abolitionem ,  immo  sicut  lacob  benedixit  et  per  im- 
pos.  manus  accepit,  ut  maior  fieret  ex  minore,  sie  Epphraim  et  Manasse 
per  impos.  dilatati  sunt  manuum  (quae  interposita  sunt,  omittens)  V.  —  13. 
ludaeum  om.  V.  —  13.  tinxit  V  .  . .  unxif  B.  —  14.  est  om.  B.  —  14.  agere 
deo  V.  —  14.  ago  tibi  V.  —  15.  non  vidi  facie  ad  f.  V.  —  15.  in  te  spiritu 
et  tofa  mente  Y. —  16.  ago  tibi  V.  —  16.  non  audivi  V.  —  16.  audlto  V.  — 
17.  Invoco  lesuY.  —  17.  ante  V.  ~  19  sq.  Domine  lesu  öhriste,  si  quidem 
dignus  sum  tua  convocatione,  confinna  me.  Etenim  errantibus  V.  —  20. 
veniens  confirma  B^.  —  21.  et  secundum  et  tertium  om.  V.  —  21  sq.  in 
fide  tua  configuras  V.  —  22  sq.  tabern.  sanct.  om.  V. 

3.  Abac.  1,  5.  —  10.  Gen.  27.  —  12.  Gen.  48,  19. 


44  I^ic  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

tu  caudelabrum  luminis,  tu  altarium  et  panis  propositionis ,  tu 
ara,  tu  yictima  voluntaria;  tu  es,  domine,  vita  et  4parganta, 
cristallum,  magnum  aratrum.  Oro,  domine,  ignorantiae  et  in- 
credulitatis  meae  ne  memineris;  tu  es  enim,  ubi  cuncta  bene- 
5ficia  praestantur.  Tu  es  qui  milii  omnia  donare  dignatus  es. 
Tibi  sit  honor  et  potestas  et  in  cuncta  et  in  mortalia  in  saecula 
saeculorum.    Amen. 


1.  tu  es  candelabrorum  lumen,  tu  es  V.  —  1.  projyosüionutn  V.  — 
1  sq.  tu  es  ara  etY.  —  2  sq.  ut  es  ipse  vita  mea,  margarita,  cristallum,  iugum 
argenteum  V.  —  8  sq.  ignorantiam  meam  infelicitatis  meae  V.  —  4  sq.  tu  enim 
absconsa  beneficia  praestans  es,  qui  mihi  diguatus  es  omnia  ostendere  V 
. . .  absconsa  beneficia  praestans  es,  qui  mihi  omnia  donare  dignatus  es  C. 
—  ösq.  Tibi  sit  honor j  potestas,  laus,  gloria  hie  et  in  cuncta  saecula  saecu- 
lorum,   Amen.    V. 


Anmerkungen  '^^). 

P.  15,  5.  Unter  lex  ist  das  gesammte  A.  T.  zu  verstehen.  Im  4,  Jahr- 
hundert ist  das  Wort  sogar  Bezeichnung  fUr  beide  Test^nente  geworden ; 
s.  z.  B.  Optat.  I,  11:  „Catholicam  facit  simplex  et  veros  intellectus  in 
lege".  II,  5:  „In  qua  lege  scriptum  est:  Fax  hominibus  in  terra  bonae 
voluntatis?"    S.  Rönsch,  Ztschr.  f.  bist.  Theol.  1872  S.  221. 

P.- 15,  5.  Es  ist  beachtenswerth,  dass  der  Jude  Simon  als  ein  Unbe- 
kannter, der  Christ  Theophilus  dagegen  als  ein  den  Lesern  Bekannter 
eingeführt  ist.  Man  wird  dies  wohl  zur  schriftstellerischen  Fiction  rech- 
nen dürfen;  aber  eben  diese  Fiction  gab  später  Anlass,  in  dem  christ- 
lichen Disputanten  einen  berühmten  Theophilus,  also  z.  B.  den  alexandri- 
nischen  Biachof,  zu  erkennen. 

P.  15,  6.  Minucius  Felix  9,  4;  29,  6:  „Cruces  etiam  neo  colimus  nee 
optamus'*.  Tertull.  Apolog.  16:  „Qui  crucis  nos  religiosos  putat".  Das 
Wort  „crucicoW  {axavQoyazffiiq)  kommt  bei  den  älteren  lateinischen  Kir- 
chenvätern nicht  vor.  „Signifer"  ist  hier  wohl  in  der  Grundbedeutung 
zu  nehmen  und  nicht  als  „Anführer**  zu  verstehen. 

P.  16,  4.  „Nazaraei"  wird  in  der  älteren  Literatur  als  Bezeichnung 
der  Christen  nur  Act.  24,  5  und  Tertull.  adv.  Marc.  IV,  8  („Unde  et  ipso 
nomine  nos  ludaei  Nazaraeos  appellant  per  eum")  gefunden.  Im  4.  Jahrh. 
s.  Epiphanius  und  Hieronymus. 


31)  ParaÜelstellen  aus  Justin,  Tertullian,  Cyprian  und  Lactantius  sind 
hier  nur  spärlicli  mitgetheilt,  weil  sie  in  den  folgenden  ParagrAphen  auf- 
gewiesen werden  sollen.  Eine  eingehende  Erklärung  der  Altercatio  ist 
nicht  beabsichtigt,  vielmehr  werden  nur  einzelne  der  Erläuterung  beson- 
ders bedürftige  Stellen  zur  Sprache  kommen. 


Anmerkungen.  45 

P.  16,  16.  TertuiJ.  ad v.  Marc.  IV,  20:  „Haec  erit  fides,  quae  contu- 
lerat  etiam  intellectum.    Nisi  credideritis,  inquit,  non  intellegetis". 

P.  16,  20,  Die  in  der  Altercatio  solenne  Bezeichnung  für  Chnstns 
„deus  et  dei  filius"  ist  auch  die  dem  Justin  geläufige  und  entspricht  dem 
Johanneischen  ^eoc  jnovoyevrjq. 

P.  16,  21  sq.  Die  Beziehung  von  Isa.  44,  6  auf  den  duplex  adventus 
Ghristi ,  und  von  Deut.  32,  39  auf  den  Antichrist  ist  sehr  originell  und 
alterthümlich. 

P.  17,  20.    Vgl.  das  „reeeptior"  Tertulüan's  de  pudicit.  20. 

P.  17,  21.  Auf  diese  Baruchstelle  haben  sich  nach  Hippel,  c.  Noet.  2 
die  römischen  Monarchianer  berufen ;  s.  auch  Tert.  adv.  Prax.  16.  K  n  e  u  c  k  e  r 
(das  Buch  Baruch  1879)  hält  sie  für  eine  christliche  Interpolation. 

P.  18,  4.  5.    Der  Text  ist  hier  augenscheinlich  verderbt. 

P.  18,  23.  Das  „eius"  ist  auffallend;  vielleicht  bezieht  es  sich  auf 
verita«  zurück.  Zu  der  Phrase  in  principio  =»  in  Christo  s.  Routh, 
Reliq.  S.  I  p.  98  sq.  Texte  u.  Unters.  I,  1  S.  117  f. 

P.  19,  2.    Zur  Sache  s.  Barnab.  5,  5  u.  Just.,  Dial.  62. 

P.  19,  5sq«    Hier  stimmt  der  Text  wörtlich  mit  Hebr.  1,  5. 

P,  19,  7.  Die  LXX  bieten  tiqquotoxov  (für  „principem*').  Dieses 
Wort  hat  der  Verf.  um  des  „principium"  willen  gewählt. 

P.  19,  8.    Hebr.  1,  6. 

P.  19,  25sq.  Die  Parallelisirung  der  Entstehung  des  Christus  mit  der 
Schöpfung  des  Menschen  ist  beachtenswerth;  s.  II  Clem.  14,  2:  inoiijasv 
6  &f6Q  tov  av&Qwnov  txQoev  xai  ^^Xv  rö  agatv  iatip  ö  XgiatdQ. 

P.  19,  27,  Tertullian  citirt  adv.  Marc.  IV,  14:  „Sic  et  retro  in  Ba- 
siliis  Anna  mater  Samuelis";  adv.  Marc.  IV,  21;  „Habes  tertiam  Basi- 
liarum;  si  et  quartam  resölvas  etc." 

P.  20,  5.  Die  Worte  „fides  (fidem)  consequetur  domum  (domus)  eins" 
fehlen  im  Grundtext  und  bei  den  LXX;  den  Lateinern  sind  sie  bekannt. 

P.  20,  19.    LXX:  Xoyov  ovvtfkwv  xal  avvtsfivwv  iv  Stxaioavv^  xxX, 

P.  20,  25.  Aehnliches  sehr  oft  bei  den  Apologeten;  zu  „legem  novam" 
6.  meine  Note  zu  Barnab.  2,  6. 

P.  21,  2.  Der  Verfasser  hat  irrthümlich  Jerera.  6,  10  als  jesajanisch 
citirt. 

P.  21,3,  Der  Text  („Nam  si  et<j.'*)  ist  augenscheinlich  in  beiden  Hand- 
schriften verderbt.  Marfcene's  Conjectur  „Non  velles  prophetam  nostrum 
lohannem  etc."  verbessert  nichts.  Zur  Bezeichnung  des  Johannes  als  Pro- 
pheten vgl.  TertulL  adv.  Marc.  IV,  24:  „Tarn  apostolus  Moyses  quam  et 
apostoli  prophetae".  In  späterer  Zeit  gilt  bekanntlich  Johannes  als  der 
neutestamentliche  Prophet  xat"^  i^ox^v. 

P.  21,  6  sq.  "Wie  alle  älteren  Väter,  so  lässt  auch  unser  Verfasser  den 
Satz  Joh.  1,3  mit  ozdh  tv  geschlossen  sein. 

P.  21,  7.    Vgl.  die  Theorie,  welche  Justin  Apol.  I,  36  entwickelt  hat. 

P.  21,  8.  Das  Buch  Jesus  Sirach  wird  hier  als  salomonisch  einge- 
führt; s.  Cypn  Testim.  II,  1;  Chrysost,  Synops.  (ükligne  t.  LVT  p.  370). 
An  letzterer  Stelle  wird  mitgetheilt,  dass  Mfnche  das  Buch  für  salomonisch 


46  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 


>♦ 


halten.  Zur  Verwechselung  gab  der  Umstand  Anlass,  dass  das  Buch 
ebenso  wie  die  Proverbien  und  die  Weisheit  Salomonis  den  Titel  7) 
navdQStoq  aotpla  führte;  s.  Lightfoot  zu  I  Clem.  ad  Cor.  57  u. 
vgl.  Kihn,  Theodor  v.  Mopsv.  S.  77  n.  1.  Die  Worte  von  „primogeni- 
tus"  bis  „indeficiens"  stehen  bekanntlich  nicht  im  griechischen  Texte, 
sondern  sind  ein  alter  lateinischer  Zusatz;  s.  Fritzsche,  Libri  apocr.  V. 
T.  p.  445. 

P.  21,  12.  Der  christliche  Disputant  wird  hier  wie  an  anderen  Stellen 
nicht  als  ein  geborener  Jude  vorgestellt. 

P.  21,  14.  Die  Stelle  aus  den  Proverbien  ist  sehr  willkürlich  be- 
handelt.   So  hat  der  Verf.  ,.in  principio"  hinzugesetzt. 

P.  21,  23.  TeituU.  de  orat.  20,  de  bapt.  17:  „sanctissinms  apostolus". 
—  Man  erinnert  sich  hier  an  11  Cor.  3,  13 sq.  16. 

P.  22,  3  sq.  Das  Citat  aus  Daniel  (LXX,  nicht  Theodotion)  ist  durch 
Zusätze  entstellt  und  weicht  sehr  stark  von  den  griechischen  Texten  ab. 

P.  22,  9.,  „siluerunt" ,  s.  Justin  und  die  Apologeten.  Das  folgende 
Citat  aus  Jesajas  ist  wiederum  ein  sehr  freies,  ebenso  die  daran  sich 
schliessenden. 

P.  23,  6.    Der  Verfasser  hat  Salmanassar  und  Sanherib  verwechselt. 

P.  24,  6  sq.  S.  Tertull.  adv.  Marc.  III,  13.  Der  emphatisch  dazwi- 
schengestellte  Satz:  „Hoc  credimus  et  sie  fideni  nostram  custodimus"  ist 
auffallend.  Es  scheint,  als  habe  der  Verfasser  gegen  den  Doketismus 
Zeugniss  ablegen  wollen. 

P.  24,  8.    Circumcisus;  s.  Luc.  2,  21. 

P.  24.  9.  Dulcedo  doctrinae;  diese  Auslegung  kommt  sonst  meines 
Wissens  in  älterer  Zeit  nicht  vor. 

P.  24,  11.  S.  Matth.  2,  11.  Tertull.  adv.  Marc.  III,  13.  adv.  lud.  9. 
Just.,  Dial.  77.  78  fin.  lieber  die  Bekehrung  des  eigentlichen  Samariens 
spricht  sich  Justin  (Apol.  I,  53)  sehr  ungünstig  aus;  aber  unserem  Ver- 
fasser ist  Samarien  Repräsentantin  der  Heidenwelt. 

P.  24,  14  sq.  Justin  (nach  ihm  Tertullian)  deutet  den  rex  Assyriae  auf 
Herodes  ^Dial.  77.  103). 

P.  24,  23 sq.  Maria  vrird  vom  Verfasser  für  eine  Davididin  gehalten; 
s.  Just.,  Dial.  43  n.  2,  Die  „virga"  wird  von  Justin,  Tertullian  u.  A.  auf 
Christus  bezogen;  aber  Tertull.  adv.  lud.  9  heisst  es:  „Et  nascetur,  inquit, 
virga  de  radice  lesse,  quod  est  Maria". 

P,  24,  30.  Im  2.  und  3.  Jahrhundert  hat  man  diese  Frage  noch 
nicht  bejaht,  im  Gegentheil  ausdrücklich  verneint  (im  Gegensatz  zum 
Doketismus);  s.  Tert.  de  carne  23;  Orig,  Homil.  14  in  Luc.  Anders  hat 
erst  Hieronymus  geurthellt  ^adv.  Helvid.). 

P.  25,  13  sq.  Diese  Worte  finden  sich  in  keinem  der  uns  bekannten 
Bücher  Baruchs;  sie  sind  ohne  Zweifel  christlichen  Ursprungs,  und  zwar 
stammen  sie  frühestens  aus  dem  4.  Jahrhundert.  Ueber  „iaculatus"  (er- 
zeugt)  s.  Rons  eh.  Itala  u.  Vulgata  S.  300. 

P.  25,  15.  Die  Erwähnung  der  „tuiiica"  hier  ist  auffallend;  walu'- 
scheiulich  ist  eine  Textescorrlption  zu  statuiren.    Unter  der  „tunica  de- 


Anmerkungen.  47 

super  contextfi"  ist  vielleicht  der  wunderbar  erzeugte  Leib  zu  verstehen. 
Das  Bild  kommt  auch  sonst  vor. 

P.  25,  19.  „Illius"  steht  für  „rov";  s.  Rönsch,  a.  a.  0.  S.  419f.  Auch 
bei  Cypr. ,  Testim,  II,  12  steht:  „illius  Effrata".  Ueber  die  Form  „pro- 
diet"  s.  Rönsch,  a.  a.  0.  S.  292  f.  An  derselben  Stelle  haben  Augustin 
(de  civit  XVin,  30.  32)  und  Cod.  Weingart,  dieselbe  Form. 

P.  25,  26.    „Superius";  s.  III,  14  (p.  24,  8). 

P.  26,  12.    S.  Barnab.  9,  6;  Just.,  DiaJ.  28;  TertuU.  adv.  lud.  3. 

P.  26,  13 sq.    S.  Tert.  adv.  lud.  3. 

P.  '26,  27  sq.  Auch  Tertullian  (de  pudic.  9)  nimmt  an,  dass  alle  ZöUner 
in  Palästina  Heiden  gewesen  seien  (speciell  auch  Zucchäus,  s.  adv.  Marc. 
IV,  37).  Dagegen  Hieron.  ep.  ad  Damas.  (s.  d.  Note  Martene's):  „Quasi 
vero  et  Matthaeus  non  ex  circumcisione  fuerit  publicanus,  et  ille  qui  cum 
Pharisaeo  in  templo  orans  oculos  ad  coelum  non  audebat  erigere,  non 
ex  Israel  fuerit  publicanus  . . ,  aut  cuiquam  credibiie  possit  videri  ethni- 
cum  templum  ingressum,  aut  dominum  cum  ethnico  habuisse  convivium". 
Mt.  9,  9.  Luc.  19,  2. 

P.  27,  2 sq.    S.  Barnab.  13  n.  5. 

P.  27,  5.  „lam  non";  der  Verfasser  gesteht  also  wie  Justin  zu,  dass 
die  Beschneidung  am  Fleische  einst  geboten  war. 

P.  27,  12.  Aehnlich  Barnab.  13,  5;  anders  hat  Tertullian  (de  bapt. 
8)  die  Stelle  erklärt. 

P.  27,  14.    Ein  vom  3.  Jahrhundert  ab  häufig  gebrauchtes  Bild. 

P.  28,  2.  Diese  Allegorie  ist  bei  den  älteren  Vätern  nicht  gebräuch- 
lich. Sie  beziehen  die  gladii  petrini  auf  Christus.  Die  Hervorhebung  des 
Petrus  ist  benferkenswertli. 

P.  29,  11  sq.  Vgl.  Luc,  24,  25  f.  Auch  Justin  sieht  hierin  den  letzten 
Grund  des  Todesleidens. 

P.  29,  14.    S.  c.  III,  11  (p   21,  2). 

P,  29,  19 sq.    S.  Act.  2,  29  und  Aehnliches  bei  Justin. 

P.  30,  16.  In  dem  Citat  Num.  23  ist  wohl  absichtlich  die  Negation 
weggelassen. 

P.  30,  18,  LXX:  höiXipiöoQ  fjtov  levxoq  xal  nvggbq  ixXskoxiffßSvog 
und  fxvQtdöcjp.  Hieraus  hat  der  üebersetzer  die  messianische  Weissagung 
gemacht:  „laneea  conpunctus  a  militibus". 

P.  31 ,  20.  Die  Formen  foliä,  foliarum  habe  ich  nicht  zu  corrigiren  gewagt. 

P.  33,  7  sq.  Der  „praedictus  adventus"  kann  nur  die  zweite  Ankunft 
sein;  aber  von  dieser  war  bisher  eigentlich  noch  gar  nicht  die  Rede. 

P.  33,  11.  ,,Annum'';  hiezu  bemerkt  Martene:  Eamdem  opinionem 
secuti  sunt  inter  Latinos  TertulHanus  (lib.  c.  ludaeos)  et  Lactantius  (libro 
IV.  Institut.).  Nullas  vero,  quem  sciam,  post  saeculum  quartum,  si  tamen 
unum  excipias  Orosium.    Hinc  scriptoris  antiquitatem  colligas. 

P.  34,  15  sq.    S.  Just.,  Apol.  I,  36. 

F,  35,  9.  Der  Verfasser  hat  hier  irrthümlicher  Weise  das  Deutero- 
nium  citirt;  die  Stelle  steht  im  Exodus. 

?.  36,  3 sq.     S.  Mt.  27,  45. 


48  Bie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

P.  36,  7  sq.  Der  Vers  ist  durcli  willkürliche  Textändemug  zu  einer 
mesedanischen  Weissagung  umgestaltet  worden. 

P.  87,  5.  Das  „sciebant"  des  Cod.  B  ist  kaum  erträglich;  ich  habe 
daher  die  LA  „nesciebant"  vorgezogen. 

P.  37,  7.   Märten e  conjicirte  „romphaeam". 

P.  37,  13  sq.  Hier  ist  der  Text  in  B  augenscheinlich  verder1>t;  in  V 
fehlt  die  Stelle. 

P.  37,  17.  Der  Verfasser  folgte  bei  Anordnung  der  letzten  Citate  ziem- 
lich streng  dem  Sjrmbolum.  Der  Ausdruck  „de  claritate  etc."  zeigt,  dass 
er  ein  Symbolum  vor  Augen  hatte,  welches  die  Worte  näXiv  naQayfvr}- 
aöfitvov  iv  dö^g  xQitijv  xtX.  enthielt.  Der  Zusatz  iv  66^13  ist  ein  orienta- 
lischer: er  kommt  im  römischen  Symbol  nicht  vor,  wohl  aber  auch  in 
älteren  abendländischen  regulae  fidei.  S.  Vetustiss.  eccles.  Rom.  symbol. 
illustr.  (PP.  App.  Opp.  I,  2  p.  118  not.  p.  140). 

P.  3S,  6.  Ueber  den  alten  Zusatz  „a  ligno"  vgL  Müller,  Bamabas- 
brief  8.  2!3f.;  Otto  zu  Just,  Dial.  73  (Apol.  I,  41). 

P.  38,  10.    S.  Joh.  19,  17. 

P.  40,  8  sq.    „Homines,  €q." ;  der  Text  ist  hier  wahrscheinlich  verderbt. 

P.  40, 14  sq.  Im  mosaischen  Gesetz  ist  bekanntlich  der  Weingenuss  nicht 
verboten;  der  Satz  „cibos  et  vinum  gentiliter  sumitis"  ist  daher  auf- 
fallend. Vielleicht  ist  nur  im  Allgemeinen  auf  den  unbefangenen  Tisch- 
verkehr der  Christen  mit  Heiden  angespielt.  Allein  wahrscheinlicher  han- 
delt es  sich  um  eine  asketische  Zumuthimg. 

P.  40,  21  sq.  Auch  in  B  ist  hier  schwerlich  der  Text  zuverlässig  über- 
liefert. Die  Worte  „ad  vicem  murorum  mare  circumstetit  undas"  sind 
vielleicht  eine  corrumpirte  Glosse. 

P.  41,  4.  Schon  Zacagni  hat  in  seiner  Ausgabe  der  Acta  Archelai 
c.  81  zu  den  Worten:  „Hoc  in  loco  pervideo,  magnificum  dei  famulum 
Moysen  imaginariam  legem  his,  qui  recte  velint  videre,  tradidisse,  et 
legem  veram  etc  "  unsere  Stelle  verglichen. 

P.  41,  6 sq.  Vor  „arma  bellica"  oder  nach  „gestautes"  ist  vielleicht 
etwas  ausgefallen. 

P.  41,  13.    Die  Jesajasstelle  ist  sehr  willkürlich  zurechtgemacht 

P.  41,  16 sq.  Zum  septimus  millesimus  annus,  der  natürlich  das  7.  Jahr- 
tausend bezeichnen  soll,  s.  meine  Noten  zu  Bamab.  c.  15.  Der  Ausdruck 
sabbatum  sabbatorum  kommt  sonst  meines  Wissens  nicht  vor. 

P.  41,  18.  Der  Ausdruck  „sabbata  tenei-a  sancta  deo"  ist  vielleicht 
nicht  zu  halten ;  ich  habe  aber  nicht  gewagt,  ihn  zu  corrigiren.  Hat  man 
an  Isa.  58,  13:  t«  z()v<peQ(i  adßßata  (Justin.,  Dial.  12  iin.:  r«  tgv(ff(iä 
xal  dlffdivä  adßßata)  zu  denken? 

P.  41,  20.   Zu  „non  cames  suillas"  s.  Baiiiab.  10,  1.  3. 

P.  41,  21  sq.  Worauf  der  Verfasser  mit  dem  „aquam  luto  mixtam 
volutas"  abzielt,  ist  mir  völlig  unklar,  und  ich  vermag  keine  Hypothese 
aufzustellen,  um  den  Sinn  seiner  Worte  zu  erklären.  Auch  der  folgende 
Vorwurf  auf  Blutschande,  der  den  Juden  gemacht  wird,  ist  sehr  auf- 
fallenfl;  nor  im  Allgemeinen  erinnert  man  sich  an  Rom.  3,  13  f.  (s.  auch 


Anmerkungen.  49 

Matth.  6).  Der  Verf.  muss,  wie  auch  das  Folgende  zeigt,  eine  gewisse 
Kenntniss  concreter  Zustände  in  den  jüdischen  Gemeinden  besitzen. 

P.  42,  1     Die  Psalmstelle  ist  vom  Verf.  willkürlich  gemodelt  worden. 

P.  42,  3 sq.  Dieser  Vorwurf,  der  gewiss  nicht  aus  der  Luft  gegriffen 
ist,  ist  meines  Wissens  von  den  Kirchenvätern  sonst  den  Juden  nicht  ge- 
macht worden. 

P.  42,  6 — 9.  Die  Unterscheidung  von  „vinum  Judaicum" .  und  „Chri- 
stianum''  ist  nicht  deutlich.  Will  der  Christ  sagen,  dass  die  Christen 
sorglos  Wein  trinken  dürfen,  während  das  Weinverbot  bei  den  Juden  — 
ein  solches  scheint  der  Verfasser  vorauszusetzen  —  durch  das  A.  T.  be-^ 
reits  festgestellt  sei?  Sicher  ist  diese  Annahme  nicht.  Jedoch  erhält  der 
folgende  Satz  „azymas  tuas  manducare  vetamur"  sowie  manches  von  dem 
vorher  Bemerkten  eine  willkommene  Beleuchtung  durch  den  70.  Kanon 
der  Apostel:  Et  tk:  enlGxonoq  rj  nQeoßvxBQoq  ^  öiaxovOQ  .  . .  vfjatevoi 
fxstä  'lovöalcav  i^  bo^Tdt,oi  ^wfr*  avzcüv  r^  ös'/stat  Ttap*  avTwv  t«  tijg 
eogt^g  ^evta,  oiov  at,v(jLa  tj  ti  TOxoCror,  xaS^aigfioS^o},  et  dh  Xa'ixoc, 
d<poQiZ,€0^w.  Dazu  s.  den  71.  Kanon  und  den  37.  und  38.  der  Synode  von 
Laodicea:  „Man  soll  von  den  Juden  keine  ungesäuerten  Brode  annehmen 
und  an  ihrem  Frevel  siph  nicht  betheiligen".  Siehe  auch  den  35.  Kanon 
von  Laodicea,  den  50.  von  Elvira  u.  s.  w.  . 

iP.  42,  11.  Irrthümlich  hat  der  Verfasser  den  14.  Psalm  statt  Isa.  59 
citirt.  In  Bezug  auf  diese  Irrung  ist  es  beraerkenswerth,  dass  Rom.  3, 
lOf.  die  Stellen  Ps.  14,  3  und  Isa.  59,  7  verbunden  sind. 

P.  43,  7.    „Catezizari",  s.  Rönsch  a.  a.  0.  S.  248. 

P.  43,  Ssq.  Auffallend  ist,  dass  hier  und  im  Folgenden  die  Handauf- 
legung als  das  wichtigste  Stück  bei  der  Taufe  hervorgeTioben  ist.  Statt 
des  „tinxit"  Z.  13  Hest  B  ,,unxit".  Diese  LA  ist  vielleicht  als  die  schwie- 
rigere beizubehalten ;  aber  sie  wäre  als  Bezeichnung  der  Taufhandlung  — 
an  diese  muss  doch  gedacht  werden  —  sehr  auffallend.  Ich  vermuthe 
daber  einen  blossen  Schreibfehler. 

P.  43,  14  sq.  Das  Schlussgebet  des  S^on  erinnert  an  die  Gebete  der 
Thecla. 


§  3.    Analyse  der  Altercatio. 

Die  Altercatio  zerfallt  in  29  Fragen  und  Antworten  nebst 
einem  Schlusscapitel.  Sie  kann  zweckmässig  in  7  Abschnitte  und 
einen  Epilog  eingetheilt  werden.  Der  Autor  lässt  den  Juden  die 
Streitunterredung  beginnen.  Ziel  derselben  soll  die  Bekehrung 
des  überwundenen  Theiles  sein.  Als  Beweisinstrument  soll 
lediglich  die  Schrift  des  Alten  Testamentes  gelten.  Der  Jude 
stellt  meistens  ganz  kurze  Fragen,  welche  der  Christ  ausführ- 
lich beantwortet.    Ist  dieser  mithin  in  der  Defensive  vorgestellt, 

so  kommen  die  positiven  Argumente  des  Juden  für  seine  Re- 
Texte und  ütJtersuchungen  I,  3,  ^  4 


50  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Tbeophili. 

ligion  überhaupt  nicht  zur  Geltung.  Fast  jede  Antwort  des 
Christen  befriedigt  den  Juden  sofort;  sie  lässt  ihm  nur  Raum 
für  neue  Fragen,  bis  er  sich  am  Schluss  für  überwunden  und 
überzeugt  erklärt.  Das  Gespräch  h^t  unter  diesen  Umständen 
mehr  den  Charakter  der  Unterredung  eines  lernbegierigen,  be- 
scheidenen und  gläubigen  Schülers  mit  einem  ungeduldigen, 
tadelsüchtigen  und  ausfahrenden  Lehrer,  als  den  eines  Disputs 
zwischen  zwei  gleichgerüsteten  Partnern.  Am  Schluss  der 
Wechselreden  geht  der  Christ  zu  heftigen  AngriiFen  gegen  die 
Juden  in  Bezug  auf  ihr  Verhalten  im   practischeu  Leben  über. 

1)  Als  Thema  der  Unterredung  bezeichnet  der  Jude  den 
gekreuzigten  Christus  („Ego  tecum  de  Christo  crucifixo 
contendo").  Der  Christ  stellt  den  Satz  an  die  "Spitze:  „Dicimus 
et  audenter  probamus,  dominum  deum  esse".  Der  Jude  beruft 
sich  für  den  strengen  Monotheismus  auf  Deut.  32,  39  und  Isa. 
44,  6.  Der  Christ  erkennt  den  deus  omnipotens  invisibilis  an, 
ihn  kennen,  wissen  und  verehren  auch  die  Christen;  aber 
ausserdem  bekennen  sie  sich  zu  Christus,  dem  Gott  und 
Sohn  Gottes.  Das  Orakel  bei  Jesajas:  ,Jch  bin  der  Erste  und 
der  Letzte",  beziehe  sich  auf  die  zweifache  Aiikunft  Christi;  die 
Worte  „Ausser  mir  ist  kein  Gott"  seien  wider  den  Antichrist 
gesprochen.  Auf  den  Einwurf  des  Juden,  dass  die  Christen  also 
zwei  Götter  hätten,  wird  erwiedert,  dass  nur  ein  Gott  bei 
ihnen  verehrt  werde,  „ex  quo  Christus  et  in  quo  deus".  Dieser 
Christus  sei  im  A.  T.,  z.  B.  dem  Abraham,  erschienen  und  sei  von 
den  Propheten  mehrfach  als  Gott  und  Herr  verkündet  worden 

2)  Der  Jude  fragt  nun  weiter,  ob  denn  irgendwo  im  A.  T. 
Gott  selbst  diesen  Christus  zu  einem  Gott  eingesetzt,  resp.  dafür 
erklärt  habe;  denn  nur  auf  eine  solche  Autorität  hin  könne 
man  ihn  wirklich  für  Gott  und  Gottessohn  halten.  Der  Christ 
verweist  ihn  auf  Exod.  1, 1.  Dort  sei  ja  Moses  als  Gott  Pharao's 
von  Gott  eingesetzt.  Wie  nun  Moses  zum  Gott  der  L^ngiäu- 
bigen  eingesetzt  worden  sei,  so  sei  Christus  der  Gott  der 
Gläubigen;  jener  mithin  ein  Typus  dieses.  Wie  Moses  das 
Volk  aus  der  harten  ägyptischen  Sklaverei  befreit  habe,  so 
habe  Christus  die  Gläubigen  aus  der  Gewalt  des  Teufels  erlöst. 
Der  Jude  ist  durch  diese  Antwort  befriedigt;  aber  er  vermag 
nicht  zu  begreifen,  warum  es  dann  nicht  Genes.  1,  i  einfach 
heisse:   „Am  Anfang  schufen  der  Vater  und-  der  Sohn  Gottes 


Die  Analyse.  .  51 

Himmel  und  Erde".  Der  Clirist  erwiedert,  dass  die  T\^orte  „im 
Anfang"  zu  deuten  seien  „nach  dem  Rathe  Christi  und  nach 
seinem  Willen",  und  dass  ja  riach  Genes.  1,  26  f.  ausdrücklich 
der  Mensch  nach  dem  Bilde  des  Gottes  Christus  und  durch  ihn 
geschaffen  sei.  Auf  den  Einwurf  des  Juden,  dass  jenes  „Lasset  uns 
machen"  sich  an  die  Engel  gerichtet  haben  könne,  wird  gezeigt, 
dass  zu  keinem  Engel  je  etwas  Aehniiches  von  Gott  gesagt 
worden  sei,  dass  diese  vielmehr  angewiesen  seien,  den  Christus 
anzubeten.  Da  der  Jude  noch  nicht  davon  überzeugt  ist,  dass 
der  „Anfangende"  (princeps,  principium)  Christus  sei,  so  wird  er 
auf  Jos.  5,  13  f.  verwiesen,  wo  sich  der  mit  Josua  Redende  als 
..Anführer  der  Heerschaar  der  Majestät  des  Herrn"  bezeichnet. 
3)  Der  Jude  ist  nun  einverstanden:  Christus  ist  der  Prin- 
ceps; aber  seine  besondere  Gottessohnschaft  sei  damit  nicht 
erwiesen;  auch  die  Heiligen  hiessen  ja  Söhne  Gottes;  anderer- 
seits sei  unbegreiflich,  wie  Gott  einen  wirklichen  Sohn  haben 
könne,  da  an  eine  fleischliche  Vermischung  doch  nicht  zu 
denken  sei.  Der  Christ  erwiedert,  Christus  als  der  Erst- 
geborene sei  durch  das  Wort  hervorgebracht  und  durch  ein 
Sprechen  Gottes  in  die  Existenz  getreten.  Wie  Gott  den 
Menschen  durch  seinen  Hauch  zur  lebendigen  Seele  gemacht 
habe,  so  habe  er  sein  Wort  —  denn  das  ist  Christus  —  aus  dem 
Schosse  seines  Herzens  gezeugt.  Dafür  wird  eine  Reihe  von 
Schriftstellen  angeführt,  die  unter  Anderem  aufs  neue  bewei- 
sen, dass  Christus  schon  bei  der  Erschaflbng  des  Himmels  als 
das  Wort  betheiligt  gewesen  sei,  wie  er  auch  als  das  erschie- 
nene Wort  im  Fluge  die  ganze  Welt  durchlaufen  und  durch 
das  neue  Gesetz  die  irrenden  Seelen  zu  Gott  bekehrt  habe. 
Ein  Citat  aus  Proverb.  8  schliesst  den  Beweis  ab.  Der  Jude 
meint,  die  Aussagen  hier  könnten  sich  auf  die  „Weisheit"  be- 
ziehen. Theophilus  erwiedert,  dass  eben  Christus  die  Weisheit 
und  Kraft  Gottes  sei.  Hatten  doch  auch  die  jüdischen  Könige 
nicht  anders  Weisheit  und  Kraft  erlangen  können  ausser  „per 
vocabulum  nominis  Christi".  So  wurden  sie  gesalbt;  als  aber 
der  VerheLssene  kam,  da  verstummte  der  Prophetenmund,  denn 
er  war  der  „Christus  Christorum".  Von  ihm  hat  namentlich  Je- 
sajas  geweissagt  als  der  Kraft  Gottes,  dem  Herrn  aller  Herren. 
Er  hat  aber  auch  die  Geburt  des  Gottessohnes,  des  Emmanuel, 
aus   der  Jungfrau  (c.  7,  10 f.)   vorherverkündet.     Der  Jude  will 


52  .^^i®  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

diese  Weissagung  zeitgeschichtlicli  deuten:  Jerusalem  sei  die 
Jungfrau ;  in  dem  Siege  über  Salmanassar  habe  sich  die  Prophe- 
zeiung erfüllt.  Theophilus  widerlegt  diese  Deutung:  kein  Zug 
der  Weissagung  sei  nach  dieser  Auffassung  erklärbar.  Auf  die 
Frage  Simon's,  wie  er  selbst  denn  jenes  „Butter  und  Honig" 
erkläre,  und  inwiefern  Christus  die  Beute  Samariens  empfangen 
habe,  wird  die  Antwort  gegeben,  Christus  habe  wie  alle  Säug- 
linge Butter  und  Honig  gegessen;  ausserdem  sei  unter  jener 
die  Salbung  des  Geistes,  unter  diesem  die  Süssigkeit  der  Lehre 
Christi  zu  verstehen.  Die  Beute  Samariens  aber  habe  er  in 
den  Geschenken  der  Magier  sowie  in  dem  Glauben  der  be- 
kehrten Samaritaner  und  Damascener  empfangen. 

4)  Simon  ist  nun  überzeugt,  dass  Christus  sowohl  der  vom 
Yater  durchs  Wort  gezeugte  Sohn  Gottes  als  auch  der  aus  der 
Jungfrau  Geborene  sei.  Aber  wie  darf  man  behaupten,  dass 
er  aus  dem  Samen  Davids  in  Bethlehem  geboren  sei?  Theo- 
philus citirt  hierfür  Isa.  11,  1  f .  („Exiet  virga  de  radice  lesse 
etc.");  dann  fährt  er  fort:  die  „virga"  war  die  „virgo  Maria", 
eine  Davididin,  aus  der  Christus  nach  dem  Fleische  geboren 
ist.  Der  Gott,  der  eine  Eselin  redend  machte,  wollte  das  viel 
grössere  Wunderzeichen  thun,  dass  Christus  aus  einer  Jungfrau 
geboren  wurde.  Dreht  sich  nicht  —  fragt  er  den  Juden  • —  der 
ganze  Streit  zwischen  mir  und  dir  darum ,  ob  die  Jungfrau 
wirklich  als  Jungfrau  geboren  habe?  Der  Jude  bejaht  dies:  er 
glaube,  sagt  er,  dass  eine  Jungfrau  vom  Geiste  empfangen 
könne  —  aber  als  Jungfrau  gebären?  Der  Christ  erwiedert, 
dass  Gott  ja  selbst  einen  Felsen  sprengen  könne,  ausserdem 
habe  Baruch  geweissagt,  dass  Maria  den  Christus  clauso  utero 
gebären  werde;  denn  es  heisse  bei  ihm:  „Hie  unctus  meus, 
electus  meus  vulvae  incontaminatae".  Ganz  unvermittelt  fahrt 
Theophilus  nach  dieser  Digression  über  die  bleibende  Jung- 
frauenschaft der  Maria,  die  durch  keine  Frage  des  Juden  ver- 
anlasst war,  fort,  das,  worüber  Simon  wirklich  um  Auskunft 
gebeten  hatte,  zu  beantworten :  er  verweist  ihn  wegen  der  Ge- 
burt in  Bethlehem  auf  den  Propheten  Micha  (5,  2). 

5)  Simon  geht  nun  zu  einem  neuen  Punkte  über:  die  Be- 
schneidung. W^ie  soll  man  den  Christen,  welche  die  Beschneidung 
verwerfen,  glauben,  da  Gott  sie  doch  dem  Abraham  geboten, 
und  da  Christus   selbst  beschnitten  gewesen  sei?   Theophilus 


4 


Die  Analyse.  53 

erwiedert,  dass  die  Christen  die  Beschnittenen  nicht  zurück- 
weisen; Abraham  aber  habe  die  Gerechtigkeit  durch  den  Glauben, 
nicht  durch  die  Beschneidung  erworben;  diese  habe  er  spater 
erhalten  zum  Zeichen,  dass  zwei  Völker  zum  Glauben  an  Christus 
gelangen  sollten,  die  Beschnittenen  und  die  Unbeschnittenen. 
Christus  musste  beschnitten  werden,  damit  seine  Davids-Sohn- 
schaft  unbestreitbar  sei;  die  Beschneidung  sei  somit  ein  natio- 
nales Zeichen,  kein  Heils  Unterpfand.  Die  Berufung  des  Juden 
aufExod.  4,  25  wird  abgewiesen;  denn  Moses  war  ja  ein  Typus 
Christi;  unter  Sefifora  sei  also  die  Synagoge  zu  verstehen.  Aus- 
drücklich habe  Gott  zu  Moses  gesagt:  „Baue  mir  einen  Altar 
aus  unbeschnittenen  Steinen  und  lege  kein  Messer  an  sie  an*' 
(Exod.  20,  25).  Hier  erkenne  man,  dass  der  verheissene  Christus 
die  Kirch«  aus  einem  unbeschnittenen  Volke  bauen  sollte.  Simon 
fordert  nun  einen  Beweis  daftir,  dass  Christus  Niemanden  be- 
schnitten habe.  Theophilus  verweist  ihn  auf  den  unbeschnittenen 
Zöllner  Matthäus,  den  Apostel,  auf  Zacchäus  und  viele  Andere 
in  der  evangelischen  Geschichte.  Dann  aber  fuhrt  er  an  einer 
Reihe  von  Schriftstellen  durch,  dass,  ebenso  wie  die  Opfer  auf- 
gehoben worden  seien,  wie  ein  neuer  Bund  an  die  Stelle  des 
alten  getreten  und  das  jüngere  Volk  dem  älteren  vorgezogen 
worden  sei,  so  auch  nuu  die  Beschneidung  nicht  mehr  der 
Vorhaut,  sondern  des  Herzens  gelte.  Die  Aufforderung  speciell 
an  Josua  („Fac  tibi  gladios  petrinos  et  sede  secundo  et  circum- 
cide  filios  Israel")  sei  an  Jesus  Christus  gerichtet,  der  durch  seinen 
Apostel  die  Herzen  geistlich  beschnitten  habe ;  in  Erfüllung, 
dieser  Weissagung  sei  auch  Simon  „Petrus"  genannt  worden 
Auf  die  Frage  des  Juden,  worin  die  Beschneidung  des  Herzens 
bestehe  und  wie  man  die  „Vorhaut"  zu  deuten  habe,  wird  die 
Antwort  gegeben,  dass  die  Entfernung  der  bösen  Lust  und 
Sünde  die  christliche  Beschneidung  sei,  welche  auch  die  ältesten 
heiligen  Männer,  ein  Henoch,  Noah,  Hiob  und  Melchisedek, 
allein  gekannt  und  geübt  hatteu.  Wäre  es  anders,  so  hätte 
Gott  den  Adam  auch  ohne  Vorhaut  erschaffen  können. 
.  6)  Der  Jude  ist  befriedigt;  aber  er  geht  jetzt  zu  dem 
stärksten  Einwurfe  über:  das  schimpfliche  Leiden  Christi.  Wenn 
Christus  wirklich,  wie  behauptet  wird,  an  das  Kreuz  geschlagen 
worden  ist,  so  hat  er  die  Strafe  erlitten,  welche  der  Verräther 
Haman  und  der  abtrünnige  Absolon  mit  Recht  erhalten  haben. 


54  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Ferner,  wenn  es  wahr  ist,  dass  der  ans  Kreuz  Gehenkte  der 
Messias  gewesen,  warum  ist  in  den  heiligen  Schriften  dieser 
Tod  nicht  vorausverkündet,  während  wir  jetzt  den  Tod  dieses 
Gekreuzigten  als  des  Feindes  unseres  Volkes  bejubeln?  Endlich: 
im  Gesetze  stehe:  „Verflucht  sei,  wer  am  Holze  hängt".  In 
seiner  ausführlichen  Antwort  setzt  Theophilus  bei  dem  letzten 
Ein-'^Tirfe  ein.  Der  Gehenkte  ist  nur  dann  nach  dem  Gesetze 
verflucht,  wenn  er  eine  Todsünde  begangen.  Christus  aber  hat 
keine  Sünde  gethan,  wie  alle  Propheten  bezeugen;  er  litt  viel- 
mehr, auf  dass  die  Schrift  erfüllt  würde.  Das  Leiden  Christi 
ist  an  vielen  Stellen  der  h.  Schrift  bezeugt;  eine  Anzahl  der- 
selben wird  aufgezählt,  die  sich  nicht  etwa  auf  David  beziehen 
können.  Bei  seiner  ersten  Ankunft  sollte  Christus  jegliche 'Er- 
niedrigung und  Entstellung  bis  zum  Tode  erdulden.  Zuletzt 
verweilt  Theophilus  bei  der  Stelle  Num.  13,  24 f.:  die  Rebe  (mit 
der  Traube)  ist  Christus,  der  am  Holze  hing;  das  Land  der 
Verheissung  ist  Maria;  die  beiden  Hebestangen  sind  die  zwei 
Völker,  und  zwar  die  vordere,  welche  Christo  den  Rücken  zu- 
kehrt, das  jüdische,  die  hintere,  spätere,  welche  auf  ihn  hin- 
blickt, das  christliche  aus  den  Heiden.  Simon  will  nun  auch 
die  Bedeutung  des  Granatapfels  kennen  lernen.  Er  stellt  die 
Kirche  dar,  welche  das  durch  Christi  Blut  bezeichnete  Volk 
umfasst.  Was  aber  sollen  hier  die  Feigen,  meint  der  Jude,  da 
doch  Adam  seine  Scham  mit  Feigenblättern  deckte?  Der  Christ 
belehrt  ihn,  dass  die  Feigenblätter  den  alten  Menschen  ab- 
bilden, die  Feigenfrucht  aber  den  inneren  Menschen,  wie  ja 
auch  der  König  Ezechias  durch  einen  Feigenkuchen  geheilt 
worden  sei.  Nach  diesem  Excurse  fährt  Theophilus  fort,  Schrift- 
stellen für  die  Niedrigkeit  der  ersten  Ankunft  Christi  beizu- 
bringen. In  diesem  Zusammenhang  kommt  er  auch  auf  das 
Passalamm,  den  Typus  Christi,  zu  sprechen.  Wie  das  Blut  des 
Lammes  die  Bedingung  für  die  Errettung  Israels  war,  so  hat 
uns  auch  Christus  durch  seinen  Tod  aus  der  Gewalt  des  Teu- 
fels und  von  dem  Cult  der  Götzen  befreit,  und  wie  das  Lamm 
einjährig  sein  musste,  so  ]  at  auch  Christus  nach  seiner  Taufe 
ein  Jahr  gepredigt,  dann  hat  er  gelitten;  wir  aber  werden 
durch  sein  Blut  an  der  Stirne  gezeichnet  und  so  bezeichnet, 
dass  wir  bei  der  zweiten  x4.nkunft,  wenn  die  Zerstörung  dieser 
Welt  eintritt,   gerettet  werden.     Die  doppelte  Ankunft  Christi 


Die  Analyse.  55 

ist  ausserdem  von  Ezecliiel  (9,  4  f.)  verkündet,  und  die  Geschichte 
von  der  Hure  Rahab  zeigt  die  Errettung  der  Kirche  bei  der 
Wiederkunft  Christi  an.  Sie  und  alle,  welche  an  der  Stirne 
mit  dem  Blute  gezeichnet  sind,  v^erden  dann  beim  Brande  der 
Erde  gerettet  v\^erden.  Auch  aus  der  Prophetie  des  Hosea  folge 
übrigens,  dass  die  Hure  ein  Bild  der  Kirche  sei,  Christus  hat 
vsie  von  der  Hurerei  des  Götzendienstes  an  sich  genommen. 
Ausserdem  gevirähre  die  Kirche  wie  die  Hure  jedem,  der  zu  ihr 
kommt,  den  Erwerb  des  Glaubens.  Die  Synagoge  sei  aber  von 
Christus  verworfen  worden.  Nach  dieser  zvfeiten  Digression 
kehrt  Theophilus  wieder  2u  Christus  zurück.  Nicht  nur  sein 
Tod,  sondern  auch  seine  Auferstehung  am  dritten  Tage,  die 
näheren  umstände  des  Todes,  die  Himmelfahrt  und  die  Herr- 
lichkeit des  Reiches  der  zweiten  Ankunft  sind  von  vielen  Pro- 
pheten verkündet.  Theophilus  erwähnt  gegen  Ende  die  Stelle 
Isa.  9,  6;  diese  Weissagung  habe  ihre  besondere  Erfüllung  noch 
darin  gefunden,  dass  Christus  auf  seinem  Todesgang  sein  Kreuz 
auf  den  Schultern  getragen  habe;  er  schliesst  mit  Citaten  aus 
dem  72.  Psalm.  Simon  ist  wiederum  überzeugt;  aber  er  findet 
noch  Eines  zu  erinnern:  der  72.  Psalm  beziehe  sich  deut- 
lich, wie  seine  Ueberschrift  sage,  auf  Salomo.  Theophilus 
beweist  ihm  aus  dem  Inhalte,  dass  der  Psalm  auf  Salomo  nicht 
passe.  Nun  gesteht  Simon,  dass  der  Teufel  ihn  bereits,  ver- 
lasse und  ihm  der  Wunsch  nach  Erkenntniss  der  Wahrheit  auf- 
steige. Theophilus  unterstützt  ihn,  indem  er  darauf  hinweist, 
dass  nach  Isa.  61,  1  Christus  gekommen  sei,  um  die  in  die 
Bande  der  Finsterniss  Geschlagenen  zu  befreien. 

7)  Der  Beweis  für  die  Messianität  und  Gottheit  Christi  ist 
nun  überzeugungökräftig  erbracht.  Es  ist  aber  für  den  Juden 
noch  ein  Anstoss  übriggeblieben:  die  Christen  hielten  die 
Sabbathe  nicht,  ässen  ohne  Auswahl  Alles  und  tränken  nach 
heidnischer  Weise  Wein;  das  sei  im  Gesetze  verboten,  und 
wenn  Theophilus  nicht  auch  diese  Anstösse  wegräumen  könne, 
so  könne  er  nimmer  glauben,  Theophilus  lässt  ,den  Juden  für 
diesen  Einwurf  zuerst  hart  an;  dann  belehrt  er  ihn,  wie  bereits 
aus  Jos.  6  hervorgehe,  dass  in  Wahrheit  kein  Sabbathsgebot 
gegeben  sei:  sieben  Tage  sollten  die  Juden  um  Jericho's  Mauern 
ziehen.  Bei  Jesajas  habe  zudem  Gott  seinen  Hass  gegen  die 
Sabbathe  ausdrücklich  geäussert.     Der  Sabbath,  den  Gott  ver- 


56  I^iö  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

lange,  sei  das  Ablassen  von  allen  bösen  Werken,  damit  man 
im  7.  Jahrtausend,  welches  der  Sabbath  der  Sabbathe  sei,  von 
den  bösen  Werken  frei  erfunden  werde.  Femer,  nicht  Schweine- 
fleisch sei  verboten,  sondern  schweinische  Thaten;  die  Juden 
aber  begingen  ungescheut  die  gröbsten  Sünden  und  Verbrechen 
und  prunkten  mit  ihren  Festen  und  Gebeten.  Gesetzesbestim- 
mungen ssudem,  wie  die,  nur  beschuppte  Fische  zu  essen,  umgingen 
sie  selbst,  indem  sie  alles,  was  das  Netz  biete,  in  der  Brühe 
mit  Behagen  genössen.  Wein  zu  trinken,  wie  die  Christen 
thäteu.  sei  nirgends  in  der  Schrift  verboten;  dagegen  warne 
dieselbe  vor  dem  „jüdischen  Weine";  auch  sei  es  den  Christen 
nicht  gestattet ,  die  jüdischen  ungesäuerten  Brode  zu  essen. 
Mit  mehreren  Prophetenstellen  schliesst  Theophilus,  welche  die 
furchtbaren  Verbrechen  der  Juden  verkündigen.  Selbst  ein 
Nebukadnezar  habe  den  Sohn  Gottes,  erkannt  (Dan.  3,  24  f.), 
welchen  Simon  anzuerkennen  zögere.  Er  möge  zusehen,  dass 
er  nicht  unter  das  Gericht  Habac.  1,  5  falle. 

8)  Epilog.  Simon  ist  von  dem  „guten  Arzt"  Theophilus 
gewonnen.  Er  verlangt  nach  der  Taufe  und  der  Handauflegung 
zur  Sündenvergebung.  Theophilus  tauft  ihn,  und  Simon,  der 
nun  den  Glauben  erlangt  hat,  schliesst  mit  einem  Gebete  zu 
Jesus. 


§  4.    Der  Charakter  und  die  Composition  der  Altercatio 
nebst  einer   Einleitung  in   die   antijüdische   Literatur 

der  alten  Kirche. 

Schon  die  Verfasser  der  Histoire  literaire  de  la  France 
haben  sich  gewundert  "2),  dass  gewisse  Dinge  in  der  Altercatio 
nicht  besprochen  worden  sind,  die  man  in  einem  Werke  dieser 
Art,  welches  dem  5.  Jahrhundert  angehört,  sucht.  Sie  selbst 
nennen  allerdings  nicht  eben  die  Themata,  welche  man  am 
meisten  vei-misst.  Um  die  Eigenthümlichkeit  des  Tractates 
richtig  zu  erkennen,  ist  es  noth wendig,  einen  Blick  auf  die 
antijüdische  Literatur  der  alten  Kirche  überhaupt  zu  werfen 
und  sich  die  Bedingungen  und  die  Art  ihrer  Polemik,   sofern 


32)  L.  c.  T.  IT  p.  121  sq. 


Der  Charakter  und  die  Composition.  57 

dieselbe  eine  Adresse  an  das  Judenthum  trägt,  zu  vergegen- 
wärtigen. 

Bevor  es  eine  kirchliche  Theologie  gegeben  hat  —  und  in 
strengem  Sinn  kann  man  von  einer  solchen  erst  sprechen,  nach- 
dem der  neutestamentliche  Kanon  festgestellt  war,  nachdem  die 
Methode  der  christlichen  Philosophen  des  2.  Jahrhunderts  und 
die  Begriffe,  mit  welchen  sie  arbeiteten,  Bürgerrecht  in  der 
Glaubenslehre  erlangt  hatten,  und  nachdem  die  mythologische 
und  enthusiastische  Production  von  „Realitäten"  eingeschränkt 
war  —  bevor  es  eine  kirchliche  Theologie  gegeben  hat,  war 
der  Nachweis  der  Concordanz  zwischen  dem  Alten  Testament 
und  den  wirklichen  oder  nur  vorausgesetzten  Thatsachen,  auf 
welche  die  neue  Gemeinde  ihre  Existenz  gründete,  fast  das 
ausschliessliche  Thema  des  Nachdenkens.  Das  Bedtirfniss,  die 
neue  Religion  ausreichend  zu  fundamentiren  und  die  Anstösse, 
welche  sie  zu  bieten  schien,  zu  beseitigen,  war  hier  in  weit 
höherem  Masse  wirksam,  als  das  Bestreben,  dem  Glauben  und 
der  Ethik  einen  reichen  Stoff  zuzuführen  und  eine  umfassende 
Geschichts-  und  Weltbetrachtung  zu  gewinnen.  Aus  den  Worten 
Jesu  selber,  die  in  grosser  Zahl  aber  in  unsicherer  Ausprägung 
den  Gemeinden  bekannt  waren,  las  man  fast  nur  Sittenregeln 
heraus;  sie  erläuterten  weder  seine  wunderbare  Geschichte,  noch 
vermochten  sie  seine  Würde  als  Gottessohn  und  Erlöser  aus- 
reichend zu  begründen.  Die  Briefe  der  Apostel  waren  nicht 
überall  schon  bekannt,  sie  waren  zudem  dunkel  und  ermangelten 
zunächst  noch  der  Autorität,  welche  man  in  diesem  Zusammen- 
hang allein  bedurfte  —  der  Autorität  von  göttlichen  Anweisungen. 
Wohl  besassen  die  Gemeinden  in  den  Apokaljnpsen  und  Pro- 
phetensprüchen solche  Anweisungen  und  Aufschlüsse;  aber  als 
Producte  der  Gegenwart  forderten  letztlich  auch  sie  eine  Legi- 
timation und  waxen  nicht  im  Stande,  ihrerseits  das  zu  bezeugen, 
unter  dessen  Voraussetzung  sie  selbst  allein  bestanden,  unter 
solchen  Umständen  mussten  sich  alle  Bestrebungen  auf  das  alte 
Testament  concentriren.  Nicht  nur  als  Beweisinstrument  kam 
es  in  Betracht,  sondern  es  wurde  recht  eigentlich  als  die  Ur- 
kunde des  Heiles  selbst  angesehen,  welche  sowohl  das  Evan- 
gelium einschliesst  als  durch  ihre  Form  dasselbe  nach  allen 
Seiten  sicherstellt.  Es  ist  daher  durchaus  im  Sinne  der  ältesten 
Kirchen,  wenn  man  von  dem  „alttestamentlichen  ürevan- 


58  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

gelium"  gesprochen  hat^^).  Die  frohe  und  heilsame  Botschaft 
ist  von  den  Propheten  vollständig,  deutlich  und  in  aligemein 
verständlicher  Weise  verkündet  worden.  Die  geschichtliche 
Durchführung  derselben  ist  an  dieser  Verkündigung  zu  messen, 
da  jene  sich  eben  in  geschichtlichen  Formen,  d.  h.  in  solchen 
vollzogen  hat,  deren  Werth  als  unmittelbare  Gottesvrirkungen 
der  Natur  der  Sache  nach  nicht  so  erkennbar  ist,  wie  sich  der 
göttliche  Ursprung  bei  Prophetensprüchen  und  Orakeln  fest- 
stellen lässt.  Darum  die  so  häufig  wiederholte  und  in  der 
ältesten  Kirche  stereotyp  gewordene  Foraiel,  dieses  und  jenes 
sei  geschehen,  resp.  gesprochen  worden,  damit  die  Schrift 
erfüllet  würde.  In  dieser  Formel  erscheint  das  Verhältniss 
von  Weissagung  und  Erfüllung  recht  eigentlich  umgekehrt. 
Die  Weissagung  ist  hier  nicht  mehr  „der  Schatten  des  Zu- 
künftigen", sondern  „das  Zukünftige"  besitzt  seinen  Werth  darin, 
dass  es  geweissagt  worden  ist.  Daher  die  vollkommene  Sorg- 
losigkeit in  Bezug  auf  die  Zweckmässigkeit  und  sachliche  Noth- 
wendigkeit  vieler  der  Vorgänge,  die  sich  in  der  Geschichte  des 
Erlösers  und  an  ihm  selber  ereignet  hatten.  Sofern  dieselben 
überhaupt  erwogen  werden,  ist  immer  die  Betrachtung  der  alt- 
testamentlichen  Weissagung  der  Ort  dafür.  Christus  hat  den 
Kreuzestod  erlitten,  damit  die  Schrift  erfüllet  würde;  ein  sach- 
licher zureichender  Grund  für  diesen  Tod  wird  entweder  über- 
haupt nicht  gesucht  oder  doch  nicht  für  den  wirklichen  Kreuzes- 
tod des  historischen  Jesus  Christus,  sondern  höchstens  für  das 
Geschick  dessen,  der  da  kommen  sollte. 

Diese  formalistische  und  un geschichtliche  Betrachtung  der 
Thatsachen,  auf  welche  die  neue  Gemeinde  doch  ihre  Existenz 
gründete,  ist  allerdings  ein  Beweis  dafür,  dass  der  Complex  der 
angeblich  oder  wirklich  geweissagten  Dinge  sich  nicht  deckte 
mit  der  Summe  der  für  den  Glauben  und  dieErkenntniss  wirklich 
werthvollen  und  fruchtbaren  Artikel.  Leuchtet  schon  bei  flüch- 
tiger Betrachtung  ein,  dass  jener  einen  sehr  grossen  Ueberschuss 
über  diese  enthalten  haben  muss,  so  zeigt  sich  einer  genaueren 
Beobachtung  das  hier  bestehende  Verhältniss  überhaupt  nicht 
als  ein  quantitatives.   Der  Glaube  der  ältesten  (gemeinden  lebte 


33)  S.  Credner,  Beiträge  z.  Einl.  in  d.  bibl.  Schriften  II  (1S3S),  be- 
sonders S.  31 2  f. 


Der  Charakter  und  die  Composition.  59 

in  der  Zukunft  und  schätzte  den  gegenwärtigen  Heilsbesitz 
und  Alles  was  sich  bisher  für  die  Gläubigen  ereignet  hatte,  als 
eine  Einleitung  zu  dem,  was  noch  kommen  sollte.  Wer  sich 
einmal  überzeu-gt  hatte,  dass  das  schreckliche  Ende  vor  der 
Thüre  stehe  ^  dass  er  selbst  aber  zu  den  geretteten  Heiligen 
gehöre,  der  konnte  unmöglich  einen  Antrieb  empfinden,  sich 
in  die  Details  der  Vergangenheit  zu  versenken.  Umgekehrt 
aber  erschien  bei  jener  Betrachtungsweise,  nach  welcher  man 
die  zahlreichen  Weissagungen  des  A.  T.'s  auf  die  jüngste  Ver- 
gangenheit und  die  Stiftung  der  Gemeinde  deutete,  die  Summe 
dessen,  was  sich  bereits  erfüllt  hatte,  als  eine  so  grosse,  dass 
Alles,  was  noch  zu  erwarten  stand,  nur  die  Geltung  eines  letzten 
Striches  zu  einer  im  Wesentlichen  abgeschlossenen  Ziffer  be- 
anspruchen konnte. 

Drückt  nun  die  erstgenannte  Betrachtung  unzweifelhaft  das 
eigentliche  religiöse  Interesse  der  ersten  Gemeinden  aus,  so  muss 
man  fragen,  unter  welchen  Verhältnissen  die  zweite  überhaupt 
hat  aufkommen  können.  Man  wird  nicht  irren,  wenn  man  be- 
hauptet, dass  die  Anstösse,  welche  die  Geschicke  des  Stifters 
der  Gemeinde  auch  den  Gläubigen  boten,  der  erste  und  ent- 
scheidende Anlass  zu  Reflexioijen  gewesen  sind,  die  dem  christ- 
lichen Denken  eine  so  folgenschwere  Richtung  geben  sollten. 
Aber  man  wird,  sobald  man  den  hier  bestehenden  Problemen 
näher  tritt,  zwischen  .Judenchristen,  für  welche  das  bisher  ein- 
leitend Ausgeführte  nur  theilweise  gilt,  und  Heidenchristen 
unterscheiden  müssen.  Schon  in  den  Kreisen  der  ersten  Chri- 
sten aus  den  Juden  ist  die  Beschäftigung  mit  dem  A.  T.  zur 
Erprobung  der  Messianität  des  Jesus  von  Nazareth  und  zur 
Wegräumung  der  Bedenken,  die  sich  hier  erheben  mussten,  die 
vornehmste  Aufgabe  für  das  Nachsinnen  gewesen.  War  auch 
das  ganze  religiöse  Interesse  durch  die  Hoffnungen  auf  die 
Zukunft  mit  Beschlag  belegt,  es  musste  doch  noch  Raum  und 
Zeit  bleiben,  um  die  Voraussetzungen  zu  erproben,  welche  allein 
jene  Hoffnungen  zu  sicheren  machten.  Soweit  wir  nach  den 
spärlichen  Resten,  die  sich  hier  erhalten  haben,  zu  urtheilen 
vermögen,  hat  der  religiöse  Glaube  nur  sehr  langsam  und  all- 
mählich sich  durch  diese  Beschäftigung  mit  dem  alttestament- 
lichen  ürevangeiium  vertieft  und  erweitert;  sie  diente  zunächst 
nur  der  Missionspraxis  und  der  Apologetik.  So  lange  die  Formel 


ßQ  Die  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

in  Kraft  blieb:  „Dies  ist  geschehen,  damit  die  Schrift  erfüllet 
würde"  —  und  sie  enthielt  auch  für  den  Judenchristen  gegen- 
über vielen  Stücken  aus  dem  Leben  und  der  geschichtlichen 
Erscheinung  Jesu  Christi  die  einzige  Erklärung  —  so  lange 
verhielt  sich  der  lebendige  Glaube  noch  neutral  zu  den  einzelnen 
Stücken,  welche  in  der  Apologetik  festgestellt  wurden.  Es  ist 
aber  hier  doch  hinzuzufügen,  dass  der  Judenchrist,  sofern  er 
nicht  philosophisch  verbildet  war,  den  Sinn  für  den  Unterschied 
des  A.  T/s  und  des  Evangeliums  sich  in  irgend  welcher  Weise 
stets  bewahren  musste.  Mochte  er  das  Evangelium  auch  noch 
so  nahe  an  das  A.  T.  heranrücken,  mochte  er  noch  so  stark 
die  zukünftige  messianische  Herrlichkeit  gegenüber  dem,  was 
bisher  offenbar  geworden  war,  betonen,  er  hielt  doch  die  Unter-» 
Scheidung  von  Weissagung  und  Erfüllung  einigermassen  fest 
und  besass  in  dieser  Unterscheidung  einen  Massstab  für  die 
specifische  Würdigung  des  Evangeliums. 

Als  die  christliche  Predigt  in  die  Heidenwelt  drang,  änderte 
sich  an  diesen  Verhältnissen  in  einer  entscheidenden  Hinsicht 
nichts.  Waren  die  Bedingungen,  unter  welchen  di«  Griechen 
Christen  wurden,  auch  sehr  verschieden  von  denen,  unter  wel- 
chen der  Jude  das  Evangelium  hörte  und  annahm,,  tauchten 
auch  viele  neue  Probleme  und  Schwierigkeiten  auf  dem  neuen 
Boden  auf  —  die  Umstände,  welche  eine  eingehende  Beschäf- 
tigung mit  dem  A.  T.  erheischten  und  welche  den  Beweis  aus 
der  Weissagung  nöthig  machten,  blieben  hier  und  dort  dieselben. 
Sieht  man  von  der  ganz  eigenthüralichen  Art  ab,  in  welcher 
der  Apostel  Paulus  sich  mit  dem  A.  T.  auch  in  Bezug  auf  die 
Christoiogie  auseinandergesetzt  hat  —  und  man  hat  ein  Recht 
von  ihr  abzusehen  — ,  so  kann  man  nicht  verkennen,  dass  die 
Methode,  nach  welcher  Judenchristen  und  Heiden  Christen  in  dem 
A.  T.  Christus  und  sein  Evangelium  wiedergefunden  haben,  und 
die  Bedeutung,  welche  sie  dieser  Erkenntniss  beilegten,  wesent- 
lich dieselbe  gewesen  ist.  Hieraus  erklärt  sich  denn  auch  die 
auffallende  Erscheinung,  dass  es  einen  Kreis  von  Ausführungen 
in  der  ältesten  christlichen  Literatur  giebt,  über  dereti  juden- 
christHchen  oder  heidenchristlichen  Ursprung  man  nicht  ins 
Klare  kommen  kann.  Dies  ist  z.  B.  bei  einigen  Redestücken  in 
der  Apostelgeschichte  der  Fall,  die,  an  sich  betrachtet  und  so 
vrie  sie  uns  überliefert  sind,  ebensogut  aus  einer  Judenchrist- 


Der  Charakter  und  die  Composition.  61 

liehen  wie  aus  einer  heidenchristliclien  Feder  geflossen  sein 
können. 

Indessen  ist  andererseits  doch  nicht  zu  verkennen,  dass  erst 
auf  heidenchristiicheni  Boden  die  einzelnen  Stücke  im  Weissag- 
ungsbeweise ihres  sachlich  werth vollen  und  geschichtlichen  Inhal- 
tes völlig  beraubt  und  zu  Ziffern  in  einem  Exempei  herabgesetzt 
worden  sind.  Dem  bekehrten  Juden  war  allein  schon  mit  dem  Satze: 
„Jesus  ist  der  Messias",  eine  Fülle  von  concreten  Anschauungen  ge- 
geben, die  dem  Heidenchristen  völlig  abging.  Hatte  er  es  auch 
nicht  nöthig,  sich  aus  dem  Weissagungsbeweise  das  Bild  des 
Messias  zu  verdeutlichen  und  lebte  er  auch  in  seinem  religiösen 
Denken  von  der  Zukunft,  so  gab  es  doch  in  jenem  Beweise 
eine  Reihe  von  Stücken,  deren  sachlicher  Werth  sich  ihm  un- 
gesucht aufdrängte'^'*).  Anders  bei  dem  Heidenchristen.  Dass 
Jesus  ein  Sohn  Abrahams  und  Davids  gewesen,  dass  er  in 
Bethlehem  geboren,  dass  er  sich  selbst  mit  seiner  Predigt  nur 
an  das  Volk  Israel  gewendet  hat,  und  unzähliges  Andere  war 
für  den  Heidenchristen  im  günstigsten  Falle  gleichgültig,  in 
der  Regel  zunächst  ein  Stein  des  Anstosses.  Die  Formel:  es 
ist  geweissagt,  musste  über  diese  Anstösse  hinweghelfen,  und 
mit  dieser  Formel,  in  welcher  er  die  sachliche  Bedeutung  der 
Thatsachen  geradezu  neutralisirte,  setzte  er  die  Anstösse  zu 
Beweisen  dafür  um,  dass  die  geschichtliche  Erscheinung  des 
Erlösers  eine  von  Anbeginn  von  Gott  selbst  geplante  und  ver- 
heissene  gewesen  sei. 

Immerhin  darf  man  die  Differenz  zwischen  der  Haltung 
des  Juden christenthu  ms  und  des  Heidenchristenthums  hier  doch 
noch  wesentlich  als  eine  quantitative  beurtheilen.  Denn  das 
wirkliche  geschichtliehe  Bild  des  Christus  entsprach  so  wenig 
den  alten  Weissagungen  und  den  im  Judenthum  herrschenden 
messianischen  Vorstellungen,  dass  auch  die  gläubigen  Juden 
eine  Reihe  jon  ihnen  unverständlichen  Zügen  sachlich  auf  sich 
beruhen  lassen  und  durch  eine  weitgreifende  Correctur  der  Ge- 
schichte Jesu,  sowie  durch  künstliche  Interpretationen  des  A.T/s 
die  formelle  Concordanz  zwischen  Weissagung  und  Erfüllung 
herstellen  mussten.   Allein  es  kamen  nun  zwei  Umstände  hinzu 


34)  Von  dem  alexandrinischen   und   philosophischen  Judenthum  ist 
hier  aböresehen. 


()2  Die  Altercatio  Simonis  et  TheophiK. 

durcli  welche  die  Bedeutung  des  Weissagungsbeweises  für  den 
Heidencliristen  eine  qualitativ  andere  wurde  und  der  Bewein 
selbst  eine  neue,  zweite  Abzweckung  erhiek.  Einmal  näralicli 
wurde  das  Ansehen  des  A.  T.'s  in  der  Heidenkirche,  die  kein 
geschichtliches  Verstau dniss  für  dasselbe  besass,  noch  gestei- 
gert und  das  Evangelium  völlig  in  dasselbe  hineininterpretirt. 
Soweit  war  das  Judenchristenthum  niemals  gegangen.  Es  konnte 
diesem  nicht  einfallen,  das  Evangelium  ohne  Rest  in  das  A.  T. 
aufgehen  zu  lassen.  Sodann  sollte  durch  den  Weissagungsbeweis 
auch  die  Frage  nach  der  Gültigkeit  des  Gesetzes  in  beiden  christ- 
lichem Sinne  entschieden  werden,  und  sofern  dies  keine  Frage 
mehr  war,  sollte  dem  Judenthum  das  Besitzrecht  an  dem  alten 
Testamente  genommen  und  die  Vorgeschichte  des  Christenthums 
dem  national-jüdischen  Boden  völlig  enthoben  werden. 

Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  zu  zeigen,  welche  Motive  die 
Heiden  Christen  bestimmt  haben,  so  radical  mit  der  geschicht- 
lichen Ueberlieferung  zu  brechen,  in  welcher  das  Evangelium 
ursprünglich  doch  auch  zu  ihnen  gekommen  war.  Auf  die  Ver- 
änderungen, welche  der  Weissagungsbeweis  seinem  Umfange 
und  seinem  Zwecke  nach  auf  diesem  Wege  erhielt,  musste  aber 
hingCTviesen  werden.  Eines  nur  änderte  sich  dabei  nicht:  der 
Werth,  welcher  jenem  umständlichen  Beweise  beigelegt  wurde, 
oder,  richtiger  ausgedrückt,  der  Ort,  den  er  behauptete.  Er 
blieb  noch  immer  eine  freilich  unentbehrliche  Hülfshnie;  aber 
der  Glaube  selbst  hat  sich  an  ihr  nicht  orientiren  können.- 
Worin  er  lebte  und  wovon  er  zehrte,  das  stand  ihm  vor  jeder 
Beweisführung  fest.  Die  Art,  wie  der  Weissagungsbeweis  das 
christliche  Selbstbewujstsein  fandamentirte  und  die  christlichen 
Hoffnungen  legitimirte,  brachte  dem  Glauben,  seinen  Ansprüchen 
wie  seinen  Aussichten,  keine  wesentliche  Vertiefung  und  För- 
derung. Wohl  finden  sich  in  den  ältesten  hei  den  christlichen 
oder  für  Heidenchristen  bestimmten  Schriften  aucii  zahlreiche 
Ausführungen  des  Weissagungsbeweises  mit  daran  gehängten 
Paränesen,  aber  dieselben  sind  nicht  eigentlich  aus  jenem  Beweise 
hervorgewachsen,  sondern  scheinen  ihm  mehr  angehäugt  zu 
sein.  Dogmatik  und  Zukunftshoffnung  stehen  noch  immer  in 
einem  ziemlich  losen  \'erhältniss  zur  Apologetik. 

Zur  Apologetik  —  aber  muss  der  Beweis,    dass  Jesus  in 
allen  Stücken  der  verhcissene  Messias  sei,  dass  das  Gesetz  ab- 


Der  Charakter '  und  die  Composition.     '  63 

geschafft  und  die  neue  Gemeinde  nicht  nur  die  jetzt  legitime, 
sondern  in  Wahrheit  die  erste  and  einzige  sei,  nicht  als  ein 
polemischer  aufgefasst  werden?  Richtet  sich  dieser  Beweis  nicht 
direct  gegen  das  Judenthum,  resp.  gegen  christliche  Auffassun- 
gen, welche  das  Evangelium  in  den  Schranken  desselben  fest- 
halten Avollten? 

Bei  flüchtiger  Beobachtung  muss  es  so  scheinen;  aber 
sobald  man  die  Ausführung  des  Beweises  genauer  betrachtet 
und  die  Situation  erwägt,  in  welcher  sich  die  heidenchristlichen 
Gemeinden  seit  dem  Ausgang  des  1.  Jahrhunderts  dem  Juden- 
thum und  Judenchristenthuni  gegenüber  befanden,  wird  man 
diese  Meinung  nicht  länger  festhalten.  Die  Art  der  Beweis- 
führung nämlich  zeigt,  dass  die  wirklichen  Einwendungen, 
welche  ein  Jude  oder  Judenchrist  hier  zu  machen  hätte,  sehr 
selten  wirklich  berücksichtigt  oder  höchstens  gestreift  werden, 
und  dass  mai^  sich  andererseits  hei  so  blassen,  unhistorischen 
und  theoretisirenden  Widerlegungen  beruhigt,  dass  diese  ganze 
Polemik  unmöglich  aus  einem  brennenden  Kampfe  mit  einem 
wirklichen  Gegner  hervorgegangen  sein  kann^^).  Der  Gegner 
ist  hier  in  der  That  nur  ein  gedachter,  er  besitzt  keinen 
anderen  Horizont  als  sein  Widerpart;  eben  darum  ist  er  nicht 
der  Jude,  wie  er  wirklich  war,  sondern  der  Jude,  wie  ihn  der 
Christ  fürchtete.  Die  Argumente,  welche  jener  vorzubringen 
hatte,  waren,  wenigstens  zum  grössten  Theile,  dem  Christen 
unverständlich  oder  waren  ihm  unbekannt.  Sie  waren  ihm  unbe- 
kannt; denn  die  Berührung  der  Heidenkirche  mit  der  Synagoge 
und  den  palästinensischen  Ebioniten  war  bereits  seit  der  Zeit 
Domitians  eine  höchst  unbedeutende.  Zwar  lernen  vdr  aus  der 
talmudischen  Literatur,  dass  wirkliche  Auseinandersetzungen 
zwischen  Juden  und  Christen  im  2.  Jahrhundert  noch  stattge- 
funden haben,  aber  wir  erfahren  es  eigentlich  nur  aus  ihr  und 
wir  dürfen  mit  Bestimmtheit  annehmen,  dass  sie,  von  einzelnen 
kleineren  Gebieten  Syriens  und  Palästinas  abgesehen,  sonst  im 
Reiche  die  Ausnahme  bildete.  Vor  Abfall  zum  Judenthum  haben 
die  Bischöfe  und  Theologen  des  2.  Jahrhunderts  höchst  selten 
zu  warnen  gebraucht,   und  sie  konnten  bereits  am  Ende  des 


35)  lieber  Ausnahmen,  die  aber  immer  nur  theilweise  gewesen  sind, 
s.  unten. 


ß4  Di©  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

2.  Jahrhunderts  harmlose  Abweichungen  von  irgend  einer 
Kirchenpraxis  als  ,^udaisiren"  bezeichnen,  ein  Beweis,  wie  wenig 
man  das  wirkliche  Judaisiren  zu  fürchten  hatte. 

Sofern  also  der  heidenchristliche  Weissagungsbeweis  als 
eine  Polemik  gegen  das  Judenthum  erscheint,  ist  dieselbe  in 
Wahrheit  eine  nur  scheinbare.  Eine  scheinbare  Polemik  ist 
aber  hier  stets  Apologetik.  Die  Gläubigen  aus  den  Heiden 
stritten  mit  den  Einwürfen,  die  sie  sich  selbst  machten  und  die 
sich  ihnen  aufdrängten.  Erhob  das  Evangelium  den  Anspruch 
an  die  gesammte  Menschheit,  so  setzte  ein  solcher  Anspruch 
voraus,  dass  dasselbe  die  älteste, .  einzigartige  und  von  jeder 
anderen  schlechthin  unabhängige  Religion  sei.  Die  Art  aber,  wie 
das  Evangelium  zur  Zeit  des  Augustus  und  Tiberius  in  die  Welt 
sichtbar  eingetreten,  setzte  diesem  Anspruch  grosse  Schwierig- . 
keiten  entgegen.  Sie  zu  heben,  dazu  war  der  Weissagungsbeweis 
mit  seinen  beiden  Theilen  „de  Christo"  und  „de  lege"  bestimmt. 

Aber  hatte  er  nicht  doch  auch  eine  polemische  Spitze?  Es 
ist  oben  bemerkt  worden,  dass  er  gegen  den  Juden  gerichtet  ist, 
wie  ihn  der  Christ  sich  dachte.  Der  Jude  aber,  wie  der 
Christ  ihn  sich  dachte,  ist  der  Heide,  und  zwar  der  Heide, 
sofern  er  wiUig  ist,  das  Evangelium  anzunehmen,  und  sofern  er 
demselben  widerstrebt.  Es  wäre  also  sehr  wohl  möglich,  dass 
der  Weissagungsbeweis  von  Anfang  an  hier  auch  dem  Heiden- 
thume  und  seinen  Einwürfen  gegolten  habe. 

Allein  von  dieser  Annahme  hält  die  Beobachtung  ab,  dass 
der  Beweis  älter  ist  als  die  Einwürfe,  die  von  Aussenstehenden 
den  Christen  gemacht  wurden.  Die  Argumente,  denen  er  ent- 
spricht, setzen  bereits  ein  gewisses  Mass  der  Vertrautheit  mit 
den  Ansprüchen  des  Christenthums  voraus,  femer  die  Willigkeit, 
es  für  eine  ernsthafte  Sache  zu  nehmen,  von  den  gemeinen 
Urtheilen,  die  über  dasselbe  verbreitet  waren,  abzusehen  und  es 
überhaupt  zu  discutiren.  Diese  Bereitschaft  aber  lässt  sich  für 
die  römisch-griechische  Gesellschaft  frühestens  in  der  2.  Hälfte 
des  2.  Jahrhunderts  constatiren.  Also  ist  der  Weissagungsbeweis 
auch  in  der  Heidenkirche  ursprünglich  intra  parietes  gepflegt 
worden,  und  wenn  er  sich  bereits  in  Schriften  findet,  die  in 
der  Regierungszeit  Hadrians  und  des  älteren  Antoninus  an  ein 
heidnisches  Publicum  gerichtet  worden  sind,  so  ist  zu  urtheilen, 
dass  die  Kirche  mit  ihrem  Apparat  von  Argumenten  den  Ein- 


l 


Der  Charakter  und  die  Coiiiposition.  (55 

würfen  des  Heidentliums  zuvorgekommen  ist.  Als  die  Kirche 
sie  vorzuführen  ])egann,  war  jenes,  allem  Anscheine  nach,  noch 
gar  nicht  in  der  Lage  und  in  der  Stimmung,  die  Voraussetzungen 
dem  Christenthum  zu  concediren,  unter  welchen  der  Weissagungs- 
beweis allein  erst  in  Betracht  kommt. 

Aber  er  ist  nun  in  der  That  seit  der  Zeit  Hadrians  in  die 
wirkliche  Polemik  und  die  Apologetik  im  engeren  Sinn  des 
Wortes  übergeführt  worden.  Zwar  dienten  die  Schrill  werke, 
welche  hier  in  Betracht  kommen,  nach  der  Absicht  ihrer  Ver- 
fasser und  nach  ilirem  wirklichen  Erfolge  auch  der  Selbst- 
versicherung der  Gläubigen,  welche  einer  solchen  Versich ei'ung 
in  steigendem  Masse  bedurften,  aber  die  Adresse  an  die  grosse 
Welt,  die  draussen  lag,  vrar  doch  keine  fingirte.  Dies  zeigt 
sich  vornehmlich  in  der  Anlage  und  Ausfühnmg,  welche  der 
Beweis  nun  erhielt.  Er  ist  mit  einer  rationalen  Theologie 
verknüpft  worden;  denn  nur  in  dieser  Gestalt  versprach  er  Ein- 
druck auf  das  neue  Publicum  zu  machen.  Noch  um  das  Jahr 
150  hat  die  christliche  Gemeinde  selbst  diese  Verknüpfung, 
allem  Anscheine  nach,  nicht  bedurft.  Justin  unterscheidet  in 
seinen  apologetischen  Werken  sehr  scharf  zwischen  den  fiiaxlT]- 
liaia  und  diöayai  der  Christen  und  den  Ausdrücken,  welche 
er  selbst  in  seinen  Darlegungen  braucht.  Er  lässt  durchblicken, 
dass  die  Sprache,  welche  er  redet,  nicht  die  Sprache  ist,  in  der 
seine  Glaubensgenossen  zu  sprechen  pflegen.  W^as  er  behauptet, 
ist  nur  dieses,  dass  er  den  Sinn  ihrer  Lehren  wie  ihrer  Formeln 
in  seiner  neuen  Ausdrucksweise  richtig  wiedergebe,  und  dass 
er  nichts  von  dem  unterschlage,  was  denselljen  von  W^erthe  sei. 
In  den  späteren  Apologien  finden  wir  xlas  Bewusstsein  um  diese 
Discrepanz  nicht  mehr  so  scharf  ausgeprägt.  Zwar  salviren  v^ich 
ihre  Verfasser  durch  Bemerkungen,  wie  unzureichend  die  Sprache 
der  Gebildeten  sei,  um  den  christlichen  Lihalt  richtig  wieder- 
zugeben, aber  der  fast  gänzliche  Mangel  an  Rücksichtnahme 
auf  die  Begriffe  und  Worte,  welche  den  älteren  Generationen 
der  Christenheit  theuer  waren,  zeigt,  dass  diese  älteren  Gene- 
rationen selbst  im  Aussterben  begriffen  sind,  und  dass  die  Kluft 
zwischen  dem  Publicum  ausserhalb  und  innerhalb  der  Kirche 
sich  immer  mehr  schliesst  ^^). 

36)  Bei  den  lateinischen  Apologeten  Commodian  und  Arnobius  finden 
sich  noch  Ausführungen  über  alte  Stücke  des  Gemeindeglaubens. 
Texte  und  Untersticbungen  I,  3.  5 


66  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Durch  die  Verknüpfung  mit  einer  rationalen  Theologie 
änderten  sich  die  Hauptstücke  des  Weissagungsbeweises  („de 
Christo'',  „de  lege")  nicht,  ebensowenig  Ziel  und  Absicht,  denen 
er  galt ''').  Das  ist  an  sich  schon  bedeutsam.  Es  giebt  wenige 
Linien,  welche  aus  dem  apostolischen  Zeitalter  so  stetig  und 
gerade  in  das  nachapostolische  und  altkatholische  übergehen, 
als  die  durch  den'  Weissagungsbeweis  bezeichnete.  Sie  wird 
verstärkt,  in  eine  andere  Beleuchtung  gerückt  u.  s.  w.,  aber  sie 
bleibt  doch  stets  als  dieselbe  erkennbar.  Hier  ist  eine  der  weni- 
gen Stellen,  wo  eine  Betrachtung  der  urchristhchen  Zeit  und 
ihrer  Verhältnisse  die  richtige  Auffassung  der  Entstehung  der 
altkatholischen  Zustände  nicht  verhängnissvoll  zu  verwirren  droht. 
Aber  doch  konnte  das  Geschick,  welches  der  Weissagungsbeweis 
erlitt,  indem  er  jenfer  rationalen  Theologie  unterstellt  wurde, 
für  ihn  selbst  nicht  ohne  Folgen  sein.  In  dem  Judenchristenthume 
stand  er  in  dem  Rahmen  einer  Geschichtsbetrachtung,  die  bei 
allen  Illusionen,  die  ihr  anhingen,  doch  noch  in  etwas  den  Namen 
einer  geschichtlichen  Betrachtung  verdient:  in  dem  Heiden- 
christenthume ,  so  lange  es  noch  keine  Theologie  besass  und 
von  der  Hoffnung  lebte,  war  er  auch  mit  einer  geschicht- 
lichen Orientirung  über  die  Menschheit  verbunden,  aber  in  dieser 
Geschichtsbetrachtung  —  man  lese  den  Barnabasbrief,  den  Hirten 
oder  jene  Predigt,  welche  unter  dem  Namen  des  2.  Clemens- 
briefes bekannt  ist  —  war  die  Illusion  zum  Fundamente  ge- 
macht; in  der  Apologetik  endlich,  wie  sie  das  Evangelium  einer 
rationalen  Theologie  unterordnete,  wandelte  sich  alle  Geschichts- 
betrachtung in  die  Kosmologie  um;  jene  ist  nur  wie  zum  Scheine 
festgehalten;  denn  innerhalb  der  rationalen  Theologie  giebt  es 
kein  Werden  und  keine  neuen  Epochen.  Sie  bannt  alle  Er- 
scheinungen in  ein  unveränderliches  Schema. 

Aus  der  Verbindung  einer  theistischen  Kosmologie  und  Moral 
mit  dem  Weissagungsbeweise  ist  die  christliche  Theologie  der 
Apologeten  entstanden.  Das  Verständni&s  für  die  Grössen,  welche 

37)  Man  vgl  z.  B.  Justins  Schiiften  mit  dem  Barnabasbrief.  Ein 
Unterschied  kann  nur  daiin  gesehen  werden,  dass  1)  nicht  mehr  oder 
docli  nicht  in  dem  Masse  ^^ie  früher  die  Geschichte  Jesu  mit  aus  dem 
A.  T.  erhobenen  ,,Thatsachen"  bereichert  wird,  und  dass  2)  für  die  Me- 
thode des  Weissagungsbeweises  gewisse  Regeln  (s.  z.  B.  Justiu.,  Apol.  I, 
^0)  aufgestellt  werden. 


Der  Charakter  und  die  Composition.  67 

in  dem  Beweise  eine  Rolle  spielen,  war  ein  dieser  Theologie  völlig 
erloschen,  wenn  es  überhaupt  jemals  bestanden  hätte.  Der  Inhalt 
der  Stücke  verschwindet  gänzlich  hinter  der  chronologischen 
Etiquettirnng,  die  man  ihnen  giebt;  das  aber,  was  sie  sachlich 
beweisen  sollen,  wird  erst  in  sie  hineingelegt.  Der  Abstand 
zwischen  dem,  was  als  Christenthum  wirklich  geglaubt  wird  und 
in  der  Religion  der  Apologeten  lebendig  ist,  und  dem,  was 
alles  im  Beweise  berührt  und. behauptet  wird,  ist  der  denkbar 
grösste.  Man  kann  das  am  deutlichsten  an  dem  Christusbilde 
der  Apologeten  feststellen.  Ihr  Christus  ist  die  in  der  Person 
Jesu  in  einziger  Weise  erschienene  und  offenbar  gewordene 
Vernunft,  das  göttliche  Weltgesetz  und  das  Sitten gesetz,  nicht 
Aveniger,  aber  auch  nicht  viel  mehr;  aber  in  dem  Beweise  für 
diese  These  ist  er  der  Davidssohn,  der  aus  der  Jungfrau  Ge- 
borene, der  Gekreuzigte,  kurz  alles  das,  was  er  wirklich  gewesen 
ist  und  was  er  nach  dem  x41ten  Testamente  hat  sein  müssen. 
Sie  sind  überzeugt  davon,  dass  er  dies  gewesen  ist,  weil  dieser 
Christus  ihren  Christus  erst  legitimirt.  Die  beiden  miteinander 
zu  verbinden  und  in  Eins  zu  setzen,  haben  sie  sich  wenig  ange- 
legen sein  lassen  —  Justin,  der  älteste,  noch  am  meisten,  seine 
späteren  Nachfolger  im  2.  Jahrhundert  überhaupt  nicht. 

Mit  dieser  Theologie  wandte  man  sich  an  das  heidnische 
Publicum,  mit  ihr  schlug  man  die  supponirten  jüdischen  An- 
griffe zurück,  und  mit  ihr  suchte  man  in  steigendem  Masse  die 
Zweifel  der  Gebildeten  innerhalb  der  Gemeinde  zu  beschwichtigen. 

Da  aber  erschienen  auf  dem  Kampfplatze  zwei  Gegner,  auf 
die  man  nicht  vorbereitet  war,  und  welche  sich  durch  die  Ar- 
gumente der  Apologeten  nicht  überzeugen  Hessen.  Es  war  ein 
christlicher  und  ein  heidnischer;  aber  was  sie  jenen  Theorien 
entgegenstellten,  war  ein  Theil  von  dem,  was  das  Judenthum 
der  apologetischen  Theologie  zu  sagen  gehabt  hätte,  wenn  es 
überhaupt  zu  Wort  gekommen  wäre.  Der  eine  Gegner  war 
MarcioU;  seine  Schule  und  die  ihr  verwandten  gnostischen  Ge- 
nossenschaften, der  andere  w^ar  ein  Einzelner,  der  höchst  wahr- 
scheinlich im  zweiten  Jahrhundert  kaum  einen  Mitstreiter  gehabt 
hat,  der  Heide  Celsus. 

Celsus  hat  die  Urkunden,  auf  welche  sich  die  Juden  und 
Christen  gemeinsam  beriefen,  studirt  mit  allem  Bestreben  un- 
parteiisch und  gerecht  zu  sein;  er  hat  die  neuen  christlichen 


(38  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theepliili. 

Scliriften  hinzugezogen  utid  versuclit^  geschichtliclie  Urtlieile 
zu  gewinnen,  um  die  Ansprüche  des  Christenthums  zu  contro- 
iiren.  Besultat  seiner  Arbeit  ist,  dass  er  in  dem  ersten  Theile 
seiner  „Wahrheitsgemässen  Darlegung"  einen  Juden  auftreten 
Jässt,  der  das  Ghristenthum  widerlegt.  Man  mag  an  diesem 
Juden  vieles  aussetzen  —  unleugbar  ist,  dass  er  eine  ungleich 
wahrere  und  lebendigere  Figur  ist  als  die  „Juden",  mit  denen 
die  Apologeten  gekämpft  haben.  Der  Heide  hat  hier  die  Vor- 
aussetzungen bestritten,  unter  welchen  der  Weissagungsbeweis 
ihm  entgegengebracht  worden  ist.  Aber  man  darf  sagen,  dass 
ihm  sein  Gegenbeweis  nicht  das  bedeutet  hat,  was  er  uns  be- 
deuten würde,  wenn  er  in  allen  Stücken  richtig  wäre.  Im 
Grunde  theilt  Celsus  die  theologischen  Voraussetzungen  seiner 
Gegner,  und  desshalb  ist  ihm  jeder  geschichtliche  Beweis, 
d.  h.  ein  Beweis  aus  der  wirklichen  Geschichte,  nur  ein  halber 
und  somit  gar  keiner.  Es  ist  niederschlagend  zu  sehen,  wie 
mächtig  Zeitströmungen  sind.  Selbst  ein  so  heller  Kopf  wie 
Celsus  ist  so  von  ihnen  befangen,  dass  er  das  Schätzbare,  was 
er  selbst  erarbeitet,  unterschätzt  und  wenig  Werthvolles  dafür 
eintauscht.  Auf  die  christliche  Apologetik  des  2.  Jahrhunderts 
scheint  diese  Schrift  keinen  Eindruck  gemacht  zu  haben.  Spuren 
eines  solchen,  die  man  gefunden  haben  wollte,  erweisen  sich 
als  trügerische.  Wir  wissen  nicht  die  Gründe  für  diese  auf- 
fallende Beobachtung  anzugeben  und  wundern  uns,  dass  es  bis 
gegen  die  Mitte  des  3.  Jahrhunderts  gedauert  hat,  bis  man  es 
für  nöthig  erachtete,  die  Angriffe  des  Celsus  speciell  zu  wider- 
legen. Auf  die  hergebrachte  Methode  der  Apologetik  hat  die 
Schrift  keinen  Einfluss  ausgeübt.  Man  blieb  dabei,  die  „jüdi- 
schen" Einwürfe  in  einer  so  allgemeinen  und  wesenlosen  Gestalt 
zu  supponiren,  dass  sie  nur  wie  willkoinmene  Stufen  im  Beweise 
erschienen,  und  man  gab  dem  Juden  in  jeder  Frage  eigentlich 
nur  ein  einziges  Mal  das  Wort,  so  dass  er  den  Beweis  immer 
nur  hervorruft,  ihn  aber  niemals  eigen tlicli  beanstandet.  — 

Man  sollte  denken,  dass  die  marcionitische  und  gnostische 
Interpretation  des  Alten  Testamentes,  die  ungefähr  gleichzeitig 
mit  der  theologischen  Apologetik  (im  Zeitalter  Hadrians)  be- 
gann und  den  ganzen  Weissagungsbeweis  über  den  Haufen  warf, 
mindestens  auf  die  Weiterentwicklung  desselben  von  Einfluss 
gewesen   ist.     Marcion   und  die  Gnostiker,    soweit  sie  hier  in 


Der  Charakter  und  die  Composition.  69 

Betracht  kommen,  theilten  im  Allgemeinen  mit  der  Kirche  die 
Beurtheilung  des  Judenthimis  und  der  Synagoge.  Man  kann 
bei  ihnen  nicht  schärfere  Yernrtheilungen  derselben  lesen  als 
bei  den  gleichzeitigen  kirchlichen  Schriftstellern,  und  wie  unter 
diesen  die  Meinungen  über  das  Judenthum  weit  auseinander- 
gingen, so  finden  sich  auch  bei  den  Gnobtikern  alle  Nuancen 
einer  abschätzigen  Beurtheilung  vertreten.  Aber  das  Unter- 
scheidende ist  bekanntlich  hier  dies,  dass  man  in  den  gnosti- 
schen  Kreisen  die  Scheidung,  welche  die  Kirche  zwischen  Altem 
Testament  und  Judenthum  vollzogen  hatte,  nicht  acceptirte. 
Jede  Aussage  über  dieses  ist  hier  zugleich  ein  Ürtheil  über 
jenes,  kurz  das  Alte  Testament  wurde  dem  Judenthume  über- 
lassen, dafür  aber  auch  das  Evangelium  völlig  von  demselben 
losgerissen.  Die  Betrachtungsweise,  die  in  vollem  Gregensatze 
zu  der  kirchlichen  steht,  ist  ebendarum  auch  keine  historische; 
aber  sie  eröffnete  doch  die  Möglichkeit,  eine  grosse  Reihe  von 
geschichtlichen  Fragen  geschichtlich  zu  betrachten.  Die  Gno- 
stiker  träten  wirklich  in  eine  solche  Betrachtung  ein.  Im  Gegen- 
satze zu  dem  kirchlichen  Weissagungsbeweise  entwickelten  sie 
den  Gottesbegriff,  das  Messiasbild,  die  Zukunftshoffnungen  aus 
dem  Alten  Testamente  und  wiesen  überall  die  Differenzen  mit 
dem  Evangelium  und  dem  Christus  desselben  auf.  Auch  in  der 
Frage  nach  dem  Gesetz,  seiner  Absicht  und  seiner  Gültigkeit, 
traten  sie  auf  die  Seite  des  Judenthums,  indem  sie  die  Berech- 
tigung der  jüdischen  Auffassung  anerkannten,  Marcion  hat 
schliesslich  die  ganze  allegorische  Methode,  nach  welcher  die 
grosse  Kirche  das  Alte  Testament  auslegte,  ausdrücklich  als 
eine  verfehlte  bekämpft;  in  seiner  Behauptung,  dass  der  Messias 
des  A.  T.'s  noch  kommen  und  zeitweilig  das  Judenthum  zu  einer 
politischen  Weltmacht  erheben  werde,  drückt  sich  der  schärfste 
Gegensatz  zur  kirchlichen  Auffassung  aus. 

Aber  in  dieser  Behauptung  trat  Marcion  auch  geradezu  auf 
die  Seite  des  JudenthuDi"s  und  bescheinigte  dessen  Lehren  und 
Hoffnungen,  ^ur  bei  flüchtiger  Beobachtung  erscheint  es  als 
eine  Paradoxie,  dass  die  eifrigsten  und  entschlossensten  Gegner 
des  Judenthums  dasselbe  innerhalb  der  Kirche  zu  Geliür  ge- 
bracht haben.  Sie  erkannten  die  Ansprüche  und  die  Eigenart 
desselben  an,  um  es  eben  dadurch  aufs  nachdrücklichste  von 
sich  zu  stossen.     Was  sie  aber  wirklich   erreichten,  war  dies, 


70.  I^iö  Alteixatio  Simonis  et  Tlieopbili. 

dass  sie  bei  niclit  Wenigen  das  Zutrauen  zu  dem  Weissagungs- 
beweise erschütterten  und  in  der  Kirche  selbst  eine  ünter- 
strömung  —  auch  bei  einigen  ihrer  angesehensten  Theologen  — 
hervorriefen,  in  welcher  das  Misstranen  gegen  denselben  nie 
ganz  überwunden  wurde.  Was  das  Judenthum  selbst  der  Kirche 
niemals  hat  zu  Gehör  bringen  können,  was  fast  unbemerkt  ver- 
hallte, ajs  es  von  heidnischer  Seite  ausgesprochen  wurde,  das 
bahnte  sich  einen  Weg,  langsam  und  verborgen  freilich,  als 
Christen,  wenn  auch  häretische,  es  verkündigten.  Wir  können 
diesen  Weg  die  folgenden  Jahrhunderte  hindurch  beobachten; 
als  die  Gnostiker  abstarben,  standen  die  Manichäer  auf  dem 
Plan.  Welche  Schwierigkeiten  hat  noch  ein  Augustin  über- 
winden müssen,  bis  er  sich  dem  Glauben  an  den  Weissagungs- 
beweis unterworfen  hat!  Dennoch  hat  die  Kirche  alle  Zweifel 
niedergekämpft  und  niedergeworfen,  und  es  bedarf  scharfer 
Augen,  um  zu  bemerken,  dass  sich  für  sie  etwas  geändert  hat. 
Diese  Aenderungen  sind  nun  auch  in  der  Apologetik  selbst  am 
wenigsten  zu  constatiren.  Sie  verharrte,  kleine  Modificationen 
abgerechnet,  in  der  einmal  gegebenen  Form,  und  sie  hütete  sic}i, 
vor  dem  grossen  Publicum  und  den  Glaubensgenossen  von  den 
Einwendungen,  die  sich  in  ihrer  eigenen  Mitte  erhoben  hatten, 
mehr  als  die  flüchtigste  Notiz  zu  nehmen.  Vergleicht  man  z.  B. 
das  Apologeticum  des  Tertullian  mit  seinen  antignostischen 
Schriften,  so  kann  man  sich  nur  wundern,  wie  wenig  diese  die 
Haltung  des  Apologeten  beeinflusst  haben.  Allerdings  —  soweit 
dieselben  die  gnostische  Auffassung  des  Alten  Testamentes  be- 
streiten und  ihr  denWeissagungsbeweis  entgegenhalten,  erscheint 
dieser  Beweis  selbst  nicht  wesentlich  modificirt  und  eingehender 
ausgeführt.  Was  Tertullian  in  der  zweiten  Hälfte  des  3.  Buches 
gegen  Marcion  vorgebracht  hat,  das  hätte  nicht  nur  ebensogut 
in  einer  älteren  oder  gleichzeitigen  Schrift  adv.  Graecos  oder 
adv.  ludaeos  stehen  können,  sondern  es  findet  sich  auch  be- 
kanntlich wirklich  in  dem  tertuUianischen  Tractat  adv.  ludaeos 
wieder.  Es  war  die  billigste  Weise  sich  mit  den  Gnostikern 
selbst  abzufinden,  dass  man  sie  einfach  wie  „Juden"  oder  wie 
Griechen  behandelte,  und  die  Zusammenstellung  von  Marcioniten 
und  Juden  findet  sich  ja  bekanntlich  wirklich  sehr  häutig.  Allein 
eine  solche  Methode  reichte  doch  nur  an  bestimmten  Orten 
und   bei  besonderen  Situationen  aus.     Um  den  Gnostikern  zu 


Der  Charakter  und  die  Coinposition.  7| 

begegnen,  miisste  die  Kirche  selbst  lernen.    Das  hat  sie  gethan. 
Ihre   Beschäftigung   mit   dem  Neuen  Testamente,    ihre   Unter- 
scheidung von  altem  und  neuem  Bunde,  ihre  gemii^ssigtere  theo- 
logische Haltung  gegenüber  dem  alttestamentlichen  Judenthum 
der  früheren  Zeiten,  ihre  Fassung  des  Gottes])egriff'es  unter  den 
Prädicaten  der  Güte  und  Gerechtigkeit,  die  nicht  resuitatlosen 
Versuche,   die  specifische  Bedeutung  des  Evangeliums   gegen- 
über dem  A.  T.  festzustellen,  die  Bemühungen,  irgendwie  eine 
Entwicklung   innerhalb    der  Offenbarungsgeschichte  zu  consta- 
tiren    und  annehmbar  zu  machen,  endlich  das  Bestreben,  den 
wichtigsten  Thatsachen  aus  der  Geschichte  Jesu  einen  religiösen 
Werth  abzugewinnen  —  alle  diese  Versuche,  in  w^elchen  es  erst 
zu   einer  kirchlichen  Dogmatik  gekommen  ist,  sind  die  Folge 
der  Einwendungen,    w^elche  die  „Juden",    d.  h.   die   Gnostiker 
erhoben  haben.     Einzelne  dieser  Stücke  sind  hie  und  da  auch 
in   die  späteren   Apologien    gedrungen.     Aber    die   Kirche  hat 
öffentlich   niemals  bekannt,    was   sie  gelernt  hat;    viele   ihrer 
Theologen  lernten   es  freilich  selbst  nicht.     Was  Eusebius  in 
dem   ersten  Buche  seiner  Kirchengeschichte   seinen  Lesern  — 
und  er  durfte  auf  die  ganze  gebildete  Welt  rechnen  —  zu  sagen 
für  gut  befunden  hat,  das  ist  gewiss  mit  besonderer  Kunst  und 
Berechnung  zusammengestellt.    Aber  dass  er  es  selbst  wirklich 
nicht  viel  besser    und  gründlicher  gewusst  hat,    zeigen   seine 
übrigen  Werke  und  seine  sonstige  theologische  Haltung.     Es 
gab  eben  bis  zu  dem  arianischen  Kampfe,  in  welchem  in  letzter 
Stunde    noch    ein  grosses  Problem   die  Christenheit    vor   dem 
gänzlichen  Zerfliessen  in  die  Nebel  der  Zeit  schützte,   in   der 
Christenheit  eine  Richtung,  für  welche  der  Inhalt  der  beiden 
Testamente  lediglich  ein  colossaler  Apparat  war,  um  den  Theis- 
mus mit  christlicher  Etiquette  als  die  Urreligion  zu  erweisen. 
Durch  die  Dogmatik,   die  thetische  und  polemische  Theo- 
logie, ist  die  Apologetik  immerhin  einigermassen  entlastet  worden. 
Aber  sie  erfuhr  zugleich  eine  bedeutende  und  folgenreiche  Modi- 
fication   durch  das  Interesse,   weiches  ihr   von  Seiten  der  seit 
dem  Ende  des  2.  Jahrhunderts  erst  aufstrebenden  theologischen 
Wissenschaft  zu  Theil  wurde.    Schon  seit  Justin  war  es  bei 
den  christlichen  Apologeten  üblich ^^),  innerhalb  des  Weissag- 


38)  S.  Geizer,  S.  Julius  Africanus.    1.  Theil  (1880)  S.  19 f. 


72  ^if-  Altercatio  Simonis  et;  Theophili. 

ungsbeweises  versuchsweise  einen  Synclironismns  zwischen 
heiliger  imcl  profaner  Geschichte  herzustellen:  Tatian  und 
TlieophiluS  namentlich  haben  hierin  schon  Beachtenswerthes 
geleistet.  Die  apologetische  Methode,  wie  sie  herrschend  w^ar, 
verlangte  dem  Heidenthume  gegenüber  einen  solchen  Beweis, 
und  schon  das  alexandrinische  Judenthum  hat  die  Grundzüge 
desselben,  die  auch  nicht  mehr  verändert  wurden,  ausgearbeitet. 
Den  christlichen  Theologen  blieb  nur  die  Aufgabe  übrig,  ihn 
mit  den  Weissagungen  auf  Christus  zu  verknüpfen  und  nament- 
lich die  Zahlenangaben  im  Alten  Testamente  und  bei  den 
Profanhistorikern  so  zu  arrangiien,  dass  sie  sich  sämmtlich 
einer  grossen  Rtechnung  unterordneten,  die  mit  dem  Geburts- 
jahre Christi,  resp,  dem  durch  Christus  am  Schlüsse  des  6.  Jahr- 
tausends herbeizuführenden  Weltende  abschliesst.  Die  hier  zu 
lösende  Aufgabe  stand  also  an  sich  ganz  in  dem  Dienste  der 
Apologetik,  und  sie  hat,  namentlich  in  den  immer  wiederholten 
Nachweisungen,  dass  die  Danielischen  Jahrwochen  gerade  bis 
auf  Christus  reichen,  ihre  apologetische  Tendenz  unveiTückt 
be wahrt ''^•').  Allein  ,?ie  gewann  doch  allmählich  auch  ein  selb- 
ständiges Interesse  und  emancipirte  sich  bis  zu  einem  gewissen 
Grade  von  der  Apologetik,  wie  das  gleichzeitig  auch  bei  anderen 
Disciplinen  der  Fall  gewesen  ist.  Schon  Julius  Africanus  hat 
„die  Geschichte  nicht  als  ein  nagsoyor,  um  Moses'  und  der 
jüdischen  Weisheit  Alter  zu  beweisen,  summarisch  abgehandelt, 
sondern  ihre  Darstellung  und  die  genaue  Fixirung  aller  chrono- 
logischen Einzelposten  ist  bei  ihm  zum  Selbstzw  eck  geworden". 
Die  Chronographie  der  Weltgeschichte,  die  so  entstand,  be- 
hält zwar  noch  immer  ihre  apologetische  Spitze,  aber  sie  wird 
zu  umfangreich,  zu  gelehrt,  ihr  Apparat  ein  zu  schwerfalliger. 


39)  Auf  die  wichtige  .und  folgenveiclie  Thatäiicbe,  dass  die  Apologeten 
sich  hei  der  Lösung  der  vorhegenden  Aufgabe  gezwungen  sahen,  der 
UanieHschen  A^iokalyptik  und  somit  auch  der  Eschatologie  überhaupt  ihre 
Aufmerksamkeit  zu  schenken,  kann  hier  nicht  näher  eingegangen  werden. 
Nur  soviel  sei  bem'Tkt,  dass  auf  diesem  Umwege  die  Theologt^n  wieder 
zu  einem  Interesse  kamen,  welches  ursprünglich  das  entscheidendste  ge- 
wesen isl-,  welches  sie  selbst  al'er  fast  ganz  verloren  hatten.  Die  gelehrte 
Theologie  hat  ja  ilberhaupt  manche  Einl)ussen,  so  gut  sie  es  vermochte, 
wieder  eingebracht;  die  ursprüngliche  Kräftigkeit  von  Vorstellungen  und 
Interessen  konnte  sie  freilicli  iiieht  wieder  hervorbringen. 


Der  Cliarakter  iiiicl  die  Composition.  73 

lim  noch  im  Ralimen  der  gewöhnlichen  Apologetik  eine  Stelle 
zu  behalten.  Die  Folge  hievon  ist,  dass  neben  dieser  die  ge- 
lehrte, apologetische  Tractatenliteratur  seit  dem  3.  Jahrhundert 
aufkommt.  Einzelne  wichtige  Punkte,  wie  die  Jahrwochen  des 
Daniel,  die  Schöpfungsgeschichte,  Sina  und  Sion  u.  s.  w.  werden 
in  exegetisch -apologetischer  Weise  behandelt,  theils  in  Aus- 
führungen, die  für  das  grosse  Publicum  bestimmt  sind,  theils 
in  Dissertationen  für  die  gelehrte  Welt.  Die  Adresse,  an  welche 
diese  Abhandlungen  gerichtet  werden,  ist  noch  im  3.  bis  5.  Jahr- 
hundert sehr  häufig  die  jüdische;  aber  man  darf  daraus  nicht 
schliessen,  dass  man  auf  diesem  Wege  wirklich  das  Judenthum 
bekämpfen  oder  gewinnen  wollte.  Jene  Abhandlungen  galten 
noch  immer  dem  „heidnischen"  Publicum  ausserhalb  und  inner- 
halb der  Kirche''^).  Die  Adresse  richtete  sich  an  die  Juden, 
weil  man  wie  früher  —  und  mit  demselben  Rechte  — ■  aus  den 
Schriften  der  heidnischen  Gegner,  selbst  eines  Porphyrius  und 
Julian,  die  Anklagen  und  Einwendungen  der  Juden  heraus- 
hörte und  dieselben  in  den  eigenen  Zweifeln  und  in  den  Kako- 
doxien  der  Häretiker  wiederfand.  Wie  man  das  Judenthum 
wirklich  beurtheilte,  wessen  man  sich  zu  ihm  versah,  wie  man 
sich  kirchlich erseits  namentlich  seit  den  Tagen  Constantins  zu 
ihm  stellte,  das  lehren  die  Bestimmungen  der  grossen  und 
kleinen  Synoden  in  jenen  Jahrhunderten.  Man  gab  sie  als  Ver- 
stockte einfach  preis,  man  dachte  nicht  daran,  sich  mit  ihnen 
in.  Discussion  einzulassen  und  man  war  —  wenige  rühmliche 
Ausnahmen  abgerechnet  —  gar  nicht  Willens,  sie  zu  bekehren. 
Anders  freilich  gestalteten  sich  die  Verhältnisse  dort,  wo,  wie 
in .  dem  äussersten  Osten  odei*  auch  in  einigen  Strichen  des 
Westens  "^^j,  das  Judenthum  eine  sociale  oder  politische  Macht 

40)  Daher  auch  die  Tractate  mit  der  Uebersclirift  „ad versus  ludaeos 
et  Paganos  (et  Arianos)"  so  häufig  sind. 

41)  Namentlich  in  Spanien  und  Südfrankreicli ;  man  vgl.  die  Bestim- 
mungen der  Synoden  von  Elvira,  Agde  (506),  Epaon  (517),  Orleans 
(538  n.  541).  Aus  dem  49.  Kanon  der  Synode  von  Elvira  darf  man  eben- 
fiowenig  auf  .Judaisiren  spanischer  Christen  schliessen ,  ^vie  aus  der  Sitte 
mancher  Muhamedaner,  den  christlichen  Popen  als  Zauberer  zu  benutzen, 
auf  ihre  Zuneigung  zum  Christenthum.  Auch  das  Connubium  zwischen 
Juden  und  Christen,  welches  in  Spanien  und  SüdgoUien  nicht  ganz  selten 
gewesen  sein  muss,  und  die  Unsitte,  die  Feste  der  Juden  mitzufeiern  oder 
mit  ihnen  zu  essen  >  sind  an  sich  kein  Zeichen   des  Judaisirens.    Wenn 


74  l'it?  Altcrcatio  Simonis  et  Theophili. 

gewesen  ist  und  eine  wirkliche  Yerjudung  auch  der  Christen 
in  Folge  einer  Zwangslage  zu  befürchten  war.  Die  christhchen 
Schriften  aber,  die  aus  der  Noth  solcher  Zustände  heraus  ge- 
schrieben worden  sind,  unterscheiden  sich  so  deuthch  von  jenen 
anderen,  dass.  ein  Schwanken  über  die  Situation  im  einzelnen 
Fall  gar  nicht  möglich  ist. 

Gehen  wir  nach  diesen  Vorbemerkungen  zu  dem  Aus- 
schnitte aus  der  altchristlichen  Literatur  über,  welcher  sich  durch 
Form  und  Adresse  als  Polemik  gegen  das  Judenthum  kenn- 
zeichnet. Nach  dem  eben  Ausgeführten  wird  offenbar  geworden 
sein,  dass  er  —  einzelne  verhältnissmässig  späte  Stücke  abge- 
rechnet —  nicht  den  Anspruch  erheben  kann,  für  eine  besondere 
Gattung  in  der  altchristlichen  Schriftstell erei  zu  gelten,  viel- 
mehr mit  den  an  das  grosse  Publicum  gerichteten  Apologien, 
aber  auch  mit  solchen  Werken  wie  Melitos  ,,'£'jt/.o/a/^',  Cyprians 
„Testimonia"  und  Pseudogregors  von  Njssa  „Testimonia  adv. 
ludaeos"  zusammen srefasst  werden  muss.  Nur  Eines  könnte 
dazu  verleiten,  der  sog.  antijüdischen  Literatur  der  alten  Kirche 
doch  eine  besondere  Stellung  einzuräumen  —  das  ist  die  auf 
den  ersten  Blick  auffallende  Beobachtung,  dass  die  Form  des 
Dialoges  so  fest  an  ihr  gehaftet  zu  haben  scheint.    Nicht  nur 

der  christliche  Pöbel,  wie  z.  B.  in  Antiochien,  sei  es  nun  aus  Aberglauben 
oder  aus  anderen  naheliegenden  Gründen,  die  jüdi!3chen  Feste  mitfeierte 
(8,  Chrysostom.,  Honiil.  YlII  adv.  lud.,  Opp.  edid.  Montfaucon  [edit.  Paris, 
altera]  T.  1  p.  712 — S43),  so  war  dies  freilich  bedenklicher,  und  je  weiter 
man  von  Antiochien  nach  Osten  und  Südosten  vorschreitet ,  um  so  deut- 
licher erscheinen  die  Gefahren,  wöLhen  das  Christenthum  der  dortigen 
Gemeinflen  von  Seiten  der  Juden  ausgesetzt  war  (man  vgl.  namentlich 
die  Schriften  der  ostsyi-ischen  und  der  in  den  Euphrat-  und  Tigrisländern 
lebenden  Schriftsteller  des  4.  u.  5.  Jahrhunderts).  Die  Gefahren  aber  ent- 
sprangen hier  vornehmlich  aus  der  Lage  der  Gemeinden  gegenüber  einer 
mächtigen  Judenschaft  und  Avaren  gewiss  am  wenigsten,  oder  doch  nur 
indirect.  solche,  die  aus  theoretischen  Zweifeln  sich  ergaben.  Dagegen 
hat  sich  von  alten  Zeiten  her  in  einem  Landstriche  Kleiuasiens  wirkliches 
Judaisiren,  welches  wohl  auch  theoretisch  begründet  wurde,  erhalten:  s. 
den  29.  35.  37,  und  38.  Kanon  der  Synode  von  Laodicea  und  den  70.  u. 
71.  der  apostolischen  Kanones.  Dazu  Lightfoot,  Ej).  to  the  Coloss.  edit. 
I  p.  66 sq.  Auch  die  Hypsistarier  und  Euphemiten  dürfen  hierher  ge- 
rechnet werden,  sowie  noch  einige  Gruppen,  von  denen  Epiphanius  be- 
richtet hat. 


Der  Charakter  und  die  Coraposition.  75 

die  ältesten  hier  in  Betracht  kommenden  Schriften  sind  in  der 
Knnstform    des    Dialoges    abgefasst    worden    (die    Disputation 
Jasons  und  Papiskus'  über  Christus;  Justins  Dialog  mit  Trypho), 
sondern   es  ist  auch  eine  zfiaXe'^ig  y.aia  lovöaicov^'^)^  ein  zJia- 
Xoyog  XQiöTiavov  y,at  lovdalov,  wv  xa  ovoi^iaxa  tov  /^liv  XQioxia- 
vov  Tt/nodeoVj  too  Ss  JovSatovi^xv/M,  angeblich  aus  der  Zeit 
des  alexandrinischen  Cyrill's'^^),  ferner   die  Altercatio   Simonis 
lüdaei  et  Theophili  Christiani,  der  pseudoaugustinische  Dialog 
de  altercatione-  ecclesiae   et  synagogae  *"^)  hier  zu  nennen,   und 
bis  in  das  Mittelalter  hinein  lassen  sich  die  Disputati ones  eccle- 
siae et  synagogae,  resp.  Christiani  et  ludaei  verfolgen  "^^j.     Es 
gelten  aber  auch  solche  Schriften,  welche    die  Form    des  Dia- 
loges verschmäht  haben,  manchmal  in  dieselbe  über  oder  kommen 
ihr  doch  sehr  nahe.    Das  muss  z.  B.  in  der  verlorengegangenen 
^iTioöei'/.Tt'Kri   nQog  lovöalovg   des  Hippolyt    der  Fall  gewesen 
sein'*'''),   und   auch   an  Tertullians  Schrift  adv.  ludaeos  —  mag 
man  nun  über  ihren  Anlass  denken  wie  man  will  —  ist  hier  zu 
erinnern.     Aber  eben   die  letztere  Beobachtung  zeigt,  dass  für 
Tractate,  die  in  der  Form  einer  Polemik  gegen  das  Judenthum 
gehalten  waren,  der  Dialog  die  gleichsam  von  selbst  gebotene, 
am  nächsten  liegende  Kunstform  war.    Wo  das  Detail  ein  sehr 
buntes  und   ermüdendes  ist,    die  Art  seiner  Verwerthung  aber 
stets  die  gleiche  bleibt,  da  kann  man  sich  Abschnitte  und  Ruhe- 
pausen nur  künstlich  schaffen,  und  eigentlich  nur  hiezu,  sowie 


42)  S.  Bandini,  CataL  Bibl.  Mediceo^Laurent.  I  p.  165.  Eine  Probe 
hat  Bandini  p.  165  *>  gegeben,  aus  der  man  aber  wenig  ersehen  kann. 

43)  S.  Mai,  Nova  Biblioth.  VI,  2  p.  537 sq.   Spicil.  Rom.  IX  p.  XI sq. 

44)  August.  Opp.  (edit.  Venet.)  App.  VII  p.  2297  sq. 

45)  Thesaur.  edid.  Märten e  et  Durand  T.  V  p.  1497 sq.  u.  sonst;  m. 
vgl.  die  Werke,  welche  Reuter,  Gesch.  der  relig.  Aufklärung  im  Mittel- 
alter Bd.  I  S.  30S  n.  13  verzeichnet  hat.^ 

46)  Wir  besitzen  von  ihr  nur  ein  Bruchstück,  welches  Fahr ici'us 
nach  einer  Abschrift  Montfaucons  aus  dem  Cod.  Vatic.  1431  zuerst  ver- 
öffentlicht hat  (s.  Lagarde,  Hippel.  Rom.  p.  63sq.).  Nach  einer  Angabc 
Bunsens  (Hippolyt  u.  s.  Zeit.  Bd.  I  S.  194),  findet  sich  in  den  „Acta 
Martyrum"  App.  HI  p.  449 sq.  ein  nicht  unbeträchtliches  Stück  der  'Ano- 
(hixiixi^  in  einer  lateinischen  üebersetzung  („Demonstratio  adv.  ludaeos"). 
Caspari  hat  (Quellen.  Bd.  111  S.  395)  auf  diese  Notiz  ^deder  aufmerksam 
gemacht,  war  aber  selbst  nicht  in  der  Lage  ihr  nachzugehen.  Auch  ich 
muss  die  Sache  hier  auf  sich  beruhen  lassen. 


76  Die  Altercätio  Simonis  et  Theophili. 

um  die  Möglichkeit  der  „increpatio"  und  „castigatio"  des  Juden 
zugleich  zu  gewinnen,  hat  sich  der  Dialog  behauptet.  Dabei 
soll  vorbehalten  bleiben,  dass  möglichenveise  einer  der  ältesten 
Dialoge,  sei  es  nun  der  des  Aristo  oder  Justin,  hier  vorbildlich 
nachgewirkt  hat.  Immerhin  sind  ja  auch  eine  Reihe  von  antijüdi- 
schen  Schriften  unter  Verzicht  auf  die  Form  des  Dialoges  ab- 
gefasst  worden,  ja  wahrscheinlich  die  grössere  Zahl  derselben ■^^), 
während  diese  Form  doch  auch  in  den  apologetischen  Tractaten, 
die  der  jüdischen  Adresse  entbehren,  seit  Minucius  Felix'  Octa- 
vius  hie  und  da  gefunden  wird.  Hier  aber  empfahl  sie  sich 
weniger  oder  verlangte  doch  zu  ihrer  Durchführung  eine  viel 
grössere  Kunst,  als  die  war,  über  welche  Schriftsteller  gewöhn- 
lichen Schlages  verfügten. 

Treten  wir  nun,  um  die  Altercätio  Theophili  geschichtlich 
zu  würdigen,  der  an  die  Juden  adressirten  Literatur  naher,  so 
haben  wir  freihch  sogleich  den  Verlust  von  vier.  Werken  zu 
beklagen,  die,  wenn  sie  erhalten  wären,  die  Untersuchung  wesent- 
lich erleichtern  würden.  Es  sind  das  1)  der  Dialog  des  Jason 
und  Fapiskus '^^),  2)  die  Schrift  des  Miltiades  gegen  die  Juden, 
3)  die  Eklogen  des  Melito  ^'")  und  4)  die  schon  genannte  ^Ano- 


47)  Der  Kürze  wegen  sei  auf  das  unvollständige  Yerzeichniss  in  Fabri- 
cius-Harless,  Biblioth.  Gr.  T.  Yll  p.  745sq.  verwiesen. 

48)  lieber  ihn  ist  es  jedoch  möglich,  aus  den  erhaltenen  Bezeugungen 
einige  Urtheile  zu  gewinnen  (s.  Texte  u.  Unters.  1,  II  S.  115f,\ 

49)  Die  Eklogeii,  obgleich  sie  nicht  zu  den  an  das  Judenthuni  direct 
gerichteten  vSchriften  gehören,  dürfen  wir  nach  dem,  was  Eusebius  über 
sie  bemerkt  hat,  hierher  ziehen.  Melito  hat  (h.  e.  IV,  26,  12  sq.)  das  Werk 
auf  Bitten  seines  Freundes  Onesimus  zusammengestellt.  Es  umfasste  sechs 
Bücher  —  war  also  sehr  umfangreich  —  und  enthielt  „Auszüge  aus  dem 
Gesetz  und  den  Propheten  betreö's  des  Heilandes  und  unseres  ganzen 
Glaubens"  (Ex).oyal  sx  xs  xov  ßöfxov  xal  rwv  Tigocpr^rcöv  ttfqI  xov  öcdt^- 
QO(;  xal  ndarjQ  xijq  niazefoc  i,fx(jjv).  Diese  Schrift  scheint  also  ganz  ähn- 
lich angelegt  gewesen  zu  sein  wie  die  „Testimonia"  des  Cyprian  ',s.  Texte 
und  Untersuchungen  I,  II  S.  251),  und  es  liegt  daher  nahe,  anzunehmen, 
dass  sie  die  Quelle  für  diese  gewesen  ist.  Allein  dagegen  spricht,  dass 
1)  Melito  nur  Stellen  aus  dem  hebräischen  Kanon  des  A.  T.  zusammen- 
gestellt hat,  während  den  Testimonien  der  alexandrinische  za  Grunde 
liegt,  dass  2)  Melito  in  seinem  Werke  detaillirte  Angaben  über  den  Um- 
fang des  alttestamentlichen  Kanons  und  über  die  Reihenfolge  der  Bücher 
in  demselben  gemacht  hat,  welche  l)ei  Cyprian  ganz  fehlen,   und   dass 


Der  Cliarakter  und  die  Composition.  77 

Sfiy.TiKij  des  Hippolyt.  So  bleiben  aus  älterer  Zeit  nur  der 
Dialog  des  Justin,  die  Schrift  Tertullians  „adv.  ludaeos"  und 
die  „Testimonia"  des  Cyprian  übrig.  Letzere  Schrift,  eine  Com- 
pilation,  welche  unter  anderem  den  Weissagungsbeweis  als  ein 
Stück  des  katechetischen  Unterrichts  zeigt,  ist  mit  den  genannten 
Werken  enge  verschwistert.  Aus  späterer  Zeit  sind  eine  Reihe  von 
Tractaten  zur  Vergleichung  herbeigezogen  worden.  Die  pseudo- 
cyprianischen  Schrifteu  „de  montjj3us,  Sina  et  Sion"  und  „adv. 
ludaeos"'^^),  die  pseudogregorianische  interessante  Sammlung 
..Testimonia  adv.  ludaeos"^^),  die  Tractate  des  Chrysostomus 
gegen  das  Judenthuni,  die  „Demonstratio  c.  lud.  de  adventu 
Christi'-'  des  Basilius  von  Seleucia  "^^),  die  noch  erhaltenen  Reste 
der  antijüdischen  Polemik  des  Cyrill  von  Alexandrien^^),  das 
von  Mai  veröffentlichte  Fragment  des  Dialogs  zwischen  Timo- 
theus  und  Aquila^^),  die  Abhandlung  des  Celsus  „de  iudaica 
incredulitate"^^''),  endlich  jene  umfangreiche,  aber  sehr  späte 
Schrift  gegen  die  Juden,  die  unter  dem  Namen  eines  Anasta- 
sius  geht -^6). 

Der  Dialog  des  Justin  mit  Trypho  ist  die  für  uns  älteste 
und  zugleich  die  bedeutendste  und  umfangreichste  Schrift  aus 
dieser  ganzen  Gattung.  Ob  ein  oder  mehrere  Gespräche  mit 
Juden  die  Ausarbeitung  des  Dialoges  veranlasst  haben  —  was 
nicht  unwahrscheinlich  ist  — ,  oder  ob  er  frei  von  Justin  er- 
funden ist,  das  ist  eine  ziemlich  crjeichfyültifje  Frage;  denn  sicher 
ist  es,  dass  Justin,  wie  Engelhardt  bemerkt  hat^"*),  sich  bei 
Aufzeichnung  des  Dialogs  frei  bewegte  und  seinen  Gegner  fast 


8)  wir  von  einer  Verbreitung  dieses  Buches  im  Abendlande  nichts  wissen. 
Ein  vierter  durchscblagender  Grund  gegen  die  Hypothese  wird  sich  in 
einem  späteren  Abschnitt  ergeben. 

50)  Hartel,  Cypr.  Opp'.  T.  111. 

51)  Zacagni,  1.  c.  p.  288—329. 

52)  Biblioth.  Lugd,  T.  VIII  p.  495. 

53)  S.  Cyrilli  Opp.  ed.  Migne  T.  IX  p.  1422  u.  a.  a.  St. 

54)  L.  c. 

55)  Hartel,  Cypr.  Opp.  T.  III. 

56)  Biblioth.  Lugd.  T.  XIII  p.  334 sq.  —  Fraglich  ist,  ob  Lactantirs 
seine  Absicht,  gegen  die  Juden  zu  schreiben  (Inst.  div.  A^ll,  1:  .,,Sed  erit 
nobis  contra  ludaeos  separata  materia,  in  qua  iUos  erroris  et  sceleris  re- 
vincemus"),  überhaupt  ausgeführt  hat. 

57)  Das  Christenthum  Justin  des  Märtyrers  S.  220. 


78  Die  Altercatio  Simonis  efc  Theopliili. 

immer  nur  das  sagen  liess,  was  ilim  zur  Fortfuhrung  der  eigenen 
Gedanken  und  zur  DurcMührnng  seiner  Beweise  dienlich  er- 
schien. Unter  solchen  Umständen  ist  es  auch  für  die  Exposition 
des  Dialoges  wenig  bedeutend,  dass  Justin  sich  selbst  und  nicht 
einer  erfundenen  Person  die  Rolle  des  Christen  zugetheilt  hat. 
Indessen  gewährte  ihm  die  von  ihm  gewählte  Form  den  Vor- 
theil,  in  der  Einleitung  seine  eigene  Bekehrungsgeschichte  er- 
zählen und  so  seine  Schrift  sehr  wirksam  einführen  zu  können. 
Eben  diese  Eijileitung  zeigt  nun  aber,  dass  das  ganze  Werk 
an  das  griechische  Publicum  gerichtet  ist  und  nicht,  oder  doch 
nicht  vornehmlich,  auf  jüdische  Leser  rechnete ^^).  Zwar  lässt 
sich  nicht  verkennen,  dass  Justin  in  demselben  auch  Fragen 
erörtert,  die  dem  Heiden  ferner  lagen  ^^).  Aber  es  ist  ja  nicht 
die  gebildete  Welt  überhaupt,  an  welche  er  sich  richtet,  son- 
dern jene  suchenden  und  unbefriedigten  Gemüther  in  ihr,  die, 
wie  er  selbst,  von  der  Philosophie  nicht  beruhigt  und  vielleicht 
schon  auf  die  palästinensischen  Religionen  aufmerksam  geworden 
sind,  solche,  die  sich  bis  zu  einem  gewissen  Grade  bereits  mit  der 
Frage,  Christenthum  oder  Judenthum,  befasst  haben.  In  einer 
wirklich  füi-  Juden  geschriebenen  Schrift  hätte  die  ganze  aus- 
führliche Einleitung  über  das  Christenthum  als  die  wahre  Philo- 
sophie wenig  Sinn  gehabt,  und  auch  der  Schluss  wäre  wohl 
wirkungsvoller  ausgefallen,  wenn  es  Justins  Absicht  gewesen 
wäre,  vor  allem  die  Bekehrung  der  Juden  zu  betreiben ^'^). 
Den  ganzen  Stoff  hat  Justin  in  die  beiden  Abschnitte  unterge- 
bracht: de  lege  und  de  Christo;  denn  was  vom  135.  Capitel  ab 
noch  folgt,  ist  nur  die  geschichtliche  Consequenz  dessen,  was 
in  jenen  beiden  Theilen  festgestellt  worden  ist.  Was  nun  die 
Ausführung  anbetrifft,  so  macht  Justin,  wie  schon  oftmals  be- 

5S)  So  urtlieilt  auch  0  verl^eck  („Ueber  die  AaTänge  der  patristischen 
Literatur-.    Ilistor.  Zischr.  N.  F.  Bd.  XIT.  S.  44S  n.  1). 

5fl)  Andererseits  läsHt  ''r  seinen  Juden  einige  Bemerkungen  machen, 
die  den  wirklichen  Juden  charakterisiren  und  zeigen,  dass  Justin 
das  damalige  Judenthum  kannte.  Aber  sie  kommen  nicht  häufig  vor.  und 
geben  dem  Dialog«'  nicht  da«  Gepräge.  Die  wichtige  Ausführung  c.  47 
ist  auRserdem  gewiss  auch  auf  heidnische  (und  christliche)  Leser  berechnet. 

fjü)  T"'^eber  die  letzte  A bezieht  des  Dialogs  wäre  wahrs«!heinlich  ein 
Zweifel  nicht  möglich,  wenn  wir  etwas  von  jenem  Marcus  Pompejus  (c.  S. 
141)  wü.ssteu,  dem  er  gewidmet  i.'^t.  Die  Widmung  —  eine  «olche  muss 
der  Dialog  ursprünglich  geh-.ibr.  haben  —  ist  aber  leider  verloren  gegangen. 


Der  Charakter  und  die  Coinposition.  7<j 

merkf:  und  namentJicli  von  Eiigellinrdt  betont  worden  ist,  von 
der  pliilosopliischen  Theologie  einen  geringeren  Gebniuch  als  in 
seiner  Apologie.  Aber  sie  bleibt  docli  die  Grundlage  seiner 
theologisclien  Orientirung,  imd  duss  ihre  Formeln  weniger  stark 
hervortreten,  hat  wohl  nur  darin  seinen  Grund,  dass  er  nicht,  .w^ie 
in  der  Apologie,  in  erster  Linie  Philosophen  und  Freunde  der 
Philosophie  als  seine  Leser  denkt,  die  von  dem  Christenthum 
nur  Fabeln  wussten.  Die  Leser,  an  welche  er  sich  liier  wendet, 
stehen  der  Sache,  für  die  er  eintritt,  um  einen  Schritt  bereits 
näher,  als  das  grosse  gebildete  Publicum,  welches  in  der  Apo- 
logie vorausgesetzt  ist  ^  ^).  Der  Gebrauch,  den  Justin  von  christ- 
lichen Schriften  neben  den  alttestam entlichen  macht,  ist  von 
dem  in  der  Apologie  kaum  verschieden.  Chronographische 
Ausführungen  finden  sich  in  dem  Dialoge  so  gut  wie  gar  nicht. 
Der  Dialog  des  Jason  und  Papiskus  scheint  auf  den  ersten 
Blick  insofern  eine  Sonderstellung  einzunehmen,  als  der  Christ 
in  demselben  als  ein  geborener  Hebräer,  der  Jude  als  ein  Ale- 
xandriner vorgestellt  war.  Man  erwartet  hiernach ,  dass  der 
Verfasser  selbst  ein  jüdischer  Christ  gewesen,  dass  sein  Werk 
aus  den  besonderen  Streitigkeiten  zwischen  Juden  und  Juden- 
christen herausgewachsen  war,  und  dass  es  also  nicht  eigentlich 
in  die  Reihe  der  hier  zu  besprechenden  Schriften  gehört  hat. 
Dieses  Vorurtheil  scheint  bedeutend  verstärkt  zu  werden  durch 
die  uns  noch  erhaltene  Nachricht,  dass  Clemens  von  Alexa^ndrien 
es  dem  Lucas  zugeschrieben  hat.  Das  ürtheil  des  Clemens 
besagt  in  der  That  mindestens  dies,  dass  der  Dialog  eine  Reihe 
von  Merkmalen  getragen  haben  muss,  durch  welche  er  sich  von 
den  gewöLiilichen  apologetischen  Schriften  unterschieden  hat 
und  in  dem  Masse  mit  der  urchristlichen  Literatur  verwandt 
erschien  ^2).  Allein  andererseits  ist  aus  anderen  uns  erhaltenen 
Nachrichten^^)  deutlich,  dass  die  Schrift  in  einer  ganzen  Reihe 


61)  Die  Schriften  TCQoq^EXkTjvaQ  — ngog  liovSalovq  —  'EyXoyal  (testi- 
nionia)  stehen  auch  sonst  wahrscheinlich  und  überhaupt  in  einer  Stufen- 
folge, indem  die  ersten  die  Bedürfnisse  des  grossen  Publicums,  die  zweiten 
die  der  Geförderten  und  bereits  nach  OfFenbaning  Suchenden,  die  dritten 
die  der  Katechumenen  vornehmlich  berücksichtigen. 

62)  S.  hiezu  die  oben  angeführte  Abhandlung  von  Overbeck. 

03)  S.  Texte  u.  Unters.  J,  II  S.  115 f.  Wir  werden  unten  noch  eimual 
auf  diese  Beobachtungen  zurückkommen. 


so  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

von  Merkmalen  die  gewöhnlichen  Züge  der  Apologetik  getragen 
haben  muss.  Das  gilt  nicht  nur  vom  Weissagungsbeweis  im 
engsten  Sinn  des  Wortes  —  wir  haben  übrigens  oben  gesehen, 
dass  dieser  in  seinen  Grundzügen  im  1.  und  2.  Jahrhundert  bei 
Juden-  und  Heidenchristen  derselbe  geblieben  ist  — ,  sondern 
auch  namentlich  von  der  Christologie,  welche  der  des  Justin  und 
der  Apologeten  überhaupt  ähnlich  gewesen  sein  muss.  Die  Christo- 
logie ist  aber  stets  Symptom  der  „Theologie".  Der  Dialog  hatte 
alsot  höchst  wahrscheinlich  ein  doppeltes  Gesicht;  aber  das  Ar- 
chaistische kann  nicht  das  Hervorstechendste  gewesen  sein,  und 
dass  es  dies  nicht  gewesen  ist,  darüber  belehrt  auch  die  Ge- 
schichte des  Dialoges  in  der  Kirche.  Die  Figuren  des  Dialoges, 
der  mit  der  Bitte  um  die  Taufe  von  Seiten  des  Juden  schloss, 
waren  hJkhst  wahrscheinlich  frei  erfundene.  Was  den  Umfang 
des  behandelten  Stoffes  anlangt,  so  muss  sich  der  Verfasser 
ganz  wesentlich  auf  den  locus  de  Christo  beschränkt  haben; 
denn  Origenes  nennt  die  Schrift  ^^aviiloyla  tieqI  Xqiotov^^  und 
Celsus  Afer  giebt  den  Inhalt  als  „adsertio  et  vindicatio  disposi- 
tionis  et  plenitudinis  Christi"  an. 

Tertullians  Schrift  adv.  ludaeos^^)  ist  in  ihrer  ersten  Hälfte 
der  Anlage  nach  ein  durchaus  originales  Producta'').  Das 
schhesst  nicht  aus,  dass  ältere  griechische  Schriften  in  ihr  reich- 
lich benutzt  sind.  Abhängigkeit  von  Justins  Dialog  ist  bereits 
von  Anderen  constatirt  worden.  Man  hat  die  Echtheit  der 
zweiten  Hälfte  bekanntlich  beanstandet.  Die  Frage  kommt  an 
dieser  Stelle  nicht  in  Betracht,  da  auf  alle  Fälle  auch  der  zweite 
Theil  noch  dem  3.  Jahrhundert  angehört.  Das  Eigenthüm- 
liche  des  tertullianischen  Tractates  ist  zuvörderst  dies,  dass  der 
Gegner  des  Christen  ein  jüdischer  Proselyt  ist,  und  dass 
Tertullian  daher  am  Anfang  von  der  Thatsache  aus  gegen  den 
jüdischen Particularismus  argumentirt,  dass  die  Heiden  überhaupt 
auch  nach  jüdischen  Grundsätzen  zum  Gesetz  Gottes  zugelassen 


04)  S.  Neander,  xVntignosticus  S.  463 f.  Böhringer,  Tertullian  2 
S.  740.  Hesselbeig,  Tert.'s  Lehre  I  S.  G2f.  Grotemeyer,  Tert/s  Leben 
11.  Schriften  II  (1865)  S.  18f.  Haiick,  Tert.'s  Leben  u.  Schriften  S.  68 f. 
Bonwetsch,  Die  Schriften  Tert.'s  S.  40 f.  Kellner,  Tert.'s  Sämmtl. 
Schriften  II  S.  260 f. 

05)  S.  die  treft'liche  Analyse  bei  Hauck,a.  a.  0. 


Der  Charakter  uud  die  Comi^osition.  81 

werden  können.  Er  macht  damit  einen  Gedanken  zum  Aus- 
gangspunkt, der  in  der  älteren  apologetischen  Literatur  kaum 
für  wer th  voll  erachtet  worden  ist.  Allein  auch  Tertullian  ist 
nicht  gesonnen,  ihn  ernsthaft  zu  nehmen.  Er  lenkt  sehr  rapch 
in  die  herkömmliche  Gegenüberstellung  von  Gesetz  und  Gesetz 
ein,  und  wenn  sich  auch  seine  Auffassung  des  mosaischen  Ge- 
setzes in  wesentlichen  Punkten  bereits  von  der  Justins  unter- 
scheidet, so  bleibt  die  Argumentation  dpch  ziemlich  dieselbe. 
Von  der  Betrachtung  des  Gesetzes  o-eht  Tertullian  zu  dem  ver- 
heissenen  neuen  Gesetzgeber  (c.  6)  über,  uui  sehr  rasch  auf  die 
Danielische  Weissagung  zu  kommen.  Der  Nachweis,  dass  die 
Zeitbestimmungen  hier  genau  auf  Christus  passen,  ist  ihm  eine 
entscheidende  Hauptsache.  Was  nun  folgt,  der  sog.  zweite  Theil, 
enthält  den  herkömmlichen  Weissagungsbeweis  in  Bezug  auf 
die  Person  und  die  Geschicke  Jesu  im  Detail.  Bemerkenswerth 
ist,  dass  Tertullian  in  dem  ganzen  Tractat  vonNTlichen  Schriften 
kaum  irgend  welchen  Gebrauch  macht,  und  dass  er  hie  und  da 
Einwendungen  so  vorbringt,  als  habe  er  einen  ^drklichen  Gegner, 
der  seine  Gründe  geltend  macht,  vor  sich. 

Die  beiden  ersten  Bücher  der  „Testimonia"  Cyprians^*^) 
bilden  gegenüber  dem  dritten,  das  ursprünglich  gar  nicht  be- 
absichtigt war  (s.  Praefat.  ad  lib.  L  II  unu  dazu  Praef  ad  lib. 
III),  ein  Ganzes:  es  wird  in  ihnen  die  Verwerfung  der  Juden, 
die  Substitution  der  Christen  und  das  ganze  Mysterium  Christi 
aus  den  heiligen  Schriften  beider  Testamente  dargestellt. 
Sie  enthalten  wesentlich  nichts  anderes,  als  systematisch  grup- 
pirte  Excerpte  aus  dem  A.  und  N.  T.  Was  der  Verfasser  hinzu- 
gethan  hat,  sind  die  ausführlichen  Capitelüberschriften  und  hie 
und  da  —  aber  sehr  selten  —  längere  oder  kürzere  zusammen- 
fassende Bemerkungen.    Es  verdient  alle  Beachtung,  dass  diese 

66)  Die  Echtheit  der  Testimonia  (libelli  tres  ad  Quirinum)  ist  von 
Euasmus  angezweifelt  worden.  Die  Schrift  wird  jetzt  mit  Recht  für 
echt  gehalten.  Sie  findet  sich  bereits  im  Cod.  Sessor.  saeo.  VIH.  vel  IX., 
diigegen  nicht  im  Seguierianiis  saec.  VI.  vel.  VII.;  vgl  Hartel,  Opp. 
Cypr.  Prolegg.  p.  XXIlIsq.  Entscheidend  aber  ist,  dass  bereits  Pelagius, 
Augustin  und  Hieronymus  die  Schrift  für  cyprianisch  gehalten  haben ^  s. 
August.  C;  duas  epp.  Pelag.  IV,  21.  27;  Hieron.  Dial.  e.  Pelag.  32.  Auch 
sie  kennen  sie  lediglich  unter  dem  Titel  „ad  Quirinum".;  der  vulgäre: 
„Testimoniorum  libri  adversus  Iudaeos'\  ist  handschriftlich  nicht  bezeugt. 

Texte  und  Untersuchungen  I,  3.  6 


g^  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophiii. 

Schrift,  welche  eine  Einführung  in  das  Schriftganze  und  ein 
Compendium  des  Schriftinhaltes  für  Katechumenen  und  der 
Unterweisung  Bedürftige  enthält,  in  der  Form  einer  Auseinander- 
setzung mit  dem  Judenthum,  resp,  einer  Bekämpfung  desselben 
(s.  oben)  auftritt.  Aber  noch  mehr:  stofflich  ist  diese  Samm- 
lung ganz  und  gar,  soweit  sie  sich  auf  das  A.  T.  bezieht, 
von  den  Arbeiten  der  Apologeten,  und  zwar  vornehmlich  der 
antijüdischen,  abhängig^").  Aus  ihr  lässt  sich  daher  auf  Zweck 
und  Absicht  jener  Schriften  zurückschliessen,  und  sie  warnt 
davor,  sich  durch  die  Form  derselben  irre  leiten  zu  lassen. 
Wichtig  ist,,  dass  sich  aus  ihr  trotz  aller  Knappheit  der  Zustand 
des  christologischen  Dogmas  ermitteln  lässt,  wie  er  damals  be- 
stand. Die  6  ersten  Capitel  des  2.  Buches  bilden  eine  Climax: 
Christus  ist  „primogenitus" ,  er  ist  die  „sapientia  dei",  er  ist 
„sermo  (manus,  brachium)  dei",  er  ist  endlich  überhaupt  „deus". 
Geht  man  von  dieser  Sammlung  zu  der  mehr  als  ein  Jahr- 
hundert jüngeren  über,  die  unter  dem  Namen  des  Gregor  von 
Nyssa  bekannt  ist  (Testimonia  adv.  ludaeos),  so  fällt  die  üeber- 
eiustimmung  derselben  mit  jener  und  mit  den  ältesten  anti- 
jüdischen Schriften  im  Stoff  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade 
auch  in  der  höchst   einfachen  Art   der  Verwendung  desselben 


67)  A  priori  lässt  sich  freilich  schon  vennuthen,  dass  ein  Werk,  wie 
das  vorliegende,  erst  zusammengestellt  worden  ist,  nachdem  in  verschiede- 
nen Specialschriften  bereits  ein  reiches  und  gesichtetes  Material  zur  Hand 
war.  Die  selbständige  Auffindung  und  Gruppirung  von  mehr  als  700 
Bibelstellen  (so  viele  in  den  drei  Büchern)  wäre  ein  sehr  zeitraubendes 
und  mühevolles  Geschäft  gewesen,  zumal  bei  dem  damaligen  Zustande 
der  Buchrollen.  Mindestens  die  alttestamentlichen  Stellen  in  den  beiden 
ersten  Büchern  müssen  bereits  gesammelt  gewesen  sein,  und  sie  waren 
es  eben  auch  —  um  die  Mitte  des  3.  Jahrhunderts  — ,  nachdem  man  sich 
bereits  mehr  als  hundeiifünfzig  Jahre  lang  um  das  Evangelium  im  A.  T. 
bemüht  hatte,  und  nachdem  die  alexandrinischen  Juden  schon  längst  mit 
Stellensanmihmgen  zu  gewissen  biblischen  Hauptbegriffen,  angeblichen  und 
wirkUcheii,  vorangegangen  waren.  Gegen  diese  Annahme  spricht  nicht, 
dass  Cyprian  (Praef,  ad  lib.  I)  sich  für  seine  Sammlung  auf  die  „medio- 
cris  memoria"  beruft;  denn  Eigenes  hat  er  natürlich  dazugethan.  Es 
lässt  sich  vielmehr  aus  einer  Vergleichung  der  Vorrede  zum  3.  l^uche 
vermuthen,  dass  erst  dieses  ihm  eigentlich  Mühe  gemacht  hat.  Hier 
waren  wohl  entweder  gar  keine  oder  ganz  unbedeutende  Vorarbeiten 
vorhanden. 


Der  Charakter  und  die  Composition.  S3 

sehr  auf^^).  Man  könnte  sie  daher  für  eine  sehr  alte  Schrift 
halten,  würde  nicht  im  ersten  Capitel  an  den  theologischen  und 
christologischen  Testimonien  des  Alten  Testamentes  durchweg 
das  Trinitätsdogma ,  wie  es  sich  in  der  2.  Hälfte  des  4.  Jahr- 
hunderts fixirt  hatte,  erwiesen.  Dieses  Capitel  schliesst  mit  den 
Worten:  löou  d/iodeöelKaTaL  (Tvv  it-eio  öiä  rcXeiovcov  Trjg  ccylac; 
ymI  ofioovoiov  TQidöog  ai  vTiooTaaeig.  Dass  nun  gerade  hier 
die  Zeit  des  Schriftstellers  sich  verrath,  während  der  Weis- 
sagungsheweis  sonst  so  stereotyp  geblieben  ist,  ist  nicht  auf- 
fallend. Wir  haben  oben  gesehen,  dass  derselbe  seit  der  Mitte 
des  2.  Jahrhunderts  mit  der  rationalen  Theologie  verknüpft 
worden  ist.  Also  ist  es  auch  zu  erwarten,  dass  er  die  Aus- 
bildung, welche  dieselbe  erfahren  hat,  an  seinem  Theile  stets 
deutlich  machen  wird.  Hier,  und  hier  vor  allem,  haben  wir 
einen  chronologischen  Anhaltspunkt  zur  Bestimmung  von  Schrif- 
ten, die  den  Weissagungsbeweis  in  der  Hauptsache  wiedergeben 
und  deren  Alter  unsicher  ist^'^). 

Solche  Anhaltspunkte  werden  sich  aber  auch  in  der  Regel 
dort  finden,  wo,  wie  z.  B.  in  der  Schrift  des  Basilius  von  Se- 
leucia  c.  lud.,  die  Rechnung  nach  Daniel  die  Hauptsache  ist,  oder 
wo,  wie  in  dem  Gespräch  des  Timotheus  und  Aquilas,  die  dia- 
logische Form  festgehalten  wird.  Dort  nämlich  wird  der  Schrift- 
steller es  selten  unterlassen,  chronologische  Angaben  über  die 
eigene  Zeit  zu  machen,  und  hier  werden  die  Situation,  welche  der 
Verfasser  schildert,  der  Rahmen  und  die  Ausführung  des  Bildes, 
Fingerzeige  für  die  Datirung  geben.  Mai  hat  von  jenem  Dialog 
des  Timotheus  und  Aquilas,  der  in  den  Tagen  des  Cyrill  ge- 
halten sein  will,   dessen  Stil  aber  ein  späteres  Alter  verrathen 


68)  Auch  hier  werden  hie  und  da  die  Juden  redend  eingeführt,  s. 
z.B.  c.  11  (Zacagni,  1.  c.  p.  313):  igovat  de  ndvteg  ol  'lovöaToi,  ozi  et 
tdv  avxbv  Q^söv  ceßead^e,  xi  fj.}/  nsoir^/uvso&e  xtX. 

69)  Auch  die  Citationsformeln  können  hie  und  da  von  chronologi- 
scher Bedeutung  werden,  indessen  hat  sich  seit  dem  Anfang  des  3.  Jahr- 
hunderts in  dieser  Hinsicht  wenig  verändert.  Sehr  wichtig  ist  natürHch 
der  Text  der  Bibeletellen  für  die  chronologische  Frage.  Es  gehört  mit 
zu  den  charakteristischen  Zügen  der  ältesten  Apologetik  sowie  der  vor- 
theologischen, dass  man  sich  nicht  scheut,  den  gewünschten  Sinn  durch 
Textesveränderungen  deutlicher  zu  machen,  resp.  hervorzubringen.  In 
späterer  Zeit  hört  dieses  Verfahren  auf. 

6* 


S4  -Die  Altercatio  Simonis  et  Theoj^hili. 

soll,  nur  den  Anfang  und  den  Scliluss  mitgetheilt '^).  Sie  ge- 
nügen in  der  That,  um  zu  beweisen,  dass  er  sehr  jung  ist. 
Nicht  nur  wird  in  dem  Dialog  gezeigt,  dass  Christas  der  'i)-idg 
d-EMv  ist,  sondern  eine  Reihe  von  Ausdrücken  bekunden  sehr 
deutlich  das  späte  Alter  (z.  B.  avcpr^^Eiv  xe  xov  ßaaiXea  y.al  xhv 
ladyyeXov  eniazonov).  Bezeichnend  ist  auch,  dass  der  Christ, 
von  dem  Juden  um  die  Taufe  gebeten,  dieselbe  nicht  ertheilen 
kann,  den  Neubekehrten  vielmehr  zum  Bischof  führt,  dieser 
aber  den  Timotheus  zum  Diacon,  sodann  zum  Presbyter  weiht, 
worauf  er,  in  dieser  Eigenschaft,  noch  an  demselben  Tage  die 
Taufe  an  dem  Juden  vollzieht. 

Wir  können  nun  nach  diesen  Vorbemerkungen  die  Alter- 
catio Simonis  et  Theophili  ins  Auge  fassen;  denn  es  ist  nicht 
nothwendig,  auf  die  monographischen  Tractate  und  die  Predigten 
adv.  ludaeos  des  3.  bis  5.  Jahrhunderts  hier  näher  einzugehen, 
da  sie  für  das  geschichtliche  Verständniss  jener  Schrift  nur 
wenig  austragen. 

Erinnert  man  sich,  dass  die  Altercatio  am  Anfang  des 
5.  Jahrhunderts  verfasst  ist,  so  muss  jedem  Kenner  der  Dogmeu- 
geschichte  der  archaistische  Charakter  derselben  auffallen. 
Derselbe  tritt  nicht  in  der  x^rt  des  Weissagungsbeweises  an  sich 
hervor,  sondern  vielmehr  in  der  Theologie  und  Christologie  des 
Verfassers.  Die  kirchliche  Trinitätslehre  ist  ebensowenig  be- 
rührt wie  die  Zweinatureulehre;  dagegen  sind  die  Formeln, 
welche  der  Verfasser  hier  braucht,  durchweg  die  des  zweiten 
Jahrhunderts  ^1).     Von    der    Menschheit  Christi   ist    überhaupt 

70)  Spicil.  Rom.  T.  IX  p.  Xlisq.  Mai  bemerkt  ausserdem:  „Constat 
dialogus  longo  vaticiuiorum  exaniine,  quibus  demonstratur,  lesum  revera 
deura  esse  et  exspectatum  illum  a  ludaeis  Messiam,  suadente  Christianp, 
conti-adicente'  Indaeo". 

71)  Wohl  wird  Christus  „deus  et  dei  iilius"  genannt;  aber  diese  Zu- 
sammenstellung ist  schon  dem  Justin  gcläuüg  und  sie  ist  dem  Verfasser 
kein  Ausgangspunkt  für  weitere  Speculaiionen.  Die  Stellt^  Gen.  18,  4.  die 
in  späterer  Zeit  (s.  z.  h.  die  pseudogregoriani.-chen  Tesiimonia,  Zacagni 
p.  291  sq.)  stets  für  die  Trinitäi-lehre  verwendet  worden  ist,  wird  von  unserem 
Verfasser  I,  G  zwar  citirt,  aber  ohne  diese  Verwendung.  Die  an  Mose? 
gerichteten  Worte  (H,  7):  ,.Ecco  dedi  te  deum  Pharaoni"  werden  unbe- 
fangen angeführt,  um  die  Gottheit  Christi  verständlich  zu  machen;  ebenso 
wird  (III,  11)  eine  Parallele  gezogen  zwischen  der  Erzeugung  Christi  ujid 
der  Erschaftung  des  Menschen.    Der  präexistente  Christus  ist  „verbo  edi- 


Der  Charakter  und  die  Composition.  g5 

eigentlich  nirgends  die  Rede  —  c.  III,  14  scheint  der  Doketismus 
abgewehrt  zu  sein  — ,  dagegen  beschäftigt  sich  der  Verfasser 
nicht  nur  durch  den  ganzen  Tractat  hindurch  mit  der  zwei- 
fachen und  so  verschiedenen  Ankunft  Christi,  sondern  er  hat 
auch  gleich  im  Eingange  dem  Spruche  Isa.  44,  6  („Ego  priraus 
et  ego  novissimus")  eine  Deutung  auf  sie  gegeben,  und  seine 
Beziehung  von  Deut.  32,  39  („Praeter  me  non  est  deus")  auf 
den  Antichrist  ist  ebenso  frappirend  wie  j^iterthümiich.  Er  er- 
wähnt ferner  das  tausendjährige  Reich  und  setzt  dasselbe  der 
„imaginaria  requies  diei  septimi"  (VII,  28)  entgegen.  Der  all- 
gemeine Weltbrand  wird  VI,  24  ausführlich  besprochen.  Wo 
der  Kirche  gedacht  wird  (VI,  24.  25),  da  werden  nirgends  be- 
stimmte Institutionen  in  ihr  hervorgehoben.,  vielmehr  kommt 
sie  lediglich  als  die  neue,  wahre  Gemeinde,  das  Volk  Gottes, 
gegenüber  der  Synagoge  in  Betracht.  Der  Verfasser  scheut 
sich  auch  nicht,  die  Kirche  mit  der  „fornicaria"  zu  vergleichen. 
Anspielungen  auf  neutestamentliche  Schriften  sind  sehr  spär- 
lich; die  Ausführungen  ruhen  ganz  und  gar  auf  dem  A.  T., 
welches  zudem  in  freiester  Weise  benutzt  wird.  Der  Verfasser 
hat  sich  entweder  selbst  eine  Reihe  von  alttestam  entlichen 
Sprüchen  nach  seinem  Gutdünken  zur  Verstärkung  seiner  Be- 
weise redigirt,  oder  er  hat  eine  zu  apologetischen  Zwecken  zu- 
sammengestellte und  bearbeitete  Sammlung  von  Sprüchen  be- 
nutzt. Seine  allegorischen  Erklärungen  des  A.  T.  sind  zum 
grösseren  Theile  die  allbekannten:  aber  hie  und  da  bringt  er 
eigenthümliche  Deutungen,  von  denen  manche  anstössig  naiv 
sind ''2). 

Alle  diese  Merkmale  lassen  in  dem  Verfasser  eher  einen 

tus,  ore  prolatus"  (L  c,  s.  Justin).  Nirgends  erscheint  die  Christologie 
über  die  Linie  hinausgeführt,  bis  zu  welcher  sie  schon  im  2.  Jahrhundert 
ausgebildet  war. 

72)  Die  „Exegese"  des  Euagrius,  wenn  von  einer  solchen  überhaupt 
geredet  werden  kann,  ist  die  der  älteren  Apologeten.  Von  einer  schul- 
mässigen  Exegese,  wie  sie  in  Anlehnung  an  die  Alexandriner  und  Antio- 
chener  auch  im  Abendlande  im  fünften  Jahrhundert  betrieben  wurde, 
ist  auch  nicht  eine  Spur  zu  entdecken.  Indessen  ist  diese  Beobach- 
tung für  die  Frage  nach  dem  wirklichen  Alter  der  Altercatio  belanglos, 
da  der  Weissagungsbeweis  stets  spröde  gegen  die  kunstmässige  Exegese 
geblieben  ist.  Die  letztere  hat  es  immer  nur  zu  einzelnen  apologetischen 
Tractaten  gebracht. 


86  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Zeitgenossen  des  ßarnabas  und  Justin  als  des  Augustin  und 
Nestorius  vermuthen.  Wissen  wir  auch,  dass  sich  im  Abend- 
lande während  des  ganzen  4.  Jahrhunderts  das  Alterthümliche 
viel  zäher  erhalten  hat  als  im  Morgenlande,  und  dass  dasselbe 
überall  in  einer  antijüdischen  Polemik,  resp.  in  der  Form  einer 
solchen,  besonders  stark  hervortreten  musste,  so  soll  doch  Eu- 
agrius  nach  der  Zeit  des  Augustin,  resp.  in  den  letzten  Jahren 
desselben  geschrieben  haben,  und  sein  Werk  trägt  doch  den 
alterthümlichen  Stempel  in  einem  weit  höheren  Masse  als  die 
Schriften  eines  Lactantius,  die  um  ein  Jahrhundert  alter  sind. 
Dialoge  pflegen  doch  sonst  stets  die  Zeit  zu  verrathen,  aus 
welcher  sie  stammen,  sei  es  in  einer  dogmatisch- theologischen 
Ausführung  sei  es  durch  einen  Hinweis  auf  die  allgemeine  Zeit- 
lage. Nun  —  mindestens  eine  Ausführung  macht  es  in  der 
That  evident,  dass  unser  Dialog,  wie  er  vorliegt,  wirklich  dem 
5.  Jahrhundert  angehört:  es  ist  der  Abschnitt,  in  welchem 
der  Verfasser  auf  die  auch  in  der  Geburt  nicht  verletzte  Jung- 
fräulichkeit der  Maria  eingegangen  ist'^).  Dieses  Dogma  ist 
bekanntlich  nicht  älter  als  die  Zeit  des  Hieronymus.  Ein  Schrift- 
steller, welcher  dasselbe  so  vertreten  hat,  wie  unser  Verfasser, 
kann  daher  frühestens  dem  Anfang  des  5.  Jahrhunderts  oder 
dem  Ausgang  des  4.  angehören'^*). 

Indessen  gerade  der  hier  bezeichnete  Abschnitt  beweist, 
dass  unser  Dialog  nach  einer  älteren  Vorlage  gearbeitet  ist. 
Er  erweist  sich  nämlich  offenbar  als  eineEinschiebung. 
Im  dritten  Capitel  der  Altercatio  waren  die  Fragen  nach  der 
GTottessohnschaft  Christi  und  der  Jungfrauengeburt  bereits  er- 
ledigt, wie  der  Jude  selbst  IV,  15  ausdrücklich  constatirt.  Er 
verlangt  nun  nach  einem  Beweise  dafür,  dass  Christus  ein  Sohn 
Davids,  und  dass  er  in  Bethlehem  geboren  sei.  Dieser  Beweis 
wird  ihm  von  Theophilus  in  den  beiden  Prophetenstellen  Isa. 


73)  S.  c.  IV,  15.  16. 

74)  S.  Hieron.  adv.  Pelag.  (Opp.  ed.  Mart.  IV,  2  p.  512):  „Solua  Christus 
clausas  portas  vulvae  virginalis  aperuit,  quae  tarnen  clausae  iugiter  per- 
manserunt.  Haec  est  porta  orientaiia  clausa,  per  quam  solus  pontifex  ingre- 
ditur  et  egreditur,  et  nihilo  minus  semper  clausa  esf*.  Aehnlich  Ambro- 
sius ;  anders  noch  Tertullian,  ürigenes,  Epiphanius,  Pseudogregoi  adv.  lud. 
(Zacagni,  1.  c.  p.  3048q.);  s.  Hase,  Polemik  ^  S.  313. 


Der  Charakter  und  die  Composition.  37 

11,  1.  2  und  Micha  5,  2  gegeben '^^).  Die  beiden  Stellen  stehen 
aber  nicht,  wie  nian  erwarten  muss,  neben  einander,  sondern  da- 
zwischen ist  von  „Dens  enim,  qui  in  Numeris  etc."  (IV,  15  p.  24, 25) 
bis  „inpleta  cognosces'^  (IV,  17  p.  25,  17)  eine  Satzgruppe  einge- 
schoben, die  von  der  Jungfräulichkeit  der  Maria  post  partum  han- 
delt, in  welcher  sogar  behauptet  wird,  dass  der  ganze  Streit  zwi- 
schen Juden  und  Christen  darum  sich  drehe,  ob  eine  Jungfrau  als 
Jungfrau  geboren  habe.  Dass  der  Abschnitt  aus  dem  Zusammen- 
hang des  Dialogs  herausfallt,  muss  Jedem  sofort  deutlich  sein, 
der  darauf  aufmerksam  gemacht  wird.  Man  könnte  nun  ver- 
muthen,  dass  er  nicht  von  Euagrius  selbst,  sondern  von  einem 
Späteren,  einem  Abschreiber,  eingefügt  sei;  allein  dieser  Hypo- 
these steht  die  Beobachtung  im  Wege,  dass  der  Stil  des  Ab- 
schnittes völHg  mit  dem  Stil  des  Ganzen  stimmt,  dass  selbst 
mehrere,  nicht  eben  gewöhnliche  Ausdrücke  identisch  sind'^), 
und  dass  namentlich  die  Wendung,  als  setze  der  Christ  Miss- 
trauen in  den  jüdischen  Glauben  an  die  Propheten,  auch  sonst 
in  dem  Dialog  sich  findet.  Die  bezeichnete  Satzgruppe  ist  also 
ein  integrirender  Bestandtheil  der  Schrift  des  Euagrius;  sie  be- 
weist aber  dann^  dass  dieser  eine  ältere  Vorlage  mecha- 
nisch und  daher  wohl  ziemlich  treu  für  seine  neue 
Schrift  copirt  hat. 

Sobald  dieses  an  einem  Punkte  —  und  wir  hojffen  mit 
Sicherheit  —  constatirt  ist,  fallen  andere  Beobachtungen  auf, 
welche  diese  Hypothese  stützen.  In  c.  VH,  28  (p.  42, 9)  ist  mitten  in 
einen  Abschnitt,  der  von  dem  Verbot  des  vinum  ludaicum  han- 
delt, der  Satz  hineingestellt:  „et  azymas  tuas  manducare  veta- 
mur".  Die  alttestamentlichen  Stellen,  welche  angeführt  werden, 
beziehen  sich  nur  auf  den  Wein,  d.  h.  das  Blutvergiessen  wird 
unter  dem  Bilde  des  Weines  dargestellt  und  umgekehrt.  Das  Verbot 
der  Azyma  ist  aber  wörtlich  zu  verstehen.  Dieses  geht  ohne  Zweifel 
zurück  auf  den  70.  apostolischen  Kanon,  resp.  auf  den  37.  Kanon 
von  Laodicea  —  früher  ist  es  in  der  Literatur  nicht  nachweisbar. 
Man  kann  auch  hier  den  Verdacht  nicht  unterdrücken,  dass  der 
Verfasser  in   eine  ältere  Vorlage  ein  modernes  Verbot  hinein- 

75)  Der  ersten  Stelle  sind  die  Worte  hinzugefügt  (IV,  15):  »Virga 
enin)  Maria  virgo  fuit,  quae  ex  semine  David  processit,  ex  qua  Christus 
flos  patriarcharum  secundum  camem  nascitur". 

76)  Z.  B.  „plenitudo  evangeliorum" ;  s.  V,  20.  VI,  25, 


§§  Die  xiltercatio  Simonis  et  Theophili. 

gestellt  hat,  ohne  zu  bemerken,  dass  das  so  Zusammengeschweisste 
gar  nicht  zusammenpasst.  C.  YI,  24  (p.  33,  7  sq.)  wird  mit  der 
Formel  „praedictus  adventus"  auf  die  Wiederkunft  Christi  hin- 
gedeutet, aber  von  dieser  war  bisher  noch  nicht  die  Rede.  Also 
scheint  es,  dass  Euagrius  aus  seiner  Vorlage  auch  Stücke  weg- 
gelassen, mindestens  an  einer  Stelle  aber  die  Auslassung  nicht 
genügend  verdeckt  hat.  Endlich  ist  hier  des  so  räthseihaften 
Anfanges  der  Schrift  zu  gedenken.  Wie  oben  (§  1)  bemerkt, 
beginnt  V  mit  den  Worten:  ,,Fait  igitur  altercatio  legis  interetc"; 
B  und  C  stellen  dagegen  eine  kurze  Einleitung  voran,  die  aber 
nur  in  B  durch  eine  kurze  Adresse  („Domino  fratri  valerio  a.  .ins 
salutem")  eine  Etiqaette  erhalten  hat.  Es  -wird  auch  Anderen 
so  gehen,  dass  sie  um  des  abrupten  Anfanges  in  V  willen  zu- 
nächst jene  Einleitung  für  ursprünglich  anzusehen  geneigt  sein 
werden.  Aliein  bei  näherer  Betrachtung  lässt  sich  diese  Hypo- 
these schwerlich  halten.  Erstlich  nämlich  ist  es  nicht  ersicht- 
lich, warum  die  Einleitung,  wenn  ursprünglich,  fortgelassen 
worden  sein  sollte,  während  ihre  Beifügung  sich  sehr  wohl 
erklärt.  Zweitens  zeigen  alle  Handschriften,  dass  die  Altercatio 
anonym  cursirt  haf^'),  3)  ist  der  Verfassername  in  der  Adresse 
von  B  unzweifelhaft,  wie  er  auch  ursprünglich  gelautet  haben 
mag,  ein  unrichtiger,,  4)  endlich  —  und  das  scheint  die  Haupt- 
sache —  stimmt  die  Einleitung  gar  nicht  mit  dem  Inhalte  der 
Schrift  selbst  zusammen.  Nach  jener  soll  der  Verfasser  von 
einer  Unterredung  berichten,  die  er  selbst  soeben  als  Augen- 
zeuge miterlebt  hat;  aber  nicht  ein  Wort,  nicht  ein  Zug  deutet 
in  der  Schrift  selbst  darauf  hin.  Hätte  der  Verfasser  als  Augen- 
zeuge berichtet  oder  auch  nur  berichten  wollen,  so  hätte  er 
über  die  Situation  und  über  die  Personen  der  Disputanten  doch 
wohl  ein  Wort  verloren.  So  wie  diese  Einleitung  ohne  Ver- 
bindung mit  dem  Folgenden  dasteht,  kann  sie  nur  als  ein 
schlechter  und  erfolgloser  Versuch  gelten,  das  Auffallende  des 
Anfangs  der  Schrift  zu  ermässigen.  Dieser  Anfang  ist  aller- 
dings ein  ganz  ungewöhnlicher.  Sieht  man  auch  von  dem  selt- 
samen „igitur*'  ab,  welches  sich  auf  die  Ueberschrift  zurückbe- 
ziehen kann,   so  lässt  sich  doch  der  ganze  Eingang  und  die 


77)  Der  Zusatz  in  B:  „quam  scripsit  evagrius**  ist  ih  späterer  Zeit  ge- 
macht und  darf  wohl  auf  die  Leetüre  des  Gennadius  7-uräckgeführt  werden. 


Der  Gliai-akter  und  die  Cömposition.  89 

unvermittelte  Einfäliiimg  der  Personen  nur  durch  die  Annahme 
erklären,  dass  der  Verfasser  selbst  etwas  fortgelassen  hat.  Dies 
v/ird  aber  sofort  verständlich,  wenn  man  die  Hj^pothese  zu 
Hülfe  nimmt,  dass  er  einen  älteren  Dialog  als  Vorlage  benutzte, 
dessen  Eingang  er  sich  nicht  aneignen  wollte  oder  konnte.  Ist 
aber  die  Annahme  ehier  älteren  Vorlage  bereits  aus  anderen 
Gründen  (s.  oben)  als  erwiesen  zu  betrachten,  so  erscheint  die 
hier  gegebene  Erklärung  fast  unumgänglich. 

Wir  dürfen  somit  als  gesichert  annehmen,  dass  Euagrius 
einen  älteren  Dialog  durch  Zusätze  und  Auslassungen  über- 
arbeitet hat.  Es  fragt  sich,  ob  sich  ausser  den  zwei  genannten 
Stücken  (IV,  15—17  u.  ein  Theil  von  VII,  28)  noch  andere  als 
Zusätze  erweisen  lassen.  Als  ein  solcher  erscheint  ferner  der 
Satz  p.  26,  8 — 10  (für  „nam  si"  etwa  „et  si"),  welcher  den  Zu- 
sammenhang durchbricht  und  mit  p.  26,  25;  31,  10;  34,  10  streitet. 
Anderes  ist  unsicher  oder  irrelevant.  Die  Disposition  zeigt 
sich  überall  als  eine  sachgemässe  und  durchsichtige.  Fällt  auch 
bei  flüchtiger  Betrachtung  auf,  dass  das  Capitel  über  die  Be- 
schneidung (c.  5)  zwischen  die  Abschnitte,  welche  von  dem  Ur- 
sprung und  der  Geburt  Christi  (c.  4)  und  von  seinem  Leiden 
(c.  6)  handeln,  gestellt  ist,  so  erklärt  sich  doch  diese  Stellung 
bei  genauerer  Prüfung  daraus,  dass  der  Jude  von  der  ße- 
schneidung  Christi  ausgeht.  Die  beiden  längeren  Excurse  in 
dem  umfangreichen  sechsten  Abschnitte  (zu  Num.  13,  24  sq. 
und  über  die  Kirche)  fallen  nicht  aus  dem  Rahmen  des  Ganzen 
heraus;  kleinere  Unebenheiten  sind  hi6  und  da,  aber  nur  selten 
zu  constatiren;  Zusammenziehungen  mögen  an  einigen  Stellen 
stattgefunden  haben. 

Da  am  Anfange  der  Disputation  bestimmt  worden  ist,  dass 
die  Beweise  ledighch  „praesentia  legis^'  geführt  werden  sollen, 
und  da  diese  Abmachung  eingehalten  wird,  so  sind  schliesslich 
noch  die  Stellen  in  Betracht  zu  ziehen,  in  welchen  auf  die 
evangelische  Geschichte,  resp.  auf  neutestamentliche  Schriften 
angespielt  wird.  Der  Verf.  bezieht  sich  auf  die  Geburt  Christi 
in  Bethlehem,  auf  seine  Beschneidung  am  8.  Tage,  auf  die  An- 
kunft der  Magier,  die  Wahl  des  Matthäus,  die  Kreuztragung, 
die  Leidensgeschichte,  überhaupt  auf  die  Stücke  der  regula  fidei. 
Hier  ist  nichts,  was  nicht  auch  im  zweiten  Jahrhundert  ge- 
schrieben  sein   könnte,    zumal   da   der  Verfasser  jedes   directe 


90  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Citat  vermeidet.  Auch  die  mehrmalige  Verweisung  auf  die 
„plenitudo  evangeliorum"  ist  nicht  auffallend.  Auffallend  aller- 
dings ist  die  Erklärung  (V,  20)  zu  Isa.  43,  19:  „et  ponam  in 
deserto  flumina"  —  „hoc  est  in  ecclesia  evangelia''.  Allein  sieht 
man  genauer  zu,  so  gehört  diese  Bemerkung  gar  nicht  in  den 
ursprünglichen  Zusammenhang.  In  diesem  handelt  es  sich  ledig- 
lich wie  im  2.  Jahrhundert  um  das  testamentum  novum  et  vetus, 
von  Evangelien  ist  gar  nicht  die  Rede.  Die  Jesajasstelle  selbst 
ist  mit  den  Worten  eingeführt:  „Pro  testamento  novo  sie 
dicit  Esaias".  Die  specielle  Erklärung  der  „flumina"  als  „evan- 
gelia"  fällt  durchaus  aus  dem  Zusammenhange  heraus,  wie  auch 
das  gleich  folgende  Citat  aus  Jerem.  *31,  31  beweist.  —  Nur  zu- 
fällig ist  jedenfalls  die  Berührung  III,  12  init.  mit  II  Cor.  3,  13  sq., 
und  auch  darauf  wird  schwerhch  Gewicht  zu  legen  sein,  dass 
die  beiden  Stellen  Isa.  59,  7  und  Ps.  14,  welche  der  Verfasser 
VII,  28  verwechselt  hat,  Rom.  3,  10  sq.  als  verbunden  erscheinen. 
Die  allegorische  Deutung  der  „gladii  petrini"  auf  Petrus  (V,  20 
fin.)  hat  keine  neutestamentliche  Grundlage  und  darf  daher  hier 
übergangen  werden.  Somit  bleiben  nur  zwei  Stellen  übrig, 
welche  Schwierigkeiten  zu  machen  scheinen.  C.  11,  9  braucht 
der  Verfasser  eine  Wendung,  welche  sich  mit  Hebr.  1,  5.  6 
wörtlich  berührt,  und  c.  III,  11  findet  sich  in  aller  Form  ein 
Citat  —  das  einzige  —  aus  einer  neutestamentlichen  Schrift: 
Job.  1,  1 — 3.  Allein  die  Berührung  mit  Hebr.  1,  5  kann  eben- 
falls eine  zufällige  sein;  ausserdem  wäre  es  auch  bei  der  An- 
nahme, die  Vorlage  stammte  aus  dem  2.  Jahrhundert,  nicht 
auffallend,  dass  der  Verfasser  den  Hebräerbrief  benutzt  hätte. 
Was  aber  das  Citat  Joh.  1,  Isq.  betrifft^  so  ist  es  schwer,  ein 
Urtheil  zu  fällen,  da  in  Folge  einer  Textescorruption  die  Art 
der  Anknüpfung  desselben  an  das  Vorhergehende  nicht  ganz 
klar  ist.  Dass  es  den  Zusammenhang  durchbricht,  ist  deutlich; 
andererseits  ist  es  mit  einer  Reserve  eingeführt  (,,si  velles  lo- 
hannem  audire"),  ferner  wird  nicht  an  das  Buch  des  Johannes, 
sondern  an  Johannes  selbst,  als  propheta  n oster,  appellirt"^), 
endhch  schliesst  das  Citat  mit  den  Worten:  „et  sine  illo  factum 
est  nihil",  d.  h.  es  beobachtet  die  alte  Satzeintheilung. 

Aus  dem  hier  Ausgeführten  ergiebt  sich,    dass  auch  von 


78)  Diese  Bezeichnung  kann  sehr  alt,  aber  freilich  auch  sehr  jung  sein. 


Das  Verhältniss  der  Altercatio  zu  anderen  Schriften.  91 

dieser  Seite  her  an  der  wesentlich  treuen  Reproduction  der 
Vorlage  nicht  gezweifelt  zu  werden  braucht.  Es  kommt  nun 
noch  zu  dem  bereits  eingangs  Bemerkten  eine  Reihe  von  alter- 
thümlichen  Zügen  hinzu.  Dazu  rechne  ich  nicht,  dass  der  Ver- 
fasser sich  nirgendwo  auf  das  sachlich  Werthvolle  der  im  Weis- 
sagungsbeweise enthaltenen  Stücke  besinnt,  sondern  einfach  die 
Formel,  „damit  die  Schrift  erfüllet  werde",  bei  der  Hand  hat 
(VI,  22  p.  29,  11  sq.),  wohl  aber  folgende  Beobachtungen:  Die 
Zeit  der  Wirksamkeit  Jesu  wird  auf  ein  Jahr  bestimmt  (VI,  24); 
von  Matthäus  wird  behauptet,  er  sei  Heidenchrist  gewesen 
(V,  20)  —  eine  Annahme,  die  sich  sonst  nur  noch  bei  TertuUian 
findet;  auch  die  guten  Engel  soUen  von  der  Menschwerdung 
des  Sohnes  Gottes  nichts  gewusst  haben  (VI,  25  p.  37,  5  sq.); 
gegen  den  Doketismus  wird  IH,  14  protestirt;  endlich  erscheint 
auch  die  so  rasch  eintretende  Taufe  des  Juden  als  alterthüm- 
lich  (Vm,  30). 

AUe  diese  Beobachtungen,  mit  der  Christologie  des  Ver- 
fassers zusammengehalten,  erlauben  den  Schluss,  dass  Euagrius 
einen  alten  Dialog  reproducirt  und  zwar  im  Ganzen  treu  repro- 
ducirt  hat.  Dieser  Dialog  aber  kann  schwerlich  jünger  ge- 
wesen sein  als  die  Schriften  Tertullians,  sehr  wohl  aber 
erheblich  älter.  Wäre  die  Schrift  des  Euagrius  ohne  das  Te- 
stimonium des  Gennadius  auf  uns  gekommen  und  würde  das 
Stück  über  die  Jungfräulichkeit  der  Maria  in  ihm  fehlen,  so 
würde  gewiss  Niemand  daran  zweifeln,  dass  uns  in  ihm  eine 
sehr  alte  Urkunde  aus  der  christlichen  Literatur  erhalten  ist. 
Wir  besitzen  aber  noch  Mittel,  um  die  Zeit  und  den  Ursprung 
dervon  Euagrius  reproducirten  Grundschrift  näher  zu  bestimmen. 

§  5.    Die  Altercatio  (resp.  die  Grundschrift  derselben) 

in    ihrem    Verhältniss    zu    Tertullians     Tractat    adv. 

ludaeos,   zu   Cyprians  Testimonia,    zu  Lactantius'  In- 

stitutiones  und  zu  Justins  Dialog  mit  Trypho. 

Die  Gruppen  von  Schriftcitaten ,  welche  in  der  Altercatio 
enthalten  sind,  sowie  manche  Ausführungen  finden  sich  zum 
Theil  in  anderen  abendländischen  Schriften  wieder.  Die  üeber- 
ein Stimmung  ist  nicht  selten  eine  so  frappante,  dass  sie  nicht  als 
zufälHg  erachtet  werden  kann.  Wir  beginnen  mit  Tert.  adv.  lud.: 


92  I^ic  Altercatio  Simonis  et  Theophiü. 

1.    Die  Altercatio  und  Tertullians  Schrift  adv.  ludaeos. 

Die  Bemhrungen  zwischen  diesen  beiden  Schriften  sind 
sehr  bedeutende,  so  verschieden  sonst  der  Inhalt  derselben  ist, 
und  soviel  reichhaltigeren  Stoif  die  tertullianische  Schrift  ent- 
hält.    Die  wichtigsten  Berührungen  sind  folgende: 

a)  Die  Behandlung  der  Beschneidungsfrage.  Hier 
finden  sich  bei  Tertullian  folgende  leitende  Gedanken:  Abraham 
wurde,  bevor  er  beschnitten  war,  ein  Freund  Gottes  genannt 
(c.  2):  dazu  Altere.  V,  18.  —  „Si  circumcisio  purgat  hominem, 
deus  Adam  incircumcisum  cum  faceret,  cur  eum  non  circumcidit?" 
(c.  2);  dazu  Altere.  V,  21:  „Potuerat  deus  Adam  circuracisum 
formare''.  —  Abel,  Noah,  Henoch,  Melchisedek  und  Lot  werden 
als  unbeschnitten  angeführt  (c.  2);  dazu  Altere.  V,  21:  Henoch, 
Noah,  Hiob  und  Melchisedek.  —  Von  der  Beschneidung  heisst 
es,  dass  sie  war  „in  signum  temporis  illius,  non  in  salutis  prae- 
rogativam"  (c.  3)  oder  (1.  c.)  „in  signum,  non  in  salutem";  dazu 
Altere.  V,  IS:  „Circumcisio  signum  est  generis,  non  salutis"". 
Nach  diesem  Satze  lässt  die  Altercatio  den  Juden  sagen  (V,  19): 
„Ergo  quo  modo  filium  Moysi,  cum.  esset  in  praeputio,  angelus 
suffocabat,  nisi  Seffora,  mater  eins,  accepto  calculo  circumcidisset 
puerum  etc."  d.  h.  es  wird  über  Exod.  4,  25  gehandelt.  Ter- 
tullian aber  fährt  1.  c.  fort:  „Sed  et  filius,  inquit,  Moysi  tum 
ab  angelo  praefocatus  fuisset,  si  non  Sefl'ora  mater  eins  calculo 
praeputium  infantis  circumcidisset.  Unde,  inquit,  maximum 
periculum  est,  si  praeputium  carnis  quis  non  circumciderit". 
Tertullian  fülirt  also  hier  den  Einwurf  eines  Juden,  der  sich 
auf  Exod.  4,  25  stützt,  an  im  Zusammenliang  mit  der  Frage, 
ob  die  Beschneidung  „in  salutem"  gegeben  sei.  Der  Einwurf 
selbst  steht,  in  directer  Rede  formulirt,  in  der  Alter- 
catio! Dieser  merkwürdigen  Uebereiristimmung  gegenüber  will 
es  weniger  besagen,  dass  Tertullian  bald  darauf  Jerem.  4,  3  sq. 
combinirt  mit  31,  31  sq.  citirt;  beide  Sprüche  werden  auch  in 
der  Altere.  V,  20  angeführt.  Ebenso  soll  nur  erwähnt  werden, 
dass  TertaUian  c.  9  die  Geschichte  Jos.  5,  2  („gladii  petrini") 
verwerthet  (s.  Altere.  V,  20  fin.).  Er  bezieht  aber  die  „petrina 
acies"  auf  Christus,  nicht  auf  Petrus  (nach  1  Cor.  10,  4). 

b)  Die  Behandlung  der  Sabbathfrage.  Tertullian  stellt 
(c.  4)  den  Satz  voran:  „intcllegimus  magis  sabbatizare  nos  ab 


Die  Altercatio  und  Tertullians  Schrift  adv.  lud.  93 

omni  opere  servili  seiiiper  debere";  in  der  Altercatio  (VII,  28) 
wird  das  Sabbatligebot  als  „requiescere  debere  ab  operibus  ma- 
lignis"  erklärt.  Tertullian  citirt  dann  sofort  Isa.  1,  14;  dieses 
Citat  geht  in  der  Altere,  dem  eben  genannten  anmittelbar  ror- 
lier.  Tertullian  geht  nun  zu  Jos.  6,  4  sq.  über  (die  Belagerung 
Jerichos);  diese  Stelle  wird  aber  auch  in  der  Altercatio  un- 
mittelbar Tor  Isa.  1,  14  verwerthef^-^.) 

c)  In  der  Altere.  VII,  26  wird  die  Beziehung  des  Psalm  72 
auf  Salon) o  abgelehnt.  Er  war  kein  Weltlierrscher:  „Saloraon 
enim  intra  certa  in  ludaea  quadraginta  annis  regnavit  a  Dan 
usque  ad  Bersabee  .  .  .  Christi  autem  regnum  ultra  incognitas 
solitudines  est  porrectum  .  .  .  Christus  semper  et  ubique  regnat". 
Bei  Tertullian  (c.  7)  heisst  es:  „Quis  enim  omnibus  gentibus 
regnare  potuisset,  nisi  Christus,  dei  filius,  qui  omnibus  in  aeter- 
num  regnaturus  nuntiabatur?  Nam  si  Salomon  regnavit,  sed 
in  fini]Kis  ludae  tantum;  a  Bersabee  usque  Dan  termini  eins 
regni  signantur". 

d)  Bei  der  Erklärung  der  Stelle  Isa.  7,  13  sq.  8,  4  herrscht 
grosse  Uebereinstinimung;  vgl.  c.  9  mit  Altere.  III,  13.  14.  Die 
Gedanken,  dass  Christus  wie  alle  Kinder  Butter  und  Honig  ge- 
gessen, dass  die  Beute  Damaskus'  und  Samariens  sich  in  den 
Gaben  der  Magier  darstelle  sowie  in  der  Bekehrung  der  Heiden 
vom  Götzendienst,  dass  endlich  der  König  der  Assyrier  der 
Teufel  sei,  finden  sich  dort  und  hier.  Letzteres  ist  um  so  auf- 
fallender, als  Tertullian  an  der  Parallelstelle  adv.  Marc.  III,  13 
fin.  unter   dem  .König  vielmehr  den   Herodes   versteht. 

e)  In  der  Vorlage  der  Altercatio  standen  als  Antwort  auf 
eine  Frage  des  Juden  Isa.  11,  Isq.  und  Mich.  5,  2  zusammen, 
und  als  virgo  e  radice  lesse  war  Maria  bezeichnet,  die  aus  dem 
Samen  Davids  stamme  (IV,  15.  17).  Genau  so  ist  es  bei  Ter- 
tullian (c.  9).  „Et  quoniam  ex  semine  David  geiius  trahere  de- 
beret  virgo,  ex  qua  nasci  oportuit  Christus  etc."  Es  folgt  Isa. 
11,  Isq.  (virga  de  radice  lesse,  quod  est  Maria");,  dann:  „fuit 
enim  de  patria  Bethlehem  etc." 

f)  Die  Behandlung  des  Kreuzestodes.     Hier  sind  die 

79)  Dazwischen  steht  ireilirih,  aber  nur  in  Cod.  B,  eine  Erinnerung 
an  II  Macc.  15.  Dieses  Citat  ist  aber  eben  desshalb  höchst  wahrscheinlich 
eine  spätere  Glosse.  Dafür  spricht  auch  die  Form  der  Anführung,  In- 
des.sen  habe  ich  es  nicht  gewagt,  es  aus  dem  Texte  zu  entfernen. 


94  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Parallelen  am  deutliclisten  und  stärksten.  In  der  Altercat.  VI,  22 
beginnt  der  Jude  damit,  dass  er  erklärt,  der  Kreuzestod  sei  die 
allerschimpflichste  Todesart;  in  dem  A.  T.  stünde  auch  nicht 
geschrieben,  dass  der  Christus  ihn  erleiden  soüe,  vielmehr  heisse 
es  im  Deuteronomium:  Verflucht  ist  jeder  an  das  Holz  Gehängte. 
Der  Christ  erwiedert,  indem  er  mit  den  Worten  beginnt:  „Primo 
huius  dicti  accipe  rationem.  Recole  superius  Deuteronomii 
lectionera,  de  quibus  dictum  est.  Sic  enim  ait  Moyses:  ,Si  quis 
peccaverit  in  iudicium  mortis,  puniatur  exemplo,  suspendetis 
eum  in  ligno;  et  maledictus  erit  omnis  qui  pependerit  in  ligno'. 
Sed  hoc  pro  peccatore  dixit,  qui  mortale  peccatum  admiserit. 
Christus  autem  peccatum  non  habuit,  sicut  omnes  prophetae 
testantur;  sed  pati  necesse  habuit,  ut  scripturae  inplerentur". 
Bei  Tertullian  (c.  10)  beginnt  der  Abschnitt  also:  „De  exitu 
plane  passionis  eins  ambigitis,  negantes  passionem  crucis  in 
Christum  praedicatam"  (er  redet  die  Juden  hier  also  an,  als  er- 
wiedere  er  auf  einen  Einwurf)  „et  argumentantes  insuper 
non  esse  credendum,  ut  ad  id  genu,s  mortis  exposuerit  deus 
filium  suum,  quod  ipse  dixit:  ,Maledictus  omnis  qui  pependerit 
in  ligno\  Sed  huius  maledictionis  sensum  antecedit  rerum 
ratio.  Dicit  enim  in  Deuteronomio :  ,Si  autem  fuerit  in  aliquo 
delicto  ad  iudicium  mortis,  et  morietur  et  suspendetis  eum  in 
ligno  etc/  Igitur  non  in  hanc  passionem  Christum  maledixit, 
sed  distinctionem  fecit,  ut  qui  in  aliquo  delicto  iudicium  mortis 
habuisset  et  moreretur  suspensus  in  ligno,  hie  maledictus  a  deo 
esset .  .  .  ■  Alioquin  Christus,  qui  dolum  de  ore  suo  locutus  non 
est  .  .  .  non  pro  meritis  suis  in  id  genus  mortis  expositus  est, 
sed  ut  ea  quae  praedicta  sunt  a  prophetis,  per  vos  ei  obventura, 
impierentur".  Die  Ueberein Stimmung  zwischen  beiden  Ab- 
schnitten ist  in  der  Anlage  und  Ausführung  eine  totale;  sie 
ist  grösser,  als  dass  sie  sich  durch  den  Hinweis  auf  das  Stereo- 
type des  Weissagungsbeweises  überhaupt  erklären  liesse.  Es 
verhält  sich  hier  der  tertuilianische  Abschnitt  zur  Altercatio 
wie  eine  Paraphrase  zu  einem  Grundtext,  und  wiederum  ver- 
fällt Tertullian  beinahe  in  die  Form  des  Dialogs,  während  die 
Altercatio  wirklich  dialogisch  ist. 

Im  Einzelnen  finden  sich  noch  manche  Parallelen  zum 
10.  Capitel;  vgl.  ausser  der  Benutzung  des  22.  Psalms  Altere. 
VI,   22   p.   31,  4  („cornutus"),    VI,  25    p.   38,   6   (Ps.  96,   10: 


Die  Altercatio  und  Tertullians  Schrift  adv.  lud.  95 

„regnavit  a  ligno").  Auf  diese  Stelle  folgt  in  der  Altercatio 
unmittelbar,  eingeführt  durch:  „Item  apud  Esaiam"  Isa.  9,  6. 
Ebenso  folgt  bei  Tertullian  nach  Ps.  96,  10:  „Proinde  et  Esaias" 
und  nun  dieselbe  Stelle.  Die  folgenden  Citate,  nämlich  Jerem. 
11,  19;  Isa.  53;  Amos  8,  9  finden  sich  auch  in  der  Altere.  VI, 
22 — 25.  Endlich:  sehr  ausführlich  wird  von  Tertullian  (c,  11) 
Ezech.  9,  1 — 6  exegesirt;  gerade  diese  Stelle  aber  ist  auch  in 
der  Altere.  VI,  24  besonders  hervorgehoben.  Unbedeutenderes 
sei  bei  Seite  gelassen:  es  ist  nach  dem  hier  Dargelegten  evident, 
dass  die  Berührungen  zwischen  beiden  Schriften  nicht  zuß-llige 
sein  können;'  vielmehr  ist  auf  ein  wirkliches  literarisches  Ab- 
hängigkeitsverhältniss  zu  erkennen.  Von  den  verschiedenen 
Möglichkeiten,  wie  dasselbe  zu  denken  sei,  ist  eine  sofort  aus- 
zuschliessen :  Der  Verfasser  der  Altercatio,  Euagrius, 
kann  nicht  aus  dem  tertullianischen  Tractat  geschöpft 
haben.  Diese  Annahme  verbietet  sich,  abgesehen  davon,  dass 
die  ümwandelung  der  tertullianischen  Schrift  in  einen  Dialog 
an  sich  unwahrscheinlich  und  die  Art  der  vorausgesetzten  Be- 
nutzung derselben  durch  Euagrius  eine  beispiellose  wäre,  nament- 
lich deshalb,  weil  die  Redaction  der  Bibelsprüche  bei  beiden 
als  eine  total  verschiedene  erscheint  ^^).  Kaum  ein  Spruch  ist 
dort  und  hier  identisch;  überall  finden  sich  höchst  bedeutende 
Abweichungen,  so  dass  jedenfalls  zwei  verschiedene  Recensionen 
der  sog.  Itala  anzunehmen  wären.  Weiter  aber:  Alles  spricht 
dafür,  dass  die  Abhängigkeit  auf  Seiten  Tertullians 
liegt,  und  dass  sie  als  eine  Benutzung  der  Vorlage 
der  Altercatio  durch  Tertullian  zu  denken  ist;  diese 
Vorlage  muss  dann  aber  eine  griechische  gewesen 
sein.  Der  Beweis  hierfür  ist  apagogisch  zu  führen:  Besteht 
ein  literarisches  Abhängigkeitsverhältniss,  und  ist  die  Möglich- 
keit, dass  Euagrius  den  Tractat  Tertullians  benutzt  hat,  ebenso 


80)  Zum  Belege  nur  folgende  Probe :  Jerem.  31,  31.  32  (Altere):  „Ecce 
dies  veniunt,  dicit  dominus,  et  consummabo  domum  Israel  et  domum  luda 
testamentum  novum,  non  tale  testamentum  quod  disposui  patribus  vestris 
in  die  qua  eduxi  eos  de  terra  Aegypti^  (Tertull.):  „Ecce  enim  dies  ve- 
nient,  dicit  dominus,  et  disponam  domui  ludae  et  domui  lacob  testamen- 
tum novum,  non  tale  quäle  iam  dedi  patribus  eorum".  Besonders  deut- 
lich sind  auch  die  Differenzen  in  der  oben  citirten  Stelle  Deut.  21,  22 sq.; 
aber  es  fehlen  solche  fast  nirgends. 


96  I^iß  Aitcrcatio  Simonis  et  Theophili. 

ausgeschlossen  wie  die  andere,  dass  Tertullian  den  Euagrius 
ausgesclirieben  hat,  so  bleibt  nur  die  Annahme  übrig,  dass  sie 
beide  aus  einer  gemeinsamen  Quelle  geschöpft  haben.  Da  nun 
für  Euagrius  eine  ältere  Vorlage  bereits  wahrscheinlich  gemaclit 
ist,  üo  bietet  sich  die  Hypothese  von  selbst  dar,  dass  Tertullian 
die  Vorlage  des  Euagrius  benutzt  hat.  Wer  dieselbe  treuer  be- 
wahrt hat,  das  kann  nicht  fraghch  sein.  Euagrius'  Altercatio  stellt 
sich  als  eine  kurze,  straffe,  geschlossene,  nur  leicht  überarbeitete 
ältere  Schrift  dar,  Tertullians  Tractat  ist  in  seiner  zweiten 
Hälfte  ein  mixtum  compositum,  in  seiner  ersten  ermangelt  er 
zwar  nicht  des  Zusammenhangs,  geht  aber  von  einer  Special- 
frage aus  und  berührt  verschiedene  Stoffe.  Ferner,  wo  sich 
Tertullian  am  stärksten  mit  der  Altercatio  berührt,  da  nimmt 
er  auf  jüdische  Einwendungen  Rücksicht,  wie  wenn  sie  ihm 
formulirt  vorlägen  (s.  sub  a.  und  f.) ;  in  der  Altercatio  erscheinen 
sie  Avirklich  als  die  formulirten  Einwürfe  des  Juden.  Endlich, 
Tertullian  hat  unstreitig,  wie  längst  beobachtet  und  oben  be- 
merkt, seiner  Gewohnheit  gemäss  auch  bei  der  Abfassung  des 
Tractates  adv.  ludaeos  griechische  Schriften  (z.  ß.  den  Dialog 
Justins)  benutzt;  lateinisch-christliche  waren  ja  damals  ausser 
seinen  eigenen  kaum  vorhanden.  War  die  Schrift,  aus  der  er 
das  schöpfte,  was  er  mit  der  Altercatio  des  Euagrius  gemein- 
sam hat,  eine  griechische,  so  erklärt  sich  die  grosse  Ver- 
schiedenheit in  den  Schriftcitaten  zwischen  beiden  Tractaten 
von  St^lbst*^^). 

Eine  Vergleichung  der  Altercatio  des  Euagrius  mit  der 
tertullianischen  Schrift  adv.  ludaeos  führt  also  zu  der  Hypo- 
these, dass  die  von  Euagrius  benutzte  Vorlage  eine 
griechische  gewesen  ist,  dass  sie  in  Form  eines  Dia- 
logs niedergeschrieben  war,  und  dass  sie  älter  ist  als 
die  Schrift  Tertullians,  mithin  wohl  noch  dem  2.  Jahr- 
hundert augehört. 


81)  Au  einer  Stolle  scheint  Tertullian  die  Vorlage  treuer  bewahrt  zu 
haben  als  Euagrius,  dort  nämlich,  wo  dieser  die  „gladü  petrini"  auf  Petrus 
bezieht,  Tertullian  auf  Christus  als  die  „petra*  (s.  oben).  Doch  sagt  auch 
Tertullian  (adv.  Marc.  IV,  13),  Simon  Tsx'rde  Petras  genannt,  weil  Jesus 
selber  Fels  heisse:  „Aflectavit  Christus  carissimo  discipalorum  de.  figuris 
suis  peculiariter  nomen  communicare". 


Die  Altercatio  und  Cyprians  Testimonia.  97 

2.    Die  Altercatio  und  Cyprians  Testimonia. 

Die  Testimonien  Cyprians  —  ein  systematisch  angelegter 
Auszug  aus  der  Bibel,  der  dem  Laien  die  heiligen  Schriften 
ersetzen  konnte  —  haben  sich  in  der  abendländischen  Ejrche 
einer  weiten  Verbreitung  und  eines  hohen  Ansehens  erireut. 
Ausdrücklich  werden  sie  von  Augustin  und  Hieronymus  citirt, 
und  von  ihnen  erfahren  wir  auch,  dass  Pelagius  in  einem  „über 
testimoniorum"  das  cyprianische  Werk  hat  nachahmen,  resp. 
ergänzen  wollen.  Die  neueren  Untersuchungen  über  die  alt- 
testamentliche  Itala  haben  aber  weiter  gezeigt,  dass  Commo- 
dian,  Firmicus  Maternus  und  Lactantius  die  Testimonien 
benutzt  haben  ^^^  In  Bezug  auf  den  letzteren  hat  dies  Rönsch 
nachgewiesen.  Von  den  68  alttestamentlichen  Citaten,  welche 
sich  bei  Lactantius  Instit,  IV,  6 — 21  finden  ^^),  stehen  52  auch 
in  den  Testimonien  Cyprians.  Der  Umfang  sowohl,  in  welchem 
die  einzelnen  Bibelverse  und  Versgruppen  citirt  werden,  als  auch 
die  Form  des  Bibeltextes,  endlich  die  gleiche  Anordnung  der 
Sprüche  in  einigen  Fällen  lassen  keinen  Zweifel  darüber ,  dass 
Lactantius  die  Testimonien  ausgebeutet  hat.  Indessen  hat  er 
nebenbei  doch  noch  über  eine  andere  QueUe  verfügt;  denn  die 
Hypothese,  er  habe  ein  „erweitertes"  Exemplar  der  Testimonien 
benutzt,  ist  ganz  unwahrscheinlich  und  kann  durch  die  Beobacht- 
ung nicht  gestützt  werden,  dass  in  den  uns  bekannten  Hand- 
schriften der  Testim.  hie  und  da  Zusätze  gemacht  worden  sind. 
AehnHch  steht  es  bei  Firmicus  Maternus,  worauf  nach  dem  Vor- 
gang Oehlers,  Bursians  und  Zieglers  namentlich  Dom- 
bart aufmerksam  gemacht  hat.  Von  den  c.  70  Citaten  bei 
Firmicus  fehlen  nur  12  bei  Cyprian;  indessen  stehen  die  gemein- 
samen c.  58  nur  vorwiegend  in  den  Testimonien  und  in  der 
Schrift  an  Fortunatus.     Es  kommt  hinzu ,    dass  Firmicus  auch 


82)  S.  Rönsch,  Das  Carmen  apolog.  des  Commodian  (Ztschr.  f.  die 
bist.  Theol.  1872  S.  163 f.);  Derselbe,  Beiträge  zur  patristischen  Be- 
zeugung der  bibKschen  Textgestalt  und  Latinität  aus  Lactantius  (a.  a.  0. 
1871  S.  531  f.);  Derselbe,  Die  ATliche  Itala  in  den  Schriften  des  Cyprian 
(a.  a.  0.  1875  S.  86 f.);  Ziegler,  Die  lat.  Bibelübersetzungen  vor  Hierony- 
mus S.  38;  Dombart,  Ueber  die  Bedeutung  Commodians  für  die  Text- 
kritik der  Testimonia  Cyprians  (Ztschr.  f.  wissensch.  Theol.  1879  S.  374 f.). 

83)  Nur  in  diesem  Abschnitt  hat  Lactantius  von  den  heiligen  Schriften 
Gebrauch  gemacht. 

Texte  und  Untersuchungen  I,  3.  7 


98  I*ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili, 

dort,  wo  er  deutlich  von  den  Testimonien  abhängig  ist ,  doch 
die  Benutzung  eines  vollständigen  Bibelexemplares  verräth.  Dies 
ist  besonders  ersichtlich  c.  19,  3 — 6  vgl.  mit  Test.  II,  19;  denn 
das  (p.  104,  16  ed.  Halm)  eingeschobene:  „item  insequentibus 
hoc  idem  simili  modo  significat"  zeigt,  das  Firmicus  den  Ort  der 
beiden  Citate  Joh.  6,  35;  7,  37  sq.,  welche  er  bei  Cyprian  neben 
einander  vorfand,  gekannt  hat.  Ist  somit  eine  ausschliessliche 
Benutzung  der  Testimonien  nicht  anzunehmen,  so  zeigt  doch 
auch  hier  der  Umfang  der  Citate,  ferner  die  Reihenfolge  und 
die  Form,  dass  Firmicus  direct  oder  indirect  von  Cyprian  ab- 
hängig sein  muss.  Für  Commodians  Carmen  apologeticum  hat, 
nachdem  schon  Rönsch  auf  die  frappirenden  Parallelen  hin- 
gewiesen, Dombart  den  Beweis  geliefert,  dass  aucl^  sein  Ver- 
fasser aus  den  Testimonien  geschöpft  hat.  Von  den  c.  60  Bibel- 
stellen, die  sich  in  den  vv.  223 — 542  finden,  stehen  in  den  Testi- 
monien 54.  Auch  hier  ist  wieder  die  Beobachtung  zu  machen, 
dass  Textgestalt  und  Ordnung  der  Citate  hier  und  dort  viel- 
fach die  nämliche  ist^'^).  Zugleich  hat  Dombart  erwiesen,  dass 
Commodian  bei  Abfassung  des  Carmen  apolog.  nur  die  beiden 
ersten  Bücher  der  Testimonien  vor  sich  gehabt  hat.  Indessen 
steht  es  doch  auch  bei  Commodian  nicht  so,  dass  man  ihm 
jeden  Gebrauch,  geschweige  jede  Kenntniss  der  heiligen  Schriften 
über  die  Testimonien  hinaus  absprechen  müsste,  vielmehr  geht 
aus  manchen  Stellen  das  Gegentheil  deutlich  hervor  ^'^).  Auch 
darf  auf  das  Zusammentreffen  in  der  Textgestalt  der  Citate 
allein  wenig  gegeben  werden,  da  hier  der  entgegengesetzte 
Fall  unzweifelhaft  der  auffallendere  wäre. 

Immeriiin  muss  es,  wenigstens  für  africanische  Schriftsteller, 
als  erwiesen  gelten,  dass  dieselben  im  3.  und  4.  Jahrhundert 
die  Testimonia  Cjprians  für  ihre  Zwecke  ausgebeutet  haben. 
V^ie  steht  es  nun  mit  Euagrius  and  seiner  Altercatio?  Wenn 
in  dieser  Schrift  grosse  Verwandtschaft  mit   den  Testimonien, 


84)  Ueber  die  Berührungen  zvnschen  den  Instructiones  Commodians 
und  den  Testimonien  s,  Dom  bar  t,  a.  a.  0.  S.  385  f. 

85)  Z.  B.  aus  der  Stelle,  welche  Donabart  S.  380  angeführt  hat.  Bei 
Cjprian  fehlt  in  aUen  Handschriften  Ps.  97,  1  das  „a  ligno",  Commodian 
bietet  es.  Die  Hypothese  Dombarts,  „a  ligno"  habe  wahrscbeinlich  auch 
bei  Cyprian  ursprünglich  gestanden,  ist  precär. 


Die  Altercatio  und  Cyprians  Testimonia.  99 

oder  gar  eine  durchgehende  Abhängigkeit  von  denselben  zu  con- 
statiren  wäre,  so  würde  sie,  resp.  ihre  Grundschrift,  nicht  mehr 
als  eine  alte  und  originale  Arbeit  anzusehen  sein,  und  es  würde 
damit  die  ganze  Hypothese  der  Grundschrift,  die  bisher  sicher 
schien,  ins  Wanken  gerathen. 

Die  Steliensammlungen  in  den  Testimonien  und  in  der 
Altercatio  sind  wirklich  zu  einem  Theile  identisch.  Eine  Ueber- 
sicht  mag  hier  zunächst  folgen,  in  welcher  nur  die  belangreichen 
Parallelen  Aufnahme  gefunden  haben: 

a)  Testim.  I,  8  („Quod  circumcisio  prima  carnalis  evacuata 
sit  et  secunda  spiritalis  repromissa  sit").  Es  werden  angeführt 
Jerem.  4,  3  sq.;  Deut.  30,  6;  Jos.  5,  2;  Coloss.  2,  11.  Dann  folgt 
eine  Bemerkung  des  Verfassers:  „Item  quod  Adam  primus  a 
deo  factus  incircumcisus  et  Abel  iustus  et  Enoch  qui  deo  pla- 
cuit  et  translatus  est  et  Noe,  qui  in  terris  omnibus  ob  delicta 
pereuntibus  solus,  in  quo  humanum  genus  servaretur,  electus 
est,  et  Melchisedec  sacerdos  etc.''  In  der  Altere.  V,  20  werden 
Deut.  30,  6;  Jerem.  4,  3  sq.;  Jos.  5,  2  zum  Belege  citirt;  dann 
folgt  (V,  21):  „Haec  est  circumcisio  Christianorum ,  quam  et 
primi  sanctorum  habuerunt,  scilicet  Enoch,  Noe,  lob  et  Melchi- 
sedech  . . .    Potuerat  deus  Adam  circumcisum  formare". 

b)  Testim.  II,  1  („Christum  primogenitum  esse  et  ipsum 
esse  sapientiam  dei^  per  quem  omnia  facta  sunt").  Schriftbeweis 
nach  Proverb.  8,  22  sq„  und  Sirach  24,  3  sq.;  dieselben  beiden 
Stellen,  nur  in  umgekehrter  Folge,  nebeneinander  Altere,  III,  11. 

c)  Testim.  II,  3  („Quod  Christus  idem  sit  sermo  dei").  An- 
geführt werden  Ps.  45,  2;  Ps.  33,  6;  Isa.  10,  23;  Ps.  107,  20; 
Joh.  1,  Isq.  Unter  demselben  Titel  folgen  sich  in  der  Altere. 
III,  11:  Ps.  45,  2;  Isa.  10,  22.  23;  Ps.  107,  20;  Ps.  33,  6;  (Ps. 
147,  15:  Jerem.  6,  10);  Joh.  1,  1. 

d)  Testim.  II,  6  („Quod  deus  Christus").  Erst  drei  Citate,  zu 
welchen  in  der  Altercatio  keine  Parallelen:  dann  Baruch  3,  35  sq.; 
Zach.  10,  11  sq.;  Osee  11,  9sq.;  Ps.  45,  7sq.;  Ps.  46,  11;  Ps. 
82,  5;  Ps.  68,  5;  Ps.  82,  1.  In  der  Altercatio  I,  6  unter  dem- 
selben Titel:  Ps.  82,  1;  Ps.  45,  7.  8;  Baruch  3,  35—37;  Ps.  46,  11; 
Ps.  68,  5.  Euagrius  schliesst:  „Longum  erit,  ut  exempla  perse- 
quar  plura;  his  paucis  veritas  conprobatur". 

e)  Testim.  II,  13  („Quod  humilis  in  primo  adventu  suo  ve- 


I^QQ  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

niret").    Hier  wie  in  Altere.  VI,  24  wird  Isa.  53,  l  sq.  mit  Isa. 
50,  5  sq.  verbunden  und  vorangestellt. 

f)  Testim.  11,  14  („Quod  ipse  sit  iustus,  quem  ludaei  occi- 
suri  essent"):  Sap.  Sal.  2,  12 — 22  wird  mit  Isa.  57,  1  sq.  und 
Exod.  23,  7  verbunden;  auch  in  der  Altere.  VI,  25  stehen  das 
erste  und  dritte  Citat  zusammen. 

g)  Testim.  II,  15  („Quod  ipse  dictus  sit  ovis  et  agnus,  qui 
occidi  haberet,  et  de  saeramento  passionis"):  citirt  werden  Isa. 
53,  7  sq.;  Jerem.  11,  18  sq.  und  Exod.  12.  Dieselben  Stellen 
stehen  in  derselben  Reihenfolge  Altere.  VI,  24. 

h)  Testim.  II,  20  („Quod  cruci  illum  fixuri  essent  ludaei"). 
Angeführt  werden  Isa.  65,  2;  Jerem.  11,  19;  Deut.  28,  66;  Ps. 
22,  17  sq.;  Ps.  119,  120;  Ps.  141,  2;  Soph.  1,  7;  Zaeh.  12,  10; 
Ps.  88,  10;  Num.  23,  19.  Bis  auf  das  Citat  Soph.  1,  7  stehen 
alle  diese  Stellen  ebenso  zusammen  Altere.  VI,  22,  und  zwar 
ist  die  Reihenfolge,  abgesehen  von  der  Stellung  des 
22.  Psalms,  genau  die  gleiche^^). 

i)  Testim.  II,  22  („Quod  in  hoe  signo  crucis  salus  sit  Omni- 
bus qui  in  frontibus  notentur"):  hier  ist  Ezech.  9,  4  sq.  ver- 
bunden mit  Exod.  12.  In  der  Altercatio  VI,  24  steht  die  Exo- 
dusstelle voran. 

k)  Testim.  11,  23  („Quod  medio  die  in  passione  eins  tene- 
brae  futurae  essent"):  Amos  8,  9  sq.  und  Jerem.  15,  9  sind  ver- 
bunden, dann  folgt  Matth.  27,  45.  In  der  Altere.  VI,  25  steht 
die  Verweisung  auf  Matth.  27,  45  voran,  dann  folgen  Amos 
8,  9  sq.  und  Jerem.  15,  9. 

1)  Testim.  11,  24  („Quod  a  morte  non  vineeretur  nee  apud 
inferos  remansürus  esset"):  Ps.  16,  10;  Ps.  30,  3;  Ps.  3,  6.  Die- 
selben Stellen  in  derselben  Folge  auch  Altere.  VI,  25. 

m)  Testim.  11,  25  („Quod  ab  inferis  tertio  die  resurgeret"): 
Osee  6,  2;  Exod.  19,  10  sq.  Dieselben  Stellen  in  derselben 
Folge  Altere.  VI,  25. 

n)  Testim.  II,  26.  28.  29  („Quod  cum  resurrexisset,  aeciperet 
a  patre  omnem  potestatem  et  potestas  eins  aeterna  sit  —  quod 
ipse  iudex  venturus  sit  —  quod  ipse  sit  rex  in  aeternum  regna- 
turus"):   In  diesen  Abschnitten  führt  Cyprian  19  alttestament- 


86)  Bevor  God.  B  bekannt  war,  fehlte  Ps.  119,  120  in  der  Citateni-eihe; 
dieser  Codex  aber  bietet  die  Stelle. 


4 
1 


Die  Altercatio  und  Cyprians  Testimonia.  10j_ 

liehe  Stellen  an:  von  diesen  finden  sich  sieben  in  Altere.  VI,  25. 
Die  übrigen  12  bei  Cyprian  sind  zum  grösseren  Theil  Psalm- 
stellen. 

o)  Cyprians  alttestamentliche  Testimonia  schliessen  in  dem 
2.  Buche  (c.  30)  mit  Ps.  72;  mit  diesem  Psalm  schliessen  aber 
auch  dio,  christologischen  Ausführungen  in  der  Altere.  VI,  25. 

Die  hier  gegebenen  Nachweisungen  werden  in  einer  noch 
übersichtlicheren  Form  hervortreten  in  folgender  Zusammen- 
stellung: 

Bei  Euagrius  finden  sich  —  man  kann  freilich  etwas  ver- 
schieden zählen  —  134  alttestamentliche  Citate;  in  dem  ersten 
Buch  der  Testimonien  sind  deren  72,  in  dem  zweiten  113.  Von 
diesen  113  findet  sich  die  Hälfte,  nämlich  57,  auch  bei  Euagrius, 
von  jenen  72  dagegen  nur  17^^).  Die  letztere  Zahl  wird  aber 
noch  unbedeutender,  wenn  man  berücksichtigt,  dass  nur  an 
einer  Stelle  (Testim.  I,  8)  sich  eine  identische  Gruppe  von 
Citaten  (s.  oben  sub  a)  hier  findet.  Für  die  Frage  nach  dem 
Verwandtschaftsverhältniss  sind  die  übrigen  übereinstimmenden 
Citate  somit  zunächst  belanglos.  Dagegen  ist  die  Ziffer  der 
üebereinstimmungen  (57)  der  Altercatio  und  des  2.  Buches  der 
Testimonien  näher  zu  präeisiren:  Cyprian  bietet  II,  1.  3.  6. 
13 — 15.  20—25  vierundfunfzig  alttestamentliche  Citate;  von 
diesen  finden  sich  dreiundvierzig  fast  überall  in  der  gleichen 
Reihenfolge  in  der  Altere.  §6.  11.  20.  22—25.  Die  Verwandt- 
schaft der  Altercatio  und  der  Testimonien  erstreckt  sich  also 
ausschliesslich  oder  doch  fast  ausschliesslich  auf  die  Abschnitte 
Testim.  1,8;  II,  1,  3.  6.  13—15.  20—25.  Von  einem  zufälligen 
Zusammentreffen  kann  hier  nicht  die  Rede  sein. 

A  priori  lassen  sich  vier  (drei)  Hypothesen  aufstellen,  um  diese 
Verwandtschaft  zu  erklären.  Euagrius  kann  seiner  Altercatio 
die  Testimonien  zu  Grunde  gelegt,  oder  er  kann  gewisse  Theile 
der  Testimonien  seiner  Schrift  einverleibt  haben;  weiter:  Cyprian 
kann  für  seine  Stellensammlungen  eine  ältere  Schrift  benutzt 
haben,  die  uns  in  mehr  oder  weniger  treuer  Gestalt  in  der 
Altercatio  des  Euagrius  noch  vorhegt;  endlich:  die  Altercatio 
des  Euagrius  kann  —  auch  vorausgesetzt,  dass  sie  von  vorn- 


87)  Das  dritte  Buch  der  Testimonien  kommt  hier  überhaupt  nicht  in 
Betracht. 


102  I^iö  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

herein  mit  den  Testimonien  verwandt  gewesen  ist  —  doch  noch 
nachträglich  nach  denselben  conigirt  und  erweitert  worden 
sein.  Welche  von  diesen  Hypothesen  die  richtige  ist,  wird  sich, 
wenn  überhaupt,  nur  aus  einer  eingehenden.  Untersuchung  der 
Textesgestalt  der  Citate  ermitteln  lassen  —  eine  Aufgabe, 
deren  Lösung  aber  bei  dem  gegenwärtigen  Stande  der  Itala- 
forschung  und  bei  der  corrumpirten  üeberheferung  des  Euagrius- 
textes  '^^)  eine  wenig  aussichtsvolle  zu  sein  scheint.  Indessen  lässt 
sich  wohl  soviel  bereits  behaupten,  dass  die  erstgenannte  Hypothese 
überaus  unwahrscheinlich  ist,  ja  ausser  Betracht  bleiben  darf. 
Als  eine  Dialogisirung  der  beiden  ersten  Bücher  der  Testimo- 
nien, resp.  des  zweiten,  kann  man  die  Altercatio  durchaus  nicht 
betrachten.  Der  Aufriss  derselben  ist  vielmehr  von  dem  der 
Testimonien  gänzlich  unabhängig  und  ein  höchst  originaler. 
Eine  Vergleichung  lehrt,  dass  die  bemerkenswerthesten  Stücke 
der  Altercatio  in  den  Testimonien  fehlen,  und  dass  auch  in  den 
parallelen  Abschnitten  —  es  sind  jedoch  nur  solche  Abschnitte 
parallel,  die  weder  in  einem  Dialoge  über  Christus  noch  in 
den  Testimonien  fehlen  konnten  —  beachtenswerthe  Unter- 
schiede zu  constatiren  sind.  Die  Testimonien  sind  in  der  Auf- 
führung der  Prädicate  des  präexistenten  Christus  (HI,  1 — 6) 
ausführlicher  als  die  Altercatio.    Andererseits  liegt  dieser  eine 


88)  Der  Bibeltext  des  Cyprian  (Testimonia)  ist  bekanntlich  aucli  nur 
in  einer  doppelten,  vielfach  corrigirten  Gestalt  auf  uns  gekommen;  in- 
dessen lässt  sich  hier,  wie  Rönsch  und  Dombart  gezeigt  haben,  mit 
Hülfe  des  Commodian  und  Lactantius  doch  Manches  sicher  stellen.  So 
darf  es  z.  B.  als  erwiesen  gelten,  dass  für  die  Testimonia  die  relativ 
treuere  Ueberlieferung  nicht  in  A  —  dem  Hartel  gefolgt  ist  — ,  sondern 
vielmehr  in  LBMW  anzuerkennen  ist.  Hartel  selbst  ist  dies  nicht  ent- 
gangen; durch  seine,  Rönschs  und  Dombarts  Bemühungen  ist  es  offen- 
bar geworden,  dass  A  nach  einer  der  augustinischen  Zeit  nahestehenden 
Recension  der  lateinischen  Bibel  durchcorrigirt  ist.  Um  den  Euagiius- 
Text  steht  es  aber,  wie  die  Varianten  in  V  und  B  und  die  Lücken  in 
V,  welche  gerade  die  Bibelcitate  betreffen,  beweisen,  ganz  verzweifelt. 
Wenn  ich  oben  bei  der  Textesconstruction  vorherrschend  mich  an  B  ge- 
schlossen habe,  so  war  der  Grund  dieser,  dass  B  allein  einen  vollständigen 
Text  bietet,  und  ich  ein  mixtum  compositum  nicht  geben  wollte.  Ich 
glaubte  auch  der  Verlockung,  den  Text  nach  Cyprian  u.  Ä.  zu  corrigiran, 
widerstehen  zu  müssen,  da  vor  der  Collation  des  Cod.  C  eigenmächtige 
Textesverbesserungen  unrathsam  erscheinen.  * 


Dio  Altercatio  und  Cyprians  Testiinonia.  103 

regula  fidei  zu  Grunde,  in  welcher  die  Himmelfahii  einen  be- 
sonderen Artikel  gebildet  bat  (s.  VI,  25),  während  Cyprian  sie 
ausgelassen,  resp.  ihr  keinen  besonderen  Abschnitt  gewidmet 
haf^^).  Grosse  Abschnitte  de  Christo  (Testim  )  fehlen  in  der 
Altercatio  ganz,  ohne  dass  sich  ein  Grund  für  ihre  Nichtbe- 
rücksichtigung namhaft  machen  Hesse.  Ferner,  dort  wo  beide 
die  Kirche  berücksichtigen,  gehen  sie  völlig  auseinander;  end- 
lich: für  die  Hälfte  der  alttestamentlichen  Citate  bei  Euagrius 
lassen  sich  aus  den  Testimonien  überhaupt  keine  Parallelen  bei- 
bringen. Hieraus  ergiebt  sich  die  Annahme,  dass,  wenn.  Eua- 
grius von  Cyprian  abhängig  sein  sollte,  er  lediglich  th eilweise 
mit  dem  Material  desselben  gearbeitet  haben  kann,  indem  er 
cyprianische  SprucLgruppen  gleichsam  zur  Füllung  eines  Fach- 
werkes verwendete.  Die  Hypothese,  dass  Euagrius  einen  älteren 
Dialog  umgearbeitet  hat,  wäre  mithin  durch  die  Beobachtung 
seiner  Abhängigkeit  von  Cyprian  noch  nicht  erschüttert. 

Wie  steht  es  aber  mit  der  Form  der  Citate  bei  Euagrius 
und  Cyprian?  An  einer  Reihe  von  Beispielen  soll  diese  Frage 
untersucht  werden. 

Im  ersten  Buche  ist  die  einzige  gemeinsame  Versgruppe 
Testim.  I,  8  vgl.  mit  Altere.  V,  20. 

Cyprianus.  Euagrius  (Cod.  V)^^). 

Apud  Hieremiam  prophetam:  Et  leremias  ait:  Viri  luda  et 

Haec  dicit  Dominus  viris  luda  qui  habitatis  lerusalem,   reno- 

et   qui  inhabitant  Hierusalem:  vate  vobis  novale  et  nolite  se- 

renovate    inter  vos   novitatem  rere  super  spinas.    Circumcidi- 

et  ne  seminaveritis  in  spinis:  mini  deo  vestro,  et  circumcidite 

circumcidite  vos  Deo  vestro  et  praeputia  cordis  vestri,  ne  exeat 

circumcidite  praeputium  cordis  ira  et  exurat,    et  non  sit,  qui 

vestri,  ne  exeat  sicut  ignis  ira  extinguat  ....    Audi  nunc  de 

mea  et  exurat  et  non  sit  qui  circumcisione  legislator  Moyses 

extinguat.    Item  Moyses  dicit:  quid  dicit:  In  novissimis  diebus 


89)  Die  Himmelfahrt  bildet  schon  bei  Justin  einen  besonderen  Artikel, 
hat  sich  aber  als  solcher  bis  zur  Mitte  des  S.Jahrhunderts  noch  nicht  all- 
gemein durchgesetzt  (s.  Symbol,  eccl.  Rom.  vetust.  in:  Patr.  App.  Opp. 
I,  2;  edit.  II  p,  138  sq.). 

90)  Die  SteUe  ans  Jeremias  ist  der  aus  dem  Deuteronomium  der  Ver- 
gleichung  wegen  vorangestellt. 


104  ^iö  Altercatio  Simonis  et  Theophili, 

In  novissimis  diebus  circum-  circumcidet  dominus  cor  tuum 
cidet  Dens  cor  tuum  et  cor  se-  et  cor  seminis  ad  dominum 
minis  tui  ad  Dominum  Deura  deum  tuum  ad  mandatum.  Et 
amandum.  Item  apud  lesum  ad  lesum  Nave  dicit  deus:  Fac 
Nave :  Et  dixit  Dominus  ad  tibi  gladios  petrinos  nimis  acu- 
lesum:  fac  tibi  cultellos  petri-  tos,  et  circumcide  secundo  filios 
nos  nimis  acutos  et  adside  et  cir-  Israel, 
cumcide  secundo  filios  Israel^  ^). 

Die  Unterschiede  zwischen  beiden  Texten  sind  so  grosse, 
dass,  wenn  V  den  ursprünglichen  Text  der  Altercatio  bietet, 
ihr  Verfasser  aus  Cyprians  Testimonien  direct  nicht  geschöpft 
haben  kann.  Legt  man  aber  den  Cod.  B  für  die  Altercatio  zu 
Grunde,  so  fallen  sofort  sieben  sehr  wichtige  Differenzen  fort, 
und  die  Texte  erscheinen  sich  sehr  ähnhch^^).  Indessen  bleiben 
Unterschiede  auch  dann  noch.  Der  Eingang  des  Jeremias-Citates 
lautet  bei  Cyprian  anders  als  bei  Euagrius;  ferner  bietet  dieser 
„gladios",  jener  „cultellos"  (so  auch  Lactantius);  endlich  schreibt 
Euagrius:  „et  sede  secundo  et  circumcide".  Es  ist  aber  wahr- 
scheinlich, dass  nicht  B  sondern  V  die  ursprünglichen  LAA 
bietet;  denn  was  B  giebt,  sind  vulgärere  Lesarten  ^3^. 

Das  Citat  Proverb.  8,  22  -31^  (Test.  II,  1  vgl  Altere.  III,  1 1) 
ist  bei  Euagrius  (Cod.  ß  und  V)  auf  die  Hälfte  zusammenge- 
zogen. Dazu  finden  sich  beträchtliche  Abweichungen:  Das  „in 
principio"  steht  an  verschiedener  Stelle ;  statt  „penes  illum  dis- 
ponens"  (Test.)  heisst  es  „simul  cum  illo  disponens",  statt  „iu- 
cundabar  ante  faciem  eins"  vielmehr  „(ad)laetabar  in  faciem 
eins".  Das  damit  verbundene  Citat  Sir.  24,  3  —  6.  19  findet 
sich  nur  zu  einem  Drittel  bei  Euagrius.  V  bietet  dort  „altissi- 
mis",  wo  Cypr.  und  B  „altis"  lesen;  ausserdem  giebt  Euagrius 
ein  „primogenitus"  nach  „prodivi",  welches  keiner  der  uns  be- 
kannten Cypriancodices  enthält  ^  4). 


91)  Die  Varianten  sind -nicht  sehr  bemerkenswerth;  die  wichtigsten 
eind,  dass  M  für  „cultellos"  „cultroa"  liest,  dass  für  „et  adside"  gefunden 
wird  „sede  et" — „adsidens  et"  —  „adsidens",  und  dass  B  ;,circumcides"  bietet. 

92  Der  Raumerspamiss  wegen  setze  ich  den  Text  von  B  nicht  noch 
einmal  hierher,  sondern  ersuche  den  Leser  ihn  in  §  2  aufzusuchen. 

93)  Das  „ad  mandatum"  für  „amandum"  bietet  auch  der  vulgäre 
Text  des  Lactantius. 

94)  Baluzius:  „primogenita". 


Die  Altercatio  und  Cyprians  Testimonia.  105 

Ps.  89,  28— 34a  steht  Testim.  11,  1;  der  erste  Vers  allein 
findet  sich  Altere.  II,  9,  und  während  Cyprian:  „et  ego  primo- 
genitum  ponam  illum  et  excelsum  prae  regibus  terrae"  schreibt, 
bietet  Euagrius:  „Principem  ponam  (ß  ponam  principem) 
illum,  excelsum  prae  (omnibus  ß)  regibus  terrae".  Gleichlautend 
sind  die  Citate  Ps.  45,  2  und  Ps.  33,  6;  dagegen  ist  Isa.  10,  23 
beiC}^rian  so  wiedergegeben:  „Yerbum  consummans  et  brevians 
in  iustitia:  quoniam  sermonem  breviatum  faciet  deus  in  tote 
erbe  terrae",  während  Euagrius  bietet:  „Consummatas  quidem 
et  (ad)breviatas  res  audivi;  quoniam  verbum  breviatum  faciet 
deus  in  omni  terra".  Ps.  107,  20  bieten  alle  Cypriancodd.  mit 
Ausnahme  von  A  („sanabit")  »curavit";   Euagrius:  „sanavit". 

Baruch  3,  35  sq.  (Testim.  II,  6)  beginnt  bei  Cyprian:  „Hie 
deus  noster  et  non  deputabitur  alius  absque  iUo,  qui  invenit 
omnem  viam  prudentiae  et  dedit  eam  lacob".  Dagegen  heisst 
es  bei  Euagrius  (V):  „Hie  deus  et  non  est  alius  nee  aestima- 
bitur  absque  illo,  qui  invenit  omnem  prudentiam  et  dedit  lacob"; 
B  aber  ist  auch  hier  dem  Cypriantext  bedeutend  verwandter, 
wenn  schon  sich  das  „aestimabitur"  u.  A.  ebenso  wie  in  V  findet. 
Der  Text  von  Ps.  45,  7  ist  Testim.  H,  6  ganz  besonders  schlecht 
überliefert;  aber  die  LAA  des  Euagrius  „benedixit  te"  (V)  für 
„unxit  te"  und  „prae  participibus  tuis"  („plus  quam  participes 
tuos")  finden  sich  in  keinem  Cypriancodex.  Gleichlautend  ist 
das  Citat  Ps.  46,  11;  dagegen  findet  sich  in  Ps.  68,  5  die  LA 
von  V  „super  occasum"  in  keinem  Cypriancodex;  ebensowenig 
die  LA  „diiudicat"  in  Ps.  82,  1  (V),  während  B  mit  den  Cyprian- 
codd. „disponens"  bietet. 

In  dem  längeren  Citat  Isa.  7,  10—14  (Testim.  II,  9)  weicht 
der  Cod.  V  sehr  stark  von  Cyprians  Text  ab.  Aber  auch  wenn 
man  B  zu  Grunde  legt,  finden  sich  sehr  bedeutende  Unter- 
schiede. Cyprian  beginnt:  „Et  adiecit  dominus  loqui  ad  Achaz 
dicens";  Eiiagrius  dagegen:  „Factum  est  verbum  domini  ad 
Achab  dicens".  Cypr.  schreibt:  „in  altitudinem  sursum  et  in 
altitudinem  deorsum";  Euagrius  dagegen:  „in  profundum  (inferni) 
aut  (Vsive)  in  excelsum  (supra)".  Cypr.:  „dominum  deum  meum"; 
Euagr.:  „dominum".  Cypr.:  „et  dixit  audite  itaque";  Euagr.  „et 
ait  audite  nunc".  Cypr.:  „quoniam  deus  praestat  agonem";  Euagr  : 
„et  ideo  vos  praestabitis  certamen".  lu  dieser  Weise  gehen  bis 
zum  Schluss  die  Unterschiede  fort. 


106  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Das  erste  Citafc  Testim.  II,  11  ist  kunstvoll  aus  den  Versen 

II  Sam.  7,  4.  5.  12 — 14.  16  zusammengesetzt  (s.  auch  I,  15,  wo 

derselbe  Wortlaut  zu  finden  ist).    Dieselbe  Zusammensetzung 

findet  sich  auch  bei  Euagrius  (III,  11)^^);  nur  einige  Sätzchen 

fehlen  hier,  nämlich  „haec  dicit  Dominus"  —  „qui  erit  de  utero 

tuo"  —  „et  parabo  regnum  eins"  —  „et  regnum  eins  usque  in 

saeculum  in  conspectu  meo"  —  sowie  das  „erit"  vor  „cum  im- 

pleti".    Von  diesen  Sätzen  fehlt  merkwürdiger  Weise  „qui  erit 

de  utero  tuo"  auch  bei  Lactantius,  während  das  bei  diesem  sich 

findende  „omnipotens"  und  das   „in  nomine  meo"  (für  „nomini 

meo")  von  Euagrius  so  wenig  wie  von  Cyprian  geboten  wird. 

Die  Michastelle  (Testim.  H,  12)  lautet  bei  beiden  wie  folgt: 

Cyprianus.  Euagrius. 

Et  tu  Bethleem  domus  illius        Et  tu  Bethleem  (luda)  domus 

Efirata  numquid  exigua  es,  ut    illius  Efratha  non  eris  exigua, 

constituaris  in  milibusluda?  ex    ut  constituaris  in  mihbus  Inda. 

te  mihi  procedet,   ut  sit  prin-    Ex   te   enim  mihi  prodiet,   ut 

ceps  apud  Israel,  et  processiones    sit  princeps  in  Israel,   et  pos- 

eius  a  principio,  a  diebus  saeculi.    sessio   eins  a   principio  (et)  a 

diebus  saeculi. 

Testim.  II,  13  citirt  Cyprian  Is.  53,  1 — 7a;  II,  15  fügt  er 
V.  7b— 9.  12  hinzu,  es  fehlt  also  v.  10.  11  »6).  Bei  Euagrius 
(VI,  24)  steht  V.  1— 4a.  7b— 9  und  aus  dem  10.  und  12.  Vers 
je  ein  Satz.  Der  Text  ist  aber,  mag  man  nun  B  oder  V  zu 
Grunde  legen,  ein  ganz  wesentKch  anderer  als  bei  Cyprian. 

In  dem  Citat  Is,  50,  5  sq.  bieten  alle  Cypriancodices  „auxi- 
liator",  Euagrius  „adiutor**. 

Bei  Cyprian  (11,  14)  sowohl  wie  bei  Euagrius  geht  das 
Citat  aus  Sap.  Sal.  2  von  v.  2 — v.  22a;  der  Text  ist  auch 
wesentlich  derselbe.  Aber  v.  18  u.  v.  20  b  fehlen  in  den  Te- 
stimonien, während  sie  sich  bei  Euagrius  (B  u.  V)  finden,  und 
zwar  mit  einem  Zusätze  zu  v.  17.  Euagrius  kann  daher  nicht 
aus  den  Testimonien  geschöpft  haben '^'^. 

95)  S.  au  eil  das  identische  Citat  Lactant.  IV,  13  und  dazu  Rönsch, 
Ztschr.  f.  d.  histor.  Theol.  1871  S.  538  f. 

96)  Diese  Verse  fehlen  auch  bei  Lactant.,  div.  instifc.  IV,  18;  s.  Rönsch, 
a.  a.  0.  S.  560  f. 

97)  Lactantius  (IV,   16)  stimmt  genau  im  Umfange  des  Citates  mit 
Cyprian;  s.  Rönsch,  a.  a.  0.  S.  604f. 


I 


Die  Altercatio  und  Cyprians  Testimonia.  1()7 

Jerem.  11,  19  (Test.  II,  15):  „Ego  sicut  agnus  sine  malitia 
perductus  sum  ad  victimam";  derselbe  Vers  beiEuagrius:  „Ego 
sicufc  Ovis  ad  victimam  ductus  sum  et  nesciebam". 

Das  Citat  Ps.  19,  6  sq.  reicht  bei  Euagrius  (wenigstens  nacli 
B)  weiter  als  in  den  Test.  (II,  19). 

Jos.  5,  14  (Test.  II,  19)  lautet:  „Ego  sum  dux  virtutis  do- 
mini,  nunc  adveni";  dagegen  bei  Euagrius:  „Ego  (sum)  princeps 
militiae  maiestatis  domini". 

Is.  65,  2  (Testim.  II,  20)  heisst  es:  „Expandi  manus  meas 
tota  die  ad  plebem  contumacem  et  contradicentem  mihi";  da- 
gegen bei  Euagrius:  „Expandi  manus  meas  ad  plebem  non  cre- 
dentem  sed  et  contradicentem". 

Testim.  II,  29  heisst  es:  „Item  in  psaimo  XCVI:  Dominus 
regnavit,  exultet  terra,  laetentur  insulae  multae"  (97,  1);  bald 
darauf  folgt  Ps.  72,  1  sq.  Bei  Euagrius  steht  in  dem  parallelen 
Abschnitt:  „(Item  in  psaimo)  XCV  (dicit):  Dicite  in  nationibus, 
dominus  regnavit  a  ligno"  (96,  10).  Bekanntlich  findet  sich  an 
beiden  Stellen  (Ps.  96,  10.  97,  1)  hie  und  da  der  alte  Zusatz 
„a  ligno".  Cyprian  hat  ihn  aber  überhaupt  nicht  (wohl  aber 
Commodian,  Carm.  apol.  291  bei  Ps.  97,  1);  aus  den  Testimo- 
nien kann  ihn  also  Euagrius  nicht  genommen  haben. 

Ein  Drittheil  der  Bibelstellen,  welche  Cyprian  und  Eu- 
agrius gemeinsam  sind,  ist  in  dem  Bisherigen  untersucht.  Es 
wird  genügen,  um  das  Urtheil  zu  begründen,  dass  Euagrius 
nicht  aus  den  Testimonien  geschöpft  hat.  Die  Ab- 
weichungen in  der  Form  der  Texte  —  auch  wenn  man  bei  den 
Varianten  stets  den  günstigsten  Fall  gelten  lässt  —  sind  zu 
bedeutend,  als  dass  man  sich  davon  überzeugen  könnte,  der 
Verfasser  der  Altercatio  habe  das,  was  er  mit  Cyprian  gemein- 
sam hat,  den  Testimonien  entlehnt. 

Dann  aber  bleibt  zur  Erklärung  des  offenbaren  Verwandt- 
schaftsverhältnisses nur  die  Hypothese  übrig,  dass  beide  die- 
selbe Quelle  benutzt  haben,  weiche  den  ihnen  gemeinsamen 
Schatz  von  Citaten  enthielt.  Diese  Annahme,  weiche  eine  zwing- 
ende ist,  ist  aber  auch  desshalb  probabel,  weil,  wie  wir  sahen, 
Cyprian  schwerlich  seine  alttestamentlichen  Citate  in  Buch  I 
und  n  völlig  selbständig  gesammelt  hat.  Auf  eine  resp.  meh- 
rere Vorlagen  deutet  Manches  in  seinen  Testimonien.  Woher 
erklärt  es  sich  z.  B.,  dass  er  I,  15  und  II,  11  dasselbe  Citat  in 


108  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

dem  gleichen  künstlich  zarechtgemachten  Umfange  bringt?  Das 
Verhältniss,  in  welchem  Euagrius  und  er  stehen,  iässt  keine 
andere  Deutung  zu,  als  dass  beide  eine  —  wir  dürfen  mit  höch- 
ster Wahrscheinlichkeit  sagen  —  griechische  Schrift  ^^)  benutzt 
haben,  in  welcher  an  dem  Faden  der  Geschichte  Christi  alt- 
testamentliche  Sprüche  aufgereiht  und  zu  Gruppen  zusammen- 
gestellt waren  ^^).  Die  Recensionen  der  lateinischen  Bibelüber- 
setzung, welche  beide  bei  der  Verwerthung  des  Originales 
brauchten,  waren  natürlich  ähnlich,  aber  sie  waren  doch  zum 
Theil  sehr  verschieden.  So  erklären  sich  die  Unterschiede  wie 
die  Uebereinstimmungen  in  der  Form  ihrer  Citate  bei  gleicher 
Gruppirung.  Der  Bibeltext  der  Altercatio  ist  aber  spater,  wie 
Cod.  B  zeigt,  stark  modificirt,  wie  V  darthut,  misshandelt  worden ; 
die  Hypothese  ist  nicht  ganz  zu  verwerfen,  dass  derselbe  nach- 
träglich geradezu  nach  den  Testimonien  Correcturen  und  Er- 
weiterungen erfahren  hat,  obschon  ein  sicherer  Anhaltspunkt 
—  wenigstens  für  die  letztere  Annahme  —  nicht  vorhanden  ist. 
Ist  aber  eine  gemeinsame  Quelle  zu  fordern,  auf  Avelche 
die  Gruppen  von  Citaten  zurückzuführen  sind,  und  muss  diese 
Quelle  identisch  sein  mit  der  Grundschrift,  welche  die  Ueber- 
einstimmungen zwischen  Tertullian  und  Euagrius  erklärt  — 
dies  folgt  aus  solchen  Stellen,  in  welchen  die  drei  Schriftsteller 
einander  parallel  sind  — ,  so  wird  die  Hypothese,  dass  der  Alter- 
catio  des  Euagrius    ein   alter  Dialog  des   2.  Jahrhunderts   zu 


98)  Dafür  bürgt  schon  der  Zustand  der  christhchen  Literatur  am  An- 
fang des  3.  Jahrhunderts.  Die  Möglichkeit,  dass  Cyprian  die  alte  Schrift 
nicht  im  Original,  sondern  in  irgend  welcher  Bearbeitung  benutzt  hat, 
muss  natürlich  offen  gelassen  werden. 

99)  Eine  eigenthümliche  Bewandtniss  hat  es  mit  dem  einzigen  wört- 
lichen Citat  aus  dem  N.  T.  bei  Euagrius  (Job.  1,  Isq.  s.  III,  11).  Es  ist 
oben  (S.  90)  bemerkt  worden,  dass  dieses  Citat  zwar  auffallend  ist,  indess 
nicht  nothwendig  als  ein  Zusatz  des  Euagrius  aufgefasst  werden  muss. 
Als  diese  Worte  niedergeschrieben  wurden,  hatte  ich  noch  nicht  entdeckt, 
dass  derselbe  Complex  von  AThchen  Schriftcitaten,  welcher  bei  Euagrius 
die  Erwähnung  von  Job.  1 .  1  sq.  hervorgei-ufen  hat ,  bei  Cyprian  (Test. 
11,  3)  ebenfalls  in  diese  Stelle  ausmündet.  Man  ist  also  versucht,  anzu- 
nehmen, dass  diese  Verbindung  wirklich  der  Quelle  angehört,  dann  aber 
auch  das  „propheta  noster"  als  Bezeichnung  des  Johannes,  welcher 
Ausdruck  sich  bei  Cyprian  nicht  findet.  Darf  man  an  Just.,  Dial.  Sl 
erinnern  ? 


Die  Altercafcio  und  Lactantius'  Insiifcutiones.  109 

Grunde  liegt,  in  hohem  Masse  verstärkt.  Dieser  alte  Dialog  muss 
aber,  wie  auch  das  Verhältniss  zur  Stellengruppirung  bei  Cyprian 
beweist,  wesentlich  treu  von  Euagrius  reproducirt  worden  sein. 

3.    Die  Altercatio  und  Lactantius*  Institutiones. 

Auf  Uebereinstimmungen  zwischen  diesen  beiden  Werken 
ist  schon  von  den  ersten  Herausgebern  der  Altercatio  aufmerk- 
sam gemacht  worden.  Die  Mauriner  haben  gemeint,  Euagrius 
habe  den  Lactantius  ausgeschrieben.  Es  ist  allerdings  richtig, 
dass  zwischen  beiden  ein  Verwandtschaftsverhältniss  besteht; 
allein  der  grösste  Theil  der  parallelen  Stücke  (Identität  ganzer 
Gruppen  von  Citaten)  erklärt  sich  daraus,  dass  Lactantius  die 
Testimonien  des  Cyprian  ausgeschrieben  hat  ^^^).  Indessen  hie- 
von  abgesehen,  bleibt  doch  noch  Einiges  übrig,  was  durch  die 
Beobachtung,  dass  Lactantius  die  Testimonien  ausgeschrieben  hat, 
nicht  völlig  erklärt  wird.  So  behandelt  Lactantius  Instit.  IV,  17 
die  Beschneidungsfrage  und  lässt  dann  c.  18  eine  Auseinander- 
setzung folgen  „de  passione  dominica  et  quod  ea  praenuntiata 
fuerit".  Auch  in  der  Altere,  folgt  auf  das  Capitel  über  die  Be- 
schneidung (c.  5)  das  über  die  Passion  (c.  6).  In  der  Erörterung 
der  Beschneidung  steht  aber  bei  Lactantius  ein  Satz,  welcher 
an  einen  solchen  des  Euagrius  erinnert.  Dieser  schreibt:  „Potue- 
rat  autem  deus,  si  vellet,  Adam  circumcisum  formare";  Lactan- 
tius: „si  deus  id  veUet,  sie  a  principio  formasset  hominem,  ut 
praeputium  non  haberet".  Indessen  ist  dies  und  Anderes  doch 
zu  unsicher,  um  darauf  zu  bauen.  Die  Uebereinstimmungen 
erklären  sich  vielleicht  schon  bei  der  Annahme,  dass  Lactantius 
die  Schrift  Tertullians  adv.  ludaeos  gelesen  hat. 

Es  hätte  für  die  Verb?*eitung  im  wesentlichen  identischer 
und  mit  der  Altercatio  übereinstimmender  Gruppen  von  Schrift- 
citaten  in  der  abendländischen  Kirche  des  4.  und  der  folgenden 


100)  Von  den  68  alttestamentlichen  Citaten  des  Lactantius  stehen  32 
auch  bei  Euagrius;  von  diesen  32  finden  sich  aber  30  auch  bei  Cyprian, 
80  dass,  wenn  ich  richtig  sehe,  nur  2  Stellen  {Isa.  44,  6.  45,  1  —  3)  Lactan-, 
tius  und  Euagrius  über  Cyprian  hinaus  gemeinsam  sind.  Der  Text  des  Lac- 
tantius ist  wirkhch  —  einige  Differenzen  abgerechnet  —  der,  welchen 
Cyprian  geboten  hat.  Man  kann  durch  eine  Vcrgleichung  der  Texte  des 
Lactantius  und  Euagrius  noch  einmal  constatiren,  dass  dieser  den  Cyprian 
nicht  ausgeschrieben  hat. 


110  Die  Altercatio  Simonis  et  Theopbili. 

Jahrhunderte  ein  gewisses  Interesse,  die  liier  begonnenen  Unter- 
suchungen fortzusetzen  und  sie  über  andere,  im  weiteren  oder 
engeren  Sinn  antijüdische  Schriften  auszudehnen.  Indessen 
mag  das  hier  Gegebene  im  Rahmen  dieser  Studie  um  so  mehr 
ausreichen,  als  die  etwa  in  Betracht  kommenden  Tractate  und 
Predigten  höchstens  in  kleineren  Ausschnitten  Parallelen  bieten, 
und  die  Abhängigkeitsverhältnisse  nicht  mehr  zu  ermitteln 
wären  ^<^^).  Aber  auch  in  der  parallelen  Literatur  des  Morgen- 
landes seit  dem  4.  Jahrhundert  sind  auffallende  Berührungen 
mit  der  Altercatio,  resp.  ihrer  Grundschrift,  soweit  die  Kennt- 
niss  des  Verfassers  reicht,  nicht  nachweisbar.  Die  pseudogre- 
gorianischen Testimonien,  die  noch  am  meisten  bieten,  sind  doch 
wiederum  so  selbständig,  dass  die  Annahme  eines  auch  nur 
mittelbaren  literarischen  Abhängigkeitsverhältnisses  nicht  sicher 
indicirt  ist. 

4.    Die  Altercatio  und  Justins  Dialog  mit  Trypho. 

Aber  ist  nicht  der  umfangreiche  Dialog  des  Justin  mit 
Trypho  die  Grundlage  für  die  spätere  antijüdische  Polemik  und 
das  Arsenal  ihrer  Waffen  gewesen?  Besitzen  wir  in  ihm  nicht 
den  Schlüssel  zur  Erklärung  der  Verwandtschaftsverhältnisse, 
die  zwischen  den  späteren  Apologeten  bestehen,  und  ist  nicht 
etwa  die  Grundschriffc  der  Altercatio  nur  ein  Auszug  aus  dem 
Dialog?  Diese  Frage  bedarf,  bevor  wir  weiter  gehen,  der  Be- 
antwortung. Freilich  zeigt  bereits  eine  vergleichende  lieber- 
sieht,  auch  ohne  Berücksichtigung  der  Details,  dass  die  Frage 
höchst  wahrscheinlich  zu  verneinen  ist.  Erstlich  nämlich  ist 
die  Anlage  des  Dialogs  mit  Trypho  eine  andere  als  die  der 
Grundschrift  der  Altercatio.  Diese  behandelt  fast  ausschliess- 
lich die  Stücke  der  Christologie  in  fester,  durchsichtiger  Glie- 
derung; es  fehlen  in  ihr  die  Ausführungen,  dass  die  Christen- 
heit das  wahre  Israel  sei,  und  die  diesen  verwandten  i*^"-^);   der 


101)  Umsonst  erwartet  man  auch  von  dem  Tractate  des  Celsus  Afer 
„Ad  Vigilium  ep.  de  iud.  incredul.",  welcher  als  eine  Einleitung  der  ver- 
lorenen üebersetzung  des  Dialogs  zwischen  Jason  und  Papiskus  voran- 
geKtellt  war,  Aufschlüsse  und  Hülfe. 

1,02)  Die  Vorstellung  vom  neuen  Gesetz  ist  nur  vorausgesetzt,  nicht 
entwickelt;  s.  die  prägnante  und  alte  Formel  IIl,  II:  -Hie  est  verbum, 
quod  velociter  mundum  percucumt  et  animas  errantium  per  legem  novam 
ad  deum  couvertit''. 


Die  Altercatio  und  Justins  Dialog  mit  Trypho.  m 

Dialog  dagegen  sucht  die  Controverspunkte  wirklich  zu  er- 
schöpfen, und  wenn  er  seiner  Anlage  nach  auch  eine  Disposition 
nicht  vermissen  lässt,  so  ist  er  doch  in  den  Ausführungen  an 
vielen  Stellen  ungeordnet  und  verworren.  Es  wäre  somit  nicht 
leicht  zu  erklären,  wie  eine  Schrift  von  der  Art  der  Altercatio 
aus  dem  Dialog  excerpirt  worden  sein  könnte.  Dazu  kommt,  dass 
der  gemeinsame  Besitz  der  lateinischen  Apologeten  durchaus  nur 
die  Christologie  und  die  Beurtheilung  der  Beschneidung  um- 
fasst.  Darüber  hinaus  gehen  sie  auseinander.  Wäre  also  auch 
die  Grundschrift  der  Altercatio  wirklich  ein  Excerpt  aus  dem 
Dialog,  so  müsste  sie,  und  wenigstens  nicht  in  erster  Reihe 
dieser,  von  den  Spateren  benutzt  worden  sein.  Endlich  finden 
sich  die  identischen  Gruppen  von  Schriftcitaten  der  Lateiner 
in  dem  Dialog  nicht  wieder.  Er  behandelt  zwar  eine  grosse 
Anzahl  dieser  Citate  ebenfalls,  aber  in  gänzlich  anderer  Ordnung. 

Hiernach  ist  mindestens  die  Annahme  eines  Mittelgliedes 
zwischen  dem  Dialog  mit  Trypho  einerseits,  Tertullian,  Cyprian, 
Lactantius  und  Euagrius  andererseits  unvermeidlich;  anders 
ausgedrückt:  die  Frage  kann  nur  die  sein,  ob  die  Grundschrift 
der  Altercatio  überhaupt  mit  Justins  Dialoge  verwandt  ist. 
Wird  diese  Frage  bejaht,  so  muss  entschieden  werden,  in  welcher 
Art  von  Abhängigkeit  die  beiden  Schriften  stehen. 

Um  mit  dem  Aeusserlichsten,  aber  auch  Wichtigsten,  zu  be- 
ginnen, so  finden  sich  von  den  c.  134  alttestamentlichen  Citaten 
der  Altercatio  nur  65,  also  nicht  ganz  die  Hälfte,  in  dem  so 
umfangreichen  justinischen  Dialoge  wieder.  Es  fehlen  dort  auch 
solche  in  grosser  Zahl,  welche  dem  Verfasser  der  Altercatio 
von  entscheidender  Wichtigkeit  gewesen  sind^*^^).  Diese  Be- 
obachtung lehrt  1  dass  die  beiden  Schriften  in  der  Hauptsache 
unabhängig  von  einander  sein  müssen.  Femer  ist  die  Auslegung 
der  Stellen,  welche  sie  gemeinsam,  haben,  durchaus  nicht  überall 
dieselbe.  A-m  deutlichsten  tritt  dies  bei  Isa.  7,  1  sq.  (Altere.  HI; 
DiaL  66—68.  71.  77.  78.  84)  hervor.    Die  Erklärung,  weiche  der 


103)  Sehr  beachtenswerth  ist,  dass  Justin  die  Citate  aus  Schriften 
des  alexandrinischen  Kaiions  (Sap.  Sal.  2,  12  —  22;  Sirach  24,  3.  4  und 
Baruch  8,  35—37}  nicht  Lat.  Namendicli  das  erstere  ist  seit  dem  Ende 
des  2.  Jahrhunderts  für  eines  der  wichtigsten  gehalten  worden.  Der  Jude 
Trypho  setzt  aber  auch  nicht  eine  persönliche  göttliche  2o(pia  in  der 
Weise  voraus,  wie  Simon  Altere.  III,  12. 


112  Die  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

Jude  vorbringt,  ist  dort  und  hier  ungefähr  die  gleiche,  aber 
seine  Gegner  legen  im  Einzelnen  die  Stelle  anders  aus,  wenn 
sie  auch  in  der  Bezugnahme  auf  Matth.  2  übereinstimmen.  So 
bezieht  Justin  den  „rex  Assyriae"  auf  den  König  Herodes,  der 
Verfasser  der  Altercatio  auf  den  Teufel.  Die  frappante  Aus- 
legung von  Isa.  44,  6  auf  Christus  und  den  Antichrist  findet 
sich  bei  Justin  nicht,  obgleich  auch  er  c.  32  (p.  108),  c.  HO 
(p.  390)  von  dem  Antichrist  handelt.  Von  dem  Millennium  sprechen 
beide  (Altere.  VII,  28.  Dial.  80.  81),  aber  in  einem  ganz  ver- 
schiedenen Zusammenhang. 

Andererseits  finden  sich  auch  überraschende  üeberein- 
stimmungen.  Zwar  die  Parallele  Altere.  I,  1  („Habes  et  me 
patientem  auditorem,  si  modo  interrogationibus  meis  non  leno- 
ciniis  sermonum  aut  argumentis  verborum,  sed  legis  praesentia 
conprobes  veritatem")  mit  Dial.  56  (p.  194):  /mI  gov  leyovvog 
ov^i  rjveixofied-a,  si  /.irj  7cavTa  stvI  tag  yQacpag  dvijyegf  und  c.  68 
(p.  240):^^  TouTO  €71  dvd-QWTTSLOig  öiödyfiaocv  rj  e7iixuQTq(j.aoiv 
EneßccXofxr^v  dnodeiycv'vai,  dvaaxsod-ai  iiov  ov-k  av  eÖ€L  vf^äg 
(cf.  den  Vorwurf  des  Juden:  ort  t^ihsgaL  s^yT^asLg  Tsrexvcco- 
f-ievat  sIgIv  c.  79  p.  285),  soll  nicht  besonders  betont  werden, 
ebensowenig,  dass  der  Verf.  der  Altercatio  der  Theorie,  die 
Justin  ApoL  1,  36  entwickelt  hat,  gefolgt  ist;  aber  unzweifel- 
haft beachtenswerth  ist  die  Uebereinstimmung  in  der  Behand- 
lung der  Beschneidungsfrage  bei  Beiden.  Es  kommen  hier  die 
cc.  12.  14.  15.  16.  19.  23.  29.  43.  82.  92.  113.  114.  137  (Altere. 
V,  VII)  in  Betracht.  Die  Gedanken,  die  der  Verfasser  der  Alter- 
catio entwickelt  hat,  finden  sich  zu  einem  grossen  Theile  und 
in  ganz  ähnlicher  Form  bei  Justin  wieder:  'H  dfib  l^ßgaofi 
Tiara  odgaa  nsgizof-iri  €ig  or^^eiov  iöoltr}^^^)  —  dx^oßvatia  Ttjg 
v.aQÖtag  —  es  gilt  die  Sünden  des  Herzens  zu  beschneiden  — 
tL  yaq  negnof-irj  r^v  dvayy.dia,  ovy,  nv  dxQoßvoiov  6  S-sog  enXaoe 
tov  ^ödfi;  es  folgt  eine  Aufzählung  der  unbesehrdttenen  alt- 
testamentlichen  Gerechten,  Abel,  Henoch,  Lot,  Noah,  Melchi- 
sedek  —  Abraham  war  in  der  Vorhaut,  als  er  gerecht  gesprochen 
wurde  —  die  steinernen  Messer  (Jos.  5,  2)  sind  die  Worte 
Christi,  durch  welche  des  Herzens  Vorhaut  beschnitten  wird  — ; 


104)  Das  „Zeichen"  lässt  Justin  stets  seine  Bedeutung  durch  das  ha- 
drianische  Verbot,  Jerusalem  zu  betreten,  gewinnen. 


Die  Altercatio  und  Justins  Dialog  mit  Trypho.  j[]3 

endlich  geht  auch  Justin,  wie  der  Verfasser  der  Altercatio,  zu 
Angriffen  auf  die  Art  der  jüdischen  Gesetzesheobachtungen 
über  (c.  12  p.  46,  cf.  82  p.  298):  Jewegag  tjöt]  xqeia  tibqiio- 
^rjg,  -/.al  v^slg  inl  tf]  aagyii  (xiya  (pQOveixe.  aaßßazl^eiv  vficig 
o  Aaivog  vofxog  öia  navzog  id-elet,'  ytat  vfxelg  (.dav  agyc/Cvreg 
^^egav  evoeßeiv  doY-elxe,  (n^  voovviag  dicc  zl  vfuv  fCQOoeTrxyrj' 
xal  eäv  dtvfxop  ccqtov  q^ayr^zSy  nenXriiJoy'i^eVai  zb  d^iXri(.ia  tnv 
d'Bov  (pat€.  Ouyc  ev  zovzoig  6vdoy,€7  xvgiog  6  d'sog  iqfxcov,  Ei'  zig 
eozlv  iv  v/uXv  hrioQxog  ij  y.Xenzrß,  .T:avo^ad^io'  eü  zig  ^loixog,  fis- 
zavorioazcOj  xal  osoaßßaziyts  zä  zQvcpega  Kai  aXn^^iva  odßßaza 
zov  d-eov  Kzl.  Öl  aqxovzeg  v^tjv  y.oivo)vol  kXbtczwv,  q)ilovvz€g 
dwQct,  diojytovzeg  avzanoöojLia, 

Was  die  Christologie  betrifft,  so  steht  der  Verfasser  der 
Altercatio  genau  auf  demselben  Standpunkt  wie  Justin.  Die 
Frädicate,  welche  dieser  an  so  vielen  Stellen  seines  Werkes 
(vgl,  z.  B.  c.  126.  127.  61.  62)  Christus  giebt  (a^x^',  Trgcozozozo'g, 
-K^sovviog,  loyog,  aocpta,  dvvafxig,  ^eog,  agxtozgdzriyog  ^^^),  finden 
sich  ebenso  in  der  Altercatio  —  auch  die  prägnante  Formel: 
Xgiözog  -d^sog  d^eov  v\6g  haben  sie  gemeinsam,  und  ,,^oyo4:" 
ist  beiden  ein  Prädicat  neben  anderen  — ;  einige,  wie  die  von 
Justin  so  häufig  gebrauchten:  "kid^og,  nizga,  ayyeXog  fehlen  frei- 
lich. Auch  die  Vorstellung,  welche  sich  Justin  von  dem  Hervor- 
gehen des  Logos  aus  Gott  gebildet  hat,  ist  ungefähr  die  näm- 
liche, welche  sich  in  der  Altercatio  findet  i^^).  Nimmt  man 
hinzu,  dass  eine  Reihe  von  alttestamentlichen  Sprüchen  von 
beiden  Apologeten  in  gleicher  Weise  verwendet  wird  —  die 
jüdische  Beziehung  einiger  derselben  auf  Salomo  oder  Ezechias 
wird  von  beiden  abgelehnt;  s.  Dial.  33.  34.  36.  83.  85.  64  —i«^), 


105)  Hier  ist  namentHch  die  Parallele  zwischen  c.  61  des  Dialogs  und 
Altere,  II,  10  interessant. 

106)  Der  Einwurf  des  Juden  Dial.  67  (p.  236)  ist  dem  des  Simon 
Altere.  III,  11  älinlich.  Die  Beziehung  auf  Psalm  82,  6  (1.  c.  und  Dial. 
123.  123)  dagegen  ist  in  beiden  Schriften  in  sehr  vei*schiedenem  Zusammen- 
hang vorgebracht. 

107)  Beachtenswerth  ist  die  Parallele  in  der  Auslegung  des  72.  Psalms 
(Dial.  34  u.  Altere.  VII,  26),  wo  die  Beziehung  auf  Salomo  abgelehnt 
wird:  2'aAo/Ma)v  ov /m£;{()«  raJv  7r6()ar«>v  ttJ?  olxov/xiyijq  ißaaiXsvasv,  doch 
ist  die  Uebereinstimmung  durchaus  keine  so  grosse  wie  zwischen  der 
Altercatio  und  TertuUian. 

Texte  und  Uotfirsuchangen  I,  3.  S 


114  I^ie  Altercatio  Simonis  et  TheophiK. 

und  dass  die  Auslegung  einiger  weniger  messianischer  Stellen 
eine  ähnliche  ist  —  man   vgl.   die  von  Ps.  22,  Isa.  53,  Jos.  2 
(Dial.  111  fin.),  Deut.  33,  13 sq.,   des  Passah's  — ,  so  wird  das 
Wichtigste  genannt   sein.     Dass   auch  die  guten  Engel  den  in 
den  Himmel  aufsteigen  de  ft  Christus  nicht  sofort  erkannt  haben, 
sagt  auch  Justin  (c.  36  p.  126;  s.  Altere.  VI,  25);  ebenso  lehnt 
auch  er  (vgl.  Altere.  II,  9)   die  Beziehung  von  Gen.  1,  26  auf 
die  Engel  ab  (c.  62  p.  218).    Schliesslich  ist  noch  auf  die  Art 
hinzuweisen,   in  welcher  beide  Apologeten    die  Vertheidigung 
des  Kreuzestodes  Christi   eingeleitet  haben.     Beide   stellen  das 
Problem  so   bestimmt  wie  möglich  auf,  indem  sie  den  Juden 
bei  Deut.  21,  23  einsetzen  lassen  ^^^).    Allein  weiter  reicht  eigent- 
lich die  Uebereinstimmung  nicht  mehr;  denn  während  Trypho 
von  vornherein  zugiebt  (s.  auch  schon  c.  36  n.  1),  dass  Christus 
als  Tiad-TiTog  geweissagt  sei,  und  nur  die  schimpfliche  Todesart 
beanstandet  (c.  89.  90),    sagt  Simon  in   der  Altercatio:    „non 
passum  Christum  in  scripturis  nostris  invenimus"  ^^^).   Bei  Justin 
findet  sich  auch  nicht  der  Versuch,  aus  dem  Context  das  Gewicht 
der  Deuteroniumstelle  zu  beseitigen,   während  umgekehrt  die 
Wendung,  welche  Justin  c.  94  (p.  344)  der  Argumentation  ge- 
geben hat,  dem  Verfasser  der  Altercatio  unbekannt  geblieben  ist. 
Fasst  man    alle   diese  Beobachtungen  zusammen,   so  wird 
man   urtheilen    müssen,    dass    die  Grundschrift    der  Altercatio  , 
nicht  als  ein  Excerpt  aus    dem  Dialog    des  Justin   betrachtet 
werden  kann,    und  dass  überhaupt  kein  Grund  vorhanden  ist, 
sie  für  jünger  zu  achten  als  jene  Schrift.    Ein  literarisches  Ver- 
wandtschaftsverhältniss  scheint  allerdings  zwischen  beiden  Dia- 
logen zu  bestehen  (s.  namentlich  die  Behandlung  der  Beschneid- 
ungsfrage);  aber  es  ist  schwierig  und,  wie  es  scheint,  aussichts- 
los, dassel])e  genauer  zu  bestimmen.     Ist  es  ein  unmittelbares, 


108)  Dies  blieb  die  Regel  in  der  Apologetik,  und  die  Juden  werden 
wirklich  von  Anfang  an  diese  SteUe  besonders  geltend  gemacht  haben. 
„Famosissima  quaestio  est",  sagt  Hieronymus,  Comment,  in  ep.  ad  Galat. 
Hb.  II.  Opp.  VII  p.  436),  „et  nobis  soleat  a  ludaeis  pro  infamia  obüci, 
quod  salvatoT  noster  et  dominus  sub  dei  fuerit  maledicto". 

100)  Auch  Credner  (Beiträge  U  S.  66)  ist  es  aufgefallen,  dass  Trypho 
soviel  von  vornherein  zugiebt.  Er  erklärt  diese  Thatsache  aber  unrichtig, 
wenn  er  sagt:  „Zu  Justins  Zeit  müs^scn  die  Juden  ihren  Vortheil  noch 
nicht  gekannt  haben". 


Die  Altercatio  lasoiiis  et  Papisci.  115 

dann  liegt  die  Annahme  näher,  dass  vielmehr  Justin  hier  der 
Spätere  ist;  ist  es  ein  vermitteltes  —  und  diese  Hypothese 
empfiehlt  sich,  weil  die  wichtigsten  Abschnitte  in  der  Altercatio 
sich  bei  Justin  so  nicht  wiederfinden  — ,  dann  muss  jede  Muth- 
massung  unterdrückt  werden.  Aber  für  die  hier  vorliegende 
Frage  genügt  die  Feststellung,  dass  die  Grundschrift  der  Alter- 
catio nicht  über  Tertullian  hinauf  bis  zu  Justins  Dialog  sicher 
zu  verfolgen  ist,  dass  sie  sich  zwar  mit  diesem  berührt,  aber 
nicht  von  ihm  abzuleiten  ist. 


§6.    Die  Grundschrift  der  Altercatio  Simonis  et  Theo- 
phili  und  die  Altercatio  lasonis  et  Papisci. 

Fassen  wir  das  bisherige  Ergebniss  zusammen:  der  Alter- 
catio Simonis  et  Theophili  liegt  ein  Dialog  zwischen  einem. 
Juden  und  einem  Christen  zu  Grunde,  der  aus  dem  2.  Jahr- 
hundert stammt,  der  in  der  lateinischen  Literatur  der  Folgezeit 
mehrfach  benutzt  und  am  Anfang  des  5.  Jahrhunderts  von  einem 
gallischen  Theologen,  Euagrius,  in  einer  lateinischen  Bearbeit- 
ung aufs  neue  publicirt  worden  ist. 

Dieses  Ergebniss  ist  an  sich  wichtig  und  belangreich.  Wir 
dürfen  in  der  bisher  so  vernachlässigten  Altercatio  des  Eua- 
grius einen  Dialog  aus  der  ältesten  christlichen  Literatur,  wenn 
auch  in  üeberarbeitung,  erkennen.  Aber  lässt  sich  dieser  Dialog 
nicht  vielleicht  identificiren  und  näher  bestimmen? 

Wer,  wie  Reuter^^^),  der  Meinung  ist,  dass  allein  in  den 
mittleren  Decennien  des  2.  Jahrhunderts  christhche  literarische 
Urkunden  zu  Tausenden  verfasst  und  entstanden  sind,  der  wird 
natürlich  nicht  daran  denken  können,  die  hier  geforderte,  bis- 
her noch  namenlose  Schrift  naher  zu  bestimmen;  wer  aber  mit 
dem  Verfasser  diesör  Abhandlung  anzunehmen  geneigt  ist,  dass 
wir  den  grössten  Theil  der  im  2.  Jahrhundert  entstandenen, 
einflussreichen  kirchlichen  Schriftwerke  wenigstens  dem  Titel 
nach  kennen  ^^'),  der  wird  nicht  sofort  verzagen.  Unter  dem 
Titel  adversus  ludaeos  oder  einem  ähnlichen  sind  uns  aus  dem 


110)  Ztschr.  f.  Kirchengesch,  IV  S.  509. 

111}  Diese  Hypothese  kann  natürlich  strict  niemals  bewiesen  werden; 
aber  es  ist  nicht  schwer,  sie  wahrscheinlich  zu  machen. 

8* 


11(5  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

zweiten  Jahrhundert,  wie  oben  S.  76  f.  gezeigt  worden,  nur  sehr 
wenige  Schriften  bekannt.  An  die  verlorene  Schrift  des  Miltiades 
adv.  ludaeos  ist  hier  schwerhch  zu  denken,  da  uns  nicht  mit- 
getheilt  worden  ist,  dass  sie  in  dialogischer  Form  abgefasst 
war  1^2)  Dagegen  wird  sich  Jeder,  der  die  Literatur  des  2.  Jahr- 
hunderts übersieht,  hier  sofort  an  den  ebenfalls  verlorenge- 
gangenen, von  Eusebius  bereits  unterschlagenen  Dialog  des 
Jason  und  Papiscus  erinnern.  Wir  wissen  überhaupt  nur 
von  zwei  antijüdischen  Dialogen,  die  im  2.  Jahrhundert  ent- 
standen sind,  dem  eben  genannten  und  dem  Dialog  Justins  mit 
Trypho.  Da,  wie  gezeigt  worden,  der  letztere  hier  nicht  in 
Frage  kommen  kann,  so  besteht  von  vornherein  —  man  darf 
nicht  sagen  eine  gewisse  Wahrscheinlichkeit,  wohl  aber  ein 
gewisses  Vorurtheil  zu  Recht,  dass  wir  den  Dialog  des  Jason  und 
Papiscus  als  die  Vorlage  für  die  Altercatio  des  Euagrius  zu 
beurtheilen  haben,  resp.  dass  wir  in  diesem  Dialog  des  5.  Jahr- 
hunderts die  Grundzüge  jener  alten  Streitschrift  wiedererkennen 
dürfen. 

Von  der  Altercatio  lasonis  et  Papisci  und  ihrer  höchst 
seltsamen  und  lehrreichen  Geschichte  in  der  Kirche  ist  in  diesen 
Untersuchungen  bereits  gehandelt  worden  ^^^).  Indem  auf  die 
dort  gegebenen  Ausfahrungen  verwiesen  wird,  soll  hier  die 
Summe  unseres  bisherigen  Wissens  von  dieser  Schrift  kurz  zu- 
sammengefasst  werden,  um  das  oben  präcisirte  Vorurtheil  zu 
erproben. 

1)  Die  Streitrede  des  Jason  und  Papiscus  über  Christus 
(als  jjtdaovoQ  xoft  ÜaTiloyiov  avTiXoyla  Ttegl  Xqigtov^^  von  Ori- 
genescitirt;  Celsus  hat  die  Namen  umgestellt;  „Altercatio  lasonis 
et  Papisci"  sagt  Hieronjmus;  „Disceptatio  [concertatio]  lasonis 
et  Papisci"  Celsus  Afer;  zliaXe^tg  IlajrtGKOv  y.at  Y«aovög  Maxi- 
mus Confessor)  ist,  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  in  dem  Men- 
schenalter zwischen  c.  135  und  165,    in   griechischer  Sprache 


112)  Die  Möglichkeit,  dass  sie  ein  Dialog  gewesen  ist,  ist  indess  nicht 
bestimmt  zu  bestreiten,  und  in  diesem  Falle  käme  sie  allerdings  in  Be- 
tracht. Doch  ist  diese  Mögücbkeit  nicht  weiter  zu  discutiren,  da  wir 
keine  Zeile  aus  dieser  Schrift  und  kein  einziges  Urtheil  über  dieselbe  be- 
sitzen. An  die  Belogen  des  Melito  kann  ebenfalls  desshalb  nicht  gedacht 
werden,  weü  sie  nur  eine  Materialiensammlung  gewesen  sind  (s.  oben  S.  76). 

113)  S.  Bd.  I  R  1.  2  S.  115—130. 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisci.  WJ 

verfasst  worden  und  wurde  bereits  zu  der  Zeit,  als  Celsus  die 
Materialien  für  seinen  ,,yl6yog  alr^Wig^^  sammelte,  vielfach  in 
der  Kirche  gelesen.  In  Alexandrien  war  sie  zur  Zeit  des  Clemens 
und  Origenes  bekannt. 

2)  Die  Schrift  hatte  einen  geringen  Umfang  —  ein  owyQa/ii^ 
(.iccTiov  nennt  sie  Origenes. 

3)  Sie  handelte  gegenüber  den  Juden  so  vornehmlich  — 
darin  von  dem  Dialog  des  Justin  verschieden  —  über  Christus, 
dass  Origenes  sie  kurzweg  als  dvTiloyla  negi  Xqiotov  bezeichnet 
und  Celsus  Afer  ihren  Inhalt  als:  „adsertio  et  vindicatio  dispo- 
sitionis  et  plenitudinis  Christi"  angegeben  hat. 

4)  In  ihr  war  aufgezeichnet,  „wie  ein  Christ  auf  Grund 
der  jüdischen  Schriften  mit  einem  Juden  disputirt  und  den 
Nachweis  liefert,  dass  die  von  dem  Christus  handelnden  Pro- 
phezeiungen auf  Jesus  passen,  während  sein  Gegner  in  wackerer 
und  nicht  unebener  Weise  die  Rolle  des  Juden  im  Streite  führt" 
(Origenes). 

5)  Die  Schrift  gehörte  zu  der  Klasse  von  Schriften,  die 
Allegorien  und  Diegesen  enthielten  (Origenes). 

6)  Der  Christ  bediente  sich  in  der  Schrift  nicht  nur  der 
„admonitio",  sondern  auch  der  „lenis  increpatio",  und  milderte 
dadurch  die  obstinate  Härte  des  Herzens  des  Juden,  so  dass 
derselbe  allmählich  Einsicht  in  die  Wahrheit  gewann,  die  Furcht 
des  Herrn  in  sich  aufnahm  und  Jesus  als  den  Sohn  Gottes 
glaubte.  Er  bittet  am  Schluss  den  Jason  um  die  Ertheilung 
des  Taufzeichens  (Celsus  Afer). 

7)  Jason  war  als  ein  Christ  aus  den  Hebräern,  Papiscus 
als  ein  alexandrinischer  Jude  vorgestellt;  also  war  der  Ver- 
fasser selbst  höchst  wahrscheinlich  von  Geburt  ein  Hebräer 
(Celsus  Afer). 

8)  Ii*  dem  Dialog  war  Deuter.  21,  23  angeführt,  und  zwar 
in  üebereinstimmuug  mit  der  Uebersetzung  des  Aquila:  Aol~ 
öoQta  ^aov  6  -Agsfuccfievog  (Hieronymus). 

9)  In  dem  Dialog  war  Genes.  1,  1  erklärt,  als  ob  die  Stelle 
laute:  „In  filio  fecit  Dens  caelum  et  terram".  Mithin  ver- 
trat der  Verfasser  bereits  die  „höhere"  Christologie.  Hieronymus 
sagt  nicht,  dass  in  dem  Dialog  die  Worte:  „In  filio  fecit  etc»" 
als  Citat  aus  der  Genesis  gestanden  hätten,  sondern  er  berichtet, 
dass  Viele  diese  LA  für  die  des  hebräischen  Grundtextes  halten, 


[jg  Die  Altercatio  Simonis  et  Theoi^hili. 

wie   denn  auch  ein    solcher  Satz  in   der  Altercatio   des  Jason 
und  Papiscus  gefanden  werde. 

10)  In  dem  Dialog  kam  der  Ausdruck  „sieben  Himmel" 
vor  (Maximus  Confessor). 

11)  Der  Dialog  ist  dem  Celsus,  Clemens  Alexandrinus,  Ori- 
genes,  Hieronymus  und  Celsus  Afer  ohne  Verfassernamen 
bekannt  gewesen;  erst  Maximus  Confessor  nennt  einen  Aristo 
von  Pella  als  Autor,  während  Clemens  Alexandrinus  in  den 
Hypotyposen  als  solchen  den  Lucas  bezeichnet  hat. 

12)  Einer  ungenannten  Schrift  eines  Aristo  von  Pella  hat 
Eusebius  eine  Nachricht  über  die  Folgen  des  Judenaufstandes 
unter  Hadrian  für  die  Juden  entnommen.  Es  ist  nicht  ganz 
unwahrscheinlich,  dass  diese  Schrift  eben  der  Dialog  des  Jason 
und  Papiscus  gewesen  ist;  ferner  spricht  Einiges  dafür,  dass 
TertuUian  in  seiner  Schrift  adv.  ludaeos  den  Dialog  benutzt 
hat.  Ist  diese  Hypothese  begründet,  dann  bestätigt  sich  die 
Angabe  des  Maximus,  dass  Aristo  von  Pella  der  Verfasser  des- 
selben ist. 

13)  Zur  Zeit,  da  Celsus  und  Clemens  Alexandrinus  (Hypo- 
typosen) schrieben,  erfreute  sich  der  Dialog  einer  weiten  Ver- 
breitung und  eines  grossen  Ansehens;  aber  seit  dem  Ausgang 
des  2.  Jahrhunderts  (resp.  Anfang  des  3.)  änderte  sich  das  im 
Orient.  Nicht  nur  hat  ihn  Clemens  in  seinen  spateren  (?)  Schriften 
nicht  mehr  erwähnt,  sondern  Origenes  fühlt  sich  durch  die  An- 
führung des  Dialogs  bei  Celsus  in  Verlegenheit  gesetzt,  nimmt 
dem  Celsus  dieselbe  fast  übel  und  sagt  geradezu ,  der  Dialog 
sei  zwar  nach  Inhalt  und  Form  achtungswerth ,  jedoch  recht 
„unbedeutend".  „Er  kann  zwar  bei  dem  grossen  Haufen  und 
den  Einfältigeren  etwas  zur  Stärkung  des  Glaubens  beitragen, 
dagegen  auf  die  Gebildeteren  keinen  Eindruck  machen".  Man 
darf  also  zuversichtlich  vermuthen,  dass  das  ßüchleiVi  durch 
seine  alterthümlichen,  vielleicht  apokalyptischen,  jedenfalls  ein- 
fältig erscheinenden  Ausführungen  in  Misscredit  bei  den  orien- 
talischen „Theologen"  gekommen  ist.  Unter  solchen  Umstän- 
den —  vielleicht  war  dem  Ansehen  des  Buches  auch  schon  die 
Nationalität  des  christlichen  Disputanten  gefährlich  —  schob  es 
Eusebius,  wie  er  es  in  ähnlichen  Fällen  zu  thun  pflegte,  ganz 
bei  Seite;  Hieronymus  hat  es  zwar  in  Händen  gehabt  (in  grie- 
chischer Sprache;  und  nur  in  dieser),   aber  bei  seinen  Zeitge- 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisei.  119 

nossen  auf  keine  Bekanntschaft  mit  demselben  gerechnet,  es 
auch  in  seinem  Kataloge  christlicher  Schriftsteller  und  Schriften 
nicht  erwähnt.  In  der  griechischen  Kirche  "vvird  es  nur  noch 
einmal  —  im  7.  Jahrhundert  —  von  Maxiraus  genannt,  der 
auch  überraschender  Weise  den  Verfasser  anzugeben  weiss. 
Dagegen  hat  noch  im  Ausgang  des  5.  Jahrhunderts  ein  africa- 
nischer  Bischof,  Celsus,  den  alten  Dialog  als  ein  „opus  praecla- 
rum  atque  memorabile  gloriosuraque"  gefeiert.  Er  hat  ihn 
übersetzt  und  diese  üebcrsetzung  mit  einer  langen  Vorrede 
„de  iudaica  incredulitate"  dem  berühmten  Bischof  Vigilius 
gewidmet. 

In  diesen  dreizehn  Satzgruppen  ist  Alles  enthalten,  was 
wir  zur  Zeit  über  den  Dialog  des  Jason  und  Papiscus  wissen  ^  ^^). 
Mit  Ausnahme  des  sub  12  Bemerkten  ist  dieses  unser  Wissen 
ein  sicheres.  Wie  verhält  sich  nun  die  Altercatio  des  Euagrius, 
resp.  ihre  Grundschrift,  hiezu?  Kann  eine  Verwandtschaft,  kann 
die  Identität  der  Grundschrift  und  des  alten  Dialogs  wirklich 
für  wahrscheinlich  gelten? 

Zunächst:  Die  Geschichte  der  Ueberlieferung  des  alten  Dia- 
loges (13)  ist  der  Hypothese  günstig.  Er  ist  im  Orient  in  Ver- 
gessenheit gerathen  wie  die  Grundschrift  der  Altercatio,  und 
wie  diese  im  Anfang  des  5.  Jahrhunderts,  nachdem  sie  im  Occi- 
dent  mannigfache  Dienste  gethan,  in  Gallien  noch  einen  Be- 
arbeiter gefunden  hat,  so  hat  der  Dialog  des  Jason  und  Papiscus 
im  Ausgange  desselben  Jahrhunderts  in  Africa  noch  einen  Lob- 
redner und  üebersetzer  erhalten.  Ferner  ist  die  Angabe  be- 
achte nswerth,  dass  der  alte  Dialog  nur  einen  geringen  Umfang 
gehabt  (2),  namentlich  aber  die  andere  (3),  dass  er  ledig- 
lich oder  doch  ganz  hauptsächlich  von  Christus  gehandelt  hat, 
die  übrigen  Stücke  also,  die  zwischen  Juden  und  Christen 
controvers  waren,  in  ihm  entweder  gar  nicht  oder  nur  flüchtig 
berührt  gewesen  sind.  Auch  in  der  Altercatio  Sim.  et  Theoph,, 
resp.  in  ihrer  Grundschrift,  ist  die  Christologie,  worauf  mehrfach 
oben  hingedeutet  worden  ist,  nicht  nur  die  Hauptsache,  sondern 
fast  ausschliessliches  Thema,  auch  sie  ist  daher  als  ^AvtikoyLa 
^7reQi  Xgiacov,  resp.  als  „adsertio  et  vindicatio  dispositionis  et 
nlenitudinis   Christi"  zu  bezeichnen.    Weiter:   beide    Schriften 


114)  Doch  s.  unten  S.  126  n.  12^. 


j20  I^i^  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

fähren  nicht  den  Titel  ,,Jidkoyog^^,  sondern  den  anderen  „Alter- 
catio" {avitloyla)^^^);  in  beiden  Schriften  ist  das  Alte  Testa- 
ment das  ausschliessliche  Beweisinstrument  gewesen  (4),  so  dass 
alle  theoretische  Argumentation  ausgeschlossen  war  (s.  die  starke 
Betonung  dieses  Punktes  Altere.  I,  1),  beide  endlich  —  doch  dies 
ist  selbstverständlich  —  enthalten  allegorische  Auslegungen  ^^^). 
Die  bisher  genannten  Uebereinstimmungen  sind  —  wenn 
auch  die  sub  3  genannte  bereits  von  grosser  Bedeutung  ist  — 
doch  noch  allgemeiner  Natur.  Entscheidender  sind  folgende: 
auch  von  der  Altercatio  Simonis  et  Theophili  lässt  sich  sagen  — 
wenn  man  sich  auf  den  Standpunkt  der  Kirchenväter  stellt  — , 
dass  der  Jude  „in  wackerer  und  nicht  unebener  Weise"  den 
Streit  führt  (4).  Dieses  Lob  kann  doch  nur  den  Sinn  haben, 
dass  er  zwar  die  nöthigen  Einwände  folgerecht  vorbringt,  aber 
der  Widerlegung  und  besseren  Belehrung  stets  zugängHch  ist. 
Dass  Origeneb  in  diesem  Sinne  dem  Juden  seine  Anerkennung 
bezeugt  hat,  geht  aus  der  genaueren  Beschreibung  des  Ganges 
der  Streitunterredung  bei  Celsus  Afer  deutlich  hervor.  Die 
Züge,  welche  dieser  (6)  mitgetheilt  hat,  stimmen  aber 
auf  das  frappanteste  zu  der  Altercatio  Sim.  et  Theoph. 
Man  kann  den  Gang  der  Streitunterredung,  die  Mittel, 
welche  der  Christ  braucht,  die  stets  wachsende  Zu- 
stimmung des  Juden  hier  gar  nicht  zutreffender  be- 
schreiben, als  mit  den  Worten,  in  welchen  Celsus  die 
Unterredung  und  ihren  Erfolg  in  dem  Dialoge  des 
Jason  undPapiscus  beschrieben  hat.  Auch  in  der  Alter- 
catio Sim.  et  Theophili  bittet  schhesslich  der  Jude  den  Christen 
um  die  Taufe,  nachdem  er  von  Abschnitt  zu  Abschnitt  „Ein- 
sicht in  die  Wahrheit"  gewonnen,  und  nachdem  ihn  der  Christ 
sowohl  durch  Ermahnungen  als  durch  Scheltreden  zur  Einkehr 
gebracht  hat.  Man  kann  dem  nicht  entgegenhalten,  dass  dies 
die  stereotype  Form  solcher  Dialoge  gewesen  sei;  denn  erstens 


115)  Ueber  die  Bedeutung  dieses  Titels  s.  Yolkmann,  die  Rhetorik 
der  Griechen  und  Römer  S.  149. 

116)  Origenes  spricht  von  Diegesen.  Das  Wort  hat  eine  weite  Be- 
deutung; im  strengen  Sinne  finden  sich  Diegesen  in  der  Altercatio  Euagrii 
nicht;  aber  Origenes  sagt  genau  genommen  nicht  einmal,  dass  der  Dialog 
des  Jason  solche  enthalten  hat,  sondern  rechnet  ihn  in  die  Claese  von 
Schriften,  welche  Allegorien  und  Diegesen  umfassen. 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisci.  121 

lässt  sich  von  stereotypen  Formen  im  2.  Jahrhundert  überhaupt 
nicht  sprechen,  und  zweitens  zeigt  der  Dialog  Justins  mit  Trypho 
uns  eine  wesentlich  andere  Methode  und  vor  allem  einen  an- 
deren Erfolg. 

Weiter  abei-,  die  Stelle  Deut.  21,  23,,  welche  Hieronymus 
in  der  Altercatio  lasonis  et  Papisci  gelesen  hat  (8),  findet  sich 
auch  in  der  Altercatio  Simonis  et  Theophili,  und  zwar  ist  ihre 
Behandlung  ein  Hauptstück  in  derselben  ^*^. 

Ferner,  der  Jude  Simon  wundert  sich ,  dass  in  der  Genesis 
c.  1,  1  nicht  vom  Sohne  als  Schöpfer  die  Rede  ist,  wenn  er  doch 
nach  Meinung  der  Christen  Sohn  Gottes  sein  soll;  Theophilus 
erklärt  darau:^  dass  allerdings  Genes,  l,  1  die  Schöpferthätigkeit 
des  Sohnes  bezeugt  werde,  denn  die  Worte  „in  principio"  seien 
gleich  „in  Christi  arbitrio  et  ad  voluntatem  ejus  (U,  8)'^  Diese 
Auslegung  hat  aber  Hieronymus  in  der  älteren  Lite- 
ratur nur  im  Dialoge  des  Jason  und  Papiscus  und  bei 
Tertullian  gefunden  (9). 

Endlich,  die  Grundschrift  der  Altercatio  ist,  wie  diese  selbst 
noch  zeigt,  weniger  „philosophisch"  als  z.  B.  der  Dialog  des 
Justin,  wenn  sie  auch  die  höhere  Christologie  vertreten  hat. 
Sie  enthält  zudem  Ausführungen  über  das  tausendjährige  Reich, 
den  Antichrist,  die  sichtbare  ausserliche  Wiederkunft  Christi, 
den  Weltbrand,  sowie  seltsame  Deutungen  (s.  gleich  im  Ein- 
gang I,  4.  5)  und  anstössige  Allegorien  (VI,  24  fin.  25  init.), 
kurz  sie  entspricht  einigermassen  dem  Bilde  der  alten  Alter- 
catio, welches  wir  uns  nach  dem  sub  13  Bemerkten,  namentlich 
nach  den  ürtheilen  des  Origenes,  von  ihr  machen  müssen. 

Lässt  sich  nach  diesen  Zeugnissen  aus  dem  Inhalte  und 
der  üeberlieferung  mit  einer  nicht  geringen  Wahrscheinlichkeit 
behaupten,  dass  die  Vorlage  des  Euagrius  der  Dialog  des  Jason 
und  Papiscus  gewesen  ist,  so  bleiben  doch  andererseits  nicht 
geringe  Bedenken  übrig.  Sehe  ich  recht,  so  sind  es  drei :  Erst- 
lich  nämlich  sind  die  Namen  der  Partner  dort  und  hier  ver- 


117)  Dass  wir  die  Worte,  welche  Hieron}'inus  in  der  Altercatio  lasonis 
gelesen:  Aoiöogia  d-eov  6  xgefidfisvog  —  er  selbst  übersetzt  sie  genau 
durch  „Maledictio  dei  qui  appensus  est"  —  nicht  in  wöi*tlicher  Ueber- 
tragung  bei  Euagrius  finden,  sondern  vielmehr  das  vulgäre  „Maledictus 
omnis  qui  pendet  in  ligno"  kann  natürUch  nicht  in  Betracht  kommen, 
da  Euagrius  sich  an  den  ihm  geläufigen  Bibeltext  gehalten  haben  wird. 


122  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili 

schiedene,  zweitens  soll  nach  dem  Zeugniss  des  Celsus  Afer 
in  der  Altercatio  lasonis  et  Papisci  der  Christ  als  geborener 
Hebräer,  der  Jude  als  Alexandriner  vorgestellt  worden  sein  (7), 
drittens  hat  in  der  alten  Schrift  etwas  über  die  sieben  Himmel 
gestanden  (10),  was  wir  in  der  Altercatio  Enägrii  jetzt  nicht 
lesen  11^).  ' 

Es  ist  jedenfalls  ein  günstiges  Präjudiz  in  Ansehung  dieser 
Bedenken,  dass  sie  sämmtlich  Punkte  betreffen,  welche  in  einer 
Ueberarbeitung  einer  urchristlichen  Schrift,  a  priori  geurtheilt, 
der  Erhaltung  am  wenigsten  sicher  waren.  Würde  es  sich  um 
Differenzen  in  solchen  Stücken  hier  und  dort  handeln,  für  deren 
Entstehung  sich  ein  Grund  nicht  auffinden  Hesse,  so  würde  die 
Hypothese,  welche  hier  empfohlen  wird,  bedeutend  erschüttert 
werden.  Dies  ist  aber  nicht  der  Fall;  zudem  ist  aiich  nicht 
behauptet  worden,  dass  die  Altercatio  des  Euagrius  lediglich 
eine  Uebersetzung  der  Altercatio  lasonis  et  Papisci  sei,  viel- 
mehr wurde  oben  (§  4)  constatirt,  dass  die  ihr  zu  Grunde  liegende 
Schrift  mindestens  in  einem  Fall  einen  bedeutenden  Zusatz,  wahr- 
scheinlich in  mehreren  Kürzungen  erlitten  hat.    Wir  müssen  also 


118)  Die  Stelle  über  die  Folgen  des  Barkochbakrieges  für  die  Juden, 
welche  möglicher-,  ja  wahrscheinlicherweise  in  der  alten  Altercatio  ge- 
standen hat  (12),  findet  sich  in  der  späteren  nicht.  Indessen  ist  hier  fol- 
gendes zu  beachten.  Justin  sowohl  als  Tei-tuUian  biingen  die  Notiz  über 
das  Verbot  Hadrians,  Jerusalem  zu  betreten,  im  engsten  Zusammenhang 
mit  der  Ausführung,  dass  die  Beschneidung  nicht  „in  salutem"  gegeben, 
sondern  als  „signum"  zu  betrachten  sei,  dessen  göttlicher  Zweck  eben  durch 
jenes  Verbot  erst  offenbar  geworden  sei  (s.  Just.,  Dial.  vv.  11.  und  Ter- 
tuU.  adv.  lud.  3.  [13]:  „Dari  enim  habebat  circumcisio,  sed  in  signum, 
imde  Israel  in  novissimo  tempore  dinosci  haberet,  quando  secundum 
sua  merita  in  sanctam.  civitatem  ingredi  prohiberetur".  Die  Ausführung 
über  die  bloss  significative  Bedeutung  der  Beschneidung  findet  sich  in 
der  Altercatio  Simonis  et  Theophili  ebenso,  nur  das  Hadrianverbot  fehlt. 
Man  darf  sagen,  es  musste  fehlen.  Denn  die  gi^nze  Zuspitzung  der  Be- 
gründung der  Beschneidung  auf  dieses  Verbot  hatte  im  5.  Jahrhundert 
keinen  Sinn  mehr.  Es  wäre  ein  vollständiger  Anachronismus  gewesen, 
wenn  Euagrius  es  stehen  gelassen  hätte.  Er  hat  aber  auch  sonst  höchst 
wahrscheinlich.  Stücke  aus  der  Grundschrit't  ausgelassen.  Also  selbst  in 
dem  Falle,  dass  das  von  Eusebius  und  Tertullian  gebotene  Stück  der 
Altercatio  lasonis  angehört  hat  —  als  Diegese  etwa  — ,  ist  sein  Fehlen  in 
der  Altercatio  Simonis  et  Theophili  kein  Grund  gegen  die  zu  erprobende 
Hypothese. 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisci.  123 

auf  Differenzen   gegenüber  eventuellen  Bericliten  über  die  ur- 
sprüngliche Beschaffenheit  der  Quelle  gefasst  sein. 

Die  beiden  ersten  der  oben  genannten  Verschiedenheiten 
zwischen  den  Altercationes  hängen  jedenfalls  enge  zusammen: 
an  die  Stelle  des  alexandrinischen  Juden  Papiscus  ist  ein  nicht 
näher  bezeichneter  Jude  Simon,  an  die  Stelle  des  hebräischen 
Christen  Jason  der  Christ  Theophilus  getreten  ^^•').  Die  Be- 
nutzung desselben  Sujets  —  auch  bis  in  das  Detail  hinein  — 
bei  ümnamung  der  Personen  ist  in  der  christlichen  Literatur- 
geschichte nicht  selten.  Solche  Umnamungen  sind  durch  ver- 
schiedene Gründe  verursacht  worden:  man  denke  einerseits  an 
die  Recensionen  der  Siraon-Paulus-Petrusiegenden ,  überhaupt 
an  die  clementinischen  Romane  und  an  die  ihnen  verwandten 
Stücke,  andererseits  an  die  verschiedenen  Erzählungen,  die 
unter  verändertem  Namen  nach  dem  Muster  der  Theclalegende 
und  nach  anderen  beliebten  Vorbildern  erfunden  worden  sind, 
weiter  an  die  stereotypen  Dialoge  zwischen  Proconsuln  und 
Märtyrern  und  an  so  vieles  Aehnliche  aus  dem  3.  bis  5.  Jahr- 
hundert. Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  dass  namentlich 
anonyme  Schriften  auf  diese  Weise  umgegossen  worden  sind, 
unter  ihnen  wiederum  besonders  solche,  die  nach  dem  ürtheile 
einer  späteren  Zeit  Werthvolles  und  Anstössiges  in  sich  ver- 
einigten. Beides  aber  trifft  bei  dem  Dialoge  des  Jason  und 
Papiscus  zu.  Er  hat,  soviel  wir  wissen,  im  Abendlande  stets 
nur  anonym  cursirt,  und  er  enthielt  nach  dem  Urtheil  des  Ori- 
genes  „Einfältiges".  Zu  diesem  „Einfältigen"  wird  mau  aber 
vielleicht  auch  schon  dieses  rechnen  dürfen,  dass  der  Christ  als 
ein  geborener  Jude  vorgestellt  war.  Es  musste  dies  dem  An- 
sehen der  Schrift  in  den  folgeijden  Jahrhunderten  hinderlich 
sein,  mindestens  ihre  Wirksamkeit  in  weiten  Kreisen  hemmen, 
und  konnte  daher  als  ein  entschiedener  Missgriff  erscheinen. 
Indessen  kann  es  nicht  schwierig  gewesen  sein,  diesen  Anstoss 
zu  entfernen.    War  der  alte  Dialog  auch  von  einem  hebräischen 


119)  Theophihis  nennt  in  der  Altercatio  die  jüdischen  Könige  „reges 
ve&tri"  (III,  12),  spricht  zu  Simon  von  „patres  tui"  (III,  11)  und  „populus 
vester"  (VI,  26).  Hieraus  ist  zu  schhessen,  dass  er  selbst  kein  geborener 
Hebräer  ist;  doch  erscheint  er  auch  nicht  als  H e i d e n christ,  sondern,  den 
Verhältnissen  des  5   Jahrhunderts  angemessen,  einfach  als  Christ, 


124  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

Christen  abgefasst  und  desshalb  der  christliche  Partner  als  ge- 
borener Hebräer  bezeichnet  ^20)^  gQ  muss  er  doch  von  allem 
„Judenchristenthum"  im  dogmatischen  Sinne  völlig 
frei  gewesen  sein.  Dies  zeigt  sich  nicht  nur  darin,  dass  er 
die  philosophisch -apologetische,  höhere  Christologie  vertreten 
hat,  sondern  folgt  mit  Sicherheit  aus  seiner  Geschichte  in  der 
Kirche.  Eine  Schrift,  die  im  5.  Jahrhundert  noch  als  ein  opus 
gloriosum  et  memorabile  bezeichnet  worden  ist,  die  Clemens 
Alexandrinus  dem  Lucas  zugeschrieben,  Origenes  immerhin  in 
Schutz  genommen,  und  in  der  Celsus  die  gewöhnliche  apolo- 
getische Manier  erkannt  hat,  kann  keine  nationalen  und  parti- 
cularistischen  Züge  getragen  haben.  Die  jüdische  Nationalität 
des  Jason  kann  unmöglich  auf  die  Haltung  des  Dialoges  von  mass- 
gebendem Einfluss  gewesen  sein.  Dazu  kommt,  dass  der  Gegner  als 
ein  alexandrinischer,  d.h.  ein  philosophischer  Jude  vorgestellt 
war,  und  das  Thema  des  Streites  ausschliesslich  oder  fast  aus- 
schliesslich die  Christologie  gewesen  ist.  Man  wird  daher  wohl 
noch  einen  Schritt  weiter  gehen  und  annehmen  dürfen,  dass 
der  Streit  überhaupt  nicht  auf  dem  Niveau  geführt  worden  ist, 
auf  welchem  etwa  im  apostolischen  Zeitalter  Juden  und  jüdische 
Christen  mit  einander  gekämpft  haben  ^^i).    Dann  aber  kann  der 


120)  Es  ist  bemerkenswerth ,  dass  Celsus  Afer  den  Jason  einen  „He- 
braeua  Christianus'*  (s.  Tert.  adv.  Marc.  III,  12)  den  Papiscus  einen 
Alexandrinus  ludaeus  genannt  hat. 

121)  Die  von  Clemens  vertretene  Meinung,  dass  Lucas  der  Verfasser 
des  Dialoges  sei  —  Clemens  hat  ihm  bekanntlich  auch  den  Hebräerbrief 
zuzuschreiben  für  zweckmässig  befunden  — ,  ist  von  dem  grössten  Interesse. 
Es  ist  meines  Wissens  der  einzige  Fall,  dass  eine  apologetische  Schrift 
des  2.  Jahrhunderts  in  die  urchristliche  Literatur  eingerechnet  oder  ihr 
nahe  gerückt  worden  ist.  Dass  die  Person  des  Verfassers  der  Apostel- 
geschichte hier  ausersehen  worden  ist,  giebt  zu  denken  und  wirft  jedenfalls 
auf  die  Overb eck' sehen  Aufstelhmgen  über  das  Verhältniss  des  Justin 
zu  der  Apostelgeschichte  ein  unerwartetes  Licht.  Man  wird  sich  nach 
jener  Conjectur  des  Clemens,  deren  Motiv  wir  allerdings  nicht  mehr  an- 
zugeben vermögen  (doch  s.  einen  Versuch  unten  not.  124),  den  Standpunkt 
des  Verfassers  der  Altercatio  I<isonis  als  mit  dem  des  Verfassers  der  Apostel- 
geschichte als  verwandt  vorstellen  dürfen.  —  Die  Mittheilung  des  Clemens, 
dass  Lucas  der  Verfasser  des  Dialoges  sei,  hat  in  demselben,  dem  6.,  Buche 
der  Hypotvposen  gestanden,  in  welchem  die  Angabe  über  den  Ursprung 
des  Marcusevangeliums,  also  wohl  auch  der  übrigen  Evangelien,  enthalten 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisci.  125 

Gang  der  Argumentation,  wie  wir  ihn  in  der  Altercatio  Simonis 
et  Theophili  vor  uns  haben,  und  wie  er  bei  Annahme  eines 
wirklichen  Streites  mit  einem  wirklichen  Juden  unbegreiflich 
ist,  sehr  wohl  schon  der  der  älteren  Altercatio  gev^-esen  sein, 
und  selbst  der  Mangel  an  concreten  Ausführungen  und  Ein- 
würfen ist  nicht  mehr  auffallend. 

Wir  dürfen  also  annehmen,  dass  die  Beseitigung  der  he- 
bräischen Nationalität  des  christlichen  Disputanten  aus  der 
Altercatio  lasonis  et  Papisci  kein  so  schwieriges  Unternehmen 
gewesen  ist.  Vor  allem  die  Einleitung  wird  ausser  der  Cor- 
rectur  einiger  Sätze  eine  Umarbeitung  erheischt  haben.  Wie 
steht  es  aber  um  die  Einleitung  der  Altercatio  Simonis  et 
Theophili?  Nun,  wie  bereits  erwähnt,  diese  Schrift  entbehrt 
jeder  Einleitung.  Sie  beginnt  mit  den  Worten:  „Fuit 
(igitur)  altercatio  legis  inter  quendam  Simonem  lu- 
daeum  et  Theophilum  Christianum.  ludaeus  igitur 
sie  ait  etc."  Man  muss  angesichts  dieses  abrupten  Initiums 
dringend  vermuthen,  dass  der  Verfasser  hier  etwas  unterschlagen 
hat.  Tritt  man  mit  der  Hypothese  heran,  dass  er  die  Altercatio 
lasonis  et  Papisci  benutzt  hat,  deren  Eingang  er  eben  nicht 
brauchen  konnte,  so  erklärt  sich  dieser  unvermittelte  Eingang 
sehr  wohl.  Er  wäre  aber  zugleich  wiederum  ein  Beweis  dafür, 
wie  leicht  sich  Euagrius  —  wir  müssen  ihm  dafür  dankbar 
sein  —  seine  Arbeit  gemacht  hat.  Ist  dies  der  Fall,  dann  muss 
man  aber  allerdings  vermuthen,  dass  er  doch  manches  stehen  ge- 
lassen hat,  was  die  ursprüngliche  Beschaffenheit  seiner  Vorlage 
besonders  deutlich  verräth.  Solche  Indicien  fehlen  aber  auch 
nicht  ganz.  Auf  den  Antichrist  und  das  tausendjährige  Reich 
darf  man  sich  allerdings  nicht  berufen;  sie  gehörten  im  2.  Jahr- 
hundert zum  Gemeingute  und  galten  ja  auch  im  Abendlande 
lange  noch.  Folgende  Punkte  erscheinen  jedoch  der  Beachtung 
werth:  • 

j.)  Gleich  im  Eingange  (Altere.  I,  1)  wird  der  Christ  von 
dem  Juden  als  „Nazaraeus"  bezeichnet  und  zwar  so,  dass  dieses 
Wort  synonym  zu  ,, Christianus*'  steht.  Aus  der  ganzen  älteren 
Literatur  sind  aber  nur  zwei  ähnHche  Fälle  bekannt;  Act.  24,  5 

war.  Aus  dem  6.  Buche  stammen  weiter  die  Fragmente  bei  Eusebius, 
h.  e.  II,  1;  II,  15,  mithin  vielleicht  auch  VI,  14.  S.  Dindorf,  Opp.  Clem. 
Alex,  m  p.  494  sq. 


126  Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 

werden  die  Christen  von  TertuUus  rj  rcov  NaCfo^alcov  cugeai^; 
genannt,  und  TertulL  adv.  Marc.  IV,  8  liest  man:  „ünde  et 
ipso  nomine  nos  ludaei  Nazaraeos  appellant  per  eum".  Darf 
man  nicht  annehmen,  duss  diese  hier  gebrauchte  seltene  Be- 
zeichnung auf  eine  Schrift  zurückgeht,  in  weicher  die  Christen 
noch  Nazaräer  genannt  waren,  und  würde  in  diesem  Falle  sich 
dieser  Name  nicht  trefflich  erklären,  wenn  der  Christ  in  dieser 
Schrift  ein  geborener  Jude  gewesen  ist  ^2'^)? 

2)  Am  Schlüsse  der  Altercatio  (VIII,  29)  redet  der  Jude 
den  Christen  also  an:  „Lator  salutis,  Theophile,  aegrotorum  bone 
medice".  Dieses  Bild  tritt  ganz  unvermittelt  ein  und  ist  durch 
nichts  im  Vorhergehenden  vorbereitet.  Uebersetzt  man  die 
Worte  in  das  Griechische  zurück  und  nimmt  an,  dass  der  Name 
des  Christen  ursprünglich  Jason  gelautet,  so  erhält  man  ein 
treffliches,  vielleicht  sogar  ein  doppeltes  Wortspiel:  "laoig  — 
^laocov  —  iaTQOL:.  Nun  aber  sind  gewiss  die  Namen  Jason 
und  Papiscus  im  alten  Dialoge  lingirte  und  mit  Absicht  aus- 
gewählte gewesen  ^^3)^  Es  liegt  mithin  sehr  nahe,  dass  von  der 
Bedeutung  der  Namen  in  der  Schrift  irgend  einmal  Gebrauch 
gemacht  worden  ist.     An  der  einzigen  Stelle  aber,  wo  in 


122)  Die  spätere  Zeit  kennt  —  seit  Epiphanias  und  Hieronymus  — 
den  Namen  „Nazarener"  nur  als  Bezeichnung  für  eine  palästinensische 
judenchristliche  Secte. 

123)  So  ist  zu  urtheüen  trotz  des  interessanten  Titels  einer  Schrift, 
welche  sich  auf  der  Marcusbibliothek  befindet,  und  auf  welche  Zahn  (Acta 
loannis  ]).  LIV  n.  2)  aufmerksam  gemacht  hat:  jivtißok^  nanioxov  xal 
<PiXü}vog  ^lovöaimv,  twv  ■jiclq'  'Eßi*aioig  oo<p(vv  n^og  (xovaxov  ziva  'Ava- 
azaaiov  negl  nlatscag  X^iaziavwv  xal  vofzov  ^Eß^cclwv.  Mit  Recht  be- 
merkt Zahn  hiezu:  „Da  ist  also  der  aus  dem  alten  Dialog  des  Aristo  von 
Pella  berühmte  Jude  Papiscus,  nach  Celsus  gleichfalls  ein  Alexandriner, 
mit  seinem  noch  berühmteren  Mitbürger  und  Glaubensgenossen  Philo  als 
Polemiker  gegen  das  Christenthum  zusammengestellt".  Zahn  ntmmt  also 
an,  dass  die  byzantinische  Schrift  (Cod.  Yenet.  Graec.  505  fol.  79  —  87) 
irgendwie  auf  eine  Eenntniss  des  alten  Dialogs  bei  ihrem  Verfasser  scbliessen 
lässt.  Eine  besondere  Ueberlieferung  über  Papiscus  ist  gewiss  nicht  voraus- 
zusetzen; man  wird  daher  auch  nicht  auf  die  Existenz  eines  Papiscus 
scbliessen  dürfen.  Leider  habe  ich  den  bislier  ungedruckten  Tractat  nicht 
einsehen  können.  Doch  verdanke  ich  Zahn  die  briefliche  Mittheilung 
(17.  JuH  18S2):  ,,Ein  Zusammenhang  mit  der  alten  Schrift  ,Jason  u.  Papis- 
cus' besteht  weiter  nicht,  nach  meinem  unvollständigen  Excerpt". 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisci.  127 

der   Altercatio   Simonis  et  Theophili   Theophilus   mit 

einem  Epitheton  ornans  bedacht  worden  ist,  ist  er  als 
Arzt  vorgestellt  ^24)^ 

3)  Der  Jude  in  der  Altercatio  lasonis  et  Papisci  war  als 
Alexandriner  eingeführt.  Simon  in  der  Altercatio  des  Euagrius 
unterscheidet  sich  aber  darin  von  dem  justinischen  Juden  Trypho, 
dass  er  nicht  nur  auf  die  „höhere"  Messiasvorstellung  bereit- 
willig eingeht  und  auf  die  Logoslehre  —  was  Trypho  nicht 
thut  — ,  sondern  auch  (III,  12)  den  Einwurf  macht,  dass  Stellen, 
welche  der  Christ  auf  Christus  bezieht,  vielmehr  von.  der  Weis- 
heit gelten.  Die  ganze  Haltung  des  Juden  Simon  ist  eine 
solche,  dass  der  Hypothese  nichts  im  Wege  steht,  das  Urbild 
desselben  sei  ein  alexandrini scher  und  nicht  ein  palästinensischer 
Jude  gewesen.  Auch  werden  in  der  Altercatio  die  Schriften 
des  alexandrinischen  Bibelkanons  (Sap.  Sah,  Sirach,  Baruch) 
benutzt,  v/ährend  Justin  sich  auf  den  palästinensischen  Kanon 
beschränkt. 

4)  Nur  unsicher  wird  man  sich  auf  die  Ausführungen  VII,  28 
p.  42,  1  sq.  dafür  berufen  dürfen,  dass  der  Verfasser  der  Grund- 
schrift der  Altercatio  besondere  jüdische  Umgehungen  der  Speise- 
verbote, über  die  uns  sonst  nichts  berichtet  ist,  gekannt,  und 
dass  er  seinem  Juden  ein  asketisch  gefärbtes  Judenthum  zuge- 
schrieben  hat^25j     j]g  jg^  doch  nicht  sicher,  ob    der  Jude  das 


124)  Man  könnte  hier  auf  den  Gedanken  gerathen,  dass  eben  „der 
Arzt"  für  die  Hypothese  des  Clemens  in  Bezug  auf  den  Verfasser  von  Be- 
deutung gewesen  ist.  War  der  Verfasser  als  „guter  Arzt"  am  Schlüsse 
bezeichnet  und  stand  dem  Clemens  bereits  fest,  dass  der  Schrift  ein  ehr- 
würdiges Alter  zukommen  müsse,  so  kann  ihn  jene  Bezeichnung  auf  Lucas 
geführt  haben.  Auf  ähnliche  Weise  sind  von  den  alexandrinischen  Theo- 
logen ähnhche  luftige  Comhinationen  —  erinnert  sei  an  die  Verwendung 
der  Namen  Clemens  und  Hermas  —  gebildet  worden.  Die  Schlüsse  von 
Schriftstücken  sind  in  der  Tradition  oft  ebenso  bedeutungsvoll  geworden, 
wie  die  Anfänge;  wie  das  erste  Schrifbcitat  in  der  Altercatio  nebst  seiner 
Erklärung  der  Folgezeit,  z.  B.  dem  Origenes,  zum  Anstoss  gereichen  musste, 
80  hat  vielleicht  der  Schluss  der  Schrift  die  auffallende  Hj'pothese  über  den 
Verfasser  in  älterer  Zeit  mithervorgemfen.   Doch  dies  ist  nur  ein  Versuch! 

125)  Dass  es  im  1.  und  2.  Jahrhundert  ein  Judenthum  gegeben  hat, 
welches  den  Weingenuss  verabscheute,  resp.  verbot,  kann  aus  manchen 
Andeutungen  in  den  Quellen,  z.  B.  auch  Testam.  Isaschar  7,  erschlossen 
werden. 


128  ^iö  Altercatio  Simonis  et  Theophili.' 

„vinum  suraere"  überhaupt  oder  nur  das  „vinum  gentiliter 
sumere"  verboten  wissen  will.  Anderes  ist  in  dem  Abschnitte 
so  unklar,  dass  man  besser  thut,  ihn  für  die  liier  vorliegende 
Frage  bei  Seite  zu  lassen,  zumal  da  gerade  hier  Euagrius  selbst 
offenkundig  Hand  an  den  Text  seiner  Vorlage  gelegt  hat. 

Die  Bedenken  also,  die  sich  (aus  der  Umnamung  der  Per- 
sonen in  der  Altercatio  des  Euagrius  und  aus  der  Beseitigung 
der  hebräischen  Nationalität  des  christlichen  Disputanten}  gegen 
die  Hypothese,  die  Schrift  sei  eine  Bearbeitung  der  Altercatio 
lasonis  et  Papisci,  erhoben  hatten,  können  nicht  als  entschei- 
dend betrachtet  werden;  sie  lassen  sich  mit  guten  Gründen 
beseitigen  und  vermögen  gegen  das  Gewicht  der  positiven  Be- 
obachtungen schwerlich  aufzukommen.  Somit  bleibt  nur  der 
eine  Anstoss  noch  übrig,  dass  in  der  Altercatio  des  Jason  und 
Papiscua  von  den  sieben  Himmeln  die  Rede  gewesen  ist,  von 
welchen  in  der  Altercatio  Simonis  et  Theophili  nichts  zu  lesen 
steht.  Man  darf  aber  hier  vermuthen,  dass  sie  als  eine  im 
5.  Jahrhundert  selbst  bei  Lateinern  nicht  mehr  erträgliche 
„opinio  ludaica'S  wie  gewiss  so  manches  Andere,  von  Euagrius 
ausgemerzt  worden  sind.  Die  „sieben  Himmel"  kommen  bekannt- 
lich in  der  nachkanonischen  jüdischen  Literatur  sowie  in  der 
christlich-Apokalyptischen  nicht  selten  vor.  Aber  schon  Origenes 
hat  (c.  Cels.  VI,  21)  bemerkt:  „Die  Schriften,  welche  in  den 
Kirchen  Gottes  im  Gebrauch  sind,  reden  nicht  von  sieben  Him- 
meln, sie  sprechen  überhaupt  nicht  von  einer  bestimmten  An- 
zahl derselben;  sie  lehren  nur  eine  Mehrzahl  von  Himmeln". 
Seit  der  Mitte  des  3.  Jahrhunderts  ist,  soviel  mir  bekannt,  die 
Vorstellung  von  sieben  Himmeln  überall  in  der  Kirche  ausser 
Kurs  gesetzt  worden,  um  dann  viel  später  und  unter  gänzlich 
geänderten  Verhältnissen  wieder  aufzutauchen. 

Alles  dies  zus?.mmengefasst,  wird  man  es  vielleicht  mit  dem 
Verfasser  für  nicht  unwahrscheinlich  halten,  dass  wir  in  der 
Altercatio  des  Euagrius  die  üebersetzung  der  Altercatio  des 
Jason  und  Papiscus,  freilich  eine  verstümmelte  üebersetzung, 
zu   erkennen   haben  ^^^).     Was  Euagrius   uns  aufbehalten  hat, 


12G)  Dass  in  SüdgaUien  griechische  Literatur  noch  am  Anfang  des 
5.  Jahrhunderts  viel  gelesen  und  auch  übersetzt  worden  ist,  braucht  nicht 
besonders  nachgewiesen  zu  werden. 


Die  Altercatio  lasonis  et  Papisci.  X29 

darin  werden  wir,  wenige  Ausnahmen  abgerechnet,  den  Text 
der  alten  Schrift  wiedererkennen  dürfen.  Dafür  bürgt  das  mecha- 
nische, geistlose  Verfahren  des  Literaten '^ 7).  Gewiss  aber  ist 
uns  Manches  hier  vorenthalten,  was  gerade  von  besonderer  Be- 
deutung und  von  eigenthümlichem  Interesse  für  uns  gewesen 
wäre.  Euagrius,  vielleicht  ein  Grrieche  von  Geburt  in  Gallien, 
hat  nicht  mehr  gewollt  oder  gewagt,  was  doch  noch  50  Jahre 
später  in  Nordafrica  gewagt  worden  ist  —  den  alten  Dialog 
einfach  zu  übersetzen.  Er  hat  gestrichen  und  geändert.  Aber 
um  diesen  Preis  hat  er  es  erreicht,  dass  sein  Schriftchen,  wie  uns 
Gennadius  berichtet,  bald  sehr  populär  geworden  ist.  Ein  Be- 
weis, wie  gross  das  Bedürfniss  nach  einer  „Christologie  des 
Alten  Testamentes"  auch  noch  im  5.  Jahrhundert  gewesen  ist. 
Die  wörtliche  Uebersetzung  des  alten,  einst  dem  Lucas  zuge- 
schriebenen Dialoges,  wie  sie  jener  Africaner  Celsus  veranstaltet 
hat,  ist  untergegangen:  ihrer  Verbreitung  sind  vielleicht  doch 
Hindernisse  im  Wege  gestanden;  die  Bearbeitung  des  Euagrius 
hat  sich  erhalten,  und  wir  dürfen  jetzt  in  derselben  einen  immer- 
hin nicht  werthlosen  Zuwachs  zu  dien  so  dürftigen  Resten  der 
vorkatholischen  Literatur,  die  uns  erhalten  sind,  begrüssen. 
Denn  dies  bleibt  bestehen,  mag  man  auch  die  Beweise  für  die 
Identität  der  Grundschrift  der  Altercatio  Euagrii  mit  der  alten 
des  Aristo  noch  nicht  für  ausreichende  halten  —  wirkliche  Evi- 
denz ist  hier  nicht  zu  erzielen — ,  dass  wir  in  jener  Grundschrift 
ein  Werk  des  zweiten  Jahrhunderts  besitzen,  und  zwar  dasjenige 
Werk,  welches  die  abendländische,  apologetische  Literatur  un- 
gleich stärker  beeinflusst  hat  als  Justins  Dialog  mit  Trypho,  ja 
welches  die  eigentliche  Wurzel  des  Alttestamentlichen  Evange- 
liums der  Abendländer  gewesep  ist.  An  die  Seite  des  justinischen 


127)  Spuren,  dass  die  Altercatio  Euagrii  eine  Uebersetzung  aus  dem 
Griechischen  sei,  scheinen  mir  nicht  ganz  zu  fehlen.  Indessen  trage  ich 
Bedenken,  meine  hierfür  gesammelten  Beobachtungen  mitzutheilen,  da  ich 
mir  gesicherte  Urtheile  über  die  Latinität  des  5.  Jahrhunderts  nicht  zu- 
trauen jdarf.  Auch  von  einer  abschliessenden  Prüfung  der  Bibel citate 
habe  ich  absehen  zu  müssen  geglaubt,  da  eine  wirklich  gründliche  Unter- 
suchung hier  bei  dem  Mangel  einer  brauchbaren  Zusammenstellung  der 
„Italafragmente"  von  ganz  besonderen  Schwierigkeiten  gedrückt  ist  und 
bei  einem  so  schmalen  Objecte,  wie  die  Altercatio  es  immerhin  ist,  nicht 
woh]  begonnen  werden  kann. 

Texte  «ud  Untersuchungen  I,  3.  9 


130  Die  Altercatio  Simonis  et  Theopbili. 

Dialogs  gehört  ohne  Zweifel  die  verlorengegangene  Altercatio, 
welche  von  Tertuilian  und  Cyprian  benutzt  und  von  Euagrius 
bearbeitet  und  übersetzt  worden  ist. 

Was  wir  aus  der  Altercatio  Neues  für  die  Geschichte  der 
Theologie  im  2.  Jahrhundert  lernen  können,  i.st  allerdings  un- 
erheblich. Aber  wenn  der  Theophilus  des  Euagrius  der  Jason 
des  Aristo  ist,  dann  liegt  es  vor  Augen,  dass  der  Juden  Christ 
Aristo  dieselbe  Theologie  in  den  Grundzügen  vertreten  hat, 
welche  wir  aus  den  Schriften  der  heidenchristlichen  Vater  vor 
Irenaeus  kennen.  Die  Nationalität  ^at  eben  auch  im  2.  Jahr- 
hundert nicht  durchgehends  die  Denkw^eise  bestimmt.  Es  hat 
auch  geborene  Juden  unter  den  Christen  gegeben,  die  für  eine 
rationale  Theologie  und  für  den  Logos  jedes  geschichtliche  Ver- 
ständniss  des  Alten  Testamentes  Preis  gegeben  und  die  alle- 
gorisch-christologische  Deutung  desselben  vollständig  licceptirt 
haben.  Und  mögen  sie  auch  in  einzelnen  Fällen  mehr  des 
„Einföltigen"  bewahrt  haben  als  ihre  heidenchristlichen  Brüder, 
so  blieb  dasselbe  doch  nur  noch  ein.  Einschlag,  den  man  ohne 
Mühe  beseitigen  konnte. 


Excurs. 

Die  Auslegung  £v  «?Z//  =  ^^  loyo)  (viQ*)  Genes.  1,  1  in 
der  altchristlichen  Literatvir. 

Zur  Zeit  des  Hieronymus  glaubten  sehr  Yiele,  wie  er  uns 
(Quaest  hebr.  in  libr.  Genes,  p.  3,  recogn.  P.  de  Lagard e 
1868)  berichtet,  dass  im  hebräischen  Gruudtext  Gen.  t,  1  „in 
iilio"  statt  „in  principio''  stünde.  Hieronymus  widerlegt  diese 
Meinung.  Unzweifelhaft  ist  sie  entstanden,  weil  von  vielen  christ- 
lichen Erklärern  der  Genesis  der  erste  Vers  in  diesem  Sinne 
gedeutet  worden  ist.  Sagt  doch  Hilarius  (Conini.  in  Ps.  2) 
geradezu,  das  hebräische  Wort  „ßresith''  habe  drei  Bedeutungen: 
„in  principio  —  in  capite  —  in  filio^'.  Von  dieser  Annahme 
war  in  der  That  nur  ein  Schritt  zu  jener  falschen  Meinung 
nöthig.  Aber  die  Behauptung,  „Bresith"  könne  mit  „in  iilio'' 
übersetzt  werden,  geht  sel])st  unstreitig  auf  eine  ältere  Meinung 
zurück,  nach  welcher  der  Begriff  ('j(Qyj[  für  gleichbedeutend  mit 


Excurs.  j  3 1 

dem  des  vlng  rov  S-eov  Q.6yog,  aocplcc)  gehalten  worden  ist; 
denn  ohne  die  Annahme  eines  solchen  Mittelgliedes  bleibt  es 
unverständlich,  wie  man  zu  der  Identification  von  „Bi'<^sith"  und 
„in  filio"  gekommen  ist.  Wir  besitzen  nun  in  der  That  eine 
Reihe  von  Zeugnissen,  welche  beweisen,  wie  frühe  schon  jene 
ursprüngliche  Identification  vollzogen  worden  ist.  Eines  der 
ältesten  ist  ohne  Zweifel  das^  in  der  Altercatio  lasonis  et  Papisci 
(II,  8)  enthaltene,  und  es  ist  desshalb  das  werthvoUste,  weil 
nicht  nur  die  Begriffe  „principium'*  und  ,,dei  filius"  hier  gleich- 
gesetzt erscheinen,  sondern  dieses  auch  im  Rahmen  einer  Er- 
läuterung von  Gen.  1,  1  geschieht.  Der  Verfasser  erklärt  ohne 
Begründung  das  „in  principio"  durch  ,,in  Christi  arbitrio  et  ad 
völuntatem  eins".  Er  hätte  das  schwerlich  gewagt,  ohne  für 
diese  Umsetzung  einen  Beweis  aus  den  Orakeln  des  A.  T.'s  zur 
Hand  zu  haben.  Ein  solcher  war  aber  der  damaligen  Exegese 
^virklich  gegeben.  Proverb.  8,  22  (LXX)  sagt  die  Weisheit  von 
sich:  KvQLog  &/,TiO£  fie  aoyjiv  odojv  avrov.  Die  Weisheit  identi- 
ficirt  unser  Verfasser  ausdrücklich  (III,  1 2)  mit  dem  präexistenten 
Christus.  Also  gilt  von  diesem  das  Prädicat  aoyji.  Dieser  Be- 
weis musste  aber  noch  verstärkt  erscheinen,  sobald  einmal  das 
Johannesevangelium  für  inspirirt  und  kanonisch  galt.  Denn 
eine  Combination  von  Joh.  1,  1  mit  Genes.  1,  1  ergab  den  Theo- 
logen —  auch  ohne  wie  spätere  Klügler  in  dem  sv  des  Johannes 
ein  hebräisches  Beth  essentiae  zu  vermutheu  — ,  dass  der  Logos 
mit  der  aoyri  zu  identificiren  sei.  Man  darf  vermuthen,  dass 
schon  Tatian,  als  er  den  Satz  niederschrieb  (Orat.  5):  iyeog  ii]v 
iv  ccoyj^,  ir^v  de  agyriv  loyov  dvvafiiv  7raQeiKi^(p(xf.L6Vj  an  Genes.  1 
und  Joh.  1,  1  gedacht  hat.  l^Qyr]  ist  ihm  hier  sowohl  Anfang 
des  Seins  —  sq  an  der  ersten  Stelle  —  als  auch  Princip  des 
Seins,  so  an  der  zweiten.  Der  Satz  ist  also  acuminös.  Er  giebt 
es  aber  ferner  ausdrücklich  als  ein  Stück  der  christlichen 
üeberlieferung  aus,  dass  der  Logos  oder  vielmehr,  wie  er 
unterscheidet,  die  Potenz  des  Logos  (s.  auch  Altere.  III,  12: 
Christus  ipse  est  dei  virtus)  das  Piincip  der  Dinge  sei.  Wie 
aber  die  övvafxig  Xoyov  absolut  die  (xQyri  ist,  so  ist  der  aus 
Gott  hervorgegangene  Logos  die  uoyj]  der  Welt  (1.  c.  toltöv 
lofiev  Tov  y.oGfiov  %i)v  d()yjiv).  Diese  Auffassung  findet  sich 
schon  bei  Justin,  und  zwar  unter  deuthcher  Berufung  auf 
Proverb.  8,  22.    Dialog,  c.  Tryph.  61  sa^^t  er:  IVIaoTVQtov  de  ymi 

9* 


132  I^ie  Altercatio  Simonis  et  Theopliili. 

dXlo  vfxiv,  cd  cplXoi,  ccTcb  tcov  'yQag:tüV  dcoaco,  oxi  agyriv  nqb 
TtavTcov  TCOV  xTLa/naTcov  6  -S-eög  y6y£vvr^y.e  dvvaf.iiv  xiva  i^ 
eavzov  koyr/,riv^  rJTig  y.al  do^a  y.vgtov  vtio  tov  TivevjiiaTog  tov 
äyiov  Tialelzat.,  nore  öe  vi 6g,  noxe  de  ooffiot,  nori  ds  ayye?.og, 
Ttori  ÖS  d^eog,  noxe  de  y.vQiog  'Aal  }.6yog^  noxk  ös  aQyiaxQOixr^yov 
eavxbv  XeysL,  sv  dvd-gojTcov  /.lOQrpJj  (pavevxa  xu)  xov  Nävi]  ^IriooVf 
und  ganz  ähnlich  heisst  es  c.  62:  Tovxo  xb  xot  ovxl  uTtb  xov 
jiaxgbg  7tQoßXi]i}8P  yivvri^ia  nqb  Ttdvzcov  xtov  noirif.idxa)V  avvrjv 
Trp»  TtaxQi,  /Mt  tovxü)  6  naxviQ  TZQooofxiXu^  cog  6  ?,6yog  diä  xov 
^olofiiovog  ed7j?.a)06v,  oxi  xal  ccQXr]  ttqo  ndvxiav  xüv  noir^jiLdxwv 
TOvt'  avxo  y,al  yavvrjina  vnb  xov  d^eov  tyeyivviqxoy  o  ooq)ia  öid 
2olo/nidvog  y.aleixai,  xat  dt^  dnoyMkvifiecjg  xijg  y£yEV7i(j.ivrig 
^Iiqaov  x(^  xov  Nävi]  xovxo  avxhuTCovxog.  Diese  beiden  Stellen  stehen 
aber  der  in  der  Altercatio  enthaltenen  Auffassung  noch  naher  als 
die  Ausführung  Tatians.  Denn  ganz  wie  dort  ist  auch  für  Justin 
„der  Logos"  noch  nicht  die  Hauptbezeichnung  (s.  v.  Engel - 
hardt,  das  CHristenthum  Justins  S.  2S3  f.)  für  den  Sohn  Gottes, 
sondern  es  ist  ein  Prädicat  neben  den  anderen  Prädicaten, 
welche  bei  Justin  und  in  der  Altercatio  dieselben  sind.  Der 
Fortschritt  bei  Tatian  ist  höchst  wahrscheinlich  bedingt  durch 
die  stärkere  Anlehnung  an  das  Johannesevangehum.  Seit  der 
Zeit  des  Justin  ist  die  Bezeichnung  dgyrl  für  den  präexistenten 
Logos  den  Apologeten  geläufig  (s.  Athenag.  SuppHc.  10.  Theo- 
phil, ad  Autol.  II,  10:  'O  loyog  ksyexat  dgxrij  oxc  dgxst  xat 
ytvQLev€c  ndvTtov  xwv  öc  avxov  dedr^(.iLOVQyri(xivü}v).  Origenes 
nennt  den  Logos  dQxr]v  yevioecog  (in  loann.  p.  17)  und  beruft 
sich  dafür  auf  Proverb.  8.  Auf  Philo  geht  diese  Betrachtung 
nicht  zurück;  denn  weder  hat  Philo  Genes.  1, 1  in  diesem  Sinne 
erklärt  noch,  soviel  bekannt,  den  Logos  überhaupt  dgy^}  ge- 
nannt (s.  Siegfried,  Philo  von  Alex.  S.  219  f.).  Auch  auf  die 
Stelle  Coloss.  1,  18  ist  nicht  zu  verweisen;  denn  dort  heisst 
Christus  dqyri,  sofern  er  der  Erstgeborene  von  den  Todten  ist. 
Dagegen  darf  wohl  an  1  Joh.  1,  1  und  2,  13  erinnert  werden, 
obgleich  hier  der  Gedanke  ein  wesentHch  anderer  ist,  vor  allem 
aber  an  Apocal.  3,  14,  wo  Christus  r)  dgy^  f%  y.xlasiog  xov 
d-eov  heisst.  Man  schafft  ein  künstKches  Dilemma,  wenn  man 
hier  fragt,  ob  dieser  Ausdruck  als  initium  creationis  (creatorum) 
oder  als  principium  (activum'  creationis  zu  verstehen  sei.  In  dem 
Begriff  der  a^x^  fällt  für  dieSpeculation  der  Zeit  beides  zusammen: 


Excurs.  133 

mit  dem  „initium"  hat  es  an  sich  eine  andere  Bewandtniss  als 
mit  dem,  was  demselben  folgt.  Es  ist  niemals  lediglich  primum 
inter  paria,  sondern  das  Erste  ist  zugleich  dasjenige,  welches 
das  Folgende  irgendwie  bestimmt  und  beherrscht.  Der  Titel 
aQxri  für  Christus  ist  also  uralt;  aber  es  lässt  sich  nicht  nach- 
weisen, dass  vor  dem  Verfasser  der  Altercatio  Jemand  Genes.  1,  1 
nach  diesem  Titel  gedeutet  hätte.  Späterhin  finden  wir  diese  Er- 
klärung auch  nur  dort,  wo  sich  eine  Abhängigkeit  von  der  Alter- 
catio vermuthen  lässt.  Wenn  Tertullian  adv.  Hermog.  20  schreibt: 
„  . .  .  .  Dominus  condidit  me  (sophiam)  initium  viarum  suarum 
in  opera  sua.  Si  enim  per  sophiam  dei  omnia  facta  sunt,  et 
caelum  ergo  et  terram  deus  faciens  in  principio,  id  est  initia, 
in  Sophia  sua  fecit",  so  hat  er  eben  noch  nicht  an  die  Identi- 
ficirung  von  „Anfang"  und  „Sohn  Gottes"  gedacht,  so  wenig 
wie  an  der  parallelen  Stelle  adv.  Prax.  7  init.  Von  der  selt- 
samen Meinung  Einiger,  im  Hebräischen  stünde  Genes.  1,  1: 
„In  principio  deus  fecit  sibi  filium"  hat  Tertullian  (adv.  Prax.  5) 
gehört  und  lehnt  sie  ab;  aber  von  der  in  der  Altercatio  sich 
findenden  Auslegung  hat  er  keine  Notiz  nehmen  wollen.  Da- 
gegen erläutert  Clemens  Alexandrinus  (Strom.  VI,  7,  58)  einfr 
von  ihm  (s.  auch  schon  VI,  5,  39)  citirte  SteUe  aus  der  Prae- 
dicatio  Petri  {eig  x^eog  eozcv,  og  agxij^  ndvztov  inolrjoep,  aoL 
TfAofg  s^ovalav  exf^ov)  also:  yyMr^vvcov  rbv  ngwzoyovov  vlov  rr 
nixqog  yqüopu,  ovvelg  ccKQißaig  to'  ^Ev  agxrj  Fnolrjoev  6  xf'ebg 
Tov  ovQccvov  xai  Ttjv  yrjv,  Clemens  erklärt  also  Genes.  1,  1  wie 
der  Verfasser  der  Altercatio  (s.  auch  VI,  16,  145);  wir  wissen 
aber  durch  Maximus  Confessor,  dass  Clemens  den  Dialog  ge- 
kannt und  hoch  gehalten  hat.  Von  Clemens  ist  die  Erklärung 
zu  Origenes  und  Methodius  übergegangen,  von  denen  indess 
der  erstere  (Hom.  I  in  Genes.  Opp.  II  p.  52)  auch  direct  auf 
die  Altercatio  zurückgehen  kann.  Die  lateinische  Bearbeitung 
derselben  durch  Euagrius  sowie  die  Bemerkung,  die  man  bei 
Hilarius  las  (s.  oben),  sicherten  der  alten  Erklärung  im  Abend- 
lande auch  noch  für  spätere  Zeit  eine  gewisse  Verbreitung. 
Wir  finden  sie  in  einigen  apologetischen  Tractaten  des  frühen 
Mittelalters.  Aber  auch  in  der  Altere.  Zacchaei  et  Apollonii 
1.  II  c,  3  (Gallandi  IX  p.  224)  heisst  es  nach  Anführung  von 
Gen.  1,  1:  „Ille  principium  est,  qui  ludaeis,  quis  esset,  inter- 
rogantibus  dixit:  Principium,  quod  et  loquor  vobis(!)".    So  con- 


134 


Die  Altercatio  Simonis  et  Theophili. 


struirte  man  in  späterer  Zeit  hie  und- da  bereits  ans.  Genes. 
1,  1.2  die  christliche  Tririitätslehre  (Deus-Principiiim-Spiritus). 
Diese  Auifassung  hat  indessen  der  anderen  weichen  müssen, 
nach  welcher  der  Sohn  in  dem  „Gott  sprach''  erkannt  wurde. 
Die  Identificiiung  von  Principium  und  Filius  muss  doch  Vielen 
als  zu  künstlich  erschienen  sein.  Dazu  kam,  dass  man  jenen 
Begriff  in  seiner  wörtlichen  Fassung  im  Zusammenhang  der 
Gottes-  und  Schöpfnngvslehre  doch  nicht  entbehren  wollte. 
Hier ony raus  (1.  c.)  hat  sich  mit  der  uralten  Erklärung  in  einer 
für  ihn  sehr  charakteristischen  Weise  abgefunden.  Er  sagt: 
.JMagis  itaque  secundum  sensura,  quam  secundum  verbi  trans- 
latioueni  de  Christo  accipi  potest;  qui  tarn  in  ipsa  fronte  Gene- 
seos, quae  caput  omnirm  iibrorum  est,  quam  etiam  in  principio 
loannis  evangelistae  coeli  et  terrae  conditor  approbatur".  — 
Schliesslich  sei  darauf  hingewiesen,  dass  Bartolocci  (Biblioth. 
Rabbin.  pari  111  p.  2  num.  584)  die  Erklärung  des  Aristo  von 
Pella  zu  vertheidigen  versucht  hat,  indem  er  auf  das  jerusa- 
lemische Targum  verweist,  in  welchem:  „In  sapientia  creavit 
deus  etc.*'  gestanden  haben  soll;  s.  hierüber  Routh,  Reliq. 
S.  I  p.  100. 


Citate  aus  dem  Alten  Testament. 


Seite 

Genes,  t,  1   . 18 

,,       1,  2.  3  .........  40 

1,  26.  27  .......    .   19 

15,  6 26 

„       17,  5     .    . 26 

„       IS,  4 17 

„       25,  23 27 

,,       27 43 

„       48,  14 27 

,,       48,  19  . 43 

Exod.  4,  25 26 

„       7,  1 18 

12 33 

17 25 

19,  JO.  11  . 35 

20,  25    ...    : 26 

„       23,  7  .........    .   35 

Num.  13,  24sq 31 

,.      22,  28 24 

„       23,  19.    , .30 

Deut,  21,  22.  23 .  29 

„      21,  23 .  29 

„      28,  44.    .    . 27 

„      28,  66 30 

„      30,  6 27 

„      32,  32—34 42 

„      32,  39 16 

„      32,  43     .........  19 

Jos.  2 .    .    . 33 

.,     5,  2    ...    : 27 

,,     5,  13sq 19 


Seite 

Jos.  6 .    . .41 

II  Sani.  7,  48q.  12.  14.  16    .    .        19 

18 28 

i  Reg.  11,  6.  14  .    . 39 

II  Reg.  20,  7 82 

Esther  7 28 

Ps.  2,  1—9 20 

K    2,  7 19 

,.    3,  6 .35 

„     16,  lOsq.    .    .    . 35 

„     17,  14 42 

„    18,  10—18 .36 

„    19,  7.  8 36 

„    22,  7.  8 .30 

„    22,  16 .30 

„    22,  17—23 .29 

„    24,  7    . 37 

„    24,  8.  10 37 

„    30,  4 35 

„    33,  6 20 

„    45,  2 20 

„    45,  4.  5 38 

„    45,  7.  8 17 

„    46,   11 17 

„    47,  6 36 

,,    50,  1 — 0 37 

.,    58,  5 23 

„    68,  5.  6  .    .    .    .    .    .    .    .    18.  36 

.,    69,  32 31 

„72 .38 

„    72,  5.   8 39 


I3ü 


D]>  All.e»rcatio  Simonis  et  Tlioophili. 


Seite 
.  22 
.  36 
.  17 
.   19 


Ps.  73,  23 

.,    78,  65 

82,  1 

82,  6   . 

88,  10. 30 

89,  28 19 

93,  1  sq 37 

96,  10 38 

107,  20 20 

110,  Isq 37 

119,   120 30 

141,  2 30 

147,  15 21 

Proverb.  8,  22sq 21' 

Cantic.  5,  10 30 

Sap.  Sal.  2,  12—22     ......  34 

Sirach.  24,  3.  4 21 

Tsa.  1,  13.  14 41 

I,  15 42 

7,  9 16 

7,  10—14 22 

7,  14.  15 23 

8,  4 .  23 

9,  6 38 

10,  22.  23 .  20 

II,  1.  2 24 

29,  11.  12 24 

33,  10.  11 35 

37,  22 23 

37,  36 23 

38,  5 32 

38,  21 32 

43,  19 27 

44,  6 16 

45,  1—3 22 

50,  6.  7 32 


Seite 

Isa.  52,  i) 22 

„     53,  4 20 

,,     53,  Igq..    ..........  32 

„     53,  9.  6 29 

.,     53,  12 29 

„     59,  7  ... 42 

.,     61,  1 40 

„     63,  1 ^  .  ?>Q 

„     6.5,  2 '  .  30 

Jerem.  3,  S 34 

4,  3.  4 27 

„       6,  10 21.  29 

11,  19       30.  32 

13,  23 41 

15,  9 ,36 

31,  31.  32 27 

36.  4sq 25 

51,  59sq 25 

Threni  4,  20 29 

Ezecli.  9,  4   ...    , 33 

,,      9,  5.  6 33. 

Dan.  3,  24.  25 4'> 

„     7,  13.  14 37 

„     9,  24.  25 22 

Osee  1,2 34 

„     2.  2 34 

„     6,  2 35 

Arnos  8,  9.  10 36 

Jona  1.  2 35 

Micha  5.  2 25 

Abac.  1,  5 43 

Zachar.  11,  16.  17 16 

12,  10.    .    ." 30 

Baruch  3,  35—37 17 

Pseudobaruch .!    .    .  25 

II  Macc.  15 41 


Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

Die  Acta  disputationis  Archelai  Episcopi  Mesopotamiae  et 
Maiietis  Haeresiarchae  gehören  der  ersten  Hälfte  des  4.  Jahr- 
hunderts, vielleicht  dem  ersten  Viertel  desselben,  an  und  sind, 
wie  Hieronymus  versichert  und  ein  gründlicher  Kenner  des 
Syrischen,  K.  Kessler,  sich  zu  beweisen  getraut,  aus  der  syri- 
schen Sprache  in  das  Griechische  übersetzt  worden.  Uns  liegen 
sie  heute  vollständig  „nur  in  einem  mehrfach  korrupten  und 
von  Haus  aus  unklar  stilisirten  lateinischen  Texte  vor",  der,  wie 
schon  Zacagni  gezeigt  hat,  aus  dem  Griechischen  geflossen 
ist  und  viele  Fehler  und  Missverständtiisse  aufweist.  Die  latei- 
nische Afterübersetzung  ist  vollständig  nur  in  einem  einzigen 
Codex  (Casinensis)  erhalten,  während  eine  Handschrift  von  Bobbio 
nur  einen  kleinen  Theil  derselben  wiedergiebt.  Fragmente  der 
griechischen  Vorlage  bieten  aber  Epiphanius  und  Cyrill  von 
Jerusalem.  Die  Acten,  welche  von  einer  nie  gehaltenen  Dispu- 
tation berichten,  bergen  doch  urkundliches  Material;  sie  sind 
von  einem  S3rrischen  Geistlichen,  vielleicht  einem  edessenischen, 
abgefasst  worden  ^). 


1)  Hieronymus  de  vir.  inl.  72:  „Archelaus,  episcopus  Mesopotamiae, 
Hbnim  disputationis  suae,  quam  habuit  adversum  Manichaeum  exeuntem 
de  Perside,  syro  sermone  composuit,  qui  translatus  in  graecum  habetur 
a  multis.  Claruit  sub  imperatore  Probo,  qui  AureHano  Tacitoque  successe- 
rat".  Die  von  Bigot  in  Bobbio  entdeckten  Fragmente  gab  zuerst 
Valesius  in  den  Noten  zu  den  Kirchengeschichten  des  Socrates  und 
Sozomenos  heraus;  den  ganzen  lateinischen  Text  Zacagni  in  den  Col- 
lectanea  Monumentorum  veterum  ecclesiae  Graecae  (Romae  1698),  zugleich 
mit  den  griechischen  Fragmenten,  einer  gelehrten  Einleitung  und  Noten. 


138  ^^i®  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

Nach  den  Nachweisungen,  welche  Zahn  (Tatiuns  IHates- 
saron  1881)  über  die  Verbreitung  und  den  Grebrauch  des  tatiani- 
schen  Diatessarons  in  der  syrischen  Kirche  gegeben  hat,  ist 
es  a  priori  wahrscheinlich.,  dass  der  syrische  Ck-riker,  welcher 
unsere  Acten  verfasst  hat,  seine  Evangeliencitate  der  tatiani- 
schen  Harmonie  entnahm.  Auch  der  Umstand,  da?y  der  Ver- 
fasser c.  37  (p.  136  ed.  Routh)  den  Tatian  unter  den  Häretikern 
nennt  '^},  kann,  so  verhängnissvoll  er  der  Zahn'schen  Hypothese 


Dieser  Text  ist  mehrfach  abgedruckt  worden,  auch  von  Routh,  ReHq- 
Sacrae  V.  edit.  II.  p.  1  sq.  Einer  eingehenden  Kritik  hat  zuerst  Beau- 
8obre  (Hist.  critique  du  manicheißme  I  p,  120)  die  Acten  unterzogen. 
Er  wies  nach.  das.s  die  Schrift  eine  Erdichtung  sei.  und  dass  sie  sich  nicht 
einmal  auf  eine  wirklich  stattgehabte  Disputation  beziehe.  Er  glaubte 
ferner  zeigen  zu  können,  dass  die  Acten  nicht  in  syrischer  Sprache,  son- 
dern in  griechischer  niedergeschrieben  seien,  und  dass  der  Verfasgei  dem 
Schauplatz  der  angeblichen  Handlung  fernstehe.  Ihm  hat  sich  von  Zitt- 
ifitz  (Ztschr.  f.  die  histor,  Theologie  1873  S.  467f.)  angeschlossen;  ferner 
auch  Jacobi  (Ztschr.  f.  Kiixhengesch.  I  S.  493  f),  der  mit  beachtens- 
werthen  Gründen  die  Hypothese  vertheidigte ,  die  Acten  seien  +  325  in 
Aegypten  in  griechischer  Sprache  niedergeschrieben  worden.  Oblasinski 
(Acta  disput.  Archelai.  Leipziger  Inauguraldissert.  Ib74  S.  87  —  59)  hält 
ebenfalle  die  Angabe  des  Hieronymus  über  den  Originaltext  der  Acten 
für  belanglos,  da  Hieronjnnus  nur  einem  mündlichen  Gerüchte  gefolgt  sei, 
und  da  Photius  (Cod.  85)  —  worauf  sich  auch  Beausobre  und  J»cobi 
stützen  —  einen  Hegemonius  als  Verfasser  auf  die  Autorität  des  Hera- 
ciianug  (c  500)  hin  nenne  und  von  einer  syrischen  Urschrift  nichts  wisse. 
Doch  haben  ausser  Zacagni  nicht  nur  Assemani  (Bibl.  Orient.  I  p.  555), 
Neander  (Kirchengesch.  I  S.  816)  und  zum  Theil  auch  Flügel  (Mani 
S.  29  f.)  an  dem  syrischen  Originale  festgehalten,  sondern  auch  Kessler 
hat  (Sealencyklop.  f.  protest.  Theol.  u.  Kirche  2.  Aufl  9.  Bd.  S  220)  die 
Nachricht  des  Hieronjanus  für  zuverlässig  erklärt.  Kessler  verweist  anf 
die  ausführliche  Begründung  derselben  in  seinem  grossen  Werke  über 
Mani  (Bd.  1  S.  ]2()f ),  welches  aber  bisher,  soviel  wir  wissen,  noch  nicht 
erschienen  ist.  Wir  folgen  diesem  sachkundigen  Gelehrten  sowie  der 
Autorität  des  Hieronynius,  wenn  wir  an  der  Annahme  einer  syrischen  Ur- 
schrift festhalten.  —  Der  theologische  Standpunkt  des  Verfassers  der  Acten 
ist  in  mancher  Hinsicht  (wie  der  des  Aphraates)  ein  archaistischer.  Dies 
zeigt  sich  namentlich  in  der  Christologie  (s.  c,  47-50,  bes.  p.  178 — 1S4), 
welche  mit  der  des  Paulus  von  Samosata  fast  identisch  ist;  siehe  aber  auch 
die  merkwürdige  Beurtheilung  des  Ap.  Paulus  p.  76.  107.  127f.  135.  154. 
171.  182.  1S5. 

2)  ,,Dicat  autem  iste  quam  destruxerit  prophetiam  ludaeorum  ac  He- 
braeorum,  seu  liiiguas  cessäre  fecit  Graecorum,  aut  eorum,  qui  idola  co- 


r 


Die  Acta  Archelai  und  das  Diatcssaion  Tatians.  139 

über  die  Art  der  Wirksamkeit  Tatians  in  Syrien  ist,  in  diesem 
Vorurtheile  nicht  erschüttern,  da  das  Diatessaron  im  kirchlichen 
Gebrauche  verbleiben  konnte  und  verblieben  ist,  auch  wo  man 
wusste,  das«  sein  Redactor  nachmals  akatholische  Wege  ge- 
wandelt ist.  .Die  Untersuchung  also,  wie  sich  die  Evangelien- 
citate  des  Verfassers  za  dem  Diatessaron  verhalten,  ist  auf  jeden 
Fall  keine  von  vornherein  aussichtslose,  und  die  nicht  geringe 
Zahl  von  evangelischen  Citaten  in  den  Acten  —  es  sind  ihrer 
circa  hundert  —  lässt  vermuthen,  dass  das .  Vorn rtheil  wirk- 
lich controlirbar  ist. 

Andererseits  freilich  lehrt  bereits  eine  genauere  Vorprüfung 
der  Frage,  dass  sich  ein  sicheres  Resultat  sciiwerlich  wird  er- 
reichen lassen.  Nicht  nur  das  Vergleichungsobject  hegt  uns  trotz 
Ephraem  und  Aphraates  in  recht  unvollständiger  und  theil* 
weise  unsicherer  Gestalt  vor,  sondern  es  lassen  die  Acten  selbst, 
die  uns  ja  mit  Ausnahme  einiger  Stücke  nur  in  einer  mangel- 
haften Afterübersetzung  erhalten  sind'*),  gerade  für  die  Evan- 
geliencitate  am  wenigsten  eine  treue  Reproduction  des  Urtextes 
erhoffen.  Angenommen,  der  syrische  Verfasser  habe  aus  dem 
Diatessaron  geschöpft,  so  ist  es  sehr  wohl  möglich,  dass  sein 
griechischer  Uebersetzer  häufig  den  ihm  geläufigen  Text  sub- 
stituirt  hat,  und  was  der  Grieche  noch  stehen  Hess,  kann  der 
späte  Lateiner  in  seiner  Superversion  völlig  verwischt  haben. 
Die  Citate  des  Aphraates  besitzen  wir  im  Original  resp.  in  dem 
Wortlaute,  in  welchem  die  syrische  Kirche  das  Diatessaron  las, 
mag  auch  Aphraates  manchesmal  frei  und  nach  dem  Gedächt- 
nisse citirt  haben.  Mösingers  Publication  des  Ephraem'schen 
Commentars  ist  vom  syrischen  Diatessaron  freilich  auch  durch 
zwei  Mittelglieder  getrennt.  Aber  Mösinger  übersetzte  genau 
aus  dem  Armenischen:  denn  er  wusste,  um  was  es  sich  handelt; 
seine  armenischen  Vorlagen  sind  ferner  ebenfalls  recht  genaue 
Reproductionen  des  Originals,  dessen  Charakter  als  eines  exe- 
getischen  Commentars    der  Entstellung    des   Inhaltes   an   sich 


lunt,  vel  quae  alia  dogmata  destiuxit,  Valentiniani  aut  Marcionis  aut  Ta- 
tiani  aut  SabelHi  caetororumque,  qui  propriam  sibimet  ips;is  scientiam 
composuerunt". 

3)  Ueber  das  Alter  dieser  Utbeiüetzu ng  ist  nur  zu  sagen,  dass  sie 
■wahrscheinhch  nach  dem  Ausgang  de«  4.  Jahrhunderts  und  vor  Einbür- 
gerung der  Vulgata  in  der  abendländischen  Kirche  abgefasst  ist. 


140  jDie  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

schon  gewisse  Scliranken  zog.  Dagegen  sind  die  beiläufigen 
Citate  in  den  Acten  des  Arclielaus  vor  ihren  Uebersetzem 
durch  nichts  geschützt  gewesen,  und  somit  erscheint  die  Hoff- 
nung von  vornherein  als  eine  sehr  geringe,  sichere  Resultate 
über  ihren  ursprünglichen  Wortlaut  und  ihren  Ursprung  zu 
erhalten. 

Mau  könnte  nun  wenigstens  erwarten,  es  werde  möglich 
sein,  durch  eine  Vergleichung  der  griechisch  erhaltenen  Stücke 
mit  der  lateinischen  Afterversion  den  Werth  der  letzteren  in 
Bezug  auf  die  Evangeliencitate  festzustellen.  Allein  auch  in 
dieser  Erwartung  sieht  man  sich  getäuscht.  Ein  eigenthüm- 
liches  Missgeschick  verfolgt  den  Forscher  auch  hier.  Denn 
das  grosse  Stück,  welches  Cyrill  in  der  6.  Katechese  den  Acten 
entnommen  hat  (Routh,  1.  c.  p.  199 — 205),  findet  sich  in  der 
lateinischen  Recension  überhaupt  nicht,  und  in  dem  umfang- 
reichen Abschnitt,  welchen  wir  dem  Epiphanius  verdanken 
(Routh,  1.  c.  p.  43—70),  sind  nur  fünf  Bibelcitate  enthalten. 
Von  diesen  fünf  sind  zwei  den  Evangelien  entnommen  (p.  45: 
Mtth.  7,  18;  p.  46:  Joh.  1,  18).  Correet  übersetzt  sind  vier; 
aber  Matth.  7,  18  heisst  es  im  Griechischen:  otl  ov  övrarat 
öePÖQOv  xakov  xagjtovg  Tcay.otg  noirjaaif  ovde  jiir^v  devdgov  YMxbv 
'Aalovg  xagnovg  Ttoiijoai,  dagegen  im  Lateinischen:  „quia  non 
potest  arbor  mala  bonos  fructus  facere,  neque  arbor  bona  malos 
fiructus  facere''.  Der  Grieche  hat  also  die  herkömmliche  Stellung 
der  Sätze;  der  Text  des  Lateiners  beruht  auf  willkürlicher  Um- 
stellung-*). Dieses  eine  Beispiel  belehrt,  wie  vorsichtig  man 
gegenüber  Absonderlichkeiten  des  lateinischen  Textes  sein  muss; 
aber  da  es  eben  nur  ein  Beispiel  ist,  so  ist  an  bestimmten 
Directiven  wenig  gewonnen '). 

Was  ferner  die  Citationsformeln  betrifft,  so  entscheidet  die 
Untersuchung  über  dieselben  nicht  mit  Sicherheit  das  hier 
schwebende  Problem.  Zwar  c.  38  (p.  140)  heisst  es:  „Scriptum 
est  in  evangelio  salvatoris  no^tri",  und  nun  folgt  Matth.  25,  44; 


4)  Die  richtige  Stellung  findet  sich  aber  auch  in  dem  Lateiner  c.  13  (,p.  73). 

5)  Eine  durchgehende  Vergleichung  des  griechischen  Fragmentes  bei 
Epiphanius  mit  der  lateinischen  After version  zeigt  übrigens,  dass  diese 
trotz  mancher  Missverständnisse  und  Verstösse  als  eine  recht  treue  be- 
zeichnet werden  darf.  Damit  ist  aber  freihch  speciell  für  die  Bibelcitate 
noch  immer  wenig  gewonnen. 


Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians.  14 1 

c.  40  (p.  143)  wird  Matth.  5,  17  einfach  als  „sermo  evangelicus" 
bezeichnet  (s.  auch  c.  22  p.  93);  c.  34  (p.  128)  liest  man:  „Ait 
dominus  noster  lesus  Christus  in  evangelio",  und  es  folgt  Joh. 
14,  15 f.,  ebenso  heisst  es  c.  32  (p.  118):  „In  evangelio  scriptum 
est:   Vos  de  patre  diabolo  estis".    Der  Plural  „evangelia"  findet 
sich  nicht  nur  c.  13  (p.  73):  „Sicut  scriptum  est  in  evangeliorum 
libro"  —  so  hätte  sich  auch  Tatian  selbst  ausdrücken  können  — , 
und  c.  45  (p.  165):    „Sunt  etiam  alia  multa,   quae  dici  possent 
et  de    apostolo  Paulo   et   de   evangeliis,    ex    quibus   ostendere 
possumus  etc."  —  auch   diese  Formel  ist  noch  nicht  geradezu 
bedenklich  — ,  sondern  auch  griechisch  in  dem  Briefe  des  Mani 
c.  5  (p.  45):  OVIS  yäg  zoig  elQT]/.ievoig  iv  evayyeXLoig  naQ  amov 
Tov  awT^Qog  ^/lhov  müTevovOLv.    Allein  diese  Stelle  kommt  dess- 
halb  nicht  in  Betracht,  weil  der  Brief,  dem  sie  entnommen  ist, 
eine  Urkunde  ist,  welche  der  Verfasser  seinem  Werke  einver- 
leibt  hat.     Sie   entscheidet   mithin   nicht   für    seinen    eigenen 
Sprachgebrauch.     Es   bleiben    somit    nur   drei    Stellen   übrig, 
welche  die  Hypothese,  der  Verfasser  habe  aus  dem  Diatessaron 
geschöpft,  anscheinend  zu  erschüttern  vermögen.    C.  24  (p.  99) 
wird  Joh.  1,  5  mit  den  Worten  citirt:  „EvangeHsta  testimonium 
ferente*';  c.  45  (p.  164)  heisst  es:  „Sed  et  sanctus  loannes  maxi- 
mus  evangeHstarum  ait"  (Joh.  1,  16)  und  c.  35   (p.  131)  liest 
man:  „Sed  et  spiritus  evangelista  Matthaeus  diligenter  signifi- 
cavit  domini  nostri  Jesu  Christi  sermonem:  Videte  ne  quis  vos 
seducat  etc."    Betrachtet  man  aber  diese  drei  Stellen  genauer, 
so  wird  man  die  dritte  hier  wohl  ausscheiden  dürfen.    Wie  sie 
lautet,  ist  sie  grammatisch  unerträglich.    Entfernt  man  indess 
die  beiden  Worte  „evangelista  Matthaeus"  als  eine  Glosse,  so 
ist  der  Satz  nicht  zu  beanstanden.    Es  bleiben  mithin  nur  die 
beiden  Johannescitate.    Vielleicht  ist  es  nicht  zufällig,  dass  nur 
für  den  johanneischen  Prolog   der  bestimmte  Evangelist   ge- 
nannt ist.    Auch  wo  man  das  Diatessaron  las,  wird  man  doch 
gewusst  haben,  dass  der  evangelische  Abschnitt  vom  Logos  dem 
Johannes  gebührt.     Hier  ist  die   ausdrückliche   Nennung   des 
Verfassers  am  wenigsten  auffallend.    Aber  wenn  man  diese  Er- 
klärung nicht  gelten  lassen  will  —  ein  Text,   der  durch   die 
Hände  zweier  üebersetzer  gegangen  ist,  kann  sehr  wohl  in  den 
evangelischen  Citationsformeln  Correcturen  erlitten  haben.    Der 
Umstand,   dass   eben  nur  zwei  Steilen  der  Hypothese  der  Be- 


142  ^^^  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

nutzung  des  Diatessarons  gefährlich  sind,  darf  umgekehrt  unter 
den  ungünstigen  Verhältnissen,  die  hier  bestehen,  als  beachtens- 
werth  constatirt.  werden.  Auf  jeden  Fall  brauchen  wir  uns 
durch  die  hier  vorliegenden  Beobachtungen  nicht  abschrecken 
zu  lassen,  die  aufgestellte  Hypothese  zu  erproben. 

Schliesslich  sei  noch  bemerkt,  dass  der  Verfasser  der  Acta 
eine  nar  einjährige  Lehrwirksamkeit  Jesu  annimmt*').  Zahn 
hat  (a.  a.  0.  S.  249 — 260)  nachzuweisen  gesucht,  dass  Tatian 
die  Lehrwirksamkeit  Jesu  über  einen  Zeitraum  von  mehr  als 
zwei  Jahren  ausgedehnt  habe.  Dies  mag  richtig  sein;  aber  wie 
sich  die  Annahme  einer  einjährigen  Wirksamkeit  Jesu  noch  hie 
und  da  erhielt  auch  in  solchen  Kreisen,  welche  das  Johannes- 
evangelium lasen,  so  kann  diese  Annahme  bei  unserem  Ver- 
fasser nicht  als  Gegenargument  gegen  seine  Benutzung  des 
Diatessarons  verwendet  werden. 

DieEvangeliencitatein  den  Acten  des  Archelaus  sind  der  be- 
quemeren Uebersicht  wegen  im  Folgenden  in  drei  Gruppen  getheilt 
worden.  In  die  erste  Gruppe  sind  solche  Citate  aufgenommen  wor- 
den, die  für  die  vorstehende  Frage  indifferent  sind,  in  die  zweite 
diejenigen,  welche  der  Annahme  einer  Benutzung  des  Diatessa- 
rons ungünstig  sind  oder  zu  sein  scheinen,  in  die  dritte  end- 
lich solche,  welche  jene  Annahme  in  köherem  oder  geringerem 
Masse  stützen  oder  zu  stützen  scheinen.  Zur  Vergleichung  ist 
der  Text  des  Diatessarons  herangezogen  worden,  wie  ihn  Zahn 
(a.  a.  0.  S.  112—219)  construirt  hat;  Abweichungen  an  einigen 
Stellen  sind  dabei  vorbehalten.  Von  einer  Benutzung  des  latei- 
nischen Tatians  musste  abgesehen  werden;  denn  auch  bei  Vor- 
aussetzung einer  gemeinsamen  Wurzel  liegen  dort  und  hier 
so  viele  Willkürlichkeiten  dazwischen,  dass  eine  Vergleichung 
von  vornherein  für  fruchtlos  gelten  durfte. 

L  Die  grosse  Masse  der  Evangeliencitate  in  AM  (Acta 
disp.  Archelai  et  Manetis)  muss  leider  der  ersten  Glasse  zu- 
geschrieben werden,  und  zwar  aus  sehr  verschiedenen  Gründen. 
Bald  ist  in  T  (Tatiani  Diatessaron)  auf  die   betreffende  Stelle 


6)  S.  c.  34  (p.  127):  „Nee  in  aiiquo  remoratus  dominus  noster  lesus 
inti'a  unius  anni  spatium  languentium  multitudines  reddidit  sanitati''; 
c.  50  (p.  182):  „Dißcipuli  Christi  per  aanum  integrum  manserunt  cum  eo". 


Die  Acta  Archeiai  m\d  das  Diatessaron  Tatians.  j[43 

nur  angespielt,  bald  in  AM;  viele  Stellen  fehlen  in  T,  wie  er 
auf  Grund  der  bisherigen  Zeugen  wiederhergestellt  werden  konnte, 
überhaupt;  andere  finden  sich  zwar,  aber  T  und  AM  weichen 
vom  Vulgärtexte  häufig  nicht  ab,  so  dass  ein  Schluss  nicht  er- 
laubt ist.  Immerhin  aber  haben  die  letzteren  Fälle  doch  eine 
gewisse  Bedeutung,  namentlich  dann,  wenn  die  Zahl  der  ent- 
schieden günstigen  Fälle  (Gruppe  III)  eine  erhebliche  s^in  sollte. 
T  und  AM  haben  nämlich  in  Gruppe  I,  soweit  sie  beide  für  einen 
Spruch  den  vollständigen  Wortlaut  liefern,  denselben  in  der 
gleichen  evangelischen  Recension.  In  die  erste  Gruppe 
sind  folgende  Citate  in  AM  zu  rechnen:  Mt.  2,  13  (p.  161); 
2,  16  (p.  161):  3,  7  (p.  120);  3,  16  (p.  179);  3,  17  (p.  178.  183); 
5,  3  (p.  144.  151);  5,  8  (p.  153);  5,  17  (p.  143);  7,  6  (p.  202); 
7,  15  (p.  153):  7,  24  (p.  167);  8,  26  (p.  162);  10,  10  (p.  150); 
10,  28  (p.  167);  10,  34  (p.  162.  201);  10,  37  (p.  172);  10,  40 
(p.  169);  12,  32  (p.  177);  13,  11  (p,  99);  13,  13  (p.  202);  13,  25 
(p.  74);  14  (p.  161);  14,  25  (p.  162);  15,  24  (p.  169);  17,  2 
(p.  162);  18,  21  (p.  117);  19,  11  (p.  99);  22,  29  (p,  109);  22,  40 
(p.  153);  23,  27  (p.  153);  21,  4.5  (p.  131);  24,  23  f.  (p.  131.  134)"^); 
25,  41  (p.  200);  25,  44  (p.  14(1);  Mr.  2,  U  (p.  144);  Lc.  4,  34 
resp.  Mr.  l,  24  (p.  174);  10,  22  (p.  136);  12,  49  (p.  200);  iG,  16 
(p.  75.  145);  16,  19  f.  (p.  150);  23,  34  (p.  161);  Joh.  1,  12  (p.  109); 
5,  17  (p.  115);  5,  45  f.  (p.  149.  165);  8,  44  (p.  74.  HO.  118.  120. 
126);  10,  27  (p.  99);  13,  27  (p.  126);  14,  12.  15.  16.  18;  16,  8. 
14.  28  (p.  107.  127.  128)»);    19,  37  (p.  182). 

IL    In  die  zweite  Classe  gehören  nur  nenn  Fälle: 

7)  In  v.  24  hat  AM  den  Zusatz  „falsi  apostoli".  Denselben  bieten 
auch  Justin  (Dial.  35),  Hegesipp  (Euseb.  h.  e.  IV,  22),  die  clementinischen 
Homihen  XVI,  21  und  TertuUian  (de  praescr.  4).  S.  Anger,  Synopae 
I).  274.  195.    Semisch,  d.  apostol.  Denkwürdigk    S.  391. 

S)  C.  16,  8  wird  von  Mani  (p.  73)  citirt:  „ad  arguendum  mundum  de 
peccato  et  de  iniustitia"  (c.  27  p.  107  findet  sich  das  Herkömmliche). 
Zacagni  bemerkt  dazu:  „Videtur  hie  locus  a  Manete  vel  ab  imperito  li- 
brario  cori-uptus;  nam  in  sacro  textu  iustitia  scribitur  contrario  sensu. 
Varia  autem  sacrae  scripturae  loca  dolose  intei-polasse  atque  corrupisse 
Manetem  diserte  Archelaus  asserit  infra  cap.  53  et  ex  Epiphanio  colligitur 
in  eiusdem  liaeresi  num.  56".  Vielleicht  darf  hierher  die  Beobachtung 
gezogen  werden,  dass  Mani  in  seinen  Reden  das  „spiritu"  Mtth.  5,  3  nicht 
beachtet  (c.  40  p.  144;  c.  42  p.  151);  während,  wie  oben  gezeigt  worden» 
man  sich  auf  Mtth.  7,  18  (c.  5  p.  45)  nicht  berufen  darf. 


144  ^i^  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

1)  Mt.  11,  11  lautet  in  AM  (c.  49  p.  177):  ..Maior  in  natis 
mulierum  nullus  surrexit  Joanne  baptista;  qui  autem  minor  est, 
in  regno  caelorum  maior  est  illo"'^).  In  T  heisst  der  Spruch 
(Zahn  §  26  S.  145)  nach  Ephraem:  „Amen  dico  vobis,  quod 
nullus  maior  est  Joanne  inter  natos  mulierum;  sed  qui  minimus 
est  in  regno  caelorum,  maior  est  eo".  Matthäus  und  Lucas 
(7,  28)  unterscheiden  sich  bei  Wiedergabe  dieses  Verses  darin, 
dass  Matthäus  den  Spruch  mit  „Amen"  beginnt,  „non  surrexit" 
giebt  (Lucas:  „nullus  est"),  „baptista"  zu  „Joannes"  hinzufügt 
und  „regnum  caelorum"  (Lucas:  „regnum  dei")  setzt.  Von  diesen 
Eigenthümlichkeiten  hat  T  die  erste  und  vierte,  während  er 
sonst  den  Lucastext  bietet;  AM  aber  giebt  den  Text  nach 
Matthäus  mit  der  einen  Ausnahme,  dass  er  nicht  „non",  son- 
dern mit  Lucas  „nullus"  liest. 

2)  C.  47  (p.  171)  sagt  Manes,  um  zu  beweisen,  dass  Christus 
kein  wirklicher  Mensch  gewesen  sei:  „sed  et  Davidis  esse  non 
dignatur  audire".  Auf  welche  Perikope  sich  dieser  Satz  be- 
zieht, ist  nicht  auszumachen.  Die  Disputation  über  die  Davids- 
sohnschaft (Mt.  22,  42  f)  hat  höchst  wahrscheinlich  in  T  ge- 
fehltj  und  in  der  Perikope  vom  kananäischen  Weib  bot  T  die 
Worte  „Sohn  Davids"  nicht  ^^);  indessen  hat  der  Mani  der  Acten 
unzweifelhaft  marcionitische  Schriften  gelesen,  wie  unter  anderem 
die  von  ihm  angeführten  Antithesen  beweisen.  Ob  Christus 
ein  Sohn  Davids  sei,  war  aber  einer  der  wichtigsten  Controvers- 
punkte  zwischen  der  Kirche  und  den  Marcioniten.  Also  kann 
es  nicht  auffallen,  dass  auch  Mani  diese  Frage  berührt,  und 
dass  er  sie  berührt,  kann  keine  Instanz  gegen  die  Annahme 
sein,  der  Verfasser  der  Acten  habe  bei  seinen  evangelischen 
Citateu  —  um  ein  solches  handelt  es  sich  hier  iiicht  —  T 
benutzt^*). 

3)  C.  42  (p.  153)  wird  in  AM  Lc.  5,  34  genau  citirt;  der- 
selbe Spruch  stand  aber  in  T  nach  der  Fassung  Mr.  2,  19 
(Zahn  §  14  S.  130). 

4)  T  bietet  (Zahn  §  27  S.  14t))  den  Text  nach  Mr.  3,  27: 


9)  So  theilte  der  Verfasser  der  Acten  ab  und  bezog  den  „minor"  auf 
Jesus  selbst. 

10)  S.  Ztschr.  f.  Kirchengescb.  IV  S.  479.    Zahn,  a.  a.  0.  S.  71.  84.  309. 

11)  Die  Stelle  c.  34  (p.  126)  kommt  nicht  in  Betracht. 


Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians.  145 

„Nemo  potcst  iutrare  in  domum  fortis  et  depraedari  tliesaurum 
eius,  nisi  prius  fortem  ligaverit,  et  tiinc  tliesaurum  eius  deprae- 
dabitur"'2)^  j^^l  dagegen  beginnt  in  der  Form  des  Matthäus 
(12,  29):  „Quis  enim  potest  introire  in  domum  fortis  et  diripere 
vasa  eius",  und  scliliesst  daran  den  kurzen  Nachsatz:  „nisi  illo 
sit  fortior".  Dieser  Nachsatz  ist  schwerlich  eine  Reminiscenz 
aus  Lc.  11,  22  („si  autem  fortior  illo  venit"),  sondern  ist  als 
eine  willkürliche  Verkürzung  zu  beurtheilen.  Auf  die  Differenz 
„Nemo  potest"  —  „Quis  enim  potest"  allein  ist  aber  schwer- 
lich Gewicht  zu  legen. 

5)  In  dem  von  Cyrillus  allein  bewahrten  griechischen  Stücke 
der  Acten  wird  citirt  (p.  203):  T(p  yäg  s'xovtl  doO^Tjascat,  cctto 
6s  Tov  jnJj  l^xovTog  ymI  0  Soxsl  ^xsiv  agd^iqGSTai,,  also  nach  Lc. 
8,  18.  Ebenso  giebt  T  den  Spruch  nach  Lc.  (§  19  S.  137 f.): 
„Qui  habet  dabitur  ei,  et  qui  non  habet,  etiam  quod  putat  se 
habere,  auferent  ab  eo".  Soweit  wäre  alles  in  Ordnung;  ein 
Bedenken  kann  nur  daraus  entstehen,  dass  in  T  (wie  in  Mr.) 
der  Spruch  im  Rahmen  der  Bergpredigt  seine  Stelle  hatte 
(Zahn  S.  139),  während  er  in  AM  einem  Citat  nach  Mt.  13,  13 
folgt,  also  in  der  Vorlage  im  Zusammenhang  der  Parabelrede 
gestanden  zu  haben  scheint.  Allein  dagegen  ist  folgendes  zu 
bemerken:  1)  Auch  AM  hat  den  Spruch  in  dej;  Fassung  des 
Lucas  und  nicht  in  der  des  Matthäus,  2)  auch  Lucas  hat  den 
Spruch  in  Verbindung  mit  einem  Satze  gegeben,  der  der  Berg- 
predigt angehört  (8,  16)^^),  3)  die  beiden  Citate  folgen  in  AM 
nicht  unmittelbar  auf  einander,  so  dass  der  Annahme  nichts 
im  Wege  steht,  der  Verfasser  habe  die  Sprüche  frei  combinirt. 
Somit  ist  das  erhobene  Bedenken  nicht  von  Gewicht. 

6)  C.  38  (p.  140)  heisst  es  in  AM:  „Discedite  a  me  in  ignem 
aßternum,  operarii  iniquitatis".  Dies  ist  Mt.  25,  41;  aber  die 
„operarii  iniquitatis"  stammen  aus  Lc.  13,  27;  Mt.  hat:  ymi^j- 
Qccfxivoi.  In  T  steht  (§  80  S.  201  nach  Aphraates)  der  reine 
Matthäustext.  Hier  bleiben  die  beiden  Möglichkeiten  offen,  dass 
entweder  der  Text  des  Aphraates  keine  treue  Wiedergabe  von 


12)  Die  Bemerkung  Zahns  (S.  147),  die  Satzform  sei  mehr  nach  Mr., 
der  Inhalt  mehr  Mt.,  ist  nicht  richtig,  da  Mr.  und  Mt.  nur  in  der  Satz- 
form ditferiren. 

13)  Gegen  Zahn  S.  139. 

Texte  uad  Üatersuchungen  I,  3.  JQ 


146  Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

T  ist,  oder  dass  der  Verf.  oder  der  Uebersetzer  der  Acten  ge- 
dächtnissmässig  Mt.  25,  41  mit  Lc.    13,  27  verbunden  hat. 

7)  C.  24  (p.  99)  wird  in  AM  Job.  1 ,  5  also  citirt:  „Lux 
lucet  in  tenebris".  T  bietet  (§  1  p.  113)  „bacebaf".  Auf  diese 
Dilferenz  wird  unter  Berücksichtigung  der  zwischen  liegenden 
Versionen  Niemand  etwas  geben  wollen. 

S)  C.  42  (p.  151)  ist  auf  die  Perikope  vom  Scherflein  der 
Wittwe  angespielt  (Mr.  12,  41f.  Lc.  21,  If.);  n^ch  Zahn  (S.  84f.) 
soll  sie  in  T  ganz  gefehlt  haben.  Allein  eine  irgend\'kde  erheb- 
liche Wahrscheinlichkeit  lässt  sich  für  diese  Hypothese  nicht 
erbringen. 

9)  Aus  der  Perikope  der  Abweisung  der  Mutter  und  der 
J3rüder  durch  Christus  ist  von  Zahn  in  T  nur  ein  Satz  con- 
statirt  (§  30  S.  150):  „Ecce  mater  tua  et  fiatres  tui  quaerunt 
t&\  Dieser  Satz  gehört  Mr.  (3,  32)  an.  In  AM  c;  47  (p.  170) 
citirt  Mani:  „Quidam  ei  aliquando  dixit:  Maria  mater  tua  et 
fratres  tui  foris  stant  .  .  ,  eum,  qui  dixerat  increpavit  dicens: 
Quae  est  mater  mea,  aut  qui  sunt  fratres  mei?  et  ostendit  eos, 
qui  facerent  voluntatem  suam,  et  matres  sibi  esse  et  fratres'*. 
AM  hat  unzweifelhaft  einen  gemischten  Text  (Mt.  12,  47  ist 
Interpolation)  nach  Mt.  und  Lucas;  den  Satz  aber,  welcher  in 
T  nach  Marcus  gestanden  hat,  hat  AM,  wie  es  scheint,  nach 
Lucas  aufgenommen.  Indessen  fragt  es  sich,  ob  in  T  der  Satz 
wirklich  so,  wie  oben  bemerkt  worden  ist,  gelautet  hat.  Ephraem 
citirt  ihn  in  einer  antimarcionitischen  Polemik  (p.  122  ed. 
Moesinger)  und  legt  dem  Marcion  selbst  den  Satz  in  den  Mund. 
Es  ist  also  sogar  unwahrscheinlich,  dass  wir  aus  Ephraem  an 
dieser  Stelle  den  Text  des  Tatian  zu  erheben  berechtigl.  sind. 
Damit  fällt  aber  der  Einwurf  gegen  AM,  und  es  bleibt  nur  zu 
bemerken,  dass  AM  einen  gemischten  Text  aufweist.  Sclüiess- 
lich  ist  noch  zu  constatiren,  dass  c.  17  p.  171 -auch  in  AM  das 
„Ecce",  welches  Mr.  und  T  bieten,  gefunden  wird:  „Uli  erim. 
qui  dixerat:  Ecce  mater  tua  foris  stat,  respondit:  Quae  mihi 
est  mater  aut  fratres? 

Zusammenfassend  darf  man  sagen,  dass  die  sub  2,  5,  7,  S,  9 
genannten  Fälle  nichts  gegen  die  Annahme  einer  Benutzung 
von  T  in  AM  beweisen;  1,  4,  0  können  bedenklich  erscheinen. 
Die  sub  3  aufgeführte  Stelle  allein  widerspricht  der  Annahme. 


Die  Acta  Ai-ch(;1ai  und  du«  Diatessaroii  Tatians.  147 

IIL  Li  die  dritte  Klas.se  dürfen  16  Fälle  anfgenommen 
werden. 

1)  Die  Versuchungsgeschichte  ist  in  T  (§  10  S.  125  f)  sehr 
kunstvoll  aus  den  synoptischen  Berichten  zusammengesetzt, 
indem  Mt.  4,  1  f.  die  Grundlage  bildet  ^  *).  Soweit  der  Text  in 
AM  vorhanden  ist,  stimmt  er  mit  T,  „S  tat  im  in  desertum  a 
spiritu  ductus  est  lesus,  ut  tentaretur  a  diabolo"  (c.  50  p.  182) 
.  .  ,  „quadraginta  diebus  ieiunavit"  (c.  44  p,  161)  .  .  .  „Si  filius 
es  dei*'  (p.  182)  ....  „Vade  post  me,  Satana  .  . .  dominum  deum 
tuum  adorabis,  et  ipsi  soli  servies*'  (c.  32  p.  120). 

2)  In  AM  (c.  22  p.  93)  lautet  ein  Citat:  „Nemo  lucernam 
accendens  ponit  sub  modio,  sed  super  candelabrum ,  ut  luceat 
Omnibus  qui  in  domo  sunt*'.  Mt.  5,  15  lautet  der  Spruch:  ovös 
'/Miovatv  Xvyj'ov  y.ai  TiS-iaötv  avTOv  v;co  tov  fnoöiovy  dX?J  snl 
Tt)v  XvxvlccVj  Kai  Xa/nnei  näoiv  rolg  ev  tSj  olytia.  Lc.  8,  16  und 
11,  33  dagegen:  ovdeig  Xvyvov  axjjag  v.<xhc7i%u  amov  ok^vgl  ?y 
vnoycdTu  xXUrjg  ti^tjoiv  [sig  '/.ovnzrji'  Ttd^rjoiv  ovöi  .vno  tov  fio- 
ötov],  dXk^  Eni  Kv%viag  xiOriOiv  [«AX'  snl  Ti]v  Xv/viav],  Yva  01 
uönoQ£v()f,tBvoi  ßlevrcßOiv  ro  cpiog  fr.  (p.  ßXe/ccoOcv].  In  AM 
liegt  also  entschieden  Mt.  zu  Grunde,  während  die  Form  des 
Satzes  lukanisch  ist.  T  ist  hier  leider  nur  aus  Aphraates  zu 
controliren  (§  17,  S.  133),  der  nicht  selten  frei  aus  dem  Ge- 
dächtnisse citirt  hat.  Aber  auch  so  ist  noch  deutlich,  dass  in 
T  die  Satzform  die  lukanische  war,  während  Mt.  5,  15  mit- 
verarbeitet ist:  „Niemand  zündet  eine  Leuchte  an  und  stellt 
sie  unter  den  Scheffel  oder  unter  das  Bett,  oder  stellt  sie  an  einen 
verborgenen  Ort,  sondern  er  stellt  sie  oben  auf  den  Leuchter, 
damit  Jedermann  das  Licht  der  Leuchte  sehe",  Aphraates 
bringt  also  mehr  aus  Lucas  als  AM;  aber  der  Aufriss  ist  hiei* 
und  dort  der  gleiche,  und  die  Abweichungen  erklären  sich  un- 
gezwungen bei  der  Annahme,  dass  in  T  der  ganze  Stoff  aus 
Mt.  und  Lc.  bei  diesem  Verse  aufgenommen  war,  AM  und 
Aphraates  aber  frei  citirt  haben. 

3)  Das  Vater  Unser  ist  in  AM  (c.  20  p.  00)  wie  in  T  nach 
Mt.  und  nicht  nach  Lc.  gegeben:  ,,Orate  patrem  vestrum,  qui 
est  in  occulto  .  .  .  .  Sic  dicite  cum  oratis:  Pater  noster  qui  es 
in  caelis".     Auch  in  einem  freilich  freien  Citat  bei  Aphi'aates 

14)  S.  auch  Ztschr.  f.  Kirchengesch.  IV  S.  477 f. 

10* 


148  Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians. 

lieisst  es  (Zahn  §  18  S.  137):  „Betet  im  Verborgenen  zu  dem 
Verborgenen".  An  einer  anderen  Stelle  freilich:  ..Bete  zu 
deinem  Vater  im  Verborgenen".  AM  liegt,  wenn  richtig  über- 
setzt worden,  die  LA  zqi  iv  zo)  y.QV7rT('j  zu  Grunde.  Ob  Aphraates 
das  erste  toj  gelesen  hat,  steht  dahin. 

4)  Aus  c.  5  (p.  45 f.),  c.  13  (p.  73  f.),  c.  16  (p.  82),  c.  17 
(p.  83)  ergiebt  sich,  dass  AM  nach  Mt.  7,  18  gelesen  hat:  ou 
ÖLvaTau  ötvÖQov  /mIov  xagTVOvg  xaxovg  Tioi^Gai ,  ovöi  f.irjv 
öevdoov  zofxov  Y,aXovg  '/,ci()7tovg  notildcci.  Für  xaXov  hat  aber 
Mt.  dya^ov,  .für  xaxot^g  vielmehr  Trovrjgovg,  für  noirjoai  ferner 
ivayKelv,  für  zay.ov  —  oajLQov.  Das  KCtKov  in  AM  stammt  ebenso 
wie  das  ttoisIv  aus  Lc.  6,  43.  AM  hat  also,  ganz  wie  wir  das 
bei  T  gewohnt  sind,  wirklich  einen  lukanisch  modificirten  Mat- 
thäustext. Es  bietet  aber  ausserdem  AM  (p.  83,  den  Satz:  .,de 
fructibus  arbor  cognoscitur",  als  ausdrückliches  Schriftcitat. 
Dieser  Satz  fehlt  in  der  Bergpredigt  bei  Mt.;  er  findet  sich  aber 
Mt.  12,  33  {sY,  Tou  v.aQTcov  zo  öevögov  yivcoay.azai)  und  ähnlich 
Lc.  6,  44  {f'y.aoTov  öevÖQOv  iz  zov  idlov  -/.agnov  yLViooyazcci). 
T  aber  bietet  (§  19  S.  138):  „Nicht  kann  der  gute  Baum 
schlechte  Früchte  geben,  und  nicht  kann  der  schlechte  Baum 
gute  Früchte  geben  (Mt.);  denn  an  seinen  Früchten  wird 
der  Baum  erkannt".  Die  Parallele  zu  AM  ist  hier  frappant 
(s.  auch  den  Plural  „Früchte",  den  beide  gegen  Mt.  haben). 
Ein  Bedenken  könnte  man  nur  daraus  schöpfen,  dass  in  T 
der  Spruch  innerhalb  der  Bergpredigt,  also  aus  Lc.  6,  angeführt 
ist,  während  er  in  AM  aus  dem  12.  Cap.  des  Mt.  stammt. 
Allein  auch  T  hat  die  Fassung  nicht  nach  Lc.  6,  44,  sondern 
nach  Mt.  12,  33.  Es  kann  ausserdem  der  Spnich  in  T  zweimal 
gestanden  haben. 

5)  C.  42  (p.  152)  wird  in  AM  auf  Mt.  8,  10  angespielt 
in  den  Worten:  „Rursum  video  centurionem  valde  divitem 
et  saeculari  praeditum  potestate  fidem  habere  plus  quam 
omnem  Israeli tam".  Bei  Mt.  steht  nur  Iv  zio  ^lagar^l,  da- 
gegen in  T  (§  20  S.  139):  „Non  in  aliquo  in  Israel  tantam 
fidem  inveni". 

6)  Mt.  8,  22  (Lc.  9,  60)  lautet  in  AM  (c.  48  p.  173):  „Ait: 
Dimitte  mortuos  sepelire  mortuos  suos".  Es  fehlt  also  das  dxo- 
Xovd^eL  i-ioi  des  Mt.;  eben  dasselbe  fehlt  aber  auch  in  T  (§  22 


Die  Acta  Archelai  und  das  Diatessaron  Tatians.  149 

S.  140):   „Es  spracli  zu  ihm  der  Herr:   Lass   die  Toclteii  ilire 
Todten  begraben". 

7)  C.  18  (p.  87)  heisst  es  in  AM:  „Sicut  enim  si  assumen- 
tum  panni  rudis  a.ssiiat  quis  vestimento  veteri,  maior  scissura 
fit  ...  .  [Nemo  potest  vinum  novum  in  utres  veteres  mittere, 
alioquin  rumpentur  utres,  et  vinum  efPundetur  .  .  .  (sed  vinum 
novum  in  utres  novos  mittendum  est").  In  diesem  Citat  sind 
die  Texte  Mt.  9,  16 f.;  Mr.  2,  21  f.;  Lc.  5,  36f.  mit  einander 
verbunden,  und  zwar  so,  dass  der  Inhalt  dem  Text  in  Mt.  ent- 
spricht, die  Form  sowie  der  Schlusssatz  lukanisch  ist,  das  ,,assuat" 
aber  nur  aus  Mr.  {sTrioa/crei)  belegt  werden  kann.  In  T  (§  14 
S.  130,  Aphraates)  kann  leider  der  Abschnitt  kaum  controiirt 
werden;  aber  seine  Composition  in  xlM  ist  der  Hypothese,  er 
stamme  aus  T,  sehr  günstig. 

8)  Aus  der  Perikope  Mt.  16,  13  f.  bietet  AM  c.  47.  48 
(p.  171.  173)  folgendes:  „Apostolus  Petrus  discipulorum  omnium 
eminentissimus  tunc  agnoscere  eum  potuit,  cum  singuli  opiniones 
suas,  quas  de  ipso  habebant,  promerent,  ait:  Tu  es  Christus, 
filius  dei  vivi,  et  statim  beatiticat  eum  dicens:  Quoniam  reve- 
lavit  tibi  pater  mens  caelestis  ...  Ei,  qui  dixit,  Tu  es  Christus, 
iilius  dei  vivi,  beatitudinem  benedictionemque  restituit  .  .  . 
Petrus  aliquando  cum  iam  beatificationem  fuisset  ab  eo  con- 
secutus,  ait  ad  lesum:  Propitius  esto  domine,  non  erit  tibi 
istud,  cum  dixisset  ei  lesus,  quia  oporteret  filium  hominis  ascen- 
dere  lerosolymam  et  occidi  et  tertia  die  resurgere;  respondens 
ait  Petro:  Vade  retro,  Satana,  quia  non  sapis  quae  dei  sunt, 
sed  quae  hominum  sunt".  Zunächst  ist  vielleicht  bereits  be- 
merkenswerth,  dass  T  nach  Ephraem  p.  155.  229  die  Worte: 
„quia  scandalum  es  mihi"  nicht  enthalten  zu  haben  scheint. 
Wenigstens  ist  es  fraglich,  ob  man  sich  auf  p.  154  berufen 
darf.  Auf  das  „hominum"  im  letzten  Satz  wird  nichts  zu  geben 
sein.  Dagegen  ist  es  gewiss  nicht  zufälhg,  dass  auch  AM  von 
einer  Gründung  der  Kirche  auf  Petrus  nichts  zu  wissen  scheint  i^). 
Z  ah  IL  hat  zwar  §  42  (S.  163)  und  S.  243  f.  meine  Nachweisungen 
aus  Ephraem  für  bedeutungslos  erklärt;  aber  er  selbst  ist  wohl- 
weislich stillschweigend  über  die  von  T  gebotene  Phrase:  „et 
portae  inferi  te  non  vincent"  hinweggegangen.    Auch  AM  weiss 


15)  S.  Ztschr.  f.  Kirchengesch.  IV  S.  484 f. 


150  ^"'  '^^'^'^  Arclielai  inicl  das  Dintessaron  Tatians. 

von  einer  Segnung  und  Seligpreisung  des  Petrus  als  des  Grund- 
felsens der  Kirche  nichts,  obgleich  die  Perikope  recht  ausiuhr- 
lich  behandelt  wird.  Man  kann  es  freilich  noch  immer  für  Zii- 
iali  erklären,  dass  in  AM  ebenfalls  davon  nichts  steht,  und  dies 
um  so  jnehr,  als  ja  AM  auch  die  Worte:  .,Tu  es  petra  et  portae 
inferi  te  non  vincent",  welche  sicher  in  T  enthalten  v/aren^ 
nicht  bietet.  Allein  das  Schweigen  bei  Ephraem  und  in  den 
Acten  für  ein  zufälliges  zu  erklären,  ist  desshalb  m.  E.  nicht 
gestattet,  weil  Ephraem  die  LA  .,te  non  vincent"  aufweist.  Aus 
Angers  Synopse  (p.  117)  kann  man  sich  am  kürzesten  über 
die  mangelnde  F)ezengung  von  Mt.  16,  18  belehren.  Im  zweiten 
Jahrhundert  hat  kein  Kirchenvater  oder  Häretiker  auf  diesen 
Vers  angespielt,  auch  dort  nicht,  wo  man  nach  dem  Context 
eine  Anspielung  erwartet  (z.  B.  Just.  Dial.  100  p.  350;  Iren.  111, 
18,  4.  HI,  13,  2  etc.).  Erst  TertuUian  und  der  Verfasser  der 
clementinischen  Homilien  bezeugen  ihi>. 

9)  C.  21  (p.  91) 'finden  sich  in  AM  Fragmente  aus  der 
grossen  Rede  Jesu  gegen  die  Pharisäer.  Dieselbe  ist  für  T 
aus  Ephraem  und  Aphraates  nur  sehr  unvollständig  und  un- 
genau zu  reconstruiren  (g  77  S.  197).  Indessen  ist  soviel  ge- 
wiss, dass  Tatian  auch  hier  Mt.  23  mit  Lc.  11,  39  f  verschmolzen 
hat  (Mr.  12,  38 f.).  In  AM  lässt  sich  dieselbe  Verschmelzung 
nachweisen.  Das  „camelum  glutire"  ist  aus  Mt.  23,  24.  Der 
Spruch:  „Vae  vobis  scribae  et  Pharisaei  hypocritae,  quare  quod 
deforis  est  catini  et  calicis  lavatis;  quod  autem  intus  est,  im- 
munditia  plenum  estV  Aut  nescitis  quia  qui  fecit  quod  foris 
est,  et  quod  de  intus  est  fecit",  ist  aus  einer  Combination  von 
Mt.  23,  25  mit  Lc.  11,  39  entstanden.  Bei  Aphraates  steht  der 
Spruch  anders;  aber  gerade  hier  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass 
wir  eine  gedächtnissmässige  Reproduction  zu  erkennen  haben. 
In  AM  wird  ferner  noch  auf  Mt.  23,  23  (Lc.  11,  42)  und  auf 
Mt.  23,  6.  7  (Lc.  20,  46.  Mr.  12,  38)  angespielt.  Hierbei  kommt 
auch  der  Ausdruck  „}»rimos  discubitus  in  coenis"  vor  '^').  Aphraates 
(s.  Zahn,  a.  a.  0.  g  77  n.  I)  bietet  das  „primos"  niclit,  was 
Zahn  weder  zu  belegen  noch  zu  erklären  wasste.  Es  ist  wohl 
auch  hier  W^illkür  des  Aphraates  anzunehmen. 


10^  Cod.:  „primos  tliscipulos  .subitos",  was  aus  einer  Dittogvaphie  von 
discubitus  entstanden  sein  luuss 


Die  Acta  Archclai  und  das  Bialei^saron  Tatians.  151 

10)  C.  40  (p.  144)  wird  in  AM  mit  den  Worten:  ,,sed  et 
discipvilüs  in  die  sabbati  vellere  spicas  ac  manibus  conlnciire 
non  proiiibet",  auf  die  Inkanisclie  Recension  der  Perikope 
(Lc.  6,  1)  hingewiesen;  denn  weder  Mt.  noch  Mr.  bieten  das 
„confricare  manibns".  Aber  auch  T  (§  15  S.  VM)  hat:  ,,evellere 
et  fricare". 

11)  C.  40  (p.  14  4)  heisst  es  in  AM:  „uoster  dominns  percii- 
tienti  unam  maxijlam  iubet  (iuberet)  etiam  alteram  praeparari''. 
Das  ist  Lc.  6,  29,  nicht  Mt.  5,  39,  wo  de^idv  steht.  Es  bietet 
aber  auch  T  (§  17  S.  133):  „Qui  percutit  maxillam  tuam, 
porrige  ei  et  alteram  parteni"  (so  Ephraem  p.  65  bis,  j).  69  bis, 
p.  70),  resp.:  „si  quis  te  percusserit  in  maxillam,  praebe  ei  et 
alteram"  (so  E  p.  133).  Der  Matthäustext  ist  auch  hier  durch 
Lc.  ersetzt. 

12)  Der  nur  von  Lc.  überlieferte  Spruch  vom  Fall  des  Sa- 
tans (10,  18)  findet  sich  sowohl  AM  c.  20  (p.  90,  s.  p.  119), 
als  auch  T  §  29  (S.  148). 

13)  Ebenso  steht  der  folgende,  allein  von  Lc.  bewahrte 
Spruch  (10,  19)  in  AM  (c.  32  p.  122):  „Dedit  enim  nobis  pote- 
statem  calcandi  super  serpentes  et  scorpiones  et  omnem  virtu- 
tem  inimici",  und  in  T  (§  29  S.  148):  „Ecce  dedi  vobis  pote- 
statera  calcandi  sei'pentes  et  scorpiones  et  omnem  virtutem 
inimici",  gleichlautend. 

14)  G.  45  (p.  164)  —  den  Hinweis  auf  diese  Stelle  ver- 
danke ich  Zahn  —  wird  vom  Verfasser  der  Acten  Joh.  1,  17 
eng  mit  dem  vorhergehenden  Verse  verbunden.  Das  yaqiv  avrl 
XaQiTog  soll  sich  darin  zeigen,  dass  die  Christen  in  dem  mosai- 
schen Gesetz  die  erste  xctQig  erhalten  haben,  an  deren  Stdle 
dann  durch  Christus  eine  andere  ys^Q^i  getreten  sei.  Moses, 
d.  h,  das  Gesetz,  wird  zwar  schon  gegenüber  den  Zauberern 
als  „veritas"  bezeichnet,  da  es  ex  plenitudine  Jesu  stammt,  aber 
durch  Christus  ist  doch  noch  eine  andere  ,,gratia  in  nobis  com- 
pleta"  („Vides,  quomodo  lamnem  et  Mambrem  hominibus  coni- 
parat  corruptis  mente  et  reprobis  circa  fidem;  Moysen  vero 
veritati.  Sed  et  S.  Joannes  .  .  ait,  gTatisim  gratia  praestare  et 
differe;  ex  plenitudine  enim  Jesu  legem  Moysi  accepisse  nos 
dicit;  aliam  autem  gratiam  pro  illa  gratia  per  lesum  Christum 
esse  completam  in  nobis").    Diese  Exegese  fügt  sich  nicht  wohl 


152  r>i^  Acta  Archelai  und  das  Diate.ssaron  Tatians. 

ZU  dem  überlieferten  Texte  Joli.  1,  16*17;  sie  fügt  sich  ent- 
schieden besser  zu  dem  Texte  in  T,  wie  Ephraem  ihn  gegeben 
(§  (5  S.  121):  ,;Per  Moysen  lex  data  est,  sed  veritas  "eins  per 
lesum  facta  est",  obgleich  auch  so  nicht  alle  Schwierigkeiten 
weggeräumt  sind. 

15)  In  dem  giiechisch  erhaltenen  Stück  von  AM  (c.  5 
p.  46)  wird  auf  Joh.  1,  18  angespielt  in  den  Worten:  /.at  tov 
f.iovoyev?)  zov  sx  twv  aoItkov  tou  jiaiQOQ  /.araßcivrcc  Xqiotov; 
c.  7  (p.  52)  lesen  wir:  tov  viov  avrov  aTtlaxeuev  o  (rya^og 
/cazTJQ  SA  tcov  '/.öXnvjv;  c.  47  (p.  169):  ,,ipse  testimoniura  dat, 
quia  de  sinibus  patris  descendit".  Hieraus  darf  geschlossen 
werden,  dass  der  Evangeiientext,  welcher  AM  zu  Grunde  hegt, 
gelautet  hat:  6  (.tovoysvrjg  (vwg)  6  lov  sk  twv  Y.olmov  tov  na- 
tqÖc,  gegen  den  Vulgärtext.  An  dieser  Annahme  kann  nicht 
irre  machen,  dass  c.  32  (p.  121)  zu  lesen  steht:  „Dominum  nemo 
vidit  unquam  nisi  unigenitus  filius,  qui  est  in  sinu  patris";  denn 
dieses  Citat,  wie  es  sich  denn  auch  ebenso  Iren.  III,  11  findet, 
ist  augenscheinlich  vom  üebersetzer  dem  ihm  geläufigen  Texte 
conform  gemacht.  Es  heisst  aber  auch  in  T  (§6  S.  121  n.  6), 
wie  Zahn  gezeigt  hat:   „unigenitus,  qui  est  ex  sinu  patris". 

16)  C.  47  (p.  169)  liest  man  in  AM:  „Non  veni  facere 
voluntatem  meam,  sed  eius  qui  misit  me".  Zacagni  hat  für 
dieses  Citat  auf  Joh.  6,  38  verwiesen:  otl  YMTaßeßrjxa  aicö  tou 
oigavou  ov%  %va  tiouo  t6  d'iXrifj.a  to  suov  ,  aXXa  to  ^ih]ua 
TOV  TrifiapavTog  (.u.  Diese  Stelle  ist  auch  gewiss  gemeint;  da 
sie  aber  nicht  genau  wiedergegeben  ist,  so  könnte  man  auch 
an  Joh.  5,  30  denken.  In  T  aber  lesen  wir  nach  Ephr.  234 
(§  35  S.  156)  fast  wörtlich  wie  in  AM:  „Non  veni  facere 
voluntatem  meam,  sed  voluntatem  eius  qui  misit  me".  Dazu 
bemerkt  ZmIiu  (n.  4):  „Auf  Joh.  5,  3(1  wir-i  das  nicht  zurück- 
gehn".  AM  bestätigt  also  hier,  dass  in  T  das  xavaßißrjya  dno 
TOV  ovQCivov  ovx  i^'Ci  noLw  durch  das  einfache  ,,non  veni  facere" 
wiedergegeben  war. 

Die  in  dieser  Zusammenstellung  aufgeführten  Fälle  sind 
für  die  Entscheidung  der  Frage,  ob  in  AM  \virklich  T  l^enutzt 
ist,  von  verschiedenem  Gewicht.  Am  belangreichsten  sind  die 
Nrr.  1;  4;  5;  15;  16;  verhältnissmässig  am  unbedeutendsten  die 
NiT.  3;  6;  10—13;  mehr  Gewicht  kommt  Nrr.  2;  7—9;  14  zu. 
Immerhin    darf  man  sagen,   dass  das  Vorurtheil,    der  syrische 


Die  Acta  Arclielai  und  das  Diatessaron  Tatians.  153 

Verfasser  der  ilcta  Archelai  habe  aus  dem  Diatessaron  ge- 
schöpft, durch  eine  genaue  Untersuchung  der  von  ihm  beige- 
brachten Evangeliencitate  nicht  erschüttert,  sondern  verstärkt 
wird.  Es  darf  mithin  für  wahrscheinlich  gehalten  werden, 
dass  die  Lückenhaftigkeit  und  Unsicherheit  des  Beweises  für 
diese  These  wirklich  lediglich  in  der  besonders  ungünstigen 
Art  der  Ueberlieferung  von  T  und  AM  ihren  Grund  hat. 


Zur  handschriftlichen  Ueberlieferung  der 
griechischen  Apologeten. 

1.  Der  Aretliascodex,  Paris.  Or.  451. 

Von  Oscar  v.  Gebhardt. 


Der  neuste  Herausgeber  der  griecliischeii  Apologeten,  v. 
Otto,  hat  sich  in  der  wenig  beneidenswerthen  Lage  befunden, 
sein  liüstzeug  durchweg  au3  zweiter  Hand  beziehen  zu  müssen. 
Hieraus  erklärt  sich  ein  Hauptgebrechen  des  Corpus  Apologe- 
tamm:  die  ün Vollständigkeit  und  Unzuverlässigkeit  des  kriti- 
schen Apparates.  Einem  anderen  Mangel,  welcher  sich  zum 
Theii  aus  dem  eben  genannten  erklärt,  hat  neuerdings  Harnack 
abzuhelfen  gesucht  ^).  Er  ist  dabei  von  der  Voraussetzung  aus- 
gegangen, dass  die  von  Otto  dargebotenen  Angaben  dazu  ge- 
eignet seien,  einen  richtigen  Einblick  in  das  Verhältniss  der 
Handschriften  zu  einander  zu  gewälii'en.  Diese  Voraussetzung 
aber  trifft,  wie  wir  zu  beweisen  in  der  Lage  sind,  nicht  zu. 
Wenn  es  Harnack  nichtsdestoweniger  gelungen  ist,  zwischen 
WerthvoUem  und  Werthlosem  mit  hinreichender  Bestimmtheit 
zu  scheiden,  so  wird  man  seinem  Scharfblick  zwar  alle  Achtung 
zollen,  die  von  ihm  gewonnenen  Iiesultate  aber  nur  insoweit 
gutheissen  können,  als  sie  sich  an  einer  erneuten,  zuverlässigen 
Erhebung  und  Prüfung  des  gesammten  Materials  bewähren. 
Und  in  der  Hauptsache,  das  mag  hier  gleich  vorausgeschickt 
werden,  bewähren   sie  sich  in  der  That.     Ja   die  richtige  und 

1)  Die  Ueberlieferung  der  griecliischen  Apologeten  des  zweiten  Jahr- 
Imudcrts  (Texte  und  Untersuchungen  1.  II).   Leipzig  1SS2.    S.  1 — 97. 


Dor  Avothascodex,  Paris.  Gr.   151.  155 

Yollsüindige  Keimtuicjs  des  liandsciiriftliclien  Bostaiides  dient 
sogar  dazu,  di\s  HauptT(3Sultat  der  liarnack'schen  ünfccrsuclnmg 
gegen  Einwände  zu  sichern,  welche  bereits  von  beachtenbwerther 
Seite  dagegen  erhoben  worden  .sind. 

Den  Nachweis,  dass  der  Ärethascodex,  Paris.  451,  ursprüng- 
lich auch  die  Apologie  Tatians  enthielt,  hat  Harnack  über- 
zeugend ixeführt.  Diese  Entdeckung  setzte  ihn  in  den  Stand, 
eine  ganze  Gruppe  von  Handschritlen,  Avelche  bisher  in  der  Luft 
schwebten,  auf  ihren  Ursprung  zurückzuführen.  Aber  gerade 
hiermit  ist  er  auf  Widerspruch  gestossen.  Zwar  dass  der  Cod. 
Mutiu.  III.  D.  7  eine  Abschrift  des  Paris.  451  ist,  wird  auch  von 
Zahn  anerkannt;  aber  die  unmittelbare  Herkunft  des  Cod. 
Paris.  174  und  des  Cod.  Marc.  343  aus  eben  demselben  Arche- 
typus glaubt  er  bestreiten,  und  ausserdem  für  den  Cod.  Fris., 
die  Grundlage  der  ed.  princ.  des  Tatian»  einen  selbständigen 
Werth  in  Anspruch  nehmen  zu  müssen  '^).  Hätte  es  damit  seine 
Kichtigkeit,  so  geriethe  der  fesfe  Boden,  welchen  Harnacks 
Untersuchung  zu  gewährleisten  schien,  aufs  neue  ins  Schwanken, 
und  wir  wären  jetzt  wieder  ziemlich  so  weit  wie  wir  vorher  waren. 

Vom  Cod.  Marc.  343  sehen  wdr  hier  ab;  dass  auch  er  weiter 
nichts  ist  als  eine  hier  und  da  etwas  frei  behandelte  Abschrift 
aus  dem  Paris.  451,  wird  in  anderem  Zusammenhange  nach- 
zuweisen sein  ■^•),  Die  Gründe  aber,  welche  Zahn  gegen  die 
Herkunft  des  Paris.  174  aus  dem  Ärethascodex  geltend  macht, 
werden  hinfällig,  sobald  man  die  irrigen  Angaben  v.  Otto's 
berichtigt,  und  was  der  Cod.  Fris.  vor  den  übrigen  Valerian- 
handschriften  voraus  hat,  erklärt  sich  zur  genüge  aus  seinem 
Verhältniss  zum  Marc.  343,  weichen  v.  Otto  für  die  erste  Auf- 
lage des  Tatian  noch   nicht  hatte  vergleichen  lassen  können. 

„Man  muss  zu  sehr  künstlichen  Annahmen  greifen",  schreibt 
Zahn  a.  a.  0..  „um  diesen  (den  Paris.  174)  für  eine  direkte 
oder  indirekte  Abschrift  aus  Paris.  451  halten  zu  können.  Der 
,sorgfältige    und    kenntnissreiche    Schreiber'    (Harnack   S.  58), 


2)  Tlieolog.  Literaturl )latt.  Herausgegeben  von  C.  E.  Luthardt. 
Leipzig  1S82.  Sp.  210  11. 

3)  Die  definitive  Erledigung  dieser  Frage  steht  von  Herrn  Dr.  Ernst 
Maass  zu  erwarten,  welcher  die  Praepar.  ev.  im  Marc.  343  mit  dem 
Paris.  451  grenau  verorliche«  hat 


156  2^^  handficliriftlichen  Ueberlieferung  der  Apologeten. 

welcher  in  dem  Paris.  174  einige  bessere  LAA  gebracht  haben 
Süll,  müsste  z.  B.  in  einem  Exemplar  der  sibjllinischen  Bücher 
(^iu  gar  nicht  näher  bezeichnetes  Citat  des  Athenagoras  (Suppl.  30 
n.  7)  aufgesucht,  glücklich  gefunden  und  darnach  den  Text 
seiner  Vorlage  korrigirt  haben".  Gewiss,  das  ist  kaum  glaub- 
lich. Aber  an  der  angeführten  Stelle  bietet  Paris.  174 
gar  nicht  x.a«,  wie  v.  Otto  angiebt,  sondern  di),  wie 
der  Arethascodex.  — „Er"(nämhch  der  Schreiber  des  Cod.  174), 
fährt  Zahn  fort,  „müsste  nicht  nur  die  unerträgliche,  von  Har- 
nack  S.  58  nur  seltsam  aber  korrekt  befundene  Ehsion  löi 
adeXcpfj  (Supplic.  32  n.  4)  getilgt,  sondern  auch  das  darin  unter- 
gegangene, rhetorisch  ganz  unentbehrliche  de  herausgefunden 
haben.  Es  scheint  mir  offenbar  zu  sein,  dass  das  von  Otto 
nach  anderen  Hss.  aufgenommene  6^  löla  ädelq^f^  die  gemein- 
same Wurzel  des  unmöglichen  Arethastextes  und  des  verkürzten 
Textes  in  Paris.  174  ist".  Auch  diesem  Urtheil  mag  man  gern 
beipflichten.  Aber  der  Ai;ethascodex  bietet  gar  nicht, 
wie  V.  Otto  angiebt,  yvvaiy,l  Iöl  adeXtffiy  sondern 
yvvai'/.iöiadelq^ili  (so,  ohne  Worttrennung,  Spiritus  und 
Accente,  bis  auf  den  Circumflex  über  dem  r^).  Hieran  müsste 
jeder  Abschreiber  Anstoss  nehmen  und  durch  Conjectur  zu 
lielfen  suchen,  so  gut  es  eben  ging;  dass  dabei  der  eine  oder 
andere  auf  das  ursprünghche  yvvar/.iÖLÖiaadE?^q>r]i  verfiel,  kann 
doch  nicht  überraschen,  da  es  gewiss  sehr  nahe  liegt  ^). 

Der  Einwand,  den  Zahn  gegen  Harnacks  Beurtheilung 
des  Cod.  Fris.  erhoben  hat,  erledigt  sich,  wie  schon  erwähnt, 
durch  den  Antheil,  welchen  der  Cod.  Marc.  343  an  der  Ent- 
stehung desselben  hat.  Die  Art  aber  und  der  Umfang  dieses 
Antheils,  wie  die  Entstehung  des  Cod.  Fris.  überhaupt,  muss 
einer  besonderen  Untersuchung  vorbehalten  bleiben.  Für  unseren 
gegenwärtigen  Zweck  wird  die  Constatirung  der  Thatsache  ge- 
nügen, dass  die  38  Lesarten,  welche  mit  vorgesetztem  'al,'  am 
Rande  der  ed.  princ.  stehn,  sich  sämmtlich  als  dem  Marc.  343 
entnommen  erweisen  ^),  während  von  den  mit  einem  Kreuz  oder 

4)  Der  Fehler  reicht  übrigens  wahrscheinlich  über  den  Paris.  451 
hinauf —  vorausgesetzt,  dass  der  Argentorat.  wirklich,  wie  v.  Otto  an- 
giebt, yvvaixl  16l   a6sX(pfj  bot. 

5)  In  drei  Fällen,  welche  hiervon  eine  Ausnahme  zu  bilden  scheinen, 
liei?cu  wahrscheinhch  Druckfehler  oder  Versehen  des  Herausgebers  vor 


D<3r  Aretliascodex,  Paris.  Qv.  451.  157 

Stern  oder  gar  nicht  weiter  bezeichneten  Randlesarten  29  eben- 
falls mit  dem  Marc,  übereinstimmen*').  Man  wird  es  hiernach 
wenigstens  nicht  für  unwahrscheinlich  halten,  dass  das  aoroo- 
voiiish',  welches  die  ed.  princ.  des  Tatian  c.  1  n.  9  hat,  während 
es  in  zwei  (oder  mehr?)  Valerianhandschriften,  wie  im  Paris.  174, 
fehlt,  gleichfalls  aus  dem  Marc.  343  stammt.  Dieser  nämlich 
bietet  es  in  der  That. 

Dient  somit,  wie  wir  gesehn  haben,  in  einzelnen  Fällen 
die  genauere  Kenntniss  der  Handschriften  den  Resultaten  Har- 
nacks  zur  Bestätigung,  so  liegt  es  andrerseits  nahe  anzunehmen, 
dass  das  fehlerhafte  Material,  mit  welchem  die  Untersuchung 
operirte,  nicht  ohne  hemmenden  und  trübenden  Einfluss  auf 
die  Resultate  derselben  geblieben  sein  kann.  Ob  und  in  welchem 
Masse  dies  thatsächlich  der  Fall  gewesen  ist,  lassen  wir  einst- 
weilen dahingestellt.  Es  soll  an  dieser  Stelle  zunächst  nur  der 
Beweis  dafür  erbracht  werden  dass,  wie  wir  oben  behauptet 
haben,  die  von  Otto  dargebotenen  Angaben  nicht  dazu  ge- 
eignet sind,  einen  richtigen  Einblick  in  das  Verhältniss  der 
Handschriften  zu  einander  zu  gewähren.  Zwei  Beispiele  werden 
genügen,  diese  Behauptung  zu  erhärten. 

Bei  der  ßeurtheilung  des  Verhältnisses,  in  welchem  der 
Archetypus  der  von  Valerian  geschriebenen  Handschriften 
zum  Paris.  174  steht,  hat  Harnack  u.  a.  mit  dem  Umstände 
zu  rechnen,  dass  v.  Otto  bei  seiner  Recension  des  Tatian textes 
an  22  Stellen  angeblich  die  Lesart  des  Cod.  Paris,  verlassen 
hat,  um  sich  einer  oder  mehreren  jener  jüngeren  Handschriften 
anzuschliessen  ^).  Wenn  nun  auch  Harnack  eine  Berechtigung 
hierzu  nicht  überall  anerkennt,  so  bleiben  doch  mehrere  Fälle 
übrig  wo  sich  nichts  dagegen  sagen  lässt,  und  dieser  Umstand 
rausste  bei  der  Formulirung  des  Schlussuitheils  über  den  Arche- 
typus   der   Valerianhandschriften    wesentlich    mit   ins   Gewicht 

ß)  Von  jenen  29  Lesarten  stimmen  die  meisten  übrigens  auch  mit 
Paiis,  174.  Das  auffallendste  aber  ist,  dass  von  den  durch  beigesetztes  'lego' 
oder  'forte'  als  Conjecturen  bezeichneten  Lesarten  mehr  als  der  vierte 
Theil,  nämlich  16  sich  auch  im  Cod.  Marc.  (resp.  in  diesem  und  dem 
Paris.  171)  finden.  Das  beweist  jedoch  nur,  wie  unvollständig  die  Kunde 
vom  Cod.  Marc,  war,  welche  dem  Herausgeber  dm'ch  den  Cod.  Fris.  ver- 
mittelt wurde. 

7)  Texte  und  Untersuchungen  J.  II.  S.  18  ff. 


15%^  Zur  hau dschiiftli eben  Ueberliefevun<?  der  Apologeten. 

lallen.  Vi'ie  al^er,  wenn  es  sich  ergiebt,  dass  an  11  von  jenen 
21  Stellen  Otto  über  die  Lesart  des  Paris.  174  falsch 
unterrichtet  Avar,  und  dass  er  an  9  von  diesen  11  Stellen 
in  der  That  dem  Paris.  174  gefolgt  ist,  und  nicht,  wie 
er  nieinte,  den  von  diesem  abweichenden  Valerian- 
liandschriftenV  Wir  lassen  die  11  Stellen  hier  folgen.  C.  1 
n.  10  hat  der  Paris.  174  nicht  i]f.twv,  wie  v.  Otto  angiebt,  son- 
dern vnCJr,  c.  o  n.  19  nicht  ;rQoahi]fif.iatt,  sondern  TToohjfn/jGTi, 
c.  18  n.  5  nicht  Ttay.ov,  sondern  y,alov,  c.  19  n.  2  nicht  utto- 
dfjovaiy  sondern  aTrodi'oioi,  c.  22  n.  14  nicht  iqfiur,  sondern 
tuuvy  c.  23  n.  9  nicht  rpovsvad^ai,  sondern  cpovEvoai^),  c.  26  n.  1 
nicht  €7rr/,oaftovfiepog,  sondern  S7riy,oo/iiovf.i€roi,  c.  27  n.  3  nicht 
ivTvyyärovTCigj  sondern  o.vrvyxavoJTsg,  c.  33  n.  7  nicht  oeiha- 
vlojv,  sondern  GiiXccviwv\  c.  39  n.  10  nicht  n),  sondern  «*,  c.  40 
n.  7  nicht  itvOo),oyiaig,  sondern  f^iid-oloy/av. 

Es  wird  nach  dieser  Probe  keines  weiteren  Beweises  dafür 
bedürfen,  dass  die  Collatioi]  des  Paris.  174,  welche  v.  Otto 
durch  C.  B.  Hase  empfangen  und  seinem  kritischen  Apparate 
einverleibt  hat,  an  Flüchtigkeit  und  Fehlerhaftigkeit  ihres  Gleichen 
sucht  "^).  Man  wird  daher  nicht  anstehn,  unser  obiges  ürtheil 
von  der  viUligen  ünbrauchbarkeit  derselben  für  textkritische 
Zwecke  zu  unterschreiben.  Dass  es  aber  mit  dem  Arethascodex 
selbst  im  Otto'schen  Apparate  nicht  besser  bestellt  ist,  wird 
das  folgende  Beispiel  zeigen. 

Um  den  Werth  des  verbrannten  Codex  Ar  gen  toratensis 
beurtheilen  zu  können,  kam  es  namentlich  darauf  an,  sein  Ver- 
hältniss  zu    der   ältesten  und  werthvollsten  der  uns  erhaltenen 

8)  Diese  auch  diucli  den  Marc.  343  bezeugte  Lesart  wird  künftig  an 
Stelle  dos  von  Otto  dem  Rande  der  ed.  princ.  entnommenen  tpovsvfcOai 
zu  treten  haben. 

9)  Der  Marc.  3^3  bietet  hiei-  aF?.(xviwv:  weiter  unten  aber  haben  beide 
(jikaviüDv,  wie  v.  Otto  im  Text. 

10^  Die  untfer  solchen  [Jmständen  naheliej^ende  Vcrnmthung,  dass 
Hase  den  Tatian  im  Cod.  Paris.  174  nicht  selbst  verglichen  haben  möchte, 
scheint  durch  v.  Otto's  Angabe  ausgeschlossen  zu  sein.  'Is  quippe'  (sc. 
Car.  Bened.  Hase),  so  heisst  es  darüber,  'egregium  venernndae  antiquitatis 
eodieera,  rogante  me,  denuo  inspexit  et  quae  ipse  accuratissime  (!)  enotavit 
<»denda  mihi  concessit'  (Corp.  Apolog.  christ.  Vol.  VI.  lenae  18öl.  Pro- 
legom.  p.  XIV').  Vielleicht  aber  liat  Ha.se  .sicli  doch  nucli  in  die.sem  Falle 
einer  Hülfe  bedient  (vgl.  unten  S.  ino  u.  Anni.  11)  und  nur  untorlassen, 
V.  Otto  davon  in  Kenntni^^K  zu  sclzen. 


Per  Arr^fcluiscotlex,  Paris.  Gr.   151.  159, 

Apoiogetenhandscliriften,  dem  Cod.  Paris.  451,  zu  bestinimeu. 
Mit  diesem  hat  der  Argent.  drei  Schriften  gemeinsam:  die 
pseiidojustinischeGohortatiound  die  beiden  Schriften  des  Athena- 
goray.  Eine  verhältnissmässig  grosse  Zahl  von  Abweichungen 
ist  in  der  Schrift  de  resurr,  zu  constatiren;  sie  beträgt,  wenn 
wir  richtig  gezählt  haben,  etwa  120.  Sieht  man  aber  genauer 
zu,  so  reduciren  sich  diese  120  Varianten  fast  um  ein  volles 
Drittel,  denn  an  30  von  den  angeführten  120  Stellen  liegt 
in  Wirklichkeit  gar  keine  Verschiedenheit  vor:  an  allen 
diesen  Stellen  weist  der  Paris.  451  dieselben  Lesarten 
auf,  welche  v.  Otto  im  Unterschiede  von  ihm  dem  Ar- 
gent. beilegt.  C.  1  n.  20  bietet  Paris.  451  nicht  s&fliov 
()t(h:co/.eiv,  sondern,  wie  Argent.,  didao/.ecr  e^e^wi^,  c.  2  n.  IG 
nicht  10  7iitQanar  öivriO^eliq,  sondern  dvrr^Oel/jq  tö  TtaqanaVy 
c.  2  n.  24  nicht  yf-iM^n',  sondern  i-tisllei' ,  c.  3  n.  16  nicht 
i.y,uvoiQ  avzoig,  sondern  avTolg  eAeivoig,  c.  4  n.  2  nicht  xa/, 
sondern  r/,  c.  4  n.  12  nicht  eöriöcoftttj'ovg,  sondern  iöriSsfiuvovg, 
c.  5  n.  3  nicht  xai,  sondern  de,  c.  5  n.  6  nicht  avdyxrjgy  son- 
dern th'  avdy/.r^g,  c.  5  n.  12  TrQoajceXdCeiv  mit  einem  Strich 
durch  das  r,  c.  7  n.  12  nicht  ravTr],  sondern  xaijTqVy  c.  8  n.  2 
nicht  zov  acTor ,  sondern  zavTov  (sie),  c.  11  n.  16  nicht  nqo- 
'/.ad-aincoVy  sondern  nQoÖLav.ad^aiQiov,  c.  12  n.  14  nicht  toi)  son- 
dern 70,  c.  12  n.  25  ('cvO-QLü7tov  ohne  zov,  c.  13  n.  4  nicht  d&öo- 
fib.viovy  sondern  öiöofiivon' ,  c.  13  n.  0  Üem^ia  nicht  nach  «£/, 
sondern  vor  (Jivötafih'eir ,  c.  14  u.  9  XQ"*]^'  ^^  (^^*^  2-  Hand) 
drübergeschriebenem  an  genau  wie  Argent.,  c.  14  n.  10  nicht 
zi  öiy  soiidern  i},  c.  15  n.  21  nicht  dövr.  öiaiiUi'.,  sondern  öia^ttv. 
afJ/'j'. ,  c.  IG  n.  7  nicht  Ao/.  ßovl.,  sondern  ßovl.  hjy,,  c.  IG 
n.  IG  nicht  lioi^r  Xe.y.^  sondern  Af/.  Lwr}j',  c.  17  n.  11  nicht 
yt)>0(.ih(i)r,  sondern  ytrofUrior,  c.  19  n.  9  nicht  'Äi^pt')(^rig  ßLog, 
sondern  y.zr^vcüdrjg  y  ^iqQWjdrig  ßiog,  c.  19  n.  10  nicht  dyador, 
sondern  dyad-cov,  c.  19  n.  21  nicht  ev  tui  cpOaQzo)  acof-t.,  son- 
dern iv  (f^ccQivt  TU)  üwf.1.,  c.  20  n,  1  rj  ipvyj)  nicht  nach  uh- 
Tog,  sondern  vor  Aalf"  havi^v,  c.  20  n.  5  nicht  hieidi.,  sondern 
hp€iy  c.  21  n.  11  (von  erster  Hand)  nicht  /.riiaig,  sondern  y.xloig^ 
c.  21  n.  2!  onÖT  ttv,  c.  22  n.  5  ovöi  luäg,  c.  22  n.  11  dXlo- 
TQUtjv  ohne  -zutv^  c.  22  n.  12  nicht  */,  sondern  zoff,  c.  23  n.  10 
oliog  nicht  nach,  sondern  vor  orx  taxtv.  ebendas,  ydftog  ohne 
0,  c.  23  n.  13  rpraiÄ.  t'vö.  ohne  t}]r,  c.  23  n.   15  jreQi  ziig  dva- 


lÖO  Zur  handschriftlichen  üeberlieferung  der  Apologeten. 

öTixaetogf  c.  24  n.  9  nicht  ^iriöSf  sondern  f-iriy  c.  24  n.  11  toutov 
ohne  ar,  c.  25  n.  13  nicht  övTOgy  sondern  dovvog. 

Die  Collation  der  beiden  Schriften  des  Athenagoras  nach 
dem  Cod.  Paris.  451  hat  v.  Otto  ebenfalls  von  Hase  empfangen; 
wir  erfahren  aber,  dass  letzterer  sich  dabei  der  Hülfe  eines 
Griechen  namens  Sypsomos  bediente.  Nach  der  Beschaffen- 
heit der  Arbeit  zu  urtheüen,  kann  Hase's  eigener  Antheil  daran 
nur  ein  sehr  geringer  sein;  dass  sie  völlig  untauglich  ist,  wird 
nun  als  erwiesen  gelten  können  ^ '). 

Welchen  Einfluss  diese  Beschaffenheit  des  Materials  nament- 
lich auf  die  Untersuchung  des  Verhältnisses  zwischen  Paris.  45 1 
und  Paris.  174  üben  musste,  kann  man  sich  leicht  vorstellen  ^^). 
Wir  erinnern,  um  lüerfür  nur  ein  Beispiel  anzuführen,  an  die 
Schwierigkeit,  welche  das  in  der  Schrift  de  resurr.  c.  7  (n.  8) 
vom  Paris.  174  dargebotene,  im  Paris.  451  angeblich  fehlende 
ov  xoXijg  ov  Ttvsvf^azog  Harnack  bereitet  hat  (S.  60  f.).  Die 
Lösung  ist  in  Wirklichkeit  eine  sehr  einfache:  die  Worte 
fehlen  zwar  im  Text  des  Paris.  451,  sind  ihm  aber,  und 
zwar  von  erster  Hand,  am  Rande  beigeschrieben  und 
von  dorther,  wie  so  manches  andere,  in  den  Text  des 
Paris.  174  übergegangen. 

Wir  räumen  die  Möglichkeit  gern  ein,  dass  die  im  bis- 
herigen  von   uns  charakterisirten  CoUationen  aus  den  beiden 


11)  Welche  Stücke  des  Cod.  451  Hase  und  welche  Sypsojnos  ver- 
glichen hat,  ist  aus  v.  Otto 's  Angaben  nicht  zu  ersehen.  Er  schreibt 
(Corp.  Apolog.  Christ.  Yol.  VII.  lenae  1857.  Prolegom.  p.  XIV):  'Equi- 
dcm  lectiones,  quae  hunc  editorem  (sc.  Maranum)  latuerunt,  uua  cum 
scholiis,  quae  nunc  primum  prodeunt,  acceptas  refero  humanitati  Caroii 
Benedict!  Hase,  illustrissimi  librorum  mstormn  illius  bibliothecae  con- 
servatoris:  is  quippe  egregium  codicem,  rogante  me,  denuo  inspexit  et 
quae  ipse  enotavit,  vel  ex  parte  per  virum  eruditissimum  Zvxpco/jiov, 
graeco  genere  natum,  enotanda  curavit,  ad  me  transmisit  ut  ederentur'. 
Irren  wir  nicht,  so  hat  Hase  nur  die  Cohortatio  selbst  verglichen;  die 
Zahl  der  irrigen  Angaben  ist  hier  eine  weit  geiingere. 

12)  Eine  ungleich  genauere  Vergleichung  der  Pariser  Handschi-iften 
als  V.  Otto,  bietet  Nolte  im  6.  Bande  der  Migne'schen  Patrol.  Gr.,  Col. 
1709 — 1816.  Sie  scheint  aber  Harnack  ganz  entgangen  zu  sein.  Zu  der 
im  Texte  sogleich  zu  erwähnenden  Stelle  de  resurr.  c.  7  bemerkt  Nolte 
freilich  nur:  'ov  X'  ov  nv,  A  marg.',  ohne  anzugeben  —  worauf  es  afc<ir 
hier  gerade  ankommt  — ,  von  welcher  Haäid. 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  151 

Pariser  Handschriften  451  und  174  zu  den  schlechtesten  im 
Otto'schen  Apparate  gehören,  und  dass  er  in  anderen  Fällen 
besser  bedient  worden  ist;  hinsichtlich  des  Cod.  Paris.  450 
können  wir  dies  selbst  bezeugen  ^^).  Nichtsdestoweniger  wird 
man  es  gern  hörei-i,  dass  eine  Neuerhebung  des  gesamniten 
handschriftlichen  Materials  nicht  nur  erst  geplant,  sondern  zum 
grüssten  T heile  schon  ins  Werk  gesetzt  worden  ist.  Verfasser 
dieser  Bemerkungen  hat  im  Januar  und  Februar  1882  die  beiden 
Pariser  Handschriften  451  und  174  zum  grössten  Theil  und 
die  Apologien  Justins  im  Cod.  450  vollständig  verglichen,  des- 
gleichen im  März  desselben  Jahres  den  Tatian  im  Marc.  343. 
Auf  eine  Collationirung  des  Mutin.  HL  D.  7  musste  er  leider  ver- 
zichten, da  er  bei  zweimaligem  Besuch  in  Modena,  im  März 
und  im  Mai  1S82,  den  handschriftlichen  Theil  der  Bibliothek 
vollständig  unzugänglich  fand.  GlückHcher  war  ein  halbes  Jahr 
später  Dr.  Ed.  Schwartz,  mit  welchem  sich  Verf.  zu  einer 
neuen  kritischen  Textausgabe  der  griechischen  Apologeten  ver- 
bunden hat.  Die  Hindernisse,  welche  im  Frühjahr  den  Zutritt 
zu  den  Handschriften  verlegten,  waren  im  November  beseitigt, 
und  die  CoUation  konnte  mit  der  erwünschten  Müsse  und 
Sorgfalt  ausgeführt  werden.  Aber  nicht  nur  den  Mutin.,  son- 
dern auch  den  Marc,  und  die  meisten  jüngeren  in  itaHenischen 
Bibliotheken  zerstreuten  Handschriften  hat  Dr.  Schwartz  be- 
reits untersucht  resp.  coUationirt,  so  dass  von  ihm  namentlich 
auch  die  definitive  Lösung  der  Frage  nach  der  Herkunft  der 
Valerianhandschriften  erwartet  werden  darf. 

Wir  wenden  uns  nun  zu  dem  eigentlichen  Gegenstande 
dieses  Aufsatzes,  dem  Cod.  Paris.  451,  um  auf  Grund  eigener 
Untersuchung  einiges  zur  Berichtigung  und  Ergänzung  des  be- 
reits Bekannten  beizubringen. 

13)  Zu  den  besseren  CoUationen  scheint  g-liicklicher  Weise  auch  die 
des  Aigent.  za  gehören.  Denn  dass  diese  Handschrift,  wie  Kihn  für 
möglich  hält  (Der  Ur;-:prung  des  Briefes  an  Diognet.  Freiburg  i.  Br.  1882. 
S.  38  Anm.  1),  noch  eimual  irgendwo  auftauchen  könnte,  wagt  Verf.  nicht 
zu  hoffen.  Wenigster! .s  wird  in  Stra^sLurg  selbst  der  Sage,  dass  ein  Diener 
der  Stadtbibliothek  vor  dem  Brande  verschiedene  kostbare  Werke  be- 
seitigt habe,  auf  Tias  bestimmteste  widersprochen.  Aber  gesetzt  auch, 
dem  wäre  so,  so  ist  es  doch  nicht  eben  wahrscheinlich,  dass  eine  so  un- 
scheinbare Handschrift,  wie  der  Cod.  Gr.  9,  sich  darunter  sollte  befunden 
haben. 

Texte  iiud  Uutersuchuugon  I,  3.  JJ 


t62  Zur  handschriftlichen  üeberlieferung  der  Apologeten. 

L 

Die  Lückenhaftigkeit  des  Arethascodex  wird  in  allen  neueren 
Beschreibungen  desselben  erwähnt,  und  welche  Bedeutung  die 
eine  dieser  Lücken  für  die  üeberlieferung  der  Apologie  Tatians 
gewonnen  hat,  haben  wir  bereits  angedeutet  (S.  155).  Einen  ur- 
kundlichen Nachweis  des  ümfangs  der  verschiedenen  Lücken 
auf  Grund  der  alten  Quaternionenzählung  lassen  aber  sänimt- 
liche  Beschreibungen  vermissen.  Im  Hinblick  auf  die^  Wichtig-^ 
keit  dieser  Handschrift  scheint  es  uns  angezeigt,  das  Versäumte 
hier  nachzuholen. 

Die  Quaternionenzahi  findet  sich  regelmässig  von  erster 
Hand  auf  dem  ersten  Blatt  einer  neuen  Lage,  links  unten,  an- 
gemerkt. Die  Zählung  verläuft,  von  8  zu  8  Blättern,  ohne 
Unterbrechung  durch  die  ersten  sieben  Lagen  (56  Blätter), 
welche  den  Protrepticus  des  Clemens  Alexahdrinus  vollständig 
enthalten,  lieber  die  nun  folgende  Lücke,  in  welche  die  10  ersten 
Capitel  des  ersten  Buches  des  Paedagogus  hineinfallen,  bemerkt 
Dindorf  nur:  'Desunt  iibri  primi  capita  decem  prima  undeci- 
mique  initium  usque  ad  verba  Tigbg  öi  Kai  z^g  imTtf.n^'  p.  155 
ed.  Pott,  foliis  plnribus  amissis'  ^^).  Harnack  hat  die  Lücke 
auf  5  Quaternionen  (40  Blätter)  berechnet,  und  diese  Berech- 
nung bestätigt  sich  durch  die  erhaltene  Quaternionenzählung; 
der«!  die  mit  fol.  57  beginnende  Lage,  die  achte  des  jetzigen 
Bestandes,  trägt  die  Ziffer  ly.  Der  Verlust  ist  alt,  wie  eine 
Bemerkung  am  unteren  Rande  foL  56b  beweist,  welche  viel- 
leicht noch  dem  14.  Jahrhundert  angehört:  Ivtevd^ev  leiTiovoi 
zetgaöia  e  ,  Die  folgenden  zwölf  Quaternionen,  bis  fol.  152 
(Schluss  von  Quat,  y,ö'),  bieten  keine  Unregelmässigkeit;  Quat 
xfi'  dagegen  besteht  nur  aus  zwei  Blättern:  fol.  153  und  154. 
Eine  Lücke  liegt  jedoch  hier  nicht  vor.  Der  Schreiber  hat 
offenbar  deshalb  nur  ein  Doppelblatt  genommen,  weil  er  sah, 
dass  er  damit  für  den  Rest  des  Paedagogus,  welcher  fol.  154b 
schliesst,  ausreichen  werde.  Mit  der  nun  folgenden  pseudo- 
justinischen  Epist.  ad  Zenam  et  Serenum  beginnt  (fol,  155^) 
Quat.  xg'.  Ein  Anstoss  begegnet  erst  wieder  beim  letzten  Blatt 
von  Quat.  x^',  welches  die  Ziffer  187  trägt,  während  man  dafür 


14)  Clementis  Alexandrini  opera  ex  receusione  Gulielmi  Dindorfii. 
Vol.  I.  Oxon.  1869.    Fraef.  p.  V. 


Der  Arethascüdex,  Paris.  Gr.  451.  163 

188  erwartet.    Die  Differenz  erklärt  sich  daraus,  dass  bei  der 
Numerirung  der  Blätter  zwisclien  fol.  183  und  184  eines  über- 
sprungen wurde  ^^).     Hier,   fol.   187  b,   ist  wiederum  von  jener 
alten  Hand  eine  Lücke  angemerkt:  Evzev^ev  kelfiovGt  Tergdöca 
ö^.    Es  ist  die  Lücke,  welche  den  Schluss  der  Cohortatio,  den 
ganzen  Tatian  und  den  Anfang  der  Praepar.  ev.  des  Eusebius 
in  sich  begreift  (vgl.  Hatnack  a.  a.  0.  S.  25).     Es  fehlen  die 
Quaternionen   l' ,  la  ,  Iß'  und  Xy;   denn  fol.  188  beginnt  so- 
fort Quat.  lö'.    Die  nächsten  fünf  Quaternionen  verlaufen  wieder 
regelmässig,  bis  fol.  227  (Schluss  von  Quat.  Xrj')^  wo  sich  am 
unteren  Rande  der  zweiten  Seite  von  ziemlich  junger  Hand  die 
Bemerkung  findet:   'hie  desiderantur  sex  aut  Septem  folia'.     Es 
fehlen  aber  8  Blätter,  nämlich  Quat.  IS'  vollständig,  denn  fol. 
228  beginnt  Quat.  fi\     Die  Lücke  fällt  ins    zweite  Buch  der 
Praepar.  ev.  und  reicht  von  Tolfurjoag  pag.  137  L  13  bis  äno- 
(prjvaiiuviüv  p.  164  1.  5  der  Gaisfordschen  Ausgabe.    Der  nächste 
Anstoss  besteht   darin  ^   dass  fol.  380  sich  als   das  letzte  Blatt 
von  Quat.  vV   zu  erkennen  giebt,   fol.  381  aber  mit  vd-\   statt 
mit  vri\  bezeichnet  ist.     Dass  aber  nichts  fehlt,   hat  schon  (foL 
380b)   die  Lateinische  Hand  angemerkt,   welcher  wir  fol.  227 
begegneten:  ^Desunt  sex(!)  folia,  quae  inferius  extant  a  fol.  seil. 
390  A  ad  397  B\    Wenn   wir  'octo'    statt  'sex'  setzen,   so  hat 
es  damit  seine  Richtigkeit;  denn  Quat.  viq'  ist  verbunden  und 
findet    sich  jetzt   zwischen  dem   ersten  und  zweiten  Blatt  von 
Quat.  ^',  fol.  390  bis  397.    Quat.  §\  die  letzte  Lage  der  Hand- 
schrift, besteht  jetzt  nur  aus  sieben  Blättern  (389.  398  bis  403); 
es  scheint  zwischen  fol.  401  und  402  ein  Blatt  ausgefallen  zu  sein. 
Die  Handschrift  bestand  also,  vorausgesetzt  dass  sich  ausser 
der  angeführten  (Quat.  ks)  eine  weitere  Unregelmässigkeit  nicht 
fand,  ursprünglich  aus  59  Quaternionen  und  einer  Lage  von 
2  Blättern;    die  Gesammtzahl   der  Blätter  betrug  mithin  474. 
Ziehen   wir  davon   die  in  Verlust  gerathenen  10  Quaternionen 
und  1  Blatt  ab,  so  bleiben  nur  393  Blätter  übrig,  während  jetzt, 
wie  bemerkt,   das   letzte  Blatt  die  Ziffer  403  trägt.    Die   Er- 
klärung hegt  darin,  dass  die  Numerirung  von  369,  mit  üeber- 


15}  Ein  früherer  Fehler  in  der  Numerirung,  dass  nämlich  zwei  Blätter 
mit  Nr.  106  bezeichnet  sind,  glich  sich  dadurch  wieder  aus,  dass  zwischen 
fol.  125  und  fol.  126  ein  Blatt  übergangen  ist. 

11* 


164  Zur  handscliriftlichen  Ueberlieferung  der  Apologeten. 

springung  von  zehn  Ziffern,  auf  380  übergeht.  Der  schon  er- 
wähnte Fehler,  dass  zwischen  fol.  183  und  181  ein  Blatt  über- 
sprungen ist,  wird  dadurch  wieder  ausgeglichen,  dass  zwei 
Blätter  mit  244  beziffert  sind,  sowie  ein  weiterer  Fehler,  dass 
nämlich  zwischen  fol.  314  und  315  ein  Blatt  übergangen  ist, 
dadurch,  dass  zwei  auf  einander  folgende  Blätter  die  Zahl  360 
erhalten  haben. 

Diese  Musterung  der  alten  Quatemionenzählung  setzt  uns 
in  den  Stand,  mit  Sicherheit  zu  constatiren,  dass  dem  Cod.  451 
ausser  der  Apologie  Tatians  keine  vollständige  Schrift  abhanden 
gekommen  ist.  Es  ist  somit  jede  Vermuthung  ausgeschlossen, 
dass  er  ursprünglich  noch  eine  der  kleineren  apologetischen 
Schriften,  etwa  die  eine  oder  andere  der  uns  allein  durch  den 
Argent.  überlieferten  pseudojustinischen,  enthalten  haben  könnte. 

n. 

Dass  der  Cod.  451  mit  einem  verhältnissmässig  breiten 
Rande  ausgestattet  ist,  hat  schon  Duebner  (Dindorf)  bemerkt. 
Die  Blatthöhe  beträgt  nämlich,  c.  24,3  Centim.,  die  Breite  c.  18,8 
Centim.,  die  Columnenhöhe  (zu  26  Zeilen)  nur  c.  14,5  bis  14,8 
Centim.,  bei  einer  Breite  von  nur  11  bis  12  Centim.  Nach  Har- 
nacks  Meinung  hätte  Arethas  der  Handschrift  deshalb  einen 
so  breiten  Eand  geben  lassen,  um  darauf  seine  Bemerkungen 
zum  Texte  schreiben  zu  können  (a.  a.  0.  S.  28  £).  Wir  berühren 
damit  eine  Frage,  die  litterargeschiclitlich  von  so  hoher  Be- 
deutung ist,  dass  es  sich  schon  verlohnt,  etwas  näher  darauf 
einzugehen. 

Als  der  Druck  von  Harnacks  Abhandlung  über  *die  Ueber- 
lieferung der  griechischen  Apologeten  des  zweiten  Jahrhunderts' 
im  Januar  1882  begann,  war  Verfasser  dieser  Bemerkungen  in 
Paris.  Es  war  ihm  dort  vergönnt,  die  einzelnen  Bogen  vor  dem 
Druck  durchzusehen  und  daraus  für  die  Untersuchung  der  Pariser 
Apologetenhandschriften  wichtige  Gesichtspunkte  zu  entnehmen. 
Was  vor  allem,  und  nicht  zuletzt  in  paläographischer  Hinsicht, 
sein  Interesse  erregte,  war  die  von  Harnack  aufgestellte  These, 
dass  die  Schollen  des  Cod.  451  von  Arethas'  eigener  Hand 
herrühren  möchten.  Es  kam  nun  darauf  an,  ob  sich  diese  auf 
den  ersten  Blick-  so  befremdliche  Aufstellung  an  der  Hand- 
schrift selbst  bewähren  würde.    In  der  sicheren  Erwartung  des 


V 

Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  165 

Gegentheils  ging  Verf.  an  die  Untersuchung.  Das  Resultat  war 
eine  zwar  nicht  völlige,  aber  immerhin  überraschende  Bestätigung 
der  von  Harnack  ausgesprochenen  Yermuthung. 

Dass  der  Cod.  451  für  den  Erzbischof  Arethas,  d.  h.  von 
seinem  Schreiber  Baanes  geschrieben  ist,  steht  durch  die  Unter- 
schrift fest  ^%  Harnack  meint  nun,  von  einem  gelehrten  Bücher- 
freunde, wie  Arethas,  sei  nicht  anzunehmen,  dass  er  sich  vom 
Abschreiber  Scholien  habe  an  den  Rand  setzen  lassen,  es  sei 
denn  dass  es  sehr  alte  und  der  directen  Vorlage  angehörige 
Notizen  wären;  um  solche  aber  handle  es  sich  hier  nicht,  denn 
durch  die  in  den  Scholien  benutzten  Quellen  werde  man  bis 
ans  Ende  des  9.  Jahrhunderts,  also  bis  in  die  Zeit  des  Arethas 
selbst  geführt  (S.  28  ff.)«  Dieser  Schluss  ist  nur  unter  der  Voraus- 
setzung richtig,'  dass  alle  Scholien  (es  handelt  sich  um  die  zu 
den  Schriften  des  Clemens)  zu  derselben  Zeit  entstanden  sind. 
Wir  werden  weiter  unten  sehen,  dass  diese  Voraussetzung  nicht 
zutrifft.  Wenn  Harnack  ferner  den  Umstand,  dass  für  die 
Scholien  semiunciale  Schrift  verwandt  ist,  während  der  Text  in 
Minuskeln  verläuft,  zu  Gunsten  seiner  Hypothese  geltend  machen 
zu  dürfen  glaubt  (S.  29),  so  befindet  er  sich  damit  im  Irrthum. 
Dieses  Verhältniss  von  Text  und  Scholien  ist  im  zehnten  Jahr- 
hundert und  auch  noch  spater  gar  nicht  ungewöhnlich  i^);  für 
die  in  Rede  stehende  Frage  ist  es  völlig  irrelevant,  und  mit 


16)  Diese  lautet:  syQdcpri  x^^Q^  ßadvovq  votagiov  dgeS^a  agxi-^Tttoxv- 
nov  xaiaagelaq  xannaöoxlaq  stet  xdcfiov  ^gvxß';  die  Wörter  voraglov 
und  uQXLfTiLGxonov  sind  zum  Theil  in  Abbreviaturen  geschrieben.  Eine 
um  etwa  3  Jahrhunderte  jüngere  Hand  -wiederholte  die  Subscription  und 
setzte  vÖTOV  statt  voragiov,  eine  noch  jüngere  Hand  löste  zwar  richtig 
vozaglov  auf,  schrieb  aber  irrthümüch  k^e^a  d^x^STtiaxönw  statt  ^A^e&a 
dQxtsniaxÖTiov.  Das  Richtige  hat  schon  Montfaucon,  Palaeogr.  Gr.  p.  43 
u.  p.  275,  dem  Du  ebner  (bei  Dindorf,  a.  a.  0.  Praef.  p.  VI  n.  b)  nicht 
hätte  widersprechen  sollen. 

17)  Vgl.  z.  B.  Exempla  codicum  Graecorum  litteris  minusculis  scrip- 
torum.  Ediderunt  G.  Wattenbach  et  Ad.  v.  Velsen.  Heidelb.  1878. 
Tab.  V.  (Cod.  Marc.  201,  scr.  a.  955),  Tab.  XXIX.  (Cod.  Marc.  447,  saec.  X.), 
Tab.  XXXI.  (Cod.  Laur.  70,  3,  saec.  X.),  Tab.  XXXIV.  (Cod.  Laur.  32,  9, 
saec.  XL),  Tab.  XXXVL  (Cod.  Palat.  23,  saec.  XI.).  Vgl.  auch  V.  Gardt- 
hausen,  Griechische  Palaeographie.  Leipzig  1879.  S.  168.  Man  wii-d 
schwerüch  irren,  wenn  man  für  das  10.  Jahrhundert  die  Verwendung  der 
Semiunciale  zu  den  Scholien  als  die  Regel  bezeichnet. 


16g  Zur  handschriftlichen  Ueberlieferung  der  Apologeten. 

Recht  bemerkt  Du  ebner  (Dindorf):  'Scbolia  literis  capitalibus 
scripta  sunt  ut  scholia  codicis  Laurentiani  (XXXII.  9)  in  Aeschy- 
lum  et  Sophoclem,  calamo  aliter  quam  quo  textus  exaratus  est 
praeparato,  atramento  vero  eodem:  ut  nihil  impediat  quominus 
scholia  quoque  ab  Baane,  etsi  arte  alia,  scripta  esse  putentur'. 
Wir  sagten:  'mit  Recht',  aber  unsere  Zustimmung  bedarf  doch 
noch  einer  näheren  Umschreibung.    Was  Duebuer  aussagt,  gilt 
im  allgemeinen  von  den  in  Semiuncialen  geschriebenen  Scho- 
lien,  aber  es  gilt  nicht  von  allen  diesen  Scholien.     Duebner 
hat  sich  augenscheinlich  nur  mit  dem  Theile  der  Handschrift 
beschäftigt,  welcher  die  Schriften  des  Clemens  enthält.    Hätte 
er  sich  auch  die  übrigen  Theile  und  namentlich  die  Randbe- 
merkungen zu  den  Schriften  des  Athenagoras  näher  angesehen, 
so  hätte  er  von  den  Scholien  nicht  so  unterschiedslos  sprechen 
können.     Es  sind  nämlich,   und   das  haben   alle  diejenigen 
übersehen,  welche  bisher  den  Cod.  451  untersucTit  und  beschrieben 
haben,  in  den  Randbemerkungen  zu  den  Schriften  des 
Clemens   zwei  verschiedene  Hände  zu  unterscheiden. 
Einer  Unterscheidung  zwischen  zwei  verschiedenen  Händen 
im  Cod.  451  begegnen  wir  zwar  auch  in  den  Angaben  v.  Otto's 
über  die  Scholien  zu  den  Schriften  des  Athenagoras;   aber  die 
hier  vorgetragene  Unterscheidung  erweist  sich  als  eine  irrige. 
In   der   Beschreibung    der   Handschrift   (Corp.   Apolog.   christ. 
Vol.  Vn.    Proleg.  p;  XIV)  findet  sich  darüber  nur   der  kurze 
Satz'   'In   margine    scholia  praebet  (sc.  Cod.   451),    plerumque 
prima  manu  scripta  nee  contemnenda\     In  den  Anmerkungen 
werden   mehrere  Scholien   einer  zweiten  Hand   zugeschrieben, 
uud  zwar  einer  Hand  des  11.  Jahrhunderts.     Indessen  scheint 
diese  Unterscheidung  dem  Gewährsmanue  v.  Otto's  selbst  nach- 
gehends  zweifelhaft  geworden  zu  sein;  denn  vom  7.  Capitel  der 
Schrift  de  resurr,  an  verschwindet  sie  aus  v.  Otto's  Noten,  während 
die  Verhältnisse   in   der  Handschrift    selbst   dieselben    bleiben 
wie  vorher'^).    In  der  That  lehrt  eine  genauere  Untersuchung, 
dass    die    angeblich    dem   11.  Jahrhundert    angehörige 


18)  Nur  einmal  noch,  wenn  wir  nichts  übersehen  haben,  wird  im  wei- 
teren Verlauf  zwischen  zwei  Händen  unterschieden,  nämlich  c.  17  n.  10. 
Vom  11.  Jahrhundert  ist  hier  aber  nicht  mehr  die  Rede.  Wir  kommen 
auf  diese  Stelle  noch  zurück. 


Der  Atethascodex.  Paris,  Gr.  451.  Iß7 

Hand  mit  derjenigsn  identisch  ist,  welche  an  anderen 
Stellen  als  prima  manus  bezeichnet  ward. 

Wir  fassen  im  folgenden  kurz  zusammen,  was  wir  über  die 
beiden  Scholienhande  beobachtet  haben.  Die  eine  dieser  Hände 
ist  ohne  allen  Zweifel  die  des  Schreibers  des  Textes,  also  die 
des  Baanes.  Sie  malt  in  feiner,  eleganter  Semiunciale  die 
Scholien  an  den  Rand  und  verbindet  sie  durch  die  üblichen 
Zeichen,  in  den  mannigfaltigsten  Formen,  mit  den  betreffenden 
Worten  im  Texte.  Die  zweite  Hand,  von  welcher,  wenn  wir 
auf  die  ganze  Handschrift  blicken,  der  bei  weitem  grösste  Theil 
der  Ran dnoten  herrührt;,  weist  in  sich  selbst  so  grosse  Ver- 
schiedenheiten auf,  dass  es  nicht  leicht  ist,  sie  zu  charakterisiren. 
Auch  sie  bedient  sich  der  Semiunciale,  erreicht  aber  nur  selten 
die  Eleganz  der  Form,  welche  wir  am  Schreiber  bewundern. 
Eine  Neigung  nach  rechts  scheint  ihr  eigenthümHch,  aber  auch 
darin  bleibt  sie  sich  nicht  gleich.  In  einer  ganzen  Reihe  von 
Bemerkungen,  die  ihr  sicher  angehören,  unterscheiden  sich  die 
Buchstaben  in  der  Grösse  gar  nicht,  im  Ductus  nur  wenig  von 
der  Schrift  des  Baanes;  an  anderen  Stellen  sind  die  Buchstaben 
um  die  Hälfte  grösser,  an  noch  anderen  noch  einmal  so  gross 
und  nichts  weniger  als  zierlich  ^^).  Ja  der  Unterschied  zwischen 
der  kleinsten  und  feinsten  Form  einerseits  und  der  grössteu 
und  breit  aufgetragenen  andrerseits  ist  ein  so  erheblicher,  dass 
man  versucht  sein  könnte,  auch  hier  wiederum  zwischen  zwei 
verschiedenen  Händen  zu  unterscheiden  ^o),  v/enn  nicht  die  das 
eine  Extrem  mit  dem  anderen  verbindenden  üebergänge  in 
solcher  Vollständigkeit  vorhanden  wären,  dass  jeder  Zweifel  an 
der  Identität  der  Hand  verstummen  muss.  Doch  kann  man 
sich  eine  so  grosse  Verschiedenheit  nicht  vorstellen  ohne  die 
Annahme,  dass  die  Bemerkungen  von  dieser  Hand  zu  ver- 
schiedenen Zeiten  niedergeschrieben  worden  sind. 

19)  Wir  haben  hierbei  die  ganze  Handschiiffc  im  Auge,  und  nicht  nur 
den  Theil,  welcher  die  Schriften  des  Clemens  enthält.  In  letzterem  hält 
sich  die  Schrift  der  zweiten  Hand  meist  in  den  Dimensionen  der  ersten 
und  nähert  sich  derselben,  wie  wir  weiter  unten  sehen  werden,  auch  sonst 
so  sehr,  dass  es  nicht  immer  leicht  ist,  die  eine  von  der  anderen  zu  unter- 
scheiden. 

20)  Hierdurch  ist  offenbar  die  Unterscheidung  zweier  Hände  in  den 
Randbemerkungen  zu  dtn  Schriften  des  Athenagoras  bei  v.  Otto  veranlasst ; 
denn  gerade  hier  tritt  det  Unterschied  am  stärksten  hervor. 


168  ^^^^  hanflschriftlichen  Ueb erlief erung  der  Apologeten. 

Dass  die  zweite  Hand  mit  der  ersten  gleichzeitig  oder  doch 
nahezu  gleichzeitig  ist,  wird  schon  dadurch  wahrscheinlich,  dass 
man  ein  gutes  Theil  der  von  ihr  herrührenden  Bemerkungen 
unbedenklich  der  letzteren  hat  vindiciren  können.  Ist  dem  aber 
80  —  und  es  kann  allerdings  als  sicher  gelten  — ,  und  ist  ferner, 
was  wir  ebenfalls  nicht  bezweifeln,  die  Wahnehmung  richtig, 
dass  die  zweite  Hand  zu  verschiedenen  Zeiten  —  mit  Unter- 
brechungen etwa  während  eines  Jahrzehnts  oder  zweier  — 
thätig  gewesen  ist,  so  ergiebt  sich  schon  hieraus  mit  einem 
nicht  geringen  Grade  von  Wahrscheinlichkeit,  dass  sie  dem- 
jenigen angehört,  welcher  den  Codex  während  der  ersten  Jahr- 
zehnte nach  seiner  Herstellung  besass.  Nun  wissen  wir  von 
Arethas,  für  welchen  der  Codex  im  Jahre  914  geschrieben 
wurde,  dass  er  um  932  noch  lebte  2^),  und  dieser  Zeitraum  reicht 
vollkommen  aus,  um  dieEntstehung  aller  jener  Randbemerkungen 
zu  erklären.  Doch  ist  die  Thatsache  selbst  damit  noch  nicht 
erwiesen.  Es  Hesse  sich  etwa  denken,  dass  die  Handschrift  noch 
zu  Lebzeiten  des  Arethas  in  den  Besitz  eines  anderen  i^eiehrten 
Mannes  übergegangen,  dass  also  dieser,  und  nicht  Arethas,  der 
Verfasser  jener  Bemerkungen  wäre.  Man  könnte  sich  hierfür 
namentlich  auf  den  Umstand  berufen,  dass  einige  Scholien  die 
Ueberschrift  agtd^a  tragen,  und  wirklich  ist  dies  das  Haupt- 
argument, welches  bisher  gegen  Harnacks  H}^othese  geltend 
gemacht  worden  ist.  „Wenn  zwei  dieser  Schoben",  schreibt 
Zahn  a.  a.  0.  Sp.  212,  „den  Namen  des  Arethas  tragen  (S.  30 f. 
cf.  46.  50),  so  kann  nach  aller  Analogie  nicht  Arethas  selbst 
diese  und  also  auch  alle  anderen,  von  gleicher  Hand  geschrie- 
benen Scholien  geschrieben  haben"  ^2) 

Den  Beweis,  dass  nichtsdestoweniger  die  zweite  Scholien- 
hand  eben  die  des  Arethas  ist,  liefert  die  auf  den  beiden  letzten 


21)  Das  Todesjahr  des  Arethas  ist  nicht  bekannt.  Dass  er  um  939 
noch  gelebt  habe ,  würde  sich  aus  dem  in  diesem  Jahre  von  Stylianus 
geschriebenen  Cod.  Paris.  781  nur  dann  ergeben,  wenn  sich  zeigen  Hesse, 
dass  die  Preisnotirung  desselben  von  Arethas'  eigener  Hand  herrührt  i^vgl. 
Harnack  S.  42). 

22)  Du  ebner  (bei  Dindorf,  Praef  p.  XIII  s.)  schreibt  die  beiden  im 
Cod.  451  mit  dgt&a  überschriebenen  Scholien  der  ersten  Hand  zu.  Wir  con- 
statiren  schon  hier,  dass  dies  nicht  richtig  ist  Sie  rühren  ganz  zweifellos 
von  der  zweiten  Scholienhand  her. 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  100 

Blättern  der  Handschrift  enthaltene  Erklärung  des  Spruches 
Gen.  19,  11.  Denn  diese,  und  darin  bestätigt  sich  wiederum 
eine  von  Harnack  ausgesprochene  Vermuthung,  ist  ohne 
Zweifel  von  Arethas'  eigener  Hand  geschrieben,  und  mit  dieser 
Hand  ist  zweifellos  diejenige  identisch,  welche  wir  als  die  zweite 
Scholienhand  bezeichnet  haben. 

lieber  die  beiden  letzten  Blatter  des  Cod.  451  bemerkt 
Montfaucon  (Palaeogr.  Gr.  p.  276):  'In  fine  libri,  lolia  duo 
integra  exercitii  et  animi  causa  unciali  charactere  descripsit 
ßaanes,  postquam  supradicta  omnia  notamque  anni  absolverat'. 
Dieser  Auffassung  tritt  Du  ebner  (bei  Dindorf,  Praef.  p.  VI) 
mit  Recht  entgegen,  jedoch  nur,  um  an  die  Stelle  des  Baanes 
einen  anderen  'librarius  eiusdem  fere  aetatis'  zu  setzen,  und  hier- 
bei hat  sich  auch  Hase  (bei  v.  Otto,  Corp.  Apolog.  christ.  T. 
IP.  Proleg.  pr.  VIU  s.)  beruhigt.  Auf  di«  richtige  Spur  führt 
eine  Wahrnehmung,  welche  zuerst  li.  Nolte  gemacht  hat;  die 
Wahrnehmung  nämlich,  dass  der  Verfasser  jener  auf  fol.  402  s. 
enthaltenen  Erklärung  von  Gen.  49,  11  kein  geringerer  ist  als 
Arethas  selbst.  Er  beruft  sich  dafür  auf  Bandini,  Catal. 
codd.  mss.  Biblioth.  Med.  Laur.  Gr.  T.  I  p.  49s.2'^).  Hier  wird 
erwähnt,  dass  Cod.  Laur.  V,  24  fol.  i2b  zu  Clemens  Alex.  Paedag. 
I,  5  (p.  137  ed.  Dindorf)  am  Rande  eine  nach  Anfang  und 
Schluss  näher  bezeichnete  Erklärung  der  angeführten  Genesis- 
stelle enthält,  und  Nolte  hat  richtig  bemerkt,  dass  es  dieselbe 
ist,  welche  sich  auf  den  beiden  letzten  Blättern  des  Cod.  451 
findet.  Im  Cod.  Laur.  V,  24  aber  trägt  jene  Erklärung  die 
Ueberschrift  dged-a  aq^iBTtio/Miiov.  Sie  findet  sich  abgedruckt 
in  Dindorfs  Praefatio  zu  seiner  Ausgabe  des  Clemens  Alex. 
T.  I  p.  XIY  s.,  und  ebendort  wird  erwähnt,  dass  dasselbe  Scholion 
im  Cod.  Mutin.  III.  D.  7  zu  derselben  Stelle  beigeschrieben  ist-^). 
Hieraus  ergiebt  sich  folgende  Combination.  Der  Paedag.  im 
Cod.  Laur.  V,  24  wurde,  wie  der  Cod.  Mutin.  III.  D.  7,  aus  dem 
Cod.  Paris,  451  zu  einer  Zeit  abgeschrieben,  wo  derselbe  noch 
vollständig  war.    Letzterer  enthielt  zu  Paedag.  I,  5  am  Rande, 


23)  Vgl.  Patrolog.  Gr.  ed.  Migne.    T.  VI.   Paris.  1857.    Col.  1709  s. 

24)  Nach  der  Angabe  Dindorfs  sollte  man  meinen,  dass  sich  das 
betreffende  Scholion  auch  im  Cod.  Paris.  451  an  der  angeführten  Steile 
findet.  Das  ist  aber  unmöglich,  da  in  dieser  Handschrift,  wie  bemerkt, 
die  zehn  ersten  Capitel  des  ersten  Buchs  des  Paedag.  fehlen. (s.  o.  S.  162). 


170  Zur  handsclinfllichen  üeberlieferung  der  Apologeten. 

mit  der  üeberschriffc  aqed^a  aQ%U7ziö/.6nov^  dasselbe  lange  Scho- 
lion,  welches  sich  in  der  Florentiner  land  der  Modeneser  Hand- 
schrift findet,  nämlich  die  Erklärung  von  Gen.  49,  11.  Diese 
war  also  im  Cod.  451  ursprünglich  zweimal  enthalten:  einmal, 
als  Reinschrift,  zu  der  mit  Quat.  r/  bis  iß'  abhandengekommenen 
Stelle  des  Paedag.,  das  andre  Mal,  als  Entwurf,  auf  den  beiden 
leeren  Blättern  am  Schluss  der  Handschrift  niedergeschrieben. 
Nur  so  erklärt  sich  der  Umstand,  dass  sowohl  der  Cod.  Laur. 
als  der  Cod.  Mutin.  an  der  genannten  Stelle  das  Scholion 
haben  25);  denn  dass  beide  Schreiber  dasselbe  den  letzten  Blättern 
des  Cod.  451  entnommen  und  der  gleichen  Steile  des  Textes 
sollten  beigeschrieben  haben  2^),  ist  eben  so  undenkbar,  wie  ihre 
üebereinstimmung  in  der  üeberschrift  aged^a  dgxi-E^ioyionov 
unerklärlich  wäre,  wenn  sie  dieselbe  nicht  vorfanden  ^'O-  Voraus- 
gesetzt also,  dass  die  Schrift  der  beiden  letzten  Blatter  und 
aller  von  derselben  Hand  herrührenden  Bemerkungen  mit  Sicher- 
heit dem  Arethas  vindicirt  werden  kann,  so  wird  man  sich 
allerdings  damit  als  mit  einer  Thatsache  abzufinden  haben, 
dass  Arethas  selbst  einzelne  Scholien  mit  seinem  Namen  be- 
zeichnete. Mag  immerhin  ein  solches  Verfahren  der  Analogie 
entbehren:  enthält  nicht  auch  sonst  der  Cod.  451  und  die  ganze 
Art  der  htterarischen  Thätigkeit  des  Arethas  überhaupt  des 
Einzigartigen  und  Beispiellosen  genug? 

Die  Identität  der  Hand,  welche  die  beiden  letzten ,  Blätter 
des  Cod.  451  beschrieb,  mit  derjenigen,  welche  wir  als  die  zweite 
Scholienhand  bezeichnet  haben,  wird  niemand  "bezweifeln;  es 
sind  dieselben  Züge,  welchen  wir,  nur  in  etwas  kleinerem  Mass- 
stabe, namenthch  in  den  Randbemerkungen  zu  der  Schrift  de 


25)  Dass  keine  dieser  beiden  Handschriften  aus  der  anderen  abge- 
schrieben sein  kann,  ergiebt  sich  mit  Evidenz  aus  den  von  Dindorf  an- 
geführten Lesarten. 

26)  An  der  angeführten  Stelle  Paedag.  I,  5  (p.  137  1.  6  es.  ed.  Din- 
dorf) wird  überdies  gar  nicht  einmal  Gen.  49,  11  citii-t,  sondern  Zach.  9,  9: 
XaZ^e  oiföSga,  d^vyaxsQ  2i(vv'  xfjQvaoe,  &vyaTSQ  ''ÜQovaaXriix'  ISov  6 
ßaoiXevq  aov  iQXfTcci  aoi  öixaiO(;,  TiQavg  xal  ocot,ü)v,  xal  a^-ro^  ngäoq  xal 
inißsßrjxiog  inl  vTCot,vyiov  xal  nöJlov  veov. 

27)  Kein  Scholion  in  irgend  einer  der  Abschriften  des  Cod.  451  weist 
die  Üeberschrift  d^s^a  auf,  wo  sie  sich  nicht  auch  in  diesem,  so  fern  er 
f^rhalten  ist,  findet. 


Der  Arethascoclcx,  Paris.  Gr.  451.  171 

resurr,  wiederholt  begegnen.  Um  völlig  siclierzustellen,  dass 
diese  Hand  wirklich  die  des  x\rethas  ist,  bedarf  es  jetzt  nur 
noch  des  Beweises  dafür,  dass  jene  Randbemerkungen  nicht 
etwa  anderswoher  abgeschrieben  sein  können,  mit  anderen 
Worten:  dass  wir  in  ihnen  das  Autograph  de«  Verfasser.s  selbst 
vor  uns  haben.  Wir  sind  in  der  glücklichen  Lage,  diesen  Be- 
weis in  völlig  überzeugender  Weise  führen  zu  können. 

Der  zweite  Scholiast  hat,  was  bisher  ganz  übersehen  worden 
ist,  die  Schrift  des  Athenagoras  de  resurr,  in  Capitel  eingetheilt 
und  jedes  Capitel  mit  einer  mehr  oder  weniger  ausführlichen 
Analyse  seines  Inhalts  versehen.  In  einem  Falle  nun  genügte 
dem  Verfasser  nicht,  was  er  zuerst  niedergeschrieben  hatte.  Er 
suchte  durch  Rasur  und  Correctur  zu  helfen,  kam  aber  damit 
nicht  zu  Strich.  Da  liess  er  den  misslungenen  ersten  Entwurf 
stehn  und  begann  am  breiten  unteren  Rande  derselben  Seite 
ganz  von  neuem.  So  steht  hier  noch  jetzt  die  definitive  Fassung 
der  Analyse  neben  der  verworfenen  2*^).  Den  Wortlaut  beider 
Fassungen  theilen  wir  weiter  unten  im  Zusammenhange  mit 
(s.  zu  cap.  ig),  um  statt  dessen  an  dieser  Stelle  einen  zweiten, 
dem  angeführten  analogen  Fall  anzuführen. 

In  seiner  Ausgabe  des  Athenagoras  führt  v.  Otto  c.  17 
n.  10  ein  Scholion  mit  der  Bemerkung  ein,  dass  es  im  Gt)d.  451 
fol.  361h  zweimal  enthalten  sei,  nämlich  4n  marg.  super,  a  prima 
manu  et  in  marg.  infer.  ab  alia  manu'.  Bei  der  Mittheilung 
des  Wortlauts  wird  die  angeblich  'a  prima  manu'  herrührende 
Niederschrift  zu  Grunde  gelegt  und  die  abweichende  Fassung 
'ab  alia  manu  an  den  betreifenden  Stellen  zwischen  eckigen 
Klammern  beigefügt.  Den  wahren  Sachverhalt  hat  schon  der 
Schreiber  des  Cod.  Paris.  174  erkannt,  da  er  die  erste  Nieder- 
schrift ganz  bei  Seite  gelassen  und  nur  die  zweite  abgeschrieben 
hat.  Jene  ist  nämlich  so  wenig  ^a  prima  manu',  d.  h.  von  der 
Hand  des  Baanes,  wie  diese  'ab  alia  manu',  d.  h.  von  einer  von 
jener  verschiedenen  Hand:  beide  rühren  ohne  allen  Zweifel  vom 
zweiten  Scholiasten  her^*^),  und  die  erste  Niederschrift  ist  weiter 


28)  Otto  theilt  S.  246  n.  5  nur  die  verworfene  Fassung  mit;  von  der 
definitiven  hatte  er,  wie  es  scheint,  gar  keiije  Kenntniss. 

29)  Die  Angabe  v.  Otto's,  dass  das  erste  SchoHoh  'a  prima  manu', 
das  zweite  'ab  alia  manu'  geschrieben  sei,  ist  ein  Beweis  der  völligen 
Rathlosigkeit»  in  welcher  sich  sein  Gewährsmann  befunden  hat.    Denn 


172  ^^1'  handschriftlichen  üeberlieferung  der  Apologeten. 

nichts  als  ein  Entwurf,  welchen  der  Verfasser,  nachdem  er  ihn 
durch  Correct Liren  zu  verbessern  gesucht,  damit  aber  nicht  zu 
Stande  gekommen,  nachgehends  ganz  verworfen  und  durch  einen 
neuen  ersetzt  hat.  Wir  geben  den  ersten  Entwurf  unter  1,  die 
definitive  Fassung  unter  2;  die  Abweichungen  zeichnen  wir 
durch  gesperrte  Schrift  aus  ^^). 

1.  2. 

[Triv  zwv  avd^Qioncov    tcoi]v  Tijv    tcov   av&Qio7tojv    Cio^v 

ij  f,ioQ(priv  ovTi  eOTiv  sv  zo)  oneg-  rj  (.iOQq)riv  ovy.  sotlv  evtq)  ötiIq- 

(Liazi y,aTa?.a]ß6lv'  Triv^wiiv f,itp,  (.lazt,  VMTakaßelv  zr^v  tioriv  f.iev, 

Ol)  yä()  vlygä  ovoia.   Kai  aria-  ov   yäg  vygä   ovala  ymI  OTta- 

yrjg]  efnq^alvsiv  iTtavri  bnölov  zt  yi^g  ^(icpcciveiv  Iv.avri  bndiov  zl 

lipov     leXeücpoQTioei.      öia     de  C(^ov    zelsGcpogr^dsi.      ötä    de 

zovzo   ovös  z^ovzo  z6  aTtXcjg  tovzo  ovöi  exelvo  o  zoj  anX^) 

^(^ov    TtaQaozr^aai,    lyiaviq'  vnozezayizca  av^Q0J7t(p  og 

Ol)  f-LTiv  ovö^  ozi  zo  /utJtiio  ov-  zov  zlvcc  av&QCü7tov  Ttaga- 

azav  C(^ov  öidlvoiv  e^si.    zov-  azr^oai'    ov  firiv  ovö^   ozi  zb 

zcov  fiEv  ovv  ovöev  iozLv  ev  zco  fj.T^7ico    ovGzccv    ^qiov    dialvoiv 

oniQfxazi  /.ctzavoelv'  ez  öe  zrig  e^at.     zotzcov    fisv    ovv    ovSav 

TteiQagj  oiov  otl  avd-QConog,  el  kaziv    iv    zii)    o/iegfiazi   xara- 

y.al  fiYi  zoiovzog'  zovzo  yccQ  zijg  vosiv   l/.  de  ziig  Ttelgagy  olov 

f.tOQ(prlg  £GTiv.  ov  Tcal  ccvzov  ovy.  ozi  avd^QtüTiogy  el  ycal  inrj  zoi- 

eoziv   ev  x^7   a7ieQ(.iazi  yvtdoiv  ovzog'    zovzo   yccQ  zijg  f-i0Qg)rjg 

Xaßeivy  'Acct  navv.  ei  de  't]  TceiQa  Igzlv,    ov  xal  avzov  ovk  eoztv 

yvcoGtv     zovzwv     naqeyßzai^  ev  zcp  Gn€Qf.iazi  yvcootv  kaßelvj 

TvoXv   f,iäXXov  artb  zavzr\g  zv^g  ymI  navv.    el  de  ri  nelga  zov- 

qjVGixrjg  (xKoXovd-lag  b  ev  rn^ilv  zcov  yvwGiv  Tca()e%ezai,  ttoXv 

Xoyog  Xaßcbv  zb  evöoGcfiov  ymi  j.iä?J.ov  anb  zaizt^g  zilg  (pvGi- 

dvix^evGag   evQiGKet    zi]v   uvä-  xrig  dzolovd^lag  b  ev  rj/ilv  Xoyog 

Gzaaiv  dGg)aX£GzeQav  ngbg  nl-  Xaßiov  zb  evöoGi^ov  yiai  dviy- 


eben  diese  Hand,  welche  hier  als  die  'prima  manus'  bezeichnet  wird,  hat 
auch  die  Inhaltsanalysen  an  den  Rand  der  Schrift  de  resurr,  geschrieben, 
welche  derselbe  Gewährsmann  ins  11.  Jahrh.  verlegt  wissen  wollte! 

80)  Einige  Versehen  des  Otto'schen  Abdrucks  verbessern  wir  still- 
schweigend. Wiedergabe  der  Abbreviaturen  war  aus  typographischen 
Gründen  unthunlich.  Aber  auch  von  der  Beibehaltung  der  sehr  unregel- 
mässigen Accentsetzung  glaubten  wir  absehen  zu  sollen.  Die  S.  172  u.  173 
eingeklammerten  Worte  sind  in  der  Hs.  mit  dem  Rande  weggeschnitten. 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  I73 

OTiv  T£  xal  akrid^eoze^av.     afi-  vevoag  evQiGKei  [ftJv  araoraoiv 

(foxeqoi  (xev  ovv   01  loyot,   o,  aacfalsozeQav  zrQog]  niöTiv  le 

T£  anb  TTJg  necQag  zat  6  dnö  /mI    aXrideoTtQav.     a^Kporsooi 

t'^g  avixvevasMg  Tilg  ^^^^^^(^Q  1^^^^  ovv  ?.6yoi,   o,  fc   ccTid  rijg 

zrjg  (pvoizrjg  rJQviqvTac  aytoXov^  nelgag  xal  6  anb  trjg  dviyvsv- 

d-iccg,     oiov    Tivsg    ofAoyevelg  oetog  trjg  dlrjd^elag  rijg  rpvoiXTig 

ovteg,   b  i^iip  anb  rrjg  neiqag  riQvi]vxaL   svvoiag,    oiov  xiveg 

Toig  dgxriyhag  TiQoßaXXo^evog  b/noyevelg  ovzeg,  b  (.itv  dnb  Tijg 

tov  yevovg,  oii  dya^otriTc  rov  jieiQag  rovg  ccQyYiyeiag  Ttgoßal- 

TiSTTOirixoTog  £K  yrjg  b  dvOgco-  X6(.i£vog  tov  yevovg,   ozi  dya- 

nog  VTteOTri  b  TZQcoTog,   d(p  ^OTiqTi  zov  TtenoiriKOTog  iz  yfjg, 

ov    Ol    xaS^€^rig    avd^QiOTtoi   ey,  b  uQOJTog  avd'qconog  hni- 

a/csQ/iiaTog  }.a(.iß(xvovGi  xriv  elg  azri,    dcp     ov   cl  ■/.a&eB,rig  av- 

Tbv  ßiov  ftQoaycoyiqv.     inet  de  O^gconoL  ix  oneQjLiaTog  Xaf.ißd~ 

egyov    b   avdqcjnog    d^eov   xal  vovol  tt^v  elg  xbv  ßlov  ngoayco- 

ov  fidvaiov,  OTi  f-irjösv  fxd-  yrjv.  enei  de  egyov  b  avd-gwnog 

Tdiov   egyov  oocpov,    eixoTt  d-eov  xal  egyov  ov  pccTaiov, 

Xoyij)    Tb    ToaovTov    egyov  Kai  otl  fiiqöev  egyov  aocpov  fid- 

ATjöefiovlag    Tvyxdveiv.     Tb    öe  Taiovj  elyioti  Xby(p  Tb  xooov- 

eCTiv  naidaycoyla  vnoßeßlijo-  tov  egyov  'KaiKiqdef^wvlag  a^cov 

^aiy  To  öe  eoTi   gv d^ (.i il^ea -  Tvyxdvsiv.    Tb  öe  eoTiv  natöa- 

xtat    ngbg  Tb   ße'kTiOv   Tag  ycoyia  vnoßeßlrJGd-ai'  naiöa- 

ngd^eig*    tovto    öe    ov    ngbg  ycoyia   öe  tl  av  aXXo  el'ri  yj 

alXo    et    i-iri    ngbg    eft/ma&ov  Tb  ngbg  Tb  ßekTtov  gv d-f^l- 

avzanoöoGiv  dcpog^.    enei  öe  Cead-ai^^)    Tag  avTOv   ngd- 

ov  fiaTaiov  egyov  b  avd^gcü-  ^eig;  tovto  öe  ov  ngbg  aXXo 

nogj  Tj  ydg  av  ovöe  jooav-  tl  el  firi  ngbg  e/ufiLod-ov  dvra- 

Ttigri^iwToyiriöepovLagjOvöe  noöoaiv    dcpoga.    el    yag    fc^ 

b  piodbg  aga  (laTaLog'  d^a-  tovto j     ovy,     av    TOGavTiqg 

vcLTix)  öe   y.a[TaXvof.(evov^'^)  dnelave   T^rjöefiovlag.    ov- 


31)  Cod.  gvfil^sa&cc 

32)  Von  diesem  Worte  an  bis  zum  Scliluss  ist  die  erste  Niederschrift, 
von  der  schon  vorher  einiges  in  Rasur  geschrieben  war,  so  verwischt,  dass 
nur  hoch  hier  und  da  am  Rande  einzelne  Buchstaben  zu  erkennen  sind. 
Da  in  den  Cod.  174  nur  die  zweite  Niederschrift  übergegangen  ist,  muss 
man  annehmen,  dass  derjenige,  welcher  für  v.  Otto  die  Abschrift  besorgte, 
die  Stelle  noch  in  besserem  Zustande  vorgefunden  hat.  Wer  aber  hat  dann 
das  Pergament  so  übel  misshandelt?  Es  macht  den  Eindruck,  als  ob  man 
mit  einem  rauhen  Steine  so  lange  darauf  gerieben,  bis  die  Schrift  völlig 


174  Zur  handschriftliclien  üeberlieferung  der  Apologeten. 

ov  \}^avfia(TLov£^yovdvd'yx7]  kovv  ovö<^  g  jtuGÜ^dg  /nccTaiog 
ovvaq)avi^eoSccL  t(^  ^Q7H^  ovd^  snl  ßQax^t  tfp  nccQOvzi. 
Y,al  Tov  (.iLOx^öv.  tb  ydg  ßicj^  a%BÖLCLt6f.iBvöq,  oxi 
naiöevsiv  TVjV  xptxriv  f,i6r7iv  fiiqöe  Ttgodytatgov  Üqtov  av- 
tov  dtajianov'qyiOTog  avsv  ^Qionog  <&avdtq)  ovvava- 
ccTiorejueoÜ^aL  tov  f.iiodov  q^avLtofxevriv  ty^iov  v.al  rriv 
l-iYi  TiQoq  Tut^^)  ddl'KCp  y.al  nix-  xpvxriv,  dq)^  ov  xal  o  ^iioS^og 
taiov  ?),*  TTwg  yag  ovx  üölkov  l'orat  ^idxaiog.  to  ydQ  toi 
ovo  ytaiä  Tavvbv  SiaTtga^afie-  Xeyeiv  ipvxfj^^)  f-iovi^  nagi- 
viov  TO  fiev  dcpeideiöd^ai  nqbg  xsad^aiTOv (iiod^bv ccts  dx}a- 
dvTtdoGiv,  zb  ösTcoXvcoQslod^aL;  rdzcp  tov  ovfiTcSTtovrjy.oTog 
TO  öi  avTo  olfiai  xal  fidraiov  avTJj  0c6f.iaT0g  dcpavtöii^ev' 
STi  döTOXOig  säa &atnovalv  Tog  (.iri  nqbg  Tfp  döix(^  x,al 
Tbv  TOV  tQyov  avXXr^fcTOQa.]    /ndTaiopr^;  ncog  ydg  ov/,  aöixov 

OVO  -KüTa  TavTov  öiaTTQa^afii- 
vcov  TO  fiev  dcpEidelod^aL  Tigög 
avTiöoGcv,  TO  Ss  TioXvwQsladxti  ,• 
TO  di  avTO  oifiat,  y.al  fidzaior 
(hg  ifi  aGTOxocgificoQaa&aL 
nSTioviqKbg  Tb  TO  tQyov  GW" 
eniQQCifGav. 

Eine  Vergleichung  dieser  beiden  Scholien  lasst  gar  keinen 
Zweifel  darüber  bestehn,  dass  wir  es  hier  in  der  That  mit  einem 
misslungenen  Entwurf  und  einer  verbesserten  Fassung  desselben 
zu  thun  haben.  Der  Anfang  war  dem  Verfasser  gleich  das  erste 
Mal  gegluckt;  er  nahm  ihn  unverändert  in  die  zweite  Nieder- 
schrift auf.  Aber  schon  am  zweiten  Satz  glaubte  er,  der  grösseren 
DeutHchkeit  wegen,  eine  Aenderung  vornehmen  zu  müssen.  Im 
Folgenden  fand  er  nur  wenig  und  Unwesentliches  zu  verbessern; 
der  letzte  Theil  aber  genügte  ihm  in  der  früheren  Fassung 
gar  nicht  mehr:  er  sah  sich  veranlasst,  ihn  fast  völlig  umzu- 
arbeiten. 

Dass  uns  also  hier  nicht  eine  Abschrift,  sondern  ein  Auto- 
graph vorliegt,  wird   kein  Sachkundiger  verkennen:    der  Yer- 

vernichtet  wurde.    Nicht  einmal  eine  Controle  des  Otto'schen  Abdrucks, 
welchen  wir  hier  in  Klammern  wiedergeben,  ist  jetzt  möglich. 

33)  Das  TO  bei  v.  Otto  ist  wohl  nur  Druckfehler. 

34)  Cod.  xpxfji  ohne  v. 


Der  Arethascödex,  Paris.  Gr.  451  175 

fasser  selbst  ist  der  Schreiber,  Die  Hand  ist,  wie  schon  bemerkt, 
dieselbe,  welche  den  Entwurf  einer  Erklärung  von  Gen.  49,  11 
auf  fbl.  402= s.  niederschrieb,  um  sie  demnächst  zu  Paedag.  I,  5 
an  den  Rand  zu  setzen;  auch  hier  also  ist  der  Verfasser  selbst 
der  Schreiber 35).  Verfasser  jener  Erklärung  von  Gen.  49,  11 
ist  aber,  wie  wir  wissen,  Arethas.  Folglich  ist  der  zweite 
Scholiast  niemand  anders  als  Arethas  selbst. 

T^ir  sind  überzeugt,  dass  diese  Erkenntnis«,  welche  wir  einer 
glücklichen  Conjectur  Harnacks  verdanken,  sich  nun  nicht 
wieder  wird  verdunkeln  lassen.  Ohne  dieselbe  wäre  der  Cod. 
Faris.  451,  so  wie  er  vor  uns  liegt,  ein  unlösbares  Räthsel;  jetzt 
ist  alles  klar. 

Es  ist  die  Hand  des  Arethas,  welche  den  Text  aller  in 
dem  Bande  vereinigten  Schriften  Seite  für  Seite  durchcorrigirte, 
indem  sie  falsche  Buchstaben  durch  Rasur  entfernte  und  die  so 
entstandenen  Lücken  mit  möglichster  Anbequemung  an  die 
Hand  des  Schreibers  ausfüllte  ^^).  Wo  von  letzterem  etwas  aus- 
gelassen war,  schrieb  sie  das  Fehlende  nicht  in  der  ihr  sonst 
geläufigen  Semiunciale,  sondern,  um  es  von  den  eigenen  Rand- 
bemerkungen zu  unterscheiden,  in  künstlicher,  aber  etwas  un- 
gelenker Minuskel  an  den  Rand  ^'^).  Es  ist  ferner  die  Hand  des 
Arethas,  weiche  durchweg  die  grösseren  Sinnabschnitte  da- 
durch kenntlich  machte^  dass  sie  an  den- betreifenden  Stellen 
zu  Anfang  der  Zeile  den  kleinen  Buchstaben  des  Textes  aus- 
radirte  und  einen  grossen,  etwas  ausgerückt,  an  die  Stelle  setzte^  ^). 


35)  Schon  aus  lediglich  paläographischen  Gründen  liegt  es  nahe,  diesen 
in  verhäitnissmässig  grossen  und  wenig  zierhchen  üncialen  geschriebenen 
Entwurf  nicht  für  d.ie.Copie  eines  Schreibers,  sondern  für  das  Autograph 
eines  Gelehrten  zu  halten.  Wir  behalten  uns  vor,  in  anderem  Zusammen- 
hänge hierauf  zurückzukommen, 

36)  Das  ist  die  *scriptura  Baani  simillima'  bei  Dindorf  Praef.  p.  VI. 
Die  jüngeren  Hände,  deren  Du  ebner  (Dindoii)  in  den  Schriften  des 
Clemens  drei,  aus  dem  13.  oder  11.  Jfihrhundert,  unterscheidet,  lassen  in 
der  Regel  den  Text  selbst  unberührt. 

37)  So  Paedag.  I,  12  (p,  206  l  27  ed.  Dindorf)  die  Worte  odx  elg 
ixfikXeiav  xal  ^aid-vfilav  /isxctxojQslv  6st,  welche  nicht,  wie  bei  Dindorf 
zu  lesen,  *ab  eadem  manu'  (d.  h.  von  Baanes)  herröhren.  Man  muss  daraus 
schliessen,  dass  Arethas  die  Abschrift  noch  einmal  selbst  mit  der  Vorlage 
verglichen  oder  doch  in  zweifelhaften  Fällen  letztere  zu  Rathe  gezogen  hat. 

38)  bi  der  Vorlage  verlief  der  Text  der  einzelnen  Schriften  resp.  Bücher 


176  ^^^  handschriftlichen  Ueberlieferung  der  Apologeten. 

Es  ist  ebenfalls  die  Hand  des  Arethas,  welche,  wie  wir  gesehen 
haben,  die  Schrift  des  Athenagoras  de  resurr,  in  Capitel  eir- 
theilte  und  jedes  Capitel  mit  einer  Inhaltsanaljse  versah.  Es 
ist  Arethas,  welcher  bei  der  Leetüre  der  verschiedenen  Schriften 
bald  zahlreiche,  bald  nur  vereinzelte,  bald  längere,  bald  kürzere 
Bemerkungen  an  den  Rand  schrieb,  und  zwar  nicht  nur  zu  den- 
jenigen, deren  Hand  noch  leer  war,  sondern  auch  zu  denjenigen, 
Avelche  bereits  mit  Schollen,  von  der  Hand  des  Baanes  ge- 
schrieben, versehen  waren.  Auch  hier  fand  er  noch  manchen 
Punkt,  der  ihm  der  Erläuterung  bedürftig  erschien;  ja,  und  das 
ist  ganz  besonders  beachtenswerth :  in  einzelnen  Fällen  nahm 
er  keinen  Anstand,  ein  vorhandenes  Scholion,  welches 
ihm  der  Ergänzung  bedürftig  schien,  in  der  Weise  zu 
vervollständigen,  dass  er  seine  eigenen  Bemerkungen 
unmittelbar  an  das  Vorhandene  anknüpfte,  so  dass  in 
den  Abschriften  des  Cod.  451  die  Stelle  nicht  wahrzunehmen 
ist,  wo  das  alte  Scholion  aufhört  und  der  spätere  Zusatz  be- 
ginnt ^^).  Die  Hand  des  Arethas  ist  es  endlich,  welche  unter- 
halb der  Subscription  fol.  401  die  Kosten  notirte,  welche  ihm 
die  Herstellung  der  Abschrift  und  der  Ankauf  des  Pergaments 
verursacht '^^). 

III. 

Die  Vorlage  des  Cod.  451  war  in  Uncialen  und  ohne  Unter- 
scheidungszeichen geschrieben;  die  zahlreichen  Fälle  fehler- 
hafter oder  ganz  unterlassener  Worttrennung  und  Accentsetzung 
wären  sonst  unerklärlich  ^  ^).    Ein  sicherer  Schluss  nuf  das  Alter 


wie  es  scheint  ununterbrochen;  der  Abschreiber  hat  nirgends  abgesetzt  und 
nur  selten  einen  Buchstaben  ausgerückt. 

39)  Wir  theilen  die  betreifenden  Schoben  weiter  unten  mit. 

40)  Harnacks  Yermuthung,  dass  zu  Anfang  der  Preisnotiz  nicht  mit 
Du  ebner  (Dindorf)  MN,  sondern  NN  zu  lesen  sei,  be.^'tütigt  sich.  Das 
erste  N  ist  durch  ein  kleines  Loch  im  Pergament  undeutlich  geworden, 
so  dass  Duebner  es  für  ein  M  halten  konnte.  Vgl.  übrigens  E.  Maass, 
Observationes  palaeographicae  (im  März  1882  für  ein  zur  Erinnerung  an 
Charles  Graux  geplantes,  bis  jetzt,  Februar  1883,  noch  nicht  erschienenes 
Sammelwerk  geschri  eben) . 

41)  So  war  z.  B.  Athenag.  Supphc.  c.  10  (p.  48  1  7  ed.  Otto)  slatt 
ttxovaaa  a^eovo  zuerst  nyovonaa  x>fova  geschrieben,  c.  13  (p.  5S  1.  4) 
statt  ovaQ  TL  zuerst,  wie  es  scheint,  ov  nori,  c.  25  'p.  136  1.  7)  statt  nkX 
ä?.öyu)i  zuerst  «AA«  Xöywi.     In  vielen  Fällen  ist  die  Worttrennung  ganz 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  t77 

der  Vorlage  lässt  sich  daraus  allerdings  nicht  ziehen,  doch 
wird  man  schwerlich  irren,  wenn  man  sie  spätestens  im  7.  Jahr- 
hundert entstanden  denkt.  Diese  alte  Vorlage  entliielt  eine 
Anzahl  Schollen,  welche,  wie  schon  bemerkt,  BaaneS  seiner 
Abschrift  einverleibte.  Aus  welcher  Zeit  sie  stammen,  wird  sich 
schwerlich  genau  bestimmen  lassen;  immerhin  aber  werden  wir 
diese  älteren  Schollen  mit  anderen  Augen  ansehen  als  diejenigen, 
welche  nachweisbar  einen  Bischof  des  10.  Jahrhunderts  zum 
Verfasser  haben.  Solche  ältere,  von  Baanes  der  Vorlage  ent- 
nommeiie  Schollen  finden  sich  ausserhalb  der  beiden  Schriften 
des  Clemens  nicht.  Zu  Anfang  des  Protrepticus  treten  sie  am 
zahlreichsten  auf,  in  den  aus  dem  Paedag.  erhaltenen  Büchern 
nur  ganz  vereinzelt.  Es  liegt  uns  nun  ob,  zwischen  diesen 
Schollen  erster  Hand  und  den  später  von  Arethas  hinzu- 
gefügten Bemerkungen  zu  scheiden. 

Zwei  gleichzeitige  Hände,  deren  eine  augenscheinlich  be- 
strebt war,  sich  den  Formen  der  anderen  anzubequemen,  sind 
nicht  leicht  von  einander  zu  unterscheiden.  Zwar  ist  die  Hand 
des  Arethas  überall  da,  wo  er  sich  mehr  gehen  Hess,  wie  z.  ß. 
in  den  Randbemerkungen  zu  Athenag.  de  resurr.,  auf  den  ersten 
Blick  zu  erkennen.  Nicht  so  in  den  meist  kurzen  Bemerkungen, 
welche  er  zwischen  die  am  Rande  der  Clementinischen  Schriften 
von  der  Hand  des  Baanes  geschriebenen  Scholien  einstreute. 
Hier  lag  ihm  offenbar  daran,  dass  seine  Schrift  von  der  Um- 
gebung nicht  zu  sehr  absteche,  und  dies  Bestreben  ist  ihm  zu- 
weilen so  wohl  geglückt,  dass  eine  genaue  Kenntniss  der  ihm 
eigenthümlichen  Formen  dazu  gehört,  um  eine  sichere  Ent- 
scheidung zu  treffen.  Ja  einzelne  Falle  sind  so  geartet,  dass 
selbst  eine  sorgfältige  Prüfung  nicht  jeden  Zweifel  zu  heben 
vermag,  zumal  auch  die  Hand  des  Baanes  sich  nicht  überall 
gleich  bleibt.  Doch  ist  die  Zahl  solcher  Fälle  nur  eine  geringe; 
in  der  Regel  lässt  sich  die  Scheidung  mit  völliger  Bestimmt- 
heit vollziehen,  und  vielleicht  bedarf  es  nur  einer  noch  ein- 
gehenderen Beschäftigung  mit  den  Ciemensscholien,  als  sie  uns 

unterblieben  und  auch  von  Arethas  nicht  nachgeholt.  So  liest  man  z.  B. 
Supplic.  c.  20  (p.  96  1.  4  8.)  noch  jetzt  ÖQfpsvaav6t(pdvi^a,  c.  29  (p.  154  1.  1) 
ayavo(i/iaö(^a)i,  c.  85  (p.  180  1,  12  s.)  ovxagisoavTOv;  vgl.  auch  die  oben 

S.  156  aus  c.  32  angt^fülirte  Stelle. 

Texte  und  UntersuchuDgen  I,  3.  12 


178  2^^'  handschril'tUclien  Ueberlieferung  der  Apologeten. 

vergönnt   war,    um    auch    die    wenigen  uns  noch  gebliebenen 
Zweifel  zu  beseitigen. 

Dem  von  uns  vorgenommenen  Versuch  einer  Scheidung 
der  Hände  in  den  Clemensscholien  konnte  leider  die  einzige 
vollständige  Ausgabe  derselben,  die  Dindorf'scbe,  nicht  zu 
Grunde  gelegt  werden,  da  sie  uns  in  Paris  nicht  zugänglich 
war ^2)  y^^{j>  bedienten  uns  der  ed.  princeps  von  Klotz,  und 
auf  diese  beziehen  sich  die  Seiten-  und  Zeilenangaben  in  der 
folgenden  Zusammenstellung*'^).  Doch  beschränkt  sich  unsere 
Scheidung  nicht  auf  die  hier  abgedruckten  Scholien.  Die  Hand 
des  Baanes  bezeichnen  wir  mit  B,  die  des  Arethas  mit  A; 
ein  beigesetzter  Stern  deutet  an,  dass  wir  auf  ein  völlig  be- 
stimmtes Urtheil  verzichten  zu  müssen  glaubten**). 
Pag.  91  1.  1— pag.  92  1.  13  B*^) 

„      92  1.  14—30  A*6) 
1.  31—34  B 

,.      93  1.  1.  2  AB**7) 

42)  Die  von  Dindorf  veröiFentlichten  Scholien  sind  nicht  dem  Cod. 
Paris,  allein,  sondern  "noch  mehreren  anderen  Handschriften  entnommen, 
von  denen  für  den  Protrept.  namentlich  der  Mutin.,  für  den  Paedag.  dieser 
und  der  Florent.  in  Betracht  kommen.  Es  bestand  die  Absicht,  alle  die- 
jenigen Scholien,  welche  den  genannten  Handschriften  nicht  gemeinsam 
sind,  besonders  kenntlich  zu  machen.  Diese  Absicht  ist  aber  leider  nicht 
consequent  zur  Ausführung  gekommen,  so  dass  eine  neue  Vergleichung 
des  Paris,  sowohl  als  des  Mutin.  und  Florent.  sehr  zu  wünschen  bleibt. 

4S)  Titi  Fltiui  Clementis  Alexandrini  opera  omnia.  Recognouit  Rein- 
holdus  Klotz.   Vol.  IV.   Lipsiae  1834. 

44)  Von  inneren  Gründen  ist  bei  der  Bestimmung  der  Hände  ge- 
flissentlich kein  Gebrauch  gemacht  worden  Die  von  uns  vorgenommene 
Scheidung  aber  fordert  von  selbst  dazu  auf,  die  beiden  Scholiengruppen 
auch  ihrem  Gehalte  nach  zu  prüfen  und  mit  einander  zu  vergleichen. 
Dass  dies  bald  und  von  kundiger  Seite  geschehen  möge,  ist  sehr  zu  wünschen. 

45)  Auch  das  lange,  bei  Klotz  fehlende  Scholion.  welches  bei  Dindorf 
p.  413  1.  10  bis  p.  414  1.  7  abgedruckt  ist  (AqIovi  tw  Mrj&vfzvaiip  xtX.) 
läset  sich,  obwohl  stark  verwischt,  mit  Sicherheit  der  Hand  des  Baanea 
zuweisen.  Von  sämmtlichen  Scholien  auf  fol.  1 »  scheint  nur  das  mit  x«^-- 
xoiic  beginnende,  welches  Klotz  nicht  hat  (bei  Dindorf  p.  414  1.  23  s.),  von 
Arethas'  Hand  geschrieben  zu  sein.  Es  ist  aber  so  stark  verwischt,  das.s 
ich  mit  völliger  Sicherheit  nicht  zu  entscheiden  vermochte 

46)  L.  30  achrieb  A  nicht  nynv  (Klotz),  sondern  ioquIov  nyav  (Dindorf). 

47)  In  dem  kleinen  Scholion  p.  93  1.  1  s.  scheint  das  drtixaig  von  A 
zu  sein,  das  übrige  von  B.  , 


Der  Aretliascodex,  Paris.  Gr.  451. 


179 


Pag.  93  ] 

.  3-12  B 

L  13—16  A 

1.  17—24  B 

l.  25—28  A 

l.  29  A'-- 

L  30  — pag.  94  1.  4  B 

.      94  ] 

L  5.  6  A 

L  7.  8  A* 

L  9 —  pag.  95  1.  32  A^ö) 

„   95  1 

.  33  — pag.  98  1.  3  B 

„   98  ] 

.  3—19  A*«) 

l   20—23  B 

L  24—27  A^o) 

L  28  — pag.  103  1.  11  B'^O 

„   103 : 

.  12—14  A 

L  15—27  B 

L  28—30  A 

u  31  — pag.  104  l  12  B52) 

48)  Auch  das  von  Klotz  und  Bindorf  übergangene,  aus  dem  Text 
p.  8  1.  23  SS.  ed.  Dind.  wiederholte  td  ^^v,  to  sv  5?>,  to  del  ^rjv  (fol.  4») 
scheint  von  Arethas'  Hand  zu  sein. 

49)  In  dem  grossen  Scholion  p.  Ö7  L  35  bis  p.  98  1.  19  reicht  die  Hand 
des  Baanes  nur  bis  yvfzywaw  1.  3,  alles  übrige,  von  Aie^oöixwztitov 
an  bis  zum.  Schluss  (t^v  avxijv  1.  19),  ist  Zusatz  des  Arethas,  und 
zwar  ohne  allen  Zweifel  (s.  o.  S.  176).  In  beiden  Ausgaben  findet  sich 
nach  yvßVioGoj  ein  Gedankenstrich,  aber  keinerlei  Hindeutung  auf  den 
wiiklichen  Sachverhalt. 

50)  Zu  p.  15  1.  15  SS.  ed.  Dind.  schrieb  B  an  den  Rand  tisqI  litp^o- 
öitTjq,  und  A  fügte  hinzu  xal  räiv  avr^i:  ßvavrjQicDv. 

51)  Schwanken  könnte  man  nur  etwa  in  betreff  des  kurzen  Scholions 
p.  99  1.  10  s.  {6ijovQ—(pQv^lv). 

52)  Auf  fol.  8  — 11  findet  sich  nichts  von  A.  Die  von  den  Heraus- 
gebern übergangenen  kurzen  Inhaltsangaben  fol.  12 1,  13»,  14»,  lö^  sind 
von  A;  er  schrieb  zu  p.  28  1.  21  s.  ed.  Dind.  an  den  Rand:  ovi  tgelq  'C,fivaq 
(paoiv  eX}.7]V€Q,  zu  1.  24  s.:  ozc  dd-i]vaT  nsvxi^  zu  p.  29  1.  5  s.:  Zxt  xal 
dnoXXwveq  s^  ivofxla&t^aav,  zu  1.  14  s.:  ort  xal  daxXrjniol  xal  sQpial 
nXtiovc:^  zu  1.  19  s.:  ozl  xal  ä^eiq  nXeioveg,  zu  p.  31  1.  12  ss.,  in  senkrecht 
über  einander  gestellten  Buchstaben:  nsQi  i]Qax?JovQ^  zu  p.  36  1.  8ss,: 
d7iö?.Xwv,  TjQaxXfjQ,  noociöwv.  Unterhalb  der  letzteren  Namen  ist,  wohl  auch 
von  A,  das  vom  Schi'eiber  irrthümlich  schon  hier  an  den  Rand  gesetzte 
Scholion  Innoxöwv  xiL  (p.  107  1.  28  ss.)  dm-chgestrichen ;    es  kehrt  auf 

der  folgenden  Seite  (fol.  17^)  wieder. 

12* 


180  Zur  handschnftliclien  Ueberlieferiing  der  Apologeten. 

Pag.  104  1.  13—15  A 

1.  16  — pag.  105  1.  11  B 
„     105  1.  12  A 


1. 

13- 

-pag. 

106  1. 

21  B 

106  1. 

22. 

23  A53) 

1. 

24- 

-pag. 

110  1. 

15  B 

HO  1. 

15- 

-19  A 

54) 

L  20- 

-pag. 

111  1. 

27  B 

111  1. 

28- 

-pag. 

112  1. 

7  A 

112  1. 

8- 

-pag.  113  1. 

12  B  ^5) 

113  1. 

13- 

-16  B^ 

K 

1. 

17- 

-pag. 

114  1. 

17  B 

114  1. 

18- 

-pag. 

115  1. 

2  A* 

115  1. 

3- 

16  B 

L 

17- 

-23  A 

1. 

24- 

-26  B 

1. 

27- 

-31  A 

1. 

32 

-pag. 

116  1. 

24  B 

116  1. 

25  A56) 

1. 

26- 

-33  B 

I. 

33- 

-pag. 

117  L  20  A*7) 

117  1. 

21- 

-28  B 

L  29- 

-pag. 

118  1. 

3  A58) 

53)  Unmittelbar  damnter  steht,  ebenfalls  von  A,  uQoavßvoq  (fol.  16»). 
Auf  fol.  17  und  18  findet  sich  nichts  yon  A.  Das  inttifiozsQOi  fol.  19» 
ist  von  späterer  Hand. 

54)  In  dem  Scholion  p.  110  1.  14  ss.  (fol.  19^)  ist  nur  der  Anfang, 
iBoifxi]  noXig  i^g  Xaxeöaiiiovlaq,  von  B;  die  Worte  r,v  xal  fxeoalrtjv  (eine 
spätere  Hand  corrigirte  f.i£ija^vrjv)  bis  kagioaa  Xeysiai,  sind  Zusatz 
von  A.    Auf  fol.  20  findet  sich  nichts  von  A. 

55)  Das  von  beiden  Herausgebern  überga  igene  xaza  xoivou  xb  oi 
7iagaizi]Tiov  fol.  22-^  (unter  uiOfxa  dvögiavTonoioü  p.  112,  29)  ist  von  A. 

56)  Das  aus  dem  Text  p.  62  1.  25  ed.  Dind.  am  Rande  wiederholte 
x€vu<pQov€a  (fol.  27 1)  scheint  ebenfalls  von  A  zu  sein. 

57)  Das  mit  ßagaBgov  beginnende  Scholion  p.  116  1.  30  (fol.  28»)  ist 
nur  bis  i^alvezo  1.  33  von  B;  das  übrige,  von  T/Oar  xal  bis  6  xägxaQoq, 
ist  Zusatz  von  A. 

58)  Das  auf  die  betrefi'ende  Stelle  im  Text  verweisende  Zeichen  über 
dem  p.  117  1.  29  beginnenden  Scholion  scheint  von  B  zu  sein,  das  Scholion 
selbst  aber  ist  von  A.  Hat  Arethas  dieses  vom  Schreiber  (B)  übergangene 
Scholion  nachträglich  aus  der  Vorlage  abgeschrieben  (s.  o.  S.  175  u.  Anm.  37)? 


Der  Arethascodex,  Paiis.  Gr.  451.  Igl 

Pag.  118  1.  4—16  B 

'  1.  17  A59) 
1.  18—30  B 

1.  31  — pag.  119  1.  11  A 
„  119  1.  12-17  (A?)60) 
1.  28  (A?)<^i) 
1.  30  (A?)«2) 
L  31  — pag.  120  1.  2  A63) 


59)  Zu  p.  70  1.  13  s.  ed.  Dind.  schrieb  A  an  den  Rand:  ä^tjg  and  rrjQ 
dvaiQSoecog  xaXeZzai,  zu  1.  17:  oxv&ai  aavQOfid&aif  zn  1.  22:  nsQawv  fjtdyoiy 
zu  1.  23:  fxaxBÖoveg. 

60)  Zu  dem  Scholion  p.  119  1.  12— 17  (fol.  45»)  bemerkt  Klotz,  es  rühre 
von  derselben  späteren  Hand  her,  welche  von  fol.  33  bis  47  Hav^lov  usqI 
V7jy)€ct)g  tpvxTjg  xeg}aXaiw6eig  vTcoS^fjxai  an  den  Rand  schrieb.  Das  ist 
richtig.  Es  hätte  aber  nicht  verschwiegen  werden  sollen  und  ist  auch 
von  Duebner  nicht  bemerkt  worden,  dass  dasselbe  Scholion  schon  früher, 
wahrscheinlich  von  der  Hand  des  Arethas  geschrieben,  dastand.  Jene 
spätere  Hand  hat  nämlich  wiederholt,  um  für  die  Randstücke  zusammen- 
hängenden Raum  zu  gewinnen,  kurae  Scholien  ausradirt,  in  der  Regel 
aber  dieselben  an  anderer  Stelle  wiederhergestellt.  So  hier,  wo  der 
Schreiber  die  betreffenden  Worte  zwischen  die  beiden  Schriftcolumnen 
quer  hinein  setzte.  Ebenso  steht  auf  der  folgenden  Seite  (fol.  45*^)  ot]- 
[f>iflü)aai]  xi  xb  xax  slxova  deov  (etwa  zu  p.  102  1.  3  ed.  Dind.)  zwischen 
den  Schriftcolumnen,  und  eine  Rasur  lässt  erkennen,  dass  dieselben  Worte 
schon  früher  an  anderer  Stelle  dastanden.  Eine  genaue  Vergleichung  des 
Mutin,  (und  Florent.)  mit  Paris  451  wird  vielleicht  ergeben,  dass  hier  und 
da  kleinere  Scholien,  welche  jetzt  in  ersterem  allein  stehen,  sich  ursprüng- 
lich auch  im  Paris,  fanden.  Denn  nicht  überall  hat  jene  jüngere  Hand 
das  Ausradirte  ersetzt;  so  gewahrt  man  fol.  48*,  50»,  51»,  52»  (unten), 
53'»^  (unten)  kleine  Rasuren,  denen  keine  Scholien  a  recentiore  manu 
entsprechen. 

61)  Das  Scholion  dvxl  rov  iiXsvaov  stand  ebenfalls  schon  früher  da 
und  ist  von  der  späteren  Hand  ersetzt  worden. 

62)  Statt  des  iXeelv,  welches  Klotz  1.  30  bietet,  steht  in  der  Hand- 
schrift tliräv,  und  zwar  ebenfalls  von  der  jüngeren  Hand.  Das  ausradirte 
ältere  Scholion  nahm  aber  3  bis  4mal  so  viel  Raum.  ein.  WahrscheinUch 
stand  ursprünglich  (abgekürzt)  6id(poQo:;  r/  av'Qvyia'  xal  iXeelv  xal  hXsüv 
Xaystai  (Dind.  p.  433  1.  5  iletlg  xal  iXeäg)  da.  Uebrigens  hätte  Dindorf 
dieses  Scholion  mit  M  (Mutin.)  bezeichnen  müssen,  da  er  um  das  ursprüng- 
liche Vorhandensein  desselben  in  P  (Paris.  451)  nicht  wusste. 

63)  Fol.  52»  ist  (zu  p.  114  1.  1  s.  ed.  Dind.)  das  Schriftwort  öiriyrj' 
ooßdi  xb  uvofid  aov  xoXg  d6e?(poTg  f-tov,  desgleichen  fol.  52^  (zu  p.  115 
1.  5  s.)  öiöovg  vofxovg  ßov  elg  n)v  öiupoikv  avzwv  von  A  aus  dem  Text 
am  Rande  wiederholt. 


j[g2  Zur  handschriftlichen  Ueherliofernng  der  Apologeten. 

Pag.  120  1.  8—11  A*6*) 

1.  12  — pag.  122  1.  la  A^"'^) 
1.  14  A*66) 

1.  15  — pag.  123  1.  14  A»') 
„  123  1.  15.  16  (A?)68) 
L  17.  18  A 
1.  19.  20  (A?)«») 
1.  21  — pag.  134  1.  10  A 
„  134  1.  11—14  ß 

1.  15  — pag.  136  1.  9  A 


r.4)  Das  6iu  xal,  welches  Dindorf  p.  212  1.  19  ohne  Bemerkung  im 
Texte  hat,  ist  im  Paris,  (fol.  60»)  nachträglich  an  den  Rand  gesetzt,  und 
zwar,  wie  es  scheint,  von  A.  Ebenfalls  von  A  ist  die  Inhaltsangabe 
fol.  61b  (zu  p.  214  H.  ed.  Dind.):  nsgl  xwv  naga  rolg  noXXolq  Xfyoßevwv 
uyanäjv,  desgleichen  fol.  62 *>  das  bei  Klotz  fehlende,  von  Dindorf  fälsch- 
lich mit  FM  bezeichnete  Scholion  p.  439  1.  10 — 12:  wansg — fjisraXafzßdvFir. 
Auf  der  folgenden  Seite,  fol.  63»,  schrieb  A  (zu  p.  217  1.  8  s,  ed.  Dind.)  an 
den  Rand:  onoTov  flvai  x6  öflnvov  Sei  xQ^^^T^tf^voTg,  und  (zu  p.  218  1.  2  s.): 
oTi  (iovDTOQ  aoioaxoq  slxotwc.  a.v  dvOfiät,oiTO. 

65)  Das  Scholion  dvzl  uTioxgsfiainsvog  (p.  120,  12)  steht  fol.  65».  Auf 
der  folgenden  Seite,  fol.  65 b,  schrieb  A  in  senkrecht  über  einander  ge- 
stellten Buchstaben  an  den  Rand:  xQiv^'f^ov]  yal  rjöv  tb  '/^wgiov.  Weiter 
unten  ist  ein  Scholion  von  3  Zeilen  ausradirt;  Avahrscheinlich  eine  Be- 
merkung des  Arethas,  die  er  selbst  wieder  verwarf,  denn  sie  fehlt  auch 
in  F  und  M.  Links  von  dem  Scholion  p.  120  1.  13  —  16  setzte  A  an  den 
Rand  (fol.  68')):  oii  ö  Ix^vg  ov  övov  tfanl  fiovog  sv  r^i  xoiXiai  x^v  xag- 
öictv  F/ei.  Fol.  72»  ist  wieder  ein  kleines  Scholion  ausradirt;  es  verhält, 
'sich  damit  wie  mit  dem  auf  fol.  65 b.  Fol.  73b  stehen  über  (palsgovg  (Klotz 
p.  121  1.  12  s.)  die  sieben  im  Texte  (p.  239  1..  15  s  ed.  Dind.)  vorkommen- 
den Namen,  mit  ^daioq  beginnend  (A). 

QQ)  Diese  Note,  welche  vonA  zu  sein  scheint,  steht  fol.  77».  Fol.  78»  sind 
zwei  Scholien,  ein  längeres  und  ein  kürzeres,  ausradirt;  das  erstere  ist 
wahrscheinlich  das  in  FM  erhaltene,  bei  Dindorf  p.  440  1.  31 — 33,  also 
erst  nachträglich  getilgt,  nachdem  jene  Handschriften  bereits  aus 
Paris.  451  abgeschrieben  waren. 

67)  Das  mit  agi^a  überschriebene  Scholion  p.  122  1.  20—24  (fol.  79»)  ist 
ohne  allen  Zweifel  von  A;  ebenso  die  kurzen  .Inhaltsangaben  fol.  79  »und  SO». 

88)  Dieses  Scholion  (fol.  85»)  ist  wieder  an  Stelle  eines  ausradirten 
(von  A?)  von  der  späteren  Hand  geschrieben.  Von  dem  folgenden  (fol.  85  b) 
ist  nur  ein  Theil  ausiTidirt  und  ersetzt. 

09)  Auch  dieses  Scholion  ist  als  Ersatz  eines  ausradirten  von  der 
späteren  Hand  geschrieben. 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  183 

Mit  fol.  130  verschwindet  die  Haud  des  Baanes  vom  Rande 
des  Cod.  451,  um  uns  erst  später  wieder,  jedoch  nicht  mehr  in 
der  Form  von  Scholien,  zu  begegnen.  Die  wenigen  Randbe- 
merkungen zur  Epist.  ad  Zenam  et  Serenum  sind  von  Arethas' 
Hand,  desgleichen  die  zur  Cohortatio  ^^)  und  zur  Supplicatio 
des  Athenagoras.  Von  den  Randnoten  zur  Schrift  de  resurr, 
wird  alsbald  die  Rede  sein.  Es  gilt  nur  zuvor  noch  eine  Be- 
merkung über  die  Schrift  des  Baanes  nac"hzutragen  und  damit 
zugleich  eine  irrige  Angabe  zu  berichtigen,  welche  aus  v. 
Otto 's  Beschreibung  des  Cod.  451  auch  in  Harnacks  Ab- 
handlung übergegangen  ist. 

Auf  Grund  der  ihm  zugekommenen  Kunde  bemerkt  nämlich 
V.  Otto*^*),  dass  der  Titel  der  Supplicatio  des  Athenagoras  nicht 
vom  ersten  Schreiber  (Baanes),  sondern  von  einer  Hand  des 
11.  Jahrhunderts  herrühre.  Diese  Angabe  ist  eine  durchaus 
irrige.  Sie  ist  darauf  zurückzuführen,  dass  zu  den  Büchertiteln 
eine  nicht  nur  vom  Texte,  sondern  auch  von  den  Scholien  ver- 
schiedene Schrift  verwandt  wurde:  eine  Erscheinung,  die  so 
gewöhnlich  ist,  dass  man  sich  wundern  muss,  sie  von  Otto's 
Grewährsmanne  so  völlig  verkannt  zu  sehen.  Es  ist  eine  mittel* 
grosse,  durch  schlankere  und  rundere  Formen  von  der  Scholien- 
schriffc  sich  unterscheidende  Semiunciale.  Man  begegnet  ihr 
übrigens  nicht  nur  in  den  Büchertiteln,  sondern  auch  in  den 
üeberschriften,  welche  den  Capiteln  der  Praepar.  ev.  von  fol. 
232t>  an  am  Rande  beigeschrieben  sind"^'-^).  Letztere  dem  Baanes 
abzusprechen,  wird  niemandem  in  den  Sinn  kommen'^*).  Dann 
aber  lässt  sich  auch  schlechterdings  kein  Grund  erfinden,  warum 
der  Titel  der  Supplicatio  nicht  von  Baanes  geschrieben  sein 
sollte.    Die  Schrift  ist   genau  dieselbe,  wie  die  des  Titels  der 


70)  Darunter  auch  fol.  ISS^  pnoToc  lovattvo^  6  &6toc  xtl,  (vgl.  Har- 
nack  S.  3B), 

71)  Corp.  Apolog.  Christ.  Vol.  VIT.  p.  XIII.  Otto  hat  die  Handschrift 
selbst  nicht  gesehen. 

72)  Zuerst  nfgl  tijg  6)-Xi^vo)p  (pvoixric  ^eo/.oylac,  die  üeberschrift  von^ 
1.  III  c.  1. 

73)  Eher  Hesse  sich  darüber  streiten,  ob  die  in  der  Praepar.  ev.  hier 
und  da  aus  dem  Text  am  Rande  wiederholten  Eigennamen  von  der  Hand 
des  Baanes  herrühren.  Ans  11.  Jahrh.  ist  aber  auch  hier  nicht  zu  denken: 
man  könnte  nur  zwischen  Baanes  und  Arethas  schwanken. 


IS 4  Z^^  handschriftlichen  Ueherlieferung  der  Apologeten. 

pseudoj  11  stini schell   Cohortatio    (fol.    16313):    warum  ist  es  uie- 
mandem   eingefallen,    auch    diesen    dem   Baaiies    abzusprechen 
und  ins  11.  Jahihundert  zu  verlegen?  Nur  die  Möglichkeit  ist 
allerdings  nicht  ausgeschlossen,  dass  Baanes  den  Titel  der  Suppli- 
catio  in  seiner  Vorlage  nicht  vorfand;  denn  er  steht  oberhalb 
der  Schriftcolumne,  als  ob  er  nachträglich  hinzugefügt  worden 
wäre,  nachdem  die  Adresse  {Avto-aqcctoqolv  y.xl.)  bereits  nieder- 
geschrieben war.  Abßr  es  ist  dies  eben  nur  eine  Möglichkeit,  die 
von  Wahrscheinlichkeit  weit  entfernt  ist.    Auch  die  Ueberschrift 
von  Paedag.  III,  1  {yfoyog  rghog'   7i€()i  rot   yxiXlorg  tor  «Ar^- 
O^ivov)  steht  ausnahmsweise  oberhalb  der  eigentlichen  Schrifk- 
columne:  hat  man  daraus  den  Schluss  zu  ziehen,  dass  sie  eben- 
falls in  der  Vorlage  fehlte?   Dazu  kommt,    was  v.  Otto  ganz 
verborgen   geblieben   zu   sein   scheint,    dass    der   Titel    der 
Supplicatio,  wie  der  der  übrigen  Schriften,  nicht  nur  als 
Ueberschrift,  sondern,  in  abgekürzter  Form''*),   auch  als 
Unterschrift  vorliegt.    Man  müsste  also,  da  die  Unterschrift 
zweifellos  derselben  Hand  angehört,  wie  die  Ueberschrift,  auch 
erstere   von  jener  vermeintlichen   Hand  des   11.  Jahrhunderts 
nachgetragen   sein   lassen.     Ferner:    Von   der  Ueberschrift  der 
Schi'ift  de  resurr,  sagt  v.  Otto  auf  Grund  der  ihm  zugekommenen 
Kunde,  sie  scheine  von  der  ersten  Hand  (Baanes)  herzurühren. 
Aber  dieselbe  Hand,  welche  toü  avtov  nsgl  dvaoTdoewg  vs/igtov 
überschrieb,  markirte  den  Schluss  durch  die  Unterschrift  d^ri- 
vayoQOv  negi  dvaotdaecjg,  und  diese  Hand  ist  sicher  mit  der- 
jenigen identisch,  welche  die  SuppKcatio  mit  Ueberschrift  und 
Unterschrift  versah.    Man  müsste  consequenter  Weise  dazu  fort- 
schreiten,   beide   Ueberschriften    und  beide  Unterschriften    für 
spätere  Zuthat  zu  erklären;    aber  dazu  möchte  sich  schwerlich 
jemand  entschliessen.  Die  Annahme  wäre  weniger  abenteuerlich, 
wenn  in  der  That,  wie  man  v.  Otto  berichtet  hat,  eine  Hand 
des  11.  Jahrhunderts  auch  sonst  zahlreiche  Spuren  im  Cod.  451 
hinterlassen  hätte.    Das  ist  aber  keineswegs  der  Fall.    Sämmt- 
liche  Correcturen  und  Randschriften,  die  jünger  sind 
als  die  des  Baanes   und  Arethas,    gehören   frühestens 
dem  13.  oder  14.  Jahrhundert  an^^).     Man  wird  also  nicht 

74)  Die  Unterschrift  lautet:  dS^tjvayogv  (sie)  ngiaßsla  (sie). 

75)  S.  0.  S.  160  und  S   175  Anm.  36.    Unter  den  Correctorenhänden  ist 
namentlich  eine  auffallend,  welche  mit  blassrother  Tinte,  in  errossen,  un- 


Der  Aret.hascof'ex,  Paris.  Gr.  451.  185 

umhin  können,  auch  den  Titel  der  Supplicatio  schon  im  Jahre  914 
von  Baanes  geschrieben  sein  zu  hissen,  mag  er  nun  in  der 
alten  Vorlage  gestanden  haben  oder  nicht '^^). 

IT, 

Mit  der  Schrift  de  resurr,  hat  Arethas  sich  eingehender 
beschäftigt  als  mit  irgend  einer  anderen  des  Cod.  451.  Nicht 
nur  hat  er  sie  mit  zahlreichen  Randbemerkungen  versehen^  son- 
dern auch,  wie  schon  bemerkt,  eine  Capiteleintheilung  vorge- 
nommen und  jedem  Capitel  eine  mehr  oder  weniger  ausführ- 
liche Inhaltsanalyse  beigeschrieben.  Man  erkennt  hier  besonders 
deutlich,  dass  die  Leetüre  und  gelehrte  Bearbeitung  zu  ver- 
schiedenen Zeiten  stattgefunden  hat.  Der  grösste  Theil  der 
gelegentlichen  Randnoten  ist  in  einer  verhältnissmässig  feinen, 
der  Schrift  des  Baanes  sich  nähernden  Semiunciale  geschrieben, 
wie  die  ArethaSscholien  zu  den  Schriften  des  Clemens;  die  In- 
haltsanalysen hingegen  sämmtlich  in  grösserer  Schrift  und 
augenscheinlich  mit  anderer,  minder  feiner  Feder.  Diese  sind, 
wie  aus  der  Raumvertheilung  zu  ersehen,  zuletzt  und,  sofern 
man  aus  der  Gleichförmigkeit  der  Schrift  darauf  schliessen  kann, 
ohne  grössere  Unterbrechung  geschrieben. 

In  der  Ausgabe  v.  Otto 's  fehlt  eine  Anzahl  dieser  Ana- 
lysen; sie  sind  vollständig  zuerst  von  Nolte  in  Migne's  Patrolog. 
Gr.  T.  VI.  CoL  1809—1816  veröffentlicht  worden.  Aber^uch 
hier  werden  sie  mit  den  gelegentlichen  Bemerkungen  durch- 
einandergeworfen und  somit  dem  Zusammenhange,  in  dem  allein 
sie  verständlich  sind,  entrückt'*^). 


geschickten  Zügen  ihre  meist  die  Oi-thographie  betreffenden  Verbesserungen 
einzeichnete.  Ihre  Zeit  ist  nicht  leicht  zu  bestimmen,  doch  reicht  auch 
sie  schwerlich,  über  das  14.  Jahrhundert  hinauf. 

76)  Von  den  Subscriptionen  hatte  auch  Harnack  keine  Kenntnis«; 
daraus  erklärt  sich  die  Bemerkung  S.  34  (vgl.  S.  176),  dass  in  A  (Paris.  451) 
der  Name  des  Athenagoras  überhaupt  fehle.  Die  Ausfühmngen  S.  176  if. 
■werden  übrigens  durch  unsere  Berichtigung  nur  insofern  betroffen,  als  der 
Arcthascodex  nicht,  oder  doch  nicht  unmittelbar  als  Zeuge  für  die  titel- 
lose üeberlieferung  der  Schriften  des  Athenagoras  angeführt  werden  kann. 
Die  Thatsache,  dass  im  Cod.  Paris.  450  der  Titel  der  Schrift  de  resurr, 
erst  von  späterer  Hand  hinzugefügt  wurde,  bleibt  bestehen. 

77)  Der  Abdruck  bei  Migne  ist  übrigens  nicht  so  fehlerhaft,  wie  man 
aus  der  Inhaltsangabe  des  ersten  Capitels  schliessen  möchte.    Hier  finden 


1§6  Zur  handschriftlichen  Ueberlieferimg  der  Apologeten. 

Der  Beginn  eines  neuen  Capitels  ist  in  der  Regel  durch 
Ausrücken  des  ersten  Buclistaben  der  folgenden  Zeile  kenntlich 
gemacht  (s.  o.  S.  175),  wenn  nicht  zufällig  der  Anfang  des 
Capitels  mit  dem  Anfang  einer  Zeile  zusammentrifft.  Mit  der 
Capitelzahl  am  Rande  correspondirt  eine  Ziffer  über  der  be- 
treffenden Analyse;  letztere  wird  überdies,  um  sie  von  den 
sonstigen  Bemerkungen  zu  unterscheiden,  Zeile  für  Zeile  von 
dem  Zeichen  -f   begleitet"^). 

In  dem  folgenden  Abdruck  musste,  wegen  typographischer 
Schwierigkeiten,  auf  Wiedergabe  der  zahlreichen,  zum  Theil 
tachygraphischen  Abbreviaturen  verzichtet  werden.  Mit  Rück- 
sicht auf  die  Bequemlichkeit  der  Leser  aber  schien  es  angezeigt, 
auch  die  etwas  nachlässige  Behandlung  von  Spiritus  und  Accenten 
von  der  Wiedergabe  auszuschliessen^^).  Die  Seitenzahlen  be- 
ziehen sich  auf  die  Ausgabe  v.  Otto's  im  7.  Bande  des  Corpus 
Apologetarum. 

.A'  (p.  186  1.  4)  "^'Ort  Tcavtl  doyi-iaxi  xal  ?.6yq>  a?.Yjd-€tag^^) 
Fyofievq)  TtagvcfLGTazal  rt,  ipndog,  ovv.  e/.  g)voiy,'^g  alziag  OQ/tico- 
aevovy  aA^'  i^  dO^eofiov  Trjg  aXqd^aiag  öiaq)&OQ&g  rcov  to  xpsvöog 
TeTifirjyioTwv  iv,  vM/.oayoXiov  /.cd  Gvy.ocpavTstv  ccnav  ayaS^bv  mal 
d'elov  ianovöa/.oTwv. 

B'  (p.  188  1.  11)  '^'Otl  Toig  nsQi  öoy^ia  y.al  Xoyov  aAij^?] 
TiovovjLievoig  ötTTcdv  ygala  Xoycoi^,  VTteq  y,ai  Ttegl'  xcov  f.iev  vtcsq 
trig  aXjid-elag  ngog  tovg  aniazovg  ymi  sgioziycotg,  ziov  6i  niol 


sich  nämHch  nicht  weniger  als  drei  sinnentstellende  Druckfehler:  elq  xct- 
xooyoXtjv  statt  ix  xaxoo'/6).(i)v^  ^inav  statt  änav,  ionovSaxottjv  statt 
ianovöaxoTCDV.  Im  weiteren  Verlauf  kommen  sinnstörende  Druckversehen 
nur  vereinzelt  vor,  dagegen  aber  stillschweigend  in  den  Text  aufgenom- 
mene Emendationen  wiederholt. 

78)  Dasselbe  Zeichen  findet  sich  ausserdem  fast  auf  jeder  Seite  mehrere 
mal  am  Rande  des  Textes;  es  scheint  dem  Arethas  das  bekannte  atj/ieitoaai 
vertreten  zu  haben,  welches  sich  hier  (neben  der  Abkürzung  für  wQaiov) 
nur  selten  findet. 

79)  Auf  die  graphischen  Eigenthümlichkeiten  des  Arethas  kann  hier 
nicht  eingegangen  werden.  Wir  erwähnen  nur  den  regelmässigen  Ge- 
brauch des  iota  adscriptum  und  die  häufige  Bezeichnung  des  langen  a 
mit  einem  kleinen  Strich  darüber. 

80)  Die  erste,  bis  akrj^siaq  reichende  Zeile  ist  in  der  Handschrift  zum 
grössten  Theil  mit  dem  Rande  weggeschnitten,  die  Lesung  aber  ist  durch 
die  Abschrift  im  Cod.  174  gesichert. 


Der  Aretliascodex,  Paris.  Gr.  451  '  1S7 

xfjg  (x?,7j0^ciag  7rQog  toig  euyvcouovtog  dtyo(.dvovg  v.al  snisr/xdg 
rovg  Xoyovgj  ovg  ytal  /^ij  -Acaa  zriv  7tQ0'/,€tuevriv  vnoO^iOiv  tiqou- 
yeiv  ihaaVTiog  de  7.ar%rjV  id^iv  tov  v7ceQ  ytcel  neql  xar«  i?p 
enißdlXovoav  tm  ngay^iaTL  xgeiav  ngnovefieiv^^), 

r'  (p.  190  1.  15)  '^'Oxi  TO)  7C€qI  lijg  dvaoidoswg  Xoyoj  oi  [dv 
TcdvTf]  duiOTOvoiv,  Ol  öe  df.ifpißdllotfJiv,  alld  y.al  tmv  öe^a- 
fibV(x)v  iog  löTiv  dvdotaöLg  eIoIv  o^xiveg  liz  Xor^g  loig  Ci^iqißctl- 
hwaiv  aTtiOTOvaiv  dX6yo)g  xal  dvaizicog^'^). 

J'  (p.  192  1.  5)  ^'Eleyyog  bvxev^ev  rlöri  tvIv  tteql  xr^v  dvd- 
nxaöiv  dTciaxiog  exovzcov  dno  xov  (.n)  nQOXEiQiog  ovkayioyuod^ai 
xnig  y,axd  axQiTov  So^av  otGTqrilaxoif.iivotgy  dkla  f.iq  fiti  loyv- 
gag  cnxlag  xal  darpalelag'  dcp  (hv  öi]  ymI  xo  tilöxov  nl(fV'/.ev 
dvaßXaaxdvetv.  xo  yaQ  xoig  ayav  uioxo'ig  dniaieiv  avd^QCOTtwi' 
egyov  ovy  vyLcavovnov  xov  XoyiG}.i6v,  el  öi  xovxoj  ol  xr^v  ava- 
axaGLv  dmoxovvxeg  tj  öcanogovvxeg,  si^tsv  (.iriöe^iiäg  cdxiag  e^dji- 
xovxeg  xriv  xcov  dvd-giüTiiov  yeveaiv  xovxo  h^govotV)  eyyvOev  tov 
l'?i£yXov  xovxov^'^)  dTzolöovxai*  rj  xto  ^£(fß  xi'iv  alelav  dvaxix}ivxEg 
xi^v  xcov  dv\}gi6niov  dvdoxaoiv  7]  cog  dövvazov  ^i  cog  aßovlr^xov 
xtT)  ^£(7ß  aTTiGxovGiv,  oneg  Boycttrig  dvoiag  /.al  dGeßeiag'^^). 

E'  (p.  194  1.  7)  'Oxi  xo  dövvaxov  xivi  TioiiJGal  xi  7]  s§  ay- 
voiag  TOV  yevr^GO(.tivov  Gvf.ißatv€t  7j  ea  xov  firi  (xvxagAcog  tysiv 
ngog  xo  EnixEXiGai  zb  iyvcoG^iEvov.  eyyEigriGag  yag  xo7g  döv- 
vdxoig  ov'A  Ev  xoig  GcScpgoGt  loyiGd^Eirj,  ayvoiav  de  7]  döwaf-ilav 
ngoGanxELv  d^eof  xiTt  y.cd  ngo  yev^GEiog  dxgißcog  lenxoyvoovvzi 

81)  Das  Capitel  beginnt  mit  'O^ev  oipiar,  das  kleine  v  der  letzten 
Silbe  von  novovfxevoig  (1.  11),  ■womit  die  folgende  Zeile  begann,  ist  aus- 
radirt  und  durch  ein  grosses  ersetzt  (s.  0.  S,  175).  Die  durch  gesperrten 
Druck  ausgezeichneten  Präpositionen  vnhg  und  ns()i  sind  in  der  Hand- 
schrift durch  darübergesetzte  Striche  markirt.  Die  bei  Otto  unmittelbar 
angeschlossene  Bemerkung  TtpoTy/faat  xi/..  steht  in  der  Handschrift  auf 
der  folgenden  Seite  (fol  349 »),  zu  p.  190  1.  1  s. 

82)  Der  Anfang  des  Capitel s  ist  hier  nicht  durch  einen  grossen  An- 
fangsbuchstaben kenntlich  gemacht.  Das  P'  steht  am  Eande  zu  der  mit 
x(ov  TJjg  fivaazdas(.o?  beginnenden  Zeile  (1.  15);  man  muss  also  annehmen, 
dass  Arethas  das  neue  Capitel  mit  xazä  vöv  avxbv  (1.  14)  beginnen  lassen 
wollte. 

83)  Nach  Otto  sollen  die  Handschriften  ('codd.')  tovzo  haben.  Vom 
Paris.  451  gilt  das  aber  nicht;  mau  kann  nur  schwanken,  ob  der  letzte 
Buchstabe  nicht  vielmehr  einem  v  als  einem  v  ähnlich  sioht. 

84)  Das  G  von  oxo7coj,u£r  (c.  2),  womit  eine  neue  Zeile  beginnt,  war 
schon  vom  Schreiber  ausgerückt. 


18g  Zur  handschriftliclien  üeberlieferung  der  Apologeten. 

xo  7[60^6v  bxaGTOv  ir^v  ovövaoiv  naq  avTOv  Xricp^ev  yox'i]yi'^v^ 
'/.al  öiaXvd^ev  na%tv  elg  nöla  (.UTay.ey^tOQr^^ev ,  soxonr^g  iarlv 
aosßelag.  6  yaQ  d/.oißcog  otrcog  eldwg  fctog  aövvaTiog  i^ei  ravia 
laßtov  TiQog  To  i^  CLQ^i^g^^)  inavayayelv^^). 

g  (p.  198  1.  16)  riegl  rtov  ccTiogov^iviov  Tiatv  oti  ftiog  öv- 
vcaov  ixvi}QCOTiov  vnb  ix&vcov^'^)  ßgM&evza  y,al  eig  avicov  vno- 
(jiaoiv  fiaraßaXovTa,  y.al  tkxXlv  icov  Ix^^vojv  vnb  av^Qioniov 
ßgcod^tvicov  rj  y,al  ^onov  hsQtoVy  aTteg  ticcXiv  vtto  akkcov  x^rjguov 
i^avTilw^r^^^)  aal  ngbg  ovotccGiv  tlov  tovtwv  ocüf^taxiov  ftiaTt- 
ßaXev  TTXog  ovv  tb  elg  xogovtcüv  vTtoozaoiv  TiaTay.egf-iaziod^ev 
av&ig  Eip  Ivi  oiof-iaxi  avO^gojTtov  oiardoei,  e^avaazrivai,  riva 
To7g  (illoig  vnoozaGiv  xazaliTibv  xolg  VTvb  xovxcov  igacpeloiv^''); 

'/!  (p.  202  1.  17)  yivGig  xtov  xocovxcov  dnogtov  9"). 

H'  (p.  204  1.  2)  '''Ozi  ov  Tcdvrwg  xb  Ttgbg  xgccpr^v  XrjcpO^ir 
/Ml  ngbg  inoGxcxGiv  rjöri  xov  XQ€cpof.iivoi\U€xaßdXlsiv  necpvyLev'^^). 

0'  (p.  208  L  19)  'O  ^2)  xovxq)  xo)  loyoj  Xvexai  xb  öokoiv 


85)  Cod.  ^^a^x^/c,  wie  oben  (P)  eniarjg;  aber  auch  a(pü)v  und  derg^l. 

80)  Die  Ziffer  E'  steht  bei  der  mit  -TTjg  dniatlac  beginnenden  Zeile 
(1.  7)  am  Kande;  das  iäv,  mit  dem  die  vorhergehende  Zeile  beginnt,  war 
schon  vom  Schreiber  ausgerückt.  Arethas  selbst  bezeichnete  einen  grösseren 
Abschnitt  1.  9,  indem  er  das  kleine  t  des  to  (1.  9),  womit  die  drittnächstc 
Zeile  begann,  ausradirte  und  durch  ein  grosses,  ausgerückt,  ersetzte. 

87)  Cod.  Ixvwv 

88)  Arethas  hatte  zuerst  i^atilw&rj  geschrieben  und  setzte  nachträg- 
lich ein  V  über  das  a  (Otto  i^rjvaXwB^rj). 

89)  Das  c'  steht  parallel  der  mit  xal  xb  (pSccgxbv  (1.  16)  beginnenden 
Zeile  am  Rande  und  bezieht  sich  gewiss  auf  den  in  dieselbe  Zeile  fallen- 
den Absatz  {Tov  aviov  1.  17),  obgleich  der  folgende  Zeilenanfang  (ft//) 
nicht  in  der  gewöhnlichen  Weise  bezeichnet  ist. 

90)  Das  \E  des  ^Eixol,  womit  eine  Zeile  beginnt,  ist  in  Rasur  und  aus- 
gerückt. Das  bei  Otto  unmittelbar  folgende,  mit  \4Q6Qa  überachriebene 
Schoiion  war  von  Arethas  (e.  o.  S.  170)  schon  früher  an  den  Rand  ge- 
schrieben  und  Hess  für  eine  ausführlichere  Inhaltsangabo  keinen  Raum. 

91)  Diese  von  Otto  übergangene  Inhaltsangabe  steht  am  unteren 
Rande  derselben  Seite  (fol.  351'^),  deren  Seitenrand  fast  ganz  von  dem 
mit  \iQs^a  überschriebenen  Schoiion  eingenommen  ist  Das  H'  steht  bei 
der  mit  Xiov  haj&spxwv  (l.  2)  beginnenden  Zeile  am  Rande;  ein  grosser 
Anf.iiigsbuchstabe  fehlt.  Die  Stelle  ist  Inr  den  Beginn  eines  neuen  Capitel< 
nicht  eben  glücklich  gewählt. 

92)  Dieses "O  (sie)  erklärt  sich  wohl  daraus,  dass  Arethas  auch  diese 
Inhaltsangabe  mit  %ii  beginnen  wollte,  das  bereits  geschriebene  *^'0  aber, 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  189 

üTtOQiav  Tiegircotuv'^'^)  dq/  wv  Tivßg  q)do/.ovoiv  ddui'aiov  eivai 
ysvead^ai  dvdöTaaiv  zut  elg  noVka  Gw^iaxa  xtoqridai  Sia  rrjg 
iQOcp^g  zf]  V7iallijl(p  ^VQOOfpOfyä  xe  -Kai  öiaöoGei  ■'^). 

1'  (p.  218  1.  12) "Ort  o\  dnb  Trjg  /.av  dvÜ^QtoJTOvg  dr^utovQywv 
uad^evovg  dnoQiag  i^i/reöoiv  ßovXofxevoi  t6  tavTtov  dvovGTcaov 
dayf-ia  ov>i  eoiLV  ogov  elnelv  e^vßqi^ovOLv  dg  OsoVj  Yoov  loytLo- 
fi€voc  d^ebv  xal  dvOQco/covg^^). 

I^'  (p.  220  1.  14)  Tov  ^Aazcc  rb  dövvaiov  elvat  ^£^;7  riiv 
ccvccaraaiv  rcov  dv&Qtoncov  noiijoai  XiqQOv-^^)  i/mvop  VXeyxov 
illrixoTog  67tI  xb  ctßovliqvov  xw^i^croft  Xotnov.  xovxo  ds  xb  aßov- 
Xxixov  i]  cog  ccdiKOv  eöxiv  dßovXriTOv  rj  chg  avd^iov.  dll^  ovxe 
aöiKOV  -d^eoj  ovö^  dvd^LOV  öia  xovxo  ovdi  ußovlrixov.  xb  fiiv 
yccQ  adr/.ov  t]  tieqI  ctvxbv  d^ecogslxat  xbv  dvaaii(]ö6i-ievov  r]  jieql 
aXXov,  dX?.^  ovxe  tcuv  l'^codsv  döi/.eixccl  xig'  ov  voega  cpioig 
ovde  xTrjvcodrig,.  y  voeqd  fAsV  ozl  ui]  ef-inodiov  avxaig  r^  xcov 
dvd'QOJTKOv  dvdoxanig,  ncog  da  rj  xwv^  dXoywv  aSiytyj&sirj  xiov  sv 
XTj  jtaXLvL,coi(x  (.iri  ovxwv;  dcpiydqxco  yag  Kco^  xlg  tJ  xcov  rrobg  q)^o- 
qdv  vnriQBxovvxwv  xgeia;  ov  (.li^vxoL  ovde  negi  avxbv  xbv  dvioxd- 
lievov  svd-swgrid^slri  xb  aöixov  xrjv  oXo^Xriglav  dnoXafißdvovxa^ 
^V  ötd  dyaO^oxriva  xov  e^  dgxrjg  nagayayovxog  8/.XrigiüO(xxo.  ov 
x(o  Gcofiaxi  aöi-aov  el  jitr)  y,al  öo^av  q)egov  xii>  yigelxxovi  ovvanxo- 
f.iev(p'  ov  xrj  ^vxfj  zb  xofr  dgxag  olyirjZTJgiov  Kai  acpSagrov 
dvadsxoftsvjj'  ov  xu)  S^sut  drd^iov,  ozl  /tiriös  oxs  (p&agxbv  nagy- 
yev  avd^iov  vvv  6i  xal  f.iäXXov  ivdo^bcegov  oxe  acpSagzov 
dnoxeXiosi  ^'^). 


nachdem  er  eich  anders  besonnen,  zu  tilgen  vergass.    Auch  dieses  Stück 
fehlt  bei  v.  Otto. 

93)  Arethas  schrieb  aus  Versehen  negLnoiieZv. 

94)  Das  Capitel  beginnt  rait  ElneQ  1.  18;  das  kleine  a  des  (fiast,  mit 
welchem  die  folgende  Zeile  begann,  ist  ausradirt  und  durch  ein  grosaes 
ersetzt.  Statt  diaöoaei,  welches  (am  Schluss)  deutlich  dasteht,  las  der 
Schreiber  des  Cod.  174  öiaS^eaei. 

95)  Arethas'  zehntes  Capitel  trifft  mit  c.  9  des  gedruckten  Textes  zu- 
sammen; das  kleine  r  des  tijv  zu  Anfang  der  Zeile  (1.  12),  bei  welcher  das 
r  am  Rande  steht,  ist  ausradirt  und  durch  ein  grosses  ersetzt. 

96)  Das  XrjQOQ  bei  v.  Otto  erklärt  sich  aus  der  missverstandenen, 
wenngleich  unzweideutigen  Abkürzung  für  ov. 

97)  Auch  hier  trifft  der  Capitelanfang  des  Arethas  mit  dem  des  ge- 
druckten Textes  zusammen.  Das  kleine  r  des  dßovXtjTov  (1.  14),  womit 
die  folgende  Zeile  begann,  ist  ausradirt  und  durch  ein  grosses  ersetzt. 


190  ^ui'  handschriftlichen  Ueberlieferung  der  Apologeten. 

IB'  (p.  226  1.  13)  ^^vay.£(paXauoaig  ahiwöeGreQa  ntql  Z'^g 
ra^Hog  Tov  ntQi  '/.cd  vnl.Q.  otl  to  TTQioTOGiuzEiv  fiev  zip  negi 
qvoti  ymI  za^si  yial  XQeia  7iQ0Gvefiezai,  zb  da  doQvqoQUv  xcd 
oiov  7TaQC(ne(.i7ieLv  zv)  vjieq,  aze  (pvoeL  ymi  övvc^iei  Y.azade- 
toitQU}.  tlaztov  yciQ  zo  zb  ipevdog  ani.lLyyuv  zov  zi]v  alr^- 
i^etuv  iniQQiOi'veiv.  ov  f.i6vo\  dt  zovzOj  alla  xal  zfj  zd§6i  öev- 
TSQog  ovzog,  tag  zb  ifiEvÖGg  mit'kiyi'^v'  gtisq  ipsvdog  s§  ini- 
GTTOQag  fra^eiGsqO^CiQTj.  all^  Ofuog  y.al  zoiztov  ovztog  fyovzcov 
tG'J  Gze  vMi  0  v/ieQ  y.azaXu/iißarezat  yfjeicuiÜHjTCQog,  wg  dvai" 
Qiüv  zt)v  dniGiiav  za  ymI  ipsvÖGÖo^iav.  ntibg  'tv  f^itv  ovv  zelog 
(xfiqoTeQOi  Ti^v  evGtßsiav  dvacpeQGvzaij  ov  (.ttvzoi  Y.ai  tv  elGiv, 
all'   o   fier   eoziv   b   naoi    drayyMlog   zölg  ^riGcevovGiVj    6   öf: 

V7CEQ    TTQOg   ZOV    YMlQbv   Y.(Xi  ZCi    TTQOGiOTia^^), 

II  '  (p.  228  1.  21)  "OzL  dlrii^iig  6  tilqI  zr^g  dvaGzccGSwg  ?<,6yog 
öei/.rvzai  ajrb  zovziov*  ajcb  lijg  alziag  Y.ad^  r^v  yml  öl  r^v  yi^ 
yovsv  avd-Qi07Cog  Y.ai  ol  f.iez^  e/.eivov,  drcb  zi^g  zov  yvoiijoaviog 
y.QiGHog  y,ad'  ov  tYMGzog  ttr^Ge  xqovov  ymI  yccO^  ovg  STtolizev- 
Gcczo  voi-iorg*^'-^), 

U'  (p.  230  1.  15)  ^^JiodoGLg  Jtqbg  eyaGzov,  ozl  ov  (.idzriv 
£v  (pQonov  zig  yml  Gocpbg  tiouI  zl'  ymc  zovzov  7iaQadeiyfiaza' 
Y.al  aTib  ziov  rceql  rifxäg  TiaQaösiyfidzojv  STidvoöog  nqbg  O^ebv 
zov  VTteg  Tiaoav  Gocfiav  Y.al  f-iriöi  zivog  ngoGÖeif  ^iva  dia  zovzo 
cpo)jii6v  avd^Qionov  TiotriGaL  avzbv.,  d\)^  ovös  did  ziva  zwv  V7i 
avzGV  yevoiiievcüv  xQsiaVf  ov  zcov  (.teiCovcoVf  ov  zcov  Y.azadehGieQiov. 
öia  yä()  zr)v  lölav  ygelav  Y.al  dia/noviiv  exaozov  ^^^)  öid  aya- 
\)oiz\za  zov  nagayorzogvcfLGiaiaL  t'/.aazov  zcov  loyq)  oioiY.ovf.Li- 
rwvj  ovyl  Si    allov  ygeiav^^^). 

98)  Die  Ziffer  IB  steht  bei  der  mit  xö  TipionvELv  beginnenden  Zeile 
am  Rande;  ein  grosser  Anfangsbuchstabe  fehlt.  Die  gesperrt  gedruckten 
Präpositionen  tisq!  und  vnh(}  sind  auch  hier  in  der  Handschrift  durch 
einen  Strich  darüber  niarkirt. 

99)  Ein  grosser  Anfangsbuchstabe  fehlt  auch  hier;  aber  aus  der  Stellung 
der  Ziffer  bei  der  mit  twv  r}6ij  beginnenden  Zeile  ist  ersichtlich,  dass  das 
neue  Capitel  mit  'lieov  (Ve  (1.  22)  beginnen  soll.  Der  Vermuthung  v. 
Otto'ß,  dass  nach  //fr'  ixtlvov  etwas  ausgefallen  sei,  wird  schwerlich 
jemand  beipflichten.  Uebrigens  findet  sich  dieses  'SchoUon'  nicht  nur  'in 
marg.  Par.  V  (451),  sondern  auch  im  Paris.  174. 

100)  Das  i'xanzov  i.<5t  bei  v.  Otto  wohl  nur  aus  Veisehen  ausgefallen; 
es  fehlt  auch  im  Paris.  174  nicht. 

101)  Die   Ziffer  /J'  steht  bei  der  mit  n^oi  xv  (l.    15)  beginnenden 


Der  Arethascodcx,  Paris.  Gr.  451.  19t 

IE'  (p.  240  1.  18)  ^ETravakriijJig  n?Mtr/.coT€Qa  ^^'^)  twv  ttqo- 
e^TaajLienov  rtsQt  ava0Tdoso)g  Xoycov  a7io  icov  avtcov  affOQ^Mv 
Tilg  Y.aT  ccQXctg  (prifu  iwv  avd^QOjnwv  eig  lovöe  rbv  'Aoofiov  ttqooÖov 
yMi  TCcJr  fiieiä  Tr>v  aQX'^^'  i^iysvojievcov.  ev  yaq  Tfi^  elg  f.^tTaotv 
TiooTsivuv  xa  anb  Tijg  y.oivijg  y.al  (pvoiy.i]Q  evrolccg  i]  ryg  ^raol 
ca  TfQCüTa  Twv  devTeqcov  ay.oXovd^iag'  ttqcotij  di  '^  yevsaig 
T^xiVi  ^^3)  eTiccyroXovd^eiri  twv  yevoiaevcov  avd-QiOTTOJv  q)voig,  eficpQiov 
%E  driixiOVQyrid^sloa  xal  rtQog  anetxoviGiia  xov  nennirjxoTog  zqt 
vXixqi  TOVTCt)  aicijvi  Ttaqaax^^^ioa,  ecp  (p  Xoifi(7i  ytal  i^  dr/Mta 
AQLOig  GvvsjtiQQBi  v,ata  zb  aTvoyelfievov  xovöe  %ov  cp^agrov  ßlov 
tskog'  er  toIvvv  T(p  ngozelvaiv  xavza  nQog  hnaKonip'  y.al  i^e- 
zaCLV  Ti  av  allo  ur\  tj  tiov  ngoTed-ecogrifiiviov  sioaycoyiutJTagov 
a'KQißeoTsga  xal  -d-ewQLycozeQa  s^ezaoig^^^); 

Ig'  (p.  246  1.  "iOY'Ezi  nlaziMikegov  ^^'^)  /.al  xgiOTKxvi/xozegov 
Ttegl  Tiov  avzwv  ^^^), 

Ilaig  anb  zrjg  ngwziqg  vuag^ewg;  ovTcog'  ei  iy.  fl'vxijg  y-cti 
GCüf^iazog  vnb  ^eov  VTtiozrj  avd^gwTiogy  ipvx'^g  f^iv  vosgäg,  gw- 
fxazog  öe  vlixov'  cva  zb  fxev  Ti\g  Kgelzzovog  (xolgag,  oiov  rivLoxfj, 
zb  de  zrjg  x^f^QOvog  Aal  dvaiGO^n^zov  y.al  znv  q)d^agzov  zovöe 
GVGZOLXOV  ßloVy  ngbg  zov  zivtoyovvzog  alG^n^GSiog  gvv  -Kvßegvr^Gei 
fj.€zaXayxdvoi'   tog  eneiöav  zovzo  zfj  if,iipvx(a  Tcgbg  zä  savzii) 


Zeile;  das  71  ist  ausgerückt  und  in  Rasur.  Da  sich  aber  in  der  vorher- 
gehenden, mit  -zsg  svglaxofiev  beginnenden  Zeile  kein  Einschnitt  findet, 
•wird  der  Anfang  des  14.  Capitels  mit  \)  6^  1,  14  zu  setzen  sein. 

102)  Otto  und  Nolte  geben  nlaxvieojxiQa;  ich  wagte  um  so  weniger 
zu  ändern,  als  dieselbe  Schreibung  in  der  üeberschrift  des  16.  Capitels 
wiederkehrt  (auch  Paris.  174  hat  nXctxixwxsQa). 

103)  Auch  hier  mochte  ich  nicht  ändern. 

104)  Die  Ziffer  IE'  steht  nur  über  der  Inhaltsangabe,  nicht  auch  aiu 
Rande  des  Textes.  Aber  die  Stelle  im  Texte,  wo  das  Capitel  beginnen 
soU,  ist  in  der  gewöhnlichen  Weise  kenntlich  gemacht:  das  kleine  v  des 
i^rfxaafxhwv  (1.  17  s,),  womit  eine  Zeile  beginnt,  ist  ausradirt  und  durch 
ein  grosses  ersetzt. 

10.5)  Nolte  nXaxvxdxeQOv^  vgl.  Anm.  102. 

106)  Der  erste  Entwurf  zur  Analyse  (s.  unten  Anm.  110)  beginnt,  des 
Raumes  wegen,  oben  auf  der  Seite  (fol.  SGO»),  den  Anfangsworten  der- 
selben: xaxä  ngwxov  Xoyov  (1.  4)  parallel;  die  Ziffer  Iz'  aber  steht  am 
Rande  bei  der  mit  -iXaqvnoösl^aL  i)..  10)  beginnenden  Zeile,  deren  An- 
fangsbuchstabe nicht  ausgerückt  ist.  Ein  für  den  Beginn  eines  neuen 
Ca,pite]s  geeigneter  Einschnitt  findet  sich  er.st  drei  Zeilen  tiefer  {El  yag  1. 14). 


192  Zar  handschriftlichen  UeberlTcferung  der  Apologeten. 

övyyEvfj  TS  y.ai  jtQOGcpvXa  '/MToliGdalvoi,  cn  roder  7Jd.ri  xiov  mv- 
Tov  cdoyiorcüv  oQjLUüi'  avaaeiQaZoiro  ^^')  xe  v.cd  avaxfmTOiTO. 
TTQog  öi  '/.ai  ovyj  tolto  fiovovy  al)J  %va  xal  ovvsQybv  l'xf]  xoZio 
xo  kqsIttoVj  on:7^rr/,a  xdlg  7.ahXioxoiq  aviio  ÖLCcnoveiad-ai  nagfi^ 
a(f)  ob  ya  Aal  xo  3^u.ov  a7ieiY,6viO(.ia  %Qr^^uaiJ2,aLV  yjtxanXovxeiy 
TiQoq  oneQ  ayad-oöoxcog  ycal  6  7toit\aag  xca  nlaoag  VTCtoxrioer. 
VTteoirjGsi'  öi  ov  (.lovjj  ipvxf]  ovdi  Gc6(.iaxi'  ovds  yoQ^^^)  yr^qevov 
^axsQOv  daxigov  xovto  avd^qioTiog,  xfj  öi  Gvyy.Qiosi  a/Li(polp  vmi 
xfj  ovvxri^st  xo  x^keiov  lavxov  av-^Qto/cog  ycal  (hg  i^  «(>X^e  ivteotri 
n(XQi%exat.  v.al  s/ieidri  xovxOj  xo  di  dvrjxbv  avxov  f-tegog  xf] 
xov  d^VT^xov  xovxov  ovyylriQcoaei  oi/.YizrjQiov  y,al  avxö  xfj  tpDoQti 
VTir^rix&r^y  avayyaLwgy  elf.itX'koi  d-eiov  aneiKOviof^ia  öiaTi^gela^ai, 
foxtuaav  'aal  avaTcoßKiqxov  xi^v  xov  7i€7toiri/.6xog  aQxexvnoi  /ot- 
Qir  Sf.i(pau'civ.  7iB7roirixai  de  vtio  xov  aal  ovxog  7,al  eaof.ilvov 
aöiaXemxwg^^^).  ov/.  av  ovv  ovdi  xovxov  avxö  oxegrid^siri,  a^A' 
log  e^  oiQxijg  l'rö(xXf,ia  xov  nlccGxov,  ovvco  yial  anb  xovöe  öiuxr^- 
Q'ijdclv.  öiccTTiQijd^eir^  ö^  ccp  xov  öiecpOoQOXog  ?/'J^  äva/.aLviCo- 
(.levov  eig  xb  oh6iih]Q0v ,  aXX  ovy.  s^  rif-iLoeiag  KO/^lCeodat,  xrj^' 
xaxf"  bjLioiOLr^xa  diaf-iovr^v  xb  (.tri  Öl  exegov  XQ^^^^f  aXXcc  öia  xb 
alvai  Tienoiriiievov  ^^^). 


107)  Arethas  schrieb  dvaarjgcci^oiTo.  Das  Richtige  hat  schon  Paris.  174. 
Nolte  giebt  dvaaxeödl^oiTo  te  xal  ötayontoito,  ohne  die  Losart  der  Hs. 
anzumerken.    Das  «Aoytörtuv,  auf  derselben  Zeile,  gebe  ich  unverändert. 

108)  Hiermit  schliesst  fol.  360»;  ein  ^r/tff  b^TJg  verweist  auf  die  fol. 
BGöb  am  Rande  links  folgende  Fortsetzung. 

109)  Cod.  dÖLaXrinzcoq 

110)  Dies  die  definitive  Fassung  der  Analyse,  wie  sie  Arethas  am 
unteren  Rande  von  fol.  360»  und  am  Seitcmande  von  fol  ?>60^  nieder- 
geschrieben hat  (s.  o.  S.  171  f.).  Die  erste,  von  Otto  allein  mitgeiheilte 
Niederschrift,  bei  welcher  sich  auch  die  Zifler  /?'  findet,  lautet  wie  folgt: 
'Oll  xttt  an  (xviriq  tyq  twv  dv&güjjiwv  vnäg^swg  inl  tf^v  avrijv  evvoiui' 
trjc  dvaoTaaecoq  ystgaywyovue&a,  el  yd(/  ßx  Vt/JJ?  xal  owuaTog  vn^ozr, 
av&QO)Tioi,  yjv/TiQ  (lev  voegäq,  oa'ftatog  6e  v).iy.ov,  xal  ol'xf  ,uoy?j  V^t'X'/ 
dvS^gwnog  ov  aw/ia  ipvxrjg  sgrjfiov.  dlXd  xo  i-^  d/n(foTr  oiynQiiJLa,  dvay- 
xaicDg  xov  rj}  (pOogä  vjioxeifxsvov  'hscfS^ogoxog  dvaXafxßdi  eiv  xovxo  tov 
dvaxaiviafAOV,  ha  jufj  i^  TjfxiasiaQ  aAA'  oloxXriQoq  avd^Q(onoc  xi,v  t't  ov 
77 goTjX&8v  eiQ  dxflevrrjxov  Xajußdvoi  diafwi/jv.  Da^;  Ganze,  mit  Ausnahme 
der  ersten  Wörter  ('Oxi — xmaQ^a-),  ist  in  Rasur  geschrieben.  Es  stan- 
den aber  ursprünglich  noch  etwa  10  Zeilen  mehr  da,  welche  ausradirt 
wurden;  die  Rasur  reicht  fast  bis  an  den  unteren  Rand,  während  die 
Schrift  jetzt  parallel  der  20.  Zeile  des  Textes  abbricht  (vgl.  oben  S.  164). 


Der  Arethascodex,  Paris.  Gr.  451.  193 

IZ'  (p.  250  1.  10)  "OiL  ei  to  fidiaiov  uneXfllaTai  uov  tov 
d^Bov  £Qycov  y.al  tcov  vtc  avTOv  öwQovfievwv  y  Sei  ndmog  tfj 
tr^g  xpvxijs  di£levTirJT(p  tiofj  ovvÖL(xi(jjvi'Ceiv  Kai  %riv  tov  acJ/m- 
Tog  öiafiavTiVf  yca&b  nicpvKev.  ^cotjv  öe  (pdöy.ovieg  xiiv  diaxon- 
TOf.ilvr]v  d'avdT(^i  dv^QOjniov  Kiorlv,  y.ai  dia(.iovr^v,  ovx  ovtoj 
(pctjitev  öiafiovr^r  cog  im  tcov  dcp&dgTwv  ovo  uov,  äkka  Kadcog 
necpvxev  exdaxij  (pvoei,  oxi  f,ii]öe  s^LOomat  7]  uov  kqsittovwi' 
öiafiovri  Talg  yiaxf  vnoßaocv  ovo  lag,  ovöe  ri  i/cl  tovto)v  tcov 
voegcov  of-takri  ^al  df.UTaßXriTog  öiafiovq  s^ioovTai,  If  ovneg 
€§  dgxrjg  VTteOTTiaav,  ttj  naict  ipvxriv  f^iovrj  ovai(^  B^ovorj  ttiv  öia- 
(.lovrjv  ovx  eii  de  xal  xaid  oio^ua,  oneq  owfia  ix  (xeiaßolrig 
lafißdvei  Triv  aq)d'aQOtav,  ovve  ovv  ttiv  Siafiovriv  tcov  voegcov 
i^iaol'fxev  ttj  tcov  dvd^QcoTtiov  ÖLa/nov^,  ovöi  ttiv  TslevTriv  tvov 
dvd-Qconcovt^  Twv  y.TYivcov  TeXevrrj,  cva  fxri  TavTji  ovve^iowd^elv^^^^) 
Tfi  TCOV  dvd-QConcjüV  (pvoec  xal  7]  tcov  y.TTjvcov  cpvoig^^^). 

IH'  (p.  252  1.  18)  '^'Otl  ov  xqti  aTtiaTslv  xriv  tcov  dvS-QConiov 
dvccoiaoiv,  '/.al  dico  tcov  nqoeiqriuivcov  xal  dno  Ttjg  iv&ecoQov^ 
fievrig  dvcofiaXlag  Trj  tovtcov  X^ofj.  ovöi  yag  iusidii  ycogioi-iog 
^Jvx^ig  dno  Gco(.iazog  Triv  avviy^r^  öiayiOTiTet  Itoiiv  uttlotsIv  x,g7\ 
Ti^v  dvdoTaoLV  ovi  /fi^J«  ineiöri  ^  xofTa  ovvaioO^iGiv  Ccor^  öia- 
TiOTtieTat  nageaeoiv  xai  vnvoig  Y.ai  Tgonov  ziva  7ia?uv  ara- 
Xafißdvei  twr^'v,  tyjv  avTriv  nagaizov/iied^a  "kiyeiv  dvalafißdvsLi 
Kwqv.  eineg  ovv  ttiv  tooovtov  diaxoTrTO(.iev7jv  dno  yeveoecog 
Lwt]v  f.ilxQ^  Xvaecog  ov  TtagaiTovfisd-a  zr^v  avzi^v  kiyecv  ava- 
Xafxßdveod^at  Ccoiqv,  ovöi  ttiv  STrexeiva  Trjg  öiaXvoecog  tcor^v 
oiTtLOzeiv  XQ'^ii  ^^'^  i^^  Tzoobv  öiay.onTSTai^^^)  d^avdzcp,  ovzcog 
vnb   TOV   TceTTonyAozog    yiazd    yvcoi.n]v    dvcofiakicx^^^)  ovyy.ey.%r^- 

Q(0[4SV7jV  ^^^). 


111)  Rülireji  die  kleinen  Punkte  unter  ei  von  Arethas  her,  so  wollte 
er  avve^iato^yy  wie  auch  Paris.  174  hat. 

112)  Das  17.  Capitel  beginnt  mit  El  1.  10,  wie  aus  dem  ausgerückten 
T  des  die  folgende  Zeile  beginnenden  Twv  (1.  11)  ersichtlich. 

113)  Nicht  Paris.  451  hat  diaxoTtTtjrai,  wie  Otto  angiebt,  sondern 
Paris.  174. 

114)  Cod.  dvofxaXi'äi  mit  t  adscr.  und  Längenstrich  über  dem  a.  Aus 
Missverstand  des  letzteren  erklärt  sich  das  dvofxaUav  des  Paris.  174  (Otto 
dvofJLaXiaLc). 

115)  Die  Ziffer  ///'  steht  bei  der  mit  Ei  (in  Rasur  und  ausgerückt) 
iiq  beginnenden  Zeile  (1.  18);  das  Capitel  beginnt  also  mit  Oh  xoivvv  (1.  17). 

Texte  und  üntersuchungeii  I,  3.  13 


j94  ^^^'^  haiKlschriftlichen  U'eberlieferung  der  Apolocreten. 

/©'  (p.  254  1.  2i)^'0Ti  xal  an  avtr^g  trig  nelgcxg  diöaoxo- 
(.leOa  jiiri  aniOTeiv  rr^v  civdavaGiv.  ev  bi.iOLO(.ieqei  yäg  xat  öia- 
nXcLGZi^  OTTEQ^iaTL  TOGavTiqv  nor/.iXiav  f.ieQ(.ov  'Aal  (.leXiov  ano- 
TslovfJ.eviqv  OQOJvTsg  firi  ngoveoov  ^yvtoGi.ievr(v,  xal  naXiv  ev  To7g 
vii7iL0tg,  rj  (.irjösv  xiov  xofT«  ocfAnko/.riv  t'^g  rilrAiag  h/Apaivo- 
fiivcov  v.(XTCf.X(xf.ißavovxeg,  oiov  yevsiiov  xat  tcov  loiovrcov,  i] 
(paivo(.iiviov  (.itv,  af-ivögcog  de  xal  cbg^^^)  öiä  Tivog  o/.iaygacpiaCf 
sig  o^eg  «V^^')  ngbgxo  xeXog  acpUr^zaif  TsXeuoS'evTcov  de  cwO^ig 
vcpBGiv  /.lixg^  yTqgcog  tcov  (pvGiTnov  öuvdfiecoVy  eiza  ^^^)  nenovr^- 
KOTCov  öidXvGLv,  ojGTteg  ovv  eirl  tovicov  ovk  ev  xcT)  G7tegf.i(xTL 
ötaö'qlov  ovGTig  xr^g  öia/nagcfojGecog,  ov  xrjg  (.lexd  xavxa  aögv- 
G£(jt)g^^^)j  ov  T?J$  Ccoilg  tr]g  slg  xag  ngioxag  otg^ctg  dicckvGewg' 
of,aog  dvdy/.rj  cpvGeiog  öcdöoGig  dnb  xwv  dgxcov  ngog  xd  ^tez 
(xvxdg  eniyiv6(.Leva  TragaxoXovxtel,  ovöe  xivog  ef.i7roöiov^  wxaf^ie- 
vov  x^  tpvGLy.fl  bgfifj'  ovxco  ttoIv  (.läkXov  e/,  xrig  (pvGLy,^g  av.o- 
Xovd-iag  dvixveviov  b  Xoyog  jctGxovxai  xiiv  dvdGxaGiv,  dy.gißeG- 
xegog  wv  Trjg  neigag  ngog  xr^v  xr^g  dlr^d^eiag  tiigtcogiv  xcov 
7ig(i>riv  elg  e^exaoiv  ri^lv  Ttgoxe^ivxtov  Xbyiav.  ndvieg  fiev  ydg 
elGtv  n/.ioyevs7g  wg  gx  x^g  avxijg  dgxxjg  qvvxeg,  xr^g  öt]f.iiovgyiag 
xwv  Tigtoxcov  dpdgcüzicüV  dXX^  oi  i^iev  e^  avxf^g  xrig  ngcoxrig  dgyj^g 
/.gaxvvovxaL,  ol  öe  f^iex  exaivovg^'^^)  £x  xrjg  xov  ^eov  xov  (Jr^*- 
f.uovgyov  aya&oxrixog  rjgxrjvxai.  alld  firiv  y,ai  xb  Jigbg  dvxa- 
7r6öoGLv  xwv  ev.uGTW  ßsßtwf-ievwv  xi)v  dvdGxaoiv  r^wv  CKpogdv 
xrig  <5r/atO(Tt')^g  exxgif.iax(xi.  wg  ydg  dyad^bg  b  noir^xrig  i]iiwv 
ovxw  xai  öl/.cciog'  aloyiGxog  ydg  rj  avev  ömaioovvyig  dyad-oxrig^^^). 

K!  (p.  260  1.  16)  Jie^oöixwxegov  negl  dvaoxdoewg,  oxi 
dvayy.alwg  v-oll  naxallrjXwg  xfi  dvS-gwTzlvr^  cpvGei  ^  dvaßuooLg 
dnozEixaL  ccvxij.     el  ydg  dq)dx(x)  TtgofiTid^elt^  xov  7i€noirjy.6xog 

116)  An  der  Stelle  des  wq  (Paris.  174)  ist  im  Paris.  451  jetzt  ein 
kleines  Loch  im  Pergament. 

117)  Das  av  ist  von  Arethas  selbst  über  der  Linie  nacbgetrd<Ten. 

118)  Von  sha  (Paris.  174)  ist  im  Paiis.  451  jetzt  nur  noch  el  übrig; 
an  der  Stelle  des  za  ist  ein  kleines  Loch  im  Pergament.    Nolte  ehai. 

119)  Ich  wägte  nicht  zu  ändern:  Otto  emendirte  ädg^atcjq  ('sive 
aSgvvosuK;^). 

V2Q)  So  Nolte;  Otto  hat  ^xelvijv.  Die  Abkürzung  über  dem  v  ist 
klein  und  undeutlich,  aber  von  Nolte  wohl  richtig  gedeutet.  Der  Schreiber 
des  Paris,  las  irrthümhch  ixslvijq. 

121)  Das  Capitel  beginnt  mit  "/f  tiq  av;  das  T  des  Ty  zu  Anfang  der 
folgenden  Zeile  ist  in  Ra.sur  geschrieben  und  ausgerückt. 


Der  Arethascodex,  Paj-is.  Gr.  451.  195 

vniozri  i^eov ,  /.ccl  del  ye  raiTTj  Ti]g  ano  lov  7r?MOavTog  Öir^ve- 

SoyjlQ  J/«  T^v  Tov  ytvovg  öiai.torrjVj  ovtoj  y.al  ölyitjg  öia  tb  rrjg 
TQoq)'^g  Aal  diadoxrjg  tvvo^iov.  rovicov  6s  T?)g  TQoq)rig  ymI  T^g 
öia/iiovijg  sni  z^  övvaixcpoxeQOv  q)£QOfievcoVj  enl  xovxov  tov  ov- 
va/iiffOTiQOu  ipvxl/  ^^^  GiOficcTt  y,ai  Ti^v  öixriv  anaQaTzodiatiüg 
q)eQeod-ai  ^^2) 

K^'  (p.  266  1.  15)  ÜQog  xovg  avioftaxL^ovrag  d^iovg  tov 
'/.6of,iov.  OTi  y.ccd^Lüg  ovtol  IrjQOuOiPy  ixslva  dy.ovoovTai,  ag  ovx 
OLOv  TS  Aax^ccTra^  zijv  t(ov  avS^gioncov  naQcdq)d^ai  ^cotjVj  ovöe  t6 
tyiXlxovtov  sgyov  dve7iiGY.67ir(cov  eivaij  STvel  ovico  ye  ovSiv  aV- 
d^QWTtog  ÖLOiosL  Twv  dXoycov ^  xal  d^tigicoörig  6  ßlog  Igtcxi,  Tcai 
ij  dgezi]  alkwg  ovofxa,  xal  t6  hinax^cog  xort  xa^*  tJJot'iJj'  ßcovv 
7ceQi(J7iovdaOTOp.  ei  de  eoTi  ir^g  dvt)^Qa)jiivrß  Cco^g  Tcqog  tcc  xitJi'?^ 
Siaq)OQC(,  ndvTiog  Tr^  vnaXXayfj  tov  ßlov  y.al  tjj  tcov  efiq)OveG' 
T£Qcov  TTQog  TCi  xgEiTTOva  (.leTaxeiQiaeiy  eoTt  Tig  /.al  dfioißri  tcov 
GTvovöauofxevwv  avTÖlg,  ri  y.<xTd  tov  Ttagovza  ßlov  ifj  kutcc  (.leX- 
XovTaf  ei  firj  ofiolcog  Tolg  dXoyoig  zal  avd^gwTZog  Gvyy.aT(xXveTcxi 
Tii)  ^avdzcp  y.al  T-qv  Jpvxr^^v,  dXXd  yaTO.  tov  nagovxa  ßlov  ovx 
oXov  Te  TT^v  fiiGd-anoSoGlav  yeveod^ai  tco  /.17)  vnoOTeyeiv  Tct 
TtgelTTO)  y,al  tcc  (pav?M  iriv  Ttgog  d^lav  tov  geovTa  tovtov  ßlov^"^^) 
dvTafiOißnlv'  ytaTcc  tov  fielXovTa  de,  ei  f.iri  ycal  to  Gvvegyov  ngog 
Tag  Ttga^eig  Gcof-ia  Gv/nnagaGTalri,  aöixog  6  e(p  evl  fi6v(p  tt^v 
dvTanodoGiv  Gxeöid'Ceiv  eTtavr^gr^fievog^^^). 

KB'  (p.  280  1.  4)  '^'Oti  xal  dnb  Trjg  öoGetog  Tijjy  voftwv 
dvayyalcog  ^  tcov  Gcof^aTcov  dvaGTaGig  dvatpalveTai.  ov  ydg 
xpvxfi  f-iovrj  0  vofiog  ölöcTaL,  dkkd  ipvxfj  fj^ezd  GcoiiaTog'  coGTe 
el  nal  al  y.aTogd^(aGeig  yal  al  ötaf-iagTlat  tcov  vo/hcov  e§  df.itpolvj 
dvay/Mlcog  ycal  al  (.uGd-anodoGun  Tcj)  e^  dpicpolv  TiXeyfiaTt  ßga- 
ßevS-y'iGeTav  ^^sj^ 

122)  Dieses  'Scholion'  bietet  v.  Otto  irrthümlich  zu  p.  262  1.  13.  Die 
Ziffer  K'  steht  in  der  Handschrift  bei  der  mit  Je  (ausgerückt,  in  Kasur) 
beginnenden  Zeile,  p.  260  1  16.  Das  Capitel  soll  also  mit  JsSsLyfxivcDv 
daselbst  beginnen. 

123)  Die  Worte  tov  geovxa  tovtov  ßlo^  sind  von  Arethas  selbst 
ausserhalb  der  Marginalcolumne  nachträglich  liinzugefügt. 

124)  Das  Capitel  beginnt  mit  Ilgdg  6s  ys  1.  14;  das  //  des  ügcütcov 
zu  Anfang  der  folgenden  Zeile  ist  in  Rasur  geschrieben  und  ausgerückt. 

125)  Der  Anfang  des  22.  Capitels  trifft  mit  c.  23  bei  v.  Otto  zu- 
Bammen;    das  kleine  r  der  letzten  Silbe  von  nagaloycotatov  zu  Anfang 

13* 


^96  Zur  handschjiftlichen  Ucbcrlieferung  der  Apologeten. 

Kr'  (p.  282  1.  23)  'Ott  liov  ano  ir^q  cioyjig  rr^g  yeveGscog 
ziov  aif}(ji07Ttüv  €v&vß6Xciig  i]uag  tIv  avdotaoLv  tcov  vey.gcdv 
Y.ad^O()f.uoavttov  i2i>)  ccko/^ovO^ov  ymI  cctco  znv  te'/Lovg  Trjg  avir^g 
VTCodeoeiog  t6  niaihv  naQCtoyXiv.  ojg  yäg  im  tilg  y^^'^f^^f^Q  ^"-^^ 
o{.touog  Toig  K(^oig  t^  tov  avO^Qionov  ngoodog  slg  rbv  ßiovj  aXk^ 
oucoc  tx£L  TLvct  öictOTiklovia  laitr^v  vMxiöidtovaav  yvvjoiv 
k'/.BLnoVj  wg  T7)r  uvctTQOcpriv j  cog  Tr]v  tov  iji^ovg  evGTccO^eiav  y.al 
xr^v  Tiüv  (fOcViov  nri^iVj  cxtceq  BBjigr^iaL  %iig  xiov  alkwv  y.oivoir^- 
Tog,  huei  öf  loiamri  rj  yevsoig  y,al  nqog  tovioig  zo  ioi^ko 
^vOiiiiXsoO^cd^^')  y.al  rexvaig,  oaat  nga/^Tixai  /Mi  boai  UatoQr^- 
Tiy.alj  Aal  lavraig  avd^QC07tog  ijtiAiag  cc/nofievog  yc(vci/.oöf.LUic(i^ 
fnofisvoi'  ^jdr^  ymI  zo  zeXog  xcrrdr  7to),v  öidcpogov  e/.elvcov  di'ev- 
()tG/.€iP.  ötd  ydg  zo  tpvyj]  Xoyi/Sj  yoyjo&ai,  cog  6  ?.6yog  nQo'u- 
^teoTriGazo,  didcpoQov  xal  zo  zllog  aTzeihjcpsVj  ov  Gvyxazakto- 
liievrjv  txiov  zoi  GWfxazi  xal  zi)v  xfjvx^v.  inet  de  zovzOj  yair^- 
vay/MajLis/iog  zfj  \pvxJi  yccl  zo  Gcofiia  GwincxQ^Et  zov  zcov  yegiov 
7iQog  z(w  ßgaßeiog  zm'  yoLZ   d^lav  zv^elv  ^^^). 


der  folgenden  Zeile,  iat  ausradirt  und  durcli  ein  grosses  ersetzt  (die  Ziffer 
KB'  steht  nur  beim  Scholion  und  nicht  auch  am  Rande  des  Textes).  Statt 
des  ßQaßev&TjasTai  der  Handschrift  gieht  Otto  ßgaßsvBi^aovrai.  Vielleicht 
war  Arethas  der  Meinung,  tj  ßia^anoöoala  geschrieben  zu  haben. 

126)  So  Cod.  174,  Cod.  -Jöt  wie  es  scheint  ^ra^op^iyaavrtyv  (verwischt), 

127)  Cod    v6fXü)Qv9fiit,ea&ai,  wie  ein  Wort  und  ohne  i  adscr. 

128)  Auch  hier  ist  der  Beginn  des  Capitels  nicht  durch  Ausrücken 
des  Anfangsbuchstaben  kenntlich  gemacht ;  die  Ziifer  KP"  aber  steht  bei 
der  mit  i^ijraofiivwv  (c.  24)  beginnenden  Zeile. 


Nachtrag: 

Zu  S.  134.  Vier  von  den  fünf  verschiedenen  Deutungen  der  Stelle 
Genes.  1,  1,  welche  Augustin  Confess.  XII,  20  angefühi-t  hat,  setzen  „in 
pri^cipio"  gleich  „in  verbo  deo  coaeterno".  Augustin  selbst  bevorzugt  diese 
Erklärung  (XIII,  5):  ,,Et  tenebam  iahi  patrem  in  dei  nomine  et  filium 
in  principii  nomine,  et  ecce  spiritus  tuur>  superferebatur  super  aquas. 
Ecce  trinitaa  deus  meus." 

Druck  von  Ilundertstuud  l  Pries  in  Leipzig. 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 


ZUR  GESCHICHTE  DER 


ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 


VON 


OSGAR  VON  aEBHARDT  und  ADOLF  HAMACK. 


I.  BAND.    HEFT  4. 

1.  DIE  EVANGELIEN  DES  MATTHÄUS  UND  DES  MARCUS  AUS  DEM 
CODEX  PUEPUHEUS  ROSSANENSIS,  HERAUSGEGEBEN  VON  OSCAR 
von  GEBHARDT. 

2.  DER  ANGEBLICHE  EVANGELIENCOMMENTAR  DES  THEOPHILUS 
VON  ANTIOCHIEN,  VON  ADOLF  HARNACK. 


^mö^ 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'SCHE  BUCHHANDLUNG 

1S83. 


Verlag  der  J.  C.  Hinriehs'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 

Patrum  apostolicorum  opera. 

Textum  ad  fidem  codicum 

et  graecorum  et  latinorum  adhibitis  praestantissimis  editionibus  recensuerunt, 

commentario  exegetico  et  historico  illustraverunt,  apparatu  critico,  versione 

latina  passim  correcta,  prolegomenis,  indicibus  instruxerunt 

Oscar  de  Gebhardt     Adolfus  Harnack     Theodorus  Zahn. 
Editio  post  Dresseliauam  alteram  tertia. 

1876—78.     3  Bände  in  4  Abtheilangen.     M.  24.  50. 

I.  L  II. 

Clementis  Romani  epistulae.  Ignatil  et  Polycarpi  epistulae 

Nach  der  neuen  vollständigen  Ausgabe  martyria  fragmenta 

des  Bryennios  zu  Constantinopel.  .,      ^    ... 

Editio  secunda.  1876.  238  S.   M.  4.  50.  recensuit  et  illustravit 

Theodorus  Zahn. 

^'  "•  1876.     gr.  8.    464  S.    M.  8.  — 


Barnabae   epistulae 


III. 


graece  et  latine. 
Recensuerunt     atque    illustraverunt  Mermae    paStOP 

Papiae  quae  supersunt,   Presbytero-  graece 

rum    reliquias    ab    Irenaeo    servatas  ^^^-^^^  ^^^^-^^^    1^^^^^^  recentiore   e 
vetus    eccesia    romanae    symbolum  i       codice  Palatino  recensuerunt  et 
epistolam  ad  Diognetum  illustraverunt 

adjecerunt 

Oscar  de  Gebhardt  et  Adolfus  Harnack.  Oscar  de  Gebhardt  et  Adolfus  Harnack. 

Editio  secunda.  272  S.  ffr.8.  M.  5.—     \  1877.    372  S.    M.  7.  — 


Patrum  apostolicorum  opera 

Textum  ad  fidem  codicum  et  graecorum  et  latinorum  adhibitis  praestantis- 
simis editionibus  recensuerunt 

Oscar  de  Gebhardt,  Adolfus  Harnack,  Theodorus  Zahn. 

Editio  minor. 
1877.     VII,  220  S.     M.  3.  — 


Die  Zeit  des  Ignatius 

und  die  Chronologie  der  antiochenischen  Bischöfe  bis  Tyrannus  nach  Julius 

Africanus  und    den   späteren  Historikern.     Nebst  Untersuchung   über   die 

Verbreitung  des  Passio  S.  Polycarpi  im  Abendlande 

von  Prof.  Dr.  Adolf  Harnack. 

1878.     90  S.     M.  3.  — 


Die  edessenische  Abgarsage 

auf  ihre  Fortbildung  untersucht  von  Dr.  K.  C.  A.  Mattlies, 

4S32.    77  S.    M.  1.  50. 


DIE  EVANGELIEN 

DES 

MATTHAEU8  UND  DES  MARCUS 

AUS  DEM  CODEX  PURPUREÜS  ßOSSANENSIS 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

OSCAR  VON  GEBHARDT. 


DER  ANGEBLICHE  EVANGELIENCOMMENTAR 


DES 


THEOPHILUS  VON  ANTIOCHIEN 


VON 


ADOLF   HARNACK. 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'SCHE  BUCHHANDLUNG 
1883. 


Vorwort. 

Wenn  ich  der  ersten  Ausgabe  des  Textes  der  im  Codex 
Rossanensis  enthaltenen  Evangelien  ein  Wort  der  Entschuldi- 
gung vorausschicken  zu  müssen  glaube,  so  geschieht  es  nicht 
um  des  bescheidenen  Gewandes  willen,  in  welchem  sie  erscheint; 
denn  mit  einer  Prachtausgabe  in  facsimilirter  Schrift  wäre  wohl 
nur  Wenigen  gedient  gewesen.  Wohl  aber  bedarf  es  der  Ent- 
schuldigung, dass  die  Ausgabe  nach  so  langer  Frist  in  einer 
Gestalt  erscheint,  in  welcher  sie  schon  vor  drei  Jahren  hätte  dar- 
geboten werden  können. 

Bei  unserem  Aufenthalt  in  Rossano  im  März  1879  Hessen 
wir  —  Prof.  Harnack  und  der  Unterzeichnete  —  es  uns  vor 
allen  Dingen  angelegen  sein,  den  Text  der  neuentdeckten 
Handschrift  in  Sicherheit  zu  bringen.  Da  aber  zu  einer  buch- 
stäblichen Abschrift  die  uns  bemessene  Zeit  nicht  ausreichte, 
mussten  wir  uns  auf  die  Collationirung  nach  einem  gedruckten 
Texte  beschränken.  Wir  schieden  von  Rossano  in  der  Hoffnung, 
früher  oder  später,  sei  es  in  Rom  oder  in  Neapel,  den  Text  mit 
Müsse  noch  einmal  durcharbeiten  und  die  Miniaturen  photogra- 
phiren  lassen  zu  können. 

Diese  Hoffnung  hat  sich  nicht  erfüllt.  Der  wiederholten 
und  von  einfiussreicher  Seite  unterstützten  Bitte,  die  Hand- 
schrift auf  kurze  Zeit  in  Rom  oder  Neapel  zu  deponiren,  wurde 
seitens  des  Capitels  die  Gewährung  versagt.  Es  schien  zuletzt 
nur  noch  möglich,  durch  einen  zweiten  Besuch  in  Rossano  zum 
Ziele  zu  gelangen,  und  wirklich  hatte  es  im  Frühjahr  1882  den 
Anschein,   als  ob  der    Ausführung    des    Unternehmens    an  Ort 


jy  Codex  Rossanensis. 

und  Stelle  kein  Hinderniss  in  den  Weg  gelegt  werden  würde. 
Ja,  infolge  empfangener  Zusicherungen,  glaubte  ich  meiner  Sache 
so  sicher  sein  zu  können,  dass  ich  bereits  einen  mit  der  Technik 
der  Miniaturmalerei  vertrauten  Künstler  für  die  Herstellung 
einer  farbigen  Copie  und  einen  Neapolitanischen  Photographen 
für  die  Aufnahme  sämmtlicher  Miniaturen  und  einiger  Schritt- 
proben gewonnen  hatte,  als  ich  im  März  noch  einmal  die  Reise 
nach  Rossano  antrat.  Ich  ahnte  nicht,  dass  mich  die  bitterste 
Enttäuschung  dort  erwartete.  Die  erbetene  Erlaubniss,  den  Text 
noch  einmal  collationiren  und  die  Miniaturen  photographiren 
lassen  zu  dürfen,  wurde  mir  verweigert,  und  zwar  unter  dem 
Vorwande,  dass  das  Capitel  selbst  eine  des  Gegenstandes  würdige 
Ausgabe  der  Handschrift  zu  veröffentlichen  gedenke. 

Die  Machinationen,  deren  es  bedurfte,  um  diesen  Beschluss 
des  Capitels  zu  Stande  zu  bringen,  sind  mir  kein  Geheinmiss. 
Ich  verzichte  aber  darauf,  sie  an  dieser  Stelle  zur  Kenntniss  zu 
bringen.  Nur  soviel  sei  erwähnt,  dass  es  fremde,  aus  Neid  und 
Missgunst  geborne  Einflüsse  waren,  zu  deren  Werkzeug  das 
Capitel  sich  machen  Hess.  Und  zur  Ehre  Rossano's  füge  ich 
hinzu,  dass  jener  denkwürdige  Beschluss  in  dem  intelligenten 
Theile  der  Bevölkerung  einen  Sturm  des  Unwillens  hervorrief. 
Mir  blieb  unter  den  obwaltenden  Umständen  nichts  übrig,  als 
imverrichteter  Sache  wieder  abzureisen. 

Dies  ist  der  Grund,  weshalb  der  Text  des  Codex  Rossanensis 
erst  jetzt  und  weshalb  er  in  dieser  Gestalt  erscheint.  Ich  gebe 
ihn  so,  wie  wir  ihn  von  unserer  ersten  Reise  mitgebracht  haben. 
Die  Genauigkeit,  welche  bei  einmaliger  Collationirung  zu  er- 
reichen ist,  glauben  wir,  jeder  an  seinem  Theil,  gewährleisten  zu 
können.  Wir  hatten  stets  die  ^I()glichkeit  im  Auge,  dass  uns 
eine  zweite  Vergleichung  nicht  vergönnt  sein  könnte,  und  Hessen 
es  daher  an  der  gespanntesten  Aufmerksamkeit  nicht  fehlen. 
Nach  sorgfältiger  Vorbereitung  und  Orientirung  im  Varianten- 
apparat verglichen  wir,  stundenweise  abwechselnd,  den  hand- 
schriftlichen Text  Wort  für  Wort  mit  der  zehnten  Theile'schen 
Stereotypausgabe  (1872)  und  verzeichneten  in  derselben  jede  Ab- 
weichung, das  p  tg^eXxvöTt-xov  nicht  ausgenommen,  desgleichen 


Vorwort.  V 

jede  Correctur  und  Rasur,  auch  die  scheinbar  bedeutungslosen. 
Den  Abbreviaturen  der  Handschrift  galt  unsere  Aufmerksamkeit 
insofern,  als  wir  alle  vorkommenden  notirten;  jede  einzelne  in  den 
gedruckten  Text  einzutragen,  wäre  zu  zeitraubend  gewesen. 
Aus  demselben  Grunde  mussten  wir  von  der  Markirung  der 
handschriftlichen  Zeilen  absehen.  Aber  selbst  bei  dieser  Be- 
schränkung konnten  wir  nur  eine  einmalige  Vergleichung  er- 
möglichen. Prof.  Harnack  verglich  Mt  1,  1—3,  4.  8,  4 — 10,  9. 
12,  18—13,  42.  15,  33-18,  9.  20,  22—22,  16.  21,  18—26,  5. 
27,  1—66.  Mc  1,  1—45.  3,  1—35.  5,  1—43.  7,  1—8,  2.  9,  6—50. 
11,  2—12,  30.  14,  11—15,  1;  der  Unterzeichnete  Mt  3,  5—8,  3. 
10,  10—12,  17.  13,  43—15,  32.  18,  10—20,  21.  22,  17—24,  17. 
26,  6—75.  28,  1—20.  Mc  2,  1—28.  4,  1—41.  6,  1—56.  8,  3—9,  5. 
10,  1—11,  1.  12,  31—14,  10.  15,  2—16,  14. 

Die  Zahl  derjenigen,  welche  mich  in  den  vier  letztver- 
gangenen Jahren  in  meinen  Bemühungen  um  den  Codex  Rossa- 
nensis  in  mannigfacher  Weise  unterstützt  haben,  ist  —  in 
Deutschland  wie  in  Italien  —  eine  so  grosse,  dass  ich  mir  die 
Nennung  aller  Einzelnen  versagen  muss.  Es  drängt  mich  aber, 
allen  insgesammt  an  dieser  Stelle  noch  einmal  meinen  herz- 
lichsten, tief  empfundenen  Dank  auszusprechen. 

Göttingen,  den  21.  Juli  1883. 

Gebhardt. 


I. 

Der  Codex  Rossanensis  gehört,  seit  die  italienische  Regierung 
ihre  Hand  darauf  gelegt,  zu  den  unveräusserlichen  Schätzen  der 
Kathedralkirche  zu  Rossano  ^).  Und  in  der  That  ist  es  ein  Schatz, 
der  seines  Gleichen  sucht. 

In  welchem  Grade  Manuscripten  dieser  Art  das  Prädicat  der 
Seltenheit  zukommt,  lehrt  ein  Ueberblick  über  die  bisher  bekannt 
gewordenen  griechischen  Purpurhandschriften.  Es  sind,  von  den 
jüngeren  abgesehen,  mit  einer  einzigen  Ausnahme  nur  Bruch- 
stücke von  geringem  Umfange  oder  einzelne  verstreute  Blätter. 
1)  Am  bekanntesten  und  mit  Recht  berühmt  sind  die  aus  24 
Blättern  bestehenden  Fragmente  einer  illustrirten  Genesis  in  Wien  2): 
vor  Entdeckung  des  Codex  Rossanensis  die  einzige  bekannte  Bibel- 
handschrift mit  Miniaturen  aus  dem  6.  Jahrhundert.  2)  Von 
etwas  grösserem  Umfange  sind  die  Ueberreste  eines  mit  Gold 
und  Silber  auf  Purpurpergament  geschriebenen  Evangeliencodex 
im  Kloster  des  h.  Johannes  auf  Patmos,  ebenfalls  aus  dem  6. 
Jahrhundert.  Mit  den  33  Patmischen  Blättern  gehörten  die  nach 
Wien  (2  BL),  nach  London  (4  Bl.)  und  nach  Rom  (6  Bl.)  ver- 


1)  Vgl.  über  die  Entdeckung  der  Handschrift  im  März  1879:  Evange- 
liorum  codex  Graecus  purpureus  Rossanensis  (S)  litteris  argenteis  sexto 
ut  videtur  saeculo  scriptus  picturisque  ornatus.  Seine  Entdeckung,  sein 
wissenschaftlicher  und  künstlerischer  Werth  dargestellt  von  Oscarv.  Geb- 
hardt  und  Adolf  Harnack.  Leipzig  1880,  S.  I  ff.  Der  Codex  wird  im 
Archiv  der  erzbischöflichen  Curie  aufbewahrt  und  kann  nur  mit  Geneh- 
migung des  Erzbischofs,  welche  übrigens  gern  ertheilt  wird,  und  unter 
steter  Aufsicht  betrachtet  werden. 

2)  Vgl.  P.  Lambecii  Commentariorum  de  Augustiss.  Bibliotheca 
Caes.  Vindobon.  1.  III.  Ed  II.  studio  et  opera  A.  F.  Kollarii.  Vindo- 
bonae  1776,  p.  3ss.  G.  F.  Waagen,  Die  vornehmsten  Kunstdenkmäler 
in  Wien.     Th.  II.    Wien  1867,  S.  5if. 


VTTT  Codex  Rossanensis. 

scUagenen  Fragmente  ursprüngiicli  zu  einer  und  derselben  Hand- 
sclirift'^).  3)  Bruchstücke  einer  ähnlichen  Evangelienhandschrift 
sah  im  Jahre  1850  Porfiri  üspenski  im  neuen  Patriarchat  zu 
Alexandrien  ^).  Es  waren  aber  nur  zwei  Blätter,  und  auch  diese 
nicht  vollständig  erhalten.  4)  Um  etwa  ein  Jahrhundert  jünger 
als  die  bisher  genannten  Handschriften  ist  der  Psalter  der  Züri- 
cher Stadtbibliothek'*).  Er  bestellt  aus  223  Blättern  und  ist 
durchgängig  mit  Gold  auf  Purpur  geschrieben.  5)  Das  in  ähn- 
licher Weise  ausgestattete  Purpur-Evangelistarium  der  Wiener 
Hof bibliothek  ^)  stammt  aus  dem  9.  Jahrhundert,  und  noch  viel 
jünger  ist  6)  eine  in  Minuskeln  mit  Gold  und  Silber  geschriebene 


3)  Die  Patniischen  Blätter  sind  edirt  von  Duchesne,  Archives  des 
missions  scientifiques.  3^  serie.  T.  III.  Paris  1876,  p.  386ss.,  die  übrigen 
von  Tischendorf,  Monumenta  sacra  inedita.    Lips.  1846,  p.  11  ss. 

4)  Vgl.  Porfiri  Üspenski,  Reise  durch  Aegypten  und  zum  Kloster 
des  h.  Antonius  des  Grossen  u.  s.  w.  i.  J.  1850.  St.  Petersburg  1856, 
S.  77 f.  (russisch),  und  dazu  Taf.  XIII  und  XIV  in  dem  unter  dem  Titel: 
Der  christliche  Orient.  Aegypten  und  der  Sinai.  Ansichten,  Umrisse  u.  s.  w. 
im  Jahre  1857  erschienenen  Bande  mit  Tafeln  zu  sämmtlichen  Reisen 
des  Verfassers.  Letzterer  erzählt  (S.  77),  der  Patriarch  habe  ihm  „zwei 
Stückchen"  von  den  kostbaren  Fragmenten  geschenkt;  wir  erfahren  aber 
nicht,  ob  es  Stücke  mit  Schrift,  oder  etwa  nur  schmale  Streifen  des  un- 
beschriebenen Pergaments  waren.  Jedenfalls  ist  zu  wünschen,  dass  solche 
Schenkungen  sich  nachmals  nicht  zu  oft  wiederholt  haben.  Sonst  dürfte 
von  den  ohnehin  schon  spärlichen  Fragmenten  nicht  mehr  viel  übrig  sein. 
Uebrigens  gehören  sie  nicht,  wie  Porfiri  damals  urtheilte,  noch  dem  5,, 
sondern  frühestens  dem  6.  Jahrhundert  an. 

5)  Edirt  von  Tische ndorf,  Monumenta  sacra  inedita.  Nova  coli. 
Vol.  IV.    Lips.  1869. 

6)  Vgl.  A.  F.  KoUarii  ad  P.  Lambecii  commentariorum  de  Aug. 
Biblioth.  Caes.  Vindobon.  libros  VIII.  supplementorum  1.  I.  Vindob.  1790, 
p.  56  SS.  Die  Handschrift  stammt  aus  dem  Kloster  S.  Giovanni  a  Carbo- 
nara  in  Neapel.  Sie  erreicht  mit  182  Blättern  fast  den  LTmfang  des  Cod. 
Rossan.,  das  Format  aber  ist,  mit  nur  9  Zeilen  in  jeder  Columne,  viel 
kleiner,  Montfaucon  nennt  sie,  Palaeographia  Gr.  p.  4,  irrig  'exemplar 
FiVangeliorum'  und  ebendaselbst  p.  224  vollends  irreführend  'codex  Homi- 
liarum  in  Evangelium'.  Die  Angabe  Scrivener's,  Introduction ,  2^  ed. 
Cambr.  1874,  p.  25:^  No.  46:  'There  is  a  Latin  version',  beruht  jedenfalls 
auf  einem  Irrthum.  Facsimile  bei  Westwood,  Palaeogr.  sacra  pictoria: 
Purple  Greek  MSS.,  und  bei  Silvestre,  Paleographic  universelle.  P.  II. 
Paris  1841,  No.  38  (156). 


Prolegomena.  IX 

Purpurliandsclirift  der  Evangelien  in  der  kaiserlichen  Bibliothek 
zu  St.  Petersburg"). 

Man  kann,  wenn  man  diesem  vorhandenen  Bestände  den 
Codex  Rossanensis  einzureihen  hat,  nur  schv^anken,  ob  ihm  die 
erste  oder  die  zweite  Stelle  zuzuweisen  ist.  An  Umfang  über- 
trifft die  Rossaneser  Handschrift  ihre  Wiener  Rivalin  um  das 
Sechsfache;  und  wenn  auch  die  Miniaturen,  mit  welchen  die 
Wiener  Genesis  geziert  ist,  die  des  Codex  Bossanensis  sowohl 
an  Zahl  als  vielleicht  auch  an  künstlerischem  Werth  übertreffen, 
so  ist  doch  die  Erhaltung  der  letzteren  eine  ungleich  vorzüg- 
lichere, und  die  kunstgeschichtliche  Bedeutung,  welche  ihnen 
vermöge  ihrer  Stellung  im  Uebergange  von  der  altchristlichen 
Kunstform  zur  byzantinischen  zukommt,  verleiht  ihnen  einen 
ganz  unschätzbaren  Werth. 

In  seinem  gegenwärtigen  Umfange  besteht  der  Codex  Rossa- 
nensis  aus  188  Pergamentblättern,  welche  von  einem  anscheinend 
dem  17.  oder  18.  Jahrhundert  angehörigen  starken  schwarzen 
Ledereinbande  umschlossen  werden.  Schlägt  man  den  Band  auf, 
so  gewahrt  man  bald,  dass  die  Handschrift,  bevor  man  sie  mit 
der  neuen  schützenden  Hülle  versah,  eine  Zeit  arger  Verwahr- 
losung durchgemacht  hat.  Namentlich  die  letzten  zehn  Blätter 
liefern  hierfür  den  Beweis.  Sie  sind  dünn  und  durchscheinend 
geworden  wie  Seidenpapier,  und  die  Schrift  ist,  wohl  infolge 
des  Einwirkens  der  Feuchtigkeit,  zum  grössten  Theil  völlig  ver- 
dunkelt. Ja  auf  einigen  Blättern  sind  an  die  Stelle  der  Buch- 
staben Löcher  getreten,  die  indess  meist  der  Form  der  Buch- 
staben entsprechen  und  somit  der  Lesung  auch  dieses  Tlieils  der 
Handschrift,  mit  Ausnahme  nur  weniger  Stellen  S),  kein  wesent- 
liches Hinderniss  bereiten.  Viel  weniger  als  die  letzten  haben 
glücklicher  Weise  die  ersten,  meist  mit  Miniaturen  geschmückten 


7)  Vgl.  E.  deMuralt,  Catalogue  des  manuscrits  Grrecs  de  la  Biblio- 
theque  Imperiale  publique.  St.-Petersbourg  1864,  p.  29  s.  Hier  wird  die 
Goldsclirift  des  Textes  und  die  Silberschrift  der  Ueberschriften  u.  s.  w.  er- 
wähnt, die  Farbe  des  Pergaments  aber  verschwiegen.  W.  Wattenbach, 
der  die  Handschrift  selbst  sah,  versetzt  sie  ins  12.  Jahrhundert  (vgl.  An- 
zeiger für  die  Kunde  der  deutschen  Vorzeit.  N.  F.  Bd.  22,  1875,  S.  72), 
während  die  Tradition  sie  von  der  Hand  der  h.  Theodora  (f  nach  867) 
geschrieben  sein  lässt. 

8)  S.  die  Anmerkungen  zu  Mc  15,  35.  36. 


X  Codex  Rossanensis. 

Blätter  gelitten.  Ein  kleiner  Riss  im  ersten  Bilde  ist,  ohne 
wesentliche  Schädigung  des  Gemäldes,  verklebt,  ein  etwas  grösse- 
rer im  zweiten  nicht  ungeschickt  zugenäht.  Hier  und  da  auch 
ist  die  Farbe,  namentlich  an  den  Rändern,  etwas  verblasst;  nir- 
ofends  ist  sie,  wie  leider  so  oft  bei  den  älteren  Miniaturen,  völlioj 
verwischt  oder  abgefallen.  Nur  die  Silberschrift,  mit  welcher 
auf  mehreren  Bildern  Schriftstellen  des  Alten  Testaments  ver- 
zeichnet stehen,  ist  allenthalben  aschfarben  oder  schwarz  ge- 
worden. Abgesehen  von  diesen  Beschädigungen,  also  in  dem  bei 
weitem  grössten  Theile,  lässt  die  Erhaltung  der  Handschrift  nichts 
zu  wünschen  übrig.  Dennoch  wird  man,  nachdem  man  sich  davon 
überzeugt,  dass  die  vorhandenen  188  Blätter  nur  einen  Theil  des 
ursprünglichen  Bestandes  bilden,  der  Hoffnung  nicht  Raum  geben 
können,  dass  der  Rest  noch  irgendwo  in  unversehrtem  Zustande 
erhalten  ist.  Vielmehr  hat  es,  namentlich  im  Hinblick  auf  die 
an  den  letzten  zehn  Blättern  wahrnehmbaren  Spuren  der  Zer- 
störung, den  Anschein,  als  habe  man  in  dem  jetzigen  Einbände 
diejenigen  Ueberreste  des  Purpurcodex  vereinigt,  deren  Erhaltung 
allein  noch  der  Mühe  werth  erschien. 

Das  zu  der  Handschrift  verwandte  Pergament  ist  von  grosser 
Feinheit;  nicht  selten  schimmert,  auch  in  den  wohl  erhaltenen 
Theilen,  die  Schrift  der  einen  Seite  auf  der  anderen  durch.  Die 
Färbung  wird  man  am  zutreffendsten  als  purpurblau  oder  ^äolet 
bezeichnen  können;^)  sie  erstreckt  sich  über  sämmtliche  Blätter, 
auch  die  bemalten,  in  ihrem  ganzen  Umfange.  Auf  der  glatten 
Seite  des  Pergaments  ist  sie  glänzend  und  vom  Purpur  tief  durch- 
leuchtet; auf  der,  übrigens  wohl  geglätteten,  rauhen  Seite  er- 
scheint sie  matter  und  nicht  selten  ins  Bräunliche  spielend.  Fast 
braunroth  ist  das  erste  beschriebene  Blatt  auch  auf  der  glatten 
Seite,  desgleichen,  wenn  auch  in  geringerem  Grade,  einige  der 
nächstfolgenden  Blätter.  Ob,  wie  vielleicht  unter  dem  Eiufluss 
der  Feuchtigkeit  die  Farbe  dieser,  so  auch  die  der  übrigen  Blätter 
sich  im  Laufe  der  Zeit  wesentlich  verändert  hat,  ist  schwer  zu 
entscheiden.  Vielleicht  wog  das  Kirschroth,  welches  hier  und 
da,  und  zwar  an  sehr  geschützten  Stellen,  den  Grundton  zu  bilden 
scheint,  ursprünglich  noch  mehr  vor. 

9)  Vgl.  namentlich  den  Abschnitt  über  Purpurpergamont  im  Nouveuu 
Traitü  de  Diplomatique.  T.  II.  Paris  1755,  p.  97ss. 


Prolegomena.  XI 

Geordnet  sind  die  Blätter  der  Handschrift,  wie  z.  B.  ancli 
die  des  berühmten  Codex  Vaticanus  1209  (B),  nach  Quinternen^^). 
Doch  beginnt  die  Zähhing  der  Lagen  erst  mit  dem  zehnten 
Blatt,  dem  Anfang  des  Textes  des  ersten  Evangeliums,  und 
übergeht  auch  die  dem  zweiten  Evangelium  vorgesetzten  Blätter 
(s.  u.).  Die  Signaturen  sind  mit  grossen  silbernen  Uncialen  von 
der  Hand  des  Schreibers  am  unteren  Rande  rechts  angemerkt  ^  ^). 
Eine  moderne  Hand  paginirte  die  Seiten  am  oberen  Rande  mit 
schwarzer  Tinte  und  den  jetzt  gebräuchlichen  ZiflPern.  Dieselbe 
Hand  hat  auch  auf  den  ersten  Blättern  die  üblichen  Verszahlen 
in  den  Text  eingetragen,  zum  Glück  aber  diese  Verunstal- 
tung nicht  über  das  zweite  Capitel  des  Evangeliums  Matthaei 
ausgedehnt. 

Die  Höhe  der  Blätter  beträgt  jetzt  30,7  Centim.,  die  Breite 
26  Centim.  Dass  das  Format  nach  beiden  Dimensionen  ursprüng- 
lich einige  Centimeter  mehr  betrug,  ersieht  man  aus  den  Spuren, 
welche  das  Buchbindermesser  an  den  Rändern  hinterlassen  hat. 
Sowohl  die  Columnenüberschriften  am  oberen  Rande  als  auch 
die  hier  und  da  vom  Schreiber  im  Text  übergangenen  und  am 
Seitenrande  nachgetragenen  Wörter  sind  oft  verletzt,  mitunter 
zum  grösseren  Theil  mit  dem  Pergament  weggeschnitten  ^  2). 

Weit  beklagenswerther  als  diese  meist  leicht  zu  ergänzen- 
den Defecte  ist  der  Verlust,  welchen  die  Handsclirift  erlitten  hat 
bevor  sie  mit  dem  jetzigen  Einbände  versehen  wurde.  Der  Um- 
fang dieses  Verlustes  lässt  sich  aus  dem  gegenwärtigen  Bestände 
in  der  Hauptsache  mit  Sicherheit  erschliessen.  Der  Inhalt  der 
Blätter,  wie  sie  jetzt  auf  einander  folgen,  ist  dieser: 


10)  Vgl.  W.  Wattenbach,  Das  Schriftwesen  im  Mittelalter,  2.  Aufl. 
Leipzig  1875,  S.  147.  V.  Gardthausen,  Griechische  Palaeograpliie. 
Leipzig  1879,  S.  61. 

11)  Fol.  10a  ist  mit  Ä  bezeichnet,  fol.  20»  mit  B,  und  so  fort.  Eine 
Unregelmässigkeit  findet  sich,  ausser  den  angeführten,  nur  in  der  12. 
Lage,  aus  welcher  vor  der  Beschreibung  ein  Blatt  ausgeschnitten  wurde. 
Die  letzte,  mit  IH  bezeichnete  Lage  besteht  jetzt  nur  noch  aus  8  Blättern 
(fol.  181—188). 

12)  Vgl.  die  Noten  zu  Mt  5,  31.  12,  20.  14,  5.  16,  23  u.  s.  w.  Aus 
dem  Umfange  der  an  der  erstgenannten  Stelle  (fol.  23*)  weggeschnittenen 
Randschrift  lässt  sich  berechnen,  dass  die  Breite  ursprünglich  mindestens 
1,7  Centim.  mehr  betrug  als  jetzt.  Vgl.  Ew.  cod.  Gr.  purpur.  Rossan. 
S.  VIII,  Anm.  4. 


XII  Codex  Rossanensis. 

Fol.  la — 4^:  bildliche  Darstellungen, 
y,     5^:  die  Inschrift:  vjtoOsotö  yMvovoö  rrjö  tcov  ivayy^- 
Xiöxow  6vn<fowia6 ,  von  einem  mit  den  Brustbil- 
dern der  vier  Evangelisten  geschmückten  Rahmen 
umschlossen, 
,,     5b:  unbeschrieben, 
.     6^:  unbeschrieben, 

.     6b:  die  erste  Hälfte  der  Epistula  Eusebii  ad  Carpianum, 
„     7a — gb;  bildliche  Darstellungen, 
„     9^^  u.  b:  die  xecpalaia  des  Evangeliums  Matthaei^ 
„     loa  — 118b:  der  Text  des  Evangeliums  Matthaei, 
„     119^  u.  b;  die  x8(paXaia  des  Evangeliums  Marci, 
„     120:  imbeschrieben, 

„     121^:  Abbildung  des  Evangelisten  Marcus, 
„     121b:  unbeschrieben, 

^  1 22 a  —  1 88  b :  der  Text  des  Evangeliums  Marci  bis  1 0, 1 4 : 
xai  0JV8idi(jsv  vrji^  ajitöriav  ca^*** 
Lassen  wir  die  bildlichen  Darstellungen  zunächst  bei  Seite, 
so  weisen  uns  fol.  5^  mit  seiner  Inschrift  und  fol.  Ob  mit  dem 
Bruchstück  der  Epistula  Eusebii  ad  Carpianum  ^ '^)  darauf  hin, 
dass  dem  Texte  der  Evangelien  ursprünglich  die  Eusebianischen 
Canones  voraufgingen.  Denn  der  Brief  an  Carpianus  hat  be- 
kanntlich eine  Erläuterung  der  Canonentafeln  zum  Inhalt,  und 
jene  Inschrift  dient  ihm  sonst  als  Ueberschrift^^);  sie  ist  dem  Briefe 
hier  augenscheinlich  nur  um  des  bedeutsamen  Schmuckes  willen, 
welchen  man  ihr  geben  wollte,  auf  einem  besonderen  Blatt  vor- 
ausgeschickt. Wenn  aber  die  Ueberschrift  schon  in  solchem 
Schmucke  erscheint,  so  werden  die  Canones  selbst  der  Ver- 
zierung  nicht   entbehrt  haben.     Sie   'waren   nach  Analogie   des 


13)  Sie  bricht  fol.  (J^  mit  den  Worten  Öifjytjoia  eonv  ijöe  ab.  Der 
Text  ist  von  einer  mit  Blumen  und  Vögeln  gesclimückten,  c.  2  Centim. 
breiten  goldenen  Leiste  umrahmt  und  nicht,  wie  der  Text  der  Evangelien, 
in  zwei  Columnen  getheilt.  Er  bietet,  abgesehen  von  einigen  Schreib- 
fehlern, keine  bemerkonswerthen  Abweichungen  von  dem  gedruckten 
Texte.  Zu  erwähnen  ist  nur  etwa  das  regelmässige  Fehlen  des  Artikels 
vor  r^eio  und  vor  ovo  {tv  lo  z^eio  statt  fr  a>  oi  XQtio  u.  s.  w.). 

14)  Vgl.  Nov.  Testam.  Graece  studio  et  labore  Millii,  rec.  Lud. 
Kusterus.  Ed.  IL  Lips.  1723,  p.  \.  Statt  ;^fooroa  ist  mit  anderen 
Handschriften  xarovojv  7X\  lesen. 


Prolegomena.  XIII 

syrischen  Evangeliariums  in  Florenz  nnd  der  Fragmente  im 
Britischen  Museum  ohne  Zweifel  auf  einer  Reihe  von  Blättern 
zwischen  reichverzierte  Säulenstellungen  eingeschrieben  ^•'').  Von 
den  Canonentafeln  ist,  wie  aus  der  obigen  Uebersicht  zu  er- 
kennen, nichts  erhalten.  Ihr  ursprüngliches  Vorhandensein  wird 
aber  zum  üeberfluss  noch  dadurch  bewiesen,  dass  dem  Text  am 
Rande  die  sogenannten  Ammonischen  Sectionszahlen^^)  nebst  den 
Ziffern  der  betreffenden  Eusebianischen  Canones  beigeschrieben 
sind.  Die  jetzige  Stellung  von  fol.  5  und  6,  inmitten  bildlicher 
Darstellungen  aus  der  evangelischen  Geschichte,  wird  niemand 
für  ursprünglich  halten.  Nur  eine  ganz  unkinidige  Hand  konnte 
die  gleichartigen  Blätter  1 — 4  und  7,  8  durch  dieses  Einschiebsel 
von  einander  trennen.  Nach  Analogie  anderer  Evangelienhand- 
schriften kann  es  kaum  zweifelhaft  sein,  dass  den  Canones  un- 
mittelbar das  Verzeichniss  der  xE(f>fdaia  des  ersten  Evangeliums 
folgte.  Man  wird  also,  um  die  ursprüngliche  Reihenfolge  her- 
zustellen, fol.  5  und  6,  unter  Hinzurechnung  der  verloren  ge- 
gangenen zweiten  Hälfte  des  Briefes  an  Carpianus  und  der  Euse- 
bianischen Canones,  an  fol.  9  heranrücken  müssen.  Letzteres  Blatt 
enthält  die  x^(paXcua  des  Evangeliums  Matthaei  vollständig,  wie 
fol.  119  die  des  Evangeliums  Marci '');  es  ist-aber  verkehrt  einge- 
setzt, so  dass  die  zweite  Hälfte  (p.  17)  der  ersten  (p.  18)  vorausgeht. 
Dass  der  Codex  Rossanensis  einst  alle  vier  Evangelien  ent- 
hielt, wäre  zweifellos,  auch  wenn  uns  fol.  5  mit  den  Brustbildern 

15)  Zucker,  Göttinger  Gel.  Anz.  1881,  S.  940.  Mit  den  Fragmenten 
im  Britischen  Museum  sind  die  berühmten  'Golden  Greek  Canons  of 
Eusebius',  Add.  5111,  gemeint. 

16)  Vgl.  Real-Encyklopädie  für  protestantische  Theologie  und  Kirche. 
2.  Aufl.     Bd.  II.     Leipzig  1878,  S.  403  f. 

17)  Der  Wortlaut  ist  im  wesentlichen  derselbe  wie  in  den  meisten 
Handschriften  vom  5.  Jahrh.  an,  in  welchen  sich  die  xtipäkaia,  sei  es  auf 
einer  Tafel  zusammengestellt,  sei  es  am  oberen  Rande,  über  dem  Texte, 
erhalten  haben.  Dahin  gehören  u.  a.  der  Codex  Alexandrinus  (A),  der 
Cod.  Reg.  Paris.  No.  62  (L  evv.),  der  Cod.  Sangall.  (J).  Die  Zahl  der 
xecpdXaia  beträgt,  wie  gewöhnlich,  beim  Evangelium  Matthaei  68,  beim 
Evangelium  Marci  48.  Die  Ueberschrift  lautet:  xov  xaia  fzazd^aiov  (resj). 
ficcQXOv)  evayyeXiov  ra  xecpccXaia.  Den  Anfang  macht  bei  Matthaeus  und 
Marcus:  ä  ntQL  tcdv  öccifAovt'C^Ofxevcov,  darauf  folgt  bei  Matthaeus:  ß  ufql 
t(j!)v  avaiQed^evTOJv  naiöiojv,  bei  Marcus:  ß  TtSQirTja  Ttevd^SQaa  nezQOv;  den 
Schluss  macht  bei  Matthaeus  (cF/)  und  Marcus  {ßTj):  tcsql  ttjo  aiti^aecoo  roi; 
xvQiaxov  aco/jtaiou. 


xrv  Codex  Rossanensis. 

der  vier  Evangelisten  und  fol.  6  mit  dem  Fragment  der  Epistula 
ad  Carpianum  nicht  erhalten  wären.  Denn  bekanntlich  wurden, 
soweit  wir  die  handschriftliche  Ueberlieferung  zurückverfolgen 
können,  nie  einzelne  Evangehen,  sondern  immer  nur  alle  vier 
zusammen  abgeschrieben.  Man  könnte  sich  höchstens  denken, 
dass  es  zwar  im  Plane  lag,  eine  vollständige  Evangelienhand- 
schrift herzustellen,  dass  aber  die  Ausführung  infolge  irgend 
welcher  Hindernisse  unterbliel).  Und  mrklich  ist  eine  solche 
Vermuthung,  wenn  schon  zunächst  im  Hinblick  auf  die  Euse- 
bianischen  Canones,  bereits  aufgestellt  worden.  Sie  findet  einen 
scheinbaren  Halt  an  dem  Umstände,  dass,  wie  erwähnt,  die  Epist. 
ad  Carpianum  fol.  6l>  beginnt,  wälirend  fol.  6a  unbesclmeben 
ist.  Hieraus  schhesst  Usow^^),  dass  das  Blatt  vom  Buchbinder 
verkehrt  eingesetzt,  dass  also  in  der  That  die  Vorderseite  des- 
selben beschrieben,  die  Rückseite  unbesclii-ieben  ist.  Daraus  aber 
ergebe  sich,  dass  der  Schreiber  hier  unterbrochen  wurde  und,  wie 
den  Schluss  des  Eusebianischen  Briefes,  so  auch  die  Canonen- 
tafeln  herzustellen  unterlassen  musste.  Allein,  diese  Hypothese 
hat  wenig  Wahrscheinlichkeit  für  sich.  Wenn  man  gewahi't, 
mit  welchem  Luxus  die  Handschrift  in  jeder  Beziehung  aus- 
gestattet ist,  so  kann  es  nicht  überraschen,  dass  die  von  einer 
zierlichen  Leiste  umschlossene  Epist.  ad  Carpianum  so  geschrie- 
ben wurde,  dass  sie  dem  Beschauer  beim  Aufschlagen  der  Stelle 
als  ein  Ganzes  sich  darstellte.  War  sie,  was  sich  leicht  ab- 
schätzen Hess,  auf  einer  Seite  nicht  unterzubringen,  so  musste 
die  erste  Hälfte  auf  die  Rückseite  eines  Blattes  zu  stehen  kom- 
men. Da  nun  dem  Schreiber  bekannt  war,  dass  durch  die  durch- 
scheinenden Schriftzüge  (s.  o.  S.  X)  die  Malereien  auf  fol.  5  a  ge- 
schädigt werden  würden,  wenn  er  mit  dem  Texte  des  Briefes  auf 
dem  Verso  dieses  Blattes  begann,  so  entschied  er  sich  dafür, 
erst  auf  dem  Verso  des  nächstfolgenden  Blattes  den  Anfang  da- 


18)  Die  sachkundige  und  lehrreiche  Monographie  Usow's  über  die 
Miniaturen  des  Codex  Rossanensis  wird  leider  bei  uns  wenig  Leser  finden, 
da  sie  in  russischer  Sprache  geschrieben  ist.  Der  Titel  lautet  in  Ueber- 
setzung:  Die  Miniaturen  zu  dem  in  Rossano  entdeckten  Evangeliencodex 
aus  dem  6.  Jahrhundert.  Von  S.  A.  Usow.  Moskau  1S81  (42  S.  und 
9  Taf.  4.).  Die  Umrisszeichnungen  unserer  Publication  vom  Jahre  1S80 
sind  darin  vollständig  rcproducirt.  Die  im  Text  erwähnte  Ausführung 
findet  sich  S.  24 f. 


Prolegomena.  XV 

mit  zu  machen.  Diese  Erklärung  liegt  um  so  näher,  wenn  man 
gewahrt,  dass  fol.  120  augenscheinlich  nur  um  deswillen  un- 
beschriehen  gelassen  worden  ist,  um  das  Gemälde  auf  Ibl.  121  ^ 
vor  der  unmittelbaren  Berührung  mit  einem  beschriebenen  Blatt 
(fol.  119l>)  zu  schützen.  Damit  aber  ist  der  Hypothese  Usow's 
der  Grund  entzogen.  Ueberhaupt  wird  man  es  schon  mit  Rück- 
sicht auf  die  Unordnung,  in  welche  die  ersten  Blätter  der  Hand- 
schrift gerathen  sind,  und  den  geschilderten  Zustand  der  letzten 
Blätter  für  ungleich  wahrscheinlicher  halten,  dass  das  Fehlende 
durch  Verwahrlosung  zu  Grunde  gegangen,  als  dass  ein  so 
glänzend  ausgestattetes  Werk,  welches  überall  die  sorgfältigste 
Ausführung  auch  des  kleinsten  Details  erkennen  lässt,  unvoll- 
endet geblieben  sei. 

Ganz  unwahrscheinlich  und  jeder  Analogie  widersprechend 
ist  die  Annahme  Usow's,  dass  auch  eine  besondere  Darstellung 
des  Evangelisten  Matthaeus  nicht  verloren  gegangen  sei.  Die 
Stelle  einer  solchen  soll  das  Medaillon  auf  fol.  5  a  vertreten 
haben.  Aber  dann  hätte  es  ja  auch  einer  Darstellung  der  drei 
übrigen  Evangelisten  nicht  bedurft.  Unseres  Erachtens  kann 
nichts  gewisser  sein,  als  dass  allen  vier  Evangelien  ursprüng- 
lich die  Bilder  ihrer  Verfasser  vorgesetzt  waren. 

Wir  haben  also  nach  dem  bisherigen  als  in  Verlust  ge- 
rathen zu  constatiren:  1)  ein  Blatt  mit  der  zweiten  Hälfte  der 
Epist.  ad  Carpianum,  2)  mehrere  Blätter,  welche  die  Eusebiani- 
schen  Canones  enthielten,  3)  ein  Blatt  mit  dem  Schluss  des 
Evangeliums  Marci  von  16,  14  med.  an,  4)  die  vollständigen 
Evangelien  des  Lucas  und  Johannes  mit  den  dazu  gehörigen  Ver- 
zeichnissen der  xe(pa}.aLa  und  5)  die  Darstellungen  des  Matthaeus, 
Lucas  und  Johannes.  Der  Verlust,  welchen  wir  zu  beklagen 
haben,  beträgt  mithin  mehr  als  die  Hälfte  der  Handschrift, 
welche  in  ihrer  ursprünglichen  Gestalt  mindestens  400  Blätter 
umfasst  haben  muss  i^). 


19)  Genau  lässt  sich  die  Blätterzahl  natürlich  nicht  feststellen,  zumal 
da  wir  gar  keinen  Anhalt  haben,  den  Umfang  der  Canonentafeln  zu  be- 
rechnen. So  viel  aber  ist  gewiss,  dass  die  EvangeHen  des  Lucas  und 
Johannes  zusammen  mindestens  200  Blätter  umfasst  haben  werden 
Rechnen  wir  dazu  nur  12  verlorengegangene  Blätter,  nämlich  je  1  Blatt 
für  die  zweite  Hälfte  des  Eusebianischen  Briefs,  den  Schluss  des  Marcus- 
evangeliums, die  /ce(pd?.aia  des  lyucas  und  Johannes  und  drei  Evangelisten- 


XVI  Codex  Rossanensis. 

Die  bildliclien  Darstellungen  aus  der  evangelischen  Ge- 
schichte umfassen  sechs  Blätter;  es  sind  in  der  jetzigen  Anord- 
nung die  folgenden: 

Fol.  1^:  die  Auferweckung  des  Lazarus, 

„      ll>:  Christi  Einzug  in  Jerusalem, 
•   „     2'^^:  die  Tempelreinigung, 
„     2^^:  die  klugen  und  die  thörichten  Jungfrauen, 
„      3''':  das  letzte  Mahl  und  die  Fusswaschung, 
„     3h:  die  Spendung  des  Brodes, 
4.'^:  die  Spendung  des  Kelches, 
„      4^:  Christus  in  Gethsemane, 
„      7^:  die  Heilung  des  Blindgebornen, 
y,     7^:  der  barmherzige  Samariter, 

„     8^    oben:   Christus  vor  Pilatus,   unten:   die  Reue  und 
der  Tod  des  Judas, 
8b    oben:  die  Juden  vor  Pilatus,  unten:   Christus  und 
Barabbas. 

Auf  die  Frage  nach  der  Integrität  dieses  Bildercyclus  soll 
hier  nicht  näher  eingegangen  werden.  Es  bedarf  dessen  um  so 
weniger,  als  die  Aufstellungen  Harnack's'-^)  mir  auch  durch 
den  Widerspruch  Usow's  nicht  entwerthet  zu  sein  scheinen. 
Was  der  Letztere  (a.  a.  0.,  S.  22 fP.)  beibringt,  um  die  Vollstän- 
digkeit zu  erweisen,  ist  geistreich,  aber  wenig  überzeugend.  AVer 
die  vorhandenen  Darstellungen  in  der  von    Harnack  wiederher- 

bilder,  und  5  Blätter  für  die  Canones  —  sie  umfassten  aher  gewiss  mehr  — , 
so  erhalten  wir  die  im  Text  genannte  Summe  (188  +  200  -|-  12).  Von 
verlorengegangenen  historischen  Bildern  ist  dabei  noch  ganz  abgesehen. 
Eine  noch  grössere  Zahl  würde  sich  ergeben,  wenn  man  annehmen  müsste, 
dass  der  Codex  Rossanensis,  sei  es  zu  Anfang  oder  am  Schluss,  ein 
avva^ci(>iov  {hxXoydötov)  nebst  ^Tjvo?.6ytov  enthielt.  Darüber  aber  lässt 
sich  kaum  eine  Vermuthung  aufstellen.  In  den  für  den  liturgischen  Ge- 
brauch bestimmten  Handschriften,  welche  mit  jenen  Beigaben  versehen 
sind,  findet  sich  Anfang  und  Schluss  der  Perikopen  gewöhnlich  mit  alj- 
gckürztem  ccq/jj  und  tH.oq  bezeichnet.  Wir  können  aber  den  regelmässigen 
Gebrauch  dieser  Bezeichnung  nicht  über  das  9.  Jahrh.  hinauf  verfolgen. 
Die  ältesten  Beispiele  dafür  sind  der  Codex  Cyprius  (K  evv.)  und  der  Cod. 
Campianus  (M  evv.).  Im  Cod.  Rossan.  fehlt  jede  solche  Bezeichnung; 
vielleicht  aber  nur,  weil  sie  damals  überhaupt  auch  in  den  für  den  litur- 
gischen Gebrauch  bestimmten  Büchern  noch  nicht  üblich  war. 
20)  Vgl.  Evv.  cod.  Gr.  purpur.  Rossan.     S.  XXV f 


Prolegomena. 


xvn 


gestellten  Reihenfolge  (Versetzung  von  fol.  7  vor  fol.  1)  über- 
blickt, wird  den  Versuch,  diesen  Bestand  auf  ein  planmässig 
durchgeführtes  Programm  zurückzuführen,  von  vornherein  für 
aussichtslos  halten  und  sich  je  mehr  und  mehr  davon  über- 
zeugen, dass  eine  beträchtliche  Anzahl  von  Bildern  verloren  ge- 
gangen sein  muss.  Nur  soviel  sei  hier  constatirt,  dass  die  von 
Harnack  vor  fol.  7,  zwischen  fol.  7  und  fol.  1,  zwischen  fol.  4  und 
fol.  8  und  hinter  fol.  8  angenommenen  Lücken  von  je  einem 
Blatt  -  ^)  sich  mit  überraschender  Leichtigkeit  einer  Blätterlage 
von  dem  Umfange  einfügen  lassen,  welchen  wir  in  dem  unver- 
sehrten Theile  der  Handschrift  als  durchgehend  nachgewiesen 
haben  (s.  o.  S.  XI).  Für  die  fünfblätterige  Lage,  aus  welcher  uns 
bildliche  Darstellungen  erhalten  sind,  würde  sich  nämlich  danach 
die  folgende  Figur  ergeben  ^  2): 


1    2 


3    4 


Aber  auch  wenn  die  beiden  durch  Punkte  angedeuteten 
Doppelblätter  nicht  verloren  gegangen  wären,  würde  uns,  wie 
ebenfalls  Harnack  schon  wahrscheinlich  zu  machen  versucht  hat, 
der  Bildercyclus  nicht  in   seiner  ursprünglichen  Vollständigkeit 


21)  Dass  zwischen  fol.  7  und  fol.  1  einerseits  und  zwischen  fol.  4  und 
fol.  8  andrerseits  je  ein  Blatt  ausgefallen  ist,  hält  auch  Lamp recht, 
.Jahrbücher  des  Vereins  von  Alterthumsfreunden  im  Rheinlande,  Heft  69 
S.  91,  für  wahrscheinlich. 

22)  Dass  fol.  4  auch  ursprünglich  unmittelbar  auf  fol.  3  folgte,  steht 
fest;  denn  fol.  ^^  und  4»  bilden  zusammen  ein  untrennbares  Doppelbild, 
Zwischen  fol.  1^  und  2a  vermisst  man  ebenso  wenig  etwas  wie  zwischen 
fol.  2b  und  3a,  Es  ist  also  in  hohem  Grade  wahrscheinlich,  dass  die 
Blätter  1  —  4  den  Kern  der  Lage  bildeten  und  uns  in  lückenloser  Folge 
erhalten  sind.  Die  jetzige  Stellung  von  fol.  7  vor  fol.  8  erklärt  sich  aus 
unserer  Figur  und  dient  der  Richtigkeit  derselben  zur  Bestätigung:  sie 
bilden  zusammen  ein  Doppelblatt  und  blieben  daher  zusammen  nachdem 
die  Lage  auseinandergefallen  war. 

Texte  uud  Untersuchungeii  I,  4.  b 


xvm  Codex  Rossanensis. 

vorliegen.  Vielmehr  raöchten  wir  es  für  sehr  wahrscheinlich 
halten,  dass  der  von  uns  angenommenen  fünf  blätterigen  Lage  ur- 
sprünglich noch  weitere  fünf  Doppelblätter  vorausgingen,  welche 
zu  Anfang  vielleicht  ein  verziertes  Titelblatt  zum  ganzen  Codex 
enthielten  2  3) ,  während  die  übrigen  Blätter  mit  Miniaturen  ge- 
schmückt waren.  Ein  Künstler,  welcher  die  Leidensgeschichte 
so  reich  zu  illustriren  wusste,  wird  es  gewiss  verstanden  haben, 
auch  der  Geschichte  des  Täufers,  der  Kindheit  Jesu  und  seiner 
ersten  Wirksamkeit  eine  Reihe  malerischer  Motive  abzugewinnen 
und  so  ein  wirklich  abgerundetes  Evangehum  in  Bildern  zu 
schaffen  24). 

Dass  das  Bilderevangelium  sich  auch  ursprünglich  zu  An- 
fang der  Handschrift  befand,  halten  wir  für  zweifellos  ■2'').  Hätte 
es  den  Schluss  gebildet,  so  wäre  es  wahrscheinhch  mit  der  grösse- 
ren zweiten  Hälfte   der  Handschrift  vollständig  zu   Grunde  ge- 


23)  Dass  fol.  5  nicht  als  Titelblatt  zum  ganzen  Codex  gelten  kann 
(Harnack  S.  XLV),  hat  Zucker  (a.  a.  0.  S,  941)  richtig  bemerkt.  S.  dar- 
über oben  S.  XTI. 

24)  Auch  Lamp recht  (a.  a.  0.)  und  Zucker  (a.  a.  0.  S.  939)  halten 
dafür,  dass  uns  die  Miniaturen  nur  fragmentarisch  erhalten  sind.  Das 
frühe  Vorkommen  reich  illustrirter  griechischer  Bibelhandschriften  bezeugt 
Nicephorus,  Apologet,  c.  61:  ''ÖQÖi/j.ev  noXÄcc  twv  aeßaafxicuv  ßlßlojv  xov- 
rcDvl,  xai  y8  xal  zöjv  ccQx^^ioxb^cov  xal  zw  /xaxQco  X()6va)  naQ*  svasßojr 
xcc)  (fiXod-bcov  avÖQMV  ixnsTtovTiGd^ai  [laQXVQOVfXbViov,  lliieQ  drccTTTvaoofXFva 
iv  /J.t(j8i  fihv  dia  xTjQ  xccD.iyQacpiXTJg  evcpvtag  xa  xrjg  S^ei'ag  laxoQiag  ijuXv 
b(X(pavi'C,EL  didr.y/xaxa,  cv  (jLiQet.  6i-  6icc  xrjg  t,(oy^c((piX7]g  svxexvlag  xa  avxii 
rjfüv  Tiapadelxi'voi  ngayfiaxa. 

25)  Vgl.  Zucker,  a.  a  0.  S.  940:  „Die  Stelle,  an  der  sich  jetzt  noch 
die  Blätter  befinden,  und  die  Bemalung  auf  beiden  Seiten,  sowie  die  merk- 
würdige anderweitige  Ausstattung  machen  es  unzweifelhaft,  dass  das 
ganze  Bilderevangelium  einsh  dem  Codex  vorgeheffcet  und  somit  be- 
stimmt war,  auch  für  sich  allein  betrachtet  zu  werden,  eine  Thatsache, 
die  ein  helles  Licht  auf  die  Stellung  und  Bedeutung  wirft,  welche  die 
Kunst  bereits  im  Dienste  der  Kirche  gewonnen  hatte".  Die  Sache  selbst 
zugestanden,  möchten  wir  doch  daran  erinnern,  dass  es  ja  nicht  ein 
einzelnes  Evangelium,  sondern  die  in  drei-  resp.  vierfacher  Form  über- 
lieferten Vorgänge  der  evangelischen  Geschichte  zu  illustriren  galt.  Da 
lag  es  denn  gewiss  nahe  genug,  die  bildlichen  Dai-stellungen  von  dem 
Texte  abgesondert  zusammenzustellen.  Die  Stellung  zunschen  der  Epist. 
ad  Carpianum  (fol.  5.  (1)  und  demVerzeichniss  der  xe<fakcnci  zum  Matthaeus- 
evangelium  (fol.  9),  welche  Usow  (S.  24)  dem  Bildercyclus  ziiweist,  hat 
weni"'  Wahischoinlichkeit  für  sich. 


Prolegomena.  XIX 

gangen,  und  an  eine  Einreibung  zwischen  den  Blättern  des 
Textes  ist  schon  um  deswillen  nicht  zu  denken,  weil  gleich  das 
erste  der  uns  erhaltenen  Blätter  mit  Illustrationen  (fol.  7)  auf 
der  Vorderseite  die  nur  im  Johannesevangelium  berichtete  Hei- 
lung des  Blindgebornen  am  Teich  Siloah,  auf  der  Rückseite  die 
nur  von  Lucas  überlieferte  Parabel  vom  barmherzigen  Samariter 
enthält  26). 


26)  Vgl.  auch  Usow,  a.  a.  O.  S.  2. 


^ 


II. 

Mit  Ausnahme  der  drei  ersten  Zeilen,  zu  Anfang  eines  jeden 
Evangeliums,  welche  in  beiden  Columnen  mit  Gold  geschrieben 
sind,  ist  als  Schreibstoff  durchweg  nur  Silber  verwandt.  Dieses 
hat  sich,  abgesehen  von  den  ersten  Seiten,  wo  es  grünlich  an- 
gelaufen ist,  und  von  den  letzten,  von  deren  Zustand  schon  die 
Rede  war,  im  Texte  selbst  vortrefflich  erhalten.  An  den  Rändern 
aber,  namentlich  oben,  wo  jedesmal  der  Inhalt  des  betreffenden 
Abschnitts  verzeichnet  steht,  ist  die  ursprünglich  ebenfalls  sil- 
berne Schrift  aschfarben  oder  schwarz  geworden. 

Die  Schrift  verläuft  ohne  Worttrennung  auf  jeder  Seite  in 
zwei  Columnen  zu  je  20  Zeilen,  welche  durch  eben  so  \dele,  in 
der  Mitte  durch  Striche  markirte,  leicht  eingeritzte  Linien  ab- 
gegrenzt sind.  Linien  an  den  Rändern  der  Seiten  oder  Colum- 
nen fehlen  ganz;  trotzdem  ist  das  Gleichmass  der  Zeilen  meist 
recht  gut  eingehalten.  Die  Zahl  der  Buchstaben  auf  jeder  Zeile 
variirt  zwischen  9  und  12,  in  den  meisten  Fällen  aber  sind  es 
11  ^).  Die  Initialen  treten  aus  der  Columne  heraus  und  sind 
mindestens  doppelt  so  gross  als  die  übrigen  Buchstaben.  Am 
Zeilenschluss  erscheinen  oft  kleine  Buchstaben  (meist  O  G  I  C) 
hinter  oder  zwischen  den  grösseren,  jedoch  fast  nirgends  in  un- 
schöner Häufung,  wie  denn  überhaupt  dem  Schreiber  das  Lob 
grosser  Sorgfalt  nicht  versagt  werden  kann.  Rasuren  konunen 
zwar  vor"^),  sind  aber  fast  ausnahmslos  nicht  ungeschickt  ver- 
deckt.   Hier  und  da  ist  auch  ein  fehlender  Buchstabe  nachträff- 


1)  Auf  fol.   122a  col.    1   stehen  219,  col.  2  223,  fol.  122^  col.  1  22T. 
col.  2  228,  fol.  123a  col.  1   200,  col.  2  218,  fol.  123^  col.  1  228  Buchstaben. 

2)  S.  /.  B.  (lio  Noten  zu  Mt    1.  4.  (1.   19.    10,  41.   15,    3.  Ul  9  u.  s.  w. 


Prolegomena.  XXI 

lieh,  aber  immer  mit  Silbersclirift,  über  die  Zeile  gesetzt-^).     Er- 
gänzungen mehrerer  Wörter  am  Rande  sind  überaus  selten ''). 

Die  Form  der  Buchstaben  ist  ungeachtet  ihrer  Grösse  und 
der  durch  den  Schreibstoff  bedingten  Stärke  der  Züge  doch  eine 
gefällige  und  reine.  Danach  wäre  die  ungefähre  Bestimmung 
des  Alters  der  Handschrift  verhältnissmässig  einfach,  wenn  es 
sich  dabei  nur  um  die  für  den  Text  selbst  verwandte  Schrift 
handelte.  Hier  zeigen  die  runden  Buchstaben  (G  0  O  C  <d)  CD) 
allenthalben  noch  die  Kreisform,  wie  die  viereckigen  (H  H  N  I J) 
die  des  Quadrats.  Selbst  am  Ende  der  Zeilen,  wo  z.  B.  schon 
der  Schreiber  des  Codex  Guelferbytanus  I  (P  evv.,  saec.  VI.)  hier 
und  da  der  Raumersparniss  wegen  längliche  Formen  verwandte  ^), 
findet  sich  im  Codex  Rossanensis  auf  352  Seiten  im  Text  davon 
keine  Spur.  Unter  die  Zeile  ragen  nur  f  Y  CD  y  ,  2.  und  % 
niemals,  über  die  Zeile,  ausser  <X>  und  \|/,  nur  noch  R.  Die 
häufiger  vorkommenden  Abbreviaturen  sind  dieselben,  welche 
sich  schon  im  Codex  Sinaiticus  und  anderen  Repräsentanten  der 
ältesten  Unciale  finden,  nämlich  0C  IC  \<C  XC  yc  JlHp 
MHf  TTNA  XNÜC  ÖYNÖC  (^^  i^^^^  selten,  gewöhnHch 
OYfANOC  ausgeschrieben)  AAA  IHA  IHM  (sonst  meist 
1  AHM),  ferner  l>1  für  ^iiov ,  v\  für  Jtgoö,  und  (nur  zweimal  im 
Text)  \<^  für  yML  Dasselbe  gilt  von  den  Ligaturen  1-N  hN  N< 
MH  NH  sowie  von  dem  Ersatz  des  N  durch  einen  Strich  über 
dem  Endvocal  am  Schluss  der  Zeilen^).  Auch  die  Strichelchen, 
deren  zwei  sich  häufig  über  dejn  I  finden,  während  das  Y  nicht 
ganz  so  oft  mit  einem  einzigen  versehen  ist,  kommen  so  schon 
in  den  ältesten  Uncialhandschriften  vor').     An  minder  häufigen 


3)  S.  z.  B.  die  Noten  zu  Mt  21,  37.  22,  1.  12.  24,  21.  Mc  5,  12.  11,  13. 

4)  S.  z,  B.  die  Noten  zu  Mt  5,  31.  7,  22.  Häufiger  sind  einzelne 
Wörter  nachträglich  hinzugefügt,  s.  z.  B.  zu  Mt  7,  24.  11,  24.  12,  3.  20.  13,  27. 

5)  Vgl.  das  Facsimile  bei  Tischendorf,  Monum,  sacra  ined.  Nova 
coli.     Vol.  III.     Lips.  1860. 

6)  Dieser  Strich  läuft  oft  in  zwei  Tüpfelchen  aus,  von  denen  das 
erste  nach  oben,  das  zweite  nach  unten  geneigt  ist:  genau  so  wie  in  dem 
älteren  der  beiden  Wolfenbüttler  Palimpseste  (Q.  evv.,  saec.  V ).  Vgl  das 
Facsimile  bei  Tischendorf,  a.  a.  0. 

7)  Vgl.  Tisch endorf,  Bibliorum  codex  Sinait.  Petropolit,  Vol.  I. 
Petrop.  1862.  Prolegom.  p.  11.  Auch  in  dem  oben  (S.  VII)  erwähnten 
Purpurcodex  (N  evv.)  hat  das  1,  wenn  überhaupt,  zwei  Striche ,  das  V* 
nur  einen. 


-^xn  Codex  Rossanensis. 


Verbindungen  sind  zu  erwähnen  I II  hP  für  üHf,  T  fiii'  tcö, 
Y  für  av  und  ^  für  avr  (letzteres  nur  einmal  am  Rande). 
Doch  findet  sich  diese  Form  für  av  schon  im  Wiener  Diosco- 
rides  aus  dem  Anfang  des  6.  Jahrhunderts^),  und  der  nach 
Tischendorf  demselben  Jahrhundert  angehörende  Codex  Guel- 
ferbytanus  I  bietet  gar  >f  und  ^  für  avrco  und  avrov^). 
Nach  anderen  Abkürzungen,  wie  sie  sich  zum  Theil  schon  im 
Anfang  des  6.  Jahrhunderts  nachweisen  lassen,  sucht  man  im 
Codex  Rossanensis  umsonst.  Das  Zeichen  ^  für  ov^  welches  sich 
mehrmals  im  Wiener  Dioscorides  findet,  fehlt  hier  gänzlich,  des- 
gleichen die  Abbreviaturen  T*  für  rai^  O*  für  ^ac^  N.  für  vai^ 
welche,  neben  jenem  ^,  der  Schreiber  des  Züricher  Purpurpsalters 
(s.  u.)  häufig  verwandte  ^^).  Auch  die  Interpunktion  ist  im  Codex 
Rossanensis  noch  sehr  einfach.  Es  findet  sich  nur  der  einfache 
Punkt,  und  zwar  meist  in  halber  Höhe  der  Buchstaben.  Häk- 
chen zur  Worttrennung  kommen  nicht  vor,  von  Aspirations- 
zeichen, welche  gelegentlich  schon  in  beiden  Wolfenbüttler 
Palimpsesten  gesetzt  sind^^),  und  Accenten  ganz  zu  schweigen. 


8)  Vgl.  V.  Gardthausen,  Griechische  Palaeographie,  S.  152. 

9)  Vgl.  Tischen  dort",  Monum.  sacra  ined.  Nova  coli.  Vol.  VI. 
Lips.  1869,  p.  293.  305.  309.  Das  Sigluni  ¥  für  avzov  findet  sich  auch 
im  Psalterium  Turicense  purpureum  (Monum.  sacra  ined.  Nova  coli. 
Vol.  IV.     Lips.  1869.     Prolegom.  p.  XIV.). 

10)  Das  Zeichen  -v  für  ai  findet  sich  in  den  Londoner  Blättern  des 
Codex  N  einmal  (Vgl.  Scrivener,  A  piain  Tntroduction  to  the  Criticism 
of  the  New  Testament.  2.  edition.  Cambr.  1874,  p.  127),  öfter  Abkür- 
zungen für  r-TTo,  TiQ  und  (am  Rande)  nfQi  (vgl.  Tischendorf,  Monum. 
sacra  ined.  sive  rehquiae  antiqu.  textus  Novi  Test.  Graeci.  Lips.  1846. 
Prolegom.  p.  12).  Eine  von  der  oben  angeführten  etwas  abweichende 
Abkürzung  für  rat  kommt  übrigens  schon  im  Cod.  Alexandr.  vor.  Vgl. 
C.  G.  Woidii  Notitia  Codicis  Alexandiini.  Recudendam  curavit  G.  L. 
Spohn.    Lipsiae  1788,  p.  35. 

11)  Vgl.  Tischendorf,  Monum.  sacra  ined.  Nova  coli.  Vol.  VI. 
Prolegom.  p.  XIII.  Auch  im  Purpurcodex  N  finden  sich,  und  zwar  ziemlich 
häufig,  derartige  Zeichen  (vgl.  das  Facsimile  bei  Westwood,  Palaeo- 
graphia  sacra  pictoria:  Purple  Greek  manuscripts).  Tischendorf  be- 
merkt darüber:  ,Accentus  plane  absunt;  sed  signum  aliquod  conspicitur 
quod  Spiritus  speciem  habet.  Id  plerumque  magis  est  punctum  quam 
brevissima  linea,  descendens  in  litteram;  nonnunquam  vero  est  fere 
Spiritus   lenis  qui  nobis  dicitur'   (Monum.   sacra  ined-    sive  reliquiae  etc. 


Prolegomena.  XXIII 

Auffallend  ist  die  Verwendung  des  Asteriscus  als  Tilgungs- 
zeichen;  doch  findet  sich  daneben  auch  der  Gebrauch  gewöhn- 
licher Punkte  oberhalb  der  zu  tilgenden  Buchstaben.  Ueberblickt 
man  alle  erhaltenen  Reste  der  Uncialschrift  vom  4.  und  5.  Jahr- 
hundert an  abwärts,  soweit  sie  durch  Facsimile  zugänglich  ge- 
macht sind,  und  vergleicht  damit  die  Schrift  des  Codex  Rossa- 
nensis,  so  ergeben  sich  leicht  als  die  äussersten  Grenzpunkte  das 
Ende  des  5.  und  der  Anfang  des  7.  Jahrhunderts.  Nähere 
Prüfung  der  angedeuteten  Merkmale  aber  führt  zu  dem  Resul- 
tat, dass  die  Entstehung  der  Handschrift  eher  in  der  ersten  als 
in  der  zweiten  Hälfte  des  6.  Jahrhunderts  zu  suchen  ist.  Für 
die  Vergleichung  kommen,  ihres  verwandten  Schriftcharakters 
wegen,  vorzugsweise  in  Betracht:  der  Wiener  Dioscorides,  der 
oben  (S.  VII)  erwähnte  Purpurcodex  der  Evangelien  (N)^^),  der 
Codex  Guelferbytanus  I  (P  evv.),  der  Codex  Laudianus  (E  act.) 
und  der  Codex  Nitriensis  (R  ew.). 

An  diesem  Resultat  könnte  man  irre  werden  im  Hinblick 
auf  den  völlig  abweichenden  Charakter,  in  welchem,  mit  kleine- 
rer Schrift,  alle  Beigaben  zum  Texte  der  Evangelien  geschrieben 
sind.  Dahin  gehören  die  Epistula  Eusebii  ad  Carpianum  (fol.  6^), 
die  Verzeichnisse  der  xecpalaia  (fol.  9  und  fol.  119)  und  die  In- 
haltsangaben über  dem  Texte,  die  Schriftstellen  unterhalb  der 
Prophetenbilder  (s.  o.  S.X),  die  Unterschrift  des  Evangeliums  Mat- 
thaei  und  einige  nachträglich  an  den  Rand  geschriebene  Wörter. 
Die  Schrift  dieser  Stücke  erinnert  auffallend  an  die  des  Züricher 
Purpurpsalters,  welchen  Tischendorf  dem  7.  Jahrhundert  zu- 
weist, während  man  ihn  früher  für  älter  sogar  als  den  Codex 
Alexandrinus  (saec.  V.)  zu  halten  geneigt  war  ^'^).  Zwar  die  vier- 
eckigen Buchstaben   lassen    auch   hier  kaum    eine   Abweichung 


Prolegom.   p.    12).      Ein  ähnliches  Zeichen  findet  sich  im    Codex   Rossa- 
nensis  über  dem  H  des  GH  (so  statt  Gl)  Mt  26,  24  und  über  dem  Y  des 

YriAFG  Mc  7,  29. 

12)  Das  Alter  dieser  Handschrift  ist  sehr  verschieden  geschätzt  worden. 
Home  hielt  sie  für  das  älteste  neutestamentUche  Manuscript  (Ende  des 
4.  oder  Anfang  des  5.  Jahrh.);  Scholz  dachte  an  das  7.  oder  8.  Jahr- 
hundert; Casley  wiederum  schrieb  ihr  ein  höheres  Alter  zu  als  dem 
Codex  Cottonianus  der  Genesis  (saec.  V.);  Tischendorf  endhch  entschied 
sich  für  den  Ausgang  des  6.,  spätestens  Anfang  des  7.  Jahrhunderts  (Mon. 
Sacra  inedita  sive  rehquiae  etc.     Prolegom.  p.  12). 

13)  Vgl.  Monum.  sacra  ined.    Nova  coli.  Vol  IV.  Prolegom.  p.  XII  sq. 


XXIV  Codex  Rossanensis. 

von  der  quadratisclien  Form  wahrnehmen,  G  0  O  C  aber  er- 
scheinen viebnehr  oval  als  rund,  oben  und  unten  spitz  zulaufend, 
und  das  CO,  das  im  Texte  unten  fast  ganz  geschlossen  ist,  zeigt 
hier  einen  Einschnitt  zwischen  zwei  eckig  endenden  Halbkreisen. 
Beachtenswerth  ist  jedoch,  dass  auch  in  diesem  Theile  der  Hand- 
schrift keine  Spur  einer  Neigung  der  Buchstaben  nach  rechts 
wahrnehmbar  ist,  wie  sie  schon  im  7.  Jahrhundert  durch  mehrere 
Beispiele  belegt  werden  kann.  Auch  der  Strich  im  0  ragt  noch 
nirgends  über  den  Rand  hinaus,  wie  ebenfalls  schon  von  der 
Mitte  des  7.  Jahrhunderts  an  nachweisbar.  An  sonstigen  Ver- 
schiedenheiten ist  noch  zu  erwähnen,  dass  das  1  adscriptum, 
welches  im  Texte  völlig  fehlt,  sich  hier  wiederholt  gesetzt 
findet^"*),  sowie  dass  die  Abkürzung  \^  für  xat^  welche  dort  nur 
zweimal  vorkonmit,  hier  öfter  wiederkehrt.  Nur  einmal,  an 
dem  y  in  der  Unterschrift  des  Evangeliums  Matthaei,  findet 
sich  eine  Verzierung,  und  diese  ist  von  der  allereinfachsten  Art. 

Die  Annahme,  dass  wir  es  hier  mit  späteren  Zuthaten  zu 
thun  haben  könnten,  ist  völlig  ausgeschlossen.  Dieselbe  Hand, 
von  welcher  der  Text  herrührt,  schrieb  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  auch  die  Epistula  Eusebii  ad  Carpianum,  die  xtfpaXcaa  etc. 
Ohne  jeden  Zweifel  aber  fällt  die  Herstellung  sämmtlicher  Theile 
der  Handschrift  in  eine  und  dieselbe  Zeit.  Die  Frage  ist  also 
nur,  ob  um  jenes  scheinbar  jüngeren  Schriftcharakters  willen, 
durch  welchen  sich  die  Beigaben  vom  Texte  unterscheiden,  die 
ganze  Handschrift  weiter  herabgerückt  werden  muss. 

Unter  den  Uncialhandscliriften  älteren  Datums  sind  nament- 
lich zwei  zu  nennen,  in  welchen  ein  ganz  ähnliches  Verhältniss 
obwaltet  wie  hier:  der  von  Tregelles  veröffentlichte  Palimpsest 
von  Zanthe  ^^)  und  der  mehrerwähnte  Codex  Guelferbytanus  I 
(P  ew.)  '^).  Die  Schrift  der  Catene,  welche  im  Codex  Zacynthius 
den  Text  des  Evangeliums  Lucae  umgiebt,  ist  von  der  des  Textes 
selbst   völlig   verschieden.     Der  Herausgeber   bemerkt  darüber: 


14)  Das  I  adscriptum  ist  in  den  ältesten  erhaltenen  Bibelhandschriften 
selten,  aber  nicht  ohne  Beispiel.  Vgl.  Scrivener,  Bezae  codex  Canta- 
brigiensis.     Cambridge  1864.     Introd.  p.  XIX. 

15)  Codex  Zacynthius  £*.  Greek  palimpsest  fragments  of  tlie  Gospcl 
of  Saint  Luke,  edited  by  S.  P.  Tregelles,  London  18(>1. 

16)  Der  Text  von  Tischendorf  edirt  im  VL,  ein  Facsimile  im 
TIT.  Bande  der  Monum.  sacra  ined.    Nova  collectio. 


Prolegomena.  XXV 

,The  Text  is  in  round  füll  well-formed  üncial  letters,  such  as 
I  should  have  had  no  difficulty  in  ascribing  to  the  sixth  Cen- 
tury, were  it  not  that  the  Catena  of  the  same  age  has  the  round 
letters  (G  0  O  C)  so  cramped  as  to  appear  to  belong  to  the 
eighth  Century  '^).'  Dennoch  hat  T regelles,  und  das  gewiss 
mit  Recht,  in  dieser  abweichenden  Schrift  der  Catene  keine 
Nöthigung  erblickt,  den  Codex  dem  8.  Jahrhundert  zuzuweisen. 
Er  bemerkt  nämlich  im  Anschluss  an  den  vorigen  Satz:  ,There 
are  but  few  occurrences  of  accents  or  breathings;  and  the  fact 
of  their  Omission  must  be  weighed  against  that  of  the  form  of 
the  letters  in  the  Catena;  for  in  the  eighth  Century  their  occur- 
rence  might  have  been  expected.'  Eine  Vergleichung  der  Schrift 
des  Codex  Zacynthius  in  Text  und  Catene  mit  den  beiden  Schrift- 
arten des  Codex  Rossanensis  lässt  freilich  auf  den  ersten  Blick 
das  höhere  Alter  des  letzteren  erkennen  ^^). 

Wichtiger  für  den  vorliegenden  Fall  ist  daher  das  zweite 
angeführte  Beispiel.  Es  wurde  schon  oben  bemerkt,  dass  unter 
den  Handschriften  des  6.  Jahrhunderts  u.  a.  namentlich  auch 
der  Codex  Guelferbytanus  1  einen  dem  Codex  Rossanensis  ähn- 
lichen Schriftcharakter  zeige.  Dies  gilt  nun  nicht  allein  von  der 
Schrift  des  Textes,  sondern  auch  von  der  in  den  Beigaben.  Wie 
im  Codex  Rossanensis,  so  waren  auch  im  Codex  Guelferbytanus  I 
den  einzelnen  Evangelien  ursprünglich  Capitelübersichten  vor- 
ausgeschickt. Erhalten  hat  sich  davon  nur  ein  Blatt  mit  dem 
grössten  Theil  der  xecpaXaia  zum  Evangelium  Matthaei  ^^).  Die 
Aehnlichkeit  der  hier  verwandten  Schrift  mit  der  in  den  Bei- 
gaben des  Codex  Rossanensis  springt  sofort  ins  Auge.  Sie  weicht 
von  der  Schrift  des  Textes  so  sehr  ab,  dass  Knittel,  der  erste 
Herausgeber,  dafür  halten  konnte,  dieses  Blatt  habe  ursprüng- 
lich zu  einer  andern  Handschrift  gehört  und  sei  nur  zufällig  an 
diese   Stelle  gerathen^o).     Dem    gegenüber    hat    Tischendorf 

17)  A.  a.  0.  Preface  p.  IL 

18)  Man  beachte  namentlich  die  längliche  Form  der  Buchstaben 
H  M  N  n  im  Cod.  Zac,  die  Form  des  0  in  der  Catene,  die  Häufigkeit 
der  Interpunction  und  dergl. 

19)  Vgl.  Monum.  sacra  ined.     Nova  coli.    Vol.  VI.  p.  251  sq. 

20)  Vgl.  Tischendorf  a.  a.  0.  Prolegom.  p.  XII:  ,Quid  quod  folio 
eo  quod  indicem  capitum  evangelii  secundum  Matthaeum  continet  uni- 
versa  scriptura  a  genere  unciali  producto  est,  quod  demum  desuefacta 
pristina  elegantia  in  communem  usum  abüt.    Unde  factum  est  ut  Knitte- 


XXVI  Codex  Rossanensis. 

mit  gntem  Grunde  die  ursprüngliche  Zusammengehörigkeit  be- 
hauptet; und  wenn  er  dennoch  die  Handschrift  dem  6.  Jahrhun- 
dert zuweist,  so  wird  ilim  auch  darin  beizupflichten  sein. 

Der  Gebrauch  zweier  Schriftgattungen  neben  einander  war 
übrigens  schon  dem  ersten  Schreiber  des  Neuen  Testaments  im 
Codex  Alexandrinus  geläufig:  eine  Thatsache,  die  bisher  ganz 
unbeachtet  geblieben  zu  sein  scheint.  Und  doch  ist  der  Unter- 
schied ein  ganz  frappanter.  Betrachtet  man  die  Unterschrift 
des  Evangehums  Matthaei  fol.  5  (29)  verso  im  Codex  Alexan- 
drinus, so  kann  man  sich  nur  wundern,  dass  noch  niemand  auf 
den  Einfall  gekommen  ist,  sie  für  spätere  Zuthat  zu  erklären. 
Sie  ist  aber  gewiss  ursprünglich,  denn  dieselben  Züge  begegnen 
uns  gleich  darauf  in  der  Ueberschrift  rov  xara  fiaQxov  evayye- 
hov  ai  jteQioyat^  welche  schon  um  der  Raumverhältnisse  willen 
unmöglich  später  hinzugefügt  sein  kann,  und  weiter  in  der 
Unterschrift  des  Marcusevangeliums.  Das  Verhältniss  dieser 
Schrift  zu  der  des  Textes  ist  ganz  dasselbe  wie  im  Codex  Rossa- 
nensis, nur  ist  sie  vom  Schreiber  des  Codex  Alexandrinus  nicht 
so  häufig  in  Anwendung  gebracht  worden. 

Wir  lernen  aus  den  angeführten  Erscheinungen,  dass  neben 
der  alten,  reinen,  durch  runde  und  quadratische  Formen  aus- 
gezeichneten Unciale  schon  früh  eine  schlankere,  der  späteren 
Unciale  sich  nähernde  Form  im  Gebrauch  gewesen  ist:  nur  dass 
letztere  zunächst  nicht  sowohl  für  den  eigentlichen  Text  der 
Bücher,  als  vielmehr  für  allerhand  Beigaben  zu  demselben,  wie 
Ueberschriften,  Unterschriften,  Indices,  Catenen,  Randbemerkungen 
und  dergleichen  verwandt  wurde.  Die  angeführten  Beispiele 
genügen  vollkommen,  diese  bisher  wenig  beachtete  Thatsache 
ausser  Zweifel  zu  setzen.  Die  jüngere  Unciale,  deren  Entstehungs- 
zeit  den  Paläographen  so  viel  Kopfzerbrechen  gemacht  hat. 
steht  also  keineswegs  im  8.  oder  9.  Jahrhundert  plötzlich  und 
unvermittelt  da.  Wir  können  ihre  Entwicklung  bis  ins  5.  Jahr- 
hundert hinauf  verfolgen.  Ist  auch  der  Codex  Alexandrinus 
nicht  datirt,  so  hat  ihm  doch  kein  Sachkundiger  bisher  das 
5.  Jahrhundert  streitig  gemacht.  Es  liegt  also  schlechterdings 
kein   Grund  vor,   um  einer  ganz    analogen   Erscheinung  willen 


lius  rationis  palaeographicae  parum  gnarus  indicem  illuni  a  fi-agmentis 
evangelicis  plane  alienum  duceret  nee  ad  editionem  adliiberet  suam.' 


Prolegomena.  XXVII 

dem  Codex  Rosvsanensis  die  Entstehung  im  6.  Jalirhmidert  ab- 
zusprechen, auf  welches  sonst  alle  Merkmale  hindeuten. 

Auf  das  6.  Jahrhundert  führen  auch  die  Miniaturen  des 
Codex  Rossanensis.  ^  ^)  Es  erscheint  aber  gerathen,  diesem  Um- 
stände einen  entscheidenden  Einfluss  auf  die  Datirung  der  Hand- 
schrift nicht  einzuräumen.  Denn  die  Miniaturen  könnten  nach 
älteren  Vorbildern  gearbeitet  sein.  Wenn  es  aber,  wie  ich  über- 
zeugt bin,  aus  anderen  Gründen  feststeht,  dass  die  Handschrift 
dem  6.  Jahrhundert  angehört,  und  wenn  auch  die  kunstgeschicht- 
liche Betrachtung  der  Miniaturen  auf  diese  Zeit  führt,  so  wird 
es  nicht  zu  kühn  sein,  letztere  nicht  für  Copien,  sondern  für 
Originale  zu  halten.  Dann  aber  ist  die  Möglichkeit  nicht  aus- 
geschlossen, dass  die  auf  paläographischem  Wege  gewonnene 
Zeitbestimmung  durch  die  Miniaturen  in  willkommener  Weise 
gestützt  wird.  Wir  dürfen  daher  den  Versuch  Usow's,  auf 
Grund  der  fol.  H^  und  8b  vorkommenden  Kaiserbilder  ein  ganz 
bestimmtes  Datum  für  die  Entstehung  der  Handschrift  zu  ge- 
winnen, nicht  unberücksichtigt  lassen.  Usow  argumentirt  folgen- 
dermassen  (a.  a.  0.  S.  30 f): 

Die  Kaiserbilder  auf  den  Standarten  in  den  beiden  Scenen  vor 
Pilatus  gleichen  einander  in  jeder  Beziehung:  beide  Köpfe  sind 
bartlos;  die  Gewänder  sind  von  gleichem  Schnitt,  die  Kronen  gleich- 
förmig, und  in  der  Grösse  unterscheiden  sie  sich  nur  wenig  von 
einander.  Folglich  können  weder  ein  Kaiser  mit  seiner  Ge- 
mahlin noch  ein  Herrscher  mit  seinem  minderjährigen  Sohne, 
sondern  nur  zwei  gleichzeitig  regierende  Kaiser  dargestellt  sein. 
„Von  den  Zeiten  des  Arkadius  und  Honorius  (395  n.  Chr.),  d.  h. 
von  der  Theilung  des  römischen  Reiches  an,  haben  wir  bis  zum 
10.  Jahrhundert  nur  einen  Fall  gleichzeitiger  Regierung  zweier 
Personen  im  östlichen  Römerreich:  im  April  des  Jahres  527 
nämlich  erwählte  sich  Justin  seinen  44jährigen  Neffen  Justinian, 
mit  dem  Titel  Augustus,  zum  Mitregenten;  aber  im  August  des- 
selben Jahres  starb  Justin  I.     Folglich  haben  beide  Kaiser  vier 


21)  Vgl.  die  Ausführungen  Harnack's,  Ew.  cod.  Gr.  purpur.  Rossan. 
S.  XXVff.,  und  Zucker,  Gott.  gel.  Anz.  1881,  S.  943ft".  Letzterer  kommt 
zu  folgendem,  die  Resultate  Harnack's  bestätigenden  Schluss  (S.  951):  „Bei 
einer  so  nahen  Verwandtschaft  der  Miniaturen  des  Codex  Rossanensis  mit 
jenen  Mosaiken  (in  Ravenna)  dürfen  wir  die  erste  Hälfte  des  VI.  Jahr- 
hunderts mit  Sicherheit  als  Entstehungszeit  desselben  annehmen". 


XXVIII  Codex  Rossanensis. 

Monate  lang  zusammen  regiert."  Die  Wahrscheinlichkeit,  dass 
unsere  Handschrift  innerhalb  dieses  Zeitraumes  entstand,  werde 
aber  dadurch  zur  Gewissheit,  dass  wir  auf  gleichzeitigen  Denk- 
mälern den  Portraits  unseres  Miniaturisten  ähnliche  Darstellungen 
Justin's  I.  und  Justinian  s  I.  fuiden.  Durchmustern  wir  nämlich 
die  hierher  gehörigen  Tafeln  bei  Sabatier,  Description  generale 
des  monnaies  byzantines  (1862),  so  erinnere  namentlich  Taf.  XI, 
No.  25  mit  den  Brustbildern  beider  Kaiser  an  die  Portraits  des 
Codex  Rossanensis.  Und  wenn  es  eine  Anomalie  ist.  dass 
Justin  und  Justinian  Zackenkronen  tragen,  da  die  Krone  nach 
Constantin  durch  den  Nimbus  verdrängt  wurde,  so  liefert  Taf.  X, 
No.  14  bei  Sabatier  das  einzige  Beispiel  einer  Zackenkrone  auf 
dem  Haupte  eines  byzantinischen  Kaisers,  und  dies  ist  Justin  I. 
„Damit  glaube  ich  bewiesen  zu  haben,  dass  die  Miniaturen  des 
Codex  Rossanensis  gemalt  sind  ...  im  Jahre  527,  zwischen  dem 
1.  April  und  dem  1.  August." 

Was  in  diesen  Ausführungen  den  Kenner  der  byzantinischen 
Geschichte  auf  den  ersten  Blick  überraschen  muss.  ist  die  Be- 
hauptung, dass  in  der  Zeit  von  der  Theilung  des  Reichs  bis  zum 
10.  Jahrhundert  im  Ostreich  nur  ein  einziges  Mal  zwei  Kaiser 
zugleich  den  Thron .  innegehabt  haben  sollen.  Aber  dies  ist, 
wie  wir  aus  der  vorausgeschickten  Besprechung  der  Kaiserbilder 
auf  fol.  8^  und  8h  des  Codex  Rossanensis  ersehen,  in  der  That 
gar  nicht  Usow's  Meinung.  Dort  war  nämlich,  wie  man  sich 
erinnert,  ausdrücklich  constatirt,  dass  es  nicht  die  Intention  des 
Künstlers  gewesen  sein  kann,  einen  Kaiser  mit  seinem  minder- 
jährigen Sohne  darzustellen.  Wir  werden  also,  wenn  wir  die 
Richtigkeit  der  Beweisführung  Usow's  prüfen  wollen,  zunächst 
zu  untersuchen  haben,  ob  wirklich  innerhalb  des  Zeitraumes,  in 
welchem  die  Entstehung  des  Codex  Rossanensis  allein  gesucht 
werden  kann,  nämlich  in  der  Zeit  vom  Ende  des  5.  bis  zur  Mitte 
des  7.  Jahrhunderts,  die  Mitkaiser  immer  nur  Minderjährige  ge- 
wesen sind.  Wir  haben  dabei  die  folgenden  Fälle  in  Betracht 
zu  ziehen:"^-) 


22)  Die  folgenden  Daten  sind  namentlich  dem  schon  erwähnten  nu- 
mismatischen Werke  J.  Sabatier 's,  Description  generale  des  monnaies 
byzantines  frappees  sous  les  enipereurs  d'orient.  T.  1.  Paris  1802,  ent- 
nommen. Daneben  wurden  die  bekannten  Geschichtswerke  Eduard  Gib- 
bon's  und  Georg  Weber 's  benutzt. 


» 


Prolegomena.  XXIX 

1)  Am  17.  November  473  ernennt  Leo  I.  (457 — 474)  seinen 
Enkel  Leo  (später  Leo  IL)  zum  Mitkaiser.  Letzterer  war  459 
geboren,  also  bei  seiner  Krönung  erst  15  Jahre  alt,  und  schon 
den  3.  Febr.  474  starb  Leo  L  Dieser  Fall  kann  also  für  Usow 
nicht  in  Betracht  kommen. 

2)  Sechs  Tage  nach  der  Thronbesteigung  Leo  IL,  den  9.  Febr. 
474,  wurde  dessen  Vater  Zeno  zum  Mitkaiser  proclamirt.  Aber 
schon  im  November  desselben  Jahres  starb  Leo  11.,  erst  sechs- 
zehnjährig.    Folglich  kann  auch  dieser  Fall  nicht  mitzählen. 

3)  Im  September  476,  während  der  Regierung  Zeno's,  wirft 
Basiliscus  sich  zum  Kaiser  auf  und  ernennt  seinen  Sohn 
Marcus  zum  Mitkaiser;  jedoch  schon  im  folgenden  Jahre  be- 
mächtigt sich  Zeno  wieder  der  Herrschaft.  Das  Geburtsjahr 
des  Marcus  scheint  nicht  bekannt  zu  sein.  Auf  einer  Münze  aber, 
welche  uns  Vater  und  Sohn  neben  einander  sitzend  zeigt,  ist  er 
als  Kind  dargestellt.'^^) 

Dies  die  in  Betracht  kommenden  Fälle  aus  dem  Ausgange 
des  5.  Jahrhunderts.  Auf  keinen  derselben  können  sich,  nach 
den  von  Usow  geforderten  Prämissen,  die  Kaiserbilder  des  Codex 
Rossanensis  beziehen.     Der  nächste  Fall  ist 

4)  die  gleichzeitige  Regierung  Justin's  I.  und  Justin ian's 
vom  1.  April  bis  zum  1.  August  527,  s.  o.  S.  XXVII  f.  Es 
gilt  aber  auch  die  weiter  folgenden  Fälle  zu  untersuchen,  mit 
Ausschluss  nur  der  Mitregentschaft  der  Theodora,  die  nach  Usow 
nicht  in  Frage  kommen  kann. 

5)  Der  Nachfolger  Justinian's  L,  Justin  IL  (566  —  578), 
krönt  am  26.  September  578  den  Hauptmann  der  Leibwache 
der  Kaiserin,  Tiberius,  zum  Mitkaiser.  Justin  IL  stirbt  den 
14.  November  desselben  Jahres.  Aus  welchem  Grunde  Usow 
diesen  Fall  ignorirt  hat,  ist  nicht  leicht  einzusehen.  Denn  die 
Bedingungen  sind  hier  genau  dieselben  wie  bei  Justin  I.  und 
Justinian,  nur  dass  die  Dauer  der  gemeinschaftlichen  Regierung 
Justin  s  IL  und  Tiber's  eine  noch  kürzere  ist.  Aber  so  gut  wie 
innerhalb  jener  vier  Monate,  könnten  die  Miniaturen  auf  fol.  8 


23)  Diese  Münze,  ein  Unicum,  befindet  sich  im  Besitz  des  Kais.  Münz- 
cabinets  7a\  Wien.  Eine  Abbildung  giebt  Jos.  Khell,  Ad  numismata Im- 
peratorum  Romanorum  aurea  et  argentea  a  Vaillantio  edita  supplementum. 
Vindob.  1767,  p.  29<5. 


XXX  Codex  Rossanensis. 

des  Codex  Rossanensis  recht  wohl  auch  zwischen  dem  26.  Sep- 
tember und  14.  November  578  gemalt  sein.  Zu  Gunsten  Justin's 
und  Justinian's  lässt  sich  nur  die  Zackenkrone  geltend  machen, 
mit  welcher  Justin  einmal  auf  einer  Münze  dargestellt  ist.  Und 
dieses  Zusammentreffen  ist  allerdings  merkwürdig  genug. '^^) 
Wir  werden  ihm  aber  nur  dann  ein  entscheidendes  Gewicht  bei- 
legen dürfen,  wenn  in  der  That  nur  zwischen  den  beiden  ge- 
nannten Daten  die  Wahl  bleibt.  Zuvor  haben  wir  die  noch 
ausstehenden  Fälle  von  Mitregentschaft  in  Erwägung  zu  ziehen. 

6)  Heraclius  I.  krönt  seinen  Sohn  Heraclius-Constantin, 
ein  noch  nicht  jähriges  Kind  (geb.  den  3.  Mai  612),  zum  Mit- 
kaiser, den  22.  Januar  613.  Aber  während  der  Regierung 
seines  Vaters  (610 — 641)  erwächst  das  Kind  zum  Manne.  Auf 
einer  Münze,  welche  uns  Vater  und  Sohn  neben  einander  zeigt 
(Sabatier,  PL  XXVIII,  No.  1),  sind  beide  als  Männer  mit  vollen 
Barten  dargestellt.  Vielleicht  hat  im  Hinblick  auf  den  letzteren 
Umstand  Usow  auch  von  diesem  Falle  keine  Notiz  genommen, 
denn  er  scheint  Gewicht  darauf  zu  legen,  dass  die  Kaiser  in  den 
Miniaturen  des  Codex  Rossanensis  bartlos  dargestellt  sind.  Wenn 
aber  überhaupt,  kämen  Heraclius  I.  und  Heraclius-Constantin  nur 
bis  zum  Jahre  638  in  Betracht,  denn  in  diesem  Jahre  wurde 
Heracleonas  zum  zweiten  Mitkaiser  ernannt. 

7)  Nach  dem  Tode  Heraclius  I.  regieren  Heraclius  H.  und 
sein  Bruder  Heracleonas  zusammen,  vom  12.  März  bis  zum 
23.  Juni  641.  Auf  den  erhaltenen  Münzen  (Sabatier,  PI.  XXXI, 
No.  28 — 31)  sind  beide  bartlos  dargestellt,  und  obgleich  Hera- 
cleonas (geb.  623)  noch  ein  Jüngling  war,  ist  ein  Unterschied  in 
der  Grösse  zwischen  beiden  nur  auf  zwei  Münzen  wahrzunehmen, 
während  beide  auf  zwei  anderen  gleich  gross  erscheinen.   Wenn 


24)  Die  auf  römischen  Münzen  so  häufige  Zackenkrone  scheint  in 
der  That  auf  byzantinischen  Kaisermünzen  sonst  nicht  vorzukommen. 
Das  Zusammentreffen  der  Miniaturen  des  Codex  Rossanensis  mit  jener  ver- 
einzelten Münze  Justin's  kann  aber  auch  ein  zufälliges  sein.  Dass  der 
Künstler  den  üblichen  Nimbus  mit  Rücksicht  auf  die  Gestalt  Christi  ver- 
mied ,  wird  man  begreiflich  finden ,  und  das  Diadem  allein  mochte  ihm 
vielleicht  nicht  genügen.  Eine  Zackenkrone  trägt  z.  B.  auch  einer  der 
h.  drei  Könige  auf  einem  Mosaik  in  S.  ApolHnare  Nuovo  zu  Ravenna, 
welches,  wie  unsere  Handschrift,  aus  dem  G.  Jahrh.  stammt,  vgl.  Ciam- 
pini,  Vetera  Monim.  P.  TT.  Tab.  XXVIL 


Prolegomena.  XXXI 

also  Usow  das  7.  Jahrhundert  noch  in  den  Bereich  seiner  Unter- 
suchung zog  —  und  wir  haben  gesehen,  dass  er  sich  eine  viel 
weitere  Grenze  gesteckt  hat  — ,  so  durfte  er  auch  an  diesem 
Falle  nicht  vorübergehen. 

Wir  haben  also  zu  constatiren,  dass  das  von  Usow  mit  so 
grosser  Bestimmtheit  empfohlene  Datum  auch  unter  Voraus- 
setzung der  Richtigkeit  der  Prämissen,  von  welchen  aus  es  ge- 
wonnen ist,  nicht  für  unanfechtbar  gelten  kann.  Aber  auch 
jene  Prämissen  sind  keineswegs  sicher.  Die  auf  fol  8^  und  8^  je 
dreimal  widerkehrenden  Kaiserpaare  sind  so  klein  und  so  flüchtig 
skizzirt,  dass  von  einer  Aehnlichkeit  mit  den  Darstellungen  auf 
Münzen  überhaupt  nicht  die  Rede  sein  kann.  Man  erkennt  in 
den  von  uns  mitgetheilten  Umrisszeichnungen,  welche  Usow 
allein  zugänglich  waren,  weder  die  Gewänder  noch  die  Gesichts- 
züge so  genau,  um  mit  Sicherheit  entscheiden  zu  können,  dass 
weder  ein  Vater  mit  seinem  Sohne  noch  ein  Kaiser  mit  seiner 
Gemahlin  dargestellt  sein  kann.  Ausgeschlossen  ist  jedenfalls 
letztere  Möglichkeit  nicht.  Ja,  wenn  die  Umrisse  nicht  trügen, 
möchte  man  in  dem  Paare,  welches  am  grössten  und  deutlichsten 
ausgeführt  ist,  nämlich  fol.  8b  unten  am  Tisch,  viel  eher  einen 
Kaiser  (rechts  vom  Beschauer)  und  seine  Gemahlin,  als  zwei 
Männer  erkennen.  Bestätigt  sich  diese  Wahrnehmung,  so  liegt 
es  am  nächsten  an  Justinian  I.  (527 — 566)  und  seine  Gemahlin 
Theodora  (f  548)  zu  denken,  welche  der  Kaiser  'zur  Mitregentin 
zu  gleichen  Rechten  mit  sich  selbst  erhob,  also  dass  die  Statt- 
halter der  Provinzen  den  Eid  der  Treue  auf  den  vereinigten 
Namen  Justinian's  und  Theodorens  ablegen  mussten  .'■^^)  So  ver- 
führerisch aber  diese  Deutung  ist,  so  will  ich  sie  doch  nur  mit 
aller  Reserve  vorgelegt  haben.  Es  wird  von  einer  erneuten 
Untersuchung  der  Originalbilder  im  Codex  Rossanensis  abhängen, 
ob  sie  überhaupt  ernstlich  in  Frage  kommen  kann. '^^) 

25)  Georg  Weber,  Allgemeine  Weltgeschichte.  Band  4,  Leipzig 
1863,  S.  741. 

26)  Die  von  unserem  kurzen  Aufenthalt  inRossano  im  Frühjahr  1879 
mitgebrachten  Aufzeichnungen  reichen  nicht  aus,  diese  Frage  zu  ent- 
scheiden. Die  Zeit  war  uns  so  kurz  zugemessen,  dass  wir  bei  der  Be- 
schreibung der  Miniaturen  nur  auf  das  Wesentlichste  unsere  Aufmerk- 
samkeit richten  konnten;  dass  aber  die  Kaiserbilder  für  die  Datirung  der 
Handschrift  eine  solche  Bedeutung  gewinnen  könnten,  kam  uns  damals 
nicht  in  den  Sinn. 


XXXII  Codex  Rossanensis. 

Eine  Tradition  über  die  Provenienz  der  Handschrift  liat  sich 
in  Rossano  nicht  erhalten.  Es  liegt  aber  nahe,  die  Entstehung 
eines  so  prachtvollen  und  künstlerisch  so  reich  ausgestatteten 
Werkes  in  einer  der  Hauptstädte  des  Reiches  zu  suchen.  Für 
Alexandria  plaidirt  Usov^  (S.  27 if*.).  welchem  sovrohl  die  Land- 
schaft (fol.  4b)  und  die  Flora  als  auch  die  dargestellten  Thiere 
nach  Unteraegypten  zu  weisen  scheinen.-^')  Man  wird  aber  mit 
demselben  Recht  auch  an  Constantinopel  denken  dürfen. ''^-)  Eine 
nähere  Untersuchung  auch  dieser  Frage  mag  der  Zeit  aufbehalten 
bleiben,  wo  die  Miniaturen  des  Codex  Rossanensis  in  treuer  Nach- 
bildung veröffentlicht  sein  werden.  Der  Hoffnung,  dass  diese 
Zeit  kommen  wird,  entsage  ich  auch  jetzt  noch  nicht.  Mochte 
sie  bald  kommen! 


27)  Vgl.  dazu  Zucker,  a.  a.  0.  S.  952:  „Ein  äusseres  Zeugniss,  das 
mit  Bestimmtheit  auf  den  Osten,  hinweist,  darf  man  in  dem  Umstand  er- 
blicken, dass  in  der  Scene  der  Tempeheinigung  ein  Höckerochse  vorkommt, 
der,  soviel  bekannt  ist,  sich  nach  Westen  zu  nicht  über  Kleinasien  hinaus 
verbreitet  hat." 

28)  Dass  der  Codex  aus  Constantinopel  gekommen  sei,  habe  ich 
übrigens,  Ew.  cod.  Gr.  purpur.  Rossan.  S.  VII f.,  nicht  'ohne  weiteres 
angenommen'  (Zucker,  a  a.  0.),  sondern  nur  als  Vermuthung  ausge- 
sprochen. Es  heisst  dort:  'Eine  Tradition  über  die  Provenienz  der  Hand- 
schrift hat  sich  in  Rossano  nicht  erhalten.  Dass  aber  überhaupt  ein  grie- 
chischer Evangeliencodex  hier  gefunden  wurde,  kann  nicht  überraschen. 
Denn  von  Alters  her  war  in  Rossano  der  griechische  Ritus  in  üebung  und 
das  Gnechische  die  Cultussprache.  Erst  im  XV.  Jahrhundert  ward  der 
lateinische  Ritus  eingeführt;  aber  noch  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahr- 
hunderts (ich  kann  jetzt  dafür  setzen:  noch  heute)  wurde  einmal  jährlich 
wenigstens,  am  Palmsonntag,  das  Evangelium  in  griechischer  Spi*ache 
verlesen.  Bis  zum  Untergange  des  oströmischen  Reiches,  zumal  zu  den 
Zeiten  der  Beherrschung  Calabriens  durch  die  byzantinischen  Kaiser  im 
VI.  und  den  folgenden  Jahrhunderten,  wird  es  an  Beziehungen  zur  Haupt- 
stadt des  Reichs,  dem  Sitz  des  Patriarchats,  nicht  gefehlt  haben,  und 
daher  mag,  vielleicht  als  Geschenk  eines  Kaisers  oder  Patriar- 
chen an  die  Kathedralkirche  zu  Rossano,  der  Codex  purpureus 
stammen'. 


I 


m. 

Infolge  der  aiisserordentliclien  Bereicherung,  welche  der 
kritische  Apparat  des  Neuen  Testaments  namentlich  durch  die 
Entdeckungen  Tischendorf's  erfahren  hat,  ist  die  Vorstellung 
von  der  Fülle  alter  griechischer  Uncialhandschriften,  über  welche 
wir  verfügen,  so  sehr  gesteigert  worden,  dass  ein  neuer  Fund 
kaum  mehr  auf  lebhaftes  Interesse  rechnen  kann,  es  sei  denn, 
dass  er  sich  durch  ein  ganz  besonders  hohes  Alterthum  oder 
durch  einen  ungewöhnlich  reinen  Text  auszeichnete.  Vorzüglich 
gilt  dies  von  den  Handschriften  der  Evangelien.  Man  weiss, 
dass  hier  zur  Bezeichnung  der  immer  aufs  neue  auftauchenden 
Uncialcodices  das  lateinische  Alphabet  schon  lange  nicht  mehr 
ausgereicht  hat,  und  dass  bereits  von  Tischendorf  ein  hebräischer 
und  mehrere  griechische  Buchstaben  haben  zu  Hilfe  genommen 
werden  müssen.  Sehen  wir  aber  diese  lange  Reihe  von  üncialen 
darauf  an,  wie  viel  wirklich  alte  Handschriften  sich  darunter 
befinden,  welche  auch  nur  eines  der  vier  Evangelien  vollständig 
enthalten,  so  überzeugen  wir  uns  bald  davon,  dass  es  mit  dem 
vermeintlichen  Reichthum  doch  nicht  so  gar  weit  her  ist. 

Durch  die  unterschiedslose  Bezeichnung  der  Handschriften 
vom  4.  bis  zum  10.  Jahrhundert,  sofern  sie  nur  in  üncialen  ge- 
schrieben sind,  mit  den  grossen  Buchstaben  des  Alphabets,  ist 
der  falsche  Schein  erregt  worden,  als  ob  die  üncialen  aus  dem 
9.  und  10.  Jahrhundert  werthvoller  wären,  als  die  Minuskeln 
aus  derselben  Zeit.  Wir  kennen  aber  Minuskeln  in  nicht  unbe- 
trächtlicher Zahl,  welche  einen  viel  besseren  Text  haben  als 
jene  jüngeren  üncialen.  Nachdem  diese  Art  der  Bezeichnung 
einmal  üblich  geworden  ist,  würde  es  nur  Verwirrung  anrichten, 
wenn  man  sie  beseitigen  wollte.     Man  darf  aber  nicht  vergessen, 

Toxte  und  Untersuchungen  I,  4.  C 


XXXrv  Codex  Rossanensis. 

dass  dies  eben  nur  ein  Missbrau ch  ist,  und  dass  die  Uncialen 
des  9.  und  10.  Jalirliunderts,  mit  nur  sehr  wenigen  Ausnahmen, 
viel  eher  mit  den  Minuskehi  in  eine  Kategorie  gehören  als  mit 
den  alten  Uncialen.  Scheiden  wir  also  die  jüngeren  Uncialco- 
dices,  vom  9.  Jahrhundert  an,  aus,  und  ferner  alle  diejenigen 
älteren  Handschriften,  welche  nur  Fragmente  der  Evangelien 
enthalten,  so  bleiben  uns  nur  fünf  übrig,  welche  den  Text  der 
beiden  Evangelien,  die  uns  hier  allein  interessiren .  vollständig 
oder  doch  nahezu  vollständig  enthalten,  nämlich  der  Codex 
Sinaiticus  (i5),  der  Codex  Vaticanus  (B).  der  Codex  Bezae  Can- 
tabrigiensis  (D),  der  Codex  Basileensis  (E)  und  der  Codex  Pari- 
sinus 62  (L).  Der  Codex  Alexandrinus  (A)  beginnt  bekanntlich 
erst  Mt  25,  6,  und  der  Codex  Ephraemi  (C)  hat  in  allen  vier 
Evangelien  nicht  unerhebliche  Lücken.  FGHKMSUVXrJiJ 
enthalten  zwar  beide  Evangelien  mehr  oder  weniger  vollständig, 
reichen  aber  sämmtlich  nicht  über  das  9.  oder  10.  Jahrhundert 
hinauf;  in  A  fehlen  die  Evangelien  des  Matthaeus  und  Marcus 
ganz,  und  INOPQRTWYZö^  sind  überhaupt  nur  Fragmente, 
von  denen  überdies  nur  etwa  die  Hälfte  den  beiden  ersten  Evan- 
gelien angehört.  Von  den  genannten  fünf  Handschriften  sind 
nur  zwei  (i<  und  B)  älter  als  ^,  eine  (D)  etwa  gleichzeitig,  der 
Rest  erheblich  jünger  (E  und  L,  beide  nach  der  gewöhnlichen 
Annahme  aus  dem  8.  Jahrhundert).  Glanz  vollständig  sind  die 
Evangelien  des  Matthaeus  und  Marcus  nur  in  den  beiden  erst- 
ofenannten  Handschriften  und  in  E  enthalten;  D  hat  im  Matthaeus. 
L  im  Matthaeus  und  Marcus  nicht  unerhebliche  Lücken.  Für 
den  Text  des  Matthaeus  (bis  25,  6)  ist  also  der  Codex  Rossa- 
nensis die  drittälteste  vollständige  Handschrift,  für  den  des 
Marcus  die  viert-  oder  fünftälteste,  je  nachdem  man  D  füi*  älter 
oder  jünger  hält  als  ^.  Damit  ist  freilich  nicht  gesagt,  dass  ^ 
auch  dem  Werthe  nach  die  dritte  oder  vierte  Stelle  einnimmt. 
Er  müsste  einen  sehr  guten  Text  haben,  um  etwa  mit  L  concur- 
riren  zu  können,  und  unter  den  jüngeren  Uncialen  könnte  ilmi 
A  den  Rang  streitig  machen.  Jedenfalls  aber  —  das  kann  man 
nach  dem  bisherigen  mit  Sicherheit  erwarten  —  wii*d  ihm,  wenn 
nicht  in  kritischer,  so  doch  in  textgeschichtlicher  Hinsicht  ein 
nicht  gering  anzuschlagender  Werth  innewohnen. 

Seit  in  dem  Werke  von  Westcott  und  Hort  ein  neuer,  in 
holicm  Grade    beachtenswerther   A  ersuch    vorliegt,    die    vorhaii- 


Prolegomena.  XXXV 

denen  Textesquellen  auf  Grund  ihrer  Genealogie  zu  gruppiren, 
wird  man  sich  bei  der  Charakteristik  einer  Handschrift  an  den 
hier  gegebenen  Nachweisungen  zu  orientiren  haben.  Wenn  wir  es 
aber  auch  acceptiren,  dass  die  bei  weitem  grösste  Mehrzahl  der 
griechischen  Handschriften  den  Text  wesentlich  in  einer  Gestalt 
enthält,  welche  er  durch  eine  Recension  auf  syrischem  Boden 
empfangen  hat,  und  dass  sie  sich  nur  dadurch  von  einander 
unterscheiden,  dass  die  einen  diesen  Text  mehr,  die  anderen 
weniger  mit  vor-syrischen,  abendländischen  ('western')  oder  alexan- 
drinischen  Elementen  vermischt  darbieten,  ^)  so  ist  damit  zwar 
ihr  Grundcharakter  mit  hinreichender  Deutlichkeit,  nicht  aber 
ihre  besondere  Eigenart  bezeichnet.  Wir  werden  es  daher,  wenn 
wir  dem  Codex  Rossanensis  seine  Stelle  innerhalb  der  übrigen 
Urkunden  des  evangelischen  Textes  anweisen  wollen,  nicht  um- 
gehen können,  1)  die  ihm  eigenthümlichen  Lesarten  auf  ihren 
Charakter  und  Werth  hin  uns  anzusehen,  2)  diejenigen  Hand- 
schriften zu  ermitteln,  zu  welchen  er  etwa  in  einem  besonders 
nahen  Verwandtschaftsverhältniss  steht,  und  3)  festzustellen,  ob 
und  in  welchem  Masse  er,  ungeachtet  der  Textesmischung,  welche 
wir  an  ihm  wahrnehmen,  als  Träger  alter  und  guter  Ueberliefe- 
rung  angesehen  werden  kann.  Denn  dass  er  in  der  That  einen 
stark  gemischten  Text  enthält,  das  brauchen  wir  nicht  erst  zu 
erweisen.  Es  genügt,  einen  beliebigen  Abschnitt  an  der  Hand 
einer  der  neueren  kritischen  Ausgaben  durchzugehen,  um  sich 
davon  zu  überzeugen.  Es  ist  dies  aber  eine  Eigenschaft,  welche 
der  Codex  Rossanensis,  wie  bemerkt,  mit  den  meisten  griechischen 
Handschriften  theilt.  Ihn  darum  für  werthlos  zu  halten,  wäre 
vorschnell  geurtheilt. 

Bevor  wir  auf  den  Text  selbst  näher  eingehen,  mögen  hier 
einige  Bemerkungen  über  die  äussere  Gestalt  desselben  Platz 
finden.  Der  Codex  Rossanensis  zeigt  darin  im  wesentlichen 
dieselben  Eigenthümlichkeiten,  welche  wir  an  den  ältesten  Bibel- 
handschriften wahrnehmen.  Man  findet  Formen  wie  rj^d-are 
(Mt  25,  36),  s§7]Z^aTs  (Mt  26,  55.  Mc  14,  48)  sZd^arm  (Mt  6,  10. 
10,  13),  JiaQEXd^arco  (Mt  26,  39),  uösXd^ars  (Mt  7,  13),  e^eXd'aTS 


1)  Vgl.  The  New  Testament  in  the  original  Greek.  The  text  revised 
by  Brooke  Foss  Westcott  and  Fenton  John  Anthony  Hort.  Introduction. 
Appendix.     Cambridge  and  London  1881,  p.  151  8s. 


.-* 


XXXVI  Codex  Rossanensis. 

(Mt  25,  6),  LÖav  (Mt  13,  17),  tdafisv  (Mt  25,  38.  39.  44.  Mc  2,  12. 
9,  38),    sxßalars  (Mt  22,   13.  25,    30),   ysvafievoö    (Mc    9,   33), 
£yM^£QiO^?]  (Mt  8,  3.  Mc  1,  42),  rjV£coyß?]öav  (Mt  9,  30),  xexa- 
TrjQCcfisvoL  (Mt  25,  41,  nur  2\  auch  xQiyav  (Mt  5,  36),  vvxrav 
(Mc  4,  27),   fiayacQ?]    (Mt  26,   52);    durchgängig   ist   Xriu^Ofiac 
u.   s.   w.  geschrieben,  desgleichen  reOöSQaxovTa,  Mt  1,  17  sogar 
an  erster   Stelle  '  ösxarsoosQSö.     Der  Itacismus   tritt   namentlich 
hervor  in  der  Yertauschung  von  sl  und  t,  und  zwar  ist  häufiger 
i  für  £L  gesetzt  als  si  für  i;  ferner  werden  nicht  selten  ai  und  £, 
L  und  7^2),  £i  und  rj  mit  einander  vertauscht,  zuweilen  auch   m 
und  oi;  ^),  o  und  o?  "*).     Auch  Bildungen  wie  aXcojtrjxsö  (Mt  8,  20), 
dsÖTjfisvov  (Mc  11,  2),  vjto6£67]fi£Pov6  (Mc  6,  9),  cpQovtfiac  (Mt  25, 
2.   9),  JtaQd^evai  (Mt    25,    11)  wird  man  nicht   einfach  zu    den 
Schreibfehlern   rechnen  dürfen.     Die  Assimilirung  des  v  unter- 
bleibt oft;  doch  finden  sich  Verbindungen  wie  sfifxsöoj  (Mt  10,  16), 
£fijiaQaßoXai6  (Mt  13,  10.  13),  eyyaöTQL  (Mt  24,   19),   sfKpvZax?] 
(Mt  25,  43);  vgl.    auch   ayytöTQov   (Mt    17,    27),    syyafit^ovrso 
(Mt  24,  38).     Abgesehen   von   dergleichen   grammatischen   und 
orthographischen  Eigenthümlichkeiten,   ist  die  Zahl  der  eigent- 
lichen  Schreibfehler    eine   verhältnissmässig    geringe.     Zu   den 
auffallendsten,  die  dennoch  nicht  verbessert  worden  sind,  gehören 
die   folgenden:   Mt   1,  5    griy^ß,   1,   15  eyevrpsv,   1,   19   o  avijQ 
avtrjö  bis,  5,  18  jtQO(prj,  9,  13  ovöiav  st.  ov  ^vöiav^  12,45  Jirsv- 
fiara  ra,  13,  54  exjtXrjöeöd^ai,  14,  20  jtsQioevov,  18,  6  d^aZaörjo, 
18,  9  ocpd-aZftoö  st.  o  o(p^aZfio6,  22,  10  sxivovö  st.   sxsivot  sio 
raö  oöovo,  23,  3  SQyaya,   24,   31    (rovo  sxXsxrovd)  avrcov  st. 
avTOVj  25,  38  ös  ös  st.  ös  os,  27,  38  f§  st.  sx,  Mc  4,  10  stjqcü- 
T7]0aVy  5,  13  xQSfivov,  6,  20  r^Qmörje,  6,  31  eQyofisvoi  st.   ot  e()- 
;^o,w.,  6,  36  eavTovO  st.  eavroio,  9,  29  s^sUd^etv,  12,  1  Auslassmig 


2)  Ein  merkwürdiges  Beispiel  hierfür  ist  das  ??;  Mt  26,  24,  mit  einem 
accentartigen  Strichelchen  über  dem  t].  Für  die  sonst  so  häufige  Ver- 
wechselung von  7]  und  i;  findet  sich  nur  ein  Beispiel  [vfiiv  Mt  25,  8),  des- 
gleichen für  die  Vertauschung  von  l  und  v  {rnxvav  Mc  6,  23). 

3)  Vgl.  z.  B.  Mt  10,  17  nagaöiaacüöLV,  Mc  4,  36  TtaQaXafzßavwaiv: 
Mc  7,  17.  9,  11.  28  8TCTjQ(OTovv,  9,  34  eoiojTtovv. 

4)  Vgl.  z.  B.  Mt  27,  64  x^f()OV,  Mc  1,  20  fiia&orcov,  5,  5  xaTaxoTtrov, 
7,  10  xaxoloyov,  10,  30  Öicoy/nov,  11,4  ttoAo)-;  Mt.  22,  46  r/rfriarw,  24,38 
7r^a>,  26,  13  Toi;rcy,  Mc  7,  30  e^eXrjXv&coa. 


Prolegomena.  XXXVII 

von  xat  coxo6of/fj08V  jtvQyov,  12,  4  {jtQoo)  avxov  st.  avzovo, 
12,  28  övvC^TjTOVTwv,  12,  29  etö  bis,  13,  4  (leXti,  13,  5  [irjöuö 
st.  [i7j  Tiö,  14,  36  ov  ro  st.  ot>  r^  oder  ov/  o,  14,  59  i609].  Da- 
zu mögen  noch  einige  Auslassungen  zu  rechnen  sein,  die  weiter 
unten  im  Zusammenhange  der  U  eigenthümlichen  Lesarten  niit- 
getheilt  sind. 

Die  Zahl  der  Lesarten,  welche  sonst  in  keiner  griechischen 
Handschrift  nachgewiesen  sind,  ist  im  Codex  Rossanensis  eine 
verhältnissmässig  grosse:  ein  Umstand,  welcher  im  Hinblick  auf 
die  bekannte  Vielgestaltigkeit  der  evangelischen  Ueberlieferung 
nicht  eben  geeignet  ist,  ein  günstiges  Vorurtheil  für  den  Werth 
derselben  zu  erregen.  Denn  dass  eine  Handschrift  des  6.  Jahr- 
hunderts uns  noch  neue  werthvolle  Lesarten  bringen  sollte,  ist 
nach  den  bisherigen  Erfahrungen  kaum  zu  erwarten.  Und  in 
der  That  zeigen  uns  gerade  diese  eigenthümlichen  Lesarten 
den  Codex  Rossanensis  von  seiner  schwächsten  Seite.  Ein 
grosser  Theil  derselben  erklärt  sich  nämlich  aus  der  Eintragung 
des  Wortlauts  des  einen  Evangeliums  in  den  Text  der  entsprech- 
enden Stelle  des  andern.  Li  dem  folgenden  Verzeichniss,  welches 
übrigens  auf  Vollständigkeit  keinen  Anspruch  macht,  sind  die 
betreffenden  Parallelstellen  beigefügt^). 

Mt    7,     5  ro  xaQ(poö  ro  tv  roj  oq)0'aZfi(D    rov   aöeZcpov 
öov:  Lc  6,  42. 

„      7,  11  vjtaQxovreö:  Lc  11,  13. 

„      8,  10  axovöao  ös  ravra:  Lc  7,  9. 

„      8,  31  stöeXd^siv  st.  ajield-Hv:  vgl.  Mc  5,  12.  Lc  8,  32. 

„    10,    7  rjyYixev  8(p  vfiao:  Lc  10,  9. 


5)  Bei  einer  Vergleichung  der  Versionen,  namentlich  der  syrischen 
und  der  alten  lateinischen,  wird  man  vielleicht  mehreren  dieser  Lesarten 
wieder  begegnen.  Die  wenigen  von  mir  beigefügten  Belege  aus  Itala- 
handschriften  entstammen  nur  gelegenthcben  Notizen.  Auf  eine  syste- 
matische Durchforschung  des  zerstreuten  Materials  musste  ich  verzichten. 
Die  im  folgenden  gebrauchten  Abkürzungen  setze  ich  als  bekannt  voraus. 
Mit  <P  bezeichne  ich  den  Archetypus  der  Gruppe  13-69-124-346;  mit  81.  (wie 
Westcott  und  Hort)  die  von  Tischendorf  2?«  genannte  Handschrift;  minP° 
bedeutet  minusculi  pauci,  W-H  die  Ausgabe  von  Westcott  und  Hort.  Zwei 
Punkte  nach  1.  33,  u.  s.  w.  deuten  an,  dass  andere,  aber  nur  wenige 
Minuskeln  übergangen  worden  sind. 


xxxvni 


Codex  Rossanensis. 


Mt  10,  11  E^sX&rixt  Exud^ev.    Mc  6,    10    (vgl.    Lc    9,    4); 

ebenso  c  (Colb.)  donec  exeatis  inde 
„    12,  35  jtQO(p£Qsi:   Lc   6,   45;    auch   Lcf  hat   an   erster 

Stelle  emittlty  an  zweiter  profert 
„    12,  48  {xat)  OL  adeX(poL  fiov,  ohne  rivsö  scöiv:  Mc  3,  33; 
ebenso  bcg^* 
13,     2  sfißavra  sio  jtXoiov.  Mc  4,  1;  ebenso  ff^- 

13,  34  x(DQL6  ÖE\  Mc  4,  34. 

14,  13  ajto  jtaöcov  tcov  JtoXewv:  Mc  6,  33. 
16,     3  Jtoö  {ov  dvvaöd-s  doxiftaC^etv):  Lc  12,  56. 
16,  10  Tovö  ejira  blö  tovö  rsTQaxiöxei'ltovö:  Mc  8,  20. 
19,     4  sjtotr/Oev  avrovö  o  d^eoö:  Mc  10,  6. 
21,  13  ysyQajcxai  ozr.  Mc  11,  17. 

21,  38  JiQOö  savTOvö:  Mc  12,  7  (vgl.  Lc  20,  14). 

22,  28  orav  apaörcoöiv:  Mc  12,  23. 
24,  18  oiioiojö  [iTj:  Lc  17,  31. 
24,  40.  41   tiö  jiaQaXrjiig)0-ri6STai  ocm  o  ereQoo  a<p8&7]- 

öETat  u.  liLa  jcaQaXfjfigj^rjOETat  xac  (iia  aq)td-r]- 
öszar.  Lc  17,  [36.]  35. 
26,  56  a(pevTBö  avrov  ajiavrsö  sg)vyov:  vgl.  Mc  14,  50. 

26,  73  eleyov  st.  sijtov:  Mc  14,  70. 

27,  35  ßaXXovTeö  TcXrjQov  sjt  avza:  Mc  15,  24. 
27,  57  jtoXswö  TCOV  Lovöaicov.  Lc  23,  51. 

Mc    2,    5  eLjiBv:  Mt  9,  2.  Lc  5,  20. 
2,  10  TOT£  XByer.  Mt  9,  6. 

4,  26  Tov  öJtoQ07'  avrov:  vgl.  Lc  8,  5. 

5,  22  jiaQa  rovö  Jtoöaö:  Lc  8,  41. 

6,  35  jtQOörjXdov  .  .  .  XsyovTSö:  Mt  14, 15;  ebenso  itP^vg 
6,  47  oipeiaö  6s  ysvofisvrjo:  Mt  14,  23. 
6,  50  fisT  avTcov  o  ltjöovö:  vgl.  Mt  14,  27. 
8,  29  öifiwv  jcsTQOö  eijrsv:  Mt  16,  16. 

11,     1  ro  xaXovfievov  eXatcov:  Lc  19,  29. 

11,  32  BiovöLV.  Mt  21,  26. 

12,  37  SL  ovv:  Mt  22,  45;  ebenso  b 

13,  3  em  ro  oqoö:  vgl.  Mt  24,  3. 
13,     8  Xifwi  xat  Xoifioi:  Lc  21,  11;  ebenso  arm 

13,  27  xaL  ajroöTBXXsL  ohne  tote:  Mt  24,  31. 

14,  1  ro  Jtmö:  Lc  22,  2. 
14,     3  avaxEfiarov:  Mt  26,  7  (vgl.  lo  12,  2). 


Prolegomena.  XXXIX 

Mc  14,  19  tyco  uy.i  bis  (an  erster  Stelle   ciucli   (A)<?  2S..)^ 

vgl.  Mt  26,  22. 
„    14,  20  efißatpaö:  Mt  26,  23. 
„    15,  38  xai  cöov:  Mt  27,  51. 
.,    15,  47  7jv  ös:  Mt  27,  61. 
In  allen   diesen  Fällen  ist  der  Einüuss   der  Parallelstellen 
unverkennbar,  sei  es  dass  absichtlich  oder  dass  unwillkürlich  ge- 
ändert w^urde.     In  dem  folgenden  Verzeichniss  stellen  wir  solche 
^   eigenthümliche   Lesarten    zusammen,    für    deren   Entstehung 
eine  andere   Erklärung    gesucht    werden    muss.      Uebergangen 
wurden,   abgesehen   von    lediglich   graphischen   Eigenthümlich- 
keiten,   auch  solche  Varianten,    die    nur   in    veränderter  Wort- 
stellung bestehen  ^'). 

Mt    8,     9  JtoQsvov  st.  jtoQev^fjTc:  Lc  7,  8  haben  DX  209. 

jtogevov 

„      8,  23  efißacvoPTOö  avzov  st.  efißavrc  avzm:  vgl.  v.  28, 

wo   die  meisten  Hss.  £l{}^ovTt  avroj,   i^^BC  und 

einige  gute  Minuskeln   eld^ovroö  avrov  haben. 

•  „      8,  28  ÖLEld^Eiv  st.    JiaQeXd^etv'.    ersteres    der   häufigere 

Ausdruck,  vgl.  Mt  12,  43.  Lc  4,  30.  11,  24  u.  s. 

„      9,  18  Tr]v  yuQa   ohne    öov:    erklärt   sich   schwerlich 

aus  Mc  5,  23  {taö  ;^£^()«(;  ohne  öov). 
„    10,     5  jiaQayyetXaö  ohne   avxotij:   vielleicht   Versehen 

des  Abschreibers. 
„     13,  27  TCO  oixoösöjtoTT]  st.  Tov  ocxodeojtorov:  dieselbe 
Lesart    setzt   h    (Ciarom.)    voraus:    ^Accessenint 
autem  servi  ad  patretn  farailias^. 
„    14,     5  ejtuöf}  (B*£jr£i):  vgl.  21,  46. 
„    14,  12  av^yyuXav  st.  ajiiqyyuXav',   variirt  auch  sonst, 

vgl.  Mc  5,  14.  19. 
„    14,  23  xov  oxXov  st.  rov6  oxXovö:  vgl.  die  Varianten 
zu  Mt   15,  31   u.  s.     Es  ist   aber  zu  beachten, 


6)  Vgl.  Mt  13,  39  awreXeia  eöxlv  tov  cclojvoo,  15,  22  fSeXS-ovacc  ano 
xojv  OQLWV  sxeivojv,  17,  4  fxcav  aoi  (vgl.  Lc  9,  33),  19,  23  eia  tjjv  ßaöLl. 
xvjv  ovficcv.  eiüe?.tv08Tai  (die  Wortfolge  schwankt  auch  Lc  18,  24),  21,  38 
avxov  X7]v  xlriQOvotJLiav ,  22,  42  xlvoo  taxiv  vloo,  Mc  2,  6  ixei  xiveo  xüjv 
yQafXfxaxtiov,  2,  12  löafiev  ovxoja,  6,  25  iva  öioo  ßoi  eSavxrja,  14,  9  eio  firtj- 
[jLOOvvov  avxria  la'AtjS-TjafrXcu 


XL 


Codex  Rossanensis. 

dass  itP^  (exe  d  e)  vg  ebenfalls  v.  23  den  Sing., 
V.  22  (mit  dem  griechischen  Texte)  den  Plur. 
hahen. 
Mt  15,  31  x(X)(pov6  axovovraö  xai  XaXovvraö:  Verschmelz- 
img zweier  Lesarten:  B  min^  syr?  ™8  aeth  haben 
xm(povö  axovovraö ,  die  Mehrzahl  xa)(povO  Xa- 
Zovvraö 
„  16,  4  xat  ajtoxQid^Hö  o  irjöovö  sijtev:  verräth  etwa 
dieser,  von  Tischend,  übergangene,  von  Scholz  in 
der  Fassung  xat  ajtoxQid-siö  ujiev  avroiö  mit 
vier  Minuskeln  (25.  32.  240.  244.)  und  der  äthi- 
opischen Version  belegte  Zusatz  ein  Bewusst- 
sem  von  der  Fremdartigkeit  der  Worte  o'ipiaö  — 
ov  öwaad-a  (öoxifiaC^siv)  v.  2  s.  ? 

„    18,  16  axovö7]  (jov:  LJ  33..  (verss^^)  öov  axovörj 

„    18,  17  xaraipQOVTjOei:  vgl.  1  Cor  11,  22. 

„    18,  31  ajtavra  st.  jiavra:  vgl.  28,  11. 

„  19,  28  jcaXivEvyevsöia:  diese  Form  scheint  sonst  nicht 
vorzukommen. 

„  —  —  d^Qovcov  st.  d^Qovovö:  so  auch  Did  u.  Bas,  vgl. 
übrigens  die  Varianten  zu  Lc  22,  30. 

„  21,  21  ßX7]d^7]Tt  £v  TT]  d-aXaOö?]:  Mc  11,  23  notirt  Scholz: 
ev  rf]  d-aX.  435. 

„    22,  10  ejiXriQojd-i]  st.  EjtXrjöd-rj:  wohl  Versehen. 

„    23.  30  Tjfisv  xotvcovoc  ohne  avrcov:  wohl  Versehen. 

„  23,  37  ajtoxteivaoa  st.  ajtoxrstvovöa:  Origenes  und 
Theodoret,  welche  die  Stelle  öfter  citiren,  haben 
zweimal  resp.  einmal  ajtoxxecvaöa 

„    25,    4  eXaßov  fis^  eavrcov:  vgl.  v.  3. 

„  25,  6  s^sXd^ars  st.  s^eQXSod^e:  vgl.  das  geläufige  etOeX- 
d-aze  Mt  7,  13. 

„    25,  21  ejCL  oXiyoiö:  v.  23  auch  2  bjil  oXiya 

„    25,  30  exßaXare:  Mt  22,  13  hat  J  diese  Form. 

„    25,  41  xexaTTjQafievot 

„    26,  70  o  Xsyetö  st.  tl  Xsyeiö 

„    27,  16  re  st.  öe:  vgl.  2  Mc  12,  25. 

„  27,  53  ajto  st.  sx:  variirt  auch  Mc  1,  26;  vgl.  übrigens 
Mt  12,  43.  13,  1.  15,  22  u.  s. 

„    27,  58  fin,  To  oofia  rov  ii]6ov:  so  auch  syrP™«^  slav 


Prolegomena.  XLI 

Mt  28,  11  si(j£l&ovT£(j  st.   sX^ovTsö:    im  N.  T.  in  dieser 

Verbindung  der  häufigere  Ausdruck;   vgl.  auch 

9,  28  (mit  i^*),  umgekehrt  Mc  9,  28  (mit  N). 
Mc    1,  37  eijiov  st.  Zsyovöiv:  so  auch  it^  vg  (dixerunt)  und 

andere  Versionen. 
„      2,  16  oi  ÖS  YQafifiaTetö:  so  a  c  ff^'^-  g^- 
„      3,     7  sjti  ri]v  d^aXaööav:  die  Hss.  schwanken  zwischen 

SLö,  jtQ06,  JcaQa. 
„      3,  33  avroiö  o  ir]6ovö:  vielleicht  Dittographie  {avxoiö 

o  Tö);  aber  so  auch  eine  Italahandschrift  CS.  Mart. 

Turon.). 
„      4,     1  rjQ^aro  öe  st.  Tcai  jtaXiv  rjQ^aro 
„      4,  20  xaQjtov  cpSQOVöLV  st.  xaQjto^OQOVöiv:    der  Aus- 
druck  ist    den    Synoptikern    fremd,    vgl.    aber 

lo  12,  24.  15,  2.  4.  5.  8.  16. 
„      5,  22  TOP  Lfjöovv  st.  avrov:  so  auch  c 
„      5,  26  jtoXXa  ohne  xai:  so  auch  q 
„      5,  31  xai  XeyovöLv  xxh  D  81.  it'^*^*^  ot  6e  fiad-.  avrov 

ksyovöcv  avTco 
„      5,  33  ro  yeyovoö  sjt  avT7]\  vgl.  v.  14. 
„      5,  35  TL  öxvXXsLö  ohne  arr.  vielleicht  Versehen. 
„      6,  25  ELöeXd^ovöa  6s  st.  xat  stösXO^ovoa 
„      8,  34  övvxaXsöafzsvoö  st.   jtQoöxaXsöafi.:    der   letztere 

Ausdruck  ist  in  den  Evangelien  der  häufigere. 
„    10,  36  o  ÖS  LTjöovö:  so  auch  f;    Mt  20,  21  hat  L  den 

Zusatz,  2  nicht. 
„    11,     1  rjyyiC^ov  ^t.  syyiC^ovöLV'.J)  7]YyiC,sv,  ^ndiQXQ  riyyiösv 
„    12,  14  öovvat  ohne  rj  ov:  so  auch  k  q 
„    12,  15  scöaxj  ÖS  st.  o  ös  siöcoö 
„    12,  25  ovös  ..  ovös  st.  ovrs  ..  ovts\  T)  ov  ..  ovös 
„    13,  13  öcod-Tjöstac  ohne  ovtoö:  vielleicht  Versehen. 
„    13,  19  om  scoö  Tov  vvv:  vielleicht  Versehen. 
„    13,  32  T]  coQaö  sxsiVTjö'.  sxsivfjö  aus  dem  vorigen  Gliede 

wiederholt. 
„    13,  33  ßZsjtSTs  ös:  andere  Hss.  fügen  ös  xat,  D  it^  ovv 

hinzu. 
„    15,  41  öiTjxovovv  ohne  avrco:  vielleicht  Versehen. 
Zur  Vervollständigung  des  Bildes  müssen  wir  diesem  Ver- 
zeichniss  auch  solche  Lesarten  hinzufügen,  mit  denen  2J  zwar 


XLIl 


Codex  Rossanensis. 


niclit  allein  steht,  die  aber  bisher  nur  in  einer  einzigen  oder  in 
wenigen  Handschriften  nachgewiesen  worden  sind.  Bei  einer 
Musterung  derartiger  Fälle  zeigt  es  sich,  dass  ^  gelegentlich 
zwar  mit  den  meisten  Uncialen  und  verschiedenen  Minuskeln 
übereinstimmt,  häufiger  aber,  wenn  wir  von  der  Vergieichung 
mit  dem  Patmischen  Purpurcodex  (N)  hier  noch  absehen,  nur 
mit  den  Uncialen  (i<)CD  J0(LMUX)  und  den  Minuskeln  1.  28.  33. 
81.  157.  Da  aber  auch  diese  Lesarten  meist  den  Charakter  des 
recensirten  Textes  tragen,  und  da  ferner  das  Zusammentreffen 
in  derartigen  Lesarten  überall  doch  nur  ein  mehr  oder  weniger 
sporadisches  ist,  während  im  Vergleich  damit  die  Abweichungen 
sich  als  bei  weitem  überwiegend  erweisen,  so  wird  man  hieraus 
auf  ein  näheres  Verwandtschaftsverhältniss  nicht  schliessen 
dürfen. 

40  To  ifiaTLOv  öov:  i5  33..  cop  arm  aeth 

28  eiösld-ovri  st.  eXd^ovrr.  i<* 

25  8jt8xaXeöavTo:  X*  4.  59. 

20  ojtov  st.  ov:  ^^  Or  Eus  al. 

45  xaraörrjoer.  i^M  cop  Chr^"' :;  Lc  12,  42. 

10  a6sXg)ocO  olme  fiov:  i^* 

19  exsi^sv  st.  ohyov:  i^*  ::  Mt  4,  21. 
2  d-SQajtevst:  i^/l  271. ::  vgl.  Lc  6,  7. 

22  atrrjöai  (^-öe):  X  54^^ 

37  Jtmö  st.  :jto^sv:    i5*M*^   1.  28.  33.  81..  b   sah 
arm  aeth  ::  Mt  22,  45.  Lc  20,  44. 

72  (pmvrjöai  ohne  öcö:  i^C*"^//  251.  c  ff^.  gi.  \  q  .^^.{\^ 
6  £VT£vd^8V  7iaxm\  C*  sah  cop  syi'P™^  ::  Lc  4,  9. 

10  xoiö  axoZov^ovöiv  avTco:    C    13.  28.  33..  it  vjj 
syrr  al ::  vgL  Lc  7,  9. 

13  ajco  XTjO  mgaö  exsivrjo:    Cz/  33..  it^^  sah  ::  vgl. 

Mt  9,  22.  15,  28.  17,  18. 
36  Tova  ox^ovo  o  trpovö:  CM  21.  ::  vgl.  Mc  6,  34. 
52  o  de  cTjöovö:  CU  157.  syrP'"^' 
15  £10  xao  xvxXco  xcofiaö:    C*33..  syrP'^^et'^' arm  :: 

Lc  9,  12  (vgl.  Mc  6,  30). 

11  MQoö£X£tv'  jrQ0ö£y8T£  08'.  C**  33.  346.. 
8  0VX8TL  ovÖ8va:  C*  ::  Mc  9,  8. 

30  Jtav   TO  og)£iXo/i£Vov    (^  o(piXo[i.)\    C  124..  g^- 
toi  Dam 


>^- 

Mt    5 

,,      9 

„    10. 

„    18 

„    24 

„    28, 

Mc    1, 

„      3. 

1^      6, 

„    12, 

„    14, 

C: 

Mt    4, 

«      8, 

■8 

9 
13 
14 

16 
17 

18 


' 


Prolegomena.  XLIII 

Mt  19,  30  xat  OL  söxccrot:    CM<?  22..::  vgl.  die  Varianten 

zu  Mc  10,  31. 
„    21,  41  ETCöcoöet'.  C  Cyr  ::  vgl.  Mc  12,  9.  Lc  20,  16  öoooet 
„    24,     9  om  xcov  ed^vcov.  C  1..  (syrP  habet  c.*)  ::  Mc  13,13. 

Lc  21,  17. 
„    26,  53  öoxei  öoi:  C*^^^  1..  syrP^°&  Or 
„    26,  73  yaliXatoö  et  xai:  C*  syr?  c*  ::  Mc  14,  70. 

Mc  1,  22  yQannaxuö  avrwv:  CMz/   33..   it'^  syr*^*'  aeth  :: 

Mt  7,  29. 

„  1,  38  yaQ  xar.  C 

„  1,  40  xvQis  st.  Ott:  CL  it''*^'^  cop^^  et'^«^  arm  aeth 

„  2,  22  firjys  st.  firj:  CLM^  ::  Mt  9,  17.  Lc  5,  37. 

„  4,     8  £JtL  rrjv  yrjv.  C  1.  28..  syr^*^' ::  Mt  13,  8. 

„  6,  16  rjyBQd-rj  ajto  zcov  vsxqcov:  C  minP^  Or  ::  Mt  14,  2. 

D:  Mt  13,  31  elalrjösv  st.   xaQsd^rjxev.  DL*^    1.  itP^    syr«'^  :: 
vgl.  V.  33. 
„    14,  14  oxXov  jiolvv:  D  33.  435. 
„    16,  21  avaörrjvar.  D  157..  ::  Mc  8,  31.  Lc  9,  22. 
„    23,  15  Lva  :jzoi7]6sts:  J)  tva  jtoirjörjTac,  it  Yg  ut  faciafis 
„    25,     1  xaL  TTjö  vvfig)r/a:   DX*  1*  124*  209..  it  vg  arm 

„    27,  40  ova:  DMzl  it«*!^  vgpi  syrP  et^''  arm  ::  Mc  15,  29. 

Mc  2,  24  JtoiovöLv  Ol  fiad^rjzac  aov:  DM^  1.  28..  it  syr*^'" 

aeth  go  ::  vgl.  Mt  12,  2. 

„  2,  26  fier  avrov:  D  min?« ::  vgl.  Mt  12,  3.  Lc  6,  3. 
„      5,  21  JCQOö  avTov:  D^  28.  81.  90. 

„  5,  28  6V  Eavrri:  DKU  1.  33.  81..  it^^^^  arm  ::  Mt  9,  21. 

„  7,  34  aveöreva^ev:  DW^fp  ::  vgl.  8,  12. 

„  8,  10  siö  ra  oQta:  Ds'^  c  f  arm^^« ::  Mt  15,  39. 

„  12,  43  rj  ütrwyj]  avrr]:  D  81.. ::  Lc  21,  3. 

„  14,  17  oxpiao  {U  oxpstaö)  (Je:D  itP^  vg  sah^«^^^  ::  Mt26,  20. 

„  14,  35  sjtsosv  ejti  jiqoöcqjiov:  DG^  l..itp'  arm 

„  14,  43  om  svO^vö:  D^  1.  81.  it  vg  syr^^^  arm  ::  Mt  26,  47. 

A:  Mt  13,  56  JiaQ  rjfiiv:  A  Chr 
„    15,  13  8iJi8v  avToiö:  A  122. 
„    22,     8  SToifioo  ohne  sörcv:  A  Or  Chr  Dam 
„    22,  15  övf/ß.  eXaßov  xar  avrov:  Q'^A  1.  33.,  cop  arm: 
vgl.  Mt  12,  14. 


XLIV 


Codex  Rossanensis. 


38  t}  JtQmxt)  xai  //£/.  J6^  Bas 

27  övv  TCO  Toxm:  A 

21  (irjYE  st.  [xrj  Kz//7*  28.  33.  346..  ::  vgl.  Lc  5,  36. 

23  £0)6  rjiiiöv  {U  7]fiv6v):  LJ 

33  JtQo67]ld^ov  avTocö:   A  {üZQoörjld^ov  auch   L   13- 

1  öoXm  ohne  ev:  A^  1.  28.. 

18  x,ai  Tcov  jtQoq)7]Tmv\    ^  61.  arm  syr^"^  Ir^"* 
27  [lEyaXrj  otpoÖQa:  0  33..  syr^*  arm 
37  xat  £v  oXr]  rrj  töyvi  [^ löxvet)  öov:  &^<P  68.  syr^'^^ 

et^'  cop"^^  aeth::\gl.  Mc  12,  30.  Lc  10,  27. 
13  e^rjXd-sv  o  i?]6ovö:  ^  ff^- 

21  i^Jto  TTjv  xXtvrjv  xed-rj:    ^  81. 
27  Eiö  Tov  oxXov:   <P  28. 

2  a{i7]v  Xeyo:t  öor.  (j*P  28.  81..  (CD  itP^  arm  a^riv 
Xeym  vfuv)  ::  vgl.  Mt  24,  2. 

19  ovo  ov  [it]:   FG^  1.  81.  157..  ::  Mt  24,  21. 

24  rmv  r]fi8Qcov  sxsivcov:    ^  11..  ::Mt  24,  29. 

34  möjt£Q  yaQ\   ^  1.  28..  ::  Mt  25,  14. 
13  uösXd-ovTcav  vficov  etö  xrjv  jioXtv.    ^  28.  81.. 

arm  Or^"* ::  Lc  22,  10. 

22  xai  £vXoy7]öaö:  <P  157..  verssP^ 
24  6i£(i£Qi^ovro:   ^  259.. 

Die  Minuskeln  1.  28.  33.  81.  157.  begegneten  uns  wiederholt 
in  der  Gesellschaft  von  CDJ<?;  wir  werden  sie  weiter  unten,  bei 
der  Vergleichung  mit  N,  noch  öfter  antreffen.  Hier  seien  nur 
noch  folgende  seltenere  Lesarten  erwähnt,  die  ^  mit  1.  33.  und 
157.  gemein  hat: 

1:  Mt  24,  48  £QX£6^ar.  1.  157.  209. 
„    26,  17  X£yovT£ö  reo  i?]öov:  1. 

33:  Mt  24,  18  eio  za  omöco:   33.. ::  Mc   13,  16.  Lc  17,  31. 

„    24,  36  71  {t7]0)  coQao:   33.  63«^^  Did  ::  Mc  13,  32. 
Mc    4,     7  ajcEjcvL^av:    33.. ::  Mt  13,  7.  Lc  8,  7. 
„      4,  34  TOV  Xoyov.   33.. 

157:   Mt  15,  16  £iüi£V  avTco:   157.  301.  s}t:«^"  etP  c* 
„    18,  18  a^fjv  yaQ:   157.  syr? 
„    26,     8  avTT]  TOV  fivQov:  157..  a  b  syr^""  arm 
14,  4. 


Mt  22, 

11 

25, 

Mc 

2, 

« 

6, 

11 

6, 

11 

14, 

<P'.  Mt 

5, 

11 

V, 

11 

22, 

Mc 

2, 

11 

4, 

11 

5, 

11 

13, 

11 

13, 

11 

13, 

11 

13, 

11 

14, 

11 

14, 

11 

15, 

Vgl.  Mc 


J 


Prolegomena.  XLV 

Mc    1,  10  ro  jtvsvf/a  xaraßaivov  wCst  jtSQiOr.:  157.  ::  Mt 
3,  16. 

Für  die  Reinheit  des  Textes  des  Codex  Rossanensis  ist,  wie 
schon  bemerkt,  das  Ergebniss  kein  günstiges.  Zugleich  aber 
lernen  wir,  und  das  ist  eine  für  die  Geschichte  des  Textes  nicht 
unwichtige  Thatsache,  in  ^  eine  Handschrift  kennen,  welche  uns 
in  den  Stand  setzt,  eine  nicht  unerhebliche  Zahl  von  Lesarten, 
die,  obschon  zumTheil  durch  alte  Versionen  (it  vg  syrr  u.a.)  bezeugt, 
in  ihrem  griechischen  Wortlaut  bisher  nur  in  viel  jüngeren  Ur- 
kunden nachgewiesen  waren,  bis  ins  6.  Jahrhundert  hinauf  zu 
verfolgen ''). 

Von  dem  Patmischen  Purpurcodex  (N)  haben  wir  bisher 
ganz  abgesehen.  Aus  einem  Verzeichniss  der  singulären  Les- 
arten, welche  der  Codex  Rossanensis  mit  dieser,  ihm  in  der  Aus- 
stattung so  ähnlichen  Handschrift  gemein  hat,  wird  sich  ergeben, 
dass  er  mit  derselben  näher  verwandt  ist  als  mit  irgend  einer 
anderen  Handschrift.  Zur  Vergleichung  liegen  folgende  Stücke 
vor,  in  welchen  N  erhalten  ist:  Mt  19,  6—13.  20,  6—22.  20, 
29—21,  19.  26,  57—65.  27,  26—34.  Mc  6,  53—7,  4.  7,  20  —  8, 
32.  9,  1  —  10,  43.  11,  7  —  12,  19.  14,  25  —  15,23.  Der  Charakter 
der  Lesarten  ist,  wie  leicht  zu  erkennen,  derselbe,  den  wir  bisher 
zu  beobachten  Gelegenheit  hatten^). 

7)  Dass  S  auch  mit  anderen  als  den  angeführten  Handschriften  ge- 
legentHch  in  seltenen  Lesarten  zusammentriiFt,  wurde  schon  erwähnt. 
Beispielsweise  mögen  hier  noch  folgende  Fälle  angeführt  sein:  Mc  1,  13 
ayyekoi  ohne  ol:  AM  33..  (vgl.  Mt  4,  11),  7,  11  0(>  «i^  emrj  A  33.  {vgl. 
Mt  15,  5),  15,47  ia)(Ji](p:  A  258;  Mt  10,  14  ogol  av  fitj  Se^ovrai  ...  axov- 
ocoaiv:  L  (Mc  6,  11),  Mc  3,  4  eoiojTtrjaav:  L,  6,  9  evöeöva&ccL:  L  minP«*, 
13,  18  fj.rjÖ£  aaßßazov:  L  minP'^  (Mt  24,  20);  Mt  25,  40  xovtojv  xmv  (jlixqojv: 
I;  Mt  22,  4  oiTEVTCc:  G  min-^,  Mc  2,  16  sad-iEzs  xai  TiLvexs  G  {eaS-ieite 
xai  TtivsiTs)  124.  (Lc  5,  30),  3,  17  avrov  st.  rov  laxcoßov:  G  28,  69..,  4,  11 
za  fxvaztjQia:  G  1..,  14,  36  cckX  ozi:  G  1..;  Mc  6,  13  sd-eQanevovzo: 
H  minP<=;  13,  11  Vßsiö  eaze:  MU  min?«  (Mt  10,  20),  14,  22  zov  aQzov. 
M  minP-^  (Mt  26,  26);  Mt  12,  23  leyovzeo'.  U  127.,  26,  44  om  naXiv. 
üt^t  1..,  Mc  13,  21  zoz£  ohne  xat-,  U  1..,  13,  32  zojv  ovQavcov:  U  28.. 
(Mt  24,  36);  Mt  18,  19  ev  zoia  ovgavoLO:  V  minPC;  Mt  18,  10  om  ev 
ovQCcvoia  pr:  F  1.  13.. 

8)  Ich  habe  keinen  Anstand  genommen,  in  dem  folgenden  Verzeichniss 
auch  einige  solche  Lesarten  aufzuführen,  welche  von  Tischendorf  mit  N 
und  '  al  pauc '  belegt  werden ;  natürlich  nur  da,  wo  ich  auch  in  den  übrigen 
grossen  Ausgaben  keine  bestimmten  Angaben   fand.     Es  mag  wohl  sein. 


XL  VI 


Codex  Rossanensis. 


Mt  19 
„  20 
„  21 
„    26, 

Mc    6 


V 

1 . 

r 

8i 

V 

8. 

1? 

8. 

11 

8, 

11 

8, 

11 

8. 

11 

9 

11 

9 

^1 

9, 

^^ 

9, 

V 

9. 

^^ 

11 

9. 

11 

9, 

11 

10, 

11 

1] 

11 

11, 

11 

11, 

11 

— 

11 

12, 

11 

14, 

11 

14, 

11 

14, 

7  £vsrkiXato  7jficv:  N 

31  Ol  6s  o/Xoi  ejtSTitiriöav:  N  ff^-  syr"«  et«"^^^ 

8  ex  Tojv  dtvÖQcov:  X  ::  vgl.  Mc  11,  8. 

60  ovx  7/vQov:  N  (pvx  auch  A  al,  ?/vqoi'  EG  al) 

53  jrQoöoQiitö^rjöav  stcsl:  N 

1  Ol  eld-ovreö:  N  (a  b  f  qui  venercmt^   q  qui  ve- 
niehant) 
29  eiJiEV  avT7]  o  ir^oovö:  N  g^- 

3  sylvd^riGovraL:  N 

7  sijisv  jiaQaü^eivai  avroiO:   N  cop  {coram  üUs) 
13  xaraluimv:  N  ::  Mt  16,  4. 

18  ovjim  vo£iT£  st.  xai  ov  fiv?]}iov£V£re:  N  ::  vgl. 
V.  17. 

23    £JC7]Qa)T7]0£V    st.    £Jl7j()C0TfX:    N 

32  £XaX£t  TOP  Xoyov.  N 
3  Xevxavai  ovtojo:  N 

5  avrm  st.  reo  Ujöov:  N 
13  ridrj  £X7jXvd^£v\    N  (C  1..  ?/c^;/  7iX»£v)  ::  vgl.  Mt 
17,  12. 

19  lejei  avTco:  N  g^-   q 

21  TOP  jtar.  avTOv  o  i/jöovo:  N 

—  y£yov£L'.  N 

28  sX^ovra  st.  eiöeXd^ovxa:  N 

33  ysva^usvoö:  N 

5  ejt£T()tip£v  st.  £yQaip£v:  N  ::  vgl.  v.  4.  Mt  19,  S. 

26  fci^  ovQavco:  N 

31  o^  (5f  öieXoyi^ovTo:  N  it  (exe  k)  vg  :  Mt  21,  25. 
vgl.  Lc  20,  5. 

32  (foßov^sd^a  TOP  oy^Xor'  jtapreo:  N  ::  Mt  21,  26. 

—  ojö  jtQo<p7]T7jp  (om  OPTCQO):  N  ::  Mt  21,  26. 

1  X£y£Lp  avToio  £P  jcagaßoX,'.  N 

27  yEYQajirat  yaQi  N  k  ::  Mt  26,  31. 

36  JtXyp  aXX:  N  ::  vgl.  Mt  26,  39.  Lc  22,  42. 
46  avTOj  T.  X€iQ.  avTWp:  N 


dass  sich  die  betreffenden  Lesarten  auch  in  einigen  Minuskebi  finden; 
«o  lange  aber  keine  positiven  Angaben  vorliegen,  wird  man  N  (und  20 
als  (Ion  Pinzigen  Zeugpu  anzusehen  haben. 


f  rolegomeiia.  XLVII 

Mc  14,  54  xai  {heQfiaivoix.  f/era  r.  vjrrjQercor:  N 
„    14,  70  örjXoi  st.  o^uota^si:  N 
„    15,  21  ayyaQEvovöLV  rtva,  ohne  7iaQayovTa\  N 

Dies  sind  lediglich  solche  Lesarten,  mit  denen  ^  und  N 
unter  allen  bisher  verglichenen  griechischen  Handschriften  allein- 
stehen: im  Hinblick  auf  den  verhältnissmässig  geringen  Umfang 
der  A^ergleichbaren  Stücke  gewiss  eine  beträchtliche  Zahl.  Wir 
werden  aber  auch  hier  auf  solche  Lesarten  Rücksicht  zu  nehmen 
haben,  welche  ausser  in  N  und  ^  auch  sonst  vereinzelt  vor- 
kommen. Die  Begleiter  sind,  wie  sich  zeigen  wird,  meist  die 
bekannten,  denen  wir  bereits  m  anderem  Zusammenhange  in  der 
Gesellschaft  von  2  begegnet  sind. 

Mt  20,  10  sZd^ovteo  6s  xai:  N  d«"  itpi  vg 
„    20,  21  rj  6e  Xeyu:  MN 
„    20,  30  y,vQiE  LTjOov  VIS  6aö:  N  124.. 
„21,     1  auteöTELlEV  o  i?/öova:  N  142. 
„    26,  59  oZov  ro  övveÖQiov:  N28..  (it  vg  al)  ::  Mc  14,  55. 
„    26,  60  6vo  rLveö:  N  157.. 
„    27,  33  yolyod-av.   N   15..  ::  vgl.  die  Varianten  zu  Mc 

15,  22. 
„    —   —  Xsyofievov  xgav.  tojt.  N*  6.. 

Mc    6,  56  öisOm^ovTo:    Na>   1..  ::  vgl.  Mt  14,  36   Öisoco- 

„      7,  32  raa  xf^()aö:   i5*NJ  33.  ::  vgl  Mt  19,  13.   Mc  5, 

23.  6,  5.  8.  23.  25. 
„      8,  24  Xsysc  st.  sXsyev:  DN<?  itP^  vg 
„      8,  28  aXZot  ös  st.  xac   aXXor,  DN^  81.  c^''  it^  cop'*^ 

::  vgl  Mt  16,  14. 
„      9,     7  sysvsTO  ös  st.  xac  sysvsro:  N  2®^' 
„      9,  21  a<p  ov:  N^  40. 
„    —    —  ex  jtaiöod^ev'.  IN  1.  118. 
„    10,     6  o  d'soo  xat  SLjtev:  DN0  28.  81..  it^'  vg^  ::  Mt 

19,  5. 
„    10,  24  Tsxvca  st.  rsxva:  AN  1..  it  (exe  q)  vg  Clem 
„    10,  27  TOVTO  adwarov:    C^DN^  28..  it=^  syr«^^  arm  :: 

Mt  19,  26. 
„    10,  30  xat  jrartQao  xat  fi^/reQaci:  N  minP'^  ::  vgl.  v.  29. 
„    10,  42  Ol  ^ityaXoi  ohne  avrcov:  N  1..  ::  Mt  20,  25. 


XitYlU  Codex  RoBsanensis. 

Mc  11,  13  q)vXZa  fiovov:   C^N^  33.  61.  81.    it^  aeth  Or  :: 

Mt  21,  19. 
„    11,  15  EQXovrat  jtaXiv:  N  49«^.  it«^^  vg«^ 
„    —   —  TCQV  KoXXvßLöTwv   ssexESVi  N^  28.   81.  arm  :: 

vgl.  lo  2,  15. 
„    12,     1  ai^Qcojtoö  8g)VTSVö8V  aiijteXmva'.  N  433.  ::  Lc 

20,  9. 
„    12,    7  LÖovTEö  avTov:  N  12.  61.  c  ::  vgl.  Mt  21,  38.  Lc 

20,  14. 

„    —   —  ovToö  ohne  ort:  DN  28.  81.  it  vg  sah  aeth  :: 

„    14,  44  ajiayayeTe  avrov:  (D)N  13.  81.  157..  (verss?^) 
„    14,  45  TCO  ir](jov  st.  avTODi  N  28..  ::  vgl.  Mt  26,  49. 
.,    14,  50  Tors  OL  ^ad^7jTaL'.  ^^  minP*^  it^  vg  sah  sjr^  arm 

::  Mt  26,  56. 
„    14,  58  alXor  ayuQOJt.  öta  tq.  rjfi.  otxoö.:  N  106. 
„    14,  64  Tjxovoars  jiavrsö:    GN  1.  81.  124..  sah^«»'^  arm 
„    —   —  doxst  st.  ^aiverar.  DN  28.  81.  ::  Mt  26,  66. 
„    14,  71  om  TovTOv:  D&^KN  64.. 
„    15,     2  o  de  i?]öovö:  N  67. 

Aus  dieser  grossen  Zahl  über emstmimen der  Lesarten  ergiebt 
sich,  dass  die  beiden  Purpurcodices  ihrer  gemeinsamen  Quelle 
sehr  nahe  stehen,  und  nichts  steht  der  Annahme  entgegen,  dass 
sie  unmittelbar  aus  derselben  Vorlage  abgeschrieben  sind^).  Denn 
die  Abweichungen  zwischen  beiden  sind  meist  ganz  unerheb- 
lich und  erklären  sich  theils  aus  Flüchtigkeit  oder  Willkür  der 
Schreiber,  theils  aus  der  Einwirkung  paralleler  Stellen;  sehr  sel- 
ten, und  vielleicht  nur  da,  wo  in  einer  der  beiden  Handschriften 


9)  Dass  N  unmittelbar  aus  2!  geflossen  sein  könnte  oder  umgekehrt, 
ist,  abgesehen  von  andern  Gründen,  schon  deshalb  nicht  anzunehmen,  weil 
eine  Anzahl  Auslassungen  oder  Zusätze  der  einen  Handschrift  in  der  an- 
dern nicht  angetroffen  werden.  So  finden  sich  z.  B.  folgende  Wörter 
in  iV,  welche  ^  nicht  hat:  Mt  21,  11  ozi  (nach  eXeyor),  Mc  9,  42  tovtwv 
(nsich  fiix(Jiov),  10,4  avrrjv  {nü,ch  ccnoXvaai),  12,1  xai  (oxoöo^rioev  nvQyov, 
12,  14  7/  ov,  14,  40  naXiv,  14,  43  evS^ewa,  14,  49  tojv  ngotfiinov,  umge- 
kehrt hat  2",  nicht  auch  N,  Mt  21,  13  otl  (nach  ysyQanTai),  Mc  8,  21 
ccvTOiG  (nach  e?.eyev),  10,  1  xai  (vor  aviccoQfvorTai) ,  10,  7  avzov 
(nach  Tov  nazeQa),  14,35  fiii  n^oacDTtov,  14,  44  caioio  (vor  l^yiov),  14,  50 
navxea  (vor  e(pvyov). 


Prolegomena.  XLIX 

corrigirt  ist  (s.  u.),  liegt  eine  Nöthigung  vor,  zur  Erklärung  der 
Varianten  eine  zweite  Quelle  zu  Hilfe   zu  nehmen  ^^). 

Von  den  Correcturen  wird  alsbald  die  Rede  sein.  Wir  haben 
zuvor  noch  eine  Reihe  von  Lesarten  zu  betrachten,  die  ihrem 
Charakter  und  Werthe  nach  von  der  grossen  Masse  der  bisher  auf- 
geführten wesentlich  abweichen:  solche  Lesarten  nämlich,  in 
welchen  2  mit  verhältnissmässig  wenigen  der  ältesten  und 
besten  Zeugen  unverkennbar  das  Ursprüngliche  bewahrt  hat, 
oder  welche,  wenn  auch  nicht  ursprünglich,  doch  als  sehr  be- 
achtenswerth  zu  bezeichnen  sind.  Die  Zahl  solcher  Lesarten  ist, 
wie  man  nach  dem  bisherigen  erwarten  wird,  im  Verhältniss  zum 
Alter  der  Handschrift  keine  sehr  grosse;  sie  ist  aber  gross  genug, 
um  dem  Codex  Rossanensis  die  Beachtung  jedes  künftigen  Her- 
ausgebers des  Neuen  Testaments  zu  sichern.  In  dem  folgenden 
Verzeichniss  sind  der  Kürze  wegen  in  der  Regel  nur  die  Un- 
cialen  angegeben,  in  welchen  sich  die  betreffende  Lesart  findet; 
nicht  selten  treten  zu  denselben  noch  die  Gruppe  ^  und  eine 
oder  die  andere  der  Minuskeln  1.  28.  33.  81.  157.  sowie  andere 
Zeugen.  In  den  meisten  Fällen  haben  Tischendorf  sowohl  als 
Westcott  und  Hort  die  auch  durch  JiJ  bezeugte  Lesart  in  den 
Text  aufgenommen.  Diejenigen  Lesarten,  welche  weder  Tischen- 
dorf noch  die  Englischen  Herausgeber  im  Texte  haben,  die  aber 
nichtsdestoweniger  der  Beachtung  werth  erscheinen,  sind  durch 
ein  beigesetztes  *  kenntlich  gemacht. 

Mt    4,  16  (/D09Ö  cösv  (eiöev)  fisya:  i^ßC 

„      5,  37*  ecrai  st.  sörco:  B  245.  Eus'^'^"'  ::  W-H  in  mg 

„      5,  39  Qajtt^st  £16:  JA  (resp.  i<*)  B 

„    —   —  öLayova  ohne  öov:  ^  1.  33.  157.. 

„      8,  28  jaöaQrjvmv:  BC*M  (i<*  ya^aQi]-^  A  yaQaö')]-) 


10)  Ich  notire  beispielsweise  die  folgenden  Abweichungen:  N  hat 
Mt  20,  13  ovv£(pa)vri6aG  fioi,  Mc  7,  34  sareva^ev,  8,  16  €Xoyit,ovTo,  8,  20 
OTs  ÖS  xai,  8,  29  o  nezQoa  leyei,  8,  30  neQi  xovxov,  9,  9  xai  xaraßaiv.,  9,  28 
sxßaX.  avTo,  9,  38  Koavvrja  ohne  o,  9,  45  eia  yecvvav,  10,  1  xaxid-sv  u.  rjXd^sv, 
10,  33  xai  ygafiixax.,  11,  32  sixov,  12,  15  o  Ö£  löwo,  15,  7  GTccaiaarcov, 
15,  14  Xsysi.  In  einzelnen  Fällen  mag  vielleicht  die  Vorlage  selbst  ver- 
schiedene Lesarten  neben  einander  enthalten  haben.  Jedenfalls  wird  es 
nicht  leicht  zwei  andere  Evangelienhandschriften  geben,  die  so  selten 
von  einander  abweichen  und  so  auffallend  mit  einander  übereinstimmen, 
wie  S  und  N. 

Texte  und  Uiiteisucliungen  f,  4.  ^   d 


L 


Codex  Rossanensis. 


MI 

-'    9, 

ti 

9, 

?i 

12, 

:i 

13, 

« 

13, 

« 

13, 

« 

14, 

n 

14, 

11 

14, 

11 

14, 

11 

15, 

•51 

17, 

11 

18, 

11 

18, 

11 

20, 

11 

20, 

;1 

20, 

11 

21, 

11 

22, 

11 

24, 

11 

24, 

11 

25, 

11 

27, 

11 

27, 

11 

27, 

11 

27, 

11 

28, 

Mc 

2, 

11 

2, 

11 

3, 

11 

4, 

11 

4, 

11 

4, 

11 

4, 

4, 


22  6TQaq)£cö  st.  sjtiöTQagjEio:  ütJM) 

23  sZsyev  st.  ^^/ft  avToio:  i^BD 
29  aQjtaöat  st.  öcaQjraoac:  BC*X 
23  T7/i^  xalr/v  yrjv:  jj^BCLJ 

25    £Jr£6JteiQ£V    st.    £6JI£LQ£V'.    i^^B    (i5*    £Jt£OJtaQX£r) 

55  icoor/g)  st.  iwörjö  oder  to)avv?](j:  i^^BC 

19  ejTi  rov  yoQTOv  st.  £jr«  toi;ö  '/oqxovö:  i^BC^^l 

22  £^0  jtloLov:  B  1.  33.  124.. ::  W-H,  in  mg  ro 

25  ^;i^£i;  st.  ajtril^£v\  i<BC^T^ 

33  oi  (^£  ohne  £X^ovt£ö:  i<BC"^T« 

22  fz()«g£i;  (i^'^BD)  ohne  «i;ro9  (5<BCZ):  B  (vgl.  ä<*Z) 

15  f/£i  st.  jtaöx£c:  i^BLZ  ::  W-H,  in  mg  jiaoyu 

6  jre(>t  st.  £t(J:  i^BLZ 

7  avajxrj  yaQ  ohne  £ötiv:  BL  ::  W-H,  nicht  Ti 
4*  afijt£Za)va  fiov:  i^Cn<P  33..  itP^  vg  sah  arm  aeth 

10  ro  ava:  i<CLNZ  ::  Ti,  W-H  [ro]  «m 

13*  6vv£g)(x)V7jöa  ooi:  LZ  33.  sah  cop  aeth  Or  Nyss 
32  ovÖ£  st.  ov:  B  1.  13.  33..  ::  W-H,  nicht  Ti 
25  yrjfiaö  st.  yafir/Oaö:  i<BL 
42  7]fi£()a  st.  co()a:  i^BDIJ 

45  ocx£T£taö  (^  oix£Tcaö)    st.  d'£Qajt£Lao\  BUjZ//7* 
(i^  oixiaö) 

3  «i  7«()  iKOQai  st.  aixiv£6  [KDQar.  i<BCL 
2  uiiXazco  ohne  jiovtkd:  i<BL 

11  £6Ta{)'7]  st.  £(>T?y:  iiBCL 

46  £ßorjö£v:  BL  ::  W-H,  Ti  av£ßorjO£V 

57  £{iad^riT£vd^7]\  xCD  ::  Ti  u.  W-H,  aber  W-H  in 

mg    £fCa^7]T£V0£V 

19  JcoQ£vd^£VT£ö  ovv.  Bz/Z7  ii  W-H,  Ti  ohne  of2^ 
1  £i^  ot;ca>  st.  fiö  OLXov:  i<BDL 

27  %«£  oiJ/  st.  ot;;^:  i<BC*Lz/ 

29  föT«^:  i^DLz/  itP^  vg  arm  al  ::  Ti,  W-H  sOziv 

11*  £^o:)&£v:  B  ::  W-H  in  mg,  im  Text,  wie  Ti,  e^co 

21*  vjto   TTjv  Zvxviav:  &5B*^  33.  ::  eine  neue  Be- 
stätigung für  diesen  alten  Felder. 

22  £av  [irj  st.  o  £av  fiij:  t<BA 

28*  Jth]Q7]a  ocTov:  C*^''^  48^^  z^''^' ::  nach  W-H  wahr- 
scheinlich die  ursprüngliche  Lesart. 

31   xoxxd)  st.  xoxxor:  i<BD //7/* 


^ 


Frolegonieiia.  I^X 

Mc    4,  33*  jiaQa^oXaLO  ohne  jioUatO:  C*^*^^  LJ  1.  28.  33.. 

it'"^  cop^'  eti^«*-^  syr«'^^  aeth 
„      5,  19  auayyulov  st.  avayyuXov.  i^BC/l 
„      5,  41  Tiovy,  st.  xov^l:  i^BCLM  . 
„      9,     8  £^  [17]  st.  a^.^a:  i^BDN  ::  W-H,  aber  in  mg,  wie 

Ti  im  Text,  aXla  (vgl.  Mt  17,  18) 
„      9,  23  8L  övvTj  ohne  Zusatz:  ^*BN*J 
„    10,  19  ohne  [irj  ajtoOTSQrja?ja:    B*KJ/7  (N*?)  ::  W-H, 

nicht  Ti 
„    11,  23  o  lalBi  st.  a  Ityw.  i^BLNJ 
„    12,  28  i^mv.  i^*CDL  ::  Ti,  W-H  ^löojo 
„    13,  11  ohne  ii7]Öe  nsl^Taxe:  i^BDL 
„    15,  22  ii£^£Qfi?]vevofi8Vo6:  ^BN  ::  W-H,  in  mg,  wie  Ti 

im  Text,  fied^sQfifjvsvofisvov 
„    15,  23  00  6s  st.  o  de:  i^Br*^"^  33. 
„    15,  46  eü^Tjxev:  i^BC^DL  ::  W-H,  Ti  xaxt^rjTCsv 
Wir  wenden  uns  nun  zu  den  Correcturen  des  Codex  Rossa- 
nensis,  deren  Zahl,   wie  schon  erwähnt,    eine  verhältnissmässig 
geringe  ist.    Sie  rühren  sämmtlich  von  der  Hand  dessen  her,  der 
den   Text  schrieb,   und   bestehen  theils   in   der  Entfernung  von 
Schreibfehlern  mittels  Rasur,  theils  in   der  nachträglichen  Hin- 
zufügung übergangener  Buchstaben  oder  Wörter.    Nur  in  welligen 
Fällen  lässt  sich  die  Eintragung  von  Lesarten  einer  anderen  Hand- 
schrift mehr   oder  weniger  sicher  erkennen.     Es  sind   etwa  die 
folgenden  ^  ^) : 

Mt    7,  24  TovTovö  in  mg:  es  fehlt  in  B*  min^  it*  go  sjr^"' 
„    11,  24  orc  in  mg:  es  fehlt  in  b^*  et»^  33.  Ir^"* 
„    12,     3  avroo  in  mg:  es  fehlt  in  &5BCD  u.  s.  w.  (aus  Mc 
2,  25.  Lc  6,  3) 


11)  Das  Mt  18,  21  hinzugefügte  xe  fehlt  zwar  auch  in  G*  e^'=»',  stammt 
aber  schwerlich  aus  einer  anderen  Handschrift;  es  wird  aus  Versehen  vom 
Schreiber  zuerst  übergangen  worden  sein.  Die  Correctur  Mt  24,  20  ist  im 
Schreiben  ausgeführt,  gehört  also  auch  nicht  hierher.  Mc  6,  3  scheint 
die  Eintragung  einer  anderen  Lesart  überhaupt  nicht  vorzuliegen;  wenig- 
stens weisen  keine  Sjturen  auf  o  tov  tsxzovoo  vioa.  Unklar  ist  auch 
die  zu  Mc  9,  17  notirte  Rasur.  N  lässt  uns  hier  im  Stich,  da  Tischendorf 
keine  Variante  notirt,  während  das  aalov  bei  Duchesne  Druckfehler  zu 
sein  scheint.  Wenn  dafür  XaXov  zu  lesen  ist,  so  erklärt  sich  die  Absicht 
des  Schreibers  von  '^,  das  eine  a  zu  tilgen,  aus  der  gemeinsamen  Vorlage. 

d=*^ 


-j^jj  Codex  Rossanensis. 

Mt  12,  50  oö  in  oöTiö  geändert:  06  (wie  Mc  3,  35)  L  u.  a. 
„    —   —  ovToO  durch  Rasur  aus  avxoO:  avxoö  haben  i^B 

u.  s.  w.,  ovToö  (wie  Mc  3,  35)  LA  33. 
„    13,  27  Ta  nachträglich  vor  ^iCccvca  gesetzt:  es  fehlt  in 

^''BCD  u.  s.  w.,  findet  sich  aber  in  i5*LX  u.  a. 
„    15,  16  cd  nachträghch:  es  fehlt  in  i^BDZ  33. 
„    15,  31  Tovö  o/^lovö  in  Rasur:    xov  ox^-ov  i^CDUJ  u.  a. 
„    16,  23  fiov  81  für  Et  fiov  gesetzt:    sc  (lov  ^5*^0  (i5*ß^ 

u  eiiov) 
„    19,     9  yMi   ycmrjöTj   aV.?]v   /lor/aTüi   in   Rasur:    vorher 
jedenfalls  jiocec  cwt?]v  fiocx^vd^r/vat,  wie  BC*N 
u.  a.  (aus  5,  32?) 
„    21,     1  ßfjß^gjayf]  durch  Rasur  aus  ßr^d^öq).  (vgl  Mc  11, 1): 

ßrid^öfpay^i  B^FKM^N*  u.  a. 
„    21,     5  ejii    vor    jzcolov    ausradirt:    es    findet    sich    m 

i^BLN  u.  a. 
„    21,  15  TOVÖ  vor  XQa^ovzaO  getilgt:    es   findet  sich   in 

i^BDLN 
„    26,  39  jtQOÜMojv  aus  jtQoösXd^ov  corrigirt:  JtQoöeld^mv 

haben  i^ACDI  u.  s.  w.,  jiQoeld^cov  BMil*  u.  a. 
,,    2(),  60  Sb  in  mg  und  {jiQo6)e)<,d'OVTcov  ov  tjvqov  (sie)  in 
Rasur:  dt  und  ov  tjVQOv  fehlen  in  xBC^LN*  1.. 
Mc    4,  11  Isytrai  in  Rasur:  so  D  28.  64.  81.  124.  it'.  aber 
'  :  i5B  u.  s.  w.  jLVtTaL,  wie  jedenfalls  ^* 

„    10,     1  Tov  jiE(>av  für  öia  xov  jttQav:  die  €orrectur  ist 

nur   zur  Hälfte   ausgefülirt;    es    hätte    entweder 

auch    das    tov    getilgt   (so   C^DG/I^   [..)    oder 

durch  zeit  ersetzt  werden  sollen  (so  itBC*L  cop); 

ÖLa  TOV  jtsQav  haben  AKX/^/7  u.  a. 

„     10,  16  rjvXoysi  durch  Rasur  aus  xaTt]vXoyu:  xaTtjvXo- 

yu  (resp.  %«r£i;2.)  haben  i^BCLNJ  (N  nach  Ti 

xaT7]vloyL^  nach  Duchesne    xaTtßoyC)^    fjvZoyei 

(resp.  svL)  ADEHK*  u.  s.  w. 

„-  15,  46  o  ÖS  uoö7](f;  für  xar.  xai  haben  ^{BACL  u.  s.  w., 

'  ■  '  ■  o  (^6  <ft)(;//f/)  D  81..  it  vg  syr"*"^  et^''  arm 

Aus  dieser  Uebersicht  ergiebt  sich  zunächst,  dass  der  Text 

in  2^  nmv  sporadisch  mit  einer  anderen  Handschrift  verglichen 

und-  danach  geändert   worden  ist.     Man    kann  wohl    annehmen, 

dass  es  mit  Rücksicht  auf  die  Ausstattung  der  Handschrift  nicht 


Prolegoniena.  Liii 

häufiger  geschah.  Denn  Rasuren  und  Correcturen  fallen  in 
einem  Purpurcodex,  auch  bei  grösster  Sorgfalt  der  Ausführung, 
viel  störender  ins  Auge  als  in  einer  gewöhnlichen  Pergament- 
handschrift. Dass  in  der  That  Lesarten  einer  anderen  Hand- 
schrift eingetragen  worden  sind,  wird  durch  eine  Vergleichung 
der  in  Betracht  kommenden  Stellen  mit  N  vollends  gewiss:  Mt 
26,  60  hatte  auch  N  ursprünglich  xca  ovx  tjvqov  jtoXlojv  iptv- 
öof/aQTVQcov  jtQoösZ^ovzmv;  Mc  10,  1  bietet  N  noch  jetzt  öta 
Tov  jieQav,  desgleichen  Mc  10,  16  TcarrjvXoyi  (resp.  7caTi]Zoyi, 
s.  o.)  und  Mc  15,  46  xai  ayoQaöaö.  Sehen  wir  uns  aber  die 
wenigen  in  2  zur  Ausführung  gekommenen  Aenderungen  auf 
ihren  Werth  hin  an,  so  werden  wir  es  nicht  beklagen,  dass  sie 
nicht  zahlreicher  sind.  Denn  in  den  meisten  Fällen  war  die  ur- 
sprüngliche Lesart  der  Handschrift  zweifellos  die  bessere.  So 
jedenfalls  Mt  12,  3.  12,  50  {avxoö).  13,  .27.  15,  16.  16,  23.  21,  5. 
21,  15.  26,  60.  Mc  4,  11.  10,  16.  15,  46.  In  fünf  Fällen  kann 
man  schwanken,  auf  welcher  Seite  die  bessere  Lesart  zu  suchen 
ist.  Mt  7,  24  haben  Westcott  und  Hort  das  tovtovG  zwar  im 
Text,  aber  in  Klammern  eingeschlossen;  Mt  15,  31  geben  sie  zu 
TOV  ox^ov  am  Rande  rovö  ox^ovö,  ebenso  Mt  19,  9  wa  yafajö?] 
aXlriv  iiOi%aTai  im  Text,  üioiu  avtrjv  noix^vd^rjvac  am  Rande, 
Mt.  26,  39  JtQoeXdcov  im  Text,  üiqoOeI^cov  am  Rande;  Mt  11,  24 
endlich  ist  das  ort  zwar  überwiegend  bezeugt,  aber  doch  nicht 
ganz  unverdächtig.  Es  bleiben  mithin  nur  drei  Fälle  (von  19) 
übrig,  wo  mit  Hilfe  der  anderen  Handschrift  der  Text  in  2^  ohne 
Frage  verbessert  wurde,  nämlich  Mt  12,  50  {oörto).  21,  1. 
Mc.  10,  11^). 


Ueber  die  Einrichtung  dieser  Ausgabe  kann  ich  kurz  sein. 
Sie  ist  wesentlich  bedingt  durch  die  Grenzen,  welche  wir  unserer 
CoUation  stecken  mussten  (s.  o.  S.  IV  f.).  Die  Seiten  der  Hand- 
schrift sind  nach  der  jetzigen  Paginirung  (s.  o.  S.  XI)  oberhalb 
der  Textcolumne  angemerkt;  im  Texte  selbst  zeigt  ein  ||  den  Be- 


12)  Nachträglich  bemerke  ich,  dass  das  fiov  Mt  20,  7  in  ü  vielleicht 
auch  (von  erster  Hand)  später  hinzugefügt  ist.  Es  steht  am  Ende  der 
Zeüe  und  ist  lYl  geschrieben.  Dass  es  ursprünglich  fehlte,  wird  dadurch 
wahrscheinlich,  dass  es  sich  in  N  nicht  findet.  Uebrigens  ist  auch  dies 
keine  Verbesserung. 


LIV  Codex  Rossanensis. 

ginn  einer  neuen  Seite  an.  Die  Zeilen  der  Handschrift  konnten 
nicht  wiedergegeben  werden,  ebensowenig  Absätze  und  Zwischen- 
räume innerhalb  der  Zeilen,  ausgerückte  grosse  Anfangsbuch- 
staben und  dergleichen.  Auch  die  Interpunktion  mussten  wir 
bei  der  Collationirung  übergehen;  da  es  aber  unthunlich  erschien, 
den  Text  ohne  jede  Interpunktion  abzudrucken,  so  wurde,  in 
Anlehnung  an  den  Gebrauch  der  Handschrift  (s.  o.  S.  XXII),  am 
Schluss  der  Sätze  und  je  nach  Bedürfniss  auch  sonst  ein  ein- 
facher Punkt  angewandt.  Die  Abkürzungen  sind,  mit  wenigen 
Ausnahmen,  aufgelöst  gegeben.  Mc  15,  34  bietet  die  Handschrift 
Xä[ia,  wofür  nicht  wohl  Xavfia  gedruckt  werden  konnte,  und  der 
Name  öaö  kommt  ausgeschrieben  überhaupt  nicht  vor.  Hin- 
sichtlich der  Correcturen  ist  zu  bemerken,  dass  diese  nicht  nur 
da  im  Texte  gegeben  sind,  wo  es  sich  um  Verbesserung  von 
Schreibfehlern  handelt,  sondern  überall.  Es  erschien  um  so  mehr 
geboten,  sich  hierfür  zu  entscheiden,  als  in  mehreren  Fällen  die 
ursprüngliche  Lesart  mit  völliger  Sicherheit  nicht  mehr  zu  er- 
kennen war.  Man  wird  daher  bei  Benutzung  des  Textes  die 
unter  demselben  befindlichen  Noten  stets  im  Auge  zu  behalten 
haben,  um  sicher  zu  sein,  dass  man  nicht  eine  nachträghch  — 
wenn  auch  von  erster  Hand  (s.  o.  S.  LI)  —  eingetragene  Lesart  für 
die  ursprüngliche  hält.  Die  Zahl  derjenigen  Fälle,  wo  wir  der 
handschriftlichen  Lesart  nicht  ganz  sicher  sind,  ist  eine  sehr 
geringe.  Mt  2,  1 0  ist  aörsQa  gedruckt.  Es  bleibt  aber  zweifel- 
haft, ob  die  Handschrift  nicht  aoregä  bietet.  Mc  11,  15  beruht 
das  e§sx£0£v  vielleicht  auf  einem  Versehen.  In  der  bei  der  Colla- 
tionirung benutzten  Theile'schen  Ausgabe  fehlte  das  Wort;  e 
wurde  hinzugefügt,  das  auffallende  6  aber  nicht  ausdrückhch, 
wie  sonst  in  ähnlichen  Fällen,  durch  ein  ,sic'  markirt.  Un- 
sicher ist  auch  das  ore  Mc  14,  50.  Es  fehlt  ebenfalls  bei  Theile 
und  entbehrt  in  der  Collation  einer  Bezeichnung  als  Schreib- 
fehler. Aehnlich  verhält  es  sich  Mc  15,  24.  Hier  bot  Theile 
diafieQi^orzcu;  das  ac  wurde  durch  o  ersetzt,  das  a  m  dia  blieb 
unberührt. 


DIE  EVANGELIEN 


DES 


MATTHAEUS  UND  DES  MARCUS 


AUS  DEM 


CODEX  PURPUREU8  ROSSANENSIS. 


EYArrEAION   RATA   MAT0EON 

I.  BißXoö  y£vs(j8a)<j  i7]<jov  xQ^^t^ov  vtov  6aö  viov  aßqaaii' 
"^aßQaafi  sysvv7]0sv  top  löaax'  lOaax  ös  sysvvr/ijsv  top  Laxcoß' 
laxcoß  6e  £y8PP7]Oep  top  lovöap  xai  rovö  aöeXcpovö  avzov 
^lovöao  Ö£  sy£PP7jösp  top  cpaQsö  xac  top  C^aQa  ex  tt/ö  ^afiaQ' 

fpaQSÖ    Ö£     £y6PP7]ö£P    TOP   EÖQCQfl'    SOQCDfl   ÖS  £y£PP7jöSP  TOP    aQafl' 

^aQafi  Ö£  sy£PP7jöep  top  afiipaSaß'  af/ipaöaß  ös  £y£PP7](j£P  top 
pcmööcop'  paaööcQP  Ö£  £y£PP7]ö£P  top  öaX^cop'  ^öaX^iow  6£  £y£P- 

PrjO£P    TOP    ßOoC,    £X    T7](J    Q7]X€iß'     ßOOC    ^£     £y£7WriÖ£V     TOP    Ojß7/Ö 

£x  T7]0  Qovih'  mßrjd  de  ey£P7^7](j£P  top  t£ööai'  \\  ^uOOai  Ö£  £y£P- 
P7/ö£P  TOP   öaö  TOP  ßaöiX£a'  öad  Ö£  o  ßaöLX£v6  £y£PPrjO£P  top 

ÖoZoflCOPTa    £X  TTjö  TOV    OVQLOV    '^  ÖoXoftOJP    6£  £y£PPrj<j£P  TOP    QO- 

ßoafr  Qoßoajii  08  £y£PP7](j£P  top  aßia'  aßta  öt  £y£P7^7j6£P  top 
aöa'  ^aöa  de  £y£PP7(6£V  top  Lcoöa(paT'  tco(ja<paT  Ö£  £y£PP7j(j£p 
TOP  icoQafz'  icoQafi  de  £y£PP7]ö£P  top  oC,tap'  ^0L,ta<j  öe  £y£ppr/ö£p 
top  Lwaü-afi'  tmaßafi  Ö£  £y£pprjö£p  top  ayat^'  ayaZ^  6£  £y£PP7]ö£V 
TOP  £C,£xtap'  ^^  £C,£xiaO  d£  £y£ppriö£i^  toi'  fiapa6ö7]P'  f{a7möö7jö 
(Je  £y£P7^7]ö£P  top  aficop'  aficop  de  £y£pP7]ö£P  top  io7öLaP' 
^^imöiaö  de  eyep-  ||  p7j6£P  top  lataxtfi'  Lcoaxifi  de  £yepp7/(j£P  top 
i£XOPiap  xat  Tovö  aÖ£lcpovö  avTov  ejri  t7]ö  fi£TOLX7]OiaO  ßaßv- 
XcopoO'  ^'^iA£Ta  de  ttjp  fZ£Tocxr/6iap  ßaßvXmPoö  leyopiaö  £y£PP7jö£P 
TOP  oaXaü-17/X'  öaXa0^c7jX  de  £y£pp}i6£P  top  L,oQOfißaßt?.'  ^^^oQOft- 
ßaßsX  de  ey£PP7jO£P  top  aßiovö'  aßiovö  de  £y£pprj6£p  top  EXiaxi^i' 
e?.iax£i(i  de  £y£PP7]ö£P  top  a^o:>Q'  ^^aC^coQ  de  £y£pprjö£p  top 
Oaöcox'  'öaöcox  de  ey£PP7]ö£P  top  ay^LP'  ayip  de  £y£PP7iO£P  top 
ehovö'    ^^£hovö  de  £y£PP7]ö£P   top   £X£aC,aQ'    £X£aL^aQ   de   e/er- 


I,  4.  sytvvtjaev  sec]  vr/asv  bis  scriptum,  sed  priore  loco  erasum. 

Texte  und  üntersuchuugeu  I,  4.  1 


2  Codex  Eossanensis,  Mt  1.  2.  [pp.  22 — 25 

V7]ösv  Tor  {mr^av  iiari^^av  öe  ^y^vi]-  \  ot?'  rov  Laxojß'  ^^iazo?ß 
de  sjewriötr  rov  icoo?/^  toj'  arÖQu  /atQiaa  e$,  7}0  r/evvrj^f/ 
Lrjöovö  o  Ä&yo/iavoo  yQiOroo'  ^"^  jtaöm  ovv  ai  jeveai  ajto  aßgaa^^i 
sojO  öaö  yeveai  öeyMTSOöeQtO  xai  ajio  öad  ecoO  t7](j  f/8Toix7]öiao 
ßaßvlojvoö  yevhca  ösyMTSööaQea  y.ai  ajto  rijö  jiierotx7]OLaö  ßaßv- 
IcDVoö  emö  Tov  ygiöTov  yevsat  ösxarsööaQeö'  ^^rov  de  u/Oov 
XQiOTov  7/  yei^eoio  ovtojö  7/ir  i:i7'?jOTevOeio//0  yag  r?/ö  fi7/TQoo 
avTOv  fiaQLaö  reo  icoö7j<p  jtqu^  7/  oweld^ecv  avxovo  evQed^rj  ei' 
yaöTQi  eyovöa  ex  ji7^ev(iaT0ö  ayiov  ^^Lco07i(f  de  o  avrjQ  avT7]0 
o  avTjQ  avT7/o  dixaioij  cor  xac  f/7]  d^eXoDV  avrrjV  utagaöei-  ||  ///«- 
TLOai  eßovh]d^7]  Xai^Qa  ajroXvöac  c(VT7jr'  ^^^ravra  de  avrov  6?'- 
{}^v^u7j^evT0(j  idov  ayyeloö  xvqcov  xcct  oi'aQ  ecpai'?/  avTco  Xeyow 
Lcoorjcp  vioö  dad  ////  ffoßf/0^7/O  jtaQalaßeu'  fiagiafi  xrjv  yvi^cuxa 
öov  TO  yaQ  ei'  avr)/  yevinjihev  ex  jtvev^aroO  eörti'  ayiov 
^^re^ezcu  de  vwj'  xai  xaXeoeia  ro  07^0[ia  avrov  u^oovv'  avroo 
yaQ  acoöei  xoi'  laoi'  avrov  ajto  rcov  afiaQruov  avrojir  ^'^rovro 
de  oZov  yeyoi'ev  ira  jtXrjQmih7]  ro  Q7ifhe)'  vjto  xvgiov  dia  rov 
ozQO(p7jrov  leyovroo'  "^^idov  ?/  jtagü^ej'oö  e7>  yaörQi  e^^t  xai 
re^erai  vioi^  xai  xaXeöovöiv  ro  ovofia  avrov  efjfiavov?]X  o  sörtv 
f/eDeQfap^evofie-  \\  vov  (led-  7](icov  o  d^eoc  '^^  dieye^d-eto  de  o  LOJötjq 
ajTo  rov  vji7>ov  ejroir/ijei'  roo  jigooera^ei'  avrco  o  ayyeZoö  xvqioc 
xai  jiaQeXaßer  r)iv  yvvaixa  avrov  '^^xai  ovx  eyivcoöxev  avr7ji' 
ecoö  ov  erexev  roi^  vloi'  avr?/ö  ror  jtQcororoxo7>'  xai  exaXeoer 
ro  oro^ia  avrov  u/aovj" 

II.  Tov  de  LTjOov  yerrtjihevroC)  ei'  ßr/O^Xeef/  rt/O  tovdaiao  fr 
7ifieQaia  r^gcodov  rov  ßaöüecoö  idov  (layoi  ajto  araroXcor  jraQe- 
yei'ovro  eiö  leQOOoXvf/a  Xeyoi'reO'  '^jrov  eörw  o  reyßeio  ßaOiXevo 
rcoi^  lovdaimv  idof^er  yaQ  rov  aOreQa  avrov  e)'  r/j  araroX7j 
xai  )jXdo^iev  JTQoöxvrtjöai  avrm'  ^axovöaa  \\  de  f/Qojdfjö  o  ßaoi- 
Xevö  eraQay{hri  xai  Jtaoa  y/  ieQO0oXi\ua  /ler  avrov  ^xat  uvra- 
yaymv  Jtavrao  roro  aQyiegeio  xai  rovo  yQafifiareiO  rov  Xaov 
ejivj^d-avero  jtuq  avra>r  jtov  o  yQiaroa  yevvarai:  -'oi  de  eijror 
avro?  £?'  ßrid^Xee^  rrjO  lovdaiaö'  ovrcoo  yaQ  yeyQajirai  dia  rov 
JCQO(p7/rov  ^xai  ov  ßijdXee^i  yij  lovda  ovdafjcoo  eXayiorfj  ei  er 
roio  7jyefioon'  lovdic  ex  öov  yaQ  e^eXevoerai  7]yovfieroö  oörio 
jToifiari  rov  Xaor  fiov  ror  lOQaijX'  ''rore  //QCüd//0  XaO^Qa  xaXeoao 


i 


pp.  26—29]  Codex  Eossanensis,  Mt  2.  3 

Tovö  fiayovö  ?/XQtßcoOsv  Jtag  avTcuv  rov  iqovoi'  tod  qaivonevov 

aöTBQOö  ^xai  jtsfi^ao  avrovö  eiö  ß?]ß-X££fi  \\  SLitsv  jtoQfivO-evTeo 

s^sraöars  axQLßwO  jtsqi  rov  jiaidiov  Ejiav  öe  svqtjts  ajtayyti- 

2.((T8  fiof  ojtcDO  Tcayco   izXf^mv  jtQoöxvi^fjöco   cwtoj'   ^ot  di  axov- 

OavTSö  rov  ßaöcXscnö  ejtoQevd^riöav  xai   tdov  o  aöTtjQ  ov  löov 

tp  T?j  avaroh}  jzQoriy^v  avTovo  eco6  i:X{)^(DV  eörrj  sjcaroj  ov  rjv 

TO  jiaidiov   ^^(.dovTSO  ds  rov  aörega  txaQ7]6ap  ya^av  ^eyahjv 

ötfoÖQa'    ^^/iai  eXdoi^reO  siö  rriv  OL/Ciar  cöov   ro   jratdior  fisra 

^aQiaö  n/ö  [^üjrQoö  avrov    xai   jrsöoi'rso   jtQoötxvvf/Oav  avroo 

xac   avoL^avrsö    rova   d-fjöavQOvö   avrcor    jiQoOyjvtyyMV  ||  avrro 

dcoQa  /Qvöov  xac  Xißavoi^  xai  <jf.w()vajr    ^'^xat  yQ)]iiaTiö^tvreö 

xar  ovaQ  fi7j  aimxafiipai   jtQoO  r]Qoj(h/v  öl  aVjja  oöov  av^ym- 

Qi]6av  £10  rTjv  ycoQar^    eavrcov     ^'^araycoQt/Oaprcov    6£  avrcov 

löov  ayy£Xoo  xvqlov  (patVBrat  xar  ovaQ  reo  ujoöi](p  X£ymv'  £y£Q- 

<^£io  7taQaXaߣ  ro  jiaiöiov  xat  ri]r  fi7]r£Qa  avrov  xca  (p8vy£  £iö 

aiyvnrov  xac  t6^£i  £X£i    £co6  av  £ijico   öoi'  fi£V.£t  yaQ  7]()coÖ7]ö 

C,rjr£iv  ro  Jtaiötov   rov  ajtoX£öai  avro'   ^^o  Ö£   £y£QO'£i(j   jtaQ£- 

XaߣV  ro  Jiatöiov  xai  rijv  ii7jr£Qa  avrov  vvxroo  xai  av£xo)Q7](j£V 

£lO  aiyvütrov   ^''xai  i]v  £X£i  £0^0  r?j(j  r£X£vrrjö  riQ03-  ||  öov  iva 

jihjQcod^tl   ro  Q9j8^£v   vjto  xvQLOv   öia  rov   Jigocpf/rov  X£yovroö' 

£^  aiyvjtrov   £xaX£öa  rov  vtov  fiov    ^'^ror£   i]Qmö//0  löcov  ort 

£V£ji£yß^7]  vjto  rcov  {iaymv  £{hvnmd^7j  A£Lav  xai  ajtoOr£iXa(j  avsi- 

X£v  jcavraö  rovö  Jtacöaö    rovO  £V   ß7]{)-X££fi  xai  £V  Jtaot  roiO 

OQLOiö  avr?]ö  ajTO  öt£rova  xac  xarcor£Qco  xara  rov  yQovov  ov 

7jXQtßmö£V  jiaga  rojv  fiaycov   ^^ror£  £jiXt]Qmd'7/  ro  Qr/fh£v  vjro 

i£Q£fii,ov   rov  jTQO(p7]rov  Ä£yovroö'    ^^(pcovrj   £v  Qafia  7]xovöB^7j 

d^QTjvoö   xai  xXavfhf/oO  xat  oövQ^ioö  jtoXvO'  QayjjX  xZaiovöa  ra 

r£xva  avr7]0  \\  xai   ovx   7jd^£l£v  ji:aQaxX£i^7]vai    ort  ovx  £i6tv' 

^^ r£X£vrrj6avroö  Ö£  rov  7jQ(X)Öov  löov  ayy£Xo6  xvqiov  (paiv£rai 

xar  ovaQ  reo  icoö/jg)   £V  aiyvjtrm  '^^X£yo)V'  £y£QS-£iö  jiaQaXaߣ 

ro  jratöiov  xai  rr/v  fi7jr£Qa  avrov  xai  7ioq£vov  £iö  yriv  löQatjX' 

r£d-v7]xa6i7''  yaQ  oc  yt]rovvr£ö  r/jv  y^v/T^v  rov  jcaiöiov  '^^o  Ö£ 

£y£Qd'£iö  jtaQ£XaߣV  ro  jtaiöiov  xai  rrjv  fi7jr£Qa  avrov  xai  7]Xd^£v 

£10  yrjv  iöQa7jX'  '^^axovOaö  Ö£  ort  aQX£Xao<j  ßaöiX£V£i  r/jö  lov- 

öaiac  avri  7]qcoöov  rov  jtarQOö  avrov  £(poß7j{)^rj  ajr£Xd£iv  £X£i' 

XQ7jfiariö^£Lö  Ö£  xar  ovag  av£XC0Q7]ö£V  £iö  ra  fi£Qfj   rtjO  yaXi- 

1* 


4  Codex  Rossanensis.  Mt  2.  3.  [pp.  30—33 

Xcaao'  '^^y.ai  ^X^ow  \  xarcoTcriOsr  eio  rrolir  ?.r/oi/87^r/v  vaCaged^' 
ojtmö  ji/,7]Q0)d^7/   To  Q?/{}-fj'   dia  Tojv  rrQO(fr/Tmr   otl  vaUoQaLOO 

III.  Ev  raiC)  rj^^gaiö  exsiraLö  jraQcr/irsrai  io?avv?/0  o  ßajr- 

TLOT//Ö    X?/()V(JÖCOV    62'    T?]  8Q7/I/CO  TTjO  iOVÖcuaC)    "^yMl   Xr/OW    ffSTfC- 

7'08LT8  fjyyixtv  yag  ?]  ßaou^ia  tov  ovQctvoyv  ^ovtoö  yag  ^örir 
o  ())]&8C0  vjto  ?/(jcaov  Tov  JiQog:?/TOV  Xr/orroO'  cfcoi'?/  ßoojvroG 

8V    r//    8Qt][^lOJ'    8TOlliaöaT8    TTlV    OÖOV  XVQIOV    8v{^8ia(j  J1018LT8    TCiCj 

TQLßovö  avTOV  ^avTOö  08  0  ifoaii'?/0  8iy8V  TO  8r6vi^m  avrov 
ajto  TQiycov  xafi?]Xov  xai  Cco7'r]r  d8Q-  \\  fiazimp'  ji8ql  t7/j'  odcfvr 
avrov    //  08   TQOffij  avTOv  ?/v  axQid8ö  xai  }i8XL  ayQiov    ^tot8 

8$,8JtOQ8V8TO  JtQOÖ  aVTOI'  l8QO0oXvi/a  XML  jraÖCC  ?/  tOVÖaia  '/ML 
JtaOa   7j    Jt8QLyO)QOÖ    rOV    LOQÖCWOV'    ^XML    8ßaJtTl^0VT0  8V    TO?    fOQ- 

öav7]  jroraffco  vjt  avrov  8^oiioXoyovii8POi  ra6  a^agnaö  avrcov 
''idojj'  08  jioXXovö  rcov  oaödovxauov  xai  cpagiöaimv  8Qyo{i8VOvö 
8Jti  TO  ßajtriöfia  avrov  8ljt8v  avroio'  y8rv7inara  8yLÖV(X)r  rio 
vjr8Ö8i^8v  v\inv  (pvy8Lv  ajro  rrjö  fi8XXov07]a  0Qy7]ö'  ^jroi7/(jar8 
ovp  xaQjtov  a^Loi'  r?j0  f/8rai^oiao  ^xai  //?/  do^)jr8  X8y8iv  8r 
8avT0i6'  jtar8Qa  8XOfi8v  rov  ||  aßgaafj'  X8yco  yaQ  i^fnr  ort  dvvarai 
o  d^8oo  8x  rcov  Xid^oji'  roi'rcov  8y8iQai  r8xva  reo  aßgaa^r  ^^7/07/ 
08  XML  7]  a^iV7]  JTQOÖ  T7/V  QL^av  rcov  Ö87'd()0J7'  X8irat'  jiav  ovr 

Ö8VÖQ01'   ff?/   JTOLOVl^   XMQJIOV  XaXoi^    8XXOJir8raL  XML    816   JTVQ   ßaX- 

Xsrar  ^^8yo?  /Yf?'  ßajrnCco  viiaö  6?'  vdari  8iö  f/8ra7'oia7"  o  Ö8 
o.Ttöco  ffov  8Qyofi8i'0(j  toyv()or8()oo  ^lov  80rir  ov  ovx  8L^i  ixaroo 
ra  vjto67]ffara  ßaoraoar  avroo  v{iao  ßajrriösi  f/'  jr7'8Vf/ari 
ayio)  xai  jtvql'  ^^ov  to  jirvoi^  87'  r7j  /£/()«  avrov  xai  öiaxa- 
ihagisi  rrjv  aXojva  avrov  xai  ovva$.8i  rov  öiror  avrov  stö  r7ir 
ajio^?/X7]p  ro  II  (h  ayvQ07'  xaraxavö8i  jivql  aoß80rco'  ^^ror8 
jiaQayiV8rat  o  i7j6ov6  ajto  r7/ö  yaXiXaiaö  8jH  ro7'  L0QÖa7'7]v  jtqoo 
ro7^  i03a7W7iiy  rov  ßajrri6d^7/rai  vjt  avrov  ^^o  08  ia)av7'7]ö  6i8- 
xatXvsv  avrov  XsyoiV   8yco  y()8Lar  8yjoo   vjto  oov  ßajrrL0{^7]rai 

xai     öV    SQyJI    JTQOÖ    /18'     ^'^ajT0XQl{^8lö     d8    O    UjöOVÖ     81JT8V     JTQOÖ 

avrov  a(f8ö  aQrf  ovro^o  yaQ  jtq8jtov  sörir  ?;//«'  jTX7jQcjöai 
jraöar  dixaioöv7'7/7''  rors  a(pi7jöir  avro7''  ^^xai  ßajTriöB^8iö  o 
ujöovö  ar8ß7]  8vfhvö  ajTO  rov  vöaroö  xai  idov  ar8coyß7]öar 
«VTco  Ol  ovQa7'oi  xai  i68r    ro    jn^ev^a    rov    t>8ov    xaraßairov 


pp.  34—37]  Codex  Rossaiiensis,  Mt  3.  4.  5 

vjösi  jtEQiöreQav  xai  tQyontvov  eit  avrov  ^'^xat  \\  t(5ov  ffcovrj  ex 
Tojv  ovQavojv  Xsyovoa'  ovroö  tönv  o  vioö  fiov  o  ayccjrfjToo  ev 
CO  rjvöoxTjöa' 

IV.  Tom  o  lijijova  artjyßf/  tio  rr^v  SQ?/f.ioi'  vjto  tov  jzvev- 
ffaroo  jiuQCiOd^Tjvai  vjio  tov  dtaßolov  "^xai  vrjaTsvöaO  ////£()«f; 
TSööeQaxopta  xai  vvxxaö  TSöasQaxovxa  vöreQov  tjtiraoev   ^xca 

JCQOÖsXd-COV  aVTCO    O    jtSlQCC^COr    eLJlSV     £t    VtOÖ    H     TOV    ihOV    tiTüb 

um  Ol  Xid^oL  ovTOL  aQTOL  ysvovTaf  ^o  öt  ajtoxQid^siö  etjtsv 
ysYQajiTüi'   ovx  tjc  aQTO)  jxovco   Cp]öeTCu  o  apß-Qcojioö   all   sjct 

JtaVTi   Q7]fiaTl    £XJtOQ£VOIUV(JO    Öia    ÖTO/ZaTOÖ    d^WV    ^TOT£   JiaQa- 

XaffßavsL  avTOV  o  öiaßoXoö  uö  Tijv  ayiav  \\  jioXiv  xai  töT7/(jii^ 
avTov  £jn  To  JiTSQvywv  tov  isqov  ^xai  leyei  avTco'  h  vioa 
iL  TOV  d^sov  ßaXs  OaavTOi'  svTSvd^er  xaTco'  ytyQajtTca  yaQ  oxt 
Totö  ayysloLö  avTOv  svTsXtiTai  jtSQt  öov  xat  ejit  ytiQojv  ccQovotr 
öe  fit]JC0T£  jtQoOxo^pr/ö  jtQoö  Xid^ov  TOV  Jtoda  öov  '^effi?j  avToj 
o  u/Oov(j'  JcaXcv  yeyQajtTüt'  ovx  sxjtscQüösiö  xvqloi^  tov  d^eov 
öov  ^jtaXcv  JtüQakaffßavsi,  avTov  o  öiaßoloö  eiö  oqoö  viprjXov 
Isiav  xai  öixvvöiv  avTco  jtaöaö  Tao  ßaOiXsiao  tov  xoöfiov  xat 
T/jv  öo^av  avTcov  ^xac  Xeyei  avTco'  Tavxa  öoi  jiavTa  ömöco 
eav  jteöow  jrQOöxvvrjötiO  fioi'  ^^tote  Xeyu  avTo^  o  itjöovö' 
vjtays  II  öaTava'  ysyQajtTai  yaQ'  xvqlov  tov  {^eov  öov  jiqoöxv- 
v?/öeLö  xat  avTCQ  fiovoj  XaTQSVöt/ö'  ^^tots  a(pu]öiv  avTov  o 
dtaßoloö  xai  töov  ayyO.oi  7iQOö7]Xd^ov  xat  öltjxovovv  avTco' 
^^axovöaö  Ö£  o  ujöovö  otl  lojavvrjö  jiaQtöod-rj  avsyo^Qrjösv  elö 
TTjV  yaXiXa  lav  ^^xat  xaTaXtJtcov  Tr/wa^agaT  tXd^ow  xaTcoxf/ösv 
ttö  xajcsQvaovf^  ttjv  jiaQad^aXaöötav  £V  oqülolö  CaßovXcov  xat 
V£(f.d^aXeiii'  ^^iva  jiXijQcod^rj  to  Qt}i)^tv  vjio  r/öaiov  tov  jtQorpf/TOv 
XeyovTOö'  ^'^yrj  C^aßovXcov  xai  yr]  vacpd^aXeLii  oöov  ^aXaöö7]ö 
jtegav  tov  ioqÖüvov  yaXiXaia  tcov  ed^vcov  ^^o  Xaoö  o  xad-ri-l 
fievoö  £v  öxoTi  (fo^ö  tÖ£V  f/eya  xat  tolö  xa&rjfisvoLö  sv  ycoQa 
xai  öxLa  d^avaTOv  cpcoö  avsTScXev  avTotö'  ^"^ ajio  tote  rjQ^^aTO 
o  t7]öovö  xTjQvööHV  xat  XeytiV  f^tsTavosiTS  7jyytx£V  yag  ?]  ßaöt- 
Xua  Tcov  ovQavcov  ^^ jisQtJtaTcov  (h  Jtaga  T7jv  ^aXaööav  Ttjö 
yaXiXaiaö  löev  ovo  adeXcpovö  öif/ojva  tov  Xsyofisvov  jcetqov 
xai  avögeav  tov  aSeXfpov  avTOv  ßaXXovTaö  a(.i(pißXr}öTQov  stö 
TTjv  d^aXaööav  7/öav  yaQ  aXietö'  ^'^xat  Xsyei  avTOtö'  devTS  ojztöco 


ß  Coflex  Rossauensis,  Mt  -1.  o.  [pp.  38 — 41 

iior  x('-(  JTOtfjOoj  i\uao  a/ueio  a}'H^(^K.ojroji"  '^^oi  öt  ^v&ecoo  af/ePTeo 
TCc  dtzTva  /]xoZov{)^?/oar  ccvrco'  -^ymi  jrQoßaö  exei-  ||  iH^tP  idtv 
aXlovO  ovo  adeXffovo  Laxcoßoj'  tot  tov  Ctriedaiov  xai  uoarviiv 
Tov  adO.qov  avrov  £2'  ro9  jzXolo)  fitza  Ctßeöaiov  tov  jtarQoo 
avTCov  xarciQTtC^ovTaö  ra  dtxtva  avroyr  xca  exaXeösv  avrovo' 
^"^01  ÖS  avd-bcoa  acftvreo  ro  iiXotov  xai  tov  jtaT^Qa  avTOJV 
fjxoXov^fjOar  avTOJ'  '^^xai  jteQif/yev  oXtfv  Tf/v  yalü^aiav  o 
u/öovo  ölÖuöxojv  iv  Tutö  ovvaymyaio  ccvtojp  xca  x?/Qvoöojr  to 
svayyehor  tt/O  ßaotXuao  xai  d^tQajtsvcoj'  jraöav  voöov  xca  jrccoar 
ficucixicw  er  toj  Xaco'  "^^xai  ajtrjX^sv  //  axo?/  avTov  sto  oXtjV 
Tf/v  övQtav  xai  jcQoör/veyxav  avTco  jcavTaö  tovö  xaxcoo  \\  eyovTCiO 
jiOiXiXcuö  voooio  xat  ßaOavoLO  Ovvayofitvovo  xai  öaifiovLC^oi/evovö 
xai  öiXtjviaC^ofttvovO  xat  jtaQaXvTixovö  xat  ed^tQajti^voev  avTOvö' 
'^■'xcu  tjXoXovd^riOav  avTOJ  oyXoi  jtoXXol  ajio  ti/O  yaXiXaiao  xca 
dtxajto?.eo)ö    xai    ieQOOoXi\aon'    xca    covdaiaa    xca    jtSQav    tov 

LOQÖaVOV ' 

V.  Mwr  di  tovo  oyXovo  artßtj  eio  to  oqoo  xca-  xad^tnjavTOö 
avTov  jiQOOfjXi^o}'  avTOj  ot  fiad^f/Tca  avTov  '^xca  ccrotsao  to 
öTOfia  avTov  tdtdaoxsv  ccvtovö  Xsycov  '^fiaxccQioi  ot  jiTonyoi  tco 
jtvtvfiaTi  OTL  avTcov  eöTLv  7/  ßccOiXeia  tojv  ovQavcor'  ^/caxccQioi  ot 
jtevO^ovvTeo  OTt  avTOi  jiaQaxXt-  ||  d^rjöovTar  ^fiaxccQtot  ot  jrQaetö 
OTi  avTot  xX?/Qovofi)/Oov<jtr  t7jv  y?/v'  ^f/axaQtot  ot  jitvcorTto 
xat  dt^ojvT&j  T7/)'  dtxcaoovvr/v  OTt  avTOt  /oQTccod^rjöorTca' 
'' ftaxciQtot  ot  sXsi/fiortö  OTt  avTot  eXerjO^f/GOPTca'  ^ftaxagtot  ot 
xad-aQot  TT/  xaQÖta  oTt  avTOt   tov  f)^sov  oipoi^Tcw    ^{laxaQtot  ot 

'clQ^lVOJtOlOt    OTt     aVTOt    VtOt    ü^HJV     xXfjß^f/ÖOVTai'     ^^  ftCCXCCQlOl     ot 

c)edtcoyi^ttvot  evextv  dtxatoovvr/o  OTt  avTcov  töTtv  //  ßaoiXtta 
TOJ}'  ovQavojr'  ^^/.laxccQtot  eöTS  oTav  ovstötOcoOtr  vftao  xat  dtco- 
t^ovötv  xat  etJtcoOtv  jtcw  jtov7]Qor  i>rjfta  xa{h  vficov  ipsvöoftei'ot 
svtxer  ti-tov  ||  ^^yatQSTt  xat  ayaXXtccod-e  ozi  o  fttod-oo  vficoi' 
jroXvö  hv   Toto  ovQCivotO'   ovtoo  yccQ  töico^ccr   tovö  JVQocptjTaCt 

TOVO   71 QO  VflO?)''     ^'^V}ttlü    tOTt    TO    CiXciö  TTjO    y7]Ö'    ECU'  df    TO  CtXciO 

[(coQard^rj  tv  Tirt  aXtodtjOtTcw  sto  ovöer  loyvet  ^ti  et  ///;  ßXfj- 
drjvat  ego?  xca  xaTajtaTHöd^at  vjro  tojv  avd-Qcojiojv'  ^^vfjsiö  eöTt 
TO  cfcoO  TOV  xoOf/ov'  ov  övvaTat  jroXiö  xgvßfjvai  bjravco  oqovO 
xbiff{:r//    ^^ov(h   xcuovoir   Xvyro)'  xca   Ttd^hcxötv  avTov  vjto   Tor 


pp.  42—45]  Codex  Rossaneiisis,  Mt  5.  7 

[fodiop  alXa  tjn  tijv  Xv/viav  xat  XapiJiu  itaaiv  rotö  ev  rt] 
OLTCia'  ^^ovTcoö  lai-ixparoj  zo  fpojö  i\uo?r  i/iJtQood^ev  tojv  av- 
d^QOJJtojv  ojimö  LÖmötv  vficov  ra  xala  ||  tQya  xai  öosccöcoöiv  top 
jtaxEQa  vficQV  rov  sv  roiö  ovQavoiO'  ^'^ firj  vof/i6r/Ts  ori  ijl{^ov 
xaraXvöat  rov  vo^ov  rj  rovö  jtQocp?/Taö'  ov%  ißß^or  xaralvöat 
aXXa  jcZfjQCQöac  ^^aftrjv  yaQ  Isyco  vfuj^  £co(j  m^  jtaQO.d-ri  0 
ovQavoö  xat  rj  7//  imra  ev  r/  ^ua  xsQata  ov  fir/  jiaQÜMij  ajto 
rov  vofiov  xat  tcov  jtQog)rj  tmö  av  jtavra  ysvr/Tai'  i^oö  sap 
ovv  XvöTj  fuav  rmv  tvroXmv  tovtcov  tow  tXayiOrmv  xac  dtda§?] 
ovTOJö  rovö  avd-QcoTtovö  elaxiOroC  xhjß-jjoarai-  sv  rr/  ßaöiXsia 
rcov  ovQavmv  06  6  av  jüoitjötj  xat  diöa^tj  ovroö  fisyaa  xZfjd-?/- 
asrai  sv  rrj  ßaocXsca  rmv  ovQavo^v  '^^Isyco  yaQ  vfiiv  ort  sav  ftr/ 
jts-  II  QiOösvöfj  rj  öixaiOövvTj  vfzojv  jtXsiov  rcov  y^afiftarscov  xat 
(faQtüauov  ov  (irj  siös 2.^-7]  rs  sto  rrjv  ßaöiXsiav  rmv  ovQavmv 
^^^rjxov6ars  ort  sQQS^t]  roto  a^yaiotC)'  ov  q)0vsv6SL6  oö  ö  av  cpo- 
vsvörj  svoyoO  sörai  n]  xqlöw  ^^syco  6s  Isyco  viitv  ort  jiao  o 
oQytC^o^svoö  reo  aösXcpco  avrov  slxtj  svo^oö  sorat  r7j  xgcar  00  6 
av  siJtTj  rm  aösXipco  avrov  Qaxa  svoyoö  sörat  roj  6vvs6qloj'  oö  6 
av  sijirj  ficoQs  svoyoö  sörat  stö  rr/v  yssvvav  rov  JtvQoö'  '^^sav  ovv 
jcQOö(psQr/ö  ro  öcoqov  öov  sjtt  ro  ^vötaörrjQtov  xaxst  fivfjöß^7]ö 
ort  o  aösXfpoö  öov  syst  rt  xara  öov  ^^aq)Sö  sxst  ro  öcoqov  ||  öox^ 
sftjTQoöß^sv  rov  d-vötaörtjQtov  xat  vjtays  jtQcorov  ötaXXayijd-t  rm 
aösXq)(X)  öov  xat  rors  sXd^ojv  jiQoöcpsQS  ro  öcoqov  öov  '^^töd^t 
svvocov  roj  avrtdtxco  öov  rayv  scoö  orov  st  sv  rrj  oöoj  fisr 
avrov  firjjrors  ös  jtaQadco  o  avrtdtxoö  reo  xQtr?j  xat  o  XQtrijO 
öS  jcaQaöm  roj  vjtrjQsrij  xat  stö  cpvXaxrjv  ßXrjd^rjörj-  '^^a^ijv 
XsycD  öot  ov  nvj  s^sXd^ijö  sxst^sv  scoö  av  ajiodcoö  rov  söyarov 
xoÖQavrrjv  '^''ijxovöars  ort  SQQS^rj'  ov  fxotysvöstö'  ^^syco  6s 
Xsyco  vfitv  ort  jtaö  0  ßXsjtcov  yvvatxa  jtQoö  ro  sjttO-vfttöat 
avrrjö  rj6rj  Sfiotysvösv  avrijv  sv  rij  xaqöta  avrov  '^^st  6s  o 
o-  II  cpd^aX(.ioö  öov  o  6s^toö  öxav6aXtCst  ös  s^sXs  avrov  xat  ßaXs 
ajto  öov  övficpsQSt  yaQ  öot  tva  ajtoXrjrat  sv  roov  fisXcov  öov  xat 
fx?j  oXov  ro  öcotxa  öov  ßXrjd^rj  stö  yssvvav  ^^xat  st  rj  ös^ta  ystQ 
öxavöaXtC^st  ös  sxxoxpov  avrrjv  xat  ßaXs  ajto  öov  öv^KpsQSt  yaQ 


18.  7iQ0(pri]  ita  in  üue  lineae  codex  tujv  syllaba  plane  amissa. 


§  Codex  Kossanensis,  Mt  5.  [pp.  46—48 

6oi  iva  ajco?J]Tat  ^r  rcov  iitZcor  oov  y.at  fitj  o/mv  to  oojfia  oov 
ßlrjd^fj  HO  yeai^vav  ^^SQQsd^?/  Ös  ort  oö  aar  ajiolvörj  t?]v  yv- 
vaLxa  avT\ov  öo\to)  [avrrj  ajio\(jT\aC)Lov'^  ^'^£y\oj  da  la\yco  [vfiiv 
0Ti\  Jta\ö  o  ajto]Xv[o)v  t?/i']  yv[rai.xa\  avrov  jiaQexxoo  koyov 
jtoQvtao  JtouL  avT7/v  ^oixc(.od^ca  xaL  oo  aav  ajioXeXvfievip^  ya/if/Of/ 
fior/arai'  ^^jiaXtv  f/xavöarai  on  SQ^af)^?/  roiö  agyaioio'  ovx 
ajnoQxrjöaiö  ajtoöcooaLö  da  reo  xv^loj  \\  rovo  oqxovo  Oov  ^*ayoj 
da  Xayco  vfiLV  ////  offoöai  oXcoO'  fir/za  ar  roj  ovQavoj  oxt  d^Qovoo 
aöTLV  Tov  {^aov  ^^fif/za  ar  nj  yf/  ort  vjtojtoöioi^  aoriv  rcov  Jtoöojv 
avrov  iii]Ta  acO  lagoGoXv^ia  ort  jcoXlö  aoxiv  rov  fiayaZov  ßa- 
ijikacoO'  ^^fzyra  av  t?j  xacpaXrj  oov  oiwör/O  on  ov  öwaöai  (xiai' 
TQiyav  Xavxt]v  //  n'aXatvav  jtoi^joac  ^'^aorai  da  o  Xoyoo  v^cov 
vai  rat  ov  ov  to  de  jiaQtooov  rovrcov  ax  rov  :jiovrjQov  aoriv 
^^r/xovöara  ort  aQQaß^rj'  oqjd^aXfiov  am  ocp^aXf/ov  xai  odovra 
avTi  odovTOö'  3^6/0?  da  Xayco  i^fiiv  f.if/  ai'Tioz?]vai  reo  jiovrjQoj' 
aXX  oOtlo  0£  Qajtt^at  aio  rf/v  da^iav  oiayova  ||  örQaxpov  avzoj  xai 
TTjv  aXXjjV  ^^xai  toj  i)^aXovTi  ool  xQtd^rjvai  xat  xov  yixojva 
Oov  Xaßaiv  aqjaö  avrco  xat  ro  ifiarior  dov^^xat  oötlo  6a  ayya- 
Qsvör/  iiiXiov  av  vjtaya  fiar  avrov  dvo'  ^'^rco  atrovvri  oa  didov 
xai  rov  ■S-aXovra  ajio  oov  darLOaöd^ai  firj  ajtoözQaipew  ^^?]xov- 
öara  ort  aQQa^r/'  ayajc?/67/6  rov  jiX?/öiov  öov  xai  f/iör/Of/o  rov 
ayß^QOV  öov  '^^ayco  da  Xaym  v^iv  ayajtara  rovo  ayß^Qovö  viioyv 
avXoyaira  rovö  xaraQwf/avoco  vfiaö  xaXoJO  jioiacra  roio  fiiooiötv 
i\uaa  xat  jtQoöavyaOi^a  vjtaQ  rcov  ajt/jQeaCovrvjv  v^uaö  xat  dtco- 
xovrcov  v/iaö'  ^^ojrxoö  av  y£v?jOd^£  vtot  rov  jtargoö  h\ucov  rov 
av  ovQavotö'  ort  rov  rjXtov  avrov  ||  avaraXXat  ejti  Jtovt/Qovo  xat 
ayad^ovG  xat  ßgayat  ajtt  dtxatovo  xat  adtxovö'  ^^sav  yaQ  aya- 
jif]ö?]ra  rovo  ayajtcovraö  vfiaö  rtva  i^itöd-ov  ay^ara'  ovyt  xat  ot 
raXcovat  ro  avro  jrotovöiv  ^'^xat  aav  aOJtaö?j0^8  rovO  (ptXovö 
vfiojv  (iovoi^  rt  jiaQtöOov  jiotatra '  ovyt  xat  ot  raXcovat  ro  avro 
jrotovötv  '^^aoao{}^a  ov?'  vfiato  raXtot  coo  o  jrccnjQ  17/09;'  0  ovga- 
rtoo  raXatoC)  aortv 


31.  niTov  öoroj  —  cijio/..  rriv  yvvaixa.]  omiiia  haec  propter  homoeote- 
leutüii  omissa  et  in  margine  adiecia^eranti  sed  litterae  uncinis  iuclusae  a 
bibliopego  abscisae  sunt.  ^'^^v.  OF   il1£0/4£*^ 


pp.  49 — 52]  Codex  Rossanensis,  31t  6.  9 

VI.  IlQoOsytTi:  di  r/yr  8?.8?//ioovvrjv  vfiojj'  /i?/  Jiottip  e^u- 
jTQoöi^tv  rcov  avd^Qcojtcov  jtQoö  To  {hbad'7]vai  avToco'  ei  de  fir/ye 
laöd^ov  ovx  sxers  jtaQa  reo  jtazQt  v[io3v  reo  tv  tolö  ovga- 
voiO'  '^orav  ovv  jtoieiö  £-  ||  ?.ujfio6vv7]v  fi?]  <ja?.xiö7jO  a^jiQOijB^tv 
cor  o)6jt8Q  OL  vjtoxQixaL  jtoLovötv  er  tcuO  öwaycoyaio  xai  tr 
Tcaö  QVfiatO  ojtcoö  doc,a<jd-coöip  vjto  rojr  avd^Qo^jiojv  aijrjv  Ityoj 
vf/ir  ajtsxovoiv  ro2'  (uöd^ov  avxcov  ^öov  öt  JtoiovvroO  eXerj- 
(loövvrjv  fi?]  yvcorm  //  aQtörsQa  öov  rc  Jtotei  tj  ös^ia  öov  ^ojtojo 
?j  öov  rj  sXs7](io<jvvrj  sp  roj  xqvjctco  xca  o  jtaxfjQ  öov  o  ßXtJicov 
fv  TCO  XQVJtTO)  avTOö  ajtoöcoöt]  öoL  SP  T(X)  cpaP£()co'  ^xat  orav 
jcQOöev/jj  ovx  eörj  coöJttQ  oi  vjioxQtTat'  ori  (ptlovöip  tv  raiö 
övpayojycuö  xai  sv  ratö  yajviatö  xcov  jilaxump  sörcorsö  jiqoö- 
£r/6(>^6  ojtcoö  av  (pavcoöLV  tolö   ap{}^QcojtOLö'  \\  a{i7]p  leyoj  vfup 

OTL  ajlbXOVÖLP  TOP  ^Uöd^OP  aVTOJP'  ^öv  ÖS  OTav  jtqoösvx^j  tLÖtld^t 
8LÖ  TO  Taf(£LOP  XaL  xXsLÖaÖ  T)]P  O^VQÜP  öov  JtQOÖ£V§£  TO)  JTCiTQL 
ÖOV  TCO  tP  TCO  XQVJtTCO  XÜL  O  Jr«T//(>  ÖOV  O  ßlsjtCOP  tP  TO) 
XQVJtTCO  ajiodcoö?/  ÖOL  8P  TCO  CpaP8QCO'  '^  JüQOÖtVXO^USPOL  ds  fl7J 
ßaTTOloy7jÖfjT8    0)ÖJt8Q  OL  8d^PLX0L'    ÖOXOVÖIP  yaQ  OTL   8P  T7]  JtoXv- 

XoyLa  ctvTcop  8Löaxovö^?/öovTaL'  ^ fit]  ovp  ofiOLcoO^r/TS  avTOLö' 
olösv  yaQ  o  jiaTTjQ  vfiojv  cdp  xQ^i^^^  ^/^^^  jr()ß>  tov  vfiaö  airrjöat 

aVTOP'    ^OVTOJÖ    ovv  JlQOÖ8VX8öd^8    V[i8LÖ'    JüCCTSQ  9]flC0P    O    8V    TOLÖ 

ovQCiVOLö  ayLaö{^7}Tco  to  ovofLa  \\  öov  ^^sX^utco  rj  ßaöLlsia  öov 
y8Pf/^?]TCo   TO  d-sXf/fia  öov  ojö  sv   ovqüpco  xm   8jil  yrjö'    ^^tov 

aQTOP  r/flCQP  TOP  8JIL0VÖL0V  ÖOÖ  )/fiLP  ÖTjfiSQOP'  ^^XÜL  ÜCpSÖ  i//U)' 
Ta  0Cfj8Lh]fiaTa  r/f/COV  OÖ  XCU  ?]fl8LÖ  ClCpLOflSP  tolö  O^lXsTÜLÖ  7]flCOP' 

^^xaL  ffij  SLöspsyxf/ö  t/fiaö  slö  JisLQaöfioi'  aXXa  qvöcu  f/iiccö  ajio 

TOV    JCOVTjQOV    OTL    ÖOV    8ÖTLP    7]    ßaÖLlSLa    XaL    7]     ÖwaflLÖ    XaL    7j 

öoscc  810  Tovö  aLcovaö  af/,7/p'  ^^sav  yaQ  acp?/T8  tolö  apd^QOiJiOLö 
Ta  JtaQa JZT CO (laTCi  cwtcov  acptjöSL  xaL  vfiLv  o  JtaT7jQ  vficov  o 
ovQavLOö'  ^^sav  Ö8  fir]  a<p7jT8  tolö  avd^QCDJtoLö  Ta  jtaQciJtTcof/aTa 
avTcov  ovös  o  JtaT7]Q  vficov  a<p7jö8L  Ta  jraQajTTcofiaTa  vficov 
^^orav  ds  pt/ötsv-  \\  8T8  ftr]  yLPSö^s  coöjisq  ol  vjcoxQLTaL  öxvd^Qcj- 
jtOL'  a(pavLC,ovöLP  yaQ  ra  jtQoöoiJta  avTcov  ojtcoö  (pavojöLP  tolö 
avd^QcojcoLö  V7JÖT8V0VT8Ö'   afi7jv   Xsyco   vfiLV  OTL  ajtsxovöLV  top 

flLöd^OP  aVTCOV  ^"öf  08  V7JÖT8VC0P  aXL^8  ÖOV  T7jP  XSCpaXtjV  XCU 
TO      JlQOÖCDJtOV     ÖOV     VLlpS     ^^OJtOJÖ    ftf/     (fjaVt]Ö    TOLÖ     apß^QCOJCOLÖ 


10  Codex  Rossanensis,  Mt  6.  [pp.  53 — 56 

vr/OT8vo)i'  aXXa  reo  jtaxQi  Oov  to?  tv  toj  xqvjttco  y.cu  o  rraT7/Q 
öov  0  ßAtjtow  £v  TOJ  xQvjtTco  ajTodcoo?/  oof  ^■\fu]  ^rjöavQi^tre 
vfiLV  d^?j6c(VQovo  tJTf.  T//0  yj/o  ojiov  01/6  xcu  ßQojöio  ccfpaviCti 
xca  ojTOv  xlsjixai  Öloqvööovolv  xai  xÄejtrovöi'  ^^d^rjöavQiCsTe 
dt  vfur  II  d'7jöavQov(j  ev  ovQavoj  ojtov  ovre  orjO  ovre  ßQcooio 
ac/avtCti  xMi  ojiov  xXejtrai  ov  dtoQvöOovöiv  ovös  xZejtrovoir' 
^^ OJTOV  ya(}  tOTir  o  ß^fjOavQoo  vlwjv  sx8t  torai  xai  rj  xaQÖia 
viww  22 o  Xvyvoö  Tov  örj^t/aroo  toriv  o  0(pd^alii0ö'  sav  ovv  o 
ogjr^^aXfwo  oov  ajtlovo  //  oXov  to  öofia  oov  cpojrivov  torar 
^^£av  de   o   og)ü^a?^fioo  oov  jiovijqoo  i]  oXov  to  ooj^a  oov  oxo- 

TLVOV    tÖTar    £t    ovv  TO    (pOJO    TO    8P    001    OXOTOO    80TLV    TO    OXOTOO 

J10007''  ^^ovöto  övvaTai  övocv  xvqlolo  dovXevHV  tt  yaQ  tov 
tva  {U07}örj  xca  tov  tTtQov  ayajirjOei  i]  evoo  avd^ts^Tcu  xat  tov 
eTSQov  xaTacfQovrjow  \\  ov  6vvaoi)^ac  d^eco  dovXsvetv  xai  fiaiicovcr 
"^^dia  TOVTO  Zeyco  vficv  fir/  f/tQtf/vaTt  r//  tpv/?/  vficov  ti  (payriTt 
xca  TL  jtniTB  (irjde  toj  ocofiaTi  vftojv  ti  8vdvo?/o{^8'  ov/i  //  i/^t- 
yjj    ütXeiov   eOTiv    t?jo    TQ0cp7]0    xca    to    Oco/m  tov   erdviatTOO' 

^^^8f.lß?.8XpCXT8    810    Tu  Jt8T8iVCl    TOV  OVQÜVOV   OTl    OV   OJTIQOVOIV    OVÖe 

ih8QLL^ovOtv  ovöe  OvvayovOiv  eiO  ajiod-rjxao  xca  o  jtccttiq  v\uojj'  o 
ovQCivtoo  TQ8(f)8i  avTü'  ovy  v(i8Lö  {lallov  ötacp8Q£Te  aVTCOV 
^"^Tio  08  fg  vfiojv  fiSQtfivcov  övvaTai  jtQoo^eivac  sjtt  tijv  /]M- 
xiav  avTov  Jtrjyvv  eva'  ^^xat  ji8Ql  svövfiaTOO  ti  ft8Qi(nmT£' 
xaTafici^8T8  Ta  xql-  ||  va  tov  ctyQov  jiojO  av^avei'  ov  xojtia  ovöe 
v/jf^8i'  ^^ Xeyoj  de  vfiiv  otl  ovöe  ooÄofiojv  ev  jtaO?/  t?/  öo^y  ccvtov 
jteQießaXeTO  coO  ev  tovtcov  ^^et  de  tov  yoQTov  tov  cxyQov  or/- 
fiegov  ovTa  xai  cwqlov  eio  xXtßavov  ßaXXof/evov  o  d^eoo  ovtojo 
ajKptevvvOLiy  ov  jioXXoj  fmVMv  vfiao  ohyojciOTor  ^^/jr/  ovv  fte- 
()i/iv?j07]Te  XeyovTeo  ti  rpayo/jev  //  ti  jtio/iei'  //  ti  jreQtßalo^ied-a' 
^'^TavTa  yaQ  jtavTa  Ta  e^^tnj  ejtiL,/iTet'  otöev  ya{)  o  JtaTriQ  vficov 

O    OVQaVLOO    OTl   XQ)/^eT8    TOVTCOV  ajtaVTOJV    ^^C7]T£l,Te  de  ütQOJTOV 

TTjv  ßaOtXeLav  tov  fheov  xai  ttjv  dixatoovvfjv  avTOv  xai  TavTa 
jtav-  II  Ta  jTQOöTed^tjOeTca  vj^iv  '^^fi?]  ovv  fjeQif/V7]OfjT8  eio  t?/v 
avQiov  ?!  yaQ  avQiov  fieQi^u)'?j07/  tcc  eavTrjO'  ccQxeTOV  t7i  7ifieQcc 
tj  xccxia  avTijO' 


19.  d^ijaavQL^ext  xt/.]  (jic^tre   v/niv  S^tjaccr  bis  scriptum,  sed  piiore  loco 
})artim  erasum,  partim  asteriscis  superpositis  improbatum. 


pp.  57 — 60]  Codex  Rossaiiensis,  Mt  7.  11 

YII.  Mtj  xQLVtTS  IV a  (jitj  xQL^fjxe'  ^6?'  oj  yaQ  x^ifiart  xqc- 
r8T8  TCQtd-rpf^öd^ai  xac  er  co  fisxQco  f^ergeirt  avTif(tTQ7iihf]6eTac 
vfiLV  ^Ti  de  ßXtjtbLO  TO  xaQ(poo  ro  tr  reo  ocpf)^aZ{/ü:)  xov  adsl- 
cpov  oov  Tf/v  de  öoxov  ttjv  ev  xm  öco  0(pd^aXncD  ov  xaxavoetö' 
^tj  jTcoö  sQeiö  xco  aöeZtpo?  öov  acpeö  txßaXoj  xo  xagfpoö  ex  xov 
o(pd^aX{iov  oov  xai  töov  ?]  doxoö  ev  xco  o(pd^aX{ioj  oov  ^vjto- 
XQixa  exßaXt  jiqcqxov  xtjv  öoxov  ||  ex  xov  o(p0^aXfwv  oov  xai 
xoxe  öiaßXeipeiO  exßaXeiv  xo  xaQcpoo  xo  ev  xco  ocplhcdfioj  xov 
aöeXcpov  oov  ^f/r/  dojxe  xo  ayiov  xolo  xvolv  fn]öe  ßaXtjxe  xovo 
(iaQyaQixaO  t\ucov  ef.ijrQoofhev  xcov  yotQcov  fi7]jtoxe  xaxajcax?/- 
OovOlv  avxovo  ev  xoiO  jioOtv  avxcov  xat  oxQacpevxeo  Qri^ovOtv 
vficiO'  "^atxetxe  xat  öod^r/Otxai  vffcv  C^xeixe  xat  tv()7]0exe'  XQOvexe 
xcu  avor/rjOexai  vfuv  ^jcao  yaQ  o  caxcov  Xa^ßaveL  xai  o  C^rjxcov 
evQtOxei  xat  xod  xqovovxi  avoiyijOexaf  ^7j  xco  eOxcv  e$,  vficov 
avd^QVjjtoo  ov  eav  aix?]07j  o  vioo  avxov  agxov  (iri  Xcd^ov  ejtt- 
dcooei  cwxoj'  ^^xat  eav  ti&vv  ||  caxt/oei  ////  og)cv  ejiLÖcoOet  avxo)' 
^^ei  ovv  vfxeiO  jtovrjQot  vjtaQ^ovxeo  oiöaxe  6of/axa  ayad-a  öido- 
vcu  xoto  xexvoiO  vfuo)'  jtooco  fiaXXov  o  jiax7]Q  vficov  o  ev  xoiO 
ovQavoiO  öcooec  ayad-a  xolO  aixovoiv  avxov  ^'^jtarxa  ovv  ooa 
eav  S^eXr/xe  iva  jiolovOlv  vfuv  oi  avB^Qcojiot  ovxcoo  xat  v^ueio 
jtoacxe  avxoiO'  ovxoo  yaQ  eoxiv  o  vofioo  xai  oi  jtQocprjxar 
^"^eiOeXd-axe  öta  xtjo  oxevrjO  jtvhjo  oxi  jtXaxeta  /y  jtvXrj  xat  ev^ 
QvxcoQoO  7]  oöoö  ?]  ajiayovoa  eio  xtjv  aTtcoXiav  xai  jioXXoi  eiOiv 
Ol  eiOeQjpnevoi  öi  avx)]0'  ^^xt  oxevrj  r/  jivXf]  xai  xtd^Xini^ievTj 
tj  odoo  7]  ajiayovoa  \\  eio  x7/v  C^cx)7ji^  xai  oXiyoi  eiOiv  oi  evQiO- 
xovxeo  avxrjv  ^^jiQOOeyexe  de  ajio  xcdv  tpevöojiQOcpfjxojv  oixi- 
veo  eQXOVxai  jiqoO  vfiao  ev  ev6v(^iaOiv  jrQoßaxcov  eOo^d^e^y  de 
eiOiV  Xvxoi  aQjtayeO'  ^^«jro  xcdv  xaQjtcov  avxow  e^iiyvcoOeOd^ai 
avxovo'  f/7]xi  OvXXeyovOiV  ajio  axav^ojv  oxacpvhjv  j]  ajro  xqi- 
ßoXcov  ovxa'  ^'^ovxcdO  jiav  devdgov  ayaf^ov  xagjiovo  xaXovo 
jtoiei  xo  de  öajiQov  devdQov  xaQjiovö  jcovtjqovO  Jioier  ^^ov  dv- 
vaxat  devdgov  ayaß^ov  xaQjcovo  JtovrjQovo  jioieiv  ovde  devdQOv 
OajiQov  xaQjiovo  xaXovo  jroteiv  ^^Jtav  devdgov  fi7j  jzoiovv  kccq- 
jtov  xaXov  ex-  \\  xojrxexai  xai  eiO  jivq  ßaXXexai'  '^^agaye  ajro 
xoDV  xagjtcDV  avxojv  ejciyvcoöeod-e  avxovo '  '^^ov  jtaö  o  Xeycov  [loi 
xvQie  xvQie    eiOeXevoexai  eiO   x7/v  ßaoiXeiav  xojv  ovgavcov  aXX 


12  Codex  Eossanensis,  Mt  7.  8.  [pp.  61—63 

o  jtoiojv  TO  d^tXrjua  tov  jcaxQoo  fiov  tov  tv  ovQavoiO'  '^'^jio).- 
Xof  tQovöip  (lOi  ev  exsivr/  t?/  rjfteQa'  xvqh  xvQie  ov  reo  ooj  ovo- 
{lari  jtQotfpr/revöaf/ev  xai  ro)  aco  ovoimri  dai(.iovia  s^eßaAoiitr 
•/Mi  Toj  6oj  ovofiaTL  öiwafieiö  jzoXXao  ejT0i?jöaii8V'  '^^xai  rore 
o/ioXoyTjöo)  avTOLö  ori  ovöejtore  typojv  vftao'  ajtoxojQetrs  ajt 
s/iov  Ol  SQya^ofavoi  rt/v  aroffiav  ^"^jrao  ovv  oöriö  axovu  [lov 
tovo  Xojovö   TOVTovö  xai  jtoLst  avTOvo  of/otcooo)   avToi^  avÖQi 

(fQovifico   oöTiö  II  0r/C0d0fi7/Öf:V  aVTOV  Tt]V  OLXiaV  tJtl  TTjV  JtbTQaV 

^^xai  xartßr]  r/  ßQoyj/  xml  7/lü^ov  ot  jtorafioi  xai  ejcvevoav  oi 
avsfioi  xai  jiQoötQQ7]^av  xr/  olxlu  exeivrj  xai  ovx  tJitötr'  re^t- 
(ibXeicoTO  yaQ  sjti  tt/v  jitzgav  ^^xcu  jcao  o  axovoyv  (wv  rovo 
Xoyovö  TOVTOVÖ  xai  ftrj  jtoicov  avTOVö  ofioioj^ijösTai  avÖQi  ficoQOj 
oöTLO  coxoöofi?jöep  avTOv  xtjv  OLXtav  £jii  t?]v  afifiov  '^^xaixaTeßrj 
t]  ßQoyji  xai  7/Xdoi^  oi  TtoTafioi  xai  ejivsvöav  oi  avsfioi  xai  jtgoo- 
8xoipav  r//  oixia  txEivrj  xai  sjiaöev  xai  //^'  //  jttcooiö  avT?/0 
layaXtj  ö(poÖQa'  ^^xai  eyei^STo  ots  tTeXtöev  o  i7]oovö  tovo  Xo- 
yovö  TOVTOVÖ  e^sjiXr/ööovTo  \\  oi  oyXoi  tjii  t?/  didayj/  avTOV 
29 ^yj,  yf^^^j  öiöaöxmv  avTOVö  ojö  i^ovöiav  tyojv  xai  ovy  coö  oi 
yQaf/fiaTSiö  avTow 

VIII.  KaTaßavTi  da  avTco  ajio  tov  oqovö  tjXoXovd-tpav  avTco 
oyXoi  jioXXoi'  ^xai  löov  XejiQoo  jcqoösXO^cov  jzQOöexvvai  avTco 
?.£ycov'  xvQie  sav  d-tXrjö  dvvaöai  /is  xad^agiöai'  ^xai  axTeivaö 
T7]j^  yaiQa  r/tpaTO  avTOv  o  ujöovö  Xtycov  d^tXco  xad^aQiöd^7]Ti' 
xai  ivd-scQö  exad aQiöd-T} avTov  rj  XajTQa'  ^xai  Xeyai  avTco  o  ir/öovö' 
oQa  firj6£j>i  £ijr?jö  aXXa  vjzayt  öeavTOV  öei^or  toi  itQH  xai 
jTQOöeveyxt  to  öcoqov  öov  o  jTQOöSTa^sv  {.lojvörjö  eiö  fiaQTVQior 
avTOiö'  ^tiöeX^ovTi  de  avTOj  eiöxajreQ-  \\  raovn  jrQOöijXd^tv  avTco 
sxaTOVTaQyoö  jtaQaxaXvjv  avTOV  ^xai  Xtymv  xvQit  o  Jtaiö  (xov 
ßeßXf/Tai  8v  TT/  oixia  jragaXvTixoö  öbivcoö  ßaöariCof^fsvoö'  'xai 
Xayiri  avTO)  o  ir/oovö'  tyco  tXdcov  d^a^yajitvöo:)  avTov  ^xai  ajto- 
xQii^tiö  o  txaTOVTa^ryoö  t(pr/'  xvQie  ovx  ai/ii  ixaroo  iva  fwv 
vjto  T7fV  öTtytjv  eiötXß^f/ö'   aXXa  ^tovov  ttjrt   Xoyo)  xai  lad^ijöt- 


22.  öaifiovia  f-^f-ßcJ.offtv  xci  tcj  ato  oro/^.r/]  ünniia  liaec  in  ipso  textu 
omissa  et  in  margine  suppleta. 


24.  Toviovo  in  margine  additum. 


pp.  64 — 67]  Codex  Eossaneiisis,  Mt  8.  j^3 

raL  o  jraiö  fiov  ^y.ai  yaQ  syo)  av{hQcojTOö  eifiivjro  s^ovöiav  t^ojv 
vüt  sfxavroi'  örgaricoraö  xai  Xeyoj  tovtw  jioqsvov  xat  jtoQsv- 
erat  xai  aXXo')  sq/ov  y.m  egx^tai  xai  reo  dovZco  (iov  jroif]6or 
TOVTO  xai  jtoui'  ^^axovöaö  öexavTa  o  ltjöovö  8{)^avfia-^  asv  xai 
tijisr  TOtO  axoZov^ovOa^  avrco'  afi7]i'  Xsyco  vjiiv  ovöe  ev  reo 
lögar/X  TO(javT?]v  jriöriv  rjVQOV  ^^Ir/co  öe  vfjip  ort  jtoaäol  ajro 
avarolcov  xai  övöficov  tj^ovOiv  xai  avaxleid^rjöovraL  fisra  aßgaaiif 
xaL  Löaax  xai  taxo)ß  sv  T?y  ßaöiZsca  rcov  ovgavojv  ^'^m  ös  vlol 
TTjö  ßa(jiX8La6~ßxß)j]d^7]6omai  siö  ro  oxoroO  ro  s^ojtsqoj''  sx^i 
sorac  o  xlav{^fioo  xai  o  ßQvyfioo  rcov  oöovxmv  ^^xac  eijrev  o 
iTjöovö  TCO  Fxaroi'TaQyj]'  vjtays  xai  coo  sjtiörsvöaö  y67'r/^7]Tco 
60L'  xai  la^Tj  o  jtaiö  avrov  ajto  t7]6  cogao  exsLpr/O'  xai  vjto- 
6TQ£ipao  o  exaroi'Tapyoö  sio  toj^  oi-  \\  xoi'  avrov  £?>  avrtj  ttj  ojQa 
7]VQ8V  avrov  vyiaivovra'  ^^xai  eX^^oyv  o  irjOovo  eio  r7]v  oixiav 
jierQov  löev  rr/i^  jtsvd^eQar  avrov  ߣßX7]fi£v?jv  xai  jtvQEöOovoav' 
^^xai  7/iparo  r7]0  xsiQOO  avrfjö  xai  ag)7jx&r  avrr/i'  o  jrvQeroo 
xai  r/y8()d'7/  xai  6i7]xoi'si  avrco'  ^^orpsiao  ds  y8VOffer7]0  jiqoO- 
7p^8yxav  avrco  6aifioiHC,o{/8i'ovo  jioXXovö  xai  8§£ßaX8i^  ra  Jt7^8v- 
fiara  Xoyco  xai  jiavraö  rovo  xaxojö  8yovrao  8Ü^8Qajt8v08r' 
^''ojccoö  jrX7]Qoy{)-7j  ro  Q7/^81'  öia  TjOaiov  rov  jiQocf)7]rov  X8yovro6' 
avroo  raö  aöfh8viao  7j(wjv  8Xaß8v  xai  raö  vooovo  8ßa6rarj8V' 
^^löoyr  08  0  i7]6ova  jioXXovo  oxXovO  jt8Qi  avrov  8-  ||  x8X8vö8v 
cxji8X{^8iv  816  ro  Ji8Qav'  ^^xai  jiQoö8Xd^cov  8iö  yQafiffar8vö  8ijr8v 
avroy  di6aoxaX8  axoXovfhr/Oco  öoi  ojtov  8av  aji8Qy7]'  '^^xai  X8y8i 
avroj  o  irjöovö'  ai  aXojjz7jX86  cfcoXaiovO  8)[ov6i7'  xai  ra  jr8r8i7ri 
rov  ovQavov  xaraOxrjvoj68i6  o  08  vioö  rov  ard^Qcojcov  ovx  8y8i 
jiov  r7]v  x8(faX7iv  xXtv7/'  '^^8r8QOö  08  roor  ffai)^?jrcov  avrov 
81J18V  avrco'  xvqi8  8JtirQ8'(por  iioi  ütQo^rov  ajt8Xd^8iv  xai  ^ayxci 
ro7>  Jtar8Qa  fiov  ^^o  Ö8  itjOovo  81jt8V  avrco'  axoXov^8i  f/oi  xai 
acp86  rovO  V8XQOV6  ^axpai  rovö  8avrcov  v8xqovö'  ^^xai  8fißai- 
vovroö  avrov  8iO  ro  jtXoioi^  TjxoXovO-rjCai^  \\  avrco  oi  f/aü^7/rai 
avrov  '^^xai  löov  oiOf^oo  fi8yaö  8y8V8ro  87'  rr/  {^aXa6ö7/  coOr8 
ro  jtXoiov  xaXvjir8öd^ai  vjro  rcov  xvfiarcoiy  avroö  Ö8  8xad^8v687'' 
^'^xai  jtQoC)8Xd-ovr8ö  Ol  [lad^rjrai  avrov  7]y8iQav  cxvrov  X8yovr86' 
XVQ18  öoiöov  7iiiaö  ajroXXvfi&d^a'  '^^xai  X8y8i  avroiO'  ri  öeiXoi 
£0x8  oXiyojtiöroi '  ror8  £y8Qd^8iö  8jr£rifi7/68i^  roiö  ar8f^oiö  xcu  rr/ 


14  Codex  Kossanensis,  Mt  8.  9.  [pp.  68—71 

0-a?M<jör/  Tcca  sysvsro  yaXrjvr/  f/eyah]'  '^'oi  ös  avO^QcojiOL  ed-av- 
ifciOap  XeyovTeo'  jiorajcoö  eonv  ovroö  ort  xai  oi  avsf/OL  xai  ?/ 
{^aXaoöa  vjtazovovöu'  avxco'  '^^xai  tli^ovri  avrco  siö  ro  jisqch' 
fiö  TT/v  '/^ojQar  Tcov  ya6aQ7]vcov  vjt?]v-  \\  rr/oaj'  avrm  ovo  Öai- 
ffovtC.ofi8roc  i-TC  rojv  firr/fiSLcor  s^t^/of/si^ot  laXkjioi  luav  coort 
,«//;  loyv^iv  TLva  ötel^^tv  6ia  t7jö  odov  &x8iv?/0'  '^^xai  löov 
ty^Qa^ar  Zeyoi^rsö'  xt  rjfiLV  xcu  ooi  UjOov  vis  rov  >9^fof  rjXi^so 
C0Ö8  JtQO  xcuQOV  ßaGaviOüL  7/fiaö'  ^^7jr  de  naxQav  ajr  avTOV 
ayehj  yoLQfov  jroXlcov  ßoöxof/tvr/'  ^^ot  dt  öai/jovso  jtaQsxaAovv 
avTov  Xr/oi^reO'    u   sxßaXXsiö  7]^uao    sjtLTQa^fmv  ?i(uv   stöeXd^tir 

810  T7JV  ay8hp'  TOJl'  yOlQOJV  ^'^Xai  8tjT8V  aVTOLö  VJtay8T8'  Ol  Ö8 
8^8yL{h07'T86   ajt7]W07^    8LÖ    T7 jV  ay 8 h]7^    TCOV  yOiQOW     Xai    LÖOV  (DQ- 

fi7/ö8r  Jta-  II  oa  7]  ayehj  xaxa  rov  XQ7]fiPov  8iO  rrjv  ^cuaoöai^  xai 
ajieO^avoiy  87>  tolö  vöaOLV  ^^ol  08  ßoöxovreo  8(pvyov  xai  aji8l{)^ov- 
reö  810  T7;z^  noXiv  ajirf/yeilav  jiavraxai  ra  rcov  daif/onCo/urcoj'' 
^^xai  löov  jiaOa  7j  jtoXiO  8^7jXd^8i'  eiö  övvavTrjöiv  reo  UjOov  xai 
iöo7'T86  avTO)^  jcaQ8xaX8öav  ojtojö  fieraßt]  ajio  tow  oqicov  avToyv 
IX.  Kai  8fißao  eio  to  jiXotov  öi8jt8Qaö87'  xai  ijXd^ev  8iö  r^/i' 
löiar  JioXiv  '^xai  löov  jtQoö8(f8Qov  avrco  jtaQaXvTixoi^  8jn  xXei- 
Vi]ö  ß8ßh/f/8i'or'  xai  löow  o  irjöovo  r7]v  Jtiörir  «fror  8iJt8v  reo 
jiaQaXvrixco'  ^aQö8i  r8X7^07>  a(f807'Tai  ooi  ai  af/cc^)-  \\  rtai  öov 
'^xai  löov  ri7'80  row  ygan^aremv  8iJi07>  6r  8avroiö'  ovroö  ßXao- 
(p7]f/8i'  ^löcov  Ö8  o  Ujöovö  xaö  8rf)^v^u7]ö8iO  avTC07'  8ijr8P  avroiü' 
ivari  vf/eiö  8v{^vft8io0-8  Jio7^fj()a  fr  raiö  xagöiaio  v^icov  -'riyaQ 
8öriv  8vxojtojT8QOJ'  81J181V  a^80Prai  001  Cd  afiaQricu  ?/  8ijcsir 
8yei()8  xai  jt8QiJtar8i'  ^wa  Ö8  8iÖ7jr8  ort  8i,ovöia}'  eyji  o  vioö 
rov  ard^QOjJiov  8Jii  r7/0  yi/O  acpui^ai  af/agriaö  rore  Xtyti  reo 
jiaQaXvrixm'  8y8()d8io  aQov  oov  r/ji'  xZeii'?])'  xai  vjraye  8io  rov 
oixop  öov  ''xai  8y8Qd^8iö  aji7jX{^8v  8iö  rov  oixor  avrov 
^iöovr8ö  Ö8  Ol  oyXoi  td^av^aöai'  xai  ||  8Öo^aöar  rov  i^807' 
rov  öovra  8^ovöiav  roiavr7jv  roiö  ca^fh^wjjtoio'    ^xai  jraQaycov 

O    U/ÖOVÖ     8X8l^8V      IÖ8V     aV^QCQJtOV     Xafhijfi8V0V      8JTI      TO      T8XcO- 

7'ior  fiarfhaiov  khyofievov  xai  Xeyei  avrco'  axoXovd-8L  iior 
xai  aimöraö  i/xoXoc})^//ö8r  avroj'  ^^xai  8y87^8ro  avrov  avax8ifi8- 
7'ov  8v  rfj  oixia  xai  löov  jtoXXoi  reXoJvai  xai  afiagrcokoi  8ä- 
bovr8ö  övvav8X8ivro  tvj  u/öoc  xai  zoto  (.la^iiTaio  avrov    ^^xai 


» 


pp.  72 — 75]  Codex  Rossanensis.  Mt  9.  X5 

idovTsö  Ol  g)a()Löaioi  ttjtov  xoio  iiad-)]TatO  av)Tov'  diari  fiera 
Tojv  TüXoyvcov  xai  afiagroilow  soi^^iei  o  didaOxaXoö  vfiojir  ^^o 
öf:  i7]öova  axovoao  stjcev  \\  avToiO'  ov  y^uav  sxovöiv  ot  lö^vot- 
T80  larQov  all  oi  xaxcoö  eyovTSö'  ^^jro()£vß^8VTf:6  6s  [la^srs  ri 
eOrir  sXsov  delco  xai  ovöcav  ov  ycxQ  7]Xd^ov  xaXeöüL  dixaiovo 
aXXa  cqmQTcoXovö'  ^^Tore  jiQoöeQxovrat  avrco  ot  fiad-rjrai  imar- 
vov  Ztyovrsö'  öiari  fjfieiö  xat  oi  cpaQiöaioi  vr/0T8vofi&r  jtoXXa 
ot  de  fmd^7/Tai  öov  ov  vrjöxevovOiV  ^'^xat  eijisv  avroiö  o  irjOovO' 
fiTj  övvavraL  ot  vtot  rov  iwfKpcai'oo  JtsvfhsLv  t(p  oöov  fjsr  avrow 
86t tv  o  vvficptoö'  tlsvöorrat  6 8  rjf^8Qat  orai'  ajtaQdr/  ajt  avrmv 

O    1'Vft(pt0Ö  xat    TOT 8    Vi]C)T8VöOV(JiJ>'      ^^  OVÖ8tO     Ö8    8JrtßaV.8t    8Jtt- 

ßXr]fta  Qaxovö  a-  ||  yva(pov  8jit  ifiaTto:>  jtaXatco '  8Q8t  yaQ  ro  JtX?/- 
Qcofia  avTov  ajro  rov  tfiartov  xat  ystQov  Oytöfia  yivsTat'  ^'^ovöe 
ßaXXovotv  otvov  V80V  8tö  aöxovo  jtaXatovö'  8t  ös  firjys  Qijyvvv- 
rat  ot  aöxot  xat  o  otvoö  sxysizat  xat  ot  aöxot  ajroXovvrai'  ak- 
ka  ßaXXovötj^  otvov  V80V  8to  aöxovö  xati^ovO  xat  a(i(por8QOt  övv- 
rrjQovvrat'  ^^ravra  avrov  Xalovvxoö  avroto  töov  agymv  8t68X- 
d^cov  JtQOösxvvst  avTCQ  Xsywv  ort  ?]  dvyaxr/Q  /nov  aQrt  srsXsv- 
TTjOsv  aXXa  sXß^ojv  sjrt&sö  tjjj^  X^tga  8Jt  avtrjv  xat  C,7]08Tat' 
^^xat  8y8(jfh8tO  o  trjöovo  rixoXov^rjdsv  avvoj  xat  ot  iiad^rjrat 
avrov  '^^xat  tdov  \\  yvv7j  atfioQQOovoa  dojösxa  8t?j  jiQoösXihovöa 
ojitodsv  ?/il^aTo  rov  xgaöJtsöov  rov  tftartov  avrov  ^^sXsysv 
yaQ  8v  8avr?/ '  8av  fiovov  axpof/at  rov  tfiartov  avrov  öco{)^7jOOf/at ' 
'^'^o  Ö8  t7j6ov6  orQa(p8iö  xat  t6co7>  avr7jv  stjrsi''  ^aQ08t  {)^v/ar8Q 
7]  jttOrtö  (jov  68öorx87>  08'  xat  80fi){)^7]  7/  yvvtj  ajio  r?]0  mgaö 
8X8tV7/ö'  ^^xat  sX^ojv  o  trjöovö  8tö  r7/v  otxtav  rov  aQyovroo  xat 
tdow  rovO  avX7ira6  xat  rov  oyXov  ^oQvßovffsi^ov  sXsysjy  ^^ava- 
yoDQ8tr8  ov  yaQ  ajts^avsi^  ro  xoQaötov  aXXa  xadsvdst'  xat  xare- 
ysXojv  avrov  ^^or8  08  ss^ßhjß^tj  o  oyXoö  8t68X^mv  8XQar7]08v 
rijö  ystQoö  avrrjO  xat  7jy8Q{h7^  ro  xoQaotov  ||  '^^xat  8^7jXd8v  7/ 
(pr/^u7/  avr?/  8ta  oXr/v  r?]v  yrjv  8X8tvrjv'  ^'^ xat  jcaQayoi^rt  8X8t{)8v 
TOJ  t7]öov  tjxoXov{)^7]Oav  avrco  ovo  rv(pXot  xQaC^ovrsö  xat  Xsryov- 
r8(j'  8X87i<jov  7/fiaö  t7]öov  vts  6ad'  '^^  stösX.d^ovrt  08  avrco  stö  rr/v 
otxtai^  jtQOOfjXd^ov  avrco  ot  rvgjXot  xat  Xsyst  avrotO  o  t7]öovö' 
jttör8V8r8  ort  öv7mf/at  rovro  Jiot7jöat'  Xsyovötv  avrco  vat  xvQt8' 
'^^ror8  tjiparo  rojv  ocfd^aX^icov  avrcov  Xsycov    xara  r7jv  jitörtv 


16  Codex  Rossanensis,  Mt  9.  10.  [pp.  76—79 

v[io3V  ysvrjD^7]Tco  vfiiv  ^^xai  ?/V8o^/ßr/öav  avxow  ol  ocp^aZfioi' 
xüL  sj'sßQi/jtparo  avroiö  o  ir/Oovo  Xeycov  OQart  {i7]6tLO  yLvo:>C)- 
Tceroj'  '^^01  Ö£  e^eld^ovTSö  ÖLS(pcfir]Oai'  avxov  tv  oXrj  rrj  yi]  ^xsiviy 
'^'^av-  II  T(Di^  08  £^8()yof^£vcov  idov  jtQoörjvsyxav  avrm  av^QOjjror 
xm^pop  öaifioiH^o^usrojr  ^'^xat  exßhp^erToö  tov  öatf/ojHov  6/«- 
XrjOsv  o  xcog^oo'  xai  sdavuaöav  ot  o/Xoi  X^yovx^ö'  ovötjtors 
t(fav7j  ovTCQO  er  toj  igqcüjX'  ^'^oi  ös  (paQiOaioi  hXhyov  hv  reo 
ciQyovTi  Tcor  öaipiovicov  sxßaV.^i  xa  datfiovia'  ^^xai  jtsQtr/ytv  o 
17JÖ0VÖ  raö  Jtolsio  jiaöao  xai  rao  xojftao  didaoxojv  er  raio 
ovvaymyatö  avrmv  xai  x7iqvö6(dv  ro  svayyshov  ttjö  ßaoiZsiao 
XML  d^£Qajt£vco7'  jcttöav  7'ooov  xüL  jiaOa7'  fialaxiav  ^^l6ow  df 
Toi^ö  oylovö  o  17/OOV6  £6jtlayyvi6^7]  jcsql  avTcov  ort  rjdai^  toxvX-  \\ 

ffSl'Ol    xai     £QLHH£7>0L    COO    JtQOßCiXa    fl7]     r/07'Ta     JTOLfJSl'a'      ^^  TOT£ 

Xeyti  tokj  fm^^^r/raiö  avrov   o  ff 87'  d^8QLö(^ioG  JioXvo  ot  Ö8  8Qya- 

TCU    oXcyOl'     '^^Ö87jd-7/T8    OIW    TOV   XVQLOV    TOL'    f^8Ql<JlfOV    OTTOO    8X- 

ßah'i  8QyaTaö  8lo  ro7>  d^8Qiöf/07'  avrov' 

X.  Kai  jtQoöxal80afi87>o6  tovo  6oj68xa  (ja{}^7jTao  avrov  86cox8}' 
avTOLO  8^ov6iav  jrv8Viiarow  axad^aQroyi'  coör8  8xßaXZ8W  avra 
xai  d8()ajr8V8iv  jtaoa7'  7'0007'  xai  jzaöav  fiaAaxia7''  ^rco7'  (k 
(ScoÖ8xa  ajto6roÄ(D7'  ra  oi'Ofiara  86rir  ravra'  jTQoroo  oi^ow  o 
l8yoi.i8vo6  ji8r(>oö  xai  a7'ÖQ8aö  o  aÖ8l(po(j  avrov  laxcoßoo  o  rov 
^8ß8Öaiov  xai  icoa7'7'7/o  o  a-  ||  d8?.(poo  avrov  '^q^UiJijroo  xai  ßaQ- 
doXofiaioö  d^conao  xai  (/ar^800  o  r8lco7'}](j  laxojßoö  o  rov  a).- 
c/aiov  xai  l8ßß8o<j  o  8JiixX)id8io  ihcööaioo  ^Oif^iow  o  xa7'avir7jO 
xai  lovdao  lOxaQicorf/ö  o  xai  jtaQaöovö  avro7''  ^rovrovo  rovo 
dcoS-8xa  aji8ör8LX87'  o  i^/oovo  jtaQayyeiZao  X8yco7''  8iö  oöo)' 
8drco7'  fi7]  ajr8X{hr/r8  xai  8io  jroXw  oa^iagiron^  //?/  8iö8yM7jr8' 
^ jtoQ8V8öih  Ö8  fiaXXo7'  jTQoo  ra  jTQoßara  ra  ajzoXcoXora  oixov 
i()()a7/X'  '^  jroQ8vofU7'Oi  08  X7/Qv0ö8r8  Z8yo7^r80  ori  i]yyix87'  8(p  vuao 
9]  ßaöiXsia  rcx)7'  ovQa7'co7y  ^  ao{h87'ov7'ra6  {)^8Qajr8V8r8  \\  7'8X(>ovo 
8y8i()8r8  X8jtQovC)  xaf^a(uC8r8  öai^oi^ia  8xßaXX8r8'  6fO{taia7'  8Xa- 
ß8r8  ÖcoQaiai'  (Sot8'  ^f///  xr7/67jöi^8  yQVöov  f/fjÖ8  a()yv()07'  fi7jd8 
yaXx.07^  8ia  rao  CojjuiO  r/zcö?'"  ^^fnj  jTt]()a7'  8io  o6o7'  (irjös  ovo 
yir(07'acj  /i?jr8  vjrochjfiara  fff]r8  Qaßdovo'  a^ioO  yaQ  o  SQyartjo 
r/jO  rQOfp?jG  avrov  80riv'  ^'^8iö  ?/''  ^  (^i'  jtoXiv  t]  X(x)fi7j7'  8iö8?.d^7jr8 
t^traoarai  rio  8V  avr7j  a^ioo  80ri7'  xax8i  iiwart  eojo  av  t^8X&7/r8 


pp.   80—83]  Codex  Eossanensis,  Mt  10.  -17 

eocec^ev  ^^  ei(j6()yoft£vot  de  siö  rr/v  otxiav  aöjtaöaöü^e  avrr/V 
^^xac  sav  ftsv  7]  7]  oLxia  a^ia  eXihaxco  i]  EiQ7py7j  vfimv  ejt  avTrpy 
eav  öfi  (17]  Tj  a^La  ||  7j  £lq7]V7]  v^imv  JtQoO  vfiaö  sjtiöTQacpezco' 
^^xac  060 L  av  fiTj  ös^^ovrat  vfiaö  fii/öe  axovocoöiv  rovö  loyovö 
vfimv  fgf()/0|M£2'0i  TTjö  oixiaö  7]  rrfi  jioXeujö  exuv7](j  exriva^are 
ror  xovLOQTOJ>  rcov  jtoöcor^  vfton^'  ^^afi7]v  Isjo)  vfiLV  avsxroTS- 
Qov  eöxai  yy]  öodofw^v  xai  jo^ioQQaö  ev  7]fi8Qa  xqlöbcoO  /y  r?/ 
jiolei  SXSIV7]'  ^^  löov  sym  ajtoörü^lco  vfiaö  coO  jtQoßara  sfif/eöco 
Xvxcoi^'   yLV8ö{^B  ovv  (fQOVLiiOL  0)6  OL  0(p8i6  xac  axegaiot  oj6  at 

JZeQL6T£Qai'     ^'^ JTQOOSX^TS    ÖS    ÜJtO   TOiV  avO^QG)JtCOV'    JtaQaÖOJÖOJÖlV 

yaQ  vfiaO  8t6  OvveÖQia  xai  sv  \\  rata  övvaymyacö  avrmv  fiaöri- 
ymöovOLv  vfiaO    ^^xai   sjti   7jysfiova(j  Ö8  xac  ßaöilsiö  ayd^rjöeöd^e 

8V8X8V    SflOV    £IÖ  liaQTVQLOV   aVTOlÖ   Xai    TOLÖ    £{)^V86iV'     ^'^  OtaV    Ö8 

jiaQaöo^öovöLV  vf/aö  [it]  ff8Qifij^7]ö7jr8  xojO  t]  xi  laXrjöi]T8'  öod^rj- 
Osrai  yaQ  v(uv  8v  8X8lv7]  tt]  mga  rc  Xal7](j7jr£'  "^^ ov  yaQ  Vfi8i0 
80X8  OL  laXovvx8ö  aXXa  xo  jtv8V[ia  xov  jtaxQoö  vfiow  xo  Xalovv 
81^  vf/LV  '^^JtaQaSm(j8L  08  aÖBlcpoö  aÖ8X(pov  8l0  d^avaxov  xaL 
jtaxTjQ  X8XV01'  xaL  87tava<jX7]öovxaL  X8xva  8jtL  yov8Lö  xai  d^ava- 
xmöovöiv  avxovö'  '^^xaL  8ö8ö{^8  fiL<jovf/8voL  vjio  Jiavxmv  ÖLa 
xo  OVO^ia  (iOV  O  II  Ö8  VJtO[i8L7m6  8LÖ  X8X0Ö  ovxoo  öojd-TjOBxac' 
"^^oxav  d8  (hcoxovöLP  n^iaO  8i>  x?]  jioXbl  xavxTj  ^8vy8X£  8lö  X7]i^ 
aXXrjV  a(i}jV  yaQ  X8yoD  vficv  ov  (itj  x8X8ör]X8  xaö  jtol8Lö  xov 
L(jQa7]X  8o?ö  av  8l&7j  o  VLOö  xov  av{)^QO)jrov'  '^^ovx  80XLV  fiaxhrjxrjö 
VJI8Q  xov  ÖLÖaöxaXov  ovöe  dovXoö  vjr8Q  xov  xvqlov  avxov  '^^aQ- 
X8X0V  xw  nad^7]X7]   Lva  y8V7jxaL   coö  o   öidaöxaXoö  avxov  xaL  o 

ÖOVXOÖ    COö   O   XVQIOÖ     avxov     8L     xov     OLXOÖEÖJtOXTjV     ß88XC,£ßovX 

8Jt8xal8öavxo  Jioöco  fiaXXov  xovö  oLXLaxovO  avxov  '^^  f/7j  ovv 
(poß7j{}^7jx8  avxovKj'  0VÖ8V  yaQ  86xlv  x8xalvn(i8Vov  o  ovx  ajto- 
xaXv(pd^7]ö8xaL  xaL  ||  xqvjcxov  o  ov  yvG)ö^7jö8xaL '  ^^o  Xsyw  v(uv 
8V  XTj  öxox8La  8LJiax8  8v  xco  (fmxL  xaL  o  8L(j  xo  ovo  aXOV8X8 
X7]Qv^ax8  8JIL  xmi^  öcofiaxojv  '^^xai  fiTj  (poßrj&r/X8  ajto  xcov  ajro- 

XX8V7>OinC()V    xo    ÖO)(ia    X7j7>    Ö8  ^V/7]V  flij    6vim(l8VCOV  ajtOXX8LVaL ' 

(f)Oß7]d^7iX8  08  fiaXXov  xov  dvvafi8vov  xaL  ^^i;;^/^?'  xaL  öcofia  ajto- 
XsöaL  8V  y88VV7i'    ^^^ovyL  Svo  öxQovd^La  aööaQiov  jta)X8LxaL'  xaL 


19.  vfiiv  sub  linea  additum. 

Texte  und  Untersuchungen  I,  4. 


18  Codex  Rossanensis,  Mt  10.  11.  [pp.  84—87 

£V  s§  avTow  ov  jceösirai  sjtL  ttjv  yr/v  avev  rov  jtazQoö  vficov 
^^vfiojv  dt  xai  ai  r^iyao  xrjö  xtg^ah/O  jraöat  7jQi\}^fi)ifavat  eiöiv 
^^fi?j  ovr  cpoßsLö^t'  jioXXmv  otqovx^wjj'  Öiacpegezi:  vfieLO'  ^^jtaö 
ovv  oöTio  oiioXojrjötL  ev  £[101  efijcQoO-  \\  d^sv  row  avi^Qojjtojv 
OftoXoyr/öoj  xayoj  ev  avTco  tfiJiQood^tv  rov  jtarQOö  (iov  rov  ev 
TOiö  ovQavoiO'  ^'^oöTLö  ö  av  aQVLörjTca  fie  sfiJtQOöi^tP  xow  av- 
{^QOJjccov  aQVfjöofiai  xayoj  avzor  £^ujcQoöx)^ev  zov  jiazQOö  fiov  rov 
87^  ovQavoLö'  ^'^fi?/  voffLürjTS  ort  tiXd^ov  ßaXsiv  eiQ?jvf/v  tjn  tijv 
y7]V'  ovx  rjXd^ov  ßaleiv  eiQ?jm/v  cüJm  fiayatQav  ^'""r/Zx^o)'  yctQ 
öiyaöai  avd^Qcojtov  xaxa  rov  jcaTQoo  avrov  xca  {^vyartQa  xaza 
T7jö  firjTQOö  avrr/ö  xat  iwficp?/v  xaxa  xriO  jitvd^tQaö  avTtjO'  ^^xai 
tyß^QOt  rov  avd^QCQjcov  ot  oixiaxoi  avrov  ^^o  (fjiXcov  jiartQa  7] 
HfirtQa  vjttQ  sfft  ovx  töriv  ^ov  a^ioö'  xai  o  (fiXcor  viov  7]  {^v- 
yarega  vjtsq  tfit  ovx  aorn'  \\  {iov  a^ioo'  ^^xai  00  ov  Xafißavet 
rov  öravQov  avrov  xat  axoXovd^si  ojtiöm  fiov  ovx  eoriv  (iov 
a^ioö'  ^'^o  tvQcur  rtjv  y^vyjjv  avrov  ajioXtosL  avr7p'  xai  o  ajio- 
Xeöaö  r7p'  TpvyjjV  avrov  svsxsv  sftov  iVQ7jö8t  avrfjV  ^^  o  ösyofit- 
voo  vfiaö  sfie  dsytrai  xai  o  Sfit  ösyo^/tvoo  deytrai  rov  ajto- 
öreiXavra  fit'  ^^o  dtyo(.itvoö  jiQOfprirrßy  tio  ovofia  jtQO(p7jrov 
ftiö^or  JTQOcffjrov  X7i^\ptrai  xai  o  ötyofitvoo  ötxaiov  tio  ovofia 
öixaiov  ^lOd^ov  öixaiov  X7j^\ptrai'  ^^^xai  00  tav  jtoriö7j  tva  rojv 
^fiixQCOv  rovrojv  Jtor7jQiov  ipvygovv  fwvov  titi  ovo^a  ||  f/aO^^jrov 
afi7/v  Xtyco  v^iiv  ov  fi7/  ajtoX8ö7j  rov  ^lO^ov  avrov 

XI.  Kai  tytj'tro  ort  trtXtotv  o  i/jOovö  diaraoöcov  roio 
öcoötxa  fiai^f/raio  avrov  (isrtßrj  txtii^tv  rov  Öiöaoxtiv  xai  xtj- 
QVöOtiv  tv  raiö  JioXtöiv  avroji^'  -o  dt  icüavv7jö  axovöao  tv  reo 
d£öf/ojr7]()ioj  ra  tQya  rov  yQiorov  jttfiipao  6ia  rcov  fiai^ijrcov 
avrov  ^£ijt£7'  avrco'  ov  ti  o  tfryof/troo  //  trtQor  jtQooöoxcofitj^' 
^xai  ajcoxQix^tiö  o  itjoovo  tijitv avroiO'  jroQtv^tvrtö  ajrayytiXart 
iojavv7]  a  axovtrs  xai  ßXtjitrt'  ^rv(pXoi  (O'aßXtjtovOiv  xai  ycoXoi 
jttQLjzarovöiv  XtjrQoi  xad^a{)iCo7'rai  xai  xuMfoi  axov  \\  ovöiv  rt- 
xQoi  tytiQOvrai  xai  Jtrcoyoi  tvayytXiCoi^rai'  ^xai  fiaxaQioO  torir 
00  tav  fi7j  OxavöaXiöd ij  tv  tfwi'    '  rovrcuv  6t  jioQtvoi^ttvcov  //(>- 


41.    TiQOifTiTrjv  tia  orofza]  his  bis  scriptis  ficc  -t^o   priore  lüco  erasiim 
et  ifyTtjv  eiG  ovo  asteriscis  snperpositis  improbatum, 
XI,  5.  xai^a(Ji'C,ovTai]  /ad^afji^aJviKi  codex. 


i 


pp.  88—91]  Codex  ßossanensis,  Mt  11.  19 

^ato  o  irjOovO  l^yuv  toiö  oyloiO  jceQi  imavvov  rt  £^?]X{)^aT8  slö 
T/jV  £Q?/fwv  O^saöaöO^aL'  xaZafiov  vjio  artfwv  öaXevofiSvop'  ^aXla 
TL  £$,7/Zd^aT£  lösLV  av^Qcojiov  £P  fialaxoto  ifiariotO  rj(icpi86^u£Pov' 
löon  Ol  ra  fiaXaxa  (poQOvvxEö  £V  roiö  oixoio  rcov  ßaoikicov  siOiv 
^^ alXa  n  s^t/Xf^are  iö^iV  jtQ0(prjT7]v'  vat  Xeyoj  vfuv  xül  jteQcö- 
öoreQov  JtQO(p?jTov'  ^^ovtoO  yaQ  ^Cjtlv  JttQt  ot'  ysyQajTTai'  idoi^ 
sycQ  ajtoöTslXoj  top  ayyslov  (lov  jtQo  jcqoOoj-  \\  jtov  öov  oö  xa- 
Tfxöxsvao?]  T7]j^  oöov  ÖOV  eftjzQOöd-sv  öov  ^^afi7]v  XsyoD  VfUV  ovx 
8y?jy£QTai  tv  ysvvr/roiö  yvvaixcov  {IblC^ojv  uoavvov  rov  ßaüirtö- 

TOV    O    Ö£   f^nX(J0T8Q0Ö  8V  17]  ßaöiX8ia   TOJV  OVQaVCOV  ff8lC,C0P  aVTOV 

8ÖTLV'  ^^ajro  Ö8  Tcov  rifi8Qcor  uoavvov  rov  ßajiTiöTov  803ö  aQn 
7]  ßaötX8ta  TCQV  ovQavcQv  ßia^8Tai  xat  ßiaörat  aQjta^ovöu^  avT7jV' 
^'^jcavT8ö   yaQ  oi  jcQocfif/rac  xat  o  vofioö  8coö  wjavvov  jr()08cp7/- 

T8VöaV'  ^^Xai  8L  i^8k8T8  Ö8^aöihai  aVTOÖ  8ÖTLV  7j2.iaö  O  fl8XZ(JLtV 
8QX^^^^^'      ^^  ^    810JV    OJXa    aX0V8LV    aX0V8TC0'      ^^TiVi    08    OflOlCOÖCQ 

T7/V  y8V8av  ravTtjV'  ofioia  8ötlv  Jiai-  ||  öloiö  xa{^//ii8voiö  8v  ayo- 
Qaiö  xat  jiQoö(pojvovöLv  roiö  8T8qolö  avrofv  ^'^xat  X8yovöiv- 
rjvX7iöafi8v  vfiiv  xai  ovx  fOQp/öaöd^s'  8\)QtjVtiöaii8v  vf/iv  xai  ovx 
8xoipaö()'t'  ^^7ili^8v  yaQ  uomwTjö  firjT8  8öd^L(X)v  [irjT8  jtivcov  xai 
l8yovöiv'  daifioviov  8X8i'  ^'-^ 7jkS'8v  o  vioö  rov  avd^Qcojiov  8öd^icov 
xai  Jtivcov  xai  X8yovöiv'  löov  avi^Qcojtoö  cpayoö  xai  oivojtot/jö 
T82.COVCOV  qiXoö  xai  afiaQxcoZcov'    xai   8Öixaico9^7j   /j   öocpia  ajio 

TCOV    T8XVC0V    aVTfjÖ'     ^^  T0T8     tjQ^aTO      O     17/ÖOVö     OVlÖ8lC^8lV      Xaö 

jtol8iö  8v  aiö  8y8vovTo  ai.  jtX8iöTai  övva[i8iö  avxov  oxi  ov  ,wer- 
8V07jöav'  ^^ovai  öoi  yoQa^8iv  ovai  öoi  \\  ß/jO-öaiÖa'  oxi  8i  8v 
xvQco  xai  öidojvi  8y8vovxo  ai  dvvafi8iö  ai  y8vofi8vai  8v  vfiiv 
jialai  av  8V  öaxxio  xai  öjcoöto  fJ8X87^07jöav'    '^'^jth/v  l8yoj   v^iiv 

XVQOJ    xai    öiÖcOVl     aV8XX0X8Q0V    8öXai    8V    7/fl8Qa   XQIÖ8C0Ö    tj    V^UIV' 

'^'^xai  öv  xajt8Qvaovfi  fj  80Jö  xov  ovQavov  v^cod^8iöa  8coö  adov 
xaxaßißaöi^?jö7j'  oxi  8i  8v  öodofioiö  8y8vovxo  ai  dvvafaiö  ai  ys- 

J'0fl8Pai  8V  ÖOI  8fl8V07'  aV  f/8XQl  X7]Ö  Ö7jli8QOV'  ^^jrh/v  X8ycü  VfllP 
0X1     yt]    ÖodofiOJ}'    aV8XXOX8QOV    8ÖXai     8V    7jLl8Qa     XQIÖ80JÖ     7]    ÖOI. 

'^^8v  8X8iiH'j  xoj  xaiQco  ajtoxQid^8iö  o  iijöovö  8iJt8v'  8§,o{ioXoyov- 
f/ai  ÖOI  Jtax8Q  XVQ18  xov  ovQavov  II  xai  xtjö  y/jö  oxi  aji8XQV\paö 


24,  oTi  in  maro'iiie  additum. 


20  Codex  Rossanensis,  Mt  11.  12.  [pp.  92—94 

ravra  ajto  6oq)Ow  ytai  Owercov  xai  ajtexaXinf)a(j  avra  vrjjttoiö' 
^^vai  o  jtaT?]Q  ort  ovrojö  eyevero  tvÖoxta  tnjiQood^^v  öov 
^'^jtavra  fioc  JtaQsdox)^?/  vjto  tov  jiaxQOö  (wv  xat  ovÖnö  £jnyi- 
vcQöxei  Toi^  VLOV  8L  fif]  o  TtaTf/Q  ovöt  Tor  jcarega  riö  sjtr/ivmö- 
x£i  £L  (iTj  o  VLoö  xai  (X)  tüv  ßovXsTai  0  vioö  ajtoyMXvipai'  '^^ösvrs 
JTQOO  (le  jtavTtO  OL  xojticoi'Ttö  ymi  jit(poQTi6{i£7mt  yMyco  avajtavoco 
v^uao'  ^^aQara  tov  yvyov  fiov  e(p  vtiao  y.ai  iiad^ixt  an  tiiov  ozi 
jiQaoö  £i(iL  xm  rajiLVOö  rii  xaQÖia  vml  svqtjOsts  avajtavöiv  raio 
ipvxdiO  vficov  ^^o  jaQ  ^vyoö  f/ov  XQf/0-  \\  toö  vml  to  cfOQTiov 
f/ov  slacpQov  eOTiV 

XII.  Ev  8XSIV0)  rm  xacQco  sjtoQtvd^r/  o  i?/öov6  roiC  oaßßaötv 
öia  Tcov  öjtoQLficov  Ol  6s  f/a{h?]Tai  avzov  tJiLraöap  xat  nQ^arro 
tlXXuv  öxayvaö  xai  söd^iuv    '^ot  ös   (pagiöatoi  löovzeo   eijcov 

aVTCQ'     lÖOV    OL    fia{)^?]TaL    öov    JZOLOVÖLV    0     OVX    S^SÖTLV   JtOLSLP    £2' 

Oaßßarfo'  ^o  ds  tLJcev  avroLö'  ovx  avsyvojrt  tl  8jroL?jö£v  öad 
OTS  sjiLvaöer  avroo  xm  ol  fier  avzov  ^jiojo  siö7jZ^er  £iö  zov 
OLXov  zov  {^f:OV  xaL  Tovö  aQzovö  Z7jö  jtQO^eöecoö  s(pay£v  ovo 
ovx  fgo2'  ijv  avzco  (paysLv  ovös  zolö  fisz  avzov  sl  ,w//  zolö  LeQsv- 
öLV  [iovoLö'    '-' 7j  ovx  artyvojzü  ||  £v   zo?  7'Of/o:>  ozl  zolö  öaßßaöL7^ 

OL     LSQtLÖ     i:V     TCO     LtQCÜ     ZO      ÖaßßaZOV     ßtßtjXoVÖLl'     XML      ai^aiTLOL 

siöLir  ^Xsyoj  öe  i\ulv  otl  tov  itQov  fiH^ov  sözlv  ojös'  "' tL  6s 
syvojxsLZS  ZL  sözLv  sXsoi'  d^slco  XML  ov  d^vöLa)'  ovx  av  xazsöi- 
xaöazs  zovö  ai^aLZiovö'  ^xvqloö  yaQ  sozlv  zov  öaßßazov  o  vioö 
zov  a7^QOjjrov'  ^xaL  fiszaßaö  sxsid-sv  o  i7jöovö  7i).d^sv  slö  zur 
övr^ay(Dyrj7^  avzcov  ^^xml  lÖov  avd^Qcojioö  7jr  sxsl  sycov  Z7]r 
XSLQa  ^7jQav'  xaL  smjQOJzypav  avzo7'  Isyovzsö'  si  s^sözlv  zolö 
öaßßaöL7^  d^sQajcsvsiV  ipa  xaziffo^iiömöLV  avzov  ^^o  ös  sljtsv 
avzoLö'  ZLö  tözaL  s^  vf/oj7'  a7'd^Q(x)Jtoö  oö  s^si  jii)oßazor  sv  xaL 
sai^  Sfijtsö7/  zovzo  II  zoiö  öaßßaöLi'  slö  ßod^vro7'  ov/i  xQazt]ösi 
avzo  xaL  sysQSL'  ^^jtoöm  ow  ÖLaqjSQSL  aj'{h()cojtoo  jiQoßazov 
(')özs  s^söZLV  ZOLÖ  öaßßaöLV  xaloö  jiolsl7''  ^"^zozs  Xsysi  z(o 
avi^Qmjtco'  sxzsiro7'  öov  zip'  /£/(>«•  xaL  s^szirsv  xaL  ajrsxa- 
zsözaS^7i  vyLTjö  toö  >/  a)Jjf  ^^ol  6s  fpa(jiöaLOL  öi\ußoc2LOv  sXa- 
ßov  xaz  avzov  s^s/,i}^o)'ztö  ojhoö    avzov    ajrolsöcoöiv'    ^'^o    6s 


XII,  3.  avTOG  in  iiiamiiie  addituiii. 


I 


pp.  95 — 98]  Codex  Kossaueiisis,  Mt  12.  21 

it/öovö  yvovö  cweyojQ^jöep  exeid^tir  xca  7/xoZov{)^tjocw  avro?  o/Xoi 
jiolloi  Tcca  e{)eQajt8V(j£P  avTovö  Jtavxac  ^^xm  sjttTffiTjOev  avTOiö 
Lva  (U]  (pavsQov  avrov  jiOL7]6co6iv'  ^'ojiojO  jrh/Qcoß^?]  ro  Qrid-tv 
vjto  rjOaiov  tov  jtQO(p//Tov  le-  \\  yoproö'  ^^lSov  o  jiaiO  fwv 
ov  ?/Q8Ti6a  o  ayajtr/TOö  ffov  eio  ov  ^vdoxrjöev  rj  tpvpi  /'^^' 
drjöco  TO  Jir8i\ucc  //ov  £jz  avrov  xcu  xqcöw  toio  sfhveoiv  ajtay- 
yeZec  ^^ovx  tQiOei  ovSs  xQavyaoa  ovös  axovöei  tiö  &v  tcu6 
jiXareiaiö  t?jv  (fojvrjv  avrov'  ^^^xala/iov  OvvrsrQii/f/evov  ov 
xartac^ti  xai  Xivov  rvg)o/avov  ov  oßeöH  sojo  av  txßa .  .  tiö 
vixoö  rf/v  XQiöiv'  ^^xai  reo  ovo  ((an  avrov  ed^vtj  sXjtLovöL' 
^^rore  jüQ0<njv8x^f]  avro)  6ai[ioviC,ofavo(j  rvg)Zo<}  xai  xco(poO 
xai  iOeQajrevöev  avrov  ojöre  rov  x(og)ov  xai  rvcpZov  xai 
ZaXsiv  xai  ßZ^jisiV  '^^xai  s^Kjravro  jzavrtö  oi  oyXoi  Ihyov- 
reö'  (i)]-  II  n  ovroO  tönv  o  viod  öad'  '^^oi  ös  cpaQiöaiOi  axov- 
öavrtö  eiJiop'  ovroö  ovx  ^xßalXhi  ra  6acfiovra  ti  (itj  8v  ro  ße~ 
eXC^ßovX  aQiovn  rov  Saifioviov  '^'~*  tiöfoö  öt  o  itjOovo  raö  sv- 
d^vfiijOeiö  avrov  eijtsv  avroiO'  jzaoa  ßaoiXeia  [.i^Qiöd^eiOa  xad^ 
8avr?jö  £Qt]fiovrai  xai  jtaoa  jroXiö  7]  oixia  (itgiöd^eiöa  xaO-  8avr7p 
ov  6ra&7](j£rai'  '^^'xai  ei  o  öaravaö  rov  öaravav  txßaXXei  £(p 
eavrov  e/iegtö^)^?/'  jio)6  ovv  öra{^7/(jerai  ;/  ßaöiXua  avrov  '^''xai 
8i  eyo  ev  ßttXC^eßovX  txßaXXo  ra  dai/iovia  oi  vioi  v/icov  ev  nvi 
exßaXovöiV  Sia  rovro  avroi  vficov  \\  söovrai  XQirai'  '^^si  öe  ev 
jivevfian  i)^eov  eyo  exßaXXo  ra  Sai/mvia  aQa  expdaöev  ecp  v/taö 
7/  ßaöiXeia  rov  d^eov  ^"/;  jro6  övvarai  nö  eiöeXd^eiv  eiO  r7]v 
oixiav  rov  lö^vgov  xai  ra  6x8V7j  avrov  a{}jTa(Ua  eav  ii7]  jtQoorov 
örjöTj  rov  iöyvQov  xai  rore  njv  oixiav  avrov  diaQjra<j7]'  ^^o  //?/ 
CO)'  fter  e/iov  xar  e/iov  eöriv  xai  o  H7j  övvayojv  fter  efiov  öxoq- 
jTiC^ei'  ^^öia  rovro  Xeyoj  v/av  jtaöa  a/iaQria  xai  ßXaOcffjftia 
aeped^Tjöerai  roiö  avS^QcojroiO  7]  Se  rov  jtvsvfiaroci  ßXaö(p7][iia 
ovx  aqedtjöerai  roiö  av&QcojtoiO'  "^^^xai  oö  eav  eijü7]  Xoyov  xara 
rov  viov  rov  avd^Qcojrov  affe07/öerai  avro'  oo  6  av  eijrtj  xara 
rov  jrvevffaroö  rov  ayiov  ovx  a(fe^7iöerai  jj  avroj  ovre  ev  rovro 
roj  aiovi  ovre  ev  ro)  (leXXovn'  ^'^7j  jtoi7]6are  ro  öevÖQOv  xaXov 

20.    exßa  . .]  vocis  liiiius  in  margine  siippletae  nltimam  syllabam  biblio- 
pegiis  abscisit. 

26.  eavtov]  o  iu  rasiira  scriptum. 


22  Codex  Ko.ssaiieu.sis,  Mt  12.  [pp.  09—102 

xat  TOT  yMQJior  avxov  xakop  ?j  jroLT/öart  to  dti^dQor  öajt()()r 
xca  Tor  TCUQjiov  ccvtov  öajtQov  bx  yaQ  tov  xüqjiov  to  ösj'Öqov 
ytpcoöxsTai  ^^yu^vrjf/ara  tyiövmv  JicoO  dvvaod^s  ayad^a  laXtiv 
jroviiQOi  oineö'  ex  /«(>  xov  jctQiööeviiaToö  rrjO  xuQÖiao  ro  orof/a 
lalei'  ^^o  ayaü^oo  av^Qcojroö  ex  tov  aycSov  d^TjOavQov 'cxßaXltt 
TCi  ayad-a  xac  o  jtomjQOö  avd^QOJjioö  ex  tov  jiovijqov  d^rjOavQov 
jTQoqeQei  t«  üiov7jQa'  ^^ leyco  6e  vf/u'  otl  jiav  Qr^ia  a^yov  o  eav 
Xahiöo^Civ  oiavd^QOjioi  ajioöcoöovoi)'  jzeQi  cwtov  Xoyo^y  ev  rif-iega 
xQiöecoö'  ^'^ ex  yciQ  tojv  Aoycov  oov  dixaio:){)^tjö?/  xai  ex  tcov 
Xoymv  öov  xccTadixaöfh/ö?/'  ^^TOTe  ajiexQi^^t/Oav  avTo  Ttveö 
xmv  yQannaTecßi^  xai  (paQiöaimi'  leyovTeC)'  6iöaöxa?.e  ^eXofiev 
aüio  6ov  67i(ieior  ideiv  ^''o  de  ajroxQid^eiö  eijrev  cwtoio'  yevea 
jtoinjQa  xca  fioiy^aleLö  Oij^ueiov  ejti^7/Tei  xca  Of/f/etov  ov  dod^Tj- 
oeTai  avTtj  et  [XTj  to  ör//ieior  w)va  tov  jiQocffjTOV  ^^coOjreQ  yc(Q 
ijv  tojjHcO  ev  T7]  xoilia  tov  xtjtovö  TQeiö  r/fa^taa  xca  TQeio 
vvxTaö  ovTcoö  eöTüi  xca  o  vloö  tov  avi^Qcjjiov  ev  t)j  xaQÖia  t?jO 
ytjO  TQeiö  7/f/eQaö  xai  TQeio  vvxTaö'  ^^avögeö  viveveiTca  arcc- 
OTf/öovTca  ev  r//  XQiöei  ||  {leTCc  ttjO  yeveccO  TavTrp  xca  xaTaxQi- 
vovoiv  ciVTijV'  OTL  ffeTe7'07/0aj'  eio  to  x?j()vyfia  icova  xca  lÖov 
jiXetov  lojva  code'  ^'^ßaöiXiööa  j^otov  eyeQd^7]öeTai  ev  r//  xQiöei 
(leTCi  T7JÜ  yeveaö  TCcvTfjO  xca  xccTaxQivei  avTtji''  oti  ijX^ev  ex 
TOJV  xeQaTtov  t7jö  y?jO  axovoca  Tfj)'  öocfLav  ooXof/covoo  xca  idov 
jtXetov  ooXo(iC'jvo6  coöe'  ^'^otüv  de  to  axa{}^cc()TOv  Jtvei\ucc  e^eXi^fj 
ajto  TOV  avd^Qcojiov  öieQ/eTca  (h  cii^vdQoj)'  Tojtcov  C7jTovv  ccvcc- 
jtavöiv  xai  ovy  evQiöxei'  ^^TOTe  Xeyer  vjroOTQeipo)  eiö  tov  oixov 
ftov  odev  e^7jXd^ov'  xca  eXd^cov  evQioxet  oyoXa^oi'Tcc  oeoccQOjffevov 
xca  xexoOfff/fievov  ^^to-  \\  Te  jroQeveTca  xca  jcccQccXcc/jßccvei  iied- 
eax^TOV  e.TTTcc  ere^a  jtj'evf/aTci  tcc  jTOViiQOTeQcc  eccvTov  xca  eioeX- 
d^07'Ta  xccTOfxet  exef  xca  yiveTca  tcc  eoyccTcc  tov  ccvi^Qcojrov 
exeivov  yeiQOVct  tcov  jrifcoToi"  ovtcjo  eOTca  xca  t)i  yevea  TccvTf/ 
T7j  jtovtiQCi'  ^^'eTf  de  cwtov  XccXov)'too  toio  oyXoio  tdov  f/  f^fjTf/Q 
xca  Ol  aSeXcfoi  ccvtov  lOTf/xeiOciv  e^co  Cf/T(tvvTeo  avTcj  /ucXf/Oca' 
^"^ eijTev  de  TtO  ccvtoj'  idov  f/  iff/tfjQ  Oov  xca  ot  adeXcpoi  oov  es,oj 
eöT7ixa6iv  Cf/TovvTeö  oot  XccXz/oac  '^o  de  arTox{)t\^eiiJ  ei.Tev  tcd 
etJcovTi  avTco'  TfO  eOTii'  /j  f/fjT7/Q  /fov  xca  o(  adeXipot  fiov  ^^xat 
exTeivaO   t7jv  yeiQcc    ejn   tovo  /(cclI^/jtico   (cvtov   eijtev    j|   idov  // 


pp.  103- 105]  Codex  Rossaneusis,  Mt  12.  13.  23 

firjTTjQ  [iov  '/.ai  Ol  aÖ8?.<pot  fiov  ^^ootuj  yaQ  av  jtoifjdfj  xo  {hshjfia 
rov  jcazQOö  ftov  rov  ev  ovQavoLO  ovtoö  fiov  aöeXfpoo  xat  a6el<p7i 
xai  firjTTjQ  £6rtv' 

XIII.  El'  Ö8  Ti/  r](i8Qa  extirr/  ^^tkO-mv  o  irjoovö  ajto  rrjö 
oixiao  txad^7]T0  jtaga  xf/v  d^alaööav  '^xca  öwr/y^O-rjöav  jzqoö 
avxov  oyh)i  jtoXloi  coöxt  avxov  sfißama  tio  jrXotov  xad-tjöd^ai 
xca  jtaö  o  oyXoö  sjti  xov  aiyialov  LöxrjxtL'  ^xai  tXah/ösr  avxoiO 
jtoZXa  8V  jiaQaßo).aiö  leycov  cöov  e^^ßd^ti'  o  öjzhqcov  xov 
6ji8LQaL'  ^xai  ev  xco  OJtetQstv  avxoi'  a  fisv  sjttösv  jia^a  X7]v 
oöop  xat  tjXd^tv  xa  jtsxecva  xov  ovQavov  xat  xaxerpaytv  avxa'  j 
'^aXla  06  sjteösp  sjtc  xa  jtexQcoöi}  ojiov  ovx  scx^i^  7^^  jioXl?]v 
xat  sv&scoö  ssavsxeclsv  dia  xo  ,(///  eyeiv  ßa%^o6  yriO'  ^rjZiov  öe 
apaxeiXavxoO  sxavfiaxLö^r/  xac  öta  xo  firj  eytiv  Qc^av  t^riQavd-ff 
''aXXa  dt  ejteösp  sjct  xaö  axavd^ao  xat  aP8ß7]öav  at  axap^ai  xat 
ajtsjtPL^ccp  avxa'  '^aXla  de  ejrtotv  ejtt  xr/p  yf/p  xrjp  xa)j]P  xat 
sdtdov  xaQjtop  o  {itp  sxaxop  o  ds  £^?jxopxa  o  Ö8  XQcaxopxa' 
^o  8ycQP  coxa  axovecp  axovtxco'  ^^xat  jtQ068Xd^0PX86  ot  iiad-rjxai 
8iJtop  avxm'  öiaxt  8{ijtaQaßoXai6  XaXetO  avxoiö'  ^^o  ds  ajtoxQt- 
d^tiö  8Ljt8P  avxoiO  oxi  vfup  Ö8Öoxaf,  ypcopat  xa  fivöxfjQca  xf/O  \\ 
ßaötXstaa  xcop  ovQapojp  8X8ipol6  08  ov  dtdoxat'  ^'^oöxlö  yaQ  eyet 
öod^TjOexat  avxoj  xat  jit^iööevO-rjöexai'  oöxlö  08  ovx  eyu  xat  o 
8X81  aQ{}'i]ö8xai  aji  avxov  ^^öia  xovxo  8//jiaQaßoXaiö  XaXm 
avxoiö  oxi  ßX8Jtopx8ö  ov  ßXejcovöip  xat  axovovxeo  ovx  axovovöiv 
ovöt  OvpiovöiV'  ^^xai  apaüz)j]QovxaL  arxoiö  ?/  jrQO(pfjxta  fjoacov 
Tj  Xeyovöa'  axor/  axov(j7]X8  xat  ov  fn/  öwr/xe  xac  ßXejtopxeö 
ßX8tp8X8  xac  ov  lu]  8i6ijX8'  ^^ejcayvPt^fj  yaQ  rj  xaQÖia  xov  Xaov 
xovxov  xat  X0L6  cootp  ßaQ8m6  f/xovöap  xai  xovö  ofpd^aXfiovö 
avxcop  8xaftfiv6ap '  {/rjjrox8  lÖcoöip  xolö  og){^aXf/oi6  xat  xotö  mötp 
axovöco-  II  ötp  xat  xtj  xaQÖta  övpcoöip  xat  8Jit6xQ8ipov6ip  xat 
laöofiat  avxovö'  ^^'v(uop  Ö8  ftaxaQtot  ot  ocfSaXitot  oxt  ßXejtovötp 
xat  xa  coxa  vficop  oxt  axovovötp-  ^''aftrjp  yaQ  Xeyco  vfitp  oxt 
jioXXot  jtQocprjxat  xat  dtxatot  8Jt8d^v[irj6ap  töetp  a  ßXejtexe  xat 
ovx  töap  xat  axovöat  a  axovsx8  xat  ovx  rjxovöap'   ^^vfietö  ovv 


50.    oatia]  na  siipra    liueam  additum.    |    ovzoo]    o   prius    in   rasuia 
scriptum. 


24  Codex  Rossaueusis,  Mt  13.  [pp.  106—109 

axovöare  rr/v  JtaQaßoh]v  rov  öjtsiQorroo'  ^^jrccproo  axovovroo 
TOP  z.oyov  T?]ö  ßaöiXuaö  xac  (irj  owLtvroo  i^yerca  o  jrorfjQoo 
'/ML  ccQjiaL^ei  ro  iOjrccQ/jevor  u>  rrj  xaQÖia  avrov  ovroö  toxtv  o 
jiciQa  T)iv  odop  ö:jiaQLö'  ||  ^^o  dt  ejii  rcc  jttrQOjdtj  OJtaQtio  \\  ovtoo 
tOTiv  o  TOP  Xoyop  axovcüP  xat  tvO^tcoö  f/era  yaQa6  laußapojp 
cwTOP'  '^^ovz  ty&i  dt  QfL^ai'  tp  tavro)  aXX(L  jiQoöxaiQoO  töriP' 
ytpofitpruj  dt  d^hxptcoö  ?/  diojy/iov  dia  top  Xoyop  tvd^vö  öxccp- 
öaXiCtTar  ^-o  dt  tio  tcco  axap^ao  ojtccQtio  ovtoo  tOTH'  o  top 
Xoyop  axovcop  xai  //  f/tQifiPcc  tov  cucopoö  tovtov  xat  ?/  ajrccTf/ 
Tov  jtXovTov  övfijtpr/tf  TOP  Xoyop  xat  axccQjcoo  ytptTat'  '^^o  dt 
tjti  TijP  xaXtjP  yrjp  öJiaQtto  ovtoo  tOTip  o  top  Xoyop  axovcop 
xat  ovpicop'  00  dtj  xaQjioffOQtt  xat  jioiti  o  (itp  txaTOP  o  dt 
t^TjXOPTa  o  dt  TQtaxoPTa'  ||  "^^aXXf/p  jtaQaßoXtjP  jiaQtd^uxtP 
avTotö  Xtyojp'  ojftotco&r]  ?/  ßaotXtta  tojp  ovQaPWP  ap{)^QOJjro) 
öJtttQaPTt  xaXop  öjrtQ/uc  tP  toj  aygoj  avTov  "^^tp  dt  toj  xad^tv- 
dttp  Tovo  ap&QOJJiovo  fjXO^tp  avTov  o  tyßQOO  xat  tjitojceigtp 
C,iC,apta  apa  (ttoop  tov  otTov  xat  ajD/Xü^tj^'  "^^'oTt  dt  tßXaOTrjOtp 
o  yoQTOo  xfu  xaQJiop  tJioif/Ot)'  TOTt  tcfapfj  xat  tk.  ^t^apta' 
'^'' jtQoötXüoPTto  dt  ot  dovXot  toj  otxodtojiOTfj  ttjtop  avTOj' 
xvQtt  ovyt  xaXop  öjttQf/a  töJttiQao  tP  toj  ooj  ayQoj'  Jto&tp  ovp 
ty^tt  Ta  CtCapta'  --o  dt  tq?/  avToiö'  ty^QOO  apd^Qojjcoo  tovto 
tjtoitjötp'  ot  dt  dovXot  tijiop  avToj'  ^tXtto  ovp  a.TtX^opTtO 
ovXXt^ojfitp  avTa'  ^'-'o  dt  tfprj  avToto'  ov  /njjtoTt  övXXtyoPTto 
TU  ^tCccpta  tXQtCojOfjTt  afta  avToto  top  Oitop'  ^^afptrt  övpav- 
^aptöd^ai  afiffOTtQa  (.ityQi  tov  ^tQtOi^iov  xat  tP  xatgcj  tov  B^tQio- 
(iov  tQOJ  TOLö  {^^tQLOTaio'  opXXt^ciTt  JTQOJTOP  TU  ^t^apta  xat  dfjOaTt 
avxa  ttö  dtOftao  jtqoo  to  xaTaxavoat  avxa'  top  dt  otTop  ovpa- 
yaytTt  tto  t^/p  ajtod^tjxtjp  (tov  '^U(XXf/p  jraQaßoXt/p  tXaX?jOtJ' 
avToto  Xtyoj}''  of/ota  tOTtp  //  ßaotXtta  top  ovQapcjp  xoxxoj 
otpajctojo  op  Xaßop  aPi){>(>)jTO(j  tojrttQtp  tp  to  ayQOJ  avTOV  ^-^o 
litxQOTtQOP  (itp  tOTtp  jiapTVJP  TOP  ojctQfiaTojp  oTap  II  dt  av^f/{^f/ 
(ittyop  TOJP  Xayapop  tOTtp  xat  ytptTat  dtpdQOP  ojOTt  tXOttp  Ta 
jttTtipa  TOV  ov(^)a)'ov  xat  xaTaoxfjPovp  tp  Toio  xXadoto  avTov 


27.  ta  ^/^«n«j  tcc  in  margine  aclditum. 
30.  avXXe^aze]  ovXlcc^azs  codex. 


I 


pp.  110—113]  Codex  Eossanensis,  Mt  13.  25 

^^aXXtjv  jiaQaßoXrjv  sXaXrjötv  avxoiö'  of/oia  tonv  ?/  ßaöiXtia  tojv 
ovQavcov  C,x^fifj  t/V  Xaßovöa  yvvf/  txQviptv  eiö  aXtvQov  öara  xQia 
ecoo  ov  EC;v^o)d^ri  oXov  ^^rcwra  jcmna  tXaX^jöev  o  l7]öov6  ev 
jraQaßoXaiö  roio  oxXoio  Xojqio  de  jtaQaßoXrjö  ovötv  sXaXec 
avTOLö'  '^^ojicßO  jzXrjQcod^ri  ro  Qtj^ev  öia  rov  jr()ocf?iTOV  Xeyovroö' 
avoi^oj  ev  jiaQaßoXatö  ro  orofta  [lov  eQiv^of/ca  xtZQvfifitva  ajio 
xaraßoXrjO  xoöftov  ^^rors  \\  afpaiö  xovo  oyXovö  o  u/öovo  ijXß^ev 
tiö  rrjv  oixiav  xai  jiQoöfjXO^ov  avtco  oc  ^lad^ijTai  avrov  Xsyovreö' 
(pQaoov  7]fuv  Tijv  jiaQüßoXrjV  rcov  l,i^ccvlojv  rov  cr/Qov  ^''o  dt 
ajioxQid^tLö  eijitv  avTOiö'  o  öJttiQcov  ro  xaXoi^  öJteQficc  eoriv  o 
vio6  rov  avd^QOijiov  ^^o  6e  ayQoö  soriv  o  xoöfwö'  ro  6t  xaXov 
OJttQfia  ovroi  eiöiv  ot  viol  rtjO  ßaöiXtiaö'  ra  de  C,iC,avici  tiöiv  ot 
viOL  rov  jtovrjQov  -^'^o  dt  tyßqoo  o  ojttiQcco  avra  tonv  o  dicc- 
ßoXoö'  o  dt  r^tQiO/ioO  ovvrtXtia  tonv  rov  cuojvoo'  oi  dt  {htQi- 
Orcu  ayyeXoi  eiOiv  ^^coöJttQ  ovv  övXXtytrcu  ra  C,iC^avia  xcu  jivql 
xaitrcu  ovrcoO  torai  tv  ||  rij  övvrtXtia  rov  cucoroö  rovrov 
^^ajtoortXti  o  vioo  rov  ccv&qcojiov  rovo  ayytXovo  avrov  xai 
ovXXt^ovOiv  tx  rtjO  ßaOiXtiaO  avrov  jcavra  ra  oxavdaXa  xai 
rovO  jtoLOVvrao  r?jv  avo(iiav  ^"^xai  ßaXovOiv  avrovO  tiO  rr/v 
xafiivov  rov  jivqoO'  txti  torat  o  xXavd^fioo  xai  o  ßQvyfwo  rcov 
odovrcov  ^^rort  ot  dixaioc  txXafiipovOiv  ojo  o  fjXioö  tv  rij 
ßaötXtia  rov  jtarQoö  avrov  o  tyjcov  cora  axovtiv  axovtrco' 
^^jiaXiv  ofioia  töriv  ?/  ßaoiXtia  rcov  ovQavcov  d^rjOavQco  xtxQv^i- 
fitvco  tv  ayQOJ  ov  tvQcov  ccv&QcojioO  txQviptv  xai  ajio  rrjO  yaQaO 
avrov  vjiaytt  xai  jtavra  oOa  tyti  jtcoXsi  xai  ayoQcc-  ||  L^ti  rov 
aygov  txtivov  ^^jzaXiv  ofioia  tOriv  fj  ßaOiXtia  rcov  ovgavcov 
avd^Qcojtco  tf/jtoQco  ^?]rovvn  xaXovo  (xagyaQirao'  ^^oO  tvQcov  tva 
jtoXvrifwv  (laQyaQirtiv  a:jitXd^cov  jitJiQaxtv  Jiavra  ooa  tiytv  xai 
f/yoQaotv  avrov  ^' jiaXiv  o[ioia  tOnv  ?/  ßaOiXtia  rcov  ovgavcov 
oayfjv?/  ßXrjd^tioi]  tiO  rr/v  daXaOOav  xai  tx  jtavroO  ytvovO  ovva- 
yayovOf/'  ^^7jV  ort  tjtXiiQcod^ri  avaßißaoavrto  tjii  rov  aiyiaXov 
xai  xad^tioavrto  ovveXt^av  ra  xaXa  tiO  ayyia  ra  dt  Oajiqa  s^co 
tßaXov  '^^ovrcoo  tOrat  tv  rr/  OvvrtXtia  rov  aicovoO  rovrov 
t^sXtvOovrai   oi    ayytXoi   xai   atpoQiovoiv  \\  rovO  jiov/jqovO   tx 


38.  xoofÄOo]  o  prius  iu  rasura  scriptum. 


26  Codex  Rossauensis,  Mt  13.  14.  [pp.  114—116 

litöov  Tcov  öixaww  '^^xai  ßaZovOiv  avrovo  tio  t?]v  xaftLvov  rov 
jtvQoö'  exet  törai  o  xXavd^fioö  xai  o  i^Qvyf/oö  row  oöovtcqv' 
^^Ihju  avToiö  o  Ujöovö'  övjrtjxari:  ravra  jiarxa'  XtyovöLV  avroD 
VCCI  xvQLt'  ^-o  ÖS  Ujöovö  tLJitP  avTocö'  öia  TOVTO  jzaö  YQafi- 
ftavevö  nad)iTtvd-eiö  t?/  ßaöcXsLa  tcov  ovQavow  o/zoioö  söriv 
arO^QCQjtco  oixodeöJior?/  oörtö  exßaXZsc  tx  rov  d^ijöavQov  avrov 
xaiva  xca  jiaXaicc  '"""^xat  tytvsTo  ort  iztXtötv  o  Ujöovö  raö 
üiaQaßolaö  rcivraö  ((trrjQtv  txtid^tv  '^^xat  eXd^ow  tLö  Tf/r  jta- 
TQLÖa  avTov  töidaöxtp  avrovö  tr  r?]  övvaycoy?/  avrojr  ojört  tx- 
jt?j]ö8öi^at  avTovö  xai  Itytiv  Jiod^s}'  tovtoj  ?/  öocfia  avz?/  xai 
at  öwafitiö'  '^^oi'X  ovTOö  töriv  o  xov  rtxrovoö  vioö'  ovy^  // 
(UjTijQ  avTOv  IhyiTai  (laQiait  xai  oi  aöslcpoi  avrov  laxcoßoö  xca 
icoö7]q)  xai  ötf/cov  xat  lovöaö'  '^^xai  ai  aötlfpai  avrov  ov/i 
jtaöai  jtaQ  ;///«'  siöiv  jio^tv  ovv  rovroj  ravra  jtavra'  ^'xac 
töxavöahZorro  tv  avrco'  o  de  i7]öovö  eurer  avroiö'  ovx  eörw 
jtQO(f)irrjö  ariffoö  tt  (ai]  ev  r?]  JtarQidi  avrov  xai  er  r//  oixia 
avrov  '^^xai  ovx  ejtoiijöev  exei  öwa^eiö  jioXlaö  öia  r7/v  ajti- 
öriav  avrojv 

XIY.  Er  exeirco  no  xaiQoj  ?jXovöer  ?/qoj6?jö  \\  o  rerQaQyjjö 
r7]v  axof/r  ujöov  '^xai  eurer  roiö  jiaiöir  avrov  ovroö  eörir 
icoavv7jö  o  ßajiriörrjö'  avroö  7/yeQ{)^7/  ajto  ror  rexQcor  xai  Öia 
rovro  ai  övra^eiö  eveQyovöiv  er  avrco'  ^o  yaQ  7/()coÖ7jö  XQCcrfj- 
öaö  ror  icoavrrjr  eörjöer  avror  xai  ed^ero  er  cpv)xiX)]  öia  ijqco- 
öiaöa  rf/v  yvrccixcc  cfiXuijiov  rov  aöehpov  avrov  ^eXeyer  yaQ 
avrco  o  uoarrijö'  ovx  e^eörir  öoi  eyeiv  avrrjr'  ^xai  d^elcor  avror 
ajroxreirai  ecfoß7fi7i  rov  [oylov]  ejieiör/  cjö  jTQOfftjrt/v  avror 
er/or'  ^yeveöicor  ös  yevo(ievcor  rov  ?/qojöoi'  coQyj/öccro  7}  d^vyar7jQ 
rtjö  II  7]Qcoöiaöoö  er  reo  (leöco  xai  rjQeöer  reo  i]Qcoöt]'  "'o^er  fier 
oQxov  ofio?My7/öev  avrr/  öovrai  o  ear  ccirf/ö7jrat'  ^7]  öe  jtqo- 
ßißaöfhiöa  vjio  rf/ö  f/r/rQoö  avrfjö  öoo  [loi  c/fjöir  coöe  ejti  Jtiraxi 
T)jr  xe(fa/j/r  Koarrov  ror  ßajtriörov  ^xai  eXi'jn/^tj  o  ßaöiXevö 
öia  öe  rovö  oqxovö  xai  rovö  övi^araxetffsvovö  exeXevöer  öo{^7]rai' 

XIV,  5.  ecfoßtj'hi  ror  oy/.oi]  post  e<foß7jS-ij  voces  avTor  anoxri-irci  ex 
eiTore  lepetitae,  sed  pimctis  superpositis  improbatae  t<iint;  tov  oylor,  iu  ipso 
textu  omissmii.  in  margine  legeretuv  nisi  vocem  a  iiobis  iinciiiis  inclusam 
bibliopegus  abscidissct. 


pp.  117--12Ü]  Codex  Rossaneusis,  Mt  14.  27 

^^xac  jiefiipao  ajttxefpalLötv  roi'  icoavmiv  ev  r/y  (pv?.ax?j'  ^^xat 
rjvex^V  V  ^^^P^c^^  avxov  sjit  jiiimxt  xat  ^öod^tj  reo  xoQaöioj  xac 
rfvsyxev  r?/  f/)/rQL  avTtjö'  ^^xai  jiQoötXd^ovTeö  ot  fiad^r/zaL  avxov 
7jQav  ro  jtzcoffcc  avxov  xac  fdatpav  avxo  xac  sX^ov-  \\  xeo  avi]y- 
julaiy  xm  u]6ov'  ^'^xac  axovöaö  o  u/öovö  ai^sxcoQriöei^  fixtci^w 
ev  jtXoim  £i6  sQtjuov  xojioi>  xax  iöiav  xac  axovöavxeo  ot  oyXoi 
rjxolovd-tpav  avxco  Jts^7j  ajto  Jtaöcov  xcov  jtoXtcov  ^^xat  e^eX- 
d^mv  o  irjöovo  löei^  oylov  JioXvv  xat  eöJtZayypLöd-t]  eji  avxoiO 
xat  Ed^EQajtevöev  xovö  aQQcoOxovO  avxco r'  ^'^oiptaoöeysvofiej^fjö 
jiQoör]Xd^ov  avxco  ot  fiad^t/xat  avxov  Xeyovxtö'  e()/]f/oö  söxiv  o 
xojtoo  xat  7]  coQa  7yd>/  jtaQjjXd^tj^'  ajtoXvöov  xovö  oyXovo  tva 
ajttXd^ovxeö  tto  xaö  xvxXoj  xcoftaö  ayoQaöcoOiv  tavxotö  ß^cofiaxa' 
^^o  Ö£  ttjöovö  ifjtei^  avxoiO'  ov  yj)tav  sxovötv  ccjteX-  \\  d^ttv  Soxe 
avxotö  vf/etö  cpayuv  ^'ot  c)e  Xeyovötv  avxoj'  ovx  eyofiep  coös  et 
(Oj  Jtei'xs  a()xovö  xat  6vo  tyJ^vaO'  ^^o  dt  ttjrev  cpe^exat  (tot 
avxovö  codt'  ^^xat  xeXsvöao  xovö  oyXovö  avaxXtO^r/vat  tJtt  xov 
yoQxov  Xaßcov  xovö  jttvxs  aQxovö  xat  xovö  ovo  ty&vaö  ava- 
ßXeipaö  £tö  xov  ovQavov  svXoyjjöev  xat  xXaöaö  söojxei^  xotö 
fxad-Tjxatö  xovö  aQxovö  ot  de  (lad^rixat  xotö  oyXotö'  '^^xat  ecpayov 
jiavxeö  xat  tyoQxaöd^7iöav  xat  yjQav  xo  jitQtöevov  xoyv  xXaöfta- 
xcov  dcodexa  xocfjtvovö  jrXr/Qetö'  ^^ot  6s  eöd^tovxeö  tjöav  avÖQeö 
coöet  jtevxaxtöyetXtot  x^Q^^  yvratxcov  xat  ||  jratötonr  '^'^xat 
ei^d^ecoö  ?/vayxaö8V  xovö  [iad^rjxaö  avxov  ei^ßf/vat  etö  jiXotov  xat 
jiQoayetv  avxov  etö  xo  JieQciv  ecoö  ov  ajtoXvöri  xovö  oyXovö' 
~^xat  ajtoXvöaö  xov  oyXov  aveß?/  etö  xo  oqoö  xax  tötav  jcQOöev- 
^aöd^at'  o^ptaö  de  yevof/evrp  fiovoö  r/v  exet'  ^^^xo  ch  jtXotov  7]6fj 
(ieöov  xr/ö  d-aXaöör/ö  i/v  ßaöavtL,o{ievov  vjto  xcov  xvfiaxcov  )]v 
yccQ  evavxtoö  o  avefioö'  -^xexaQxtj  de  g^vXax?/  xfjö  vvxxoö  ijXd^ev 
o  ifjoovö  JtQoö  avxovö  xeQijtaxcov  ejtt  xrjö  {)^aXaöörjö'  '^^xat 
tdovxeö  avxov  ot  fiad^t]xat  avxox^  ejit  x?jö  d^aXaööriö  jteQtjtaxovvxa 
exa()ay{h}jöav  Xeyovxeö  oxt  gjavxaöfia  eöxtv  xat  ajio  ||  xov  cpoßov 
exQa^av  ^''evd^ecoö  de  eXaXrjöev  avxotö  o  tr/öovö  Xeycov  d^aQöetxe 
eyco  etfit  fit]  cpoßetöd^e'  '^^ ajtoxQtd^etö  de  avxco  o  jtexQoö  etjtev 
xvQte  et  öv  et  xeXevöov  fie  eX{hetv  jtqoö  öe  ejtt  xa  vdaxa'  ^^o  de 
etjtev  eXd^e'  xat  xaxaßaö  ajto  xov  jtXotov  o  jtexQOö  jteQte- 
jiaxrjöev  ejit  xa  vdaxa  eX&etv  jiqoö  xov  t?jöovv'  '^^ßXejicov  de  xov 


28  Codex  Eossanensis,  Mt  14.  15.  [pp.  121—124 

avsfiov  lOxvQov  srfoßr/f)^?/  xat  ciQ^afiei'oo  xarajtovTi^soü^ai  exQü^sv 
Xiycop'  TiVQis  öojöov  {(f  '^^tv^eo:Kj  df  o  irjöovo  hXTtivad  zr/v 
X^iQCc  tJitlaßtTO  avTOV  xca  Xhjhi  avrco'  oXiyoniöTb  h6  tl  edio- 
raöaö'  ^'^xai  if/ßarrojv  avrcov  eto  ro  jtXoiov  exojraöev  o  \\  ara- 
f/oö'  ^^oc  de  SV  TCO  jtloico  jiQoOtxvprjöap  ccvtco  XtyovrtO'  ahj- 
d^o)(j  d^eov  VLOö  tc  ^^xca  öiajttQaöavThö  ijXd^ov  sjtc  zr/r  yt/v  ysr?/- 
oaQtz'  '^-'xac  sjtiyvovzeo  avzov  oi  arÖQtO  zov  zojtov  bxaivov 
ajiiözBiXcw  tiö  oX?/r  z?jv  jteQiyojQor  exeivrjv  xca  jtQoOfjVsyxav 
avzco  Jtcwzaö  zovo  xaxcoo  r/[orzfc6  ^^xai  jzaQtxaXovv  avzov  ivcc 
fiovov  atpcovzca  zov  XQaöJttöov  zov  iffazioii  avzov  xai  oöoi 
tjipavzo  öt6öco{)^7jOav' 

XV.  Tozt  jiQoöeQ/ovzai  zco  Lrjijov  oi  ajco  itQOöoXvficov 
y^anftazeiö  xai  (paQiöaioi  Xeyovzsö'  '^diazi  oi  ifa\}f]zai  oov  jta- 
Qaßaivovöiv  Z7iv  jtaQadoöiv  zcov  JiQeößvzeQOJV  \\  ov  yaQ  vijizovzai. 
zao  itiQaö  amoiv  ozav  aQzov  soO^txoöiv  "^o  6t  ajtoxQid^tiö  tijcsr 
avzoLö'  öiazi  xai  v/tio  jtaQaßaivhZi:  z?jj'  tvzoXijv  zov  {htov  dia 
zr/v  jragadooiv  vfiojv  ^o  yaQ  &eoo  srtzeiXazo  Xr/cov  zi^ua  zov 
jtazsQa  6ov  xat  zrjv  (irjzsQa  xai'  o  xaxoXoycov  jrazsQa  //  fitjzega 
{^avazoj  ztXsvzazoj'  ^vfieio  dt  Xtytzt'  oo  iw  surf/  zoj  jiazQi  tj  zf/ 
/ir/zgi'  öcoQov  o  sav  tg  tiiov  cocpeXtj^f/O'  xai  ov  ////  ziff?/osi  zov  Jta- 
zt-Qa  avzov  ?/  z?ji'  (^iijZSQa  axizov  ^xai  rjxvQcoijazt  ztjV  tvzoXijvzov 
d^tov  öia  z?/v  jiaQaöoOiv  vfiojv  '^ vjtoxQizai  xaXoo  jr()Of:(fi?/zsvötv 
jtsQi  vf/ojv  ijüaiaO  Xtyov  ^tyyi^ei  fioi  o  Xaoö  ovzoo  zo)  özo/iazi 
avzcov  |i  xai  zolö  ^iXeöiv  //f  zifia  ?j  6e  xaQÖia  avzojv  jtoQQo  ansyi 
aji  tnov  ^  naz)jV  6t  ötßovzai  fit  6i6aoxovzto  6i6aoxa?uao  tvzaX- 
/laza  avfhQOJjiow  ^^xai  jiQooxaXtöafitvoo  zov  oyXov  tiJitv  avzoio' 
axovtzs  xai  övviszt'  ^^ovzo  tiötQ/ofihvov  ti6  zo  ozof/a  xoivoi 
zov  av&Qojjtov  aXXa  ro  txjroQtvofitvoj^  tx  zov  ozoftazoo  zovzo 
xoivoi  zov  avd^Qojtov  ^^^zozt  jcQo6tXiyovTto  Ol  (la^i/zai  avzov 
tijiov  avzoj'  oi6aO  ozi  oi  cfaQioaioi  axovoavzto  zov  Xoyov  töxav- 
6aXi6d7}C)av'  ^"V>  6t  ajtoxQh^tiö  tijitv  avzoio'  jtaöa  (pvzsia  tjV  ovx 
tijpvzevöav  o  Jtazf/Q  fiov  o  ovQaiuoo  tx^i^oihf/otzar  \\  ^^arftzai 
avzovö'   o6r/yoi  eioiv   zvcpXoi   zvcpXcov    zvcpXoo  6t    zv(pXov  tav 


XV,  3.  f-vToXiiv]  iiitei"  f-rr  et  o///  rasura   triuni  fere  litterarum. 
8.  syyi'Qti]  correctio  obscnra  in  fiue;  videtur  tt  ex  o  factum. 


pp.  125 — 127]  Codex  Rossanensis,  Mt  15.  29 

oÖTjY)!  afi(poT£QOL  eiö  ßo{^vvor  tf/jtsöovr^rat'  ^'-"ajtoxQid-SLö  da  o 
jteTQOö  sursis  avTo?'  fpQaöov  ijfuv  T/jr  jtaQaßoh/i^  xavTijv'  ^^o 
6 8  19JÖ0VÖ  8ijt8r  avTO)'  ax^riv  xai  vpiiö  aövrtTOC  fort*  ^"^ oiijtco 
voeixe  ort  jcm^  zo  eiöjtOQSVofievoi^  siO  ro  Orof/a  ecö  rrp^  ocoüuav 
/09(>f^  xai  tiö  a(ptdQ(Dva  tTcßaXlsrar  ^^ra  ös  sxjtoQevofifj'a  £x 
rov  öTOimtoö  sx  ttjö  xaQÖiaö  s^SQ/srai  Tcaxsiva  xon^oi  top  ar- 
{hQCQjrop'  ^^€x  yag  njO  yMQÖiaö  s^sQ^orraL  öiaXoyiöfiOL  Jtoj'rjQoi 
cfiOi^OL  ffOL/iac  jroQVLai  xXojtai  tp8vdofiaQTV()i.at  \\  ßXa(j(p?/f/Lai' 
^^ravra  eom^  ra  xoiJwvvTa  rov  avd^QOjjtor  ro  de  aviJtroLö 
X^Qöt^^  cpccystv  ov  xoivoi  Tov  avd^Qmjtov  '^^xac  s^sl^^^ojv  txtid^av 

0  crjöovo  av£XOJQ7]6£7^  810  ra  [iSQrj  tvqov  xai  ölÖcovoö'  ^^xac 
lÖov  yvvTj  yavavaia  ^^tld^ovoa  ajio  xow  oqlcqv  exsivmi^  exQa^sv 
Xsyovöa'  £Xef]607^  fis  xvqls  vis  da6'  tj  d-vyavrjQ  [lov  xaxmö  öai- 
fiovi^erai'  ^^o  ös  ovx  ajitxQcd^rj  avz?/  Xoyov  xai  jiQoösXd-ovTSij 

01  f/a{hrjTai  jjQcoTmv  avxov  IsyovrsO'  ajioXvöoj^  avzr/v  ozc  xga^st 
ojiiöd^8v  7]ncov'  ^^o  6e  ajtoxQid^siö  SLjtsjy  ovx  ajteOzah]v  st  firj 
eiö  za  jiQoßaza  za  ajiolcoXoza  olxov  Lögarj!'  ^^7]  6e  sX^ovOa 
jtQOösxvvsL  avzo)  II  Xsyovoa'  xvqis  ßo7]{^si  fiOL'  '-^^o  ös  ajio- 
xQid^Siö  sijtsv  ovx  sOzLV  xaXov  laßen'  zov  aQzov  zcov  zsxvow 
xat  ßaXsLV  zocö  xvimQiOLö'  ^'^y  ds  sijtsv  vai  xvqls  xai  yaq  za 
xvvaQia  söf^iSi  ajio  zojv  iptysLOiv  zcov  Jtijizovzcov  ajto  zip  ZQa- 
jteC,?/(j  zo)v  xvQLOJi>  avzcoi^  '^^zozs  ajtoxQifhsLO  o  ir/öovö  sijtsv 
avz7]'  CO  yvvai  [isyaXT]  öov  7]  jiiöziö'  yev7ii)^7]zo:>  öoi  cx>6  ■O'sXstö' 
xat  tad'71  7j  d-vyazijQ  avz7j(j  ajto  zrjö  cogaö  exsti^tp'  ^^xat  f/sza- 
ßaö  sxstd^sv  o  i7]öovö  7jXdev  Jiaga  Z7]v  d^aXaööav  t//ö  yaXtXataO 
xat  aimßao  stö  zo  oqoö  8xaü'7/zo  extt'  ^^xat  jtQoöriXd^oi^  avzco 
oyXoi  jtoXXot  B^oinsO  fis^)-  sav-  \\  zcov  xojcpovö  x^^^^ovö  zv(pXovö 
xvXXovo  xat  szsQovö  jioXXovö  xat  SQi^mv  avzovö  jtaQa  zovo 
jtodao  zov  t7](jov  xat  sd^sQajisvösv  avzovö'  '^hoözs  zovö  oyXovö 
d^avftaoat  ßXsjtovzao  xcocpovö  axovovzao  xat  XaXovrzaO  xvXXovö 
vytstö  xat  xcjoXovö  jtsQtjtazovvzaö  xat  zvcfXovö  ßXsjiovzaO'  xat 
sdo^aöai'  zov  d^sov  t6Qa7jX'  ^^o  ös  t7(öov6  jrgoöxaXsöaf/svoö 
zovö  ^ad^7]zaö  avzov  stjtsv    öjtXayxvi^ofiat   sjtt   zov  oyXov  ozt 


16.  i7]aova  {lä)  supra  lineam  additum. 

31.  TovG  o'/^ovo]  VC  vocis  xova  et  ovo  vocis  ox^ova  in  rasura. 


30  Codex  Rossauensis,  Mt  15,  16.  [pp.  128—131 

rjörj  7//i8Qai  tqlö  jcqoö/hsvovölp  fwt  '/ml  ovx  ^yovöiv  ri  (paycoötv ' 
xat  ajtoXvöai  avrovö  v/jörio  ov  ^£?.oj  ftr/jrore  axÄv{}^o:tOL7^  ev  r?/ 
odco'  '^^xat  XeyovöLP  av-  \\  toj  oi  fjat^^r/zai  avrov'  jtoi)^&r  r/fiiv  tv 
£()//fiia  aprot  toöovtol  coöte  yoQTaoai  oylor  tooovtov'  '^^y,ai 
Xtyu  avToiO  o  i7jOovö'  jtooovo  aQToco  f-ytre'  gl  Öe  eljiov  ejixa 
xai  oliya  ryj^vdta'  ^^xai  axeXevasj^  roio  oyXoio  airnjisOEw  ejri 
T9/P  y?jv'  ^^xai  Xaßa)V  rovo  sjtra  aprovo  yua  rovo  ryj^vao  tc- 
yaQiOTTjöaö  axXaotr  xca  8Öco%ei>  tolo  fiaf^^r/raio  avrov  ol  da 
fiaO^?/TaL  TOJ  oyho'  '^'' xat  8(^ajov  jiavxhC)  xca  8yoQTaoH^)i(jav  xai 
rjQar  ro  jiSQiOOavoi'  tcov  xXaOfiarcai'  ajira  OJtvQidaö  tcXi/q^iO' 
^^01  da  to{^iorTaö  ?/oar  TtTQaxioyaiÄiot  arÖQao  yojQLO  ymmixcoj^ 
xai  JtaLÖuov  ''''-^xai  ajroXvöaö  rovo  oyXovo  arali)(  eiO  to  jiXolov 
xat  7]Xi)^av  £Lö  ra  oquc  uayöala' 

XVI.  Kca  jc{>oö(:Xd^(n>rtö  ol  (paQLöuLOL  xai  öadöovxcuoi 
jttLQa^ovTtO  sjtf/()coT?/öav  avTov  0?jf/8iov  tx  Tov  ovQarov  ajti- 
ötL^aL  avTOLö'  '^o  dt  ajioxQLH^aiO  aLjiav  avroLC  ot^naö  yavofisvtjO 
Zsyere'  avöia  jrvQa^ai  ya()  o  ov^avoö'  ^xai  jüqcol'  or/f^sQov  yei- 
licov  jiv(jaC,8L  yaQ  öTvyimC,ioi^  o  ov^aroo'  vjtoxQLrai  to  ftar 
jtQOöojjcor  TOV  ovQarov  yivcDOxtra  diax(jLV8Li>  ra  dt  u/jfjia  rcov 
xaLQOJV  JTcoo  ov  övvaod^a  doxifta^eir'  ^xai  ajioxQit^aiö  o  iifiovo 
Sijtev  ytvaa  jiovtiQa  xaL  noLyaXuö  ||  otiiitiov  ajiLC^/raL  xaL 
ö7]fi£tor  ov  öo&f/oaraL  arrtj  ei  /j/j  ro  ö/ifiatov  Lmva  rov  jtqo- 
(prjrov  xaL  xaraXurcor  avrovO  ajtf/Xd^av  ^xaL  aXd^oprao  ol  fta- 
^rjraL  avrov  tiö  ro  jiaQav  ajiaXaO^orro  avrovö  Xa^jeiv  ^'o  da 
iijöovö  aLJtai^  avroiO'  o{)ara  xai  jrQoöayara  ajio  rr/ö  C^v^Uf/O  rcoi^ 
(paQLöaiwv  xaL  oaddovxaLüJV  'ol  da  diaXoyiCorro  av  aavroLO 
Xayovrao  orL  aprovö  ovx  eXaßof/ai''  ^yi'ovo  da  o  l7j(jovo  aijrar' 
rL  dLaXoyi^aöd^aL  ai'  aavroLö  oXiyojTLöroi  orL  agrovö  ovx  aXaßara' 
'^ovjioj  voaira  ovda  {^Lr7ßtoravara  rovo  jrarra  agrovo  rojr  jiar- 
raxLöyaiXLcov  xaL  jtoöovö  xogyivovo  a-  \\  Xaßara'  ^^^ovda  rovo 
tütra  aL<)  rovö  rarQaxioyaiXiovö  xai  jroöao  öjrvQLdao  aXaßara' 
^^jiojö  ov  voaLxa  orL  ov  jraQL  aQrov  aijior  v^ilv  jiQOOayaLr'  jtqoü- 
ayara  da  ajto  t//ö  C;v^7jO  roj)'  (faQLöanor  xaL  oaddovxaicoi'' 
^'^rora  övpf/xai^  orL  ovx  aLjtai'  jL{tooayaLV  ajio  r^/O  ^vfL//0  rov 
aQrov  aXXa  ajro  r7jö  dLday7jO  ra))>  (fa^LöaLcor  xaL  oaddovxanor' 
^'^aXfhcov    da   o    l7jOovO   aLO  ra  ^LaQ//   xaLOaQLao    rijö    (plXljtjtov 


pp.  132—135]  Codex  Rossanensis,  Mt  U).  31 

rjQcora  rovö  fm^i]Ta6  avrov  X^ycov  xiva  (it  Xsyovöiv  ol  av- 
dQmjtot  uvai  Tov  vcov  rov  av^QOjjiov'  ^^ol  de  tiJioi''  ol  fisv 
icoavv7]v  TOV  ßajtriOTTjV  alXoi  08  7/2.iap  ereQoi  da  ie()6fiLap  ?/ 
eva  II  Tojv  jtQOfprjTcov'  ^^l^yti  avroiO'  vfisiö  d&  riva  [le  Xeyszs 
uvaf  ^^ ajtoxQLd^etO  de  OLftcov  jistqoo  sijtsv  öv  u  o  xqlötoG  o 
vLoö  rov  dsov  TOV  C^mvToö'  ^'^xai  ajtoy.Qi^tLO  o  l?j6ov(j  sijcsv 
cwTCo'  ftaxaQLoo  et  Oifimv  ßaQ  loji^a  ori  (jaQ$,  xai  acfia  ovx 
ajcexaXv^ptj'  öol  all  o  jraT7iQ  (lov  o  ev  tolö  ovQarotö'  ^^xayco 
de  öoi  leyoj  oti  öv  et  jzexQOö  xat  ejtt  TavTt]  Tfj  jter^a  otxoöo- 
litjOa)  fiov  Tfji^  exxhjOtav  xat  jtvXat  aöov  ov  xaztoxvoovötv 
avTijö'  ^'^xat  öcQöco  öot  Taö  xleto  ttjö  ßaötXetaö  tcov  ovQavcov 
xat  o  eav  örjorjö  ejtt  r/yö  yrjö  eöTat  deöef/evov  ev  tolö  ovQai^otö 
xat  o  eav  Zvör/O  \\  ejrt  ytjö  eöTat  XeXv[ievoi^  ej'  TOtö  oi^gavotö' 
'^^TOTe  öteöTetXaTO  toiö  {^aß^rjTaiö  avrov  tva  fo/devt  etjtmötv 
ort  avroö  eortv  tijOovö  o  xQtöroö'  '^^ajto  rore  ijQ^aro  o  ti/Oovo 
detxvvetv  roiO  fia^rjratö  avrov  ort  Öet  avrov  ajieXi^etv  etö 
teQoöoXvfia  xat  jioXXa  jcaihetv  ajzo  rcov  JtQeößvre()OJV  xat  aQ^te- 
Qecov  xat  ygaii^areow  xat  ajroxrav{^rjvat  xat  r?/  rQtr?/  7jf/eQa 
avaörrjvat'  '^"^xat  nQoöXaßo^ievoö  avrov  o  jier(joö  //Q^aro  ejut- 
rtfiav  avrco  Xeycov  etlemö  öot  xv(jte'  ov  [irj  eörat  öot  rovro' 
'^^o  de  ejitörQa<f)etö  etjcev  reo  jterQco'  vjtaye  ojrtöco  fiov  öarava' 
öxavdalov  ftov  [et]  \\  ort  ov  cpQovetö  ra  rov  d^eov  aXla  ra  rmv 
ai^d^Qcojtmv  ^^^rore  o  tr/öovö  etjtev  roiö  [ia{^7iratö  avrov  et  rtö 
d-eXet  ojTtöoj  fiov  eXB^etv  ajiaQV7iöaöihoj  eavrov  xat  a^aroj  rov 
öravQOV  avrov  xat  axoXovrB-etrco  fiof  '^^oö  yag  av  d^eX7/  r7jv 
ipvx7/v  avrov  öojöat  ajtoXeöet  avr7jv  oö  d  av  ajtoXeö7/  r/jv  ifwyj/v 
avrov  evexev  efiov  ev(j7/öet  avr/jv'  '^^rt  yaQ  oj(peXtrat  ai^d^Qcojtoö 
eav  roi'  xoö(.iov  oXov  xe()d7iö7j  r7j)f  de  jpvyjjv  avrox)  C,7jfieioj(h7i' 
7j  rt  öcüöet  avd^QOjjioö  avraXXayiia  r7]ö  ^pvyijö  avrov  ^^' f^eXXet 
yag  o  vtoö  rov  avd^Qcojiov  egyeöd^e  ev  rrj  60^7 j  rov  jtarQoö 
avrov  ^era  rcov  ayyeXcov  ||  avrov  xat  rore  ajtoöcoöet  exaörco 
xara  rrjv  jtQa^tv  avrov   '^^afi7/v  Xeyoj  vfttv  etötv  rtveö  rcov  coöe 


23.  fzov  fi]  ita  exeimte  pag*.  133  in  margine  codex,  nisi  quod  vocula  et 
nunc  desideratur;  pag.  134  ineimte  litterarum  si  (xov  erasarum  vestig'ia 
comparent. 


32  Codex  Rossanensis,  Mt  10.  17.  [pp.  136—139 

sörmrmv  oirivsö  ov  f/7]  yevöovTat  ^avarov  eoyö  av  löcoöiv  rov 
viov  rov  avd^Qcojcov  eQ/oftsvov  sv  rrj  ßaOiXsta  avtov' 

XVII.  Kai  fie&  ?]fieQaö  8$,  jtaQala^ßaveL  o  ltjöovö  top  Jts- 
TQOv  xai  laxcoßov  Tcai  uoavvrjv  rov  a6el(poi^  avrov  xac  civag:8Qtf 
avTovO  si6  oQoö  vip7/Xov  Tcar  tdiar'  ^^xai  iierbiiOQ(fojd^ti  8ffjtQoo- 
d^ev  avTOJv  zai  sZafixpei'  ro  jiqoOojjiov  avrov  wO  o  tjXloö  ra  ös 
ifiaria  avrov  ^ytvorro  Itvxa  coo  ro  g)wO'  ^xai  idov  G)(pß^?]öav 
avroiö  [imv6rjö  ymi  7]ktaö  fisr  avrov  övXlaXovvreO'  \\  ^ajroxQtd^eio 
de  o  jtsrQoö  eijrsi'  reo  itjöov  xvqis  xaZoi^  eötlv  fjfiaö  code  sivac 
8L  {^eleiö  jtOLi/öcof/ev  wös  rQiö  öxrjvaö  (iiav  öoi  xai  ficovöi  fiiav 
xaL  rjXLa  f/iav  ^sri  avrov  XaXovvroö  löov  v£g)6)^9]  cpcoriv?] 
FJt8öxLaötv  avrovö  xai  löov  (powri  ex  rijö  veq)8X7j<j  Xeyovöa' 
ovroö  söriv  o  vioö  fiov  o  ayajiijroö  ei^  co  9]vöoxf](ja'  avrov 
axovsrs'  ^xai  axovOavrsö  oc  ^ad^^irac  sjrsöov  sjil  jtQoOo^jtoi^ 
avrmv  xat  acfoßr]d^7]öav  öcfoÖQa'  "'xac  jtQoötld^ow  o  t?]6ovO 
Tj^aro  avrcov  xat  sijisv'  syeQd^ijre  xat  ^//  rpoßscod^s'  ^sjcagav- 
rsö  öe  rovö  og)^aXf/ovo  avrojv  ovxeri  ovöeva  löov  £c  fi?]  \\  rov 
L7]öovv  fiovov  ^xaL  xaraßaLvovrcov  avrcov  ajto  rov  oqovö  svs- 
rsilaro  avroiö  o  i7]Oovö  leyrnv  ii7j6£vi  8iJtr]re  ro  o(^afia  eoö 
ov  o  vioö  rov  avi^Qcojiov  ex  vexQcov  avaörr/'  ^^xai  eji7]Q0jri]- 
öav  avrov  oi  fia{)^7/rai  avrov  Isjovreö'  ri  ovv  oi  yQannaruö 
2,&yov6iv  ori  tjXiav  dei  eXi^eiv  jiQmrov  ^^o  de  ujoovö  ajioxQi- 
d^siö  eijtsv  avroiö'  7jZiaö  ^lev  SQyerai  jtQOjroö  xai  ajtoxaraörfj- 
ö£i  jtavra'  ^'^Xsyco  de  i\aiv  ori  7jliaö  7jÖ7]  t/Afhsv  xai  ovx  ejte- 
yvwöav  avrov  all  sjtoi7]öav  sv  avrm  oöa  rjd^ehpav  ovrcoö  xai 
o  VIOÖ  rov  avd^Qcojiov  fisllsi  jraö^eiv  vjt  avrmv  ^^rors  övrij- 
xav  II  Ol  fia&7]rai  ort  jibqi  icoavvov  rov  ßajiriörov  ujiev  avroiö' 
^^xai  eld^ovrcov  avrmv  jr()oö  rov  oxloi'  jr()oö7jlü^ev  avrm 
avd^Qmjioö  yovvjiermv  avroj^  ^'^xai  Itymv  xvqis  els7jö07^  jjov 
rov  viov  ori  öelr^viaC^erai  xai  xaxmö  eyer  jtollaxeiö  yaq  jiijc- 
rsi  £iö  ro  jivQ  xai  jtollaxiö  eiö  ro  vdmQ'  ^^xai  jiQoöfjvsyxa 
avrov  roiö  fmfh7]raiö  öov  xai  ovx  7idvvt]d^)iöav  avrov  {hsgajrev- 
öai'  ^''ajrox{>iihtiö  dt  o  n/öovö  tijrev'  m  ysvea  ajiiöroö  xai 
öieörQa/jf/ev//  emö  jtore  luofiai  }ft{^  t\umv'  emö  jtors  avs^ofiai 
vfimv  (peqerai  (loi  avrov  möf  ^^xai  Fjt£rifi7]ö£2^  avrm  o  u]öovö 
xai  £$,fjl{h£7^  ajT  avrov  ro  ||  öai^oviov   xai   £d-£Qaji£v{^ii  o    Jtaiö 


pp.   140—143]  Codex  Eossanensis,  Mt  17.  18.  33 

ajio  T?ja  coQaö  exuvrjö'  ^'^tots  jtQoöeld^ovTeö  ol  fiaihi/zai  reu 
iTjOov  xar  iöiai^  blüiov  diari  ?jf/siö  ovx  7]öiw?]{)^rjfisv  sxßalsiv  avro' 
^^o  Ö8  tr/öovö  sijtei^  avrotO'  öia  rrjiy  ajtiOzcav  vficov  afi7]j^  yag 
ZsycQ  vf/tv  tav  sxV^^  JtLönv  coö  xoxxov  öivajtecoo  sqslts  toj 
oQSi  Tovrm  [leraßriß^ei  svt8v{)^8v  sxei  Tcat  ^sraßfiöerai  xac  ovdsv 
a6vimT7]6ei  vj^iiv  ^^tovto  öe  to  yevoö  ovx  sxjtOQn^erai  et  fi?] 
£V  jiQoösvyj]  xcu  v7]6Tua'  ^^~araöTQ£(fO[ievoi)j>  öe  avTcov  ev  r?/ 
yalilaia  ujizv  avroiC  o  ujöovö'  f/sllei  o  vioö  rov  avd^Qconov 
jtaQadiöoöd^at  siö  Xf/(>aö  av{^Qcojtcoi'  \\  '^^xac  ajüoxrevovöiv  avrov 
xai  T7]  TQIT7]  7](.i£Qa  ey8Qi)^7j68Tai'  xai  8lvjrr/{^7j6a%'  6(fo6Qa' 
'^^sl^ovTcov  Ss  avTcov  SLü  xaji£Qvaoi\u  jcQoöt]Xd^ov  OL  ra  ötÖQayfia 
2.af/ßavoPT£(j  reo  jtstqcq  xai  ujiov  o  didaöxaZoo  vfimjy  ov  rsXei 
ra  öiÖQayfia'  ^-'Xsyei  imi'  xai  oze  £iö?/Z&^£i^  £10  T7jp  oixiav  jtqo- 
£(pd^aö£7^  avrov  o  i7j6ov6  l£ymv'  ri  öoi  öox£i  ötficov'  oc  ßa(jiZ£i6 
rrjö  yrjö  ajio  nvüw  laußavovOiv  r£hj  7]  xrji^öov  ajto  rmv  vicov 
avrmv  7]  ajto  rcov  aXXorQicov'  ^^k£y£i  avrco  o  jt£rQ0ö'  ajto  rcov 
aXlorgimi^'  6^?/  avrco  o  i7]öovö'  aQay£  £?.£v&£qol  £iOlv  ot  vi-  \\ 
Ol'  '^'' iva  Ö£  fi7j  öxai'dahocofj£7'  avrovO  jtoQ£vih£iö  £lo  d^aXaööav 
ßal£  ayyiorQov  xai  rov  avaßavra  jiQcorov  ly^vv  agov  xav 
avoi^ao  ro  örofia  avrov  £vq7]ö£i6  örarrjQa'  £X£ivov  laßmv  öoö 
avroiO  avri  £f/ov  xai  öov 

XVIII.  Ev  £X£iv7]  r7j  coQa  jtQO<j7]Xd^ov  Ol  fia^7jrai  rm  i7]6ov 
X£yoi'r£6'  riö  aga  fi£i^cov  £öriv  £V  r7j  ßa6iX£ia  rcov  ovgavcov 
'^xai  jrQo6xaX£6af/£7'oö  o  i7/öovO  jraiöiov  £6r7]ö£7>  avro  £v  fi£öco 
cwrwv  ^xai  £iJt£V'  afi7jv  k£yco  vfiiv  £a7\atj  örQacp7]r£  xai  y£vrjö- 
{hai  coö  ra  naiSia  ov  fit]  £iö£Xd^7jr£  £iO  rrjv  ßaöiXBiav  rcov 
ovQai^cov  ^oöriö  ovv  rajtivcoö£i  £avrov  \  coö  ro  jiaiöiov  rovro 
ovroö  £öriv  o  fi£i^cov  £V  r7]  ßaöiX£ia  rcov  ovQavcov  -'xai  oö 
£av  Ö£§,rjrai  jtaiöiov  roiovro  £Jti  rcQ  ovofiari  fiov  £f/£  Ö£X£rai' 
^oö  ö  av  öxavöaXiö7]  £va  rcoi^  fiixQcov  rovratv  rcov  jtiör£vov- 
rcov  £iö  £fi£  övficp£Q£i  avro)  wa  xQ£fiaö^7j  f/vXoö  ovixoö  jt£Qi  rov 
rgaxT^Xov  avrov  xai  xaraüiovriö^t]  £V  reo  ji£Xay£i  r7]ö  S^aXaöTjO' 
''ovat  reo  xoöfico  ajto  rcov  öxavöaXwv  avayx7j  yag  £Xd'£LV  ra 
öxavöaXa  jüXrjv  ovai  reo  ai^{)Qcojtco  £X£ivco  dt  ov  ro  öxavöaXov 

£QX£rai'    ^£1    Ö£    7J    y£lQ    ÖOV    7]  O   JtOVÖ  ÖOV  ÖXavÖaXl^£l  Ö£  £XX07pOV 

avra  xai   ßaXE  ajto   öov   xaXov  ||  öoi   £örtv  £iö£Xd^£iv    £iö  r7]v 

Texte  und  üntersucliuiigeu  I,  4.  3 


34  Codex  Rossanensis,  Mt  18.  [pp.  144 — 146 

Coj?/?'  yo^lor  ?/  xxXäov  r/  ovo  yeiQao  9j  ovo  jroöao  syorra  ßhj- 
d^TjvaL  8LÖ  To  jrvQ  TO  ccKüViov  '-^ y.üi  81  o(fi)^alnoo  60V  oxavda)u- 
C,8t  06  8$,sZs  avTor  '/ml  ßaZs  ajto  oov    y.aXo7^  oot  eoziv  ^ovo(f- 

d^alflOV     810     T7lV     C^0)7jlf     8L08Xd8Lr     1]     övo    0(f^(^aXf/OVO    8yovTa 

ßXrjd^rivai  8tO  r^/r  y88vvav  tov  jivqoO'  ^^OQars  ^tj  yMraffQortj- 
0?jT8  8VO0  TCQV  [iiyQcov  TOVTcov  Ä8yco  yuQ  i\uu'  OTL  Ol  ayy8Xoi 
avTcov  dta  jtavxoo  ßX8jtovOLv  ro  jcqooojjtov  tov  jtaxQOO  fiov  tov 
8V  Toiö  ov{taroiO'  ^hi)M8V  yaQ  o  vtoo  tov  upD^qojjiov  Ocooca  to 
ajioXmXoö'  ^^^Ti  vf/iv  öox8l'  8av  y8vrjTat  ||  tcvl  avd^QOJjtoj 
8xaT0V  jrQoßaTCi  xca  jrlavrid^rj  8V  8§  avTwv  ovyi  a(f8iO  t«  8V8- 
VTjXOVTa  8VV8a  8jn  t«  o()//  jtoQ8v{h8iO  Cr/T8i  TO  jiXaro:>^8vov' 
^^xat   8av   y8ViiTai   ev^ir   ccvto  afftji'   X8y(D   v^aip  otl  ycaQ8i  8jr 

aVTCO  ^cOJMV  1]  8JCL  TOlO  8V8Vf/XOVTa  8VV8a  TOiO  fltj  Jl8JtÄaV7/- 
fl8rOLO'     ^^OVTCOO   OVX    80TLV    d^8h/fta    8ftJtQOOf)^8V    TOV   JtCCTQOO  flOV 

TOV  8V  ovQavoLO  Lva  anohjTca  8V  tojv  [ir/cgo^v  tovtoji^'  ^''8ar 
08    afiaQT7/0i/   810  08   0  ad8Ä^oo   oov   vjiay8  xai  8A8y^07'  avT07' 

f4£Ta§V    oov    XCU    aVTOV    f/07WV'     8ai'    Oov    aX0V07l    8X8Qd7iOaO    TOI' 

ad8X(f.ov  oov  ^^'8ca^  08  ////  axov07j  oov  jca^aXa-  ||  ß8  fi8Ta  08av- 
Tov  8Ti  8i^a  ?/  dvo  n^a  8jn  OTOftaTOO  övo  ^ccqtvqoji'  >/  t()ioj}' 
OTCcd^?/  Jiav  ()7jfia'  ^' 8av  08  jraQaxovor/  avTCOv  8iJi8  t7/  8XxX7jOia' 
8av  08   xai   t7]0    8XxXtjOLao   xaTcafQov7i08i    80Tca   ooi    ojOjts^    o 

8{^7HXOO  XCU  0  T6/09r//Ö*  ^^a^lfV  yCCQ  Ä8yO?  Vf(U^  OOa  8CCV  67J07/T8 
8jn    TijO    ///(J    80Tai    Ö8Ö8Ll8Va    81'    TCO    OVQai'O^    XCU    OOa    8CW  XvOt/T8 

8jn  TtjO  y7jO  80TaL  l8Xv^(8va  8i'  tco  ovgavco'  ^^Jialiv  X8yco  vfur 
OTL  8av  dvo  vi-iojj'  Ovfi(pon^7/Oovoiv  8jil  t?]0  ytjO  jT8Qi  jiamoo 
jiQayfxaTOO  ov   8a7>  aiT7]00VTca  y8V7]08Tca  avTOiö  jiaQa  tov  Jta- 

TQOO  fiOV  TOV  8V  TOiO  OVQüVOlO'  '^ OJIOV  yUQ  8L0L7>  ||  ÖVO  7]  TQlO 
OVfV7]yH8VOl  810  TO  8 ff 07'  Ol^Ofia  8X81  81  ja  87'  fl80a7  aVTC07''  '^^T0T8 
jr()008Xd-COV    aVTCO    O    JT8T(J00    8LjT8'     XVQ18    JtOOaXiO    «//«(>T//a//    810 

81(8  o  aÖ8X(fOO  f/ov  XCU  cc(f7joco  avTco'  8C00  8JiTaxiO'  -'^X8y8i  av- 

TCO  O  UjOOVO'  ov  l8yci)  001  8C00  8JtTaXlO  all  8CQ0  8ß6o^7]XOVTa- 
XLO  8JtTCC'  '^'•^Öia  TOVTO  OllOLCod^7j  //  ßaOlX8lC(  TOI'  OVQC(7'C07'  ai'- 
fhQCOJTOJ  ßaOlX8l  00  7l{}^8X?/08)'  0V7'a()Ca  XoyOV  H8TCL  tcov  öovXco7' 
CCVTOV      ^^^aQ^afJ87'OV    08    CIVTOV    OV7'Ca(J8l7'    JTQOOf/7'8yß^7/    aVTCO    810 


21.  xvtjit  {y.t)  hl  iiiargiiie  additum. 


pp.  147—150]  Codex  Rossanensis,  Mt  18.  19.  35 

og)Lk£T?jö  fivQLcov  TaXavTOJV'  ^^fi7]  Exoinoö  ÖS  avrov  ajioSovvat 
sxaZsvösv  avrov  o  xvQtoö  avzov  Jt^aü^i/vat  xat  xrjv  ||  yvvaixa 
avTOv  Tcat  ra  rsxva  xca  jiavra  oöa  uje.v  xai  anoöo^rivar  ^^jt8- 
öcov  ovv  o  öovXoo  exsLVoö  jiQoösxvpsL  avTco  Isyrnv  xvqlb  (la- 
XQod-viirjöov  8JT  tf/OL  XML  OTCiVTa  ajToöcoöco  601'  '^''öjrlayyvLOdtiO 
Ö£  o  xvQLOö  Tov  öov?Mi^  ex8Lrov  ajteXvösv  avrov  xai  ro  da- 
j'sior  acp?]X8v  avrco'  '^^a^^sld^oyi'  ös  o  öovXoö  sxsivoö  svQev  eva 
rcov  övvöovXcov  avrov  06  cocfLXsv  avroj  sxarov  örjvaQia  xai 
XQarr/öaö  avrov  sjtinysv  Ztyojv  ajtoöoö  fioi  £i  rt  og)tZ£iö' 
^'^jieOcov  ovv  o  övvöovXoö  avrov  eiö  rovö  jzoöaö  avrov  jiaQe- 
xaZsi  avrov  Xr/mv  fiaxQoi^vfii/öov  sji  8(ioi  xai  ajtoöcoöat  \\  ooc 
•^^o  Ö£  ovx  r]{)'sXsv  alZa  ajrskO^cov  sßaXsv  avrov  eto  ^vXaxr/v 
smö  ov  ajioöüj  Jiav  ro  offiXon^vov  '"^^löovrsö  ds  01  övvöovXoi 
avrov  ra  ysvofisva  eXvjt?]d^rj6av  6(podQa  xai  sld^ovred  öisöag)//- 
öav  rm  xvqlcd  savrcov  ajtavra  ra  y8vofi8va'  ^'^rors  jiQOöxaXs- 
öafi8vo0  avrov  o  xvqloö  avrov  X8y8i  avrm'  öovks  jiov7]Q8  jia- 
öav  rfjv  og)8iZ7jv  8X8iv?/v  ag)?jxa  001  8jt8i  jiaQSxaXsOaö  f/s'  ^^ovx 
BÖu  xai  6£  sXsi/Oai  rov  oiwöovXov  6ov  mö  xai  sym  6s  7]X£r/6a' 
^^xai  0Qyi6{^£i6  o  xi\)io6  avrov  jraQsöcoxsv  avrov  roiO  ßaöa- 
viöraiö  8C0Ö  ov  ajrodco  Jiav  ro  ocfiXofisvov  \\  avrm'  ^^ovrcuo 
xai  o  JiarrjQ  fiov  o  ejiovQaiHOö  jrou/Osi  vfiiv  sav  fii]  a(p?/r£ 
sxaöroö  rm  aösXcpco  avrov  ajio  rojr  xaQÖio^v  vficov  ra  jra(ja- 
jtrco[iara  avrmv 

XIX.  Kai  syevsro  ors  srsXsöev  o  n/öovo  rox^ö  Xoyovo  rov- 
rovö  {ierfjQEv  ajto  r?jö  yaXiXaiaö  xai  7jXd£V  nö  ra  oQia  rfjcf 
lovdaiaö  jtsQav  rov  lOQÖavov  '^xai  7jXoXov\9^rjaav  avrco  o^Xoi 
jtoXXoi  xai  £^£Qajt£Vö£V  avrovö  sxer  ^xai  jcQoörjXd^ov  avrco 
cpaQiOaioi  jieiQaC^omsö  avrov  xai  Xsyovrsö'  ei  t^toriv  avd^QCDJCco 
ajioXvöai  rfjv  yvvaixa  avrov  xara  jiaOav  airiai>'  ^o  ös  ccjio- 
XQid^SLö^  8ijt£v  avroiö'  ovx  avsyvcors  ort  o  jtouiöaö  aji  aQyijö 
aQöBv  II  xai  d^rjXv  sjtoujösv  avrovö  o  ^sou  -"xai  ujtsv  evexav 
rovrov  xaraXii^^si  avd^Qcojtoö  rov  jiarsQa  avrov  xai  ri]v  ftfjrsQa 
xai  jcQoöxoXXijS^TjOsrai  r?/  yvvaixi  avrov  xai  söovrai  01  ovo  siö 
OaQxa  ffiav  ^'ojörs  ovxeri  eiöiv  ovo  aXXa  6aQ§  fiia'  o  ovv  o 
^£06  Ovv£^£v^£V  avd^Qcojtoö  ff?/  ycoQiC^£rco'  "* X£yovöii>  avrco'  ri 
ovv  ficovö?/<j    £V£r£iXaro    rjfin^   öovvai   ßißXiov   ajioOraöiov   xai 


36  Codex  Eossanensis,  Mt  19.  [pp.  151 — 154 

ajroXvöaL  avTr/V  ^Ity^i  avroiö  ort  ^ucovö7/(j  jtqoO  T//r  öxh/QO- 
yMQÖiai''  vficoi^  tJitTQtxptp  h\uip  ajtokvoai  raö  yvvaixao  i\uojv  aji 
ciQ/j/ö  08  ov  yh.yovtv  ovtcoö'  -^ ?.eyco  ds  vfiiv  ort  oO  av  ajtokvörj 
T//2'  yvvaixa  avxov  \\  fir/  sjci  jioQvia  vml  yafirjOrj  aXX^jV  noiyarai 
yML  o  ajtoXelv^ievriv  yancov  ^lor/^arar  ^^ Xeyovöiv  avrco  oi  f/a- 
d^rirat  avzov'  ti  ovtcoö  eörii^  7/  airia  zov  avd^Qcojtov  fisrcc  rijO 
yvvatxoo  ov  ovficfSQSL  ya^ijOcw  ^'o  ds  tijrtr  uvroiO'  ov  jiarTSO 
XcoQovöu^  TOP  loyov  TOVTOV  aAÄ  010  dedoTüi'  ^^^slölv  yag  svvov- 
ypi  oiTivaO  tx  xoüuaö  fiyr^oo  8y8ri'rj{}^7jöav  ovrcoö  xai  8iöiv 
8vvovyoi  otTLV8ö  8vrovyiö{^7/6av  vjto  twv  ar&Qcojrojv  xat  8loiv 
8vimvyoi  OLTi7'8ö  8V7Wvyjöav  8avTovö  dia  t?jv  ßaoiksiai^  rcov 
ovQavony  o  dvrafi8i^oO  ycogeii^  ycogairco'  ^^tot8  JtQOö7p'8yß-7/öa7' 
avTco   jtaLÖia    um  raö  ||  yaiQaö  ajciS^?/   ccvroiö  xat   jiQ0ö8Vsf/Tat' 

Ot    Ö8    f/a^7jTat    8Jt8Ttft7j6aV    aVTOtö'     ^^0     08  ir/OOVO    8tJT8V'    a(p8T8 

ra  jiatöta  xat  f/7j  xcoXv8T8  avra  8Xd^8tv  jiqoo  f/8'  rcov  yag 
TOtovTcov  aortv  7]  ßaötl8ta  rcoi^  ovQaro^v   ^^xat  8jti8^8ia  avroio 

raö  X8tQaö   8JtOQ8V&7/    8X8td^87r      ^^Xat    tÖOV    8tÖ   JtQ0Ö8h^0Jr    8i:ji8r 

avrco'  dtöaoxak8  ayad^8  rt  jtot7/öco  trcc  ayw  ^oj7/i'  atcoiHOi''  ^'o 
08  8tji8v  avrco'  rt  fi8  Xayato  ayad^ov  ovÖ8tö  ayad^oö  8t  ft?/  8io 
o  ^806'  8t  Ö8  ^8l8tO  8tö  rrjV  ^G)7jv  8tö8X^8tv  r7]Qrjöoi>  raö  8vro- 
laö'  ^^X8y8t  avrco  jtotaö'  o  Ö8  t?jöovö  8tji8V'  ro  ov  (por8vö8tö 
ov  f/otx8vö8tö  ov  xk8ip8tö  OV  \\  \p8v6oiiaQrvQ7]ö8tö  ^^rtfta  rov 
jtar8Qa  xat  r7jv  {i)}r8Qa  xat  ayajü7]ö8tö  ro7'  Jthjötov  öov  coö 
8avrov'  ^^^X8y8t  avrco  o  i'8avtöxoö'  ravrcc  jzcwra  8g:vXa^aftfiv 
8x  v8or7]roö  [iov  rt  8rt  vörsQco'  ^^8cp7j  avroj  o  t/jöovö'  8t  d^8A8tö 
raXstoö  stvat  vjtay8  üicDh]öov  öov  ra  vjtagy^ovra  xat  6oö  jirco- 
yotö  xat  8^8tö  ^7/öavQOV  8V  ovQai^co  xat  68vqo  ccxoXovd^8i  ftof 
^^^axovöaö  Ö8  o  7'8artöxoö  rov  Xoyov  ajty^Xd-aiJ  Xvjtovfi87'oö'  //r 
yaQ  aycDV  xr7j^ara  jioXXcc  '^'^o  08  t7]öovö  8tJt8V  rotö  fta^t/ratö 
avrov  aftf/i'  Xayco  vfitj'  ort  övöxoXcoö  jrXovötoö  8tö  rtjv  ßccöi- 
X8tav  rcov  ovQavwv  8tö8?.8vö8rat'  \\  '^^jzaXtv  08  Xayco  vfitv  8vxo- 
jiior8QOV  aörtv  xaft7jXov  öta  rQv^-iaXtaö  Qacftdoö  8tö8Xd^8tv  7] 
jtXovöto7^  8tö  r7jv  ßaötX8tav  rov  {)^8ov  8iö8X0^8tv'  -^axovöavr8ö 
08  ot  fia{htjrat  8^8JtX7jööovro  öcfoÖQa  X8yovr8ö'  rtö  aga  övrarat 


9.  xai  yajutioij  c(?.ktjr  i-ior/^caai]  oiunia  haec  in  rasura. 


» 


pp.  155—158]  Codex  Eossanensis,  Mt  19.  20.  37 

ocoO^rjvaL'  '^^sf/ßXsy^aö  de  o  itjöovö  scjcsv  avtoiö'  jcaQa  avd^Qco- 
jioio  TOVTO  advvarov  eOnv  jtaQa  öe  ^eo}  jtavra  öinmra' 
2^roT£  ajioTCQid^eiö  o  jcbtQoö  sijtsv  avrco'  löov  rjfieiö  a(prjza(/8P 
jcavra  xai  7]xo?.ovd'7](ja^u£v  öor  tc  aQa  eörac  rjfitv  '^^o  de  ir]- 
öovö  eijtev  avToiö'  afirjv  Xeyco  i\uiv  ort  vfieiö  ot  axoXovd^t]6av- 
reö  fioi  ev  rrj  jtaXivevyeveöia  orav  \\  xad^iorj  o  vtoö  rov  avd^Qoi- 
jtov  ejti  ^Qovov  öo^rjö  avxov  xad^rjöeöd^ca  xat  i\ueiö  ejn  öcoöexa 
d^Qoiww  XQtvoineö  raö  öojöexa  (px)Xaö  rov  LöQarjl'  ^^xat  jiao 
oöTLö  acpt]xev  oixiaö  rj  aöel(povö  tj  aöel(paö  rj  jtareQa  rj  n7]TeQa 
fj  yvvatxa  rj  rexva  tj  ayQovö  evexev  rov  ovo[iaroö  [lox^  exarovra- 
jüZaöiova  Xrjfiipezat  xai  C^mriv  aicoviov  xXijQovofirjöec  ^^jroXloi 
de  eöovtat  jzqcotoc  eoxcttot  xat  ot  eöxccToc  jiq(dtol' 

XX.  0(ioia  yaQ  eöxiv  rj  ßaöiXeia  rcov  ovQavwv  avü^Qcojtco 
oixodeöJiOTTj  OÖTLÖ  e§,7]Xd^ev  afia  jtQcat  fiiöi^coöaöS^ac  e^yaraö  eiö 
Tov  afijtelcova  avxov  ^övft(pcovTjöaö  de  fiera  \\  rcov  egyazcav  ex 
örjvaQLOv  Trjv  7]f(eQav  ajteöretXev  avzovö  etö  top  afiJteZcova 
avTOV  ^xai  e^eld^mv  jteQL  tqlttjv  coQav  löev  aXlovö  eöTcoTaö  ev 
TT]  ayoQa  agyovö'  ^xaxeivoiö  eijiev'  vjiayeTe  xat  vfietö  etö  tov 
af/jteXcova  fiov  xai  o  eav  t]  öixmov  öcoöw  vfitv  ^ot  de  ajtrjX^ov 
jtaXiv  e^eXd^ojv  jteQi  £xt7jv  xat  evaTTjv  mgav  ejtotrjöev  ojöavTcoö' 
^ JteQL  öe  TTjv  ev6exaT7]v  coqüv  e^eXO^cov  evQev  aXX.ovö  eöTcoTaö 
agyovö  xat  XeyeL  avTOLö'  tl  o:fde  eöTTjxaTe  oXtjv  ttjv  f/f/egav  agyoL' 
" XeyovöLv  avTco'  otl  ovöeLö  7]fiaö  efiLöd^coöaTO'  XeyeL  avTOiö' 
vjiayeTe  xaL  v-  \\  fieiö  eLö  tov  affjieXo)va  fiov  xül  o  eav  t]  ÖLxaLov 
Xrjffxpeöd^e'  ^oipLaö  de  yevofzevTjö  XeyeL  o  xvqloö  tov  aiijteXoJvoö 
TG)  ejtLTQOJtoj  avTov  xaXeöov  tovö  eQyaTaö  xaL  ajioöoö  avTOLö 
TOV  f/LöO^ov  aQ^afievoö  ajto  tcov  eöxctTcuv  ecoö  tcov  utQo^TOJv' 
^xaL  eXd^ovTeö  ol  jteQL  ttjv  evöexaT7]v  ojQav  eXaßov  ava  drjva- 
QLov  ^^eX&ovTeö  öe  xaL  ol  jtqwtol  evoftiöav  otl  jtXeLov  X7]fi- 
xpovTttL'  xaL  eXaßov  xaL  avTOL  to  ava  drjvaQLov  ^^XaßovTeö  de 
eyoyyv^ov  xaTa  tov  oLxoöeöJtoTov  ^'^XeyovTeö  otl  ovtol  ol 
eö^aTOL  fiLav  coQav  ejtoLr^öav  xaL  löovö  TjfiLV  avTovö  ejtorrjöaö 
TOLö  II  ßaöTaöaöL  to  ßaQoö  T7]ö  7]fieQaö  xaL  tov  xavöcova'    ^-^o  de 


28.  IJ.OL  in  margine  additnm.  j  naXivevyeveam]  7ta).iveyevFaia  codex,  ita 
qiüdem  ut  a  yeveoia  nova  linea  incipiat. 


38  Codex  Rossanensis,  Mt  20.  [pp.  159—161 

ajtoxQiü^eiö  ujiev  en  avxojv  sraiQS  ovx  adtxco  os'  oir/c  ^Tjva- 
QLOV  övv{:(fa)vr]Oa  oor  ^^aQov  ro  oov  xai  vjtays'  d^sXw  6e  tovtcq 
TCO  höyatm  öovvai  o^o  xat  Ooi'  ^'"'r/  ovz  ts^öziv  fcot  jcoif]öcu  o 
d^eXm  8V  Toiö  effoiO'  ?]  o  ocpd^alnoo  oov  jtopr]Qoö  eotip  otl  ^yoj 
ayad^oö  8ifa'  ^^'ovtojO  eöarrai  oi  töyarot  jiqojtol  xat  oi  jtQco- 
Toi  töxaxoi'  jtoXloi  yaQ  eioir  x?.?/toi  oliyot  dt  ^xXexroi'  ^'xai 
avaßaivcov  o  l7jöovO  ttö  LtQoöoXvfia  jraQsXaßtr  rovö  öcjösxa 
(lad^riraö  xax  löiav  ^i^  rr/  odm  xat  eljisv  avrotö'  ^'^idov  avaßat- 
vo(iev  HO  lizQoöo-  II  Ivf^ia  xca  o  vioo  rov  cw^qcojiov  jtaQaöoßr/oe- 
rai  TOLö  aQyjeQsvölr  xca  yQafinanvou^  xat  xaraxQijvvotv  avrov 
O^cwarco  ^^xai  jiaQadojöovöiP  avroi'  roco  tü^veöiv  hö  to  tfijce^ca 
xai  fiaOTLycoöai  xai  öravQcoöat  xat  X7]  xqiti]  rmi^Qa  iyeQd^rjöbTca' 
^^TOte  jtQoö7]X^t:i^  ccvToj  7]  fitjTTjQ  Ton^  VLCDV  C^eßtöaiov  fiera  rcov 
vicov  CWT7J0  jTQOöxvvovöa  xat  aiTOvoa  rc  jtaQ  avrov  ^^o  d^e 
ujiev  avTfj'   TL  ^£/6^ö'    7/   de  leyu  cwto'   eijte   tva  xad^iöcooiv 

OVTOL    OL    ovo  VIOL  [iOV    UO  tX  Öt^iO^V  OOV  XaL  tLÖ  £^  eVOJVl\aCOV  60V 

SV  TT]  ßctöLXtia  öov  '^'^ajioxQi\}uö  6e  o  l7j6ovö  SLjtev  ovx  oidare 

TL    CUTtlöd^t'     ÖVVCiO&S  II  JTL&IV    TO    JlOTljQLOV    O   eyco   (leXXcO    JtLVHV 

Tj  TO  ßajcTLöfia  o  eyco  ßajiTL^ofiüL  ßajiTLöd^TjvaL'  XeyovöLV  avrco 
övvafiad^ci'  '^^xai  XeysL  avTOLö'  to  (itv  jtoT7]Qiov  fiov  jiLtod^e  xaL 
TO  ßajiTiOfia  0  tyco  ßajiTLC^oiica  ßajiTLöd'7]öe6d^aL  to  dt  xa^Löca 
hx  dtsfon^  [lov  xca  t§,  evcovv/icov  ovx  sötlv  sfiov  öovvaL  aXX  olö 
7jTOL{iaOTaL  vjco  Tov  jtaTQoO  fwv  ^^^xciL  crxovöavTtö  OL  dexa 
7iyavaxT7jOav  jisql  tcqv  ovo  adsXcpcov'  ^^o  de  Lf/öovö  jTQOoxccXe- 
Oafiei'oO  avTovö  eLJtev  OLÖaTca  otl  ol  ciQyovTeö  tcdv  ed^rcov 
xaraxvQLevovöLV  avTcov  xaL  ol  (leyaXoL  xare^ovOLa^ovOLi'  \\  av- 
Tcojr  '^^'ovy  ovtcoö  eöTca  ev  vfiip'  aXX  oo  ear  d^eXrj  ev  v[iLV  [le- 
yaö  yeveöd^aL  söTaL  v/lcqv  ÖLaxovoö  '^~' xca  oö  ear  d^eX7]  ev  i\uir 
eLvaL  jtQCDTOö  eöTca  vf/cov  öovXoö'  '^'^ojöjreQ  o  vioO  tov  ccvO^qo- 
jtov  ovx  7]Xd^ei^  ÖLaxo)'7j{)'7]vca  aXXa  ÖLaxov7]oaL  xca  öovvca  t?]v 
xpvytjv  avTov  Xvtqov  ccvtl  jzoXXojv  '^'^xcu  exjroQtvofievcov  avTcov 
ajto  LeQLyoj  7jxoXovi97/<jev  avTco  oyXoo  jioXvö'  '^^^xai  löov  ovo 
TvcpXoL  xaf^rjpLevoL  jtaqa  t?]!'  oöov  axovOavTeö  otl  djOovO  jraQ- 
ayeL    exQa^av    Xeyoineö'     eXe7]öov    fjftaö    xvQie    ifjOov   vie   dccd' 


21.  ovo]  d  videtiir  erasuiii;  voluitue  vioi  absque  ovo? 


pp.   162—165]  Codex  Rossaneiisis,  Mt  20.  21.  39 

'^^oc  dt  oiXoi  sjrsTLf/r/öav  avToto  tva  öio?jtfjöov(jLV'  oc  de,  fai^ov 
sxQo^ov  XtyovTsö'  eis-  \\  rjöor  ^/f/ao  xvqls  vlü  daÖ'  ^'-xat  öraö 
o  cr/öovö  t(pcop7jöev  avtovö  xac  eijrtv  n  d-iXtri:  jtotrjdoj  v/itv 
'^'^ Xr/ov(jip  avTo^'  xvqis  tim  avoiyßcoöiv  7j(ioyv  ot  o(pd^al(wt' 
''^^6jclayyvio{)^8i(j  ös  o  Lt/Oovö  ißparo  rcov  0(p\)^aXfWJV  avrcov 
xai  ev&sojö  aveßXsipav  avrcov  oi  ofpß^aXffot  xca  rjxoXov0^f]öav 
avxm' 

XXI.  Kat  0T£  7]yyiöav  stO  LSQoöolvfia  xac  7jX{}^ov  std  ßr^d^- 
(pay7]  jtQoö  TO  OQOO  Tojv  elauov  xoxe  ajtsörsiXev  o  ltjöovö  ovo 
fia^7]Ta6  -Xhycov  avTOiO'  jioQtvd^t^rs  8io  t?]v  xcofi?]v  t7]v  aji- 
svavTt  vfimv  xat  evO^ecoö  evQtjötxai  ovov  dsötfitvtv  xat  jtcoXov 
[itx  avTTjö'  XvöavTtö  ayaytrt  [lor  ^xat  sav  reo  vfin'  \\  tcjcrj  rt 
eQ6Lr£  ori  o  xvqloo  avrcov  yQuav  tyw  avü^tcoo  de  ajioöreXX^et 
avrovö'  ^rovro  Ö£  oXov  ytyovtv  iva  jtXr^QcoO^ri  ro  Q7id^ev  öta 
rov  jtQocp7/rov  Xtyovroö'  ^stjtare  rij  d^vyarQt  ölcov  idov  o  ßaOi- 
Xtvö  oov  SQytrai  Ooc  jtQavo  xai  tJiißtßr]xco6  ejn  ovov  xat  jioj- 
Xov  viov  vjtoC,vyiov'  ^'jtoQsv^^-svrsO  ds  oi  [laO-firat  xat  jtoujoav- 
reO  xad^coO  jtQOOsra^ev  avroiO  o  l7]Oovo  'fjyayov  rr/v  ovov  xat 
rov  jtojXov  xat  ejtti^ryxav  ejtavcQ  avrojv  ra  t(iarta  avrojv  xat 
exad^Lötv  sjtavco  avrojv  ^o  ös  jtXtöroö  oyXoO  EörQOJöav  eavrojv 
ra  Lfiarta  sv  rt}  oÖod  aXX^ot  6e  exojtrov  xXadovö  sx  rcov  dsvÖQOJV 
xat  II  eörQcovvvov  sv  rr]  oöoo'  ^ot  de  oyXot  ot  jtQoayovrto  xat 
ot  axoXovB^ovvrsö  sxgaCov  Xtyovrsö'  coöavvcc  roj  vtco  dad  evXo- 
y7](ievo6  o  sQyofievoO  ev  ovofmrt  xvqlov  coöavva  sv  rotö  vipto- 
rotO'  ^^xat  stösX^ovroO  avrov  std  isQOöoXvfta  eOtöO^rj  jtaoa  7j 
jioXtO  Xsyovoa'  rio  sortv  ovroO'  ^^ot  6s  oyXot  sXsyov  ovroO 
sOrtv  trjOovO  o  Jt()0^?jr7j0  o  ajto  va^aQsr  ri]ö  yaXtXataö'  ^-xat 
stöTjXd^sv  o  t7]öovö  stO  ro  tsQov  rov  {}'SOV  xat  s^sßaXsv  jtavraö 
rovO  jtcoXovvraO  xat  ayoqaL^ovraO  sv  reo  tSQco  xat  rao  rgajts- 
C,aö  rojv  xoXXvßtörcov  xarsOrQS^psv  xat  raö  xad-sÖQaö  rcov  jtoj- 
Xovvrcov  raö  \\  jtsgtörsQaö'   ^'^xat  Xsyst  avrotö'  ysygajtrat  ort  o 


XXI,  1.  ßi]^(pccyr]]  iiiter  i9-  et  (p  rasiira  uiiius  litterae  (cf  Mc  11,  1). 
5.  xai  Tccokov]  ante  7toj?.ov  liuea  ineimte  erasum  eni:  eadem  vociüa  iu 
principio  lineae  praecedentis  (eTti  ovoi-  xai)  legitur. 
8.  tx]  8  videtur  ex  x  factum. 


40  Codex  Eossanensis,  Mt  21.  [pp.  166 — 16S 

OLXOO  fiov  OLXOö  jtQoöevyjjö  xhjd^r/oerca  v/ieiö  de  avrov  ejtoirj- 
öaxe  (jjt?]Xaiov  Xr/örojv  ^^xac  jiqo67j)Mov  avrco  ;f09^ot  xca 
TV(ploi  8P  TO)  UQco  xai  s^eQCijitvötv  avTovO'  ^^idovreö  dt  ot 
(CQXieQsiö  xaL  oc  yQafifiartLö  xa  ^aviiacia  a  tJioLtjöbv  xai  rovö 
jtmdaö  xQaC^ovrao  62'  toj  uqoj  xai  Xsyovraö  cjöarra  reo 
vim  öaö  r\yavaxxi]6av  ^^xai  ujiov  avro)'  axoveiö  ri  ovroi  Xs- 
yovOiv  o  Ö8  irjöovo  Xeyti  avroiö  imr  ovdsjcoTS  avtyvcoTS  ort 
ex  öTOftciToö  vrjjtwjr  xm  d^rila^ovrcov  xarr^QTLöco  aLvov  ^'xai 
xaraXiTiojv  ||  avrovö  t^7]ld^tv  tc^oj  t7]0  Jto?.eco(j  eiO  ßrjß^aviar  xat 
rjvXiöd^t]  sxei'  ^'^ jigcoiaö  de  ejtavaycov  8iö  xr/v  jroXir  ejtLvaoev 
^'^xat  idoDV  övxfjr  f/iav  tjci  t?jO  oöov  7]i{^tv  sjz  avrrp'  xai  ov- 
öev  evQtv  SP  avr?]  et  fi?j  cpvXXa  fcovov  xai  Ityti  avxiy  [a^xtri 
EX  öov  xüQJioö  ytvriTaL  eiö  tov  atcova'  xca  e^rjQavd^rj  jtaQayQijfia 
T]  6VX7]'  ^^xai  löovTsö  Ol  fiax^Tjrai  s^cwfiaöav  Xeyomö'  jzwö 
jiaQayQ7]lia  8^r]Qavd^7]  7]  6vx7j'  '-^ajioxQi^eiö  ös  o  irjOovo  tijitv 
avToiö'    cqn/v   Itym   v^i7^  tav   8y7]Z8  niöxiv  xai  (17]  öiaxQid^rjzs 

OV    flOVOV    TO     T7](J    0VX7]6    JlOL7](jtT8     aXXa    XaV     TCO     OQSl     TOVTO) 

eijiT]-  II  T6  aQdijTi  xai  ßh]&7jTi  87^  T7j  d-aXaöör/  y8V7]ö8Tai'  '^^xai 
jiavra  oöa  eai'  aiT7jö7jT8  ev  t//  JtQOötvxr]  Jtiörevovreö  h](i\l)80d^8 ' 
^^xai  8ld^ovTi  avxm  8i6  ro  18Q07'  Jt()o07]Zd^ov  avroj  öiöaöxovri 
Ol  aQyj8Q8iö  xai  oi  jiQeößvreQoi  tov  laov  Xeyoi^TeO'  8V  jioia 
e^ovöia  TavTa  jioi8iö  xai  tiö  öoi  8Öcox8V  T7p>  s^ovOiav  TavTtjV 
^^ajioxQid^8iö  Ö8  o  17/ÖOV6  81J18V  avTOiö'  8QcoT7]öco  vfiaö  xayco 
87m  Xoyo7^  OV  eav  8ijr7jT8  fioi  xaym  v^iv  8Q(d  8v  jtoia  8^ovöia 
xavTa  jtoim'  ^''to  ßajtTiöf/a  iQjariwv  jiod^87^  7jv  fg  ovQavov  tj 
8^  avd^QoyjKDV  Ol  de  öieXoyi^omo  jtaQ  eavTOiö  X8yo7n86'  eav 
eijiojfiev  8^  ovQavov  e-  \\  Qei  rj/jiv  öiaTi  ovv  ovx  ejtiöTevöaTe 
avTm'  '^^'eav  de  eijrojfiev  8§,  avd^Qmjtcov  (foßoi\ued^a  tov  oyXov 
jtavTSö  yaQ  eyovöiv  tov  ia)avv7]v  mö  jtQ0(f7]T7]v'  '^'^xai  ajtoxQi- 
d^evTEö  TCQ  irjöov  eiJtov  ovx  oi6ane7''  ecpi]  avzoiö  xai  avTOö' 
ovöe  eym  Xeyro  v^iv  ev  Jioia  e^ovöia  TavTa  Jtoioj'  '^^ti  de  vf/iv 
doxer  avdQOJjtoö  tiö  eiyev  Texva  dvo  xai  jiQoOelO^mv  tco  jzqojtco 
eijtev  Texvov  vüiaye  6)]neQov  egya^ov  ev  tco  a^ujteXcovi'  -''o  de 


15.  naidfid]   Sfxa    in   rasura    scriptum.  ]  x(mt,ovT(xa]    zova    yf(^)riu,ovTcca 
codex,  sed  rova  piinctis  superpositis  improbatum. 


pp.  169 — 172]  Codex  Rossaiieusis,  Mt  21.  41 

ajtoxQi&siö  ujtev  ov  d^eXor  vöreQOV  öe  f/srafjsh/^eiö  aji:t]Z{hsv' 

^^XaC   JZQOÖEld^fDV    TCO    ÖSVTeQO?    SUtSV    COOaVTCOÖ'    O  (5£  ajTOZQid^biö 

sijtsv  syoj  xvQLb'  xai  ovx  axt]Xd^ev'  ^Wca  \\  ovv  sx  rcov  ovo  ejtoi- 
Tjösv  To  {)^eX7]fm  rov  jiaxQoö'  ktyovöiv  avrm  o  jiqcotoö'  Zeysi 
avroiö  o  L7]6ov(j'  ccfirjv  Xeyoj  i\utv  on  ol  xtlcovai  xat  at  jtoQVca 
jüQoayovön^  vfiaö  uö  rrjv  ßaöiXecav  rov  d-sov  ^'^fjXd-sv  yaQ  jiqoö 
vfiaO  LcoavvTjö  sv  oöm  öixaioövv?](j  xat  ovx  ejitörevöare  avrm' 
OL  08  relmvai  xca  ai  jtoQvat  sjtiOrevöav  avxco '  vfzscö  de  löovreö 
0VÖ6  fieref/sXrjd^f/Te  vötsqov  rov  jitörevOai  avzo?'  ^^aXh]v  jtaQa- 
ßoXrjv  axovöare'  avd^Qojjtoö  r]v  otxodsöjrorfjö  oörio  tfpvxevöei' 
afijrsXcova  xat  (pQayiiov  avrco  jt^Qitdr^xev  xat  coqv^sv  8P  avroj 
Xrjvov  xat  ojxodofifjösv  jtvQyov  xat  s^s6o-  \\  ro  avrov  yscoQyoiö 
xat  aji8Ö7]f(7]0£V '  ^^0T£  06  Tjyyiöev  o  xaigoö  rojv  xaQjiow  ajt- 
8öT8il8v  Tovö  öovkovö  cwTov  jtQoö  tovO  ysojQyovö  Xcißuv  rovö 
xüQjtovO  avTov  ^^xat  laßorraö  oi  yewQyot  rovö  öovXovO  avrov 
ov  (lev  sSeLQav  ov  Ö8  ajtsxrivav  ov  ös  ^Xid^oßolr^Oav  ^^jtaliv 
ajisöreiXev  aXXovö  öovXovö  jtXeiovaö  rmv  JiQmrmv  xat  ejtou]- 
öav  avroiö  coöavrojö'  ^''vOregov  ös  ajteörsiXev  jtqoö  avrovö 
rov  viov  avrov  Xeyojv  evrQajcrjöovrat  rov  vtov  fioir  ^^ol  öe 
yecoQyoc  löovreö  rov  vtov  sijtov  jiqoO  eavrovö'  ovroa  söriv  o 
xXriQovofioö'  Sevre  ajioxrsivcofisv  avrov  xat  xaraoycofisv  \\  avrov 
r7]V  xXijQovoffiav  ^-^xat  Xaßovrtö  avrov  ss^ßaXov  s^oj  rov 
afijzeXoDVOö  xat  ajtsxrstvav  ^^orav  ovv  tXd^i]  o  xvqloö  rov 
afiJcsXcovoö  rc  jtoirjöet  roiö  yswQyoid  sxtcvocO'  ^^XeyovöLv  avroj' 
xaxovö  xaxojö  ajtoXeöti  avrovö  xat  rov  a/ijtsXcova  sxöcoösc  aX- 
Xoiö  yhcoQyoiö  oiriv^ö  aüioömöovöiv  avroj  rovö  xaQjtovö  tv  rotö 
xaiQOLö  avrcov  ^^Xsytt  avroiö  o  irjöovö'  ovöejiors  avtyvmrt 
ev  raiö  ygacpaiö'  Xid^ov  ov  ajrsöoxifiaöav  oi  oixodofiovvrtö 
ovroö  eysvTj^Tj  siö  xecpaXr/v  yojviaö'  oiaQa  xvQiov  syevsro  avr?] 
xai  söriv  ß^avfiaörr]  ev  ogjd^aXfioiö  7]ficov'  ^-^öia  rovro  Xeyco  || 
vficv  on  aQ^7]ö£rai  acp  vfimv  7]  ßaöiXtia  rov  d^eov  xai  do^rjös- 
rai  ed^vi  jtoiovvri  rovö  xagjiovö  avr7]ö'  ^^xai  o  Jtsöcov  tJti  rov 
Xid^ov  rovrov  övv^Xaö^7jöerai'  a(p  ov  d  av  jteörj  Xixfirjöei  avrov' 


37.  ÖS  aTCeateiXsv]  a  supra  lineam  scriptum  et  f  pr  vocis  aTtsarsiXev 
ex  i  factum. 


42  Codex  Eossaneusls.  Mt  21.  22.  [pp    173—175 

^^xac  axovöaVTiö  ot  aQ/ieQtcö  xai  oi  (fagiöatoi  zao  jtaQaßoXao 
avTOV  typojöav  ort  jitQi  avxow  Xr/tt'  ^^'xat  ^7]tovvt8ö  avrov 
xQaT?]6at  8<poßr/{}^f/Ocw  rovo  oylovo  ejteiÖtj  coö  jtQoq:rjT?/v  avrov 
uyov ' 

XXII.  Kai  ajToxQiihtiö  o  UjOovo  jialiv  uüihv  avroio  w  jiccQa- 
ßoZcaa  Itycov  '^ conoiojd^i]  ?/  ßaoutca  tojv  ovQavcov  ard^Qcojioj  ßa- 
öiXti  oöTiö  8JtoiT]ö8i''  yafwvö  TCO  vico  avrov  "^xai  ajttörHÄtv  rovo 
öovZovO  avrov  \\  xaXeoat  rovö  xexXr/fxsvovo  8io  rovö  yaf/ovö  xai 
ovx  t^d^tloi'  sld^HV  ^jtaliv  ajctörulsv  aXXovo  6ov)mvo  Ityojv 
ecjtars  roio  xtxXt/f/svoLO'  tdov  ro  aQiOror  /jov  t]roi{iaxa  oi  rav- 
QOL  ffov  xat  ra  oirtvra  rtd^vfitra  xai  jtavra  troifia'  devre  tio 
rovo  yafwvO'  ^oi  dt  a^uth]öavrtö  ajr?/).\)^oj'  oo  fiev  eio  rov  löior 
cr/Qov  00  St  sjri  rf/r  ijijioQiav  avrov  ^ot  öt  aoljiol  xQarr/oar- 
reo  rovo  6ov?.ovö  avrov  vßQiöav  xat  ajrrxretrav  'xat  axovöao 
o  ßaöüxvö  8X81V06  ojQYLOdi]  xat  jit[.iipaö  ra  örQarevtjara  avrov 
ajiojXtötv  rovO  (foi'tiö  exeivovO  xai  r?]v  jioIlv  avrcov  eptJiQ?]- 
Osv  ^rore  Ihyu  ||  roiO  öovloio  avrov  o  (lev  yaiioo  eroi[ioö  ot 
de  xexh]f(£roi  ovx  ?]öav  a^iot'  ^ JtOQeviöd e  ovv  ejti  rao  dis^o- 
öovo  rcov  odcov  xai  oOovo  eav  iVQijre  xaXsoart  tio  rovo  yafwvo' 
^^^xai  i^üMovrtö  oi  dovloi  txivovo  Ovviiyayov  üiavrao  ooovö 
r]VQOV  jzovTjQovö  re  xai  aya^ovö'  xai  £jrh/()Oj{)^i/  o  yafioo  ava- 
xtif/evcov  ^^nöEld^oyv  de  o  ßaöiXevö  {^eaöaod^ai  rovo  avaxeiy.e- 
vovo  eidei^  exet  av^QOJjiov  ovx  evSedvfievoi^  evdvfia  yafwv  ^^^xai 
Xeyei  avrw  eraige  Jicoo  ei0?jX^e6  coöe  {Uj  eyow  evöv^ia  ya^iov 
o  de  e(f)iiicod^7]'  ^'^rore  eijiev  o  ßaOiXevo  roiö  diaxovoiO'  dt]Oav- 
reO  avrov  jtodao  xat  yeiQaö  aqare  avrov  xat  exßaXare  eio  ro 
Oxoroö  ro  e^core^ov  exet  eörai  o  xXavd^fioo  xai  o  ßQvyfioö  rcov 
odovrojv  ^^jioXXoi  yaQ  eiöiv  xh/roi  oXiyoc  de  exXexror  ^'"rore 
jtoQsv^evreo  ot  (paQtöaioi  ovftßovXtov  eXaßov  xar  avrov  o.tojö 
avrov  Jtayidevöovöiv  ev  Xoyor  ^^xat  ajtooreXXovötr  avrco  rovo 
iiad^7]rao  avrcov  (lera  rcov  f/gcodiavcov  Xeyovreo'  dtdaoxaXe  oi- 
dafiev  ort  ah/O^fjO  et  xat  r?/v  odov  rov  i^eov  ev  aXrjd^ta  dtdao- 
xeiö  xat  ov  (teXt  oot  jteQt  ovdevoo   ov  yaQ  ßXejtetö  eto  jiqooco- 


XXII,  1.  Xeyo)v]  A  supra  lineam  additnm. 
12.  eiotjl^eo]  a  sec  supra  lineam  additum. 


pp.  176  —  179]  Codex  Rossaiieiisis,  Mt  22.  43 

jtoi^  avd^Qcojicov  ^''ecjts  ovv  ?]fU7^  rc  öot  doxa'  t^töxtv  dovimi 
xfjvöov  II  xcaöaQL  fj  ov  ^^ypovö  ds  o  i/jöovö  xf/v  jiov7]Qiav 
avrcov  eijtev  zc  fis  jteLQa^STs  DJtoxQizai'  ^'^ejitöeisars  fioL  ro 
vofuöf/a  TOI'  xfjröov  oi  de  jtQOör/vsyxav  avtco  örjrciQiOP'  '^^xai 
leyu  avrotö'  tivoö  ;/  ixcov  avr?]  xcu  rj  bJiijQmpiy  ^^^ltyov6iv 
avrm  xaiöaQoo'  rore  Xeyu  avroiö'  ajtoöotB  ovv  ra  xatöaQoö  xat- 
öaQt  xai  ta  rov  {)'tov  roj  d^eco'  '^'^xat  axovöavTeö  ed-avfiaoav 
xai  a(ptvTBö  avTov  ajir/Xß^ov '  ^^tr  exsiv?/  rrj  ijfie^a  7tQoöi]Xd^ov 
avrco  öaööovxawt  oi  Xsyovtsö  fit]  eivac  avaöra6iv  xai  tjiriQm- 
Tfjöav  avTov  '^^Xtyovrtö'  ötöaOxaXs  fio)vö7j<j  tzinev  tav  tiO  \\ 
ajiod^avrj  (irj  eymv  texva  sjtiyafißQtvöei  o  aöeXcpoö  avzov  xr]v 
yiwcaxa  avrov  xat  £§,avaOTf]örj  OjiBQiia  reo  aöeXcpco  avtov 
"^^Tjöav  ÖS  jtaQ  rjixiv  sjira  aösXepoi  xai  o  jtQOjroö  y7]^ua<j  steXev- 
trjöBV  xat  fit]  B1C0V  öjieQfia  a<pi/x8v  t7jv  yvvaixa  avrov  reo 
aöslcpeD  avrov  '^^ofiotcoO  xat  o  ösvrsQOö  xat  o  rQtroö  scoö  reov 
£jira'  ^'^vOrsQov  de  jiavrmv  ajted^avei^  xat  i]  yvviy  '^^ev  rrj  ovv 
avaöraöt  orav  avaörcoötv  rtvoö  reov  tjtret  t6rat  yvvi]'  Jtavreö 
yaQ  eö^ov  avr?]v'  '^'^ ajcoxQti^itö  de  o  irjOovö  stjtsv  avrotö'  jtXa- 
vaod^e  i-iri  töoraö  raö  ygaepaö  fir]Ö6  rrjv  dvvafitv  rov  ^eov  '^^ev 
yaQ  II  T/y  avaOraöet  ovrs  yafiovötv  ovre  8xya[uC,ovrea  aXX  coö 
ayyeXot  d^sov  ev  ovQavco  stötv  ^^jtsQt  öe  rrjö  avaörecöeeoö  reov 
vsxQojv  ov)x  ai^syvcort  ro  Qt]d^bv  v[itv  vjto  rov  d-eov  Xeyovroö- 
'^'■^syeo  stfit  o  d^eoö  aßgaafi  xat  o  d^soö  tOaax  xat  o  d^toö  taxojß' 
ovx  eörtv  o  dtoO  d^sod  vbxqcov  aXXa  C^mvrojv  "^"^xat  axovöav- 
rsö  ot  oxXot  s^sjtXrjööovro  ejtt  rrj  ötöayjj  avrov  ^^o/  de  (paQt- 
6atot  axovöavreö  ort  teptfteoöev  rovö  öaööovxatovö  övvrjyd^rjöav 
£jit  ro  avro'  ^^xat  ejirjQeorrjötv  etö  £§  avreov  vofitxoö  jtetQaC^eov 
ewrov  xat  Xsycav  ^^ötöaöxaXs  jtota  evroXtj  (ieyaXrj  ev  rm  vofim' 
^'' o  öe  tr/6ovö  II  eg)fj  avreo'  ayajtrjöetO  xvgtov  rov  d^eov  öov  ev 
oXij  xaQÖta  öov  xat  ev  oh]  rrj  ipvxrj  öov  xat  ev  oX?]  n]  töyvet 
öov  xat  ev  oX?]  t?/  ötavota  öov  ^^  avrrj  eörtv  //  jrQcorrj  xat  [le- 
yaXrj  evroXrj'  ^^öevrega  6e  ofiota  avr?]'  ayajirjöetö  rov  jtXrjötov 
öov  wo  eavrov  ^^ei^  ravratö  ratö  övötv  evroXatö  oXoö  o  vo- 
fioö  XQefiarat  xea  ot  jtQ0(p7]rat'  ^^övvrjyfieveov  de  reov  epaQtöatojv 
ejtr]Qeorr]öev  avr  ovo  o  trjöovö  ^^Xeyeov  rt  vf/tv  öoxet  jteQt  rov 
XQtörov    rtvoö   eörtv  vtoö'   Xeyovötv  avro?   rov    öaö'    ^'^Xeyet 


44  Codex  Eossanensls.  Mt  22.  23.  [pp.  180—183 

avTotö'  Jtcoö  ovv  öad  ev  jtvevfiari  xrQiov  avrov  xaXec  Ityojv' 
^^eijrev  o  xvqioö  reo  xvqloj  [iov  xaß^ov  ix  öt^ior  f/ov  acoo  ai> 

^09     TOVÖ     tyßQOVÖ     (jOV     VJtOJtOÖLOl^    TO)V    JtOÖOJP    OOV      ^'^EL    OVV 

dad  xaXu  avrov  xvqlov  :jz(X)ö  vioo  avrov  eönv  ^^xai  ovöstö 
7]6vvaroj  a:jioxQid^7]vat  avrco  loyov  ovös  eroZ^ufjöw  rio  ajt 
exeiV7]ö  rr/o  r/fjsQaö  tjitQcor7]6ai  ovxtn  avrov 

XXIII.  Tore  o  irjöovo  tlalr]6f:V  roio  oyloio  xai  rocö 
^a{^7]raiö  avrov  '^liycov  etil  r?]6  f/ojvoscoo  xctd^EÖQao  Exad^LOav 
OL  YQafjftareio  xat  ol  (paQiOaioi'  ^Jtai'ra  ovv  ooa  tav  eijtcoöiv 
vfiiv  rrjQSiv  r7]()8ire  xai  jioitire  xara  de  ra  tQjaya  avrov  lu] 
jtoisire'  Zsyovoiv  ya.Q  xat  ov  jroiovOiv  ^ötOfisvovöiv  de  (poQria 
ßaQea  xai  övoßaöraxra  xat  ejtiri^eaöiv  ejii  rovö  cofiovö  ||  rojv 
avd^Qcojicov  reo  de  öaxrvXw  avrojv  ov  {^elovöiv  XLvrjöat  avra' 
^jiavra  de  ra  eQya  avrcov  jtotovöiv  jiqoö  ro  d-ead^rjvaL  roiö 
ai^d^Qmjioiö'  jiZarvvovöiv  de  ra  (pvlaxri]Qia  avrow  xai  [ieyalv- 
vovöiv  ra  XQaöJzeöa  row  iiiarimv  avrojv  ^'cfLlovOiv  de  r?jv 
jtQojroxXi]öiav  ev  roiO  deurvoiö  xai  rao  jtQcoroxa&edQtaö  tv  raio 
övvaywyatö  'xat  rova  aojiao^ovö  ev  ratö  ayoQaiö  xat  xaliod^at 
vjTo  rojv  avd^Qojjtmv  Qaßßr  ^vfieiö  de  //?;  xÄ?/0^}]re  Qaßßr  eio 
yaQ  eOriv  v/fcov  o  xad^riyrjrijö  o  XQiöroö  Jtavreö  dt  viieiö  adeZ- 
g)Oi  eöre'  ^xac  jtareQa  /nj  xaXeOrjre  vfimv  ejti  r?/0  yf/O'  eiö  yaQ 
eOriv  v[UDV  o  jiar^iQ  o  ev  ovQa-  \\  voiO'  ^^f/r/de  xhjd-7]re  xa^htj- 
y7]rai'  eto  yaQ  eörtv  i\uoyv  o  xa{}^7]y7/r7]6  o  yQtöroO'  ^^o  de  fai- 
^ov  v[W)v  eörai  vfiwv  diaxovoö'  ^'^oöriö  de  mpcooet  eavrov 
rajtivoidrjöerai  xai  oorio  rajiivcoOei  tavro7^  vipoj{^7/öeraL'  ^^ov- 
ai.  de  v/ffp  yQa[i(iari:iö  xai  (paQioaioi  vjzoxQirai  ori  xareöd^ttre 
raö  oixiaö  rmv  y7]Qojv  xai  jiQog:aöei  (laxQa  jtQoOevyof^iei'or  dia 
rovro  Xriiixptöd^ai  jitQiööortQov  xQina'  ^^ovai  v^av  yQafifiareiö 
xai  cpaQiöaioi  vjtoxQirai  ori  xXeiere  r7/v  ßaoiZeiav  roJv  ovQai'ov 
efiJiQoöü^ev  rmv  avd^Qcojiow  vfieiö  yaQ  ovx  eiöeQyeo^e  ovde  rovö 
eiöeQyofievovo  aepiere  eiöeld^eiv  ^-^ovai  v-  ||  [iiv  yQaf/nareiö  xai 
(paQiOaioi  vjtoxQirai  ori  jztQiaye    r7]v  {haXaOöav  xai  r7jv  ^7jQav 


46.  avTov  in  margine  additum. 

XXIII,  3.  e^yaya]  ab  altero  ya  nova  liuea  incipit. 

15.  TifQiccye]  ita  codex  ultima  syllaba  plane  omissa. 


I 


I 


pp.  184—187]  Codex  Rossanensis,  Mt  23.  45 

Lim  jtoirjOSTS  si^a  jtQoö7]XvTov  ocai  oxav  jevr/rai  jtoisire  avrov 
viov  yssvvfjö  ötjtZoreQov  vf/cov  ^*^ovai  v^uiv  oöif/oi  rmploi  01 
ZsyoPTeö'  06  av  ofioOrj  er  reo  imco  ovdsi^  eöriv  00  ö  av  of/oöy 
er  TCO  XQ^^fX)  rov  vaov  ocpilsr  ^'^ ficoQoi  xat  rvcplor  rio  yafj 
fi£iC,cop  sariv  o  /qvöoo  7/  o  vaoö  o  ayia^mv  top  xQ^^^^'    '^^cat 

OÖ  aP  OflO(j7J  £P  TCO  {hv6LaÖT7jQLCO  OVÖSP  EÖTIP  OÖ  Ö  ÜP  OfiOöYj 
EP    TCO    ÖCOQCO    TCO    SJCÜPCO   aVTOV    OCpilEl'     ^'\aCOQOl    XCa  TXKfXoi'    Tl 

yag  fiei^cop  to  öcqqop  //  ro  d^vötaöTijQiOP  to  a-  \\  yioQop  to  öco- 
QOP'  -^o  ovp  ofioöaö  EP  TCO  d-vOiaöTiiQLco  offjwEi  EP  ÜVTOJ  xat 
EP  jiaöip  TOLö  EJtaPCQ  avTOV  '^^xai  o  ofwöaö  ep  tco  paco  ofiPVEc 
EP  avTco  xat  ep  tco  xaTOLX7]6aPTi  avTOP'  ^^^xai  o  Of/oOaö  ep  tco 

OVQaPCO    OfiPVEt    EP    TCO     d^QOPOJ    TOV    n9^60l^    Xai     EP    TCO    Xai)^7j^EPCO 

Ejtapco  avTov  '^^ovai  v^iip  yQan^iaTEtö  xai  cpaQi6aioi  vjioxQiTat 

OTt    ajtoÖEXaTOVTE    TO    7]ÖV0Ö{^10P   Xat    TO    aiud-OI^   XCa    TO    XVfJtPOP 

xac  ag)7]xaTE  r«  ßaQVTEpa  tov  pof/ov  t7]p  xqlölp  xai  top  eXeop 
xai  TTjp  jitöTiP'  TüVTa  6e  eöei  jtocTjOai  xaxEipa  ,w?y  acpiEPai' 
'^^oÖriyoi  Tvcploi  oi  divXit,0PTE6  top  xcopoojta  ttjp  öe  xa-  ||  ^?/- 
Xop  xaTajiLPOPTEö'   ^^^ovai  viitp  yQafifiaTEtö  xai  (paQLöcuot  vjto- 

XQLTai      OTi      Xad^aQiC^ETE      TO      E^CO^EP      TOV      JtOT7lQiOV     XCU      T7jö 

jiüQo^pLÖoö  Eöcod^EP   ÖE   yE{xov6iP  E^   aQjtayrjö    xcu    axai^aQöiaö' 

^^CpaQlÖaLE    TVCplE    Xad^aQLÖOP     JIQCOTOP    to     EPTOO    tov    JtOTfjQlOV 

xat  TTjö  jiaQoipiöoö  ipa  yEPrjTai  xai  to  extoö  avTcop  xadaQOP' 
'^"'ovai  vfiip  ygafi^uaTEiö  xai  cpaQiOaioi   vjcoxQiTai  oti  jtaQofioi- 

a^ETE     TacpOlÖ    XEXOPiaffEPOlO     OITIPEÖ     E§CO{^EP      fiEl^     g)aiPOPTai 

(OQaioi  Eöco^EP  ÖE  yEfiovOip  oöTECop  PEXQcop  xai  Jia<j7j0  axa{^aQ- 
öiaO'  ^^ovTcoö  xai  vfisio  e^coO^ep  \\  [iep  cpaiPEöd^E  toiö  apB-Qcojtoiö 
öixaioi  Eöcod^EP  ÖE  ^UEöTOi  EöTE  vjtoxQiöEcoö  xai  apofiiaO'  ^^^ovai 
vfiip  ygafifiaTEiO  xai  cpagiöaioi  vjtoxQiTai   oti  oixoöofiiTE   tovo 

TacpOVÖ  TC07^  JTQ0(p7]TCOP  Xai  XOÖfllTE  T«  flinjflEia  TOOP  öixaicop 
^^Xai    lEyETE'    El  TjUEd^a    E2^    Taiö  7/ffEQaiO   TCOP  JiaTEQüW   7]f/COP  ovx 

ap  rifiEP  xoipcopoi  ep  tco  aiftaTi  tcop  jtQocp7]Tcop'    '^^coOte  fiaQ- 

TVQEITE  EaVTOlO  OTI  VlOl  EÖTE  TCOP  CpOPEVÖaPTCOP  TOVÖ  JZQ0Cp7]- 
Taö'     ^'^Xai    VflElÖ    JlX7]QC0öaTE    to    [IETQOP    tcop     JtaTEQCOP    VflCOP' 

•^^o<pEiö  yEPP7](iaTa  exiÖpcop  jtcoö  cpvy7]TE  ajto  t7jö  xqiOecoo  t^/ö 
yEEPPfjO'  ^^öia  TovTO  löov  Eyoj  ajtoöTEX'  \\  Ico  jtqoö  vfiaö  jiqo- 
cprjTaö  xai  6o(povö  xai  y^afi^uaTEiö'   £§   avTcop  ajtoxTEPEiTE  xai 


46  Codex  Eossanensis,  Mt  23.  24.  [pp.  188—190 

CTavQ07ör/T£  7CCU  fg  avTOJP  f/aöTr/co6r/T8  tr  tcuo  ovvayojyaio 
vfimv  xai  duo^riTS  ajto  jcoZecoö  eio  jtoZtv  ^'^ojtoö  av  sXO^?]  sq) 
vfiaö  Jtai^  aifia  öcxaiov  sxyvvrofievoj^  tjii  xfjO  y?/6  ajto  rov 
aif.mTOö  aßsl  rov  ötxawv  ecoo  rov  aifiaToO  ^ayaQtov  viov  ßaga- 
XLOV  Ol'  tqovEvöaraL  fC£Ta$,v  rov  vaov  -/ml  tov  t^vOiaOrr/Qtov 
^^af/7/i'  Xeyco  vftiv  rj^et  jiarra  ravra  tJti  njr  yei^eav  ravTijV 
^' UQOvöaXfji^i  ieQov(jaA?/ff  ?/  ajtoxTetraöa  rovo  jrQoqr/Taö  y.ca 
2,i0^oßoXovöa  Tovo  ajteöraXfjEi'ovo  jiqoö  avrrjv  JtoOaxio  7/t^sk?/0a 
eüitovvayaytiv  ra  ||  rfrxra  öov  or^  tqojtop  sjtiövvay^t  oqvlo  xa 
voööeia  avT?/ö  vjto  rao  jirtQvyaö  xai  ovx  7j{heh/6aTa'  ^^löov 
a(pi£Tai  v^uip  o  otxoö  vf/cov  eQfj/JoO'  '^'^Xsyco  yaQ  vf/iv  ov  ^tj  fis 
£i67/rs  aütccQTL  eojo  av  HJi7]Te'  8VÄoy7i^ut7^oo  o  ^Qyo^evoo  ev  ovo- 

f^aXl   XVQLOV 

XXIV.  Kai  e^sX^ow  o  t7j6ovö  ajio  rov  lsqov  tjcoQsvsro 
xat  jr()Oö7jX^ov  ot  (iaS^fjTai  avrov  ejtidet^ai  avzco  raö  oixoÖo- 
fjao  TOV  ISQOV  ^o  dt  u/Oovo  ^ljisv  avroio'  ov  ßXsjtszs  jtarxa 
ravra'  aff7]v  Xr/oj  vf^w  ov  ff?/  ac/ef)^?/  (oöt  Xid^oo  tjii  Xid^op  oa 
ov  xaraXvt^7/ütTat'  ^xat}^7j^ut:rov  dt  avrov  tJTi  rov  oqovo  rcov 
£XaL0J7>  jiQOöiiXd^ov  avroj  oi  f/af^tjrai  xar  löiav  Xtyorreö'  ||  £ijit 
7jftiv  jtors  ravra  eörai  xat  ri  ro  ö?ifaior  r7jö  ö7/0  jtaQovöiao 
xai  r7]ö  övvrsXsiaO  rov  aiojvoö'  ^xai  ajroxQi&eio  o  i//Oovo 
£LJie7>  avroiO'  ßXtJttrs  f/?j  riö  vfiao  jrXaj'?jO?/'  '^jioXXol  yaQ  tXev- 
oovrai  tjtt  reo  orofiari  f/ov  Xeyovreo  tyco  sif/i  o  yQioroo  xai 
jioXXovO  jrXa7'7/(jovöi7''  ^'fitXhjöerai  de  axovsiv  jroXsfwvö  xai 
axoaö  jioXtficov  o^are  }J7j  ihQotLOif^t'  cht  yaQ  ytreod^ai  jrarra 
aXX  ovjtco  eöriv  ro  reXoO'  ~ 8ytQ{^?/0trai  yaQ  ti^voö  tjc  tx^voö 
xai  ßadiXua  ejtt  ßadiXeiav  xai  e007^rai  Xiiwi  xai  Xoifwi  xai 
öiö/joi  xara  rojtovö'  ^ ravra  Jtai'ra  ((.Qyai  vjöirov'  -Wort  jtaQa- 
dcoOco(jL7^  i\uaö  tio  ß^Xi^Hi'  xai  ajto-  \\  xrti'ovoii'  vfiao  xai  eoeo{he 
fiiciovfisj^ot  vjio  jravrcor  dia  ro  ovoiia  iiov  ^^xai  rore  oxaröa- 
XiöB^7j(j07^rai  jtoXXoi  xai  aXX7jXovo  JiaQadcoocoOii'  xai  faof/oovoir 
aXXj/XovO'  ^^xai  jioXXoi  y'&vöojTQocf  rjrai  avaor/jooi'rai  xai  .rXar7j- 
öovöiv  jtoXXovö'  ^'-xai  dia  ro  jiXf/t)vri)^?irai  rtjr  avof/iar  fvy)/- 
0er ai  ?/  ayajrr/  rcov  jtoXXcjv  ^^o  de  vjrofieu'ao  eio  reXoO  ov- 
roö  oojfhtjOerai'  ^^xai  xr/Qvyßf/Oerai  rovro  ro  evayyeXiov  rtjö 
ßaoiXeiaO  er  ohj  t//  oixovfiev/j  eio  fucQrvQio)'  jiaoir  roio  e^^i'e- 


pp.  191—194]  Codex  Kossaiiensis,  Mt  24.  47 

CLV    Xai    TOTE   ?j$,6t    TO  TsXoÖ'     ^'^  OXm^    OVV    lÖijTE  TO  ßÖsXvyfia   T7]0 

SQi]ficü08co(j  TO  Q?i^£7^  öta  öavujl  Tov  jtQocpr/Tov  eOToO  £7'  TOjzo?  II 
ayiw  o  mmyLvmöxcov  vosirco'  ^^tots  ol  ev  t//  tovöaia  cfisvys- 
Twöav  £tö  xa  0Q7j'  ^"'o  £jn  tov  öatfiaToO  ///y  xaTaßaTCO  aQai 
Tcc  £x  T?/(j  oixiao  avTOV  ^^xai  o  t/'  tco  ayQco  of/oicoo  f/r/  tjn- 
(jTQ£y)aTco  eiö  Ta  ojriöco  aQai  to  iiiaTLOv  avTOV  ^'^ovat  ös 
Taiö  eyyaöTQi  £;foi;öa/ö  xat  tülö  {)^?ßa^ovOcuö  £V  txnvaio  Taiö 
?]f/£^aiO'  ^^^JlQOÖSVX^Od-S  Ö£  LVa  fl7j  YEvrjTat  7]  (pv'/7]  viicov  X£i- 
ffcovoö  f/r/Ö£  öaßßaTCQ'  ^^£OTaL  yaQ  tot£  {)'XiiI)£C(j  fi£yah]  oia 
ov  y£yov£v  aji  a(>///ö  xoöfiov  £ojö  tov  iwi^  ovd  ov  p/  y£V7jTai' 
'^^xai  £i  fi7]  £xoXoß(x){}^7jöav  ai  7ßi£Qai  £X£tvai  ovx  ai^  £ömd^7j 
jtaöa  öaQ^'  öta  Ö£  tovo  £xX£xtovö  xoXoßcofh7]öovTcu  ai  7j-  ||  f{£Qai 

£X£lVat'      '^^TOT£    £aV    TlO    VfilV    £IJ17/    lÖOV    COÖE    O    /()^ÖrO(5    7]    COÖ£ 

[17]  jtiöT£v67jT£'  '^^£y£Qd^7iöovTaL  yaQ  xptvöoxQi^OTOL  xai  7i)£v6o- 
jiQ0(f7]Tai  xai   dcoöovoiv   ö7jfi£ia  [i£yaXa  xai  TEQaxa  coöt£  jiXa- 

7'7jöai    £L    ÖVVaTOV    xai    TOVÖ    £xX£XTOVÖ'     '^'UdoV    JTQ0£f()7jXa    VfZtV 

'^^£av  ovi^  £ijta)öiv  i\un'  idov  £V  r/y  £Q7j[ico  £Otiv  ///y  £§£X&'7]T£' 

tÖOV    £7^    TOlO    TaflLOlö   fl/]    Jn6T£V67jT£'      '^'^  OJÖJl£(J     yaQ    7/    aGTQajT7] 

£^£QX£taL  ajio  avaTola)7^  xai  (pai7>£Tai  £coö  övöfjo^v  ovtcoO 
£öTai  7]  jtaQovöia  tov  viov  tov  avdQcojtov    '^^ojtov  yaQ  £av  /y 

TO  JlTCOfia  £X£i  6VVaX^7j(jOVTai  Oi  a£TOi'  '^^£VS'£C0(J  Ö£  fl£Ta  T7]V 
{^Zi^pLV     II     TC07^     7][l£QC0V     £X£lVCOV    O     7ßiO<J    ÖXOTi6&^7]Ö£Tai    Xai     7/ 

ö£h/V7j  OV  6(oö£i  TO  (p£yyoO  avT7jO  xai  oi  aöT£Q£ö  jt£öovvTai 
ajto  TOV  ovQavov  xai  ai  dvvafj£i<j  tcov  ovQavcoi^  öaX&vO^fjöoj^- 
Tar  ^^xcti  TOT£  q)a7njö£Tai  to  ö7]f/£ioi'  tov  viov  tov  ai^d^Qcojrov 
£v  TCO  ovQavco  xai  tot£  xo^)ovTai  jtaöai  ai  (fvXai  r/yö  /^yö  xai 

OlpOVTai    TO?'    ViOV    TOV    avd-QCOJtOV    £QX0H£V07^    £Jti    TCOV   l'£Cp£lCQ7^ 

TOV  ovQai^ov  fiETCi  övva[i£co6  xai  öo§,7jö  jroVajö'  -^^xai  ajio6T£X- 
X£i  TOVÖ  ayy£lovO  avTov   fi£Ta  Oa^jnyyoö  cpcinnjO  n£yah](j  xai 

£Jli6VVa^0V6iV    TOVÖ    £xk£XTOVÖ    aVTC07^    £X     TCOV     T£ÖöaQCOV    ap£- 

ficQv  ajt  axQcov  ovQavcov  £coö  axQcov  avTcov  ||  '^'^ajro  de  T?yö 
ÖVX7JÖ  fia{)^£T£  T7jV  jiaQaßolTjv'  OTav  rjöfj  o  xlaöoö  avT7jö  y£V)]- 
Tai  auiaXoö  xai  Ta  cpvXXa  £xcpvrj  yi7'0Jöx£T£   OTi  £yyvö  to  d-E- 


20.  aaßßaroj]  co  ex  o  factum;  videtur  primum  voluisse  oaßßarov 

21.  yccQ]  y  postmodo  insertum. 


48  Codex  Rossanensis,  Mt  24.  25.  [pp.  195—198 

QOö'  ^^ovTODö  xat  v//eio  orav  tö?jT£  tccvtcc  jiavra  yivcoOx^TS 
OTL  tyyvo  eöTti^  sjti  ^vQaiö'  ^"^afif/v  Xeyco  vfiiv  ov  fi?]  jtaQsXd^?/ 
?/  ysvea  avrrj  scoö  av  ütavra  zavra  yevyjrat'  ^^o  ovgavoo  xai 
fj  yr/  jtaQsZevöovrat  ol  di  Xoyot  [iov  ov  ft?j  jtaQskß^ojöiv  '^^JitQt 
de  Tt/ö  f/ffs^aö  exbivijö  7j  t?/ö  (oqccö  ovdeiö  oiöev  ovös  ol  ayye- 
Aoi  Tcor  ovQavwr  et  f/?/  o  jraT?jQ  ^uovoO'  '^'^cüöjtsq  de  ai  ?/f/eQai 
Tov  ?'f/>£  ovTcoo  törat  Tcai  ?/  jragovoia  rov  viov  xov  ard^QOjjtov 
'^^coöjrsQ  yaQ  rjöav  ti^  ratö  7jf^8Qai6  raio  jtqcq  tov  xaraxAvOfiov 
TQmyovTSö  xai  jtivovrso  yafiovvTeö  xca  eyyanitjovxeo  ayjQi  ?/0 
rjiieQaö  eiOijl^^sv  vojs  eio  t?/v  xißojTOj>  -^'^xai  ovx  syvcoöav  tcoo 
rjld^iv  o  xaraxZvöfioö  xai  r/Qsr  ajtavraö'  ovtcoO  eOrai  xca  ?y 
jraQovöia  tov  vlov  tov  avi^Qcojtov  ^"roTf  ovo  eöovTat  er  tco 
aygco  ho  JtaQa?jjf/g)^?ja8Tac  xat  o  tTtQOO  ag)8Ü^?/08Tai'  ^^Övo 
alrid^ovöat  tr  tcö  ^vXco  fiia  jtaQaX?jf/(ft)^tjö£Tat  xat  fiia  acped^ij- 
OeTat'  ^^^yQ?jyoQ8iTS  ovv  oti  ovx  oiÖaTS  jtoia  7/fi6()a  o  xvqloö 
vficov  egx^T^ccf^'  ^^exetvo  de  ywmöxeTe  oti  et  i^öei  o  oLXodeojtOTf/ö 
jtoia  II  <pvAax?j  o  XAejtT?/ö  eQ/eTCu  eyQ?iyoQ?/öer  ai'  xat  ovx  av 
laoev  öioQvyyjvat  t^jv  oixiav  avTOV  ^^öia  tovto  xai  v\usiö  yi- 
veöd-s  STOiffOi  OTI  ?/  ojQa  ov  doxeiTS  o  vioo  tov  avS^Qcojtov  sq- 
yeTai'  ^'^tiö  aga  eöTii^  o  jtiOtoö  öovXoö  xai  fpQovifioö  ov  xaTa- 
OTtjöei  0  xvQioö  avTov  ejti  Tt]ö  oixsTiao  avTOV  tov  öovvai 
avToiö  T7j}'  T()0(p7jv  £v  xaiQoj'  ^^ ^laxaQioö  o  öovXoo  exeiroö  ov 
eli)^ojv  o  xvQioö  avTov  6vq7jö£i  JtoiowTa  ovtojO'  ^'af/fjV  Xeyco 
v^iv  OTI  tjii  jtaoiv  ToiO  vüiaQ/ovoiv  avTov  xaTaOT7iöei  avTOV- 
^^8av  ÖS  eijiTj  o  xaxoö  dovXoo  exeiroö  er  ti]  xaQÖia  avTOV 
/Qovi^ei  o  xvQioo  \uov  eQyeod^ai  ^^xai  aQ§7jTai  tvjitüiv  ||  tovö 
övvöovXovö  eo^ieir  de  xai  jirreir  fieTa  tcov  f/ef)^vorTco7>'  '^^  f/^ei 
o  xvQioo  TOV  dov?Mv  exeivov  er  )i[ie{>a  i]  ov  jrQooöoxa  xai  ei' 
oj(ja  7j  ov  yivaxjxei  ^^xai  öiyoTOfojöei  avTOv  xai  to  f/eQoo 
avTOv  fiexa  tcoi^  vjioxqitcov  d-7iöei'  exei  eOTai  o  xXavO^fioo  xai 
o  ß()vyfwo  TW1'  oöoPTa>v' 

XXV.  ToT£  ofiouo{h7]OeTai  ?y  ßaoileia  Tojr  ovQarcor  dexa 
jiaQd^eroiO  aiTiveo  Xaßovoai  Taö  Xafijtaöao  avTOjr  6:$////^or  eio 
vjtavTijöiJ>  TOV  rv^(fiov  xai  t?/ö  rv^ug^?/ö'  ^jterzs  öe  e^  avTcor 
7]6av  fiojQai  xai  JtevTe  (f{)ovi^ai'  '^ai  yaQ  ficoQai  Xaßovöai  Taö 
Xa^ujtadaö    eavTcor    ovx    eXaßor    iieih   eavTOJV    eXaiov  ||  ^ai    de 


pp.  199—201]  Codex  Eossanensis,  Mt  25.  4g 

(pQOVifioi  eXaßov  ,«£^  savzcov  eXmov  ev  roio  ayyioiö  avrcov 
fisra  Tcov  la^naöcov  avtcov  ^;f()o?^igo2^ro(>  ös  rov  vvfiq)cov 
svvöra^ap  jtaöai  xat  exad^evöov  ^fisörjO  6s  vvxroo  xQavy?]  ys- 
yovsv  160V  o  vvfKpioo  sQXSTai  s^sX^ars  uö  vjtavt7]6iv  avrov 
"^  TOTS  9]ysQ^7]Oav  Jtaöai  ai  jtaQß^evoL  sxsivat  xat  sxoöf/?jOav  raö 
Xafijraöao  savxojv  ^ai  de  ficoQac  xaio  (pQovLfioiö  sijrov'  öors 
vfiLV  £x  rov  eXaiov  vficai^  ort  at  Xafijiadsö  rj^cov  oßevvwrar 
^  ajt£XQLd^7]6av  Ö£  ai  (pQovtnai  Xsyovöai'  fiijjtOTS  ov  [irj  aQxtörj 
rjficv  xat  vfiiV  jtOQevsö^s  ffaXXov  JtQoC  rovo  JtcoZovpTaö  xai 
ayogaöars  savraiO'  \\  ^^ajisQXoiievmv  6s  avrcov  ayoQaöai  r/Z^sv 
0  vvfi(f)Coö  xat  at  srotfiot  stör/X^ov  fisr  avrov  stö  rovO  yafiovö 
xat  sxhö^rj  tj  d^vQa'  ^^vörsQOV  6s  SQ/ovrat  xat  at  Xotjtat  jtaQ- 
d^svat  Xsyovöat'  xvQts  xvQts  avot^ov  7]fitv'  ^^^  6s  ajtoxgt^stö 
stjttv  afi?]v  Äsyco  v^itv  ovx  oi6a  vfiaö'  ^^yQfjyoQstrs  ovv  ort 
ovx  ot6ars  rrjv  rjfiSQav  ov6s  rr/v  cogav  ^"^coöjcsq  yaQ  av^Qm- 
jioö  ajio69]ficov  sxaXsOsv  rovö  i6tovö  6ovXovö  xat  jtaQs6mxsv 
avrotö  ra  vjtagxovra  avrov  ^^xat  co  (isv  s6a)xsv  jtsvrs  raXavra 
CO  6s  6vo  CO  6s  SV  sxaorco  xara  rrjv  t6tav  6vvafiiv  xat  ajts6f]- 
fiTjösv  svd^scoö'  ^^jiOQSvd^stö  6s  o  ra  jtevrs  raXavra  Xaßcov  \\ 
stQyaöaro  sv  avrotö  xat  sxsq67jösv  alXa  jtsvrs  raXavra' 
^^ möavrcoö  xat  o  ra  6vo  sxsq6?]0sv  xat  avroö  aZXa  6vo'  ^^o  6s 
ro  SP  Xaßcov  ajtsXd^cov  coqv^sv  sv  rrj  yr]  xat  ajtsxQvipsv  ro 
aQyvQtov  rov  xvQtov  avrov  ^^fisra  6s  xqovov  jtoZvv  sQxsrat 
o  xvQtoO  rcov  6ovXcov  sxstvcov  xat  övvatQst  Xoyov  fisr  avrcov 
"^^xat  jtQOösXd^cov  o  ra  jtsvrs  raXavra  Xaßcov  jtQoörjvsyxsv  aXXa 
jisvrs  raXavra  Xsycov  xvgts  jcsvrs  raXavra  fiot  jtaQs6coxaö  t6s 
aXXa  Jtsvrs  raXavra  sxsQ6rjöa  sjt  avrotö'  '^^s<p?]  avroo  o  xvQtoö 
avrov  SV  6ovXs  aya^s  xat  jttörs  sjtt  oXtyotö  rjö  jttOroO  sjtt 
jtoXXcov  öS  xaraörrjöco'  stösXd^s  stö  rrjv  x^^Q^^^  ||  t^öv  xvQtov  öov 
^'^  jtQOösXd^cDv  6s  xat  o  ra  6vo  raXavra  stjtsv  xvgts  6vo  raXavra 
(iot  jtaQs6coxaö  sl6s  aXXa  6vo  raXavra  sxsQ6rjöa  sjt  avrotö' 
^^s<f)7]  avrco  o  xvQtoö  avrov  sv  6ovXs  ayad^s  xat  jttörs  sjtt 
oXtya  fjö  jttöroö  sjtt  jtoXXcov  ös  xaraörtjöco '  stösX^s  stö  ri]v  X'^- 


18.  xo  uQyvQLov  xov\  omisso  aQyvQLOv  rov  in  margine  interiore  supple- 
vit  ro  agyvQLOv  et  in  margine  exteriore  addita  littera  v  ex  xo  fecit  xov 

Texte  nnd  Untersuchungen  I,  4.  4 


50  Codex  Rossauensis,  Mt  25.  [pp.  202—205 

Qmy  Tov  xvQiov  Oov  '^'^jcqoOsX^ojv  df  y.ai  o  ro  tv  raXavrov 
siXrjcpmö  sijtsv  xvqis  syvcov  as  ort  CjxItiqoö  h  avd^Qcojtoo  ^8ql- 
C^cov  ojiov  ovx  söjreiQüö  xat  Owaycov  od^ev  ov  öisöxoQjtiöaö 
'^'^xac  fpüßr/d-SKj  ajield^cov  sxQvpa  ro  ralavTOV  oov  sv  tjj  yrj' 
LÖS  s^SLCi  To  öov  '^^ajtoxQiß^eio  de  o  xvqioo  avxov  stjtev  avTo:>' 
jtovTiQB  öovZs  xai  II  oxp?/()£  r/ösLO  OTL  {^eQLC^co  ojtov  ovx  8öJteiQa 
xat  övvayo)  od^tv  ov  disöxoQjtiOa'  '^'' ^ösi  ovv  Os  ßaXiv  ro  agyv- 
Qiov  f/ov  TOiö  rQajiizC^Lraiö  xat  eXd^cov  lyco  exo^iiiöanrii^  av  ro 
£[i07>  6vv  TCO  roxcQ'  '^^aQazs  ovv  aji  avxov  ro  Ta?MVTOP  xat 
ÖOTS  TCO  sxovTi  Ta  dexa  TaXavTa'  '^^tco  yaQ  s/ovti  jtavTt  öoß^t]- 
CSTai  xat  jteQiöö8vd^rj08Tai  ajio  de  tov  fir/  iyovToO  xat  o  s/si 
aQÜijösTai  ajt  avTov  '^^xai  top  axQiov  öovXov  sxßaXaTe  eio  to 
öxoToö  TO  E^coTtQov  txti  söTai  o  xlavO^fioö  xai  o  ßQvyfwö  tojv 
odovTcov  '^^OTav  ös  eXihrj  o  vioö  tov  avd^Qcojiov  ev  ttj  öo^?] 
avTov  xat  jiavTtö  ot  aytot  ayyeXot  /ist  avTov  tots  xadrjOet 
ejtt  d-Qo-  II  vov  öos^jö  avTov  ^^xat  övvax^^jOovTat  ef/jrQooi^sj' 
avTov  jiavTa  Ta  s^vtj  xat  a<poQtst  avTovo  aji  aXXrjXcov  coöjisq 
o  jiotfiTjv  aq)OQt^et  Ta  jtQoßaTa  ano  tow  eQtcfcov  ^^xat  OT7jOst 
Ta  ft£v  jcQoßaTa  tx  öe^tcoi^  avTov   Ta   6e  sQtcpta  £§  evcovvficov' 

^^TOTS  £Q£t  O  ßaölXsvO  TOtÖ  £X  6£§tCDV  aVTOV  6£VT£  Ol  £vXoyi]- 
ll£VOt    TOV    üiaTQOC)    [lOV    xX?]()01^0f/7jOaT£     TT^V   7]TOtftaÖfl£V7jV    V^tV 

ßa6tX£tav  ajto  xaTaßoX?jö  xoöfiov  ^'^£jitvaöa  yaQ  xat  £ÖcoxaT£ 
f/ot  cpay£iv'  £ÖtJp7]6a  xat  £jroTtöaT£  fi£'  ^£voö  7]nrjv  xat  övv7]- 
yay£T£  fi£'     ^^yvftvoo  xat   ji£Qt£ßaX£T£  fi£'   7]6^£V7/aa   xat    £jt£- 

ÖX£lpa6d^at   f/£'      £V    cpvXaXTj   7]H7]V   xat    7]Xd^aT£    JIQOO     //6*      ^'tot£ 

ajco-  II  xQi{^7i6o7nat  avTco  ot  ötxatot  X£yovT£6'  xvQt£  jiot£  ö£ 
t6of/£v  jitj^coma  xat  £{)^Q£tpaf/£v  7]  öt^icoi^Ta  xat  £jtOTtoaft£r' 
''^^jtoT£  6£  (^£  t6a[i£7>  §,£vov  xat  OiW7/yayofi£v  ?y  yvf/i'ov  xai 
jt£Qt£ßaXoft£7''    ^'^jioT£   d£  0£  idafi£7^  ttöiV^f?'?/  7j  £7'  cpvXax7j  xat 

7/X0^Ofl£7^    JCQOCj     6£'      ^^Xai     ajrOXQt^^£lÖ    O    ßaOlX£VO    £Q£l    aVTOlÖ' 

afi7jv  X£y(X)  vfitv  £g)  oöo7'  £jioi7jöaT£  £ri  tovtcov  tcdv  ^ixqcoi'  tojv 

aÖBXcpCOV  ftOV  TOJV  £XayiöTCOV  £flOt  £JlOt7]öaT£'  *h0T£  £Q£t  xai  TOlO 
8^   £VCO7WflC07''    JrOQ£V£0fhat  ajt  £{AOV  Ol  X£XaT7j()afJ£7'0l    £tÖ   TO    jn\) 

TO  aicoviov  TO  /yTo///«o,wfror  tco  cSiaßoXco  xat  toio  ayyeXoiO 
avTov  II  ^'^£jri7'aOa  yaQ  xat  ovx  £ÖcoxaT£  ^toi  cpayttv  £dnpf/oa 
xat   ovx   £jioTi(jaTt   fit'     ^'^^£V0ö  y/////r  xcci    oc    oi>v7jycr/£TS  //f 


pp.  206—208]  Codex  Rossanensis,  Mt  25.  26.  51 

yvfivoö  xai  ov  jtSQisßaXers  ,W6"  aöf^^err/O  xaL  SficpvXax/j  y.ai  ovx 
ejteöxsipaöß^ai  fis'  ^'^to'BS  aTtoxQid^riöovraL  xcu  avroi  XsyovreO' 
xvQLE  J10T8  ö£  löaf/sv  JtivcovTCi  ?j  öiJpcovTa  Tj  $^8V0V  7]  yvfivov  fj 
aö^sv?]  7]  8v  (pvXax7]  xat  ov  6u}xor)iöa^sv  öof  ^^tors  ajtoxQt- 
{^7]0srai  avTOiO  Xsycov  af^r/v  Xr/co  v(Ilv  eg)  oöov  ovx  £jtoi?j6aT6 
£Vi  TOVTOjp  Tcor  £?.axiOTcov  ovöa  8f(oi  sjtoirjOars'  ^^'xat  ajtelev- 
öovrat  ovTOL  £i6  xolaocv  außVLOV  oc  ös  öixaiot  stö  ^(orjv 
aicoviov 

XXVI.  Kai  £-  II  ysvsTO  ort  etsZeösv  o  u/öovo  jcavxaö  rovö 
Xoyovö  TovTovo  eijtev  toio  fia^rjraio  avrov  '^OLÖars  ort  fiera 
Svo  7]fi£QaO  10  Ttaöxa  yLVsrai  xat  o  vloO  tov  avd^Qcojcov  jiaga- 

ÖlÖOtaC    £l6    TO     öraVQCod^TjVai'       ^T0T£    öVV)f/d^7]öaV     Ot    aQXL£Q£L6 

xat  ot  yQafifiaT£iO  xat  ot  jcQ£ößvT£Qot  tov  Xaov  £tö  rr/v  avXr/v 
TOV  aQ)[t£Q£coO  TOV  X£yofi£vov  xatacpa  ^xat  övv£ßovl£v6avTO 
tim  TOP  trjöovv  öoXco  xQaTfjoovOtv  xat  ajtoxTtvcoötv     ^£^£/o?^ 

Ö£'  flT]  £V  TTj  £0QT7j  tva  fl7j  d^OQvßoÖ  yEVTjTat  £V  TW  XaCD'  ^'TOV 
Ö£    tTjOOV    y£VOll£VOV    £V    ß7]&aVta    £V    OtXta    ÖtflCOVOÖ    TOV    X£JIQ0V 

'^jtQ067]l^£j>  avTOj  yvvTj  II  aXaßaöTQOi^  fivgov  £iovöa  ßagvTtfiov 
xat  xaT£y££v  £jct  T7/v  X£(pahiv  avTov  avax£tff£vov'  ^töovT£ö  Ö£ 
ot  na{^7]Tat  avTov  riyavaxT7]6av  l£yovT£ö'  £tö  Tt  7]  ajtcolta  av- 
Tfj  TOV  fivQov  ^7]övvaT0  yaQ  tovto  jiQad^7]vat  jioZZov  xat  öo- 
{^jjvat  TOto  üiTmyptö'  ^^yvovö  Ö£  o  t7jOovö  £tjt£7^  avTotö'  Tt 
xojtovo  jiaQ£X£T£  TTj  yvvatx£f    £Qyov  yaQ  xaXov  £tQyaOaTO  £tö 

£ft£'  ^^JtaVTOT£  yaQ  TOVÖ  JtTCQXOVö  £/£T£  ft£^  £aVTmV  £fl£  6£  OV 
JtaVTOT£    £/£T£*      ^'^ ßaZXoVöa  yaQ    aVT7/    TO   ftVQOV   tovto    £Jtt   TOV 

ocofiaTOö  fiov  jüQOö  TO  £VTa(ptaöat  fi£  £jtot7/ö£V'  ^^a}i7jv  7^£ym 
v^itv    ojiov   £av    xriQvyp7]    to    £vayy£Xtov    TovTm   £V   olm  ||  tco 

XOÖflOJ    Xa?.7]^7]ö£Tat  xat    O   £JtOt7JÖ£7'    aVT7j  £t(J  f.lV7JflOÖV7'OV  aVT7]Ö' 

^^TOT£  jioQ£vd^£t6  £tö  Tcov  öoyÖ£xa  o  X£yofi£vo0  tovSaö  tOxaQtco- 

T7]0    JIQOÖ     TOVÖ    aQ1t£Q£tÖ     ^'^£tJt£V'      Tt    d^£X£Tat    flOt    ÖOVVat    Xat 

£yco  v[itv  jtaQaScoöco  avTov  ot  d£  £6T7jOap  avTco  TQtaxovTa 
aQyvQta'     ^^xat   ajio  tot£  £C,7]T£t   £vx£Qtar  tva  avTor  jtaQadco' 

^'t?;     d£    JtQC0T7j     TCOV    a^VfimV    JtQ007jZ{)^07'   ot    fjad^tjTat   l£yOVT£Ö 

TCO  irjOov   jrov  ^£X£tö  £TOi^iaöco^£V  öot  (pay£ir  to  jtaöxcc'    ^^o 


XXVI,  3.  ci^yie^sioa  tov  in  maigine  suppletimi. 


52  Codex  Rossanensis,   Mt  26.  [pp.  209—212 

ÖS  HJitv  avTOLö'  vjtaytTS  etö  rr/v  jioliv  jtQOO  top  öiva  xai 
SLjrarai  avrco'  o  öiöaöxakoo  Zeyti'  o  xacgoö  fiov  syyvo  eörtv 
jiQOO  öe  jtoLG)  II  TO  JiaO)(^a  fjera  tojv  fiai}^7/T0JP  fiov  ^^xat  sjiot- 
7joav  ot  fiad'7]Tai  wo  övvtTa^ev  avroto  o  ujOovo  xac  rjroLfiaoav 
TO  jtaöxci'  '^^o'ipLaö  (3fc  y8VOfi8vr/0  avtxecTO  fiera  zcov  öcodexa 
fiad^ijTcov'  ^^xat  ao^iovrcov  avrcov  stjtsv  afi7p  Xeyco  i\uiv  ort 
etö  £^  vficov  Ttagaöcoöet  (if  ^'^xai  Xvjtov^usvot  öqjoöga  fjQ^avro 
ksystv  avTco  exaöroö  avxcov  fir/Tt  tyco  tifiL  xvqis'  ^^o  ös  ajco- 
xQid^EiO  eiJütv  o  sfjßaTpaö  fisr  tf/ov  sv  reo  TQvßXico  ry/v  /£i()« 
ovToö  (IS  jzaQadcoöet'  '^^o  fiev  vioö  tov  avd^Qcojiov  vnayu  xa- 
{^cqO  yeyQajirai  jiSQt  avrov  ovai  de  toj  av^Qcojtca  exeivoj  di  ov 
o  VLoO  TOV  avd^Qcojtov  jtaQaöiöoTar  xaXov  ijV  avrco  ei]  ovx 
eyevv7i0^7]  o  ard^Qcojtoo  \\  exeivoö'  '^''ajcoxQtd^eiö  öe  lovöao  o 
jiaQaöiöovö  avTov  eijtev  f/7jTi  eyca  eiftt  Qaßßi'  Xeyei  avrco'  ov 
etüiaO'  ^^^ eöd^LOvrojv  öe  avrcov  Xaßcov  o  ir/Govo  rov  agrov  xai 
evxciQiOr7jOao  exXaoev  xai  eöiöov  roio  i^iad^tjraLO  avrov  xai 
eiJtev  laßere  cpayere  rovro  eorcv  ro  ocofia  fiov  '^"'xai  Xaßcov 
jtOTfjQLOV  evxaQiörrjöao  eöo^xev  avroto  leyow  üitere  ec,  avrov 
jtavreO'  ^^ rovro  yaQ  eortv  ro  atfia  fiov  ro  rtjö  xatV7jö  ötad^7i- 
X7IÖ  TO  JteQt  jcoXXorv  ex^vin^o^ievor  etö  acpeötv  aftaQrtcov  '^^Xeyoj ^ 
öe  vfitv  ov  fi7]  jttco  ajiaQTt  ex  rovrov  rov  yevr/fiaroö  r?jö  «,w- 
jteXov  emö  rrjö  7jfieQaö  exeiV7/ö  orav  avro  jttvco  fied^  \\  vficoi' 
xatvov  ev  T?y  ßaötXeta  rov  jtarQOö  fiov  ''^^xat  vfiv7jöarreö  e§7jX- 
{^ov  etö  ro  oQOö  rcov  eXatcov  '^^rore  Xeyei  avroto  o  ttjöovo' 
jcavreö  vfietö  öxavöaXtoi^^rjöeöd^at  ev  ef/ot  ev  r7]  vvxrt  ravrfj' 
yeyQajtrat  yaQ'  jtara^co  rov  jcotfieva  xat  ötccöxoQjttö^tjöovrai 
ra  jTQoßara  rr/ö  jtotf/vfjö'  '•^^f/era  öe  ro  eyegd^ijvat  fie  jigoa^co 
vfiaö  etö  rtjV  yaXtXatav  '^^ajioxQtd-etö  öe  o  jterQoö  etjrev  av- 
rco' et  jiavreö  öxavöaXtöd-7]öovTat  ev  öot  eyco  ovöejtore  öxav- 
öaXtöd^Tjöo^uat'  ^*eg)7/  avrco  o  t7]öovö'  afi//v  Xeyoo  öot  ort  ev 
ravTTj  r7j  vvxrt  jtQtv  aXexroQa  (fcov7jöat  tqiö  ajtc(QV7]ö7j  //f 
^^Xeyet  avrco  o  Jie-  \\  tqoö'  xav  öe7j  fiat  övv  öot  ajiod^avetv  ov 
f.1//  öe  ajiaQV7jöofiat'  ofiotcoö  öe  xat  jtavreö  ot  fiaß^7]rat  eijtov' 
'^^'Tore  eQxerat  (ier  avrcov  o  t7jöovö  etö  ycoQiov  Xeyoitevov  yeß^- 
öeftavet  xat  Xeyei  roto  fiad^7jratö  avrov  xaO^eiöccre  avrov  ecoö 
ov  ajieXi)-cov  jcQoöev^oftat   exet'     ^"'xai    jra^aXaßcov   rov   JterQov 


pp.  213—215]  Codex  Kossanensis,  Mt  26.  53 

Tcat  Tovö  ovo  vLovö  ^eßsöaiov  7jQ§aro  XvjtetOd^ai  xai  adr/fioj^eiv 
^^TOTS  Xsyst  avTOiö'  jisqlXvjioO  sötiv  tj  ipvxt]  (lov  smo  d-ava- 
tov  (iuimre  m6t  xat  yQ7/Y0QstTS  fisz  tfiov  ^^xac  jtQosXfhcov 
(iLXQor  sjtsosv  tjtc  jcQoümjtov  avrov  jtQOösvxofisvoö  xat  Xsyojv 
jtareQ  st  övvatov  ||  bötlv  jtaQsX^avoj  ajt  sfiov  ro  jcottjqiov 
TOVTO'  jtXrjp  ovx  coo  eyo)  {heZco  all  ojO  öv  ^^xai  sQ^sraL  jtgoo 
TOVÖ  (iad^7]Tao  xaL  evQiOxsi  avTOVö  xa^svöorraö  xat  Xtyet  roj 
jtETQco'  ovTcoö  ovx  töx^öats  f/iav  coQav  yQ7]yoQrj6ai  (ist  sfiov 
^^yQT/yoQSiTS  xat  jtQooevxsoO-e  iva  (irj  siösZO-tjts  blö  jttiQaöfiov 
To  fiev  jti^svfia  jtQo^vffov  tj  6e  öaQ^  aöd^evrjö'  ^^^jiaXiv  ex  öev- 
T£Qov  ajtsXd^oiv  jtQoörjv^aTo  Xsymv  jtarsQ  fiov  et  ov  öwaxat 
TOVTO  TO  JtoT7jQioi^  jtctQeXd^eiv  ajt  £fiov  sav  f/7]  avTO  üitm  ysvri- 
d^TjTo  TO  d^sXr^fia  öov  ^'^xat  sXfhojv  :jiaXtv  evQSV  avTovö  xad^si^- 
dovTaO'  Tjöav  yaQ  ot  ofp^aXiioL  avTOJV  ßeßaQTjfievot'  ^^xai  ||  afpsiö 
avTOVO  ajtsXd^oJV  JtQoör/v^aTo  ex  tqltov  tov  avTOV  Xoyov  etjtcov' 
^^T0T£  eQxsTat  jtQod  TOVÖ  [iad^TjTaö  xat  Xeyet  avTOiO'  xad^svösTS 
TO  XotJtov  xai  avajtavsO^s'  löov  f^yytxtv  i]  coQa  xat  o  vio6  tov 
avd^Qmjtov  TtagaöiSoTaL  sio  x^^Q^^  afiaQTcoXcov  ^^eyscQsOd-t 
aycof/sv  löov  r/yyixsv  o  jiaQCiöidovö  fie'  ^'^xat  stl  avTov  XaXovv- 
TOö  löov  lovöaö  BIO  Tcoi>  öcoÖBxa  rjXO^BV  xai  fiBT  avTov  oxXoö 
jtoXvö  (iBTa  iiaxc(,tQcov  xat  §vXo)v  ajio  tcov  «(>;^/£()£for  xac  jiqbö- 
ßvTBQcov  TOV  Xaov  *^o  Ob  jcaQaöiöovö  avTOV  bÖcdxbi^  avTOiö 
ör/fiiov  XBymv  ov  Bav  (piXt^öco  avTOö  bötlv  XQaTijöaTB  avTOV 
^^xai  Bvd^Bcoö  jtQoöBXd^oJv  TCO  LTjöov  ||  BiJiBV  /a^(>€  Qaßßi  xat  xaT- 
sq)iXrjöBi^  avTov  ^^*o  6b  itjöovo  bijibv  avTCO'  STaiQB  B(p  o  JiaQst' 
TOTB  üiQOöBXd^ovTBö  EjtsßaXoj^  Taö  ;^£^()«ö  Bjtt  TOV  i7]öovv  xat 
BXQaTTjOav  avTov  ^^xat  löov  blö  tcov  fiBTa  trjöov  BXTBtvaö  ttjv 
Xst^Qd  ajtBöJtaöBV  T7]i>  fiaxcciQav  avTOv  xat  jiaTa^aö  tov  öovXov 
tov  aQxtBQBOJö  acptXev  avTov  to  cotiov  ^'^totb  XsyBt  avToo  o  t7]- 

ÖOVÖ'     ajtOÖTQBtpOV     öov     TTjV    (laXCitQaV     BtÖ     TOV     TOJtOV     aVTTjÖ' 

jtai>TBö  yag  ot  XaßovTBö  [laxatgav  bv  (jtaxc^tQjj  ajioXovvTat' 
^'^Tj  öoxBt  öot  OTt  OV  dwafiat  aQTt  jtagaxaXsöat  top  xaTsga 
(lov  xat  jtaQaöT7]öBt  fiot  jüXbiovö  tj  öcoösxa  XsyBcovcov  ayysXcov 


39.  7tQ08l^a)v]  TtQoaeld^cDv  codex,  sed  dpunctis  superpositis  improbatum. 
48.  xQdTriaaTb]  ax  pr  factum  ex  7/(T 


54  Codex  Rossanensis,  Mt  26.  [pp.  216 — 219 

^*  jicoö  ovv  jtXrjQOjd^möLV  at  yQa(pai  ort  ov-  ||  rcoö  öei  ysvea^ai' 
^^ SV  exsivi]  rrj  co()a  tcTiev  o  upovö  tolö  ox^oiö'  coo  ejci  Xr/O- 
rrjv  8^7]h9aTS  /lera  nayaiQcov  xai  ^vXojv  övvXaßeiv  fia'  xa\9 
?]fj8Qai^  jTQoa  vfiaO  sxad^tL,o^riv  didaöxojp  ev  reo  isqoj  xac  ovx 
sxQCiTi/öars  fit'  ^^  tovto  ds  oXov  jhyovhv  iva  jiXriQcod^coöiv  at 
YQmfcu  Tcop  jtQog)?]Ta)v'  Tore  oi  fiaü^7]Tat  acpevrsö  avrov  ajtav- 
T£ö  afpvyov'  ^"oL  de  XQarrjOavTso  rov  ltjöovv  ajiriyayov  üiqoo 
xata(pav  tov  aQXi^Qta  ojiov  oi  ygaffftareiö  xat  ot  jiQtößvTEQOL 
öwj^yß^rjoav  ^^o  d£  jtezQoo  rjXoXov^et  avroj  ajto  {^laxQo^tv  scjö 
TTjO  avXrjö  rov  ||  aQyieQecoö  xat  siöeXd^cjv  eOoj  £xa^7jT0  fiera  tojp 
vjifjQtrmv  iöeiv  ro  reXoö'  '^^ol  6s  aQyuQtiö  xat  ol  jtQtößvrsQot 
xat  oXov  10  övvtÖQtov  sC,7]tov)'  y:>8vdofiaQTVQtav  xaza  rov  t?]öov 
ojücoö  avrov  ^aj^arcoöcoOtjy  ^^^xat  ovx  ?/vqov  jioXXow  öe  ipsvöo- 
fiaQrvQcov  JCQoOsXd^ovrojv  ov  7/vqov'  vörsQOv  ös  jcQoöeX^orrsö 
ovo  rtvsO  il^tvöofiaQrvQSij  ^^ttjiov  ovroö  tfprj'  öwa/mt  xara- 
Xvöac  rov  vaov  rov  d^sov  xat  öta  rQtcov  7]neQcov  otxoöofi?]6at 
avrov  ^^xat  avaörao  o  aQyttQSVO  ttjtsv  avrco'  ovösv  ajtoxQiv?/ 
rt  ovrot  öov  xara[iaQrvQov6tv'  ^^o  6e  trjöovö  sötojjta'  xat  ajto- 
XQtd^stO  o  aQyisQevO  etjtej^  avrco'  h^oQxtL^oj  08  xara  rov  \\  ^foi" 
rov  ^ojvroö  tva  rjfitv  eurrjö  et  6v  st  o  xQtöroö  o  vioö  rov  d^eov 
rov  C^covroö'  ^^Xsyet  avrm  o  npovö'  Ov  HJtaO'  JtX7jv  Xeyco  vfiiv 
ajraQrt  orpeod^at  rov  vtov  rov  avO^Qcojtov  xafh7jfiij'ov  ex  de^tojv 
r7jO  övvaiiecoO  xat  eQyof/ei'OV  ejtt  rcoi^  ve(peXojv  rov  ovQavov 
^^rore  o  aQyteQevO  6teQQ7]^ev  ra  tfiarta  eavrov  Xeymv  eßXao- 
(prifirjOev  rt  ert  yjQetav  eypuev  naQrvQcov  töe  iwv  7]xovOare  r7]v 
ßXaOq)7]fxtav  avrov  ^^'rt  vfitv  öoxet'  ot  6e  ajtoxQif^evreo  etjiov 
evoyoO  d^avarov  eOrtv'  ^'''rore  evejtrvoav  eio  ro  jiqoOojzov  avrov 
xat  exoXacptOav  avrov  ot  6e  eQajttOav  '^^'^XeyovreO'  JtQocpfjrevOov 
rj(itv  X(^^öT£  rto  eO-  \\  rtv  o  JtatOao  oe'  ^-^o  de  jrerQoO  e^co  exa- 
ihrjro  ev  r/;  avX7]'  xat  jTQoOt^Xd-ev  avroj  fita  jiat6tOX7]  Xeyovoa' 
xat  Ov  fjod^a  {lera  trjoov  rov  yaXtXatov  '^  o  de  7jQV}]0aro  efi- 
jtQoo{hev  Jtavroiv  Xeymv  ovx  otöa  o  XeyetO'  ''^e^eXfhovra  de 
avxov  eiO  rov  jtvXrova  idev  avrov  aXX?]  xat  Xeyei  avroio  exet' 


59.  OTiioa  in  rasura  scriptum.  |  d^avaxMaa)OLv]  ava  et  (ooiv  in  rasura. 

60.  6e  pr  in  margine  additum.  I  TtQoatXd^ovziov  ov  r^vgor]  omnia  haec 
excepta  syllaba  tiqoo  in  rasura. 


pp.  220—223]  Codex  Rossanensis,  Mt  26.  27.  55 

xai  ovroö  ?jv  fisra  tr]öov  rov  va^oQaiov  ''^xai  jiaXiv  7/()V7j6a- 
TO  fxera  oqxov  ort  ovx  oiöa  rov  at^d^Qcojcov  ''^fiera  /uxqov  öe 
jigoötld^ovreo  01  sörrnztö  sltyov  reo  jistqco'  ahjd^mö  xat  öv  £§ 
avTcov  £1  xat  yaQ  yaXiXaioO  u  xai  //  XaXia  öov  df/Xov  öe  jtoiW 
''^tOTS  rjQ^aro  xara^sfiariC^ecv  xai  o/ivv£Cv  otl  ovx  oiSa  top 
avO^Qcojtov  xai  svü-scoO  aXexrmQ  e-  ||  ^mpr/öev  "'^xai  sf/n/öO^?/  o 
jtetQoC  rov  Qf/fiaroö  irjöov)  siqtjxotoö  avrw  ori  jiqiv  aXexxoQa 
(pmvfjoai  TQiö  ajtaQv?]Ori  fis'  xai  s^sX^cqv  £§a>  sxXavosv  jiixqccxj' 
XXVII.  ÜQcoiaö  de  ysvoffsvrjO  Ov^ßovXiov  eXaßov  jtavreö 
Ol  aQxieQtiö  xai  01  jtQeoßvrsQoi  rov  Xaov  xaxa  rov  irjöov  oöre 
d^avarojöai  avrov  '^xai  örjöavreö  avroi^  ajtr/yayov  xai  jiaQsdm- 
xav  jtiXarco  rm  r/ye^uoiw  ^rore  löojv  lovöaö  o  JtaQaöidovö  av- 
rov ori  xarexQid^T}  fitraffeXr/{}^£iO  ajt£(jrQ£ip£v  ra  rQiaxovra 
agyvQia  roio  aQxt£Q£vö£iv  xai  jiQ£ößvr£Qoiö  ^X£ymv'  rj^agrov 
jtaQaöovö  aif/a  ad^mov'  01  Ö£  £ijiov'  ri  jiqoö  9]fiao  \\  öv  oxp?j' 
^xai  Qixpaö  ra  agyvQia  £v  reo  vaco  av£Xo^Qrjö£t^  xai  ajt£X^ojj^ 
aji7/y§aro'  ^01  d£  aQxi£Q£iö  Xaßovr£ö  ra  aQyvQia  ecjzov  ovx 
£§£öriv  ßaX£iv  avra  £iö  rov  xoQßavav  £Jii  ri^iTj  aijiaroö  £öriv' 
' öv^ßovXiov  Ö£  Xaßovr£ö  tjyogaöav  £§  avrmv  rov  ayQov  rov 
x£()a(/£coö  £iö  racprjv  rotö  ££voiö'  ^610  exXrj^?!  o  ayQoö  £X£ivoö 
ayQoö  aipiaroö  £coö  rfjö  öri(i£Qov'  •^ror£  £jiXrjQOj{^rj  ro  Qrjd^£v 
6ia  i£Q£(iiov  rov  jiQO(prjrov  X£yovroö'  xai  £Xaßov  ra  rQiaxovra 
agyvQia  rr/v  rifi7]v  rov  r£rifxr/f/£Vov  ov  £rifi7]öavro  ajto  vicov 
löQarjX  ^^xai  £6mxav  avra  £iö  rov  ayQov  rov  X£()a[i£(X)ö  xad^a 
övv£ra§ev  fioi  xvqioö'  ||  ^^o  6£  irjöovö  £örad'7]  £f/jtQoö^£V  rov 
r/y£fiovoö  xai  £jti/QCür7]ö£v  avrov  o  rjy£nmv  Xeycov  öv  £i  o  ßaöi- 
X£vö  rcov  lovöaicov  o  de  u]öovö  £q)rj  ai^rw  öv  X£y£iö'  ^^^xai 
£V  reo  xarrjyoQiöO^ai  avrov  vjto  rcov  aQXieQ£cov  xai  jiQeößvre- 
Qcov  ovöev  ajt£XQivaro'  ^'^ror£  X£y£i  avrco  o  jtiXaroö'  ovx 
axov£iö  Jtoöa  öov  xarafiaQrvQovöiv  ^^xai  ovx  ajt£XQid^)]  avrco 
jtQoö  ovöe  ev  Qijfia  coöre  ^avfia^£iv  rov  7]y£fiova  X£iav'  ^^xara 
6£  £OQrrjv  i(d^£i  o  r/y£ficov  ajtoXv£iv  £va  reo  oxXco  Ö£ö{iiov  ov 
rjd^£Xov'  ^^eixov  r£  ror£  6£ö(iiov  £jtiörjnov  Xeyofievov  ßa^aßßav 
^^  övvTjyfievcov  ovv  avrmv  eijiev  avroiö  o  jtiXaroö'  riva  \\  ^e- 
X£r£  ajtoXvöm  vfiiv  ßagaßßav  rj  irjöovv  rov  X£yofi£vov  ;(()iC)-ro2^* 
^^rj6£i  yaQ  ori  öia  <p&ovov  jtaQ£Ö(x>xav  avrov    ^■^xad'fjfi£VOv  Ö£ 


56  Codex  Rossaneiisis,  Mt  27.  [pp.  224—226 

avTov  £jtc  rov  ßr^^iaroö  ajteoreiXEv  jtqoo  avror  tj  yvvrj  avrov 
Zeyovöa'  [irjöev  öoi  xai  toj  öixaioj  ^xuvoj'  jtoZXa  yaQ  ejtad^ov 
öTjiieQov  yMT  ovaQ  6t  avrov  '^^ol  de  aQxitQsiO  xai  ot  jTQtößvrt- 
QOt  sjteiöav  Tovö  ox^ovö  cva  airr/öoPTat  rov  ßoQaßßav  top  de 
iTjöovv  ajtoXeöovöiv  ^^^ajtoxQid^eiö  de  o  riye(uov  ecjiev  avroio' 
Tiva  d^eXere  ajto  rmv  ovo  ajtoXvOo?  vfuv  oi  de  eijcov  ßagaßßav 
'^'^Xeyei  avroiO  o  jtiXaToO'  ri  ovv  jcoitjöoj  ir/6ovv  rov  leyofie- 
vov  XQ'^^'^ov'  XeyovOiv  \\  jtavreö  OravQojd^7/ro?'  '^^o  de  rjye/icov 
etprj'  n  yaQ  xaxop  ejtoirjöev  oi  de  jteQiOOoreQov  exQa^ov  Xeyov- 
reö  6ravQmd^?]rco'  "^^idojv  de  o  JtiXaroo  ort  ovdev  cogjsXet  aX- 
Xa  [laXXov  ^OQvßoö  yiverai  Xaßcov  vdcoQ  ajtevixparo  rao  xeiQao 
ajievavn  rov  o^Xov  Xeycov  ad^moO  etfn  ajto  rov  ai/jaro6  rov 
dixaiov  rovrov  vfcetö  oipeöd^e'  ^^xai  ajtoxQid^eiö  jtaö  o  Xaoö 
eijtev  ro  aifia  avrov  efp  rjfiaö  xai  ejti  ra  rexva  ?]ftcov'  '^^rore 
aüieXvöev  avrotO  rov  ßaqaßßav  rov  de  trjöovv  (fQayeXXo^öao 
jtaQedwxev  avroiö  iva  öravQOjd^t}'  "^'rore  oi  orQartcorai  rov 
rjye[iovoö  jtagaXa-  \\  ßovreö  rov  ir/öovv  eio  ro  jiQaircoQiov  Ovvi]- 
yayov  eji  avrov  oXijv  rr/v  öJietQav  '^^xai  exdvöavreö  avrov 
:jieQted^rjxav  avroj  x^^f^^^^  xoxxi7n]v  '^^xai  jiXec^avreo  öretpavov 
e$,  axavd^cov  ed^rjxav  ejn  rijv  xerpaXf/v  avrov  xai  xaXafiov  ev  ri] 
de^ta  avrov  xai  yovvjier7]<javre6  e(iJiQo60^ev  avrov  evejtai^ov 
avroj  Xeyovreö'  x^^Q^  ^  ßaöiXeva  roiv  lovdaiwv  ^^xai  evjirv- 
Oavreö  eiO  avrov  eXaßov  rov  xaXafiov  xai  ervjtrov  eiö  r?]v 
xe(paX7]v  avrov  ^^xai  ore  evejiai^av  avroj  e^edvöav  avrov  rrjv 
xXafivda  xai  evedvöav  avrov  ra  ifiaria  avrov  xai  ajrt/yayov 
avrov  eiö  ro  öravQOJöai'  '^^ e§£(>/o//e-  ||  voi  de  ijvqov  avd^QOJjtov 
7CVQ7]vaiov  ovof/ari  öif/cova'  rovroi^  rjyyaQevOav  iva  aQ?/  rov 
öravQov  avrov  ^'^xai  eX{hovreö  eiö  rojtov  Xeyo^ievov  yoXyod^av 
o  eöriv  Xeyo/ievov  xQaviov  rojtoö  ^^edojxav  avrm  jtieiv  o^oö 
fiera  x^^V^  fieftiyfxevov  xai  yevCaf/evoö  ovx  Jid^eXrjöev  jneiv 
^'^ öravQODöavreö  de  avrov  diefieQioavro  ra  if/aria  avrov  ßaX- 
Xovreö  xXrjQov  ejt  avra'  '^^xai  xad^7]^evoi  er7]Qovv  avrov  exei' 
^"^xai  ejte&?jxav  ejtavm  rr]ö  xe^aX7]ö  avrov  rt^v  airiav  avrov 
yeyqannevriv'    ovroö   eöriv   ujöovö   o   ßaöiXevö    rcov    lovdaiojv' 


38.  ovv  öiipra  liueara  additum. 


pp.  227—280]  Codex  Rossanensis,  Mt  27.  57 

^^Tors  öravQovvrat  övv  avrco  6vo  Xrjörai  slö  s^  \\  ös^icov  xai 
£i<j  £§  evmvvficov  ^^o^  6s  jtaQajtOQevofJSVOt  eßXaöfprjfiovv  avrov 
xivovvT£(j  raö  xt(palaö  avrmv  ^^xai  Xtyovrsö'  ova  o  xataXvcQv 
TOP  vaov  xat  8V  tqlölv  tjHtQaiö  oixodoftcov  öcoöov  öeavrov  et 
vioö  et  rov  d^eov  xaraßi^B^i  ajio  rov  OravQov'  ^^ofiowjo  de  xat 
Ol  aQ^iegeiö  evjtai^ovreö  fiera  rcov  yganparecov  xat  jtQeößvxe- 
Qcop  xat  (paQtöatcoj^  eXeyov  ^'^aXXovO  eöcoOev  eavrov  ov  övva- 
rat  Ocoöat'  et  ßaötXevö  tOQarjX  eörtv  xaraßarco  vvv  ajio  rov 
öravQov  xat  jttörevömfiev  etö  avrov  ^^:jzejtotd^ev  ejtt  d-eov  qv- 
öaö^co  vvv  avrov  et  d^eXet  avrov  etjtev  yaQ  ort  d^eov  ei(it  vtoö' 
^^ro  II  6  avro  xat  ot  Xrjörat  ot  övvöravQcod^erreö  avrco  ovtöet- 
C,ov  avrov  ^^ajio  de  exrr/O  coQaö  eyevero  öxoroö  ejtt  jtaöav 
rtjv  yr]v  ecoö  ojgao  evarrjO'  ^^jteQt  6e  rrjv  evarrjv  coQav  eßotjöev 
o  tTjöovö  q)a)vrj  iieyaXr]  Xeyojv  rjXet  rjXet  Xtfia  öaßayß^avet' 
rovr  eörtv  d-ee  f/ov  {)^ee  fiov  tvart  (le  eyxareXtjteö'  ^'^rtveö  de 
rcov  exet  eoroyrojv  axovöavreö  eXeyov  ort  7jXtav  cpojvet  ovroö' 
^^xat  evü^ewo  ÖQa^ojv  etö  e§  avrcov  xat  Xaßmv  öüioyyov  jcXf]öaö 
re  o^ovö  xat  jteQt^etö  xaXaf/co  ejcort^ev  avrov  ^^ot  6e  Xotjiot 
eXeyov  acpeö  etömfiev  et  eg^erat  rjXiaö  ömöwv  avrov  ||  ^^o  6e 
trjöovö  jtaXtv  xQa^aö  (powt]  iieyaXrj  a(pi]xev  ro  Jivev^a'  ^^xat 
töov  ro  xarajteraöfia  rov  vaov  eöxtöd-rj  etö  ovo  ajio  avwd-ev 
ecoö  xarco  xat  7j  yrj  eötöd^rj  xat  at  jtergat  eöiiöd^rjöav  '^^xat  ra 
fivt]fieta  avecoyrd^Tjöav  xat  jtoXXa  öofiara  rcov  xexotf/rjf^evcov 
aytcov  TjyeQd^i]  ^^xat  e^eXd^ovreö  ajto  rov  [ivr}[ietcov  fiera  rrjv 
eyegötv  avrov  etötjX^ov  etö  rrjv  aytav  jtoXtv  xat  evecpavtö{hr]öav 
jtoXXotö'  ^*o  öe  exarovraQXOö  xat  ot  (ler  avrov  r7]Qovvreö  rov 
trjöovv  töovreö  rov  ötöfiov  xat  ra  yevofieva  ecpoßtjd^r^öav  öcpoÖQa 
Xeyovreö'  aXrj^hcoö  d^eov  vtoö  rjv  ovroö'  ^^rjöav  \\  6e  exet  yvvatxeö 
ütoXXat  ajto  ftaxQo^ev  ^ecoQovöat  atrtveö  /]xoXovO'7]öav  reo  trj- 
öov  ajio  rrjö  yaXtXataö  ötaxovovöat  avrco'  ^^ev  atö  tjv  (laQta  tj 
(iay6aXtV7]  xat  fiagta  rj  rov  taxcoßov  xat  ta)ö7j  f/7]r7]Q  xat  7]  firj- 
rtjQ  rcov  vtcov  ^eßeöatov  ^"'o'iptaö  6e  yevofiev7]ö  7]Xd-ev  avd^Qco- 
xoö  jtXovötoö  ajto  aQtfiad^ataö  noXecoö  rcov  tovöatcov  rovvofia 
icoörj(f)  oö  xat  avroö  efia^7]revß^r/  reo  t7]öov'  '^^ ovroö  jtQoöeX- 
d-cov  reo  jttXarco  rjrrjöaro  ro  öcDfia  rov  tTjöov  rore  o  jttXaroö 
ExeXevöev   ajtoöod^rjvat   ro   öcofia   rov  trjöov    ^^xat    Xaßoov  ro 


58  Codex  Rossanensis,  Mt  27.  28.  [pp.  231—234 

ömiia  o  w)6r/g)  evsrvZi^ev  \\  avro  Olvöovl  xad^aQa  ^^xai  td^rjxtv 
avTo  £V  reo  xairoy  avrov  firr/f/im  o  elaroinioev  tv  ttj  jietQa 
xat  jtQoöxvlLöaö  Xid^ov  iityav  rrj  ^vQa  rov  fivTjfiSLOV  ajtijXi^tv 
^^Tjv  ÖS  £X£c  (laQLa  ?!  [iayöaXivr]  xai  rj  aXXrj  fiaQia  xa^^rjfisvat 
ajcsvavTt  rov  racpov  ^^'^rr/  ös  tJtavQLOv  r/rio  töriv  (itra  rr/v 
jtagaoxtvr/v  6vv7]yß^r/0av  ot  aQ/jsQeio  xai  oi  (faQiöaiOi  jcqoö 
jcilarov  ^^Xeyovrsö'  xvqls  efiv?]0^?//f£v  ort  txtLvoO  o  jtXavoö 
siJtsv  erc  C,cov'  fJtra  rQio  ?jff£()a6  eyeiQo^uaL'  ^^xsZsvöov  ovv 
aög)ahö{^7]vat  rov  ra(pov  ecoö  rrjO  rQirrjO  r/fJSQao  f/7]jtore 
sXd^ovreO  ot  {lad^rjrat  av-  \\  rov  vvxroö  xAsipcoötv  avrov  xat 
tiJtcoöiv  reo  laoj  ort  rjytQd^rj  ajio  rcov  vexQcov  xca  sörac  rj 
söyartj  jtlavri  x^^Q^^  '^^P  JtQcorrjö'  ^'^scp?]  de  avrotö  o  jtiXaroö' 
^x^rs  xovörcoöiav  vjtayers  a6(paXLöa(jd^ai  coO  oiöars'  ^^oi  de 
jtoQsv^hsvrsö  rjöfpaXiOavro  rov  raqjov  0(pQayLöavreö  rov  Xid^ov 
(lera  rrjö  xovorcoötao' 

XXVIII.  Olpe  de  öaßßarcov  r?/  ejtKpcoOxovör/  siO  fiiav  oaß- 
ßarcov  rjXd^tv  fiagta  r/  fiayöaXtp'T]  xca  7j  aXXrj  iiaQia  ^{:oyQr]öai 
rov  racpov  ^^xac  töov  öLöfioo  fieyao  sysvsro'  ayysXoo  yaQ  xvqiov 
xaraßaö  £§,  ovQavov  jtQOösXd^wv  ajrsxvXiöev  rov  \\  Xid^ov  ajto  rr/O 
d'VQaö  rov  {iv?/fieiov  xca  sxa^r/ro  sjtccvm  avrov  ^tjv  6e  7]  idea 
avrov  COO  aörQajcrj  xai  ro  ei^övf/a  avrov  Xsvxov  coösl  yicov 
^aüio  de  rov  (foßov  avrov  töLöd-7]öav  oi  rtjQovvrtö  xat  sysvovro 
coöu  VEXQot'  '""ajtoxQLd^tLö  Ö£  o  ayyeXoö  eijtev  raiö  yvvai^iv  fit] 
(foßeiöO^t  vfistö'  oiöa  yaQ  ort  ir/öow  rov  eöravQcofievov  ^t]r8ir£' 
^ovx  8örcv  coöe'  ?/yeQß^7/  yaQ  xad-ojö  eijtsv  dsvrs  siötre  rov 
rojtov  ojtov  extiro  o  xvqcoö'  ^xai  rayv  jroQiv^tiöat  tijtars 
roiö  fiad^r/raiö  avrov  ort  7]yeQ{)^7/  ajto  rcov  vexQcov  xca  löov 
jiQoayEL  vfia6  eiö  rrjr  yaXiXaiav  exsi  avrov  oipeöfhe'  töov  \\  eiJtov 
vfiiv  ^xcu  i$.£X9^ovöat  rayv  ajto  rov  iiV7]iiiov  ftsra  cpoßov  xai 
yctQCcO  fieyahjö  sÖQaf/ov  ajtayysiXai  roiö  fiad^rjratö  avrov  ^coö 
de  ejtogevovro  ajtayyeiXat  roiö  iiafhrjrcao  avrov  xai  lÖov  o  n/- 
öovö  vjirjvrrjöev  avraio  Xeyojv  ycuQere'  at  de  jtQOöeXB-ovoai 
£XQar7]C>av  avrov  rovö  jtoöaö  xai  jzQoöexvvijOav  avrco'  ^^rore 
Xeyei  avraiö  o  i7]öovö'  fitj  tpoßeiöd^e'  vjtayere  ajtayyuXare  roiö 


XXVIII,  10.  vTCayexe]  f  prius  ex  a  factum. 


r 


I 


pp.  235.  236]  Codex  Rossauensis,  Mt  28.  59 

adsXtpoiö  iva  ajteld^möiv  eiö  rriv  yaXiXamv  ycaxu  [is  oipovrat' 
^^jtOQSvofievcov  Ö6  avTCQV  LÖov  Tivsö  xr/ö  xovöTcoöiaö  siöeldov- 
reö  BIO  rfjv  jtoXiv  ajtrjyyuXav  roiö  \\  aQXtSQSvOiv  ajzavra  ra 
y8V0fava'  ^'^xai  öwax^tprsO  f/sza  rmv  jtQeößvrsQoyv  Ovffßov- 
Xiov  TB  XaßovTSö  aQyvQia  Lxava  edcoxav  zoiö  öTQartcoTaiö 
^^ Xsyovteö'  sutare  ort  ot  fiaO^i/rai  avrov  vvxroö  sX^ovreö  exXe- 
tpav  avrov  7]^mv  xoificofievcov'  ^^xac  sav  axovöd^r]  rovro  £jti 
tov  Tjysfiovoö  7]fi£i6  jriOwfisv  avrov  xac  i\uao  afieQifivovö  jiot?/- 
(jwfiev  ^^01  Ö£  Xaßovrsö  ra  aQyvQca  tJtotr/Oav  cqO  ediöax^cöav 
xai  6ieg)ifiiö^?/  o  XoyoO  ovroo  jtaQa  lovdacoiO  [itXQi  ttjö  67]iie- 
QOV  ^^oi  68  svöixa  (lad^rirac  e:iioQtv^r}(jav  siO  rrjv  yaXiXaiav 
u6  ro  OQOö  ov  era^aro  avroio  \\  o  itjöovö'  ^'^xat  töovreö  avrov 
XQoOexvvrjöav  avrco'  ot  6t  £6tOraöav  ^^xat  jtQoöeXd^cov  o  irj- 
öovo  eXaXrjöev  avroiö  Xeyojv  e6o^7/  fioc  jtaöa  e^ovöia  tv 
ovQavco  xai  sjti  yrjö'  ^^ jtoQBvd^Bvrsö  ovv  nad^rjrtvöarat  jtavra 
ra  Bd^vTj  ßajtrt^ovrsö  avrovö  siö  ro  ovofca  rov  jtarQoö  xac  rov 
vtov  xai  rov  ayiov  jtvtv(iaro6  '^^^6i6aöxovrt6  avrovö  rfjQetv 
Jtavra  o6a  svsrscXafirjv  vfiiv  xac  l6ov  tyco  ^e^  vfccov  etfii 
jtaöaö  raö  rjfiSQao  ecoö  r?]0  ovvrsXeiaö  rov  aimvoö  aiirjV 

evayytXiov  xara  (lard-aiov 


EYArrEAION   KATA   MAPKON 

I.  Aqx^]  tov  evayyshov  upov  yQiorov  viov  rov  d^eov  -ojö 
YEyQajtrai  n>  roiö  jtQOcprjracö'  töov  syco  ajuoOreXZoy  rov  ayye- 
Xoi'  fiov  JCQO  jtQoöcojtov  öov  o6  xataöxevaöhL  Tr]v  oöov  öov  sft- 
jtQoöd^iv  öov  "^(pmvrj  ßocovroö  ev  ttj  sQTjf/co'  eroifiaöars  t7]v 
oöoi^  xvQiov  &v&£iaö  jtoisLTs  raö  TQißovö  avrov  ^^yerero  loj- 
avvtjö  ßajtTiCcov  si^  rrj  £Qf]^uoj  Ttat  X7]qvö6cov  ßajtriöfia  fieravoi- 
aö  siö  ag)£6iv  afiaQTiwv  ^xac  £$sjroQ8V£TO  jtqoö  avrov  Jtaoa 
Tj  lovöaia  ycoQa  xai  oi  iSQoöoXvfiirai  xai  ^ßajiTi^ovro  jtavreö 
SV  rm  LOQÖavj]  jiora(ico  vjt  avrov  (sofioXoyovfisvot  rao  af/aQ- 
riaö  avrwv  ^r/v  de  o  loat^vrjö  evösövffsi^od  rQiyaa  xafi7]Xov  xac 
Coj-  II  VTjv  ösQf/am^r/v  JitQi  rijv  oorpvv  avrov  xai  sod^imv  axQi- 
öaö  xai  faZi  aygiov  'xai  extjQvöösv  Xsycov  SQyerai  o  löyvQo- 
regoö  f/ov  ojiiöm  (lov  ov  ovx  sif/i  ixavoö  xvipaö  Xvöat  rov 
ifiavra  rcov  vjtoöjjfiarojv  avrov'  ^eyco  fiev  sßajtrioa  v^aö  tv 
vöari  avroö  6s  ßajtriosi  vfmö  sv  Jivsvfiart  ayim'  '^xai  sysvsro 
SV  raiö  7jf/8Qaiö  sxsivatö  7/Xß^sv  o  upovö  ajio  vaC^aQar  t/;(>  yaXi- 
Xaiaö  xai  sßajirLöd^7]  vjio  tojavvov  sio  rov  lOQÖavtp''  ^^xai  sv- 
^scoö  aimßaiVG)v  ajto  rov  vSaroö  iSsv  öyi^o/fsvovö  rovö  ov- 
QavovO  xai  ro  ütvsvfia  xaraßaivov  ojösi  jtsQi6rsQa7>  sji  avrov 
^^xai  (pG)V7j  sysvsro  sx  ro)v  ovQavo^v  Ov  si  o  vioö  fiov  o  aya- 
jifjroö  SV  öoi  II  7jrdox7/oa'  ^'^xai  svß^vö  ro  Jt7'svf/a  avrov  sxßaX- 
Xsi  siö  rrjv  sQfj/fov  ^-^xai  7jv  sxsi  sv  r7/  sQtjf/m  7/ftsQaö  rsöOSQa- 
xoina  jTSiQaCof/svoö  vjto  rov  öarava  xai  7]v  ftsra  rojv  fh7jQiwv 
xai  ayysXoi  öi7ixo7>ovv  avroy  ^^f/sra  ds  ro  jraQado0^7/vai  rov 
icoavv/jv  7jX&tv  0  if/Oovo  eiO  r?/r  yaXiXaiav  x7jqv(jöcov  ro  svayye- 


pp.  246 — 249]  Codex  Rossanensis,  Mc  1.  61 

Xiov  TTjO  ßaöiXeiaö  rov  d^eov  ^^Xeymv  ori  jtejtZrjQcorai  o  TcaiQoo 
xat  rjyyixev  r/  ßaoiXsia  rov  {hsov  fisTavosLTe  xai  jtLOTSVEre  ev 
TCQ  evayyeXtco'  ^^'jrsQijrarcoi'  ös  jtaga  xrjv  d-aXaööav  rr/O  yaXi- 
Xaiao  lösv  öLficova  xai  avÖQeav  rov  aösXfpov  avzov  rov  öcfio)- 
voo  afKpißaXXovraö  afKpißXfjOzQov  tv  rfj  ^a-  \\  Xaöorj'  rjöav  yag 
aXistö'  ^'^ocai  ecjtsp  avrotö  o  trpovO'  ösvzs  ojilOco  (lov  xac  jcoi- 
r/öco  vfiaö  yevtod^ai  aXteiö  av{)^Q(X)jt(DV'  ^^xai  svd^scoo  afpevTSö 
ra  ÖLXTva  avrmv  rjxoXovd^riöav  avrco'  ^^xai  jiQoßaö  £X£l{}^8v  lösv 
laxmßov  Tov  rov  L^eßsöatov  xat  iwavvrjv  rov  aöeXcpov  avrov 
xac  avTOvO  ev  reo  jiXotco  xara^Tc^ovraö  ra  dixrva  '^^xai 
ev^scoö  exaXeösv  avxovö'  xai  afptvrsö  rov  jcazsQa  avrcov  C^sßs- 
öatov  £V  T(D  jtXoico  fiera  xcov  fiio^oxcov  ajtrjX&ov  ojilCco  avxov 
'^^xai  eiöJtOQsvovxai  eio  xajttQvaovfi'  xat  evd^swO  xoiö  öaßßaoiv 
siöeXd^wv  8i(j  X7]V  övvaycoyriv  sötöaöxev'  "^^xat  s^sjcXrjOöovxo  sjii 
X7]  ÖLÖay?]  avxov  r/v  yaQ  ||  ötöaöxcov  avxovö  coö  s^ovöiav  ^imv 
xai  ovx  coö  OL  yQafifiaxsiö  avxmv  '^^xai  r/v  tv  xt]  övvayooyi] 
avxcov  avd^Qoojioö  ev  jtvsvfiaxi  axad^aQxco  xat  avexQa^ev  '^^Xe- 
yoov  ea  xt  rjfiiv  xat  öoi  L7]öov  va^agr/vs'  ?jXO^£ö  ajioXeöat  r/fiaö' 
OLÖa  ö£  xiö  et  o  ayioö  xov  ^£ov'  '^^xai  £jisxifi7]ö£v  avxco  o  lt]- 
öovö  Xsycov  q)ifiOj{^?ixi  xai  e^sX^^^s  ajt  avxov  '^^xat  öjcaga^av 
avxov  xo  Jtvsvfia  xo  axad^aQxov  xat  xga^av  (pcov?]  fisyaXr]  e^tjX- 
^sv  ajt  avxov  ^'xai  £d^afiß?j{)^rjöav  jiavxtö  coöxs  öwC^r/xecv 
jtQOö  savxovö  Xeyovxaö'  xt  eöxiv  xovxo'  xiö  r]  öidax^]  r/  xaivrj 
avxT]  oxi  xax  e§ovötav  xat  xoiö  jcvsv/iaötv  xotö  axad^aQxotö 
sjttxaööet  xat  vjtaxovovötv  avxco'  '^^xat  s^fjX-  \\  d^tv  r/  axor]  av- 
xov evO-vö  £iö  oXr/v  xrjV  ji£QtxooQOV  xrjö  yaXtXataö'  '^^xat  £§£X- 
^cov  £v^vö  £x  xTjö  övvaycoyrp  ijXÜ£V  £tö  X7/v  otxtav  ötficovoö 
xat  avÖQatov  (i£xa  taxcoßov  xat  tcoavvov  ^^rj  d£  jt£v{^£Qa  öt^ioo- 
voö  xax£X£txo  jivQ£ööovöa  xat  £v^£(dö  Xeyovötv  avxco  ji£Qt  av- 
XTjö'  ^^xat  JtQOö£Xd^cov  riy£tQ£v  avxi]V  XQaxr/öaö  X7]ö  X£tQOö  av- 
xjjö  xat  8vd^£0Jö  a(prjX£v  avxrjv  o  jivq£xoö  xat  6t7]xov£t  avxotö' 
^^otptaö  6£  y£VOfi£vrjö  ox£  eSv  o  rjXtoö  £(p£QOV  JtQOö  avxov  jtav- 
xaö  xovö  xaxcoö  E^ovxaö  xat  xovö  öatfiovtC,ofi£vovö'  ^^xat  r/v 
7]  jtoXtö  oXrj  £jitövv7jyfi£V7]  JtQOö  X7jv  d^vQav  ^^xat  £d'£Qajt£vö£V  II 
üioXXovö  xaxcoö  E^ovxaö  jtotxtXatö  voöotö  xat  datfiovta  jtoXXa 
£^£ßaX£v  xat  ovx  7jg)t£v  XaXetv  xa  öat/xovta  ort  7jÖ£töav  avxov 


62  Codex  Eossanensis,  Mc  1.  2.  [pp.  250 — 252 

XQiOTOV  etvai'  ^^xat  jiqcol  svw^ov  Xtiav  avaöraö  e^rjXd^sv  otat 
ajcr/Xd^sv  siö  sQTjfiov  tojiov  xaxsi  jiQOOrjvi^ro'  '^^xcu  xareötco^ai' 
avTOV  0  öLficov  xat  oi  f/£T  avTOV  ^'xac  avQovreo  avrov  sljiov 
avT(X)  OTL  jiavTSö  C,rjTOV(jLV  OS'  ^^xai  XsysL  avroLO'  aycofitv  eio 
rao  8X0fi£vaö  xcofiojcoZsio  tva  xai  exsi  x?jqv$,oj'  sio  tovto  yaQ 
xai  £§£hjlv{}^a'  ^^xat  rjv  xr/QvöOcov  £V  raiö  övvayojyato  avzcov 
etö  oXrjV  rr/v  yaXilaiav  xai  xa  öaLfiovia  exßaXXcov  ^^xai  SQyj- 
rai  jtQoö  avTov  Xbjtqoö  jtaQaxcOxov  avrov  xai  yovvjie-  ||  xcov 
avTov  xai  Xsycov  avrco '  xvqls  eav  ^£X?]0  övvaoai  fie  xad-agiOai ' 
^^o  de  i7]OovO  ojiXay'/VLOd^SiO  exrsirao  rjjV  x^^Q^  7]\paT0  avrov 
xat  XeysL  avrco'  d-eXco  xadaQiöd^rirr  ^^xai  eijcovroo  avrov  ev- 
^scoO  ajtrjXd-sv  aji  avrov  ri  Xejiga  xat  8xa{}^8Qiöd^r/'  ^^xat  sfißQi- 
fiTjöafisvoö  avrm  svd^scoo  e^sßaXsv  avrov  ^^xai  Xeyu  avrco'  oga 
fiTjösvL  i-irjöbv  tLJtrp  aXXa  vjtayt  oeavrov  öel^ov  reo  isQSi  xai 
jcQOösvsyxs  jtsQi  rov  xa^aQiöfiov  öov  a  jtQOöera^sv  ficovOrjö  tio 
ftaQrvQiov  avroiö'  *'^o  de  e^sX^cov  rjQ^aro  xrjQvööiv  jioXXa  xai 
dia(p7]fiiC,£iv  rov  Xoyov  coörs  fi?]xeri  avrov  övvaöd^ai  (paveQcoö 
£i6  jioXiv  eiöeXd^tiv  ||  aXX  e^co  ev  egr/f/oio  rojtoio  rjv  xai  ?/q- 
Xovro  jzQOö  avrov  jtavrod^ev 

II.  Kai  siöijX^ev  JtaXiv  eiO  xajtSQvaovfi  öi  ijfJSQcov  xai 
rjxovöd^?]  ori  ev  oixco  eöriv  '^xai  svd^ecuo  cvrv?]x^^oav  jioXXoi 
coörs  f/?/xsri  x^Q^^^^  f^?/ös  ra  jiqoö  r7]v  d^vQai^  xai  sXaXsi  avroiö 
rov  Xoyov  ^xai  SQXOvrai  jiqoö  avrov  cpsQovrsö  jtaQaXvrixoi^ 
aiQOfisvov  vjto  rsööaQcov  ^xai  fit]  övvafisvoi  JiQoösyyiöai  avrco 
6ia  rov  ox^ov  ajtsörsyaöav  r)jv  örsy?/v  ojtov  jjv  xai  s^oQv^av- 
rsö  x^^^ooöiv  rov  xgaßarrov  scp  oj  o  jiaQaXvrixoö  xarsxsiro' 
^siöcov  6s  o  irjöovö  r?jv  jtiöriv  avrcov  sijtsv  reo  jiaQaXvrixco' 
rsxvov  acpscovrai  öoi  ai  a-  \\  ftaQriai  öov  ^7]öcw  ös  sxsi  rivsö 
rcov  yQa^fiarscov  xaS^inisvoi  xai  öiaXoyi^Ofisvoi  sv  raio  xa^- 
öiaiö  avrcov  'ri  ovroö  ovroj  XaXsi  ßXaö(p7jfnaö'  riö  övvarai 
ag)isvai  afiagriaö  si  fi7]  siö  o{hsoö'  ^xai  svdsojö  sjriyvovö  o  uj- 
öovö  reo  jtj^svfiari  avrov  ori  ovrcoö  avroi  diaXoyi^ovrai  sv 
savroiö  sijtsv  avroiö'  ri  ravra  diaXoyiC^söd^s  sv  raiö  xct^diaio 
vficov  ^ri  söriv  svxojicorsQOV  siJisiv  reo  jraQaXvrixco  acpscov- 
rai öov  ai  atiiaQriai  >/  sijtsiv  sysiQs  aQOv  rov  XQCtßarrov  öov 
xai  jrsQijiarsi'    ^^ iva  ös  si6t/rs  ori  s^ovöicw  s/si  o  vioö  rov  av- 


pp.  253 — 256]  Codex  Rossanensis,  Mc  2.  (J3 

d^Qcoüzov  8Jti  TTjO  yrfi  aq)ievaL  afiagriaö  tots  Zeyti  zm  üiagaXv- 
TLXco'  II  ^^öOL  Xsyco  syeiQs  xai  agov  top  xQaßarrov  öov  xat  vjtaye 
u6  rov  OLxov  öov  ^'^xat  rjysQ^f^  evd^emö  xat  agaö  rov  xgaßar- 
Tov  E^rjld-Ev  tvavTLOv  Jtavxmv  coOrs  s^iCraO^ai  jtavtao  xai 
öo^dC^uv  TOP  d^soi^  Xsyovraa  ort  ovöejzoxe  LÖafisv  ovrcoö'  ^^xat 
s^r^ZO-sj^  o  L7]öov6  jialiv  jtaga  rfjv  {^alaööav  xat  jiaö  o  ox^oo 
rjQisro  jiQOö  avToi^  xat  sötöaöxev  avrovö'  ^^xat  naQaymv  iöev 
Xevsiv  rov  rov  al<paiov  xccO^r/fisvov  sjtt  ro  rslmviov  xat  Zsyst 
avTco'  axoXovd^et  fiof  xat  avaöxaö  rjxoXot)^7]ö£v  avrm'  ^'^xat  eys- 
vero  €v  TG)  xaraxstöd^at  avrov  ev  rt]  otxta  avrov  xat  jioklot 
rekcovat  xat  afiaQ-  \\  rmXot  övvavsxetvro  reo  ttjöov  xat  rotö  fia- 
d^rjxatö  avTov  rjCav  yaQ  jtoXXot  xat  rjxoXovd^tpav  avrco'  ^^ot 
ÖS  yQaniiaxuö  xat  ot  (paQtöatot  töovTsö  avrov  aöü^tovra  fisra 
Tcov  reXcovoJv  xat  aftaQTcoXojv  sXejov  rotO  fta^T^ratO  avrov  rt 
ort  fiera  rmv  reXmvmv  xat  afiagrcoZcov  soß^tsrs  xat  jitvers' 
^'xat  axovöaö  o  trjöovö  Xsyet  avrotö'  ov  XQ^^^  sxovötv  ot 
toxvovreö  targov  all  ot  xaxwö  £;(oz^t£ö*  ovx  rjld-ov  xaleöat  6t- 
xatovö  alla  afiagratlovO'  ^^  xat  rjöav  ot  [iad^rjrat  tcoavvov  xat 
ot  rmv  (paQtOato^v  vrjörsvovrsö'  xat  SQXovrat  xat  Isyovötv 
avrw  Start  ot  [lad^r^rat  tcoavvov  xat  ot  rmv  (pagtöatmv  v?]- 
örBvovOtv  ot  6s  öot  fiaf)^7]rat  ov  vrjörsvovötv  \\  ^^xat  etjtsv  av- 
rotö o  tTjöovö'  fj7]  6vvavrat  ot  vtot  rov  vvfKpmvoö  ev  m  o  vvfi- 
(ptoö  fier  avrmv  söriv  i^rjörevstv  oöov  XQovov  fisd^  savrmv 
sxovötv  rov  vviifptov  ov  6vvavrat  vfjörsvstv  '^^  elevöovrat  6e 
7jfi£Qat  orav  ajtaQß^7/  ajt  avrmv  o  vv^cptoö  xat  rore  V7]örsv- 
öovötv  ev  £xstv7]  T//  7]ii£Qa'  '^^ov6stö  6s  sjttßhjf/a  Qaxxovö  ay- 
vaq)Ov  sjitQajtrst  sjit  tiiartm  Jtalatm'  st  6s  H7]ys  atQSt  ro  Jthj- 
Qmfia  ajt  avrov  ro  xatimv  rov  jtalatov  xat  x^t^Qov  öxföfia  yt- 
vsrat'  -^xat  ov6stö  ßallst  otvov  vsov  stö  aöxovö  jialatovö'  st 
6s  H7]ys  QTjööst  o  otvoö  o  vsoö  rovö  aöxovö  xat  o  otvoö  sxxu- 
rat  xat  ot  aöxot  ajiolovvraf  alla  ||  otiwv  i^sov  stö  aöxovö 
xatvovö  ßhjrsov  '^^xat  sysvsro  jtagajtoQSvsöd-at  avroi'  sv  rotö 
öaßßaöiv  6ta  rmv  öJtOQtfimv  xat  r/Q^avro  ot  [iad^rjrat  avrov 
o6ov  jtotstv  rtlloi^rsö  rovö  öra^vaö'  ^^xat  ot  (paQtöatot  slsyoi' 
avrm '  st6s  rt  jrotovötv  ot  fia^r/rat  öov  rotö  öaßßaötv  o  ovx 
s^sörtv    '^^xat  avroö    slsysv   avrotö'    ov6sjtors  avsyvmrs   rt 


54  Codex  Eossanensis,  Mc  2.  3.  [pp.  257—260 

tjtoLTjOev  öad  or^  ygsiav  Eöyev  vml  tJtLvaöt7>  avroo  xai  gl  fisr 
avTOV  ^^'jtojo  Hö7iX{^w  £10  rov  oixov  Tov  d^tov  sjtL  a^jiad^aQ 
Tov  aQyitQicoö  xai  rovo  agrovo  t?]0  jiqo^sösoo  ^(pay^v  ovo  ovx 
s^sOTiv  (pay^LV  ei  //r/  roio  legevoiv  xai  eÖcozev  '/ml  roio  fiez 
avTOV  II  ovotv  '^"'xai  £?.£y£v  avroiO'  ro  oaßßarov  öia  rov  avB^Qco- 
jiov  sysvero  xai  ovy  o  avd^gojjcoo  dia  ro  oaßßarov  ^^o:>ot£  xv- 

QIOO   EOtlV    0   VLOO   TOV   aV^QOJJtOV   Xai    TOV    oaßßaTov 

III.  Kai  uö7jld^£i>  jtaZiv  eto  ttjv  Ovvaycoyyjv  xai  7/v  sxtt 
avd^QcoJioo  £^rjQafifi£v?/v  Eywv  T7/v  yeiga'  -xai  jtaQeT7]QovvTO 
avTOV  et  TOLO  oaßßaotv  d^eQajievu  avTOV  tva  xaT?f/oQ?iOovoi)' 
avTOV  ^xai  Xeyei  ro?  avd^Qmjtco  tg)  t^7]Qa^inevriv  eyovri  T?/r 
X£LQa'  syuQE  £iO  To  f/sOov  ^xai  Xsyet  avToiO'  s^eOTtv  tolo  oaß- 
ßaöLV  ayad^ojtOi7]öai  7j  xaxojtoi7]0ai  ^wyrjv  Omoai  7]  ajtoxTeivac 
OL  de  eOicojtrjöav  ^xai  jteQtßXe^a^ievoo  avTOvo  fier  0Qy7]0  övv- 
kvjtovfisvoo  ejii  T7]  jtcoQOJöei  tjjO  xagöiao  avroii^  Xeyst  reo  av- 
^QO)Jto3'  exTBcvov  T7jv  yeiQa  oov  xat  s^stlvsv  xat  ajtexaT- 
eöTa^7/  7]  yeiQ  avrov  ^xat  e^eld^ovTeo  oi  g)aQioaioi  evd^sato 
fisra  Tcov  7]Qwdcavojv  owßovXtov  sjtoiovv  xar  avrov  ojkdo 
avrov  ajioXsOovOiP'  'xat  o  ltjOovO  aveycoQ7/Oev  fiera  rcov  fiad^7j- 
rmv  avrov  ejii  rr]v  d^aXaooav  xai  jioXv  jtXrfO^oö  ajto  ttjO  yaXi- 
XaiaO  rpcoXovd^tjOai^  avTO)  xat  ajio  rr/o  lovöaiao  ^xai  ajio  lsqo- 
OoXvfiojv  xat  ajco  ttjo  idovfiatao  xat  jitgav  rov  toQÖarov  xai 
OL  JiSQt  rvQov  xat  Otöcoi'a  jth/d^oö  jioXv  axovöavrao  ooa 
ejtotet  II  7/Xß^ov  jiqoö  avrov  ^xat  SLjiev  roLO  fta\)^7jraLö  avrov  Lva 
jiXoLaQLOv  JiQOöxaQrtQTj  avroj  ÖLa  rov  oyXov  Lva  fi7/  d^Xtßmötv 
avrov  ^^JioXXovo  yag  ed^eQajtevöev  ojore  ejit:jiLJtruv  avra>  Lva 
avrov  a^povraL  oool  SLyov  fiaörLyao'  ^^xaL  ra  jtrei\uara  ra  axa- 
d^aQra  orai^  avrov  ed^ECOQOvv  jiQooejtLjirov  avrw  xai  exgaZor 
Xtyovra  otl  ov  sl  o  vloo  rov  d^eov  ^'^xai  jioX).a  ejisrifia  av- 
rotö  tva  {i7j  (favbQov  avrov  jtODiömOLV  ^^xat  avaßei-eL  slö  ro 
OQOö  xat  jTQoöxaXtraL  ovo  rjd^eXtv  avroö  xaL  ajiijXd-ov  jiqoö 
avrov  ^^xaL  ejroLf/ötv  dojöexa  Lva  wöiv  fier  avrov  xai  tva 
ajroOrsXXsL  avrovö  x7/()vöö£tv  ^'""xat  eyeLV  e^ovöiav  ||  i^eQajisveiv 
rao  voöovo  xat  exßaXXtiv  ra  öatfiovia'  ^^xat  £jt£d^7jxtv  rm  oi- 
fiwvL  ovo^ia  jierQov  ^'xml  taxojßov  rov  rov  ^eßeöaiov  xat  loj- 
a7'V7]v    ror    icötXffov    avrov     xai    ejre^^/jxej'    avroio    oroftara 


pp.  261—264]  Codex  Kossanensis,  Mc  3.  4.  65 

ßoavTjQyeö  o  söriv  vioi  ßQOvrrjö'  ^^xai  avÖQsav  Tcai  (pilLjtjcov 
Tcai  ßagd^olo^aiov  xat  liard^atov  Tcai  d^mfiav  xai  Laxojßov  rov 
rov  aXg)aiov  xai  d^aööatov  xat  oci^icova  rov  xavavirrjv  ^^xai 
iovöav  löxaQLCQTrjj^  oü  xac  jcaQtömxev  avrov  ^^Tcai  EQxovrai 
£L0  oixov  xai  övvsQysTai  jcaliv  ox^oö  coöts  [irj  övvaöß^ac  av- 
rovö  ^TjTS  aQTOV  (payeiv  "^^xai  axovöavrsö  ot  jiaQ  avrov  !j 
s^rjXd^ov  xQazi/öai  avrov '  sksyoi^  yaQ  ort  s^sör?]'  ^^xai  oijQan- 
Haruö  Ol  ajto  isQoöoXvffcov  xaraßarrsO  slsyov  ort  ßsslCsßovl 
£X£i  ^at  ort  SV  rw  ag/ovrc  rwv  daifiovicov  sxßaXXst  ra  öaifiovia' 
'^^xai  jtQOOxaXsöaftsvoö  avrovö  sv  jiaQaßoXaiö  slsysv  avrotö' 
jtcoö  dvvarai  öaravaö  Oaravav  sxßaXXsiv  ^^xac  sav  ßaöiZsia 
sg?  savrrjv  f/sQio^rj  ov  övvarac  örad^yjvai  7]  ßaCiXua  sxetvrj' 
^^'^xai  sav  OLXta  t(p  eavrrjv  fisgiO^f]  ov  övvarai  örad^7pmt  ?]  oi- 
xia  sxsivi]'  ^^^xat  si  o  Oaravaö  ar^eörrj  £<p  savrov  xai  ii£(ieQLö- 
rai  ov  övvarai  oraO^r/imi  aXXa  rsXoO  syst'  ^^''ovöscO  övvarat  ra 
Oxsvrj  rov  ||  iöxvqov  siöeX^^wv  siO  rrjv  oixcai'  avrov  ötarjjtaöai 
eav  f^rj  JtQcorov  rov  toyvQov  örjörj  xai  rors  rtjv  OLxiav  avrov 
ÖLaQjiaöT]'  ^^aff7p^  Zsyco  vf/iv  ort  Jiavra  acptd^riOErai  ra  afiaQ- 
rrj^ara  roiO  vioiO  rcov  avO^Qcojtcov  xai  ai  ßXaö(pri^iai  oöaö  sav 
ßXaö(p7}ijL7]6(X)(jiv'  2^00  6  av  ßXaö(prjfi7]07j  siö  ro  Jtvsvfia  ro 
ayiov  ovx  ayu  acpsöu^  8iö  rov  aicova  all  svoyoG  eörai  aicovi- 
ov  XQiöscoö'  ^^ori  sXsyov  Jii'svfza  axad^agrov  syer  ^^£Qyo7'rai 
ovv  Ol  adsX(poi  xai  t]  ^rjrrjQ  avrov  xai  s^m  eörcorsö  ajrsörsiXav 
jtQOO  avroi^  (pcovovvreö  avrov  ^'^xai  sxaS^rjro  jieqi  avrov 
oyXoö'  sijtoi^  ÖS  avrco'  löov  7]  (iTjrT^Q  oov  xai  oi  aösXcpoi  \\  6ov 
s^m  C^Tjrovöiv  os'  '-^'^xai  ajcsxQid^7j  avroiö  o  i7]Oov6  Xsymv  rio 
söriv  7j  ii7]r7]Q  fiov  rj  oi  aösX^oi  fiov  ^^xai  jrsQißXs^af/svoa 
xvxXoj  rovO  jtSQi  avroi'  xaü-r/f/st^ovcf  Xsysi'  löov  7/  fi7jr7]()  fiov 
xai  Ol  aösXfpoi  (wv  ^^oO  yaQ  av  jioitjöt]  ro  d^sX7jfia  rov  ^sov 
ovroö  aösXcpoO  fiov  xai  aösXtprj  xai  f/rjrTjg  söriv 

IV.  HQ^aro  ds  öiöaöxsiiy  jtaga  rrjv  d-aXaöOav  xai  avv7jyß^7/ 
jiQOO  avrov  oyXoO  noXvö  mors  avrov  Sfißavra  siO  jiXoiov  xa- 
d^r/öd^ai  SV  rtj  ^aXaöörj  xai  jtaö  o  oyXoö  jtQOö  r7jv  d^aXaööav 
sjii  r7/0  yrjO  7]V  ^xai  söiöaöxsv  avrovö  sv  jtagaßoXaiö  jtoXXa 
xai  sXsysv  avroiö  sv  r7]  öiöayTj  avrov  ^axovsrs'  löov  s^7jXd'SV 
o   öjtiQcov  II  rov  öJtsiQar   ^xai  sysvsro   sv   reo   öjtsiQsiv   o    fisv 

Texte  uud  Unteisuchuugen  1,  4.  5 


66  Codex  Rossanensis,  Mc  4.  [pp.  265 — 267 

sjiaösv  jcaga  rrjv  oöov  zai  7]X^£v  ra  jtsriva  xai  xaretpayev  avro ' 
^aXlo  6s  £jt6ö£v  sjti  ro  jistqcoösö  ojtov  ovx  sr/sv  yr/v  jioXhjV 
xac  svd^sojö  Sparer ulev  öta  ro  iirj  syuv  ßa^oö  yrjö'  ^tjZiov  ös 
avariXavTOO  exav^anöd^rj  xai  öta  ro  fifj  systv  QiC,av  s^rjQavd-?/' 
^'xai  aXXo  sjtsosv  sio  rao  axav^ao  xat  aveßrjoav  at  axavd^ai 
xac  ajisjcvic^av  avro  xai  xagjtov  ovx  eöwxsv  ^xat  allo  ejteosr 
8JIL  TTjv  yrjv  TTjv  xaXrjv  xai  eöiöov  xaQjtov  avaßaivovra  xat 
av§avovTa  xai  scpSQSv  £v  TQiaxovra  xat  8V  s^rjxovxa  xat  sv 
sxarov  ^xat  slsysv  o  s-  \\  ymv  cora  axovuv  axovsTco'  ^^ore 
ÖS  syevsTo  xarafiovao  Ei]QmT7]0ai^  avrov  ot  jtSQt  avrov  övv  tolo 
öcoösxa  rrjv  jtaQaßoXrjV  ^^xai  eXsysv  avroiö'  vfiiv  ösdorai 
yvmvai  xa  nvöniQia  ttjö  ßaöiXeiaö  xov  d-eov  exsivotö  ös  roio 
e^m{h£v  SV  jtaQaßolaiö  ra  jtavra  leysTat  ^^iva  ßXsjiovrsö  ßXs- 
otwötv  xat  [iTj  töcoöLV  xai  axovovrso  axovcoöiv  xai  (itj  ovvt- 
wöLV  [iTjjioTS  sjiiOTQSipcooij^  xat  acpsd^i]  avTOiO  T«  jtaQajiTcofiara ' 
^^xai  Xsyei  avroiö'  ovx  oiöars  rrjv  jiaQaßohiv  ravr?]v  xai  jicoö 
jtaöaö  rao  jtaQaßoXaö  yrcoO£ö{^ai'  ^^o  öJieiQcov  rov  Xoyov 
öJteiQi'     ^^ovroi  ÖS  siöiv  oi  jtaQa  rrjV  o-  ||  öov  ojtov  OJtsiQsrai 

0  Xoyoö  xai  orav  axovöcooiv  evd-smo  eQysrai  o  oaravaö  xai 
aiQsi  rov  Xoyov  rov  eöjtaQfievov  sv  raio  xaQÖiaiO  avrojv  ^^xai 
ovroi  siöiv  ofioimö  oi  8Jti  ra  jterQcoö?/  öJtsiQOfisvoi  oi  orav 
axovöcoöij^  rov  Xoyov  avd^emö  fisra  yagaö  XafißavovOiv  avrov 
^^xai  ovx  syovoiv  gi^av  ev  savroiö  aX?M  jiQoöxaiQoi  siOiv  si- 
ra  y£V0fi£i'?]ö  {^XiJpscoö  ?j  öicoyfiov  6ia  roi'  Xoyov  £vd^ea)ö  oxav- 
öaXiC,ovrai'    ^^xai  ovroi  sioiv  oi  eio  rao  axavd^aö  öjingo^evoi 

01  rov  Xoyov  axovovrto  ^^xai  ai  fiegiftvai  rov  aiG)voo  rovrov 
xai  7]  ajiarrj  rov  jtXovrov  xai  ai  jisqi  ra  X.oiJta  \\  sjrid^vfiiai 
£i6JtoQ£vofi£vai  övvjtviyovöiv  rov  X.oyov  xai  axaQjroo  yiverai\ 
'^^xai  ovroi  eioiv  ot  sjrt  rtjv  yi]v  r)]v  xahjv  OJtaQevreö  oiriveo 
axovovöiv  rov  Xoyov  xat  jraQadexoj'rat  xat  xagjtov  (psQovotv 
tv  rQtaxovra  xat  sv  £^?jxovra  xat  8r  exarov  ^^^xat  sXeytv  av- 
roiö' fi?/ri  o  Xvyvoö  SQX^rat  tva  vjto  rov  ftoötov  red^t]  //  vjto 
rijv  xXuvijv  rtd^ij  ovy  iva  vjto  r7jv  Xvyviav  sjttred^tj'  '-'-ovyaQ 
£öriv   ri  xQVJirov  eav   (.iij  (pavegco^y  ovöe  sysrsro  ajtoxQV(for 


11.  Itytriii  in  rasura  scriptum. 

21.  )Axvia.v]  /  in  rasura  septera  vel  octo  litterarum. 


pp.  268—271]  Codex  Kossanensis,  Mc  4.  5.  67 

aZZ  um  £10  (pavsQov  sl^rj'  '^^si  tlo  £%£t  mra  axovuv  a'/covexw 
'^^xüL  sleysv  avroio'  ßXejiers  tl  a-  ||  xov^ts'  sv  co  fiSTQO)  fiSTQSLze 

fl£XQr]ß^7]0STai    VfllV    XaC    JlQOÖT£{)^f](j£Tat     VfilV    TOLÖ     axovovOLV 

^^00  yaQ  av  £yjj  doB-rjO£Tac  avTo  xat  od  ovx  £y£i  xai  o  £j£i 
aQ%^i]6£xai  ajt  avrov  '^^xat  £l£y£V  ovrcoo  £ötlv  tj  ßa6U£ta  zov 
^£0v  cüö  £aj^  avdgmjioö  ßahj  rov  öJtOQov  avrov  £jil  ttjO  yrjO 
^''xai  xa{}-£vd?/  xat  £y£LQrjTai  vvxxav  xac  7]ji£Qav  xat  o  öjioqoo 
ßXaöravrj  xat  fi7]xvv£Tai  coö  ovx  olÖ£V  avzoö'  '^^avzo^uaT?]  yag 
Tj  y7]  xaQjTO(fOQ£L  jiQCDTOv  yoQxov  £ixa  öxayvv  £ixa  jiXi]Q1]6 
öLxov  £v  xco  oxcr/vc  ^^oxav  d£  jcaQaöco  o  xaQjcoö  £v^£coö 
ajtoOx£X2.£t  xo  6Q£jtavov  oxc  jtaQ£öxr/x£v  o  {^£Qi6iiOö'  ^^xai  || 
sXsysv  xivi  of/o(ojO(X)fi£v  X7]v  ßaöiX£iav  xov  {)^£ov  ?/  £V  jrota 
jiaQaßohj  jraQaßaXcofi£j^  avx7]v'  ^^cöö  xoxxco  Oumjt£coö  oö  oxav 

OJiaQTj    £JIL    X7]ö    y7]ö   [iiXQOX£QO(J    £öXiV    JiamcOl^    XCOV   öJl£QliaX(x)V 

xcov  £Jtt  X7]0  y7]0  '^'^xai  oxav  öJtaQr/  avaߣV£L  xat  yiv£xai  jtav- 
x<DV  xcov  layavcDV  ii£Li^cov  xat  jioi£i  xXaöovö  f/£yaXovö  coöx^ 
övvaöd^ai  vjto  X7]v  öx£iav  avxov  xa  ji£X£tva  xov  ovgavov 
xaxaöX7]vovv  ^'■^xai  xotavxato  jtaQaßoZaio  £XaX£i  avxoio  xov 
Xoyov  xad^mo  7fivvavxo  axov£LV'  '-^^x^Q'^^  ^^  JtaQaßoXz/O  ovx 
£XaX£i  avxoiO  xov  Xoyov  xax  tÖcav  d£  xolo  fia{}^7/xaLö  avxov 
£jc£Xv£V  jtavxa'  '^'^xat  X£y£i  ||  avxoLö  £v  £X£ivtj  x?/  7j(j£Qa  otptaO 
y£vo(i£vrio'  di£Xd'COfi£v  £io  xo  ji£Qav'  ^^'xai  a(p£vx£ö  xov  oyXov 
jiaQaXafißavcQöLV  avxov  mO  rjv  £V  xm  jiXolco  xat  aXXa  6£  jtXoca 
7jv  ,wfr  avxov  ^'xai  yLV£xat  XaiXaip  av£}.iov  ii£yah]  xa  Ö£  xv- 
[laxa  £jc£ßaXX£v  £iö  xo  jiXolov  coöx£  ßvß^iL,£6&^ai  avxo  7jÖ7]'  ^^xai 
Tjv  avxoö  £jii  X7J  jtQviiv7]  £jti  XO  jTQOöx£qjaXaiov  xa{^£vdiov  xat 
6L£y£iQovöLV  avxoi^  xat  X£yovöiv  avxco '  diöaöxaX£  ov  fi£X£i  öoc 
oxi  ajtoXXv ii£{)^a'  ^^xat  ÖL£y£QO^£iö  £ji£xii^7]ö£V  xco  av£fico  xat 
£Lji£v  X7]  &aXaö07j  öicojta  ji£(pL(i(X)6o '  xat  £xojtaö£V  o  av£f/oö  xac 
£y£V£xo  yaX7jV7j  fi£yaX7j'  \\  ^^xai  £ijt£v  avxoiö'  xi  ölXol  £öx£ 
ovxcqO'  jtcoO  ovx  £y£X£  jilOxlv  ^^xai  £cpoß7]d^7jOav  (f^oßov  fi£yav 
xai  £X£yov  jiqoö  aXXrjXovö'  xiO  aga  ovxoö  söxlv  oxl  xai  o  av£- 
(100  xai  7]  d^aXaOöa  vjtaxovovöcv  avxoj' 

V.     Kai  7iXd^ov  £iö  xo  Ji£Qav  xtjo  ^aXaöOrjö  scö  X7jv  ymQav 
xcov  'ya6aQ7]vcov  '^xac  £§,£Xd^ovxL  avxco  £x  xov  jtXocov  £vd'£coö 

aJt7]VX7lö£V    avxco     £X    xcov    flV7]fl£tCOV    avd^Qcojtoö     £V     JCV£VfiaXt 


68  Codex  Rossanensis,  Mc  5.  [pp.  272 — 275 

axad^aQTco  ^  oö  T7]V  ■xarorArjCLV  uyjtv  e7^  roio  fivTjfjaoiv  xat  ovre 
alvoeöLV  ovöuö  rjövvaro  avrov  drjOai  ^öia  ro  avrov  jioXlayuo 
ji£Öatö   VML   aXvöeöiv  dsdtö^ai  xai  ötaöjraö^ai    vjt    avrov   rao 
aXvOiö  Tcai  raö  jtsöao  ||  ovvzetQKpd^aL   xac  ovösio  loyvev  avxov 
6af/aöai'  ''xai  6ia  jtavtoö  wxxoö  yMt  7]fi8Qaö  ev  roio  fivrjfiaOLv 
xaL  £v  Toio  OQSöLV  Tjv  xQüC^wv  xai  ocaraxojtxov   savrov  Xl{^olö' 
^löcov  de   TOP  17J00VV  ^axQod^sv  töga^ev  y.ai  ji:Q00exvv9]0£v  av- 
T(D  ''xat  XQa^aö  (p(X)vri  ueyah]  leyw  xi  £[ioi  xat  oot  t?]öov  vls 
xov  ^£ov  xov  C^wvxoö'  oQXii^co   OS  xov  d-eov  fit]  [i£  ßaoavLöTjO' 
^s^^sys    yaQ   avxco'    s^sXd-s    xo   jti'svf/a   xo   axad^agxov   ex   xov 
av^QCQjiov    '^xat  ejt?]Q(Dxa  avxov  xl  ovofia  öol'  xai  leyei  av- 
xco' leyemv  ovofia  (lot  oxl  jioIIol  eöfiev     ^^xat  jiaQexaXei  av- 
xov jtoXXa  iva  fiT]  ajioöxeilrj  avxovo  e^m  xrjO  \\  ycogao'   ^^7]v  öe 
exet    jcQoö    XG)    oQei   ayeh]    yotQo:)v  [ieyali]   ßoöxof/ev7j'     ^'^xat 
xaQexaleöav  avxov  jtavxeo  oi  öaifioveo  Xeyovxeo'  jie(i\pov  rjfiao 
£iO  xovö  yoiQOvO  iva  etö  avxovO  eioeXd^cofiev'    ^'-^xai  enexQeipev 
avxoLö  evd-ewo  o  i7]öovö'  xai  e^eT^d^ovxa  xa  jtvev^axa  xa  axa- 
B-aQxa   eLO?/XS^ov   eiö   xovö  yoiQovG  xai   coQfi7jö£v  7j  ayeh/  xaxa 
xov  xQefivov  eiö  x7/v  {^aZaöOav  7]öav  öe  wo  diöyethoc  xai  ejtvi- 
yovxo  ev  xrj  -d-aXaöOT]'  ^^xai  oi  ßooxovxeo  xovö  yoigovo  £q)vyov 
xai  aüir/yyeilav  eiö  xr/v  utoXiv  xai  eiö  xovö  ayQovö'  xai  rjXd^ov 
löeiv  XI   eöxiv  xo  yeyovoö'     ^^xai  eQyomai  jiqoö   xov   ujöovv 
xai  ^ecüQovöiv    xov  \\  dai{iovi^of.ievov    xaO-7/fievov    ifiaxiöf/evov 
xai  öcDCpQovovvxa  xov  eöyr/xoxa  xov  Xeyemva  xai  e(poß7]d^7jöav 
^^xai  6i7jy7jöavxo  avxoiö  oi  löovxeö  jtcoö  eyevexo  xoj  daifiovi^o- 
fievo)  xai  jieQi  xo)v  yoiQcov     ^'xai  7jQ$,avxo   jiaqaxaXeiv  avxov 
ajteXd-eiv  ajto  xwv  oqiojv  avxatv   ^^xai  eftßaivovxoo  avxov  eiö 
xo  jiXoiov  jtagexaXei  avxov  o   öaifioviöü^eiö  iva  ;/  f/ex  avxov 
^^xac  ovx  a(p7/xev  avxov  aXXa  Xeyei  avxo)'  vjiaye  eiö  xov  oixov 
öov  jtQoö  xovö  öovö   xai  ajtayyeiXov  avxoiö  oöa  öoi  o  xvqioö 
jtejtoiTjxev  xai  7]Xe7jöev  öe'  '^^^xai  ajt7jXd-ev  xai  rjQ^axo  x7jQvööeiv 
ev    X7]    öexajtoXei   oöa  ||  ejcoujöev   avxco   o   ujöovö   xai   jtavxeö 
e^avfiaC,ov'     ^^xai    öiajtegaöavxoö    xov   ujöov    ev    xco    jiXoico 
jtaXiv  eiö  xo  jieqav  övv7iyß^7i  oyXoö  jioXvö  jiqoö  avxov  xai  //v 


12.  7i€ fixpov]  n  supra  lineam  additum. 


i 


pp.  276 — 279]  Codex  Eossaneiisis,  Mc  5.  69 

üzaQa  rrjv  O-aXaööav  '^'^xai  löov  SQXSTai  u6  rcov  aQ^idwa- 
ymymv  ovofiarc  laecQoö  xat  iöcov  rov  irjöovv  jtiJtrei  jiaQa  rovö 
jioöao  avTov  -'^xai  jtaQExaXst  avrov  jcoXXa  Xsycov  ort  ro  ^v- 
yaxQLOv  fiov  toxccrcoö  i.x^i  tva  sXd-cov  ejitd^rjO  avrrj  zaö  yuQao 
ojtwö  ömd^T]  xac  ^TjöezaL'  '^^xai  ajt7]Z&6v  fiex  avzov  xat  rjxo- 
Xov^et  avTco  oyXoö  jtolvö  xat  övved^lißov  avrov  "^^xai  yvvrj 
Tiö  ovöa  6V  Qvöst  atfzaTOö  stt]  öcoösxa  ^^^jioXXa  jtad^ovöa  vjto 
jtoXlcov  laxQcov  \\  xat  öajtavrjöaöa  ra  JtaQ  avrrjö  jtavta  xat 
lifjöev  coq)eXr]d^8i6a  aXXa  [iaXXov  stö  ro  x^^Q^^  eXd^ovOa  '^''axov- 
öaöa  jtsQi  Tov  LfjOov  sXd^ovöa  ecO  rov  oyXov  ojiiöd^^v  rjrparo 
Tov  ifiartov  avrov  '^^sXsyev  yaQ  8V  savrr]  ort  xav  rcov  ifia- 
rimv  avrov  aipcofiai  öco^rjöofiac'  "^^  xat  sv^swo  e^rjQavd-rj  ?]  jirjyi] 
rov  atf/aroO  avrrjö  xat  eyvo)  roj  öcofiart  ort  tars  ajto  rrjö 
f/aörtyoö  avrrjö'  '^^xat  svß^scoo  o  trjöovO  sjttyvovö  sj^  savrco 
rrjv  s§  avrov  dvvafitv  s^sXü^ovöav  extOrQacpstö  ev  reo  oyXoj 
sXtyev  rto  fiov  fpparo  rcov  tjxartcov  ^^xat  Xsyovötv  avro)  ot 
[lad^rjrat  avrov  ßXejtstö  rov  oyXov  Ovvd^Xtßovra  ||  6^  xat  Xeyetö' 
rtö  fiov  ?]tparo'  "^'^xat  jteQi^ßXejtsro  töstv  rtjv  rovro  Jtottjöaöav 
^^7]  de  yvvTj  (poß7]d'et6a  xat  rQSfiovöa  tövta  ro  ysyovoö  sjt  avrrj 
tjXd^tv  xat  jiQoöejteöev  avrco  xat  etjiev  avrco  jtaöav  rrjv  aXrj- 
d^Btav  ^^o  Ss  etjiev  avrrj'  O-vyarsQ  rj  jttOrtö  öov  ösOcoxsv  ös' 
jtoQEVov  £to  £tQ7prjv  xat  to^t  vyEtt](j  ajto  rrj6  ftaörtyoo  öov 
'■^^srt  avrov  XaXovvroö  eQXOvrat  ajio  rov  agxtövvaycoyov  Xs- 
yovreo  ort  rj  d-vyarrjQ  öov  ajied-av^v'  rt  öxvXXetö  rov  ötö'aö- 
xaXov  ^^  o  6e  irjöovö  axovöaö  rov  Xoyov  ^vd^ecDö  XaXovfievov 
Xsyet  ro)  aQytövvaycoyco'  iirj  cpoßov  {xovov  jttörsi^s'  \\  ^'^xat  ovx 
acpTjxsv  avrco  ovöeva  övvaxoXovO^rjöat  st  firj  jterQov  xat  taxco- 
ßov  xat  tcxtavvrjv  rov  aöeXcpov  taxcoßov  ^^xat  sQx^rat  elö  rov 
otxov  rov  aQxiövvaycDyov  xat  ^swgt  ^oQvßov  xat  xXatovraö 
xat  aXaXa^ovraö  jtoXXa  '^^xat  etöeXd^cov  Xeyu  avrotö'  rt  ^o- 
Qvßtöd^e  xat  xXatsrs'  ro  jtatötov  ovx  ajtsd^avsv  aXXa  xad^evöw 
^^xat  xareyeXcov  avrov  o  6e  sxßaXcov  jtavraö  jiaQaXa[ißav£t 
rov  jiarsqa  rov  jtatötov  xat  rijv  [irjreQa  xat  rovö  ftsr  avrov 
xat  stöJcoQSverat  ojüov  rjv  ro  jtatötov  xaraxstfievov  ^^xat  xQarrj- 
öaö  r7]ö  x^^Qoö  rov  jtatötov  Xsyet  av-  ||  ri]  raXtd-a  xovfi  o  sörtv 
fisd^sQ^UTjvsvofisvov  ro  xogaötov  öot  Xsyco  eyeige'    ^"^xat  evd-scoö 


70  Codex  Rossanensis,  Mc  5.  6.  [pp.  280 — 282 

avsöTT]  TO  xoQaöiov  xai  jteQisjtarst'  rjv  yag  erojv  öcoöexa'  xai 
e^söTTjOav  txöraoec  ftsyah]'  ^'-^xat  disOrsiZaro  avrotö  jcoXXa  iva 
(irjöeiö  yvco  tovto  xac  ecjtsv  dod^rjvai  avrrj  fpaystv 

VI.  Kat  Es'^X^ev  sxetd-ev  xai  rjXd^sv  stö  xriv  jtaxQtöa  ccv- 
Tov  xat  axolovO^ovöiv  avrw  ot  f/ad^?]Tac  avrov  ^xca  yevofisvov 
öaßßarov  tjQscito  ev  ttj  owaycoyi]  Öidaöxsiv  xat  jcoDml  axov- 
öavTEö  e^ejch/öOovTO   ItyovxEO'   jüo&sv    tovtco   ravra    xat   rio 

71  6o(pia  Tj  öod-SLöa  avrco  xai  at  ÖwafietO  roiavrat  dia  rcov 
yetQmv  avrov  \\  ycvovrat'  ^ovy  ovroo  sörtv  o  tsxtojv  o  vioö 
fiaQtaö  aÖ£l(po(j  de  taxojßov  xat  lcoot]  xat  lovda  xat  öl[Iojvoö 
xat  ovx  ttöiv  ac  adel(pai  avrov  cods  jiqoö  7]/iaO'  xat  töxavöaXt- 
C^ovro  ev  avroj'  ^sXeysv  6s  avToiö  o  irjoovö  orc  ovx  soriv 
jrQOcprjTTjö  arifioö  sl  (i?]  ev  xr]  üiarQtdt  avrov  xat  ev  roiC  ovy- 
ysvEVOtv  avrov  xat  ev  rrj  oixta  avrov  '^xai  ovx  EÖvvaro  exel 
ovÖE(uav  övvafxiv  noirjöat  Et  f/rj  oXr/oiO  aQQcoörotö  ejuB^elö  raö 
XEiQaO  Ed^EQajzEvöEV  ^xai  Ed^avfia^EV  6ia  rrjv  ajtLöriav  avrojv 
xat  jiEQirf/EV  raö  xoj/iaö  xvxZco  ötöaoxcov'  'xat  jtQoöxaXstrat 
rov6  öcoÖE-  II  xa  xat  7/Q^aro  avrovö  ajioörEXlEtv  ovo  ovo  xat 
EÖtöov  avrotö  s^ovötav  rojv  jtvEVfiarojv  rcov  axad^aQrcov  ^xat 
jiaQrjyyEtlEi>  avrotö  tva  fi?]dEV  atgwötv  Etö  oöov  Et  p]  Qaßöov 
(lovov  fir/  jitjQav  fir/  aQrov  firj  Etö  r?]v  ^cov?]v  yaXxov  '^aZZa 
vjtoÖEÖfjfiEVOVö  öavöaXta  xat  f/rj  EVÖEÖvöd^at  ovo  ytrcovaö'  ^^xat 
sXsyEV  avrotö'  ojcov  eav  EtöEld-rjrE  Etö  otxtav  EXEt  fiEVsrE  eojö 
av  E^EXd^rjre  exEtd-EV  ^^xat  oöot  Eav  fir}  ÖE^ovrat  v^aö  fi7]dE 
axovöojötv  vftcov  EXJtoQEVofiEVOt  EXEtf^EV  Exrtva^ars  rov  ypvv 
rov  vjcoxaroy  rcov  jtoöojv  vfiwv  Etö  (laQrvQtov  avrotö'  a^rjv  j 
XEym  vf/tv  avExroxEQov  Eörat  öoöoftoiö  //  yofioQQOtö  ev  rjfisQa 
XQtöEOJö  fj  rrj  jtoXet  sxEtvrj'  ^^^xat  E§,E)JhovrEö  ex7]qvööov  tva 
fisravorjöovötv  ^'-^xat  öatfiovta  jtoXXa  £^Eßa)Jjw  xat  tjXtg)ov 
EXatco  jtoZXovö  aQQcoörovö  xat  E^EQajtEvovro'  ^^xai  f/xovösv 
o  ßaötlEVö  fjQcoörjö'  cpavEQOv  yaQ  EyEVEro  ro  ovo^a  avrov 
xat  ElEyEV  ort  tcoarv?]ö  o  ßajtrt^cov  ex  VEXQmv  rjyEQd-t]  xat  6ta 
rovro  at  övvafiEtö  EVEQyorötv  ev  avrco'    '^  alXot  öe  sXsyov  ort 


VI,  3.    TFXTojv  o]    iiiter  tf  et  xtojv  rasura  trium  vel    quattuor   litte- 
rarura,  itemque  post  xtoji>  diiaruin  fere  litterarum;  post  o  erasum  a 


Ä« 


pp.  283—286]  Codex  Kossanensis,  Mc  6.  71 

rjltaö  80t tv  aXXoi  ös  eZeyov  oxi  jtQOfprjzrjö  sönv  coö  ei6  rcov 
jtQOCprjTcop'  ^^axovöaö  ös  o  rjQcodtjO  sijtsv  ort  ov  syco  ajts-  |j 
x£(paXiöa  icoavvTjV  ovroö  sötlv  avroO  fjysQd^r]  ajto  rwv  vexQcov 
^'^ avTOö  yaQ  o  7]Qmörjö  ajtoGruXaO  sxQarr]6£v  top  icoavvrjj^  xat 
tÖTjOev  avTov  sv  (pvXaTcrj  dia  7jQcodtaöa  ttjv  yvvacxa  (ptXiJtJiov 
Tov  aöeXqjOv  avrov  ort  avxrjv  syafifjösv  ^^sXsyev  yaQ  o  loj- 
avvrjO  t(D  rjQoyÖTj  ort  ovx  s^söziv  6ot  ty^stv  rr/v  yvvaixa  rov 
aöeXfpoi)  Oov  ^^tj  6s  rjQmöiaö  evux^v  avzco  xat  rjd^sXsv  avrov 
ajioxrBit>ai  xat  ovx  7]övvaro'  ^^o  yaQ  riQcod7]e  scpoßsiro  rov 
LcoavvTjv  idmO  avrov  avÖQa  öixatov  xac  aytov  xat  OvvtrrjQsc  av- 
rov xai  axovöaö  avrov  jzoXXa  sjtoisi  xat  rjöeojö  avrov  ||  tjxovev 
'^^xat  yevofi£V7]ö  rjfisQaö  evxaiQov  ors  7jqcoö?]6  roiö  ysvsOioiö 
avrov  öeijtvov  sjtotsi  roiö  (isycöraöLV  avrov  xat  rocö  ysiXiaQ- 
yoi6  xat  roiO  JtQcoroLO  r7]ö  yaXiXataö  '^^xat  stöeXd^ovOTjö  r7]6 
d^vyarQoö  avr7]a  r7]ö  rjQcoöiaöoö  xat  OQX^dccftsvfjö  xat  aQeöaörjO 
reo  7jQO)d7j  xat  rotö  övvavaxuiisvotö  ujtsv  o  ßaöiXtvö  reo  xoQa- 
ötoj'  atrrjöE  (is  o  eav  ^8X7]6  xat  öwöco  öof  '^^xat  cofioöev  avrT] 
ort  o  eav  //e  atrrjOTjO  ScoOco  öot  8co6  rjfti'av  rrjö  ßaötXstaö  fiov 
'^^7]  08  8§8X^ovöa  8tJt8V  T//  (i7}rQt  avr7]ö  rt  atr7]6cof/at'  r]  de 
stjtev  rrjv  xeq)aX7jv  tcoavrov  rov  ßa-  \\  jtrtörov  '^^ etöeXd^ovöa 
08  ev&vö  [lera  OJtovörjö  jiqoö  rov  ßaötXea  rjr7]6aro  Xeyovöa' 
O^eXm  tva  6cq6  [lot  e^avrrjO  ejtt  jttvaxt  rrjV  x8(paX7]v  tcoavvov 
rov  ßajtriörov'  '^^xat  jteQtXvjtoö  yevoftevoö  o  ßaötXevö  öta  rovo 
OQXovö  xat  rovö  övvavaxeifievovo  ovx  rjd^eXrjOev  ad^err^öat  av- 
rr/V  '^'^xat  ev^eojö  ajtoöretXaö  o  ßaötXevö  öjiexovXaroQa  ejte- 
ra^ev  evex^fjvat  r7]v  xe(paXrjv  avrov  ^^o  de  aneXd^cov  ajzexe- 
(paXtöev  avrov  ev  rrj  (pvXax7]  xat  7]veyxe7^  r7/v  xegjaXtjv  avrov 
ejit  Jttvaxt  xat  eömxev  avr7jv  rm  xoQaötco  xat  ro  xoQaötov 
eömxei^  avr7]V  rrj  (i7]rQt  avr7]ö'  '^^xat  axovöavreö  ot  nad^7]rat 
avrov  II  7iXd^ov  xat  rjQav  ro  Jtrcofia  avrov  xat  ed^rfxav  avro  ev 
fiV7]fietoj'  '^^xat  övvayovrat  ot  ajtoöroXot  jiqoö  rov  trjöovv  xat 
ajiTjyyetXav  avroj  jtavra  oöa  ejtotrjöav  xat  oöa  edtSa^av  ^^xat 
etjcev  avrotö'  öevre  avrot  vfietö  xar  tötav  etö  eQrjfiov  rojiov 
xat  avajtaveöd^e  oXtyov  7]öav  yaQ  eQxofievot  xat  ot  vjiayovreö 
jioXXot  xat  ovöe  epayetv  evxatQOW  ^^xat  ajirjXd-ov  etö  eQrjfiov 
rojiov  ev  rm  jtXotco  xar  tötav    ^^xat  töov  avrovö  vjiayovraö 


72  Codex  ßossanensis,  Mc  6.  [pp.  287—290 

Tcai  sjtsypojöap  avzovo  jtoXXot  xat  JteC^r]  ajto  jtaocov  xo}v  Jto- 
Xecov  ovvsÖQafiov  sxst  xat  jtQOörjl&ov  avToto  xac  ovv-  \\  r/Z&ov 
jtQoö  avTov  ^^xai  ts^XO-cov  o  i7/öovö  idev  oyj.ov  jtolvv  xat 
£öjt2.ayx'^f^ö^^]  £-^  avxoLö  oxc  7jöav  ojö  jtQoßara  fir]  syovra  jiot- 
fieva  xat  iiQ^axo  Ötöaöxuv  avrovö  jtoZXa'  ^•''xai  rjörj  ojQao  JtoX- 
Xrjö  ysvofievTjö  jtQoorjl&ov  avxco  ot  fia^rjxai  avxov  Xsyovxaö 
oxc  SQTjfioö  söxLV  o  xojioö  xat  rjörj  wQa  jioXZr/'  ^^ajtoXvoov  av- 
xovö  Lva  ajteX^ovxtö  ecö  xovo  xvxZco  aygovo  xat  xofiaö 
ayoQaömötv  eavxovo  aQxovO'  xt  yaQ  (payovötv  ovx  s/ovötv  ■^' o 
06  ajioxQtd^ttö  stjtsv  avxotö'  öoxs  avxotö  vfieto  (paysiv  xat 
Xeyovötv  avxco '  ajisXd^ovxEO  ayoQaöcofitv  ötaxoöiojv  öijvaQtcov 
aQ-  II  xovo  xat  öwfiev  avxoto  (payatv  ^^  o  öe  laytt  avxotO'  jco- 
öovo  aQxovö  ayßxa  vjtayexe  xat  löexs'  xat  yvovxso  leyovOiv 
avxco  jtsvxs  xat  ovo  tyßvao'  ^^xat  sjtsxassv  avxotö  avaxXetvai 
jtavxaö  öviijtoöta  övnjtoöta  sjtt  xco  yXcoQco  yoQxm'  ^^^xat  avsjte- 
öav  JtQaötat  jcQaotat  ava  exaxov  xat  ava  jttvxijxovxa'  ^^xat 
Xaßa)V  xovö  Jtevxs  aQxovö  xat  xovo  ovo  tyß^vao  avaßXt^aö  eto 
xov  ovQavov  ivloyrjOev  xat  xaxexXaötv  xovo  aQxovö  xat  sötöov 
xoto  fiad-7jxato  avxov  tva  jiaQa&coötv  avxoto  xat  xovö  ovo  tyßvaö 
e/i£Qiö8P  jtaötv  ^'xat  £(payo7^  Jiavxto  xat  eyoQxaod^ijOav  ^^xat 
rjQav  xXaöfiaxcov  \\  dcodexa  xo(ptvovö  jclrjQtto  xat  ajto  xcov  ty- 
{hvcDV  ^^xcct  Tjöav  ot  (payovxEö  xovo  aQxovo  jtsvxaxtöyetXtot 
avÖQSö'  ^^xat  av&scoö  rjvayxaösv  xovo  fia&rjxao  avxov  8^ßrj;vat 
£tö  xo  jiXotov  xat  jiQoayttv  avxov  stö  xo  jitQar  jiqoö  ß?j^öatda 
80)0  avxoö  ajtoXvo?j  xov  oyXov  ^^xat  ajtoxa^afievoö  avxotö 
ajttjXd^sv  eto  xo  oqoö  jtQoöev^aod^at'  ^'oipetao  6t  yevof^ev)jö  rjv 
xo  JiXotov  tv  fieöco  X7jö  ^a?.aöö7/0  xat  avxoo  (lovoo  sjtt  xfjö 
yrjö'  ^^xat  töev  avxovö  ßaöavt^ofitvovo  tv  xco  tXavvtv  tjv  yaQ 
o  ccvtfioö  tvavxtoö  avxotö'  xat  jttQt  xtxaQxrjV  (pvXax7jV  \^ 
X7jö  vvxxoö  tQytxat  jiqoö  avxovö  jztQtJzaxatv  tJtt  x7jö  O^aXaööijö' 
xat  7/O^tXtv  jtaQtX^ttv  ccvxovö'  ^''ot  dt  töovxtö  avxov  jitQtJia- 
xovvxa  tjtt  X7jö  ^aXaööJjö  t6o$,av  (pavxaofia  ttvat  xat  avtxQa- 
^av  ^'^jtavxtö  yaQ  avxov  löov  xat  txaQayß tjöav  xat  tvO^tcoö 
tXaXtjötv  (itx  avxwv  o  trjöovö  xat  Xeytt  avxoio'  fhaQOtxt  tyco 
Etf/i  /oj  (poßttö&f  ^^xat  avtßtj  jiqoö  avxovö  tio  xo  jiXoiov  xat 
exojiaötv  o  avtfioö'  xat  Xiav  tv  tavxotö  tx  jitQtööov  t^töxavxo 


pp.  291—294]  Codex  Rossauensis,  Mc  6.  7.  73 

xat  s^avfia^ov  ^'^01;  ya()  övvrjxav  sjti  roiö  aQzoiö'  rjv  yaQ  av- 
Tcov  Tj  xaQÖia  jisjtcoQcofievr/ '  ^'^xat  ötajteQaoaV'  ||  t£ö  fjXd^ov  ejti 
T7JV  yrjv  ysvv?]öaQtT  xat  JiQOöoQiiiöd^7j6av  sxec  ^^xat  s^eX^ov- 
zmv  avTwv  ex  tov  jtXoiov  tvd^emö   sjTiyvovzso  avxov    ^-'jtsQt- 

ÖQaflOVTSÖ     0Xl]V      T7jV      JteQLXCOQOV      tXUVTjV     TjQ^aVTO      SJZt      TOiÖ 

XQaßarrotO  rovö  xaxcoö  eiovtaö  jisQig)£()£ti^  ojtov  rjxovov  ort 
£X8i  eöTLV  ^^xat  OJTOV  av  slösjioqsvsto  sio  xco^aö  tj  jtohö  tj 
ayQovö  ev  raiö  ayoQaiö  trid^ow  rovö  aöd^svovvzaö  xat  jtage- 
xalovv  avTov  tva  xav  tov  XQaöJtsöov  tov  ifiaTiov  avTov 
a^povTar  xat  oöoi  av  tjjitovto  avTov  öieöm^ovTo' 

VII.  Kac  Ovvayomai  jiqoö  avTov  ot  (pagtöaioi  xat  tiveo 
TCOV  yQafif/aTScov  oi  eZd-ovTsö  ajto  \\  isQoöoXvficov  '^xac  cöovtsö 
Tivaö  TCOV  [lad^riTOJV  avTov  xotvacö  x^Q^^  tovt  sötiv  avijtTotö 
töd-iovTao  Tovö  aQTovo  i:fi£f(ipavT0'  '^oi  yaQ  (paQtOaiot  xac 
jtavTSö  ot  tovdatot  sav  [i?}  Jtvyfir]  vt^powTat  Taö  xetQaö  ovx  s6- 
^tovOtr  XQaTOVvTsO  t?]v  jtaQaöoötv  tow  jiQeoßvTeQcov  ^xat 
ajco  ayoQaö  sav  (ir}  ßajcTtöovTat  ovx  eöd^tovötv  xat  aXXa 
jioXla  eöTtv  a  jtaQsXaßov  XQaTttv  ßajtTtöfiovO  JtoTTjQtmv  xat 
^eöTcov  xat  x^^^^f^oDV  xat  xletvow  ^ejttTa  sjcsQmxwOtv  avTov 
ot  (paQtöatot  xat  ot  y()afi//aTst6'  ötaTt  ot  /la&rjTat  öov  ov  jitQt- 
jiaTovötv  xaTa  ttjv  jzaQaöoötv  tojv  ||  jiQsößvTSQmv  alla  avtjt- 
Totö  ;f£()ötr  töd^tovötv  TOV  aQTOv  ^'o  de  ajioxQtd^etö  etjtev 
avTOtö  OTt  xaXmö  JiQoefpr^Tevöev  jteQt  vf/cov  rjOatao  tcov  vjto- 
xQtTcov  coö  yeyQajtTaf  ovtoö  o  Xaoo  Toto  ytXeötv  fie  Ttfia  ?/  de 
xaQÖta  avTcov  jzoqqco  aüieyet  ax  efzov  ''  fxaTTjv  de  öeßovTat  fie 
dtöaoxovTeö  ötdaoxaXtao  evTaXfiaTa  av&QcojtoJV  ^acpevzeö  yaQ 
TTjv  evToh]v  TOV  ^eov  xQaxtTe  ttjv  JtaQaöoötv  tcov  avd^Qcojtcjv 
ßajiTtöfiovö  §eöT(DV  xat  jtoTTjQtcov  xat  aXXa  jtaQO(iota  TOtavTa 
ütoXXa  jtotetTe'  ^xat  eXeyev  avTotO'  xaXcoö  aß^eTetTe  ttjv  evTO- 
Xrjv  TOV  d-eov  tva  ttjv  JtaQaöoötv  vficov  TrjQr]ör/Te'  ^^[imv-  ||  ö7]ö 
yaQ  etjtev  Ttfia  tov  jtaTeQa  öov  xat  ttjv  fi7]TeQa  öov  xat  o  xa- 
xoXoyov  JtaTeQa  //  ftrjTeQa  ^avaTco  TeXevTaTco'  ^^vftetö  öe 
XeyeTe'  oö  av  etjttj  avO-Qcojtoö  tco  jtaTQt  ?]  ti]  ftrjTQt'  xoQßav  o 
eöTtv  öcDQov  o  av  £§  e[iov  co(peXt]0^r}ö'    ^'^xat  ovxeTt  acpteTe  av- 


56.  xav\  inter  x  et  av  erasum  q 


74  Codex  Rossanensis,  Mc  7.  [pp.  295 — 297 

Tov  ov6ev  jioupai  rm  jtaxQt  avxov  rj  rrj  fi7]TQi  avrov  ^^axv- 
QovvreO  tov  Xoyov  tov  ß^eov  rr/  jtaQaöoosi  vfimv  ?/  jtaQsöco- 
xars'  xat  jcaQOfwia  roiavra  jtoXla  jtoiSLxs'  ^^xat  jtQoöxaXeoa- 
fisvoO  jtavra  tov  oylov  ^Xbyev  avTOiö'  axovtTe  [tov  jtavTSO 
xai  OvvetsTS'  ^^ovdtv  botlv  s^coS^sv  tov  avO^Qojjtov  siöjtoqsv- 
of/svov  Hö  avTov  o  dv-  ||  vaTac  avTOV  xotvojöai  aXla  Ta  sxjio- 
Qivofieva  ajt  avTov  exscva  sotcv  tcc  xoivovvTa  tov  avd^Qo^jtov 
^^EL  Tiö  ^yßi  coTa  axovsLV  axovsTco'  ^'xat  ots  etör/X^sv  sio 
oLxov  ajio  tov  oyXov  ejtr]QcoTovv  ot  fia^r/Tat  avTOv  jisql  ttjO 
jtaQaßoX?jo'  ^^xai  Xeysi  avTOiO'  ovtcoö  xac  vfisiO  aövvsTOt  söts' 
ov  voeiTs  OTi  jiav  to  e^cod^tv  etOjtOQtvof^evov  eiö  tov  av^Qco- 
jiov  ov  övvaTai  avTov  xon^ojocw  ^'^oti  ovx  EiöjtoQSvsTat  av- 
Tov  bl6  t7]v  xaQÖiav  aXX  uö  t7]v  xoiXtav  xai  £l6  tov  acptÖQcova 
£XjcoQ8veTac  xad^aQiZ^ov  jtavTa  Ta  ßQcofiaTa'  ^^sXsysv  öe  otl  to 

£X    TOV     aV^QOJJCOV     SXJtOQSVOflSVOV     8X81VO     XOLVOL     TOV     avd^QCO- 

jtov  II  ^^e(j07\)^8v  yaQ  8x  t7]6  xaQÖiaö  tojv  av&Qcojtojv  ot  6ia- 
XoyLöfiOi  OL  xaxoL  exjtoQSvovTat  fioiyBiai  jtOQViai  cpovoi  '^'^xXojtai 
jiX80V8^iai  jrov?/(nai  öoXoö  a(j8Xyia  oq)^aXfio(j  jtovijQOO  ßXaöcprj- 
fua  vjt8Q7](pavia  acfQoOvvtj'  '^^jtavTa  TavTa  r«  jtovfjQa  8öoj^8v 
8XjcoQ8vovTat  xttL  xoivot  TOV  avd-QOüiov  ^^xai  8X8id^8v  avccöTaö 
ajTtjXd'BV  8iö  Ta  fi8^0Qia  tvqov  xat  OiÖoyvoö'  xat  8t68X^cov  8iö 
oixtav  ovd8va  7]d8X8v  yvcovai  xat  ovx  8dvvr]{hrj  Xad^8iv'  '^^axov- 
öaöa  yaQ  yvv7j  JitQi  avTOV  7]0  8iy8v  to  ii^vyaTQiov  avxrjo  jtvBVfta 
axad^aQTOV  tXd-ovoa  jüqo68ji868v  jtqoö  tovö  jtoöao  \\  avTOV  '^hjv 
6e  7]  yvvrj  8XX7]vlö  övQa  cpoivixiOöa  tco  y8V8i'  xat  tjQcoTa  avTov 
iva  TO  öatfioviov  8xßaX7j  8x  t7]ö  d-vyaTQoO  avT7]6'  ^'o  de  /;/- 
öovö  8Ljt8V  avT7y  acp86  jtQOTOv  yoQTaö^7jvai  Ta  TBXva'  ov  yaQ 
xaXov  8ÖTLV  Xaß8iv  tov  aQTOv  tcov  T8XVC0V  xat  ßaXBiv  tolö 
xvvaQLOiö'  ^^Tj  08  ajt8XQi{^r]  xat  X8y8i  avTco'  7>aL  xvQi8  xat 
yaQ  Ta  xvvaQta  vjioxaTco  tjjö  TQajt80]ö  80d^t8t  ajio  Tcor 
^)ty8to)v  Twv  jtatötcov   ^^^xat  8tjt8v  avrt]  o  it]öovO'  öta  tovtov 


18.  ov  voeire]  haec  bis  scripta  sunt,  sed  priore  loco  asteriscis  ante  ov 
et  post  vosLTF  positis  improbata. 

20.  xoivot]  KOIni  codex.  ]  zov  ccvO^qcotiov  pagina  exeunte  sub  ipsa 
scripturae  columua  scriptum. 


I 


pp.  298—301]  Codex  Rossaneusis,  Mc  7.  8.  75 

rov  Zoyov  vjiays  e^elrjlvd-ev  ro  öacfioviov  ex  ttjO  d-vyatQOö 
Oov  '^^^xat  ajtsld^ovöa  ti6  top  otxov  avT7]ö  svqsv  ro  öacfioviov 
s^sXrjXiyd-axj  xai  tt/v  d^vyarsQa  ßeßlfj^uevrjv  \\  sjtt  rrjO  xXsivfjö' 
'^^xai  jtaliv  e^sXd^cov  ex  rcov  oqlcov  xvqov  xai  Oiöcovoö  tjld^tv 
jtQOö  rrjv  d-alaööav  r/yö  yaXilaiaö  ava  [leömv  rcov  oqlcov  dt- 
xajtolecQö'  ^'^xaL  (psQovötv  avrco  xmcpov  fioyilaXov  xat  üiaQa- 
xaXov6iv  avrov  cva  ejitd^rj  avrm  raö  xetQaö'  ^^xat  ajioXaßofie- 
voO  avrov  ajto  rov  oxXov  xar  iötav  sßaXsv  rovö  öaxrvXovö 
avrov  6L6  ra  cora  avrov  xai  jcrvOaö  rjtparo  rrjö  yXojöOfjö 
avrov  ^^xai  avaßXe^paO  £i6  rov  ovqavov  avsöreva^ev  xat  Xeyet 
avrco  £(pcpad^a  o  sörtv  ötavocx^^rL'  ^^xat  ev^ecoö  dtrjVOLX^rj- 
öav  avrov  ai  axoat  xat  sXv^r/  o  dsöfioö  rrjö  yXcoöörjö  avrov 
xai  II  sXaXet  oq^cqö'  ^^xai  öieöratXaro  avrocö  iva  [iriöevi  ujto)- 
öLV  oöov  ÖS  avroö  avroiö  öisörsXXsro  avrot  fiaXXov  jtSQiööo- 
rsQov  exTjQvaoov  ^'^xat  vjtsQjtsQiööwö  e^ejiXrjööovro  Xeyovrsö' 
xaXo?ö  jtavra  jteJtotrjXEV  xat  rovö  xojcpovö  Jtotec  axoveiv  xat 
rovö  aXaXovö  XaXetv 

VIII.  Ev  sxeivatö  raiö  rjfisQaiö  jtaXiv  jtoXXoi^  o^Xov  ovroö 
xat  fit/  sxovrcov  rt  cpaycoöiv  jiQoöxaXsöafievoö  rovö  (la^r/raö 
Xeysi  avrocö'  '^öJtXayxvc^ofiai  sjti  rov  oxXov  ort  f/dr/  r](/£Qai 
rQstö  jtQoöfisvovöiv  [loi  xat  ovx  exovöiv  rt  cpaycoöiv  ^xai  eai^ 
ajtoXvöco  avrovö  vr/öreiö  eiö  oixov  ||  avrcov  tyXvd^rjöovrai  sv  rrj 
oöco'  rivsö  yaQ  avrcov  fiaxQod^ev  rjxaöiv  ^xai  ajtsxQid^r/öav  av- 
rco Ol  iiad^rjrai  avrov  jto^sv  rovrovö  övvrjöerai  riö  coSs  xoQ- 
raöai  aQrcov  eji  eQTjfiiaö'  ^xai  sjtrjQcora  avrovö'  jzoöovö  sx^re 
agrovö'  oi  de  sijtav  sjtra'  ^xai  jtaQtjyysiXev  reo  oxXco  avajtsöiv 
ejti  rrjö  yrjö'  xai  Xaßcov  rovö  ejtra  ccQrovö  svxaQiörrjöaö 
txXaöev  xai  söiöov  roiö  {la^rjraiö  avrov  iva  xagad^coöiv'  xai 
jtaQsd-fjxav  reo  oxX^oj'  "'xai  uyov  ix^vdia  oXiya  xai  avra  evXo- 
yrjöaö  sijiev  jtaQcid^eivai  avroiö'  ^ecpayov  de  xai  sxoQraöd^Tjöav 
xai  TjQav  JtsQiöösvfiara  xXcWfiarcov  sjtra  öütvQiöaö'  ^rjöav  de  oi 
cpayovreö  \\  coö  rerQaxiöysiXior  xai  ajteXvoev  avrovö'  ^^xai  efi~ 
ßaö  sv^sojö  6iö  ro  jtXoiov  //era  rcov  ^ad^rjrcov  avrov  rjXd^ev 
£iö  ra  OQia  öaX^avov^a'  ^^xai  £§fjX^ov  oi  cpaQiöaioi  xai  tjq- 
§,avro  övvC,rjr8iv  avrco  ^rjrovvrsö  JtaQ  avrov  örj^eiov  ajto  rov 
ovQavov  jzsiQa^ovrsö  avrov     ^'^xai   avaörsva§aö  ro?  jtvevfiari 


7Ö  Codex  Rossanensis,  Mc  8.  [pp.  302—305 

avrov  Xsyec  rt  rj  yersa  avrrj  örjfisiov  sjiLCrjrsr  afiTjv  Xeyat  vfiiv 
et  dod^?]08Tai  tt]  yf^vea  ravTTj  ö7]ff8iov'  ^^xai  xaxalijKDV  avrovö 
tfißaö  xaliv  eto  ro  jtXotov  ajtr/Xß^av  hö  to  jtsQav  ^^xac  tjttla- 
^OVTO  Zaßeiv  aQxovo  -/ml  sl  [itj  sra  agrov  ovx  er/ov  f/eß^  sav- 
Tcov  SV  TCO  jcloLCj'  ^^xac  öitöTÜJ.ero  ||  avroLO  Xeycov  OQars 
ßXEjtert  ajto  rr/ö  C^vfirjO  rojv  (paQLöaiojv  xac  rrjö  Ct\U7]0  ?/qo)6ov' 
^^xai  ÖLsloytC^ovro  jiqoö  alArjXovo  Xeyovrsö  ort  agrovö  ovx 
exofisv  ^'xai  yvovo  o  irjoovo  Xtyu  avroLö'  ri  öta/.oyi^eöd-aL 
OTi  aQTOvo  ovx  sytTS'  ovjtco  vostra  ovös  övvitra'  jtejtcoQcofievrjv 
sysTB  rrjv  xaQÖiav  vfiojv  ^^  og)^aX^uovö  tyovxeö  ov  ßXejrsrs  xai 
coza  eyovrto  ovx  axovtrt'  ovüzo)  vostrs'  ^^ors  rovö  jievrs  aQ- 
Tovo  sxXaöa  uö  zovO  jttvxaxtöystXiovo  Jioöovo  xoffn^ovö  jtXrj- 
QeiO  xXaöfxarcov  ijQare'  Xtyovötv  avrco  öcodexa'  ^^ore  de  zovo 
ejtra  sto  tovo  TSTQaxLOyec-  \\  Xlovo  Jtoöcov  onvQcdcov  jtX^jQcof/ara 
xXaöftazcor  rjQart'  ol  da  bijiov  ejtra'  '-^xca  sXsyev  avxoiO'  Jtoo 
ovjtm  övvLtTi:'  ^^^xai  aQyarca  stö  ßrjd-öaiöa'  xat  (paQovoiv  avrco 
rvcpXov  xat  jtaQCcxaXovöiv  avrov  Lva  avrov  atp7/rca'  '^'-^xai  ejii- 
Xaßofievoo  rr/ö  yacQoö  rov  rvcpXov  a^rfyayav  avrov  fg«  rr]0 
xcof/ijö  xat  jtrvöao  ato  ra  ofi//ccrcc  avrov  ajn^aio  raö  yaiQao 
avrco  ajtriQoorrjöav  avrov  ti  ri  ßXajtai'  '-^xat  avaßXaipao  Xayai' 
ßXajico  rovö  avd-gcojtovö  ort  ojo  öavÖQcc  oqco  jtaQLjiarovvrao' 
^^■^aircc  jtaXtv  ajtad^7]xav  avrov  rao  yuQaö  ajti  rovö  ocpd^aX^ovö 
avrov  xat  ajtoir/öev  avrov  avaßXa%Ka'  xat  ajtaxaraöra^?]  xac 
av-  II  aßXa'ipai^  rrjXavycoö  ajiavraö'  '^^xat  ajtaöraiXav  avrov  ato 
oixov  avrov  Xaycov  fi7]6a  acö  rr/v  xojfi7]v  atöaXd-^jö  n^jöa  aijt7]ö 
rtvi  av  rtj  xo)fi7]'  '^'^xat  a^TjXO^ar  o  tfjöovö  xat  ot  f/ad^tjrai  av- 
rov aiö  raö  xcofiaö  xaiöaQiaö  r7jö  (piXiüzjtov'  xai  av  rt]  oöoj 
ajt7jQcora  rovö  ficcS^t/raö  avrov  Xaycov  avroiö'  riva  (la  Xayovöiv 
Ol  avd^QOjjiOL  aivat'  '^^ot  6a  ajiaxQLd^tpav  icoavv7]v  rov  ßajtrtö- 
r7]v  aXXoi  6a  r/Xiccr  aXXoi  6a  ava  rcov  jTQocp7]rcor'  --^xai  av- 
roö  Xayai  avroiö'  vfiaiö  6e  riva  fia  Xayara  aivar  xai  ajioxQi- 
{haiö  öificov  jiErQoö  aijiav  avrco'  öv  ai  o  ygtöroö'  '"^^^xai 
ajtarifi7jöav  avroiö  iva  (i7j6avi  Xayojöi  naQi  avrov  \\  '^^xai  7]Q^aT0 
6i6aöxaiv  avrovö  ort  6ei  rov  viov  rov  ccr{)^()cojtov  .loXXa  Jiad^aiv 
xai  ajto6oxi[iaod^tivai  vjio  rcov  JiQaößvraQcov  xai  aQyiaQacov  xai 
yqaniiaracov  xai  ajtoxravd^fjvai  xai  /lara  rQiö  TjfisQaö  avaöT7]- 


pp.  306—309]  Codex  Rossanensis,  Mc  8. 9.  77 

var  '^'^xai  jiaQQ7]öLa  eXalsL  rov  loyov  xai  jtQooZaßofisvoö  av- 
TOP  o  jisTQoO  ?jQ$,aTo  sjtLTLfiav  avTco'  3^0  ()f  sjtujTQag}8L(j  xat 
LÖmv  TovO  fiaß-fjraö  avrov  sjtsTif/TjOev  rm  jzstqcq  Zsycov '  vjcays 
ojitöco  fiov  öarava  ort  ov  (pQovstO  ra  xov  ^sov  alla  ra  rcov 
avd^Qojjtmv  ^'^xai  OvvxaXeöa^^voo  top  ox^ov  övp  roto  fia{}^7j- 
raiö  avrov  slüi^p  avroLO'  oöriö  ^^Xst  ojtcöco  fiov  eXd^eip  ajraQ-\\ 
PTjOaöd-o)  savTov  xai  agarco  top  OravQOP  avTov  xai  axoZov- 
d^siTO)  fiOL'  '^^00  yag  ap  d^altj  ttjp  i^wx^jp  avTOV  öcoöat  ajtoleösc 
avTTjP'  00  6  ap  ajtoZsOrj  ttjp  ^v^^jp  avTOv  spsxsp  sfiov  xai  tov 
evayyshov  Oo^öet  avTTjp'  '"^^tl  yag  ojg)sXrjOsc  ap^QcojtoC  sap 
xEQÖriörj  TOP  xoOfiop  olop  xai  C;tjiiwjd^t]  ttjp  xf)vx7]P  avTOV  ^^/y 
TC  öcoösi  ap^QCüjtoö  aPTallayiia  t7]0  ^vyip  avTOV  ^^oö  yaQ 
aap  8jtaLöivpd^7j  fis  xai  tovö  sfiovo  loyovO  sp  tt]  yepea  TavTfj 
T7J  fioixaXtöi  xac  a^aQTcoliX)  xai  o  vioö  tov  apß^Qcojtov  tjiaio- 
)(ypd^7j68Tai  avTOP  OTap  eXd^rj  8P  t?j  do$,rj  tov  jtaTQOö  avrov 
(isra  rcop  ayysXo^v  tcop  ayimp' 

IX.  Kai  sXsysp  avroiö'  ||  a//7y2'  Xeyco  vfitp  ort  Siön>  riveö 
Tcoi>  coöe  £öTi]xor(X)P  otrwso  ov  fi7]  yevöoprai  d^aparov  ecoO  ap 
LÖmöLP  TTjP  ßaOilttap  rov  d^eov  £Xr/kv{^viap  tp  övpafii'  '^xat  (is^ 
?/fi8Qao  8^  jtaQa/.af/ßapt  o  ltjOovö  top  jcstqop  xai  top  laxmßop 
xai  icoappr^p  xai  apag)8Q8i  avTovö  8iG  oqoö  v\p7]Xop  xar  idiap 
fiopovö'  xai  fi8T8[ioQ(p(od^7j  8fijt(J0ö^8p  avTWP'  '^xai  ra  ifiaria 
avTOV  8y8POPTO  öTiXßoPTa  X8vxa  Xiap  mo  /«cö?^  oia  ypag)8vö  8jti 
TTjö  yrjö  ov  övparai  2.8vxapai  ovtcqö'  ^xai  ccKp^y  avToiö  7ßiaö 
ÖVP  ^(X)v08i  xai  7jöap  Ovi'laXovPTeö  toj  i7/aov'  ^xai  ajtoxQiÜ8iö 
o  J18TQ0Ö  X8y8i  avTG)'  Qfxßßi  xalop  8ÖTIP  Tj^aO  ojd8  8ipai  xai  \\ 
jtoi7]öojfi8P  0x7jpaö  TQiö  601  fiiap  xai  (ig)vö8i  ftiap  xai  rjXia  fiiap' 
^ov  yaq  rfi8i  ti  lahi68i'  7]öap  ya()  8X(poßoi'  '^ 8y8P8TO  08  P8(p8Xrj 
8jciöxia^ovöa  avTOio  xai  7j?.^8P  (pcopfj  8x  Ttjo  P8cp8Zrjö'  ovroO 
80t ip  o  vioO  fiov    o    ayaji7]T0ö  avTOv  axov8T8'    ^xai   8^ajtipa 

Jt8Qlß?.8lpafl8POl    0VX8TI   Ov68Pa   lÖOP    81    ,W//  TOP  ITjöOVP  flOPOP  ^U8^ 

8avTCQP'  '^  xaraßaiPOPTmp  08  avTa)P  ajio  tov  oqovO  öi8öT8iXaTO 
avToiO  iva  fi7]d8vc  öi7jy7]60PTai  a  löop  8i  ^7]  orap  o  vioö  tov 
apd^Qcojiov  8X  V8XQ(DP  apaOT7]'  ^^xai  top  loyop  8XQaT7jöap  jigoö 
savTOvo  OvpC^7]tovpt80  ti  80TIP  To  8X  P8XQCDP  apaOT/jpai'  ! 
^^xai  8jc7jQa)Tovp    avTOP  X8yoPT8ö  oti  X8yovöip  oi  yQafiffaT8iö 


78  Codex  Rossanensis,  Mc  9.  [pp.  310 — 312 

ort  rjXiav  dei  eX^nv  jzqcotov'  ^'^o  6e  ajcoxQid-uo  sijtsv  avroiO' 
rjXiaö  fi£v  s?.^cov  jiqcotoö  ajioyMd^Löra  jtavra  xai  jtcoö  ysyQajt- 
rai  sjtL  xov  vtov  zov  avd^Qojjiov  iva  üiolla  jtad-rj  xat  ssovd^e- 
vrfii]'  ^^aXla  Xsym  vfiiv  ort  r]ZLa(j  r/dr]  ehjlvd^sv  y.at  £jtou]Oav 
avTco  oöa  rjd^ElrjOav  xad^ojö  yeyQanxai  £jt  avrov  ^^xai  sX^coj' 
jtQOö  Tovö  [iad-riraö  idsv  ox^ov  Jtolvv  jisql  avrovo  xül  YQccf/- 
fiazsiö  övv^r/Tovvraö  avrotö'  ^^xat  svd^two  jcaö  o  oyloö  tdcov 
avTov  £^8d^a{ißrj^rj  xat  jcQOOTQsyovrsö  7]6jta^ovTO  avrov  ^^''xai 
8jt7jQcoT7]ö£v  TOVÖ  yQamiaxziö'  XI  <)VJ^^?]X6ix£  JtQOö  avxovö' \\  ^"'xai 
ajioxQLd^Hö  £10  £x  xov  oyjiov  £ijc£V'  ÖLÖaöxaX£  rjv£yy.a  xov  vtov 
f/ov  JtQOö  ö£  £yovxa  jtviv^a  alalov  ^^xai  ojtov  av  avxoi' 
xaxaXaßi]  q?jöö£l  avxov  xai  a(pQiC,£i  xai  xQiC,£t  xovö  oöoi'xaö 
avxov  xai  ^riQ£V£xai'  xai  £iJtov  xolö  fiaü^?]xaiö  öov  iva  avxo 
£xßaZcoöi7^  xai  ovx  löyvöav  ^^o  Ö£  ajtoxQi^£iö  X£y£i  avxco'  co 
y£V£a  ajtiöxoö  £coö  Jtox£  jtqoö  vfiaö  £öofiat'  £(oö  jtox£  av£sOf/ai 
vficov  (p£Q£X£  avxov  JtQOö  fi£'  '^^xui  7]V£yxav  avxov  JtQOö  av- 
xov xai  löcov  avxov  £v{^8cqö  xo  JtV£Vffa  £öjtaQa§£7^  avxov  xai 
jt£öo:)v  £jti  xTjö  yrjö  £xvXi£xo  a(pQiL,(X)V  '^^xai  £jt7jQcox?]ö£V  xov 
jtax£Qa  avxov  o  itjöovö'  Jtoöoö  xqovoö  £öxlv  a(p  ov\  xovxo  y£yov£i 
avxüj'  o  6£  £ijt£v  £x  Jtai6o0-£V  '^'^xai  jtoXlax£iö  avxov  xai  £iö 
jtvQ  £ßal£v  xai  £iö  vöaxa  iva  ajto/.£ö?]  avxov  aXX  £i  xi  övva- 

öai   ß07lt)^7]Ö07'    7]fllV    öJtXayyVlöd^£lÖ   £(p    7j^aö'    ^-^O  6£  UpOVÖ  £lJt£V 

avxco  xo  £1  dvv7j'  jiavxa  dvvaxa  xm  jtiöx£voi^xi'  -^xai  £vi^£coö 
xQa^aö  o  jtax7jQ  xov  jtaiöiov   f/£xa  öaxQvcov  £X£y£V    jtiöx£vco 

XVQl£  ß07jd^£l    f/OV   XTj    ajtlÖXia'     '^^lÖa)7'    Ö£    O    17JÖ0VÖ   OXl    £JtlöVV- 

xQ£X£i  ox^oö  £Jt£xifiiö£7'  xco  Jt7'£vf/axi  xco  axa^aQxco  X£ycov 
avxw  xo  jtV£Vfia  xo  aXalov  xai  xaj(poi'  £yco  öoi  £jtixaööoj 
£^£X^£  £$,  avxov  xai  fi7]X£xi  £iö£X{^7jö  £iö  avxo7^'  '^'^xai  xQa^av 
xai  jtoXXa  öJtaQa^av  avxoi>  £B,7iX{h£v'  xai  £y£V£Xo  g)ö£i  7^£xqoö 

WÖX£  II  JtolXoVÖ    X£y£lV    OXl    ajt£d^aV£7>'      ^'O    Ö£    17JÖ0VÖ    XQaXijöaö 

avxov  T?]ö  x^^Q^^  7]y£iQ£7>  avxov  xai  av£öx7j'  '^^xai  £Xd^ovxa 
avxov  £iö  oixov  Ol  ^ad^7jxai  avxov  £jt7]Qcoxovv  avxov  xax  löiav 
0X1  7i(i£iö  ovx  7jöv7'7/^')^7/{j£v  £xßaX£i7'  avxov  '^'^xai  £iJt£V  avxoiö' 
xovxo  xo  y£i'Oö  £v  ovd£vi  övvaxai  £$,£iX^£iv  £i  fifj  fr  jtQoö£vyjj 

17.  Tcviv/Lta  «A«Ao>']  littera  a  vocis  7ii'tvjn((  erasa;  videtiir  voliiisse  :irev/i(C( 
XuXov 


pp.  313—316]  Codex  Rossanensis,  Mc  9.  79 

xai  vriöTua'  ^^xat  exetd-ev  s^sX^ovzso  jtaQSJtoQsvovro  öia  ttjö 
yaliXaiaö  xat  ovx  tjd^eXsv  iva  riö  yvm'  ^^edtöaoxsv  yag  tovö 
f/ad?jTaö  avTOV  xai  sXsysv  avroio  ori  o  vioö  rov  av^Qcojtov 
jiaQadidorac  eto  ;fft()«ö  avd^Qcojtcov  xat  anoxTEVovöiv  avzov  xat 
ajtoxrav^stö  ttj  rgirrj  rjfisQa  \\  avaöTrjösrai'  ^'^oi  ös  r/yvoovv  xo 
^rjfia  xat  tfpoßovvTO  avzov  ejieQmTTjüar  ^^xai  7]Xd^tv  8t<j  xajtsQ- 
vaovfi'  xat  sv  tt]  oixia  ysvafisvoö  ^Jirj^mra  avrovo'  xi  ev  r?] 
oöco  jiQOö  savTovö  öcElcytCsod^at'  ^^oc  ös  soiojjtovv  jtQoö  aXli]- 
Xovö  yaQ  ÖLEltyßijöav  iv  rrj  oöco  rio  fiEi^cov  ^^xat  xad^nöaö 
8(pcovrj6sv  TOVÖ  Scoösxa  xai  Xeyec  avroiö'  et  rtO  d^sXet  jtQco- 
TOö  eivai  sörai  jiavrcov  aöyaroo  xat  jiavrmv  diaxovoö'  '^^xai 
Xaß(X)v  jtatöiov  söttjösv  avro  ev  fieöm  avxmv  xat  evayxaltöa- 
fievoö  avro  ecjiev  avxoiO'  ^'oö  em^  ev  rcov  roiovrcov  jtaiöiojv 
de^r/Tat  ejti  reo  ovofiari  fiov  efie  deyerat  \\  xat  oö  eav  efie  öe^?/- 
rat  ovx  efie  öeyerat  alXa  tov  ajtoöretXavTa  fie'  ^^ ajtexQtd^rj 
ÖS  avTOj  o  ta>avv7]<j  Xeycov  ötöaöxaX^e  töa^ev  rtva  ei>  reo  ovo- 
fiart  60V  exßaXXovxa  öatfiovia  oö  ovx  axoXovi^et  rifitv  xat  exm- 
Xvüafiev  ax^Tov  ort  ovx  axoXov^et  ?]fttv'  ^^o  6e  tijöovö  etjtev 
fiTj  xmXvere  avzov  ovöetö  yaQ  eöxtv  oö  jtot7]öet  övvafitv  ejtt  ro) 
ovof/art  fiov  xat  dw^jöerat  rayv  xaxoXoy7/öat  fie'  ^^oö  yaQ  ovx 
eöTtv  xad-  vficov  vjisq  viicov  eöxtv '  ^^oö  yaQ  aj^  jtoxtörj  vfiaö 
jtox7]Qtoi^  vöaxoö  ev  ovofiart  oxt  yQtöxov  eöxe  afiTjv  Xeym  v^tv 
ov  fiTj  ajco-  II  Xeö?]  xoi^  /Jtö&ov  avxov  ^^^xat  oö  eav  öxai>öaXtö7j 
eva  x(Di^  ^txQcov  xmv  jitöxevovxcov  etö  efie  xaXov  eöxtv  avxco 
^aXXov  et  üteQtxetxat  Xtd^oö  fivXtxoö  jteQt  xov  xQax^jXov  avxov 
xat  ßeßX7]xat  etö  X7p^  d^aXaööair  ^^xat  eav  öxavdaXtC,7j  öe  7j  yetQ 
öov  ajioxo^ov  avx7pr  xaXov  öot  eöxtv  xvXXov  etö  x7/v  C,co7]v 
etöeXd^etv  7/  xaö  ovo  yetQaö  eyovxa  ajieXS^etv  etö  X7jv  yeevvav 
etö  xo  jtvQ  xo  aößeöxov  ^^ojiov  o  öxmX7]^  avxcov  ov  xeXevxa 
xat  xo  JivQ  ov  ößevvvxat'  ^^xat  eav  o  Jtovö  öov  öxavöaXtC,7j  öe 
ajtoxotpov  avxov  xaXov  öot  eöxtv  etöeX^etv  etö  X7jV  ^co7jv  yco- 
Xot^  7]  xovö  ovo  jto-  II  öaö  eyovxa  ßX^T^^rjvat  etö  xtjv  yeevvav  etö 
xo  JtvQ  xo  aößeöxov  ^'^ojiov  o  öxa)X7/$,  avxcov  ov  xeXevxa  xac 
xo  jivQ  ov  ößevvvxat'  ^''xat  eav  o  ocp^aXfioö  öov  öxavöaXtC^rj  öe 


45.  ovo]  6  super  n  scriptum. 


80  Codex  Eossanensis,  Mc  9.  10.  [pp.  317—319 

sxßaZs  avTov  xalov  öoi  soriv  ^ovo(f^^al^o7>  eiosX^heiv  blö  rtfi^ 
ßaöiZeiav  rov  d-sov  ?]  6vo  o^d-aZfJovö  v/ovxa  ßhi^i^vac  eiö  rrjv 
yesvvav  rov  jivqoö  ^^ojiov  o  öxcdZtj^,  avxmv  ov  T8?.svTa  xai  ro 
jtvQ  ov  Oßsvvvrai'  ^^Jtaö  yag  jcvql  aXiod^y^öerai  yml  jtaoa  ^v- 
öca  ali  a?uo^7]ö£TaL'  '^^xaXov  ro  alao'  sav  ds  ro  aXaö  avaXov 
yEVTjrai  £v  nvi  avro  agrvöerai '  s^sre  sv  eavroiö  aZao  xai  stg?/- 
veverai  sv  alh^XoLO' 

X.  Kai  exstd^sv  ava-  ||  6ra6  sgyerai  aio  ra  OQia  r7]0  lovöca- 
aa  rov  jisQav  rov  toQÖavov  xai  öviiJtOQ£vovrat  jiaXiv  oykoi 
jiQOO  avrov  xai  mo  sico^sl  jtahv  bölÖüöxbv  avrovö'  ^xai  jiqoo- 
sZd^ovrsö  OL  (paQiöaiOL  8Ji:?jQcor7jöav  avrov  sl  s^eörtv  avÖQi  yv- 
vaixa  ajtoZvOai  jr£i,QaCovr£ö  avrov  ^o  6s  ajroxQidsiO  sljisv 
avroiO'  rt  vfiiv  svsrsilaro  fia)v(j7jö'  ^oi  6s  sijrov  fimvöTjO  sjts- 
rQs^psv  ßißhov  ajioöraOLOv  ygatpac  xat  ajtoXvöar  '""xac  ajtoxQL- 
d^sio  o  iTjöovC  sijisv  avroLO'  JtQOO  rijV  (jx?.7]QoxaQ6iav  vfior 
sjisrgs^psv  vfctv  r7/v  svroh]v  ravr7]v'  ^ajro  6s  ciQyj/O  xriöscoo 
aQösv  xai  d^TjXv  sjiotrjösv  avrovö  o  ^soo  xat  siJtsv  ''svsxsv 
rovrov  xaraXitpsi  aj'd^Qcojtoö  rov  jiarsga  avrov  xai  T?yr  fi7]rsQa 
xai  jrQOOxolh]^7]Osrai  rrj  yvvaixi  avrov  ^xai  soovrai  oi  6vo 
£iö  öaQxa  liiav  coörs  ovxsrt  stOiv  6vo  alXa  nia  öag^'  ^o  ovv 
o  {^soö  övvsC^sv^sv  avd^QcojTOö  fiT]  ycoQiL^sro)'  ^^xai  sv  r7j  oixia 
jcaXiv  Oi  fia{^7jrai  avrov  jisql  rovrov  sjt7jQ(Dr7]öav  avrov  ^^xai 
Xsysi  avroLö'  oO  sav  ajroXvö7]  r7jv  yvvatxa  avrov  xat  yan7](i7i 
aXh]v  y.oiyarai  sji  avr7/V  ^'^xai  sav  yvv?/  ajioXvörj  rov  av6Qa 
avr7jö  xai  yaf/7j{}^7j  aXXco  y.oiyarai'  ^"^xai  jtqoos^sqov  avrco  jcai- 
6ia  iva  axp?jrai  avrmv  oi  6s  fja{^7jrai  sjrsnf/cov  roiO  jtqoo- 
(psQOVöiV  '^^i6<DV  6s  o  itjOovö  7/ya7^axr7jösv  \\  xai  sijtsv  avroiO' 
aipers  ra  Jiai6ia  sQysöd^ai  jiqoö  /js'  ^t]  xcoXvsrs  avra'  rcov  yag 
roiovrojv  sonv  ?]  ßaOiXsia  rov  {^sov  ^'^afj7jv  Xsyoj  vftiv  oo 
sav  (ifj  6s§7/rai  rrjv  ßaOiXsiav  rov  d^sov  coö  jrai6iov  ov  fj7/ 
SiösZ^T]  Siö  avrrjv'  ^^xai  svayxaXiOaftsvoo  avra  nd^siO  rao  ysi- 
gao  sjr  avra  7jvXoysi  avra'  ^~'xai  sxjtogsvoiisvov  avrov  siO 
o6ov  jiQoo6ija^(ov  siO  xat  yoiwjisrt/oaö  avrov  sjtijQcora  avrov 


X,  1.  xov  nsQav]  ante  xov  rasura  trium  litterarum  {Öia  ut  videtur). 
16.  rivloysi]  inter  civxa  et  iivXoysL  rasura  trium  litterarum  {xut). 


pp.  320—323]  Codex  Rossanensis,  Mc  10.  81 

ötöaöTcaXe  aya^e  n  Jtoirjöco  iva  C,oj7]v   atminov   xh]Qovonr}6fo' 

*^o  6b  ifjöovö  stJtsv  avrm'  ri  fis  Xeysiö  ayaO^ov  ovöuö  aya&oö  et 

(iJj  Eid  o  ^806'  ^^raö  evToXaö  oiöaö'  firj  fioLX^vOtjö  (irj  (poi^evörjö 

(irj  xXsrpr]6  firj  ipsvöofiaQ-  \\  rvQrjOrjö  niia  rov  jtareQa  6ov  xai  rr/v 

fi7]T£Qa  öov    '^^o   ÖS  ajcoxQtd^stö  £ijt£v  avTOj'    öiöaöxaXe  xavra 

jiavra  scpv?.ascifi?]v  sx  vmrrjroö  (lov  tl  trc  vötsqco'  ^^o  de  ltj- 

öovö  efißXeipaö  avTco  r/yajirjöev  avrov  xat  etjtev  avrco'  ei  d-eXeiö 

reXioö  eivai  ev  6oc  vöreQec  vjtays  oöa  exeiC  Jtcolrjöov  xai  öoö 

.TtzmxoiO  xai   e^eiö  diiOavgov  ev   ovgavco  xai  öevQo  axolovd^et 

f/oi  agaö  rov  öravQov    -^^o  6e  örvyvaöaö  ejtt  reo  loym  ajtrjX- 

d^ev  Xvjtovfiet^oö'   rjv  yaQ  eycov  XTfj/iaTa  jtoXXa'  '^^xac  jieQißXe- 

Tpafievoö  o  i7]6ovö  leyei  roto  iiad^i]rai6  avrov   jtcoö    SvöxoXa^ö 

oi  za  XQ^]f^^T^cc  eyoi^reö  ||  ei,6  Tf]v  ßaöiXeiav  rov  O^eov  eiöeXevöov- 

rac  2^0^  de  nad^rjtat  ed^afißovvro  ejci  tolö  Xoyoiö  avrov  o  6e 

i7]<jovö  ajtoxQtd^eiO   jtaXiv  Xeyei  avroiö'   rexvia  jtco6  övöxoXov 

eöriv  rovö  jtejtoi&oraö    ejci  xQr]fia6cv    eiö  rrjv  ßaötXeiav   rov 

d^eov  eiöeXd^eiv'    ^^evxojimregov  eöriv  xanrjXov  öta  rQVfiaXiaO 

Qag)LÖo6  etöeX^eiv  rj  jtXovöiov  etö  rr]v  ßaötXeiav  rov  d^eov  eiöeX- 

d^eiv    ^^oi  6e  jceQiööcocl  esejtXrjOOovro  Xeyovrtö  jcqoö  eavrovö' 

xai  riö  övvarai  ömd^rjvar  '^'^ efißXexpaö  de  avroiö  o  ctjöovö  Xeyer 

üiaga  avO^Qcojtoiö  rovro  aövvarov  aXX  ov  jtaQa  ß-eco'  Jtavra  yaQ 

övvara  eöriv  ||  jtaQa  reo  d-eco'  ^^rjQ^aro  öe  o  jterQoö  Xeyeiv  av- 

ro)'  löov  rj[xei6  a(p7]xanev  jtavra  xai  rjxoXovd^rjöauev  öoi'  '^■^xai 

ajtoxQid^eiö  o  iTjöovö  eijtev    afi7]v  Xeyco  vfiiv  ovöiö   eöriv    oö 

ag)?]xev  oixiav  ?]  a6eX(povö  rj  a6eX<paö  t]  jtarega  rj  firjreQa  ?]  yv- 

vaixa  7]  rexva  r/  aygovö  evexev  efiov  xai  evexev  rov  evayyeXiov 

^^eav  (iTj  Xaßrj  exaromajcXaöiova  vvv  ev  reo  xaiQco  rovrco  oi- 

xiaö  xai   a6eX(povö  xai  aöeXepaö  xai  jtareQaö  xai  fit]reQaö  xai 

rexva  xai  ayqovö  fiera  öiatyfiov  xai  ev  reo  aicovi  reo  eQxoiieveo 

^coTjv  aicoviov  ^^jtoXXoi  öe  eöovrai  jtQeoroi  eöxccT^oi  xai  ol  eö- 

XaroL  JtQeoroi'  ^'^rjöav  öe  ev  rrj  ||  oöeo  avaßaivovreö  eiö  leQoöo- 

Xvfia   xai    7]v  jtQoayeov    avrovö    o   irjöovö  xai   ed^a^ßovvro  xai 

axoXov&ovvreö  eepoßovvro '  xai  jtaQaXaßcov  JtaXiv  rovö  öcoöexa 

r/Q^aro  avroiö  Xeyeiv  ra  f/eXXovra  avreo  öv^ßaiveiv   '^'-^ori  löov 

avaßaivof/ev  eiö  leQoöoXvfia  xai  o  vioö  rov  avd^Qeojiov  jcaQaöo- 

d^Tjöerai  roiö  aQyieQtvöiv  xai   roiö  yQa^ufiarevöiv  xai  xaraxQi- 

Texte  und  Untersucliungeu  I,  4.  f) 


g2  Codex  Rossanensis,  Mc  10.  [pp.  324 — 327 

vovöLV  avTov  d^avarco  xai  jiaQaöcooovötv  avrov  roiö  sd^veöiv 
"'^xac  E(ijtai^ov6tv  avrco  xca  fiaörtyojöovöiv  avrov  xat  sfuttv- 
öovöiv  avTOJ  xac  ajtoxrtvovöiv  avrov  xai  r?]  rgirrj  rjfisQa  ava- 
6rr]6erat'  ^^xai  jiqoöjioq^v-  ||  ovrat  avroj  laxcoßoö  xat  lojavvrjo 
vioi  ^eßeSaiov  Xsyovrso'  öiSaOxaX^  d^eXo^ev  iva  o  eav  Ce  airrj- 
öojui^v  JiGirjörjö  7](iLV'  ^""o  6e  irjöovö  eijtev  avroiö'  rt  d^eXerai 
jtoi?]öac  fis  vfitv  ^'^ot  ÖS  eiJtov  avrco'  6oö  rjfiiv  iva  eco  ex  6e§t- 
CQV  öov  xai  stö  8$,  ivcovvficov  60V  xad-£tOa>f/ev  ev  rrj  öos^  Oov 
3^0  ÖS  iTjöovö  sijtsv  avrotö'  ovx  oiöars  rt  airioß^s'  övvaöd^ac 
jtiSiV  ro  jiorrjQwv  o  syco  jtiiwj  rj  ro  ßajtriöfia  o  sym  ßajtrc^o- 
fiai  ßajiriod^rivar  ''^^oi  ös  sijtov  avrm  övvafis&a'  o  ös  u^oovö 
sijisv  avroiö '  ro  [isv  jtorrjQLov  o  syco  jtivoj  jzcsü^s  xat  ro  ßajt- 
riOfia  o  s-  II  709  ßajiriC^o^at  ßajtriö^7](}S0{^at  ^^ro  ös  xad^SLöat 
sx  ös^icov  [iov  xat  ss  svcovvficov  ovx  söriv  s[iov  öovvai  aXX  016 
7]rof(iaörcu'  ^^xai  axov6avrs6  01  ösxa  rjQ^civro  ayavaxrsLV  jtsql 
taxcoßov  xat  icoavvov'  ^'^o  ös  i?]6ov6  jcQoöxaXsOaftsvoö  avrovö 
Xsysi  avroiö'  oiöars  ori  01  öoxovvrso  aQyiv  row  sd^vcov  xara- 
xvQisvovöiv  avrcov  xat  ot  nsyaXoi  xars^ovöiai^ovöiv  avrcov 
^^oir/^  ovrcoö  ös  sörai  sv  vfiiv  aXX  oö  sav  d^sXrj  ysvsöd^ai  fisyaö 
SV  x^(jtiv  sörai  vfiojv  öiaxovoö  ^^xai  06  sav  ß^sX?]  ysvsö&ai  vf/cov 
jiQo^roö  sörai  jiavrojv  öovXoö'  ^^xai  yaQ  o  vioö  rov  av^Qw- 
jtov  ovx  TjXd^sv  II  öiaxovr]&?]vai  aXXa  öiaxovtpai  xai  öovvai  r?iv 
^vxf]v  avrov  XvrQov  avri  jioXXcov  ^^xai  sQXovrai  siö  isQiym' 
xai  sxjtoQSvofisvov  avrov  ajio  isqixoj  xai  rcov  fiaß?jrojv  avrov 
xat  o/Xov  ixavov  o  vioö  rinaiov  ßaQrifiaioö  o  rvcpXoö  sxad^rjro 
jtciQa  rtjv  oöov  jiQoöaircov  ^"'xai  axovöaö  ort  i?]öovö  0  vaC^oj- 
Qaioö  söriv  TjQ^aro  xqcil^siv  xai  Xsysiv  vis  öaö  irpov  sXs?jöov 
[xs'  ^^xai  sjtsrificov  avrco  jtoXXoi  iva  öicojtfjö?^'  0  ös  jtoXXco 
fiaXXov  sxQa^sv  v)is  öaö  sXsi]öov  fis'  ^^xcci  öraö  o  i7]öovö  sijisv 
cpcovr/d^7]vai  avrov:  xai  cpcovovöiv  rov  rvcpXov  Xsyovrsö  avro' 
{hagösi  sysiQs  cpatvsi  ös'  ''^o  ös  ajto-  \\  ßaXcov  ro  ifiariov  avrov 
avaöraö  7]Xd^sv  jiqoö  rov  i7]öovv'  ^^xai  ajtoxQiO-siö  Xsysi  avro7 
o  i7]öovö'  ri  d^sXsiö  jtoi?]öoj  öoi'  0  ÖS  rvcpXoö  sijtsv  avrco'  Qaß- 
ßovvi  iva  avaßXs^po)'  ^'^0  ös  irjöovö  siJtsv  avrm'  vjtays  rj  jriöriö 
öov  ösöomsv  öS'  xcu  svO^sojö  avsßXsipsv  xai  f/xoXovO^si  reo  it]- 
öov  SV  rfj  oöo?' 


pp.  328—331]  Codex  Eossanensis,  Mc  11.  §3 

XL  Kat  ots  rffyiCpv  ec6  isQoöoXvfia  u6  ßfjd-öffayi]  xai 
ßrjd^aviav  jüqoö  to  oqoö  to  xaXov(.ievov  elatcov  ajtoCreXXei  ovo 
Tcov  (lad^rjTow  avzov  ^xat  Isyet  avroiö'  vjtaysrs  ei6  rtjv  xco- 
firjv  T7]v  xaTsravTc  vfimv  xat  tvd^ecoö  eiijJiOQevofitvot  eio  avrrjv 
8VQ7]ö6T8  jtcoXov  öeörjfisvov  e(p  07^  II  OVJICO  ovöuö  av^Qcojicov 
xexad^fjxev  XvOavrso  avrov  ayaysrs'  '-^  xat  sav  riö  vfiiv  stjtr/' 
TL  jioisiTS  TOVTO'  siJtazs  OTi  o  xvQioö  a'Otov  y()£iav  exst-  xat 
8v^8(o(j  avrov  ajtoörelXu  cods'  ^ajt7]X&^ov  ös  xat,  rjvQov  jiolov 
deös^utvop  jtQoö  TT/v  d^vQav  e§co  ejit  rov  aiicpoöov  xat  Xvovoiv 
avrov '  ^rtvea  de  rojv  txet  eörcorcov  sXeyov  avroiö'  n  jtoieirs 
Xvovreö  rov  jtcoXov  ^oc  öe  ujtov  avrotö  xad^ojö  evsrsiXaro  o 
LTjöovö'  xat  ag)7]xav  avrovö'  '^xac  ifyayov  rov  JtcoXov  jzqoö  rov 
ifjöovv  xat  sjteßaXov  avrco  ra  tftarta  avrcov  xat  txaß^etöev  sjt 
avroj'  ^jtoXXot  de  ra  tfiaria  avrcov  \\  eörQcoöav  ev  r?]  oöco  aX- 
Xot  ÖS  örotßaöaO  sxojtrov  ex  rcov  ösvöqojv  xat  eörQcovvvov  ev 
rrj  oöco'  ^xat  ot  jtQoayovreö  xat  ot  axoXovü^ovvreo  exQaC,ov  Xe- 
yovreO'  coöavva  evXoy7]fievoö  o  eQyofievoö  ev  ovofiart  xvQtov 
^^  evXoyrjfievT]  ?/  eQXOfievrj  ßaötXeta  ev  ovofiart  xvQtov  rov  jta- 
rQoö  rj(icDV  öaö'  ojöavva  ev  roto  vxptörotö'  ^^xat  etOijXd^ev  etö 
teQoöoXvf/a  o  ir/öov6  xat  etö  ro  teQov  xat  jteQtßXe^anevoö  üiav- 
ra  oxptaö  tjÖtj  ovötjö  rrjö  coQaö  e^rjXd^ev  etö  ß7]d^avtav  fiera  row 
dcoöexa'  ^^^xat  rrj  ejtavQtov  e^eXi^ovrcov  avrcov  ajio  ßrjd^avtaö 
ejttvaöev  ^^xat  töcov  övx)]v  ajio  fiaxQod^ev  ey^ov-  ||  öav  cpvX^Xa 
r/XO^ev  et  aQa  rt  evQ7]öet  ev  avri]'  xat  eXd^cov  ejt  avrrjv  ovöev 
evQev  et  (17]  cpvXXa  fiovov  ov  yaQ  7]v  xatQoö  övxcxw  ^^xat  ajio- 
XQtd^etö  etjtev  avrrj'  (irjxert  ex  öov  etö  rov  atcnva  f/r/detö  xaQ- 
jtov  cpayot'  xat  rjxovov  ot  na^7]rat  avrov  ^'""xat  eqyovrat  jta- 
Xtv  etö  teQoöoXvfia'  xat  etöeXd^cov  o  tfjöovö  etö  ro  teQov  7]Q^aro 
exßaXXetv  rovö  jtojXovvraö  xat  rovö  ayoQa^ovraö  ev  reo  teQo? 
xat  raö  .rgajte^aö  rcov  xoXXvßcörcov  e^eyeöev  xat  raö  xa&eÖQaö 
rcov  jtcoXovvrcov  raö  jteQtöregaö  xareörgeTpev  ^^xat  ovx  i]cptev 
tva  rtö  öteveyxtj  öxevoö  öta  rov  teQov  ^"xat  eötöaöxev  \\  Xeycov 
avrotö'    ov  yeygajrrat  ort  o    otxoö  fiov  otxoö  jiQOöevyriö  xXtj- 


XI,  13.  aQo]  syllaba  Qa  supra  liueam  scripta. 
15.  E^ex^ösv]  fort,  e^sy^ev  codex;  vide  Prolegom. 


84  Codex  Rossaneusis,  Mc  11.  12.  [pp.  332—334 

d-7](j£Tat  jtaöiv  TOiö  eO^veöiv  vfieiö  de  sjtoirjöarE  avrov  öjct]- 
Xaiov  Xrjöxojv  ^^zat  7]xov(jav  ot  yQaf/fiaretö  xai  oi  aQyuQHö 
xai  8^7]T0vv  Jiwö  avrov  ajioXEöcoöiv  tfpoßovvTO  yaQ  avrov  ort 
jtaö  o  ox^oö  estJiXrjööEro  sjti  rrj  öiöayr/  avrov  ^'^xat  ors  oipe 
syevsro  s^sjtoQevero  s^oj  rr/O  Jiolm^O'  ^^xat  jzqcol  jiaQajcoQsv- 
ofisvoi  lÖov  r7]v  övxrjv  es^Qaf/fievrjV  sx  qi^cov  '^^xac  ava^uvtjO- 
d^etö  o  jterQoö  Xtyei  avro)'  Qaßßi  lös  ?]  övxtj  tjv  xar7]Qa6oj 
i:c,7]Qavd^7]'  2^x«i  ajtoxQid^eiö  o  irjOovö  Xr/f:i  avroiO'  f/6T£  jtt- 
oriv  d^eov  '^•^afii]v  yaQ  Xs-  \\  yco  vfiiv  ort  oö  av  etjr?]  reo  oQt 
rovrm  aQd^tjrt  xat  ßXrid^r]rt  £to  rrjv  d^aXaooav  xat  fir/  dtaxot- 
d^Tj  SV  rrj  xaQÖia  avrov  aXXa  jiiorevö?]  ort  o  XaXst  ytvsrat  eora 
avrm  o  eav  stjirj'  '^^öta  rovro  Xsyco  vfitv  jtavra  oOa  sav  jtqoö- 
evyo/ievot  atrttö{^e  jctörsvsre  ort  Xafißavire  xat  eörat  i\uiv' 
"^'""xat  orav  6r?jxrjrat  jcQoöevxofisvot  afpisre  u  rt  ex^re  xara 
rtvoö'  tva  xat  o  jiarrjQ  vftcov  o  ev  roiö  ovQavotö  acprj  i\utv 
ra  jtaQajtrcofiara  vfiwv  '^^\8t  öe  vfiiö  ovx  aq)itre  ovöe  o  jiarr]Q 
vfimv  o  SV  ovQavco  a(pr/6st  ra  jtaQajtroyfiara  vficov  '^'xat  sq- 
Xovrat  jtaXtv  stö  tsQoöoXvfia'  xat  sv  reo  tsQco  jis-  ||  QtJtarovv- 
roö  avrov  sQ^oinat  jiqoö  avrov  ot  aQxtsQstO  xat  ot  ygafifiarstö 
xat  ot  jiQsößvrsQot  '^^xat  Xsyovotv  avrco'  sv  Jtota  s^ovöta 
ravra  jiotstö  xat  rtö  öot  rt/v  s^ovötav  ravr7jv  söcoxsv  tva 
ravra  jiotjp'  ^-'o  6s  trjöovö  aitoxQtd^stö  stjisv  avrotö'  sjtsqoj- 
rrjöoy  v(ia6  xayco  sva  Xoyov  xat  ajtoxQtd^i^rs  fiot  xat  sqoj  vfitv 
SV  Jtota  s^ovOta  ravra  jiotco'  ^^ro  ßajtrtOfia  tcoavvov  s^  ovQa- 
vov  rjv  Tj  s^  avd^Qmjtcov  ajtoxQt&r/rs  fiot'  -^'ot  ös  sXoytC^ovro 
jiQOö  savrovö  Xsyovrsö'  sav  stjtojfzsv  tg  ovgavov  SQSt'  Start  ovv 
ovx  sjitörsvöarat  avrco'  ^'^aXXa  stjicofisv  £5  avd^Qmjtcov  (poßov- 
ftsd^a  rov  oyXov  Jtavrso  ||  yaQ  s^ovötv  rov  tcoavv?]v  atö  jiqo- 
<prir7jV'  '^^xat  ajtoxQtd^svrsö  reo  ttjöov  Xsyovötv  ovx  otöafisv 
xat  o  tTjOovö  Xsyst  avrotö'  ovös  syco  Xsyat  vfitv  sv  jiota  s^ov- 
Ota  ravra  jtotco' 

XII.  Kat  ?]Q^aro  Xsystv  avrotö  sv  jtaQaßoXatö'  av{^Qco:roö 
s(pvrevösv  afijtsXcova  xat  jtsQtsd^jjXsv  avrco  (pQayi^iov  xat  coqv^sv 
vjtohiviov  xat  s^söoro  avrov  yscoQyotö  xat  ajtsötjfDjösv'  -xat 
ajtsörstXev   jiqoö  rovö  ysojQyovö  dovXov  rat  xatQOj  tva  jtaQa 


4 


pp.  335—338]  Codex  Rossaneusis,  Mc  12.  g5 

Tcov  yecoQymv  laßrj  ajio  rov  xaQjtov  rov  aiijitlowoö'  '^ot  de 
Xaßoinsö  avTov  söstQav  xai  ajisörsiXav  xsvov  ^xat  jtaliv 
ajisöreiXsv  jiqoö  avrov  aXlov  öovlov  xaxst-  \\  vor  kc&oßoh]- 
OavTeO  exBcpalatcJöav  xai  ajtsözsiXav  r/zificofispov  '^xat  jcaXiv 
allov  ajceörulev  xaxuvov  ajisxxEtvav  xai  jtoXXovö  aXXovö 
Tovö  fisv  öaiQovTSO  Tovö  08  ajioxTSvvovTsö'  ^'src  OVP  £va 
VLOV  eyjojv  aja:jirixov  avrov  ajisöretlev  xai  avrov  jiqoO  avrovö 
söyarov  Xsycov'  smQajirjöovrat  roi^  viov  fiov  ^sxslvol  ös  ol 
yscQQyoi  LÖovreö  avrov  üljiov  jiqoö  savrovö'  ovroo  s6riv  o 
xXijQovofiOö'  dsvre  ajüoxrsivofisv  avrov  xai  7]iicov  eörai  7j  xlrj- 
Qovofiia'  ^xai  Xaßovrsö  avrov  aitexreivav  xai  s^eßalov  avrov 
£§w  rov  afijr£?.covo6'  ^ri  ovv  jtoirjöL  o  xvqioö  rov  a^ijieXoj- 
voO'  II  sXevösrai  xai  ajioXeösi  rovö  yeojQjovö  sxeivovö  xai  6m- 
ö8i  roi'  afiJisXmva  aXXoiö'  ^^ovös  r9]v  ygacpr/ty  ravn/v  aveyvcQrs' 
Xi&ov  ov  ajisöoxifiaoav  oi  oixoöofiovvrsö  ovroö  eyevr/^t]  eiO  x£- 
(faXrjv  ycQViaö'  ^^jta^a  xvqiov  syevero  avr?/  xai  eOriv  ^avf/a- 
örrj  £v  o^pd^aXiioiö  jjhcov'  ^'^xai  t^ijrovv  avrov  XQar?/6ai  xai 
£(poßri^f]6av  rov  o/Xov  syvmöav  yaQ  ori  jiqoö  avrovö  rr/v 
jtaQaßoX?]v  £iJt£V'  xai  acpsvreö  avrov.ajtf/X^ov  ^^xai  ajcoörsX- 
XovöL  jiQOö  avrov  rivaö  rmv  cpaQiöaicov  xai  rmv  i^Qcoöiavcov 
um  avrov  ayQtvöcoöiv  Xoyco'  ^^oi  de  eXd^ovreö  Xeyovöiv  avrw 
öiöaöxaXs  oiöafiev  ori  aXr/ü^7]ö  si  xai  ov  fisXi  öoi  \\  jisqi  ovöevoö' 
ov  yaQ  ßXejiHö  siö  jtQOöcojtov  ar{^Qmjtmv  aXX  ejc  aXrjd^eiaö  rrjv 
odov  rov  d^eov  öiöaöxsiö'  sijts  ovv  7]iiiv  e^eöriv  xrjvöov  xaiöaQi 
öovvai'  ömfisv  rj  fi?/  ömfiev  ^'^siöojö  ös  avrmv  rtjv  vjioxqiölv 
sijtev  avroiö'  ri  fie  jtsiQa^ers  vjtoxQirar  (psQers  fioi  örjvaQiov 
iva  eiöco'  ^^01  6e  Tjvtyxav  xai  Xsysi  avroiö'  rivoö  tj  ixcov  avrrj 
xai  r/  £jtiyQa(p7]'  oi  08  8iJtov  avrw  xaiöaQOö'  ^'^xai  ajtoxQi^eiö 
o  ir]öovö  8iJt8V  avroiö'  ajtoöore  ra  xaiöaQoö  xaiöaQt  xai  ra  rov 
d^eov  rm  ^sm'  xai  ed^av^iaöai^  sjt  avr  od'  ^^xai  8QX07nai  öaö- 
öovxaioL  JIQOÖ  avrov  oiriv8ö  Xeyovöiv  avaöraöiv  (irj  eivai  xai 
8jrriQcor7]öav  avrov  Xeyov-  ||  reo'  ^^öiöaöxaXs  fia>vö?/ö  syQaxpsv 
?/^uiv  ori  8av  rivoö  aöeX^poö  ajro^avrj  xai  xaraXijtrj  yvvaixa  xai 
rexva  fi?]  aq)7/  iva  Xaßij  o  aösX(poö  avrov  r?jv  yvvaixa  avrov 
xai  8^avaör7^öri  öJteQ^a  reo  ad8X(pG)  avrov  '^^ejtra  ovv  aöeXcpoi 
7jöav  xai  o  jiQmroö  8Xaß8v  yvvaixa  xai  ajto{^VTjöxmi^  ovx  a(p7]' 


86  Codex  Rossanensis,  Mc  12.  [pp.  339—342 

X8V  öJtsQfta'  "^^-aai  o  öevTsgoo  sZaßsv  avT7]v  yMt  ajted^avev  7cac 
ovdt  avToö  ag)7jxev  OjteQfia  xai  o  tqitoo  ojöavtcoO'  "^'^xai  eXa- 
ßov  avxjjv  OL  ejcra  y,ai  ovx  ag)9/xav  öjaQ(ia'  eöyarov  6s  Jtavrcov 
ajts^avsp  xat  ?/  yvviy  ^^ev  ttj  avaaraou  ovv  orav  avaorcoöiv 
Tivoö  avTcov  eözac  yvv7]'  oi  yag  tjrra  so-  \\  yov  avrrjv  yvvaixa' 
'^^YMi  ajtoxQid^tiö  o  tr/öovö  ujtsv  avToiO'  ov  ÖLa  Tovro  üiXavaö- 
d-B  nrj  löoreö  rao  ygafpaö  firjös  rtp  övvaf/iv  tov  O^sov  ^^orav  yag 
ex  V8XQCOV  avaörojöLv  ovöe  ya^uovöiv  ovös  ya^iLöxovraL  aXX  eiOiv 
(DO  ayysXoi  ev  tolö  ovQavoiö'  ^^jtsgt  6e  rmv  vsxqcov  ort  sysiQov- 
rat  ovx  aveyvcoTE  ev  r?]  ßtßXco  fcojvöecoö  sjct  rrjö  ßavov  wo 
Hjtev  avTco  o  ^soo  Xsycov  syco  o  ^eo6  aßQaafi  xai  o  ^soo 
lOaax  xat  o  d^soo  laxmß'  '^''ovx  soriv  o  d^soö  vsxqcov  aXXa  ^cov- 
Tcov  vfisio  ovv  jtoXv  jrXavaöß'S'  '^^xai  jiQoOeX^ojv  eiö  rcov  ygafi- 
fiarswv  axovöaö  avzmv  övvC,7]T0vt(X)V  LÖmv   ort  xaXcoO  avroiö 

ajieXQL-  II  d^7]  6Jt7]QCOT7j(JtV  CWTOV  JtOia  SÖriV  JtQG)T7l  JiaVTGOV 
SVTOXtj'     2^0    (Jg    L7JÖ0VÖ    ajlSXQLd^7]    aVTOJ    OTL    JIQC0T7]   JCÜVTCOV    SV- 

ToXrj'  axovs  iöqütjX  xvqcoö  o  d^soO  7/ficov  xvqioo  siö  blö  sOztv' 
^^xai  ayajtr/östo  xvqiov  tov  d^tov  öov  e^  oXrjö  ttjO  xaQÖcao 
oov  xai  8$,  oX7]C  T7/Ö  ^vy/jö  oov  xat  e^  oXrjO  r/yö  öiavoiao 
öov  xat,  6^  oXrjO  rrj6  töyvoo  öov  avT7]  jtQC0T7]  evroXrj'  ^^xat 
öevTsga  ofiota  avT7]'  ayaji7]ö8tö  top  JtXr/ötov  öov  wo  savrov 
fistC^wv  TOVTwv  aXXrj  svzoXr/  ovx  sortv  ^'^xat  etjtsv  avrw  o 
ygafiftarevO'  xaXcoö  ötöaOxaXt  sjt  aXrfi^taO  etjteö  ort  stö  eörtv 
xat  ovx  BöTtv  aXXoö  7tXr]v  av-  ||  rov  ^^xat  ro  ayajiav  avrov 
s§  oXtjO  TTjO  xagötao  xat  8$,  oX7jö  t?;ö  Ovvböbwö  xat  e^  oX7]0 
r7jö  ipvyr/O  xat  eg  oXtjO  rrjo  toyvoo  xat  ro  ayajtav  rov  jtXrj- 
ötov  wo  8avrov  JiXstov  eortv  Jtavrwv  ra>j^  oXoxavzwf/arwj^ 
xat  d-vOtwv  ^^xat  o  trjOovo  töwv  avrov  ort  vovvBywO  ajtsxgt- 
d^fj  etjtev  avrw  ov  fiaxgav  8t  ajto  rr^o  ßaOiXetao  rov  d^sov 
xat  ovÖBtO  ovxert  8roX}ia  avrov  8Jt8Qwr7]Oat'  "^'-^xat  ajtoxQtd-Biö 
0  t7]öovö  sXeysv  öidaoxcov  ev  to?  tsQW'  %wö  Xeyovötv  ot  ygaft- 
fiarsto  ort  o  ygtoroö  vtoO  eörtv  rov  öaö'  ^^avroO  yag  öaö  etJtev 
ev  jtvevfiart  ayiw  etjtev  o  xvgtoö  rw  xvgtw  fiov  xad^ov  ex 
öe^twv  fiov  ewö  av  d^w  rovo  eyß^govo  öov  vjto-  \\  jtoötov  rcö^ 
jtoöwv  öov  ^^ et  oiw  öaö  Xeyet  avrov  xvgtov  xat  Jtwo  vioö  av- 
rov eörtv  Tcat  o  jroXvO  oyXoO  tpcovev  avrov  ijöewö'  ^^xat  tXeyev 


pp.  343—346]  Codex  Rossanensis,  Mc  12.  13.  87 

avTOiö  £V  TT]  ötöayji  avrov  ßlEjiere  ajto  tcov  yQa^ufiarscoj'  rmv 
d^eXovTcov  8V  öroXaLö  jütQijtaxsiv  xat  aöjtaöfiovö  ev  ratö  ayo- 
gaiö  ^'^xai  üiQcoroxad^eÖQLaö  ^v  raiö  Ovi^ayor/aiO  xat  ütgo^ro- 
xXiOiaö  £V  roiö  ösijcvoiO'  ^^ot  xarsö^LOVTso  zao  oixiao  rmv 
yjjQcov  xai  nQO(paöH  (laxQa  jtQoösvyoftsvoi'  ovrot  XrjfiipovTai 
jisQiööoTSQOv  xQLfia'  ^^xai  xad^^Löaö  o  ltjöovö  xarsvam  rov 
yaC,o(pvlaxLov  s&sojqi  jtmo  o  oylo6  ßalXsi  yaXxoi^  \\  eiö  ro 
ya^ocpvXaxeiov  xcu  jioXZoi  jtXovOioc  eßaXXov  jüoXXa'  ^'^xai  s?.- 
d^ovöa  ^ta  yriQa  Jtrcoyrj  sßaXsv  Xsjtra  ovo  o  sOriv  xoÖQavTrjO' 
^^xat  jtQoöxaXeOafievoö  rovö  (iad^^iraö  avrov  stJtev  avroiO'  afir/v 
XsycQ  vfiiv  Ott  Tj  yrjQa  iq  jtTmyrj  avrrj  jtZstov  jtavTcoj?  eßalev 
TCOV  ßaZXovTon^  eio  ro  ya^o(pvXaxiov'  ^^JtavTeö  yag  ex  rov 
jisQiOösvovToö  avToiö  sßaXov  avr?]  öe  ex  Ti]ö  vöTeQ9/ö£coö  av- 
T?jO  Jtavxa  oöa  uyev  eßakst^  oXov  rov  ßiov  avT7]0' 

XIII.  Kai  exjtoQevo^evov  avrov  ex  rov  cegov  Zeyei  avrco 
eiO  TCOV  fiad^/]rojv  avrov  öidaöxaXe  löe  jtorajtoi  lid^oi  xat  jio- 
rajtai  OLXoöoiiar  '^xat  ajroxQid^eiö  ||  o  UjöovO  eijtev  avrco'  ßZe- 
jteiö  ravrao  raö  fieyaXao  otxodo/mö'  afi7jv  Zeyco  öoi  ov  fi?] 
a(ped^?j  wöe  Xid^oö  ejtt  Xid^co  o6  ov  fi?/  xaraXvd^i]'  ^xai  xa{)-7](ie- 
vov  avrov  ejti  ro  oqoö  roov  eXaicov  xarevavrt  rov  legov  ejti}- 
Qcorcov  avrov  xar  löiav  jterQoö  xat  laxcoßoö  xat  looavvrjO  xat 
avÖQeaö'  ^etjte  ?]fitv  jrore  ravra  eörat  xat  rt  ro  C7]fietov  orav 
fieXet  ravra  jtavra  ovjneXetöd^at'  '^o  de  t7j6ovO  ajcoxQt&eiO  av- 
roto  7]Q^aro  Xeyetv  ßXejtere  fi7]6eiö  vf/ao  jiXavrjöri'  ^jtoXXot  yaQ 
eXevöovrat  ejtt  reo  ovo^art  fiov  Xeyovreö  ort  eyco  etfit  xat  jioX- 
Xovö  jtXavrjOovOtv'  ''orav  öe  axov-  ||  67]re  jtoXefiovo  xat  axoao 
jioXeficov  fifj  d^Qoetöd^e'  öet  yag  yeveöß^at  aXX  ovjtco  ro  reXocr 
^  eye q{)-?]ö erat  yaQ  e&voö  ejt  e^voo  xat  ßaötXeta  ejit  ßaOtXetav 
xat  eöovrat  Otöfiot  xara  rojtovö  xat  eöovrat  ?ufiot  xat  Xotfiot 
xat  ragayat'  ^aQyat  coötvcov  ravra'  ßXejiere  6e  v^tö  eavrovO' 
jtaQaöcoöovötv  yaQ  vfiaö  etö  övveÖQta  xat  eto  övvaycoyaö  daQ7j- 
Oeo^at  xat  ejit  r/yei/ovojv  xat  ßaOtXecov  Orad^7jöeöd'at  evexev  efiov 
eto  ftaQrvQtov  avrotO'  ^^xat  etö  jtavra  ra  ed^vr}  öet  juQcorov 
x7]Qvyß^7]i^at  ro  evayyeXtov  ^^orav  öe  ayaycoOtv  vfiaö  jtaQaöt- 
öovreö  fi7i  jiQOfieQtfivare  rt  XaX7]ö7jre  \\  aXX  o  eav  öo&tj  v^itv  ev 


8g  Codex  Uossanensis,   Mc  13.  [pp.  347 — 350 

exetvrj  rry  coQa  tovto  ZaXstTS'  ov  yag  vfittö  söre  ot  laXovvreo 
alla  ro  jtvevfia  ro  ayiov  ^^^TtagadcoOsi  de  aöeXtpoö  a6eX(pov 
8C6  davarov  xat  jicctt/q  tsxvov  xat  sjtavaryrrjöovTai  rsxva  ejii 
yovuö  xat  {^^avarojöovoiv  avrovO'  ^'^xat  eoeod^ai  fiiöovfievoi  vjto 
jtavTwv  öia  ro  oj'Ofia  fiov  o  de  vjtofieivaö  eio  xsXoo  öod^tjös- 
rar  ^^oxav  6t  tiörjtt  ro  ßösXvyfja  rt]0  tQr/ftojösmö  ro  Qrß^ev  vjio 
6avi7jl  TOI'  jiQocprirov  eöroo  ojcov  ov  Sei'  o  avaytvcooxcov  vo- 
eiroj'  rort  oi  sv  rr/  lovöata  (psvyaroDOav  siö  ra  oqyj'  ^-'o  öe 
ejii  rov  öcofiaroO  \\  (xrj  xaraßarm  sl6  rr]v  oixtav  fif]6s  uöeXd-s- 
roj  agat  rt  tx  r?jö  oixiaö  avrov  ^^xat  o  etö  rov  ayqov  cov  (11] 
ejtiörgeiparco  siö  ra  ojttöoj  agai  ro  iftariov  avrov  ^''ovat  ös 
raio  ST  yaörQt  exovöaio  xac  raiö  d-rjXa^ovöaiö  sv  exsivaiö  raio 
?]fi£QaiO'  ^^  jigoöev^eöd^t  dt  tva  (irj  yevrjraL  t]  (pvyrj  vftCDV  ysifio9- 
voö  [iTjöt  öaßßarov  ^^  tOovraL  yaQ  ai  TjfisQat  sxeivai  f^Xiipio  oia 
ov  ytyovtv  rotavrrj  ajt  aQyrfi  xriöewö  rjv  exriosv  o  {heoo  ovo 
ov  fi7]  ysvyrai'  '^^xai  tt  fir/  xvqioö  txoXoßoösv  raö  TjfitQao  exu- 
vaO  ovx  av  töcod^?]  jiaöa  Oag^'  aXXa  öta  rovö  exXsxrovö  ovo 
e^sXs^aro  exoXoßmötv  ||  rao  7j/z£Qaö  sxstvaö'  -^'roTe  sav  riö  vfiiv 
eijtrj  iöov  (DÖt  o  ygiOroö  7]  löov  exet  firj  jitörtvörjre'  ^'^eysQ- 
{h7j(j07'rai  yaQ  ^tvöoxQtöroL  xac  ^psv6ojtQOCp7]rai  xai  öcoOovötv 
Or/fitia  xai  rsgara  jtQoö  ro  ajiojtXavav  u  övvaroi'  xai  rovö 
€xX.£xrovö'  '^^vfieco  ös  ßXejcsrs'  löov  jtQoecQTjxa  vfiiv  ajiavra' 
^^aXX  ev  sxeivaio  raiö  r/fisgaio  fisra  r7]v  O-Xtipiv  rcov  7]fi£Qcov 
txHvmv  o  tjXloö  öxortöd^TjOeraL  xai  rj  öeXrivrj  ov  öcoöei  ro  g)sy- 
yoo  avr7jö  '^^xai  ot  aOrsQtö  rov  ovgavov  eoovrai  sxjtijtrovreö 
xat  at  övvafiuö  at  sv  rotö  ovQavotO  öaXsvO-7]öov-  \\  rat'  ~^xat 
rors  oipomat  rov  vtov  rov  avd^Qmjtov  SQyofisvov  sv  vsfpsXatö 
fisra  övvafisojo  jtoXX7jö  xat  öo§7]6'  '^''xat  ajtoOrsXXst  rovö  ayys- 
Xovö  avrov  xat  sjttövvaB^st  rovö  sxXsxrovö  avrov  sx  rcov  rsö- 
öaQwv  avs/imv  aji  axQov  yr}ö  scoö  axQov  ovQavov  ^"^ajto  ös  r?]ö 
övx7]ö  fiaihsrs  r7/v  jiaQaßoX7]V'  orav  7]örj  o  xXaöoö  avrjp  ysv7]- 
rat  ajtaXoö  xat  sx(pV7]  ra  (fvXXM  ytvmöxsrs  ort  syyvö  ro  d-sQoö 
sörtv  ^'^ovrcoö  xat  vfistö  orav  ravra  tÖ7/rs  ytvofisva  ytvcoöxs- 
rs  ort  syyvö  sörtv  sjtt  d-vgatö'  ^'^a^uf/v  Xsyco  vfiiv  ort  ov  fi7j 
jraQsXd^7}  7]  ysvsa  ai)r7j  {isygiö  ov  jravra  ravra  ys7'7]rat'  "^^o 
ovQavoö  xat  ||  tj  y7j  jiaQsXsvösrat  ot  ös  Xoyoi  /.wv  ov  ,(//;  jia^sX- 


pp.  351—353]  Codex  Rossanensis,  Mc  13.  14.  89 

^coöiv  ^'^jisQi  ÖS  T7]d  fjuegaö  exsivrjö  rj  coQaö  sxstvrjö  ovöeiö 
oiöev  ovös  Oi  ayyeXoL  tojv  ovQavcov  ovös  o  vtoO  si  fir/  o  jcarr/Q' 
^^ßZsjtSTS  de  ayQvxveire  xai  jiQoOsvxsödaL '  ovx  oiöars  yag  jtors 
o  xaiQoö  tOTiv  ^^coöJteQ  yaQ  av&QWJtoö  ajtoör/fioO  a(p£i6  rrjv 
oixtav  avTOv  xac  öovö  rotö  öovXoiO  avzov  rrjv  s^ovöiav  xai 
BxaöTca  To  SQyov  avrov  xai  reo  d^vQcoQm  tvereilaro  iva  yQTj- 
yoQTj'  ^^yQr/yoQeiTS  ovv  ovx  oiöare  yag  jtors  o  xvqloö  r/yö  ol- 
xiaö  sQysraL  oips  tj  (ieöovvxrioD  rj  aXsxroQocpcoviaö  rj  jtQcor 
^^fiTj  eZd^cov  8^ai(pvrj(j  svgrj  vfcaö  xaihsvöov-  \\  zaö'  ^'^ a  öe  v^w 
Xsyoj  jtaöiv  Xeym'  yQTjyoQsire' 

XIV.  Hv  Ö£  TO  üia()ya  xai  ra  aC^vfta  fisra  ovo  rjfiSQaO' 
xai  E^7jTovv  OL  aQxi£Q£i(j  xai  ot  ygafiftareLö  ro  jtcoo  avroi>  öoXco 
xQaT7jöavT£0  ajtoxTLVcoönr  '^sXsyov  Ö8'  fiij  ev  ttj  eoQrrj  ft7jji0T£ 
^OQvßoö  sörai  rov  Xaov  ^xat  ovroö  avrov  ev  ßrjd^avia  ev  rrj 
oixta  Oificovoö  rov  Xejcqov  avaxei^ievov  avrov  rjXd^ev  yvvrj  syov- 
öa  aXaßaorgov  fivQov  vaQÖov  Jtiörix7j6  jtoXvreXovö  xai  övvrQi- 
ipaöa  rov  aXaßaorgov  xarex^ev  avrov  xara  rrjö  xetpaXrjö'  ^rjöav 
de  riveö  ayavaxrovvreö  jtQoO  eavrovö  xai  XeyovreO'  eiO  ri  tj 
ajtcoXia  avrrj  rov  fivQov  yeyovev  ^7j6v-  \\  varo  yaq  rovro  ro 
fivQOV  jiQad^rjvai  ejtavm  rQiaxoöimv  örjvaQimv  xai  öod^rjvai  roiO 
jirmxoiö'  xai  eveßQificovro  avrrj'  ^o  öe  irjoovö  eijtev  acpere  av- 
rrjV  n  avrrj  xojtovö  JiagexBre'  xaXov  egyov  eigyaöaro  ev  efioi' 
'^  jtavrore  yaQ  rovö  jcrmyjovö  exsre  fied-  eavrcov  xai  orav  ^e- 
Xrjre  dvvao^e  avrovö  ev  jtoirjöai'  efie  öe  ov  jtavrore  e^sre'  ^o 
eö^sv  avr7j  ejioujöev  jiQoeXaßev  ^vQiöai  ro  öcofia  fiov  eiö  rov 
evratpiaöfiov  ^afi7jv  Xeyco  vfiiv  oüzov  eav  X7jqvx^^]  to  evayye- 
Xiov  rovro  eiö  oXov  rov  xoöfiov  xai  o  ejtoirjöev  avrrj  eiö  [ivrj- 
[loövvov  avrrjö  XaXrjd^rjöe-  ||  rar  ^^xai  lovöaö  o  löxaQicorrjö  eiö 
Tcov  ömöexa  ajtTjXS-ev  jtgoo  rovö  aQxisgeiö  iva  jiaQaöo)  avrov 
avroiö'  ^^01  6e  axovöavreö  exccQTjöav  xai  ejt7jyyeiXavro  avrm 
aQyvQia  öovvai'  xai  e^Tjrei  jimö  evxaigcoö  avrov  jtaQaöco'  ^'^xai 
rrj  jtQcorrj  Tjfiega  rmv  aC^vfiojv  ore  ro  jtaöxcc  e^vov  Xeyovöiv 
avrco  Ol  fiad'7jrai  avrov  jtov  ^eXeiö  ajteX^ovreö  eroifiaömfisv 
iva  (payrjö  ro  Jtaöxa'  ^^xai  ajtoöreXXei  ovo  rmv  (iad^rjroov  av- 
rov xai  Xeyei  avroiö'    vjiayere  eiö  rrjv  jcoXiv  xai  eiöeXd^ovroav 


90  Codex  Eossanensis,  Mc  14.  [pp.  354 — 357 

vficov  siö  TT]v  jtoXiv  ajtavxrjöEL  vfciv  avd^QODjioö  xegafiiov  vda- 
TOö  ßaöra^ojv  axolovd^rjCaTe  avtm  ^^xac  o-  \\  Jtov  sav  tioekO^?/ 
eutaxat  toj  oixoöeojcor?/'  o  ÖLÖaOTcaXoö  Xtyw  Jtov  eoriv  ro 
xaraXvfia  fwv  ojiov  ro  jiaoya  fiera  tojv  fia^?/TOJp  fcov  (paym' 
^^xai  avToO  vfiLV  öl^l  avcoytov  ^tya  i^öTQojiievov  eroifiov  exei 
STOtfiaöaxs  rjfiLV  ^^xai  e^rjXO^ov  ot  fiaü-rjzaL  avxov  xai  rjXd^ov 
8iO  T?]v  jioliv  xai  8VQ0V  xa^coo  £ijt£v  avToiö  xai  ?]Totfiaöav 
ro  üiaöya'  ^'o^peiaö  ös  y8vofi£V7/6  sgyerai  fiera  rcov  öo:^d£xa' 
^^xai  araxeifievcov  avrcov  xat  eo^iovrojv  eijisv  o  irjoovo'  afi7jv 
Xsyo)  vfitv  ort  stö  eg  vficov  jtaQaÖcoösi  (le  o  söO^icov  fiex  efiov 
^^01  de  rjQ^avTo  Xvjtuöd^ai  xac  Xeyuv  avxoj  ||  elö  xad^  eiO'  fir/ri  syoj 
£if/i'  xai  aXXoö'  fi9jTi  syco  si^ut'  ^^o  da  ajtoxQL^sio  ecjt£V  avroio' 
£iö  ex  TCQP  öcoöexa  o  efißaipao  fier  efiov  eio  ro  TQvßXiov  ^^o 
f/ev  VLOö  Tov  avß-Qcojiov  vjtayei  xad^wö  yeyqajtxai  jteqi  avrov' 
ovac  de  tcd  m>d^QmjzG)  £X£ivm  6i  ov  o  vtoö  rov  at^O^QWjtov  jtaQa- 
ÖLÖorat'  xaXoi>  r]v  avTCO  £i  ovx  £y£vvrj^rj  o  avd^Qcojioö  exetvoO' 
"^^xai  eöd^Lovrmv  avtcov  Xaßcov  o  irjöovö  rov  agrov  xai  evXoy?]- 
oao  £xXaO£V  xai  eöojxev  avroLö  xai  eijtet>'  Xaßere  tpayere  rov- 
ro  eöTiv  ro  Ocofia  f/ov'  '^^xai  Xaßwv  jioxrjQiov  evyaQiötf/ciaö 
eöcoxev  avroiö  xat  ejtiov  e^  avrov  jtavreö'  ^^xac  eijcev  avroic 
rovro  eOrcv  \\  ro  aifta  fiov  ro  rrjö  xaivrp  dia{^7jX7]0  ro  JieQi 
jioXXcov  exyvvvofievov'  ^^afi?]v  Xeyco  vfiiv  ort  ovxert  ov  firj  jitco 
ex  rov  yev7]fiaroo  r7]ö  afijteXov  ecoö  rrjö  r/f^egaö  exeivr/O  orav 
avro  Jttvm  xatvoiy  ev  rrj  ßaotXeta  rov  O^eov  ^^xat  vf/t^7]0avreö 
e^rjX^ov  etö  ro  oqoö  rmv  eXatcov  '^''xat  Xeyet  avroto  o  t7]öovö 
ort  jtavreö  oxavöaXiöß?jO£öd^at  ei^  efiot  ev  rrj  vvxrt  ravr7j'  ye- 
yQanrat  yaQ'  üiara^m  rov  jtotf/eva  xat  ötaöxoQjtt6&7/6ovrai  ra 
jiQoßara'  '^^  aXXa  fiera  ro  eyeQ{^7jvat  (ie  jtQoa^co  vfiaö  etö  rr/v 
yaXiXaiav  '^^o  de  jterQoo  e^rj  avrco'  xat  et  jravreo  öxavöaXto- 
d^f/öovrat  II  aXX  ovx  eyw  ^^xat  Xeyet  avrco  o  t7jOovO'  af/7jv  Xeyco 
cot  ort  öv  07jfteQOv  ev  rrj  vvxrt  ravr7j  jtqiv  7]  öiO  aXexroga 
cpcov7jöat  rQtö  ajiaQV7j07j  fie'  '^^o  de  jierQoö  ex  jceQtööov  eXeyev 
ftaXXov '  eav  öetj  ftat  övvajto^a7>etv  öot  ov  ,w?/  öe  ajtaQV7jöoftai ' 
coöavrcoö  öe  xat  jtavreö  eXeyov  ^'^xat  egyovrat  etö  x<^^(^^ov  ov 
ro  ovo^a  yeöötj^avet  xat  Xeyet  roiö  f.iai)^7jraiö  avrov  xa^eiöare 
cüöe  ecoö  av  ajteXd^cov  Jigoötv^cofiat'    '^''^xai   jtaQaXaiißavet    rov 


pp.  358—361]  Codex  Rossanensis,  Mc  14.  91 

jtezQOV  xat    iaxcoßoj>  xai  icoavvrjv  //e^  eavtov  ocai  rjQ^aro  ex- 
d^außeiöd^ai  xai  aörjUOVBLV  ^^xat  ?.ty£t  avToiö'  jibqlIvjioö  eöriv 
Tj  ^pv^rj  fiov  sojö  d^avarov  fisivaze  w6e  \\  xat  yQrjyoQstTS'  ^^xai 
jtQ06eld^cov  fiixQov  sjtsöev  sjti  jtQoömjtov  ejtt  rrjö  yrjö  xat  jtQOö- 
7]vx£T0  Lva  £1  dvvarov  söriv  jiaQtld^rj  ax  avtov  rj  coQa  ^^xai 
sX^yev   aßßa  o  naT7]Q  jtavxa  övvara  öot'  jragsvEyxs  ro  jtor?/- 
QLOv  TOVTO  ajt  sfiov  jiXtjv  aXX  ov  ro   sym  d-eZm  aXX  ort  ov 
^''xai  sQx^rat  xat  svQiöxet   avrovö  xa^svöorrao  xai   leyu  reo 
TtSTQco'  öLfimv  xaO-svöeiö'  ovx  lOxvöaö  fiiav  coQav  yQr/yoQ7](jac' 
^^yQ7]yoQure  xat  jtQoösvxsd^s  iva  firj   uOeld^rjre  £i6  jtsiQaöfiov 
ro  fi£v  jtvsvfia  jtQo^vftov  rj  6s  öaQs  aöd^evrjO'  '^^xai  jiaXiv  aji- 
sl^cov  jiQO07]v^aTO  TOP  avTov  Xoyov  sijrcov  \\  ^^xat  vjcoöTQe- 
ipaö  evgev  avrovö  xa^svöovraö'  r/öav  yag  oi  oq)&aXfioi  avrcov 
xaraßagwoiievoi  xat  ovx  löiöav  n  avxco    ajtoxQid^möiv '    ^^xat 
€QX£Tai  ro  TQLTov  xai  Isyu  avroiö'   xa^svösrs  ro  XoiJtov  xai 
avaxav8öd^£'  aüisx^r  r/Xd^ev  rj  coQa'  löov  uiagaöiöoTai  o  vioö  rov 
avd^Qcojiov  SLö  x^^Qf^^   t^^^    anaQxmXwv    ^'^eysiQSOü^s   aycofisv 
löov  o  jtagaöiöovö  fis  rjyyixsv  ^^xai  eri  avrov  XaXovvxoö  jzaQa- 
yivsxai   lovöaO  uö  xcov  ömösxa   xai  fiex    avxov  oxXoo  jtoXvo 
fiexa  fiay^aigcop  xai  ^vXcov  jtaQa  xcot^  aQX^^Q^f^^  ^^^  ^<^^  ygaf/- 
^axsmv  xai  xcov  jtQeößvxsQcov    ^^öeöo)-  \\  xsl  Se  o  jtaQaöiöovö 
avxov  övööTjfiov  avxoiö  Xsymv  ov  av  (ptXrjOm  avxoo  söxiv  xga- 
X7]öax£  avxov    xat   ajtayaysxe   avxov   aOg)aXwö'    ^^xai   eXd-mv 
svO^swö  jtQOOeXd^cov  xco  irjöov  Xsysi  avxm  Qaßßi  gaßßt  xai  xaxe- 
g)iXrjö£v  avxov    ^^ol  6s  sjteßaXov  avxm  xaö  x^f^Q^^  avxcov  xai 
£XQaxr](jav  avxov  ^'^£10  Ö£  xiO  xcov  jtaQ£Ox7]xoxcov  Ojta(jafi£voö 
xrjv  iiaxaiQav  £üiaiö£v  xov  öovXov  xov  aQX^^Q^^^  ^cai   a(piX£v 
avxov  xo  coxiov    ^^xai  ajioxQi^£i6  o  irfiovö  £iJt£V  avxoiö'  wo 
ejti  Xr/öxrjv  £^7jX&'ax£  fisxa  fiaxaiQcov  xai  ^vXcov  (jvXXaߣiv  //e* 
^^xaü-  ?]-  II  fi£Qav  ?]fi7]v   jiQoO   vfiaö  £v  xco  i£Qm  öiöaöxmv  xai 
ovx  £XQax7]6ax£  f(£'  aXX  iva  jrXrjQco^coöiv  ai  yQacpai'    ^^oxs  oi 
fia^7]xai  ag)£vx£ö  avxov  3iavx£ö  scpvyov*    ^^xai  £iö  xiO  V£avi0- 

XOÖ     9]XoXoV^riO£V     aVXG)     Jl£QiߣßX?]fl£VOO     öiVÖOVa    £Jli    yvfivov 

xai    xgaxovöiv   avxov    ot    v£aviöxoi'    ^^o    Ö£   xaxaXijtwv   xr]v 


^0.  oxe]  fort.  TOTE  codex;  vide  Prolegom. 


92  Codex  Rossanensis,  Mc  14.  [pp.  362—365 

öivöova  yvfivoö  scpvysv  an  avrow  ^^xai  ajtrf/ayov  rov  irjöovv 
JTQOO  rov  agycegea  xai  övvEQxovrat  avrco  jtavrso  ol  agyisQuö 
y,ai  OL  jtQSOßvTSQoi  xai  ol  yga^xiiaretö'  ^^xai  o  jistqoö  ajto 
[laxQo^^v  ijXoXovd^TjOtv  avTco  smö  £Ooj  blö  r7]v  avltjv  rov 
aQyiSQsmö  xai  7]v  övvxad^rjfievoö  xai  ||  {^sQ^uaivofisvoö  fieza  rmv 

VJl7]Q8TCOV   JtQOO    TO    CpCOÖ'     ^^01    6i-    aQyiEQStö   XÜL    oXoP    TO    ÖVV£- 

ÖQLOV  eC^7]Tovv  xaxa  rov  ltjöov  ^uaQzvQiav  slö  to  d-avaratOac 
avTOV  xat  ovx  svqlöxov  ''^jioXXol  yaq  sipEvdo^uaQrvQovv  xar 
avTOv  xai  Löai  ai  naQTVQiai  ovx  i]6av'  ^'^xai  rivso  avaörav- 
T£ö  sipsvdof^aQTVQovv  xar  avrov  XeyovTso  -'^ori  7]fi£io  rjxov- 
Oafiev  avTov  XeyovroO  ort  ^ym  xaralvöm  rov  vaov  rovrov 
rov  x^f^QOJtoirjrov  xat  aXlov  ayetQOJtoir]rov  öia  rgiojv  7]f/eQCDV 
ocxoöofir/Oo}'  ^^xac  ovös  ovrcaö  löö?]  ?]V  fj  fiaQrvgia  avr(x>7>' 
^^xai  avaörao  o  aQyisQSvö  siO  fisoov  sjtrj-  ||  QCDrrjösv  rov  i7j- 
öovv  X^ycDV  ovx  ajtoxQi7>7]  ovÖBV  ri  ovrot  öov  xarafiaQrvQov- 
CiV  ^'^o  ÖS  söLcojta  xat  ovösv  ajtsxgtvaro'  jtaXtv  o  aQyiSQSvö 
£jc7]Qa)ra  avrov  xai  XzyBi  avrco'  öv  sl  o  ygiöroö  o  vioö  rov 
8vXoy7]rov'  *'^o  ob  i7]6ov6  bijtbv  Bym  Bifit'  xai  o^Böf^B  rov 
viov  rov  avO^Qcojtov  bx  öb^icov  xad^r^iBVOV  rrjö  övvafiBODö  xai 
BQXofiBvov  fiBra  rmv  VBcpBXcov  rov  ovgavov  ^^o  6b  aQyiBQBvo 
öiaQQTj^aö  rovö  yirwvao  avrov  XByBi'  ri  Bri  yjQBiav  Byoy^Bv 
HaQrvQCßV  ^^?]xovöarB  jtavrBö  rrjö  ßXaö(p7]fiiaö  avrov  ri  vfiiv 
öoxBi'  Ol  ÖB  JtavrBö  xarBxgivav  avrov  Bivai  bvo/ov  ^avarov  ; 
^^xai  7jQ^avro  rivBö  Bf/jtrvBiv  avroj  xai  jiBQixaXvjtrBiv  ro^ 
jrQ0öa)jt07'  avrov  xai  xoXaq)i^Biv  avrov  xai  XByBiv  avrco'  jtqo- 
(frjrBvöov  rjfiiv  yQiörB  riö  Böriv  o  jiaiöaö  öb'  xai  oi  vjt7]QBrai 
Qajüiöfiaöiv  avrov  BßaXXov  ^^xai  ovroö  rov  jcBrQov  bv  t?/ 
avXrj  xaro)  BQysrai  fiia  rmv  Jtaiöiöxmv  rov  agyiBQBmö  ^"'xai 
löovöa  rov  jtBrgov  -O^BQfiaivofiBVov  Bvß?,£ipaöa  avrm  XByBi'  xai 
öv  fiBra  rov  7>a^aQ7jvov  ujöov  7]ö{^a'  ^'^o  6b  7jQV7]öaro  X^Bymv 
ovx  oi6a  ov6b  BJiiora^ai  öv  ri  XByBiö'  xai  B^7]Xd^BV  B^m  Bio  ro 
üiQoavXiov  xai  aXBxrmg  B(pmv7jöBV'  ^'^xai  7]  Jtai6iöx7/  i6ovöa  av- 
rov jiaXiv  7jQ^aro  XByBiv  roiö  jtagBör?]-  \\  xoöiv  ori  ovroö 
B$,  avrmv  Böriv  '^o  6b  jtaXn^  7jQV7jöaro'  xai  fiBra  fuxQoi^ 
jiaXw  Ol  jiaQBörmrBö  BXByov  rm  jTBrgm'  aXf/d-mö  b^  avrmv 
Bi  xai  yag  yaXiXaioö  bi  xai  7/  XaXia   öov  6//X01'    '^o  6b  7/()^aro 


pp.  366—369]  Codex  Rossanensis,  Mc  14.  15.  93 

ava&sfiati^eiv  xai  ofivveiv  ort  ovx  oiöa  rov  avd^QCjjtov  ov 
XsY^Te'    '^'^xai  ex  öevregov  aXexrcoQ  ^(pcovrjOev'  xat  avefiv?](jB^ri 

0  jtSTQOö  TO  ()7]fia  o  eijru^  avrco  o  irjöovö  ort  jiqlv  aXtxroQa 
cpcovrjOai  ajtaQP?jörj  fie  tqiö'  xac  ejtcßaZcov  exZaiev 

XV.    Kai    evO^scoö   ejti    ro    jtQcoi   övfißovhov   jtoirjOavTsö 

01  aQxi£Qsi6  f/exa  rov  jtQsößvrsQcov  xat  yQafifiaTecov  xat 
oXov  TO  öx'VhÖQLoi^  ötjöav-  II  reo  top  i?]6ovv  ajt7jyayov  xat 
jtaQEÖcoxav  ro?  jtiXaTco'  '^xai  njirjQcorrjOtv  avrov  o  jnXaroö' 
öl?  iL  o  ßaöiXsvö  rcov  lovöaicov  o  de  irjöovö  ajtoxQi^siö  eijtev 
avTco'  öv  Xeyeiö'  ^xai  xaTi]yoQovv  avrov  oi  aQ^HQHö  jtoXXa 
avTOö  de  ovöei^  ajtexQivaro'  ^o  6e  jtiXaroö  jiaXiv  ejirjQcor^jöev 
avrov  Xeyojv  ovx  ajtoxQiv?]  ovöev  ei6e  Jtoöa  öov  xaza- 
fiaQri^Qovöiv  '""o  6e  irjöovö  ovxeri  ovöev  ajtexQiü^rj  coöre  ^av- 
(la^eiv  rov  jtiXarov  ^xara  Se  eoQrrjv  ajteXvev  avroiö  eva 
öeöfiiov  ovjteQ  rjrovvro'  '^rjv  de  o  Xeyofievoö  ßagaßßaö  (lera 
rcov  övvöraöiaörcov  ||  öeöefievoö  oiriveö  ev  rrj  öraöei  cpovov 
jtejioiTjXiöav  ^xai  avaßorjöaö  o  o^Xoö  rjQ^aro  aireiöd^ai  xaü-coö 
aei  sjtoiei  avroiö'  ^o  öe  jtiXaroö  ajiexQid^rj  avroiö  Xeymv 
0-eXere  ajtoXvöco  viiiv  rov  ßaöiXea  rcov  lovöaicov  ^^ eyivcoöxev 
yaQ  ort  öia  cpd^ovov  jtaQeöojxiöav  avrov  oi  agy^iegeiö'  ^^oi  öe 
aQXieQeiö  aveöiöav  rov  oxXov  iva  (laXXov  rov  ßagaßßav  ajto- 
Xvö?j  avroiö'  ^^o  öe  jiiXaroö  ajioxQid^eiö  jtaXiv  eijiev  avroiö' 
ri  ovv  d^eXere  Jioirjöco  ov  Xeyere  ßaöiXea  rcov  lovöaicov  ^'^oi 
Öe  jtaXiv  exQa^av  öravQcoöov  avrov  ^^o  öe  jiiXaroö  eXeysv 
avroiö'  ri  yaQ  xaxov  ejtoujöev  oi  öe  jj  jteQiööoregcoö  exga^av 
öravQcoöov  avrov  ^^o  öe  JtiXaroö  ßovXofievoö  reo  oyXcx)  ro 
ixavov  üioirjöai  ajteXvöev  avroiö  rov  ßagaßßav  xai  jtaQeöorxev 
rov  irjöovv  cpqayeXXcoöaö  iva  öravQco&rj'  ^^oi  öe  örQaricorai 
ajirjyayov  avrov  eöco  r?jö  avXrjö  o  eöriv  jtQaircoQiov  xai  övv- 
xaXovöiv  oXrjv  rrjv  öJteiQav  ^'xai  evSvovöiv  avrov  jioQcpvQav 
xai  jteQirid^eaöiv  avra>  jtXe^avreö  axavO-ivov  örecpavov  ^^xai 
rjQ^avro  aöjia^eöd^ai  avrov  xai  ).eyeiv  x^^Q^  ^  ßaöiXevö  rcov 
lovöaicov  ^'^xai  srvjtrov  r7jv  xecpaXrjv  avrov  xaXaiico  xai 
evejtrvov  avrco  xai  riO-evreö  ra  yovara  jtQoöexvvovv  avrco' 
'^^xai  ore  evejtai-  |1  ^av  avroj  e^eövöav   avrov  rrjv  jioQ(fVQav 


94  Codex  Rossanensis,  Mc  15.  [pp.  370—372 

xai  svedvOav  cwrov  za  ifiaria  ra  löia'  xac  e^ayovöiv  avxov 
Lva  öravQOJöovöiv  avrov  '^^yMt  ayyaQevovötv  riva  öifxojva 
xvQTjvaiov  SQyofisvov  ajio  aygov  top  jtareQa  aXe^avÖQov  xat 
Qovq)Ov  iva  agrj  top  ötüvqop  avrov  ^'^-xai  (pegovöip  avrov 
EjtL  rop  yolyod-ap  rojtop  o  eörip  fied^eQf/?]pevofi£POO  xgapiov 
rojtoö'  ^^xac  söiöovp  avroj  jtisip  eöf/vQPiöfiepov  otvov  oö  de 
ovx  eXaßev'  '^^xat  öravQcoöapreö  avrop  6tafieQiC,opro  ra  ifia- 
na  avrov  ßaXlopreö  xItjqop  sjt  avra  riö  rt  agr/'  ^'^7]p  6e 
coQa  rQtri]  xat  söravQcoOav  avrov  '^^xac  rjp  ?]  £jnyQag)rj 
rrjö  II  airiaö  avrov  sjtiysyQafiizsprj'  o  ßaötZsvO  ro?p  lovöatow 
'^''xac  Ovp  avrco  oravQovöip  ovo  hpraü  spa  ex  ös^icop  xat 
£pa  E^  svcopvf/CQP  avrov  ^^xai  ejtXrjQcod^rj  rj  ygacprj  ?]  Xeyovöa' 
xat  ^isra  avoficop  eXoytod^rj'  '^^xat  oi  JtaQajtoQevof/epot  sßXaö- 
(ptjuovv  avrop  xsipovpreo  rao  xe^aXao  avrojp  xat  Xeyopreö' 
ova  o  xaraXvcop  rop  vaov  xat  ev  rQtötp  r/fisgaio  ocxoSofioop' 
'■^^öojöop  ötavrop  xai  xaraßa  ajto  rov  OravQov  ^^oftoiwö  de 
xat  ot  aQxtegeto  efiJtatC^ovreö  jtQoö  aXXrjXovö  fiera  rojv  yQafi- 
[lareow  eXeyop'  aXXovö  eOcooev  eavrop  ov  övvarat  oojöat' 
•^■^o  ;f()«öTO(>  o  ßaötXevö  rov  \\  t(jQa?]X  xaraßarco  pvp  ajto  rov 
OravQov  tva  töcofiep  xat  jti6rev6co(iev  avrm'  xat  ot  övpeörav- 
Qro/tepot  avrco  optöei^op  avrop'  ^^yepo(ieP7]ö  6e  coQaö  exri]6 
Oxoroö  eyepero  e(p  oX7]p  rrjv  yrjp  ecoö  wQaö  evarip'  '^^xat 
rrj  wQa  rtj  evarrj  eßotjöep  o  trjöovö  cpcop?]  (leyaXtj  Xeyow  eXojt 
eXcot  Xä/ia  öaßayßavet'  o  eörtp  fied^eQ/njpevofiepOP'  o  d^eoö 
fiov  o  d^eoö  fiov  etO  rt  f/e  epxareXtjteö'  '^^xat  rtped  rcov 
jtaQeOr7jxorcop  axovöapreö  eXeyop'  löov  7]Xtav  [cpcopet']  ^^ÖQa- 
ficop  6e  etö  xat  yefitoaö  ojtoyyop  o^ovö  jieQtd^etö  [re  xaXaf/co] 
ejtort^ev  avrop  Xeycop'  arpere  ||  lörnftep  et  eQyerat  r/XtaO  xad-e- 
Xetp  avrop'  '^' o  de  tf]6ov6  acpetö  (pcoP7]p  (teyaX7]p  e^ejtpevöEV' 
^^xat  töov  ro  xarajteraOf/a  rov  vaov  eöyt(jd^7]  eio  ovo  ajto  avo>- 


24.  6La[JLeQit,ovxo]  fort.  6iFf^8()itorTo  codex;  vide  Prolegom. 

34.  käßd]  ita  codex  A«  linea   exeunte  et    fia    in   principio    sequentis 
liueae  scripto. 

35.  (ptorei  membrana  lacerata  periit. 

36.  Tf  xakafxüj]  membvaua  lacerata  iit  supra. 

I 


pp.  373—375]  Codex  Rossanensis,  Mc  15.  16.  95 

^£V  £co6  xarcQ'  '^^löov  de  o  xsvtvqcojv  o  jtaQsöTrjxcoö  e§ 
svavTiaö  avTov  ort  ovtcoö  xga^aö  s^sjtvsvöev  eijtsv  aZrj&oyö 
o  avd^Qcojioö  ovToö  vioö  rjv  d-eov  ^^tjöav  ös  xat  yvvaixeö  ajio 
fiaxQod^sv  d^tcoQovöat  sv  aiö  rjv  fiaQia  rj  [iayöaXrjvrj  xat  fiaQia 
f/  taxmßov  Tov  f/iXQOV  xat  icoOrj  firjtrjQ  xat  öaXcofirj  ^^at  xat 
ors  TjV  8V  ZTj  yaXtXata  rixolov^rfiav  avxm  xat  ötr]xovovv  xat 
aXXat  jtoXXat  at  övvavaßaöat  ||  avXG)  stö  tegoöoXvfia'  ^'^xat 
7]6rj  orptaö  y£vo(/svT](j  ejtt  rjv  jtaQaOxsvrj  o  eörtv  jtQoö  öaßßa- 
Tov  ^^sXd^cov  tco(j7]<p  o  ajto  aQtfia^aiaö  8vöX7]ficov  ßovXevrrjö 
06  xat  avroö  r/v  jtQooösxof^svoö  Tr]v  ßaötXstav  rov  d^eov 
ToXfiTjöaö  ttOrjXd^sv  jtQOö  jtiXarov  xat  TjTTjöaro  ro  öcofia  rov 
trjöov  ^^o  Ö6  jttXaroö  £\)^avfiaö6V  et  tjÖtj  red^vrjxsv  xat  jtQOö- 
xaXeöa{/£vo6  rov  xevzvQtcova  sjtrjQmrrjosv  avxov  et  jtaXat  ajte- 
d^aveir  ^^xat  yvovö  ajio  rov  xevrvQtojvoö  eöcoQrparo  ro  öojfia  reo 
t(D(j7](p'  ^^o  öe  tco6rj(p  ayoQaöaö  ötvöova  xat  xaO^eXcov  avrov  evet- 
Xrj6ev  t?j  ötvöovt  xat  ed-rj-  ||  xev  avxov  ev  (ivrjfietco  0  tjv  XeXaxo- 
f/f]fievov  ex  jtexQaö  xat  jrQ06exvXt6ev  Xtd^ov  ejtt  X9]v  d^vQav  xov 
Hvrifietov  ^'^r/v  de  fiaQta  rj  (layöaXrjvrj  xat  (laQta  ?]  twö?](p 
ed^ecDQOvv  Jtov  xeO^etxat' 

XVI.  Kat  ötayevofievov  öaßßaxov  fiaQta  7]  (/ayöaXtvrj  xat 
(lagta  rj  xov  taxojßov  xat  öaXmfii]  rjyoQaöav  aQojfiaxa  tva 
eXd^ovöat  aXttpcoötv  avxov  '^xat  Xtav  jiQmt  xrjö  fitaö  öaßßa- 
xmv  eQjpvxat  ejtt  xo  fivrjfitov  avaxetXMVxoO  xov  7]Xtov'  ^xat 
eXeyov  jiqoO  eavxaö'  xtö  ajtoxvXiOet  rjutv  xov  Xt^ov  ex  xrjö 
d-vQao  xov  ftvrjfitov  ^xat  avaßXe^aöat  d^emgovötv  oxt  ajtoxe- 
xvXtöxai  o  Xtd^oö'  rjv  yag  fieyad  \\  öcpoÖQa'  ^xat  etOeXd^ovöat 
etö  xo  fivrjfietov  tdov  veavtöxov  xad-rjfievov  ev  xota  de^totö 
jtegtßeßXfjf^ievov  oxoXtjv  Xevxrjv  xat  e^ei^afißrjd^ijOav  '^0  6e  Xeyet 
avxatö'  firj  ex^aftßetöd^e'  trjöovv  ^rjxetxe  xov  vaC^aQfjvov  xov 
eöxavQcofievov  rjyeQ^rj  ovx  eöxtv  wöe'  töe  o  xojtoö  ojiov 
ed^rjxav  avxov  "' aXXa  vjtayexe  etjtaxat  xotö  [lad^tjxatö  avxov 
xat  xco  jcexQOJ  oxt  üiQoayet  vfiaö  eto  X7jv  yaXtXatav  exet 
avxov    otpeöO^e   xa&mö    etjtev    vfitv    ^xat    e^eXd-ovöat    erpvyov 


46.  0  6t  iü)07](p]  deleto  yai  prius  scripto  dedit  0  öe  imar^cp 


96  Codex  Rossanensis,  Mc  16.  [p.  376 

ajto  Tov  fiv7]ficov'  sr/ev  ös  avraö  tqo[Ioö  xai  sxoraöio  xac 
ovötvi  odöev  uüzov  6g)oßovvTO  yaQ'  \\  ■^avaöraö  de  jtqoji  jiQmrrj 
oaßßarov  ecparr/  jtQcorov  fiaQia  ttj  fiaydaXivrj  a<p  r/ö  exßeßZr]- 
xEi  sjtra  öaifiovia'  ^^txeivrj  jtoQSv^etOa  ajtrjyysiXev  roiö  fisr 
avrov  yEVOftevoco  jitvd^ovötv  xat  xXaiovötv  ^^xaxscvot  axov- 
öapTSö  ort  C,rj  xat  i&ead^?]  vjt  avrrjO  7]jtiöTrj6av'  ^^(lera  6e 
xavra  övöiv  £§  avrmv  jtsQijcarovOiv  t^av£Q(o&7/  ev  erega 
HOQ(fr}  jtoQsvofievocö  Hö  ayQov  ^^xaxetrot  ajieXO^ovreö  ajirjy- 
ytilav  Toiö  loijtoiö'  ovöe  exetvoiö  tmonvöav'  ^^vöreQov  de 
cwaxeifievoiO  avroLö  tolö  evöexa  e(paveQcod^rj  xac  ojveiöiöev  ttjv 
ajnöTiav  av  *** 


14.  av  ***]  reliqua  desiderantur. 


i 


DEK  ANGEBLICHE  EVAMELIENCOMMENTAR 


DES 


THEOPHILUS  VON  ANTIOCHIEN 


VON 


ADOLF  HARNACK. 


Texte  und  Uuteraueliungen  I,  i. 


Erstes  Capitel. 

In  den  „Texten  und  Untersucliungen''  I,  1.  2  S.  282—298 
habe  ich  die  Geschichte  der  Überlieferung  der  Schriften  des 
Theophilus  von  Antiochien  in  Kürze  dargelegt.  Auf  die  Com- 
mentare  zum  Evangelium,  welche  Hieronymus  unter  dem  Namen 
dieses  Bischofs  gelesen  und  dreimal  in  seinen  Werken  erwähnt 
hat,  bin  ich  dort  nicht  näher  eingegangen,  da  Zahn  bereits  eine 
Untersuchung  derselben,  resp.  der  Nachrichten,  die  wir  über  sie 
besitzen,  angekündigt  hatte,  und  ich  nicht  vorgreifen  wollte.  Ich 
bemerkte  lediglich  dies,  dass  nach  dem  Zeugniss  des  Hieronymus 
den  Commentaren  des  Theophilus  eine  Evangelienharmonie  zu 
Grunde  gelegen  hat,  und  dass  die  von  de  la  Eigne  unter  dem 
Namen  des  Theophilus  von  Antiochien  veröflPentUchten  Evangelien- 
commentare  besten  Falls  eine  lateinische  Umarbeitung  des  Werkes 
des  Antiochenischen  Bischofs  aus  dem  5.  Jahrhundert  seien.  ^) 
Diese  Annahme  war  bisher  die  gewöhnliche  und  ist  zuletzt  noch 
von  V.  Otto  in  seiner  verdienstvollen  Edition  der  Commentare 
(Corp.  Apolog.  T.  VIII)  mit  guten  Gründen  vertheidigt  worden. 
Die  Untersuchung  Zahns  über  die  Commentare  des  Theophilus 
ist  nun  vor  wenigen  Wochen  erschienen.'-^)  Wie  alle  Arbeiten 
Zahns,  so  zeichnet  auch  diese  eine  seltene  Gelehrsamkeit  aus.  Was 
irgend  aus  der  altkirchlichen  Literatur  zur  Lösung  der  Räthsel, 
welche  hier  vorliegen,  herbeigezogen  werden  kann,  das  wird  man 
—  mit  einer  einzigen  Ausnahme  —  in  dem  neuen  Werke  nicht  ver- 


1)  A.  a.  0.  S.  298. 

2)  Zahn,  Forschungen  zur  Geschichte  des  NTlichen  Kanons  und  der 
altchristUchen  Literatur.  2.  Theil:  Der  Evangeliencommentar  des  Theo- 
philus von  Antiochien.    Erlangen,  1883,  A.  Deichert  (VI,  302  S.  gr.  8"). 

7* 


IQQ  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

gebens  suchen,  und  Manches  wird  man  finden,  was  man  bisher  noch 
niemals  gesucht.  Aber  seine  Bemühungen  haben  sich  auch,  wie  es 
scheint,  durch  die  reichsten  und  überraschendsten  Ergebnisse  be- 
lohnt gemacht;  denn,  wie  er  selbst  annhnmt,  ist  nun  der  Beweis 
geliefert,  dass  der  von  de  la  Bigne  veröffentlichte  Evangelien- 
commentar  eine  in  allem  Wesentlichen  treue  Übersetzung  der  um 
d.  J.  170  verfassten  Commentare  des  Theophilus  von  Antiochien 
zum  Evangelium  ist,  und  dass  die  Übersetzung  selbst  noch  vor  der 
Mitte  des  3.  Jahrhunderts  entstanden  ist.  „Ganz  geringfügig  und 
geschichtlich  völlig  gleichgültig  sind  die  kleinen  Zuthaten,  welche 
schon  der  Übersetzer  sich  erlaubte.  Sehr  erheblich  sind  auch 
die  Auslassungen  und  sonstigen  Verderbnisse  nicht,  welche  spätere 
Abschreiber  verschuldet  haben". 

Wenn  diese  Ergebnisse  wirklich  probehaltige  sind  —  und 
die  Beweisführung  erscheint  auf  den  ersten  Blick  als  eine  ebenso 
vollständige  wie  siegreiche  — ,  so  hat  der  Verf.  volles  Recht,  auf 
die  Ausbeute  aufmerksam  zu  machen,  welche  der  nun  identificirte 
und  dem  zweiten  Jahrhundert  wiedergeschenkte  Commentar  für 
die  Geschichte  des  Kanons,  des  biblischen  Textes,  der  Schrift- 
auslegung, des  kirchlichen  Lebens  und  —  fügen  wü'  hinzu  — 
der  kirchlichen  Lehre  und  Verfassung  gewährt.  In  der  That 
kann  man  diese  Ausbeute  nicht  überschätzen.  Was  so  viele  ältere 
Gelehrte  —  die  neueren  haben  sich  nur  selten  und  flüchtig  mit 
dem  Werke  beschäftigt  —  bedenkhch  gemacht  hat,  an  die  Echt- 
heit des  Connnentars  zu  glauben,  war  neben  Anderem  vor  allem 
die  Menge  der  neuen  Erkenntnisse,  mit  welchen  derselbe  das  ihm 
geschenkte  Vertrauen  belohnt.  Darf  man  ihn  wirklich,  wie  er 
bei  delaBigne  vorliegt,  als  eine  genaue  Übersetzung  der  Arbeit 
des  Antiochenischen  Theophilus  ansehen,  so  hat  man  in  ilim  ohne 
Zweifel  die  wichtigste  Urkunde  anzuerkennen,  die  wir  für  den 
Zeitraum  zwischen  Justin  und  Irenäus  besitzen,  zugleich  eine  Ur- 
kunde, die  in  einem  noch  viel  höheren  Grade  als  die  ignatiani- 
schen  Briefe  —  wenn  man  sie  unter  Trajan  geschrieben  sein 
lässt  —  zeigt,  dass  die  Entwicklung  der  kü'chlichen  Verhältnisse 
in  Antiochien  einen  rapiden  Verlauf  genommen  hat,  und  dass 
die  Gemeinde  daselbst  den  Schwestergemeinden  im  Reiche  um 
mehrere  Menschenalter  voraus  gewesen  ist.  Um  nur  Einiges  an- 
zuführen, so  erfahren  wir  aus  dem  Commentare,  dass  die  -Trini- 
tät",  ihre  Einheit  und  Untheilbarkeit,  eine  geläufige  Formel  in 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  101 

der  antiochenisclien  Gemeinde  um  d.  J.  170  gewesen  ist;  wir  er- 
fahren ferner,  dass  um  dieselbe  Zeit  die  christlichen  Cleriker 
bereits  den  Namen  „Priester"  führten,  dass  Ausdrücke  wie  „ca- 
tholica  ecclesia",  „regnum  Christi  catholicum",  „catholica  doc- 
trina",  „catholicum  dogma"  überaus  häufige  waren,  und  dass 
man  schon  um  d.  J.  170  von  dem  „humanum  genus  originali 
peccato  detentum"  gesprochen  und  über  den  freien  Willen  und 
die  Gnade  gehandelt  hat.  Aber  noch  nicht  genug:  der  in  der 
ersten  Hälfte  des  3.  Jahrhunderts  lebende  Übersetzer  hat  auch 
einen  Satz  bei  Theophilus  gefunden,  den  er  nicht  anders  wieder- 
zugeben vermochte  als  mit  folgenden  Worten:  „Duo  in  lecto 
(Lc.  17,  34).  In  lecto  esse  monachos  significat,  qui  amant  quie- 
tem,  aheni  a  tumultu  generis  humani  et  domino  servientes,  inter 
quos  sunt  boni  et  mali."  Er  hat  ferner  von  „pagani"  „genti- 
litas"  „saeculares"  gesprochen.  Er  schreibt  z.  B.  zu  Mtth.  3,9: 
„Lapides  pro  paganis  ait  propter  cordis  duritiam."  Schon  diese 
Beispiele  werden  ausreichen,  um  zu  beweisen,  dass  der  dem 
2.  Jahrhundert  vindicirte  Commentar  und  seine  den  Jahren  200 
bis  250  zugeschriebene  Übersetzung  geeignet  sind,  eine  völlige 
Revolution  auf  dem  Gebiete  der  alten  Kirchen-  und  Dogmen- 
geschichte hervorzurufen. 

Indessen  eine  solche  Revolution  ist  nach  der  Meinung  Zahn's 
sehr  nothwendig,  oder  vielmehr  sie  ist  in  Wahrheit  keine  Revo- 
lution, da  wir  bisher  überhaupt  noch  nichts  Sicheres  hier  gewusst 
haben.  Erklärt  er  doch  ausdrücklich  (S.  165 f.):  „Untersuchungen 
über  die  Entstehungszeit  einer  Schrift,  welche  von  der  sonderbaren 
Voraussetzung  ausgehen,  dass  wir  die  Entstehungsgeschichte  der 
wichtigeren  kirchlichen  Einrichtungen  und  christlichen  Ideen  so 
ziemlich  kennen,  sind  werthlos."  Dieses  apodictische  Urtheil  ist 
ja  in  der  That  bis  zu  einem  gewissen  Grade  richtig;  für  Zahn 
ist  durch  dasselbe  die  Möglichkeit  eröffnet,  auch  Spuren,  die 
man  bisher  als  Andeutungen  des  nachconstantinischen  Zeitalters 
aufgefasst  hat,  als  Zeichen  des  2.  Jahrhunderts  zu  verstehen. 

Indessen  der  Umstand,  „dass  wir  die  Entstehungsgeschichte 
der  wichtigeren  kirchlichen  Einrichtungen  und  christlichen  Ideen 
noch  nicht  kennen",  wird  dem  gewissenhaften  Forscher  die  Da- 
th'ung  einer  bestimmten,  einzelnen  Urkunde  nicht  erleichtern, 
sondern  erschweren.  Das  weiss  auch  Zahn,  und  Niemand  wird 
ihm  vorwerfen  können,  dass  er  es  mit  seinem  Beweise  sich  leicht 


102  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

gemaclit  hat.  Allein  dass  er  die  wichtigen  Instanzen,  die  gegen 
seine  Hypothese  sprechen,  mit  derselben  Sorgfalt  geltend  gemacht 
und  erwogen  habe,  wie  die  ihr  günstigen,  kann  man  leider  nicht 
behaupten.  Im  Gregentheil:  in  merkwürdiger  Verblendung  hat 
er  sehr  helle  und  deutliche  Punkte  übersehen  oder  verdunkelt, 
während  er  einem  trügerischen  Scheine  mit  seltener  Energie  nach- 
strebte. Die  folgende  Untersuchung  wird  zeigen,  dass  die  An- 
nahme, welche  Zahn  bewiesen  zu  haben  glaubt,  eine  irrige  ist, 
dass  also  auch  die  überraschenden  Geschenke,  welche  schon  die 
älteren  Gelehrten  anzunehmen  sich  geweigert  haben,  abzulehnen 
sind.  Ich  hoffe  dies  in  dem  ersten  Capitel  mit  derjenigen  Sicher- 
heit nachgewiesen  zu  haben,  welche  bei  einem  negativen  Resul- 
tate durch  die  Kritik  erreicht  werden  kann.  Meinen  Einwürfen 
gegen  die  Aufstellungen  Zahn's  betreffs  des  tatianischen  Dia- 
tessaron  hat  derselbe  die  Antwort  entgegengestellt  (S.  292):  „Die 
Widerlegung  würde  in  einem  im  wesentlichen  unveränderten  .  .  . 
Abdruck  meines  Buches  bestehen".  Ich  muss  daher  leider  er- 
warten, dass  Zahn  auch  den  folgenden  Ausführungen  gegenüber 
sich  auf  die  eigene  Unfehlbarkeit  zurückziehen  und  mir  etwa 
dasselbe  Urtheil  sprechen  wird,  mit  welchem  er  Overbeck  (S. 
290)  bedacht  hat,  dass  nämlich  meine  Darstellung  „von  jeder  Spur 
eigener  Kenntniss  der  Sachen  entblösst  sei."  Ich  lasse  es  darauf 
ankommen  und  werde  nicht  aufhören,  einem  so  kenntnissreichen 
Gelehrten  trotz  alledem  die  schuldige  Achtung  zu  erweisen,  ob- 
gleich die  neuen  überraschenden  Entdeckungen,  die  Zahn  überall 
zu  machen  glaubt,  wo  er  die  Untersuchung  unternimmt  —  sie 
haben  alle  das  Gemeinsame,  dass  durch  sie  das  denkbar  höchste 
Alter  des  NTlichen  Kanons  bezeugt  wird  — ,  mir  nachgerade  mehr 
als  bedenklich  geworden  sind. 

I. 

Der  Einzige  im  Alterthum  und  im  Mittelalter,  der  ausdrück- 
lich einen  Evangeliencommentar  des  Antiochenischen  Bischofs 
Theophilus  saec.  IL  erwähnt  und  ihn  auch  benutzt  hat,  ist  Hier- 
onymus."^)     Sein  Zeugniss  ist  daher  zunächst  das  allein  entschei- 


3)  Dass  die  xarrjxrjtixa  ßißXlcc,  welche  Eusebius  dem  Theophilus  bei- 
gelegt hat,  den  Evangelienconmientar  miteinschlossen ,  will  Zahn  für 
möglich  halten  (S.  2 f.). 


Der  angebliche  Comraentar  des  Theophilus.  103 

dende.  Drei  Stellen  in  den  Werken  des  Hieron.  kommen  in  Be- 
tracht. Er  schreibt  1)  de  vir.  inl.  25:  „Theophilus,  sextus  An- 
tiochenae  ecclesiae  episcopus,  sub  imperatore  M.  Antonino  Vero 
librum  contra  Marcionem  conposuit,  qui  usque  hodie  exstat. 
Feruntur  eins  et  ad  Autolycum  tria  volumina,  et  contra  haeresim 
Hermogenis  liber  unus,  et  alii  breves  elegantesque  tractatus  ad 
aedificationem  ecclesiae  pertinentes.  Legi  sub  nomine  eins 
in  evangelium  et  in  proverbia  Salomonis  commentarios ,  qui 
mihi  cum  superiorum  voluminum  elegantia  et  phrasi 
non  videntur  congruere.''  2)  In  der  Vorrede  zum  Matthäus- 
Commentar  (Vallarsi  VII  p.  7)  heisst  es:  „Legisse  me  fateor  ante 
annos  plurimos  in  Matthaeum  Origenis  XXV  volumina  ...  et 
Theophili  Antiochenae  urbis  episcopi  commentarios  etc."  In  der 
ep.  121  ad  Algasiam  (Vallarsi  I  p.  860  sq.)  endlich  liest  man: 
„Theophilus  Antiochenae  ecclesiae  septimus  post  Petrum  aposto- 
lum  episcopus,  qui  quattuor  evangelistarum  in  unum  opus  dicta 
compingens,  ingenii  sui  nobis  monumenta  dimisit,  haec  super  hac 
parabola  in  suis  commentariis  est  locutus."  Es  folgt  nun  ein 
längeres,  c.  40  Zeilen  umfassendes  Citat,  die  Erklärung  der  Parabel 
vom  ungerechten  Haushalter  (Lc.   16,  If.)  enthaltend. 

Aus  diesen  Mittheilungen  ist  folgendes  zu  entnehmen: 

1)  Das  fragliche  Werk  führte  den  Titel  „commentarii"  (so 
an  allen  drei  Stellen),  resp.  einen  entsprechenden  griechischen 
Titel.  Da  aber  Hieron.  diesen  nicht  nennt,  und  da  er  ein  grosses 
Stück  lateinisch  citirt,  ohne  anzugeben,  dass  er  übersetze,  so  ist 
es  bei  der  sonst  bekannten  schriftstellerischen  Gewohnheit  des 
Hieron.  nicht  unwahrscheinlich,  mindestens  möglich,  dass  er  das 
Werk  in  lateinischer  Uebersetzung  gelesen  hat.^) 

2)  Die  Echtheit  der  Commentare  ist  dem  Hieron.  nicht  ganz 
sicher  gewesen  —  das  giebt  auch  Zahn  zu^);  denn  die  Bemer- 
kung, dass  dieselben  die  „elegantia  et  phrasis"  der  übrigen  Werke 
des  Theophilus  vermissen  lassen,  muss  unzweifelhaft  in  diesem 
Sinne  verstanden  werden.  Zahn  sucht  freilich  die  Bedenken  des 
Hieronymus  kurzer  Hand  zu  entwerthen,  indem  er  behauptet, 
derselbe  habe  die  übrigen  Schriften  des  Theophilus  gar  nicht 
eingesehen,   weil    seine   Angaben   über   sie    aus   der   Kirchenge- 


4)  So  auch  Zahn,  S.  12. 

5)  S.  9f. 


104  I^^r  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

schichte  des  Eusebius  einfach  abgeschrieben  seien,  und  weil  er 
nur  von  den  Commentaren  ausdrücklich  behaupte,  dass  er  sie 
gelesen  habe.  Allein  trotz  alles  Misstrauens,  welches  man  dem 
Hieron.  überhaupt  und  speciell  als  Verfasser  des  Tractats  de  vir. 
inl.  schuldet  —  hier  liegt  die  Sache  doch  so,  dass  es  mindestens 
zweifelhaft  bleiben  muss,  ob  Hieron.  geschwindelt  hat.  6)  Aber 
selbst  dies  zugestanden,  so  bleibt  seine  Mittheilung  auch  dann 
noch  werthvoU,  ja  gewinnt  vielleicht  an  Bedeutung.  Unter  der 
Form  nämlich,  dass  der  Stil  Bedenken  errege,  pflegt  Hieron.  als 
gebildeter  Literarhistoriker  dem  Publikum,  für  welches  er  die 
Schrift  de  vu'.  inl.  geschrieben  hat,  die  Zweifel  an  der  Echtheit 
einer  Schrift,  die  er  hegt  und  mittheilen  will,  auszudrücken.  So 
schreibt  er  c.  1:  „Petrus  scripsit  duas  epistulas  .  .  .,  quarum  se- 
cunda  a  plerisque  eins  negatur  propter  stili  cum  priore  disso- 
nantiam."  Hieron.  wusste  aber  sehr  wohl,  dass  noch  ganz  andere 
und  schwerer  wiegende  Gründe  gegen  die  Echtheit  des  2.  Petrüs- 
briefes  geltend  gemacht  wurden.  C.  5  liest  man:  „Epistula  quae 
fertur  ad  Hebraeos  non  eins  [Pauli]  creditur  propter  stili  ser- 
monisque  dissonantiam.''  Auch  hier  steht  es  nicht  anders  als 
beim  2.  Petrusbrief.  Man  wird  daher  auch  annehmen  dürfen, 
dass  in  unserem  Falle  c.  25^)  die  Notiz  über  die  Stilverschieden- 
heit nur  die  Hülle  ist,  unter  welcher  sich  andersartige  Bedenken 
betreffs  der  Echtheit  der  Evangeliencommentare ,  die  nicht  vor 
das  grosse  Publikum  gehörten,  verbergen.  Nimmt  man  mit  Zahn 
an,  dass  Hieron.  keine  einzige  Schrift  des  Theophilus  sonst  noch 
gelesen  hat,  als  die  Commentare,  so  ist  dieser  Schluss  geradezu 
unvermeidlich;  denn  was  in  aller  Welt  sollte  den  Hieron.,  der 
in  dem  knappen  Tractat  keinen  Satz  zuviel  niedergeschrieben 
hat,  bewogen  haben,  die  Stilverschiedenheit  der  Commentare  und 
der  von  ihm  nicht  gelesenen  Werke  des  Theophilus  zu  be- 
merken,  wenn  er  nicht   in  jenen  Commentaren  —  sei  es  nun  in 


6)  Bekanntlich  steht  er  sich  in  dem  Tractat  de  vir.  inl.  selbst  im 
Lichte;  denn  er  schreibt  an  vielen  Stellen  den  Eusebius  einfach  ab,  wo 
er  über  selbständige  Kenntnisse  verfügte  und  nur  zu  bequem  war,  die 
Vorlage  zu  verlassen,  die  er  sich  einmal  gewählt  hatte.  Dies  kann  auch 
hier  der  Fall  sein,  ja  es  wird  durch  den  Wortlaut  der  Angaben  sogar 
nahe  gelegt. 

7)  Aehnlich  ist  die  Bemerkung  in  c.  58,  auf  welche  Zahn  S.  10  n.  2 
hingewiesen. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theopliilus.  |Q5 

ihrer  Form,  ihrer  Anlage  oder  ihrer  U  eher  lieferung  —  Manches  ge- 
funden hätte,  was  ihm  an  sich  autfallend  und  bedenklich  erschienen 
ist.  Keinesfalls  ist  also,  wie  man  auch  interpretiren  mag,  die 
Bemerkung  des  Hieronymus  leicht  zu  nehmen.  Im  Gegentheil: 
es  besteht,  wie  in  allen  parallelen  Fällen,  das  gerechtfertigte  Vor- 
urtheil,  dass  sehr  starke  Bedenken  betreffs  dieser  Comjnentare 
vorhanden  waren.  Daran  kann  natürlich  auch  der  Umstand  nicht 
irre  machen,  dass  Hieron.  an  den  beiden  anderen  Stellen,  wo  er 
sie  erwähnt,  von  jenen  Bedenken  schweigt;  er  hat  ja  auch  sonst 
manchesmal  seine  eigenen  Zweifel  an  der  Echtheit  von  Schriften 
unterdrückt. 

3)  Die  Anlage  der  Commentare  ist  —  und  das  ist  das  Wich- 
tigste —  von  Hieron.  in  Kürze,  aber  unmissverstandlich  geschil- 
dert worden.  Es  waren  „commentarii  in  evangelium".  Dass 
diese  Bezeichnung  im  strengen  Sinne  zu  nehmen  ist,  lehrt  die 
Beschreibung  in  der  ep.  ad  Algasiam.  Sie  macht  es  unzweifel- 
haft, dass  den  von  Hieron.  eingesehenen  Commentaren  eine,  wenn 
auch  ad  hoc  vom  Verfasser  zusammengestellte  Evangelienhar- 
monie zu  Grunde  gelegen  hat.  Zahn  sagt  freilich  (S.  13):  „Es 
ist  als  Missverständniss  abzuweisen,  wenn  man  den  vorliegenden 
Worten  des  Hieron.  die  Nachricht  entnommen  hat,  dass  Theo- 
pliilus eine  Evangelienharmonie  verfasst  und  über  diese  seinen 
Commentar  geschrieben  habe."  Aber  wie  er  sich  selbst  mit  der 
Beschreibung  des  Hieron.  eigentlich  abfinden  will,  ist  mir  nicht 
klar  geworden.  Gesteht  er  doch  zu,  dass  man  ihr  noch  nicht 
gerecht  geworden  ist  durch  die  Annahme,  Theophilus  habe  in 
einem  Werke  die  vier  Evangelien  der  Reihe  nach  commentirt. 
Mit  klaren  Worten  sagt  ja  Hieron.,  dass  die  „dicta  quattuor 
evangelistarum"  zu  einem  Werke  verbunden  waren.  Wenn 
nun  Zahn  (S.  14)  selbst  einräumt,  dass  in  dem  Commentar  des 
Theophilus  die  Aussprüche  der  vier  Evangelisten  „gemischt"  ge- 
wesen sein  müssen  S),  so  acceptiren  wir  diese  richtige  Einsicht, 
gestehen  aber  nicht  einzusehen,  wie  Zahn  es  auf  der  vorher- 
gehenden Seite  hat  als  ein  „Missverständniss"  bezeichnen  können, 
anzunehmen,  dass  Theopliilus  eine  Evangelienharmonie  verfasst 
und  über  diese  seinen  Commentar  geschrieben  habe.     Soll  das 


8)  Er  fügt  hinzu:  „in  ungewöhnHcher,  vielleicht  anch  ungeordneter 
M^eise  gemischt",  wovon  bei  Hieron.  nichts  zu  lesen  steht. 


j^Qß  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Missverständniss  nur  darin  bestehen,  dass  man  sich  die  Evan- 
gehenharmonie  als  eine  unabhängig  von  dem  Commentare  publi- 
cirte  Arbeit  denkt,  so  mag  Zahn  Recht  haben.  Aber  darauf- 
kommt es  überhaupt  nicht  an,  sondern  lediglich  auf  die  Aner- 
kennung, dass  in  dem  Commentare  des  Theophilus  nicht  jedes 
Evangelium  für  sich,  sondern  ein  irgendwie  zusammengestelltes 
Diatessaron  die  Grundlage  der  Auslegungen  gebildet  hat.  Zahn 
giebt  dies  zu  und  giebt  es  wiederum  nicht  zu;  der  Grund  ist 
hinreichend  deutlich.  Seine  Absicht  ist  von  vornherein  darauf 
gerichtet,  zu  zeigen,  dass  der  von  de  la  Bigne  veröffentlichte 
Commentar  seiner  Anlage  nach  dem  von  Hieron.  geschilderten 
Werke  völlig  entspricht.  Lässt  sich  das  behaupten?  Auf  die 
Bejahung  dieser  Erage  wird  Alles  ankommen.  Wird  sie  verneint, 
so  stürzt  das  ganze  Gebäude  ein,  welches  Zahn  erbaut  hat,  und 
man  wird  zusehen  müssen,  wieviel  man  aus  den  Trümmern  noch 
retten  kann. 

4)  Der  einzige  Abschnitt,  den  Hieron.  aus  den  Commentaren 
des  Theophilus  abgeschrieben  hat,  giebt  zu  erheblichen  Bedenken 
gegen  die  Echtheit  derselben  keinen  Anlass.  Die  Parabel  vom 
ungerechten  Haushalter  *  wird  durchweg  auf  den  Apostel  Paulus 
gedeutet,  resp.  auf  dessen  Bekehrung  und  Missionsthätigkeit. 
Auffallend  kann  es  vielleicht  scheinen,  dass  in  der  Erklärung 
rund  gesagt  wird:  „Coepit  docere  legem  abolitam";  allein  die 
Möglichkeit  muss  zugestanden  werden,  dass  man  auch  schon  in 
ältester  Zeit,  wenn  man  überhaupt  die  Paulusbriefe  als  mass- 
gebende Schriften  las,  sich  so  ausgedrückt  hat. 

In  diesen  vier  Punkten  ist  Alles  erschöpft,  was  uns  die  Tra- 
dition —  denn  diese  ist  hier  durch  den  einzigen  Hieronymus 
repräsentirt  —  über  die  Commentare  des  Theophilus  zum  Evan- 
gelium mittheilt.  An  der  Beschreibung  des  Hieronymus  sind  da- 
her alle  Schriften  zu  messen,  die  sich  als  jene  Commentare  aus- 
geben oder  für  dieselben  gehalten  werden  sollen. 

II,  1. 

Im  5.  Bande  seiner  „Bibliotheca'''  hat  Margarinus  de  la 
Bigne  i.  J.  157G  einen  Evangeliencommentar  unter  dem  Namen 
des    Theophilus    von    Antiochien    (lateinisch)     herausgegeben. y) 


9)  Mir  war  nur   der  Cölner  Nachdruck  v.  J.  1618  (T.  I)  zugänglich. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  j()7 

Begleitende  Angaben,  sowie  Bezeichnung  der  Quelle  fehlen  gänz- 
lich. Auch  ist  bisher  keine  Handschrift  bekannt  geworden.  Alle 
späteren  Drucke,  einschliesslich  Corp.  ApoL  VIII  p.  278 — 324  ed. 
de  Otto  und  Zahn,  a.  a.  0.  S.  31 — 85,  beruhen  daher  auf  der 
editio  princeps.  Die  Hoffnungen,  die  Montfaucon  in  Bezug  auf 
eine  vatikanische  Handschrift  erregt  hat,  haben  sich  als  trüge- 
rische erwiesen,  wie  Zahn  S.  15 f.  auf  Grund  eingehender  For- 
schungen mitzutheilen  vermocht  hat;  doch  ist  die  Sache  noch 
nicht  völlig  aufgeklärt.  Zahns  eigene  Bemühungen,  einer  Hand- 
schrift habhaft  zu  werden,  sind  bis  jetzt  vergeblich  gewesen. 

Der  von  de  la  Bigne  veröffentlichte  Evangeliencommentar 
—  ich  nenne  ihn  im  Folgenden  „B"  —  ist  also  ohne  jede  Be- 
zeugung, ja  zur  Zeit  noch  immer  ohne  jede  handschriftliche 
Grundlage.  Wie  die  Hypothese  nicht  von  vornherein  ausge- 
schlossen ist,  dass  er  in  das  2.  Jahrhundert  gehört,  so  hat  man 
auch  mit  der  Möglichkeit  zu  rechnen,  dass  er  dem  16.  beizulegen 
ist;  erinnert  sei  nur  an  das  „Violarium"   der  Eudoxia. 

Zunächst  ist  die  äussere  Anlage  desselben  ins  Auge  zu  fassen. 
B  zerfällt  in  vier  Bücher.  Das  erste  trägt  bei  de  la  Bigne  die 
Aufschrift:  S.  P.  nostri  Theophili  patriarchae  Antiocheni 
commentariorum  sive  allegoriarum  in  sacra  quatuor  evangelia 
liber  priüms".  Das  zweite:  „S.  P.  nostri  Theophili,  archiepis- 
copi  Alexandrini,  allegoriarum  in  evangelium  secundum  Mar- 
cum  liber  secundus".  Die  Aufschriften  zum  3.  und  4.  Buch  lauten 
ebenso  wie  zum  2.,  nur  dass  beziehungsweise  „Lucam"  „loannem", 
sowie  „tertius"  und  „quartus"  steht.  Sehr  richtig  hat  Zahn  be- 
merkt, dass  die  Aufschrift  des  ersten  Buches:  „patriarchae  An- 
tiocheni" als  eine  Correctur  des  ersten  Herausgebers  zu  betrachten 
ist,  der  die  Testimonien  des  Hieronymus  gekannt  und  das  zu 
publicirende  Werk  für  das  des  Antiocheners  Theophilus  gehalten 
hat.  ^^)  Man  wird  aber  noch  einen  Schritt  weiter  gehen  müssen. 
Das  Wort  „commentariorum"  findet  sich  nur  in  dem  Titel  des 
ersten  Buches.  Dagegen  nennt  Hieronymus  an  allen  drei  Stellen, 
wo  er  das  Werk  des  Theophilus  erwähnt,  dasselbe  „commentarii". 


10)  Sehr  interessant  ist,  dass  der  Cölner  Nachdruck  von  1618  in  den 
Aufschriften  zu  Buch  2 — 4  das  „Alexandrini"  in  „Antiocheni"  verwandelt 
hat,  aber  das  „patriarchae"  im  1.,  das  „archiepiscopi"  in  den  folgenden 
Büchern  ist  stehen  geblieben. 


\0g  Der  angebliche  Coramentar  des  Theophilus. 

Da  nun  de  la  Bigne  zugestandenermassen  die  unmittelbar  vor- 
hergehenden Worte  („archiepiscopi  Alexandrini")  nach  Hieron. 
corrigirt  hat,  da  die  Aufschriften  des  2. —  A.  Buches  die  Worte 
„ corumentariorum  sive"  nicht  bieten,  da  endlich  im  Index  und 
im  Columnentitel  der  editio  princeps  nur  -allegoriae"  steht,  so 
kann  nicht  zweifelhaft  sein,  dass  die  ersten  Worte  der  Aufschrift 
des  ersten  Buches  in  der  Handschrift  gelautet  haben:  „S.  P.  nostri 
Theophili,  archiepiscopi  Alexandrini,  allegoriarum".  Aber  noch 
sind  wir  nicht  am  Ende.  Es  fallt  auf,  dass  im  Titel  des  ersten 
Buches  „  allegoriarum  in  sacra  quatuor  evangelia  liber  primus*^ 
steht,  dagegen  in  den  Titeln  der  folgenden  Bücher  die  einzelnen 
Evangelisten  genannt  sind.  Zahn  entfernt  deshalb  kurzer  Hand 
das  „secundum  Marcum",  „secundum  Lucam"  etc.,  indem  er  be- 
merkt, es  könne  nicht  ursprünglicher  Bestandtheil  des  Titels  sein. 
da  es  sich  mit  „liber  secundus",  „tertius"  etc.  nicht  vertrage.  Allein 
so  willkommen,  vielmehr  so  nothwendig  diese  Tilgung  für  die 
Hypothese,  die  Zahn  vertheidigt,  sein  muss,  so  gewaltsam  und 
unerlaubt  ist  sie.  Denn  1)  ist  die  Ursprünglichkeit  der  Auf- 
schriften „liber  primus"  etc.  am  wenigsten  garantirt,  2)  steht  die 
Aufschrift  des  ersten  Buches  isolü't  tregenüber  den  o-leichlautenden 
Aufschriften  der  drei  folgenden,  3)  ist  nachweisbar,  wie  Zahn 
selbst  zugiebt,  an  der  Aufschrift  des  ersten  Buches  corrigirt 
worden,  4)  endlich  steht  der  Inhalt  des  ersten  Buches  von  B 
—  genau  genonmien  —  doch  in  einem  gewissen  VVidersprucli 
zu  dem  Titel:  „allegoriarum  in  sacra  quatuor  evangeUa  liber 
primus";  denn,  wie  gleich  im  Folgenden  bewiesen  werden  soll, 
das  erste  Buch  enthält  schlechterdings  nichts  anderes 
als  allegorische  Erklärungen  von  Stellen  des  Matthäus- 
evangeliums. Hiernach  ist  also  die  Aufschrift:  »in  evangelium 
secundum  Matthaeum"  die  einzig  angemessene,  und  da  dem  ent- 
sprechend die  Aufschriften  der  drei  übrigen  Bücher  gestaltet 
sind,  und  da  de  la  Bigne  erwiesenermassen  an  der  Aufschrift 
des  ersten  Buches  corrigirt  hat,  um  es  aLs  das  Werk  erscheinen 
zu  lassen,  von  welchem  er  durch  Hieron.  wusste,  so  kann  kaum 
zweifelhaft  sein,  dass  er  die  Worte  „in  sacra  quatuor  evange- 
lia" eigenmächtig  statt  der  Worte  .in  evangehum  secundum 
Matthaeum"  eingesetzt  hat.  Dabei  kann  man  es  dahingestellt 
sein  lassen,  ob  die  Worte  „liber  primus"  etc.  von  de  la  Bigne 
hinzugesetzt  worden    sind   oder  nicht.     Die    verschiedenen    selb- 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  109 

ständigen  Abtheilungen  in  B  konnten  immerhin  als  Theile  eines 
Werkes  durch  Buchziffern  bezeichnet  gewesen  sein,  da  ja  die 
vier  Evangelien  der  Kirche  stets  als  eine  Einheit  gegolten  haben. 
Was  de  la  Bigne  in  seiner  Handschrift  oder  Quelle  —  eine 
solche  hatte  er  zweifellos  —  gefunden  hat,  das  waren  vier 
Bücher  „Allegorien",  für  jeden  Evangelisten  je  eines. 
Als  solche(„secundumMatthaeum''  etc.)waren  sie  alle  vier 
bezeichnet  und  zugleich  als  Werke  „unseres  heiligen 
Vaters  Theophilus,  des  Erzbischofs  von  Alexandrien". 
Nichts  erinnerte  also  in  der  Aufschrift  des  Werkes,  welches  de 
la  Bigne  edirt  hat,  an  die  von  Hieron.  erwähnten  „Commen- 
tare  zu  dem  Evangelium",  mit  Ausnahme  des  blossen  Namens 
„Theophilus".  11) 

II,  2. 

Aufschriften  können  trügen:  oft  genug  bringen  sie  Unzu- 
sammengehöriges zusammen,  oft  genug  zerreissen  sie  das  zu  Ver- 
bindende; nicht  selten  täuschen  sie  über  den  Inhalt,  den  sie  an- 
kündigen. Aber,  wie  oben  bereits  angedeutet,  die  Aufschriften 
in  B  sind  durchaus  sachgemäss.  Um  der  entscheidenden  Be- 
deutung willen,  welche  dieser  Einsicht  zukommt,  soll  hier  der 
Thatbestand  genau  dargelegt  werden. 

Das  erste  Buch  in  B  („allegoriarum  in  evangelium  secundum 
Matthaeum")  enthält  in  37  Capp.  Erklärungen  von  c.  130  Stellen 
aus  dem  Evangelium  des  Matthäus.  In  c.  1 — ^31  werden  Stellen 
aus  Mt.  c.  1 — 25  besprochen.  Für  diesen  grossen  Hauptabschnitt 
hat  Zahn  sechs  —  wirklich  nicht  mehr  als  sechs  —  Stellen 
nachweisen  zu  können  geglaubt,  in  welchen  Verse  aus  anderen 
Evangelien  behandelt  seien.     Angenommen,  es  hätte  mit  diesen 


11)  In  der  Einleitung  zum  ersten  Buch  werden  auf  zehn  Zeilen  die 
bekannten  Thiersymbole  der  Evangelisten  kurz  besprochen.  Ein  Skep- 
tischer könnte  vermuthen,  dass  der  Abschnitt  eigenmächtig  dei*  Erklä- 
rung des  Matthäusevangeliums  vorangestellt  sei,  um  den  Schein  zu  retten, 
als  sei  das  folgende  das  erste  Buch  eines  alle  vier  Evangelien  gemeinsam 
berücksichtigenden  Commentars.  Doch  wird  der  Abschnitt  für  ursprüng- 
lich zu  halten  sein;  er  kann  für  sich  nichts  entscheiden,  da  ja  aus  dem 
Inhalte  der  vier  Bücher  an  sich  schon  hervorgeht,  dass  sie  irgendwie  ein 
einheitliches  Werk  bilden  und  daher  auch  eine  gemeinsame  Einleitung 
haben  können. 


110  ^^^  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

6  Stellen  seine  Richtigkeit,  so  wäre  in  der  That  damit  nichts 
bewiesen;  denn  dass  neben  melir  als  100  Stellen  aus  Matthäus 
6  Stellen  aus  den  anderen  Evangelien  berücksichtigt  sind,  wäre 
kein  Gegenbeweis  gegen  die  Behauptung,  dass  liier  eia  Commentar 
zu  dem  Matthäusevangelium,  und  nichts  anderes,  vorliegt.  Aber 
wie  steht  es  mit  diesen  sechs  Stellen? 

Fünf  sollen  aus  dem  Lucas-,  eine  aus  dem  Johannesevange- 
Kum  genommen  sein.  1)  Zwischen  Mi  3,  3  und  3,  4  soll  I,  3 
(S.  34  f.  der  Zahn  sehen  Ausgabe)  Lc.  3,  5  erklärt  sein;  allein, 
wie  Zahn  selbst  (s.  S.  196)  sehr  wohl  weiss  i^)^  bieten  die  ältesten 
Italahandschriften  und  der  lateinische  Irenäus  den  lucanischen 
Vers  im  Texte  des  Matthäus. ^  =^)  2)  Nach  Mt.  12,  1  soll  I,  17 
(S.  47  f.)  ein  Stück  aus  Lc.  6,  1  (»confricantes  manibus  suis  spi- 
cas")  erklärt  sein:  allein  (s.  wiederum  Zahn  S.  201)  die  betreffen- 
den Worte  stehen  im  Colbertinus  und  im  Syrus  Cureton.  im 
Texte  des  Matthäus.  ^ '^)  Nicht  anders  verhält  es  sich  mit  der 
dritten  Stelle.  Nach  Mt.  24,  40  ist  I,  29  (S.  58)  „duo  in  lecto" 
(s.  Lc.  17,  34)  eingeschoben  und  erklärt;  aber  diese  Worte  sind 
in  der  alten  lateinischen  Evangelienübersetzung  für  Matthäus 
legitim.  1'^)  4)  Der  Text  von  Mt.  17,  1.  2  lautet  in  B  (I,25S.53): 
„lesus  ascendit  in  montem  ...  et  vultus  eins  immutatus  esf*. 
Im  Original  steht:  .  .  avagjtQst  avrovg  dq  ogoq  .  .  .  fieTSfWQg^ojß^?/ 
efijiQoo^tv  avTcov  xal  'iXafixp&p  to  jzqoöojjzov  avrov;  dagegen  im 
griechischen  Lucas  (9,  28.  29):  ai^tßrj  de  ro  oqoq  .  .  .  xal  bytrero 
.  ..TO  Eiöoq  Tov  jtQoöojjtov  avTOv  STSQOV.  Der  Text  iiiB  kann  hier 
allerdings  als  eine  Mischung  aus  Lucas  und  Matthäus  betrachtet 
werden;  aber  1)  der  Verfasser  hat  hier  nicht  ganze  Verse,  son- 
dern nur  ein  paar  Stichworte  angefülirt,  2)  der  ganze  Abschnitt 
I,  25  ist  fast  wörtlich  mit  III,  3  identisch.  Es  ist  also  fi'aglich, 
ob  er  überhaupt  hierher  gehört  (s.  Zahn  S.  274).  5)  Mitten  in 
der  Erklärung  der  Perikope  von  den  Magiern  (I,  2  S.  33  f )  steht 
die  Deutung  von  zwei  Worten  aus  Lucas  (^pamiis  obvolvitur^i 


12)  Trotzdem  wird  die  Stelle  von  Zahn  8.  20  zum  Beweise  angeführt, 
dass  in  B  eine  eigenthümliche  Textmischung  vorliege. 

13)  S.  Tischendorf,  Nov.  Testam.  Editio  octava  critica  major  I  p.  9. 

14)  S.  Tischendorf,  a.  a.  0.  p.  60. 

15)  S.  die  Wolke  von  Zeugen  bei  Tisch endorf,  a.  a.  0.  p.  106  u. 
Zahn  S.  206. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  m 

s.  Lc.  2,  7);    eine   höchst   auffallende    Harmonisirung!    Aber  die 
Absicht  derselben  ist  schwerlich  zu   verkennen.     Der  Verfasser 
wollte    sich    ein    sehr   unglückliches    Wortspiel    nicht  entgehen 
lassen.    Er  schreibt:    „Cum  ergo  natus  esset  lesus  in  Bethleem 
civitate  ludae,  hoc  est  in  domo  panis;  nam  Bethleem  domus 
panis  .  .  .  Illic  natus  est  lesus  qui  dixit:  Ego  sum  panis  vivus, 
qui  de  coelo  descendi.     Pannis   obvolvitur,  ut  scissam  humani 
corporis   unitatem  suo  redimeret  in  corpore.     Obtulerunt   magi 
ei  munera,  aurum  ut  regi,  thus  ut  deo,  myrrham  ut  homini  ad 
sepulturam".     Man  wird   es   für  wahrscheinlich  halten  müssen, 
dass  hier  eine  Erinnerung  an  Lc.  2,  7  nur  desshalb  eingeflochten 
ist,  weil  der  Verf.  „panis"  und  „pannis"  zusammenbringen  wollte. 
6)  endlich  I,  15  (S.  47)  steht,  nachdem  in  c.  13  u.  14  Verse  aus 
Mi  18  u.  19  erklärt  waren   und  in   c.  16  f.   sich  Erläuterungen 
zu  Mt.  11  ff.  anschliessen,  völlig  abrupt  folgender  Satz:  „Dominus 
lesus  venit  hie  ad  nuptias,  ut  animam  nostram  spiritui  maritaret, 
quorum   copula    spiritali    filios    procreamus,    charitatem    scilicet, 
pacem,  gaudium,  spem,  bonitatem,  mansuetudinem,  continentiam." 
Worauf  sich  das  „hie"  bezieht,  ist  nicht  gesagt;  ebensowenig  ist 
irgend   ein  Zusammenhang  angedeutet.     Das  kleine   Stück  fällt 
aber  überhaupt   aus  dem  Tenor  des  Ganzen  heraus,  da  kein  bi- 
blischer Text  angeführt  ist.     Gemeint  mag  die  Perikope  von  der 
Hochzeit  zu  Kana  sein;  mindestens   ebenso  gut  kann  aber  auch 
Mt.  22,  2  zu  Grunde  liegen  („Simile  est  regnum  coelorum  homini 
regi,  qui  fecit  nuptias  filio  suo")  —  was  Zahn  ohne  Grund  be- 
streitet;  aber  das  Stück  befremdet    an   der  Stelle,   wo   es  steht. 
Es  wird  sich  übrigens  zeigen,  dass  der  ganze  Abschnitt  I,  11 — 25 
in  B  in  unverkennbarer  Unordnung  ist. 

Wir  können  nun  zusammenfassen.  In  I,  1 — 31  wird  ledig- 
lich das  Matthäusevangelium  (c.  1 — 25)  commentirt;  denn  von 
den  6  Stellen,  die  Zahn  als  anderen  Evangelien  entnommen 
glaubte  nachweisen  zu  können,  gehören  drei  dem  Matthäus- 
evangelium selber  an.  Von  den  drei  übrigen  ist  zu  sagen,  dass 
die  eine  (zwei  Worte  umfassend)  eines  Wortspiels  wegen  ein- 
geführt ist,  die  andere  ein  lucanisches  Wort  enthält,  die  dritte 
vielleicht  eine  abrupte  und  höchst  befremdliche  Anspielung  auf 
die  Hochzeit  zu  Kana,  wahrscheinlich  jedoch  eine  Anspielung  auf 
Mt.  22,  2  ist. 

Hiermit  ist  aber  bereits  die  Hälfte  des  ganzen  Commentares, 


112  J^er  angebliche  Commentar  des  Tlieophilus. 

d.  li.  aller  4  Büclier  in  B  zusammen,  auf  seinen  Inhalt  an  evan- 
gelischen Schriftstellen  untersucht;  denn  die  Erklärung  von  Mt. 
1 — 25  umfasst  die  Hälfte  des  ganzen  viergetheilten  Werkes. 

Was  nun  den  Schluss  des  I.  Buches,  den  Commentar  zur 
Leidensgeschichte  (I,  32 — 37 ;  S.  60—64)  betrifft,  so  hat  Zahn  m 
demselben  11  Stellen  aus  anderen  Evangehen  nachweisen  zu 
können  geglaubt,  ja  er  bemerkt  sogar  S.  20,  hier  werde  eine  aus 
allen  4  Evangehen  zusammengesetzte  Leidens-  und  Auferstehungs- 
geschichte erklärt.  Allein  die  fünf  Citate  Lc.  19,  30;  Mc.  11,  8; 
14,  36;  15,  17;  15,  36  sind  zu  streichen,  da  hier  vielmehr  der 
Matthäustext  allein  die  Grundlage  ist;  zu  streichen  ist  ferner 
Lc.  24,  5  (S.  64),  da  diese  Stelle  nicht  erklärt,  sondern  zur  Er- 
klärung herangezogen  wird.  Ebensowenig  können  Lc.  22,  7  und 
Lc.  22,  11  ins  Gewicht  fallen  (S.  60),  da  der  Verfasser  hier  nm- 
je  ein  Wort  braucht,  welches  an  den  Text  des  Lucas  erinnert. 
Die  Stelle  Mt.  26,  51  aber  hat  der  Bearbeiter  allerdings  mit  Joli. 
18,  10  verbunden,  indem  er  citirt:  .Et  percussit  Petrus  servum 
principis  sacerdotum  et  amputavit  eins  auriculam  dexteram". 
Ferner  hat  er  die  Worte  an  den  Schacher  (Lc.  23,  43)  in  die  Er- 
klärung des  Matthäus  mitaufgenommen.  Diese  beiden  -Text- 
mischungen", wozu  man  als  dritte  noch  rechnen  kann,  dass  im 
kurzen  letzten  Capitel  von  4  Zeilen  Joh.  20,  17  (S.  64)  besprochen 
ist,  sind  in  der  That  die  einzigen.  Was  will  das  aber  besagen  I 
Man  soll  doch  erst  irgend  einen  Commentar  aus  dem  Alterthum 
zu  einem  der  Evangelien  aufweisen,  der  sich  so  strict  an  das 
eine  Evangelium  hält,  wie  B  hier  in  Bezug  auf  Matthäus. 

Was  die  Anlache  der  drei  folojenden  Bücher  in  B  betrifft. 
SO  hat  man  allem  zuvor  zu  constatiren,  dass  dieselben  ein  literar- 
historisches Räthsel  aufgeben,  welches  von  Zahn  nicht  gewürdigt 
worden  ist.  Zunächst  föllt  schon  der  Umfang  auf.  Setzt  mau 
nämlich  den  Umfang  des  ersten  Buches  =  25  Seiten,  so  füllt 
das  2.  (Allegorien  zu  Marcus)  nur  vier,  das  3.  (Lucas)  elf  und 
das  4.  (Johannes)  fünf  Seiten.  Welcher  Schriftsteller  des  Alter- 
thums  hätte  sich  solch'  eine  Eintheilung  erlaubt!  So  ^vie  diese 
Allegoriensammlung  in  der  de  la  Bigne' sehen  Handschrift  vor- 
gelegen, scheint  sie  überhau})t  kehi  edirtes  Schriftwerk,  am  we- 
nigsten ein  aus   dem  Alterthum  stammendes   sein   zu  können.*^) 

16)  S.  Birt,  Das  antike  Buchwesen  S.  151  f.  (über  das  Gleichmass 
der  Buchgrössen).     S.  342 f. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  il3 

Betrachtet  man  nun  den  Inhalt  näher,  so  enthält  das  2.  Buch  in 
den  ersten  5  Capiteln  „Allegorien"  zu  Versen  aus  Mc.  1.  2.  4. 
5.  6,  welche  die  Reihenfolge  der  Erzählungen  des  Marcus  inne- 
halten. Die  Perikope  Mc.  1,  29 f.  ist  an  richtiger  Stelle  behandelt: 
aber  der  Wortlaut  von  Mt.  8,  14  ist  eingesetzt.  Sonst  ist  hier 
durchweg  nur  der  Marcustext  berücksichtigt.  Nun  folgt 
im  6.  Capitel  eine  Erklärung  der  Parabel  Lc.  19,  12  f.,  im  7.  wird 
Mc.  7,  35  besprochen,  und  mit  einem  Abschnitt,  der  eine  eigene 
Überschrift  führt:  „De  tribus  mortuis  a  Cliristo  resuscitatis" 
scliliesst  das  Buch  ab,  ohne  dass  die  cc.  7 — 16  des  Marcus  mit 
einem  Worte  berührt  werden.  Von  „Textmischimgen"  kann  hier 
nicht  die  Rede  sein.  Was  vorliegt,  ist  ein  Fragment  einer  Er- 
klärung des  Marcus  mit  zwei  Anhängen,  von  denen  der  erste 
vielmehr  in  das  3.  Buch  zu  gehören  scheint,  wo  er  fehlt,  der 
zweite  bei  jedem  der  Evangelien  stehen  konnte. 

Nicht  weniger  seltsam  ist  der  Inhalt  des  3.  „Buches"  (20 
Capp.  umfassend).  Nachdem  Lc.  1,15  u.  3,  8.  9  erwähnt  sind, 
springt  die  Auslegung  gleich  zu  8,  16  über;  hierauf  wird  9,  28. 
29.  33  und  10,  13  erklärt.  Es  folgen  nun  Allegorien  zum  7.  10. 
12.  14.  13.  15.  16.  17.  18.  19.  Capitel.  In  diesem  ganzen  Tlieih' 
(III,  1 — 14)  wird  das  Lucasevangelium  nur  dreimal  verlassen; 
sofern  die  Verse  Mt.  15,  24  (s.  S.  69),  10,  36  (s.  S.  72)  u.  22,  12 
erklärt  werden.  Dann  aber  (III,  15  —  20)  herrscht  wieder  die 
grösste  Regellosigkeit.  C.  15  wird  Mt.  21,  33  f.,  c.  16  Lc.  8,  18, 
c.  17  Joh.  3,  13.  34,  c.  18  Lc.  13,  6.  11,  c.  19  Mt.  26,  19  erklärt; 
den  Abschluss  bildet  (c.  20)  eine  ausführliche  Erklärung  der 
Parabel  Lc.  16,  1  f.,  obgleich  dieselbe  schon  c.  1 1  besprochen  war. 

In  dem  4.  Bache  endlich  (16 Capp.  umfassend)  werden  c.  1 — ^11 
lediglich  Verse  aus  dem  JohannesevangeHum  allegorisirt.  Bei 
der  Erklärung  der  Lazarusperikope  (c.  7)  wird  —  als  ein  hier 
Fremdes  —  der  „alius  Lazarus  Lucae"  herbeigezogen.  Dagegen 
ist  wiederum  der  Schluss  in  planlosester  Unordnung :  Mt.  11,30; 
Lc.  17,  21;  Joh.  8,56;  Joh.  4,  7.  16.  18;  Joh.  13,  5.  25.  27  werden 
in  wilder  Folge  mit  kurzen  allegorischen  Bemerkungen  versehen. 
Mit  dem  Satze:  „Hortus  domini  est  ecclesia  cathoUca,  in  qua  sunt 
rosae  martyrum,  lilia  virginum,  violae  viduarum,  heder a  coniugum ; 
nam  illa,  quae  aestimabat  eum  hortulanum  esse  (Joh.  20,  15) 
significabat  scilicet  eum  plantantem  diver sis  virtutibus  credentium 
vitam.     Amen",  schliesst  der  Commentar  ab. 

Texte  und  Untersuchungen  I,  4.  8 


l\^  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Fassen  wir  zusammen:  In  den  4  Büchern  von  B  sind 
Stellen  aus  je  einem  Evangelium  besproclien.  Das  ist 
am  deutlichsten  an  dem  vrichtigsten,  weil  umfangreich- 
sten Buche,  dem  ersten.  Die  drei  folgenden  ^Bücher" 
sind  zu  einem  Theile  formlose,  unordentliche  Samm- 
lungen; aber  so  weit  sie  das  nicht  sind,  enthalten  auch 
sie,  wie  ihre  Ueberschriften  besagen,  Allegorien  zu 
je  einem  Evangelium.  Fremdes  tritt  in  ihnen  in  der 
Regel  nur  da  auf,  wo  die  Perikopenreihe  in  dem  zu 
Grunde  liegenden  Evangelium  selbst  durchbrochen  wor- 
den ist.  Aber  wenn  man  auch  alle  Fälle,  wo  Fremdes 
in  Buch  2  —  4  herbeigezogen  ist,  kritiklos  zusammen- 
rechnet, wird  man  nicht  mehr  als  c.  15  finden.  Die 
Ueberschriften  in  B  sind  also  die  sachgemässen.  Es 
liegen  in  B  vier  Bücher  Allegorien,  je  eines  für  ein 
Evangelium  vor. 

Also  ist  B  mit  dem  von  Hieron.  bezeugten  Theophi- 
luscommentar  nicht  identisch;  denn  dort  waren  die  „dicta 
quattuor  evangelistarum  in  unum  opus"  verbunden  und  in  dieser 
Gestalt  commentirt.  Zahn  giebt  sich  (S.  19 — 21)  vergebliche 
Mühe  nachzuweisen,  dass  die  Beschreibung  des  Hieron.  für  B 
die  völlig  zutreffende  sei.  Er  beginnt  freilich  diesen  Nachweis 
mit  der  vorsichtigen  Behauptung,  dass  „die  Einrichtung  von  B 
der  von  Hieron.  gegebenen  Beschreibung  jedenfalls  mehr  ent- 
spreche, als  diejenige  irgend  eines  anderen  Evangeliencommentars 
aus  älterer  Zeit" ;  aber  er  schliesst  sein  Beweisverfahren,  welches 
ich  zu  charakterisiren  unterlassen  muss,  mit  den  zuversichtlichen 
A¥orten:  „Man  kann  dreist  fragen:  Ist  das  Verfahren  (des  Ver- 
fassers der  Allegoriensammlung)  nicht  eben  das,  was  Hieron.  ein 
quattuor  evangelistarum  in  unum  opus  dicta  compingere  nennt?" 
So  kann  man  allerdings  fragen;  aber  Zahn  selbst  hat  unfrei- 
willig den  also  Fragenden  gekennzeichnet.  Die  Antwort  kann 
für  Jeden,  der  sich  und  Andere  nicht  verblenden  will,  nur  ver- 
neinend ausfallen:  die  angebhchen  .Beweise"  aber  sind  durch  die 
oben  von  uns  gegebene  Darlegung  bereits  Aviderlegt. 

Die  Untersuchung  der  Aufschrift,  Form  und  Anlage  von 
B  zeigt  also,  dass  wir  in  B  den  Commentar  des  Theophilus  zu 
„dem  Evangelium",  welchen  Hieron.  eingesehen  hat,  nicht  wie- 
dererkennen dürfen.     Damit  ist  dem  Gebäude,  welches  Zahn  auf- 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  l\^ 

geführt  hat,  das  Fundament  entzogen.  Allein  noch  haben  wir 
gewisse  Eigenthümlichkeiten  der  Anlage  von  B  sowie  seines  In- 
haltes nicht  genauer  ins  Auge  gefasst.  Zwar  vermag  kein  noch 
so  günstiges  Ergebniss  der  Untersuchung  des  Inhaltes  von  B  das 
negative  Resultat,  wie  es  oben  begründet  worden  ist,  umzustossen; 
aber  es  könnte  sich  doch  zeigen,  dass  B  als  eine  sehr  freie  latei- 
nische Bearbeitung  des  Theophilus  anzusehen  ist.  Dies  wäre  das 
günstigste  Ergebniss,  auf  welches  nach  den  bisherigen  Nach- 
weisungen noch  gerechnet  werden  könnte. 

II,  3. 

„Es  liegen  Spuren  davon  vor,  dass  Umstellungen  in  B  statt- 
gefunden haben  und  dadurch  Unordnungen  entstanden  sind". 
So  hat  sich  Zahn  beiläufig  S.  274  geäussert.  Ferner  hat  er 
S.  51.  55.  71.  130  auf  Defecte  in  B  hingewiesen  (I,  21.  27.  111,  6); 
endlich  auch  auf  ein  paar  Interpolationen  (S.  37.  43.  63.  64.  160 
in  1,  5.  1,  10.  1,  36.  11,  1).  Allein  mit  diesen  Hinweisungen,  die 
z.  Th.  sehr  disputabel  sind,  ist  es  nicht  gethan.  So  wie  diese 
„  Allegoriensammlungen "  in  B  vorliegen,  befinden  sie  sich  stellen- 
weise in  grosser  Unordnung,  in  einer  Unordnung,  die  aber  durch 
einfache  Umstellung  gar  nicht  gehoben  werden  kann. 

Schon  oben  wurde  darauf  hingewiesen,  dass  im  ersten  Buche 
c.  11 — 25  in  Unordnung  sind.  Während  in  c.  1 — 10  die  Reihen- 
folge der  Perikopen  im  Matthäus  (c.  1 — 10)  in  den  Erklärungen 
innegehalten  wird  und  ebenso  in  c.  26 — 36  die  der  c.  19 — 28 
des  Matthäus  ohne  erhebliche  Ausnahmen,  werden  in  c.  11  u.  12 
Verse  aus  Mi  13—15,  in  c.  13  u.  14  Verse  aus  Mt.  18—20,  in 
c.  16—20  Verse  aus  Mt.  11—15,  in  c.  21—24  Verse  aus  Mt.  17. 
13.  14.  18  besprochen.  C.  15  bezieht  sich  vielleicht  auf  Job.  2,  2 
und  c.  25  ist  mit  111,  3  fast  wörtlich  identisch  (A).  Dies  ist  nicht 
die  einzige  Doublette,  sondern  es  finden  sich  noch  andere,  freilich 
zugleich  mit  wichtigen  Abweichungen. 

B.  I,  11  (S.  44)  zu  Mt.  13,  44.  I,  18  (S.  50)  zu  Mt.  13,  44. 

Simile  est  regnum  coelo-  Simile  est  regnum  coelorum 

rum     thesauro     abscondito  thesauro    abscondito     in     agro. 

in  agro.     Thesaurus  abscondi-  Ager  hie  mundus  est;  thesaurus 

tus  in  agro  gratia  est  in  mundo  Christus  est,  qui  triduana  latuit 

missa,    dicente    domino:    Ager  passione;    unde  vendendum  est 

8* 


116  Der  angebliche  Coinmentar  des  TheoiDliilus. 

autem  hie  mundus.  Ideo  autem  nobis  omne,  quod  habemus  in 
ait  thesaurum  absconditum,  quia  lioc  saeculo,  ut  vitam  mereamur 
non  Omnibus  datur.  aeternam. 

C.I,12(S.45)zuMt.l4.  I,  19  (S.  50)  zuMt.  14.  II,  5  (S.  67)  zu  Mc.  6. 
Navis  est  ecclesia  Acceptis  Jesus  Quinque  panes 
.  .  .  De  quinque  quinque  panibus  quinque  libri  Mosis 
panibus,  id  est  de  etduobuspiscibus.  int  elligen  di  sunt,  du  o 
doctrina  Pentateuchi,  Per  quinque  panes  pisces  duo  testamen- 
etduobuspiscibus,  Pentateuchum  signi-  ta  sunt, 
hoc  est  duobus  testa-  ficat,  id  est  quinque 
nientis,  vetere  et  novo,  libros  Mosis,  per  duos 

pisces  duo  testamenta, 

vetus  et  novum,  qui- 

bus    dominus    genus 

liumanum  pascit  .  .  . 

Mare  significat  saecu- 

lum,  navis  ecclesiam. 

D.  I,  12  (S.  46)  zu  Mt.  14.  I,  19  (S.  51)  zu  Mt.  14. 
Petrus  vero  supra  petram  fun-         Turbatum  autem  Petrum  visa 

datus,  in  quo  figuratur  ecclesia,  tempestate  diabolicae  aurae,  pas- 
in qua  boni  et  mali  sunt  iuncti,  sionem  indicat  Christi,  cum  paene 
mergebatur,  sed  domini  est  dex-  subversa  est  fides  negantis  apo- 
tera  sublevatus,  quia  „novit  do-  stoli. 
minus  pios  de  tentatione  eripere". 

Die  übrigen  Doubletten  (Buch  II — IV)  seien  gleich  hier  hin- 
zugefügt. 

E.  I,  3  (S.  34)  zu  Mt.  3,  3.  II,  1  (S.  65)  zu  Mc.  1,  3. 
Vox  clamantis  in  deserto,        Vox  clamantis  in  deserto 

id  est  in  saeculo,  eo  quod  non  loannem  significat  clamasse  lu- 
habentes  fidem  saeculares  de-  daeis;  nam  desertum  dicit  ter- 
serunt  cultum  dei.  ram  ludaeam  a  sancto    spiritu 

derelictam. 

F.  I,  3  (S.  35)  zu  Mt.  3,  4.  II,  1  (S.  35  f.)  zu  Mc.  1,  6. 
Cibus   loannis    erant    lo-         Erat  autem  Joannes  ipse 

custae  et  mel  silvestre.  Per  iudutus  pilis  cameli.  Per 
locustas  populos  agrestes  signi-  habitum  eins  et  cibum  gentes 
ficat,  mel  autem  fructum  indicat    significat  tortuosas,   cameli   si- 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 


117 


credulitatis  ipsorum,  quibus  pro-  militudinem  habentes ,  venturas 

plietantis  dulcis  auditus  erat,  ut  ad  baptismum,  et  per  locustas 

fide  sua  pascerent  praedicantem.  ludaeos,  qui  non  militantes  deo 

Sive    per  locustas   gentes,    per  sine  rege  sunt  ut  locustae,  per 

mel    autem    significat   ludaeos,  mel  autem   silvestre  rusticos 

credulitate  sua  fructus  deo  dul-  dicit,  qui  credentes  dulces  facti 

cissimos  offerentes.  sunt  deo. 


G.  1,9  (S.  41  f.)  zu  Mt.  9,20. 

Ecce  mulier  quae  proflu- 
vio  sanguinis  laborabat. 
Per  mulierem  haemorrousam 
ecclesia  significatur  ex  gentibus, 
in  cuius  imagine  ante  iugulati 
sunt  Macchabaei  caeterique  pro- 
phetae  .  .  .  Vestimentum  au- 
tem salvatoris  tetigisse  mu- 
lierem divinas  significat  scrip- 
turas. 

I,  19  (S.  51)  zu  Mt.  14,  36: 
Et  rogabant  eum,  ut  vel 
fimbriam  vestimenti  eins 
tangerent.  Vestimentum  sal- 
vatoris lex  est  divina,  in  qua 
sunt  plura  mandata,  sicut  in 
vestimento  multae  sunt  fimbriae ; 
quarum  unam  si  quis  contigerit, 
id  est  de  multis  vel  unum  prae- 
ceptum  salvatoris  faciens,  reme- 
dium  percipit  salutare. 

H.  I,  3  (S.  35)  zu  Mt.  3,  9.  10. 
Potens  est  deus  de  lapi- 
dibus  istis  suscitare  filios 
Abrahae.  Lapides  pro  paganis 
ait  propter  cordis  duritiam  .... 
Ecce  securis  ad  radices  ar- 
boris  posita  est,  id  est  prae- 
dicatio  sermonis  divini  ex  utra- 
que  parte  habens  acutum  novi 


II,  4  (S.  66)  zu  Mc.  5,  22  f. 

Et  mulier  quaedam  erat 
in  profluvio  sanguinis  an- 
nis  duodecim  .  .  .  haemor- 
rousa  mulier,  hoc  est  gentilis 
populus,  sanguinem  idolis  fun- 
dens,  tacta  fimbria  vesti- 
menti, id  est  totius  legis  mini- 
mum  praeceptum  exsequens 
scilicet:  „Quod  tibi  non  vis 
fieri,  alteri  ne  feceris",  vel 
certe  perseverantiam  iidei  habens, 
sanata  est. 


III,  1  (S.  68  f.)  zu  Lc.  3,  8.  9. 
Potens  est  deus  de  lapi- 
dibus  istis  suscitare  filios 
Abrahae.  Lapides  pro  ludaeis 
posuit  pro  cordis  duritia,  de 
quibus  suscitavit  apostolos;  vel 
quia  de  gentibus  mart3ri'es  ex- 
stiterunt.  lam  securis  ad  ra- 
dices   arborum    posita   est. 


118  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

ac  veteris  testamenti  .  .  ,  Radi-  Securem  pro  cruce  ait,  cui  si- 
ces  vero  arboris  spes  et  curas  milis  est  per  manubrium;  nam 
bominum  dixit.  arbores  pro  martyribus  ait. 

L  III,  5  (S.  70)  zu  Lc.  7,  12f.  II,  8  (S.  68)  zu  Lc.  7,  14. 

Ecce  efferebatur  mortuus  Per  iuvenem  autem  defunc- 

filius    unicus    matris    suae,  tum,    quem    elatmn   de   domo, 

quae   erat   vidua,   et   multa  sed  necdum  sepultum  dominus 

turba  civitatis   sequebatur  suscitavit,  intelligendi  sunt,  qui 

eam.  .   .  .  per    filium    unicum  pravum  aliquid  mox  ut  publica 

mortuum  exterior  bomo,  id  est  actione  commiserint,  divina  re- 

corpus,   accipiendus    est,    cuius  verentia  compuncti  peccare  de- 

matrem    animam,   patrem   vero  sistunt. 
spiritum  credimus  dei. 

K.  IV,  2  zu  Job.  2.  L  15  zu  Job.  2. 

Nam  per  nuptias,  coniunc-         .  .   ad   nuptias,   ut   animam 
tionem  Christi  et  ecclesiae,  hoc     nostram  spiritui  maritaret. 
est  veteris    et    novi  testamenti 
traditionem  debemus  accipere. 

L.  IV,  3  (S.  81)  zu  Job.  4,  18.  IV,  14  (S.  85)  zi^  Joh.  4,  18. 

Haec  mulier  Samaritana  erat,  Quinque  viroshabuisti  vel 

quam  per  quinque  viros  quin-  Pentateuchum  vel  quinque  cor- 

que  libros  Mosis   dominus   ha-  poris  sensus  significat. 
buisse  significat. 

Endlich  —  Unbedeutenderes  sei  hier  bei  Seite  gelassen,  s. 
z.  B.  I,  31  =  II,  6  —  wird  (M)  die  Parabel  Lc.  16,  If.  zweimal 
(III,  11.  III,  20)  erklärt  und  das  erste  Mal  auf  die  Bischöfe,  so- 
dann auf  Paulus  gedeutet.  Aber  die  letztere  Deutung  schliesst 
auffallender  Weise  mit  den  Worten:  „Sciendum  est  autem  hanc 
comparationem  salvatorem  nostrum  episcopis  posuisse.** 

Einen  Theil  dieser  Doubletten  wird  man  nicht  anders  er- 
klären können  als  durch  die  Annahme,  dass  B,  so  wie  er  vor- 
liegt, auf  zwei  oder  mehrere  Quellen,  die  aber  in  einer  ge- 
wissen Verwandtschaft  zu  einander  gestanden  haben  müssen, 
zurückgeht.  Auf  Quellen  wird  man  aber  auf  jeden  Fall  gewiesen ; 
denn  namentlich  die  Bücher  2 — 4  entlialten  unzweifelhaft  form- 
lose Excerpte,  mit  denen  der  Compilator  nicht  zu  Ende  gekommen 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  119 

ist,  und  auch  das  erste  Buch  macht  mehr  den  Eindruck  einer 
zusammengestoppelten  Allegoriensammhmg,  als  eines  planvoll 
angelegten  Buches.  Andererseits  lässt  sich  bei  aller  Regellosig- 
keit, Unordn^mg,  Unvollstandigkeit  und  Planlosigkeit  nicht  ver- 
kennen, dass  das  Ganze  in  Haltung  und  Art  der  Ausführung 
eine  gewisse  Einstimmigkeit  aufzeigt.  Dieselbe  erscheint  freilich 
an  vielen  Stellen  getrübt,  sobald  man  von  der  Betrachtung  der 
Form  der  Auslegungen  zu  der  Betrachtung  ihres  Inhaltes 
übergeht;  aber  der  Eindruck  einer  gewissen  Einheitlichkeit  war 
bei  mir  doch  ein  so  starker,  dass  ich  den  Versuch  machte  zu 
erproben,  ob  nicht  die  Ungleichheit  der  vier  Bücher,  die  Unord- 
nung in  den  Perikopenreihen,  die  sporadische  Textmischung, 
sowie  die  Doubletten  der  Textstellen  und  der  Erklärungen  sich 
durch  die  Annahme  erklären,  dass  die  Vorlage  von  B,  wenn  auch 
eine  weit  zurückliegende,  ein  Werk  war,  in  welchem  die  dicta 
quattuor  evangelistarum  zu  einer  Einheit  nach  dem  Faden  des 
Matthäusevangeliums  verbunden  und  in  dieser  Gestalt  erklärt 
waren.  Der  Bearbeiter  hätte  sich  dann  die  Aufgabe  gestellt, 
jedem  Evangelisten  wieder  das  Seine  zurückzugeben;  so  wäre 
es  denn  gekommen,  dass  Matthäus  mehr  erhalten,  als  die  drei 
Evangelisten  zusammen;  so  könnte  es  sich  ferner  erklären,  dass 
an  einigen  Stellen  den  einzelnen  Evangelisten  ihnen  nicht  Ge- 
höriges zugewiesen  ist,  dass  die  Leidens-  und  Auferstehungsge- 
schichte fast  ganz  dem  Matthäus  verblieb,  und  dass  die  Schlüsse 
der  Bücher  2 — 4  so  abrupt  und  ungeordnet  sind;  endlich  Hesse 
sich  wenigstens  ein  Theil  der  Text-  und  Allegorien -Doubletten 
durch  diese  Hypothese  verständlich  machen,  während  andere 
freilich  nun  erst  recht  räthselhaft  würden. 

Allein  die  Zusammenfügung  der  4  Bücher  Allegorien  zu 
einer  Einheit  erwies  sich  durchweg,  und  wo  man  auch  ansetzen 
mochte,  als  undurchführbar.  Mithin  ist  die  Hypothese  eines 
hinter  B  liegenden  und  noch  zu  erreichenden  Commentars  zu 
dem  Evangelium  zu  streichen.  Dann  aber  ist  dem  Urtheile 
nicht  mehr  zu  entrinnen,  dass  B  eine  höchst  sorglos  angefertigte 
Excerptensammlung  ist,  die  höchstens  ihrem  Hauptbestande  nach 
aus  einem  Werke  entnommen  sein  mag.  Kein  originaler 
Schriftsteller  kann  B,  wie  er  vorliegt,  geschrieben 
haben.  Schwerlich  ist  B  auch  ein  opus  editum  des  kirchlichen 
Alterthums,  sondern  mindestens  in  Buch  2  —  4    eine    unfertige 


120  ^61'  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Materialiensammlung  von  Allegorien.  Es  bestätigt  sich  also 
auch  bei  tieferem  Eindringen  in  die  Anlage:  B  ist  nicht  mit 
dem  von  Hieronymus  eingesehenen  Commentar  des  Theophilus 
identisch.  Eine  nähere  Erwäo-unoj  der  oben  zusammeno^estellten 
Doubletten  in  ihren  Consonanzen  und  Dissonanzen  muss  dem 
Leser  überlassen  werden.  Sie  wird  ihm  das  hier  geföUte  Urtheil 
bestätigen. 

II,  4. 

Jedoch  —  und  das  ist  das  erste  wirkliche  Argument,  welches 
für  einen  Zusammenhang  von  B  und  dem  Theophilus  des 
Hieronymus  anzuführen  ist  —  in  B  findet  sich  jener  längere 
Abschnitt  wieder,  den  Hieron.  aus  dem  Evangeliencommentar 
des  Theophilus  in  der  ep.  ad  Algas.   citirt  hat. 

Aber  ist  dieser  Abschnitt  ein  integrirender  Bestandtheil  von 
B,  oder  ist  er  nicht  vielmehr  ein  Zusatz  aus  Hieronymus  ?  Alles 
kommt  auf  die  Beantwortung  dieser  Frage,  sowie  auf  das  sach- 
liche Verhältniss  der  übrigen  Stücke  in  B  zu  dem,  Hieronymus 
und  B  gemeinsamen,  Abschnitte  an;  denn  er  ist  zunächst  die 
einzige  Brücke,  die  von  dem  Theophilus  des  Hieronymus  zu  B 
hinüberführt. 

1)  Fassen  wir  zunächst  die  Textgestalt  ins  Auge.  Zahn  hat 
S.  77  —  79  die  Varianten  genau  aufgeführt,  und  er  behauptet 
S.  97  f.,  schon  die  Textgestalt  zeige  deutlich,  dass  das  betreffende 
Stück  in  B  nicht  erst  nachträglich  aus  der  ep.  ad  Algas.  her- 
übergenommen sein  könne,  vielmehr  die  zutreffendere  und  somit 
ältere  Fassung  repräsentire.  Von  den  Gründen,  die  er  aufgeführt 
hat,  wird  man  aber  nur  den  für  beachtensAverth  halten  können, 
dass  B  (S.  79,  3)  das  ungewöhnliche  „pabulum"  im  Bibeltexte 
bietet,    während    Hieron.    das   gewöhnliche     „triticum"    liest. ^") 


\~i)  Die  Stellen,  welche  Zahn  S.  99  vereinigt  hat,  um  nachzuweisen, 
dass  „Hieron.  seine  Vorlage  willkürlich  gemodelt  und  theils  aus  stilisti- 
schen, theils  aus  sachUchen  Gründen,  manchmal  auch  in  Folge  von  Miss- 
verständnissen  geändert  hat",  haben  nichts  Überzeugendes.  Die  beiden 
ersten  mögen  hier  zur  Probe  stehen:  „Wer  wird  das  est  vor  oder  hinter 
ditius  streichen,  wenn  er  es  vorfindet  p.  77,24?  wer  das  glatte  didicit 
et  ...  .  susceperat  des  Hieron.  in  ein  hartes  discens  (=  |a«i^<y>' nicht 
fiav&dvcov)  .  .  .  susceperat  verwandeln  p.  77,  25?"  Der  „hässliche  Grä- 
cismus",  den  Hieron.  p.  78,  9  angeblich  durch  einen  gewöhnlichen  latei- 
nischen Ausdruck  ersetzt  haben  soll,  ist  von  Zahn  in  den  Text  von  B 
durch  eine  Conjectur  erst  eingesetzt  worden. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  -121 

Jedenfalls  liefert  aber  die  Vergleicliung  der  Texte  keinen  An- 
haltspunkt für  die  Annahme,  dass  in  B  das  betreffende  Stück 
eine  Abschrift  aus  Hieronynins  sei. 

2)  Jedoch  andere  Erwägungen  scheinen  diese  Hypothese 
recht  wahrscheinlich  zu  machen.  Es  steht  der  betreffende  Ab- 
schnitt (Erklärung  von  Lc.  16,  If.:  Parabel  vom  ungerechten 
Haushalter)  in  B  an  einer  sehr  verdächtigen  Stelle,  nämlich 
am  Schlüsse  des  dritten  Buches  (HI,  20),  während  vorher  schon 
Stellen  aus  c.  15 — 19  besprochen  worden  waren.  Die  ausführ- 
liche Behandlung  der  Parabel  c.  16,  If.  erscheint  somit  wie  ein 
Nachtrag.  Noch  mehr:  die  Parabel  selbst  war  schon  vorher 
(HI,  11)  kurz  erklärt  oder  vielmehr  die  Grundzüge  einer  Erklä- 
rung waren  angedeutet:  „Homo  quidam  erat  dives  qui  habe- 
bat villicum.  Hanc  comparationem  salvator  villico  iustitiae, 
id  est  episcopis  dedit,  ut,  quomodo  domino  suo  fraudem  fecit,  ut 
haberet  unde  postea  viveret,  ita  episcopi  non  omnia  peccata  ul- 
cisci  debeant,  sed  locum  poenitentiae  reservare  eos  conveniat,  cum 
praesertim  ipse  dominus  dixerit:  Nolo  mortem  peccatoris,  sed  ut 
convertatur  a  via  sua  et  vivat.  Ideo  autem  laudavit  dominus 
lesus  fraudatorem  domini  sui,  ut  eins  sequentes  exemplum  non 
omnia  debita  exigamus."  Trotz  dieser  Deutung  folgt  nun  am 
Schlüsse  des  Buches,  III,  20,  eine  zweite  Auslegung,  die  mit  der 
ersten  gar  nichts  gemein  hat;  denn  der  Haushalter  wird  hier 
auf  Paulus  gedeutet,  und  diese  Erklärung  wird  an  der  ganzen 
Parabel  verhältnissmässig  eingehend  durchgeführt.  Am  Schlüsse 
aber  heisst  es  ohne  jeden  Übergang  (S.  SO,  If.  bei  Zahn):  „Scien- 
dum  est  autem  hanc  comparationem  salvatorem  nostrum  epis- 
copis posuisse.'^  Diese  Worte,  durch  welche  die  neue  Erklärung 
mit  der  zuerst  gegebenen  —  schlecht  genug  —  verbunden  wer- 
den soll,  finden  sich  bei  Hieron.  nicht,  während  er  doch  noch 
die  unmittelbar  vorhergehenden  wiedergegeben  hat.^^)  Somit 
liegt  die  Annahme  sehr  nahe,  dass  die  Erklärung,  welche  Hieron. 
in  der  ep.  ad  Algas.  als  aus  Theophilus  stammend  mitgetheilt 
hat,  in  B  erst  nachträglich  zugesetzt  worden  ist.  Der  Bearbeiter, 
so  scheint  es,  hat  es  sich  so  leicht  wie  möglich  gemacht.  Er 
hat  die  Erklärung,  welche  er  bei  Hieron.  gelesen,  in  den  Um- 
fang seines  Buches  —  welches  er  für  das  des  Theophilus 


18)  In  welch'  eigenthümlicher  Art,  darüber  s.  unten. 


\22  ^^^  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

ausgeben  wollte  —  einfach  aufgenommen,  obgleich  er  selbst 
aus  seiner  Vorlage  schon  eine  andere  Erklärung  der  Parabel 
mitgetheilt  hatte.  Die  Vereinigung  der  beiden  hat  er  so  be- 
wirkt, dass  er  am  Schlüsse  der  zweiten  noch  einmal  an  die  erste 
erinnert  hat.  Ein  solches  Verfahren  ist  aber  sonst  in  dem 
ganzen  Werke,  trotz  aller  Unordnung,  die  in  demselben 
herrscht,  beispiellos.  Wohl  giebt  es  Fälle,  die  dem  hier 
vorliegenden  nahe  kommen;  aber  einen  völHg  analogen  wird 
man  nicht  angeben  können.  I,  25  ist  mit  III,  3  wörtHch  iden- 
tisch. In  I,  18  behandelt  der  Verf.  Mt.  13,  44,  als  ob  er  diesen 
Vers  noch  gar  nicht  erklärt  hätte,  während  er  doch  schon  I,  11 
eine  Deutung  gegeben  hatte.  Die  neue  ist  der  erst  gegebenen 
immerhin  sehr  verwandt  und  nur  zum  Theil  eine  wirklich  neue. 
Die  „5  Brode  und  2  Fische''  hat  der  Verf.  dreimal  behandelt, 
aber  stets  dieselbe  Auslegung  befolgt  (I,  12.  I,  19.  II,  5).  Am 
nächsten  kommt  noch  dem  bei  der  Deutung  der  Parabel  vom 
ungerechten  Haushalter  vorliegenden  Verfahren  das  oben  in  den 
Fällen  D,  E,  F,  G,  H,  I,  L  beobachtete.  Allein  der  wichtige 
Unterschied  bleibt  immer  noch  bestehen,  dass  in  allen  jenen 
Fällen  der  Verf.  bei  der  je  späteren  Erklärung  niemals  auf  die 
frühere  zurückgeblickt,  sondern  unbekümmert  um  das,  was  da- 
hinten lag,  seine  neuen  Quellen  ausgeschrieben  hat.  Hier  da- 
gegen ist  er  sich  augenscheinlich  bewusst,  die  Parabel  Lc.  16,  If. 
schon  einmal  gedeutet  zu  haben,  und  er  erinnert  seine  Leser  in 
plumper  Weise  an  diese  Deutung,  um  das  Auffallende  der  Dou- 
blette  zu  verdecken.  Es  ist  der  einzige  Fall  in  dem  formlosen 
W^erke,  in  welchem  eine  Absicht  des  Verfassers,  resp.  eine  Re- 
flexion desselben  hervorzuleuchten  scheint.  Ist  es  nicht  überaus 
verdächtig,  dass  dies  gerade  bei  der  Erklärung  der  Perikope  zu 
Tage  tritt,  welche  die  einzige  ist,  die  ein  Zeugniss  des  Alter- 
thums  für  ihren  Ursprung  von  Theophilus  besitzt?  Aber  dieses 
Zeucrniss  steckte  doch  an  einer  recht  verboro-enen  Stelle.  Soll 
man  dem  Verfasser  so  viele  Kenntnisse  zutrauen,  dass  er  die 
theophilinische  Erklärung  jener  Parabel  in  der  ep.  ad  Algas. 
des  Hieron.  aufgefunden  und  aus  ihrem  Verstecke  befreit  hat? 
Diese  Annahme  scheint  schwierig,  aber  sie  ist  es  durchaus  nicht: 
denn  es  lässt  sich  ein  völlig  analoger  Fall  nachweisen.  Zacha- 
rias  Chrysopolitanus  (saec.  Xll.)  in  seinem  Commentar  zur 
^vangehenharmonie  (dem  lateinischen   Tatian)    bezieht   sich  an 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  123 

drei  Stellen  auf  den  Brief  des  Hieron.  an  die  Algasia  und 
schreibt  das  ganze  Stück,  welches  Hieron.  aus  Theo- 
philus mitgetheilt  hat,  aus.i^)  P.  738  äusserten  „Non  ab- 
sonum  videtur,  evangelium  compendiose  nos  recipere  in  uno  opere 
Theophili  episcopi  vel  Tatiani  seu  Ammonii  Alexandrini  aut 
alius  cuiuslibet,  congruo  componentis  ordine,  unam  ex  quattuor 
narrationem".  P.  742  schreibt  er:  „Ad  haec  pater  Hieronymus  in 
homilia  de  villico  iniquitatis  introducens  Theophili  expositiones, 
hanc  eins  laudem  adiecit:  ,Theophilus  Antiochenae  ecclesiae  sep- 
timus  post  Petrum  Apostolum  episcopus,  quattuor  evangelistarum 
in  unum  opus  dicta  compingens,  ingenii  sui  nobis  monimenta 
dimisit'".  P.  855  endlich,  nachdem  er  die  Parabel  vom  unge- 
rechten Haushalter  erklärt,  fährt  er  fort,  gleich  als  hätte  er 
selbst  die  Commentare  des  Theophilus  eingesehen:  „Theophilus 
Antiochenus,  qui  quattuor  evangelistarum  in  unum  opus  dicta 
compinxit,  haec  super  hanc  parabolam  in  suis  commentariis  est 
locutus",  und  nun  folgt  in  vollem  Umfang  und  wörtlich  das 
Stück,  welches  Hieron.  dem  Theophilus-Commentar  entnommen  hat. 
Diese  Stellen  sind  äusserst  wichtig;  sie  zeigen  uns  l)  dass 
man  —  und  das  geht  aus  vielen  Äusserungen  des  Zacharias 
Chrysopolitanus  hervor  —  im  Abendland  im  Mittelalter  ein  be- 
sonderes Interesse  für  alte  Zeugnisse  betreffs  kirchlicher  Evan- 
gelienharmonien besessen  hat;  der  „Tatian",  den  man  las,  hielt 
dieses  Interesse  rege;  2)  dass  gerade  der  Abschnitt  aus  dem 
Briefe  des  Hieron.  an  die  Algasia  im  Mittelalter  nicht  unbekannt 
war;  denn  auch  Zahn  gesteht  zu,  dass  Zacharias  seine  Kunde 
von  Theophilus  lediglich  aus  Hieronymus  geschöpft  hat.  Aber 
das  Zeugniss  des  Zacharias  ist  nicht  das  einzige.  Zahn  selbst, 
unterstützt  durch  eine  Nachweisung  älterer  Gelehrter,  macht  auf 
die  selbständige  Verbreitung  der  von  Hieron.  aus  Theophilus 
abgeschriebenen  Erklärung  der  Parabel  im  Mittelalter  aufmerk- 
sam (S.  16).  „Die  von  Hieron.  im  Brief  an  Algasia  mitgetheilte 
Auslegung  der  Parabel  vom  ungerechten  Haushalter  ist  allge- 
meiner bekannt  geblieben  und  häufiger  reproducirt  worden.  In 
einem  Homiliarium  des  10.  Jahrh.  auf  Monte  Cassino  findet  sie 
sich  sammt  der  Einrahmung,  welche  ihr  Hieronymus  dort  ge- 


19)  S.  Bibliotheca  Max.  Lugdun.  (1677)  T.  XIX  p.  732—957.     S.  dazu 
Fabricius-Harless,  Biblioth.  Graeca  VII  p.  105  sq. 


124  1^61-  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

geben  hat.  Ebenso  in  einer  Handschrift  der  mediceischen  Biblio- 
thek aus  dem  11.  Jahrhundert."^'^) 

Also  im  10.,  11.  und  12.  Jahrhundert  ist  die  Bekanntschaft 
mit  jener  Theophilus-Hieronymusstelle  nachweisbar,  und  von  dem 
Commentar  des  Theophilus  wusste  man  dort  überall  nur  so  viel, 
als  Hieron.  mitgetheilt  hatte.  Das  Interesse  muss  ein  lebhaftes 
gewesen  sein;  denn  man  stellte  sich  —  richtig  —  den  Theo- 
philuscommentar  als  die  Auslegung  einer  Evangelienharmonie  vor. 
Welche  Bedeutung  aber  eine  solche,  aus  ältester  Zeit  von  einem 
orthodoxen  Vater  stammende,  für  die  Phantasie  der  mittelalter- 
lichen Theologen  haben  musste,  das  braucht  nicht  ausgeführt  zu 
werden. 

Die  Annahme  hat  mithin  nicht  die  geringste  Schwierigkeit, 
dass  der  Verf.  von  B,  sei  es  direct  aus  dem  Briefe  des  Hieron., 
sei  es  aus  einem  Excerpte  desselben,  die  Auslegung  der  Parabel 
vom  Haushalter  seinen  Allegorien  beigefügt  hat,  und  nach  den 
oben  mitgetheilten  Beobachtungen  über  die  seltsamen  Umstände, 
unter  welchen  die  Auslegung  in  B  steht,  wird  man  diese  Hypo- 
these bereits  für  sehr  wahrscheinlich  halten  müssen. 

Aber  es  giebt  noch  ein  durchschlagendes  Argument,  welches 
es  zweifellos  macht,  dass  die  Auslegung  der  Parabel  vom  unge- 
rechten Haushalter  in  B  eine  Abschrift  aus  dem  Briefe  des 
Hieronymus  ist. 

Hieronymus  hat  in  der  ep.  ad  Algas.  lediglich  die  Auslegung 
der  ersten  acht  Verse  des  16.  Capitels  abgeschrieben.  In  ihnen 
ist  in  der  That  die  ganze  Parabel  abgeschlossen  enthalten;  denn 
von  V.  9  ab  folgt  bekanntlich  die  Nutzanwendung.  In  B  sind 
aber  auch  die  Verse  10 — 12  noch  erklärt.  Dies  hat  auf  den 
ersten  Blick  nichts  Auffallendes,  ja  scheint  für  die  Unabhängig- 
keit B's  von  Hieron.  zu  sprechen.  Allein  die  Erklärungen 
von  V.  10 — 12  sind,  wie  Zahn  entdeckt  hat  —  wörtlich  iden- 
tisch mit  den  Erklärungen,  welche  Hieron.  wenige  Zei- 
len vor  seinem  Excerpt  aus  Theophilus  selbst  gegeben 
hat.  Diese  Entdeckung  ist,  wie  man  leicht  sieht,  für  die  Zahn- 
sche  Hypothese  ganz  besonders  fatal.     Zahn  sucht  sich  also  mit 


20)  S.  die  Nachweise  bei  Zahn,  a.  a.  0.  S.  16  n.  2.  3.  Dazu  die 
Bemerkung  S.  114  n.  3:  Notke5_-hat-=gMrf--die  ep.  ad  Algas.  ausdrücklich 
aufmerksam  gemacht.       jii'^'^ '\^^  ^^    ^^O/zj^^^^^ 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  125 

ihr  abzufinden  (S.  98):  „Es  bedarf  wolil  nicht  der  Ausfülirung. 
wie  unglaublich  das  Verfahren  des  Pseudotheophilus  wäre,  wenn 
er  ausser  dem,  was  Hieron.  als  Worte  des  Theophilus  citirt  hat 
auch  noch  einige  (eigene?)  Bemerkungen  des  Hieron.,  welche 
diesem  Citat  vorangehn,  mitaufgenommen  hätte,  und  zwar  mit 
so  sicherer  Hand,  dass  er  kein  Wort  zu  viel  oder  zu  wenig  ab- 
schrieb (?),  und  nun  eine  vollständige,  glatt  bis  zu  Ende  fortlaufende 
Erklärung  der  Parabel  zu  Stande  brachte.  Denkbar  ist  doch 
nur  der  andere  Fall,  welcher  vorliegt,  wenn  unser  Theophilus 
derselbe  ist,  aus  welchem  Hieron.  sein  Citat  gegeben  hat.  Zuerst 
hat  Hieron.  nach  seiner  Weise  stillschweigend  ein  Stück  aus 
Theophilus  sich  angeeignet.  Dann  fiel  sein  Blick  auf  die  ganze 
höchst  originelle  Auslegung  der  Parabel  bei  Theophilus.  Diese 
ebenso  wie  das  einfachere  Schlussstück  stillschweigend  sich  an- 
zueignen, ging  nicht  an,  da  diese  Deutung  des  ungerechten  Haus- 
halters auf  den  Apostel  Paulus  gar  zu  sehr  der  exegetischen 
Methode  des  Hieron.  widersprach.  Sollte  es  dennoch  als  ein  in- 
teressanter Versuch  der  Auslegung  einer  schwierigen  Parabel 
mitgetheilt  werden,  so  konnte  es  nur  in  der  Form  eines  ehrlichen 
Citates  geschehen". 

Zahn  muss  also  annehmen,  dass  Hieron.,  obgleich  er  genau 
markirt,  wo  sein  Citat  aus  Theophilus  beginnt,  doch  schon  vor- 
her zehn  volle  Zeilen  aus  dem  Werk  des  Antiocheners  und  zwar 
wörtlich  —  nicht  nur  referirend  —  demselben  entnommen  habe. 
Diese  Zeilen  aber  haben  einen  Inhalt,  der  mit  der  Erklärung  der 
Parabel  selbst  gar  nichts  gemein  hat.  Hieron.  selbst  unter- 
scheidet sie  scharf  von  der  Parabel  selbst.  Er  beginnt  seine  Er- 
klärung von  V.  9^ — 12  mit  den  Worten:  „Denique  post  parabolam 
intulit  (seil,  evangelista)."  Ferner:  die  Erklärung  des  Hieronymus 
zu  V.  9  findet  sich  in  B  nicht.  Zahn  muss  also  behaupten,  dass 
Hieron.  lediglich  den  neunten  Vers  selbständig  erklärt,  während 
er  sowohl  die  Deutung  von  v.  1—  8,  als  die  von  v.  10 — 12  wörtlich 
aus  Theophilus  übernommen  hat.  Endlich:  Zahn  muss  annehmen, 
dass  Hieron.  zuerst  die  sehr  einfache  Erklärung  von  v.  10 — 12 
bemerkt  hat,  „dann  erst  fiel  sein  Blick  auf  die  ganze  höchst 
originelle  Auslegung  der  Parabel  bei  Theophilus".  Dem  gegen- 
über ist  es  vielmehr  das  einzig  Wahrscheinliche,  dass  der,  wel- 
cher den  9.  Vers  commentirt  hat,  auch  die  eng  mit  diesem  ver- 
bundenen Verse  10 — 12  gedeutet  hat;  den  9.  Vers  hat  aber  auch 


126  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

nach  Zahn  Hieron.  selbständig  erklärt.  Die  Deutung  der  Pa- 
rabel allein  hat  er  nach  seinen  eigenen  Worten  bei  Theophilus 
gefunden.  Diese  hat  er  durch  ein  «ehrliches  Citaf^  in  extenso 
als  dem  Theophilus  angehörig  bezeichnet.  Ist  es  denkbar,  dass  er 
die  höchst  simplen  Bemerkungen  zu  v.  10—12  nicht  aus  eigenen 
Mitteln  leisten  konnte,  sondern  sich  hier  in  der  raffinirtesten 
Weise  mit  fremden  Federn  geschmückt  hatV^i)  Dazu  kommt 
noch  schliesslich,  dass  die  Auslegung  von  v.  10  — 12  ihrer  Form 
nach,  soviel  ich  sehe,  in  B  beispiellos  ist. 

Es  gilt  bei  Zahn  als  ein  böses  Charakteristikum  der  Kritiker, 
die  er  die  .modernen"  nennt,  dass  sie  das  Wahrscheinliche  be- 
vorzugen und  das  Unwahrscheinliche  bei  Seite  lassen.  Gevriss 
kann  man  oft  mehr  Gelehrsamkeit  und  Geist  bei  der  Vertheidi- 
gung  eines  verlorenen  Postens  in  der  Kritik  leuchten  lassen  als 
bei  der  Behauptung  einer  sicheren  Position.  Schon  nach  dem 
bisher  Ausgeführten  könnte  man  die,  welche  an  der  Originalität 
des  fraglichen  Abschnittes  in  B  festhalten,  ihrem  Schicksale  über- 
lassen; wer  wirklich  ohne  Voreingenommenheit  prüft,  der  wird 
zugestehen,  dass  die  Abhängigkeit  B's  von  Hieronymus  hier  er- 
wiesen ist;  denn  —  die  Gründe  mögen  noch  einmal  kurz  for- 
mulirt  zusammenstehen  — 

1)  die  Deutung  der  Parabel   vom  Haushalter   steht    in  B  an 
einer  auffallenden  Stelle; 

2)  in  dem  Buche  selbst  findet  sich  vorher  schon  eine  andere 
Deutung ; 

3)  der  Verf  verräth  ein  Bewusstsein  davon,  dass  die  doppelt 
gegebene  Auslegung  auffallend  sein  muss; 


21)  Nach  Zahn  sollen  die  folgenden  Worte  des  Hieron.  wörtliches 
stillschweigendes  Citat  aus  Theophilus  sein:  ^Qui  fidelis  est  in  mi- 
nimo,  id  est  in  carnalibus,  et  in  multis  fidelis  erit,  hoc  est  in  spiri- 
talibus;  qui  autem  in  parvo  iniquus  est,  ut  non  fratribus  det  ad 
utendum,  quod  a  deo  pro  omnibus  est  creatum,  iste  in  spiritali  pecunia 
dividenda  iniquus  erit.  Si  autem,  inquit,  carnales  divitias,  quae  la- 
buntur,  non  bene  dispensetis  veras  aeternasque  divitias  coelestis 
doctrinae  quis  credet  vobis?  Et  si  in  his  quae  aliena  sunt  (alienum 
est  autem  a  nobis,  quod  saeculi  est)  infideles  fuistis,  ea  quae  vestra 
sunt  et  proprie  homini  dej)utata,  quis  credet  vobis?  Unde  corripit 
avaritiam,  dicens  eum,  qui  amat  pecuniam,  deum  amare  nonposse."  Da- 
gegen die  relativ  schwierigere  Erklärung  von  v.  9  soll  Hieron.  selbst  er- 
dacht haben. 


\ 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  127 

4)  die  Stelle  aiLS  dem  Brief  des  Hieron.,  welche  mit  dem  be- 
treffenden Abschnitt  in  B  identisch  ist,  war  im  Mittelalter 
wohl  bekannt;  sie  hat  sogar  in  Sonderabschriften  circnlirt 
und  ist  in  extenso  in  einen  mittelalterlichen  Commentar 
aufgenommen  worden; 

5)  in  B  findet  sich  unmittelbar  nach  dem  betreffenden  Ab- 
schnitt ein  Stück,  welches  in  dem  Briefe  des  Hieron.  als 
dessen  Eigenthum  steht,  und  dessen  Herkunft  von  Hieron. 
selbst  zu  bezweifeln  nicht  der  geringste  Grund  vorliegt. 

Man  könnte  noch  als  6.  Grund  hinzufügen,  dass  die  Deutung 
der  Parabel  III,  20  von  allen  sonst  in  B  gegebenen  Allegorien 
sich  unterscheidet,  nicht  durch  ihre  Ausführlichkeit, ^2)  wohl  aber, 
weil  sie  eine  historische  Deutung  ist.  Als  einzige  Parallele 
wäre  HI,  13  (zu  Lc.  18,  2)  anzuführen:  doch  ist  dieselbe  auch 
nicht  in  jeder  Hinsicht  eine  schlagende.  Hiernach  ist  zu  ur- 
theilen:  der  Compilator  von  B  hat  den  Brief  des  Hieron. 
ausgeschrieben.  Aber  —  und  das  wäre  wohl  das  letzte  Be- 
denken, welches  man  noch  erheben  konnte  —  erscheint  nicht 
das  Verfahren  des  Compilators  von  B  so  als  ein  schwer  ver- 
ständliches? Wie  konnte  er  so  lui vorsichtig  sein,  ausser  dem 
wirklichen  Citat  aus  Theophilus,  welches  er  bei  Hieronymus  fand, 
auch  Auslegungen  des  Hieronymus  selbst  abzuschreiben,  sie  für 
solche  des  Theophilus  auszugeben  und  damit  seine  Quelle  und 
die  Mache  zu  verrathen?  Hier  giebt  uns  Zacharias  Chrysopoli- 
tanus  einen  überraschenden  Aufschluss.  Auch  dieser  Compi- 
lator, der,  wie  Zahn  selbst  zugesteht,  nur  das  über  und 
vonTlieophilus  gewusst  hat,  was  beiHieronymus  zu  lesen 
stand,  giebt  die  Auslegung  von  v.  9  u.  10,  wie  sie  beiHiero- 
nymus zu  lesen  steht,  als  den  Schlussabschnitt  der  Er- 
klärung des  Theophilus.  Also  ist  die  Sache  evident.  Der 
Compilator  von  B  hat  wie  Zacharias  eine  Abschrift  des 
betreffenden  Stückes  des  Briefes  des  Hieron.  vor  sich  ge- 
habt, in  welcher  die  hieronymianische  Auslegungder auf 
die  Parabel  16,  1 — Sfolgenden  Verse  als  Schlussabschnitt 
der  Erklärung  des  Theophilus  mit  dieser  zu  einer  Ein- 
heit verbunden  war,  oder  —  was  unwahrscheinlicher 
ist    —     beide    haben    willkürlich    und    selbständig    die 


22)  S.  I,  30.  II,  6.  III,  6.  III,  8.  III,  10. 


128  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Auslegung  des  Hieron.  für  die  des  Tlieopliilus  ausge- 
geben. In  der  Sache  kommt  das  auf  dasselbe  heraus.  Die 
künstlichen  Annahmen,  zu  welchen  Zahn  sich  dem  gegenüber  ent- 
schliessen  muss,  um  die  Originalität  von  B  zu  retten,  sind  folgende. 
I)  In  B  ist  die  Auslegung  von  Lc.  10,  1  —  8.  10—12  die  origi- 
nale Arbeit  des  Theophilus.  2)  Hieron.  hat  in  der  ep.  ad  Algas. 
diese  Auslegung  abgeschrieben,  aber  so,  dass  er  erst  v.  9  selb- 
ständig erklärte,  dann  die  theophilinische  Deutung  von  v.  10—12 
wörtlich  herübernahm  und  dabei  für  sein  geistiges  Eigenthum 
ausgab,  endlich  die  Auslegung  von  v.  1—8  als  Citat  mittheilte. 
3)  Zacharias  Chrysopolitanus  hat  wiederum  —  durch  einen  glück- 
lichen Zufall;  denn  er  hatte  nur  den  Hieronymus  vor  sich  — 
dem  Theophilus  sein  geistiges  Eigenthum  in  Bezug  auf  den  10. 
Vers  zurückgegeben,  indem  er  freilich  zugleich  auch  die  Aus- 
legung des  V.  9  ihm  vindicirte.  Mit  anderen  Worten:  Dass  bei  Za- 
charias die  Deutung  von  v.  10  dem  Theophilus  zugewiesen  wird, 
soll  auf  Willkür  beruhen,  die  aber  zufällig  das  Richtige  ge- 
troffen hat:  dass  sie  in  B  ihm  ebenfalls  beigelegt  wird,  sei  da- 
gegen ursprünglich!  Nein  —  Zacharias  bezeugt,  dass  man  im 
Mittelalter  Stücke  der  Auslegung  des  Hieron.  für  theophilinische 
ausgegeben  hat,  obgleich  man  zur  Herstellung  des  Theophilus 
nichts  besass,  als  eben  den  Hieronymus.  Dasselbe  hieronymia- 
nische  Stück  ist  in  B  als  theophilinisch  bezeichnet,  welches  — 
auch  nach  Zahn  —  Zacharias  ^villkürlich  dem  Hieronymus  ent- 
rissen hat;  also  beruht,  zuiual  da  schlechthin  alles  Übrige  diesem 
Schlüsse  günstig  ist.  die  Bezeichnung  der  Auslegung  des  Verses 
Lc.  16,  10  bei  beiden  Autoren  auf  der  gleichen  Willkür.  Ein 
Zweifel  kann  aber  dann  nicht  mehr  bestehen:  in  B  ist 
die  Auslegung  der  Parabel  vom  Haushalter  aus  Hiero- 
nymus' ep.  ad  Algas.  abgeschrieben. 

II,  5. 

Auf  Grund  der  bisherigen  Nachweisungen  fällt  auf  B  ein 
helles,  aber  unerfreuliches  Licht.  Wir  haben  es  mit  einer  gänz- 
lich unbezeugten  Sammlung  von  Allegorien  zu  den  vier  Evan- 
gelien zu  thun,  die  unter  den  Namen  des  alexandrinischen  Theo- 
philus gestellt  war,  und  welcher  ein  Excerpt  aus  dem  Briefe  des 
Hieron.  ad  Algas.  beigefügt  ist.  Der  (\)mi)ilator,  so  scheint  es, 
Avollte    die  Grlaubwüi  digkeit    seiner   Sammlung   dadurch   sicher- 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  129 

stellen,  dass  er  jenes  bekannte  Citat  des  Hieronymus  aus  den 
Commentaren  des  Theophilus  ihnen  zugesellte.  Dabei  ist  ihm 
das  Missgeschick  passirt,  ein  paar  Sätze  aus  Hieronymus  selbst 
mit  aufzunehmen,  die  ihn  verrathen. 

Allein,  wie  bereits  oben  angedeutet  worden,  es  ist  wenig 
wahrscheinlich,  dass  die  Quelle  des  Compilators  der  Brief  des 
Hieronymus  selbst  gewesen  ist.  Die  Unvorsichtigkeit,  resp. 
Dreistigkeit  kann  man  ihm  schwerlich  zutrauen,  dass  er,  obgleich 
er  den  ganzen  Brief  in  extenso  vor  sich  hatte,  doch  Sätze  des 
Hieronymus  in  eine  Sammlung  aufnahm,  welche  das  Werk  des 
Theophilus  sein  sollte.  Man  sieht  sich  vielmehr  zu  der 
Annahme  gedrängt,  dass  dem  Compilator  lediglich  eine  Ab- 
schrift des  aus  Theophilus  geschöpften  Stückes  aus  der  ep.  ad 
Algas.  vorgelegen  hat,  in  welcher  bereits  die  hieronymianische 
Erklärung  von  v.  10 — 12  der  Deutung  des  Theophilus  (v.  1  —  8) 
angehängt  war.  Diese  Hypothese  stützt  sich  auf  die  Thatsache, 
dass  die  von  Hieron.  abgeschriebene  Parabeldeutung  des  Theo- 
philus auch  besonders  im  Mittelalter  verbreitet  war,  und  dass 
auch  Zacharias  bei  der  Auslegung  der  Parabel  den  Text  des 
Hieron.  und  den  des  Theophilus  gemischt  hat.  Der  Compilator 
wäre  somit  das  Opfer  einer  Verwechslung  geworden,  die  schon 
vor  seiner  Zeit  statt  gefunden  hatte.  Indessen  bleiben  auch  so 
noch  Schwierigkeiten,  wenn  man  sich  das  Verfahren  des  Com- 
pilators construiren  will.  Warum  trägt  seine  Allegoriensamm- 
lung die  Aufschrift:  „Theophili  archiepiscopi  Alexandrini", 
wenn  er  doch  ein  Stück,  welches  dem  antiochenischen  Theo- 
philus gehört,  in  dieselbe  absichtsvoll  aufgenommen  hat?  Hier 
giebt  es  zwei  Möglichkeiten:  entweder  das  „ Alexandrini "  ist 
eine  spätere  Änderung,  oder  der  Compilator  hat  selbst  schon 
den  Theophilus,  von  dessem  Werke  ihm  ein  dem  Hieron.  ent- 
nommenes Excerpt  Kunde  brachte,  für  den  berühmteren  Alexan- 
driner gehalten.  In  diesem  Falle  müsste  in  jenem  Excerpt  die 
Bezeichnung  des  Theophilus  als  antiochenischen  Bischofs  gefehlt 
haben.  Allein  das  ist  nicht  wahrscheinlich,  da  sie  sich  in  den 
Sonderabschriften  der  Stelle,  die  zu  Florenz  und  Monte-Cassino 
aufbewahrt  werden,  findet  und  auch  bei  Zacharias  gelesen  wird. 
Also  wird  man  annehmen  müssen,  dass  dem  Compilator  die 
Herkunft  des  Fragmentes  vom  antiochenischen  Bischof  be- 
kannt gewesen  ist.     Dann  aber  kann  die  Aufschrift  des  ganzen 

Texte  und  Untersuchungen  I,  4.  9 


130  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Werkes  „Theophili  Alexandrin i*  nur  ein  Irrthum  eines  spä- 
teren Sclireibers  sein.  Allein  das  Verfahren  des  Compilators 
bleibt  auch  so  noch  auffallend  genug,  zumal  wenn  wir  annehmen, 
dass  er  nicht  allzulange  nach  Hieron.,  etwa  im  5.  oder  6.  Jahr- 
hundert, sein  Werk  zu  Stande  gebracht  hat.  Soll  man  sich  da- 
von überzeugen,  dass  um  diese  Zeit  ein  Scribent  auf  Grund  jener 
einen  Stelle  bei  Hieron.  eine  umfangreiche  Sammlung  allegori- 
scher Erklärungen  zu  evangehschen  Sprüchen  angelegt  und  die- 
selbe dem  Theophilus  zugeschrieben  hat?  Zahn  hat  ganz  Recht, 
wenn  er  sagt,  dass  das  Verfahren  eines  solchen  Pseudotheophilus 
ein  unbegreifliches  wäre.  Es  kommt  dazu,  dass  Hieron.  ja  aus- 
drücklich von  Commentaren  und  nicht  von  Allegorien  des 
Theophilus  gesprochen,  und  dass  er  als  die  Grundlage  dieser 
Commentare  ein  evangelium  quadriforme  und  nicht  die  vier 
Evangehen  bezeichnet  hat.  So  hat  man  ihn  aber  auch  noch  im 
späteren  Mittelalter  richtig  verstanden,  wie  Zacharias  Chrysopoli- 
tanus  zeigt.  Also  ist  es  höchst  unwahrscheinlich,  dass  ein  Fäl- 
scher das  uns  in  B  vorliegende  formlose  Werk,  welches  zudem 
die  Evangelien  gesondert  behandelt,  mit  betrügerischer  Absicht 
auf  Grund  jener  Stelle  in  der  ep.  ad  Algas.  componirt  hat. 

Aber  diese  Annahme  ist  auch  nicht  nothwendig.  Es  lasst 
sich  vielmehi'  eine  Ansicht  aufstellen,  die  alle  Schwierigkeiten, 
welche  Zahn  mit  Eifer  geltend  gemacht  hat,  vermeidet.  Diese 
Sammlung  von  Allegorien  braucht  keine  Fälschung  zu  sein;  sieht 
sie  doch  nicht  wie  eine  solche  aus.  Der  Compilator  mag  ledig- 
lich die  Absicht  gehabt  haben,  aus  einem,  oder  walu'scheinlich 
(s.  oben)  aus  mehreren  Commentaren  zu  den  Evangelien  sich  eine 
Blüthenlese  von  alleo'orischen  Erklärunofen  zusammenzustellen. 
Dabei  ist  ihm  auch  die  theophilinische  Erklärung  der  Parabel 
vom  Haushalter  als  ein  selbständicres  Bruchstück  aus  dem  Brief 
des  Hieronymus  an  die  Algasia  zu  Gesichte  gekommen:  er  hat 
sie  seiner  Sammlung  am  Schlüsse  des  3.  Buches  beigefügt,  ohne 
desshalb  der  ganzen  Sammlung  einen  ihr  fremden  Ursprung  an- 
dichten zu  AvoUen.  Erst  in  späterer  Zeit,  d.  h.  ün  eigentlichen 
Mittelalter,  hat  die  imklare  Kunde  von  exegetischen  Arbeiten  eines 
Theophilus  einen  halbgelehrten  Librarius  —  jedenfalls  nicht  de 
la  Bigne  selbst  —  veranlasst,  der  unbestimmten  Aufschrift 
,.Allegoriae  in  Matthaeum"  etc.  die  Worte  vorzusetzen  „S.  P.  nostri 
Theophili  archiepiscopi  Alexandrini". 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  131 

Diese  Hypothese  darf  als  die  wahrscheinlichste  bezeichnet 
werden;  aber  die  grössere  oder  geringere  Wahrscheinlichkeit,  die 
man  ihr  beilegen  mag,  kann  die  Evidenz  der  Beobachtung  nicht 
gefährden,  dass  B  nicht  eine  Quelle  des  Hieronymus  ist,  sondern 
vielmehr  deutliche  Abhängigkeit  von  demselben  aufweist. 

III. 

Mit  dem  obigen  Ergebniss  könnten  wir  die  Untersuchungen 
über  „die  Commentare  des  Theophilus  von  Antiochien  zum  Evan- 
geham"  abschliessen.  Es  hat  sich  herausgestellt,  dass  die  einzige 
Brücke,  welche  von  den  Angaben  des  Hieron.  über  jene  Com- 
mentare zu  B  herüberführt,  eine  nur  scheinbare  ist.  Somit  fehlt 
jeder  äussere  Grund  zu  der  Annahme,  dass  irgend  ein  Zusammen- 
hang zwischen  B  und  jenen  Commentaren  besteht,  deren  Existenz 
im  Alterthume  Niemand  ausser  Hieronymus  bezeugt  hat.  Jeden- 
falls hat  B  nicht  mehr  Anrecht  auf  theophilinische  Bestandtheile 
hin  untersucht  zu  werden,  als  irgend  welche  andere  namenlose 
oder  benannte  exegetische  Arbeiten,  die  uns  aus  dem  Alterthum 
oder  dem  Mittelalter  überliefert  sind.  Welche  Mittel  besitzen 
wir  aber,  um  irgend  ein  Stück  in  B  als  aus  den  Commentaren 
des  Theophilus  entnommen  bezeichnen  zu  können,  da  wir  doch 
von  diesen  selbst  beinahe  Nichts  wissen?  So  viel  ich  sehe,  bleibt 
uns  nur  ein  Doppeltes  übrig.  Wir  müssen  1)  untersuchen,  ob 
die  in  B  vorliegenden  Allegorien  sich  durch  innere  Merkmale  als 
aus  dem  2.  Jahrhundert  stammend  bekunden,  und  2),  falls  diese 
Frage  bejaht  werden  muss,  zusehen,  ob  nicht  vielleicht  einige 
von  den  Allegorien  eine  frappante  Verwandtschaft  mit  Stellen 
in  den  drei  Büchern  ad  Autolycum  aufweisen.  In  diesem  Falle 
wäre  es  möglich,  dass  sie  zum  grösseren  oder  geringeren  Theile 
aus  den  Commentaren  des  Theophilus  geschöpft  sind.  Indessen 
muss  von  vornherein  darauf  hingewiesen  werden,  wie  unwahr- 
scheinlich ein  solches  Ergebniss ,  und  wie  aussichtslos  daher  die 
Untersuchung  ist.  Müsste  doch,  falls  es  sich  so  verhielte,  das 
seltsame  Spiel  des  Zufalls  gewaltet  haben,  dass  ein  unkundiger 
Schreiber  den  Excerpten,  indem  er  ihnen  willkürlich  eine  Eti- 
Cjuette  gab,  den  Namen  des  Autors  beigelegt  hat,  dem  sie  wirk- 
lich das  Meiste  oder  einen  Theil  verdanken,  und  müsste  doch 
ferner  angenommen  werden,  dass  der  Compilator  von  B  sowohl 
die  Commentare  des  Theophilus  selbst  als  das  Excerpt  des  Hiero- 


132  ^6^  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

nymus  aus  denselben  ausgeschrieben  hat!  Es  ist  in  der  That  ein 
opus  supererogationis ,  welches  wir  hier  unternehmen;  aber  wir 
dürfen  uns  demselben  nicht  entziehen;  denn  Zahn  hat  behauptet 
und  in  seinem  grossen  Werke  angeblich  bewiesen,  dass  B  sich 
durch  seinen  Inhalt  zweifellos  als  ein  Werk  des  2.  Jahrhunderts 
und  zwar  als  ein  Werk  des  Verfassers  der  drei  Bücher  ad  Auto- 
lycum  erweise.  Ich  stelle  dem  die  Behauptungen  gegenüber,  dass 
nicht  drei  zusammenhängende  Seiten  in  B  nachgewiesen  werden 
können,  die  im  2.  Jahrhundert  auch  nur  geschrieben  sein  könnten, 
dass  B  frühestens  am  Ende  des  5.  Jahrhunderts  compilirt  sein 
kann,  und  dass  B  höchstens  zum  Theil  eine  Übersetzung  aus 
dem  Griechischen  ist.  Allerdings  kann  ich  es  mir  nicht  als  Ziel 
setzen,  Zahn  selbst  hier  zu  überzeugen.  Unsere  methodischen 
Grundsätze  und  kritischen  Massstäbe  sind  zu  verschiedene,  als 
dass  eine  Verständigung  irgend  zu  erhoffen  wäre.  Ich  vermag 
die  einschlagenden  dogmengeschichtHchen  Partieen  seines  Werkes, 
in  denen  er  mit  grosser  Unbescheidenheit  gegen  diejenigen  auf- 
tritt, welche  er  „gewisse  Kritiker"  nennt,  nur  als  einen  gewal- 
tigen Rückschritt  in  der  Forschung  zu  bezeichnen,  der  dieselbe 
indessen  nicht  aufhalten  wird,  weil  er  selbst  den  zur  „Umkehr^ 
Bereiten  zuviel  zumuthen  dürfte. 

In  dem  Folgenden  stelle  ich  einen  Theil  der  Stücke  und 
Sätze  zusammen,  die  frühestens  im  3.,  resp.  in  späteren  Jahr- 
hunderten geschrieben  sein  können;  sie  finden  sich  in  aUen 
Theilen  des  Werkes.  Zuvor  noch  eine  Bemerkung  über  den  Sprach- 
charakter. Dass  einige,  vielleicht  nicht  wenige,  Stücke  aufge- 
nommen sind,  die  dem  Compilator  als  lateinische  Übersetzungen 
eines  griechischen  Originals  vorlagen,  ist  zweifellos.  Die  Nach- 
weisungen von  Zahn  S.  157  f,  wenn  sie  auch  nicht  alle  gleich 
schlagend  sind,  genügen  hierfür.  Ist  doch  auch  das  von  Theo- 
philus  durch  Vermittelung  des  Hieron.  übernommene  Stück  wahr- 
scheinlich eine  Übersetzung  aus  dem  Griechischen.  Andererseits 
aber  ist  gewiss,  dass  das  Werk  als  Ganzes  und  in  seinen  Haupt- 
bestandtheilen  keine  Übersetzung  ist.  So  braucht  der  Verfasser 
S.  33, 6  das  Wortspiel  „panis-pannis";  S.  37,8  liest  man:  civitas 
acivibusdicitur,  idestab  habitatoribus  appellatur".  S.  37,  17  f. 
heisst  es:  „Iota  unum  vel  unus  apex  non  praeteribit  a 
lege,  donec  haec  omnia  fiant.  Per  iota  vetus  significat  testa- 
mentum   quo   decalogus  continetur,   iota  enim  pro  decem  est 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  133 

apud  Graecos;  apex  autem,  quattuor  litteras  Habens,  per 
evangelium  quadruplex  testamentuxn  indicat  novum". 
Auch  sonst  finden  sich  noch  Stellen,  die  als  Übersetzungen  nicht 
begreiflich  sind  (vgl.  z.  B.  das  „gentilitas",  welches  einige  Male 
vorkommt,  ferner  „saeculum"  „saecularis").  Von  den  angeführten 
hat  Zahn  die  erste  nicht  aufgeführt  —  weil  er  sie  für  kein 
Wortspiel  geh-alten  — ,  die  zweite  für  ein  griechisches  Original 
zu  retten  versucht  und  die  dritte  für  eine  spätere  Interpolation 
erklärt.  Wir  können  uns  mit  dem  hier  Angeführten  begnügen, 
da  Nachweise  folgen  werden,  die  es  als  völlig  überflüssig  er- 
scheinen lassen,  die  Frage  nach  einem  eventuellen  griechischen 
Original  überhaupt  zu  behandeln. 

I)  Zum  dogmatischen  Standpunkt  des  Verfassers. 

Trinität:  1)  I,  11:  Margarita  pretiosa  est  trinitas  sancta,  quae 
dividi  non  potest,  nam  in  unitate  consistit  (zu 
Mt.  13,46). 

2)  I,  25:  Per  tria  tabernacula  ostendit  trinitatis  figu- 
ram  (zu  Mt.  17,  4;  s.  auch  III,  3). 

3)  III,  7:  Antichristus  legem  veteris  testamenti  scrip- 
tam  in  duabus  tabulis  praedicabit,  Helias  autem 
patrem  et  filium  et  spiritum  sanctum  annuntiabit. 
Tunc  sancti  confessuri  sunt  trinitatem,  impii  vero 
diaboli  sequentur  doctrinam  (zu  Lc.  12,  52). 

4)  III,  9:  Mulier  accepit  fermentum,  id  est  doctrinam 
Christi.  Sata  tria  significant  trinitatem  (zu  Lc.  13,21). 

5)  IV,  2:  Quod  vero  ternas  dicit,  eos  demonstrat,  qui 
trinitatis  virtute  spiritales  efFecti  sunt  (zu  Joh.  2,  6). 

Christologie:  6)  I,  29:  De  die  illa  autem  vel  hora  nemo  seit 
(zu  Mt.  24,  36).  Diem  et  horam  deus  se  tantum 
scire,  non  hominem  voluit,  et  ideo  nee  filium  dixit 
scire,  ut  improbitatem  humanam  in  iudicii  divini 
cviriosa  inquisitione  confunderet,  cum  filium  ho- 
minis hoc  nescire  dixisset.  Caeterum  filius  dei,  qui 
deus  ex  deo  est,  hoc  ignorare  non  poterat,  quippe 
dixit:  Omnia  patris  mea  sunt.  Si  ergo  natura  patris 
in  filio  erat,  scientiae  natura  degenerare  non  po- 
terat; ergo  divinitas  una  patris  et  filii  diem  et  ho- 


J34  I^6r  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

ram   noverat,    quam   creavit,    non   poterat    autem 
nosse   humana   fragilitas    quod  utiliter    ignorabat. 

7)  III,  17:  Aut  quomodo  in  coelo  erat,  cum  adhuc 
esset  in  terra?  Sciendum  est,  quod  secundum  car- 
nem  in  terra  erat,  secundum  deitatem  in  coelo  non 
deerat;  ideo  et  ipse  ascendit  qui  descendit,  quia, 
licet  homo  factus  sit,  non  tamen  deus  esse  destitit. 
Idem  est  ergo  liomo  et  deus,  id  est  Christus  una 
persona  est  (zu  Joh.  3,  13). 

8)  IV,  2:  Hoc  ideo  ait,  quia  Christus  et  deus  erat  de 
deo  natus,  faciens  miracula,  et  homo  erat  per  ma- 
trem,  humana  tractando  (zu  Jöh.  2,  4). 

9)  IV,  4:  Venit  ad  aegrum  Jesus,  qui  erat  deus  et 
homo  (zu  Joh.  5). 

10)  IV,  8:  Sciendum  est,  quod  Christus  dominus  noster 
ita  verus  homo  et  verus  est  deus,  de  patre  deo  deus, 
de  matre  honiine  homo  (zu  Joh.  14,  28).  lUic  se- 
cundum hominem,  hie  secundum  deuni  loquutus 
creditur;  iuxta  quam  rationem  etiani  in  rehquis, 
quae  aut  aequalitatem  cum  patre  aut  humilitatem 
eins  humanitatis  sonant,  facile  intellectus  patebit. 

11)  I,  17:  Nam  lesus  Christus  dominus  noster  humili- 
tatis  studio  filium  hominis  dicebat,  cum  esset  et  per 
patrem  deus  et  per  matreni  homo  (zu  Mt.  12,  32). 
Dazu  III,  13:  Iudex  nee  deum  timens  nee  hominem 
reverens  (zu  Lc.  18,  2),  Christum  scilicet  dicit,  qui 
deus  erat  et  homo. 

Kirche:  12)  I,  5:  Civitas  ecclesia  (zu  Mt.  5,  14). 

13)  I,  10:  Columba  ecclesia  est  (zu  Mt.  10,  16);  s.  auch 
corpus  =  ecclesia  (I,  0  zu  Mt.  6,  22);  Rahel  =  ec- 
clesia (1,2  zu  Mt.  2,  18);  mulier  infirma  =  ecclesia 
(III,  18  zu  Lc.  13,  11);  stabulum  =  ecclesia  (III,  6 
zu  Lc.  10,  34)  etc.,  z.  ß.  regina,  area,  navis,  II,  1 : 
Socrus  Petri  (zu  Mc.  1,  29  sq.)  synagoga  est,  fihaque 
eins  ecclesia,  quam  regen  dam  Petrus  apostolus 
accepit.  * 

14)  IV,  16:  Hortus  domini  (zu  Joh.  20,  15)  est  ecclesia 
cathoHca,  in  qua  sunt  rosae  martyrum,  liha  vii'gi- 
num,  violae  viduarum,  liedera  coniugum. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  135 

15)  I,  23:  Puella,  id  est  ecclesia,  accepit  caput  Christi 
(zu  Mt.  14,  3.  11),  quod  obtulit  matri,  scilicet  sy- 
nagogae. 

16)  I,  29:  Sicut  mola  (zu  Mt.  24,  41)  duobus  lapidibus 
constat,  ita  alter  populus  invisus  deo,  alter  catho- 
licae  ecclesiae  orbem  in  terris  complent. 

17)  IV,  9:  Per  palmitem  (zu  Job.  15,  1)  vero  fructiferum 
catliolicum  populum  significat  ubique  diffusum;  per 
infructuosum  autem  liaereticos  notat. 

18)  I,  18:  Arborem  (zu  Mt.  13,  32)  ecclesiam,  quae 
post  passionem  et  resurrectionem  domini  nata  est, 
ostendit. 

19)  IV,  4:  Ideo  autem  ad  motum  aquae  unus  curabatur 
(zu  Job.  5),  quia  unica  est  ecclesia. 

20)  I,  11:  Capti  sunt  pisces  (zu  Mt.  13,  47),  id  est  con- 
venerunt  ad  ecclesiam  boni  et  mali;  sed  mali  rupe- 
runt  retia,  Schismata  facientes,  et  multi  infideles 
exierunt  de  congregatione  catholica. 

21)  I,  12:  Ecclesia,  in  qua  boni  et  mali  sunt  iuncti. 

22)  I,  29:  Exsurget  regnum  super  regnum,  id  est  ad- 
versus  regnum  Christi   catholicum  (zu  Mt.  24,  7). 

23)  I,  13:  Cum  aliquis  sacerdotum  de  catholico  dog- 
mate  in  aUquam  haeresim  declinaverit,  abiciendus 
est  (zu  Mt.  18,  9). 

24)  I,  18:  Spiritales  sunt,  qui  in  apostolorum  catholica 
doctrina  requiescunt. 

Sünde  und  Sündenvergebung:  25)  IV,  6:  Per  caecum  natu- 
raliter  non  videntem  et  illuminatum  significat  Iju- 
manum  genus  originali  peccato  detentum  (zu  Joh. 
9,  1).  Auch  das  Folgende  ist  zu  beachten,  wo  ge- 
sagt wird:  „ut  illuminationem  nostram  auctori  im- 
putemus  potius  quam  naturae".  Dazu  dann  III,  10 
(zu  Lc.  15,  23):  Per  vitulum  occisum  Christum 
pro  Adam,  scilicet  pro  gentibus,  significat  passum. 

26)  I,  21:  ...  unde  debitum,  id  est  peccatum,  generis 
humani  possit  absolvi,  quia  passione  Christi  libe- 
randi  eramus  a  debitis  peccatorum. 

27)  I,  17:  Ergo  sicut  quemcunque  filium  hominis  hu- 
niana  meditanteni  impune  contemnimus,  ita  dicenti 


136  ^^^'  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

agentique  spiritalia  ut  filio  dei  non  resalutare  per- 
petuus  est  reatus,  nisi  poenitentiae  remedio  conse- 
quamur  (zu  Mt.  12,  32). 

28)  III,  1 1 :  Episcopi  non  omnia  peccata  ulcisci  debent, 
sed  locum  poenitentiae  reservare  eos  convenit  (zu 
Lc.  16,  11)  ...  Ideo  autem  laudavit  dominus  lesus 
fraudatorem  domini  sui,  ut  eins  sequentes  exemplum 
non  omnia  debita  exigamus. 

29)  I,  19:  Si  quis  de  multis  vel  unum  praeceptum 
salvatoris  fecerit,  remedium  percipit  salutare  (zu 
Mt.  14,  36). 

30)  III,  16:  Qui  habet  dabitur  illi  (zu  Lc.  8,  IS).  Verbi 
gratia,  si  fidem  liabens  cbaritatem  non  habet,  etiam 
cadet  a  fide,  quam  se  habere  credebat.  Dazu  IV,  7 : 
Martha  et  Maria  ecclesiae  fides  et  opera  intelli- 
guntur. 

Sacrament  und  Kanon:  31)  I,  7:  Per  porcos  illos  vult  intel- 
ligi,  qui  necdum  evangelio  crediderunt  et  in  luto 
incredulitatis  suae  vitiisque  versantur;  quibus  ait 
margaritas,  id  est  mystica  sacramenta  fidei  non 
debere  cormnitti  (zu  Mt.  7,  6). 

32)  I,  35:  Velum  templi  scissum  significabat  populum 
ad  videnda  sacramentorum  mysteria  conversum  ad 
deimi  ex  gentibus,  quas  credidisse  noscitur  (zu 
Mt.  27,  51). 

33)  I,  3:  Ecce  securis  ad  radices  arboris  posita  est,  id 
est  praedicatio  sermonis  divini,  ex  utraque  parte 
habens  acutum  novi  ac  veteris  testamenti  (zu 
Mt.  3,  10). 

34)  I,  5:  Apex  autem,  quattuor  litteras  habens,  per 
evangelium  quadruplex  testamentum  indicat  novum 
(zu  Mt.  5,  18). 

35)  I,  12:  De  duobus  piscibus,  hoc  est  duobus  testa- 
mentis,  vetere  et  novo  (zu  Mt.  14,  17):  s.  auch  1, 19: 
Per  duos  pisces  duo  testamenta,  vetus  et  novum, 
quibus  dominus  genus  humanum  pascit.  IL  5.  I,  31: 
Et  uni  dedit  quinque  talenta,  i.  e.  Pentateuchum. 
quem  accipiens  fidelis  servus  decalogi  praecepta 
complevit.     Alii    dedit  duo  talenta,  hoc    est   duo 


I 


Der  angebliche  Commenfcar  des  Theophilus.  137 

testamenta,  vetus  et  novum,  de  quibus  fidelis  servus 
evangelia  virtutum  opere  coaequavit. 

36)  I,  21:  Der  Fisch  mit  dem  Stater  im  Munde  ist  der 
Mensch,  habens  in  ore  suo  staterem,  id  est  didragma, 
quattuor  continens  dragmas,  quibus  intelligenda 
sunt  quattuor  evangelia. 

37)  I,  33:  Vestis  (zu  Mi  21,  7)  est  apostolica  scriptu- 
rarum  expositio  divinarum. 

38)  IV,  7:  Per  quartum  diem  resurrectionis  Lazari  (zu 
Joh.  11,  39)  quattuor  evangeliorum  demonstrat 
figuram,  quorum  praedicatio  duritiam  a  nobis  aufert 
cordis. 

39)  III,  3:  Nam  dixerat  sancto  Petro:  Modicae  fidei, 
quare  dubitasti  (zu  Mt.  14,  31).     I,  25. 

Mystik:  40)  I,  15:  Dominus  lesus  venit  hie  ad  nuptias,  ut  ani- 
mam  nostram  spiritui  maritaret,  quorum  copula 
spiritali  filios  procreamus,  charitatem  scilicet,  pacem 
gaudium,  spem,  bonitatem,  mansuetudinem,  conti- 
nentiam. 

Eschatologie:  41)  IV,  7:  In  hoc  quoque,  quod  apud  infernum 
Abrahamum  videt,  hie  subesse  a  quibusdam  ratio 
putatur,  quod  omnes  sancti  ante  adventum  domini 
lesu  Christi  etiani  ad  interna,  licet  in  refrigerii 
locum,  descendisse  dicuntur.  Alii  opinantur  locum 
illum,  in  quo  Abraham  erat,  at  illis  inferni  locis 
seorsim  in  superioribus  fuisse  constitutum. 

II.  Geschichtliche  Zustände  zur  Zeit  des  Verfassers. 

Heiden:  42)  I,  3:  Per  locustas  populos  agrestes  significat,  mel 
autem  fructum  indicat  credulitatis  ipsorum  .  .  .  sive 
per  locustas  gen t es,  per  mel  autem  significat  lu- 
daeos  (zu  Mt.  3,  4). 

43)  II,  1 :  Per  locustas  ludaeos,  qui  non  militantes  deo 
sine  rege  sunt  ut  locustae,  per  mel  autem  silvestre 
rusticos  dicit,  qui  credentes  dulces  facti  sunt  deo 
(zu  Mc.  1,  6). 

44)  I,  3:  Lapides  (zu  Mt.  3,  9)  pro  paganis  ait  propter 
cordis  duritiam. 


J38  1^6^  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

45)  I,  10:  Celeriter  ite  ad  gentes,  lioc  est  paganos  (zu 
Mt.  10,  23). 

46)  I,  29:  Orate  ne  fiat  fuga  vestra  hieme  vel  sabbato 
(Mt.  24,  20),  id  est  ne  refrigescente  cliaritate  ad 
gentilitatem  revertaris. 

47)  IV,  6:  Mittitur  in  Siloa  (Job.  9,  7);  id  est  in  baptis- 
matis  fönte  a  gentilitatis  sacrilegio  detentus 
liberatur. 

Clerus:  48)  I,  6:  Lncerna  corporis  tui  est  oculus  tuus  (Mt.  6,  22). 
Lncernam,  oculum,  lumen  pro  episcopo  vel  his,  qui 
in  ecclesia  clari  sunt,  dixit ;  corpus  pro  ecclesia  posuit. 

49)  I,  10:  Et  quod  in  aure  auditis,  praedicate  super 
tecta  (Mt.  10,  27).  Aurem  populum  ait  propter 
auditum,  si  oculi  principes  intelliguntur,  eo  quod 
caeteros  illuminent  praedicatione  divina. 

50)  I,  13:  Oculus  scandalizat  (zu  Mt.  18,  9),  cuius  sacer- 
dos  tantum  dictor  est  et  non  factor,  dicente  domino 
apostolis:  Vos  estis  lux  mundi.  Et  quid  est:  Erue 
eum  abs  te?  nani  cum  aliquis  sacerdotum  de  catho- 
lico  dogmate  in  aliquam  liaeresim  declinaverit, 
abiciendus  est,  ne  cum  illo  plebs  in  geliennam 
mittatur. 

51)  I,  29:  In  agro  sunt  (zu  Mt.  24,  24),  qui  gubernant 
ecclesiam. 

52)  III,  6:  Stabularii  episcopi  siuit  (zu  Lc.  10,  34).  Quod 
autem  dixit:  Revertam  reddens  tibi,  in  futuro  ad- 
ventu  mercedem  medicinae  ac  praedicationis  suae 
daturum  se  poUicetur  episcopis. 

53)  HL  11:  Zur  Parabel  Lc.  16,  11  f.:  Haue  compara- 
tionem  salvator  villico  iustitiae.  id  est  episcopis  dedit. 
ut  episcopi  non  omnia  peccata  ulcisci  debeant  etc.; 
s.  III,  20  iin. 

54)  II,  1 :  Ecclesiajn  regendam  Petrus  apostolus  accepit; 
s.  I,  12:  In  Petro  figuratur  ecclesia. 

Weltchristen,  „Geistliche",  Mönche:  55)  I,  3:  Vox  clamantis 
in  deserto  (Mt.  3,  3),  id  est  in  saeculo,  eo  quod  non 
habentes  fidem  saeculares  deserunt  cultum  dei. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  139 

56)  III,  10:  Zu  den  „Trabern"  (Lc.  15,  16)  wird  be- 
merkt: id  est  saecularium  cibis  uti  delectabatur. 

57)  I,  5:  Die  Stelle,  dass  man  sein  Auge  unter  Um- 
ständen ausreissen  soll,  wird  so  erklärt,  dass  man 
auf  Weib,  Brüder,  Kinder  u.  s.  w.  verzichten  soll, 
wenn  sie  „ad  contemplandam  veram  lucem"  uns 
hinderlich  sind. 

58)  Ausdrücke  wie  „pabnlum  spiritale"  (I,  13)  „copula 
spiritalis"  (I,  15)  „spiritalis  pecunia"  (II,  6),  finden 
sich  hie  und  da.  Wichtiger  ist,  dass  der  Verfasser 
zwischen  gewöhnlichen  Christen  und  «spiritales" 
unterscheidet.  Die  ersteren  nennt  er  auch  „inde- 
voti",  die  letzteren  sind  die,  welche  in  „virginitas" 
und  „devotio"  leben,  die  fünf  Sinne '^•'^)  in  asketischer 
Zucht  halten  und  einmal  geradezu  „monachi"  ge- 
nannt werden.    Im  Folgenden  die  Belege: 

59)  I,  18:  Volucres  autem  coeli  (Mt.  13,  32),  habitantes 
in  ramis,  homines  significant  spiritales,  qui  in 
apostolorum  catholica  doctrina  requiescunt;  qui 
ideo  volucres  appellantur,  quoniaui  sanctae  con- 
versationis  studio  volare  videntur  ad  coelum,  a 
terrenis  operibus  recedentes. 

60)  I,  18:  Propterea  regnum  dei  grano  sinapis  adae- 
quatur,  quia  ita  difficilia  indevotis  praecepta  di- 
vina,  sicut  vehemens  est  ac  molestum  sinapi  illud 
sumentibus:  vgl.  I,  30:  virginitatis  devotionis- 
que  ipsius  corruptor  est  diabolus;  I,  29:  ne  in  sab- 
bati  otio  devotionis  timorem  niinime  servare  pos- 
sitis.  III,  15:  torcular  =  patientiam  voluntatis 
et  devotionis  perseverantiam. 

61)  I,  27  zur  Parabel  von  den  Arbeitern  im  Weinberg: 
Primae  horae  operarii  virgines  sunt,  qui  se  labo- 
rem  corporis  et  calorem  primae  aetatis  tolerasse 
dixerunt,  per  caetera  autem  aetatis  augmenta  in- 
continentes  accipiendi  sunt. 

62)  I,  30  die  Parabel  von  den  10  Jungfrauen  wird  so 

23)  Mit  den  fünf  Sinnen  macht  sich   der  Verf.  vielfach  zu  schaffen. 


140  ^^^  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

ausgelegt,  dass  die  Klugen  die  Menschen  sind,  welche 
ihre  fünf  Siime  in  asketischer  Zucht  halten,  als 
Lampen  -opera  bona"  haben  und  „virginitatem 
devotionemque"  bewahren. 

63)  II,  3  zur  Parabel  vom  Säemann:  tricesimum,  quod 
ad  coniuges  pertinet;  aliud  sexagesimum,  hoc  ad 
viduas  respiciens  dicit;  aliud  centesimum,  virgi- 
nibus  fructus  iste  convenit  (s.  Hieron.  adv.  Jovin.). 

64)  IV,  2 :  Quod  autem  dicit  scriptura  capientes  metretas 
binas  vel  ternas  (Joh.  2,  6),  binae  eos  significant, 
qui  matrimoniis  coniunguntur;  quod  vero  ternas 
dicit,  eos  demonstrat,  qui  trinitatis  virtute  spiri- 
tales  effecti  sunt. 

65)  IV,  11:  Per  pisces  magnos  (Joh.  21,  11)  animas 
sanctas  significat,  quia  ideo  CLIII  esse  evangelista 
commemorat,  quoniam  qui  decalogi  praecepta  custo- 
diunt  accepto  spiritu  septiformi,  sancti  esse  noscun- 
tur  ...  Spiritales  ergo,  legunt  evangehum,  qui 
servantes  numero  et  merito  apostoli  ehguntur. 

66)  IV,  16:  Hortus  domini  est  ecclesia  catholica,  in  qua 
sunt  rosae  martyrum,  lilia  virginum,  violae 
viduarum,  hedera  coniugum. 

67)  I,  29:  Duo  in  lecto  (Lc.  17,  34):  In  lecto  esse 
monachos  significat,  qui  amant  quietem,  alieni  a 
tumultu  generis  huniani  et  domino  servientes,  inter 
quos  sunt  boni  et  mali. 

Schliesslich  sei  noch  eine  charakteristische  Stelle  angeführt: 

68)  III,  18:  In  muliere  infirma  (Lc.  13,  11:  Ecce  mulier, 
quae  habebat  spiritum  infirmitatis  annis  X  et  VIII) 
est  figura  ecclesiae,  quae  cum  mensuram  legis,  in 
qua  est  decalogus,  et  resurrectionem  Christi,  in 
qua  octo  beatitudines  sunt,  impleverit,  tunc  sab- 
bato,  id  est  quiete  perpetua,  perfruetur  .  .  .  in  decem 
verbis  legis  perfectio  est,  in  octavo  numero  re- 
surrectionis  est  plenitudo. 

Die  hier  aufgeführten  Stellen,  die,  wie  man  sieht,  aus  allen 
Th eilen  der  Allegoriensammlung  genommen  sind,  müssen  vor 
allem  in  Betracht  gezogen  werden,  wenn  man  die  Zeit  des  Com- 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  141 

pilators  bestimmen  will ^ 4).  Nach  Zahn  weisen  sie  sämmtHch 
—  eine  Interpolation  (Nr.  45)  ausgenommen  —  auf  das  2.  Jahr- 
hundert oder  schliessen  es  doch  nicht  aus.  Manches  ist  ihm 
freiHch  unter  dieser  Voraussetzung  „interessant" ,  was  in  dem 
Buche  zu  lesen  steht.  Aber  „wenn  wir  aus  dem  bisher  vernach- 
lässigten Buch  gar  nichts  Neues  lernten,  würde  ich  mich  nicht 
so  anhaltend  um  dasselbe  bemüht  haben"  (S.  193).  Die  SS.  132 
bis  193  sind  dem  Nachweise  gewidmet,  dass  man  auf  den  antioche- 
nischen  Theophilus  als  Verfasser  fest  bauen  darf. 

Nach  dem,  was  bisher  auf  dem  Gebiete  der  Dogmengeschichte 
für  sicher  gegolten  hat,  wird  man  ohne  Schwanken  urtheilen: 
Diese  Compilation  ist  zu  einer  Zeit  zusammengestellt,  in  welcher 
die  augustinische  Terminologie  im  Abendlande  bereits 
vulgär  geworden  war,  in  welcher  ferner  das  Mönchthum  sich 
schon  völlig  eingebürgert  und  das  freiere  Asketenthum  verdrängt 
hatte,  und  in  welcher  endlich  das  Heidenthum  nur  noch  unter  der 
bäuerischen  Bevölkerung,  resp.  bei  wilden  Völkern,  zu  finden  war. 
Darnach  ist  der  terminus  a  quo  der  Abfassung  frühestens  auf  das 
Ende  des  5.  Jahrhunderts  anzusetzen.  Auf  das  Abendland  weisen 
alle  Spuren,  vor  allem  auch  die  christologischen  Formeln  mit  ihrem 
kurzen  und  unreflectirten  Bekenntniss  zu  den  zwei  Naturen  und 
zur  Einheit  der  Person. 

Das  Gewicht  der  Gründe,  welche  für  die  Abfassungszeit  dieser 
Compilation  nach  der  Mitte  des  5.  Jahrh.  sprechen,  ist  ein  so  über- 
wältigendes, dass  kein  Einsichtiger  sich  angesichts  dieses  Schrift- 
werkes zu  Untersuchungen  über  den  älteren  Gebrauch  solcher 
theologischer  Termini,  die  erst  im  4.  und  5.  Jahrhundert  officielle 
Geltung  erhalten  haben,  veranlasst  sehen  wird.  Die  Wichtigkeit 
solcher  Untersuchungen  ist  gewiss  nicht  zu  unterschätzen.  Aber 
wo  die  Stichworte  einer  späteren  Zeit  in  solcher  Fülle  auftreten, 
wie  in  diesem  Commentar,  da  sind  dieselben  nicht  am  Platze. 
Daher  soll  auch  hier  das  Material,  welches  Zahn  recht  kritiklos  ge- 
sammelt hat,  weder  gesichtet,  noch  beurtheilt,  noch  vermehrt  wer- 
den. Selbst  wenn  für  jeden  einzelnen  Terminus  eine  versteckte  Stelle 
in  der  Literatur  des  2.  Jahrhunderts  aufgewiesen  werden  könnte. 


24)  Es  giebt  noch  viele  andere  nicht  minder  charakteristische,  die 
ich  nur  deshalb  nicht  mitgetheilt  habe,  weil  diese  ihre  Eigenschaft  nicht 
auf  den  ersten  Blick  deutlich  sein  wüVde. 


j^42  1^61-  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

SO  wäre  damit  doch  noch  nichts  erreicht,  da  das  Ensemble  in 
diesem  Evangehencommentar  unerklärt  wäre. 

Allein  diese  Urtheile  können  für  Zahn  nichts  Überzeugendes 
haben;  denn  da  er  sich  die  Zustände  der  cliristlichen  Kirche  um 
d.  J.  170  so  denkt,  wie  wir  uns  die  Zustände  derselben  um  d. 
J.  470  vorstellen,  so  macht  ihm  weder  „die  eine  und  ungetheilte 
Trinität",  noch  die  Formel,  „dass  Christus  Gott  und  Mensch 
zugleich  und  als  solcher  eine  Person  ist",  noch  die  Anschauung, 
dass  Petrus  die  Kirche,  welche  die  Tochter  der  Synagoge  ist, 
zur  Regierung  überkommen  habe,  noch  das  .peccatum  originale", 
noch  die  Priester,  die  Mönche,  die  Spiritalen  und  die  Devoten  etc.  etc. 
Schwierigkeit. 

Indessen  es  giebt  noch  einen  Weg,  um  selbst  diejenigen  zu 
überzeugen,  denen  man  mit  dogmen-  und  kirchenhistorischen 
Erwägungen  nicht  beizukommen  vermag;  es  giebt  einen  Beweis, 
der  an  Evidenz  nichts  zu  wünschen  übrig  lässt.  Um  ihn  zu 
führen,  muss  ich  etwas  vorgreifen. 

Zahn  hat  nach  dem  Vorgang  Anderer  nachgewiesen,  dass 
ein  sehr  grosser  Theil  —  nach  meiner  Berechnung  mehr  als  die 
Hälfte  —  der  in  B  enthaltenen  allegorischen  Erklärungen  sich 
entweder  wörtlich  oder  mit  sachlichen  Varianten,  in  erweiterter 
Gestalt,  bei  Hieronymus  und  Arnobius  Junior,  resp.  auch  bei 
Ambrosius  und  Hilarius  wiederfindet.  Zahn  nimmt  in  allen  diesen 
Fällen  an  und  muss  es  annehmen,  dass  die  genannten  Schriftsteller 
eben  B,  und  zwar  gerade  so  wie  er  uns  vorhegt,  d.  h.  in  latei- 
nischer Übersetzung,  grösstentheils  wörtlich  ausgesclirieben  haben. 
Liesse  sich  nun  vielmelii'  der  umgekehrte  Fall  nachweisen,  so  wäre 
damit  unabhängig  von  dogmengeschichtlichen  Vorurtheilen  be- 
wiesen, dass  B  nicht  vor  der  zweiten  Hälfte  des  5.  Jahrhunderts 
geschrieben  sein  kann,  da  Arnobius  Junior  frühestens  der  Mitt:e 
dieses  Jalirhunderts  (c.  460)  angehört.  Unsere  oben  gegebene 
Zusammenstellung  von  c.  80  Stellen  in  68  Nummern  ist  nun  der 
geeignetste  Prüfstein,  um  die  Prioritätsfrage  zu  entscheiden.  Sie 
enthalten  die  Bestandtheile  der  Allegoriensammlung,  welche,  wie 
Zahn  selbst  zugestehen  wird,  dem  Geschmack  einer  späteren  Zeit 
besonders  zusagen  mussten.  Man  wird  also  erwarten,  dass  bei  den 
angeblichen  Plagiatoren,  Hieronymus,  Arnobius,  Ambrosius  u.  s.  w., 
sich  ein  gutes  Theil  gerade  jener  Stellen  wiederfinden  wird. 

Diese   Erwartimg   täusclit  aber.      V^on  jenen    c.   80   SteUeii 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  143 

finden  sich  bei  den  angeblichen  Plagiatoren  nur  23  wieder  (nicht, 
wie  man  erwarten  müsste,  c.  40).  Von  diesen  23  aber  sind  ledig- 
lich 6  wörtlich  oder  nahezu  wörtlich  identisch  (Nr.  5.  35.  37. 
38.  57.  62);  bei  den  17  übrigen  finden  sich  charakteristische 
Varianten.  Es  soll  nun  im  Folgenden  der  Leser  urtheilen,  ob 
die  ältere  Form  bei  B  zu  suchen  ist,  oder  bei  den  angeblichen 
Plagiatoren.  Er  braucht  dabei  kein  Urtheil  darüber  zu  fällen, 
ob  die  Form,  welche  B  bietet,  eine  ist,  die  im  2.  Jahrh.  mög- 
lich gewesen  ist  oder  nicht;  sondern  nur  darauf  kommt  es  an, 
ob  im  Vergleich  mit  den  angeblichen  Plagiatoren  der  Ausdruck 
in  B  als  der  alterthümlichere  oder  als  der  jüngere  erscheint. 

Nr.2)  Hieron.  Comm. in  Mt.p.  130.  B,  I,  25. 

Fac  tria  tabernacula,immo  Per  tria  tabernacula  osten- 

unum    patri  et  filio   et   spiritui  dit  trinitatis  figuram. 
sancto. 

Nr.  4)  Hieron.  Comm.  inMip.  94.  B,  HI,  9. 

.  .  .  satis  tribus  commiscu-         Sata    tria   significant   trini- 
erit  credulitati  patris  et  filii  et    tatem. 
Spiritus  sancti. 

Was  ist  wahrscheinlicher,  dass  der  Ausdruck  „trinitas"  das 
Ursprünglichere  ist,  oder  die  Nennung  der  drei  Personen  der 
Gottheit? 

Nr.  17)  Arnob.  in  Joh.  c.  6.  B,  IV,  9. 

Palmitem  vero  quod  dixit  Per  palmitem  vero  fructi- 
fructiferum ,  nostrum  populum  ferum  catholicum  populum  sig- 
significat;  infructuosum  autem  nificat  ubique  diffusum;  per  in- 
haereticorum  figura  est,  quam  fructuosum  autem  haereticos 
ignis  exspectat.  notat,  quos  .  .  .  gehennae  ignis 

exspectat. 
Zahnmuss  hier  annehmen,  dass  Arnobius  das  „catholicum" 
und  das  „ubique  diffusum"   aus  seiner  Vorlage  getilgt  hat.    Aber 
es  ist  evident,  dass  das  Umgekehrte  das  allein  Wahrscheinliche  ist. 

Nr.  22)  Arnob.  in  Mt.  c.  25.  B,  I,  29. 

Regnum  super  regnum  Exsurget  regnum  super 
quod  dicitur,  hoc  est,  quod  super  regnum;  id  est  adversus  reg- 
regnum  Christi  audet  diabolus  num  Christi  catholicum  audebit 
haereses  suscitare.  diabolus  haereses  concitare. 

Vgl.  die  Bemerkung  zur  vorigen  Nummer. 


144  D^^'  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Nr.  25)  u.  47)  Arnob.  in  Joh.  c.  3.  B,  IV,  6. 

Ca e cum    quod   dixit,    geniis  Per  caecum  naturaliter  non 

hominum  gentilium  demonstrat,  videntem  et  illuminatum  signi- 

quique  a  nativitate  in   caecitu-  ficat  humanuni  genus  originali 

dine  errabamus.   Siloam  autem  peccato  detentum.   Mittitur  in 

fontem    luminis   interpretantur,  Siloa,    id    est    in    baptismatis 

quod  est  baptisma,  unde  cordis  fönte    a    gentilitatis    sacrilegio 

oculos  illuminamus.  detentus  liberatur. 

Nach  Zahn  hat  Arnobius,  ein  kirchlicher  Schriftsteller  um 
d.  J.  460,  das  „humanum  genus  origmali  peccato  detentum"  ge- 
lesen, aber  gestrichen;  ebenso  das  „gentiUtas"  vorgefunden,  aber 
nicht  aufgenommen.  Das  Umgekehrte,  dass  B  aus  Arnobius  ge- 
schöpft hat,  ist  hier  nicht  nur  das  WahrscheinUche,  sondern  das 
einzig  Mögliche. 

Nr.  30  b)    Arnob.   in   Joh.  c.  4.  B,  IV,  7. 

Nam  Lazarus  genus  humanuni  Per  Lazarum  humanum  genus 
demonstrat,  qui  in  niorte  coii-  ostenditur,  quod  ante  adventmn 
dormiebat,  priusquam  Christus  Christi  in  saeculi  noctibus  dor- 
veniret,  Martha  autem  et  Maria  niiebat.  Institis  autem  con- 
ecclesia  et  fides  intelliguntur  strictus  significat  peccatis  pro- 
rogantes  Christum,  ut  Lazarum  priis  obvolutum.  Martha  vero 
suscitaret.  et  Maria  ecclesiae  fides  et  opera 

intelliguntur,  rogantes  Christum, 
ut  Lazarum,  id  est  humanum 
genus,  vivificet. 

Die  Unterscheidung  von  „peccata  propria"  und  allgemeinem 
Sündenverhängniss  hat  erst  B  eingesetzt.  Ebenso  hat  er  den 
ungelenken  Ausdruck  „ecclesia  et  fides"  in  den  gemeinen  dog- 
matischen „ecclesiae  fides  et  opera"  umgewandelt.  Arnobius  ist 
hier  also  unzweifelhaft  nicht  der  Plagiator,  sondern  die  Quelle. 

Nr.  31)  Hieron.,  1.  c.  p.  3S  sq.  B,  I,  7. 

.  .  .  porcos    autem    eos,    qui  Per  porcos  illos  vult  intelligi, 

necduni    evangelio    crediderunt  qui  iiecdum  evangelio  credide- 

et  in  luto  incredulitatis  vitiis-  runt    et    in   luto   incredulitatis 

que    versantur.     Non    convenit  suae  vitiisque  versantur;  quibus 

igitur  istiusmodi  hominibus  cito  ait  margaritas,   id   est  mystica 

evangelicam      credere     niarga-  sacranientafidei,noiideberecom- 

ritam.  mitti. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theoi)hilus.  145 

Zahn  hat  die  Parallele  aus  Hieronymus  (S.  40  s.  Ausgabe) 
nur  bis  „versantur"  angegeben.  Aber  gerade  das  Folgende  be- 
weist, dass  Hieronymus  die  Quelle  ist;  denn  ihm  ist  die  Perle 
einfach  das  Evangehum,  B  dagegen  hat  daraus  „mystica  sacra- 
menta  fidei"  gemacht. 

Nr.  33)  Hieron.,  1.  c.  p.  18.  B,  I,  3. 

Praedicatio  sermonis  evange-  Securis,  id  est  praedicatio 
lici,  qui  ex  utraque  parjbe  acutus  sermonis  divini,  ex  utraque  parte 
est  gladius,  securis  appellatur.     habens  acutum  novi  ac  veteris 

testamenti. 

Dass  das  zweischneidige  Schwert  das  Alte  und  Neue  Testa- 
ment bedeute,  hat  erst  B  zugesetzt;  nach  Zahn  freilich  hat 
Hieron.  diese  Worte  aus  B  weggelassen! 

Nr.  42)  Arnob.  in  Joh.  c.  3.  B,  I,  3. 

Locustas  quas  dixit,  popu-  Per  locustas  populos  agres- 
lorum  multorum  demonstrant  tes  significat,  mel  autem  fruc- 
figuram,  qui  ad  loannem  venie-  tum  indicat  credulitatis  ipsorum, 
bant.  Mel  autem  fructum  dul-  quibus  prophetantis  dulcis  audi- 
cedinis  eorum  demonstrat,  quo-  tus  erat,  ut  fide  sua  pascerent 
rum  credulitate  et  fide  loannes  praedicantem. 
saturabatur. 

Aus  den  „popuH  multi"  des  Arnobius  hat  B  „populi  agrestes" 
gemacht,  weil  zu  seiner  Zeit  die  Heiden  bei  den  uncultivirten 
Völkern  zu  suchen  waren.  Nach  Zahn  freilich  (S.  178 f.)  sind 
die  „populi  agrestes"  harmlose  Bauern  des  2.  Jahrhunderts,  die 
erst  Arnobius  in  „populi  multi"  verwandelt  hat! 

Nr.  44)  Hieron.  1.  c.  p.  18.  B,  I,  3. 

Lapides  ethnicos  vocat  prop-  Lapides  pro  paganis  ait  prop- 
ter  cordis  duritiam.  ter  cordis  duritiam. 

Auch  diese  „pagani"  soll  man  nach  Zahn  als  harmlose 
Bauern  deuten,  die  mit  den  pagani  seit  dem  Ausgang  des  4.  Jahr- 
hunderts nichts  zu  thun  haben,  und  die  erst  Hieron.  in  „ethnici'' 
verwandelt  hat.     Was  soll  man  zu  solcher  Kritik  sagen! 

Nr.  46)  Arnobius  in  Mt.  c.  26  stimmt  hier  —  soweit  der 
verderbte  Text  desselben  ein  Urtheil  zulässt  —  im  AUge- 
meineti  mit  B,  I,  29;  aber  das  spätlateinische  Wort  „gentilitas" 

Texte  und  Uuteisucliuiigeii  I,  4.  10 


146 


Der  angebliche  Comnientai'  des  Theophilus. 


findet  sich  bei  iliiii  nicht.    Nach  Zalm  hatte  er  es  vorgefunden, 
aber  weo^a'elassen. 


OÖ' 


Nr.  52)  Die  Erldärnng  der  Parabel  vom  barmherzigen  Sama- 
riter (B,  III,  6)  findet  sicli  ähnlich  wie  in  B  anch  bei  Ambro- 
sins,  Origenes  und  Titus  von  Bostra.  Aber  keiner  von  diesen 
sagt  ^.stabularii  episcopi  sunt";  vielmehr  begnügt  sich  Origenes 
mit  der  Deutung  der  „Herberge"  auf  die  Kirche;  Ambrosius 
versteht  unter  dem  Wirth  den  Apostel  Paulus  und  die  übrigen 
ersten  Lehrer,  ähnlich  Titus.  Die  clerikale  Deutung  steht  also 
allein  in  B.  Nach  Zahn  freilich  ist  sie  die  älteste;  die  Plagia- 
toren haben  sie  durch  eine  historisch-allegorische  ersetzt! 

Nr.  59)  Wie  B  (I,  18)  deutet  auch  Hilarius  (Conmi.  in  Mt. 
p.  676)  in  der  Parabel  vom  Senfkorn  die  Zweige  auf  die  Apostel; 
aber  die  Vögel  des  Himmels  deutet  er  auf  die  „gentes":  „..  . 
in  quos  gentes  in  spem  vitae  advolabunt  et  .  .  .  tamquam  in 
ramis  arboris  acquiescent".  B  dagegen  deutet  die  Vögel  des 
Himmels  auf  die  .homines  spiritales.  qui  in  apostolorum  catho- 
lica  doctrina  requiescunt",  und  die  desslialb  .V()gel"  genannt 
werden,  „quoniam,  a  terrenis  operibus  recedentes,  sanctae  con- 
versationis  studio  volare  videntur  ad  coelum".  Nach  Zahn  ist 
diese  Fassung  die  ältere! 

Nr.  61)  Arnob.  in  Mt.  c.  20.  B,  I,  27. 

Paterfamilias  Christus  est,  qui  Paterfamilias  Christus  est,  qui 

operarios  conducit,  hoc  est,  qui  operarios  conducit   et   qui   cre- 

credentes  colligit,  ut  mercedem  dentes    colligit,    ut    mercedem 

accipiant.    Vinea  autem  cultura  suae  sanctitatis  accipiant.  Vinea 

legis   est;    denarius   autem  vita  vero  obedientia  legis  est.  dena- 

aeterna  est.     Quod  autem  dixit  rius  autem  vita  aeterna.   Primae 

ad  horam  primam  operatos  esse,  horae  operarii  virgines  sunt,  qui 

virgines   sunt,   qui   se  laborem  se  laborem  corporis  et  calorem 

corporis  et  calorem  carnis  susti-  primae  aetatis  tolerasse  dixerunt, 

nuisse  dicunt;    qui   autem  sero  per   caetera  autem  aetatis  aug- 


ad  opus  accesserunt,  abstinentes 
sunt.  Quod  autem  dixit  „ves- 
pere mercedem  accepe- 
runt",  hoc  est,  quod  in  adventu 
('lu'isti  recipiunt  casti  mercedem 
laboris  sui. 


menta  incontinentes  accijiiendi 
sunt.  Vespere  accepisse 
mercedem  in  adventu  significat 
Christi. 


Der  ang-eblicbe  Commentar  des  Tlieophilus.  147 

Die  Parallele  bei  Arnobius  ist  wiederum  bei  Zalin  (S.  54) 
im  Hauptpunkt  unvollständig  mitgetlieilt.  An  zwei  Stellen  er- 
weist sich  B  schlagend  als  der  jüngere  Text:  1)  lässt  er  die 
Arbeiter  den  Lohn  ^ ihrer  Heiligkeit"  empfangen;  Arnobius 
schreibt  einfach  „den  Lohn";  2)  hat  er  kein  Verständniss  mehr 
für  die  Unterscheidung  von  virgines  und  abstinentes.  Bei 
Arnobius  sind  die  zuerst  Gemietheten  die  Jungfrauen,  die  später 
Gemietheten  die  Ehelichen,  welche  den  Entschluss  der  Enthalt- 
samkeit in  der  Ehe  gefasst  haben.  B  setzt  dafür  die  „inconti- 
nentes",  d.  h.  die  gewöhnlichen,  verheiratheten  Christen,  die  er 
auch  in  der  Parabel  unterbringen  will,  während  Arnobius  an 
diese  überhaupt  nicht  gedacht  hat. 

Nr.  64)  Arnob.  in  Job.  c.  2.  B,  IV,  2. 

Quodautemdicit:  „capientes  Quod    autem    dicit    scriptura 

metretas  binas",  hi  sunt,  qui  capientes metretasbinas vel 

matrimoniis  iunguntur.  Temas  t  e  r  n  a  s ,  binae  eos  significant,  qui 

autem  capientes  sunt  spiritales  matrimoniis  coniunguntur;  quod 

et  continentes,  qui  trinitatis  vir-  vero  ternas  dicit,  eos  demonstrat, 

tutibus  implentur.  qui  trinitatis    virtute   spiritales 

effecti  sunt. 

Es  liegt  hier  derselbe  Fall  vor  wie  bei  der  vorigen  Parallele. 
B  hat  für  die  „continentes"  neben  den  „spiritales"  kein  Ver- 
ständniss mehr;  sie  sind  ihm  keine  Classe  und  kein  Stand  in 
der  Kirche  mehr  (s.  IV,  16:  martyres,  virgines,  viduae,  coniuges). 
Das  weist  auf  eine  spätere  Zeit. 

Nr.  68)  Bei  Ambrosius  (Comm.  in  Lc.  p.  978.  982  sq.)  findet 
sich  B,  III,  18  —  ein  Abschnitt  von  17  Zeilen  Umfang  — 
nahezu  wörtlich  wieder.  Allein  gerade  die  Erwähnung 
der  8  Seligpreisungen  neben  dem  Dekalog  findet  sich 
nicht.  Nach  Zahn  hat  Ambrosius  sie  ausgelassen!  Ich  be- 
ziehe mich  hier  auf  Göbl,  Gesch.  der  Katechese  im  Abend- 
lande vom  Verfalle  des  Katechumenats  bis  zum  Ende  des  Mittel- 
alters (1880),  der  S.  210  folgendes  mittheilt:  „Für  den  -  kate- 
chetischen Gebrauch  der  acht  Seligkeiten  finden  sich  im 
MA.  reichliche  Belege,  wenn  auch  erst  in  der  zweiten 
Hälfte  desselben.  Der  h.  Edmund  von  Canterbury  bespricht 
nach  den  7  Hauptsünden  die  7  evangelischen  Tugenden,  die 
er    den    Hauptsünden    gegenüberstellt.     Es    sind    aber    diese 

10* 


148  I^^r  angeblichfC  Commentar  des  Theophilus. 

evangelischen  Tugenden  die  ersten  sieben  von  den  aclit  Selig- 
keiten. Auch  das  kurz  vorher  genannte  Concil  von  Lavour 
weiss  nur  von  sieben  Seligkeiten  zu  reden.  Dagegen  setzt 
Berthold  von  Regensburg  die  acht  Seligkeiten  als  bekannt 
voraus  (s.  Pfeiffer  S.  388).  Geffcken  (Bilderkat.  Beilage 
S.  89.  108.  121.  158.  194.  196)  bietet  uns  eine  Reihe  von 
Zeugnissen  für  den  Gebrauch  der  acht  Seligkeiten".  Dass 
die  7  (8)  Seligkeiten  gerade  mit  dem  Dekalog  zusammen  be- 
handelt wurden,  ist  bekannt.  Ich  bemerke  aber,  dass  sich  in 
B  auch  die  übrigen  mittelalterlichen  Zusatzstücke  zum  Dekalog, 
nämlich  die  sechs  Werke  der  Barmherzigkeit  (I,  30),  die  sieben 
Gaben  des  h.  Geistes  (I,  15)  und  die  Berücksichtigung  der 
fünf  Sinne  (I,  30.  I,  12.  II,  6.  IV,  14)  finden. 

Nach  der  oben  gegebenen  Parallelentafel  kann  das  ürtheil 
nicht  zweifelhaft  sein.  Da  in  allen  oben  aufgeführten  Fällen  B 
eine  Fassung  des  Textes  aufweist,  welche  im  Vergleiche  mit  der 
des  Ambrosius,  Hieronymus  und  Arnobius  Junior  unbedenklich 
für  die  spätere  gehalten  werden  muss,  so  ist  B  der  Plagiator 
und  nicht  jene  Kirchenväter.  Damit  ist  erwiesen,  dass  der  Ver- 
fasser von  B  ebenso  wie  er  das  theophilinische  Stück  aus  der 
epist.  ad  Algas.  des  Hieronymus  abgeschrieben,  so  auch  den 
grösseren  Theil  seines  Werkes  den  Vätern  des  4.  und  5.  Jahr- 
^  hunderts  entnommen  hat.  Er  kann  daher  nicht  vor  dem  Ende 
des  5.  Jahrhunderts  gelebt  haben. 

IV. 

Wir  haben  nun  das  Recht  erworben,  alle  diejenigen  «Er- 
klärungen" in  B,  welche  sich  mehr  oder  weniger  wörtlich  genau 
bei  anderen  Schriftstellern  wiederfinden,  für  Entlehnungen  zu 
halten.  Indessen  wollen  wir  von  diesem  Rechte  noch  keinen 
Gebrauch  machen,  sondern  die  Composition  von  B  untersuchen, 
ohne  aus  dem  Ergebnisse  des  vorigen  Capitels  allgemeine  Schlüsse 
zu  ziehen. 

Es  ist  oben  bemerkt  worden,  dass  ^dele  Abschnitte  sich  mit 
Stücken  in  dem  Commentar  des  Hieronymus  zum  Matthäus-Evan- 
gelium und  mit  solchen,  welche  einem  Arnobius  Junior  zuge- 
schrieben werden,  wörtlich  berühren.  Dieselben  finden  sich  in 
allen  Theilen  von  B,  sind  aber  in   dem   ersten  Buche  c.  1 — 10 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 


149 


besonders  zalilreicli.  Folgende  Tabelle  wird  aber  bereits  ohne 
Weiteres  zeigen,  dass  der  Verfasser  von  B  der  Plagiator  ist.  In 
der  Seiten-  nnd  Zeilenzählnng  folge  ich  der  Zahn'schen  Ausgabe: 


B  I,  1  p.  31, 

15 

-32,  5. 

B  I,  1  p.  32, 

6- 

-33,  2. 

B  I,  2  p.  33, 

3- 

—  7. 

B  I,  2  p.  33, 

8- 

-34,  3. 

B  I,  2  p.  34, 

3- 

-10. 

B  I,  2  p.  34, 

10- 

-14. 

B  I,  2  p.  34, 

14- 

-25. 

B  I,  3  p.  34, 

26- 

-27. 

B  I,  3  p.  35, 

1- 

-  2. 

B  I,  3  p.  35, 

2- 

-  5. 

B  I,  3  p.  35, 

5- 

-  8. 

B  I,  3  p.  35, 

8- 

-10. 

B  I,  3  p.  35, 

10- 

-15. 

B  I,  3  p.  35, 

15- 

-36,  2. 

B  I,  3  p.  36, 

2- 

-  7. 

B  I,  3  p.  36. 

7- 

-11. 

B  I,  4  p.  36, 

12- 

-16. 

B  I,  4  p.  36, 

16- 

-18. 

B  I,  4  p.  36, 

18- 

-37,2. 

B  I,  5  p.  37, 

3- 

-  6. 

B  I,  5  p.  37, 

6- 

-38,  1. 

B  I,  5  p.  38, 

1- 

-  7. 

B  I,  5  p.  38, 

7- 

-  8. 

B  I,  5  p.  38, 

9- 

-14. 

B  I,  6  p.  39, 

1- 

-  5. 

B  I,  6  p.  39, 

5- 

-  9. 

B  I,  6  p.  39, 

9- 

-12.* 

B  I,  6  p.  39, 

12- 

-18. 

B  I,  7  p.  39, 

19- 

-40,  1. 

B  I,  7  p.  40, 

1- 

-  6. 

B  I,  7  p.  40, 

7- 

-12. 

B  I,  7  p.  41, 

13- 

-17. 

B  I,  8  p.  41, 

1- 

-11. 

B  I,  9  p.  41, 

12- 

-24. 

B  I,  9  p.  41, 

25- 

-42,  6. 

Hieron.  in  Mt.  p.  11. 

Hieron.  in  Mt.  p.  16. 

Hieron.  in  Mt.  p.  17. 

Hieron.  in  Mt.  p.  18. 

Hieron.  in  Mt.  p.  18. 


Hieron.  in  Mt.  p.  21. 
Hieron.  in  Mt.  p.  24. 


Ambros.inLc.p.799sq. 


Arnob.  in  Mt.  c.  1. 


Arnob.  c.  2. 
Arnob.  c.  3. 


Arnob.  c.  4. 
Arnob.  c.  5. 


Arnob.  c.  6. 


Hieron.  in  Mt.  p.  29.  — 

Arnob.  c.  7. 
Arnob.  c.  8. 


Hieron.  in  Mt.  p.  36. 
Hieron.  in  Mt.  p.  38  sq. 


Arnob.  c.  9. 

Arnob.  c.  10. 

Arnob.  c.  11. 

Arnob.  c.  12. 

Arnob.  c.  13. 


150 


Der  angebliche  Commentar  des  Theopbilus. 


B  I,    9  p.  42,    6—13. 
B  I,    9  p.  42,  13—15. 
BI,  10  p.  42,  16-43,5. 
B  I,  10  p.  43,     5—44,  2. 
B  I,  10  p.  44,     3—  8. 
BI,  10  p.  44,     8-lS, 


Hieron.  in  Mt.  p.  53. 


Arnob.  c.  14. 


Arnob.  c.  15. 


Von  den  41  Abschnitten,  in  welche  hier  die  10  ersten  Ca- 
pitel  zerlegt  sind,  finden  sich  11  bei  Hieronymus,  15  bei  Arno- 
bius  Junior  wieder.  Keiner  der  Abschnitte  ist  aber  von 
beiden  bezeugt.  Sie  sollen  aber  nach  Zahn  die  Plagiatoren 
sein.  Wie  unwahrscheinlich  diese  Annahme  ist,  ist  leicht  zu 
zeigen.  Sie  kommt  etwa  der  Unwahrscheinlichkeit  gleich,  die 
sich  für  den  Fall  ergiebt,  dass  man  aus  einer  Urne  mit  41  Kugeln 
erst  11,  dann  —  nachdem  diese  wieder  in  das  Grefäss  gelegt  wor- 
den sind  —  1 5  Kugeln  herauszieht,  und  dass  dabei  keine  einzige 
Kugel  doppelt  gezogen  wird.  Die  Wahrscheinlichkeit  nämlich, 
dass  eine  Kugel  zweimal  gezogen  wird,  beträgt  ^^'4051  <ier  um- 
gekehrte Fall  hat  also  nur  ^14  ^^  Wahrscheinlichkeit  für  sich,  ist 
mithin  höchst  unwahrscheinlich.  Diese  Berechnung  darf  hier  in 
Anwendung  gebracht  werden.  Sind  Hieronymus  und  Arnobius 
wirklich  die  Plagiatoren,  so  hat  der  Zufall  hier  eine  Arbeits- 
theilung  seltsamster  Art  gefügt;  umgekehrt  darf  man  aber  408 
gegen  Eins  einsetzen,  dass  nicht  sie  B  ausgeschrieben  haben, 
sondern  vielmehr  B  aus  ihren  Arbeiten  componirt  ist.  Beachtet 
man  aber  ferner,  dass  in  dem  Abschnitte  I,  1 — 10  ein  grosses 
Stück  gleichlautend  mit  einer  Stelle  bei  Ambrosius  ist,  welches 
sich  bei  Hieronymus  und  Arnobius  wiederum  nicht  findet,  so  sinkt 
die  Wahrscheinlichkeit  der  Zahn' sehen  Hypothese   auf   Vuoo* 

Es  konnnt  aber  hinzu,  dass  überall,  wo  wirklich  Avichtige 
Varianten  in  den  sonst  parallelen  Stücken  sich  finden,  stets  die 
jüngere  Fassung  bei  B  und  nicht  bei  Arnobius  und  Hieronymus 
hervortritt.  Einige  wichtige  Belege  dafür  sind  bereits  oben  S.  143  ff. 
.gegeben  worden.  Sie  können  leicht  auf  das  dreifache  vermehrt 
werden ''^^).     Ferner  ergiebt  sich,  dass  B   die  Ausführungen  bei 


25)  Noch  einige  Beispiele  mögen  hier  in  Bezug  auf  das  Verhältniss 
von  B  zu  Arnobius  folgen. 

Arnob.  in  Joh.  c.  2  schreibt:  „novae  legis  traditio*';  B  IV,  2  dagegen 
„Veteris  et  Novi  Testamenti  traditio". 


Der  angebliche  Commentar  des  Tlieophilus.  15  [ 

Ariiobiuö  öfters  zusammengezogen,  ja  sie  durch  solche  Zusam- 
menziehungen hie  und  da  bis  an  die  Grenze  des  Sinnlosen  ver- 
kürzt hat.     Dasselbe  ist  in  seinem  Verhältnisse  zu  Hieronymus 


Arnob.  in  Mt.  c.  3:  „popuH  multi";   B  I,  3:  „populi  agrestes". 

Arnob.  in  Mt.  c.  4:  „Area  munclum  istum  intelligit";  B  I,  3:  ,,Aream 
sciücet  mundum  vel  ecclesiam  suam". 

Arnob.  in  Mt.  c.  9:  „Hoc  ad  haereticos  dixit,  qui  audent  cum  ludaeis 
altercari";  B  I,  7:  „Hoc  ad  eos  ait,  qui  male  viventes  audent  cum  simpli- 
cioribus  de  lege  contendere". 

Arnob.  in  Mt  13:  Hier  wird  die  Kirche,  das  blutflüssige  Weib  und 
die  „Machäbaea"  zusammengestellt;  in  B  I,  9  dagegen  steht  dafür  - —  völlig 
sinnlos  —  „Macchabaei  caeterique  prophetae". 

Arnob.  in  Mt.  c.  13:  „Vestimentum  autem  eins  quod  tetigit ,  corpus 
Christi  est";  B  I,  9:  „Vestimentum  autem  salvatoris  tetigisse  mulierem 
divinas  significat  scripturas".    Zahn  hat  diese  Parallele  weggelassen. 

Arnob.  in  Mt.  c.  17:  Hier  giebt  A.  zu  Mt.  13,  44  zwei  Erklärungen; 
B  hat  beide  1,  18  zusammengezogen  und  dadurch  einen  sinnlosen  Text 
gegeben.  Das  „unde  vendendum  est"  erklärt  sich  nur,  wenn  man  den 
Text  des  Arnobius  zu  Hülfe  nimmt. 

Arnob,  in  Mt.  c.  18:  „quarta  vigilia  noctis  .  .  .  quod  lucem  evangelii 
nobis  attulit";  B  I,  19:  „quarta  vigilia  evangelia  designat,  quae  .  .  .  nobis 
detulit  Christus". 

Arnob.  in  Mt.  c.  19:  „Camelus  autem  nos  fuimus,  qui  nihil  rectum 
in  nobis  habuimus";  B  I,  26:  „per  camelum  autem  gentilem  populum 
dicit,  nihil  habentem  rectum". 

Arnob.  in  Mt.  c.  21:  „Asinae  pullum  populum  novellum  demonstrat, 
hoc  est  nostrum";  B  I,  33:  „pullum,  id  est  gentilem  populum". 

Arnob.  in  Mt.  24:  „Septem  fratres  patriarchas  Septem  demonstrant, 
qui  sunt  septem  libri  Moysi";  BI,  28:  „Septem  fratres  libri  veteris  testa- 
menti  intelligendi  sunt".  Zahn  bemerkt  hiezu:  „An  dem  Unsinn  von  den 
7  Büchern  Mosis  ist  Theophilus  unschuldig.  Ebenso  wie  die  sämmtlichen 
Nebiim  ein  Buch  bilden,  so  auch  die  sämmtlichen  Kethubim,  dazu  die 
5  Bb.  des  Moses:  macht  7  Bb.  des  A.  Testaments".  Allein  eine  solche 
Zählung  ist  im  kirchlichen  Alterthum  unerhört.  Sie  findet  sich  zuerst 
bei  Beda  in  der  Expositio  in  Marci  ev.  c.  6  (Giles,  The  complete  works 
of  Bede  Vol.  X  [1844]  p.  96):  ,,Per  quinque  panes  apostolorum  et  duos 
pisces  tota  T.  V.  scriptura  Signatur.  Per  quinque  videlicet  panes  quinque 
Mosaicae  legis  libri,  .  .  .  per  duos  vero  pisces  psalmi  sunt  et  prophetae 
figurati".  Dagegen  ist  die  Zählung  von  7  Bb.  Mosis  kein  ,, Unsinn":  so 
zählt  z.  B.  das  von  Nikephorus  mitgetheilte  alte  Verzeichniss  (Credner, 
Gesch.  des  NTlichen  Kanon  S.  241  f)  sieben  Bb.  Mosis,  nämlich  den 
Pentateuch,  die  /liaS-rixt]  Mojvalcog  und  die  l-ivcc?.Tj\pig  Mcovatwg.  Dass 
dem  Abendland  mindestens  die  letztere  Schrift  nicht  unbekannt  gewesen 
ist,  zeigt  die  alte,  von  Ceriani  entdeckte,  lateinische  Version. 


152  ^^^'  angebliche  Commentar  des  Theophüus. 

der  Fall.  Dem  Verfasser  von  B  lag  es  augenscheinlicli  nur  an 
kurzen  allegorischen  Erklärungen;  alles  Andere  in  der  Exegese 
war  ihm  gleichgültig. 

Es  kann  mithin  nicht  mehr  zweifelhaft  sein:  B  ist  zu  einem 
Theile  eine  CompiJation  aus  Stellen,  die  dem  Commentar  des 
Hieronymus  zu  Matthäus  entnommen  sind,  und  aus  allegorischen 
Erklärungen  eines  Arnobius  Junior  zu  den  Evangelien.  Wer  aber 
ist  Arnobius  Junior,  und  welche  Bewandtniss  hat  es  mit  seinen 
exegetischen  Bemerkungen  zu  den  Evangelien? 

Arnobius  Junior  ist  ein  gallischer  Schriftsteller,  der  um 
d.  J.  460  Commentare  zu  den  Psalmen  verfasst  hat-^').  Genua- 
dius  hat  ihn  nicht  genannt;  wir  wissen  von  seiner  Existenz  — 
ich  hoffe,  dass  mir  kein  Zeugniss  entgangen  ist  —  überhaupt 
nur  durch  jenen  Commentar.  Unter  dem  Namen  eines  Arnobius 
—  so  scheint  es  wenigstens  —  hat  nun  Gilbert  Cognatus  in 
einer  Handschrift  «Adnotationes  ad  quaedam  evangeliorum  loca" 
gefunden  und  sie  im  J.  1543  besonders  herausgegeben  als  Eigen- 
thum  des  Arnobius  Afer^').  Er  bemerkt  in  der  kurzen  Vor- 
rede: ,,Commendabunthocopusculumarclietypii  ex  quo  desumptae 
hae  annotationes  Arnobii  in  evangelistarum  loca,  vetustas,  deinde 
fides  optima  in  describendo  magna  difficultate  libro  obsoletis 
characteribus  scripto,  ad  hoc  ita  inter  se  cohaerentibus ,  ut  non 
dicam  sententiam  a  sententia,  sed  verbum  a  verbo  dirimere  nisi 
assueto  operosum  sit".  Dass  diese  Annotationes  wirklich  dem 
Arnobius,  dem  Verfasser  des  Psalmencommentars,  beizulegen  sind, 
wird  man  mit  Sicherheit  niemals  behaupten  können.    Wie  sie 


26)  S.  Migne,  Tatrolog.  Lat.  T.  LEI  (p.  237  sq.)  p.  321  sq.  Cazenove 
im  Dictionarj  of  Christian  Biography  I  p.  170. 

27)  Die  Editio  princeps  war  weder  Zahn  noch  mir  zAigänglich.  Aus 
der  Abhandlung  über  Arnobius  Junior  in  der  Histoire  Uteraire  de  la  France 
T.  II  p.  342 — 351  lässt  sich  aber  schliessen,  dass  Cognatus  jene  Annota- 
tiones besonders  veröffentlicht  hat:  ,,A  la  fin  de  ce  commentaire  sur  les 
Pseaumes  dans  la  Bibliotheque  des  Peres,  nous  avons  des  petites  annota- 
tions  sous  le  nom  d'Arnobe  sur  divers  endroits  de  l'Evangile.  Mais  les 
Syavants  (Sixtus,  Tillemont)  remarquent  que  c'est  peu  de  chose,  et  que 
Ton  n'est  pas  assure  de  qui  elles  sont  veritablement;  ce  qui  n'a  pas.  em- 
peche  qu'elles  n'aient  ete  souvent  imprimees.  Des  1543  elles  le  furent 
a  Basle  en  un  volume  in -8".  Ensuite  on  les  insera  dans  les  Ortho- 
doxographes,  sous  le  nom  d'Arnobe  TAfricain ;  et  depuis  Andre  Schot  les 
revit  et  les  publia  ä  Paris  l'an  1639". 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophüus.  153 

vorliegen,  sind  sie  ein  formloses,  wenige  Blätter  umfassendes  Werk, 
eine  Scholiensammlung  zu  8  Perikopen  aus  Johannes,  27  aus 
Matthäus,  4  aus  Lucas;  Stücke  aus  dem  Marcusevangelium  sind 
überhaupt  nicht  commentirt.  Mit  Ausnahme  dreier  Abschnitte 
findet  sich  der  gesammte  Inhalt  dieser  Scholiensammlung  in  B 
wieder.  Da  sie  selbst,  wenn  sie  dem  Arnobius  Junior  beizulegen 
ist,  +  460  abgefasst  worden  sein  muss,  da  ein  höheres  Alter 
durch  keine  Beobachtung  indicirt  ist,  und  da,  wie  gezeigt  wor- 
den, unzweifelhaft  in  B  das  Plagiat  zu  sehen  ist,  so  folgt,  dass 
B  nicht  vor  dem  Ende  des  5.  Jahrhunderts  compilirt  sein  kann. 
Dieses  literarhistorische  Ergebniss  trifft  aber  mit  den  Beobach- 
tungen, welche  an  dem  Inhalte  von  B  angestellt  wurden,  genau 
zusammen.  Ein  lateinischer  Schriftsteller,  der  es  für  nöthig  fand, 
die  Worte  „ite  ad  gentes"  durch  die  anderen  „hoc  est  ad  paga- 
nos"  zu  erklären,  muss  in  einer  Zeit  gelebt  haben,  in  welcher 
die  gentes  zu  einem  beträchtlichen  Theile  bereits  christlich  ge- 
wesen sind,  und  ein  Abendländer,  dem  die  Heiden  mit  den  „populi 
agrestes"  und  den  „rustici"  zusammenfielen,  hat  nicht  vor  der 
2.  Hälfte  des  5.  Jahrhunderts  geschrieben.  Andererseits  macht 
es  der  Umstand,  dass  die  Heiden  als  populi  agrestes  noch  im 
Gesichtskreise  des  Verfassers  stehen,  vielleicht  rathsam,  mit  der 
Abfassungszeit  der  Compilation  nicht  über  das  7.  Jahrhundert 
herunterzugehen. 

Nur  ein  Theil  des  Stoffes  in  B,  wenn  auch  ein  sehr  beträcht- 
licher, ist  Plagiat  aus  Hieronymus  und  Arnobius.  Aber  das  hier 
Nachgewiesene  genügt,  um  die  Annahme  sehr  wahrscheinlich  zu 
machen,  dass  B  auch  sonst  Fremdes  sich  angeeignet  hat  und 
überhaupt  nichts  anderes  ist  als  eine  Blüthenlese  aus  den  Werken 
Anderer.  In  einigen  Fällen  lässt  sich  das  auch  noch  nachweisen; 
so  ist  I  34  p.  62,  6 — 11  wörtlich  genau  aus  dem  69.  Brief  des 
Cyprian  (ad  Magnum  c.  5  ed.  Hartel  p.  754)  genommen  —  nach 
Zahn  ist  freilich  auch  hier  B  vielmehr  die  Quelle,  während  doch 
schon  die  Sprache  den  afrikanischen  Bischof  verräth  — ;  so  sind 
ferner  vier  Abschnitte,  nämlich  I,  1  p.  31,  15 — 32,  5,  I,  17  p.  47, 
17—20,  I,  22  p.  52,  5—53,  2,  III,  18  p.  76,  29—77,  15  mit  ge- 
ringen Aenderungen  aus  dem  Lucas  commentar  des  Ambrosius 
entlehntes).   Zu  22  Stücken  in  B  hat  Zahn  noch  weitere  ParaU 

28)  Bei  Hieronymus  und   Arnobius  finden  sich   in  diesen  Fällen  wie- 
derum keine  Parallelen! 


j^54  D^^"  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

lelen  aus  diesem  Commentar  aufgewiesen,  sowie  zu  23  kürzeren, 
z.  Th.  mit  den  vorigen  identisclien  Absclmitten  Parallelstellen 
aus  des  Hilarius  Commentar  zu  Matthäus.    Allein  die  Ueberein- 
stimmungen  sind  hier  keine  wörtlichen,  ja  oftmals  sehr  unsichere, 
und  nicht  selten  ist  in  solchen  Fällen  die  entscheidende  Quelle 
für  B  bei  Hieronymus  und  Arnobius  zu  suchen,  mit  deren  Aus- 
führungen sich  Hilarius  und  Ambrosius,  von  denen  der  letztere 
dazu  noch  der  Plagiator  des  erster en  ist,  sachlich  berühren.   Eine 
Entwirrung    der    complicirten   Ueberlieferungsverhältnisse   wäre 
von  geringem  Nutzen,  selbst  wenn  sie  gelänge.     Es  genügt  zu 
bemerken,  dass  Hieronymus'  exegetische  Arbeiten,  insonderheit  sein 
Commentar  zum  Matthäus  (s.  die  Vorrede),  selbst  auf  ältere  Arbei- 
ten, unter  denen  die  des  Origenes  augenscheinlich  die  wichtigste 
war,  zurückgehen,  dass   auch  Hilarius   griechische  Vorlagen  — 
z.  Th.  dieselben  wie  Hieronymus  —  benutzt  hat,  dass  Ambrosius 
von  Hilarius  und  den  Griechen  abhängig  ist,  dass  die  Scholien- 
sammlung  des  Arnobius  keinesfalls  eine  ganz  selbständige,  viel- 
mehr z.  Th.  augenscheinlich  eine  von  älteren  Commentaren  ab- 
hängige  Arbeit  ist,  und   dass   +  400  noch   manche  lateinische 
Bearbeitungen  griechischer  Commentare   edirt  worden  sind,    die 
wir  nicht  mehr  besitzen '■^''^).    Berücksichtigt  man  dies,  so  ergiebt 
sich:    B  ist  eine  Compilation,  frühestens  am  Ende  des  5.  Jahr- 
hunderts,   vielleicht    noch    etwas    später    zusammengestelk ,    in 
welcher  allegorische  Erklärungen   zu    den  Evangelien  aus   den 
Werken  des  Hieronynms,  Ambrosius,  Arnobius  und  anderer  uns 
unbekannter  Lateiner  gesammelt  sind.   Die  letzteren  —  vielleicht 
ist  es  nur  ein  Einziger  —  haben  ihrerseits  dieselben  Quellen  be- 
nutzt, aus  denen  Hilarius  und  Hieronymus  schöpften.  Zu  der  Hypo- 
these, dass  B  irgendwo  aus  griechischen  Autoren  direct  geschöpft 
hat,  liegt  nicht  der  mindeste  Grund  vor;  aber  auch  die  Annahme 
wird  durch  Nichts  empfohlen,  dass  der  Verfasser  von  B  irgend- 
welche grössere  Partieen  seines  Werkes  selbständig  ausgearbeitet 


29)  So  erzählt  Hieronynms  (de  vir.  inl.  97):  ..Fortunatianus,  nationc 
Afer,  Aquileiensis  episcopus,  imperante  Constantio  in  evangelia  titulis 
ordinatis  breves  sermone  rustico  scripsit  conunontarios''.  Besteht  etwa 
ein  Zusammenhang  zwischen  diesen  Commentaren  und  den  dem  Arnobius 
Junior  beigelegten  Annotationes?  Einen  anderen  wichtigen  Fingerzeig 
«riebt  Zahn  S.  11. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  155 

hat^ö).  Seine  Arbeit  bestand  lediglich  darin,  die  ihm  bekannten 
Commentare  und  sonstige  tbeologiscbe  Werke  —  bat  er  doch 
selbst  einen  Brief  Cyprian's  verwerthet!  —  auf  „Blüthen  geist- 
lichen Verständnisses"  zu  untersuchen,  das  Gefundene  auszuschei- 
den und  möglichst  zu  verkürzen.  Einiges  in  die  Sprache  seiner 
Zeit  zu  übertragen,  die  erbauliche  Wirkung  durch  zeitgemässe 
Zusätze  zu  erhöhen,  und  die  einzelnen  Stücke  kunstlos  aneinan- 
derzureihen. Doubletten  in  B  sind  dadurch  entstanden,  dass  unter 
einander  verwandte  Quellen  benutzt  worden  sind. 

Das  ist  der  angebliche  Evangeliencommentar  des  Theophilus 
von  Antiochien!  Die  Untersuchung,  wie  derselbe  sich  zu  den  drei 
Büchern  ad  Autolycum  verhält,  ist  nun  wohl  gegenstandslos 
geworden  und  darf  unberücksichtigt  bleiben.  Zahn  freilich  weiss 
dieser  Untersuchung  entscheidende  Gründe  für  die  Echtheit  des 
Commentars  abzugewinnen  —  was  ist  auf  eine  solche  Kritik  zu 
geben,  die  Alles  zu  beweisen  vermag?  Aber  das  hier  Geleistete 
ist  noch  nicht  das  Schlimmste.  Auf  vierzig  Seiten  (S.  193 — 232) 
wird  bewiesen,  dass  der  biblische  Text  des  Commentars  „nicht 
den  Charakter  der  abendländischen  Ueberlieferung  trage".  Mit 
einer  Gelehrsamkeit  ohne  Gleichen  wird  gezeigt,  wie  dieser  Text 
nach  Syrien  weise,  alle  handgreiflichen  Züge  der  vulgären,  abend- 
ländischen Textgestalt  werden  durch  -Erklärungen"  beseitigt  und 
das  Ergebniss,  „dass  auch  von  Seiten  der  Gestalt  des  biblischen 
Textes  alle  Anzeichen  darin  zusammentreffen,  dass  sie  das  posi- 
tive Ergebniss  in  bedeutsamer  Weise  bestätigen",  krönt  die  ge- 
sammte  Untersuchung.  Die  verkehrte  Methode,  mit  schlechten 
und  unzureichenden  Handschriften  biblische,  textkritische  Minu- 
tien  festzustellen  und  aus  ihnen  dann  die  weitgehendsten  Schlüsse 
zu  ziehen,  ist  nun  gründlich  discreditirt.    Wenn  unsere  Abhand- 


30)  Zahn  will  S.  110  — 114  nachweisen,  dass  B  von  Beda  benutzt 
worden  ist.  Allein  die  Stellen,  welche  er  angeführt  hat;  beweisen  das 
nicht.  Nach  einer  genauen  Vergleichung  der  Commentare  des  Beda  mit 
B  bin  ich  zu  dem  Resultate  gelangt,  dass  beide  von  einander  unabhängig 
sind,  aber  gemeinsame  Quellen  benutzt  haben.  Das  Verhältniss  von  B 
zu  Beda  ist  etwa  dasselbe,  welches  zwischen  B  und  Hilarius  obwaltet. 
Es  lässt  sich  nicht  sicher  nachweisen,  dass  B  den  Commentar  des  Hilarius 
zu  Matthäus  selbst  benutzt  hat,  aber  gewiss  ist,  dass  ein  Zusammenhang 
besteht,  sofern  B  den  Plagiator  des  Hilarius,  Ambrosius,  und  höchst  wahr- 
scheinlich noch  andere  Plagiatoren,  ausgeschrieben  hat. 


156  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

lung  auch  nur  den  einen  Erfolg  haben  sollte,  das  wilde  Ver- 
fahren mit  angeblich  sicheren  ßibeltexten  innerhalb  der  patristi- 
schen  Wissenschaft  einzuschränken,  so  hätte  sie  genug  erreicht. 
Zeigen  denn  nicht  zwei  Handschriften  eines  und  desselben  Werkes 
—  ich  erinnere  an  die  Altercatio  Simonis  et  Theophili  — , 
dass  die  Bibeltexte  in  der  Ueberlieferung  der  willkürlichsten 
Behandlung  unterlegen  haben?  Welch'  eine  Zuversicht  aber  soll 
man  ferner  noch  zu  einer  Kritik  hegen,  die  es  möglich  macht, 
einen  buntgemischten  abendländischen  Bibeltext  aus  der  Zeit 
um  d.  J.  500  für  die  wesentlich  gut  erhaltene,  uralte  Ueber- 
setzung  eines  uralten  Textes,  der  auf  Syrien  weise,  auszugeben! 
Aber  die  Methode,  nach  welcher  Zahn  bei  der  Untersuchung  des 
Bibeltextes  in  B  verfahren  ist,  entspricht  nur  der  allgemeinen 
kritischen  Methode,  die  von  dem  ersten  bis  zu  dem  letzten  Blatte 
in  dem  Werke  beobachtet  ist.  „Quis  exaperit"  —  so  möchte 
man  mit  Augustin  ausrufen  —  „istam  tortuosissimam  et  impli- 
catissimam  nodositatem?"  Bei  der  Vergleichung  des  Textes  in  B 
mit  den  angeblichen  Plagiatoren  von  Origenes  bis  Beda  (S.  86 
— 132)  weiss  Zahn  viele  Dutzende  von  Stellen  aufzuführen,  bei 
welchen  die  Priorität  von  B  auf  der  Hand  liegen  soll.  Auf 
exegetischem  Wege  wird  immer  wieder  bewiesen,  dass  die  ur- 
sprüngliche Form  der  Sätze  in  B  zu  suchen  sei.  Vieles  wirklich 
Frappante  wird  in  Bezug  auf  stilistische  Verschiedenheiten  und 
sonstige  Kleinigkeiten  aufgedeckt,  aber  das  Widersprechende  — 
und  das  ist  hier  stets  das  Einfache  und  Entscheidende  —  wird 
entweder  nicht  berücksichtigt  oder  durch  kühne  Wendungen  be- 
seitigt, die  nur  der  zu  durchschauen  vermag,  der  jede  Behauptung 
Zahn's  selbständig  aufs  Keue  an  den  Quellen  prüft.  -Mücken 
seigen  und  Kameele  verschlucken",  das  ist  hier  wirklich  zum 
obersten  methodischen  Grundsatz  geworden.  Nach  diesem  Grund- 
satz kann  man  natürlich  Alles  verwirren,  und  das  ist  bei  dieser 
Untersuchung  über  Theophilus  in  einem  Masse  geschehen,  wie 
es  in  der  neueren  Geschichte  der  patristischen  Wissenschaft  bis- 
her beispiellos  war.  Selbst  das  Unternehmen  des  Cardinais 
Pitra,  eine  mittelalterliche  Clavis  als  die  alte  Schrift  des  Me- 
lito  von  Sardes  zu  erweisen,  hatte  nicht  mit  so  vielen  Schwie- 
rigkeiten zu  kämpfen,  wie  das  Unternehmen  Zahn's,  die  in  B  vor- 
liegende Sammlung  von  allegorischen  Erklärungen  als  ein  Werk 
des  Theophilus  von  Antiochien  darzutlnui.    Pitra's  Beweise  sind 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  I57 

leicht  zu  widerlegen,  Zabn's  Ausführungen  sind  dagegen  immer 
bestechend  und  mit  gelehrtem  Materiale  wohl  ausgestattet:  ist 
man  nicht  in  der  glücklichen  Lage,  die  Fragestellung  zu  andern 
und  das  Beweis  verfahren  an  einem  anderen  Punkte  zu  beginnen, 
wie  wir  es  hier  waren,  so  muss  man  entweder  die  Discussion  auf- 
geben oder  sich  der  undankbaren  Mühe  unterziehen,  Satz  für  Satz 
die  Zahn 'sehen  „Beweise"  zu  prüfen  und  zu  widerlegen. 

V. 

Im  Folgenden  stelle  ich  die  Ergebnisse  dieser  Untersuchun- 
gen zusammen.  Die  Hoffnung,  die  ich  früher  und  bei  dem  ersten 
Durchblättern  des  Zahn'schen  Buches  in  verstärktem  Masse  ge- 
hegt hatte,  es  möchten  uns  in  B  wenigstens  Stücke  des  alten 
Commentars  des  Theophilus  erhalten  sein,  hat  sich  leider  als 
eine  trügerische  erwiesen. 

1)  Commentare  unter  dem  Namen  des  Theophilus  von  An- 
tiochien  zu  dem  Evangelium  hat  im  Alterthum  Hieronymus  und 
ausser  ihm  kein  Anderer  bezeugt. 

2)  Diesen  Commentaren  lag  nach  dem  unzweideutigen  Zeug- 
niss  des  Hieronymus  ein  aus  den  vier  Evangelien  combinirter 
Text  zu  Grunde.  Die  einzige  Probe,  die  uns  H.  aus  denselben 
mitgetheilt  hat,  die  Erklärung  der  Parabel  Lc.  16,  1  f.,  beweist, 
dass  der  Verf.  der  Commentare  die  historisch-allegorische  Inter- 
pretationsmethode nicht  verschmäht  hat. 

3)  Die  Echtheit  der  Commentare  scheint  dem  Hieronymus 
nicht  zweifellos  gewesen  zu  sein;  doch  spricht  die  Zugrunde- 
legung eines  combinirten  Evangelientextes  mehr  für  als  gegen 
ein  hohes  Alter. 

4)  Aus  dem  Umstände,  dass  Hieronymus  die  Commentare 
des  Theophilus  neben  denen  des  Origenes  zu  Mt.  in  der  Ein- 
leitung zu  seinem  eigenen  Matthäuscommentar  genannt  hat,  darf 
geschlossen  werden,  dass  er  sie  für  sein  Werk  ausgenutzt  hat. 
Es  fehlen  aber  die  Massstäbe,  um  aus  dem  Commentar  des  H. 
die  dem  Theophilus  gehörigen  Stücke  auszuscheiden.  Eine  um- 
fassende Vergleichung  der  griechischen  und  lateinischen  exe- 
getischen Literatur  des  3.  und  4.  Jahrhunderts  hat  indess  mög- 
licherweise den  Erfolg,  einige  der  später  geläufigen  Erklärungen 
zu  evangelischen  Stellen   dem  Theophilus  vindiciren  zu  können. 


j58  ^^^'  fingebliche  Commentar  des  Theopliilus, 

5)  Die  von  de  la  Bigne  zum  ersten  Male  veröffentlichten 
nnd  von  ihm  dem  Theopliilus  von  Antiochien  beigelegten  Er- 
klärungen evangelischer  Stellen  waren  in  der  Handschrift,  in 
welcher  er  sie  gefunden,  als  -Allegorien''  zu  je  einem  der  vier 
Evangelien  bezeichnet  und  trugen  den  Namen  des  Erzbischofs 
Theophilus  von  Alexandrien.  Erst  de  la  Bigne  hat  ihnen  den 
Titel  „Theophili  Antiocheni  commentarii^  beigelegt. 

6)  Diese  Allegoriensammlung  kann  aus  äusseren  und  inneren 
Gründen  nicht  vor  dem  Ende  des  5.  Jahrhunderts  abgefasst  sein; 
denn  sie  stellt  sich  als  ein  Excerpt  aus  den  Werken  des  Cyprian, 
Hieronymus  (in  Mt.),  Ambrosius,  Arnobius  und  anderer  lateinischer 
Väter  dar  und  setzt  Zustände  in  der  Kirche  des  Abendlandes 
voraus,  die  nicht  vor  dem  Ausgang  des  5.  Jahrhunderts  einge- 
treten sind.  Nichts  hindert  aber  anzunehmen,  dass  der  Compi- 
lator  erst  im  6.  Jahrhundert  gelebt  hat. 

7)  Das  Werk  ist  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  nicht  unter 
dem  Namen  des  Theophilus  abgefasst  worden  und  war  nicht  auf 
eine  Täuschung  berechnet,  sondern  erst  im  Lauf  des  Mittelalters 
hat  ein  halbgelehrter  Schreiber  den  Titel  -Theophilus"  der  Samm- 
lung vorgesetzt,  weil  er  jenes  Stück  aus  dem  Commentar  des 
Theophilus,  welches  Hieronymus  in  der  epistula  ad  Algasiam 
mitgetheilt  hatte,  in  derselben  wiederfand.  Dieses  Stück  war 
nämlich  durch  besondere  Abschriften  dem  Mittelalter  bekannt, 
und  an  ihm  haftete  der  Name  des  Theophilus.  Seine  Leichtfer- 
tigkeit hat  dieser  mittelalterliche  Librarius  dadurch  gezeigt,  dass 
er  den  Theophilus  .Alexandrinus"  genannt  hat. 

8)  Mit  den  Commentaren  des  Theophilus  hat  also  diese  Alle- 
goriensammlung nichts  zu  thun;  daher  muss  sie  bei  Beantwortung 
der  Frage,  ob  sich  in  älteren  Commentaren  etwa  Stücke  jenes 
alten  Werkes  erhalten  haben,  gänzlich  unberücksichtigt  bleiben. 
Dass  der  Compilator  auch  den  Commentar  des  Theophilus  be- 
nutzt hat,  ist  eine  ganz  abstracte  Möglichkeit,  die  desshalb  ausser- 
ordentlich unwahrscheinlich  ist,  weil  er  das  einzige  Stück.  Avel- 
ches  wir  als  theophilinisch  kennen,  nicht  aus  Theophilus  selbst, 
sondern  aus  Hieronymus  geschöpft  hat. 


Zweites  Capitel. 


Das  Vorstellende  war  so,  wie  es  liier  veröffentliclit  ist,  nie- 
flergesclirieben,  als  ich  am  19.  Mai  von  dem  Director  der  könig- 
lichen Bibliothek  7ai  Brüssel,  Herrn  linelens,  auf  eine  Anfrage 
hin  eine  Mittheiluno-  erhielt,  die  meine  kühnsten  Hoffnuno-en 
übertraf.  In  einer  Notiz,  die  S.  Löwenfeld  in  der  Zeitschrift 
f.  Kirchengesch.  VI.  S.  60 — 62  über  die  von  Delisle  beschrie- 
bene alte  Handschrift  der  Brüsseler  Bibliothek  Nr.  9850 — 9852 
gegeben  hatte,  war  mir  die  Bemerkung  aufgefallen:  ,.Der  Codex 
enthält  in  seinem  zweiten  Tlieile  einen  Commentar  der  vier  Evan- 
gelien des  Matthäus,  Markus,  Johannes  und  Lukas".  Mehr  war 
nicht  mitgetheilt;  aber  es  genügte,  um  mich  zu  veranlassen,  den 
Director  der  Brüsseler  Bibliothek  zu  ersuchen,  mir  gefälligst  die 
Anfänge  und  Schlüsse  der  Commentare  anzugeben.  Der  Bitte 
wurde  bereitwilligst  entsprochen,  und  —  der  gesuchte  Commen- 
tar war  gefunden! 

Obgleich  ich  bald  darauf  die  Abhandlung  Delisle's-^^) 
über  die  Handschrift  erhielt,  so  schien  es  mir  doch  nothwendig, 
dieselbe  selbst  einzusehen  und  genau  mit  dem  Zahn'schen  Ab- 
drucke der  Editio  princeps  zu  vergleichen.  Den  folgenden  Mit- 
theilungen liegen  die  von  mir  auf  der  Brüsseler  Bibliothek  ge- 
machten Aufzeichnungen  sowie  eine  vollständige  Collation  des 
Commentars  zu  Grunde.  Die  Entzifferung  des  Titelblattes  aber, 
welches  die  Angabe  über  Alter  und  Herkunft  der  Handschrift 


31)  Notice  sur  un  manuscrit  merovingien  de  la  bibUotheque  royale 
de  Belgique,  no.  9850—9852  par  M.Leopold  Delisle  (Extrait  des  notices 
des  manuscrits  t.  XXXI,  1.  partie).  Die  Abhandlung  ist  mit  vier  grossen 
Licbkivnckblätiern  ausgestattet  und  vom  November  1881   datirt. 


j5()  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

enthält,  verdankt  man  Herrn  Delisle:  mir  wäre  sie  scliwerlicli 
gelungen.  Auch  die  Schicksale  der  Handschrift  sind  von  dem 
genannten  Gelehrten  ermittelt  worden;  die  Identification  desEvan- 
geliencommentars  lag  nicht  in  seiner  Absicht. 

I. 

Der  Codex  9850 — 9852  der  Brüsseler  Bibliothek  besteht 
aus  178  Pergamentblättern  (c.  28  Zeilen  auf  der  Seite,  26 — 33 
Buchstaben  auf  der  Zeile;  die  Wortabtheilung  ist  noch  nicht 
streng  durchgeführt,  findet  sich  aber  in  der  Regel),  270  Milli- 
meter hoch,  195  Mm.  breit.  Auf  fol.  2^  steht  folgende  Inschrift 
in  üncialen^2): 

HIC  LIBER  VITA(S)  PA 

TRV  (S)EV  VEL  HYMILIAS  SCI 

CAESARII  EPI  QVOD  VENERA 

BILIS  VIR  NOMEDIVS  ABBA 

SCRIBERE  ROG  ET  IPSV  BASIL 

SCI  MEDARDI  CONTVLIT  DEVOTA  MENTE 

SI  QVIS  ILLV  EX  EADE  AVFERRE  TENTA 

VERIT  IVDICIV  CVM  DEO  ET  SCO  MEDARDO 

SIBI  HABERE  [non  dubitet]. 

Delisle  hat  gezeigt,  dass  die  einzige  grosse  Kirche  der 
Merowingerepoche,  welche  dem  h.  Medardus  geweiht  war,  die 
des  Klosters  zu  Soissons  gewesen  ist,  und  dass  Nomedius  zur 
Zeit  Childebert's  IIL^"^^  (695—711)  als  Abt  zu  Soissons  gelebt 
hat.  Somit  ist  die  Handschrift  i.  J.  +  700  geschrieben^*).  Im 
14.  Jahrhundert  befand  sie  sich  zu  Arras  im  Kloster  des  h.  Ve- 
dastus;  noch  im  17.  Jahrhundert  war  sie  daselbst;  denn  Ros- 
weyde  hat  sie  dort  gesehen.  Er  schreibt '^^):  „MS.  Vedastinus, 
e  celeberrimo  S.  Vedasti  monasterio,  membran.,  in  folio,  vetus- 


32)  S.  das  von  Delisle  gegebene  Facsiraile  der  ganzen  Seite. 

33)  S.  Richter,  Annalen  des  fränkischen  Reiches  im  Zeitalter  der 
Merovinger,  1873  S.  178  f. 

34)  Dieses  Ergebniss  ist  für  die  lateinische  Paläographie  von  hoher 
Wichtigkeit,  da  sehr  selten  lateinische  Majuskelcodices  so  genau  zu  da- 
tiren  sind. 

35)  Vitae  patrum,  studio  Heriberti  Rosweydi,  Antwerp.  1615,  Prolegg. 
XXIV  p.  LXX. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  \ß\ 

tissima  manu,  quippe  cliaracteribus  capitalibus  conscriptus.  De- 
scriptus  hie  erat  rogatu  abbatis  Nomedii,  qui  eum  basilicae  S. 
Medardi  obtulerat.  Unde  Suessione,  nbi  insignis  S.  Medardi  ba- 
silica,  librum  hunc  profectum  auguror  .  .  .  Finis  totius  libri  erat: 
„Explicit  liber  quod  vocatur  vitas  patrum  ad  profectum  monacho- 
rum  sive  imitatores  eorum".  Vix  dubium  mihi  ante  annos  DCCC 
librum  hunc  conscriptum.  Ex  Nomedii  aetate  res  certior  statui 
poterif.  Im  17.  Jahrhundert  kam  die  Handschrift  in  eine  an- 
dere Bibliothek,  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  nach.  Brüssel; 
dann  in  der  Napoleonischen  Epoche  nach  Paris,  kehrte  aber  i.  J. 
1815  nach  Brüssel  zurück.  Hier  führt  sie  jetzt,  um  ihrer  drei 
Bestandtheile  willen,  drei  Nummern  (9850 — 9852);  im  Katalog 
sind  alle  Theile  als  von  Cäsarius  von  Arles  herrührend  be- 
zeichnet. 

II. 

Die  Handschrift,  welche  in  Majuskeln  —  durchweg  sehr  sorg- 
sam und  correct  —  geschrieben  ist,  enthält  an  erster  Stelle  (fol. 
5—107)  die  Vitae  Patrum,  sodann  (fol.  107  b — 139  b)  zehn  Homi- 
lien  des  Cäsarius -^ß).  Dieselben  schliessen  mit  der  Bemerkung: 
„Expliciunt  omiliae  sancti  Caesarii  episcopi  ad  monachos  numero 
decem".  Hieran  schliesst  sich  unmittelbar  noch  auf  fol.  139^ 
von  derselben  Hand  geschrieben  folgendes  Stück:  „In  Christi 
nomine  incipit  decretale  de  recipiendis  et  non  recipiendis  libris, 
qui  scriptum  est  a  Gelasio  papa  cum  septuaginta  erutissime  [sie] 
urbis  episcopis  in  sede  apostolica.  Post  profiticas  et  evangelieas". 
Hiermit  endigt  die  Seite.  Aber  die  Decretale  ist  jetzt  nicht  mehr 
zu  lesen;  denn  drei  Blätter  fehlen  in  der  Handschrift,  dafür 
sind  vier  andere  eingesetzt  (jetzt  fol.  140 — 143),  die  —  mit  lon- 
gobardischen  Charakteren  des  8.  Jahrhunderts  beschrieben  —  eine 
Exhortatio  des  h.  Cäsarius  (Migne,  Patrol.  T.  LXVII  col.  1151) 
enthalten  3^). 

„Le  reste  du  manuscrit  (fol.  144 — 176^)  est  oceupe  par  une 
explieation  des  quatre  evangiles,  dont  je  copie  le  prologue  et  les 
Premiers  mots  de  chaque  partie,  pour  donner  le  moyen  de  ve- 


36)  S.  hierüber,  sowie  über  die  Vitae,  die  genauen  Angaben  bei  D  e  ■ 
lisle,  der  auch  ein  Facsimile  von  fol.  107^  giebt. 

37)  S.  das  Facsimile  des  fol.  141»  bei  Delisle. 

Texte  uud  Untersuehungen  I,  4.  \\ 


\(j2  I^Gr  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

rifier  si  d'autres  manuscrits  nous  ont  conserve  le  meine  opus- 
ciile  avec  ou  saus  un  nom  d'aiiteur'" ^^).  Dieser  Commentar 
ist  aber  der  von  de  la  Bigne  verÖffentliclite  Evange- 
lien co  mm  entar. 

Bevor  ich  näher  auf  ihn  eingehe,  ist  noch  folgendes  fest- 
zustellen, worauf  auch  schon  Delisle  aufmerksam  gemacht  hat. 
Fol.  1 — 106  zerfallen  in  14  Quaternionen,  die  in  der  Handschrift 
in  der  Regel  gezählt  sind;  nur  der  1..  4.,  10.  Quaternio  trägt 
keine  Nummer  mehr.  Mit  folio  107  beginnt  eine  zweite  Zählung, 
die  bis  zum  Ende  (fol.  176)  reicht  (9  Quaternionen;  nur  der  9. 
erscheint  jetzt  nicht  mehr  numerirt).  Hiermit  ist  erwiesen, 
dass  die  Zusammenstellung  des  Evangeliencommen- 
tars  mit  den  übrigen  Bestandtheilen  der  Handschrift 
ursprünglich  ist.  Das  ergiebt  sich  aber  auch  aus  der  Schrift. 
Mit  Recht  sagt  daher  Delisle  (p.  11):  „Abstraction  faite  de  gar- 
des  et  des  huit  pages  copiees  en  caracteres  lombardiques  (fol. 
140 — 143),  le  manuscrit  est  bien  homogene:  le  commentaire 
sur  les  evangiles  n'est  evidennnent  pas  de  la  meme  main  que  les 
Vies  de  peres  et  les  dix  Homelies  de  saint  Cesaire;  mais  les  gran- 
des  lettres  sont  enluminees  suivant  le  meme  Systeme  dans  cha- 
cun  de  ces  trois  ouvrages,  et  d'ailleurs  la  serie  des  signatures 
prouve  que  les  cahiers  ont  toujours  ete  assembles  tels  que  nous 
les  voyons  aujourd'hui".  Mithin  dürfen  wir  die  aus  dem  Titel- 
blatt zu  abstrahirende  Zeitbestimmung  auch  auf  die  Abschrift 
des  Evangeliencommentars  beziehen.  Derselbe  liegt  hier  also 
in  einem  +  700  geschriebenen  Buche  vor. 

III. 

1)  Der  Commentar  trägt  in  M  (=  Bruxellensis) 
keinen  Verfassernamen,  er  ist  anonym.  Zwar  ist  es  sehr 
wahrscheinlich,  dass  auf  dem  letzten  der  weggeschnittenen  Blätter 
unten  eine  Überschrift  gestanden  hat;  denn  mit  den  Worten: 
-Incipit  prologus",  die  wir  jetzt  auf  fo]^  144«^  oben  lesen,  hat 
die  Abschrift  des  Commentars  schwerlich  begonnen,  aber  die 
jetzt  fehlende  Überschrift  kann  einen  Verfassernamen  nicht  ent- 
halten haben;  denn  die  Schlüsse  der  vier  Commentare  (fol.  1611^. 
164^^.  169^.  176b)  lauten  einfach:  .Exi)licit  secundum  Matthenur 


ns)  Delif^le.  a..  a.  0.  p.  9. 


Der  angebliche  Commeiitar  des  Theophilus.  Iß3 

resp.  „Marcum"  „lohannem"  und  ^Explicit  expositio  evangelii 
secundum  Lucan"  (dies  zugleich  der  Schluss  des  ganzen  Werkes). 
Ebenso  lauten  die  Anfänge:  „Incipit  expositio  in  Marco"  („lo- 
hanne"  „Lucam").  Die  Evangelienerklärungen  sind  zudem 
weder  als  „commentarii"  nocli  als  „allegoriae"  (so  in  der  Hand- 
schrift, welche  de  la  Bigne  brauchte)  bezeichnet,  sondern  als 
„expositiones".  Der  Name  eines  Theophilus  ist  nirgends 
genannt. 

2)  Die  Commentare  folgen  sich  also:  Matthäus,  Marcus, 
Johannes,  Lucas.  Damit  ist  die  Vermuthung,  die  Zahn  S.  273  f. 
auf  Grrund  der  Einleitung  des  Commentars  (S.  31,  4 — 13)  aus- 
gesprochen hat,  bestätigt.  De  la  Bigne  hat  also  entweder  die 
Reihenfolge  willkürlich  geändert  oder  die  Handschrift,  aus  der 
er  schöpfte,  hatte  schon  die  herkömmliche  Ordnung  der  Evan- 
gelien hergestellt.  Dass  die  von  M  gebotene  die  ursprüngliche 
ist,  zeigt  die  Einleitung  zum  Commentar.  Es  ist  nur  ein  Schein, 
der  dazu  verführen  könnte,  den  Schluss  des  Johannescommentars 
für  den  Schluss  des  ganzen  Werkes  zu  halten. 

3)  Eine  ganz  moderne  Hand  hat  die  Ziffern  der  erklärten 
Bibelstellen  nicht  selten  an  den  Rand  gesetzt.  Man  darf  viel- 
leicht vermuthen,  dass  F essler  dies  gethan  hat;  denn  es  wurde 
mir  auf  der  Brüsseler  Bibliothek  mitgetheilt,  dass  dieser  Ge- 
lehrte vor  Jahren  sich  mit  der  Handschrift  beschäftigt  hat.  Im 
Text  selbst  ist  übrigens  jede  Bibelstelle,  für  welche  Erklärungen 
beigebracht  sind,  durch  drei  oder  vier  roth  geschriebene  Anfangs- 
buchstaben ausgezeichnet. 

4)  Der  Commentar  ist  vollständig  bis  auf  ein  Blatt,  welches 
zwischen  den  jetzt  als  fol.  147  und  fol.  148  numerirten  Blättern 
fehlt  (Zahn,  S.  39,  8:  vom  Worte  „fidem"  ab  bis  S.  41,  8  ,ar- 
rogantia"  reicht  die  Lücke).  Der  Verlust  ist  augenscheinlich  so 
alt,  wie  der  Verlust  der  drei  Blätter  nach  fol.  139  (s.  oben);  denn 
er  gehört  demselben  Quaternio  an,  und  eben  desshalb  sind  nach- 
träglich 4  und  nicht  nur  3  Blätter  dort  eingeschoben:  eine  Er- 
scheinung, die  Delisle  nicht  zu  erklären  vermochte.  Sämmt- 
liche  Blätter  bis  auf  die  drei  letzten  sind  wohl  erhalten;  diese 
sind  vielfach  zerrissen,  aber  gut  geflickt,  so  dass  nur  wenige 
Buchstaben  unleserlich  geworden  sind. 

5)  Der  Anordnung   nach    deckt   sich  der  Commentar  in  M 


154  ^^^  angebliche  Commentar  des  Theopbilus. 

—  abgesehen  von  der  Umstellung:  Johannes,  Lucas  —  fast  voll- 
ständig mit  B^^). 

6)  Alles,  was  in  B  zu   lesen  steht,    findet  sich  auch  in  M; 
aber  M  bietet  an  einigen  Stellen  etwas  mehr'*'^). 


39)  Der  Abschnitt  in  I,  2  (Zahn  S.  34,  3—10)  ist  sonderbarer  Weise 
nach  S.  44,  12  gestellt.  Ferner  findet  sich  der  Abschnitt  I,  33  (S.  61, 
10 — 62,  2)  schon  nach  S.  55,  12  eingeschoben.  Sonst  ist  Alles  wie  in  B; 
in  jenen  beiden  Fällen  scheint  aber  B,  und  nicht  M,  dass  Ursprüngliche 
bewahrt  zu  haben. 

40)  Im  Folgenden  ist  Alles  genannt,  was  M  mehr  als  B  bietet:  S.  35,  15 
zu  „testamenti"  ergänzt  M  „securis  est  appellata".  S.  43,  3 f.  lautet  inM: 
„ita  et  nos  caput  nostrum  hoc  est  Christum  confitendo  celeraus,  corpus 
nostrum  facultatesque  abiciamus".  S.  49,  28  f.:  „Sed  postquam  creverit 
malus  fit  Omnibus  holeribus,  hoc  est  postquam  creverit  Christus  etc." 
S.  50,  11:  „difficilia  et  acredine  ingrata  sunt  indevotis".  S.  57,  13:  „voti 
sui  inpotes  et  velut  praegnantes".  S.  58,  21 :  „Duo  in  mola.  Per  molam  etc." 
S.  60,  1:  „coeperunt  meditari  quomodo  possint  operum".  S.  63,  11  findet 
sich  vor  „Aceto"  folgender  Zusatz:  „Fei  in  esca  suscepit,  ut  dulce  gustum 
primi  hominis,  unde  mors  mundum  invaserat,  conmutaret".  S.  65,  7  f. 
lautet:  ,,fuisse  adfirmant,  qui  si  phantasma  esset  aut  si  homo  tantummodo 
fuisset,  XL  diebus  .  .  .  ieiunare  non  posset".  S.  65,  16  folgt  nach  „porta- 
batur":  ,,Sciendum  est,  quod  corpus  suum  anima  innocens  portat,  pecca- 
trix  autem  portatur  a  corpore,  quod  corpus  viventis  etc".  S.  66,  28:  „Die 
autem  declinante  ad  vesperam:  ideo  ait  scribtura  die  declinante  etc." 
S.  67,  4  sq.:  „Quod  autem  iussit  populum  discumbere  super  faenum  ostendit 
credentes  in  deum  a  malis  pristinis  iam  in  carne  requiescere  et  cessare 
debere,  faenum  enim  corpora  etc".  S.  67,  25:  ,,quinque  animas  etiam 
huic  donavit".  S.  83,  26:  ,,.  .  agricola  est.  Merito  vitis  est  Chi-istus,  quia 
fructum  nobis  aeternae  contulit  vitae,  recte  et  pater  eins  agricola  est, 
quoniam  etc,"  Zwischen  IV,  14  u.  15  (S.  85)  steht  in  M  folgendes  Stück : 
,,Propterea  non  poterant  ei  credere,  quia  de  ipsis  dixit  Esaias:  Et  caecavit 
oculos  eorum  et  induravit  cor  eorum,  ut  non  videant  oculis  et  non  intel- 
legant  corde,  ne  quando  convertantur  et  sane  [sie]  eos  (Joh.  12,  39.  40). 
Hie  aHqui  faciunt  quaestionem  dicentes,  quod  peccatum  est  hominis  non 
facere  quod  non  potest?  Quibus  respondendum  est:  Ideo  haec  dixisse 
prophetam,  quia  deus  haec  futura  praescivit,  et  ,,non  poterant"  dixit  scrib- 
tura pro  eo  quod  est  ,,nolebant".  Sicut  dictum  est  de  domino  deo  nostro: 
si  non  credimus,  ille  fidelis  permanet;  negare  se  ipsum  non  potest;  id  est 
non  vult.  Quod  autem  ait  propheta:  Dedit  illis  deus  spiritum  conpunc- 
tionis,  oculos,  ut  non  videant  et  aures,  ut  non  audiant,  scilicet  deserendo 
et  non  adiuvando,  quod  occulto  non  iniquo  iudicio  dominus  facit".  S.  72,  20  f. : 
„per  sollicitudinem  sacculi  praesentia  diligens;  qui  enim  per  villam  se 
excusavit,  id  est  per  soUicitudines  saeculi,  praesentia  diligens  etc."  Zwi- 
schen III,  9  u.  10  (S.  73)  steht  in  M  folgendes  Stück:   „Ht)ino,  qui  habet 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  165 

7)  M  bietet  einen  überaus  correcten  Text,  der  an  sehr  vielen 
Stellen  den  Text  in  B  berichtigt  und  auch  einige  der  Zahn  sehen 
Conjecturen  bestätigt,  in  nicht  wenigen  Fällen  indess  die  LA 
von  B  (gegen  Zahn)  bezeugt'*^). 


centum  oves,  si  erraverit  una  ex  illis,  nonne  relinquet  nonaginta  noveni 
in  deserto  et  vadit  ad  eam,  quae  erravit?  Christum  significat,  qui  relictis 
numerosis  milibus  angeloriim  descendit  ad  terras,  ut  genus  humanuni 
eriperet  ab  errore  diaboli".  S.  76,  9:  ,,fideique  pro  se  facere".  S.  77.  12: 
,,quia  et  legem  implevit  et  gratiam,  legem  in  praeceptione,  gratiam  in 
lavacro".  S.  79,  20  folgt  nach  „iniquus  erit":  „et  non  pro  necessitate, 
sed  i^ro  personis  doctrinam  domini  dividat".  Endlich  ist  in  M  der  Schluss 
des  Lucascommentars  und  damit  des  Commentars  überhaupt  länger.  Er 
lautet:  „Sciendum  est  ergo  hanc  conparationem  salvatorem  nostrum  epi- 
scopis  posuisse,  ut  quomodo  vilicus  domino  suo  fraudem  fecit,  uti  haberet, 
unde  postea  viveret,  ita  et  sacerdotes  ulcisci  omnia  peccata  non  debebunt 
ncc  locum  paenitentiae  reservare  eos  conyenit;  quia  ipse  dominus  dixit: 
nolo  mortem  peccatoris,  sed  ut  convertatur  a  via  sua  nequam  et  vivat 
ac  paeniteat".  —  Elf  von  diesen  21  Stücken  sind  in  B  offenbar  durch 
Flüchtigkeit  des  Abschreibers  ausgefallen;  aber  auch  die  übrigen  be- 
währen sich  sämmtlich  als  ursprüngliche  Bestandtheile  des  Commentars. 
Wichtig  ist  das  grosse  neue  Stück  im  Johan'nescommentar ;  denn  es  weist 
auf  die  nachaugustinische  Zeit  und  zeigt,  dass  der  Compilator  kein  Anhänger 
der  Prädestinationslehre,  sondern  ein  Theologe  im  Sinne  des  Faustus  von 
Riez  gewesen  ist.  Was  den  längeren  Schluss  betrifft,  so  ist  derselbe  ledig- 
lich ein  Doublette  zu  III,  11.  Der  Compilator  wollte,  wie  schon  der  Schluss 
in  B  zeigt,  die  ihm  von  Hieronymus  gebotene  Erklärung  der  Parabel  vom 
ungerechten  Haushalter  nicht  aufnehmen,  ohne  noch  einmal  an  die 
Deutung  zu  erinnern,  die  er  früher  schon  gegeben  hatte  und  die  ihm 
unzweifelhaft  werthvoUer  erschienen  ist. 

41)  Ich  verzichte  darauf,  die  zahlreichen  Fälle  hier  aufzuführen;   der 
von  Zahn  gegebene  Text  genügt  in  der  Hauptsache,  und  ein  Neudruck 
erscheint   mir  nicht  angezeigt.     Will  ihn  Jemand  unternehmen,   so  steht 
ihm  meine  Collation  zur  Verfügung.     Erwähnt  sei  indess,   dass  das  aus 
Hieronymus   entlehnte  theophilinische  Stück  mehrere  LAA  nicht  bietet, 
auf  welche  Zahn  grosses  Gewicht  gelegt  hat,  um  die  Priorität  von  B  zu 
beweisen.    So  liest  M  S.  77,  24  ,,quo  nihil  est  ditius";  auf  derselben  Zeile 
„dispensator  est"  (die  6  letzten  Buchstaben  sind  verlöscht,  aber  die  Spuren 
noch  erkennbar).    S.  78,  4  f. :   „qui  magister  fui  et  vilicus,  cogor  esse  dis- 
cipulus  Annaniae  et  operarius  gentibus".    S.  78,  8  f.:  „ut  qui  doctor  fueram 
ludaeorum,    cogar  ad  gentes  per   Annaniam   discipulum   salutis   ac  fide 
mendicare".    S.  78,  10:  „faciam  igitur".    S.  78,  12:  „coepitque".    S.  78,  15 
„pro  lucro  fuerant'".    S.  78,  16:  „Primuni".    S.  79,  4:  „nutritus".    S.  79,  5 
„unde  centum  faceret  octoginta".   S.  79,  15  f :  ,, verum  lumen  est".  S.  79,  19 
„iste  et".    S.  79,  20  (s.  oben  not.  40)  steht  der  Satz  aus  Hieron.,  der  in  B 


l^Q  Der  angcbliclie  Commentar  des  Theophilus. 

8)  M  ist  jedenfalls  ein  besserer  Zeuge  als  B;  er  muss  dem 
Archetypus  nahe  stehen,  da  er  verhältnissmässig  sehr  wenige 
Fehler  hat.  Aber  er  ist  doch  keineswegs  Autograph: 
dies  folgt  aus  einigen,  wenn  auch  im  Umfang  ganz  unbedeuten- 
den, Lücken  und  Irrthümern. 

9)  Es  ist  nicht  wahrscheinlich,  dass  M  die  Vorlage  von  B 
gewesen  ist;  man  müsste  denn  annehmen,  dass  de  la  Bigne 
stillschweigend  eine  Reihe  von  Verbesserungen  vorgenommen  hat; 
aber  auch  dann  noch  bleiben  Schwierigkeiten  nach.  Es  müsste 
übrigens  in  diesem  Falle  der  Schreiber  der  Handschrift  B  der- 
jenige gewesen  sein,  welcher  die  Fälschung  der  Überschrift  vor- 
genommen hat.  Die  Zahl  der  gemeinsamen  Fehler  in  B  und  M 
ist  nicht  gross;  aber  vielleicht  ist  doch  schon  auf  der  ersten 
Seite  in  beiden  eine  Lücke  zu  constatiren,  sofern  man  S.  31,  5 
nach  „Matthaeus"  die  Worte:  „hominis  gerens  figuram"  oder 
ähnliche  vermisst  (s.  Delisle,  p.  9  n.  5);  indess  ist  dies  nicht 
sicher. 

10)  In  M  ist  der  Commentar  durch  einen  Prolog  ein- 
geleitet, der  sich  in  B  nicht  findet.  Um  der  Wichtigkeit 
der  Sache  willen  lasse  ich  hier  das  fol.  144  a  genau  abdrucken  ^2): 

Incipit  prologus: 
Apis  fauos  de  omnigenis 
floribus  operatur^^)  eosque 
melle  lapso  caelitus  replet 
5  et  in  fraglantibus  "^  "*)  ceris  fetus"*^)  edit  ore 
secundo  haut  aliter  ego  famulus 
dl  hortantibus  uobis  in  euangelii 
interpretatione  tractatoribus 

ausgelassen  war.  S.  79,  23:  „autem  est".  Man  sieht  also,  dass  die  Ab- 
weichungen vom  Text  des  Hieron.  in  B  in  vielen  Fällen  willkürliche  sind. 
Ebenso  steht  es  mit  den  Bibelcitaten,  die  häufig  in  M  die  Eigenthümlich- 
keiten  nicht  haben,  welche  Zahn  für  bedeutungsvoll  gehalten  und  auf 
die  er  so  weitgehende  Schlüsse  gebaut  hat,  Endhch  sei  erwähnt ,  dass 
der  Text  der  im  1.  Capitel  angeführten  Stücke  aus  dem  Evangelien- 
commentar,  soweit  er  sachlich  und  kritisch  von  Bedeutung  ist,  durch 
die  neue  Handschrift  nicht  modificirt  wird. 

42)  S.  das  Facsimile,  welches  Delisle  gegeben  hat. 

43)  Corrigirt  aus  „Operator". 

44)  So  die  erste  Hand;  man.  sec:  „flagantibus". 

45)  Über  das  .,e"  ist  ein  „o"  geschrieben. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  167 

defloratis  opusculü  spiritale  com 
10  posui  quod  ecclesiasticum  gignat 

examen  iimidoru  amara  conloquia 

uelut  grjneas  taxos  effugiens 

nectar  quoque  est  in  eo  diuina  adspi 

ratione  dulcissimum.     hoc  si  quis 
15  audebit  reprehendere  spicula  sen 

tiet  propriis  operata  uulneribus 

quia  obtrectans  propositi  sui  potest 

affectn  prodere  non  tarnen  studiü 

deuotionis  auferre. 
20  QUATTUOR  EUANGELIA^") 

ihm  xpm  quattnor  ani 

malibus  figurata  demons 

tränt.  K.  Mattheus  enim  salua 

torem  nostru  natu  passüque  ho 
25  mini  cöparauit.  K.  Marcus  leonis 
Dies  wird' also  zu  übersetzen  sein:  „Die  Biene  bereitet 
aus  allerlei  Blumen  Waben  und  füllt  sie  mit  Honig, 
der  vom  Himmel  geflossen,  und  bringt  mit  dem  Munde 
in  den  duftigen  Wachszellen  die  Brut  hervor  zum  zwei- 
ten Male:  nicht  anders  habe  ich,  ein  Diener  Gottes,  auf 
eueren  Antrieb  hin  zur  Erklärung  des  Evangeliums  ein 
geistliches  Werk  zusammengestellt,  nachdem  ich  die 
Ausleger  abgesucht  habe.  Dasselbe  soll  einen  kirch- 
lichen Bienenschwarm  hervorbringen,  der  die  bittern 
Reden  der  Missgünstigen  gleichwie  grynäische  Taxus- 
bäume vermeidet.  Auch  Nectar  ist  in  ihm  enthalten, 
durch  göttliche  Wirkung  hochsüsser.  Wird  Jemand  es 
zu  tadeln  wagen,  so  wird  er  Stacheln  fühlen,  welche 
dauernde  Wunden  verursachen;  weil  der  Neider  seine 
leidenschaftliche  Absicht  wohl  verrathen,  jedoch  die 
Bemühung  um  rechte  Frömmigkeit  nicht  wegschaffen 
kann". 

Der  Autor  bekennt  also  in  dem  Prologe  ausdrück- 
lich und  unmissverständlich,  dass  sein  Werk  eine  Com- 
pilation  aus  älteren  Arbeiten  ist.     Er  thut  dies  in  einem 


46)  Hier  beginnt  der  von  de  la  Eigne  veröffentlichte  Text. 


j^gg  Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

Prolog,  der  ganz  und  gar  aus  poetischen  Gedanken  und  Worten 
gewoben  ist;   namentlich  Vergil  ist   stark   benutzt^').      Somit 

47)  Selbst  für  die  Textkritik  Vergil's  ist  der  Prolog  dieses  Nachahmers 
nicht  ohne  Werth.  Ich  gebe  daher  eine  vollständige  Übersicht  der  Paral- 
lelstellen, so  weit  ich  solche  habe  auffinden  können.  Kundigere  werden 
vielleicht  noch  manches  nachtragen  können.  Lucret.  III,  11:  „Floriferis 
ut  apes  in  saltibus  omnia  hbant,  Omnia  nos  itidem  depascimur  aurea  dicta". 
Clemens,  Strom.  I,  1,  11  p.  322  über  Pantänus:  „Sucekixrj  no  ovri  rj  (li- 
kiTza,  7tQO(prixixov  xc  xal  dnooxoXLXOv  ksifiöJvog  xä  avd^r]  SQenofxevoc 
dxriQaxov  xi  yvojatcug  XQVf^^  xalq  xcüv  äxQOco/xavcov  ivey8VV7]08  xpvxulg". 
Z.  2.  omnigenis:  s.  Vergil.  Aen.  VIII,  698.  Lucret.  11,  759.  821. 
Z.  2  f.  favos  .  .  .  operatur:  s.  Verg.  Georg.  IV,  161. 

Z.  4.  melle  lapso  caelitus:   s.  Verg.  Bucol.  Ecl.  IV,  30:  „roscida  mella". 
Georg.  IV,  1:    ,,aerii  melHs  caelestia  dona".    S.  Ladewig  z.  d.  St. 
Z.  5.  fraglantibus  ceris:    s.  Verg.  Georg.   IV,   169:    „redolentque  thymo 
fraglantia  meUa",     „Fraglantia"   hat  Ribbeck  mit  FMyb  in  den 
Text  aufgenommen;  die  LA  „flagrantia"  findet  sich  auch.   Die  Stelle 
hat  übrigens  auch  Isidor,  Orig.  XVII,  9,  12,  verwerthet. 
Z.  5  f.:  Verg.  Georg. IV,  197s.:  „illumadeoplacuisseapibus  miraberemorem, 
„quod  neque  concubitu  indulgent,  nee  corpora  segnes 
„in  Venerem  solvunt    aut   fetus  nixibus    edunt; 
„verum    ipsae    e    foliis    natos,    e    suavibus    herbis 
„ore     legunt,     ipsae    regem    parvosque    Quirites 
„sufficiunt,    aulasque   et   cerea  regna    refigunt". 
S.  auch  Columella,  de  re  rust.  IX,  2,  4.  Varro  de  re  rust.  III,  16  u. 
Plin.    Das   „secundo"   erscheint  sehr  schwierig,     Dr.  G.  Löwe  hat 
mir  die  sehr  bestechende  Conjectur  „fecundo"  vorgeschlagen,  nach- 
dem  er  zuerst  das  sinnlose   „editore"  —  so  bietet  die  Handschrift 
und  so  hat  Delisle  edirt  —  unzweifelhaft  richtig  in  „edit  ore"  aufge- 
löst hat;  allein  da  der  Commentar  wenige  Schreibfehler   aufweist, 
und    da  das   „edere  secundo"   dem  Compilator  in  Ansehung  seines 
eigenen  Werkes  werthvoU  sein  musste,  so  wage  ich  nicht  mit  Sicher- 
heit zu  corrigiren.   Die  Biene  bringt  zum  zweiten  Male  die  Brut  in 
den  Waben  hervoi*   (und  zwar  mit  dem  Munde),   da  dieselbe  das 
erste  Mal  von  den  Blättern  und  Kräutern  bereits  hervorgebracht 
ist  und  von  der  Biene  mit  dem  Munde  abgelesen  wird.  Nach  Ver- 
gil ist  der  Process  ja  so  zu  denken.    Ebenso  ist  das,  was  der  Ver- 
fasser in  seinem  Commentare  vorzubringen  beabsichtigt;  bereits  ein- 
mal edirt  worden;  er  will  aber,  der  Biene  gleich,  es  zusammentragen 
und  aufs  Neue  ecHren.  (An  Georg.  IV,  231  s.:  „bis  gravides  cogunt 
fetus  etc."  ist  nicht  zu  denken).    So  wäre  zu   erklären,  wenn  die 
LA  „edit  ore  secundo"  gehalten  werden  soll;  aber  das  „secundo'"  ist 
neben  „ore"  allerdings  so  auffällig  und  hart,   dass  man  das  vorge- 
schlagene „fecundo"  vielleicht  doch  vorziehen  wird. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  169 

bringt  uns  also  der  Brüsseler  Codex  ein  Zeugniss  für  den  Cha- 
rakter des  Werkes  als  einer  Compilation,  wie  es  bestimmter  nicht 
gewünscht  werden  kann.  Dieser  Prolog  und  die  Fassung,  in 
welcher  der  angebliche  Theophiluscommentar  hier  vorliegt,  be- 
stätigen alle  die  Nachweisungen,  welche  ich  in  dem  ersten  Ca- 
pitel  dieser  Abhandlung  gegeben  habe.  Aber  ich  durfte  diesel- 
ben nicht  nachträglich  unterdrücken;  denn  da  der  verzweifelte 
Ausweg  Zahn  noch  immer  übrig  bleibt,  den  Prolog  für  ein 
durch  Zufall  hierher  verschlagenes  Stück  zu  erklären,  so  musste 
der  Beweis  voran  stehen,  dass  auch  aus  inneren  Gründen  die 
späte  Abfassung  des  Commentars  evident  ist.  Aber  auch  der 
Nachweis,  dass  wir  in  dem  Commentar  auf  kein  einziges  theo- 
philinisches  Stück  mit  irgend  welcher  Wahrscheinlichkeit  rechnen 
können,  durfte  hier  nicht  fehlen. 


Z.  7  f.  in  evangehi  interpretatione :  Diese  Worte  sind  wohl  nicht  zu 
„tractatoribus"  zu  ziehen. 

Z.  9.  defloratis:  Ein  seltenes  Wort,  s.  Dracontius  (saec.  V.  exeunte).  Für 
„tractator"  im  Sinne  von  „interpres"  wissen  die  Lexica  kein  älteres 
Beispiel  anzugeben  als  Sulp.  Sev.  Dial.  I,  fi,  1:  „Origenes  tractator 
scripturarum  sacrarum  peritissimus".  Ebenso  bei  Sidonius  und 
anderen  gallischen  Schriftstellern. 

Z.  11  f.  examen  .  .  .  gryneas  taxos  effugiens:  s.  Verg.  Eclog.  IX,  30:  „Sic 
tua  Cyrneas  fugiant  exagniina  taxos".  Aber  P  bietet  grynaeas,  c 
grineas,  ym.  gryneas  und  einige  gute  Handschriften  des  Imitator 
Priscian  ebenfalls:  grynaeas,  grineas.  Der  Vers  ist  häufig  citirt  wor- 
den; s.  unter  anderem  Isidor,  Orig.  XIV,  6,  42:  „Cyrneas  taxos". 
Die  Taxusbäume,  die  sich  auf  Corsika  zahlreich  fanden,  geben  bittren 
Honig;  s.  Verg.  Georg.  II,  257:  „taxique  nocentes".  IV,  47:  „neu 
propius  tectis  taxum".  Für  exagniina  bieten  Pyabc  „examina", 
und  dies  hat  Ladewig  in  den  Text  aufgenommen. 

Z.  13.  nectar  etc.:  Verg.  Georg.  IV,  163  s.:  „aliae  purissima  mella  stipant 

et  liquido  distendunt  nectare  cellas". 
Z.  13  f.  divina  adspiratione :  Ammian.  XV,  2:  „superni  numinis  adspi- 

ratio". 
Z.  15.  spicula:    Verg.  Georg.  IV,   230  s.:    „laesaeque  venenum  morsibus 

inspirant,  et  spicula  caeca  relinquont". 
Z.  16.  propriis  operata  uulneribus:  Zu  „proprius"  im  Sinne  von  „dauernd" 
s.  Terenz,  Horaz  und  Vergil  (Aen.  VI,  872). 
Wer  die  invidi,  reprehensores  und  obtrectantes  sind,  welche  der  Ver- 
fasser fürchtet,  ist  leider  nicht  zu  sagen.   Jedenfalls  scheint  ihm  sein  Werk 
desshalb  am  besten  vor  Einwürfen  geschützt,  weil  es  eine  Compilation  ist. 


170  ^^^'  angebliche  Commentar  des  Tlieophilu«. 

TV. 

Die  am  Schlüsse  des  ersten  Capitels  zusammengestellten  Re- 
sultate werden  durch  den  neuen  Codex  in  erfreulicher  Weise 
erhärtet.  Erstlich  ist  es  nun  gewiss,  dass  der  Commentar,  so 
wie  er  vorliegt,  nicht  später  als  in  der  zweiten  Hälfte  des  7.  Jahr- 
hunderts compilirt  sein  kann.  Er  ist  also  älter  als  die  Arbeiten 
Bedas.  Die  Abfassungszeit  ist  zunächst  nun  mit  Sicherheit 
zwischen  c.  470  und  +  650  anzusetzen.  Aber  mehrere  Beobach- 
tungen machen  es  rathsam,  nicht  über  die  erste  Hälfte  des  6.  Jahr- 
hunderts herabzugehen;  denn  1)  verräth  der  Verfasser,  wie  der 
Prolog  zeigt,  noch  klassische  Bildung  und  schreibt  —  man  darf 
natürlich  nur  die  Stellen  berücksichtigen,  wo  er  muthmasslich 
Eigenes  bringt  —  noch  ein  massig  gutes  Lateinisch:  seit  der 
Mitte  des  6.  Jahrhunderts  aber  lag  bekanntlich  in  Gallien  —  auf 
dieses  Land  weisen  aber  die  meisten  Spuren  —  die  Bildung  ganz 
darnieder;  2)  beschäftigen  den  Verfasser  und  seine  Zeitgenossen 
augenscheinlich  die  Fragen  nach  der  Prädestination  und  der 
menschlichen  Freiheit  (s.  vor  allem  das  neue  Stück  des  Cod.  M); 
er  selbst  ist  kein  überzeugter  Anhänger  Augustin's;  seit  der 
Mitte  des  6.  Jahrhunderts  aber,  ja  eigentlich  schon  seit  den  Sy- 
noden von  Orange  und  Valence  verschwinden  jene  Fragen.  Man 
darf  aber  wohl  fragen,  ob  nach  den  Entscheidungen  von  Orange 
i.  J.  529  ein  Standpunkt,  wie  der  Verf.  ihn  rücksichtslos  ver- 
treten, überhaupt  noch  möglich  gewesen  ist.  Es  ist  daher  recht 
wahrscheinlich,  dass  man  seine  Compilation  auf  die  letzten  De- 
cennien  des  5.  oder  auf  die  ersten  des  6.  Jahrhunderts  anzusetzen 
hat.  Damals  herrschte  noch,  namentlich  in  Südgallien,  eine  ge- 
wisse literarische  Betriebsamkeit  und  fand  sich  noch  ein  freilich 
nur  dürftiger  Rest  klassischer  Bildung.  Mit  diesem  Ergebnisse 
trifft  aber  3)  zusammen,  dass  der  Commentar  in  M  mit  den  Homi- 
lien  des  Cäsarius  von  Arles  und  einer  Decretale  des  Papstes  Gelasius 
vereinigt  ist.  Gelasius  aber  und  Cäsarius  gehören  dem  Ende  des 
5.,  resp.  dem  Anfang  des  6.  Jahrhunderts  an.  Somit  darf  viel- 
leicht die  Abfassungszeit  des  Commentars  genauer  auf  die  Zeit 
zwischen  c.  470 — 529  angesetzt  werden.  Das  7.  Jahrhundert  ist 
jedenfalls  auszuschliessen.  Dies  folgt  schliesslich  —  was  Zahn 
entgangen  ist  —  aus  dem  Verhältniss  des  Commentars  zu  den 
„Allegoriae  S.  Scripturae"  des  Isidor  von  Sevilla  (S.  Isidori 
Opp.  rec.  Arevalus,  T.  V  p.  115  sq..  res]).  136  sq.).    Dieses  Werk. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  171 

welches  unter  allen  „Coininentaren"  dem  uns  beschäftigenden 
weitaus  am  ähnlichsten  ist,  hat  Zahn  leider  ganz  bei  Seite  ge- 
lassen. In  seiner  zweiten  Hälfte  (Ex  Novo  Testamento  p.  136 — 
151)  enthält  es  121  allegorische  Erklärungen  zu  evangelischen 
Stellen.  Hier  ist  nun  der  Evangelientext  wirklich  ein  „gemisch- 
ter", so  dass  die  Charakteristik,  die  Hieronymus  von  dem  Theo- 
philuscommentar  gegeben  hat  („dicta  quattuor  evangelistarum  in 
unum  opus  compingens"),  etwas  besser  auf  dies  Werk  des  Isidor 
passen  würde  als  auf  den  in  M  und  B  vorliegenden  anonymen 
Commentar.  Es  berühren  sich  aber  die  Isidorischen  „Allegoriae" 
in  Form  und  Inhalt  auf  das  stärkste  mit  dem  Werk  des  Anony- 
mus, jedoch  so,  dass  Isidor  als  der  Epitomator  des  Anonymus 
erscheint,  der  ausserdem  noch  selbständig  den  Hieronymus  aus- 
gebeutet hat.  Gleich  der  Eingang  ist  fast  identisch: 
B  M.  Isidor. 

Quattuor  evangelia  quattuor  Quattuor  Evangelistae  lesum 
animalibus  figurata  lesum  Chri-  Christum  sub  quattuor  anima- 
stum  demonstrant.  lium  vultibus  figuraliter   expri- 

munt. 

Matthaeus  enim  salvatorem  Matthaeus  enini  eundem  re- 
nostrum  natum  passumque  ho-  demptorem  nostrum  natum  et 
mini  comparavit.  passum  adnuntians,  in  similitu- 

dinem  hominis  comparat. 

Marcus  leonis  gerens  figuram         Marcus   a  solitudine    exorsus 
a  solitudine  incipit  dicens:  „Vox     leonis  figuram  induit  et  Christi 
clamantis  in  deserto :  parate  viam     regnum  invictum  potentiamque 
domini",   sive   quia    regnat    in-     proclamat. 
victus. 

loannes  habet  similitudinem  Lucas  quoque  per  vituli  mys- 
aquilae,  quod  nimis  alta  petive-  ticum  vultum  Christum  pro  no- 
rit;  ait  enim:  „In  principio  —  bis  praedicat  immolatum. 
in  principio  apud  deunr';  vel  loannes  autem  per  figuram 
quia  Christus  resurgens  volavit  aquilae  eundem  dominum  post 
ad  coelos.  revSurrectionem  carnis  demonstrat 

Lucas  vituli  speciem  gestat,  ad     evolasse  in  caelum. 
cuius  instar  salvator  noster  est        Petrus  personam  ecclesiae  ge- 
immolatus,  vel  quod  sacerdotii     stat,quae  habet  potestatemdimit- 
figuratur  officium.  tendi  peccata  atque  reducendi  ab 

inferis  homines  ad  caelestia  regna. 


[72  -^6^'  fcingeljliche  Commentar  des  Theophilus. 

Die  Uebereinstimmung  springt  in  die  Augen.  Sie  ist  nicht 
nur  im  Grossen  vorhanden,  sondern  auch  in  einzelnen  kleinen 
Zügen.  So  haben  es  beide  z.  B.  unterlassen,  ausdrücklich  anzu- 
geben, dass  Matthäus  selbst  den  Menschen  zum  Symbol  hat.  Man 
könnte  nun  auf  den  ersten  Blick  vermuthen,  Isidor  sei  vielmehr 
die  Quelle  des  Anonymus,  sofern  dieser  bei  Lucas  und  Johannes 
zwei  Erklärungen  giebt,  während  Isidor  nur  eine  einzige.  Allein 
das,  was  Isidor  über  Marcus  geschrieben  hat,  zeigt,  dass  ihm  zwei 
Erklärungen  vorlagen,  die  er  ganz  ungeschickt  im  Streben  nach 
Kürze  in  eine  einzige  verschmolzen  hat.  Dann  aber  ist  es  wahr- 
scheinlich, dass  er  auch  die  beiden  (bei  Lucas  und  Johannes)  ge- 
kannt und  fortgelassen  hat.  Dass  er  der  Spätere  ist,  zeigen  aber 
ferner  die  kleinen  stilistischen  Veränderungen  (s.  namentlich  im 
ersten  und  zweiten  Satze),  wo  der  Anonymus  unzweifelhaft  das 
Aeltere  hat.  Endlich  hält  Isidor  die  herkömmliche  Reihenfolge 
der  Evangelisten  fest,  während  der  Anonymus  den  Johannes  dem 
Lucas  vorangestellt  hat.  Somit  ist  wohl  zu  vermuthen,  dass  Isi- 
dor den  Anonymus  gekannt  hat.  Dies  bestätigt  sich  aber  auch 
aus  dem  Folgenden,  wenngleich  die  Anlage  der  AUegoriensamm- 
lung  eine  andere  ist,  und  Isidor  unzweifelhaft  auch  die  Quellen 
des  Anonymus  zur  Hand '  gehabt  hat.  Er  folgt  einer  sachlichen 
Gruppirung,  indem  es  ihm  um  die  allegorische  Deutung  der  wich- 
tigsten biblischen  Namen,  Zahlen,  Vorgänge  und  Parabeln  zu 
thun  ist.  Auf  Petrus  folgen  die  Apostel  (Nr.  7),  die  72  Jünger 
(8),  Joseph,  Maria,  Zacharias,  der  Täufer,  die  Magier,  Herodes 
(9 — 14),  die  Stummen,  Blinden,  Tauben,  Lahmen  (15 — 18),  der  kluge 
und  thörichte  Mann,  der  Aussätzige,  der  Centurio  u.  s.  w.  Man  vgl. 
Nr.  13  (142)  mit  dem  Anonymus  I,  2;  26  (155)  mit  II,  1  (Isidor: 
„Socrus  Petri  febriens  significat  synagogam  .  .  .  cuius  fiha  est  pars 
illa  credentium,  quae  data  est  Petro  regenda");  32  (161)  mit  I,  14 
(Isidor:  „Duo  caeci,  iuxta  viam  sedentes,  significant  utrosque  po- 
pulos  ludaeorum  atque  gentilium,  per  fidem  Christo  appropin- 
quantes,  qui  dixit:  Ego  sum  via,  veritas  et  \dta)  —  ein  besonders 
charakteristisches  Beispiel;  34  (163)  mit  I,  17  —  diese  Stelle 
scheint  aber  Isidor  direct  aus  dem  Arnobius  entnommen  zu  haben: 
37  (166)  mit  I,  18  (Isidor  giebt  hier  ein  Excerpt  aus  dem  Ano- 
nynms  in  den  Worten:  „Homo  qui  seminavit  in  agro  suo  granum 
sinapis,  Christus  est,  qui  seminavit  fidem  in  mundo,  in  quo  vo- 
lucres  caeli,  id  est  spirituales  aniniae  requiescent'');  38  (167)  mit 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  173 

III,  9;  39  (168)  mit  I,  18  fin.,  etc.  Es  würde  zu  weit  führen  und 
lohnte  auch  der  Mühe  nicht,  alle  wörtlichen  Parallelen  hier  zu- 
sammenzustellen und  die  Quellen  des  Isidor  zu  scheiden.  Mit 
höchster  Wahrscheinlichkeit  lässt  sich  behaupten,  dass  Isidor 
unseren  Commentar  gekannt  hat.  Die  entgegengesetzte  Hypo- 
these wird  durch  keine  Beobachtung  bestätigt,  und  die  Annahme 
gemeinsamer  Quellen  reicht  zur  Erklärung  des  Verwandtschafts- 
verhältnisses nicht  aus.  Also  ist  es  gewiss,  dass  unser  Commen- 
tar schon  +  610  vorhanden  gewesen  und  in  Spanien  gelesen 
worden  ist. 

2)  Der  Commentar  stellt  sich,  wie  ich  in  dem  ersten  Capitel 
bereits  auf  das  bestimmteste  vermuthet  hatte,  als  ein  harmloses, 
von  jedem  Betrug  entferntes  Unternehmen  dar.  Sein  Verfasser 
hat  nicht  nur  keinen  falschen  Namen  erborgt,  sondern  er  hat  in 
der  Vorrede  ausdrücklich  angegeben,  dass  er  die  älteren  Erklärer 
für  sein  Werk  ausgebeutet  habe.  Schon  um  das  J.  700  hat  man 
in  Soissons  den  Namen  des  Verfassers  nicht  mehr  gekannt  und 
das  Werk  als  ein  anonymes  abgeschrieben.  Es  ist  daher  wenig 
Aussicht,  dass  man  nach  1200  Jahren  den  wahren  Autor  noch 
wird  ermitteln  können.  Aber  eben  weil  diese  „Expositiones  in 
quattuor  evangelia"  anonym  circulirten,  haben  sie  im  Mittelalter 
dasselbe  Schicksal  erlitten,  wie  jene  anonymen  „glossae  in  varios 
S.  S.  libros",  die  spätestens  im  11.  oder  12.  Jahrhundert  von  einem 
halbgelehrten  und  dreisten  Schreiber  als  die  „Clavis"  des  Bischofs 
Miletus  (Melito)  bezeichnet  worden  sind^^):  Die  Parallele  ist  in 
der  That  hier  eine  frappante.  Von  einem  Librarius,  der  eben- 
falls in  der  ersten  Hälfte  des  Mittelalters  gelebt  haben  wird  — 
denn  die  Textüberlieferung  in  B  ist  eine  recht  gute  —  sind  die 
anonymen  „Expositiones  in  quattuor  evangelia"  dreist  als  „Theo- 
phili  archiepiscopi  Alexandrini  allegoriae  in  quattuor  evangelia" 
bezeichnet  worden,  weil  der  Schreiber  durch  Hieronymus  wusste 
—  eine  andere  Quelle  gab  es  nicht  — ,  dass  ein  Theophilus  Er- 
klärungen zu  dem  EvangeHum  verfasst  habe,  vielleicht  auch  weil 
er  in  dem  anonymen  Commentar  das  Stück  wiederfand,  welches 
Hieronymus  als  theophilinisch  citirt  hatte.  Durch  diesen  Libra- 
rius hat  sich  de  la  Bigne  dupiren  lassen  und  glaubte  sich  nun 
berechtigt,   den  Titel  abermals  zu  corrigiren,  da   sich  jener  Li- 


48)  S.  Texte  u.  Unters.  I,  1.  2  S.  275  f. 


174  1^61'  angebliche  Commentar  des  Theophilus. 

brarius  vermeintlich  eine  offenkundige  Flüchtigkeit  hatte  zu  Schul- 
den kommen  lassen.  Der  neue  Titel  lautete  nun:  ,,S.  P.  nostri 
Theophili  patriarchae  Antiocheni  commentariorum  sive  allegori- 
arum  in  sacra  quattuor  evangelia".  Indessen  de  la  Bigne  fand 
wenig  Gläubige  für  seinen  angeblichen  Theophilus:  vielmelir  stellte 
sich  das  Urtheil  bei  den  Einsichtigen  schon  vor  200  Jalu'en  immer 
mehr  fest,  dieser  Commentar  könne  nur  eine  Compilation  aus 
sehr  viel  späterer  Zeit  sein^^).  Dabei  musste,  da  gründliche 
Untersuchungen  nicht  angestellt  worden  waren,  vorbehalten  bleiben, 
dass  der  Commentar  Stücke  aus  dem  alten  Werke  des  Theophilus 
enthalten  könne.  Der  denkwüi'dige  Versuch  Zahn's.  den  ganzen 
Commentar,  wesentlich  so  wie  er  vorliegt,  dem  Bischof  Tlieophi- 
lus  von  Antiochien  zu  vindiciren,  hat  die  Gelegenheit  geboten, 
diese  literarhistorische  Frage  auf  immer  aus  der  Welt  zu  schaffen 
und  jede  Beziehung  zwischen  diesen  Expositiones  und  dem  ver- 
lorenen Commentar  des  Theophilus  zu  lösen.  Die  Entdeckung 
der  alten  Merowingerhandschrift  zu  Brüssel  hat  dann  den  Ver- 
fasser des  Commentars  von  dem  Verdachte  der  Fälschung,  der 
doch  vielleicht  noch  erhoben  worden  wäre,  definitiv  befreit. 

V. 

Ist  etwas  aus  diesem  ^Commentare",  nachdem  er  seiner  Zeit 
zurückgegeben  worden  ist,  zu  lernen?  Man  muss  leider  antworten: 
Sehr  wenig,  und  eben  desshalb  habe  ich  einen  Neudruck  nicht 
für  nöthig  gehalten,  obgleich  jetzt  ein  wesentlich  besserer  Text 
gegeben  werden  könnte.  Eines  ist  indess  immerliin  lehrreich. 
Wir  wissen  jetzt,  dass  die  exegetische  Schi'iftstellerei  der  Epi- 
gonen und  Plagiatoren,  mit  einem  Worte  die  mittelalterlich- 
exegetische  Schriftstellerei  bereits  um  das  Jahr  500  in  Gallien 
begonnen  hat.  Unser  Commentar  gehört  in  eine  Reihe  mit  den 
Compilationen  des  Isidor,  Beda,  Rhabanus  Maurus  und  der  IJeb- 
rigen;  aber  er  ist  in  dieser  Reilie  höchst  wahrschemlich  das 
älteste  Stück.  Allerdings  sind  auch  Ambrosius,  Hilarius,  ja  selbst 
Hieronymus  als  Exegeten  Plagiatoren  —  die  Ansätze  zu  selbstän- 
diger Exegese  sind  im  Abendland  bekanntlich  bald  aufgegeben 
worden  —  aber  ihre  Schriftstellerei  ist  doch  eine  specifisch  an- 
dere als  die  des  Anonymus  und  seiner  Nachfolger.     Der  gänz- 

49)  So  hat  jüngst  auch  Lipsiiis  LCB.  1883  No.  21  in  seiner  Anzeige 
des  Znhn'schen  Werkes  geurtheilt. 


Der  angebliche  Commentar  des  Theophilus.  175 

liehe  Verzicht  auf  schriftstellerische  Kunst  und  die 
•Mosaikarbeit,  d.  h.  das  blosse  Aneinanderreihen  der  aus  ver- 
schiedenen älteren  Commentaren  zusammengerafften  Stücke  sind 
das  Charakteristische  der  mittelalterlichen  „exegetischen"  Arbeit. 
Diese  hat  der  Anonymus  begonnen.  Das  Eigene,  was  er  beige- 
bracht hat,  ist  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  wenioj  umfanc^reich 
und  unbedeutend  gewesen. 

Die  Mühe  einer  genauen  Quellenscheidung  scheint  mir  auch 
hier  sich  nicht  zu  lohnen,  da  man  im  besten  Falle  hie  und  da 
bis  zu  Origenes  hinauf  gelangen  würde.  Man  müsste  zudem  zu- 
erst die  Quellen  des  Hilarius,  Ambrosius,  Hieronymus  Capitel  für 
Capitel  geschieden  haben.  Was  die  verworrene  Anlage  einiger 
Abschnitte  in  dem  Commentar  und  das  Missverhältniss  der  Bücher 
betrifft,  so  weiss  ich  dafür  noch  keine  Erklärung.  In  besserer 
Zeit  hätte  Niemand  dies  Werk  für  ein  „Buch"  gehalten,  sondern 
höchstens  für  ein  Concept;  aber  die  Vorrede  beweist,  dass  der 
Verfasser  sein  „opusculum  spiritale"  wirklich  edirt  hat.  Die  Nach- 
forschimgen  nach  dem  Namen  des  Verfassers  haben  mich  bisher 
zu  einem  Ergebnisse  nicht  geführt:  zur  Zeit  muss  es  genügen,  dies 
Gespenst,  welches  im  2.  Jahrhundert  umging,  beschworen  und 
ihm  die  Ruhe  auf  dem  grossen  Kirchhof  des  Mittelalters  wieder 

verschafft  zu  haben  •^^). 

8.  Juni  1883. 


50)  Nicht  zu  erklären  vermag  ich  die  auffallende  Reihenfolge  der 
Evangelien.  Sie  bleibt  ein  Unicum  im  Abendland.  Die  Vertheilung  der  vier 
Cherubgestalten  auf  die  vier  Evangehsten  im  Commentar  ist  die  im  Abend- 
land seit  Victorinus  und  Hieronymus  geläufige  (s.  Zahn  S.  258  f.).  Aus 
ihr  aber  lässt  sich  die  seltsame  Reihenfolge  nicht  erklären.  Nur  daran 
ist  zu  erinnern,  dass  Origenes  einmal  (Hom.  I  in  Lucam)  dieselbe  Folge 
beobachtet,  und  dass  auch  Arnobius  dem  Lucas  die  letzte  Stelle  ange- 
wiesen hat  (Zahn  S.  274).  Das  Zusammentreffen  mit  der  Ordnung  der 
Evangelien  im  Syrus  Cureton.  wird  man  jetzt  als  zufällig  beurtheilen 
müssen.  Beachtenswerth  bleiben  schliesslich  die  Stellen,  auf  welche  oben 
S.  147  f.  hingewiesen  worden  ist,  wenn  auch  für  Einzelnes  hier  (s.  z.  B.  die 
Verknüpfung  der  Auslegung  des  Dekalogs  mit  der  Betrachtung  der  fünf 
Sinne  bei  Clemens  Alex.  Strom.  VI,  16,  134)  alte  Zeugen  namhaft  zu 
machen  sind.  Namentlich  die  Verbindung  der  Seligpreisungen  mit  dem 
Dekalog,  eine  für  die  Geschichte  der  Katechese  im  Mittelalter  so  wichtige 
Thatsache,  empfängt  aus  dem  anonymen  Commentar  ein  sehr  altes  und 
desshalb  sehr  willkommenes  Zeugniss. 


Inhaltsübersiclit. 


Seite 

Die  Evangelien  des  Matthaeus  und  des  Marcus  aus 
dem  Codex  Purpureus  Rossanensis  herausgegeben  von 
Oscar  von  Gebhardt. 

Prolegomena I — LIV 

Vorwort III— V 

I.    Beschreibung  der  Handschrift VII — XIX 

II.    Der  Schriftcharakter  und  das  Zeitalter XX — XXXII 

III.    Beschaffenheit  des  Textes XXXIII— LIV 

Der  Text  des  Evangeliums  Matthaei 1 —  59 

Der  Text  des  Evangeliums  Marci 60 —  96 

Der    angebliche  Evangeliencommentar    des  Theo- 

philus  von  Antiochien,  von  Adolf  Harnack 97 — 175 

Cap.  L     Nachweis    der    Unechtheit    des    Commentars   auf 

Grund  des  bisher  bekannten  Materials 99 — 15S 

§  1.    Die   Zeugnisse   des   Hieronymus   für   die   Existenz 

eines  Evangeliencommentars  des  Theophilus    .    ,   1U2 — 106 
§  2.   Der  von   de   la  Eigne  veröffentlichte  Commentar 
kann  aus  äusseren  Gründen  mit  dem  Theophilus- 
commentar  weder  identisch  noch  verwandt  sein  .    106 — 131 
§  3.   Der  von  de  la  Bigne   veröffentlichte  Commentar 
kann  aus  inneren  Gründen  mit  dem  Theophilus- 

commentar  nicht  identisch  sein 131 — 148 

§  4.   Der  von  de  la  Bigne  veröffentlichte  Commentar 
ist  eine  Compilation,  die  frühestens  der  zweiten 

Hälfte  des  5.  Jahrhunderts  angehört 148 — 157 

§  5.   Ergebnisse 157 — 158 

Cap.  II.    Bestätigung  der  Ergebnisse  durch  die  zum  ersten 

Mal  benutzte  Brüsseler  Handschrift 159 — 175 

§  1.    Alter  und  Geschichte  der  Handschi-ift 160 — 161 

§  2.   Die  Handschrift  enthält  den  von  de  la  Bigne  ver- 
öffentlichten Commentar 161 — 162 

§  3.    In  dem  Prologe  zum  Commentar  bezeichnet  der 

anonyme  Verfasser  sein  Werk  als  eine  Compilation  162 — 169 
§  4.    Abschliessende  Untersuchung  über  das  Alter  des 
Commentars;    Vergleichung    mit    den  AUegoriae 

S.  Scripturae  des  Isidor 170—174 

§5.   Werth  und  geschichtliche  Stellung  des  Commentai-s  174 — 175 


Druck  von  Augiint  Pries  in  Leipzig. 


Verlag    der^J.    C.    Hinriclis'schen  Buchhandlung   in  Leipzig. 

Die  Kirche  Christi  und  ihre  Zeugen 

oder  die 

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Inhalt  niid  Prelis   der   einzelnen  Bände: 

Bd.  I.  Iguatius,  Polykai-pus,  Perpetua.  M.  3.  —  Bd.  II.  Irenäus.  M.  4.  20. 
Bd.  III.  1.  2.  TertuUianus.  M.  12.  60.  Bd.  IV.  Cyprianus.  M.  4.  20.  Bd.  V. 
Origenes  und  Klemens.  M.  7.  20.  Bd.  "VI.  1.  2.  Athanasius  und  Arius.  M.  13.  80. 
Bd.  VII.  Basilius.  M.  4.  20.  Bd.  VIII.  Gregor  von  Nyssa,  Gregor  von  Nazianz. 
M.  6. —  Bd.  IX.  Chrysostomus  und  Olympias.  M.  4.  20.  Bd.  X.  Ambrosius. 
M.  2.  40.  Bd.  XL  1.2.  Augustinus  M.  15.  —  Bd.  XII.  Leo,  Gregor  der  Grosse. 
M.  6.  —  Bd.  XIII.  Kolumban  und  St.  Gall,  Bonifazius,  Ansgar.  M.  4.  20. 
Bd.  XIV.  Anselm  von  lüinterbury,  Bernhard  von  Clairva\ix,  Arnold  von 
Brescia.  M.  6.  —  Bd.  XV.  Peter  Abaelard.  M.  4.  20.  Bd.  XVI.  Heloise, 
Innozenz  III.,  Franziskus  von  Asisi,  Elisabeth  von  Thüringen.  M.  4.  80. 
Bd.  XVII.  Johannes  Tauler.  M.  3.  —  Bd.  XVlil.  Heinrich  Suso,  Johannes 
Rusbroek,  Gerhard  Groot.  M.  3.  —  Bd.  XIX.  Florentius  Radevynzoon, 
Thomas  von  Kempen.  M.  2.  40.  —  Bd.  XX.  1.  2.  Johannes  von  Wyklifie. 
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von  Janow.  M.  1.  80.  —  Bd.  XXIL  1.2.  Johann  Hus.  ä  M.  3.  60.  —  Bd.  XXIII. 
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commentationem  isagogicam  praetexuit 

Constant.  de  Tischeudorf. 

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NOVUM  TESTAMENTUM  GRAECE. 

Ad  antiquissimos  testes  denuo  recensuit  delectuque  critico  ac  prolegomenis 

instruxit 

Constant.  de  Tiscliendorf. 

Editio  critica  minor  ex  VIII.  majore  desumpta    1.  u.  2.  Hälfte. 

1872-77.    1056  Seiten.     M.  10.  — 

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Jahre  liefern  zu  können. 

Druck  von  August  Pries  in  Leipzig. 


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